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Part of Die Volkstrachten in den Ostseeprovinzen und in Setukesien
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DEM ANDENKEN
JAKOB H U R T S
IN EHRFURCHTSVOLLER ERINNERUNG
VOM VERFASSER GEWIDMET
Inhalt.
Vorwort.
I Theil.
I. Hemden, Blusen und Kragen
II. Kittelartige Kleidungsstücke . . .
III. Weiberröcke, Mieder und Schürzen
IV. Überröcke nnd Jacken . . .
V. Hosen und Westen der Männer .
VI. Gürtel, Bänder und Taschen .
VII. Umlegetücher . .
VIII. Kopfbedeckungen .
IX. Schmucksachen .
X. Handschuhe .
XI. Fussbekleidung .
Seite.
1
8
9
17
24
27
34
38
^7
61
33
. . . .
II Theil.
I. Estnische Tracht.
I. Setukesien .
II. Kreis Werro .
III. „ Fellin .
IV. „ Pernau
V. „ Wiek
VI. „ Harrien . .
VII. „ Wierland .
VIII. „ Dorpat
IX. Insel Kühno.
X. „ Mohn .
XI. „ Ösel. .
XII. „ Dagden
,
,
,
3
4
1
13
19
24
27
28
30
31
32
38
44
II. Schwedische Tracht.
I. Dagden .
II. Worms
III. Nuckö .
IV. Roginseln
V. Runö
Seite.
72
74
79
82
85
III. Lettische Tracht.
I. Bartau und Rutzau .
II. Al sek wangen
III. Verschiedene Gegenden.
93
98
105
IV. Livische Tracht .
Tafeln (I—XXXI).
109
V o rw o rt
Folgende Sammlungen liegen dieser Arbeit zu Grunde:
1) Die estnische ethnographische Sammlung der Gelehrten Estnischen Gesellschaft
zu Dorpat. Die Sammlung wurde im Aufträge der Gesellschaft von Dr. 0. Kallas zu Stande
gebracht. Zu diesem Zweck hatte der livländische Adel 1000 Rubel veranschlagt. Die
Sammlung war während des X. russischen archäologischen Kongresses in Riga 1896 aus
gestellt, und zugleich erschien auch ein kurzgefasster Katalog derselben in deutscher
Sprache. Kallas’ verdienstvolle Beschreibung in estnischer Sprache wurde leider nicht
veröffentlicht; ich habe jedoch eine Abschrift von derselben erhalten, die mir von grossem
Nutzen gewesen ist. Die Signatur 0. K. in vorliegender Schrift bezeichnet einen Hin
weis auf diese Abschrift. Im Januar' 1901 hatte ich Gelegenheit Photographien von
dieser Sammlung zu nehmen, von denen viele hier wiedergegeben worden sind.
2) Die lettische ethnographische Sammlung in Riga, die gleichzeitig mit der
obigen zusammengebracht wurde und während des ebenerwähnten Kongresses ausgestellt
war. Ein Katalog derselben war in lettischer, russischer und deutscher Sprache erschie
nen. Photographien von dieser Sammlung wurden von mir theils im Januar 1901, theils
im Mai 1902 genommen. Einige dieser Photographien sind hier reproduciert.
3) Die ethnographischen Sammlungen aus den Ostseeprovinzen und Setukesien
im ethnographischen Museum zu Helsingfors.
Mit Ausnahme von einigen Gegenständen, die früher ins Museum gerathen waren,
wurde die erste Sammlung estnischer Trachten im Jahre 1885 vom Unterzeichneten aus
Mohn und Dagden (Inventarium des Museums N:o 2396, 492—504) gebracht. Darauf
übersandte Dr. V, Woionmaa (Wallin) eine Anzahl Gegenstände, die er gesammelt, als er
Prof. E. N. Setälä auf seiner Forschungsreise unter den Liven im Jahre 1888 begleitete (Inv.
d. M. N:o 2623, 1—16). Im Jahre 1893 wurde von Dr. 0. Kallas für unser Museum eine
Sammlung estnischer Trachten aus Witebsk, Dagden, Osel und Mohn angeschafft (Inv.
d. M. 2925, 1—80). Dr. E. A. Tunkelos (Ekmans) Sammlung von Gegenständen, die zur
setukesischen Tracht gehören, stammt vom Jahre 1900 (Inv. d. M. 2701, 1—39). Schliess
lich wurden Trahtengegenstände in den Ostseeprovinzen und Setukesien für die „Antellschen Sammlungen“ während dreier Reisen in den Jahren 1901 und 1902 vom Unter
zeichneten gesammelt (In. d. M. 3944, 1—180; 4002, 1—622; 4106, 1—492 und 729 —894).
Auf der ersten Reise begleitete mich der Zeichner W. Mattila, von dessen Hand einige
Bilder in dieser Arbeit herrühren. Während der zwei folgenden Reisen war ein Photo
graphieapparat mein Reisegefährte.
Die Orthographie der estnischen Benennungen verdanke ich Dr. 0. Kallas. In
Betreff der schwedischen Schreibweise habe ich versucht mich nach dem „Ordbok öfver
estländsk-svenska dialekterna“ von A. 0. Freudenthal und H. A. Wendell und dem
„Runömälets ordbok“ von dem letztgenannten zu richten. Uber die Rechtschrei
bung und Aussprache der lettischen Namen hat Herr M. Silin in Riga die Gefälligkeit
gehabt mir schriftliche Anweisungen zu geben, denen ich leider nicht in Allem habe
folgen können, da es der Druckerei an specifisch lettischen Lettern mangelte. Die
livischen Benennungen sind von Prof. E. N. Setälä transscribiert.
Iu der allgemeinen Übersicht habe ich im Anfang jedes Kapitels im ersten Theil
dieses Buches vorzugsweise mich der vortrefflichen Darstellung von Karl Rohrbach in
dem Werke; „Die Trachten der Völker“ von Albert Kretschmer und Karl Rohrbach be
dient, wo der Text vom letzteren abgefasst ist. Aber eine vielleicht noch grössere Anzahl
von Pakten habe ich den an Details reichen Arbeiten von Friedrich Hottenroth „Trachten
der Völker“ und „Deutsche Volkstrachten“ entlehnt. Zugleich habe ich die prachtvolle
Arbeit von Albert Kretschmer „Deutsche Volkstrachten“ zu erwähnen. Als nordische
Quellen haben mir u. A. Hans Hildebrands „S voriges medeltid“, Troels-Lunds „Dagligt
Liv i Norden i det 16:de Aarhundrede“ IV und X B. und P. G. Wistrands „Svenska
folkdräkter“ gedient. In der Detailbehandlung ist eine Menge anderer Verfasser an
gegeben.
Schliesslich will ich noch erwähnen, dass ich im Jahre 1904 Gelegenheit hatte
mit einer Unterstützung aus finnischen Staatsmitteln eine kurze Studienreise nach mehre
ren Museen in Russland, Oesterreich, Deutschland, Dänemark und Schweden zu unter
nehmen.
Die Zeichnungen zu den Tafeln und einige Abbildungen im ersten Theil dieses
Werkes rühren von Fräulein Deli Brunou (nunmehr Frau von Nandelstadh) her. Die
Arbeit ist aus dem Finnischen und Schwedischen von Lektor E. W. Palander ins
Deutsche übertragen.
Helsingfors im Juni 1909.
Der Verfasser.
11. Kittelartige Kleidungsstücke.
9
Mordvininnen und anderer ostfinnischer Weiber, bei denen Hemd und Rock ein und
dasselbe Kleidungsstück bilden. Auf den Inseln der Ostseeprovinzen werden hemdartige
Oberkleider angetroflen, die hauptsächlich beim Seehundsfange im Winter getragen
werden. Es sind dies — sJciütwams T. I 10, pusawams T. I 13 auf Runö und vammus
in Kühno T. I 12, die sämmtlich aus Wollenstoff verfertigt werden. Früher gab’s weisse
Leinwandskittel (huit nt) auch auf Nuckö (Ruszwurm, Eibofolke, II- 62). Auch in tech
nischer Hinsicht sind es lange „Hemde“, an denen der Vorder- und Rückentheil aus
demselben Stück Zeug gemacht sind. In der Form T. I 12 sind an die Hüften Keile
-gefüg;t, die auch den Hemden nicht fremd sind. An diesem Kittel erinnern sie jedoch
mehr an die Keile des langen Rockes T. IX 1. Die erwähnten Benennungen bezeugen
ebenfalls, dass diese Kleidungsstücke in praktischer Hinsicht durchaus, keine Hemde,
sondern Oberkleider sind. Der Form nach ist der Frauenpelz in Worms kunukask aus
Schaafswolle T. I 14 — gleich dem langen Hemde mit Ärmeln, der ringsum den Leib
eine Naht hat; dieser kask hat jedoch Falten im Rücken, wie viele andere Pelze von
gewöhnlicher Form, vgl. T. XI 5—6. An diese Form fügt sich auch das Kinder
kleid T. V 2 an.
Eine Art kurzer Kittel bilden die aus Wolle verfertigten „Hemde“, die sowohl
bei den Männern als Frauen üblich sind. Obgleich der Hauptzweck derselben den Körper
zu wärmen ist, sind dieselben oft in sehr hübschen Mustern gestickt, T. II 5, 7—8 und
10. Sie sind alle ohne eigentliche Kragen, aber an den Ärmelöffnungen bisweilen mit
einem die Öffnung verengenden Querl versehen. In der Praxis entsprechen diese wol
lenen „Kittel“ den Frauenblusen — daher das Ausschmücken derselben.
Die Benennung dieses wollenen „Kittels“ oder richtiger Wammses bei den Esten
ist vati T. II 5 und 8, troi T. II 10 und bei den Schweden auf RunÖ icams T. II 7
und N:o 586. Die Sammlungen enthalten keine kurzen wollenen Wammse aus lettischem
und livischem Gebiet. — Sonst ist das Wamms ein mittelalterliches Kleidungsstück, aus
welchem die Weste sich.entwickelt hat (sieh’ Kap. V).
III. Weiberröcke, Mieder und Schurzen.
A. Allgemeines.
Ebenso wie der Kittel ein Vorgänger des Hemdes ist, bildet er auch die ursprüng
liche Form des Frauenrockes. Im Mittelalter begann man sich in mehrere hemdartige
Leibröcke zu kleiden, die übereinander gezogen wurden, wo indessen ein jeder von
ihnen, sowohl was Material, als Schnitt und Form im Übrigen betrifft, etwas verschieden
war. Ein solcher Unterrock konnte ohne Ärmel sein (vgl. T V 1), oder blieben dieselben
lose hängen, weshalb man besondere Öffnungen an der Schulter für die Arme machte.
2
iÖ
111 . Weiberröcke, Mieder und Schürzen.
In Central-Asien werden hängende Ärmel auch jetzt noch gebraucht; dieselben werden auch
auf unserem Specialgebiet angetroffen (Taf. V 4). Gegen Ende des Mittelalters wurden
von den höheren Ständen tief ausgeschnittene Kockbrüste getragen, wobei oft auch am
Kücken ein tiefer Keil sich befand, der bis zur Taille offen war (vgl. Taf. X 3). Das
oberste Kleid konnte vorn auch völlig aufgeschnitten sein, so dass das untere, welches
in diesem Falle aus einem kostbaren Stoff bestand, wie ein nach oben zugespitztes Drei
eck strahlte. So kleideten sich auch nach deutscher Weise vornehme Livländerinnen
im 16 Jahrhundert.
Höchst wahrscheinlich ist der russische „Sarafan“ ein Ausläufer von dieser mittel
alterlichen Tracht, im Fall derselbe sich nicht unmittelbar aus dem orientalischen Kaftan
entwickelt hat. Erst in den 1400 Jahren fing man in Deutschland an den langen mittel
alterlichen Kock der Quere nach in der Mitte entzwei zu schneiden, indem man also die
Jacke vom Kocke trennte und dieser an der Taille so befestigt wurde, dass er entweder
mit Bändern am Leibchen festgebunden oder um den Leib geschnürt war. Dieser kurze
Kock ist also aus der Kenaissancetracht der höheren Stände hervorgegangen. In den
Ostseeprovinzen haben wir es jedoch mit einem anderen Rocktypus zu thun, der von
speciellerem und grösseren Interesse als dieser ist.
Im vorigem Kapitel wurde des griechischen „Chitons“ erwähnt. Derselbe war
ursprünglich ein Schurz aus einem viereckigen Stück Zeug (gewöhnlich aus Wolle), der
um den Leib gebunden wurde. Darauf wurde er so aufgeschürzt, dass die obere Borte,
welche quer über der Brust lag, unter dem einen Arm und quer über den Rücken ging,
vermittelst einer Schnalle über der einen, oder auch über beiden Schultern befestigt wurde.
Die Arme waren dann nackt — aber für sie hatte man den Mantel. Der Chiton war
natürlicher Weise an der einen Seite offen, aber er konnte auch festgenäht werden, und
dann war diese Naht mit Broderien und Bändern geschmückt. Uber der Brust und dem
Bücken konnte das Zeug auch doppelt gebogen werden, bevor die Nadel der Schulterschnaell durchgestochen wurde. Später hatte der Chiton auch Ärmel.
Durch zahlreiche Grabfünde hat es sich erwiesen, dass eine vielleicht ebensolche
Chitontracht in Finland wenigstens im XII—XIY Jahrhundert allgemein war 1.
Aber auch von anderen Seiten her und aus verschiedenen Zeiten findet man
Andeutungen, dass eine solche Tracht in den Ländern an der Ostsee vorgekommen sei.
Schon Tacitus erwähnt, dass der Frauenrock bei den Germanen keine Ärmel hatte. Ein
ähnliches Verhältniss findet bei den ostgermanischen Frauen (und Männern) auf der
Siegessäule des Marc Aurel Statt: sie trugen einen Chiton, der an der einen Seite offen
sein kann und Schnallen auf den Schultern hat. Man scheint jedoch der Ansicht zu sein,
dass dieser Rock entweder aus einem, oder zwei Stücken Zeug bestand, und im letzteren
Fall, das eine für die Vorder-, das andere für die Rückenseite. Wenn man nun noch
Ärmel hinzufügte, wurde dieser Rock identisch mit dem obenerwähnten Kittel. So be1 Sieh’ A. 0. Heikel, Tuukkalan löytö. Suomen Muinaismuisto-ydistyksen Aikakauskirja —
Die Zeitschrift d. finn. Altertumsgesellschaft — X. Helsinki 1889. S. 192. Fig. 84, 87. — Th. Schwindt,
Karjalan rautakandelta. S. M. Yhd-n Aik. (D:o Zeitschrift) XIY. Helsinki 1892, S. 115—117. Fig. 374-376,
378 u. s. w. — Hj. Appelgren-Kivalo, Finnische Trachten aus der jüngeren Eisenzeit. Helsingfors 1907.
S. 33, 38, 48 nebst Tafeln.
III. Weiberröcke, Mieder und Schürzen.
11
schaffen scheint der deutsche Rock bis an das Ende des Mittelalters gewesen zu sein,
wo, wie eben erwähnt, die Trennung in die Quere gemacht wurde. Desshalb kann Hottenroth auch behaupten: „der Chiton ist sprachlich wie sachlich unserem Kittel verwandt“.
Dies war jedoch nicht überall der Pall, sondern hat im Gegentheil der ursprüngliche
Chitontypus an einigen Orten in und um die Ostseeprovinzen sich bis auf unsere Tage
erhalten. Nicht ohne Grund hat man desshalb im vorigen Jahrhundert die Anmerkung
gemacht, dass die Bewohner'vom preussischen Litthauen eine beinahe griechische Tracht
trugen. Ebenso sagt Kruse, dass die Mädc henauf Mohn, wenn sie im blossen Hemde auftraten,
an die mit Chiton bekleideten griechischen Dirnen erinnerten, die als Mundschenkinnen
dienten. Weniger Erstaunen dürfte erregen, dass dieser oder ein verwandter Rocktypus
bei minder civilisirten Völkerschaften fortlebt. So weiss man von den Beduinenweibern
in der unteren Nilgegend, dass sie ein Hemd tragen, das aus zwei weiten und langen
Tüchern besteht; diese Tücher sind über den Achseln her, sowie auf einer Seite
oder auf beiden Seiten mit Ausschluss weiter Öffnungen für Kopf und Arme zusam
mengenäht.
Aber auch in anderen, ausser den östlich von der Ostsee belegenen Gegenden
findet man Spuren von diesem Typus. Die, friesische Volkstracht zeigt am Rock eine
Nestelverschnürung längs der linken Seite, die nebst den Schulterspangen auf ihre Ent
stehung aus dem chitonförmigen Rock zu deuten scheint. In dem inneren Russland
(Rjäsan, Tula, Orloff) wird ein „liOHeßa“ genannter Rock getragen, der nur aus einem
Stück Zeug besteht, das wie ein Rock getragen wird, und welches an der einen Seite
offen, oder daselbst mit einer anderen Art Zeug zusammengenäht sein kann (vgl. in der
Detailübersicht „hurstut-rock“). In Betreff der männlichen schottischen Tracht wird
gesagt: Der alte Lenden schürz, der Kilt, hat sich erst in ziemlich später Zeit in ein un
serem heutigen Frauenunterrocke völlig gleiches Kostümstück sowie in eine Weste
geteilt und verwandelt. Auch in Schweden findet man Spuren von diesem Rocktypus.
Dort kommen nämlich Röcke, Hemden, sowie auch Leibchen vor, die von Tragbändern
gehalten werden (vgl. den Rock aus Worms in der Detailbehandlung); ebenso hat man
in Frauengräbern aus der Heidenzeit Paarweise Fibeln gefunden, „die (nach Wistrand)
aller Wahrscheinlichkeit nach in gleicher Weise wie die finnischen gebraucht wurden“,
und zugleich sind bei den ersteren offenbar die Tragbänder an die Stelle der Schulterspangen
aus der Heidenzeit getreten. Zu dieser Gruppe gehört sicherlich auch der mittelalterliche
„sorkot“. — Übrigens tragen die Polen in Österreich auch jetzt noch mit Tragbändern
versehene Hemde „cieszyn“ d. h. Teschen. Der slawische „oplecek“ im nördlichen Un
garn dürfte dagegen ein Rock mit Tragbändern sein. In einer Gegend von Siebenbürgen
besteht der Rock (szoknya) aus einem viereckigen, gefärbten Stück Zeug, das an der
Taille befestigt wird, aber vorn nicht festgenäht ist und hier von einer aus vielen
bunten Streifen zusammengenähten Schürze bedeckt wird. Auch in Deutschland, z. B.
in Baden, werden Leibchen getragen, die mit Bändern an der Schulter befestigt sind.
Dasselbe, was Wistrand in Betreff der Paarweise gefundenen Spannbuckeln aus
der schwedischen Heidenzeit erwähnt, kann man auch von den Schildkrötenfibeln sagen,
die in den Gräbern aus dem Ende der Heidenzeit in den Ostseeprovinzen gefunden
sind, und die von Hausmann nur für Kettenträger angesehen werden, was sie wohl auch
12
III. Weib errodee, Mieder und Schürzen.
gewesen sein mögen, aber zugleich haben sie sicherlich dazu gedient den chitonartigen
Rock an den Schultern zu befestigen. (Sieh’ Abb. III).
Dieser Chitonrock hat natürlich nichts mit der altgriechisehen Tracht zu schaffen,
die während der französischen Revolution aufkam. Das Hemd ohne Ärmel, das auf den
Schultern zugeknöpft wird, ist jedenfalls bei den Frauen der höheren Stände eine modernisirte Form vom alten Chiton.
Man könnte die Annahme, das der griechische Chitontypus sich über die Länder
an der Ostsee ausgebreitet, und dass Spuren davon in den zwischenliegenden Ortschaften
bis auf unsere Tage wahrgenommen werden können, für übereilt an sehen. Hier hat man
jedoch zunächst zu beachten, dass dieser Kleidertypus schon in der entferntesten Vor
zeit im Orient und auch anderweitig bekannt war, wo er aus dem einfachen um die
Taille gelegten Schurz hervorgegangen ist. Dieses einfache Kleidungsstück entwickelte
sich in Griechenland zu einer welthistorischen Tracht und kann daher gern auch ander
weitig „Chiton“ genannt werden. Ferner haben wir eine treffende Parallele in der
Wanderung des vierseitigen griechischen Haustypus’ nebst Vorhalle dem Norden zu.
(Sieh’ R. Henning, Das deutsche Haus. S. 107.)
B. Detailübersicht (Taf. IV—V).
Röcke mit Ärmeln kennt man nicht, falls man nicht die Kinderkleidchen T. V
2 in Betracht nimmt, was im vorigen Kapitel erwähnt worden ist. In Setukesien wird
allerdings ein Rock mit sehr langen Ärmeln getragen, aber da werden die Hände nicht
hineingesteckt, sondern sie schlottern nur lose am Rücken T. V 4. Nachdem diese rudi
mentären Ärmel vollständig verschwunden sind, hat sich jetzt der gewöhnliche ärmellose
Frauenrock ausgebildet T. V 1.
Auch alle übrigen Röcke sind ohne Ärmel und kurz, d. h. sie reichen nur bis
an die Taille. Einige Röcke sind mit Achselschnüren oder einem Mieder versehen,
anderen fehlen dieselben. Obgleich der Rock von Achselbändern oder vom Mieder
getragen wird, wird derselbe doch von Bändern zusammengezogen, die an der oberen
Öffnung des Rockes befestigt sind. Am Rocke T. IV 3 und 8 findet man jedoch
keine Schnürbänder. Daher hängen diese, an der Taille immer weiten Röcke, nur an
den Achselbändern und sind an der Taille gar nicht festgebunden, wie alle übrigen
Röcke. Wie lässt sich diese Eigenthümlichkeit erklären?
Noch im letzten Jahrhuudert gewahrte man an einigen Orten im finnischen Karelen und in Ingermannland Röcke, die eigentlich nur viereckige an Achselbändern hän
gende, den Körper bedeckende und an einer Seite offene Zeugstücke waren. Von diesen,
sogenannten hurstut(Tuch)röcken, giebt es einige im etnographischen Museum zu Helsingfors. Zu jedem Rocke gehören gewöhnlich zwei Stücke, von denen das eine die Seiten
öffnungen des anderen deckt. Bisweilen wdrd ein solches viereckiges Kleidungsstück
als Oberkleid getragen (Abb. II). In früheren Zeiten sollen solche Röcke auch in der
Gegend von Werro und Fellin gebraucht worden sein. Derartig w7äre gerade der pallapool T. IV 6 gewiesen, der ursprünglich an der einen Seite offen wrar (N:o 66 und 101).
III. Weiberröcke, Mieder und Schürzen.
13
Das zweite Stück desselben bildet palla pooliku pääliku tülek d. h. der obere Tkeil oder
Schürze des Unterrockes 1, von dein ich nur einige Stückchen erhalten konnte (N:o 103).
Im Kirchspiel Hallist im estnischen Livland soll man auch einen solchen, an der Seite offe
nen Kock getragen haben, an dessen Saum man zu den Feiertagen einen Gürtel nähte.
Diese Kleidungsstücke entspäche^n also den karelischen oder ingermannländischen
Hurstut-röcken. Die Existenz eines solchen Kocres bestätigt auch Hupel, indem er
sagt (Top. Nachr. II 179): „In Jerwen tragen (die Weiber) keine Unterröcke, sondern
an deren Statt ein Stück dickes wollenes Zeug, oder im Sommer dicke Leinwand, welche
sie mit einem gewirkten Gurt um den Leib befestigen“ -------„Im Helmetschen ist
gemeinlich weder der Untertheil der Weiberhemde, noch das
Tuch welches sie anstatt des Unterrockes tragen, zusammengenähet: durch die Gewohnheit ist das Weibsvolk sehr gleichgültig,
wenn sich bey ihrer Arbeit und im Gehen ihre Lenden ohne
Bedeckung zeigen. Im Dorptschen und Jerwen besetzen sie das
wollene Zeug, welches den Unterrock bey ihnen vorstellt, unten
mit allerley Glaskorallen; ein solcher Festbesatz, wenn er Blumen
weise auf rothes Tuch genähet ist, (welches für arme Deutsche
ein Mittel des Erwerbs giebt), wiegt sehr schwer, und kostet 3
bis 5 Kübel“. — So sagt auch Kruse (Necrolivonica S. 33): „Die
Esthinnen in der Gegend des Peipus Sees tragen noch jetzt oft
keine zusammengenähten Köcke, sondern ein viereckiges Stück
Tuch um die Hüften gewickelt, welches bis zu den Füssen hin
abgeht“. — Eben solche, nicht zusammengenähte Köcke scheinen
auch die preussischen Litthauerinnen früher getragen zu haben. (Eine
solche volksthümlich gekleidete, eine Litthauerin vorstellende, Puppe
sah ich in dem Völkerkunde-Museum zu Königsberg). Ja PräAbb. II. Mädchen
im „hurstut“-rock ans
torius 12 sagt: „Der Unterleib wird bedeckt mit 2 roth und weiss dem
Joutseno,
strichweise geworbenen Decken, die von beiden Seiten den Un G-ouv.Kirchsp.
Wiborg. Finland.
(In dem J. 1880).
terleib bis an die Füsse bedecken“. — Zu Hupels Zeit scheint
das estnische Weibsvolk nur in Harrien ordentliche „gefaltene
Unterröcke“ getragen zu haben. — Der kleinrussische Weiberrock ist noch heute ein
doppelt gelegtes und vom Gürtel getragenes Stück Zeug.
Wie wir unten sehen werden, wird der Weiberrock estnisch u. A. kört od. kört
genannt, was gerade „um den Leib geschlungenes Tuch“ bedeutet (Wiedemann-Hurt,
Ehstn. Deut. Wörterbuch).
Uber die Entwickelung der Mctrgine bei den Litthauerinnen berichtet A. Zwick
(Litauen, S. 155, 156) Folgendes: „Die alte Margine (von margas bunt) bestand aus zwei
Stücken bunten Zeuges, das sie selbst verfertigten. Von jeder Seite wurde eines unter
dem Arm um den Leib geschlagen und die beiden obern Zipfel über der entgegensetzten
1 „Palla poolik“ heisst eig. „leinener Unterrock“ (Wiedemann-Hurts Ehstn. Deut. Wörterbuch).
In Skäne in Schweden heisst Hemd auch „pala“ (WiStrand, Svenska folkdräkter. S. 1).
2 Matthäus Prätorius, Delicise Prussicse oder Preussische Schaubühne. Herausgegeben von W.
Pierson. Berlin 1871. M. Prätorius war Pastor in Niebudzen im Kr. Insterburg und starb im J. 1707.
14
I I I . Weiberröcke, Mieder und Schürzen.
Schalter zusammengeknüpft oder mit Schnallen befestigt, so dass die Arme zwar -frei
bleiben, Leib und Rücken aber doppelt bedeckt war, da die beiden Stücke hier über
einander lagen. Um den Leib wurden diese durch einen bunt gestrickten Gürtel zu
sammengehalten. Zu Winter hingen sie dann noch eine weisse wollene Decke über die
Schultern“. — „Diese alte Tracht ist allmählich durch ein weites, faltiges Röckchen von
koketter Kürze verdrängt, das von der Hüfte bis zum Schenkel herabreicht. Es wird
ebenfalls Margine genannt, besteht meistens aus Wolle, selten aus Seide und zeigt eine
bunte Farbenmischung, oft in eigenartiger Zusammenstellung; besonders ist der untere
Rand durch Streifen von lebhafter Farbe geschmückt“. Also wäre aus einer dem „hurstut-rock“ ähnlichen Margine ein Rock desselben Namens entstanden.
Eine hiermit analogische Entwickelung scheint die raibita der Lettinnen darzi;bieten. Es wird nämlich gesagt: raibita hat in Volksliedern noch die ursprüngliche Be
deutung: bunte Decke, Tuch, das ehemals die Weiberkleidung bildete, an zwei Zipfeln
auf der Schulter mit einer Spange ssagts, um den Leib mit einem Gürtel zusammenge
halten (= litt, margine); oder ein Stück Zeug um die Hüften gewickelt und mit einem
Gürtel befestigt. Daher raibe, raibes, raibi gestreifte, bunte Weiberröcke (Magazin — von
Lettisch-Lit. Gesell. Mitau. 1905. B. 20. S. 160). — Auch Kretschmer sagt: „Früher
wurde dieses Tuch (Margine) um den Leib gewickelt, dann auch dergestalt um den
Körper gelegt, dass dasselbe von der linken Schulter herabhängend den rechten Arm
freiliess und gegürtet wurde“. (Deutsche Volkstrachten. T. 11—12). —
Die behauptete Eigenthümlichkeit des ebenerwähnten Rockes aus Worms scheint
daher zu stammen, dass die Form eines solchen geschlossenen kurzen Rockes aus dem
offenen viereckigen Kleidungsstück, das an Achselbändern hängt, sich entwickelt hat.
Das Festbinden oder Zuschnüren des Rockes an die Taille wäre also etwas verhältnissmässig Neues.
Die Achselbänder hängen entweder lose T. IV 2, oder sind an den Querl des
Rockes festgenäht T. IV 1. An die festen Achselstückchen sind an einigen Röcken
auch andere Zeugstückchen genäht, wodurch eine Art von Mieder entstanden ist T. IV
3, 4, 8. Dasselbe ist an diesen Kleidungsstücken ganz einfach und nicht geschmückt,
schon aus dem Grunde, weil es von der Bluse oder Jacke bedeckt werden soll. An
anderen Röcken scheint dieses Mieder vollständiger zu sein; weil es zum Zweck hat
zum Theil sichtbar zu sein, ist es aus bunten Zeugstücken gemacht T. IV 9, 14, 16.
Man könnte daher vermuthen, dass das Mieder als besonderes Kleidungsstück
wenigstens in einigen Fällen T. IV 15; V 10, durch Freiwerden des Mieders vom Rocke
entstanden wäre. Bei diesen kann es wohl der Fall sein, wodurch das Mieder sich zu
einem selbstständigen Kleidungsstück aus Achselstückchen entwickelt hat.
Von allen Miedern kann dieses jedoch nicht behauptet werden und deren ur
sprüngliche Formen sind wohl ausserhalb der Ostseeprovinzen zu suchen. Derartige
Mieder sind wohl die Formen T. V 5, 6, 8 und 11, die nur durch die fehlenden Ärmel
sich von den Jacken T. VIII 3; VII 1, 11 und 8 unterscheiden. An diesen Miedern sind
der Schnitt am Rücken und die Gürtel gleichartig, aber zugleich anders als an den zu
den Röcken festgenähten Miedern. Ebenso hat die Form T. V 3 ein Pendant an dem
langen (Männer-) Rock T. IX 9, welcher dieselbe Länge (und zum Theil denselben
111. Weiberröcke, Mieder und Schürzen.
15
Namen) hat (vrgl. N:o 429 und 430), der sich aber durch Vorhandensein der Ärmel von
derselben unterscheidet. Erstere kann nur im Sommer, wo man keine Ärmel zu tragen
braucht, als Überrock dienen. Eine Art Mieder war wohl die ärmellose, rothe „Jacke“,
die von den Mädchen in Kertel auf Dagden früher auf dem Oberhemd getragen wurde
(Ruszwurm, Eibofolke II 61).
Die estnische Benennung des Mieders auf Osel ist porst, wenn dasselbe am Rocke
fest sitzt T. IV 14 und 16, wenn es aber lose ist abud T. IV 15; V 10 und N:o 288,
291 oder vest V 8, liistilcud T. V 11 oder vaft N:o 291, 292. Auf Dagden nennt man
es öööder (N:o 416).Das Mieder aus Schafsfell auf Mohn heisst auch vest oder
vatt (N:o 242). Die Benennung des langen Mieders T. V 3 ist auch kehäkuub od.
vähäjaku.
Auf Runö ist der Name des Mieders (und auch der Weste T. V 7) snevcel T
V 9 und 12. Bei den Letten heisst es liivstikis (lihbstikis) od. bürste T. V 5, bei den
Liven bnorst T. V 6. Die Sammlungen haben keine Mieder aus anderen Gebieten auf
zuweisen.
Bei den Setukesen ist die Benennung des Rockes rüüd T. V 4, aber von gleicher
Form sind auch die Röcke Namens sulckman und kitasnik N:o 7, 8, oder sind es wenig
stens früher gewesen. Von dem estnischen pallapool war soeben die Rede. Der pallapool heisst auch aluskuub Unterrock (N:o 114, vgl. T. IV 11). Den Namen Umbrik tragen
auf Mohn speciell alterthümliche Röcke T. IV 7 (N:o 231, 231 b). Übrigens wird auf
dem Festland und. in Kühno der kurze Rock kört oder Icörtsik (N:o 90, 99, 113, 190)
benannt. An anderen Orten auf dem Festlande dienen aluskört und aluskuub (N:o 135
und 136) als Röcke. Auch auf Ösel und Dagden wird der Rock kuub genannt und
scheint früher einfarbig mit einem bunten Bande am Saum T. IV 16, oder auch ohne
ein solches gewesen zu sein T. IV 4. Als dieser einfache Rock im letzten Jahrhundert
ausser Brauch kam, trat entweder der kirikuub, an dem die bunten Streifen quer über
den Rock laufen T. IV 14, oder auch der küütkuub, wo sie sich längs dem Rocke, von
oben nach unten erstrecken T. IV 1 (N:o 282), an die Stelle. — Von diesen Röcken
spricht schon Kruse, indem er sagt: „Er (der Rock) ist gewöhnlich bei den Letten und
Esthen des Festlandes von selbst gewebtem Zeuge mit der Länge nach heruntergehenden
blauen, rothen, gelben und grünen Streifen; bei den Esthen auf der Insel Oesel ist er
in die Breite concentrisch gestreift“. — Ruszwurm bemerkt (Eib. II 57), dass die bunt
gestreiften Röcke auf Nuckö und in Wichterpal sichtbarlich durch estnischen Einfluss
in Brauch gekommen seien. Schon Petri erwähnt (Ehstland II 177), dass die estnischen
Röcke länger und reicher an Falten sind als die deutschen und reichlicher mit Borten
und Tressen besetzt. — Zur Klasse der kirikuub gehört der schon früher erwähnte
ümhrik, der auch eine Varietät desselben ist (N:o 278). Der moderne orangefarbene
Rock auf Mohn ist seelik T. IV 18, welcher den ümbrik aus dem Gebrauch verdrängt
hat (N:o 232).
An manchen Orten auf Dagden wird der weisse Rock särk genannt T. IV 12,
der auch als Hemd dient (N:o 413). Ebenso benennen die Schweden mit dem Worte särk
an einigen Orten den Rock (N:o 550), an anderen das Hemd (N:o 528). In Worms wird
damit sowohl der Rock, als auch das Hemd bezeichnet (N:o 478, 479), obgleich bei den
16
III. Weiberröcke, Mieder und Schürzen.
Schweden der Rock sonst sowohl unter dem Namen tiol T. IV 3 und Hol (N:o 514),
als auch imärk T. IY 19 (N:o 531) vorkommt.
Also machen weder die Esten, noch die Schweden in Betreff des Namens einen
Unterschied zwischen Rock und Hemd. Dasselbe behauptete schon Kruse (Necrolivonica,
S. 8). So ist es auch in der Praxis. Als die Rede vom Hemde war, wurde erwähnt,
dass die Frauen bisweilen nur mit einem Hemd bekleidet gehen, als wäre dasselbe ei
gentlich ein Rock. Wir haben oben schon angedeutet, dass man andererseits den Rock
als einzige Bekleidung des Körpers angewandt, gleichsem als ob derselbe zugleich ein
Hemd wäre. Aber wenngleich Praxis und Benennung gleich sein können, sind dennoch
die Hemdformen T. I 8 und IY 8, auf verschiedene Weise entstanden. Die eine ist der
Form nach ein Hemd, die andere ein Rock.
Bei den Liven ist serk (N:o 673) die Benennung des Rockes, aber auch amm
scheint sowohl ein Rock als auch ein Frauenhemd zu sein (N:o 672). Röcke lettischer
Form, deren Name lindraics ist, gewahrt man in den Bildern T. IY 9 und 22. Der Form
nach fügen sie sich an die übrigen Röcke in den Ostseeprovinzen. Nur der Rock T.
IY 22, der von rother Farbe und mit feinen, bunten Streifen geziert ist, hat ein eigenes,
volkstümliches Gepräge.
Oft ist der Yordertheil des Rockes glatt, d. h. ohne Falten, und mit einer Schürze
bedeckt. Die Schürzen sind mir nur von estnischem und schwedischem Gebiet bekannt.
Unter den letzteren auch solche aus Runö. Yon den 1860-ger Jahren berichtet doch Schmidt
Folgendes 1: „Auffallend war mir beim weiblichen Geschlechte ein statt einer kleinen
Schürze in den Rock eingewebtes, mit weissen Querstreifen versehenes Stückchen wol
lenes Zeug, das die gewöhnliche Breite einer Schürze hat, aber nicht einmal bis zur
Hälfte des Unterleibes reicht und, wie ein Flicken auf dem Rocke erscheinend, ihm eben
nicht zur Zierde gereicht“. Doch erwähnt schon Ekman (Pastor auf Runö in d. J.
1841—42) der Schürze auf Runö (Beskrifning om Runö, S. 70). Die Bemerkung Schmidts
bezieht sich wohl auf den glatten Th eil an der Vorderseite des Rockes, der in der Regel
ohne Falten ist (N:o 550), ein Umstand, den man an den Werkeltagen, wo man keine
Schürze trägt, gewahrt.
Soeben erwähnten wir eines Rockes, der an der Seite offen ist. Diese Öffnung
wurde von einem anderen Stücke verdeckt (N:o 103). Yon welcher Art das ganze, die
Öffnung bedeckende Stück war, kennen wir nicht. Aber es hatte den Namen einer
estnischen Schürze polierätik. Jetzt findet sich aus derselben Gegend im Museum zu
Helsingfors eine andere, ganze Schürze T. Y 16, die nicht nur in Bezug auf die Orna
mente alt zu sein scheint, indem sie oben dieselbe Breite, wie unten hat; das Zeug ist
also oben durchaus nicht schmäler gemacht, wie an allen anderen abgebildeten Schürzen,
obgleich man auch hier beim Tragen Falten hineinschieben kann, da die Schürze an
dem sie stützenden Bande sich frei bewegt. Daher scheint diese Form ursprünglicher.
Die Verengerungen an den anderen Schürzen werden dadurch erzielb, dass man deren
oberes Ende entweder in Falten legt, die festgenäht sind (T. Y 13, 15, 18 und 19), oder
dieselben werden schmäler zugeschnitten (T. Y 14 und 17).
1 Einige Notizen über die Insel Runö. Vom Superintendenten A. v. Schmidt. Dorpat 1864. Aus dem
Archiv f. d. Naturkunde Liv-, Ehst- und Kurlands 2. Serie, BdV lpag. 533—553, ä parfc abgedruckt. S. 19.
I THEIL.
I. Hemden, Blusen und Kragen.
A. Allgemienes.
Das Hemd ist ein von andern Kleidern bedecktes Unterkleidungsstück, das sich
zwischen diesen und dem Körper befindet. Der griechische „Chiton“ und die römische
„Tunica“ waren Tragkleider, d. h. Kleidungsstücke, die sichtbar sein sollten. Das Hemd
also setzt wenigstens ein anderes Kleidungsstück am Körper voraus und gehört desshalb
nicht zur primitiven Kleidung, die mit einem Schurz am Mittelkörper oder einem Mantel
über den Schultern anfing.
Obgleich man schon im Morgenlande und in der klassischen Yorzeit oft mehrere
Kleidungsstücke an hatte, ist jedoch, unseren heutigen Begriffen nach, das Hemd ein nach
römisches Kleidungsstück und wird am frühesten bei den Anglosachsen nach der Mitte desersten Jahrtausends unserer Zeitrechnung angetroffen. Es war jedoch erst gegen Ende des
Mittelalters, wo das Hemd bei den höheren Ständen häufiger in Gebrauch kam, doch
wurde es von ihnen in Deutschland erst im 18 Jahrhundert allgemein getragen. Im 15
Jahrhundert hatte in Frankreich nur die Königin mehr als zwei Leinwandchemisen.
Die Königin Elisabeth von England besass bloss 6 Hemden. In Schweden kamen Nacht
hemden erst um das Jahr 1500 auf, welches seinen Grund zum Theil darin gahabt haben
mag, dass man um jene Zeit allgemeiner anfing Flachs zu bauen, der in Mitteleuropa
schon zur Zeit der Yölkerwanderung bekannt war. Bald jedoch fing man an die Berei
tung der Hemde für Luxus anzusehen. So verbot man im J. 1612 den schlichten Bür
gerleuten in Lübeck ihren Töchtern mehr als 20 Hemden zur Aussteuer zu geben. In
Deutschland war es noch in den 1500 Jahren den Bauern verboten Hemd mit gestickten
Kragen zu tragen. Es war auch allgemein, das der deutsche Bauer seit der zweiten
Hälfte des 16 Jahrh:s bis zum Anfänge des 18 den Oberkörper mit einem wollenen Hemde
zu bedecken pflegte.
Gegen Ende der Heidenzeit wurde die Leinwand auch in den ostwärts von der
Ostsee belegenen Gegenden allgemein bekannt. So erzählt Adam von Breman, dass in
2
I. Hemden , Blusen und Kragen.
Samland (zwischen Pregel und Düna) Pelzwaaren (von Hermelin) gegen Leinwandzeuge
ausgetauscht wurden, die „Faldone“ (vom deutschen Falten) genannt wurden.
Das Stück Leinwand, welches zu einem Hemde nöthig war, wrurde von den
Slawen und den alten Preussen (Littauern) für eine Einheit beim Tauschhandel angesehen
und galt für eine Art Scheidemünze. Ebenso galt eine Stück Wollenzeug, das man zu
einem Kaftan (langen Rock) brauchte, als Einheit für Steuern und Abgaben. Der altpreussischen Auffassung gemäss war auch das Spinnen und Weben von sowohl Wollen
zeugen als auch von Leinwand eine den Göttern angenehme Beschäftigung.
Diese Auffassung fand sicherlich auch bei den angrenzenden Slawen Statt. Es
ist also kein Wunder, das die weisse Tracht populär und algemein wurde und dem
westlichen Russland sogar seinen Namen verliehen hat. Hier haben sicherlich auch
religiöse Ursachen miteingewirkt (sieh’ Einleitung zum Kapitel IV). Doch war das
Hemd, das hier in Frage steht, kein eigentliches Hemd, sondern ein Kittel, der die ein
zige Hülle des Körpers bildete, wie wir das auch jetzt noch bei den finnischen Volks
stämmen zu beiden Seiten der mittleren Wolga gewahren. Als eine Reminiscenz aus der
Zeit, wo das s. g. Hemd das einzige Kleidungsstück des Körpers bildete, kann man wohl
die an vielen Orten noch herrschende Sitte ansehen, den verzierten Saum desselben
unterhalb des Rockes hervortreten zu lassen.
Wenngleich das Hemd als Kleidungsstück verhältnissmässig neu ist, ist dagegen
dessen technische Verfertigungsmethode aus einem Stücke Zeug, mit Ausnahme der
Ärmel, uralt und dem Kittel entlehnt, der auch in dieser Hinsicht der Vorgänger des
selben gewesen ist. Hierüber gedenke ich jedoch im folgenden Kapitel mich weitläufiger
auszusprechen.
Im Nordischen Museum in Stockholm habe ich aus Dalarne in Schweden stam
mende Blusen (Obertheile) gesehen, die mitsammt den Ärmeln aus einem Stücke Zeug
geschnitten waren (sieh’ ebenfalls P. G. Wistrand. Svenska folkdrägter. S. 101), und in
technischer Hinsicht an die bemerkenswerthe Frauenkufte erinnern, die aus dem Bronze
alter Dänemarks bekannt ist. Eine derartige Technik habe ich bei keiner einzigen Bluse
in den Ostseeprovinzen angetroffen.
Obgleich ich in der folgenden Detailübersicht die Wahrscheinlichkeit hervorhebe,
dass die Bluse jünger als das Hemd sei, kann die Möglichkeit jedoch nicht ausgeschlossen
werden, das nicht oftmals in früheren Zeiten ein kurzes Hemd, statt eines langen für
genügend angesehen worden ist, wie man das auch jetzt noch in den Ostseepro
vinzen findet, wo ein anderes Kleidungsstück das ersetzen muss, was am ersteren fehlt
(N:o 276). Dasselbe kommt auch anderwärts vor. So ist in Ungarn das Frauenhemd
bisweilen so kurz, dass der Unterrock den unteren Theil des Körpers bergen muss.
Dieses Hemd entspricht der Form nach der Bluse Taf. III 1 und 3. Kurzer „Halsffemden“ bei den höheren Ständen Deutschlands wird schon am Ende des 14 Jahr
hunderts Erwähnung gethan.
Wenn zu gleicher Zeit ein langes Hemd angezogen wird, so ist es ersichtlich,
dass es nicht nothwendig lange Ärmel zu haben braucht, da das kurze Halbhemd gerade
als Grund zum Fehlen derselben dienen kann, wie wir dies in der Detailübersicht her
vorheben werden. Daher heisst es auch von den Slowinzen in Pommern in den 1770-ger
I. Hemden , Blusen und Kragen .
3
Jahren: üm die Unterhemden, welche ohne Ärmel sind, binden sie ein schwarz oder
bunt seiden Tuch. Über diese ziehen sie ein kurzes Oberhemd mit' (feineren) Ärmeln
und breitem Kragen (Nach Tetzner).
Gewöhnlich hat das Hemd, gleichwie die Bluse einen Spund an der Brust, doch
ist dieses nicht stets der Fall. So werden diese Kleidungsstücke ohne Spund nicht nur
auf Runö (N:o 548, 549), sondern auch in einem Theil von Wermland, und auch bei den
Littauern in Ostpreussen angetroffen. Diese Eigenschaft erinnert an die mittelalterlichen
Kleidungsstücke, an denen oft auch der Spund an der Brust fehlte.
Wenn wir bedenken, dass ein ursprünglich aus einem Stück Zeug verfertigter
Unterrock in den Baltischen Provinzen von uralten Zeiten her in Anwendung gekommen
ist (Näheres hierüber im Kapitel III), welcher Rock über den Schultern befestigt wurde,
so nimmt es uns nicht Wunder, dass wir hier Hemden finden, die demselben Princip
nach verfertigt sind (Taf. IY 8). Auch in Schweden kennt man „särkar“ (Frauenhemde),
die keine Ärmel haben und von Tragbändern gehalten werden. Vermuthlich ist dieser
Typus auch dort heidnischen Ursprungs. Da diese Unterröcke ursprünglich an der
einen Seite offen waren, so dürfte diese Erscheinung als Erklärung dafür dienen, dass
noch im 18 Jahrhundert Frauen in den Ostseeprovinzen Hemde trugen, die an der Seite
nicht festgenäht waren.
Im Anfang des 15 Jahrhunderts fing der Hemdkragen an in der Tracht der
höheren Stände aufzutreten. In Kurzem wurde derselbe gänzlich vom Hemde frei gemacht
und zu einer Krause umgewandelt, die gleich einem „Mühlstein“ den Hals umgab. Statt
dieser machte sich im 30-jährigen Kriege der s. g. Schwedenkragen geltend. Derselbe
war glatt, aber breitete sich gleich einem weiten Leinwandtuch um den Hals. Vermuthlich
leiten die weiten Blusenkragen, sowde auch die losen Kragen auf Osel (Taf. III 5 und 9)
ihre Ahnen aus dieser Zeit her. An einigen Orten, wie bei den Slowaken im nördlichen
Ungarn, wird auch mit dem blusenartigen kurzen Hemde ein loser Kragen getragen.
Die Anwendung von losen Ärmeln an den Hemden der Frauen aus höheren
Ständen reicht weit in das Mittelalter zurück.
B. Detailübersicht (Taf. I 1—11, II 1—4, 6, 9, 11—12 und III).
Die gewöhnlichen langen Hemde sind entweder mit oder ohne Ärmel. Die Hemde
ohne Ärmel sind in technischer Hinsicht von sehr einfacher Art. Sie werden aus einem
Stück Leinwand, das in der Mitte doppelt gekehrt ist, verfertigt. Beim Festnähen der
Ränder an einander, werden Keile hinzugefügt, um das Hemd am Schoosse weiter zu
machen Tafel I 1. Diese Erweiterung kann auch dadurch entstehen, dass man das Zeug
in der Mitte schmäler schneidet T. I 2. Für die Hände werden jedoch Öffnungen frei
gelassen. Auch wird eine Öffnung für den Kopf hineingeschnitten. Die Hemde ohne
Ärmel kommen nur bei Frauen vor.
Die Hemde mit Ärmeln sind zweierlei Art. Bei der einen Art besteht der den
Leib bedeckende Theil des Hemdes aus einem Stück Leinwand T. I 3—9, sowie
auch das Frauenhemd T. I 11, und ist in dieser Hinsicht gleich den ärmellosen Hemden.
I. Hemden , Blusen und Kragen.
4
Der typische Unterschied zwischen Männer- und Frauenhemden besteht darin, dass die
ersteren der ganzen Länge nach dieselbe Breite haben, wogegen die letzteren am Schoosse
breiter sind. Bisweilen können auch an Mannshemden Keile Vorkommen, die aber auf
die typische Form keinen Einfluss haben T. I 5.
Bei der anderen Art, die einzig und allein Frauenhemde umfasst, geht in der
Mitte des Hemdes rund um dasselbe eine Naht, denn der untere Theil desselben besteht
gewöhnlich aus gröberer Leinwand als der obere T. II 1—3. An einigen Hemden
bestehen die Ärmel noch aus einem dritten, feineren Stoff T. II 4, 6 und 9. Der Form
nach sind diese Frauenhemde der ganzen Länge nach von derselben reichlichen Breite,
d. h. in dieser Hinsicht gleich den Männerhemden, jedoch nicht ohne Ausnahmen;
sieh’ N:o 168.
Während der Sommerarbeiten tragen die Weiber bisweilen zur Bedeckung des
Körpers nur ein Hemd, das dann einen kittelartigen Rock darstellt T. I 8. Auch in
diesem Falle besteht das Hemd der ganzen Länge nach aus gleichartiger Leinwand.
Zu einem solchen Hemde gehört ein Gürtel um die Lenden und ein an den Saum ge
nähtes Band als Verzierung. Aber auch wenn das Hemd von einem Rock bedeckt ist,
wird dasselbe oft sichtbar als Unterrock getragen, und dessen Saum wird desshalb mit
einem Gürtel geziert T. I 1 und 11.
Die Männerhemde bestehen alle aus Leinwand mit Ausnahme des in T. I 4
dargestellten, das aus Wolle verfertigt ist.
Das meist typische estnische Frauenhemd gewahren wir in den Formen T. II 2
und 9 und eleganterer Art T. II 1 (auch N:o 133). An dem einen der obenerwähnten
Frauenhemde fehlt der Kragen gänzlich; dass aber ein solches Hemd ungeschmückt,
wenigstens bei den Setukesen volksthümlich war, können wir daraus schliessen, dass die
Todten mit einem solchen Hemde bekleidet, begraben werden (N:o 4). Einen besonderen
Kragen findet man auch an den übrigen setukesischen Hemden nicht T. II 4, 6 und 9,
welche Form übrigens den Östseeprovinzen fremd ist.
Estnische Mannshemde kommen in den Formen T. I 3, 5 —7 vor. Beide sind,
gleichwie auch alle übrigen Mannshemde, mit Kragen versehen.
Für das beste lettische Frauenhemd können wir wohl die Form T. II 3 ansehen,
an dem der hohe stehende Kragen, die schmalen Ärmel und die langen Querle an den
Ärmeln recht auffällig sind. Eine dieser nahestehende Form wird jedoch auch auf est
nischem Gebiet angetroffen (N:o 168).
Das lettische Mannshemd ist mit einem hohen, brodierten Standkragen versehen
(N:o 659).
Ein livisches Frauenhemd kommt in den Sammlungen nicht vor, aber dem Manns
hemde T. I 4 nach zu schliessen, nähert es sich zunächst auch der estnischen Form T. II 2.
Bei den Schweden ist das Frauenhemd auf den verschiedenen Inseln von ver
schiedener Art. Auf Runö hat es dieselbe Form wie auf Ösel (T. II 2), d. h. es ist mit
Ärmeln versehen; auf den Roginseln dagegen ärmellos T. I 2. Eine abweichende Form
hat das Hemd auf Worms (N:o 478) und Nuckö (N:o 512), wo es das Aussehen eines
Rockes hat T. IV 8, und daher im Zusammenhang mit den Röcken in Kapitel III ein
gehender behandelt wird.
j
I. Hemden , Blusen und,\ Kragen.
5
Das Mannshemd auf Runö (N:o 573) fügt sich der Form auf Mohn an T. I 9.
Von welcher Art das Männerhemd auf den übrigen schwedischen Inseln sein mag, ist
mir nicht bekannt.
Sowohl die Männer-, als Frauenhemde werden mit Stickereien geschmückt, die
letzteren natürlich häufiger. Nur bei den Setukesen und in ihrer Nachbarschaft (N:o 63)
pflegt man in die Hemdleinwand rothe Streifen hineinzu weben (N:o 1). Diese Sticke
reien werden an dem Kragen, an den Schultern und Armelöfinungen, bisweilen auch an
beiden'Seiten der Brustöffnung angebracht (N:o 168). Die Stickereien für die Schultern
werden oft erst auf schmale Zeugstreifen genäht, die alsdann an den Schultern des
Hemdes angebracht werden T. I 4 und 11; II 1 und 2. In Kruses Zeit (Necrolivonica,
S. 32) wurde auch der Saum des Hemdes der Mohninserinnen „gewirkt“, aber die
„Schlitze an den Seiten von unten auf bis an oder etwas über das Knie gewöhnlich
schön benäht, mit rother Wollenschnur oder mit Goldborten besetzt“. — In jetziger
Zeit beginnen die Stickereien besonders an den Mannshemden zu verschwinden.
Im Allgemeinen sind die Ärmel an den Mannshemden offen, aber es kommen
auch solche mit Querlen vor T. I 9. Die aufgebauschten Ärmel bei den Setukesen ge
hören zu den Hemden russischer Form. Die Hemde mit sehr langen und zum Theil
nutzlos hängenden Ärmeln T. II 6 sind bei ihnen vielleicht eine Hinterlassenschaft von
der Bojarentracht im XY und XYI Jahrhundert; doch werden solche noch heute in Central-Asien getragen. An jenen Frauenhemden russischer Form auf dem setukesischen
Gebiet ist eine grössere Menge von Falten am Halse, als an den Hemden aus den Ostseeproviuzen als besondere Eigenthümlichkeit hervorzuheben. Derartige Hemde scheinen
auch in verhältnissmässig späterer Zeit bei ihnen in Brauch gekommen zu sein, denn
die Hemde, mit denen sie ehrfurchtsvoll ihre Todten bekleiden, sind wie eben erwähnt,
einfacherer Art (N:o 4).
Das Hemd hat bei den Esten zwei Benennungen: särk und hamo oder
harneauch
ame. Die erstere (T. I 1, 3, 6, 8 und 9; II 1—2 und N:o 133, 152, 168 und 214)wird
auf westlichem, die letztere (T. I 5 und 7; II 4, 6 und 9, sowie auch N:o 4, 79, 89 und
98) auf östlichem Gebiet angetroffen. In der Gegend von Fellin kommen beide Benen
nungen vor (N:o 89, 98, 111 und 112).
Die Schweden gebrauchen die Benennung särk (T. I 2) auf den Roginseln, auf
Worms undesärk (T. IV 8), aber auf Bunö und Nuckö skiott (N:o 512, 548, 573).
Serk wird bei den Liven jedenfalls das Mannshemd benannt (N:o 694), amm
scheint der Name des Frauenhemdes zu'sein (N:o 672).
Im Lettischen ist die Benennung des Hemdes krekls (T. II 3, N:o 602 und 659).
Der estnische Name des Vorder- und Rückenstückes vom Hemde ist imä, in
welcher Benennung die Ärmel nicht einbegriffen sind (N:o 43), weil dies das Hauptstück
des Hemdes ist1. Wenn das Hemd durch eine Quernaht in zwei Theile getheilt ist,
behält der obere Theil des Hemdes diese Benennung (N:o 1).
1 In gleicher Weise ist in der Kalevala die Rede von der „emä“ oder vom „emäpuu“ (Mutter
oder Mutterholz) eines Bootes oder der Harfe (Kantele), womit jedoch der aus einem Stück Holz
gemachte Boden oder Stamm bezeichnet wird (Kal. 16: 75 und 44: 174).
6
1. Hemden , Blusen und Kragen.
Ein solcher Obertheil des Hemdes ohne Untertheil wird bisweilen als Hemd
getragen T. II 11, und in diesem Fall ist irgend ein Hock an die Stelle des Untertheils
getreten (N:o 276). In der That ist ein solcher Obertheil nur ein kurzes Hemd. Aber
im Allgemeinen hat sich aus diesem Obertheil die Bluse, d. h. ein Kleidungsstück ent
wickelt (vgl. N:o 478), welches oft gleichsam einen Zusatz zum Hemde bildet, und das
also eine Abart des Hemdes zu sein scheint. Diese Gleichförmigkeit besteht z. B. auf
Bunö auch darin, dass bei dem Hemd die Brustöffnung gewöhnlich zugenäht ist und
werden also weder das Hemd, noch die Bluse offen gehalten (vrgl. T. II 12 und das
Hemd N:o 548). Auch die Bluse pflegt man aus Leinwand zu machen, die dann die
Benennung des Hemdes oder der Ärmel erhält. Deren specielle Benennungen sind im
Estnischen: labane scirk (T. II 11) Leinwandhemd; lühikene särk (T. III 1) kurzes
Hemd; piht (N:o 129) Obertheil; käiized (T. III 1, 3—7) Ärmel; schwedisch: ivädciil oder
evadail (T. III 8 und N:o 515) Obertheil; clrmar oder ärmäp&t Ärmel (T. III 10 und II 12),
und lettisch: ihs krekls (T. III 2) kurzes Hemd.
In welcher Form, und wann das Hemd
bei der Bevölkerung der Ostseeprovinzen
eingebürgert ist, ist uns nicht bekannt1.
Einige Zeichen deuten darauf hin, dass das
eigentliche Hemd sogar in der letzten Zeit
bei allen Frauen nicht im Gebrauch gewesen
ist (sieh’ N:o 276 und 413). Wir kön
nen daher nicht behaupten, dass die Form
T. I 1, die bei den Bauern der Ostseeprovin
zen zuerst bekannte sei, obgleich dieselbe in
Abbildung I. Nach Olearius.
technischer Hinsicht die am Wenigsten komplicirt& und in Betracht dessen überhaupt
für die die einfachste anzusehen ist. Es ist aber möglich, dass das Weib aus dem Volke
erst dann aufgehört hat Hemde mit Ärmeln zu nähen, nachdem es gelernt eine Bluse
zu tragen. Hierauf scheint auch der Umstand hinzudeuten, dass auf dem setukesischen
Gebiet, wo alle Hemde Ärmel haben, man die Bluse gar nicht kennt. Ebenso scheint
es sich auch auf anderen Gebieten verhalten zu haben. So erzählt Adam Olearius, der
von 1633 bis 1639 in Livland und Estland herumreiste, die Lettinnen und Estinnen
„tragen enge Böcke wie die Säcke“, welcher Ausspruch sicherlich so zu verstehen ist,
dass sie nicht nur während der Arbeit, wie bisweilen auch noch jetzt, nur mit einem
Hemde bekleidet waren (sieh’ oben Seite 4). Diese Auffassung bestätigen die Bilder, die
Olearius von den estnischen Weibern giebt (Abbildung I u. V II)12.
1 In Gräbern aus der späteren Heidenzeit soll man Spuren von Leinwandhemden gefunden
haben (Kruse, Necrolivonica, S. 8.) — Später wird nur von Wollenzeugresten und zwar Kleidern mit
Ärmeln gesprochen (Hausmann. Katalog. S. XLVIII).
2 Die Abb. I stellt die Art und Weise dar, in welcher die deutschen Herren ihre Leibeigenen
strafen. Der Herr selbst steht links vor einem Gebäude. Rechts gewahrt man zwei Frauen in Hem
den. Zwischen letzteren und dem Herrn befinden sich die Personen, die geprügelt werden sollen und
I. Hemden , Blusen und Kragen.
7
Schon zu Hupels Zeiten waren Frauenhemde, theils mit Ärmeln, theils ohne
solche im Brauch. So z. B. waren dieselben „in Jerwen ohne Aermel“, woher die Frauen
„besondere Obertheile“ hatten. Aber „im Dorptschen haben die Hemde Aermel“,
d. h. in der Gegend von Dorpat kamen damals noch keine Blusen vor. (Hupel. Top.
Nachr. II 179). Heutzutage ist dieses nicht Vorkommen nur auf das setukesische Gebiet
beschränkt.
Denn auf den unserer Untersuchung unterliegenden westlicheren Gebieten kom
men sowohl ärmellose Hemde, als auch Blusen vor. Demnach wären die Ärmel erst
in späteren Zeiten von den Hemden des Volkes verschwunden, gleichwie dieselben
sicherlich auch den setukesischen Böcken abhanden gekommen sind (sieh’ Kapitel III).
Jedenfalls hat die Frauentracht in der Bluse einen wichtigen Zusatz erhalten, da dieselbe
mit grösserem Vortheil als das Hemd ausgeschmückt werden kann. Die Bluse ist auch
bedeutend reichlicher mit Stickereien versehen als je der Obertheil des Hemdes, sieh’
T. III 1—2, 5, 7 und 8, sowie auch das Trachtenbild 22 (aus Mohn), wo Stickereien
an dem recht grossen Kragen, auf den Schultern, an den Ärmelöffnungen, an der Brust
und am Bücken Vorkommen. Selten fehlt der Bluse ein Kragen T. III 6.
An manchen Trachten scheint die Entwickelung dermassen vor sich gegangen
zu sein, dass die Kleidungstücke immer kleiner werden (sieh’ z. B. die Kopfbedeckungen
auf Osel im Kapitel VIII). Vermuthlich lässt sich dadurch auch der Umstand erklären,
dass es Blusen grösserer und kleinerer Art giebt. Die grosse Bluse ist bisweilen, wie
schon oben erwähnt, dem Obertheil des Hemdes vollkommen ähnlich, aber die kleine
(T. III 10) weicht hauptsächlich hinsichtlich der Kürze davon ab. Wenn die Weste
und Jacke den Obertheil des Körpers bedecken, ist von dem Hemde oder der Bluse nichts
Anderes sichtbar, als deren äusserster Band an der Brust oder an den Handwurzeln.
So kann auch die Bluse zu einem blossen Kragen zusammenschrumpfen (T. III 9, 13<—15,
auch N:o 134), und über die Handwurzeln werden lose Ärmel gezogen (T. III 12). Ein
derartiger loser Kragen wird bisweilen statt der Bluse getragen (N:o 418), bisweilen wird
er jedoch an das Hemd angenäht. Ein solcher Kragen, wie die lettische Form in T. III
11, scheint als elegantere Form des Hemdkragens getragen zu werden (N:o 627). Der
Bandkragen T. III 16, den man auf Öse! unter die Borten der Weste steckt (N:o 319),
scheint zum Zweck zu haben, die Eleganz der Brustöffnung zu heben.
Die estnische Benennung des losen Kragens T. III 9 und 14 ist hrae oder rae
(N:o 317, 418), oder altsrae (N:o 318) oder haelus (N:o 134); die schwedische T. III 13
lerua (N:o 483); T. III 15 hässlcrowa (N:o 530) und die lettische T. III 11 apJcaTcle
(N:o 627). Von livischem Gebiet hat man keine Kunde davon. Die estnische Benennung
des Brustkragens T. III 16 ist rinna Tcrae ciär (N:o 319) und die eines losen Ärmels T.
III 12 Tcäiized (H:o 277), also gleich der Benennung einer Bluse.
Also scheinen sowohl die Esten, als die Letten in früheren Zeiten im Sommer
das Hemd als einzige Werkeltagstracht getragen zu haben. Damals war das ganze Hemd
von derselben Leinwand gemacht und mit Ärmeln versehen, wie es das Hemd oder der
die prügelnden. Dass hier die Bede von Esten ist, geht aus dem von Olearius citirten Befehle des
Herrn hervor: „Selcke nak maha pexema: Man sol schlagen, dass die Haut vom Rumpe gehe“. Ole
arius. Reise-Beschreibungen. Hamburg 1696. S. 56 und 57. —
8
II. Kittelartige Kleidungsstücke.
Kittel der finnischen Völker an der Volga noch jetzt ist. Vielleicht war das Hemd auch
mit Stickereien auf dem Rücken geschmückt, wie später die Bluse auf den Roginseln.
Erst nachdem der Rock in Brauch gekommen war, konnte man den unteren Theil des
Hemdes aus schlechterer Leinwand als den oberen machen. Da eine Bluse oder Jacke
den oberen Theil des Körpers bedeckte, konnten die Ärmel am Hemde wegbleiben.
II. Kittelartige Kleidungsstücke.
A. Allgemeines.
Im vorigen Kapitel ist erwähnt worden, dass der Kittel ein Vorgänger des Hemdes
gewesen. Der erstere ist daher auch seinem historischen Ursprünge nach von viel älterem
Datum. Am Frühesten kennen wir den Kittel aus Egypten und dem Morgenlande. An
beiden Orten hat derselbe sich aus dem Schurz entwickelt, der anfänglich um die Hüften
gebunden und darauf mit einem Bande an der einen, oder an beiden Schultern befestigt
wurde. Als man anfing dieses Kleidungsstück aus einem langen Stück Zeug zu machen,
indem man in die Mitte desselben ein Loch für den Kopf hineinschnitt, war die tech
nische Verfertigung des Kittels gefunden, die darauf vom Hemde geerbt wurde. In
Europa ist der Kittel unter dem römischen Namen „Tunica“ am Besten bekannt. Sie
bildet den Anfang der vorzüglichsten Kleidungsstücke, mit denen im Mittelalter der
Rumpf bedeckt wurde. Auch nach Griechenland kam der im Morgenland zum Kittel
veränderte Schurz, aber behielt da vorzugsweise eine ältere Form und wurde dort „Chiton“
genannt, worüber Näheres im folgenden Kapitel.
In den an der Ostsee gelegenen Ländern ist der Kittel durch Moorfunde aus
dem älteren Eisenalter am Frühesten bekannt. Darauf ist derselbe als Bauerkittel bis
in unsere Zeit und zwar nicht bloss in Deutschland angewandt worden. Da derselbe
ein warmes und praktisches. Kleidungsstück ist, hat er seine typische Form besonders
in den arktischen Ländern (wie z. B. der lappländische Rock), aber stellweise auch in den
Ostseeprovinzen beibehalten, wo dessen Ahnen, so weit bekannt, bis an das Ende der
Heidenzeit zurückgehen, aus welcher Zeit Hausmann anführt (Sieh’ S. 6 Note 1), dass
die Letten in einer mit Ärmeln versehenen Kleidung begraben wurden, die wohl zu
den Kitteln gehörte.
B. Detailübersicht (Taf. I 12—14, II 5, 7, 8 und 10).
Im vorigen Kapitel ist erwähnt worden, dass die Frauen bisweilen das Hemd
als Kittel tragen (auch N:o 235). Da das Hemd von den Männern über den Hosen
getragen wird, spielt es dieselbe Rolle (N:o 43). Dieses erinnert an die Tracht der
I I I Weiberröcke, Mieder und Schürzen.
17
Estnische pöll genannte Schürzen werden in den Bildern T. V 13 —17 und 19
dargestellt. Bei den Schweden haben sie die Namen pöll (N:o 560), skädülc T. V 18
oder felkur, auch ferkul (N:o 497 und 517).
Bei den Setukesen ist die Schürze erst in letzter Zeit in Brauch gekommen
(N:o 11 b), auch bei den übrigen Esten wird sie von den Mädchen nur bei feierlichen
Gelegenheiten getragen (N:o 333, 436). Zu Hupels Zeit trug in einigen Gegenden, wie
in Jerwen, keine Dirne Schürzen (Top. Nachr. II 179). Auch Petri sagt (Ehstland II
182), dass nur solche Schürzen tragen, die den Deutschen nach ahmen wollen. Statt
dessen hängen die Weiber in Setukesien an den Gürtel doppelt gekehrte Handtücher
T. IY 13 (sieh’ auch Trachtenbild 3). Die Benennung dieser Tücher ist'vöö oderpituzaräfti (N:o 11). Derartige Tücher tragen an eignen Orten auch die Weiber der Voten
(in Ingermannland) und Mordvinen (sieh’ Axel 0. Heikel, Trachten und Muster der
Mordvinen Taf. XLIII Fig. 7, 8). — Auch die Litthauerinnen trugen in früheren Zeiten
mehrere, bunte Gürteltücher, zwischen welchen beim Gehen das weisse Gewand sicht
bar war (W. Storost, Ein Beitrag zur Kunde litauischer Trachten in Tilsiter Allgemeine
Zeitung 1904. N:o 200).
Einige Schürzen auf Mohn sind mit Schellen und anderem Flitterwerk geziert
T. Y 14, N:o 262. Dies ist der letzte Überrest von Zierrathen, von denen Kruse auf
seiner Forschungsreise im J. 1839 gewahrt hat, dass sie in grösserer Menge auf Mohn
und in Nord-Kurland an den Säumen der Weiberröcke, Schürzen und Tücher vorkamen
(F. Kruse, Anastasis der Waräger, Reval 1841. Vorrede XII).
IV. Überröcke und Jacken.
A. Allgemeines.
In den letzten Jahrhunderten des Mittelalters verändert sich der alte Kittel
in vielfacher Weise sowohl der Form, als dem Namen nach. Während er weit und
lang ist, wird er vorn offen zugeschnitten, wodurch die grossen, Schauben genannten
Überröcke entstehen. Andererseits wird er, als GewTand zum Ausgehen immer kleiner
und kleiner getragen, so dass er schliesslich kaum die Hüften deckt und dann den Namen
Wamms oder Jacke (Schecke) erhält; er wird auch vorn aufgeschnitten, denn „seit dem
Beginn des 16 Jahrhunderts blieb das vorn geschlossene Kleid völlig verbannt“, sagt
Rohrbach. Unser Schlafrock ist eine echte mittelalterliche Schaube, die auch den Ur
sprung des Pelzes, und in verkürzter Form auch des gewöhnlichen Herrenrockes bildet.
Auch der Mantel wächst fest über den Schultern und bekommt Ärmellöcher, wodurch
die s. g. Hoike entsteht, die mit der Zeit vielen Verwandlungen unterworfen ist. Selbst
die Ärmel erhielten im Mittelalter und in den zunächst folgenden Jahrhunderten
3
18
IV. Überröcke und Jacken.
verschiedene Gestaltungen. Zipfel und Schösse hatten die kurzen Jacken schon zeitig
und waren ohne Ärmel, wenn sie auf anderen Überkleidern getragen wurden. Schon
von dem vorn nicht gespaltenen (nicht aufgeschnittenen) Kittel in Deutschland während
des 13 Jahrhunderts heisst es (bei Hottenroth): „hinten und vorn sowie an beiden Seiten
aufgeschlitzt war das Gewand des reichen Mannes in vier Schösse zerlegt, des armen
Mannes Gewand durch Vorder- und Kückenschlitz aber nur in zwei; so wollte es das
Gesetz“. Die Rockschösse oder „Geren“ spielten damals eine wichtige Rolle (Vgl.
N:o 488 und 523).
Nach dem 30-jährigen Kriege begann der Uniformsrock des Militärs sich aus der
gekürzten und unter dem Kinn geschlossenen Schaube auszubilden.
In Russland schnitt man seit Peter I die Röcke nach westeuropäischer Mode
mit einer Taille zu. Übrigens scheint der im Orient uralte Kaftan auch in Russland
zeitig in Brauch gekommen zu sein.
Wie in der Detailübersicht erwähnt ist, kommt die weisse Farbe an der Kleider
tracht nur hie und da in den Ostseeprovinzen vor. Anders verhielt es sich in früheren
Zeiten bei einem Theil Litthauer: die alten Preussen sahen die weisse Farbe für heilig
an, ebenso die Litthauer und die Nadraver in noch späterer Zeit. Weisse, aus Polen
gebrachte Überröcke sollen daher nach einigen Autoren für die Litthauer eine Versuchung
für den Übergang zum Christenthum gebildet haben im J. 1386. (Hartknoch dagegen
behauptet, dass es die blauen Röcke waren, die zur Bekehrung beitrugen). Daher die
weisse Festtracht auch bei den Esten vor mehr als 100 Jahren.
Die Traditionen der weissen Tracht sind übrigens nicht bloss lokaler Natur. Deren
Ahnen gehen in die Urzeit zurück. Die ältesten Spuren davon finden wir in dem Priesterschooss Egyptens, der darauf in Form eines Hemdes auf andere Priester des Hei
denthums, Judenthums und Christenthums sich vererbt hat. Aber auch abgesehen hievon,
dürfte die weisse Farbe bei verschiedenen Völkern schon seit langer Zeit zurück in
hohem Ansehen gestanden haben. So behauptet Hottenroth: „einige Scythenstämme
rieben sich die Röcke mit Kreide weiss“. Noch heutigen Tage soll das Opfervolk bei
den Tscheremissen weissgekleidet sein, woher der schwarzgekleidete Tatar ihrem heiligen
Opferplatz nicht nahe kommen darf.
B. Detailübersicht (Taf. VII—XI).
Es giebt sowohl lange als kurze Überröcke. Beide Arten derselben werden so
wohl von Männern als Frauen getragen. Wenngleich die Frauenröcke von den Männer
röcken durch kunstvollere Arbeit und eine gewöhnlich weitere Hals- und Brustöffnung
sich unterscheiden (N:o 269), haben doch die langen Röcke der Frauen oft so ziemlich
dieselbe Form wie die der Männer (N:o 47, 154, 196, 488). Ein Beispiel solcher Gleich
förmigkeit gewahren wir in T. IX 3 und 4, wo ersteres einen Männerrock, letzteres
einen Weiberrock darstellt. Beide werden nach linkshin zugeknöpft, denn die Knöpfe
gehen sowohl bei dem einen, als dem anderen von der Stelle unter dem Kinn in schräger
Richtung zur linken Seite hin. Der Frauenrock hat einen niedrigeren Kragen und ist
IV. Überröcke und Jacken.
19
auch hinten ausgeziert. Die Form T. X 10 ist dem Namen nach ein Männerrock, aber
auch Frauen tragen denselben (N:o 310). Der Grund dazu mag darin liegen, dass ein
Männerrock T. X 9 demselben als Vorbild gedient hat, dem derselbe mit dem Unter
schiede ähnlich sieht, dass der niedrige Kragen weggefallen und die Bruststelle ausge
ziert ist. Die Jacke T. VIII 2 scheint ursprünglich für einen Mann gemacht zu sein
(vgl. die Männerröcke T. VIII 4 und 7), obgleich dieselbe in der That von einem "Weibe
getragen wurde (N:o 675).
"Wenn wir die Formen T. X 3 und T. VII 14 mit einander vergleichen, so scheint
die letztere Jacke ein abgeschnittenes Stück von der ersteren, dem s. g. Wamms zu sein,
wenn man die ein wenig verschiedenartige Auszierung im Kücken der kurzen Jacke
nicht in Betracht zieht. Mit Ausnahme der Länge sind auch die Formen T. VIII 1 und 3
von derselben Art. Die erstere ist für einen Mann, die andere für eine Frau gemacht.
Auch an dem Überrock T. IX 9 und der Jacke T. VIII 12 ist nämlich der Kücken ganz
in derselben Weise gebildet.
Es scheint also, als ob einige kleinere Jacken sich nach den grösseren Überröcken
gebildet hätten. Hier findet also ein ähnliches Verhältniss wie zwischen Hemd und Bluse
Statt (Kapitel I). Vielleicht ist die Form irgend einer kurzen Jacke direkt der Bluse
entnommen, von welcher dieselbe bisweilen auch ihren Namen erhalten hat, T. VIII 8.
Wir brauchen nicht gar zu w'eit in der Zeit zurückzugehen um uns zu überzeugen, dass
der Gebrauch von langen Köcken zum Theil wenigstens den kürzeren Platz gemacht
hat. Die Setukesen kennen bis auf heute kurze Röcke ebenso wenig wie Westen; die
Männer tragen den langen Überrock unmittelbar über dem Hemde (N:o 47), die Weiber
haben darunter einen langen, ärmellosen Rock T. V 1. Auf Osel ist eine kurze Männer
jacke an die Stelle des kurzen Überrockes getreten (N:o 397). Auch darüber wie die*
Form dieser Röcke sich verändert hat, ertheilt die Überlieferung einige Auskunft. Der
Jacke in T. VIII 4 fehlt der Kragen; sie wird mit einem Paar Haken zugemacht und
der Schooss hinten ist geschlitzt. Darauf erhielt die Jacke einen kleinen stehenden
Kragen, die Schösse wurden kürzer und man fing an die Jacke mit Knöpfen festzu
machen, T. VIII 5, 9. Für eine Zwischenform ist der Männerrock auf Worms T. VIII
7 und das livische Männer-Frauenwamms T. VIII 2 anzusehen. Darauf folgte ein weiter,
hinabzukehrender Kragen (N:o 397) und die Schösse verschwanden T. XI 10 (N:o 400,
402, vgl. auch N:o 398). Andererseits scheinen einige Oberkleider weiter geworden zu
sein (N:o 270), was dadurch verständlich ist, dass nicht nur an den Seiten, sondern auch
an der Mittelnaht Falten angebracht sind (vgl. die Rückenformen T. X 1 und 10). Eine
solche Form wie T. X 4 ist bei den Setukesen offenbar später entstanden als der volks
tümliche Frauenkittel oder Überrock T. IX 5.
Wenn wir die estnischen und schwedischen kurzen Frauenjacken T. VII 1, 3, 5,
8 und 11 genauer in Augenschein nehmen, so gewahren wir, dass sie vom selben Typus
sind, dessen meist charakteristisches Merkmal darin besteht, dass sie eine Art Gürtel um
die Taille haben, der gewöhnlich in Falten gelegt ist. An diesen Jacken ist der offene
Brustausschnitt als ein Merkmal der Alterthümlichkeit anzusehen T. VII 11, denn eine
gleiche Eigentümlichkeit kam bei den Westen älterer Form vor um die Brustverzierungen
mehr hervorzuheben (N:o 293). Beim Vergleich gewahrt man, dass die ältere Form
20
IV. Uberröcke und Jacken.
des Gürtelbandes T. VII 11 keine Falten hat, die bei den späteren Gestaltungen, an denen
die Brustöffnung kleiner wird, Vorkommen. Das Auftreten von Falten an der Rücken
seite der estnischen und schwedischen Überröcke ist sicherlich auch eine verhältnissmässig
späte Erscheinung, die zum Theil auf russischem und polnischem Einfluss beruht. Dem
nach sind z. B. die Formen der Pelze T. XI 1—4 ursprünglicher und volkstümlicher
als die in T. XI 5 und 6. Schliesslich ist von den erwähnten kurzen Jacken die falten
artige Gürtelbindung verschwunden (N:o 398). In einigen Fällen ist der Gürtel auf die
moderneren Ärmelleibchen, Jacken und Kamisole in Gestalt eines Zierbandes überge
gangen, welches durch Verzierungen die Falten wiedergiebt, T. VII 2, 6, 9 und 10.
Andererseits gewahrt man, das der Schnitt der Rückenstücke in der ofterwähnten
kurzen Form der Jacke T. VII 11 verhältnissmässig entwickelte Linien aufweist, denn
dass das Mittelstück vom Rückenspiegel nach unten zu immer spitzer wird, scheint auf
dessen allendliche Entwickelung hinzudeuten, wie wir dies bei den langen Überröcken
beobachten werden.
Diese estnischen und schwedischen langen Überröcke in T. IX gehören alle zu
derselben Gruppenform, was die Bildung des Rückenstückes betrifft. Das zwischen den
Schultern befindliche Rückenstück oder der Hückenspiegel besteht häufig aus demselben
Stücke Zeug wie die Vorderstücke, d. h. das Zeug reicht vorn und hinten ohne Naht
bis auf die Schösse herab. In der Form T. IX 1 sind die Seitenlinien dieses Spiegels
gerade, denn sie entsprechen der ganzen Breite des Zeuges. Die an den Seiten vor
kommenden Ecken oder Falten werden aus anderen Zeugstücken genäht. An dem Rücken
spiegel eines solchen Überrockes mit breitem Rückenstück bilden sich erst dann Falten,
wenn der Gürtel um die Taille gebunden ist, was besonders bei Männern (sieh’ Trach
tenbilder 1, 11 und 17), aber bisweilen auch bei Frauen (Trachtenbild 47) zur alterthümlichen Tracht gehörte. In den folgenden Formen wird der Rückenspiegel nach
unten zu immer schmäler. Die an den Seiten befindlichen Zeugstücke werden gleich
sam auf Kosten des Mittelstückes nach dem Rücken zu immer breiter. Zugleich rücken
die Faltengruppen immer mehr nach der Mitte des Rückens hin und kommen von beiden
Seiten einander näher. Wenn man die Formen T. IX 1 und I 12 mit einander ver
gleicht, wird man gewahr, dass der Hauptunterschied darin besteht, dass der erstere Überrock
vorn gespalten, der eigent. Kittel ungespalten ist. Wenn man in Betracht zieht, dass beide
Überröcke sind, ist es wohl nicht unberechtigt diese Formen mit einander in Verbindung
zu bringen. Alsdann wäre der Überrock eine Fortbilduug des hemdartigen Kittels.
Es unterliegt übrigens wrohl auch keinem Zweifel, dass die Form IX 1 eine gewisse
Ursprünglichkeit in erwähnter Hinsicht repräsentirt, so dass die Form T. IX 10 also
für eine spätere Ausbildung anzusehen ist. In einigen Formen haben sich die Falten
gruppen auf dem Rücken zu einer Gruppe verbunden (N:o 311 und 313).
Nach der Form IX 10 kamen die jetzigen Paletots auf (N:o 390). Dass diese
Form von verhältnissmässig spätem Datum ist, wird auch durch den Umstand bewiesen,
dass er zugleich mit dem „küütkuub“ T. IV 1 getragen wurde (N:o 312). Von diesen
langen Überröcken sind die in T. IX 3 und 7 für Männer, die übrigen für Weiber.
An den estnischen und schwedischen Pelzen T. XI 1—6, die eine Quernaht
mitten im Rücken haben, gewahrt man in Bezug auf den Rückenspiegel eine gleichartige
IV. Überröcke und Jacken.
21
Entwickelung. In dieser Serie ta t der Männerpelz T. XI 1 eine verhältnissmässig mehr
ursprüngliche Form, als die der Entwickelung und Auszierung mehr unterworfenen
Frauenpelze T. XI 2—6. Die Falten in den Pelzen treten also in verhältnissmässig späteren
Formen auf. Dass die Form T. XI 6 aus späterer Zeit stammt, ist auch daraus ersicht
lich, dass dies der einzige Pelz mit besonderem Kragen ist, welches nicht nur an den
langen Oberkleidern eine verhältnissmässig späte Erscheinung ist. So z. B. fehlt derselbe
gänzlich dem volkstümlichen „räpik“ der Setukesen T. IX 5. Nachdem dieser ausser
Brauch gekommen war, fingen die Männer an Oberkleider mit grossen Kragen zu tragen
T. X 6 und IX 7. Dasselbe ist u. A. auch in Mohn der Fall gewesen (N:o 269, 270).
Die estnischen und schwedischen langen Überröcke in T. X (mit Ausnahme der
Form T. X 6, die sich der in Taf. IX 7 näher anfügt) gehörenalle zu derselbentech
nischen Gruppe. Das gemeinsame Kennzeichen dieser Gruppe ist die Naht von oben
nach unten mitten im Nucken. Die einfachste Form dieser Gruppe haben wir im runöschen Männerrock T. X 7, wo die Breite des Zeuges die Form des Rockes sowohl vorn
als hinten bestimmt. Bei den übrigen Formen kommen verschiedenartige Bildungen vor,
und ausser der Naht im Rücken werden Falten an getroffen. T. X 1—3 und 10 sind
Frauen-, alle übrigen Männerröcke.
Die Formen T. XI 7 und T. VIII 1 sind verschiedene Gestaltungen eines letti
schen Männerrockes von demselben Typus. Die Röcke haben ganz dasselbe Aussehen,
sogar die Brustbänder und Armeiöffnungen sind von einer Form. In einigen Einzel
heiten unterscheiden sie sich jedoch von einander. So findet man an dem Rückenspiegel
des einen Rockes ausser einer Stelle (a) Falten, an dem anderen Rocke bilden die Falten
Gruppen an beiden Seiten. Von der Stelle a T. XI 7 gewahrt man, dass das Zeug des
Rückenstückes vom Kragen bis zu den Schössen ohne Naht fortläuft. Derselbe Fall
kommt auch in der anderen Form T. VIII 1 vor, obgleich da eine Falte (aber keine
Naht) mitten über den Rücken in die Quere genäht ist (vgl. N:o 606), an welche Zier
bänder gefügt sind. Dieses Band streckt sich jedoch nicht quer über den ganzen Rücken,
denu es kommt an der Stelle a—b nicht vor (N:o 624). An beiden Röcken ist also mitten
im Rücken eine Stelle (a und ab), wo keine Naht ist, aber die eine Form hat zu beiden
Seiten dieser Stelle Falten, die andere dagegen Bänder und Falten.
An der lettischen Weiberjacke T. VIII 3, die gleichsam eine Diminutivform vom
Männerrock ist, gewahrt man deutlich, dass das Rückenstück ohne Naht ist, aber da
kommt nicht einmal eine Falte quer über den Rücken vor. Die Zierformen am Rücken
der Röcke T. VIII 1 und 3 scheinen polnischer Facon zu sein. (Diese sind auch an
den Kosackenkaftanen aus der Zeit Peters des Grossen zu sehen. IIpoxopoBf>. PyccK.
ßpeB. S. 48). Aber ein solcher Männerrock mit Falten im Rücken, wie T, XI 8, welcher
der Form XI 7 nahe stehen mag, scheint russisch zu sein, während wiederum der Rüc
kenspiegel, an dem die Falten zu beiden Seiten in besonderen Gruppen sich befinden,
dem estnischen Typus nahe kommt (T. IX). Hieraus kann man schliessen, dass die let
tischen Formen T. VIII 1 und T. XI 7 durch verschiedenartigen Einfluss entstanden sind.
Was die Farbe der Überröcke betrifft, erwähnt schon Hupel (Top. Nachr. II 163):
„Die eigentliche ehstnische Tracht ist braun (dasselbe sagt Petri), die lettische grau:
etliche Inseln und kleine Distrikte wo auch Ehsten graue Röcke tragen, machen eine
22
IV. Überröcke und Jacken.
unbedeutende Ausnahme“. — „Die Ehstinnen tragen ebensolche Röcke wie die Manns
personen“. — An einer anderen Stelle (S. 177) sagt er jedoch: „In einigen revalschen
Gegenden haben sie besondere Hochzeitkleider von weisser Wolle“ — Zu Merkels Zeit
(vor etwas mehr als 100 Jahren) soll der Eestüberrock auch bei anderen Esten weiss
gewesen sein. (Die Vorzeit Lieflands, I 66). — Die alte Nationaltracht-der Setukesen ist
ebenfalls ganz weiss (N:o 13). Hurt sagt desshalb (S. II 15), dass „eine Schaar Setukesinnen aus der Ferne einem Schwarm von Schwänen vergleichbar ist“. Auch bei Letten
kommen weisse Oberkleider vor (Trachtenbilder 54, 57—60, N:o 629, 664). Am Fast
nachtsabend kleiden sich die livischen Mädchen in weisse Kaftane (V. Alho, Liivin
kansa, S.52). Bei den Schweden ist die Farbe schwarz T. X2, 8; XI 6 od. weiss T. XI 1, 3.
Uber die Form und Auszierung der Röcke giebt Hupel folgenden Aufschluss
(Top. Nachr. II 178): „Die Röcke sind im Dorptschen weit wie Kutten, unten aufgeschlitzet, Ermel, Kragen und Vordertheile mit rothen Tuch und Schnüren besetzt (vgl.
T. IX 1); im Oberpahlschen ohne Schnur, mit blauen Tuch (vgl. T. IX 7); an andern
Orten mit Glanzlein; im Revalschen sind sie mehr nach dem Leibe gemacht und unten
gefaltet (vgl. T. IX 5, 6 u. a.). In Jerwen werden sie mit vielen messingenen Haken,
im Dorptschen mit wenigem, in Harrien mit Schnur und kleinen selbst gemachten bleyernen Knöpfen, zugeknüpfet (vgl. T. IX 3, 4 und 8). — Zu einem Pelz brauchen sie 7
bis 8 Schaffelle; Kerl und Weiber haben sie fast nach einerley Form; im Dorptschen
werden sie mit weissen, in Harrien mit rothen, in Jerwen mit schwarzen Leder besetzt“
(vgl. T. XI 3, 4). — Petri sagt, dass 5 ä 6 Schaffelle sind genug zu einem Pelz, dabei
werden die Nähte mit rothem oder schwarzem Leder geschmückt (Ehstland, II 176). —
Vgl. auch N:o 587.
Die Setukesen benennen den volksthümlichen Überrock T. IX 5 räpik. Die übri
gen langen Röcke heissen bei ihnen poolsctrrki, kampson T. X 6, särk T. IX 7, armäk,
päälmine särk oder suursärk T. X 4. Der Name des Überrockes ist bei den übrigen
Esten särk od suursärk T. IX 1, 3, 4, vammus T. IX 2; X 1, 3 und 9, oder kuub T.
IX 8—10 und T. X 10. Der suup scheint auch die Grösse eines langen Rockes gehabt
zu haben (N:o 393, 394). Die Form des umps ist unbekannt (N:o 304). Die Benennung
des Überrockes auf Dagden ist mantel, ülikuub (N:o 457), laikuub (N:o 442) oder suurjäku
(N:o 456). Auch die Benennungen der kurzen Jacke sind sehr verschieden. Einige Formen
haben den Namen särk oder pihtsärk T. VII 1, 10 und 15; T. XI 9. Der Name vaüt
kommt auch vor T. VII 10; T. XI 10. Kammpson (auch kamsul, kamsol) ist die ge
wöhnliche Benennung einer kurzen Frauen- und Männerjacke T. VII 7—11 und T. VIII
5, 9 und 10. Der Name jakk (jöM, jaki) bezeichnet natürlich eine kurze Jacke T. VII
3, 6, 13, aber auch vähäkuub T. VIII 12 und vammus T. VII 14 dasselbe. An den
Namen der Bluse erinnert ahukäiized T. VIII 8; deren andere Benennung ist abivammus (N:o 300).
Der estnische Name eines Pelzes ist kazukas T. XI 2, 4 und 5.
Die Schweden benennen den Überrock: Idol T. IX 6 und X 7, störiakk N:o
472, grokil T. X 2 oder vams T. X 8 und N:o 525. Kurze Jacken haben auch den Namen
vams T. VII 12, jakk T. VIII 6 u. 11, rokk T. VII 16 u. VIII 7 oder kamisol (N:o 468),
wobei der Eigenschaftsname hinzugefügt wird. Sie benennen den Pelz kask T. XI 1 u. 3.
IV. Überröcke und Jacken.
23
Die Letten haben lange Röcke swahrki (ssivärki) T VIII 1; XI 7 und 8, kurze
kamsolis od. bürste T. VII 2j; VIII 3 und wamschi T. VII 4.
Der Name einer kurzen Jacke ist bei den Liven vamz T. VIII 2. Übrigens sind
auch bei ihnen die Benennungen kamzuol und jak gebräuchlich. Den „Kittel“ oder
Überrock nennen sie (nach Sjögren) vanä äWn (N:o 696). Derselbe kommt jedoch im
Museum nicht vor (sieh’ Bild 71).
Wenn wir dieses Verzeichniss mit dem der Hemde und Frauenröcke vergleichen,
gewahren wir, dass ganz verschiedene Gegenstände häufig dieselbe Benennung haben.
Bisweilen wiederum hat ein und derselbe Gegenstand an demselben Orte mehrere Namen.
So z. B. bezeichnet, wie schon erwähnt, der Name särk ausser Hemd und Unterrock,
stellweise auch einen langen oder kurzen Überrock. In der Form T. X 4 wird dieser
Name dem weiten Überrock, dessen anderer Name ärmäk ist, beigegeben. Hier deutet
der andere Name nach Osten hin, woher diese Form sicherlich herstammen mag. Den
noch haben die Setukesen ihn särk getauft. Bloss den letzteren Namen trägt die Form
T. IX 7, ebenfalls ein setukesischer Überrock, der von demselben Typus wie der in T.
X 6 ist. Die Art den Kragen und die Brustöffnung mit verschiedenfarbenen Zeug
stücken in diesen Formen hübsch auszuzieren ist den übrigen estnischen Röcken fremd
und scheint eine Zugehörigkeit der russischen Tracht zu sein. Die Taschen sind in den
Überröcken T. IX 7 und X 6 in gleicher Weise ausgeziert. Die auffälligsten Eigenheiten
in dieser neuen Form stammen also aus dem Osten her, aber der Name ist den Nach
baren. im Westen entlehnt, bei denen derselbe den Formen T. IX 1, 3 und 4 angehört.
(Sonst ist die Form IX 3 identisch mit dem weissrussischen „Siti“). Diese neue Form und
deren Name hat bei den Männern den volkstümlichen Überrock räpik verdrängt (N:o 47).
Särk bedeutet im Estnischen, sowie auch im Schwedischen, dem diese Benen
nung entlehnt ist, auch Hemd, welches wohl auch die ursprüngliche Bedeutung des
Wortes sein mag, obgleich dieselbe späterhin auf andere Kleidungsstücke übergegangen
ist. Im Vorigen haben wir schon erwähnt, dass man sich den schwedisch-estnischen Überrock
in T. IX als die weitere Entwickelung eines hemdartigen Kleidungsstückes denken kann.
Dass in mehreren Fällen der Name auch auf die Überröcke übergegangen ist, deutet
nur auf die Logik des Volkes hin. Die Entwickelung der Formen beruht öfters wohl
auf äusserem Einfluss, wovon wir oben ein Beispiel auf setukesischem Gebiet wahrge
nommen haben. Dessen ungeachtet ist es folgerichtig, dass man auch der veränderten
Form des setukesischen Überrockes, den Namen särk gegeben hat, da derselbe dem
Haupttypus nach sich dennoch den übrigen estnischen Überröcken anfügt.
Wenn also die kurzen Jacken aus den langen Röcken entstanden sind, wie wir
im Obigen in Bezug auf einige Formen wenigstens nachgewiesen zu haben glauben, so
ist es kein Wunder, dass der Name särk den Weg auch zu den Jacken gefunden hat.
Da die Überröcke auch andere Namen haben, so hat man sie auch bei den kleinen Röcken
zu erwarten. So ist wie schon oben erwähnt worden, vammus die Benennung für die
Formen T. X 3 und VII 14. Ebenso ist es ersichtlich, dass der Name kuub vom grossen
Überrock auf die kleinen Jacken übergegangen ist, T. IX 9 und VIII 12.
24
V. Hosen und Westen der Männer.
V. Hosen und Westen der Männer.
A. Allgemeines.
Der Gebrauch von Beinkleidern ist bei den Völkern des Alterthums, sowie auch
bei denen der letzteren Zeit sehr verschieden gewesen. So trugen bekanntlich, weder
Griechen, noch Römer Beinkleider. Dagegen waren sie bei einigen orientalischen Völkern
im Brauch, vorzugsweise bei den Persern, wo dieselben am frühesten angetroffen werden.
Auch die Scythen, Sarmaten, Gallier u. a. trugen Beinkleider. In den bekannten Funden
aus dem Bronzealter Dänemarks kommen sie nicht vor, aber wurden in Moorfunden
aus dem älteren Eisenalter angetroffen. Tacitus erwähnt keiner Beinkleider bei den
Germanen, jedoch sind solche auf Grabmalern abgebildet. Das Letztere dürfte vorzugs
weise doch nur den höheren Ständen gelten, denn die deutschen Bauern gingen oft noch
gegen Ende des Mittelalters mit nackten Beinen umher. Es wurde desshalb eine Ver
ordnung 1390 (in Konstanz) gegeben, in der es heisst, dass man „sin schäm hinten
und vornen decken müg, dass man die nit sehe“. Die langen Hosen der alten Skandinaven hiessen „bröker“ und an deren Säume wurden Bänder um die Schienbeine ge
bunden. In gleicher Weise banden auch die alten Preussen ihre langen Beinkleider.
Das russische Volk hat wohl zu allen Zeiten lange Beinkleider getragen, woher bei
demselben die Entwickelung der Beinkleider im übrigen Europa nicht bekannt zu
sein scheint.
Die jetzigen europäischen Beinkleider haben sich aus den langen Strümpfen oder
Hosen des Mittelalters entwickelt, die, an einen Wamms genannten Unterrock befestigt,
getragen wrurden. Erst am Ende des Mittelalters schnitt man diese Hosen an den Knien
ab, so dass die Strümpfe von den Hosen getrennt wurden. Dies geschah zuerst in
Frankreich, aber durch die Landsknechte in Deutschland wurde diese Mode rasch weiter
verbreitet. Dieser Veränderung in der Männertracht entspricht die Trennung des Leib
chens vom Rock bei den Frauen. Im 16-ten und 17-ten Jahrhundert nahmen die Hosen
bei den höheren Ständen viele und sogar recht wunderliche Formen an, sowie „Pluder
hosen“ und „Puffhosen“, wTonach im Anfang des 18-ten Jahrhunderts die engen Hosen
aufkamen. Nach dem Jahre 1750 sah man Kniebüchsen aus gelbem Leder auch bei
anderen Leuten, als bei Soldaten und englischen Reitern. Diese Hosen wurden in die
Stiefelschächte gesteckt, die allmählich immer kürzer wurden, so dass die Hosen verlän
gert werden mussten.
Dies war die Grundursache der langen Pantalons zu Robespierres Zeit 1794, die
darauf auf das 19 Jahrhundert sich vererbten. In Folge dessen kamen die Strümpfe
ins Dunkle.
Wir erwähnten soeben des Wammses. Dasselbe war ursprünglich ein kurzes,
hemdartiges Kleidungsstück, das im Mittelalter unter dem Panzer getragen wurde.
Wenn es nicht so getragen wurde, konnte der Ritter es als Hauskleid gebrauchen oder
V. Hosen und Westen der Männer.
25
zog man eine röckckenartige Schecke oder Jacke an. Das Wamms, das mit Ärmeln ver
sehen war, konnte schon im Anfang des 16 Jahrh:s in Deutschland einen Faltenkranz
um die Taille haben. (Vgl. Taf. V 6 , 11 und V II 1). Das Wamms erhielt während der
neuen Zeit, wo offene Böcke auf kamen, grössere Bedeutung. Hieraus entstand gegen
Ende des 17 Jahrhunderts die Weste, die anfänglich ganz wie der Bock zugeschnitten
war, aber um 1700 begann die Weste ihre Länge zu verm indern und schliesslich kam
1780 aus Frankreich das „Gilet“, das keine Ärmel hatte und im Bücken aus einfacherem
Futterstoffe bestand.
Hosentaschen hatte man zuerst in den weiten Pluder- und Pumphosen ange
bracht, doch war ihr senkrechter Einschnitt in den vielen Falten nicht zu bemerken.
Hosenträger erschienen um die Zeit, da die engen Kniehosen auf kamen.
B. Detailübersicht (Taf. V I und V 7).
Kniehosen.
Es giebt sowohl lange, als kurze Hosen, s. g.
Sie sind aus zwei,
drei oder vier Stücken Zeug zusammengenäht. Kniehosen waren auf den Inseln und
an den Küsten vorzugsweise im Gebrauch; auf setukesischern Gebiet sind sie unbekannt;
das russische Volk gebraucht sie auch nicht. Die Hosen T. V I 4, 6 und 7 bilden ihrer
Technik nach eine eigenthümliche Gruppe. An jedem Hosenbein ist nur eine Naht, die
aber nicht wie an den übrigen Hosen entweder innerhalb oder ausserhalb der Hosen
beine (das letztere ist nur an den Hosen N:o 158 der Fall), sondern hinter denselben
sich befindet. Die Form V I 6 ist aus zwei Stücken Zeug zusammengesetzt, aus denen
auch die Falten hinten gebildet sind. In der entsprechenden Form T. VI 4 befindet
sich ein besonderes Stück mit einer Naht in der Mitte. Dasselbe ist breit, hat aber
unten zwei keilförmige Verzweigungen. In den Hosen T. V I 7 sind die Verzweigungen
dieses Zwischenstückes lang und reichen bis an die untere Öffnung der Hosenbeine.
Dieser Hosentypus wird auf lettischem T. V I 4 und auf estnischem Gebiet T. V I 6 ,
sowie auch auf der Insel Bunö T. VI 7 angetroffen. Als Muster für die Form auf
Bunö dient ein in der Kirche befindliches Bild N:o 578 b. Man weiss jedoch nicht ob
der doppelzweigige Keil auch an den abgebildeten Hosen sich befindet1.
1 In dieser Nachahmung kann nicht einmal die Rede sein von einem Nachbilden der Details,
wie Schmidt vermuthet, dass es sein müsste, wenn die Tradition anzunehmen wäre, nach welcher das
in der Kirche von Runö befindliche Ölgemälde vom Herzog Wilhelm von Kurland das Muster zur
Festtracht der Männer gegeben hätte. Er sagt nämlich (Einige Notizen etc. S. 18 — Archiv S. 550):
„Die Sonntagstracht der Männer besteht in einer hellgrauen, mit einer Reihe schwarzer Horn
knöpfe zugeknöpften Watmal-Jacke, deren Schössen, eine Hand breit über die Hüfte reichend, den
Körper rundum faltig umgeben, — in kurzen, ziemlich stark bauschigen und faltigen Hosen von Lein
wand oder Watmal und wollenen Socken, deren oberer Saum wie eine faltige Krause von den wollenen
Strümpfen absteht und über dem Knöchel von einer mit buntfarbiger Stickerei geschmückten Binde
zusammengezogen sind. Ihre Pastein sind von Seehundsfellen, das Rauhe nach Aussen gekehrt und
mit ledernen Riemen über Fussblatt und Hacken kreuzweise befestigt. Das Haar ist, fast wie bei den
Russen, kurz geschoren und ihr Haupt von einem runden Hut mit breiter Krämpfe bedeckt. Dass
diese ihre Festtracht der des Herzogs Wilhelm von Kurland auf dessen in Lebensgrösse mit colorirten
Ölfarben auf Leinwand gemalten und an der Wand der Kirche hängenden Bildnisse nachgeahmt sein
sollte, kann ich nicht finden. Der Herzog erscheint dort, den rechten Arm in seine Seite gestützt,
26
V. Hosen und Westen der Männer.
Unterhosen
Einige lange Hosen werden im W inter als
, im Sommer aber als ge
wöhnliche Hosen getragen (N:o 452). Man gebraucht keine Tragbänder um die Hosen
ein B and oder einen Knopf. An einigen
am Körper festzuhalten, sondern einen
Hosen fehlt, an anderen findet sich ein besonderer Quer], durch den der Gürtel gefädelt
wird (N:o 46). Einen solchen Querl mit frei sich bewegender Schnur hatten nach Olearius die russischen Hosen im 17 Jahrhundert (Eeisebeschreibungen S. 91). Bisweilen reicht
der Querl nicht um den ganzen Körper T. V I 9. V orn an den Hosen ist entweder ein
einfacher Spalt oder eine
, deren Breite verschieden ist. An einigen Hosen ist
die eine Hälfte der Klappe festgenäht, sodass nur an der einen Ecke derselben Knöpfe
Vorkommen T. V I 2 und 1 1 . A nstatt des Knopfes kann auch ein kurzes Band oder
Holzpflöckchen (N:o 450) Vorkommen, welches letztere auch als Pfeifenkratzer dient (0.
K.). Andere Klappen haben zwei bis vier Knöpfe. Hieraus ersieht man, dass die
Klappe sich allmählich entwickelt hat, da statt deren früher einfach eine Öffnung vor
kam, von der aus die Hosen mit einem Gürtel oder mit Bändern um den Leib ge
spannt wurden.
An einigen Hosen befindet sich eine
auch hinter dem Querl T. V I 2 ,
7 und 8 . Dieselbe fehlt an allen Hosen, die mit einer Schnur gespannt werden T. VI
1 , 3, 4 und 6 und auch an einigen, an denen Knöpfe und Klappe angefangen haben
aufzutreten T. V I 9—11., Also ist diese zweite Spannstelle des Querles verhältnissmässig späten Ursprungs. In Bezug auf den Querl und dessen Öffnungen bilden also die
Hosen T. VI 8 die meist entwickelte und T. V I 1 die einfachste Form.
Über die langen Hosenbeine zog man Strüm pfe mit eleganten Schäften, die mit
festgebunden wurden, sieh’ Trachtenbilder 1 , 4, 9, 1 0 und N:o 215, 384. (Hier
auch über die kurze Hosenbeine). E rst als die kurzen Hosen (natürlich durch äusseren
Einfluss) aufkamen, fing man jedoch an die Strüm pfe unter die Hosenbeine zu stecken
— Trachtenbilder 16, 17 (in den Originalen deutlicher), 31, 46, 48 und 51. Unter den
Knien befestigte man die Hosenbeine gewöhnlich mit Bändern, die zugleich als Strum pf
bänder dienten (N:o 451, 506), oder mit
, welche jedoch späteren Ursprungs
sind. An einigen Hosenbeinen kommt keins dieser Befestigungsmittel vor T. V I 7 und
9, an anderen findet man sogar beide T. V I 1 0 . Also auch hier hat man mit Bändern
angefangen und mit Knöpfen geendigt. Aber auch diese sind fortgeblieben, besonders
Gürtel,
Klappe
Spannstelle
Schnüren
Knöpfen
in einer seidenen, zwar auch eng anschliessenden Jacke, aber mit Pluderhosen, wohl dreifach weiter
und faltiger als die bauschigen Beinkleider der Runoer. Am Querl unter dem Knie sind seine Hosen
mit grossen Schleifen versehen, wie solche auch seine Schuhe schmücken, seine Aermel mit schönen
breiten Spitzen umbrämt, die Brust mit einer grossen goldenen Kette umhängt, sein Haupt mit einem
Baret bedeckt und seine Schultern mit einem sehr weiten Purpur-Mantel bekleidet“.
Abgesehen von der goldenen Kette, den Spitzen, dem Mantel (Umlegetuch), was die Frauen,
jedoch nicht die Männer auf Runö tragen, haben die übrigen Kleidungsstücke an der Tracht des Her
zogs Seitenstücke in der jetzigen Männertracht. Der kurze Rock des Herzogs ist analog der Form in
T. VII 12 (Trachtenbild 51), ebenso haben die Pluderhosen zu den bauschigen Beinkleidern Veranlas
sung gegeben, wie man sie nicht anders wo in den Ostseeprovinzen kennt, welcher Umstand gerade
am Deutlichsten auf jenes Vorbild hin weist. Wenn der Herzog ein Baret hat, so scheint dem Schwe
den schon der „Brseihatt“ stattlich. Schmidt weiss nichts von den Schuhen der Runoer, an denen
sich Schnallen befanden, und die er auch an den Füssen des Herzogs nicht bemerkt hat (sieh’ JST:o
600). Auch die Knieschleife scheint nicht gänzlich am Beine des alten Mannes von Runö zu fehlen.
Also hat das Bild des Herzogs in der That der Männertracht auf Runö als Muster gedient.
V. Hosen und Westen der Männer.
27
lange Hosen
nachdem man wieder angefangen hat
zu tragen — Trachtenbild 38 — die
jetzt allgemein in den Ostseeprovinzen Vorkommen.
Die Hosen macht man entweder aus Leinwand T. V I 1, 4, 6, 8 und 11, aus
W olle (alle übrigen Nummern in T. VI), oder aus sämischem Leder, welche jetzt jedoch
selten auf estnischem (N:o 153) und auf lettischem Gebiet angetroffen werden (Katalog
d. lett. ethnogr. Ausstellung in B iga 1896 S. 89, N:o 130).
Jcaadza’ (kaltsad)
Die Formen und Namen der estnischen Hosen sind:
T. V I 1
und 6 ;
T, VI 3;
T. V I 2 , 8 und 11 und N:o 82, 153, 452; der schwedi
schen:
T. V I 5;
T. V I 7;
T. V I 9 und 1 0 ; der lettischen:
T. V I 4 und
(N:o 662).
uuzad
ishuso
uhsas
püTcsid
bihso
Jcnoebilcsar
Die livischen Hosen sind mir nicht näher bekannt; deren Name ist
696).
Einige Hosen haben eine
Weste
Tasche, anderen fehlt dieselbe.
bilcses
büMdd (N:o
Die
war bei den Setukesen unbekannt und scheint auch auf den übrigen
Gebieten, die unserer Forschung unterliegen, neu zu sein. Dieselbe findet sich in den
Sammlungen nur aus dem estnischen und schwedischen Gebiete. Im ersteren wird sie
(N:o 385), im letzteren
genannt; deren Abbildung gewahren wir in T. V 7.
Auch wird der lettischen
(N:o 663) erwähnt.
vest
snevoel
weste
VI. Gürtel, Bänder und Taschen.
A. Allgemeines.
Der Gürtel, sowie jedes andere Kleidungsstück dient sowohl zum Nutzen, als zur
Zierde. Schon zu Salomos Zeit wickelten die hebräischen W eiber bunte Gürtel m ehr
fach um den Leib. Ein kunstvoll gewebter Gürtel gehörte zu der prachtvollen Frauen
tracht im Bronzealter Dänemarks. Gürtel, oder zu denselben gehörende Schmucksachen,
findet man in den Trümm ern der Gräber aus der Heidenzeit auch in den Ostseepro
vinzen. Die Personen, die zum Gefolge der byzantinischen Kaiser gehörten, mussten
ein „cingulum bullatum “ schräg über die B rust gelegt tragen. Im Jah r 1370 wird zum
ersten Mal der s. g. Schellengürtel E rw ähnung gethan, die darauf in Deutschland we
nigstens allgemein wurden. Auch die altpreussisclien Mädchen pflegten nach Erasmus
Franziscus Schellen an Bänder zu befestigen, die vom Gürtel bis an das Knie herab
hingen, um einen Freier wissen zu lassen, an wen er sich wenden könnte. Die Sitte
Schellen an der Schürze zu tragen, hat sich bei den Mädchen auf Mohn bis in die letzte
Zeit bewahrt (Sieh’ N:o 262). Die Aufgabe des Gürtels ist doch zunächst gewesen W af
fen und allerhand andere nützliche Dinge, wie Feuerzeug, Messer, Börsen u. s. w. zu
tragen. So gehörte zum festlichen Aufputze der Mädchen auf Laaland im 16-ten J a h r
hundert noch ein farbig ornamentiertes Zeugstück, welches doppelt zusammengelegt unter
28
VI. Gürtel, Bänder und Taschen.
Abb. III. Livisches Kettengehäng. Nach J. ß. Aspelin. Antiquités du nord finno ougrien. V 2080.
dem Gürtel befestigt w urde; am
Gürtel hing ein Täschchen und
ein Messer.
Dass der Gürtel aus ver
schiedenartigem Material ge
macht und n.ach bestem V er
mögen und Geschmack geziert
wird, ist natürlich. Aber im
M ittelalter wurde der Gürtel
selbst zu einem Schmuck, der
sogar an die Tracht festgenäht
wurde. Bald hing er lose vom
Mieder herab, bald wurden ver
schiedene hängende Schmuck
sachen daran befestigt, wie so
eben erwähnt worden. Bezeich
nend für die Geschmacksrich
tung im M ittelalter sind die mehr
oder minder kettenartigen A n
hänge, von denen wir in der
Detailbehandlung einige Proben
werden kennen lernen. Auch in
Einland, z. B. in W iburg tru
gen die Damen im 17-ten Ja h r
hundert hängende Silbergürtel.
Der stattlichste Schmuck
des livischen Weibes in der
Heidenzeit war das grosse K et
tengehäng (Abb. III). Die estni
schen W eiber auf Dagden schei
nen bis auf unsere Zeit die E rin
nerung an diesen Schmuck
bewahrt zu haben, der als ein
Kettenanhängsel an den Gürtel
gefügt wurde (Taf. X V 4). Ob
gleich dieses Anhängsel in Be
zug
auf seine technischen
Details ganz anders ist, als an
dem Ort,, wo er getragen wird
(sieh’ näheres in der Detailbe
handlung), scheint der allge
meine Typus doch auf das livi
sche Kettengehäng hinzudeuten.
VI. Gürtel, Bänder und Taschen.
29
Die Träger desselben sind mit ihm ins Grab gegangen, deren Erben haben ihm einen
anspruchsloseren Platz an ihrer Tracht angewiesen, indem die im Mittelalter und im
Anfang der neueren Zeit herrschende Sitte, den Gürtel und dessen Anhängsel unterhalb
der Taille Bögen bilden zu lassen, auf sie eingewirkt hat.
B. Detailübersicht (Taf. X IV , XV, X X X und IY 1 0 , 17, 2 0 , 2 1 u. 23).
Es giebt zwei A rten Gürtel, die eine aus Leder, die andere aus Wolle. Lederne
Gürtel werden an einigen Orten von Männern, an anderen von Frauen getragen. Von
diesen Gürteln sind am m erkwürdigsten die, die man bisweilen auch jetzt noch bei den
Frauen in den Kirchspielen Emmast und Keinis auf Dagden antrifft. Sie siad mit Mes
sing-, oder Kupferplatten, Knöpfen und K etten geziert, und daher ist deren eigentlicher
Name „K upfergürtel“ T. X Y 1 , 4, 6 , 7 und 9. Hupel sagt (Topogr. Nachr. II 150):
„Alles trägt Gürtel um den Leib: die M annspersonen gemeinlich lederne, einige, sonderlich
Letten, an deren Statt ein Tuch, unverheiratete Ehsten haben ihren ledernen G urt mit
vielen messingenen Schnallen besetzt; alle tragen den Gurt über den Rock“. — S. 190
vom selben Theil sagt H. (von der lettischen Tracht): „W ohlhabende Weiber, vornemlich
bey Riga, tragen silberne, ärmere messingene Gürtel von Kettenarbeit, an welchen sie
ihre Messer befestigen“. Ohne sie näher zu beschreiben sagt auch Kruse (Necrolivonica,
S. 31): „Messinggürtel haben noch die W eiber der Cur’schen Könige, die sie aber sel
ten mehr tragen, und die W indauerinnen“. — Aber Seite 10 sagt er: „In Curland, be
sonders um Goldingen und W indau, tragen noch jetzt Männer und W eiber häufig Mes
singgürtel mit anaglypsisclien Figuren, Taf. 70, Fig. 2 und 5 U, [welche Tafel, wie mehrere
andere, in der Necrolivonica-Edition, die die Helsingforser Museums-Bibliothek besitzt,
fehlt]. In „Anastasis“ (Yorrede 1 1 ) sagt Kruse, dass er solche Gürtel auch auf Osel
gesehen hat. Am estnischen Gürtel hängen ein Messer mit Scheide und ein Beutel mit
einer Nadelbüchse T. XY 2 , 4, 5 und 8 , sowie auch an den karelischen Gürteln, denen
jedoch die Ketten fehlen.
Die
erinnern an die Bronzeketten, mit denen im Heiden thum die livischen
W eiber Hals und B rust schmückten. (Hausmann, Katalog. Einl. X X X V II und Taf. 1 2 .
— Auch Abb. III). Schwer ist anzunehmen, dass die jetzigen Ketten auf Dagden aus
der Heidenzeit abstammen, weil die A rt und Weise, wie die jetzigen verfertigt und ge
tragen werden, ganz anders ist. Die alterthümlichen Ketten waren aus Bronzeringen
zusammengefügt, die jetzigen werden aus 8 -förmigen Messinggefügen zusammengesetzt.
Ausserdem werden diese jetzt hinten und an der rechten Seite am Gürtel hängend
getragen. Die Brustketten der Setukesen erinnern in diesen Hinsichten mehr an die
Brustverzierungen aus der Heidenzeit T. X X IY 3 und Kapitel IX. Die Esten scheinen
durch äusseren Einfluss die Sitte zum Auszieren der Gürtel mit Ketten, wenn auch
nicht deren Form, erhalten zu haben. D arauf scheint auch der Umstand hinzudeuten,
dass die Mazuren in Polen einen mit Metallknöpfen gezierten Gürtel tragen, an dem
ausser Messer und Scheide und einem Beutel mit Feuerzeug, an einen Riemen gehängte
Ketten
VI. Gürtel, Bänder und Taschen.
30
Metallringe hingen. Einen solchen Gürtel habe ich im krakauschen Gewerbemuseum
abgebildet (Abb. IV). Der schon erwähnte Olearius erzählt an der angegebenen Stelle
(sieh’ die Abb. I) S. 54 von der „undeutschen“ oder estnischen W eibertracht unter an
derem Folgendes: ..sie tragen enge Röcke wie die Säcke, auf welchen hinten messingne
Kettlein mit Zahl-Pfennigen hangen, unten sind sie mit gehlen Glass-Corallen verbrem et“.
Diese Mittheilung, sowie auch die Ab
bildung beweisen also, dass die est
nischen W eiber schon im Anfang des
17-ten Jahrhunderts hinten Ketten
trugen, an denen Münzen hingen. —
Auch Hupel erw ähnt (Top. Nachr.
II i79): „Hinten auf dem Gesäss tra
gen sie (d. i. die W eiber in Jerwen)
eine lang herabhängende K ettenar
Abb. IV. Mazurischer Gürtel aus dem 19-ten Jahrh
Krakau.
beit, wie einen Panzer, die sie
nennen, um den Leib befestigen und
mit 4 bis 5 Rubeln bezahlen“. Die Münzen aus Olearius’ Zeit sind an den jetzigen
Gürteln in klingenden F litter verwandelt (N:o 420). Aus anderen, von Olearius gemach
ten Bildern gewahrt man,' dass die russischen und vielleicht auch die deutschen W eiber
zu jener Zeit hängende, mit Schellen versehene G ürtel trugen. Hinsichtlich derselben
ist die Abbildung V erläu tern d 1.
röhhud
Übrigens findet man sowohl in Polen als Ingerm annland lederne Gürtel, die
mit m ehreren Reihen von
geschmückt sind. Einen solchen Gürtel sah
ich im Rumjantsowschen Museum in Moskau. (B.
0. MHjureprB, Chctöm. ormcaHie KojuieKififi J^aniKOBCKaro
3THorpa(J). jviysen III j\« 198, Seite 193), An dem ingermannländischen Ledergüriel, Namens
sind
der Länge nach 3 Reihen Zinnverzierungen, die
denen an den estnischen Gürteln nicht ähnlich sind.
Bevor man sich mit dem Gürtel um gürtet, wird er
mit Kreide blank gescheuert. Dasselbe erzählt Ruszwurm von den Gürteln auf Dagden (Eibofolke,II S. 59).
Abb.' V. Russische Leute aus dem
Der ingermannländische Gürtel wird an der rechten
17-ten Jahrh. Nach Olearius.
Seite befestigt, wo ein ausgenähtes weisses Tuch,
Namens
oder
, welches an einer Seite reich geziert, an dem Gürtel
herabhängt,
MetallJcnöpfen
puute
vyörätti
pitJcärätti
1 Sie ist dem Werke PyccKia JpeBHOCTii B. llpoxopoßa, O-HeTepöyprjb 1876 entnommen. Der
Verfasser erklärt, dass er das Bild dem Werke des Olearius entlehnt hat. In der mir zu Gebote ste
henden Auflage fehlte jedoch dieses, sowie auch manches andere Bild. Von den abgebildeten Personen
ist die erste ein Weib, die zweite ein Mädchen, die dritte ein Dienstbote und die vierte ein Herr.
Alle gehen zur Waschstelle der Wäsche.
VI. Gürtel, Bänder und Taschen.
31
Leinwandtücher
puuzarät't1
Auch die Setukesenweiber trugen früher
Namens
am
Gürtel T. IV 13, die an beiden Enden mit Stickereien geziert waren. Sie wurden über dem
Gürtel getragen, so dass beide gezierte Enden, das eine auf dem anderen, sichtbar waren
(sieh’ Trachtenbild 3), wie man es bei den M ordvinen stell weise noch jetzt sehen
kann. (Sieh’ Axel 0. Heikel, Trachten und Muster der Mordvinen. Taf. X L III, Fig.
7 und 9).
Die übrigen Ledergürtel sowohl für Weiber T. X V 12, als Männer T. X V 10
und 15, Trachtenbild 31 und N:o 389, sind sehr einfach. Die Gürtel T. X V 1 0 und 12
sind estnisch. Die Zierrathen an den Schnallen der letzteren sind sehr verschieden T.
XV
13 und 14.
auf
Bunö
Der Gürtel T. X V 15 stammt aus1lettischem Gebiet her.
haben
Gürtel
aus Schweineleder
von
derselben Form
Die Männer
wie T. X V
10
582).
Die
nebst den
sind bezüglich ihrer Verfertigung von dreierlei
A rt: 1 ) geflochtene (für Weiber) T. X IV 2 und 6 , X X X 3 und zum Theil auch 5; (für
Männer) T. X IV 3; X X X 1 und 2 ; N:o 80, 173, 388 und 408; (für das Schwert) T.
X IV 7; 2 ) auf B rettern gewebte: T. X IV 1 0 ; X X X 4, die bei den setukesisclren Män
nern gewöhnlich sind (N:o 4 5 ); 3) mit W ebeschaft und „einem Schw ert“ gewebte:
T. X IV 9, 1 und 4; X X X 5—15 und (N:o 51), 67, 115, 149, 191. 271, 387, 408
und 531 b.
Die letzterwähnten Gürtel sind die gebräuchlichsten. Nur in Ausnahmsfällen werden
in den Sammlungen gestrickte Gürtel (Band) angetroffen (N:o 336). Die mit W ebeschaft
gewebten
bilden eine der
Sie sind hinsichtlich
der Muster und Breite sehr verschieden; die estnischen Gürtel können über 1 0 Cm breit
sein (N:o 115). So breite lettische Gürtel kenne ich nicht. Die Zierrathen sind alle geo
metrisch und gewöhnlich an der einen Seite des Gürtels roth, theilweise auch ander
farbig, an der anderen Seite weiss. Ü berhaupt sind diese Muster bei den Letten ver
schiedenartiger und origineller als bei den Esten, obgleich auch bei diesen sehr hübsche
Vorkommen. — Hupel (Topogr. Nachr. II 150) sagt: „die W eibspersonen weben ihre
Gurte von Wollen und Zwirn, die Ehstinnen mit allerlei Blumen werk; die Lettinnen ein
farbiger“, wrnnach also die Letten dem Beispiel der Esten folgend erst späterhin ange
fangen hätten (Hupefls Buch ist im J. 1777 im Druck erschienen) ihre Gürtel mit „Blu
m en“ auszuzieren. Bei den Letten wechselt das Muster im demselben Gürtel öfters ab
(N:o 631 und die Erklärung zum Bilde 6614 ). Auf estnischem Gebiet ist das eine
Ende des Gürtels häufig in anderen M ustern gewrebt, als das andere (N:o 191 und 331).
Dasselbe ist bei den Schweden auf den Boginseln der Fall (N:o 531b). An den B ändern
alterthümlieher Gürtel findet man andere Muster als in der Mitte T. X X X 1 2 . A uf
Osel und vielleicht auch anderswm werden während der Trauer dunklere Gürtel als sonst
getragen (N:o 331). Auf dem ganzen, von mir erforschten Gebiet ist Bunö die einzige
Gegend, wo eigentliche gem usterte Gürtel vollständig unbekannt sind. Nur schmale Bän
der für die Kniehosen wurden dort in M ustern gewebt T. X IV 8 . Auch in Worms ka
men dieselben verhältnissmässig spärlich vor, auf den Boginseln waren sie jedoch sehr
allgemein, aber den estnischen Gürteln ähnlich. Augenscheinlich haben die Schweden
in den Ostseeprovinzen ursprünglich keine in Mustern gewebte W ollengürtel gehabt.
(N:o
Wollengürtel
Bändern
Gürtel
schönsten Zierrathen der Weiber.
VI. Gürtel, Bänder und Taschen.
32
An einem W eibergürtel, den ich in Paistel, in der Gegend von Willancl angetroffen
habe, befinden sich zwischen dem Gürtel und der grossen Troddel verschiedene
T. X IV 1, eine A rt des Auszierens, die schon in der Heidenzeit vor
kommt. F ü r eine Fortsetzung dieser A rt des Auszierens können wir die „Hühnerzehen“
ansehen, in welche die Gürtel oft auslaufen und die so gemacht werden, dass man das
Garn um mehrere Fäden des Aufzugs dreht T. X IV 2—5 und N:o 480. Gewöhnlich
wird der W ollengürtel oberhalb des Rockquerles, bisweilen über dein Mieder des Rockes
um den Körper gewunden. Bloss auf Mohn, wo diese Gürtel schmal und länger als
gewöhnlich sind T. X X X 5, winden die W eiber sie mehrere Male um den Körper. F rüher
war diese Sitte gewöhnlicher, sieh’ HupeL Top. Nachr. II 150. Auch sagt er S. 179: „den
Gürtel wickeln (die W eiber in Jerwen) bis unter die B rust um sich, daher sie ungemein
schmal aussehen“. — In derselben Weise spricht auch P etri (Ehstland I I 180). — Die
selbe Gewohnheit scheinen früher auch die W eiber auf W orms gehabt zu haben, deren
Gürtel auch schmal waren, der Farbe nach blau (Ruzswurm, Eibofolke II S. 62. Sieh’
auch N:o 480); die auf Mohn dagegen sind jetzt wenigstens orangefarben.
Die bunten
sind entweder einfarbig T. X 5, oder mit geraden
Streifen versehen T. X X X 2, 14 und 15, sowie auch N:o 157, 173, 271 und 388. B is
weilen ist der Männergürtel quadrirt T. X X X 1. D ie Männer binden die Gürtel um
ihre Röcke (sieh’ Trachtenbilder 1, 17, 48 und 60; T. X 5 und N:o 271, 391 u. a.). Nur
Spiralen
aus Metalldraht
Gürtel der Männer
die W eiber auf Worms scheinen früher die. Gewohnheit gehabt zu haben einen Gürtel
um ihre „Kittel“ oder den Überrock zu binden (sieh’ Trachtenbild 47). Wenn das Hemd
über
den Hosen getragen wird, binden die Männer einen Gürtel um dasselbe (N:o 45
und
80).
Nur während der Sommerarbeiten treten die Weiber bisweilen ohne Rock
auf, d. h. im blossen, mit einem Gürtel umbundenen Hemde T. I 8 und N:o 235.
Dies
scheint auch zu Olearius’ Zeit (Sieh’ Abbildung I) der Fall gewesen zu sein.
Gürtel werden stellweise ausser an den Lenden auch an anderen Stellen des
Körpers getragen. So wdrd bei den Setukesen dem Bräutigam der Gürtel über B rust
und Rücken gebunden, dass er mit dem der B raut zu schenkenden „linik“ (Tuch) ein
Kreuz bildet (sieh’ Trachtenbild 1). Hupel erw ähnt desselben bei dem lettischen B räuti
gam und bei dessen einem oder zweien Bräutigam skerlen (Top. Nachr. II S. 192): „sie
haben über die eine Schulter einen Gurt, über die andere ein weisses Tuch kreuz weis
wie Ordensbänder gebunden“. Dasselbe ist der Fall auf der estnischen Hochzeit (II 175).
In gleicher W eise trugen die Bojaren, die im 16-ten uud 17-ten Jahrhundert als Leib
trabanten dem Zaren dienten, kreuzweise liegende Goldketten an der B rust [B. IIpoxopoBTb, PyccKia ^peBH. S. 6 —7]. Ebenso hat auch der Bräutigam den Leibtrabanten
dienst bei seiner Braut angetreten. — Von den Preussinnen sagt Prätorius-Pierson (S.
79): „Alle der B raut Freunde sind mit H andtüchern ins Kreuz gebunden und mit K rän
zen hin und wieder versehen und also reiten sie zu des Bräutigams H ause“.
D er Bräutigam trägt also einen Gürtel gelegentlich. In der Regel gehört der
selbe auch zur H aartracht des Setukesenweibes (Trachtenbild 3, T. X IV 2). Mit einer
A rt Gürtel, d. h. gewöhnlich mit bunten Bändern, um bindet man auch die Beine, d. h.
die Strümpfe und Kniehosen T. X IV 3 —5 und 8, X X X 6 und 7; N:o 379, 380, 408,
VI. Gürtel, Bänder und Taschen.
33
470, 502 und 656). Stellweise wird der Saum des Kleides mit breiten Bändern ausge
ziert T. I 1, 8; IV 6. Auf der Hochzeit wird das Schwert in ein geflochtenes Band
gesteckt T. X IV 7. Früher band man Gürtel auch an die Kanne, aus welcher auf dem
W ege nach dem Hause des Bräutigams getrunken wurde, und an den Dudelsack (Hupel,
Top. Nachr. II 175).
Die B raut muss eine grosse Menge von Gürteln verfertigen, die dann auf der
Hochzeit den Verwandten und Gästen entweder allein (N:o 10), oder zusammen mit
Faust-, Fingerhandschuhen oder Strüm pfen verschenkt werden T. X X V III 13, sowie
N:o 224, 227 c und 455. Bisweilen bekommt die B raut auch fertige Gürtel zum V er
schenken. In früheren Zeiten opferte man Gürtel sogar auf den Gräbern ungetaufter K in
der, die auf Kreuzwegen begraben wurden, an denen der Hochzeitszug vorbeizureiten
pflegte. (Olearius, Eeise-Beschr. S. 54).
Der Name des eleganten metallenen W eibergürtels auf Dagden, nämlich
XV 1 u. 4 ist schon oben erw ähnt; die Kette wird
(N:o 420) genannt, welches
W ort bisweilen den ganzen Gürtel, pars pro toto, bezeichnet. Die estnische Benennung des
Messers ist
X V 3, und der Messerscheide
XV 2. Die Nadelbüchse
wird
X V 5 und 8 genannt. Die übrigen Ledergürtel werden von den
Esten
oder bloss
genannt
X V 10 und 12, sowie auch N:o 389. Die
gewöhnliche Benennung des W ollengürtels ist
wie
X IV 1; X X X 1, 5 und 15,
sowie auch N:o 67, 80, 115, 149, 173 und 191, woran bisweilen ein anderes W ort zur
Bezeichnung des speciellen Zwecks desselben gefügt wird, wie z. B.
Kopfgürtel
X IV 2,
Hem dgürtel
X X X 4,
B rautgürtel
X X X 8 und
Kockgürtel
X X X 11. Um die Männer- und Frauengürtel von einander zu unter
scheiden, werden die ersteren stellweise auf Osel
X X X 12, die letzteren
(N:o 387 und 388) genannt.
oder
ist eine Nebenform
sowohl für WeiberX IV 6 und N:o 331, als auch für M ännergürtel
X X X 2.
X 5 und
(vom r. ny30 Bauch) N:o 271 sind auch Männergürtel.
T.
4 oder
, oder
ist ein Gürtel oder Band, mit
dem die Beine umbunden werden (N:o 379, 380 und 408) und gehört auch zu den Bein
lingen (N:o 212). An dem einen Ende desselben kann eine Ose, am anderen können
Hühnerfüsse Vorkommen (N:o 250).
Schwertband T.
7.
Die Schweden nennen die Leder- und W ollengürtel
(N:o 274, 509 und 582).
Mit
bezeichnet man ebenfalls einen W ollengürtel, aber auch ein Band, in welchem
Falle das W ort zur Bezeichnung des Zweckes, zu dem er dient, hinzugefügt wdrd, wie
z. B.
T. X X X 9 Gürtel, mit dem die Taille umbunden wird,
(N:o 502) Strum pfband und
() T. X IV 3 und 8 Knieband für die
Kniehose.
Bei den Letten .bezeichnet
einen Gürtel sowohl aus Leder
XV 15, als
aus Wolle
X X X 13 und 14. N ur in
X X X 13 haben wir einen Frauengürtel, die
beiden anderen sind M ännergürtel.
ist ein gürtelartiges Strum pfband
XXX
7. Die Liven benennen den W ollengürtel M l'
X X X 10. Das Strum pfband heisst
ebenso oder
X IV 5.
ist ein lederner Gürtel für Männer (N:o 696).
T.
vaskvöö
röhud
nuga T.
nöulalcoda T.
ndhJcrihm
T.
vöö
hamö-vöö
T.
isaste öö
T.
rciU T.
pusalcas
Säärpael XIV
noatupp T.
rihm
T.
T.
vöö,
mörza-vöö
sukapaela
hält
T.
Vöö-
XIV
läggebänd
Icncebänd buand
josta
T.
Preeivite
surpaJggdl T.
rüvü-
säärepaela,
band
T.
päävöö
T.
emaste öö T.
Hööpael (vööpael)
Tcerepael
— Mööga pael
iimbänd
T.
Nln
T.
T.
T.
5
VI. Gürtel, Bänder und Taschen.
u
Tasche
An keinem einzigen Rocke findet man eine
, daher wird an einem beson
deren Gürtelbande ein Beutel getragen. Beutel habe ich nur auf estnischem und schwe
dischen Gebiete angetroffen. In das erstere gehören die in T. IY 10, 17, 20 und 21
abgebildeten, in das letztere der in T. IY 23 dargestellte Die Weiber, besonders die
Bräute auf dem setukesischen und lettischen Gebiete tragen Hand- oder Taschentücher
in der Hand T. IV 4 und Trachtenbild 54. Die Beutel dienen auch zum Verwahren
von Stricknadeln und anderen Gegenständen, nicht aber von Taschentüchern.
B ei den Esten ist die Benennung des Beutels
T. IY 10, oder
T. IY
17 und 21. D ie Schweden nennen ihn
T. IY 23 oder
(N:o 499).
sitasTc
taslc
bindpungg
TcotiH
Zusatz. T. X IV 9 stellt eine angefangene Gürtelweberei dar. In a ist vöövarh Stöckchen, das auf eine Bank aufrecht gestellt ist. Mit einem kleineren Stöckchen b hebt man
den W eberschaft auf.
(In Finland wird statt des Weberschaftes ein hölzerner Kamm
tiuhta gebraucht, der das Weben bequemer macht und also auf eine entwickeltere Tech
nik deutet.
1903).
Sieh’ Th. Schwindt, Finnische Ornamente II. Bandornamente. Helsingfors,
Ferner ist c
rajpaja oder „das Gürtelschwert“, das die Stelle des Weberblattes
vertritt; an dessen Spitze werden auch die Kettenfäden zum Bilden der Muster getheilt;
d ist auch ein Stöckchen, um welches die Einschlagsfäden gewickelt werden; in e sitzt
die Weberin, auf deren Rücken der Aufzug sich befindet. Kühno. 4106, 262.
lavakid.
T. X IY 10. Das W eben des Gürtels auf B rettern
(Vgl. Über die B rett
chenweberei von M. Lehmann-Filhes. Berlin 1901). H ier sind 8 Bretter. Die Garnfä
den zum Muster werden mit den Fingern aufgelesen, mit denen auch der Einschlag
hinunter gedrückt wird. Aus dem Setukesengebiet im Gouvernement Pleskau.
4106, 261.
VII. Umlegetücher.
A. Allgemeines.
Der Mantel in seiner ältesten, allgemeinen Form bestand wohl aus einer
Thier-
haut, die über die Schultern geworfen getragen wurde. Einige ursprüngliche Völker,
wie die Patagonier, tragen noch jetzt Mäntel, die aus Thierhäuten verfertigt sind, als
einzigen Schutz des Körpers. In Thierhäute kleideten sich die ehemaligen „fenni“, nach
Tacitus Aussage.
Dasselbe erzählt Adam von Bremen von den Skridfinnen.
Man hat
sogar die Behauptung ausgesprochen, dass der Name „kainulainen“ (eines Theils der
Bewohner vom nördlichen Finland) in Verbindung mit dem finnischen „koirankuonolainen“ (Hundschnäuzler) stehen solle, welchen Namen man ursprünglich Personen ge
geben
hätte,
die Thierhäute mit daran sitzenden Klauen und Schnauzen zu tragen
VII. Umlegetücher.
pflegten.
In Ungarn
35
kamen Mäntel aus Thierfellen im X Y I—X V II Jahrhundert vor.
Die Kosackkirgisen tragen noch heut zu Tage als Überrock das glänzende Fell eines
Füllens, an dem der Schwanz festsitzt.
In Abyssinien werden zweierlei Mäntel gebraucht, von denen ein Theil aus Thier
häuten, ein anderer aus Zeug verfertigt sind.
Das merkwürdigste hiebei ist, dass der
aus Zeug gemachte bisweilen dieselbe Form wie der von F ell hat, wobei auch der K opf
und die Füsse des Thieres nachgeahmt sind. W enn man diese ausstehenden Theile von
der Peripherie entfernt, erhält man die gewöhnliche ovale Form des Mantels. Diese Form
hat auch eine „Kappe“, die u. A. in einem Eichensarg aus dem Bronzealter Dänemarks
gefunden wurde und an der äusserem Seite durch herabhängende Franzen rauh gewor
den ist, so dass das Kleidungsstück an eine beharte Thierhaut erinnert. — Mag nicht in
einem solchen Ursprung der typologische Grund für die ovale Grundform der römischen
Toga zu suchen sein?
Zeug
Am frühesten dürften wir im Orient Mäntel antreffen, die aus
verfertigt
sind und die natürliche vier- oder rechteckige Form des Zeuges haben. Von einer sol
chen Form waren alle im alten Hellas getragenen Mäntel, die sich sowohl hinsichtlich
des Materials, als auch in der Art und W eise, wie sie getragen wurden, von einander
unterschieden.
So lag der „himation“ lose auf den Schultern, nur von seinem eigenen
Gewicht gehalten, gleichwie die römische Toga.
Chlamys und Chlaina dagegen waren
kleinere Mäntel, die von einer Schnalle auf der Brust, oder der einen Schulter festge
halten wurden.
Alle Mäntel aus den Ostseeprovinzen, wo sie gewöhnlich Umgeletücher
genannt werden, sind von diesem letzteren Typus.
In solchen Mänteln sind auch die
Ostgermanen schon auf dem Monument Marc Aurels abgebildet.
Die Tracht der deutschen Ordensbrüder bestand aus einem schwarzen Kock und
Mantel
weissen Mantel mit schwarzem Kreuz. Ein weisser
, vermuthlich von weitläufigerem
Umfang als der gewöhnliche, bildete in älteren Zeiten ein Überkleid, in das man sich
bei festlichen Gelegenheiten nicht nur im Norden, sondern auch in den Ostseepro
vinzen zu hüllen pflegte. Erinnerungen hieran werden wir in der Detailbehand
lung finden.
Die ehemaligen preussischen Litthauerinnen trugen bisweilen nicht nur einen*
sondern zwei Mäntel.
So heisst es wenigstens bei Prätorius-Pierson:
„In Zalavonien
gebrauchen die Weiber „W epen“, das sind geworbene weisse Decken, die sie auf die
Schulter hängen, so das eine auf einer, die andere auf der andern Schulter, und mit
einem silbernen Pretzel zusammengeheftet, hänget und anstatt eines guten Pelzes wär
men können.
Im Sommer gebrauchen die Weiber ein weisses, auf dreilichte Art ge-
workenes Laken, das anstatt eines Mantels dient“.
Diese weissen W epen sind also von
derselben Form, wie die in Kap. III erwähnten bunten Margine.
Das letzerwähnte weisse Laken dürfte dagegen der Form nach im Zusammen
hang mit dem im vorigen Jahrhundert von preussischen Litthauerinnen getragenen „dro
bule“ od. „skepeta“ stehen, das auch von weisser Farbe, aber so gross war, dass es der
Länge nach dreifach zusammengelegt und darauf wie ein Langshawl über die Schultern
gelegt wurde.
Die Mitte des Shawls war mit einer breiten, ausgenähten Borte g e
ziert, die mitten am Shavvl sichtbar war, wenn derselbe getragen wurde.
—
Einige
VII, Umleg etlicher.
36
Mäntel gleichen auch in den Ostseeprovinzen den Langshawls, aber werden einfach,
nicht zusammengelegt getragen.
Von derselben Form ist auch die „Täpa“ auf Öland,
die einem langen, bunten Tuch ähnlich sieht, und wie ein Langshawl getragen wird.
Farbe
Die
des Mantels, sowie der übrigen Tracht, wechselte in früheren Tagen
ab gleich wie in jetziger Zeit. Dass die weisse Farbe des Mantels einen feierlichen Cha
rakter hatte, ist schon oben erwähnt worden. In den Ostseeprovinzen wechseln die
Mäntel auch der Farbe nach ab. Doch ist es besonders der lettische, blaue Mantel Taf.
X I I 1 und N:o 632, der meist die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Diese blauen
Mäntel scheinen auch sehr alterthümlichen U rsprungs zu sein, aber es wäre dennoch
zu gewagt auf dieselben Herodots W orte von den nordischen Völkern zu beziehen, die
einen dunklen Mantel tragen, weshalb die Esten (die jetzt Überröcke von braunschw ar
zer Wolle anstatt des früheren Mantels tragen) nach Kruses Behauptung die „Melanchlaenen“ Herodots wären, da die Gemeinschaft zwischen diesen Mänteln der Vorzeit und
den obengenannten lettischen Umlegetüchern keineswegs bewiesen ist. — In früheren
Zeiten kleideten sich übrigens die brittischen B arden in himmelblaue Mäntel und auch
König Sigurd soll nach Olof Helges Sage einen „kyrtil blann“, d. h. einen blauen Man
tel getragen haben.
B. Detailübersicht (Taf. X II, X III und X X X I).
Umlegetücher sind ausschliesslich für Frauen bestimmt. Ihre allgemeine Form
ist rechtwinklig; sie werden bei den Esten, Letten, Liven und den Schweden auf Runö
angetroffen, aber meist sind sie schon aus dem Gebrauch gekommen; nur in eini
gen lettischen Gegenden und auf Runö werden sie noch getragen. Dieselben sind sehr
verschiedenfarbig und an verschiedenen Orten verschiedentlich ausgeschmückt. Gewöhn
lich bestehen die
aus Fransen, gewebten oder ungewebten Figuren, Messing
spiralen und Flitterw erk. Letzterw ähnter A rt sind die Zierrathen an den
Um
legetüchern der Letten T. X II 1 und X III 1—4, 6—7. Eine spiralgedrehte Zierrath
aus M essingdraht traf ich auch in D orpat T. X III 5; deren U rsprung war unbekannt.
Diese Spiralzierrathen fügen sich ganz deutlich an die Bronzezierrathen von derselben
Form, die man entweder zusammen mit Überbleibseln von Kleidern, oder ohne dieselben
auch in den Ostseeprovinzen in den Gräbern aus der Heidenzeit vorgefunden hat.
Alterthümlich sollen auch die
Um legetücher bei den Letten sein T. X II
2 und 3. Von weisser Farbe war auch das Umlegetuch, das ich in Paistel, also auf
estnischem Gebiet antraf T. X II 6. Daran'; sind mit verschiedenfarbigem Garn Zier
rathen eingenäht, unter denen man in Kähmen auch kreuzförmige antrifft T. XX XI.
Ebensolche, jedoch aus Bronzespiralen gebildete Kreuze findet man oft allein, oder an
Kleidungsstücke befestigt in den Gräbern aus der Heidenzeit in den Ostseeprovinzen
und in Finland. Auch die livischen Umlegetücher sind weiss T. X II 8 und 10, sowie
auch die auf Runö angetroffenen T. X II 9. — K ruse fand bei Lettinnen in Dondangen
von Wolle so zart gemachte Umlegetücher, dass sie fast durchsichtig, wie Gaze, waren
(Necrolivonica, S. 33).
Zierrathen
blauen
weissen
VII. Umlegetücher.
37
Mit Ausnahme des ebenerwähnten Umlegetuches T. X II 6, sind alle übrigen est
dunkelfarbig
T. X II 4 und 7. Die modernen Umlegetücher der Letten und Liven sind buntquadrirt
nischen Umlegetücher
entweder ganz und gar, oder zum Theil wenigstens
T. X II 5 und N:o 639 b und 679. -- Nach Kruses Abbildungen von neueren Volks
trachten scheint man auch auf Dagden Umlegetücher getragen zu haben.
Der Name
des Um legetuches bei den Esten ist
körilc oder söba (,söu) N:o 17,
104 und 125.
Nach W iedemann-Hurts estnisch-deutschem Wörterbuch bezeichnen körik
und söba dasselbe Kleidungsstück, aber vielleicht werden diese Wörter an verschiedenen
Orten gebraucht.
(bei ihm
Auch nach Hupel (Topogr. Nachr. II S. 153 ist das estnische söba
söbba — sieh’ Abbildung V I a *) gleich dem lettischen willaine. — Auch Kreuz
wald berichtet (nach Kruse, Necroliv. S. 16) „dass die Esthinnen früher einen Überwurf,
Abb. VI. Estnische Trachten nach Hupel.
söbba
wie die Curländerinnen, trugen,
genannt, und so wahrscheinlich auch die Männer,
welche jetzt bloss bei Regenwetter ein Stück groben-Zeuges um sich hängen, welches
die Stelle des Himation v ertritt“. A uf Seite 32 sagt Kruse, dass Kreuzwald in seinem
Briefe vom 18 Juli 1841 von den W eibern in Allentaken und W ierland erwähnt: „Der
Überw urf war bei den Reichern von weisser Wolle, bei den Aermeren von Leinen, und
am untern Ende und an den Seiten mit F ü ttern besetzt, und mit mannichfachem Garn
durch wirkt, manchmal auch wie eine buntgew irkte Decke künstlich auf dem W ebe
stuhle gearbeitet. E r wurde an den Festtagen ganz über die Schultern g e h ä n g t------ “.
Ein solches Umlegetuch soll nach Kruse die skandinavische
od.
gewesen
sein, welche Benennung auf den M ännerrock
übergegangen wäre (Necroliv. S. 33).1
kuub
coppa
capo
1 In dieser Abb. gewährt man „eine estnische Familie nach ihrer im Oberpahlschen gebräuch
lichen Kleidung“, zu der Hupel folgende Erklärung/giebt: a eine Ehstin in völlger Kleidung, vorwärts;
ihr so b b a (Decke, welche sie bey Kälte und Hegen über den Kopf herunter hangend trägt), hält sie
auf der Hand, b eben dieselbe rückwärts, c eine andre minder kleinen Haube, wie sie in ihrem Hause
gekleidet geht; (bey der Arbeit geht sie oft im blossen Hemde), d eine Hofsmagd vor- und rückwärts,
halbgekleidet, wie sie ihre Herrschaft zu bedienen pflegt, e ein Ehste in völliger Kleidung, f ein
andrer, wie er gewöhnlich im Hause geht.
VII. Umlegetücher.
38
willaine
margine
Die Letten benennen das Umlegetuch, wie schon erwähnt,
(N:o 610, 632
und 639), wenn es alter A rt ist, aber die neue quadrirte Form heisst
(N:o 611),
welche Benennung wahrscheinlich von dem quadrirten Zeug des Rockes übertragen
ist (Sieh’ S. 14). — Die Liven nennen es
oder
(N:o 677, 679), die Be
wohner von Runö
(N:o 558). Nach Joh. Andr. Sjögren war „wepse“ um 1300
auch den Liven bekannt. (Livische Grammatik. Herausgeb. von F. J. Wiedemann, Einl.
L X III). — J. Krohn spricht von den livischen „vaypas“ aus der Zeit des Heinrich-Let
ten. (Hist. Arkisto, Y II 42).
Das Umlegetuch ist das eleganteste
D aher wurden mit demselben
wohl auch die Todten bedeckt, wenn sie zur letzten R uhestätte gebracht wurden. Jetzt
hat dieses für Todte bestimmte Umlegetuch ungefähr die Gestalt eines Lakens erhalten
T. X III 8. — Von Umlegetüchern dieser A rt spricht auch Kruse, indem er sagt (Necrolivonica, S. 33, 34): „Eigentliche Schleier kommen bei den Esthen und Letten nicht
vor, aber Schleiertücher bei den Esthen von weisser Leinwand, wie ein Bettlaken ge
staltet, die sie, wenn sie ausfahren, über den K opf nehmen, bei den Letten gewöhnlich
von feiner Wolle, ebenfalls weiss oder gelblich“. — Die T rauertracht der W endinnen
oder Sorbinnen (an der Spree) war noch am Ende des 18-ten Jahrhunderts weiss. „Sie
hüllen sich ganz und gar in ein weisses leinenes Tuch, oft verhüllen sie das ganze Ge
sicht, dass man nichts als Augen und Nase gewahr wird; der übrige Anzug bleibt unter
diesem Tuche der gewöhnliche“ (Sieh’ F. Tetzner, Die Slawen in Deutschland, S. 308).
Dabei sagt Tetzner noch (S. 307): „Das Umhängetuch, die grosse weisse Płachta, ist, wie
bei den Slowinzinnen, in den letzten Jahrzehnten, fast überall verschwunden. Nur die
katolischen Oberforbinnen haben noch bei gewöhnlichen Festen die kleine, tischtuchgrosse
und bei besonderen Festen die an den R ändern mit M ustern oder Spitzen verzierte
grosse Plachta“. Auch in Polen kennt man solche weisse Umlegetücher, die auch mit
Spitzen versehen sind; sie heissen „prześcieradło“ d. h. Bettuch oder „szal“ (Shawl).
(Ein Paar solche Tücher sah ich in B. Malewski’s Museum zu Nałęczów in Polen).
veip
Tcyrtan
luülikatt
FestüberTdeid.
In jetziger Zeit haben unzählige Arten von
Halstüchern und modernen Shawls
die Umlegetücher fast gänzlich verdrängt (N:o 320, 321, 386, 556 und 591). — Früher
wurde doch das Umlegetuch bisweilen durch einen gewöhnlichen Rock, den man auf
die Schulter legte, ersetzt.
(Sieh’ Abbildung Y II 2).
VIII. Kopfbedeckungen.
A. Allgemeines.
Nächst der Taille ist es der Kopf, den der Mensch zu schmücken oder zu schüt
zen bestrebt ist; den dritten Platz nehmen die Füsse ein. So trägt der Nubier nur ein
weisses Stückchen (Hülle) Zeug und eine enge Mütze, während der Indianer sich mit
einem Mantel und „sombrero“ oder Mütze begnügt. Aber auch die natürliche Bekleidung
VIII. Kopfbedeckungen.
Haar
39
des Kopfes, das
, ist bei allen Völkern einer sehr verschiedenen Behandlung unter
worfen gewesen. So waren z. B. bei den Römern langer B art und langes H aar ein
Kennzeichen der Sklaven, während dagegen bei den Germanen nur die unfreien sich
das Haar abrasiren mussten, wogegen die freien es lang Avachsen Hessen oder es nur
auf bestimmte Weise beschnitten. Vollständig ungekürztes, auf die Schultern herab
wallendes Haar war ein V orrecht der Könige. Bei den Longobarden, Franken und
Gothen galt das Abschneiden des Haares für ein Symbol der Adoption. Die estnische
B raut hat bis in die letzte Zeit sich dem Abschneiden des Haares unterwerfen müssen,
bis die, ein Eheweib kennzeichnende K opfbedeckung während der Hochzeitsceremonien
ihr aufgesetzt wurde. Dasselbe hat auch an anderen Orten, wie bei den tschudischen
W eibern und in Holstein Statt gefunden. Im Norden hat man sicherlich seit uralten
Zeiten her hangendes Haar für die schönste Zierde eines Mädchens angesehen. So auch
in Deutschland, wo die Mädchen erst im 14-ten Jahrhundert anfingen ihr Haar in Flech
ten zu binden, die man entweder frei herabhängen liess oder an den Ohren, oder dem
Kopfe aufband. Ungefähr gleichartig war die Behandlung des Frauenhaares in Schwe
den im Mittelalter. In manchen deutschen Reichsstädten blieb es bis gegen die Mitte
des 16-ten Jahrhunderts Sitte, dass nur die Mädchen ihr Haar sehen lassen durften,
während die Frauen den K opf verhüllten. In Letzterem ist der Einfluss katholischen
Geistes und des Mittelalters merkbar.
Aber wenn das Haar auch sichtbar gelassen wurde, begnügte sich der Geschmack
der Frauen nicht mit dessen natürlicher Beschaffenheit, sondern hat man den Effekt
desselben durch
von anderem H aar, oder in anderer Weise zu erhöhen versucht.
So trugen schon die Röm erinnen blonde germanische, lose Flechten. Dem Haaro das
beliebte Rothblond zu geben, bürsteten die Griechinnen dasselbe mit einer ätzenden Salbe
und setzten sich dann den Sonnenstrahlen aus, welche A rt das Haar zu bleichen auch
den Mädchen auf Mohn bekannt ist (sieh’ die Detailbeschreibung). Auch verstanden die
Griechinnen den Mangel an Haar durch künstliches zu ersetzen. Dieses Ansetzen des
Haares ist übrigens nicht bloss in Asien und Europa üblich. Die Bänder, die in die
am Rücken herabhängende Flechte eingeflochten werden, enden bisweilen mit Troddeln
oder kleinen Quasten, wie es bei den W eibern in Arabien sicherlich schon seit den äl
testen Zeiten der Fall gewesen ist. (Troddeln waren schon ein Kennzeichen der assy
rischen Tracht). Der ostfriesische Haarschmuck, der „Stukelbant“ genannt und wenigs
tens im 15-ten und 16-ten Jahrhundert getragen wurde, ging auch in Troddeln aus.
Aber oft wird das H aar gänzlich von den Zusätzen verdeckt. So pflegen jüdische W ei
ber in Afrika und auch Perserinnen ihre im Nacken hängenden Flechten mit Seiden
oder Brokatbändern zu umwickeln. Mongolische W eiber halten ihr Haar in Metallfut
teralen, andere Völker Central-Asiens in solchen aus Zeug. Die Mordvininnen verfertigten
diese Futterale aus Holz- und Bronzespiralen.
Ein
um den K opf der F rau wird am leichtesten durch das um denselben
gewickelte Haar gebildet. Damit ist jedoch nicht gesagt, dass dieser Kranz stets zuerst
in Brauch gekommen sei. Auch hierin ist man mit Bändern und anderen Zusätzen der
Natur zu Hülfe gekommen. So sind die Haarzotten (im Finnischen „sykeröt“) entstan
den. Mit Haarzotten ausgeschmückt sehen wir schon die Damen, die auf dem schönen
Zusatz
Kranz
40
VIII. Kopfbedeckungen.
Mosaikbilde in St. Vitale in Ravenna den Kaiser Justinian (J. 527—565) begleiten. In
den Norden kam die Haarwulst schon im Mittelalter.
Besonders eigenthümlich ist die Sitte das mit Bändern geflochtene oder umbundene Haar, welches ausser dem oft mit W erg angefüllt ist, an den Schläfen zu
zn formen. Schon von den altgermanischen Frauen wird erzählt: „sie strichen das Haar
gescheitelt hinter die Ohren zurück und hielten es durch ein Stirnband zusammen, oder
sie strichen es vom Nacken aus gegen den Scheitel in die Höhe und bauten es mit Hilfe
von Salben und Bändern über der Stirne zu W ülsten oder H örnern auf, um welche sie
überdies noch Kränze von kleinen Locken kräuselten“ (Hottenroth). Auch die litthauischen W eibern legten ihr Haar in 10—18 Strähne, die hie und da um den K opf ge
bunden waren, so dass es an beiden Seiten eine Puffe bildete. In Russland pflegt man
an vielen Orten, sowohl unter den russischen, als auch finnischen Volksstämmen Hörner
durch eine unter die Kopfbedeckung gelegte
Holzscheibe oder steife Haar wulst zu erzeugen.
Aber abgesehen von Haar und Flechte,
war es einfach und natürlich das Haar mit
einem Kranz aus Blumen oder anderem Mate
rial zu schmücken. Ein einfaches
war schon in der Heidenzeit im Norden ein
Kennzeichen freigeborner Männer und Frauen.
Das Schapel {wovon das finnische „seppele“)
war ein schnurartig: gewundener Ring, dessen
in Deutschland zum ersten Mal im 12-ten Ja h r
Abb. VII. Lettische Braut mit einem Kranz hundert erw ähnt wird. E rst im Mittelalter fing
aus Bosshaar auf dem Kopf und lettisches
Weib, beide aus dem J. 1790. Nach Aqua man in Schweden an den K opf mit K ränzen
rellen im lettischen Museum zu Riga. (Die und Kronen zu schmücken. Die Kränze der
Originalzeichnungen von Brotze. Sieh’ Kata
log der lett. ethnogr. Ausstellung in Riga litthauischen Mädchen aus Rautenblättern erin
1896. S. 76, N:o 1).
nern an die Sitte der Griechen sich zu bekrän
zen. Die selbstständigen Kopfringe wurden übri
gens aus Holz, Metall, Bändern, ja sogar aus Rosshaar verfertigt. Das letzerwähnte
Material hat man in altlettischen Gräbern gefunden. Im W olmarschen Kreise in Livland
hat man bis auf die letzte Zeit Kränze aus Rosshaar angetroffen, die von lettischen
Mädchen getragen wurden (Vgl. Abbildung V II 1).
In solchen Ländern, wo die heirathsfähigen Mädchen mit unbedecktem H aupt
zu gehen pflegen, fordert die Sitte, dass das verheirathete W eib eine kennzeichnende
Kopfbedeckung trägt. Natürlich wechselt dieselbe je nach dem Volk und Ort. Die
einfachste Kopfbedeckung scheint ein
zu sein, das um den Kopf gewunden oder ge
bunden wird. Dieses Tuch kann so gross sein, dass es zugleich die Schultern bedeckt.
Ein derartiges Tuch trugen die altgermanischen und anglosachsischen Frauen. Die von
nordischen W eibern im Mittelalter getragene „hvif“ mag wohl ein dicht um den K opf
gewickeltes Tuch gewesen sein. Im westlichen Russland dagegen wird noch jetzt ein
sehr langes und schmales „nametka“ genanntes Tuch getragen, das am einen Ende zu
einem bandartigen Streifen gewickelt um den K opf gewunden wird, während man das
Hörnern
Stirnband
Tuch
V III. Kopfbedeckungen.
andere Ende lose hängen lässt.
auch bei den Letten T. X V II 5.
41
E in solches Tuch finden wir in der Detailbehandlung
Davon, wie ein quadratförmiges Stück Zeug angewandt wird um daraus ver
schiedene Formen von Kopfbedeckungen zu bilden, finden wir weiter unten Beispiele
aus den Ostseeprovinzen. Die Art einen Zipfel über der Stirn doppelt zu biegen, so dass
die drei übrigen Zipfel des Tuches herabhängen, scheint hier nicht bekannt zu sein. Dies
ist um so mehr bemerkenswert]!, da diese Behandlung des vierseitigen Zeugstückes die
Veranlassung und Form für die „klut“ aus Skäne, die karelische „huntu“ und eine grosse
Menge anderer Kopfbedeckungen in Russland gegeben hat. Man kann sich auch denken,
dass der Ausgangspunkt für viele von diesen letzteren Formen ein einfaches drei
eckartiges Tuch gewesen sei, von dem zw ei Spitzen im Nacken zusammengebunden wur
den und sich zu Flügeln ausweiteten, während die dritte den Nackenlatz bildete.
Im 13-ten Jahrhundert begann man im m ittleren Europa mit einem besonderen
s. g.
die W angen und den Mund zu bedecken. Spuren hievon finden wir
noch bei den Liven in den Ostseeprovinzen (Bilder 69—71).
Der technische A usgangspunkt für die
ist ein rechtwinkliges Stück
Zeug, das im Nacken mehr oder minder vollständig zusammengenäht und darauf mit
einem Zugbande versehen ist. Eine derartige Haube, die man Anfang dieses Ja h rta u
sends in Gräbern in Köln angetroffen hat, habe ich im Matejkomuseum zu K rakau ge
sehen. Hauben aus zwei oder drei Stücken zuzuschneiden gehört sicherlich zur Technik
einer späteren Zeit. In Russland sind wohl solche Hauben, vom Volke wenigstens nie
mals getragen worden. Nach Rohrbach fingen die verheiratheten W eiber schon im 13-ten
Jahrhundert an Hauben zu tragen, um sich von Mädchen zu unterscheiden (Trachten.
S. 156), wovon der Ausdruck „unter die Haube kommen“ entstanden wäre. Dagegen
sagt H ottenroth (von den höheren Ständen in Europa): „Von der Mitte des L8-ten
Jahrhunderts an wurde die Haube nur von verheiratheten Frauen getragen, daher
der Ausdruck „unter die Haube bringen“ für verheirathen. (Trachten II 199). Da Hauben
schon im Mittelalter gebraucht wurden, so waren es sicherlich die verheiratheten Frauen,
die sie damals schon zu tragen anfingen, wie Rohrbach auch meint. Die Haube einer
Livländerin aus dem 16-ten Jahrhundert glich einer niedrigen Bischofsmütze (Vgl. Taf.
X X II 13).
Halbrunde
oder Rundkäppchen, cylindrisch oder zipfelig, gehörten das
ganze Mittelalter hindurch zur deutschen Bauertracht. Aber solche Kopfbedeckungen
sind schon von Alters her bei vielen asiatischen und europäischen Völkern noch im
Brauch, z. B. bei den Dajaken und den Lappländern. An vielen Orten werden sie von
Mädchen getragen, z. B. auf Island, wo sie mit einer langen Troddel versehen sind. Im
Allgemeinen werden sie aus verschiedenfarbigen, keilförmigen Zeugstücken gemacht,
aber bisweilen, wie z. B. in Galizien — gestrickt. In Turkestan kommen Rundkäppchen
vor, die einen in
bis 6 verschiedenen Farben ausgenähten Überzug haben, welcher auf
die ursprüngliche Zusammensetzung der Mütze aus keilförmigen Zeugsstücken hindeutet.
In Russland soll Johann der Grausame zuerst angefangen haben das tatarische R und
käppchen zu tragen. In Polen kam das aus 6 Keilen, aus Seide und Brokat zusammen
gesetzte Rundkäppchen wenigstens schon im 16-ten Jahrhundert vor.
Mundtuch
Haube
Mützen
2
6
42
VIII. Kopfbedeckungen.
Auch die Zipfelmütze scheint wenigstens in Europa nnd Asien weit verbreitet
zu sein. So wird eine rothe derartige Mütze schon im südlichen Indien bei Ausübung
des Teufelsdienstes getragen. In Europa trifft man sie ebensowohl in Bosnien und in
den Karpathen, als bei den Fischern an den K üsten der Nord- und Ostsee, wo sie mit
bunten Rändern geziert ist. In Bosnien ist sie ausserdem mit geometrischen Figuren
ausgestattet, wie auch' einige Zipfelmützen auf Osel. Diese Mütze tritt in den letzten
Jahrhunderten des Mittelalters allgemeiner auf. Doch trug schon der Priester der D rui
den eine Mütze mit W ollquaste und Bandschleifen. Ohne Troddel hingegen war die
kegelförmige Mütze der polnischen „Lisowczyki“ (adlige Reiter zur V e rte id ig u n g des
Abb. VIII. Lettische Leute.
1. Braut aus Adsel im Kreis Wenden (Livland).
2. Bräutigam aus demselben Kirchspiel. Beide vom Jahre 1780.
3. Brustbild eines Weibes.
4. Weib griechischer Konfession aus Marienhausen im Gouv. "Witebsk. Vom Jahre 1797.
5. Weib derselben Konfession und aus demselben Kirchspiel.
6. Mädchen aus Adsel vom J. 1797.
Nach Aquarellen im lettischen Museum zu Riga. (Die Originalzeichnungen wahrscheinlich von Bratye).
L/2
Vaterlandes), die um das Jahr 1650 zu existiren auf hörten. Diese Mütze war
Meter
hoch, aus weichem Pelzwerk gemacht und neigte sich zur einen Seite herab.
Eine solche Mütze, wie wir sie in T. X X I 4 gewahren, dürfte sich aus dem Baret mit
schmalem Rande im 16-ten Jahrhundert entwickelt haben. Zu diesem Typus von Kopfbe
deckungen mag wohl auch eine A rt aus Wolle fabricirter Mützen inSkäne und Blekinge gehö
ren, in deren ausgeweiteten K opf man bisweilen einen R ing aus Holz hineinzulegen pflegte.
(Vergl. auch die lettische Mütze aus dem Ende des 18-ten Jahrhunderts in Abb. V III 5).
Pelzm ützen waren W aaren, nach denen man schon zur Zeit des arabischen Handels
eifrig trachtete. Mützen vom Typus in T. X X I 8 werden in Polen am Schluss des Mittelalters
V III. Kopfbedeckungen.
43
und vom Typus X IX 11 während des 16:ten Jahrhunderts angetroffen. Die Form der Pelz
mützen „mit 4 H örnern“, deren man aus dem litthauischen Wielona erwähnt, ist mir unbe
kannt. Ih r russischer Name soll „poraTHBKa“ d. h. Hornm ütze sein. Könige und Götter mit
Kopfbedeckungen zu versehen, die mit H örnern, dem Symbole der K raft geziert waren, war
schon in den ältesten Zeiten im Morgenlande üblich. Im Mittelalter haben diese Hörner
auf den W affenschildern heraldische Bedeutung. Als eine besondere Eigenthümlichkeit
mag bemerkt werden, dass eftalitische W eiber in Central-Asien Kopfbedeckungen mit
Hörnern trugen. Die Zahl der H örner gab die Anzahl Männer an, über welche die Be
sitzerin derselben verfügte, da bei diesem Volke Vielmännerei herrschte.
Um des Aufkommen einiger Form en von Kopfbedeckungen zu erklären, hat man
zu Analogien zwischen W ohnung und Trachten seine Zuflucht genommen, indem man
darauf hingewiesen hat, dass z. B. bei den Ainos und Golden der
einem kegelför
migen Zelte ähnlich sieht. (Man hat wohl auch eine Analogie zwischen dem römischen
„psenula/* und „casa“ (Hütte) gefunden, indem man der ersteren die Benennung „casula“
gab, nachdem sie in die Priestertracht aufgenommen worden war). Der Schaman dage
gen stellt sich in Schutz des Uhus, indem er nach Potanin seinen H ut aus dessen Fell
macht und Flügel, sowie K opf daran sitzen lässt. Stilisirt man eine solche Kopfbedec
kung, so kommt man leicht zur Form in Taf. X IX 1.
Breitkrämpige Strohhüte waren am Ende des 10:ten Jahrhunderts unter den
sächsischen Kriegsleuten üblich. Noch aus dem vorigen Jahrhundert berichtet Juszkiewiez von den Litthauern in W ielona: „W enn die Hochzeit zur Frühlingszeit stattfindet,
so reitet der Bräutigam mit einem Strohhute, welcher mit einem schönen Zierbande umbunden ist; wenn im W inter, so mit einer Schafsm ütze“. Andererseits sagt Hottenroth,
dass die Deutschen niederer H erkunft selten eine andere Kopfbedeckung trugen, als eine
Haube, die dicht am Kopfe anlag und unter dem Kinne verknüppt wurde. Diese „Haube“
dürfte jedoch nicht zu der von uns hier behandelten Haubengruppe gehören, sondern
eine A rt Kapuze sein, die sich von der „psenula“ freigemacht, und dann auch die Be
nennung „cuculus“ erhielt (wovon u. A. das ingermannländische „kukkeli“ seinen U r
sprung und Namen hat). Diese mittelalterliche Kapuze wurde in Schweden „hätta“
genannt; dieselbe war bald an der Kappe befestigt, bald mit einem Kragen versehen
oder verbunden. Sie bildete zugleich, sagt Hildebrand, die charakteristische Kopfbe
deckung des Mannes, wie die „hufva“ (Haube) die der Frau. Vielleicht steht der est
nische „att“ Taf. X IX 8, in Verbindung mit der erwähnten „hätta“, deren Form auch
dem Helme Neigen ist. Eine „att“ ähnliche Kopfbedeckung wird auch von litthauischen
Fischern getragen.
Auch der breitkrämpige H ut dürfte im B aret des 16:ten Jahrhunderts seinen
Vorgänger haben. Anfänglich wurde er aus Tuch oder Sammt gemacht und soll mit
glänzenden Bändern, Federn und Rosette geschmückt gewesen sein.
Hut
44
VIII. Kopfbedeckungen.
B. Detailübersicht (Taf. XYI—XXIII).
a. Kopfbedeckungen der Frauenzimmer.
Adam Olearius erzählt (Reise-Beschreib.
S. 54) von der undeutschen Frauentracht in Liv- und Estland Folgendes: „Die ungetrauten
gehen mit blossen Köpften, W inter und Sommer; lassen die Haare ungebunden und ver
schnitten hangen biss an den Hals, dass sie mit den Köpften den Knechten gantz ähnlich
sehen“. Dies gewahrt man auch im Bilde, das Olearius vom B rautzuge darstellt (Ab
bildung IX) L
In dieser Abbildung sind wohl die
gemeint. Die Sitte das
zu sche
ren haben die Mädchen auf Mohn bis auf unsere Tage beibehalten (sieh’ Trachtenbilder 21
^und 23, sowie auch N:o 243). Ebenso trugen auch die Frauen in den westlichsten Theien von Ösel kurzes Haar (sieh’ Trachtenbilder 25 und 26, sowie auch N:o 340). Aber
nur wenige Mädchen auf Kühno lassen sich das H aar scheren (N:o 188). — An einigen
Orten lässt man das Haar an den Schultern
herumflattern, bisweilen ist es im Nacken fest
gebunden. (In den Trachtenbildern 1, 8, 10,
12, 13, 16, 28, 32 und N:o 340). In der letzten
Zeit jedoch haben die estnischen Frauen ange
fangen das Haar in einen Zopf zu flechten, der
bei den Mädchen wenigstens am Rücken herabhängb (Trachtenbild 37 und N:o 14, 188, 340).
Hupel sagt (Topogr. Nachr. I I 150 und 178):
„Alle Dirne beycler Völker (Ehsten und Letten)
gehen mit blossen Kopfe, zum Unterschied von
verheyratheten und geschwächten W eibsperso
Abb. IX. Hochzeitszng mit Hinderniss.
nen ; in einigen Gegenden haben sie lang herab
Nach Olearius.
hängende fliegende Haare als im Fellinschen, im
Oberpahlschen, in der W iek; in andern als in H arrien bey D orpat und in ganz Lettland
flechten sie dieselben in zween Zöpfe, die sie um den K opf binden“. — — „Wie die
Dirnen, tragen auch die W eiber ihre Haare unter den H auben herabhängend oder gefloch-1
Esten
Haar
1 Zu diesem Bilde giebt Olearius folgende Erklärung: „Wenn Braut und Bräutigam in zweyen unterschiedlichen Dörffern sind, höhlet der Bräutigam die Braut auff einem Pferde. Sie sitzet
hinter ihm, und schlaget den rechten Arm ihm umb den Leib. Voran reiten ein Sackpfeiffer, dem
folgen die zweene Beysitzer mit blossen Degen, mit welchen sie creutzweise in die Thür des HochzeitHauses hauen, und sie hernach mit den Spitzen oben in die Balcken stecken, wo der Bräutigam sitzet.
Der Bräutigam indem er seine Braut also führet, hat an einem gespaltenen Stecken zweene knpfferne
Pfenninge oder B-undstücke, welche er denen, so für ihm die Hecken zuhalten, giebet, damit sie ihn
durchlassen sollen: Die Braut aber hat rothe wullene Bänder, die wirfft sie auff den Weg, fürnehmlich
wo Creutz-Wege sind, und wo Creutz stehen, auff den Gräbern der ungetaufften Kinder, welche sie
nicht auff den Gottes-Acker sondern an den Weg zu begraben pflegen.
Dem Bräutigam folgen ebenmässig zu Pferde die andern Gäste, die Männer mit ihren Frauen,
und die Knechte mit den Mägden". Vgl. L. v. Schroeder. Die Hochzeitsbräuche der Esten in d. Verhandl. d. gel. est. Gesellschaft. B. XIII S. 258, wo jedoch auf das Werk von Olearius nicht hinge
wiesen wird.
V11L Kopfbedeckungen.
45
ten “. — An einer anderen Stelle bei demselben Verfasser (S. 177), heisst es jedoch:
„An dem Peipussee, sonderlich im Koddaferschen, gehen alle W eiber mit kurz verschnit
tenen Haaren ;tdort wird daher am Morgen dem jungen Weibe das Haar abgeschnitten,
und ihr ein besonderes Band vor die Stirn gebunden, daran Geld oder Zahlpfenninge
hangen; diess darf sie ein Ja h r tragen: befindet man sie zu früh schwanger, so wird
ihr dieser Klapperschmuck abgerissen“.
Die Sitte das Haar abzuschneiden scheint auch in den Ostseeprovinzen fremden
U rsprungs zu sein, da die nordischen, besonders die an der Ostsee wohnenden Völker
schon in der Vorzeit durch ihr langes Haar bekannt waren (Hartknoch. Alt- und
Neues Preussen. S. 77). So berichtet M atthäus Prätorius (Delicioe od. Preuss. Schau
bühne S. 11), dass die Nadraver, d. h. „die echten Nachkommen der alten preussischen
Gudden oder Gothen“ und die Zalavonen glattes, aber kurzes Haar tragen, welche
Gewohnheit als Zeichen der Unfreiheit erst vom Orden oder vom deutschen Adel beygebracht worden. Daher giebt es Deutsche, die mit schelen Augen sehen, dass die genann
ten Litthauer in Preussen langes Haar tragen, das man desshalb ihnen abschneiden
müsste.
Dieses Zeichen der Unfreiheit ist an einigen Orten bei den estnischen W eibern
bis in die letzte Zeit verblieben. Dasselbe wird auch von den alten Preussen erwähnt:
„Vor dem Abgänge der B raut ins B rautbett schnitt man ihr die Haarlocken ab, und die
Frauen setzten ihr einen Kranz mit weissem Tuch (abgloyte) auf“ (F. Tetzner. Die
Slawen in Deutschland. 1902. S. 22). — A uf slawischen Gebieten scheint dagegen das
Abschneiden des Haares alten, v o lk stü m lich en U rsprungs zu sein (Hartknoch, Alt und
Neues Preussen. S. 78).
Ich habe jedoch nirgends bemerkt, dass die
Frauen das Haar ge
schoren, oder ungeschoren frei an den Schultern flatternd getragen hätten. A uf Dagden,
W orms und Rogö wird auch das Haar der jungen Mädchen, ebenso wie auf einigen
estnischen Gebieten zu einem besonderen Aufsatz gekämmt (sieh’ Trachtenbilder 44—4.7,
49—50 und N:o 461, 490, 536). A uf Nuckö hat man schon früher angefangen es in eine
Flechte zu flechten, die man am Rücken herabhängen lässt (Trachtenbild 48 und N:o 519).
A uf Runö wird schon den Kindern das H aar zu einem Puff im Nacken oder am Scheitel
gebunden (N:o 563), welches letztere früher auch unter einigen Estinnen Sitte gewesen
sein soll (Petri. Ehstland II. 179).
Die
flechten das H aar entweder in eine Flechte, die dann am Rücken
herabhängt (Trachtenbilder 54 und 59), oder in zwei Flechten, die um den K opf gew un
den, oder im Nacken aufgesammelt werden (Trachtenbilder 55 und 57). F rüher wurden
sogar zwei herabhängende Flechten getragen (Abb. V III 6). Bisweilen machen die
W eiber aus dem Haare Buckeln oder „H örner“ an den Schläfen (Trachtenbild 55).
Diese H örner scheinen bei den Letten alten Ursprungs zu sein; da sie auch bei
den Litthauern in Preussen vorgekommen sind. In einem Bericht vom Jahre 1839, der
im Völkerkundemuseum zu Königsberg verw ahrt wird, heisst es, dass die litthauischen
Mädchen im Kirchspiele R agnit (in der Memelgegend) ihr Haar in zwei Flechten flochten.
Heede (Pakulla) oder Streifen von dickem W ollenzeuge wurden ins Haar geflochten, so
dass hinter den Ohren Buckeln entstanden. Die Enden der Flechten, an denen keine
schivedischen
Lettinnen
VIII. Kopfbedeckungen.
46
Einlage war, wurden über die Stirn gedreht und so befestigt, dass sie eine W oche
hielten. Haarnadeln wurden nicht gebraucht, statt deren ein Haarband, das am Nacken
befestigt wurde.
Die
Livinnen flechten ihr Haar in zwei Flechten, vermittelst welcher wie bei den
schon erwähnten Lettinnen eine Art Hörner an den Schläfen entstehen (Trachtenbild 68)Bisw eilen wird das Haar zu einem Puffe gekämmt (Trachtenbild 69i).
Die Vorrichtungen, mit denen man den K opf der Frauenzimm er schmückt oder
bedeckt, kann man der Form nach in
theilen: 1) flechten- oder strickartige
Kopfringe; 2) cylinderförmige Kopfbedeckungen; 3) Tücher; 4) Hauben und 5) Mützen.
Die Estinnen im pleskauschen Gouve
nement pflegen zu den Haarflechten Flachszotten zu fügen (T. XV I. 1 und Trachten
bild 6). Dadurch entstehen an den Schläfen hornartige Buckeln. Eben solche H aar
buckeln habe ich auch die lettischen W eiber machen sehen, habe jedoch nicht bemerkt,
dass sie dazu etwas Anderes als ihr eigenes H aar gebraucht hätten (sieh’ Trahtenbild 55).
W ir werden jedoch gleich sehen, dass die Anw endung des Flachses auf dem Kopfe auch
bei den Lettinnen nicht unbekannt ist. A uf Dagden dagegen wird ausser dem losen
Haare (Bild 433) auch ein strickartiger Zeugreifen in die Flechte hineingeflochten, an
dessen beiden Enden breite Zeugstreifen sich befinden (Bild 43 1 u. 2 ; T. XVI. 8 und 9;
N:o 437—440). Auch auf schwedischem Gebiet pflegt man bunte Fäden, die auch lose
Flechten oder Kopfringe bilden können, in das H aar zu flechten T. X V I 7. A uf W oriüs
(früher vermuthlich auch auf Nuckö N:o 519) gebraucht man als Stütze der Flechte aus
Zeug verfertigte Reifen T. X V I 4, die um so mehr an die auf Dagden gebräuchlichen
erinnern, als ein Band, dessen Enden im Nacken flattern, für deren Fortsetzung anzu
sehen ist T. X V I 5. Die mit Flachs verstärkten Flechten der Setukesinnen bilden
ebenfalls einen Reif um den Kopf, von welchem beide Enden des Kopfgürtels (N:o 18) im
Nacken herabhängen. Dieser Gürtel fügt sich jedoch nicht direkte an den Flechtenring
wie auf Worms, da ein Tuch sich dazwischen befindet (sieh’ Trachtenbild 3). Die Kopf
ringe auf Dagden, Worms und auf dem Setukesengebiet haben also nur das gemein,
dass die Kopfringe Flechten sind, die aus H aar und Zeug- oder Flachsstreifen bestehen.
Zudem dienen diesen Kopfringen Bänder als Fortsetzung, die jedoch nur auf Dagden
in ununterbrochenem Zusammenhang mit den Flechtenringen sich befinden. Dazu ge
w ahrt man an den Ringen auf W orms eine A rt Fadenspiralen (N:o 490), welcher Umstand,
wie wir weiter unter gewahren werden, in typologischer Hinsicht wichtig ist. Diese
Fäden werden um das Haar und die Bänder gewunden. Zu diesem Zweck gebrauchen
die W eiber auf Worms und auf den Roginseln auch eine Haarlocke (N:o 536).
In Kühno wird das Haar mit hinzugefügter Hede an der Schläfe aufgebunden,
woraus jedoch kein eigentlicher R ing entsteht (N:o 198). Dieser Zusatz ist in diesem Fall
ebenso wie der W achholderreifen an der t a n u auf Dagden (N:o 443) für eine Unterlage
der Kopfbedeckung anzusehen. A uf Runö wird an den Haarpuff am Scheitel nichts hin
zugefügt (N:o 563).
fünf Hauptgr uppen
1.
liechten oder strickartige Kopfringe.
An die erwähnten Kopfbedeckungen fügt sich eine, die ich im lettischen Mu
seum in Riga gesehen T. X V I 2.
Sie ist von derselben Architektur wie der setuke-
VIII. Kopfbedeckungen.
47
sische Flechtenring, aber eleganter als dieser und lose. Hier sind die Bänder auch im
Zusammenhang mit den Flechten. Die Flechten nebst den Bändern bilden wahrschein
lich Hinge, die um den K opf gelegt werden, wie die losen Flechten auf den' Roginseln
T. X V I 7.
W ie verschieden die erwähnten Flechtenringe in
den Details auch sind, so findet man andererseits an den
selben auch Gleichförmigkeit, die man sich ohne gemein
same Wurzeln in der Vorzeit nicht denken kann.
In dem estnischen Kirchspiel Paistel in Livland
fand ich eine eigenthümliche .Kopfbedeckung T. X V I 3.
Sie besteht aus einem Kopfband und einer Troddel, die
mit einem spiralröhrigen *M essingdraht verbunden sind
(N:o 105). An diese Form fügt sich ganz nahe ein ande“
res Haarband aus Jam m a auf Ösel, das ich im dörptschen
ethnographischen Museum antraf T. X V I 6. An dem
einen Ende der Schnur, die um den K opf gebunden wird,
befinden sich drei Troddeln. Um die Verbindungsfäden
dieser Troddeln laufen spiralförmig gedrehte bunte F ä
den (N:o 342).
Diese beiden letzterwähnten Kopibedeckungen sind
sicherlich aus den Kopfringen entstanden, von denen man
mehrere Exemplare auf dem Gottesacker in Ljutsin im
Gouvernement Kovno gefunden hat. (MaTepiaJiti iio apxeojioriH Poetin, ii3,naBaeMne M. Ap. KOMMnccieio Jf® 14. JIeou.hhCKiö MorMbHHK^. Taf. I —II). In der Abbildung X ge
wahrt man eine derselben. Dieselbe ist aus wollenen
Schnüren zusammengefügt, um welche Bronzefäden spiral
förmig gewunden sind. In der Form aus Paistel geht nur
ein Band um den Kopf, an welchem die Stickereien ein
wenig an die Spiralen aus Metall erinnern. In der That
kommen solche zwischen dem Bande und der Troddel vor
T. X Y I 3 a.
In beiden Fällen geht die Troddel von
einer aus Fäden gedrehten Basis aus. Abgesehen von den
Abb- x - Kopfbinde aus dem
späteren Eisenalter. Ljutsin.
Verschiedenheiten in den Details sind beide Form en augenscheinlich von demselben H aupt
typus der Kopfbinden, zu dem also der Kopfring und die Troddel gehören. Auch unter
finnischen und mordvinischen Alterthüm en hat man Theile von solchen K optbindern ge
funden. (Sieh’ Hj. Appelgren-Kivalo. Finnische Trachten. S. 9. u. T. I ie).
Diese Kopfbedeckungen mit Troddeln hat wahrscheinlich auch Hupel im Auge
gehabt, wenn er beim Vergleich der mordvinischen und estnischen Kopfbedeckungen
u. A. bemerkt (Top. Nachr. II 180, 181), dass sonderlich im Fellinschen bei Mädchen die
Qvasten des mit Bändern geflochtenen Haares in hohem Ansehen stehen.
Die eben erwähnten lettischen, schwedischen und einige estnische Flechten
vorrichtungen, wo man an der wormsischen auch W ollenspiralen gewahrte, werden zu
VIII. Kopfbedeckungen.
48
sammengeknüpft und bilden Ringe um den Kopf, von denen dann Bänder im Nacken
herabflattern. An diesen Kopfrtngen finden sich also keine eigentlichen Troddeln. H in
sichtlich der strickartigen
und der Spiralen deuten sie dennoch auf Gemeinschaft
mit den auf dem Gottesacker zu Ljutsin gefundenen Kopfbedeckungen hin. An dem
Kopfschmuck in Paistel war ein Band an die Stelle des Ringes getreten, aber die Troddel
macht hier den Typus deutlicher. Diese Kopfringe gehören desshalb der Grundidee nach
zu demselben Typus wie die aus der Heidenzeit, von welchem abstammend sie im Lauf
der Jahrhunderte an verschiedenen Orten sich verschieden ausgebildet haben.
Auch die Troddelschnur T. X V I 11 wird um den K opf gebunden.
Diese Kopfringe und H aarvorrichtungen dienen dazu den Kopf des Mädchens
auszuschm ücken; man fängt an dieselben anzuwenden, sobald das Mädchen heirathsfähig
geworden ist (N:o 536). W enn das Mädchen geheirathet, oder sonst ihre Jungfernschaft
verloren hat, gerathen die Haarvorrichtungen m ehr oder minder unter die eigentliche
Kopfbedeckung einer Frau.
Form
2.
cylinderförmiger Kopfbedeckungen.
Man hat zwei Gruppen offener,
Die zu
ersten Gruppe gehörenden sind ohne Nackenbänder; an den zur zweiten Gruppe gehö
renden kommen dieselben vor. Die erstere A rt wird auf
Gebiete angetroffen
T. X X 1 und 2. Die Kopfbedeckung N:o 463 aus Dagden gehört der Form nach auch
hieher. Diese Form en sind ihrem Ursprünge nach vielleicht mit den platten, reifförmi
gen, hauptsächlich aus Bronzedraht verfertigten Kopfbedeckungen in Yerbindung zu
bringen, die man in den Gräbern aus der Heidenzeit in den Ostseeprovinzen angetroffen
hat. (Sieh’ Abbildung XI).
Die meist typischen Formen der zweiten Gruppe gewahrt man in den Bildern
T. X X 4, 5, 10 und 12, sowie auch im Bilde 434 (N:o 441); sie kommen auf
und
Gebieten vor. An denselben ist der Ring ringsum vollkommen ge
schlossen, mit Ausnahme der Kopfbedeckung T. X X 12, die eine Fügekerbe im Nacken hat.
Zu dieser Gruppe, wenn auch nicht desselben Ursprungs, kann man die Form
T. X X 3 rechnen, die im Nacken vollkommen offen und mit verschiedenen Bändern
zusammengeknüpft ist. W enn man das lange, am Rücken her ab wallende Tuch wegnimmt
— ausserdem ist an den Hals und ebenfalls im Nacken, ein anderes, lose hängendes
Stück Zeug gebunden T. X X 9 — und den Knoten des Toupes im Nacken losgemacht
lettischem
schwedischen
estnischen
VlII. Kopfbedeckungen.
49
hat, erhält man ein diademförmiges Stirnband T. X X 13, welches wohl auch ein Vor
läufer dieser Form T. X X 3 sein mag.
Wahrscheinlich sind diese Formen russischen
Ursprungs.
Die
getragen.
erwähnten
Kopfringe
werden
von
den
Mädchen
oder
den
Bräuten
Mehr einfacher A rt ist die Kopfbedeckung T. X X 11, die aus weissen Lein
wandstreifen gemacht ist, welche verm ittelst einer runden Pappscheibe stramm am Kopfe
gehalten wird. Dies ist die altert!ähnliche Kopfbedeckung einer Brautjungfer (N:o 446).
Eine solche Form kann möglicher W eise für eine typologische Vorläuferin einer solchen
Form wie T. X X 12 angesehen werden, denn der Umstand, dass die Nackenbänder in
letzterer Kopfbedeckung nicht aus demselben Stücke Zeug wie der Kopfring bestehen,
ist technischer und nicht typologischer Art.
Im Bilde 157 (N:o 175) sieht man eine andere Kopfbedeckung, die eigentlich
bloss aus einem breiten Bande besteht, dessen Mittelstelle über die Stirn gelegt wird
und beide Enden hängen gebunden im Nacken, gleichwie in T. X X 11.
Im Zusammenhang hiemit mag auch der verschiedenartigen Kopfbänder, wie der
von Mädchen getragenen weissen und rothen im Trachtenbild 49 (N:o 536 b) und T.
X V I 10 Erwähnung gethan werden.
Auch Hupel deutet darauf hin, dass der Kopfring aus Lein vom Bande veran
lasst worden ist, indem er erklärt (Top. Nachr. I I 178): (Die Dirnen) „haben um den
K opf ein Band, das sie
nennen, es mag ein seidenes, oder wollenes, oder eine unächte Tresse seyn, die sie sehr lieben; an den letzten befestigen sie Sonntagsstaat lang
herabhängende seidene Bänder (sieh’ Abb. V I d Seite 37). Ein Band von Stroh oder
von Baumrinde flechten sie zum täglichen Gebrauch“.
Perg
Die lettischen Mädchen schmücken den K opf nicht nur mit der ebeaerwäh nten
Kopfbedeckung T. X X
Kränzen (N:o 649).
1—2, sondern auch mit aus Blättern und Blumen gewmndenen
Dasselbe thun auch die Bräute bei den Liven (M:o 685).
andere livische Mädchen machen sich auch Kränze aus Papier (N:o 686).
ringe
und cylinderförmigen
mige Kränze.
3.
Kopfbedeckungen
Kopftüchern
sind
W ieder
Die K opf
schliesslich nur verschiedenför
Von
alter Form giebt es ebenfalls zwei A rten: die eine dien
auch zum Bedecken des Gesichts, mit der anderen bedeckt man nur den übrigen Theil
des Kopfes. Ersterer A rt sind die Tücher T. X V II 3, 7 und 8 (N:o 442 und Trachten
bild 18). Zu demselben Zweck dient auch das grosse Tuch im Trachtenbild 1, welches
nach der Hochzeit als Tischtuch gebraucht wird (N:o 22). Diese Sitte das Gesicht der
B raut zu bedecken, ist aus den Ostseeprovinzen fast gänzlich geschwunden.
Die zweite Gruppe bilden die eigentlichen Kopftücher, die bisweilen auch von
Mädchen getragen werden, obgleich dieselben in diesem Fall eine etwas verschiedene
Form haben (N:o 94). Diese Tücher sind ursprünglich entweder lang und rechtwinklig oder
quadratisch. Die ersteren finden wir bei den Frauen der Setukesen T. X V II 6 und
Trachtenbild 3, und bei den Lettinnen T. X V II 5 und Trachtenbild 58. Zur Zeit Hupels
wurden lange Kopftücher auch am westlichen Ufer des Peipussees, in der Gegend von
Koddafer getragen. Von den K opftrachten der W eiber daselbst erzählt er nämlich
50
VIII. Kopfbedeckungen.
Folgendes (Topogr. Nachr. II 182): „die D irnen haben kein Band um den Eopf, und
die W eiber, anstatt der Haube ein Tuch, 5 Ellen lang, von der Breite eines Handtuches,
welches sie besonders dazu mit rothen Streifen wirken. Zweimal wickeln sie es um den
Eopf, die Enden hangen herunter. Alle die zum Abendmahl gehen wollen, erkennt man
in der E irche durch ein solches über die Schultern geworfenes Tuch“.
Die quadratischen Eopftiicher werden sowohl bei den Lettinnen T. X V II 4, als
den Estinnen T. X V II 1—2; X V III 1 angetroffen.
Es ist wohl möglich, dass jenes lange lettische E opftuch T. X V II 5, welches
zusam m engefaltet um den E o p f und .auch um das E in n gebunden wird, seine Entste
hung dem Schleier der katholischen Nonnen vedankt. Ü ber den wahrscheinlichen U rsprung
des livischen M undtuches in den Trachtenbildern 69—71 ist schon früher gesprochen.
(Seite 41).
Eine andere E igentüm lichkeit v o lk stü m lich e r Entwickelung zeigt das estnische
viereckige Tuch T. X V III 1. Da befinden sich nicht alle Stickereien an derselben Seite
des Tuches; sie werden bald an die eine, bald an die andere Seite des Tuches genäht,
je nachdem .wie ■der Rand des Tuches gekehrt ist, wenn es als Eopftuch dient und auf
den E o p f gelegt wird (N:o 94). Dieser Um stand wird aus dem Bilde T. X V III 2 ersicht
lich, wo man ein derartiges Tuch zur E opfbedeckung eines Mädchens angewandt hat.
W enn man das unten hängende Ende der Eopfbedeckung hinaufhebt, erscheint das ei
gentliche E opftuch der Weiber. Dieselbe Form -finden wir auch in T. X V III 3, wo man
das aufgehobene Ende festgenäht hat. Ebenso verhält es sich mit der Eopfbedeckung
T. X V III 4, die von Anfang an festgenäht ist, so dass sie nicht mehr zu einem Tuche
ausgebreitet werden kann, wie die Eopfbedeckung T. X V III 2. Zu dieser Eategorie
gehört auch die chignonartige Eopfbedeckung T. X X 14, obgleich dieselbe anderen U r
sprungs ist. Sie stammt vielleicht von dem Haarnetz, mit Diadem bedeckt, welches im
16-ten Jahrhundert aus Spanien kam (Vgl. W. Quincke, Eostüm kunde. S. 183).
Von diesen Tuchhauben erzählt Hupel Folgendes (Top. Nachr. II 179^—180):
„Die lange Haube im Dorptschen, Fellinschen und in Jerw en, bestehet aus einem Stücke
weisser Leinwand, das vermittelst eines Pappenstreifens, auf dem Rücken glatt, fast
eine Elle lang herunter hängt, breit und unten mit Fransen, Tressen und F üttern be
setzt is t“ (wie auf T. X V III 4 und die aus Hupels Nachrichten entlehnte Abbildung
V I b). „H ierüber“, fährt H. fort, „binden sie einen langen schmalen Streifen Leinwand
so um den Eopf, dass ein Theil davon los herabhängt; hierüber zuweilen noch ein klei
nes viere ckichtes Tuch, und vor die Stirn eine unnächte Tresse. Das ist ihr Staat in der
E irche und auf Hochzeiten; zu Hause tragen sie kleine Hauben, die aus einem viereckichten Stück Leinwand, oben über dem E o p f spitzig zusammengenähet und hinten
gebunden werden, über der Stirn sind sie mit Seide oder Zw irn gestickt und mit F ü t
tern besetzt“ (vgl. z. B. Bild 15 2-6, die zu .der folgenden Gruppe von Eopfbedeckungen gehören). — — „In einigen Gegenden wickeln sie anstatt der langen Haube, ein
Stück Leinwand um den E o p f“ (wie jetzt die setukesischen W eiber, sieh’ Trach
tenbild 3).
A n den meisten Orten haben die modernen E opftücher die alterthümlichen E opfbedeckungen vollständig verdrängt. Das ist jedoch allmählig geschehen.
Das Eopftuch,
V III. Kopfbedeckungen.
sogar
das zu Hause gewebte,
wird
an verschiedenen
51
Orten verschieden getragen
(Trachtenbilder 2, 7, 17 rechts im W agen, N:o 20, 21, 188, 321, 353, 363, 464, 494, 565
und 649).
4.
Haubengruppe
Zur
zähle ich die Kopfbedeckungen, an denen der Rand de
Öffnung über die Stirn, die Seiten des Gesichts und über den Nacken sich erstreckt.
In technischer Hinsicht giebt es zwei A rten derselben. Die eine Art, d. h. die eigent
lichen Hauben werden aus einem, zwei, drei oder auch mehreren Stücken Zeug verfer
tigt (T. X X II u. X X III; N:o 95, 128 u. 170); die einfacheren Formen derselben werden
im Nacken mit einem beweglichen Zugband zusammengezogen, das unter dem Kinne
fest gebunden wird. Der so zu sagen technische M ittelpunkt dieser A rt von Hauben
befindet sich ursprünglich im Nacken. A uf der Stirn heben sich einige von diesen
Hauben sehr hoch (Trachtenbild 53'; Abbildung V III 6 und Bild 65 3-4). —
Die andere Art hat die Technik der folgenden, so genannten Mützengruppe; sie
wird also aus vier oder sechs Stücken Zeug zusammengesetzt, deren Mittelpunkt am
Scheitel (sieh’ weiter unten) sich befindet. Von dieser Art sind die Formen T. X X I 8,
11 und 12, die eher auch als Mützen betrachtet werden müssen.
Bewegliche Zugbänder werden in den Form en T. X X II 1—3, 5—7, 9—10; X X III
4; in den Bildern 6 5 3 -4 ; 15 2-0 ; N:o 72, 95, 121, 128, 654 angetroffen. Nachdem man angefanget hat die Stelle im Nacken, die ausgeziert werden soll, festzumachen, ist das
Zugband als überflüssig weggeblieben. Ein festes Schnurband kann eine solche Haube
haben T. X X II 4. D adurch sind Hauben entstanden, die kein Zugband, sondern feste
Falten im Nacken haben T. X X II 11 und 13; X X III 5, 11 und 12. Allmählig ver
schwinden auch diese Falten, aber deren Stelle ist mit einer besonderen Naht oder einem
Stückchen Zeug deutlich angegeben T. X X II 12; X X III 1, 3 und 14. Ausserdem be
findet sich an der hinteren Seite der Haube ein Loch, das auch in den älteren Form en
wahrgenommen wird T. X X II 9a, 11 und 12. Schliesslich ist nichts Anderes als. ein
Saum von der Technik dieser Nackenstelle übrig T. X X III 13, und bisweilen fehlt auch
dieser T. X X III 2.
Dadurch sind die Korbhauben entstanden: Bild 15 1, 65 2 ; T. X X III 3—4, 6—7, die
gewöhnlich mit Spitzen, Nackenbändern oder Schleifen geschmückt sind; die letzterwähnten
Zierrathen sind an die Stelle der Falten getreten, die verm ittelst der Zugbänder im Nacken
gebildet wurden. Diese Nackenbänder bilden also einen Bestandtheil der mehr ent
wickelten Hauben mit abwechselnder Technik T. X X III 6 —7. Die Form T. X X III 7,
die in der Gegend von Hapsal vorkommt, ist einer noch späteren Entwickelung unter
worfen gewesen T. X X III 8—9 (sieh’ auch N:o 169, 171 u. 172). Die Haube ist also,
indem sie ihre Form verändert hat, zugleich immer kleiner geworden; diese Erscheinung
gewahrt man auch in einer der folgenden M ützengruppen. Die kleinste Form T. X X III
9 ist auch jetzt noch am Orte gebräuchlich, d. h. im Jahre 1901, so dass die Entwicke
lung der Form auch chronologisch festgestellt werden kann.
An anderen Orten scheint die Entwickelung in entgegengesetzter Richtung vor
sich gegangen zu sein, d. h. die Form ist immer grösser geworden. So soll man auf
Mohn die kleinere Brauthaube vor den in T. X X II 13 und in Bild 42 5 abgebildeten
getragen haben, von denen die erstere zu demselben Typus gehörte (N:o 257). Ü berhaupt
VIII. Kopfbedeckungen.
52
sind die estnischen Korbhauben weit grösser als die in Finland gebrauchten. Einige
der auf Osel getragenen Hauben sind auch sehr elegant T. X X III. 5, in dem Trachten
bild 32 und Bild 33. Mit dieser Eleganz haben sie auch ihre Entwickelung abgeschlos
sen, denn sie sind schon aus dem Brauch gekommen.
An einigen livischen Hauben wird der eigen tü m lich e Umstand wahrgenommen,
dass innerhalb derselben ein Spahn befestigt wird, der quer liegt und dadurch knollen
artige Hörner oberhalb der Schläfen bildet (N:o 689). Da solche Spahnhauben bei den
M ordvinen und vermuthlich auch bei den Russen angetroffen werden, mag diese E r
scheinung auf späterem Einfluss beruhen, worauf auch der Gebrauch von buntem Zeug
zu einer solchen Haube zu deuten scheint.
In früherer Zeit scheinen die Hauben weiss gewesen zu sein, woher das Aus
schmücken derselben mit Stickereien eine verbaltnissmässig ganz neue Sitte sein mag
(N:o 198 b, 258, 345). In jedem Falle sind die geometrischen Ziermuster älter als die
deutschen Blumenzierrathen. Hupel erwähnt derselben im J. 1777 (Topogr. Nachr. II
148): „viele arme (deutsche) Frauenspersonen von allerley Ständen ernähren sich bloss
durch die Hauben und andere Kleidungsstücke, die sie zum Staat für die Bauerweiber
verfertigen“.
In der Gegend von Reval und verm uthlich auch anderswo auf dem Festlande
von Estland tragen auch die Mädchen Hauben, denen jedoch die Spitzen fehlen, die
nur an den Frauenhauben Vorkommen (Trachtenbild 17).
Die Gewohnheit der Mädchen eine Haube, sowie auch ein Kopftuch T. X V III 2
zu tragen, wovon schon oben die Rede war, stammt wahrscheinlich erst aus letzterer
Zeit, denn in alten Zeiten diente dieselbe als Kopfbedeckung der Frauen, die unter
vielfachen Ceremonien der Braut auf den K opf gesetzt wurde (Sieh’ L. von Schroeder,
Verh. d. geh est. Ges. B. X III 292. Die Ceremonie der Haubung). Bisweilen geschieht
dieses auch früher. Schon Hupel sagt (Topogr. Nachr. I I 137): „Dirnen unterscheiden
sich von der verheyratheten durch den blossen Kopf; sobald ihre Schwangerschaft ent
deckt ist, werden sie gehaüpt und heissen W eiber“.
Mehr einfacher A rt sind die Hauben, die in den schwedischen T. X X II 1
und 3 und vermuthlich auch in anderen Ortschaften den kleinen Kindern auf den K epf
gesetzt werden.
5.
Mützen. In den zur Mtitzengrüppe gehörenden Kopfbedeckungen bildet de
Rand der Öffnung gewöhnlich einen geradlinigen Kreis um den Kopf.
technischer Hinsicht typische Form gewährt ihnen
Eine auch in
die Mütze oder das Rundkäpp
chen T. X X I 1—2, welches aus mehreren keilförmigen Stücken zusammengesetzt ist, die
am Scheitel sich vereinigen, wo also der technische Mittelpunkt der Mütze, wie bei der
Haube im Nacken, sich befindet.
Am Scheitel findet man oft einen K nopf oder eine
Troddel, die aus Zeug bestehen.
Ausnahmsweise wird auch eines metallenen Knopfes
erwähnt (N:o 520).
W enn eine solche Mütze mit Strum pfspiessen gestrickt wird, so bleiben biswei
len Spuren, die an die Nähte der Zeugmütze erinnern T. X X I 3 (und eine Män
nerm ütze T. X IX 4). An anderen gestrickten Mützen gew ahrt man diese Spuren nicht
T. X IX 9,
VIII. Kopfbedeckungen .
53
Zu dieser Gruppe gehört eine Art von Kopfbedeckungen, die auf Ösel eine
eigenthümliche Entwickelungsserie
bilden, indem
sie von W esten nach Osten gehen.
In dem westlichsten Kirchspiel von Ösel ist diese Zipfelmütze fast von derselben Art
wie auf dem Festlande von Estland T. X IX
10 (Yigala-Fickel), und 11 (in Mustel)
zuckerhutförmig. Etwas weiter von hier nach Osten, gehen die Konturlinien der Kopf
bedeckung schon
X IX
13 und 14.
etwas
einwärts, d. h. der obere Theil der Mütze wird schmäler T.
Mitten auf der Insel ist dieser Qbertheil noch schmäler T. X IX . 12
(vgl. Trachtenbild 29), aber wenn die Mütze getragen wird, hängt sie, ebenso wie in
den vorigen Formen (vgl. Trachtenbild 34) frei vom Scheitel herab.
Darauf wird diese
Spitze immer kleiner und verändert zugleich ihre Form, indem sie mit dem Boden der
Mütze gleichsam zusammenschmilzt.
Der erste Schritt in dieser Richtung ist die B e
festigung der Spitze an den Boden der Mütze mit einer Nadel T. X IX 15.
In dieser
Form hat die Troddel noch ihre ursprüngliche Natur bewahrt, d. h. sie ist aus kleinen
Stückchen Zeug zusammengesetzt. In der Form X IX 16 ist dieses nicht mehr der Fall,
da ein dreieckiges Stück Zeug an die Stelle der Troddel getreten ist, das bunt ausge
ziert ist und demnach das Lebhafte und die Buntfarbigkeit der Troddel zu ersetzen
bestrebt ist.
Ferner ist diese Zeugtroddel an den Rand der Mütze genäht.
Von der
Spitze der Mütze ist jedoch ein so langes Stück übrig, dass man den Finger darunter
stecken kann.
In der Form T. X IX 17 ist nur ein kleiner Knoten als letztes Überbleib
sel von der Spitze nach, wobei nur das an den Mützenboden festgenähte dreieckige
Stück Zeug, das unter den unteren Rand der Mütze reicht, an die Troddel erinnert. —
Bisher
ist
der Boden
der Mütze
von
der
Grösse
des
Scheitels
gewesen
(vgl.
Trachtenbild 26), aber in der letzten Form T. X IX 18 ist auch dieser bedeutend kleiner
geworden (vgl. Trachtenbild 25), wobei der untere Rand des festen Stückes Zeug der
selbe ist, wie an der Mütze selbst.
Zoll beträgt, trug
(N:o 358).
Diese letzterwähnte Mütze, deren Länge ein Paar
ein junges W eib in der östlichen Gegend von Ösel auf der Stirn
In derselben Gegend gewahrte ich auch die Mütze T. X IX 16 und 17,
jodoch bei einem alten Weibe.
Die Form T. X IX 18 ist also die letzte Mode, welche
jedoch auch zu schwinden beginnt.
D ie übrigep Formen werden wohl in den mittleren
und westlichen Gegenden der Insel noch einige Zeit fortdauern.
Man sieht dieselben,
sogar mehrere auf einmal während der Jahrmarktszeit, selbst auf dem Markt von Arens
burg.
Die Ausbildung dieser Mütze ist also hauptsächlich zu gleicher Zeit mit der geo
graphischen Verbreitung derselben vor sich gegangen.
Bloss in den letzten Formen
können wir einen chronologischen Unterschied konstatiren, an dem die Richtung der
Entwickelung sich beweisen lässt.
Übrigens kommen alle Formen zur selben Zeit vor,
wenngleich in verschiedenen Ortschaften von Ösel.
»
Wenn die Mütze mit einem Fellbesatz und F utter versehen ist, entsteht daraus
eine Pelzmütze. In den Ostseeprovinzen existirt eine grosse und sehr abwechselnde
Menge von solchen. Eine Mütze, an w'elcher der Pelzbesatz ringsum ganz gleich ist,
sieht man in den Bildern T. X X I 4, 6 und 9, sowie auch N:o 73. — An der Pelzmütze
im Bilde X X I 14 wird der Besatz, der an der Vorderseite offen ist (sieh’ Trachtenbild
23), immer aufrecht getragen. In der Mütze T. X X I 15, die auch sonst eine andere
Form hat, ist die Öffnung zur Hälfte gefüllt. Am Boden dieser Mütze befinden sich
VIII. Kopfbedeckungen.
54
H örner; in den Formen T. X X I 10, 16 und 17 jedoch gehören dieselben zum Besatz
(sieh’ auch Trachtenbild 37). Die Hörner sind wie an der Bischofsmütze sowohl vorn
als hinten. Die Mütze T. X X I 13 hat keine Hörner, sondern einen Bogen. Alle diese
Mützen mit H örnern stammen aus Ösel.
Oben (Seite 51) ist schon einiger „H auben“ erw ähnt worden, die ihrer Technik
nach sich den Mützen anfügen T. X X I 8, 11 und 12. D erartige Kopfbedeckungen sind
hauptsächlich den Letten eigen, aber sie kommen auch auf estnischen und schwedischen
Gebieten vor. In der Form T. X X I 9 ist der B and der Öffnung auch nicht gleichmassig rund, wie an den gewöhnlichen Mützen, sondern bildet eine A rt Zwischenform
zwischen den eigentlichen Pelzmützen und den letzterw ähnten Haubenmützen, die also
der Form nach Hauben, aber der Technik nach Mützen sind.
Zu der Mützengruppe gehören zunächst auch die livischen Brautkronen T. X X I
5 und 7, die eine sternförmige, an die Mütze erinnernde Unterlage haben.
Solche Mützen tragen alle Frauenzimm er. Bisweilen findet auch bei dieser
Kopfbedeckung, wie bei den Hauben, ein kleiner Unterschied Statt, der darauf beruht,
ob sie von einem Mädchen oder einer F rau getragen wird (N:o 349). — Der hauben
förmige H ut T. X X I 11 ist jedoch eine Männermütze.
Die Farbe der Mütze, sowie auch der übrigen Kopfbedeckungen, wechselt bei
den Esten nach verschiedenen Gelegenheiten ab; in gewöhnlichen. Verhältnissen ist sie
roth, während der Trauer aber schwarz oder blau (N:o 139, 174, 244 und 355).
Ausserhalb dieser Form engruppen befindet sich eine estnische und schwedische
Kopfbedeckung T. X IX 8 und Trachtenbild 44, die dem metallenen Helme gleicht.
b.
Die Kopfbedeckungen der Männer. Dieselben sind entweder mit Krampen, B
sätzen oder Schirmen versehen. Krämpenhtite sind T. X IX 2—3, 6—7, sowie auch in
den Trachtenbilden 1, 4, 7, 7 b, 9, 11, 16, 17, 42, 50, 51, 60 und 71; N:o 86, 593. Von
diesen ist T. X IX 3 ein Strohhut (auch N:o 668), die übrigen sind Filzhüte. Die Hüte
können mit eleganten Bändern (Trachtenbilder 1 und 60; T. X IX 2; N:o 54 und 536 b),
oder mit ein Paar Troddeln ausgeziert sein (N:o 460). Der Besatz besteht aus Fell T.
X IX 1 (N:o 668) und in den Trachtenbildern 31 und 38, oder aus Garn T. X IX 4;
X X I 3. In technischer Hinsicht haben sie Gemeinschaft mit den Mützen der Weiber.
Ebenso verhält es sich mit der Mütze T. X IX 5, die zur Gruppe T. X IX 9 —11 gehört,
an die der Live jedoch einen Schirm gefügt hat. Solche Mützen werden von den Män
nern auch ohne Schirm getragen, sieh’ Trachtenbild 48 aus Nuckö und N:o 404. Auch
die Pelzmützen haben bisweilen einen Schirm, sieh’ Trachtenbild 31.
Je tz t kaufen die Männer ihre Mützen und Hüte gewöhnlich im Laden (N:o
221, 510).
C. Benennungen.
a. Die Benennungen der Kopfbedeckungen der estnischen Frauen sind (dem obigen
Systeme nach):
) peälöng T.. X V I 3; pal'mik Bild 43 1-2 ; juuste tutid T. X V I 6; kosalina T. X V I 1.
1
V lll. Kopfbedeckungen.
55
2) pärg im Trachtenbild 16, vgl. T. X X 10; sepel T. X X 10 und Bild 43 4;
pennik oder pruudikroon (N:o 441); nuuutislina T. X X 11;' vaniJc T. X X 3; peapael T.
X V I 10; titeside T. X X 13.
3) uig T. X Y II 8; pruudilina T. X Y II 3, 7 (tanulina); peäräUJc T. X Y II 1—2,
X V III 1; pea-ehed T. X V III 4; linik T. X Y II 6; rcltik das jetzige Kopftuch; Qcaal' Trach
tenbild 1); tanu T. X V III 2—3 (od. päärcit't!); X X 14.
4) tanu T. XXII 7, 10—13; XXIII 5, 8, 9, 11, 11—14; Bild 15 1-7 und 33 1-3 ;
N:o 72, 95, 121, 139 und 258; müt's T. XXI 12 (od. lcübär); XXIII 1, 3, 7.
5) müts T. XIX 9—18; XXI 2, 10, 14 (und N:o 350); ütl T. XXI 4, 13, 16—17;
(N:o 360); küpär od. Teilbar T. XXI 9, 15 und N:o 73.
att T. X IX 8.
b. Die Benennungen der Mützen und Hüte der estnischen Männer sind:
Mab T. X IX 3; N:o 272.
küpär oder kilbar T. X IX 1, 6, 7; N:o 55, 86, 272, 460; müt's T. X IX 4; X X I 3;
N:o 272, 404, 405 und 460; üll N:o 460; lakk N:o 405, 460.
c. D ie Kopfbedeckungen der Schwedinnen:
1) tuppar T. X Y I 4 und 7; N:o 519 (nebst bärbänd T. X Y I 5).
2) hubänd T. X X 12 und hiübänd N:o 463; seppal T. X X 4 und 5.
3) dvail N:o 464.
4) miss T. X X II 1, 3, 6, 8—9; X X III 6; tanu T. X X III 12; lü T. X X I 8
und N:o 539.
5)
lü T. X X I 1, 6, 8 und N:o 520.
d.
Die Kopfbedeckungen der schwedischen Männer:
hatt T. X IX 2; X X I 11 und N:o 593 (karbusa N:o 466).
e. D ie .Kopfbekleidungen der Lettinnen sind :
1) ivainags T. XVI 2.
2) ivainags T. X X 1—2; Bild 65 1.
3) linkaine T. X V II 5; lupats T. X V II 4.
4 ) zepure T. X II 4 ; X X III 4 ; Bild 65 2; 662-3; mize T. XXIII 4 ; Bild
653-4; 662-3.
5)
mize oder bahnits Bild 66 1.
f. Die M ännerhüte der Letten heissen auch zepure od. brile N:o 667.
g. Die Benennungen der K opfbekleidungen der livischen W eiber sind:
1) ? N:o 685.
VIII. Kopfbedeckungen.
56
2)
3)
4)
5)
müts T. X X II 2, 5; X X III 2.
Jcruon T. X X I 7 und 7.
h. Von den Hüten der livischen Männer wird nur der tanumüfs Erwähnung gethan
T. X IX 5.
Aus den obigen Verzeichnissen gewahren wir, dass die verschiedenartigsten
Kopfbedeckungen denselben Namen erhalten. So wird mit
, welches die eigentliche
Benennung einer estnischen Haube ist, eine solche Kopfbekleidung bezeichnet, die einen
Nackenlatz T. X V III 2 u. a. hat, oder der demselben fehlt T. X X II 7 u. a. Diese ver
schiedenen Form en scheinen jedoch einen ganz verschiedenen U rsprung zu haben. W ir
können nicht annehmen, dass zur selben Zeit derselbe Name so verschiedenartigen
Kopfbedeckungen gegeben sei, denn sicherlich hat man ursprünglich eine gewisse Form
im Auge g ehabt In welcher von den erwähnten Typengruppen ist die Urform der
tanu zu suchen?
Die setukesischen W eiber kennen die Hauben gar nicht, statt deren tragen sie ein
langes Tuch, das sie theils um den Kopf winden, theils am Rücken herabhängen lassen
(sieh’ Trachtenbild 3). Ebenso verhält es sich mit der Kopfbedeckung T. X V III 2, ob
gleich das Binden derselben in anderer W eise vor sich gegangen ist. In beiden Fällen
hat man ein so grosses Stück Zeug angewandt, dass es nicht vollständig auf die Kopf
bedeckung aufging, und man hat einen Theil desselben frei am Rücken herabhängen
lassen. Dasselbe ist der Fall mit den K opfbedeckungen der Frauen bei den finnischen
Stamm verwandten an der Volga, bei den Karelen und Votjaken, die sich sämmtlich aus
dem weiten Kopftuch entwickelt haben, obgleich die Behandlung des Tuches verschie
den ist, wie oben S. 41 erwähnt worden. (Über die m ordvinischenKopfbedeckungen sieh’
Axel 0. Heikel, Trachten und Muster der M ordvinen. S. V III —IX). Als Gegensatz zu
dieser Gruppe dient jener schon erwähnte andere Typus, wo das kleine Stück Zeug nur
für den K opf bestimmt ist. Eine solche Kopfbedeckung scheint den Russen und Ger
m anen eigen zu sein. Dieselbe ist auch fast ganz unbekannt bei den mit den Finnen
und Esten verw andten Völkern an der Volga.
Aus dem Gesagten können wir den Schluss ziehen, dass die
ursprünglich
eine aus einem weiten Tuch gebildete Kopfbedeckung bezeichnet. H ierauf scheint auch
der Um stand hinzuweisen, dass eine solche Kopfbedeckung, wie T. X V III 3 im E st
nischen sowohl den Namen eines Tuches, als auch einer Haube, d. h.
und
hat. D arauf ist die letztere Benennung auch auf die Hauben von einem anderen Typus
übergegangen, wo sie mit dem Namen
concurrirt.
W as für eine Kopfbedeckung tragen die W eiber in der von A. Olearius gegebe
nen Abbildung 1 auf der Seite 6? Vollkommen entspricht sie keinem der in dieser
A rbeit dargestellten Typen. Das eine Weib, das dem B etrachter den Rücken kehrt, hat
kurzes Haar, worauf ein weites „Tuch“ gebunden ist und vom Kopfe hängen zwei lange
tanu
tanu
päcirciW
müt's
tanu
IX .
57
S ch m u cksach en .
Bänder herab. Solche Kopibänder haben wir noch bis jetzt bei den Setukesinnen ange
troffen. Die T a n n ist ursprünglich von dem Kopftuche ausgegangen; also ist der Kopf
dieses Weibes dennoch nach estnischer A rt bekleidet.
IX. Schmucksachen.
A. Allgemeines.
heiligenden Schmuck
Dass die Liven in der alten Zeit gern grossen,
trugen, haben
wir schon gesehen,' als die Bede von Gürteln und den dazu gehörenden Ketten war (Kap. VI).
Die Sitte an die Hals- und Brustketten Münzen und andere Schmucksachen zu befesti
gen ist natürlich sehr verbreitet. Das thun Männer und W eiber unter den Nomaden in
Central-Asien noch heutigen Tages. Auch in Europa kam dies früher vor und ist auch
jetzt noch der Fall. Troels-Lund erw ähnt einer Braut, die 50 Silberketten mit vergol
deten Speciesthalern am Halse hatte. Den Dänen war es jedoch ein ungewöhnlicher
Anblick, als sie im Jahre 1501 deutsche M änner mit goldenen Ketten am Halse sahen.
In jener Zeit trugen die Damen auch im Norden am Halse, an der B rust und Taille mit
hängendem Schmuck gezierte Goldketten, von denen eine in einer grossen Schlinge an
der rechten Seite horabhing. Der Zweck der Ketten, sowie auch anderer hängender
Schmucksachen scheint wohl zu allen Zeiten gewesen zu sein, bei der Bewegung ein
Geklirr hervorzubringen, wie das noch jetzt bei den M ordvininnen der Fall ist.
Auch die Esten trugen während des Heidenthums Schmucksachen, sogar aus
Silber. F ü r diese sowohl, als für andere M etallarbeiten waren Flecht-, Band- und W el
lenornamente besonders charakteristisch. Es dürfte uns nicht in Erstaunen setzen, dass
wir in einem Theil Schmucksachen Spuren von dieser Ornamentik finden (sieh’ die Bänder
längs der Mitte der Fingerreifen Taf. X X Y II 25 und 26), da der ganze Bingtypus aus
der Heidenzeit herzustammen scheint (sieh’ die Detailbehandlung).
Eine solche Menge von
, wie man sie wenigstens bisweilen in der Heiden
zeit gewahrt, findet man an Niemands Händen mehr. In einem Grabe bei Ljutsin hatte
(nach Hausmann) eine Leiche 9 Fingerreifen und eine andere 13 Armringe. Bei den
alten Liven scheinen sowohl Männer, als Frauen Binge an ihre Finger gezogen
zu haben.
Im Mittelalter kamen in Deutschland eine A rt von Schnürleibern mit Bändern
vor, die unter den Brüsten hinliefen und sie stützten. Sie werden Brisen (auch Preise)
genannt. Da die
wohl an diesem Schnürleibchen befestigt gewesen sein
mag, hat sie dessen Namen geerbt. Brezen sind auch in Finland bekannt gewesen; ü. A.
erwähnt Buuth, dass die Damen in V iburg sie in den 1600 Jahren trugen.
Die reihenweise geordneten Zellen mit rothem Glasflüsse in den Brustspangen
Taf. X X Y I 2 und X X V II 1—5 stehen mit der byzantinischen und merovingischen K unst
Ringen
Brüstspange
8
58
IX .
im Zusammenhang.
S ch m u cksach en .
Die grössere Form war in Schweden im Mittelalter bekannt, die klei
nere Taf. X X V II 1 ist noch jetzt in Siebenbürgen gebräuchlich.
„Die Deutschen sind es, welche den Schellen die W ürde einräumten, vom Ge
schirr der Pferde an ihre Kleider geheftet zu w erden“, sagt Rohrbach. Von dem Jahre
1370 an werden die Schellengürtel und zwar von beiden Geschlechtern getragen. Im An
fang waren sie ein Vorrecht des Adels, der Priester und — der Narren. Darauf kamen
sie mehr allgemein in Anwendung. Nach Olearius finden wir russische Leute aus dem
17:ten Jahrh., die beim Gehen mit Schellen am Gürtel klirren (Abb. V). In jetziger Zeit
befestigen die M ordviniunen Schellen an ihre Brustspangen, und man kann solche an
der Schürze der Mädchen aus Mohn hängen sehen Taf. V 14.
B. Detailübersicht
(Tafel X X IV —X X V II).
Es giebt vier Gruppen von Schmucksachen: 1) Brezen, 2) Ringe, 3) Ketten und 4)
Perlen nebst Flitter.
1.
Die meisten Schmucksachen gehören zu der ersten Gruppe.
Es giebt Brezen
von sehr verschiedenem Typus:
A.
Erhabene Brezen werden sowohl bei den Esten T, X X V 1—4, 6—9 12—15
X X V I 1 und N:o 64, 322, als auch bei den Letten T. X X V 5, 10 und 11 angetroffen.
Die Grösse dieser Brezen ist sehr abwechselnd. Es giebt aber noch grössere, als
die grösste der hier abgebildeten T. X X V I 1. Sowohl an den estnischen, als auch an
den lettischen grösseren Brezen sind zwei gedrehte Ringe, der eine, etwas kleinere, um
die Öffnung der Brezenzunge, der andere am Fusse derselben. An den estnischen
Brezen befindet sich ausserhalb der letzteren eine Reihe von Beulen. Die einzelnen
Theile der Breze werden verschieden benannt (von den estnischen N:o 23 b und 248).
Der U nterschied zwischen den, verschiedenen Nationalitäten gehörenden Brezen, liegt auch
darin, dass die Ziermuster in ihnen verschieden sind: in den estnischen Brezen sind die
selben viel mannigfaltiger als in den lettischen. Die Technik der Zierrathen ist auch
verschieden; an den ersteren sind sie alle geritzt, mit Ausnahme der Beulen am Rande.
An den letzteren ist wieder die Schmiede gewöhnlich, aber das Ritzen eine Ausnahme.
Die grössten Brezen werden mitten an der B rust getragen (sieh’ Trachtenbilder 7, 7 a,
7 b , 8, 13, 21, 22), und wurden früher auch die Umlegetücher mit denselben befestigt
(Trachtenbilder 54, 57, 58 und N:o 125). Mit den kleineren Brezen wird die Hemd- und
Blusenöffnung geschlossen, oft mit m ehreren Brezen auf einmal, und in diesem Fall
kommen die kleineren zu oberst (N:o 328). Mit Brezen werden jetzt oft auch Halstücher
zugeknöpft (N:o 320). Eine grosse konisch erhabene Breze gab in früheren Zeiten der B räu
tigam in Estland seiner B raut (N:o 23). In letzter Zeit sollen die Bräutigame keine allzu
grossen Schnallen mehr bestellen, im Gegentheil werden sie immer kleiner.
Diese Auszierung der B rust erregte zu seiner Zeit die Aufmerksamkeit von
Olearius, der darüber Folgendes äusserst: „am Halse (tragen) die Fürnehm sten, und
gemeiniglich die Ammen platte runde silberne Patzen, als die halben und ganze Thaler,
der unterste aber fast als ein höltzern Bricken oder Hebeteller grosse, sind dünne als
B lech“ (Reise-Beschreibungen S. 54).
IX .
59
S ch m u cksach en .
Beinahe anderthalbhundert Jahre später erzählt Hupel Folgendes (Top. Nachr.
II 180): „Ihre grossen Presen auf der B rust sind rund, in der Mitte ein wenig erhaben,
mit Blumen werk geziert, und kosten nach ihrer Grösse 2 bis 5 Hubel.“
B. Die platten Brezen od. Schnallen sind von sehr verschiedener Form und
Grösse. Die elegantesten derselben T. X X Y I 2; X X Y II 1—2, die aus vergoldetem Silber
bestehen und mit Reliefs geziert sind, kommen bei den Letten vor. Diese Schnallen
stammen wahrscheinlich schon aus dem M ittelalter 1 und vermuthlicli hat sich ein Theil
der einfacheren lettischen und estnischen Schnallen aus denselben entwickelt. Die R e
liefs in denselben werden immer niedriger in den estnischen T. X X V II 3—4, bis sie
schliesslich gänzlich schwinden in den estnischen T. X X V II 6—9 und in den schwe
dischen T. X X IV 17. Als Erbtheil von den ältesten Brezen haben sie einen gezahn
ten äusseren Rand und mehrere Löcher in der Platte beibehalten. Das Form at wird
immer kleiner, die Löcher verschwinden, aber der äussere Rand des Rahmens ist
immer noch gezahnt und an der Oberfläche sind Zierlinien, die an die Reliefs und
Felder der M utterschnalle erinnern (vgl. T. X X V II 11 —13 und X X V I 2). Schliess
lich verschwinden auch die Linien und bloss Grübchen sind noch nach T. X X V II 10.
Die Schnallen mit ebenen Rändern auf beiden Seiten scheinen einer gleichen
Entwickelung unterlegen zu haben.
A uch in ihnen werden die Reliefs immer kleiner
in den lettischen T. X X V II 1 und 5; schliesslich schwinden sie auch, und nur ein
geritzte Striche sind noch nach in den livischen T. X X V II 15 und in den estnischen
T. X X V II 17.
Zuletzt ist
die
Oberfläche
ungeschmtickt in den
schwedischen
T.
X X V II 18.
Die Form en T. X X V II 5, 16 und 17 gehören übrigens zu einer gemischten
Form, da deren äussere Oberfläche gewölbt ist.
Es scheint also, dass die estnischen platten Bresen oder Schnallen sich aus den
lettischen entwickelt haben.
Zugleich hiemit ist auch die Technik der Zierrathen, oder
die Schmiede auf die Esten übergegangen, denn dieselbe findet sich an den platten
Schnallen in weit grösserem Maasse, als an den erhabenen.
C.
Die Schweden auf Runö haben ihre eigenen Schnallenformen T. X XV II'
19 und 20.
solg.
In Kühno und an einigen Orten des Festlandes wird die erstere auch preez oder reez
Die- estnische Benennung sowohl einer platten, als erhabenen Schnalle ist
genannt T. X X V 3 und N:o 81, 201—205.
breslce
breski
Bei den Schweden sind die Benennungen
(N:o 484, 513, 541),
(N:o.
(N:o 574, 575) und
(N:o 467) gebräuchlich.
Die Letten nennen die Breze
(N:o 612—614, 644, 548—648) und die
574),
sölj
Liven
spradz (N:o 680).
spälsa
ssagta
1 H. Hildebrand bildet eine solche in „Sveriges medeltid“ II. S. 382 ab. Drei Brezen von
diesem Typus kommen auch im Katalog der Ausst. zum archäol. Kongress in Riga 189.6 vor. T. 30;
27—20, aus dem 17:ten Jahrh.
60
IX .
S ch m u c J c sa c h e n .
2. Es giebt sehr verschiedene A rten von Ringen, die jedoch in zwei H aupt
gruppen getheilt werden können. Zur ersteren gehören die gleich ebenen oder s. g.
glatten Ringe, zur zweiten die, an denen der eine Theil dicker ist als der andere, d. h.
unebene Ringe. Die ersteren sind gekerbt, im Gebrauch weniger allgemein und aus
verhältnissmässig neuer Zeit T. X X V II 21 und 22. Die unebenen Ringe haben gewöhn
lich einen Schild, welches der meist in die Augen fallende Um stand an denselben ist. Bis
weilen erhebt er sich als eigentlicher Schild über die Oberfläche und ist mit eingeritzten
Strichen oder Perlen geziert T. X X V II 27—29, 31—34, 36 und 39. In anderen Form en
wiederum unterscheidet sich dieses Schildchen wohl als besonderer Schild von dem
übrigen Theile, er erhebt sich jedoch nicht über die Oberfläche des Ringes T. X X V II
30, 35, 37 und 38. Es giebt auch solche unebene Ringe, an denen man kein besonderes
Schildchen gewahrt und die gabzo breite Seite bildet einen gleichmässig gezierten
Theil T. X X V II 24—26.
W enn wir die hier erwähnten Formen mit einem Bronzeringe aus der Heidenzeit
vergleichen T. X X V II 23
der sich in dieser Sammlung (N:o 368) befindet, gewahren
wir, dass die letzterwähnten Ringe meist an diese heidnische Form erinnern. Sie haben
nämlich alle die Eigenthümlichkeit gemein dass die breite Seite durchgängig von derselben
A rt ist und keinen besonderen Schild bildet. Der erwähnte bronzene Ring fügt sich den
spiralförmigen Ringen aus dem späteren Eisenalter an. (Sieh’ Katalog der Ausstellung
zum X. archäolog. Kongress in Riga 1896. Taf. 21, 6). Die vorgeführten unebenen
Ringe scheinen sich aus diesen, aus der Heidenzeit stammenden, entwickelt zu haben,
indem sie im breiten Theil allmählig ein besonderes Schildchen bilden.
Der estnische Name des Ringes ist
T. X X V II 23—24, 26—38, der schwe
dische
T. X X V II 21 und 25 und der livische
T. X X V II 22. Ein lettischer
R ing (gredsens) findet sich nicht in den Sammlungen. Die eine der Bräute im Trachten
bild 54 hat Ringe an den Fingern.
Die K etten sind sämmtlich aus einfachen Ringgefügen zusammengesetzt. Bis
weilen sind diese Gefüge gekerbt T. X X IV 3 und erinnern dadurch an die Ketten aus
der Heidenzeit, in denen jedes Gefüge aus m ehreren R ingen besteht. An einigen Ketten
sind die Gefüge breit und gleichmässig T. X X IV 1, an anderen dagegen ist der D urch
schnitt des Fadens (Drahtes) halbrund. Die letzterw ähnten Gefüge gehören zu den
Ketten, die ich nur bei den Setukesen gesehen und scheinen von den Russen zu ihnen
gekommen zu sein. Ebenso verhält es sich mit den Kettenform en T. X X IV 4 und 5.
A n einigen dieser Ketten hängen M ünzen; derartiges Flitterw erk wird auch an den
Ketten aus der Heidenzeit Finlands angetroffen. W ieder an anderen K etten hängt das
Kreuz „der Rechtgläubigen“.
Diese Geldanhängsel sind auch Hupel bekannt. E r sagt von ihnen (Topogr.
Nähr. I I 180): „In einigen Gegenden haben sie ziemlich starke silberne K etten und
daran alte Thaler mit Henkeln, um den Hals, ausser dem vorher angezeigten silbernen
Hals- und Brustschm uck“.1
ring
sörmus
snormdlcs
3.
1 Von solchen Hingen sagt Fr. Kruse (Anastasis etc. S. 13): „diese sind bei den Bauern, welche
di ese Ringe für Unglück abwendend halten, noch im Gebrauch“,
X.
61
H a n d sch u h e.
Tcced>
pöörte
leide
Die Ketten haben auf estnischem Gebiet die Namen:
T. X X IV 3,
T.
X X IY 2 und
T. X X IV 4 und 5. Bei den Schweden wird die Benennung
T. X X IV 1 angetroffen; aus anderen Gebieten kommen dieselben in den Sammlungen
nicht vor.
Aus Perlen, die nun aus Silber T. X X IV 12 und N:o 117, 540 b, Glas
27 b, 74, 206, 207, 261, 329, 487, 516), W achs (N:o 487, 557), oder aus anderen Stoffen
(N:o 487, 557) bestehen mögen, werden Halsbänder verfertigt, an denen die eben erwähn
ten Münzen und silberne Knöpfe hängen T. X X IV 11 und 13 —16. Ungewissen U r
sprungs ist ein Halsgeschmeide, an welchem zwei Reihen Perlen sich befanden, die mit
schildförmigen Steinen vereinigt waren T. X X IV 10.
Bei den Letten traf ich aus Bernstein verfertigtes Flitterw erk und Perlen T.
X X IV 6 —7, die an den Ohren hingen. Ohrringe werden auch von den Setukesen ge
tragen (N:o 62).
Von den Frauen aus der Gegend von Koddafer sagt Hupel (Top Nähr. II 182):
„sie tragen Ohrgehänge die aus einem R ing mit daran hangender Kette bestehen; doch
gemeiniglich nur in einem Ohre“.
Der estnische Name der Perlen ist
unter dem Namen
(N:o 117)
tsäpusJca
4.
h e lm e
ist gerade eine Schnur solcher Perlen gemeint.
Tcrällar
kaelakeed
D ie entsprechenden Benennungen bei den
kräll-längke (N:o 540 b). Perlenschnüre aus anderen
Schweden sind
(N:o 487) und
Gebieten finden sich nicht in den Sammlungen.
kaelaraha
kaelaraha kodarik (N:o 161 und 207) oder sangaga raha (N:o 26) genannt.
Geldanhängsel, die bei den Esten an der Perlenschnur hängen, werden
(N:o 143—145),
Die Schmucksachen, welche die F rau am Halse und an der B rust trägt, können
einen grossen W erth, sogar ihr ganzes Vermögen repräsentieren (N:o 29).
X. Handschuhe.
A. Allgemeines.
Unter den Völkern der Vorzeit waren die Parther besonders durch ihre langen
Ärmel bekannt, die über die Hände' hinausreichten. Die langen Ärmel im Mittelalter
haben daher wohl ihren Ursprung im Orient. Aus ihnen haben sich die Fausthandschuhe
derart entwickelt, dass der unterste Theil des nach unten zu oft geschlossenen Ärmels
abgeschnitten wurde. Die Anw endung der Fausthandschuhe dürfte wohl in die Zeit der
Karolinger zurückgehen, und zwar sollen es die Damen gewesen sein, die damit den
Anfang gemacht haben. Handschuhe mit getrennten Fingern sollen in Deutschland schon
im 13:ten Jahrhundert vorgekommen sein. Aber erst im 16:ten Jahrhundert wurde die
A nw endung der Handschuhe allgemeiner. „Da waren Handschuhe von Leder oder Seide,
mit Stickereien und Pelzbesatz ein unverlässliches Kostümstück unter den begüterten
62
X
H an dsch u h e.
Ständen, ebenso zierliche Gürteltäschchen, die man mit Schlüsselband, Nähbesteck und
Rosenkranz an einem mit Silber beschlagenen Riemen oder an einem Kettchen an der
Seite herabhängen liess“, sagt Hottenroth. Viele vornehme Leute in Schweden trugen
im 17:ten Jahrhundert graue Handschuhe mit Goldfransen. Viel später erw ähnt Tetzner,
indem er von den slawischen Koschuben spricht, dass die schön gestickten grossen H and
schuhe, die früher in Glowitz sogar als geistliche Abgabe im Gebrauch waren, in ähn
licher Weise auch noch heute in ganz N orddeutschland Vorkommen. Nach Kretschmer
sind es besonders die litthauischen Weiber, die Alles, wie z. B. Handschuhe, Gürtel, Gür
teltaschen ausschmücken wollen. Ihre Ornamentik scheint die Motive dem Pflanzenreiche
zu entnehmen, während die den Litthauern verwandten Letten, die sich ebenfalls durch
guten Geschmack hinsichtlich der Ornamentirung auszeichnen, gleich den Esten geo
metrische Muster an wenden.
B. Detailübersicht (Taf. X X V III 1—14).
An die Handschuhe fügen sich die Ärmlinge, die entweder gürtelartig sind, oder
die Form von strum pfschaftartigen Beinlingen haben. Die ersteren T. X X V III 14 wer
den um das Handgelenk gewunden, die letzteren T. X X V III 7 darübergezogen. Die
gürtelförm igen Ärmlinge sind wohl nicht nur neuerdings im Gebrauch gewesen, ebenso
wie man windelartige Beinlinge früher als strum pschaftartige trug.
Die einfachste und kürzeste A rt von Fausthandschuhen gewahren wir im Bilde
T. X X V III 13, an denen keine besondere Verbräm ung vorkommt. Alle übrigen Form en
in T. X X V III haben eine Verbräm ung; da sind also Ärm ling und Handschuch gleichsam
zusammengewachsen. In den Handschuhen T. X X V III 11 und 12 ist die Verbrämung breit,
wie an den Stulphandschuhen aus dem 17:ten Jahrhundert. I n den Form en T. X X V IH 4
und 5 scheint die Öffnung der Fransen wegen sehr weit zu sein. In den Doppelhand
schuhen sind entweder zwei verschiedene Handschuhe T. X X V III 11— 12, oder dieselben
sind zusammengestrickt T. X X V III 2.
Es hat den Anschein, als ob die Fingerhandschuhe sich aus den Ärmlingen ent
wickelt hätten, falls man solche Form en wie T. X X V III 7, 8, 3 und 4, was die Finger
betrifft, für eine stufenförmige Entwickelungsserie ansehen kann. Sonst zeichnen sich
die Fausthandschuhe, ebenso wie die Gürtel und Strüm pfe hauptsächlich durch die ele
ganten, in vielen hellen Farben vorkommenden Muster aus, die immer eine geometrische
Form haben. Die schönsten estnischen und schwedischen Handschuhe sind natürlich
die, welche man auf Hochzeiten trägt (N:o 442, 545). Handschuhe von der kurzen Form
gehören zu den besten Geschenken, welche auch die lettische B raut auf der Hochzeit
macht (N:o 641). Diese Sitte scheint alten U rsprungs zu sein und daher ist wohl auch
die alte Form der Handschuhe beibehalten T. X X V III 13.
Die Handschuhe werden mit Strumpfspiessen gestrickt, aber auch mit einer Nadel
verfertigt. Auf den Roginseln werden die im alltäglichen Gebrauch vorkommenden
Handschuhe und Strümpfe gewalkt (N;o 545 b)>
XX.
63
F n s s b e k le i d u n g .
In den Benennungen der Handschuhe treffen wir alte Namen an, die den Balten
und Finnen gemein sind (V. Thomsen. Beröi*. S. 187). Solche Benennungen sind im
Lettischen
T. X X V III 4, 6, 13, und N:o 620 und 671, im Estnischen
T.
X X V III 2, 5, 9 und N:o 119, 123, 150, 183, 246, 373 und 374, im Livischen
T.
X X V III 1. Zur Bezeichnung von Fingerhandschuhen fügen die Esten gewöhnlich das
W ort
hinzu (N:o 34, 61, 96, 119, 132, 208, 374, 406, 448) und die Letten
(N:o 619, 642, 643). Bisweilen kommt ein W ort, das irgend eine andere Eigenthümlichkeit
bezeichnet, hinzu (N:o 371—373).
ist die estnische Benennung eines bandför
migen Ärmlings T. X X V III 14.
ist ein kurzer Fingerhandschuh T. X X V III 3.
Die Namen der verschiedenen Theile an den estnischen Handschuhen gewahrt
man in N:o 61.
Der schwedische Name der Handschuhe ist
(PI.
T. X X V III
10—12 und N:o 496, 542, 595. Die Form T. X X V III 8 wird
benannt.
zimds
Icinnas
kindas
sörm
pirkstaini
Kättsmed
Kätis
hangkul
hangMer)
halvhangkoel
XI. Fussbekleidung.
A. Allgemeines.
Die Griechen und Hörner pflegten, mit Ausnahme der Krieger und Schauspieler,
keine besondere Bekleidung für das Schienbein anzuwenden. Das Sandalleder konnte
wohl bisweilen die Fussw urzel decken, und in allen Fällen waren die Bänder der San
dale um das Schienbein gewickelt. Im m ittleren und nördlichen Europa ist das Verhältniss schon lange ein anderes gewesen. Viereckige Stücke Zeug, welche die
zum Zweck hatten, kennt man schon aus dem dänischen Bronzealter. Die
Longobarden sollen auch Schenkelbinden aus weisser Leinwand und an den Füssen
Schuhe mit einem durch Nesteln geschlossenen Schlitze (also Pastein) gehabt haben.
Man spricht auch von Bändern und Zeugstreifen, die bei den alten Gothen und Slawen
im Brauch waren, die in gleicher Weise mit Schnursohlen und Pastein gingen. Bindel
aus Zeugstücken sind bis in die letzte Zeit nicht bloss in den Ostseeprovinzen angewandt
worden. So sollen Strümpfe bis auf unsere Zeit bei dem Volke in U ngarn unbekannt
gewesen sein, der Bevölkerung von R ussland gar nicht zu erwähnen. Zeuglappen
werden um die Füsse gewickelt, die dann in die Stiefel gesteckt werden. Stell weise
haben die W eiber jedoch schon angefangen Beinlinge (ung. harisnya) zu tragen.
und
sind aus den Hosen entstanden, die zugleich Beinkleider
und Strümpfe waren (sieh’ Kap. V S. 24), wie wir sie z. B. von den Moorfünden der
älteren Eisenzeit aus den westlichen Gegenden an der Ostsee kennen. U nter Anderen
banden die Anglosachsen die Schienbeinbänder in Spiralen um solche Hosen. Zur Zeit
der Karolinger gebrauchten nur die Bischöfe Strümpfe, die aus rothem, gemusterten
Zeug genäht waren. F ü r andere Sterbliche wurden sockenartige Strümpfe aus Leinen
Bekleidung
der Waden
Socken
Strümpfe
64
X I.
F u s s b e k le id u n g .
oder W ollenstoff zugeschnitten und zusammengenäht, nachweisbar seit dem 13:ten Ja h r
hundert. Auch die Strümpfe wurden anfänglich aus Leder gemacht. Strümpfe sollen
allerdings schon im Anfang des 16:ten Jahrhunderts allgemeiner in Brauch gekommen
sein, wo die Hosen (wie erwähnt) unterhalb des Knies abgeschnitten wurden, aber erst
nach dem die K unst Strümpfe zu stricken erfunden war, nach der Mitte desselben Ja h r
hunderts, kam deren Anwendung erst recht in Brauch. Die Königin Elisabeth von
England soll ihre ersten gestrickten Strümpfe erst im Jahre 1561 erhalten haben. Am
Ende desselben Jahrhunderts kamen sie nebst den weiten Kniehosen auch in Schweden
mehr allgemein in Brauch.
Der Zwickel in den Strüm pfen geht bis auf die Hosen zurück, die hinten „durch
einen langen eingesetzten Zwickel verbunden w aren“ (vgl. Taf. V I 7), sagt H ottenrotk
mit Veranlassung der skandinavischen Hosen im 15:ten Jahrhundert. Der Zwickel ging
darnach auf die Strümpfe, sowohl auf die aus Leder genähten, als auch auf die gestrick
ten über.
Ob die Strümpfe schon im 16:ten Jahrhundert in Mitteleuropa mit oder ohne
Hacken gestrickt wurden, ist mir nicht bekannt. So viel weiss ich nur, dass in R uss
land und Central-Asien solche noch heutigen Tages gestrickt und gewalkt werden.
Die klassische Fussbekleidung bestand aus einer Sohle, die unter dem Fusse mit
Riemen festgehalten wurde, die zum Theil an dem R ande der Sohle befestigt waren,
oder durch Ösen in dieselbe gefädelt wurden. Bei den Griechen und Röm ern wurden,
wenn Ösen vorkamen, die Riemen hin und zurück über die Fussw urzel gezogen (wie in
T. X X I X 16). Diese A rt zu binden ist den Schuhen in den Ostseeprovinzen fremd.
An den
fand sich ein Riemen zwischen der grossen und der folgenden Zehe,
wie man noch jetzt am Schuh werk aus warmen und feuchten Ländern sehen kann. Das
nordische Klima zwang jedoch die Menschen den Fuss vollständig zu bedecken. Dasselbe
war der Fall, obgleich aus entgegensetztem Grunde, in den heisseren und trockneren
Ländern des Morgenlandes, wie z. B. in Persien, welches die Heimath der am Körper
eng ansitzenden Kleider ist, die zum Zweck haben eine gewisse Feuchtigkeit des Körpers
zu bewahren. Die Lederschuhe, die man in Mooren aus der älteren Eisenzeit gefunden
hat, und die im Museum zu Kiel verw ahrt werden, sind aus einem Stück gemacht, an
der Hacke zusammengenäht und bisweilen von der Fussw urzel bis zu den Zehen mit
Ösen versehen. Hier haben wir also weit mehr Voraussetzungen für die
als in
den griechischen Sandalen. Bloss die s. g. liturgischen Schuhe im Mittelalter scheinen
unm ittelbar von den Sandalen der Griechen und Römer abzustammen. W enn man be
hauptet, dass eine Sohle mit Schlitzen am Rande und hindurchgezogenen Binderiemen
die eigentliche Fussbekleidung des deutschen Bauers von Alters her sei, so ist damit
wohl eine den Pastein ähnliche Fussbekleidung gemeint. Dieser Schuh wurde seit dem
Anfang der neueren Zeit mit Schnallen, statt Riemen geschlossen, wozu ungefähr um
das Ja h r 1600 der Absatz hinzukam; die technische Zusammensetzung des Kleidungs
stückes wurde verändert und der Schuh bekam eine Ausstattung, die bei den Mädchen
auf Mohn auch jetzt noch beliebt ist Taf. X X IX 15.
Sandalen
Pastein
Hiemit ist jedoch nichts gesagt über die Abstammung der
kenrinde, oder aus der Rinde anderer Bäume verfertigt werden.
Schuhe, die aus Bir
Ihre Urheimath hat
X I.
65
F u s s b e k le id u n g .
man möglicher W eise in Asien zu suchen, denn es wird erwähnt, dass schon in der
alten Zeit in Indien geschlossene Schuhe von Bast oder Schilf gebraucht wurden.
Im
östlichen Europa ist das Schuhwerk aus Bast allgemein verbreitet, Holzschuhe dagegen findet
man in den westlichen Gegenden unseres Welttheils. Die technische Zusammensetzung und
Form der Bastschuhe ist für die Ausbildung der Pastein aus Leder bestimmend gew e
sen, wenngleich man dieselben in einigen Beziehungen mit den altgermanischen und
klassischen Sandalen in Verbindung setzen könnte.
Die Litthauer und Altpreussen ge
brauchten auch, solche; man hat sogar behauptet, dass jeder Litthauer ein Schuster sei.
D ie ersteren nennen
sie pareskoi oder parezken. Schon Olearius bemerkt diesen Umstand,
Tdumpi
da die Dänen in Holzschuhen gingen. Doch sind die Holzschuhe (
) auch den Litthauern nicht unbekannt. In den Ostseeprovinzen sieht man sie ausnahmsweise T. X X IX 11.
Im Alterthum kannte man auch geschlossene Schuhe und Halbstiefel.
Während
des Mittelalters fing man besonders in Byzanz an die Sandalen gegen orientalische halboder ganz geschlossene Schuhe nebst Socken und Stiefeln auszutauschen.
B ei den asiatischen und europäischen Heiter Völkern sind Stiefel schon seit uralten
Zeiten im Gebrauch gewesen.
bildet.
Der Stiefel hat sich aus dem ledernen Strumpfe ausge-
Natürlich haben auch Frauenzimmer angefangen in ihnen herumzustolziren, z.
B. tatarische W eiber und ruthenische Mädchen.
(öauiMaKii)
Olearius bemerkt, dass die Schuhe
der russischen Mädchen mit hohen Absätzen und hübschen Nägeln ver
sehen waren.
B. Detailübersicht (Taf. X X V III 1 5 -2 7 , XXIX).
1. Die Schnüre an den Schuhen werden kreuzweise um die Beine gebunden (N:o
38, 211b). Aber vordem sind die Hosenbeine der langen Hosen, Zeugläppen, Beinlinge
oder Strümpfe auf die Beine gelegt.
Die
sind aus Leinwand oder Wolle verfertigte rechtwinklige Kleidungs
stücke T. X X V III 15 und N:o 56, 57, 88. Solche Beinlinge werden noch jetzt bei den
Setukesen allgemein getragen. Der Beinling wird unterhalb des Knies mit einem Bande,
welches bisweilen an den Beinlingen befestigt ist, festgebunden.
An einigen Orten werden strum pfschaftartige Beinlinge getragen T. X X V III
21, zu denen Beinbänder von derselben A rt wie die Strum pfbänder gehören (Im Kapitel
V I S. 33 und N:o 212).
giebt es auf dem Gebiete unserer Forschung von vielen sehr verschie
denen Form en; sie haben im Allgemeinen recht elegante, in verschiedenen Färben
nineingestrickte, prunkende
Muster. Die einfacheren Strümpfe sind gerade, d.
h. sie haben keine besondere Hacke. Man findet sie sowohl bei den Letten T.
X X V III 20, als auch bei den Setukesen T. X X V III 22 und den im Gouvernement
W itebsk wohnenden Esten, bei denen der Name des Strumpfes
ist (Dörpt. etnogr.
Mus.). Die mit Hacken versehenen Strüm pfe sind entweder kurz T. X X V III 16 —19,
oder langschäftig T. X X V III 23—27. Den kurzschäftigen Strüm pfen dient ein strum pf
schaftartiger Beinling als Fortsetzung. Da sowohl der Strumpf, als auch der Beinling
Beinlinge
Strümpfe
ieeplä
66
X I.
F u s s b e J c le id u n g .
in hübschen, bunten Mustern gestrickt sind, wie z. B. bei den Frauen auf Mohn, sehen
die Beine unter den kurzen Böcken recht nett aus (Trachtenbilder 21 und 23). Vielleicht
übertreffen jedoch die Halbstrümpfe auf Kühno T. X X V III 16 alle ausgeschmückten
Strüm pfe an Eleganz, denn sie werden fast gar nicht an den Füssen getragen, sondern
auf Hochzeiten von der B raut den jungen Mädchen geschenkt und wandern darauf von
H and zu H and (N:o 211b). An den langschäftigen Strüm pfen sind Strum pf und Bein
ling gleichsam zu einem Stück zusammengew^achsen. A uf estnischem Gebiet findet man
solche langschäftige Strümpfe, deren Schäfte aufgebauscht sind T. X X V III 24. Diese
Form ist dadurch entstanden, dass man unter diesen Strüm pfen Beinlinge aus Zeug
trägt, deren Anwendung man erst allmählig angefangen hat aufzugeben. D aher mag
die Sitte mehrere Beinlinge oder Strümpfe über einander zu ziehen (N:o 252 und 376),
entstanden sein.
Petri (Ehstland II 176) erwähnt, dass die Esten sogar über die Strümpfe Lap
pen wickeln. Hupel sagt (Topogr. Nachr. II 152, 179), dass die Beine besonders in der
Gegend von Dorpat, Jerwen und Fellin mit breiten Bändern dick umwickelt werden,
und S. 182 von der Frauen in Koddafer: „Ihre Füsse umwickeln sie sehr dick“.
Noch
zu Kruses Zeit wurden die Beine der W eiber auf Mohn mit Bändern umwickelt, so
dass sie nur kurze, hübsch gestrickte Strümpfe, aber keine Beinlinge kannten (Necroliv.
S. 31, 32). So aufgebauschte Beine werden für hübsch angesehen. Derselbe Geschmack,
was
Schönheit anbetrifft, herrscht auch bei den Litthauern (A. Kretschmer, Deutsche
Volkstrachten. Taf. 11— 12) und bei den Weibern der, den Finnen stammverwandten Völker
an der Volga. Auch bei den Letten kann es Vorkommen, dass Beinlinge unter die Strümpfe
gew ickelt sind (Trachtenbild 57), aber in der Mitte aufgebauschte Strümpfe habe ich
bei ihnen nicht gesehen.
Zwickeln
Die modernen Strümpfe werden mit
in verschiedenartigen Variationen
geziert. Erst im 18-ten Jahrhundert scheinen die Strüm pfe mit Zwickeln und die Le
derschuhe bei den Litthauern aufgekommen zu sein. Vordem trugen sie nur Schuhe
aus Lindenbast und Zeuglappen an den Füssen (A. Kretschmer, erwähntes Citat). W ahr
scheinlich verhielt es sich damit ebenso in den Ostseeprovinzen. Schon zu Hupels
Zeiten war das Stricken von Strüm pfen allgemein (Topogr. Nachr. II 148). Die verhältnissmässig neuen (N:o 378), langschäftigen Strüm pfe werden mit Zierrathen geschmückt,
die gewöhnlich in dieselben hineingestrickt sind. Nur selten werden sie auf fertige
Strüm pfe späterhin aufgenäht (N:o 120 und 569). Man trägt auch viel einfarbige
Strümpfe und Beinlinge. An einigen Orten ist die Festfarbe der Beinlinge oder Strümpfe
der Frauen roth, bei den Männern aber weiss (N:o 377, 459, 500, 511, 570). A uf Ösel
ist an den Strümpfen die blaue Farbe nationeil (N:o 407 b; vgl. auf Bunö N:o 570).
W ahrscheinlich durch russischen Einfluss hat man stellweise angefangen die
Strümpfe, und auch die Handschuhe zu walken T. X X V III 23. A uf Nuckö und auf
dem benachbarten Festlande scheint man früher Strüm pfe aus Ziegenhaar verfertigt
zu haben (Ruszwurm, Eibofolke II 21).
Die Benennungen der Beinlinge bei den Esten sind für den Typus T. X X V III
15:
(N:o 56),
Sing. (N:o 88),
(N:o 57); für Typus
razu\ tsuvvaräü’
jalgrätik
villagu9
X I.
67
F u s s b e k le i d itn g .
seärised, säärihad (N:o 376), sääresukctd oder seersukad (N:o 459) und
T. X X V III 21:
(N:o 376, 378 und 449).
sukavarred
kapetad
Die Benennungen der kurzen Strümpfe oder Socken sind:
T. X X V III
17 und N:o3 76—378 oder
T. X X V III 16 und 18, die der langen Strümpfe:
T. X X V III 22 und N:o 37, 75 und 87;
oder eigentl.
.,
u. s. w. T. X X V III 19, 24 und 27, sowie auch N:o 87, 120, 122, 131, 210, [252], 273,
377 und 407.
pooledsukad
kapuda!
sukad
pikads röomiis.
Die Benennungen der verschiedenen Theile des Strumpfes finden wir in N:o
211 c und 407.
Bei den Schweden heissen Beinlinge
(N:o 470, 500), Halbstrümpfe
oder
(N:o 470, 597), Strüm pfe
oder
T. X X V III 23 und N:o 501,
569 und 596.
Bei den Letten bedeutet
sowohl langer Strumpf, als auch Socke T. X X V III
20 und 26; N:o 656. Die letzteren scheinen jedoch gewöhnlich den Namen
zu
tragen (N:o 623). Lettische und livische Beinlinge (lett.
) kommen in den
Sammlungen nicht vor.
ist ein livischer langer Strum pf T. X X V III 25.
2. Die obere Fussbekleidung kann man der Arbeitsweise und Form nach in zwei
Hauptgruppen theilen, wobei das Kennzeichen der ersteren darin besteht, dass die Sohle
und das Oberleder aus einem Stück gemacht sind; ein langes Band geht durch die Lö
cher an der Öffnung des Schuhes bevor es um die Beine gewunden wird T. X X IX
1—6, 9 und 11. Von dem Schuhwerk der anderen Gruppe bestehen das Oberleder und
die Sohle aus verschiedenen Stücken, und ausserdem befinden sich an jedem Schuhe
zwei Ösen, von denen aus ein kurzes Band über die Fusswurzel gebunden wird, die
von einer Klappe verdeckt wird T. X X IX 12, 14 und 15.
Zu der ersten Gruppe gehören die
und anderes derartiges Schuhwerk.
Bastschuhe werden aus W eiden- oder W achholderrinde gemacht (N:o 38 und 77). An
der Sohle wird die Rinde mehrfach geflochten. An dem Rande des Schuhes sind
8 bis 10 Ösen, durch welche das B and gefädelt wird T. X X IX 1. W enn die Schuhe
zum Trocknen aufgehängt werden, flicht man, wenigstens bei den Setukesen, die Bänder
in der Weise, wie Bild X X IX 4 aus weist.
läggiar
sukkar
sukkci
kapeto
kapetar
seke
sakamts
Särsukü
kabsekes
Bastschuhe
In den Ostseeprovinzen habe ich Bastschuhe nur bei den Esten angetroffen.
Ruszwurm erwähnt deren auch nicht bei den Schweden.
Pastel
Dem Bastschuhe nach hat sich die
entwickelt. Dieselbe wird aus einem
viereckigen Stücke Leder verfertigt. A uf den Roginseln habe ich ein besonderes Maass
brett gesehen, wonach das Leder zugeschnitten wird T. X X IX 8. Als Material dazu
wird sowohl gegerbtes als ungegerbtes Rinds- und Seehundsleder gebraucht. Kruse sagt
aber: „die Esthinnen nehmen möglichst hellgelbes feines Leder, welches sie um die Form
des Fusses zusammenschnüren, wenn sie geputzt zur Kirche gehen“ (Necroliv. S. 32).
Hello Kirchenschuhe habe ich nur auf Runö gesehen (N:o 571). Die Form T. X X IX 3
(wie auch im Bild 67) gleicht einem Bastschuh, denn hier findet man Falten am Rande,
die an die Ösen des Bastschuhes erinnern. In der Form T. X X IX 2 bildet der R and
keine Falten, aber statt deren sind an der Kante zwei Ösen befestigt, die den Ösen der
Bastschuhe ähnlich sind. Auch diese Ösen sind in der folgenden Form T. X X IX 5
68
fortgeblieben.
X I.
F u s s b e k le id u n g .
Die erwähnten Lederschuhe haben wenigstens an den Zehen Falten.
In
T. X X IX 6 ist das Zehenende des Schuhes glatt.
Eine besondere Form dieser Gruppe von Schuhen hat man dadurch erhalten,
dass eine Zunge oder Klappe den Fussrücken bedeckt T.- X X IX 9. Eine solche F uss
bekleidung wird aus dem Hinterfusse eines Seehundes verfertigt, der entweder gegerbt
oder ungegerbt angewandt wird; im letzteren Falle hängen die Schuhe mehrere Jahre
im Rauche (N:o 599). An den letzterwähnten Schuhen kommt selbst an den Zehen kein
Saum vor, weil das Leder unbeschadet vom Fusse des Seehundes abgeschunden wird.
Das Band wird in derselben Weise wie an den übrigen Schuhen befestigt, d. h. das
Band geht durch Löcher in dem Rande der Fussöffnung. Andererseits fügt die Klappe,
die den Fussrücken schützt und hier eine Neuerung bildet, diese Schuhe der Fussbe
kleidung der anderen Gruppe an.
Zur ersten Gruppe gehört auch eine A rt von
T. X X IX 11, die beim
Abschneiden der Binsen getragen werden (N:o 411). (Zur Zeit Ruszwurms wurden auf
Nuckö im W inter hölzerne Eisschuhe getragen. Fibofolke I I 62). Als eine Eigenthümlichkeit kommt an diesen Holzschuhen ein Absatz vor, der eigentlich nur in dem Schuh
werk der zweiten Gruppe sich findet. — In dem naturwissenschaftlichen Museum zu
H am burg habe ich Holzschuhe von den Roginseln gesehen, die sogar mit zwei Absätzen
versehen waren und deshalb chinesischen Schuhen glichen.
F ü r eine gemischte, oder Zwischenform zwischen der ersten und zweiten Gruppe
ist auch der
anzusehen T. X X IX 7. Mit der ersten Gruppe hat er den Um
stand gemein, dass die Bänder von den Hacken ausgehen. Diese Bänder gehen jedoch
nicht durch Ösen am Rande des Schuhwerks. S tatt dessen gewahrt man an demselben
eine sich schlängelnde, genähte Linie, die für ein Rudim ent der Lochserie an den Pastein
anzusehen ist. In der Form T. X X IX 10 sind auch davon keine Spuren mehr sichtbar;
eine kleine Spitze erinnert an die Klappe. Hinsichtlich der Sohlen gehören diese F o r
men zur zweiten Gruppe.
Typische Form en der zweiten Gruppe haben wir in den
T. X X IX 12,
14 und 15. Statt Ösen haben sie Ohrenlappen und zwischen diesen eine Klappe. Oft
sind sie sehr plump gemacht; bisweilen haben sie hölzerne Sohlen und sind wie Pferde
hufe mit Eisen beschlagen. An anderem Schuhwerk gew ahrt man die Nücken der Mode,
indem ein kleiner Absatz mitten unter dem Fusse angebracht ist. Diese Mode kam zu
Kruses Zeit nur in Mustel vor (Necroliv. S. 31), aber stammt aus dem 18-ten Jah rh u n
dert. Die Schuhe, welche die Mädchen auf Mohn tragen T. X X IX 15, sind hübsch ge
arbeitet. Die lettischen Mädchen tragen gewöhnliche Schuhe T. X X IX 16, an denen die
Ohrenlappen auf Kosten der Klappe grösser geworden sind.
Seeleute, Fischer, Leute, die in Kriegsdiensten gestanden haben u. s. w., tragen
langschäftige
(Trachtenbild 42 und N:o 60, 274 und 412). Selbst die Setukesenmädchen fangen an in Halbstiefelchen herum zutrippeln (N:o 42).
A uf Runö, vielleicht auch anderswo, befestigten Frauen und Männer früher
Schnallen an die Schuhe T. X X IX 13.
Die estnische Benennung des Bastschuhes ist
(PI.
’) T. X X IX 1 und
N;o 59, 159; im Livischen heisst er
(N;o 696). Dieser Name ist vom lettischen
Holzschuhen
Pantoffel
Schuhen
Stiefel
vizoz
viislc
viizu
XL
69
F its s b e k le id u n g .
vii’se oder viisci und dem litthauischen vyzä abgeleitet, welches Lindenbastschuh bedeutet.
Die Liven benennen den Schuh kurp (N:o 692), welche Benennung ebenfalls dem L it
thauischen entnommen ist.
Derselbe scheint früher auch aus Baumrinde gemacht g e
kurp
wesen zu sein, denn in Polen bedeutet
’ auch jetzt noch Lindenbastschuh (Thomsen, Ber. S. 191, 192 und 244). In den Karpathen (Tatry) werden die
(kierptje)
kierpcie
aus Leder verfertigt.
Der estnische Name der Pastein ist bei den Setukesen und deren Nachbarn tsoog
tsuug (Plur. tsuvva.’) T. X X IX 2 und N:o 59, 76, aber bei den Esten pastal (Plur.
pastlad) (N:o 159, 213, 227, 255, 274). In W iedemann-Hurts Wörterbuch wird auch vcinuk oder vanukas als Benennung für dieselben erwähnt. Ein aus Seehundsfell gemachter
Schuh (vgl. T. X X IX 9) heisst loib (PI. loevad) (N:o 226, auch bei den Liven luoiba
N:o 696). Schuh heisst im Estnischen king (PI. kingad), der durch die hinzugefügten
od.
Eigenschaftswörter und der Form nach grossem W echsel unterworfen ist T. X X IX 11,
12, 14 und 15, N:o 409.
Die Benennung des Pantoffels ist
päterna (N:o 41).
sciabas
päti T. X X IX 7, 10 und N:o 410, oder
saapa’),
Stiefel heisst im Estnischen
, (PI.
(N:o 42, 60, 274, 412).
Bei den Schweden sind die Namen der Schuhe:
,
od.
(PI.
,
od.
T. X X IX 5 und 6, sowie auch N o 471, 503 und 598;
T.
X X IX 9 und N:o 572;
, wenn der Schuh mit hölzernem Absatz versehen ist
(N:o 471).
Bei den Letten ist
von der im Bild 67, und
von der in T. X X IX
16 dargestellten Form.
skiuir
skugwer)
skö skü
masiäkork
pastala
sahbaks
slcög,
sköctr
skräfling
II THEIL.
VERZEICHNIS DER ZU DEN TRACHTEN GEHÖRENDEN
GEGENSTÄNDE NEBST TRACHTENBILDERN UND TAFELN.
Bild 1.
I. Estnische Tracht.
I. Setukesien.
(Das von „orthodoxen“ Esten oder s. g. Setukesen bewohnte Gebiet im Gonv. Pleskau).
Bild I1.
A. Brauttracht.
N:o 15.
19.
Mütze
Tafel X X I 9.
Rückentuch
T. X X 9.
Hemd mit langen Ärmeln
T. I I 6.
W eisser Rock mit falschen Ärmeln
(T. y 4).
3.
6.
12.
23.
W eisser K ittel
T. IX 5.
Silberne Breze
(T. X X V I 1).
Perlen
T. X X IV 12.
Silberne Kette mit Anhängsel
T. X X IV 3.
24.
27.
61.
Fingerhandschuh
Beinlinge
T. X X V III 15.
Strüm pfe über den Beinlingen
Pastein (leichte Frauenschuhe)
T. X X IX 2.
Tuch, mit dem der K opf und Oberkörper
der B raut bedeckt werden
Im Bilde fehlt dieses Tuch an der Rückenseite.
Z ur B rauttracht kann ausserdem gehören:
H andtuch
T. IV 5.
36.
37.
40.
22.
35.
1 Die Bilder 1—3 und 6 sind im Frühling 1902 bei dem Bauer Simjon Jako wiewitsch aus dem
Kirchspiel Tailowo im Gouvernement Pleskau abgenommen.
M et 2.
Ü:o (1— ).
E s tn i s c h e T r a c h t _( S e tu k e s ie n ).
B. Die Tracht des Bräutigams auf demselben Bilde:
54.
49.
Filzhut
T. X IX 6.
Überrock
T. IX 7.
Bräutigamshemd
T. I 7 nebst dazu
gehörendem Bräutigam sgürtel
Hosen
T. V I 1.
Bräutigam sstrüm pfe
T. X X V III 22.
Pastein
T. X X IX 2.
Gürtel, roth, um den Leib gebunden
. Sieh’ T. X 5.
Ein anderer, gewöhnlicher Frauengürtel,
geht über die rechte Schulter; die
44.
46.
linke Schulter ist mit dem Kopftuch
der F rauen
bedeckt, das auf der
B rust mit dem Gürtel ein Kreuz bildet.
(17)
45.
Mit diesem Tuch wird iin Hause des Mannes
der K opf der B raut bedeckt.
58.
40.
Die Kleidung des Mannes vervollkom nen:
51.
(piha-
Ein elegantes, seidenes Rückentuch
Fingerhandschuh
und eine
Peitsche
an der ein buntes
Peitschentuch befestigt ist.
räfik),
61
(piitsk),
Bild 2.
stellt rechts ein Mädchen und links eine
neuverm ählte Frau dar.
A. Kleidung des Mädchens.
14.
K opfbedeckung
T. X X 3.
Hemd mit brodirten Ärmeln
T. I I 9.
Rock ohne Ärmel
T. V 1.
Schürze, sieh’
Gurte, doppelt um den Leib zu binden,
vgl.
Verschiedenartige Silberketten
Vgl. T. X X IV 2 - 4 .
Ringe, vier Stück, zu zweien an jeder Hand.
Sieh’
Strüm pfe und Halbstiefel
2.
8.
11 b.
9.
27—29.
31—33.
42.
Bild 2.
B. Kleidung der Neuvermählten (links).
17.
Blauer Rock 7. Vgl. T. V 4.
Schürze
Breze
Perlen
T. X X IV 12.
Silberne Ketten SS,
T. X X IV 2 und 4.
Langes Kopftuch
T. X V II 6.
K opfgürtel
T. X X X 3 und X IV 2.
Seidenes Band im Nacken
Ein Tuch aus Goldbrokat, das wie einTurban
um den Kopf gewunden ist
Ein Hemd mit Broderien an den Ärmeln
T. I I 4.
18.
11 b.
23.
24.
21.
20.
1.
2
29.
B ild 3 - 4 .
E s tn i s c h e T r a c h t ( S e tu k e s ie n .)
Bild 3.
Bild 3.
2.
Weib in Alltagskleidung.
Alltagshemd
T. I I 9.
Rock mit falschen Ärmeln
T. V 4.
Gürtel des Rockes
T. X X X 11.
Gürteltuch
Ygl. T. IY 13.
Kopftuch
Flachsflechte (Wulst) unter dem linik
T. X Y I 1.
Kopfgürtel
Perlen
Beinlinge
T. X X V III 15.
Bastschuhe
11.
17.
24.
9.
5.
16.
18.
36.
38.
Bild 4. (Nach einer Photographie aus
Reval). Setukesische Männer, welche
bekleidet sind mit:
Hemd 43, Gürtel 45, Hosen vgl. 46,
Überrock 48, Strüm pfen 58, Pastein 59
und H ut 54.
Bild 4,
3
N :o ( 1 -
),
B ild
5 -7 .
N :o (.1— )■
E s tn i s c h e T r a c h t (S e tu k e s ie n )
Bild 6.
In dem Bild 5, das im Januar 1901 im
Dörpt. ethnographischen Museum abgenom
men wurde, sind abgebildet:
1, Hemd mit langen Ärmeln 3.
Bild 5.
2.
W eisser Brautrock 6.
Bild 7.
Bild 6 zeigt wie die Flachsw ulst 16, die auf Taf. X V I 1 sichtbar, ins Haar
geflochten wird.
Bild 7 stellt im Vordergrund einige in w eisse Festgewänder gekleidete Setukesenweiber beim Kirchenfest im Kloster Petschur dar.
4
B i l d ( — 7).
E s tn is c h e T r a c h t ( S e tu k e s ie n ) .
N :o 1 - 5 .
Frauenkleidung.
Naeshamö
armihamö
käuze\
N:o 1.
oder
— T. II 4 — Frauenhem d feinerer Qualität, an dem
die aufgebauschten Ärmel
der Obertheil
und der Untertheil
aus verschiedenen Stoffen bestehen. Am feinsten sind die Ärmel, am gröbsten
der Untertheil des Hemdes, der aus grober W ergleine wand besteht. Die rothen Streifen
an den Ärmeln, Ärmelöffnungen und unter der B rust sind, in das Zeug hineingewebt.
Das Hemd ist an dem Halse und an den Ärmelöffnungen gefaltet, daher die Benen
nung der ersteren Stelle
’ Halsfaltengewebe und der letzteren
\
woran der Querl gefügt ist, der am Männerhemde fehlt. 4106, 951 (und 2701, 11).
2.
— T. II 9 — Frauenhem d, an dem der Ober- und Untertheil,
so wie auch die Ärmel aus verschiedener Leinewand bestehen; der Kragen fehlt und
Falten findet man nur an den Ärmelöffnungen, die mit einer schmalen, rothen Broderie
schliessen. An den Schultern sind vom Halse an Streifen in das Zeug gewebt, die mit
rother und blauer A journaht enden. 4106, 98. Da es gewöhnlich als Alltagshemd der
Frauen gebraucht wird, ist dessen Name auch
(Traghemd). Aus dem D orf
Tepiä in der Volost Panikovitsa. 2701, 12.
3.
— sieh’ das Bild 5 und T. II 6 — ein Hemd mit langen
Ärmeln, das aus drei verschiedenen Zeugen zusammengenäht ist. Die rothen R änder
an beiden Seiten des Halses sind in das Zeug hineingewebt. Quer über die Schultern
ist ein rother Lappen
12
genäht, auf den Broderien mit weissen Fäden
eingenäht sind. An demselben ist ein Stückchen weisser und rother Spitze
befestigt.
Die äusserste Reihe der Broderien gehört zum Ärmel, wo dieselben mit rothen Fäden
genäht sind. Die langen Ärmel trägt man am Rücken unter dem Gürtel und die Hände
werden aus den in den Ärmeln befindlichen Löchern (a) hinausgesteckt. 4106, 91. Dieses
Hemd kam schon um die Mitte des vorigen Jahrhunderts ausser Brauch.
4.
gestreiftes nacktes Hemd, ist von gewöhnlicher Form,
vgl. T. II 9, aber auf den Schultern ist kein „kumagu roivas“ mit Stickereien, und
auch keine anderen Broderien kommen vor; dieselben sind nur „nackt“. Nur an den
Ärmelöffnungen sind rothe Streifen.
In ein solches Hemd gekleidet legte man die Verstorbenen (Weiber) in den
Sarg, woher dessen Name auch
Todtenhemd ist. Man trug es auch wenn
man zum heiligen Abendmahl ging. (Auf dem Kopfe hatten die W eiber dann bloss
den linik (17) d. h. kein anderes Tuch darüber). 4106, 844.
5. j
— T. V 4 — ein aus dunkelblauer gefärbter Leinewand verfertigter
Rock, bildet in jetziger Zeit das gewöhnliche Kostüm eines Setukesenweibes. „Die
scheinbaren Ärmel
’ sind sehr lang und schmal. Damit die eleganten Hemdärmel
nicht verdeckt werden, hängen die Ärmel des Rockes nur lose an den Seiten unter
alone
hamo-imä
kaala-kördi-röiva
hamö
kort kciuze
Naeshamö
pitä’ havno
PitJci Jcäustega hamö
Jcumagu roivas
pilu'
Sooneline paVas hamö
koolihamö
Rüüd
käüze
1 Alle unter der Hauptnummer 4106 in dem Helsingforser Museum aufbewahrten setukesischen Gegenstände habe ich in dem Kirchspiel Tailovo gekauft. Die unter N:o 2701 angegebenen
Gegenstände in demselben Museum stammen aus anderen Dörfern, näher an der livländischen Grenze
und sind von Mag. E. A. Tunkelo gesammelt.
2 Vom russischen Wort KyMara, das bucharischer rother Baumwollenstoff (Twill) bedeutet.
5
B i l d ( — 7 ).
E s tn i s c h e T r a c h t ( S e tu k e s ie n ) .
N :o 6 - 1 1 .
proimo’
dem Gürtel. An den Schultern sind roth besäumte Löcher
für die Arme. Ein
ähnlicher Besatz
ist an dem Zipfel. Die Bandösen, welche als Knopflöcher
dienen, heissen
(Sing,
); die Knöpfe
(russ. nyroBHH,a). Der
Name des Gewebes, woraus der Rock
gemacht wird, ist
Das Garn
dazu ist aus:
(russ. natura) d. h. aus feinster Hede gesponnen“ (Tunkelo).
Aus dem D orf Tepiä. 2701, 10.
Yor der Mitte des letzten Jahrhunderts war der Rock rüüd weiss; wer Staat
machen wollte, färbte ihn in einer Schlammpfütze; derselbe war dann
mit
R ost gefärbt und galt für sehr elegant.
6. Zur Kleidung der B raut gehört noch jetzt ein weisser Rock
oder
aus reiner Wolle oder Halbwolle (4106, 105), sonst von derselben Form wie
5. An demselben ist jedoch die B rust eleganter, oder vielmehr die R änder an der B rust
öffnung sind eleganter ausgeschmückt. Dessen Name ist
(pumpou) d. h.
Bruststelle.
7.
’ ist von derselben Form wie der ebengenannte
(5), aber aus
gekauftem blauen Tuch verfertigt. Gehört zur F esttracht der W eiber. 4106, 104.
8.
Rock ohne Ärmel — T. Y 1. und auf Bild 5 — wahrscheinlich
aus gekauftem Baumwollenzeug verfertigt, das zu Hause dunkelblau gefärbt ist. Die
Öffnungen für Hals und Hände, so wie auch der Saum des Kleides sind mit rothem
Band garnirt. 4106, 103.
Früher scheint auch der kitasnik falsche Ärmel gehabt zu haben (vgl. T. Y 4),
so dass also rüüd, sukkman1 und kitasnik gleichartige Röcke, sind, deren verschiedene
Benennungen von den Stoffen herrühren, aus denen sie verfertigt sind.
Zu dieser Kleidergruppe gehört wohl auch der leinene
9.
— T. X X X 11 — gewebter Rocbgürtel, der bei den verheiratheten
F rauen um die Taille des Rockes rüüd (5) zweifach so gewunden ist, dass die Schein
ärmel des Kleides unter der ersten, aber das Kopftuch linik (17) unter der zweiten Biegung
sich befinden (sieh’ Bild 3). Die an den Enden befindlichen Fransen werden
genannt. Die Randstreifen
’ sind blau. Dorf Tepiä im Gouvernement Pleskau.
2701, 25.
10.
— T. X X X 8 — gewebter,' lilafarbener Brautgürtel. Zum Auf
zuge gehören ausser weissen Fäden noch sieben bunte, m ittelst welcher die Verzie
rungen gebildet sind, daher wird ein solcher Gürtel ein siebenfädiger genannt. „Die
B rautgürtel werden von den weiblichen Verwandten der B raut zum Geschenk gewebt
und werden ihr verliehen, wenn sie 'zu ihrer, Hochzeit einladen, oder vor der Abreise in
das Haus des Mannes, Abschied nehmen kommt. Da dieselben von geringer praktischer
B edeutung sind, werden sie späterhin oft einer anderen B raut geschenkt, die sie dann
wieder verschenkt u. s. w.“ (Tunkelo). Dorf Tepiä im Pleskauschen Gouvernement.
2701, 32.
11.
oder
— T. IY 13 — Schürzentuch aus gestreiftem weissen
Baumwollenzeug, das 1,2 Meter lang und 31 Centm. breit ist. An beiden Enden sind
rothe und blaue Verzierungen
in das Zeug hineingewebt. W ird doppelt gelegt
an einem Gürtel getragen. Im Bilde 3. 4106, 21.
kaarus
vastuzo>
vastus
laas’katsist paklist
puugnitsal
suikanö röivas.
rüüt
rossega painet
vallge rüüd
särk,
puu-aze
Sukkman
rüüd
Kitasnik
Ssarafan.
Rüvü-vöö
pciätd
veeridze
Morza-vöö
Vöö
puuzaräft'
joor!
6
E s tn i s c h e T r a c h t ( S e tu k e s ie n ) .
B ild ( - 7 ) .
N :o 1 1 b — 1 6 .
Zur Zeit der letzten Generation hat die rothe, sowie auch eine anderfarbige Schürze
den
aus dem Gebrauch verdrängt.
12.
— T. IX 5 — Frauenm antel oder Kittel aus dünnem weissen W ol
lenstoff, der im Sommer getragen
An den Halsöflnungen, vorn an dem einen
Rande und an den Armelöfinungen .mit orangefarbigem Bande garnirt, Ausserdem
kommen an der B rust sich schlängelnde gelbe Schnüre vor, woher dann der Nam
aber am Rücken sind sie geflochten und heissen dann
4106, 107.
Tunkelo giebt folgende Benennungen an: Kragen
Randband
; an
den Hüften „puuza pääl“
(Sing,
’) oder (wie im Katalog der ethnograph. Sammlungen in D orpat von 0. Kallas)
(Sing,
Falten. 2701, 8.
Früher trugen auch die Männer einen räpik.
12 b.
hat dieselbe Form und Farbe, besteht aber aus Fries, und ist
an der B rust weniger garnirt. 4106, 106.
13. Im W inter tragen die W eiber einen Pelz aus Schafsfell
od.
, der in
derselben A rt wie der räpik ausgeziert sein kann. Bei den Setukesen sind also alle Ober
kleider der Männer und F rauen weiss.
14.
— T. X X 3 — ein Kranz oder eine diademartige Kopfbedeckung der
Setukesenmädchen, die bei Gastmählern und feierlichen Gelegenheiten getragen wird.
Sie ist aus Brokatband
verfertigt, das die Stirnstelle bildet; deren U nter
lage
besteht aus Papier und einem Holzplättchen. Am oberen Rande befindet sich
ein in mehrere Falten gelegtes rothes W ollenband, namens
(Fitzeiband). H inten
hängt ein Seidenband
d. h. Schweif der Kopfbedeckung, das in Brokatspitzen
ausläuft. 4106, 1.
An W erkeltagen trägt das Mädchen, wenigstens in jetziger Zeit, das H aar in
eine Flechte geflochten, die am Rücken herabhängt.
15.
— T. X X I 9 — Brautm ütze, deren Verbräm ung
aus
Otterfell, aber das innere F utter
aus Schafsfell besteht. Der Ueberzug des hinteren
Theils ist in der A rt der finnischen „patalakki“ aus rothen Tuchlappen zusammengenäht
(d. h. wie in T. X X I 2). Das Haar unter der Mütze ist aufgelöst. „Diese Pelzmütze
muss die B raut während des W einens und Abschiednehmens tragen, wenn sie die
Hochzeitsgäste im Dorfe einladen geht, so wie auch auf der Hochzeit, bis man ihr
schliesslich nach der Trauung „laulatamine“ im Hause des Bräutigams die Kopfbedeckung
der verheiratheten W eiber den linik (17) aufsetzt. In alteii Zeiten sollen auch, die B raut
jungfern
(vom russ. iiOApwKa) ebensolche kübära’ so lange getragen haben, bis
die B raut im W agen des Bräutigam s von Hause gereist w ar“ (Tunkelo). D orf Serga im
Pleskauschen Gouvernement, aber ursprünglich aus der Gegend von Neuhausen
(Vastseliina) gebracht. 2701, 1.
16.
— T. X V I 1 — Flachswulst, die in die Flechte geflochten wird
(sieh’ Bild 6), so dass der M itteltheil a sich oberhalb der Stirn befindet. So verstärkt
werden die Flechten um den Kopf gewunden, Die an den Schläfen entstandenen Beulen
oder „sarve’“ (Hörner) verhindern das Herabgleiten des Kopftuchs linik (17) vom
Kopfe. 4106, 6.
.11 b.
pöll
Räpik
vöö-rätt
wird.
e tsib-
rigu\
prundzi’
prun’t’s
prundi’
pal'midu'kaaruse1.
Jcaaldalonö,
siidl
prunt)
Tal'vräpik
kask
Tcaslcas
Vanik
vanigu-karra’
letka
hanna karroü
tsiprik
vanigu hand
Mörza küpär
puuhaJ
vuudri
podruska
Kosalina
7
m id
( — 7 ).
17.
N :o 1 ?—
E s tn i s c h e T r a c h t ( S e tu k e s ie n ) .
Pitk-liniTc — T. X V II 6 — langes Kopftuch, ist eine 3,27 Meter lange und
Meter breite Kopfbedeckung — ein Tuch, dessen M itteltheil um den Kopf gew un
den wird und beide verzierten Enden hängen am K ücken hinab, jedoch so dass sie
unter die zweite Biegung des Rockgürtels kommen (Sieh’ 9). An beiden Enden ist
eine gehäkelte weiss und rothe Spitze
(a). Oberhalb der Spitze ist ein Streif
rothen Baumwollenzeugs
(b). An diesen Streif sind mit blauen und weissen
Fäden Broderien
genäht. Diese Theile, a und b, sind Ansätze und gehören nicht
zum ursprünglichen Stoff, sondern sind daran angenäht. Aber auch in das Zeug
selbst sind rothgestreifte Enden mit Zierathen eingewebt; die Benennung dieser Enden
ist
’, Endstreifen (c).
Nachdem die Trauung in der Kirche vollzogen und man im Hause des
Ehemannes angelangt ist, befestigt man den linik m it dem Kopfgürtel „päävöö“ (18)
an dem Kopfe der Braut. D orf Tepiä im Pleskauschen Gouvernement. 2701, 2.
0,27
TcirW
kumagu-röivas
jpiliC
hanna joonö
Im häuslichen Leben haben die Weiber stets bloss den linik auf dem Kopfe.
W enn sie aber ausgehen, bedecken sie den K opf noch mit einem weissen, oder in jetzi
ger Zeit auch mit einem andersfarbigen Tuche, dessen Ränder verziert sind.
18.
— T. X X X 3 und X IV 2 — Kopfgürtel, aus rothem Garn gefloch
Pää-vöö
te n und mit andersfarbigen Fäden gestreift. Derselbe ist ungefähr 1,8 Meter lang und
3,5 Centm. breit. Mit diesem Gürtel wird das K opftuch linik des Setukesenweibes so
an den K opf gebunden, dass die Mittelstelle sich oberhalb der Stirn befindet; im Nacken
wird es geknüpft und die Enden bleiben hängen. Sieh’ Bild 3. Die Benennung der
Troddeln ist
d. h. Enden; an denselben können auch Perlen Vorkommen.
4106, 17 und 18.
19.
— T. X X 9 — R ückentuch der Braut, das am Nacken fest
gebunden wird (sieh’ Bild 1), besteht aus Seide, ist hellviolett und mit Fransen
garnirt. 4106, 5.
20.
Tuch mit Goldbrokat; der Form nach dreieckig, aber
zu einem breiten Band wie ein Turban zusammengewickelt, wird es so um den Kopf
der Neuvermählten gebunden, dass eine Ecke des Tuches auf dem Scheitel liegt. Im
Bilde 2 links. Auch die Mädchen tragen es; in diesem Fall wird es unter dem Kinn
festgebunden; wird zu Hochzeiten und „Kirmas’“ (Kirmess) d. h. Tanzgelegenheiten
ausgeliehen. 4106, 3.
21. Zum Kopfputz der Neuvermählten gehört ausser dem eben erwähnten raff
auch ein grüngelbgestreiftes, elegantes Seidenband
, das im Nacken befestigt
wird. 4106, 2.
22.
im Bilde 1 — ein shawlartiges Tuch aus roth- und weissge
streiftem Drillich. Aus drei Stücken zusammengenäht, ist es beinahe 2 Meter lang
und ungefähr 0,8 Meter breit. Die B raut träg t es von der Zeit an auf den
Schultern, wo sie die Gäste zur Hochzeit einladen geht.Nachdem
die Trauung in der
Kirche vollzogen und während die B raut in das Haus des Bräutigams fährt, ist auch
ihr Gesicht mit dem kaal’ bedeckt, so dass sie nur durch eine Ritze hinausgucken kann.
E rst am zweiten Hochzeitstage, wenn der „vakarahvas“ — der den Kasten mit der
Aussteuer gebracht hat — gespeist hat, bindet die Schwiegermutter den linik um den
jpäcite9
Mörza-seläräf'ik
narma!
KnldplaTckaga rätt
sholgane siid
Moria Tcaal'
8
E s tn i s c h e T r a c h t (S e tu lc e s ie n ).
B i l d ( — 7 ).
N :o 2 3 — 2 7 .
Kopf der Neuvermählten. Unterdessen hält der Ehemann an dem einen Ende des kaal’
fest, die „risfamm“ (Taufmutter?) am anderen, so dass die B raut gleichsam hinter einem
Vorhang sitzt. Jetzt ist die B raut zur neuvermählten F rau geworden. Nachdem die
Neuvermählte darauf hinter dem Tisch hervorgekommen ist, legt ihre Mutter oder (nach
0. Kallas)
der B ruder des Bräutigams den kaal’ auf den Tisch und
bedeckt damit die Speisen, und über den kaal’ werden zwei Gürtel oder Bänder kreuzweis
über einander gelegt. Von dieser Zeit an dient derselbe als Tischtuch bei feierlichen
Gelegenheiten. 4106, 252 und 2701, 9. (Tepiä).
23.
— vgl. T. X X V I 1 — Breze oder konisch erhabene Schnalle aus Silber,
ein Geschenk des Bräutigams an die Braut, ihr elegantester Brautschmuck. Die Braut
erhält sie jedoch nicht gleich. W enn die Ristamm des Bräutigams die B raut abholen
kommt, trägt sie dieselbe an der B rust oberhalb ihrer eigenen Schnalle. E rst wenn die
Brautleute bei Tische sitzen, giebt der Bräutigam sie der Braut. Ihre frühere Breze
reicht der Bräutigam mit Geld gefüllt seiner Schwiegermutter. 4106, 22.
23 b. Solche Brezen bestellt man jetzt in der Stadt beim Goldschmied, dem die
alte Schnalle als Modell dient. Die hier erwähnte Setukesenschnalle ist in Dorpat
verfertigt und mit dem Stempel R. H. (wahrscheinlich R obert Hermann) versehen.
Ihre Breite beträgt 19,5 Centm. und die Höhe 8 Centm., dennoch gehört sie nicht zu
den grössten. Die Benennungen der verschiedenen Theile sind:
Schnallenzunge,
obere Öffnung (?),
Verzierung und
Schnur um die Schnalle,
die sich zwischen den
den grossen Buckeln und
kleinen Buckeln
befindet. (0. K.) Vgl. 248.
24. Zwei silberne Perlen
— T. X X IV 12 — an deren Oberfläche kleine
Buckel sich befinden. Die Länge jeder Perle beträgt 3 Centm. Zu einer Perlenschnur
gehören gegen zwanzig Stück solcher Perlen. 4106, 23.
25. D aran trägt man auch
— T. X X IV 11 — an deren obere
Hälfte Blattornam ente eingeritzt sind; der untere Theil ist Filigranarbeit. Jeder Knopf
ist 3, 5 Cm. lang, wobei die Öse nicht in B etracht genommen ist. Dieselben sind im
Bilde 3 sichtbar. 4106, 23.
26. An einer solchen Perlenschnur sieht man auch Anhängsel
(vgl. T. X X IV 13) d. h. Geldstücke, an denen ein besonderer Ring aus Silber ange
bracht ist, und die an einer Öse
hängen.
27.
— T. X X IV 3 — dreifache Silberketten, die zwischen zwei Ringen
hängen und von verschiedener Länge sind. Die Glieder der Ketten bestehen aus
einfachen, doppeltgerieften Ringen. An der längsten Kette hängen an verschiedenen
Ösen drei Rubelstücke aus den Jahren 1833, 1837 und 1848, zwei Halbrubelstücke,
beide vom Jahre 1820 und vier silberne Knöpfe oder „Perlen,“ die zum Theil aus
Filigranarbeit bestehen. An der mittleren Kette hängt ein Halbrubelstück vom Ja h r
1844, zwei 25 Kopekenstücke von 1839 und 1847, sowie auch zwei silberne Knöpfe von
derselben A rt wie die vorigen (25), aber etwas kleiner. An der dritten, kürzesten Kette
hängt nichts. Die K etten waren früher ohne Geldstücke und Knopfperlen; die M utter
der jetzigen Besitzerin hatte sie von einer russischen F rau in Livland gekauft, die
sie an der Bruststelle des Ssarafans (eines langen Uederkleides ohne Ärmel) getragen
kozilazö-veli
Sölg
söle pää
söletelg
söle vits
väigu-kupa!
söle kiri
suure-kupa'1
helme’
silberne Knöpfe
sangaga rahoi
Keed*
sang
B i l d ( — 7 ).
N :o 2 7 — 3 7 .
E s tn i s c h e T r a c h t ( S e tu k e s ie n ) .
hatte. Die Kette hängt man an die B rust und bindet sie mit einem besonderen Bande
an dem Halse fest. 4106, 25. Sie erinnert an die bronzenen Ketten aus der
Heidenzeit.
27 b. Auch Glasperlen werden an einem Bande um den Hals getragen.
28.
— T. X X IV 2 — eine aus mehrfachen silbernen Ringen zusammen
gefügte Kette, bei denen der Querschnitt der Stiele halbrund ist. Die ganze Kette
stellt ein strickartiges Spiralgewinde dar. Ist mit dem Stempel C. R. H. 84, 1878 u. s.
w. versehen. 4106, 24.
29.
(u/kno^Ka) — T. X X IV 4 und 5 — ist eine silberne Kette, an der
die Ringe verschiedene Kreuze oder anderartige Gefüge verbinden. Im Fall zwischen den
Gefügen sich z. B. fünf Ringe befinden, heisst sie:
Zu jetziger
Zeit trägt man ein Kreuz daran. 4106. 26. 27. Das Setukesenweib trägt wie das
Mordwinenweib den grössten Theil ihres Vermögens als Schmuck am Halse und an der
Brust. Ein reiches Weib kann da ein Vermögen im W erthe von 2 bis 300 Rubel haben.
Je tz t werden zu festlichen Gelegenheiten Schmucksachen auch geliehen. Sieh’ Bild 7.
31.
— T. X X V II 27 — silberner Ring. Der Vordertheil ist breit und
vielfach getheilt, das Schildchen viereckig und mit einem strahlenden Stern geschmückt.
4106, 29.
32.
— T. X X V II 28 — R ing von Silber. Dessen Vordertheil ist
platt und vielgetheilt, in der Mitte ein achteckiges Schildchen, das mit einer Rose
geziert ist. 4106, 28.
33. Setukesenringe aus Silber sind auch T. X X V II 33 und 34. An deren
Schildchen befinden sich, an dem einen R inge ein viergetheilter, an dem anderen ein
achtgetheilter Stern. D M (Dorpater ethnographisches Museum) 81 und 82.
34 An den Händen haben die Frauen auch
’. Sieh’ 61.
35.
oder
— T. IV 5 — H andtuch aus feiner Leinewand, 1,28
Meter lang und 40 Cm. breit; in das Zeug sind rothe Streifen hineingewebt und aus
serdem befinden sich an beiden Enden kleine Broderien und Troddeln. Dieses Tuch
gehört zur Brauttracht. Die B raut trägt es in der H and beim Einladen der Hochzeits
gäste und wenn sie während der Hochzeit auf den Knieen liegend sich vor dem B räuti
gam, ihren Eltern und den Heiligenbildern verbeugt. Bisweilen scheint man es auch
doppelt gefaltet am Gürtel zu tragen. 4106, 20.
36.
(Gen.
— T. X X V III 15. — Frauenbeinling aus schwarzem
W ollenzeug in Form eines Rechtecks, 1,2 Meter lang und 0, 2 Meter breit; an beiden schmalen
Kanten ist eine blaue Naht. Der Name des Bandes ist
welches ein auf B rettern
gewebter Gürtel ist. „Diese Beinlinge werden bei kaltem W etter getragen. Vom
Knöchel an windet man den Beinling, der sich spiralförnig erhebt, sorgfältig um das
Bein und darauf befestigt man das obere Ende mit einem daran befindlichen Bande
unterhalb des Knies.“ D orf Tepiä im Pleskauschen Gouvernement. 2701, 20.
37. Besonders wenn man barfuss geht, bedarf man der Beinlinge, an deren
Stelle jedoch immer allgemeiner die Strüm pfe
treten. Am Frauenstrum pf
scheint wie gewöhnlich eine Hacke vorzukommen und auch der Schaft des Strumpfes
wenigstens theilweise in M ustern oder Zwickeln gestrickt zu sein. Vgl. 58,
Pöörte
TsäpusJca
viieringiga ristilitse.
Sörmus
Sörmus
KäteräW
tiranik
Rask
razu)
sörmkinda
raik,
kapudaJ
—
10
—
E s tn is c h e T r a c h t ( S e tu k e s ie n ) .
B i l d ( — 7 ). N :o 3 8 — 4 5 .
Viizu’
viisk)
38.
(Nom. sing,
— vgl. T. X X IX 1 — Bastschuhe, werden gewöhn
lich aus W acholderrinde gemacht, aber auch W eidenrinde wird zu diesem Zweck ange
wandt. Sie halten 3 bis 6 Tage und daher kann z. B. ein H irt oft einen V or
rath von mehreren Paarzehnten besitzen. Die Spitze des Bastschuhes wird
(Nase),
die Hacke
od.
(r. KOHeu/b) genannt. Ein geflochtenes oder aus Leinewand
geschnittenes Band
wird kreuzweise über die Beinlinge gebunden. Die am B ast
schuh befindlichen Ösen, durch welche das Band gefädelt wird, heissen
. 4106, 894.
39. W enn die Schuhe zum Trocknen aufgehängt sind, werden die Bänder so
geflochten, wie man auf dem Bilde T. X X IX 4 sieht. Tepiä. 2701, 21.
40.
’ (Nom. sing,
oder
G-en.
) Pasteln oder Sandalen
werden entweder aus rohem oder gegerbtem Leder gemacht. An dem T. X X IX 2.
abgebildeten Schuh ist an beiden Seiten eine Schlinge. Die Schnur geht sowohl durch
diese Schlingen als auch durch die Löcher um den R and herum. 4106, 88.
41. Der Name der aus Zeug verfertigten Schuhe oder Pantoffeln ist
(russ. iiflTepim). Vgl. T. X X IX 10.
42. Bei Gastmählern und Tanzgesellschaften fangen jedoch, besonders bei den
Mädchen, die Halbstiefel
an in Mode zu kommen.
kundz
nona
iconts
kapl
aazoü
Tsuvva
tsoog
tsuug,
tsuvva
päterna
poole saapa’
/
Männertracht.
Poissa-hamö —T. I 5 — Mannshemd od .pitä-hamö Alltagshemd; die B rust
und das Rückenstück d. h. hamö-imä die „M utter“ (der Grund) des Hemdes besteht aus
43.
einem Stück Leinewand. An beiden Seiten ist ein bis an den Saum hinabreichender
Keil
Die Ärmel
sind offen, wovon die Benennung
\ Diese Ä r
melöffnungen und der K ragen sind aus rothem G-arniturzeug verfertigt. Das Zeugstück
chen unter dem Arm heisst
An die B rust und an den Rücken ist als P utter
ein triangelförmiges Stück W ergleinwand genäht, so dass das Hemd an diesen Stellen
doppelt ist; die Benennung dieses Theiles ist
Die Hals- und Brustöffnungen sind
mit einem rothbunten geflochtenen Band garnirt. 4106, 214; vgl. auch 2701, 13. Das
Hemd wird nach russischer A rt über den Hosen getragen.
44.
— T. I 7 — Bräutigamshemd, an dem die Brust- und
Rückenseite aus einem Stück Leinewand bestehen. U nter dem Brust- und Rücken
stück ist eih P u tter aus grober Leinewand. Der Kragen, die Brust- und Ärmelöffnun
gen sind mit rothen Päden brodiert. 4106, 847.
45.
— T. X X X . 4 — Hem dgürtel der Männer, wird auf B rettchen
(T. X IV 10) aus verschiedenfarbigem Garn gewebt. Einen solchen schnurartigen
Gürtel tragen die M änner über dem Hemde um die Weichen als Leibgürtel. Nachdem
die B raut im Hause des Bräutigam s angekommen ist, vertheilt sie diese Gürtel dem
Bräutigam und seinen männlichen Verwandten, möglicher Weise auch anderen m änn
lichen Hochzeitsgästen. Zwei solche Schnüre od. Gürtel werden einem jeden quer über
die B rust und über die Schulter kreuzweise gebunden. Einen solchen Gürtel bindet
man oft auch um den Überrock. Dorf Tepiä. 2701, 29. Der T. X X X 4 abgebildete
Hemdgürtel ist auf 8 B rettern geflochten.
siilo.
käuze1
leht-käuze
lastoka.
piht.
Kozilazö hamö
Hamö-vöö
11
Bild ( —7). ,N:o 46-56.
E s tn i s c h e T r a c h t ( S e iu k e s ie n ) .
Kaadza!
46.
— T. V I 1 — Hosen, blaugestreift, aus vierschäftigem Gewebe,
wo der Aufzug aus Lein und der Einschlag aus W erg besteht. An der Vereinigungs
haro’
pörnal
stelle der Hosenbeine
ist ein verbindender Theil:
; jedes Hosenbein ist mit
einer Naht aus einem Stück Zeug genäht; die Naht liegt auf der inneren Seite des Beins.
Eine aus Flachssträhnen geflochtene Schnur
nööriJc ist durch den Querl zu einein Gürtel
gefädelt, mit dem man die Hosen an den H üften festbindet.
D orf Tepiä.
2701, 14..
Früher waren die Hosen ganz weiss und wurden aus W ergleine wand verfertigt; sie
heissen auch
pölcsi’. (Vor etwa 40 Jahren trug man bis zum 25 Jahre überhaupt keine
Hosen, hamö reichte über die Knie.
Nach 0 . K.)
Räpik
Setukesien;
47.
langer Überrock gehörte noch vor 40 Jahren zur Kleidung der
M änner aus
er war dem räpik der W eiber ähnlich, sieh’ T. IX 5, Derselbe
wurde über dem Hemde getragen, aber jetzt ist an dessen Stelle folgendes Kleidungsstück
g etreten :
Poolsärrki
kampson
väikene särk
48.
oder
, auch
— T. X 6 — Überrock aus
vierschäftigem weissen W olleuzeug mit schwarzem Sammt besetzt und garnirt. Früher
wurde Tüll als Garnitur angewandt.
Falten an den Seiten.
feind gewöhnlich zwei Reihen schwarzer Beinknöpfe.
DM5.
Särk — T. J X 7 — Überrock aus weissem Fries; mit grünblauem Sammt
49.
garnirt.
An einem solchen Überrock
Falten an den Seiten.
4106, 220.
Ärmäk (r. a p M t f K rf>) oder härmäk oder päälmine särk oder suur särk — T. X
50.
4 — langer breiter Überrock aus hellgrauem Fries.
Am Kragen, an der Brust und an
den Armeiöffnungen dunkelblauer Sammt — früher bestanden diese schmalen Streifen
aus Fell.
Der Rücken ist glatt und breit, woher auch dessen Benennung
laja seljägä
särk, särk mit-breitem"Rückenstück. 4106. 219.
51. Vöö oder vöörätU — sieh’ T. X 5 — Gürtel, mit dem der ärmäk oder irgend
ein anderer Überrock um den Körper gebunden wird, ist breit, aus Wolle und von
rother Farbe. D M 6 .
52.
Kask oder kaskas weisser Schafspelz wird im Winter unter dem ärmäk
getragen, zu -Hause aber ohne weitere Oberkleider.
Besätze, der Frauenpelz jedoch garnirt.
53.
54.
Der Pelz der Männer ist ohne
Vgl. T. X I 1— 6.
Oline kaab — T. X IX 3 — Strohhut. D M 7 .
Kaab (küpclr) — T. X IX 6—7 — Filzhut. Diese Hüte werden zu Hause
verschiedenförmig verfertigt und sind gewöhnlich schwarz oder grau.
Wenn sie mit
kööritu k. (Im Bilde 1). D M 9 und 10.
55. Im W inter trägt man eine Pelzmütze tal'vküpär oder luht-küpär d. h. Mütze
mit Ohrenklappen, die repäze-nahane küpär genannt wird, wenn sie aus Fuchsfell
rothem Band garnirt sind, nennt man sie
besteht.
Vgl. T. X IX 1.
56.
’ oder
Jälgräti
tsuvvarätä Fusslappen, weisse aus Halbleinewand gemachte
Beinlinge, welche die Form eines länglichen Vierecks haben.
sowohl um die Füsse, als auch um die Beine.
Man wickelt dieselben
D ie eine schmale Seite des Beinlings
kann mit rothem Garn umsäumt sein und bleibt oben sichtbar, nach dem das Bein mit
dem Beinling umwunden ist.
der Frauen
Sie sind übrigens von derselben Form wie die Beinlinge
razvi (36. T. X X V III 15). 4106, 81.
12
Bild ( -7 ). N:o .57— 62.
E s tn is c h e T r a c h t (S e tu k e s i e n ).
.57. . Im W inter sind ausser Fusslappen auch Beinlinge Namens
villalc)
villagu’ (Nonm
sing,
gebräuchlich, die aus vierschäftigem grauen W ollenzeug gemacht werden.
Villak hat dasselbe Aussehen wie jalgrätik, ist aber grösser. Beide werden mit Schnü
ren
’ um das Bein gewunden und am Fuss befestigt. Sieh1 T. X X V III 15. 4106, 82.
58.
— T. X X V III 22 — alterthümliche, im Setukesengebiet gebräuch
kabla
Kapudd
liche Strümpfe, werden gerade, d. h. ohne eigentliche Hacke gestrickt.
Auch an dem
Schaft der W inter Strümpfe der Männer kommen verschiedenfarbige hübsche Muster vor,
die den Beinen der Männer einen bunten Anstrich verleihen, da: die Hosenbeine in die
Strümpfe gesteckt werden, welche oft auch die darunter befindlichen Beinlinge verdecken
(Sieh’ Bild 7). 4106, 84. „Der ober- und unterhalb der Broderie befindliche Querstreif,
welcher die erwähnte Stelle vom übrigen Strumpfe abscheidet, führt den Namen
railc (PI.
raigd)“ 2701, 19.
....... - —-•■■■•^
- »
59. Yiizvü Bastschuh und tsuvvd Pastein sind auch bei den Männern im Ge-j
brauch.
Sieh1 38 und 40.
60.
Stiefel kommen immer häufiger in JBrauch, besonders in der Kirche,;
Saapd
auf Gastmählern, Tänzen u. s. w.
Kindd
kinnas)
61.
(Nom., sing,
— T. X X V III 9 — Fausthandschuh, werden
hauptsächlich im W inter getragen, aber auch im Sommer auf Hochzeiten. Dieselben werden
russkindd
in hübschen, bunten Mustern gestrickt. Der Name der Fausthandschuhe ist
und die, Benennung der Fingerhandschuhe
. Die letzteren kommen auch bei
sormkinda!
W eibern vor.
sind:
Die Benennungen der verschiedenen Theile an den Mannshandschuhen
pass Daumen, löpotus Spitze, suu Öffnung, perä die Stelle an der Handwurzel,
tsäuguline raik Grenzstreifen von dem übrigen Fausthandschuh ge
welche durch den
schieden ist.
62.
Dorf Tepiä.
2701, 23.
'
Körva-rönga’ Ohrringe kommen bei den Männern am rechten Ohr, bei den1
Frauen an beiden Ohren vor.
Sie fanden sich jedoch in keinen Sammlungen und sincl
auch nirgends abgebildet.
Nachtrag
aus der
Sammlung Dr. J. H ur ts .
Bild 7 a. Ein Weib in Feiertagsornat, vgl. Bild 2 B.
Bild 7 b. Setukesische Leute.
Dr. I. Hurt giebt in den. „Finnisch-ugrischen Forschungen“ Band III 1903 H eft III
S. 195 —197 eine kurze und treffende Charakteristik der Setukesischen Tracht, die
ich hier wiedergeben will.
Sie lautet:
„Die w e ib lic h e t r a c h t besteht zunächst aus einem weissen leinenen hemd
sieh’ oben N:o 2 und T. II 9), dessen ärmel am oberarm und um das handgelenk mit roter ausnaht verziert sind. Über dem hemd wird ein ärmelloser leibrock von
dunkelblauer färbe mit roter einkantung getragen, der verschiedene namen führt, jenachdem, aus welchem stoff er angefertigt ist. Der aus feiner heede gewrobene heisst
(5. T. V 4), der leinene
(8), aus zitz
(8. T. V 1), aus tuch
(7). Der tuchene leibrock ist ein staatskleid und wird nur bei feierlichen oder
(hameh,
rüüd
mann
sarahvan
kitasnik
13
suk-
B ild
7 a.
N :o
E s tn i s c h e T r a c h t (S etu T cesien ).
( — 6 2 ).
festlichen gelegenheiten getragen. Ein besonderes mieder und ein besonderer unterrock
w ird nicht gebraucht, beides wird durch den einen leibrock ersetzt, der vom halse bis
zu den knöcheln reicht. Nur magere personen sollen bisweilen unter den leibrock noch
besondere unterröcke tun, um fülliger zu erscheinen. Die brust und den hals ziert ein
r e i c h e r s c h m u c k , der jedoch in seiner ganzen fülle nur bei festlichen gelegenheiten
getragen wird. Die mitte der brust nimmt eine sehr breite, kreisrunde, konisch geformte
silberne spange
23, vgl. T. X X Y I 1) ein. Um den hals werden, bis unterhalb der
brustspange reichend, zahlreiche silberne ketten gehängt, die verschieden gearbeitet,
demnach auch verschieden benannt sind und zierlich, harmonisch geordnet werden.
28. T. X X IV 2), die strickartig
Da giebt es gewundene oder gedrehte ketten (
gestaltet sind, bandförmige und panzer
artig geflochtene (
29. T. X X IV
5, ivferuuiKa) und feine, dünne, schnur
artige (
ketten 27. T. X X IV 3). An
den ketten hängen silbermünzen und sil
berne kreuze. Um den hals laufen glasperlen in mehrfachen reihen. Die menge
des schmuckes hängt von der Wohlhaben
heit des mädchens oder der frau ab.
Reiche personen tragen 6 bis 7 pfund
silber auf ihrer brust, der schmuck kostet
dann 250 bis 300 rbl. A uf dem köpfe
tragen die mädchen daheim im sommer
nichts, beim ausgehen aber und im winter
tücher, bei feierlichen gelegenheiten einen
kranzartigen kopfschmuck
14. T. X X
3), der aus verschiedenfarbigen seidenen
bändern besteht, die um einen reifen aus
blech oder auch pappe gewunden sind
und mit ihren enden auf den rücken
herabwallen. Die frauen tragen statt einer
haube ein besonderes leinenes, weisses,
eng anschliessendes tuch auf dem köpfe,
das im nacken mit einer binde aus roten,
weissen und grünen fäden umbunden und
dadurch fest zusammengehalten wird.
Bild 7 a. Setukesisches Weib.
Dieses tuch heisst
(17. T. X V II
6) und ist acht persönliche eilen der trägerin lang. Seine herabhangenden enden
reichen vom nacken bis zu den knöcheln und die zipfel sind reich und schön ausgenäht,
verschiedenfarbig, aber mit vorwaltender roter grundfarbe. Der linik verdeckt das
haupthaar der frau völlig. Zu hause trägt eine frau nur diese kopfbedeckung und zwar
immer, im sommer und im w inter; der linik ist ein kennzeichen der ehefrau. Beim
ausgehen wird über den linik noch ein beliebiges kopftuch gebunden, gewöhnlich von
(sölg
püörtiX
tsäposlca9
keti’,
(vanilc
liniJc
14
B ild
E s tn i s c h e T r a c h t ( S e tu k e s ie n ) .
7 b.
N :o ( - 6 2 ) .
Bild 7 b. Setukesische Leute.
weisser färbe mit verzierten rändern, aber ich habe auch rote, gelbe und bunte kopftücher gesehen. Die schürzen sind meist rot, doch auch anderfarbig. Die oberkleider
sind immer weiss, wodurch eine schaar setukesinnen aus der ferne einem schwärm von
schwanen vergleichbar ist. Das sommeroberkleid
12. T. IX 5) ist halbwollen,
mit roten kanten, auf der taille mit roten und grünen schnüren verziert. Die ärmelmündungen und die einkantung auf der brust haben auch schwarze und grüne schmuck
schnüre. Im winter tragen die frauen einen weissen Schafspelz (
13), worüber
noch im bedürfnisfalle ein wollenes, ebenfalls weisses oberkleid
vgl. 49. T. IX 7)
gezogen wird. Die füsse bekleidet man im gewöhnlichen leben mit Strümpfen (
’
37) und Sandalen
4.0, vgl. T. X X IX 2), an festtagen geht man in halbstiefeln
42).
Die m ä n n l i c h e t r a c h t ist natürlich schlichter. Das hemd
43. T. I 5)
ist meist weiss, aus selbstgewebter leinwand, mit roter ausnaht in der halsöffnung und
brustspalte, doch sieht man bisweilen auch farbige, rote oder blaue hemden. Das hemd
wird in russischer weise über den beinkleidern getragen. Die beinkleider (j
46)
sind bald weiss, bald grau, bald rötlich oder bläulich, sehr häufig bei dunkler grundfarbe
mit feinen weissen linien von oben nach unten versehen. Über dem hemd tragen die
männer einen kurzen, nicht ganz bis zu den knieen reichenden, weisslichgrauen rock
mit zwei reihen schwarzer knöpfe aus knochen und einem ziemlich breiten liegenden
kragen, der bisweilen schwarz ist. Dieser rock heisst
(vgl. 69), rock des Ober
körpers, oder auch
(48. T. X 6), kleiner rock. Bei rauherer Witterung zieht
(räbik
kask
{särk
(poole saapa’
{tsuvva1
kapuda
(hameh
pöksi’
pihtsärk
väikene särk
15
B i l d 8.
N :o ( 6 3 — ) .
E s tn i s c h e
T r a c h t (S e tu J c esien u n d K r . W e r r o ).
päälmäne särJc
härmäk
man über ihn einen breiteren und längeren oberrock,
, der auch
oder
(50. T. X 4), grosser rock, genannt wird, von graulich-weisser färbe ist
und einen breiten, liegenden, schwarzen kragen hat. Um den leib wird er mit einem
breiten gürtel
51. vgl. T. X 5) befestigt. Das spezifische Winterkleid bildet ein
weisser Schafspelz (
52), der zu hause ohne einen Überzieher, auf reisen aber unter
dem oberrock gebraucht wird. Die kopfbedeckung des sommers ist ein kleiner, schmalrandiger filzhut
54. T. X IX 6) von dunkelgrauer färbe, im winter eine fellmütze
55), die je nach dem Wohnort oder geschmack von verschiedener facon
sein kann. Die fussbekleidung bilden an arbeitstagen lederne Sandalen (
40) und
fusstüclier (
’ 56), an feiertagen und bei festlichen gelegenheiten stiefel (,
’ 60).
Bastschuhe
38, vgl. T. X X IX 1), sieht man nur noch bei ganz armen oder
bei hirten.“
suur särk
(vüö
{talvküpär
kask
(kaapküpär
tsuvval
saapa
jalgräti
(viiso’
II. Kreis Werro.
Bild 8 1 stellt ein Mädchen dar, das fol
gende Gegenstände an h a t:
Hemd 63.
U nterrock 65.
Breze 64.
Perlen 74.
Gürtel 67.
Strüm pfe 75.
Pastein 76.
Der Mann im Bild 9, hat an:
M annshemd 79, woran
Breze 81.
Gürtel 80.
Hosen 82.
P ilzhut 86.
Strüm pfe 87 und
Pastein, sieh’ 76.1
Bild 8.
1 Die Bilder 8—11 sind nach Photographien des Volksschullehrers C. Püttsepp in Lazerowa
verfertigt und stellen Leute, aus Neuhausen (Vastseliina) vor.
16
Estnische Tracht (Kr. Werro).
Bücl 9—10. N:o (63—).
Bild 9.
Bild 10 stellt ein Mädchen
Bild 10.
und
Bild 11 stellt ein Weib und einen Mann
einen
dar. Ausser dem schon oben erw ähnten
Hemde und den Schuhen, kommen beim
Weibe noch vor:
jungen Mann dar.
Es ist dasselbe Mädchen, das im Bild 8
abgebildet ist, aber sie hat ausser
dem an:
Ärmelleibchen od. Jacke 69. T. Y II 1 und
Sommerunterrock 66.
Grosser Kittel 70. T. IX 4.
Umlegetuch auf den Schultern 71. T. X II
4 und
Pelzmütze auf dem Kopfe 73.
Schürze 68.
Der junge Mann ist ohne Hut, aber
ausser den im Trachtenbilde 9 er
wähnten Gegenständen hat er noch:
Einen Kittel 83. T. X I 9.
Der Mann in demselben Bilde hat aus
ser den schon erwähnten K leidungs
stücken:
Männerkittel, mit einem Gürtel um gürtet
84. T. IX 3.
17
Bild 11. N:o 63— 74.
Estnische Tracht (Kr.' Werro).
Frauentracht.
Die Gegenstände 63—88 sind
aus Neuhausen (Vastseliina).
Naiste hame
63.
Frauenhemd mit einem
grossen, aber ungarnirten Kragen; auf den
Schultern
sind
Achselstückchen
stoff
mit
Stickerei
aus rothem
versehene
Baumwollen
Tcumagu röivas (vgl. T. II 1); am oberen
Ende der Ärmel d. h. unter den Schultern
sind rothe Querstreifen wie an den Frauen
hemden in Setukesien (vgl. T. II 4). 4106, 872.
64. Solg Silberbreze (vgl. T. X X Y I 1),
mit der die Halsöffnung des Hemdes ge
schlossen wird. 4106, 873.
65.
kurzer Unterrock,
von
rothgrüner oder anderer Farbe, gestreift,
rundum gleicbmässig gefaltet. 4106, 870.
66.
oder
kurzer,
Undrik
Pallapool
suve ündrik
weisser Sommerunterrock, aus einem Stück
Leinenzeug genäht (vgl. T. IY 6, aber ohne
Bild 11.
Saum Verzierungen). 4106, 871. Sieh’ 101.
67.
Gürtel ist ungefähr 5 Cm.
breit (vgl. T. X X X 11). 4106, 880—888.
68.
Schürze, blau- und weissgestreift. 4106, 892.
69.
— T. Y II 1 — Jacke aus blauem Tuch und im Rücken mit Falten
versehen. "Wird bei kälterem W etter getragen. 4106, 869.
70.
— T. IX 4 — grosser Frauenkittel aus dunkelblauem Fries
mit Quersaum auf den Schultern; vorn und hinten mit rothem Bande garnirt. 4106, 868.
71.
— T. X II 4 — Umlegetuch oder U m w urf aus dunkelbraunem vierschäftigen Wollenzeug. Die Länge ist 2,45 und die Breite 0,ss Meter. Der eine lange
R and ist grau-, braun- und blaugestreift. Diese Streifen sind in das Zeug hineingewebt.
An beiden kurzen Enden sind zwei graubraune Streifen und zwischen denselben ein
blaubrauner Streif; alle diese Streifen sind hineingenäht. Beinahe 100 Jahre alt. 4106, 890.
72.
eine aus einem Stücke Leinew and verfertigte Haube, die oberhalb
der Stirn mit einer Spitze garnirt ist (vgl. T. X X II 9 und 10). 4106, 875. W ird bis
weilen mit einem Seidenbande
(4106, 878) befestigt.
73.
W interm ütze der W eiber, mit rothem Mützenkopf; die
Y erbräm ung aus braunem (H unde1?) Fell, das F u tter aus weissem Schafsfell (vgl. T.
X X I 9). 4106, 874.
74.
weisse und braune Perlen aus Glas, von denen es 5 Schnüre giebt.
4106, 879.
Vöö
Poll
Pihtsärk
Naiste suursärk
Körik
Tano
Naiste talvekübar
tanopael
Helmed
18
Estnische Tracht (Kr. Werro u. Fellin).
75.
Bild ( —11). N:o 75—89.
Naiste Jcapuda’ oder suha! Frauenstrüm pfe mit langen Schäften, von weisser
Farbe; der Form nach wie T. X X V III 25, aber ohne Verzierungen mit Ausnahme der
einfachen Zwickelstreifen und eines schmalen blauen Streifens an der Öffnung. 4106, 889.
76.
Pastein sind der Form nach gleich den T. X X IX . 2 dargestellten.
4106, 893. Sieh’ 40.
77.
— T. X X IX 1 — Bastschuh aus W acholderrinde. 4106, 894. Sieh’ 38.
78.
Taschentuch mit gestreiften Verzierungen an den beiden gegen
üb erbefindlichen Rändern (vgl. T. IV 5, aber einfach und quadratförmig). 4106, 891.
Tsuvva!
Yiizu9
Nönarätt!
Mannstracht.
Meeste hame
79.
Mannshemd mit grossem Kragen;
Broderien am Kragen und an der Brustöffnung. 4106, 860.
vgl. T. I 3, aber ohne
Vöö
80.
Gürtel, mit dem das Hemd gebunden wird. Geflochten und 2 Cm.
breit. 4106, 861. Ein breiterer Gürtel wird über den meestesärk (84) gebunden. In
den Sammlungen kommt kein solcher Gürtel aus Neuhausen vor.
81.
4106, 862.
Preez9 silberne Breze für die Halsöffnung des Hemdes (vgl. T. X X V II 18).
Kaadza9
püJcsi
82.
oder
Hosen, weiss aus zwei Stücken (das dritte kleine Stück
ist zwischen den Hosenbeinen — vgl. 46) vierschäftiger Leinewand (vgl. T. V I 1); die
Naht des Hosenbeins liegt auf der inneren Seite derselben. Ohne Tasche. 4106, 863.
83.
— T. X I 9 — kurzer K ittel aus blauem Tuch, hinten offen und an
beiden Hüften eine Falte. 4106, 858.
84.
'
— T. IX 3 — M annskittel aus schwarzem Fries, wird mit
Haken und einem Knopfe festgemacht. 4106, 857.
85.
T. X IX 1
W interpelzm ütze aus Schafsfell, die aussen
schwarz, aber innen weiss ist. Der Überzug des Mützenkopfes besteht aus vier dun
kelblauen Sammtstücken. Ein rothes Band hält die Klappen über den Ohren. 4106, 866.
86.
ist auch ein mit rothem Band garnierter Filzhut (vgl. T. X IX 7).
4106, 867.
87.
’ oder
’ sind langschäftige mit Hacken versehene Strümpfe, von
schwarzer Farbe, mit Ausnahme der Öffnung, wo schwarze Verzierungen auf weissem
Grunde Vorkommen. 4106, 864.
88.
W interbeinlinge der Männer aus grauem Wollenzeug,
sind 1,5 Meter lang und 0,36 Cm. breit (vgl. T. X X V III 15). 4106, 859.
PihtsärJc
Meeste särk
Talvekübar
—
—
Kiibar
SuJca
kapuda
Meeste talve jalgräfik
III. Kreis Fellin.
Zur Fraüentracht gehörende Gegenstände.
89.
Naeste ame Frauenhemd — vgl. T. II 2 — aber der Untertheil verhält
nissmässig länger und die Stelle um den Hals in Falten.
19
Ohne eigentlichen Kragen;
Bild ( —11). N:o 90—97.
Estnische Tracht (Kr. Fellin).
um den Hals, auf den Schultern und an den Ärmelöffnungen brodirt.
vastu).
Tarwast (Tar-
4106, 820.
90.
Kört ein leinener kurzer Rock, der Form nach wie T. IY 11, aber der
Farbe nach blau, jedoch' mit eig en tü m lich en auf H olzbrettern gedruckten Zierathen
geschmückt. Tarwast. 4106, 823.
91. Ein anderer kurzer Rock aus demselben Kirchspiel ist buntgestreift. Tar
wast. 4106, 821.
92.
— T. Y II 3 — eine kurze Frauenjacke aus blauem Tuch; die Falten
gruppenweise. Ist wohl gegen 100 Jahre alt. Tarwast. 4106, 828.
Jaklc
SärTc
93.
— T. IX 1 — Frauenwamms aus schwarzem Fries. Das breite Rücken
stück und die vorn befindlichen Mittelstücke aus einem Stücke Zeug d. h. an den
Schultern ist keine Naht.
Am ganzen Saume, an der vorderen Öffnung und an den
Ärmelöffnungen mit rother Schnur garnirt.
Ausserdem befinden sich an den Hüften,
raijuse ehhied
oder raiu e., sowie auch an beiden Seiten der Brust, wo die Verzierungen rinna ehhted
an dem Seitenschlitz a Verzierungen aus rothem und gelben Garn Namens
heissen, und auch am Kragen.
Tanu
Tarwast. 4106, 826.
94.
— T. X V III 2. — Kopftuch zü einer auf dem Kopfe des Mädchens
zu tragenden Haube gefaltet (sieh’ Bild 13). Das eine Ende des Tuches hängt frei am
Nacken und wird
söba genannt. Die breite Broderie an dem unteren Rande heisst
maali oder veer. Am entgegengesetzten Ende des Tuches ist eine ebensolche Broderie
(sieh’ T. X V III 1), die an der Stirn berabgezogen ist, und darauf sind die beiden an
derselben Seite befindlichen Zipfel des Tuches im Nacken zu einem Knoten befestigt.
Die an den anderen Seiten befindlichen Broderien sind an die Kehrseiten der Tuchränder
genäht, die durch die erwähnte Knotung aufwärts gebogen werden.
Tuch von einem W eibe getragen wird, soll das untere Ende
(vgl. T. X V III 3).
Tarwast.
W enn ein solches
soba hinaufgehoben werden
4106, 784.
Tanu Frauenhaube — vgl. X X II 10 — besteht aus einem Stück Leine
wand, mit Spitzen jpitsi und Broderien in rother und blauer Farbe versehen. Tarwast.
95.
4106, 785.
96.
Sörmlcinnas — vgl. T. X X V III 6 — aber roth und mit bunten Verzierungen.
Tarwast. 4106, 813.
97.
Palaj — T. X III 8 nebst Details 8 a — „Todtentuch“, eigentlich ein Laken
aus Leinewand 2, 2 Meter lang I .55 Meter breit.
Ausser der am einen Ende des Lakens
befindlichen Ajournaht kommen zweierlei mit rothem Garn genähte sternförmige Bro
derien vor. Mit einem solchen Tuch wurden in früheren Zeiten die Todten bedeckt.
Tarwast. 4106, 830.
(Zu den Bildern 12 und 13). Bei den nationalen G-esangfesten in den Ostseeprovinzen haben
wenigstens unter den Esten die jungen Leute angefangen alte Volkstrachten zu tragen, die sonst
nur ausnahmsweise im Gebrauch sind. Bei dem Photographen H. Tiedermann im Beval sah ich im
Jahre 1901 die Photographie eines Mädchens (Bild 12), das an einem 'solchen Fest theilgenommen, mit
einem Band auf dem Kopfe, das eine Troddel im Nacken hatte. Dieses Mädchen soll aus Paistel ge
wesen sein; ihr Name und Wohnort blieben jedoch unbekannt. Im Jahre 1902 fuhr ich nach Paistel
und nach viertägigem Suchen gelang es mir ein solches Kopfband zu finden (105), welches ein äusserst rares Unicum der Sammlungen bildet. Das Bild 13 ist auf dieser Beise abgenommen. Auch
diese Tracht wird nicht mehr getragen.
20
Estnische Tracht (Kr. Fellin).
Bild 12—13. N:o 98-100.
Bild 12.
Bild 13.
Das Mädchen aus Paistel im Bild 13 hat:
Bild 12: Mädchen aus Paistel
(Paistu),
welches folgende Kleidungstücke hat:
K opftuch vgl. T. X V III 2.
Rock 101. T. IV 6, weiss.
G ürtel vgl. 100.
Breze, kuppelförmig, vgl. 118.
Hemd vgl. 98.
An den Füssen Strümpfe und Pastein.
Kopfband mit Troddeln 105. T. X V I 3.
Gestreiften Rock 99.
Gürtel 100. T. X IV 1.
Hemd 98.
Beinlinge vgl. 36.
Pastein vgl. 40.
Frauentracht.
98. Hamö Hemd mit Falten am Halse, auf den Schultern und an den Armeiöff
nungen, mit A journaht an den Schultern (vgl. T. I I 2). Paistel. 4106, 729.
99.
wollener Rock mit verschiedenfarbenen Streifen. Paistel. 4106,752.
100.
— T. X IV 1 — Gürtel m it grossen Troddeln. Zwischen letzteren
und dem eigentlichen Gürtel an beiden Enden fünf Spiralen aus Messingdraht. Paistel.
4106, 741.
Villane hört
Vööölce
21
Estnische Tracht (Kr. 'Fellin).
Bild ( —13). N:o 101—109.
101. Pallapoolik — T. IV
6 — Rock, der ans einem Stück Drillichstoff
verfertigt ist.
Paistel. 4106, 751. Ein gewöhnlicher Gürtel
wird, oft elegant brodirt,
an dessen Sanm genäht.
soll früher an der einen Seite offen gewesen sein.
102.
— T. Y 16 — Leinewandschürze; die Stickerei dunkelblau, braun
und grün. Die Schürze bewegt sich frei längs dem Bande, woran sie hängt, so dass sie
nach Belieben in Falten gelegt werden kann. Paistel. 4106, 746.
103.
oder
„auf dem Rock befindliches Stück"
oder Schürze; ein Theil von der zum pallapoolik genannten Rock gehörenden Schürze,
aus Flachsgewebe, in welche durch Ausziehen und Aufnähen von Fäden Löcher
gemacht und
ausserdem kreuzförmige Zierathen eingenäht sind. W ar zur Zeit des
Einkaufes zu einem kleinen Säckchen geformt gewesen. Paistel. 4106, 747.
104.
— T. X II 6 — und eine Ecke davon im Bilde T. X X X I, Umlegetuch
aus vierschäftigern Wollenzeug; die Länge beträgt 1,8 Meter und die Breite 0,85 Meter.
An zwei Seiten sind einige zum Theil verschlissene Broderien, die hauptsächlich mit
blauen, aber auch mit braunen, grünen und gelben Fäden genäht sind. Die Ornamente
— sieh’ das
Detailbild T. X X X I — bilden stellenweise Kreuze
und sind theils so
genäht wie die Verzierungen oder Spiralen von Bronzefäden auf gleichartigem Zeug
aus dem späteren Eisenalter in den Ostseeprovinzen und in Finland. Am Rande sind
abgeschlissene, aus rothem Garn verfertigte Broderien. Das andere kurze *Ende des
Umlegetuches scheint abgerissen zu sein und zu fehlen. Dieses Gewand trug, zu einem
Rock genäht, ein 70 jähriges altes Weib, griechischer Confession, das in der Nähe der
Kirche von Paistel wohnte. Ihrer Grossmutter hatte es als Umlegetuch gedient; woher
dieses Kleidungsstück wohl schon weit über hundert Jah r alt sein mag. Paistel. 4106, 750.
105.
— T. X V I 3 — ein aus weissem und schwarzem Garn gewebtes
Kopfband, an dem durch aufgefädelte Fäden Dreiecke gebildet sind.. Die Troddel ist
aus dunkelblauen, rotheu und grünen W ollenfäden gemacht. Zwischen dem Bande und
der Troddel nind Spiralen aus Messingdraht. Zuletzt hat diesen Kopfschmuck ein altes
Weib, namens Mall Lepik als junges Mädchen getragen, das vom Hofe Körvi der Gemeinde
Holstre aus dem Kirchspiel Paistel gebürtig war. Dieser Gegenstand war ein Erbstück
von der Grossmutter und ist wohl gegen 100 Jahre alt. Paistel. 4106, 730. — In Tarwast
und Paistel im nördlichen Livland sollen die Mädchen ein solches Troddelband getragen
haben, wenn das Haar aufgelöst war. Sieh’ Bild 12.
106.
— T. X V II 1. — weisses Kopftuch mit Stickereien an den
Rändern. Paistel. 4106, 736.
107.
— T. X V II 2 — gleichartig wie das vorige. Paistel. 4106, 737.
108.
— T. X V III 1 — K opftuch von derselben A rt wie 1 und 2 in
T. X V II, aber von beiden Seiten abgebildet, woraus man sieht, dass die Verzierungen
auf beiden Seiten des Tuches verschiedenartig sind. Paistel. 4106, 738. Vgl. 94.
109.
oder
— T. X V III 3 — Kopftuch eines W eibes; moderner
Arbeit, aber deshalb ist
das untere Ende doppelt hinauf und unter den Nacken
hineingehoben. Die Seitenränder der Haube, die in der früher (94) erwähnten Form T.
X V III 2. getrennt waren, sind hier zusammengenäht. Die Stirnnaht ist mit Perlen
mehr als gewöhnlich ausgeschmückt. Solche Hauben sollen alte W eiber verfertigt haben.
Poll
Pallapoolik
Pallapooliku pääliku tükk
pollerätik
Korik
Peälöng
Peärätik
Peärätik
Peärätik
Pääräfi
tanu
22
Bild ( —13). N:o 110—121.
Estnische Tracht (Kr. Fellin).
Gekauft auf der H andarbeitausteilung in Petersburg 1902, wohin es aus dem Dorf
Madi in der Gemeinde Aidu im Kirchspiel Paistel gebracht worden ist. 4106, 739.
110.
— T. X X V III 24 — langer Strumpf, in der Mitte aufgebauscht, i
den dunkelblaue und rothe Verzierungen gestrickt sind. Die Zwickel weiss wie immer.
Paistel. 4106, 755.
— T. I 3 — Mannshemd, dessen Brust- und Bückenhälfte aus einem
Stück Leinewand bestehen. Am B rustrande und am K ragen rothe Stickereien. Unter
dem Brustrande ist mit rothen Fäden:
eine „Siebhenkel“ genannte Zierath
eingenäht. Klein St. Johannis (Kolga-Jaani). 4106, 782).
112.
— T. I I 1 — Frauenhem d, dessen Obertheil aus feinerer, der
Untertheil aus gröberer Leinewand besteht. Am vorderen B and des Saumes ist ein
Schlitz (wie an den mordwinischen Frauenhem den), der mit einer A rt von Hohlnaht aus
gefüllt ist. Die Brust- und Bückenseite des Obertheils bestehen aus einem Stücke
Leinewand. An beiden Seiten des Halses sind jedoch in Falten gelegte Keile angebracht,
und an den Schultern sind schmale Leinwandstreifen oder Achselstückchen befestigt.
An die Schultern und an den 13 Cm. hohen Kragen sind weisse Zierathen eingenäht.
Klein St. Johannis. 4106, 819.
113.
kurzer Bock aus W olle — vgl. was die Form betrifft T. IV 11,
aber buntgestreift wie bei dem Mädchen aus Paistel auf dem Bild 12. Klein St.
Johannis. 4106, 822.
114.
oder
U nterrock aus weissem, leinenen Drillichzeug. Vgl.
was die Form betrifft T. IV 11. Zur Verzierung des Saumes näht man einen Gürtel
daran. Klein St. Johannis. 4106, 824.
115. Die Gürtel aus Klein St. Johannis sind ausserordentlich elegant und
hübsch. Der grösste von ihnen ist 10,5 cm. breit. 4106, 792—798.
116.
— T. V II 13 — eine weisse leinene Frauenjacke, hinten
SukTc
(in. Särk
söela söfv
Naeste särk
Körtsik
Pallapool
aluskuub
Jaki
voldid
Falten. Vorn aazad und nujpud Ösen u. Knöpfe, womit sie festgemacht wird. Ungefähr
70 Jahre alt.
4106, 827.
117.
oder
— T. X X IV 13 — Halsgeschmeide, das aus 14
Silberperlen, 8 blauen Glasperlen und einem grossen Silberanhängsel
besteht, in dessen Mitte ein Bubeistück von P eter des Grossen Zeiten sich befindet.
Von den Perlen sind bloss 71/2 abgebildet, drei derselben aus Glas, die übrigen von
Silber. Der Durchmesser des Anhängsels ist 84 Cm. Klein St. Johannis. 4106, 840.
118.
’ — T. X X V 3 — erhabene silberne Breze mit Blumenzierathen.
Klein St. Johannis.
El'med
kaelakeed
kaelaraha kodarik
Preez
Nach der vom Cand. A. Pörk gegebenen Photographie.
Klein St. Johannis.
119. Sörmkinnas und labakinnas Finger- und Fausthandschuhe sind von derselben
Form wie T. X X V III 6 und 9. Klein St. Johannis. 4106, 805, 806, 812.
120.
(PL
Strümpfe, sowohl aus Baumwolle als Wolle sind mit
Zwickeln und bunten Zierathen ausgeschmückt. Vgl. T. X X V III 27. Klein St. Johannis.
4106, 816 und 818. In einige Strüm pfe sind die Zierathen nachträglich eingenäht,
d. h. nicht beim Stricken hineingestrickt.
Sukk
sukad)
121. Tipuga tanu d. h. eine mit Spitzen tipud und Broderie ausgezierte K opf
bedeckung, hat dieselbe Form wie in T. X X II 10. Im DM aus der Gegend von Fellin.
23
Estnische Tracht (Kr. Fellin'u. Bernau).
Bild ( —13). N:o 122-129.
Kirjäge naeste sukk
122.
bunter Frauenstrum pf, vgl. T. X X V III 24, aber in der
Mitte nicht aufgebauscht. DM. Aus der Gegend von Fellin.
123.
Fausthandschuh, schwarz mit leichten Verzierungen und am
Handgelenk zusammengezogen. DM 371. Aus der Gegend von Fellin.
Peokinnas
IV. Kreis Pernau.
Frauentracht.
Pea-ehed
124.
— T. X V III 4 — Kopfschmuck od. Kopfbedeckung eines W eibes,
aber mit einem kleinen Nackenlatz versehen, mit schwarzer Garnnath, Brokatbändern
(um den Kopf, am unteren Rand des Latzes b und längs dessen Mitte), mit Pailletten
und Fransen geschmückt.
den
Saum,
der die
Das in der Mitte des Latzes befindliche Brokatband bedeckt
auswärts- und
zusammengebogenen
Ränder vereinigt.
Halbste.
4106, 759.
125. Korik oder soba oder sou (Dim. söuukene) — T. X II 7 — viereckiger Um
w urf aus weisser Leinewand, an dessen beide Enden hauptsächlich dunkelblaue, aber
zwischen dieselben auch braune W ollenfäden eingewebt sind. Die Troddeln an beiden
schmalen Enden sind weiss, blau, braun und grün. Die Mittelstelle des Tuches, die an
den Nacken kommt, ist an beiden R ändern gefaltet. An den Rändern ist ein dreifarbenes Band. An beiden R ändern kommen einige Broderien (a—b) vor, mit
Ausnahme der Faltenstelle, wo nur Bänder sind. W enn das Tuch auf den Schultern
getragen wird, schliesst man es an der B rust mit einer grossen silbernen Schnalle, in
welchem Fall der R and a — b oben zu liegen kommt. Die Länge des Tuches beträgt
2,3 Meter und die Breite 0, e Meter. Halbste. 4106, 760.
126.
T. X III 5 — d. h. ein Gewin de aus Messingdraht, in dem sich
Vaze —
Rosschweifhaare und Wollenfäden befinden.
in einem Zusammenhang,
Ist eine beinahe 3/ 4 Meter lange Garnitur
aber in zwei verschiedene Muster zusammengelegt.
Gemäss
der Vermuthung des Verkäufers, Herrn P. Käse in Dorpat, hat dieser Schmuck zur Aus
schmückung eines Tuches gedient. Herr Käse hatte ihn während der landw irtschaftlichen
Ausstellung zu Dorpat im Sommer 1901 bekommen; der Ort, von wo er herstammt,
war ihm unbekannt.
Livland.
Möglicher W eise stammt derselbe aus dem Kirchspiel Halbste in
4106, 764. — Erinnert an ähnliche Garnituren aus der heidnischen Zeit.
127. Tanu — T. X X II 10 — eine brodierte Haube, die aus einem rektangulären,
wTeissen Leinwandstück verfertigt ist; vorn mit Spitzen ausgeziert.
4106, 756.
Aus der
Gegend von Pernau.
128. Tanu — vgl. T. X X II 7 — DM. Aus der Gegend von Perhau.
129. Piht oder käiized Bluse aus feiner Leinewand; vgl. was die Form betrifft
T. I I I 6, aber hier fehlen die Stickereien an den Schultern, hat auch keine Kante,
welche die Ärmelöffnungen verengert. Die Halsöffnung ist lang. Auch sonst recht wTeit
und unförmlich. Gekauft von H errn P. Käse in Dorpat, der den F undort derselben
nicht mit Bestimmtheit angeben konnte, doch wahrscheinlich aus Pernau. 4106, 758.
24
Estnische Tracht (Kr. Pernau).
Bild 14-15. N:o 130—132.
Tanu
130.
— Bild 152 — w eisse Haube, im Nacken spitzig, ohne Sticke
reien, aber mit einem Seitenband und Spitzen versehen. DM Testama (Töstamaa).
131.
Naiste sukh Frauenstrum pf, weiss mit bunten Verzierungen; vgl. T. X X V III
27. DM Testama.
SörmJcinnas
132.
Fingerhandschuh, weiss, am Handgelenk zusammengezogen,
mit einer sternförmigen Verzierung mitten an der Hand; DM Testama.
Bild 15.
Bild 15 stellt Hauptbedeckungen
Bild 14. F rau aus St. Jacobi (Jaagupi),
im D
M aus verschiedenen Gegenden dar.
im W inter 1901 von J. Mattila gezeichnet.
1.
Kittel 138. T. IX 8.
Kurzer U nterrock 135.
Schürze 137. T. V 19.
Gürtel, sieh’ 149.
Kragen 134.
Hemd 133.
Breze 147. T. X X V II 3; 140. T. X X V 4.
Anhängsel 143.
Haube 139.
Strümpfe 151 und Pastein 159.
2.
3.
Seidenhaube, sieh’ 139; unten Pappe,
darauf Seide und Spitzen. St. Jacobi.
Haube (tanu), weiss mit Seidenbändern
und Spitzen. Testama. 130.
D:o, weiss mit Spitzen. Oberpahlen
(Pöltsamaa).
4.
5.
6.
7.
25
D:o, sieh’ 167. St. Michaelis.
D:o, vgl. 198 (T. X X II 7). Kühno.
D:o aus der Gegend von Pernau vom
Jahre 1850.
D:o (liht-tanu), sieh’ 175. St. Simonis.
Estnische Tracht (Kr. Bernau).
Bild ( —15). N:o 133—149.
Frauentracht.
Die Gegenstände 133—159 sind ans St. Jacobi.
133. Naeste särJc Frauenhem d von derselben A rt wie in T. I I 1., aber der Kragen
ohne Stickereien.
HM 3944, 144.
oder Frauenchemisette (vgl. T. I I I 9 und 14). 3944, 147.
, kurzer, rother W ollenrock ohne Mieder, blau- und grüngestreift.
134. Kaelus
135. Aluskört
3944, 145.
Aluskuub
136.
, roth-, schwarz-, grün- und gelbgestreifter wollener Hock, eben
falls kurz d. h. ohne Mieder. 3944, 146.
Sowohl
als auch
sind wirkliche Röcke, vgl. T. IV 18, aber
ohne Bandverzierungen am Saume.
137.
— T. V 19 — Schürze aus weisser Leinewand, unten mit Hohlnaht
und drei Reihen Fransen verziert. 3944, 148.
138.
— T. IX 8 — Frauenkittel aus schwarzem Fries mit zwei F alten
gruppen am Rücken. An der Brust, um den Hals und am Rücken mit rother Schnur
garniert. 3944, 149.
139.
oder
vgl. Bild 15 1 — hohe, rothe Seidenhaube d. h.
eine hufartige Kopfbedeckung (vgl. was den Typus betrifft auch T. X X III 1); an dem
oberen Rande mit einem gefalteten Bande geschm ückt; sie sieht daher wie eine strahlende
Glorie aus. Sieh’ Trachtenbild 14. Von der Haube hängen in den Nacken lange und
breite Seidenbänder herab. 3944, 150. Diese Haube wird bei festlichen Gelegenheiten
getragen. W ährend der Trauer muss die Haube schwarz sein. 3944, 151.
140.
— T. X X V 4 — Silberbreze. Die Breite beträgt 9,7 Cm. Die Ver
zierungen bestehen aus Blättern, Blumen u. s. w. 3944, 1.
141.
— T. X X V 8 — Silberbreze. Die B reite ist 8 Cm. Mit Blumen u.
s. w. geziert. 3944, 2.
142.
— T. X X V 6 — Silberbreze. Breite 7,9 Cm. Die Verzierungen
bestehen aus Sternen u. s. w. 3944, 3.
143. Silberne
d. i. Halsgeld, in Form eines Brakteats. An der einen
Seite ist das Brustbild eines bekränzten Mannes, an der anderen ein W appen mit vier
Feldern. Vgl. 207. T. X X IV 15—16. 3944, 4.
144.
ein mit Ose versehenes B rakteat (Anhängsel), aber ohne Glorie:
ein belgisches Geldstück von der Grösse eines Rubels vom Jahre 1757. 3944, 5.
145.
dem vorigem, aber vom Jahre 1792 und von einer geflochtenen
silbernen Schnur umgeben. 3944, 6.
146.
, von derselben A rt wie das vorige, aber vom Jahre 1805. 3944, 7.
147.
— T. X X V II 3 — silberne Breze, m it 6 rothen Glasperlen geschmückt,
6 Cm. breit. 3944, 8.
148.
— T. X X V II 8 — platte silberne Breze. Die Breite beträgt 5,7 Cm.
Ornamente: Löcher, Grübchen, Striche. 3944, 9.
149. Die Frauengürtel sind in St. Jacobi verhältnissmässig schmal, aber in ihren
mannigfachen Mustern hübsch. 3944, 38—93.
aluskört
aluskuub
Poll
Kuub
Müt's
kabjatanu —
Sölg,
Sölg
Sölg
kaelaraha
Kaelaraha
Kaelaraha —
Kaelaraha
Sölg
Sölg
26
Bild ( -15). N:o 150—162.
Estnische Tracht (Kr. Pernau u. Wiek.).
Die hauptsächliche Bedeutung der F a u s t- und F i n g e r h a n d s c h u h e liegt
in den Mustern. 3944, 119 132.
151. Frauenstrüm pfe haben am oberen Ende eingestrickte Zierathen (vgl.
T. X X V III 19).
150.
Männertracht.
Meeste särk Mannshemd — vgl. T. I 6 — 3944, 157.
153. Lühikesed püksid Kniehosen aus sämischem Leder; jedes Hosenbein ist aus
152.
einem Stück; die Naht ist auf der äusseren Seite des Beines. H at eine Tasche auf der
rechten Seite. Die Form vgl. T. V I 8, aber an der Klappe sind nur zwei Knöpfe.
3944, 158.
154.
Überrock für Männer aus schwarzem Fries, von derselben Form
wie der Frauenkittel T. IX 8 und gleichwie jener mit rothem Band garnirt, aber ein
facher; am Bücken fehlen die G arniturbänder gänzlich, statt dessen kommen dieselben
um die Taschen herum vor. 3944, 159.
155.
T. V III 10 — Mannskamisol (kurzer Mannsrock) aus schwarzem
Baumwollenzeug mit hohem Kragen. V orn zwei Beihen Messingknöpfe. 3944, 160.
156.
— T. X X X 15 — Gürtel für Männer. Mit Einschlag von rothem
Garn mit grünen Streifen an den Seiten und einem blauen Streif in der Mitte gewebt.
Die Länge beträgt 3,3 Meter und die Breite 11 Cm. 3944, 94.
157.
Gürtel für Männer, gewebt; vgl. T. X X X 2, der Farbe nach braun mit
grünen und blauen Streifen. Die Länge 2, ie Meter, die Breite ungefähr 10 Cm.
3944, 95.
158. Die M ännerstrümpfe sind lang und . schwarz; vgl. T. X X V III 23. 3944,
139—140.
159. An den Füssen tragen M änner und Frauen Pasteln (vgl. T. X X IX 5)
und Bastschuhe aus W eidenrinde, vgl. T. X X IX 1, die jedoch länger sind.
Kiiub
Kammsul —
Vöö
Vöö
V. Kreis Wiek.
Gegenstände, die zur Frauentracht gehören:
Sölg
160.
— T. X X Y 2 — silberne Breze. Ausschmückung: Sonnenstrahlen
u. s. w. Die Breite beträgt 1 1 , 4 Cm. Fickel (Yigala). 3944, 10.
161.
— T. X X IY 14 — Silberanhängsel, in dessen Mitte sich
eine polnische Münze mit dem Brustbilde Alexanders I vom Jahre 1816 befindet. Der
Diameter beträgt 8 Cm. Fickel. 3944, 11.
162.
— T. X IX 10 — weisse aus Baumwollengarn gestrickte Mütze mit
Kaelaraha Jcodarik
Muts
blauen Gürtelchen, in denen weisse Ornamente sind.
3944, 152.
27
Die Troddel aus Garn. Fickel.
Estnische Tracht (Kr. Wiek u. Harrien).
Bild 16. N:o 163-173.
Muts
163.
— T. X IX 9 — Mütze, aus weissen Baumwollenfäden gestrickt;
einfach und ohne F utter ebenso wie die längeren Mützen. Fickel. 3944, 153.
164.
— T. X X I 15 — dreihörnige Mütze, mit schwarzem
Schafsfell besetzt, deren dreihörniger Kopf aus rothem Tuch besteht. Fickel. 3944, 155.
165.
— T. X Y I 11 — H aarband aus rother Wolle geflochten, an
dessen beiden Enden bunte Troddeln. Fickel. 3944, 156.
166.
— T. X X I 2 — buntfarbige Mütze eines Mädchens, die aus drei
schwarzen und drei rothen Zeugstückchen zusam m engenäht ist. Der gezackte Rand von
abwechselnder Farbe. St. Michaelis (Mihkli). 3944, 154.
167.
— Bild 154 — aufrechte Haube, vgl. was die Broderie
betrifft T. X X II 7, aber der Nackentheil ist keilförmig. DM St. Michaelis.
168.
— vgl. T. II 3 — Frauenhem d, jedoch mit Hohlnaht an beiden Seiten
der Brustöffnung. Alle Stickereien, auch am niedrigen, stehenden Kragen sind weiss.
Falten findet man an den Schultern, wo die Ärmel angenäht sind und an den ÄrmelÖffnungen. Am Untertheil des Hemdes sind an den Seiten Keile, gleich wie im Hemde
T. I 11. Leal (Lihula). 4002, 608.
,169.
— T. X X III 7 — hohe Korbhaube, aus drei rothen Seidenlappen
Kolme sarvega kübar
Juukstepael
Müts
Kikitanu
Sclrk
Miits
verfertigt; das Futter besteht aus zwei Theilen.
Als Stütze innen Pappe.
Röthel (Ridala).
Am Nacken sind ein Paar Falten.
4002, 614.
170. Müts, gleich der vorigen, aber mit blauem Seidenzeug überzogen.
4002, 613.
Röthel.
Tanu
171.
— T. X X III 8 — aus Flor gemachte Haube. Der innere Theil,
der auf einem Eisendraht statt auf einer Pappscheibe ruht, besteht aus zwei Leine
wandstücken; sieh’ 8 b. Ist mit Federn, Schleifen und Perlen geziert. Leal. 4002, 615.
172.
T. X X III 9 — aus spitzenartigem Flor verfertigte Haube.
Tanu —
Ausserdem befinden sich da Seidenbänder, Brokatfäden, Perlen u. s. w. Statt der Pappe
ist auch hier Eisendraht gebraucht.
An der Unterlage ist eine zweifache Zusammen
setzung wahrzunehmen; sieh’ 9 c. — Früher wrurde N:o 169, darauf N:o
171 getragen
und zu jetziger Zeit ist die tanu 172 bei den verheiratheten W eibern in der Gegend
von Hapsal modern. — 4002, 616.
173. Vöö M ännergürtel, roth,
lang und 0,ie Meter breit.
Röthel.
grün- und blaugestreift, geflochten, 3,6 Meter
4002, 617.
VI. Kreis Harrien.
Bild 16 stellt zwei Frauenzimm er und einen Mann aus der Gegend von Reval
vor. (Nach einer vom Photographen H. Tiedermann in Reval abgenommenen P hoto
graphie). Beide Frauen haben aufgelöstes Haar, aber die eine derselben, das Mädchen
hat eine aus Holz oder Carton gemachte Kopfbedeckung
auf dem Kopf, die mit
hübschem Zeug überzogen und offen d. h. ohne H utkopf ist. Von den zur Kopfbe
deckung gehörenden Nackenbändern flattert das eine über der rechten Schulter.
pärg
28
Bild 16—1?. N:o 174.
Estnische Tracht (Kr. H arrien).
Ygl. T. X X 10. Das Weib hat eine
Korbhaube und Schürze, welche letztere
dem Mädchen fehlt. Auch bei dem
W eibe gewahrt man an beiden Seiten
des Kopfes zur Haube gehörende
Nackenbänder. Bloss das Weib hat
an der B rust eine konische silberne
Breze, oberhalb welcher sich m ehrere
Anhängsel und eine kleine R ing
schnalle befinden. Vermuthlich hängen
die Anhängsel ebenso wie bei dem
Mädchen an einer Kette. Das Mädchen
hat ausserdem zwei Ringschnallen, die
eine am Hemdkragen, die andere an
der kurzen Bluse, die sich unter dem
Mieder befindet. Augenscheinlich hat
die F rau ein um den Hals gewundenes
Tuch, das dann unter die zugeknöpfte
Jacke gesteckt ist. Beide haben bunt
gestreifte Röcke, aber am Saum vom
Rocke des Mädchens sind auch Quer
streifen und möglicher W eise auch
Bild 16.
einige Broderien. Der Mann hat einen
kurzen Rock, Kniehosen u. s. w. Alle haben Pastein an den Füssen.
Im Bild 17 sieht man einen Mann und ein W eib mit ihrem Kind. (Nach einem
Ölgemälde, das der Konsul G. F. Bönningh in Reval 1842 den ethnographishen Samm
lungen der Universität zu Helsingfors geschenkt hat. Das Bild hatte ein C. H. Petterson in demselben Jahre gemalt. N:o 50 im Katalog des Helsingforser Historischen Museums).
Hier sind die Eltern in dunkelbraune Überrocke gekleidet. Das W eib hat ein
gelbliches Tuch, das über der B rust ins Kreuz gebunden ist, und auf dem Kopf eine
rothe Haube mit weisser Spitze über der Stirn. Beide haben eine Hemdschnalle und
einen Gürtel. Das Weib, dessen Schnalle von rothen Steinen strahlt, hat auch eine
grosse, weisse Schürze. H inter ihr kommt ein anderes W eib aus dem Kruge „körts“
heraus einem Manne entgegen, der m it einem kurzen braunen Rock bekleidet ist.
Dieser F rau fehlt die Schürze, woraus man wohl schliessen kann, dass es ein Mädchen ist.
Übrigens hat auch dieses ein rothes Tuch kreuzweis über die B rust gebunden und
eine grüne Haube ohne Spitzen auf dem Kopf. Die Röcke sind roth, gelb und grün
gestreift, die Säume roth. Die Strüm pfe der F rau sind blau, die des Mannes von der
selben Farbe wie sein Überrock, der mit einem grünen G urt um gürtet ist. Die Frau,
welche rechts im W agen fährt, hat ein Tuch über ihre Korbmütze geworfen.
174.
— T. X X III 3 — hohe Korbhaube für M ä d c h e n . Aus drei ge
blümten Seidenstücken zusammengenäht, von denen zwei die Stirn und Ohren bedecken;
die Naht m itten an der Stirn und das dritte Stück mit einigen Falten im Nacken.
Muts
29
Bild 17. N:o 175.
Estnische Tracht (Kr. Harrien u. Wierland)
Bild 17.
Die Seidenbänder und Schleifen fehlen. In der Unterlage, die ans Pappe und Zeug
besteht, ist das Stirnstück ungetheilt. Gegen 50 Ja h r alt. Aus der Gegend von Reval.
4106, 787. — Die W eiber tragen dunkelfarbige Hauben. Die Trauerhaube ist schwarz.
4106, 788—791. St. Jürgens (Jüri).
VII. Kreis Wierland.
Lihttanu
175.
— Bild 15 7 — eine eigenthümliche w e i b l i c h e Kopfbedeckung, dere
H auptbestandtheil ein breites brodirtes Band ist, dessen beide Enden am Nacken ver
bunden sind. An diese verbundenen Enden fügt man mehrere quergehende Bänder
und die Kopfbedeckung schliesst mit langen Troddeln, die am Rücken herabhängen.
St. Simonis (Simuna). DM 636. Seit 45 Jahren nicht im Gebrauch. — In W iedemann
— H urts Ehstnisch-deutschem W örterbuch heisst
eine „leinene Haube mit
mützenartigem Boden, am Rande ausgenäht, hinten zusammengezogen, mit herabhängen
den Bändern." Also etwas wie T. X X III 12?
liht-tanu
30
Bild ( -1 7 ). N:o 176—187.
Estnische Tracht (Kr. Dorpat).
VIII. Kreis Dorpat.
Zur Weibertracht gehörende Gegenstände.
176. Sölg — T. X X V II 6 — platte, silberne Breze, 9,5 Cm. breit.
Alterthümlich.
Ornamente: Sonnenstrahlen, Sterne, Löcher u. s. w. In der Geg. v. Dorpat. 4106, 769.
177.
— T. X X V II 7 — platte, silberne Breze. Die Breite beträgt 5, 5
Cm. Neu. Ornamente: Punkte, Beulen, Löcher. Dorpat. 4106, 771.
178.
— T. X X V II 17 — silberne Breze, an der Oberfläche erhaben mit
Beulen. Die Schnallenzunge zerbrochen. Breite 2,5 Cm. 4106, 772. Geg. v. Dorpat.
179.
— T. X X V I 1 — silberne, konisch erhabene Breze vom Jahre 1863,
bezeichnet R. H. ( = Robert Hermann, Goldschmied in D orpat vgl. 23 b). An dem unteren
Rande sind drei Beulenreihen und zwischen diese ein Schnurornam ent mit Querstrichen
gezogen. Die Oberfläche ist voll von eingravirten Figuren. Die Breite der Schnalle be
trägt 15 Cm. und die Höhe 6,4 Cm. Geg. v. Dorpat. 4106, 839.
180.
— T. X X V II 32 — R ing aus „Kupfer“ ; in das runde Schildchen
ist das Bild von einem vierfüssigen, langhalsigen und längschweifigen Thier geritzt.
Geg. v. Dorpat. 4106, 777.
181.
T. X X V II 29 — R ing aus „K upfer“; in das runde Schildchen
ist eine Grille geritzt. Geg. v. Dorpat. 4106, 778.
182.
— T. X X V II 31 — R ing aus „K upfer“. Das Schildchen dünn,
rund und mit dem Bilde eines Vogels geziert. Geg. v. Dorpat. 4106, 779.
183.
Handschuhe, vgl. was die Form betrifft T. X X V III 9. Geg. v.
Dorpat. 4106, 807-810.
184. Die Gürtel sind wie in anderen Gegenden Estlands: die Mitte und die
Kante sind in verschiedenfarbigen Mustern gewebt; bisweilen geht durch die Mitte ein
andersgefärbter, schmaler Strich (vgl. T. X X X 11). Die älteren Gürtel sind in dunk
leren, die neueren in hellen Farben gemacht. 4106, 801—803.
Sölg
Sölg
Sölg
Sörmus
Sörmus —
Sörmus
Kindad
Z ur Männertracht gehörende Gegenstände.
185. Kaltsad oder Tcaatsad — T. V I 6 — Hosen aus weisser Leinewand, in
welcher die Kettenfäden Zickzacklinien bilden. Sie sind aus zwei Stücken genäht.
W erden mit Bändern um den Leib gebunden, die nicht durch den Querl gehen. Gekauft
von H errn P. Käse in Dorpat, der deren Heimort nicht kennt. 4106, 780.
186.
— T. I I 5 — eine gestrickte wollene Jacke für Männer. Am Hals
ausschnitt mit grünen und schwarzen Bändern geschmückt. DM. Geg. v. Dorpat.
187.
— T. X X X 1 — Gürtel für einen Mann, in Dorpat gekauft; Fundort
unbekannt. Aus buntem Garn geflochten. Länge 2,9 Meter, Breite 12 Cm. 4106, 783.
Vat't
Vöö
31
Bild 18—19. N:o (188— ).
Estnische Tracht (Kühno).
IX. Insel Kühno.
Bild 18, abgenommen in Kühno im J.
uig
1901, stellt eine mit einem Tuche
200
— T. X V II 8 — bedeckte B raut dar, die
ausserdem folgende Gegenstände hat:
kurzes W amms 195 — T. IX 2. (Eigent
lich müsste sie haben
einen langen K ittel 196).
Schürze 192.
Bock 190.
Strümpfe, lange. Vgl. 210.
Pastein. Vgl. 213.
Bild 18.
Bild 19, abgenommen im Dörpt. ethnogr.
Museum im Januar 1901.
Hemd mit einer Art
Gürtel am Saum.
Ygl. 189.
Bluse mit brodiertem Kragen und Armelöffnungen. Vgl. 193. Ist mit einer
kleinen knöchernen Schnalle
fest
gemacht, an welcher die Schnallen
zunge aus Metall besteht.
W eisser Bock mit röthen Bändern am
Saum. Vgl. 190.
Graues V am m s, mit zwei Knöpfen zuzu
knöpfen ; an den Hüften gefaltet.
Vgl. 195.
Gürtel. Vgl. 191.
Schürze, blaugestreift.
reez
B ild 19.
32
Bild 20. N:o 188— 191.
Estnische Tracht (Kühno).
Bild 20 aus derselben Gegend und von
derselben Zeit wie das vorige.
reez ge
Bluse, mit einer Silber schnalle
schlossen. Ygl. 193.
Gestreifter Bock. S ieh’ 190.
Gürtel. Ygl. 191.
Schürze, grün mit Brokatbändern.
208 b u. a.
DM
Bild 20.
Frauentracht.
188. In früheren Zeiten beschnitten sich die Mädchen das Haar bis an die
Schultern; jetzt findet man nur wenige Mädchen die es noch thun. In jetziger Zeit
flechten die unverheiratheten Frauenzim m er das H aar in eine Flechte, die im Nacken
zusammengewunden wird. Das Haar der verheiratheten wird am Scheitel aufgesammelt
und zusammengebunden, wie weiter unten erklärt werden wird (198). Früher wurden
die Kopftücher zu Hause gemacht und waren weiss, jetzt werden sie im Laden gekauft.
189.
— T. I 1 — Frauenhem d, an dem der Vorder- und H intertheil aus
demselben Stück Leinwand bestehen. Ohne Ärmel. Der Saum ist mit einem eleganten
Gürtelband geziert (vgl. Trachtenbild 19). 4002, 316.
SärTc
190. Kört kurzer Bock, aus reiner W olle, grau mit einem rothen Band am
Saum
garniert.
4002, 317. Vgl. Trachtenbild 19, das den Bock im Dörpt. ethnogn
Museum N:o 203 darstellt.
Ein einfarbener Bock, er mag dann hell oder dunkel sein, ist altmodisch.
jetzigen Böcke sind buntgestreift (Trachtenbild 20).
In jedem Fall ist ein rothes Band
oder Gürtel an den Saum genäht, auch wird ein Brokatband dazu angewandt.
Vüe
Die
191.
Gürtel wird um den Leib gebunden. Die Gürtel aus der Gegend von
Kühno wechseln darin ab, dass derselbe G urt verschiedene Muster hat. Ygl. 331. “
4002, 299—308. DM 205—208 b.
33
Estnische Tracht (Kuhno).
Bild ( —30). N:o 192—199.
Poll
192.
Schürze ist buntgestreift; Trachtenbild 18. Man hat angefangen
die Schürzen auch aus gekauften Zeugen zu verfertigen. Mädchen tragen keine Schürzen.
4002, 291 - 293.
DM 214.
193. Käiized — T. I II 7 — weisse Bluse mit Broderien am Kragen, an den Armel-
öffnungen und an der Taille im Bücken. Der Kragen ist ausserdem mit Spitzen besetzt.
Da die Bluse so kurz ist, tritt ein eleganter Gürtel unter deren Saume hervor.
4002, 279.
195.
— T. IX 2 — kurzer Sommerkittel oder Wamms für Frauenzimmer
aus grauem Fries, mit einem bunten Bande um den Hals. W ird unter dem Kinn mit
Haken befestigt. Ein anderes Hakenpaar ist weiter unten. An den Hüften ist das
Zeug gefaltet. 4002, 322. Yor ungefähr 80 Jahren soll dieser K ittel weiss gewesen sein.
(Nach O. Kallas’ Angabe ist die Benennung des Kragens
Der Frauenkittel wird
ohne Gürtel getragen. An einem Kittel war das Merkzeichen des Hauses an dio innere
Seite des einen Saumzipfels genäht.
196.
ist ein etwas längerer Überrock, ebenfalls aus grauem Fries. Er
hat bei Frauen und Männern dieselbe Form, nur ist er bei diesen etwas weiter. Der
hat in keinem Fall Garniturbänder am Bande des Halses.
197.
Pelzrock, der im W inter unter dem
getragen wird. E r ist
im Bücken glatt und an den Hüften, Schultern, am Halse, an den B ändern der B rust
öffnung und an den Armeiöffnungen mit einer braunen Pelzverbräm ung ausgeziert. (Ist
nicht in den Sammlungen).
198.
— T. X X II 7 — eine aus einem Stücke weissen Zeuges gemachte
Haube, die vorn mit bunten Broderien, Paljetten und Spitzen ausgeziert ist. Der brodierte
Theil der Haube ist gefuttert, oder eigentlicher: sie besteht da aus doppeltem Zeug,
damit die Broderien nicht zerknüllt werden (Vgl. Bild 15 s).
W enn die Hochzeit im Hause der B raut zu Ende geht, nimmt man die rothe
Mütze (sieh’ 199 T. X X I 12) vom Kopfe der Neuverm ählten und setzt ihr an deren
Stelle die
auf. Vordem wird das Haar an der Schläfe zusammengekämmt und
mit einem Bande umbunden. W enn man im Hause des Mannes angelangt ist, wird zu
dieser Unterlage Hede hinzugefügt, welche die
, die recht voll scheint, bedeckt.
4002, 277.
198 b. Die Haube
mit welcher früher der Kopf der B raut bedeckt wurde,
scheint weiss und ohne Verzierungen gewesen zu sein, woraus man schliessen kann,
dass man erst verhältnissmässig spät angefangen hat sie mit Broderien auszuschmücken.
199.
oder
— T. X X I 12 — rothe Mütze, deren Kopf aus
vier rothen W ollenlappen zusammengesetzt ist, die aber mit schwarzem Schafsfell ver
bräm t ist. Das F u tter besteht aus braunem Hundefell (wahrsch.). Anfänglich wurde
sie von der neuvermählten Frau getragen (vgl. T. X X I 9), aber späterhin fingen die
Mädchen an sie zu tragen, wenn sie am K atharinentag verkleidet von Haus zu Haus
Muthwillen treiben gingen. Zu dem Zweck ist sie mit bunten Papierstreifen ausgeziert,
unter denen an der Seite des Haubenkopfes eine Troddel aus Garn und Zeug hängt.
(Am M artinitage treiben die jungen Männer ebensolchen Scherz. Sieh’ bei Hupel Topogr.
Nachrichten. I I S. 145). 4002, 278.
Vammus
ruci).
Kuub
kuub
Kazukas
kuub
Tanu
tanu
tanu
(tanu),
Punane müt's
kübär
34
Bild ( —20). N:o 200—210 .
Estnische Tracht (Kuhno).
200.
Uig (Gen. uiu) — T. X V II 8 — ein Schleier aus weisser Leinwand, 1,75
Meter lang und 0,66 Meter breit. An der einen breiten Seite ist er mit einem zacki
gen blauen Bande geziert; das neben diesem befindliche gerade Band ist roth.
W enn die B raut aus dem Elternhause in das Haus des Mannes gebracht wird, deckt
man ihren Kopf mit diesem Tuche derart zu, dass beide schmucke Ränder am Gesicht
mit drei Kupferschnallen (203—205) verbunden werden, so dass die B raut nur einen
schmalen Spalt zum hinausgucken hat. (Sieh’ Trachtenbild 18). 4002, 282.
201. j
oder
— T. X X V II 14 — eine Preze, ganz aus Kupfer, für
Hemd oder Bluse. Die Länge des Durchmessers 29 Mm. Mit geraden Linien verziert
und an der äusseren K ante gezahnt. 4002, 296.
202.
T. X X V II 13 — Preze, vollständig aus Kupfer, für Hemd oder
Bluse; Halbkreise als Ornamente. Die Breite beträgt 30 Mm. 4002, 297.
203.
, — T. X X V II 10 — Breze aus Kupfer, aber die Zunge aus Messing;
gehört zum Tuch, mit dem das Gesicht der B raut bedeckt wird (sieh’ 200); ist mit
Grübchen geziert. Die Breite beträgt 27 Mm. 4002, 282.
204.
— T. X X V II 11 — Preze aus Messing, mit kupferner Zunge; ge
hört zur Gesichtsbedeckung der B raut (sieh’ 200). O rnam entirung: Strahlen und ge
rade Linien; die R andblätter gezahnt. Die Breite beträgt 33 Mm. 4002, 282.
205.
— rJ \ X X V II 12 — Preze, ganz aus M essing; gehört zur Gesichtsbe
deckung der B raut (200). Mit concentrischen Kreisen; die Randblätter gezahnt. Die
Breite beträgt 31 Mm. 4002, 282.
206.
— T. X X IV 10 — aus Glasperlen zusammengefügt, die auf
einen Messingdraht in zwei Reihen gefädelt sind. Die M essingdrähte sind m ittelst
Achatstücken vereinigt, wreiche zugleich die Perlen in gleichartige Gruppen theilen. In
jeder Reihe einer jeden Gruppe sind je drei Perlen, von denen die beiden äussersten
blau, die mittlere jedoch weiss ist. Die am Nacken befindlichen Perlen hängen an
einem Leinfaden, sind jedoch ebenfalls von verschiedener Farbe. (Wahrscheinlich nicht
auf Kühno gemacht). 4002, 295.
207.
— T. X X IV 15—16 — Silberanhängsel. Iüm itten der
Kehrseite eines Rahmens in Form einer Münze gew ahrt man das Bildniss eines gekrönten
Mannes, an der anderen Seite ein in vier Felder getheiltes Wappenschild. Der D urch
messer beträgt 56 Mm. Dieser Schmuck hängt an einem Bande mit weissen und blauen
Glasperlen. 4002, 298. Vgl. 143.
208.
Fingerhandschuhe sind von derselben Art, wie die auf T.
X X V III 6 dargestellten, aber mit andersartigen Zierathen. 4002, 294. Hübsch ver
zierte Fausthandschuhe werden auch getragen.
209.
— T. X X V III 14 — weisses gewebtes W ollenband mit blauen
Streifen. Die Fischer wickeln derartige lange W ollenbänder um. das Handgelenk, damit
das W asser nicht längs den Armen fliessen kann, wenn sie mit den nassen Netzen be
schäftigt sind. 4002, 328.
210.
— T. X X V III 27 — lange weisse Strümpfe, auf die mit
rothem und blauem Garn Broderien genäht werden, nachdem die Strumpfe fertig gestrickt
sind. DM 267 a.
Reez
preez
Reez —
Reez
Reez
Reez
Halsschmuck
Kaelaraha kodarik
Sörmkinndad
Kättsmed
Pikad sukad
35
Estnische Tracht (Kühno).
Bild ( —20). N:o 211—222.
211.
Pooled sukad — T. X X V III 16 — Halbstrümpfe, in welche beim Stricken
hübsche Muster gestrickt werden.
211 b.
4002, 289.
D ie Frauen binden die langen Strümpfe mit den Schnüren der Pasteln
an die Beine, so dass besondere Strumpfbänder nicht nöthig sind.
Halbstrümpfe werden
eigentlich gar nicht getragen; die Braut schenkt sie als Hochzeitsgabe den Mädchen, die,
nachdem sie alsdann Bräute geworden, dieselben anderen Mädchen verschenken u. s. w.
Tcahandus. Zwischen diesem
kand ist der Füssling pöid. DM 221.
212. Seäruzed Beinlinge, eine Art Strumpfschäfte, vgl. T. X X V III 21, werden
211
C.
Der Theil um die Zehen herum heisst
Theil und Hacke
im Sommer ohne Pasteln getragen.
4002, 290.
213.
Zu denselben gehören geflochtene Wollenbänder
Pastlad — vgl. T. X X IX 5 — werden aus gegerbtem und ungegerbtem
Seehundsleder gemacht.
Die Bänder sind aus Zwirn (vgl. 227).
4002, 314, 315.
Mannstracht.
Säric Hemd mit grossem Kragen und ohne Broderien.
215. Uuzad — T. V I 3 — weisse wollene Hosen. Jedes Hosenbein ist mit
214.
einer Naht aus einem Stück Zeug genäht; die Naht liegt auf der inneren Seite des Bei
nes. Der Querl
ist aus W ergleinewand. Die (hier fehlenden) Bänder, womit die
Hosen um den Leib gebunden werden, gehen nicht durch den breiten Querl. An der
unteren Öffnung der Hosenbeine ist eine blaue Broderie
An der rechten Hüfte
ist eine grosse Tasche
(Vgl. DM 227). 4002, 333. — D erartige Hosen werden
auch aus W ergleinewand gemacht. Über dieselben w urden schmucke, lange Strümpfe
gezogen.
216.
od.
— T. II 10 — gestricktes wollenes Hemd in blauen und weissen
M ustern; die Verzierungen um den Hals und an den Ärmelöffnungen buntfarbig.
4002, 334.
217.
— T. I 12 — kittelartiger Überrock aus weissem Wollenzeug
mit triangelförm igen Keilen an den Hüften. H at zwei T aschen; eine von ihnen ist eine
kleine Brusttasche. In jetziger Zeit wird derselbe fast nur beim Seehundsfang ange
wandt. 4002, 336.
218. Der Überrock Namens
ist schon oben erwähnt (196).
219.
— T. X V 10 — Ledergurte, die um den Überrock gebunden
wird. Die Schnalle ist aus Messing, der Dorn aus Eisen.
Am Gürtel hängt eine Scheide
mit Messer
4002, 329.
220.
— T. X X I 3 — Seehundsfangmütze, aus weissem W ollen
garn gestrickt. DM (vgl. 4002, 323).
221. Gewöhnlich werden im Laden gekaufte Mützen getragen. Zu Hause ge
macht sind jedoch die im W inter getragenen Pelzm ützen
222.
— T. X X V III 19 — lange Strüm pfe werden von den Män
nern über die Beinkleider gezogen. DM 228.
värrgel
looodus.
kul'l'it.
Troi
jakJc
Vammus
Nahkrihm
Ullgepuü-müts
Jcuub
tupp
nuga.
küpär.
Pikad sukad
36
Bild ( —20). N:o 223—227.
Estnische Tracht (Kühno).
Säärpael — T. X IY 4 — gürtelartiges Beinband alter Art, dessen beide
223.
Enden in eine ans buntem Zeug verfertigte Troddel auslaufen.
Strümpfe festgebunden. 4002, 327.
Damit werden die langen
Eine andere, ebensolche Beinschnur
säärpael oder vöö — T. X X X 6 —
stammt von der Insel Mania (sieh’ unten 227 c).
Deren Länge beträgt 2,3 Meter, die
224.
Breite 2 Cm.
4002, 350.
Die auf der Hochzeit von der Braut geschenkten Faust- und Fingerhandschuhe,
die unter die Männer vertheilt werden, wie auch Halbstrümpfe (211 b), werden mit solchen
Schnüren festgebunden.
Pooled suTcad — T. X X V III 18 — weisse Halbstrümpfe, denen nur ein
225.
schmaler blauer Streifen um das Bein als Verzierung dient, gehören zur Tracht der
Männer beim Fang der Seehunde.
4002, 331.
(Sieh’
vammus 217, püümüts 220 und loevad 226).
Loevad (Nom. sing, loib) — vgl. T. X X IX 9 — aus den Hinterfüssen
226.
eines Seehundes verfertigte, geschlossene Fussbekleidung, die beim Seehundsfang getra
gen wird.
4002, 332.
227.
Pastlad von derselben A rt wie bei den Frauenzimm ern, nur sind die
Schnüre aus Leder gemacht (vgl. 213).
227 b.
sieh’ 209.
Kättsmed
Von Mania, einer kleinen Insel zwischen Kühno und dem Festlande, auf
der einige Fis eher familien wohnhaft sind, befinden sich im ethnographischen Museum zu
Helsingfors Faust- und Fingerhandschuh’, sowie auch' mehrere Gürtel (4002, 341—352).
Die Gürtel sind von zweierlei Art; die eine gehört zu den in Kühno (191) und Testama ge
bräuchlichen Frauengürteln, die andere ist kleiner und wird zum Binden der H andschuh’
gebraucht, welche die B raut auf der Hochzeit den Mannspersonen schenkt. Diese
schmücken alsdann ihre Beine damit. Einer der letzterwähnten Gürtel ist in T. X X X
6 abgebildet (sieh’ oben 224). Derselbe schliesst an beiden Enden mit zwei Flechten
und einer grossen Troddel, die aus Stückchen bunten Zeuges gemacht ist. Die
Länge des Gürtels beträgt gute 2 Meter und die Breite 2 Cm. 4002, 350.
227 C .
37
Bild 21. N:o (228— ).
Estnische Tracht (Molw).
X. Mohn.
! Bild 21.
Bild 21.
Abgenommen auf der Insel Mohn
im H erbst 1901.
Halbstrüm pfe 251. T X X V III 17.
Geschlossene Schuhe 253. T. X X IX 15.
Bild 22. Abgenommen im Dörpt. ethnogr.
Junges Weib.
Museum im Januar 1901.
Bluse 230. T. I I I 1.
Grosse konische Breze mitten auf
Frauentrachten.
der
Bluse, mit eleganten Spitzen besetzt. Vgl.
Brust (vgl. T. X X V I 1).
230.
Schnalle mit Steinen, unter dem Kinn.
Grosse konische Breze.
Beide Schnallen an der Bluse 247.
T. X X V II 4.
Bock 232. T. IV 18.
Lederner Gürtel nebst Schnalle.
Schnalle mit Steinen'.
236.
Halstuch aus Seide, hängt an der letzter
wähnten Schnalle. Vgl. 260.
Bock, oben schwarz, unten roth. Vgl. 231.
Brodierte Schürze. Vgl. 262.
DM 292, 294, 279, 290, 295, 296.
T.
X V 12.
Alltägliche Kopfbedeckung 245. T. X X I I 12.
Beinlinge 250. T. X X V III 21.
38
Bild 22—23. N:o 228-229.
Estnische Tracht (Mohn).
Bild 23.
Bild 22.
Bild 23 (Album Oeselscher Bauertrachten).
Mädchen.
Kikk-köru müt's auf dem Kopfe. Ygl. 244.
T. X X I 14. Die H alstracht scheint
eigenthümlich. A uf dem Hem dkragen ist ein Tuch, das mit Schleifen unter dem Kinn
festgebunden i s t ; darauf folgt ein hoher mit Stickereien versehener Kragen,
der vielleicht zur Bluse gehört
und an deren äusserer Seite der elegante
Kragen des Kittels
Der Gürtel verdeckt zum Theil die grosse Brustschnalle,
vgl. 235. Die Mütze ist schwarz, der Überrock grau, die Strümpfe braun mit Verzie
rungen. (In letzter Zeit ist Orange die H auptfarbe der Mohnschen W eiber gewesen).
Seltsam scheint auch, dass der Ü berrock so lang ist, dass unter demselben nicht
einmal der Saum des Rockes sichtbar ist. Vgl. 242 b.
(vammus).
(lithikene särk)
Frauentracht.
228. Pitk scirTc — T. I 8 — langes Hemd, an dessen Saum ein Garniturband
pook. Broderien sind auch am Halse und an den Armeiöffnungen; an den letzteren sind
Manschetten värrglid. DM 276. — Zu einem solchen Hemd gehört ein langer Gürtel. 235.
229. Pitk särk — T. I 11 — mit Broderien versehen wie das vorige, jedoch
ausserdem noch an den Schultern, wo dla-rihmad Schulterfäden sich befinden. 4002, 402.
39
Bild ( —23). N:o 230—239.
Lühikene särk
Estnische Tracht (Molfin).
käiiksed
230.
oder
— T. I I I 1 — kurzes Hemd oder Bluse, mit
Broderien am Kragen, an den Schultern und Ärmelöffnungen. 4002, 389.
Die Falten an den Manschetten der Ärmel heissen
weite Falten,
hinten am Halse
runde Falten. DM 277.
231.
— T. IY 7 — Bock aus vier Stücken Zeug mit Leinaufzug und
Einschlag aus Wolle. Oben schwarz, aber unten blau, roth- und weissgestreift. Die
Streifen gehen quer über den Bock. Bingsum mit F alten versehen, mit Ausnahme der
Yorderseite, wo eine Schürze den glatten Theil bedeckt. In der Nähe des Saumes sind
Broderien genäht. 4002, 404. (Auch 2396, 501, aber unten noch röther).
231 b. Einige Generationen zurück war der
ganz schwarz, am Saum
mit rothem Bande geziert und nur wenig gefaltet. Späterhin wurde dieser üm brik nur
auf Hochzeiten getragen.
232.
— T. IY 18 — Bock aus einem Stück Halbwolle, orangefarben und
buntgestreift. Die Streifen gehen von oben hinab. Der Y ordertheil ist ohne Falten
gleich wie am ümbrik. (Der seelik ist von der Bückenseite abgebildet). Um die Taille
ein breiter K ragen
, am Saum ein gürtelartiges B and
oberhalb desselben sind
weisse B inge
und auch andere Zierathen
genäht. Der seelik ist in
letzterer Zeit an die Stelle des ümbrik getreten und modern geworden. 4002, 403.
(auch 2396, 500).
233.
— T. Y 13 — eine gestreifte Schürze aus rothem Zeug mit
blauen, grünen, schwarzen und weissen Streifen. U nten ist ein breiter rother Band
angefügt, in den weisse, schwarze und grüne Figuren genäht sind. Ohne Gartonunterlage.
4002, 359. (Ygl. 2396, 493).
Mädchen tragen keine Schürzen, ausser bei grossen Festen.
234.
— T. Y 20 — leinene Arbeitsschürze von allgemeiner
Form . 4002, 357.
235.
— T. X X X 5 — ein Gürtel, der beinahe 5 Meter lang und 2 Cm.
breit ist. Orangefarben mit schwarzen Zierathen und gelben Streifen. Die breiten Enden
sind geflochten, das Übrige gewebt. W ird mehrere Male um den Leib gewickelt (vgl.
480). 4002, 355.
Im Sommer geht das Weib mit einem Hemde bekleidet und *mit diesem Gürtel
um gürtet auf die Arbeit, sieh’ T. I 8 und N:o 228.
236.
— T. XY 12 — Gürtel aus Glanzleder mit weissen Knöpfen. Die
Stücke a und b sind aus orangefarbigem Zeuge. Die Schnalle ist aus Messing. 4002, 409.
237.
— T. XV 13 und 14 — zwei Schlösser oder Schnallen zur Glanz
ledergurte. 4002, 408 und 410.
238.
— T. IV 20 — ein aus W olle gehäkelter oder gestrickter
Stricknadelbeutel, orangefarbig mit schwarzen, braunen u. a. Streifen. Das Band, an
dem der B eutel hängt, ging früher über die Schulter, jetzt aber um die Taille, ist von
derselben Farbe und gewebt. 4002, 399.
239.
oder
oder
— T. Y II 10 — eine kurze
moderne Jacke, aus gestrickten Stücken zusammengenäht, von schwarzer Farbe, aber
mit orangefarbigen Bändern garnirt. 4002, 405.
laiad Icurrud
ümargused kurrud
ümbrik
ümbrik
Seelik
nullid
värrgel
vingulized
Kiut-pöll
Linane tööpöll
Vöö
Rihm
Lukk
Varraste kott
Naeste vatt
villane särk
kammpson
40
ai;
Estnische Tracht (Mohn).
Bild ( — 23). N:o 240— 248.
Bisweilen auch von weisser und sogar von rother Farbe, wird gewöhnlich
zugleich mit dem seelik (232) getragen. (Die
N:o 2396, 499 ist weiss und hat
dieselbe Form wie T. I I 5, aber ist weniger verziert).
240. I
— T. X 1 — V am m s aus schwarzem Fries. Der Kragen mit
einem tiefen Ausschnitt im Nacken. Ein orangefarbiges Band als Garnitur am Kragen.
Eine Schleife von derselben Farbe zu beiden Seiten der Brust. . (Zur Fastenzeit muss
das G arniturband schwarz sein). 4002, 406.
241.
— T. X I 5 — Frauenpelz aus schwarzem oder weissem Schafs
fell. Mit rothem Safian garnirt. Am Bücken kleine Fältelnen. W ird im W inter unter
dem vammus getragen. 4002, 407.
242.
oder
ein miederardiges Kleidungstück d. h.
ohne Ärmel und aus Schafsfell gemacht. Man trägt es zur kalten Zeit über dem Hemde.
DM 285.
242
W enn das W eib in voller W intertracht ist, sind die Säume der Kleider
alle miteinander sichtbar, vom seelik, dem Bocke an, der nur bis an die Mitte des
Beines reicht, damit die schmucken Strüm pfe sichtbar-sind.. D arauf sieht man die Schürze
und die Bänder des Pelzes unter dem vammus, der das oberste Kleidungsstück bildet.
243. Das Haar der Frauen wurde früher ebenso kurz geschoren wie bei den
Männern. Zu jetziger Zeit haben die Frauen noch kürzeres Haar, da sie es womöglich
jede Woche scheren. Die blonde Farbe des Haares gilt für ein Zeichen von Schönheit,
deshalb wird es oft mit Seife gewaschen und um es zu bleichen den Strahlen der
Sonne ausgesetzt.
244.
— X X I 14 — (kikk-köru d. h. Ohren gespitzt) Mütze für
Mädchen. Der Pelzbesatz von blaugefärbtem Schafsfell; der Überzug ist blau und
schwarz. Diese Mütze wird während der Fastenzeit getragen, in der übrigen Zeit ist
der Mützenkopf roth. Das F u tter besteht aus weissem Schafsfell. Die aufrecht stehen
den Ecken oder Ohren des Besatzes strecken sich nach vorn hin, wenn die Mütze auf
gesetzt ist (vgl. Trachtenbild 23). 4002, 370.
245.
— T. X X II 12 — Alltagshaube für Frauen aus einem Leine
wandstück verfertigt; rund herum am B ande mit zwei Beihen orange- oder anderfarbiger
Broderien
,
u. s. w. geschmückt, woher deren Name auch
bunte
Mütze ist. Die in der Mitte des Scheitels befindliche Broderie ist mit schwarzen und
weissen Fäden gemacht, aber das dreieckige Stück im Nacken, das ein stilisirtes Ü ber
bleibsel von der Stelle bildet, wo die Mütze zusam m engeschnürt wurde, ist von derselben
Farbe wie der Band. 4002, 366.
246. Die F i n g e r - und F a u s t h a n d s c h u h e sind gänzlich mit Zierathen bedeckt.
247.
— T. X X Y II 4 — Bingschnalle aus Silber mit 6 rothen Glasperlen
verziert. Die Breite beträgt beinahe 6 Cm. 4002, 415.
248. Die grossen, konisch erhabenen S c h n a l l e n od. Brezen aus Silber unterscheiden
sich nur durch die Verschiedenheit der eingravierten Figuren von den übrigen estnischen
Schnallen. Die Mohnschnalle heisst
grosse Schnalle. Die Benennungen der verschie
denen Theile sind (vgl. auf T. X X V I 1):
Band der Öffnung,
Schnallenzunge an
vatt
rammus7
Kazukas
Larnba nahhka ves’t
kazuka vaU
b.
Kikk-koru müt's
Argitanu
pakud männad
kiritanu
Sölg
suur sölg
suuvits
41
pannel
Bild ( — 23). N:o 249—261.
Estnische Tracht (Mohn).
hier
nupid
diesem Band,
Band nm den Fnss des grossen Buckels,
Beule rings herum
am B and (0. K. Kat. 295). Ygl. N:o 23 b.
249.
— T. X X Y II 24 — silberner B ing; das Schildchen breit und
lang mit Schnurzierathen, Strichen und Punkten ausgeschmückt. 4002, 417.
250.
(PI.
) — T. X X Y III 21 — B einlinge werden in bunten Farben
Sörmus
Seäris
secirised
gestrickt; das Band geht unter die Fussohle.
Sie werden mit Beinschnüren
secirepaelad
festgebunden, an dem einen Ende derselben sind Ösen, am anderen „Hühnerfüsse“ (wie
an dem Band T. X IY 3). 4002, 372.
Kapetad
251.
— T. X X Y III 17 — Halbstrümpfe, die über die Beinlinge gezogen
werden, welche unter den kurzen Bockschössen in hübschen Mustern sichtbar sind.
4002, 379; (auch 2396, 503).
Lange weisse Strümpfe
252.
können unter den Beinlingen und Halbstrümpfen
sich befinden, denn es gehört zum guten Ton mehrere Strümpfe am selben Fuss zu haben.
UmmisTcingad
253.
— T. X X IX 15 — geschlossene Schuhe für Mädchen, mit
Stickereien und Messingringen ausgeziert, wobei der Latz
mit rothem Tuch ver
brämt und gefuttert ist.
Pät't'
lapp
4002, 419.
pcitid) — T. X X IX 7 — Pantoffeln mit Ledersohlen; der Über
254.
(PL
zug aus schwarzem Fries.
4002, 421.
Pastein (leichte Schuhe.
Ein rothes Band längs dem Bande der Öffnung.
255. Übrigens tragen sowohl Frauen als M änner
2396, 504, vgl. T. X X IX 3).
pastlad
Arjutanu
256. Zur Brauttracht gehört
— T. X X II 13 — „Harriensche Haube“,
aus einem einzigen weissen Calicostück verfertigt, das durch untergelegten Carton in Span
nung gehalten wird.
Mit rothen Flanellstreifen ausgeziert, die stellweise im Yerein mit
bunten Knöpfen und Perlen verschiedenartige Muster bilden.
Nach der Trauung, wenn
die Braut im Hause des Bräutigams angelangt ist, setzt man ihr diese Krone auf den
Kopf.
4002, 367.
paalilci-
palmingitanu gebraucht worden
257. Früher soll die sogenannte
oder
sein, die niedriger als die arjutanu gew esen sein soll (O. K.)
Lihhtsam valge tanu
argitanu
258.
einfache weisse tanu, vermuthlich von derselben
Form wie die gewöhliche
(245), aber ohne Verzierungen. Man setzte sie der
B raut am ersten Abend im Hause des Mannes auf den Kopf, wenn die am Tage getragene
(256) abgenommen war, daher wird sie auch
Abendtanu genannt. Erst
am folgenden Morgen erhielt sie die erwähnte, eigentliche Kopfbedeckung einer Ehefrau.
Kommt in den Sammlungen nicht vor.
259.
— T. X Y II 3 — weisses Brauttuch, 1,7 Meter lang und 0,47
Meter breit. An dem einen Ende ist eine Spitze.' Mit diesem Tuch war in früheren
Zeiten der K opf der Neuvermählten während der Hochzeit bedeckt. 4002, 398.
260.
, — T. XX V 14 — bäffchenartiges Halstuch von rother Farbe
mit weissen Spitzen. Daran ist eine silberne, mit Bosen ausgezierte Breze befestigt,
deren Breite 11 Cm, beträgt. 4002, 397.
arjutanu
öhhtutanu
Pruudilina
Kaelarätilc
261.
Zahlreiche Beihen von weissen und schwarzen G l a s p e r l e n , die am Halse
getragen werden, verdecken zum Theil auch das eben erwähnte Halstuch.
42
Bild ( —23). N:o 262—270.
Estnische Tracht {Möhn).
Pruudi pulmapoll
262.
— T. V 14 — Hochzeitsschürze der B raut aus rothem
Wollenzeug: da sind als Zierathen röhrenförmige Perlen
, Knöpfe, Schellen
und anderes Flitterw erk
Pailletten
und Bänder. H at eine Cartonunterlage
um sie steif zu halten. Das Gürtelband ist angenäht. 4002, 361. (Vgl. 2396, 494).
263. A uf den estnischen Hochzeiten sieht man bisweilen noch ein Schwert als
Erinnerung an die Zeiten, wo die B raut gewaltsam geraubt wurde. W enigstens auf der
Insel Mohn findet sich dieses Schwert. Davon
— T. X IV 7 — Schwertband d.
h. ein geflochtenes weisses W ollenband in Form einer grossen Ose, um deren verbun
dene Enden bunte Fäden gewickelt sind. Daran hängen aus bunten Lappen gemachte
Troddeln und zwei schwarze Filzkugeln. Als Zierath dienen ausserdem verschieden
förmige bunte Glasperlen. W enn die B raut nach dem Abschiedsschmause sich in die
W ohnung des Mannes begiebt, hält die B rautjungfer das mit diesem Bande ausge
schmückte Schwert in der Hand. Mit dem Schwerte ritzt sie auch ein Kreuz in die
Thür der neuen Heimath. 4002, 400.
röhud,
piiprellid
tilgutid
möoga pael
Männertracht.
264. Särk — T. I 9 — Hemd mit bunten Broderien am stehenden Kragen und
an den Armeiöffnungen.
Die Öffnung an der Brust wird mit einer Ringschnalle befes
tigt, aber die Armeiöffnungen mit Schnüren, die
naritsad genannt werden.
An einem anderen Hemde sind die Broderien weiss.
4002, 422.
Es giebt auch Hemde ohne
Broderien, die jetzt allgemein sind.
Linatakused püksid
265.
— T. V I 11 — Kniehosen aus vier Stücken W erg
leinewand. Die linke Seite der Hosenklappe
ist festgenäht, die rechte mit einem
Knopfe zugeknöpft. An jedem Hosenbein sind zwei Löcher, durch welche man eine
Schnur
steckt, die man um die Beine bindet. 4002. 426.
kiilkott
säcirepael
K n i e h o s e n , die, weil sie enganschliessend sind, auch
kintspüksid Schenkelhosen
heissen, werden fast gar nicht mehr getragen, denn beinahe Alle haben schon lange
Hosen. Die W interhosen sind aus W ollenzeug verfertigt.
Vati
266.
— T. I I 8 — ein gestricktes wollenes Hemd oder Kamisol, orangefar
ben, jedoch mit schwarzen Verzierungen. 4002, 424.
hazukas
267.
Früher trug man dieses Hemd weiss.
dessen Stelle.
Im Winter vertritt ein kurzer Pelz
268. Kamsul — T. V III 5 — ein kurzes Kamisol aus schwarzem Fries mit
Stehkragen. Die Nähte zwischen den Rückenstücken unten nicht zugenäht, so dass die
Enden (a) dieser Stücke an einander nicht fest sind. Die Knöpfe aus Messing. 4002, 425.
269. Vammus Überrock, bei den Männern ohne Kerbe im Nacken — vgl. vam-
mus der Frauen T. X 1.
270.
Hat auch keine Broderien und Bänder an der Brust.
Der vammus scheint nicht mehr im Gebrauch zu sein; an dessen Stelle
ist der
getreten, welcher einen grossen K ragen hat, der hinabgeschoben werden
kann, und weiter ist als der vammus.
kuub
43
Estnische Tracht (Mohn u'. Ösel).
Bild 24. N:o 271—274.
Pusakas roth- blau- u. s. w. gestreifter, gewebter Gürtel. Die Länge be
271.
trägt 3, 3 Meter, die Breite 0, 2 Meter. Mit diesem G ürtel wird der vammus oder kuub
zugebunden. 4002, 427.
272.
oder
eine Mütze aus Fell mit Ohrenklappen und
oder
Filzhut dienten früher den M ännern als Kopfbedeckung. Der
Schirm der Pelzmütze heist
(0. K.).
273. Die weissen Strümpfe
der M änner sind wie die der Frauen
mit Zwickeln in hübschen Mustern gestrickt. Zuweilen wird das Monogramm des
Besitzers hineingestrickt.
Köruline müts
vü'tkübar
Tcaab
274.
Teilbar
noffl
pilcad siikad
Auch die Männer der Insel Mohn tragen bald Pastein, bald S t i e f e l an
den Füssen.
XI. Osel.
Schwarzer Kittel, mitten im Kücken Falten.
Vgl. 312 und T. IX 10.
B raungrauer Rock, am Saum gestreift;
mit Falten ringsherum, vgl. T. IV
7 und 278.
Ärmelleibchen; der eine Ärmel desselben
tritt unter dem Ärmel des Kittels
hervor. Vgl. 306 und T. V II 11.
Gürtel, vgl. 330.
Hemd mit Broderien, Pailletten und Spit
zen am Kragen wie auf der Bluse
T. III 5.
Schürze mit Spitzen und Seidenbändern.
Vgl. T. V 15. DM 385, 418 u. s. w.
Bild 25. (Album Oeselscher Bauer trachten).
Mädchen aus Peude od. St. Johannis.
Bild 24.
Die Troddelmütze ist klein.
Die Mütze, das Brusttuch und der Rock
sind alle ziegelfarben; der Saum des
Rockes ist dunkel. Die Schürze und
Strüm pfe weiss.
An den Lederschuhen sind die Schnüre
nicht sichtbar (mag wohl der Ü ber
zug
gemeint sein, sieh’ 382?)
Abgenommen im Dörpt. ethnogr.
Museum im Januar 1901.
Kleidungsstücke der Frauen aus dem Kirch
spiele Peude (Pöide) und
päU
St. Johannis
(Jaani).
44
Estnische Tracht (Ösel).
B ild 2 5 — 2 7 .
Bild 25.
Bild 26.
(Album Oeselscher Bauertrackten). Weib aus Karris (Karja).
An der grauen Mütze ist keine Troddel.
Der Yorderrand der Brustöffnung an
dem Armeileibchen ist rotk. Alle
Kleider sind schwarzgrau mit Aus
nahme der Schürze und des Hemdes,
die weiss sind.
Am Saum des Bockes sind bläuliche und
gelbliche Querstreifen.
Bild 27. Abgenommen
in
Januar 1901.
D orpat
im
Kleidungsstücke der Frauen aus W olde
(Waldjala).
Schwarzer Bock, am Saum buntstreifig.
Mieder, vgl. T. Y 11.
Kittel, vgl. T. X 10.
Ärmelleibchen — sieh’ 303.
,
— 45
B ild 27.
N :o ( 2 7 5 - ),
Estnische Tracht (Ösel).
Bild 28. N:o (2 7 5 - ).
Strümpfe, von derselben Farbe wie der
Bock.
Schuhe, gelb geworden.
Man
sieht
Perlen
nicht,
ob am Halse kleine
(kudrused) sind.
Bild 29.
Abgenommen im Kergelschen
Pastorate im H erbste 1902.
B r a u t aus Kergel (Kärla) geht m it i h r e r
M u t t e r Gaben zur Mitgift sammeln.
A. Die vorangehende Mutter (die jünger
aussieht als die Tochter) hat:
Bock 283. T. IV 24.
Ärmelleibchen 307. T. V II 7.
Achselstückchen,
die den B ock
kreuzen sich im Bücken.
T. IV 2.
Bild 28.
tragen,
Vgl. 285.
Schürze, vgl. 333. T. V 17.
Beutel, vgl. 336. T. IV 10.
Tuch, das die Brustschnalle verdeckt;
sieh’ 320.
B unte Haube 347. T. X X III 5.
Kragen, vgl. T. I I I 14.
Gürtel, sieh.5 331.
Schürze, weiss mit Spitzen. Vgl. V 15.
Der eine Zipfel der Schürze hinanfgehoben
um die Falten des Kockes deut
licher hervortreten zu lassen. DM
449, 457—459, 414 u. s. w.
Das ungeflocktene Haar ist im Nacken
mit einem seidenen Bande
mengebunden.
zusam
Strümpfe, blau. Sieh’ 377.
Mit D raht genähte Schuhe. Sieh’ 3813.
In der linken H and hat sie:
einen Sack, in welchen die der B raut ge
schenkte Wolle
gesammelt wird
An den Fingern
sind vier Binge. T. X X V II 30, 35—37.
B. Die Braut, die einige Schritte hinter
her trippelt, hat:
roth-, schwarz- und blaugestreiften Bock,
sieh’ 278 1 und
dunkelblaues Ärmelleibchen.
Achselstückchen, sieh’ oben A. und T.
Bild 28. (Album Oeselscher Bauertrachten).
Ein Weib aus Pyha (Püha) beabsichtigt
in die Stadt zu reiten um lebende
H ühner zu verkaufen.
Auf dem Kopfe eine weisse geschmückte
Haube (kleiner und weniger geziert
als T. X X III 5).
Ein blaugraues Tuch über der B rust ins
K reuz geschlagen.
Mieder, m it rothen Bändern an der Öff
nung, sonst gelb und blaugestreift.
Bluse mit breitem Kragen
Bock, schwarzgrau, unten weiss- und
blaugestreift.
(pruudi villa kott).
(altsrae).
IV 2.
Konfirmationsschürze 333. T. V 17.
Beutel 336, T. IV 10, in dem die Schnupf-
46
Estnische Tracht (Ösel),
Bild 29. N:o (275— ).
Bild 29.
ninapaTci
ninatubaJca-
tabaksdose
oder
sieb befindet.
Gürtel 332. T. X IY 6.
Tuch, das die Brnstschnalle verdeckt,
sieh’ 320.
Troddelmütze 354 — T. X IX 12 — wobei
das Haar im
d. h. in einer
Flechte ist, an deren Ende eine
Schleife und ein Seidenband sich
befinden.
Strümpfe, blau, und
an
den Füssen, wie bei der Mutter. In
der linken Hand hat sie ein Bündel
aus Leinewand, worin ihre geschmück
ten Handschuhe und zwei Flaschen
Branntwein sind. In der rechten
Hand trägt sie den von dem B räuti
gam geschenkten Tabaksbeutel 339 —
T. IY 17 — Die B raut hat kei
nen einzigen Bing, also auch keinen
tooz
Yerlobungsring.
Den ersten B ing
erhält sie erst bei der Trauung. In
jedem Haus, wo diese Gesellschaft
einkehrt, selbst auf der Landstrasse
werden
Tabak,
Schnupftabak und
Branntwein angeboten um die Frei
pat's
gebigkeit anzureizen.
Bild 30, Abgenommen im Dörpt. ethngr.
Museum im Januar 1901.
raadiga Jcingad
Kleidungsstücke der Frauen
in
Mustel
(Mustjala).
Bock 279.
Mieder, vgl, 287. T. Y 10.
Kragen, vgl. 317. T. III 14.
Ausgenähter Gürtel, vgl. 330.
Breze, vgl. T. X X Y 9.
Geldstück am Halse, das an der Perlen
schnur hängt. Vgl. 329 und T.
X X IV 13 und 15.
47
Estnische Tracht (Ösel).
Bild 30— 32. N:o (275— ).
Bild 31. (Album Oeselscher Bauertrachten).
Ein alter Mann aus Mustel, grau gekleidet,
mit Ausnahme des Hemdes und der
Strümpfe, die weiss sind; das Halstuch
ist bunt. Mit einem ledernen Gürtel
umgürtet; unter denselben sind die
Handschuhe gesteckt.
Bild 32. (Album Oeselscher Bau er trachten).
Weib aus Mustel.
Kirche.
an
auf dem W ege
An der hohen Haube
der Brustöffnung,
zur
,
tanu
Schürze, an
den Streifen des Bockes, an den
Strümpfen und Lippen sieht man
dieselbe ziegelrothe Farbe.
Bild 30.
B ild 32.
B ild 31.
48
Estnische Tracht (Ösel).
B ild 3 3 — 3 4 .
tarnt1s,
Im Bild 33 sieht man drei elegante
von denen 1 und 2 aus Mustel, vgl.
346, aber die dritte aus Jam m a
stammen, sieh’ 348. W erden imDörpt.
ethnogr. Museum verw ahrt; das Bild
ist im Januar 1901 abgenommen.
Bild 34.
(Album Oeselscher B auertrach
ten).
Weib aus Kielkond (Kihelkonna).
Troddelmütze, roth und blau.
Tuch am Halse, rothgestreift. Das Band
am Rande der Ärmelleibchenöffnung
von derselben Farbe.
Ärmelleibchen grau.
Rock, Halbhandschuhe und Strüm pfe blau.
Der Saum des Kleides ist in un
gleiche Falten gelegt; der Rock ist
übrigens gleichmässig gefaltet. Zwi
schen diesen verschiedenartigen F al
ten ist ein feuerrother Streif.
Bild 33.
Bild 35. Abgenommen im Dörpt. ethnogr.
Museum im Januar 1901.
Kleidungsstücke der Frauen aus Anseküll
(Ansiküla).
Frauenwamms, abgebildet auf Tafel X 3
von der Rückenseite, 314.
Schwarzer Rock mit gelbem Saum, an
dessen Rande ein rothes Band. (Ver
kehrt gewendet auf dem Bilde). Vgl.
281. T. IV 16.
Geflecktes Mieder, fest am Rocke. (Das
Mieder ist im Bilde gleich dem
Rocke verkehrt gewendet).
Gürtel, sieh’ 331.
Schürze, seitwärts geschoben.
Tuch, schwarz- und weissgestreift auf den
Schultern. DM 517, 524.
B ild 34.
49
N :o ( 2 7 5 — ).
Bild 35— 36. N:o (275- ).
Estnische Tracht (Ösel).
Bild 35.
Bild 36.
Bild 36.
Abgenommen im Dörpt. ethnogr.
Museum im Januar 1901.
Strümpfe, roth; sieh’ 377.
Schuhe
mit spitzen Ab
sätzen, vgl. 381 1. T. X X IX 1 2 .
nipp korrkidega
Kleidungsstücke der Frauen aus Jamm a
(Jämaja).
Bild 38. (Album Oeselscher Bauertrachten).
Mann (Seemann?) aus Jamma.
Rock, rothgestreift, woran ein rothes
Mieder festgenäht ist. Vgl. 280. T. IV 14.
Bluse 298.
Gürtel, hier sogar zwei. Sieh’ 330, 331.
Beutel, mit Perlen geziert; sieh’ 337.
DM 377, 379, 381.
Bild 37.
Mütze, wahrscheinlich aus Fell.
Blaugesprenkeltes Tuch um den Hals ge
bunden.
W esten scheinen da sogar zwei zu sein,
die eine untere, an der die Zipfel
vom K ragen und von der Brustöff
nung sichtbar sin d ; dieselbe ist rothgesprenkelt; die andere, obere W este
ist grünblau.
Rock ist grau.
Hosen weiss, wenn leinen (grau, wenn
wollen).
(Album Oeselscher B auertrach
ten).
Mädchen aus Jamma.
Eine gehörnte Mütze.
Rothgeflecktes Tuch am Halse.
Ärmelleibchen grau.
Rock, schwarzgrau mit gelbem Band am
Saum.
50
Estnische Tracht (Ösel).
Bild 37— 38. F:o 275—278.
Bild 38.
Bild 37.
Frauentracht.
275.
Emaste nariga särlc oder Tcäiized — T. II 2 — Frauenhem d „mit Ärmel
kragen“, in zwei Theilen aus verschiedenem Zeug. An den Schultern Hohlnaht, die erst
auf schmale Leinwandstreifen genäht worden und darauf als Achselstückchen an den
Schultern befestigt ist. Die Falten an den Ärmelöffnungen sind sehr dicht und gleichmassig, woher der Name
oder
Im Nacken und an den Schul
tern sind dieselben weniger dicht, daher der Name
(J. Ilwes). Peude. 4002,
555. Bisweilen ist am Hemde ein breiter ausgeschmückter Kragen (sieh’ Trachtenb. 24).
tihed kurrud
276.
noöl kurrud.
lappkurrud
Labane särk — T. II 11 — ein leinenes Hemd oder eigentlich Obertheil
eines Hemdes, ohne Untertheil, statt dessen man Tag und Nacht einen Rock trägt.
Der hohe Kragen ist ohne Zierathen, die Ärmelöffnungen weit wie an einem Manns
hemde, daher der Name eines solchen Hemdes im westlichen Ösel
Mustek
aavasuu käiized.
4002, 495.
277.
Käiized — T. III 12 — lose Ärmel mit weissen Broderien und einem
rothen Band am Rande.
Mustek
4002, 505.
Kirikuub oder pöigiti laik kuub, bisweilen ümbrik (vgl. 231), ein bunter
(Wenn die Streifen trübud
oder Jciudud von oben hinabgehen, ist der Name des Rockes kiut oder kiiüt kuub,
welches eine neuere Mode ist. Sieh ’ 282 u. 283; vgl. seelik 232). An der Seite und hinten
278.
Rock, oder Rock mit Querstreifen, vgl. T. IV 7 und 14.
sind Falten, welche auf folgende W eise gemacht werden.
Die Falten werden mit den
Fingern zusammengebogen und mit Garn festgenäht (vgl. T. IV 19), wonach sie in
51
Bild ( -38). N:o 279—286.
Estnische Tracht (Ösel).
Erm angelung eines Presseisens mit heissen, aus dem Ofen genommenen Broten gepresst
werden. Die Palten werden
genannt und sind von dreierlei A rt: 1 )
oder
(Kergel), wenn sie sehr dicht sind, vgl. T. IV 7; 2 )
., wenn sie
sehr breit sind, vgl. T. IV 18 und 3)
wenn sie wie Strahlen vom M ittelpunkt sich
ausbreiten, vgl. T. IV 24. Die Schnur, die längs dem Bande des Saumes hingeht, hiess
früher
jetzt wird sie
oder
genannt. Oberhalb derselben ist an der Innen
seite des Saumes ein Band
oder
aus grober Leinewand, der dem Bock die
rechte Form giebt. Die beste Form scheint die eines Vierecks zu sein, damit der Saum
des Bockes keinen Kreis, sondern eine viereckige F igur bilde. Der Alltagsrock ist blau,
aber rothgestreift; während der Trauer trägt man ihn schwarz gestreift. Kielkond. DM 568.
279.
— im Trachtenbild 30 — Bock, eine A rt von kirikuub, an dem der
Obertheil rothbraun, der aber sonst weiss mit buntfarbigen Streifen ist. Zusammenge
näht aus vier Zeugstücken; unter dem Saume ist ein dicker Strick, der den Bock aus
weitet. Mustek 2925, 11 k
280.
— T. IV 14 — B ock mit Mieder. Ersterer besteht aus fünf
Tcurrud
lappkurrud
ai,
laiad Tc
püsti k.,
pael
tdht
nöör
lapiti 1c.
toet
Kuub
Kirikuub
Zeugstücken; dessen Obertheil ist schwarz, aber weiter unten sind weisse, grüne, gelbe
Den Saum ziert ein hübsches Band pook.
porst befestigt, vgl. 286. In Anseküll ist der kiri
und schwarze Streifen auf rothem Grund.
An den Bock ist ein buntes Mieder
4002, 430.
281.
— T. IV 16 — Bock mit Mieder 286. Der Bock besteht aus einem
schwarzen vierschäftigen Stück Wollenzeug, der Saum ist gelb mit buntem Bandbande.
B und herum, mit Ausnahme der mit einer Schürze bedeckten Vorderseite, sind Falten.
Jamma. 2925, 47.
282.
— T. IV 1 — gestreifter Bock (sieh’ 278). Die blauen, schwarzen,
rothen und grünen Streifen gehen von oben hinab über den ganzen Bock, der von den
festgenähten Achselstückchen
gehalten wird. Der Saum ist dunkelblau. St. Johannis.
4002, 551.
283.
— T. IV 24 — Festrock; dessen Name auch
oder
d. h. doppelter oder gestreifter B ock (278) ist, wird aus einem roth- und
kuub ganz von derselben Art.
Kuub
Jamma.
Kuütkuub
raksid
Röömukuub
kiut- (küüt) kuub
schwarzgestreiften Stück Zeug gemacht.
tubeldi k.
Mehr nach oben hin verschwinden die schwarzen
Streifen in den Falten, so dass der Obertheil des Bockes roth scheint.
Achselstückchen
raksid halten den Bock. Am Saume ist ein blaues Band und ein dicker steifer Strick,
Namens ai, um den Bock auszuweiten. Kergel. 4002, 439.
284. Die Trauerröcke leinakuuecl sind ebenfalls gestreift, aber die Farbe der
Streifen ist abwechselnd blau und grün, oder verschiedenerlei blau. Kergel. 4002, 437, 438.
Paks
raksid
285.
(PI.
) — T. IV 2 — gestricktes Achselstückchen, der Farbe
nach roth mit geschlängelten Linien und grünen Punkten. An beiden Enden, sind zwei
Haken, die am Querl des Bockes entsprechende Ösen haben.
286.
Kergel.
4002, 4 5 3 .
Porst — T. IV 16 — Mieder ist an den B ock 281 angenäht; es ist aus
gesprenkeltem blauen und grünen Zeug gemacht und vorn unter der Brust mit buntem 1
1 Alle unter der Hauptnummer 2925 in dem Helsingforser Museum befindlichen Gegenstände
(aus Mohn, Ösel, Dagden und Witebsk) sind von Dr. O. Kallas im J. 1893 gesammelt.
52
Bild ( — 38). N:o 287—300.
Estnische Tracht (Ösel).
W achstuch und einem Brokatbande, die zwei Vierecke bilden, geziert. Der Ausschnitt am
Halse und die Armeiöffnungen sind mit grünem Band garnirt. Ansekiill. 2925, 47.
287.
— T. V 1 0 — (vgl. Trachtenbild 30), Mieder, schwarz mit Broderien; zu beiden Seiten der B rust mit fünf zinnernen Schmuckschnallen
versehen,
verm ittelst welcher das Mieder jedoch nicht geschlossen wird, sondern dasselbe wird
mit den in der unteren Ecke befindlichen Haken festgemacht. Der Ausschnitt an der
B rust bleibt folglich offen. Mustek 4002, 500.
288.
— vgl. T. V 1 0 — Taille, an der die Achselstücken
und
Bänder während der Trauer blau oder grün, sonst aber roth sind. Kihelkond. DM.
570, 571.
289.
— T. IV 15 — buntes Kirchenmieder der Frauen
zimmer; dunkelblau, mit rothem Band gekantet. V orn sind als Verzierungen rotlie und
grüne Zeuglappen. Kihelkond. DM 639.
290.
— T. V 11 — Frauenm ieder aus dunkelblauem Fries; die Taille
in Falten, und an deren Bande ein rothes Band. Kergel. 4002, 442.
291. Sowohl das lose Mieder, als auch das an den Bock genähte, hat auf Ösel ver
schiedene Namen: in Anseküll und Jam m a
oder
oder
in Pyha
; in K arris und Peude
oder
in W olde
292.
Mieder aus schwarzbraunem Zeug; der Ausschnitt am Halse roth
garnirt, wird mit Haken zugemacht, hat drei Falten vorn, vgl. T. V 1 1 . Wolde u. Kergel.
293.
T. V 8 — Mieder aus schwarzem Fries. W ird mit fünf Haken
zugemacht — früher nur mit einem, damit die vielen Schnallen mehr sichtbar wären,
die an dem unter dem vest befindlichen bunten Tuch
befestigt sind. U nter dem
vest war natürlich auch
(318). Peude. 4002, 554.
294.
— T. I I I 4 — Bluse aus weissem Baumwollenzeug mit stehendem
Kragen, an den Schultern und Ärmelöffnungen Broderien, die zum Theil aus schwarzen
Punkten bestehen. W ird mit doppelten Knöpfen zugeknöpft. Jamma. 2925, 48.
295.
— T. I I I 5 — Bluse aus Leinew and mit grossem Kragen, der mit
bunter Broderie und Spitzen verziert ist. Auch an den Schultern und Ärmelöffnungen
sind Broderien. St. Johannis. 4002, 556.
296.
— T. I I I 6 — Bluse aus Leinewand ohne Kragen. Punktirte
Zierathen
an den achselklappenartigen Zeugstreifen, an den Schultern und
Ärmelöffnungen. Kergel. 4002, 448.
297.
— vgl. T. I II 5 —; alle Broderien am Kragen und an den Ärmel
öffnungen sind weiss. Mustek 4002, 501.
298.
— sieh’ Trachtenbild 36 — weisse Bluse, die einen ungezierten auf
rechtstehenden Kragen hat, der mit doppelten K nöpfen zugeknöpft wird. Vgl. T. I II 4 .
Jamma. DM 378.
299.
— T. V III 8 — Ärmelleibchen oder Jacke aus braunem Fries,
Der Ausschnitt am Halse mit rothem B and garnirt. Mustek 4002, 498.
300. In Kihelkond scheint der Name dieses Leibchens auch
zu sein;
es wird auch aus hausgewebtem Fries gemacht. Dessen Bandbänder
sind wäh
rend der Trauer blau oder grün, sonst aber roth. DM 572.
Äbnd
malid
Äbud
abu nulcid
Emaste lärjud abnd
Liistikud
lihvid
abud
Yatti
vest,
dbud
pofst
vat't'.
porstid;
Vest —
Käiized
rätik
altsrae
Käiized
Käiized
nupnd
Käiized
Käiized
tiiss.
Abu käiized
abivammus
paelad
53
Bild ( —38). N:o 301—313.
Estnische Tracht (Ösel).
Hännaga kammpson — T. V II 8 — Schweifleibchen oder Jacke aus
301.
schwarzem Wollenzeug. An der Taille Falten, aber nur am Rücken. W ird im W inter
ohne das oben erwähnte Mieder
(290) getragen. Kergel. 4002, 441.
302. An einem anderen kammpson waren die Falten in einer Gruppe am Rücken,
woher der Name „hännaga“, mit Schweif versehen, hergeleitet ist. Liistikud soll eine
ältere Mode als kammpson sein. Kergel. DM 560 b.
303.
Ärmelleibchen aus schwarzem Fries, der Form nach viel
leicht mit T. V II 8 zu vergleichen. Befindet sich in dem abgebildeten Trachtenbilde
27 zwischen Mieder und Kittel (unter dem Kinn höher als das Mieder); im Gebrauch
später als das Mieder 292. Wolde. DM 458.
304. Zur Frauentracht gehörte früher in K arris ein
, das über dem Mieder
getragen wurde. W urde mit Haken zugemacht. Ungefähr um das Jah r 1850 trat
der
an dessen Stelle. Das umps fand sich nicht im Dörpt. ethnogr. Museum.
305. In Pyha war das
ein V orgänger des kammpson. Dieses Klei
dungsstück soll hinten drei Falten gehabt haben. Seit 1875 nicht im Gebrauch. DM 4 9 7 .
306.
— T. V II 11 — Ärmelleibchen oder Jacke aus schwarzem
Fries, mit glattem gürtelähnlichen Band um die Taille. St. Johannis. 4002, 553.
307.
— T. V II 7 — Frauenjacke, dunkelblau und gestreift, aus
gestrickten Stücken zusammengenäht. An den R ändern und Schultern verschiedenfarbene Garniturfäden. Kergel. 4002, 440.
308.
— T. V II 6 — Frauenjacke aus blauem Fries
mit blauen,
rothen und gelben Bändern garnirt. Jamma. 4002, 431.
309.
— T. V II 14 — Frauenjacke aus grauem Fries mit einem rothen
Band am Rande des Halsausschnittes. W ährend der Trauer ist dieses Band blau. Das
schmucke Mieder glänzt am Einschnitt an der B rust und am Rücken. Eine dreitheilige
Schleppe oder Schweif
am Rücken. Jamma. 4002, 432.
310.
— T. X 1 0 — dem Namen nach ein Männerkittel, der jedoch
auch von Frauen getragen wird. Besteht aus grauem Fries. Von der Taille an
mitten im Rücken eine Falte und ebenso an beiden Hüften. An den Rändern der
Öffnung an der Brust ein rothes B and; weiter unten viereckige bunte Lappen, an
denen Zierblättchen aus Zinn h ängen; unter ihnen sind die Haken verborgen, mit denen
der Überrock festgemacht wird. Mustek 4002, 497.
311. Ein derartiger
kommt auch in W olde vor; an beiden Hüften des
selben ist eine Falte, aber m itten am Rücken drei Falten. DM 459.
312.
— T. IX 10 — ein Kittel mit Falten aus schwarzem Fries,
woher derselbe auch
genannt wird. Die F alten sind hoch am Rücken in
zwei G ruppen gesammelt, von denen eine jede fünf Falten enthält. W ird auf dem
küütkuub (T. IV 1 ) getragen, und war, was die Länge betrifft, so kurz, dass der
schmucke Saum des Rockes unten sichtbar war. St. Johannis. 4002, 552.
313.
war ein Kittel, an dem die F alten im Rücken mehr aufrecht
standen und an einer Stelle wie ein Schweif oder Steuer (schwed. styr) aussahen. St.
Johannis. Nicht ii\. den Samml.
liistikud
Kurtkammpson
umps
cibud
kammpson
aatevammus
Kammpson
Kammpson
JöM
tüss
Vammns
händ
Meeste kuub
kuub
Ooolditega kuub
must kuub
Tiiüriga kuub
54
Estnische Tracht (Ösel).
314.
Bild ( -38). N:o 314—324.
Leinavammus — T. X 3 (von der Rückenseite) — Trauerwamms ans grauem
Fries. Die Halsöffnung im Kücken tief ausgeschnitten und mit schwarzem Zeug garnirt. Der Ausschnitt an .der Vorderseite ist von derselben A rt wie am kurzem vammus
in Jamma T. V II 14, sieh’ das Trachtenbild 37. Die Falten, deren es acht giebt, sind
am Kücken zu einer Gruppe gesammelt. An der Vorderseite sind zwei Paar Haken.
Das Band an der Halsöflnung ist roth, wenn keine Trauer ist. Anseküll. DM 524.
315.
langer Ü berrock aus schwarzem Fries, der bis über die
Knie reicht. Kihelkond. DM 574 12.
316.
— T. X I 4 — Schafspelz für Frauen, an den Nähten mit rothen
Bändern und Troddeln garnirt. Ausserdem dienen an beiden Seiten der Brustöffnung
Lederschnüre als Zierath, die einen rothen rechtwinkligen Zeuglappen als Unterlage
haben. Mustel. 4002, 496.
317.
oder
— T. I I I 14 — Kragen, vermuthlich für Frauen, mit weissen
Broderien und Spitzen garnirt. Mustel. 2925, 15.
318.
— vgl. T. I II 14 — ist ein loser, grosser Schmuckkragen. Peude.
4002, 558.
319.
— T. I I I 16 — Kand des Brustkragens. Ein weisses
Leinewandstück, an der einen Seite mit Spitzenbesatz. W ird an der B rust getragen,
so dass die Spitzenkante am Rande des abud (T. V 1 0 ) hervorsticht. Mustel.
4002, 504.
320.
- oder
Halstücher, deren der Zahl nach sogar fünf sein
können. Zu unterst trägt man ein weisses Tuch, das mit der wfo-schnalle (322) ge
knüpft ist; darauf ein Seidentuch, zu welchem die
(322) gehört.
W enn man auf Reisen ist, kommt noch ein drittes Halstuch dazu, welches buntroth und
auch mit einer Schnalle zugeknöpft ist. Das vierte Tuch, das dem letzterwähnten gleicht,
setzt man auf den Kopf. Kihelkond. DM 574 11.
321. In Anseküll und Jam m a kommt ein Tuch Namens
Sworbesches
Tuch (d. h. von der Halbinsel Schworbe) vor, dessen Enden man an der B rust kreuz
weise unter den Kittel steckt wie im Trachtenbild 17 aus der Gegend von Reval.
Im Rücken liegt es auf dem Kittel, früher war es unter demselben. Es wird wohl
auch auf dem Kopfe getragen, sieh’ 353.
322. Es giebt zwei A rten Schnallen od. Brezen:
ruthen- oder tannen
reifartige und
oder
geschmiedete Breze. Kihelkond. DM573, 574. Von
letzterer A rt ist die auf T. X X V 15 abgebildete, die eine erhabene Ringschnalle aus Silber
darstellt. Deren Breite beträgt 2 Cm.; die Ornamente sind Beulen und punktirte Linien.
4002, 491.
323.
— T. X X V 1 2 — Breze aus Silber. Die Breite beträgt beinahe 3
Cm. Mit Beulen und Kommalinien ausgeziert. Mustel. 4002, 518.
Sogar zwei Stück solcher Schnallen gehören zu einem solchen Kragen wie T.
I I I 14 darstellt.
324.
— T. X X V 13 — Breze. Die Breite beträgt 3 Cm. Mit Kommalinien
ausgeschmückt. Gehört nebst einer anderen derartigen Schnalle zur Bluse. Mustel.
4002, 501.
Piklc vammus
Kazukas
Krae
rae
Aistrae
Rinna krae äär
Kaela
rinnarätikud
komajas-scimalle
sörve rätik
komajas solus
vits solus
sölg
Sölg
Solus
55
Bild ( — 38). N:o 325-337.
Estnische Tracht (Ösel).
Sölus
325.
— T. X X V 9 — silberne Breze mit Blumenornamenten. 5 ,2 Cm.
breit. Mustel. 4002, 517.
326.
— T. X X V 7 — Silberbreze. Die Breite beträgt 7,2 Cm. Ornamente:
Bäder u. s w. St. Johannis. 4002, 592.
327.
— T. XX V 1 — silberne Breze. Die Breite beträgt 15 Cm. Als
Ornamente dienen Bosen. St. Johannis. 4002, 590.
328. W enn mehrere Schnallen zugleich getragen werden, ordnet man sie so,
dass die kleineren zu oberst und die grösseren nach unten zu kommen.
329. Halsband, an welchem grüne Glasperlen und mehrere Anhängsel aus
dem 18 Jahrhundert hängen. 4002, 595—599. Vgl. T. X X IV 13 und das Trachtenbild 30.
330.
— T. X X X 12 — Frauengürtel, wird über dem Bockquerl
getragen. Aus braunen, an den Bändern aus blauen u. a. Fäden gewebt. Gewöhn
lich von alter A rt; die Muster der verschiedenen Gürtel sind sehr mannigfaltig und
hübsch. Die Länge beträgt 2,67 Meter, die Breite 6 ,5 Cm. St. Johannis. 4002, 574.
331. Der Gürtel hat verschiedene Namen:
(Wolde),
oder
oder
(Kihelk.),
(Anseküll und Jamma).
Übrigens sind die Muster nicht gleichartig an dem ganzen Gart, wie an den
estnischen Gürteln des Festlandes überhaupt, sondern wechseln ab. Vgl. 191.
Die Hauptfarbe des Gürtels ist roth; nur während der Trauer blau.
332.
— T. X IV 6 — Gürtel (eigentl. Körperschnur), der aus gekauftem
und geflochtenem rothen Bande gemacht und an beiden Enden mit einer rothbraunen
Troddel geschmückt ist; in einige Fäden derselben sind glänzende Perlen gefädelt.
W ird auf Hochzeiten so getragen, dass die Troddeln vorn herabhängen. Kergel. 4002, 468.
333.
— T. V 17 — Schürze aus weissem, gekauften Zeug mit rothen
B ändern garnirt. Das Band, an dem die Schürze hängt, geht frei durch den Kragen.
Da diese Schürze früher zum ersten Mal während des Konfirm andenunterrichts getragen
wurde, ist deren Name
Konfirmationschürze. W ird nicht mehr gebraucht.
Kergel. 4002, 443.
334.
— T. V 15 — Schürze, weiss mit Spitzen und bunten Seidenbändern
garnirt. Modern. Das Band, an dem die Schürze hängt, so wie auch die Falten sind
fest. St. Johannis. 4002, 585.
Zur alterthümlichen Leinewandschürze gehörte ein rothes Band mit schwarzen
„Zähnen“ (Zacken). Peude. 4002, 586.
335.
weisse Schürze mit drei Falten, vgl. T. V 19 und an jeder
Falte ein rothes, aber zur Zeit der Trauer ein blaues Band. Kihelkond. DM 5 7 4 9 .
336.
— T. IV 1 0 — Tasche, vollständig mit Zierathen ausgeschmückt,
die hauptsächlich aus weissen Perlen bestehen, unter welche jedoch gelbe, braune und
blaue Perlen eingemischt sind. Die Tasche hängt an einem rothen gestrickten W ollen
bande. Kergel. 4002, 465.
337.
— vgl. T. IV 1 0 — Beutel mit verschiedenartigen Perlen geschmückt:
gewöhnliche Glasperlen,
lange, röhrenförm ige Perlen und
kleine Glasperlen. Kihelkond. DM 578.
Solg
Sölg
Emaste öö
hööpael
kerepael
emaste öö
ööpael
emaste höö
Kerepael
Poll
leeripöll
Poll
Vallge pöll
Task
ellmed
Task
piiprellid
kudruzed
56
Estnische Tracht (Ösel).
338.
Bild ( —38). N:o 338-345 .
Varraste fcoff — T. IY 21 — Stricknadeltasche, aus viereckigen, bunten
Zeugstücken zusammengenäht.
Mustek 4002, 542.
339.
— T. IY 17 — Tabaksbeutel der Braut, aus rothem
Zeug mit schwarzem Boden, hauptsächlich mit weissen Perlen und Brokatbändern geziert.
Die schwarzen Bänder zum Schliessen desselben haben rothgelbe Troddeln an den
Enden, an welchen Perlen schimmern. Oberhalb der Troddeln sind an den Fäden grosse,
blaue Perlen. Eine gleichartige Troddel mit Perlen ist auch am Boden des Beutels.
Diesen Beutel trägt die Braut, wenn sie mit der M utter Gaben zur Mitgift sammelt.
Sieh’ Trachtenbild 29. Kergel. 4002, 467.
340. Die Frauenzim m er in St. Johannis und Peude trugen am längsten kurzes
Haar. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts war dies der Fall auch noch in dem
benachbarten Kirchspiel Karris, sieh’ Trachtenbild 26. An anderen Orten liess man das Haar,
das im Nacken mit einer Seidenschleife festgebunden war, frei am Rücken herumflattern.
Jetzt wird es geflochten und eine Schleife aus bunten Bändern an das Ende der Flechte
gebunden. In mehreren Kirchspielen hatten die Mädchen besonders in der Kirche
ein
T. X Y I 10 d. h. ein schwarzes Band auf dem Kopfe, woran abwechselnd
rothe und grüne, der Form nach viereckige Zeugstücke genäht waren. St. Johannis.
4002, 561.
341. Die Mädchen und auch die B räute tragen eine Haube
die der
letzteren war mit einem Schleier versehen; (in W iedemann- H urts Ehst-deut. W örterbuch
„Weibermütze mit hängenden B ändern“). Die bei Deutschen dienenden
heisst
Mädchen fingen zuerst an sie zu tragen. Kergel. DM 562. Ygl. 348.
342.
— X Y I 6 — Haartroddeln, die vermuthlich von Mädchen
getragen wurden. Sie sind aus W ollenband gemacht, das aus verschiedenfarbigen Fäden
gedreht ist und um den Kopf gewunden wird. Das eine Ende des Bandes ist in
drei Theile oder Bänder getheilt, von denen ein jeder abwechselnd mit zwei ver
schiedenen Fäden spiralförmig umsponnen ist, der eine roth, der andere metallartig und
bronzefarben. Ein jeder Faden endet mit einer Glasperle und einer aus bunten Zeug
lappen gemachten Troddel. Jamma. DM 382.
343.
— T. X X III 11 — zur B rauttracht gehörende gehörnte
Haube, mit einem B rokatband über der Stirn, sonst weiss (sieh1 345). Als Unterlage
dient Carton. Seit 50 Jahren nicht mehr im Gebrauch. Die von den Enden der H örner
herabhängenden Bänder fehlen. St. Johannis. 4002, 564.
344.
- oder
— T. X Y II 7 — Tuch, das der Braut in der Kirche
auf die sarrvetega tanu (343) gesetzt wurde, wie in der Fig. T. X X III 10 dargestellt
wird. Es wurde auch am ersten Tage im Hause des Mannes getragen. Zu jetziger
Zeit wird das Gesicht nicht mehr mit dem Tuche tanu bedeckt, sondern dieses wird
mit einem Seidenband oder einer Schnalle unter dem Kinn zusammengehalten. An
beiden Enden und an den R ändern mit hausgewebten Spitzen garnirt. Die Länge des
Tuches beträgt U / ö Meter. Dasselbe ist mehr als 100 Jahre alt. St. Johannis. 4002, 562.
345. Im Dörpt. ethnogr. Museum (N:o 553) war noch ein
, in
Jamma heimisch. Es war 2,16 Meter lang und 0,4- Meter breit. Unter demselben befand
sich
weisse t., welche mit der obenerwähnten sarrvedega tanu (343) identisch ist.
Pruudi tuhaka Tcotit
peapael
pinnmüts;
pinnmüts
Juuste tutid
Sarrvedega tarnt
Tanu
pruudilina
pruudilina
vallge tanu
57
Estnische Tracht (Ösel).
Bild ( —38). N:o 346—354.
■ 346. Raamitanu — vgl. Bild 3 3 1-2 — eine brodierte tanu, die durch Carton
steif gehalten wird. Die Muster bilden theils geometrische Figuren, theils stilisirte
Blumen. Die ersteren sind älter und haben sich verhältnissmässig besser erhalten in
Mustel und in den benachbarten Kirchspielen Kergel und Kihelkond. Mustel. 4002, 509.
347.
oder
— T. X X III 5 — bunte oder hohe Haube, die
yon den W eibern in der Kirche und bei festlichen Gelegenheiten getragen wird. Sie
ist cylinderförmig, aber iin Nacken, wo Broderien sichtbar sind, offen (vgl. T. X X II 13).
Die ganze Oberfläche dieser . Kopfbedeckung ist damit bedeckt; der Hutkopf aber ist
ungeschmückt. Als Unterlage dient Carton. Kergel. 4002, 447.
oder
Bild 33 3 ist aus Jamma. DM 552 b.
348.
— T. X X III 1 — mit rothbraunem , geblümten Seidenzeug
überzogene Haube, dem Namen nach Mütze. Das F u tter besteht aus zwei Zeugstücken.
D er Y ordertheil vom Überzug aus einem Stück, aber 'der Bückentheil ist aus mehreren
Stücken zusammengenäht. (Gewöhnlich besteht auch dieser aus einem Stück Zeug)
An den Kanten Brokatspitzen. Peude. 2925, 71. (Ob identisch mit 341, unsicher).
349.
— T. X X I 4 — runde Mütze. Der Pelzbesatz ist schwarz und
besteht aus Schafsfell; der Hutkopf, welcher bedeutend breiter als der K opf ist, besteht
aus rothem Zeug, dessen Falten strahlenförmig den aus Knöpfen, Brokat und Spitzen
gebildeten M ittelpunkt umgeben. Diese Kopfbedeckung w ird sowohl von Mädchen, als
auch von Frauen getragen. Am ratasüll der letzteren, den wir in dem Bilde sehen, ist
jedoch ein bunter Zeuglappen im Nacken angenäht, der am ratasüll der Mädchen fehlt.
W enn der H ut auf dem Kopfe ist, wird eine kurze Schmucknadel, von der ein kurzes
Seidenband herabflattert, da hineingesteckt. St. Johannis. DM 426. (Auch 4002, 565, 566).
350.
ist eine Haube od. Mütze, welche die Frau von der Geburt
eines Kindes an, bis zu ihrem Kirchgang auf dem Kopfe trägt.
bedeutet Puppe,
aber bildlich auch Kind. Kihelkond. DM 579.
350 b.
— T. X X 13 — Stirnband für K inder besteht aus rothem Sei
denband und ist mit Brokatbändern und Brokatfäden verziert. Peude. 2925, 65.
351.
oder
— T. X IX 14 — Troddelmütze, dunkelblau
m it weissen Tüpfeln; die Troddel aus Wolle. Der spitze Theil der Mütze selbst heisst
die Troddel
W enn die Mütze vorzugsweise roth ist, wird sie auch
genannt. Kihelkond. 4002, 490.
352.
oder
— T. X IX 13 — Troddelmütze, schwarz und weiss; die
Troddel besteht aus bunten Zeuglappen. Sie wird von den W eibern zu allen Zeiten,
von den Mädchen meist im W inter getragen. Jamma. 4002, 434.
353.
T. X IX 11 — Troddelmütze aus rothem und blauen W ollen
garn, zwischen welches meist aus weissen Fäden bestehende Verzierungen hineingestrickt
sind. Die Troddel wird aus Fäden gemacht. Über dieser Mütze wird
, sieh’
321, getragen. Mustel. 2925, 21.
354.
oder
. — T. X IX 12 — Troddel- oder weite Mütze,
roth und schwarz; der Obertheil der Mütze ist lang und schmal; die Troddel besteht
aus Fäden. Gehört zur häuslichen Alltagstracht. Kergel. 4002, 445.
Kiritanu
Kiri-
Tcörrgetanu
Tcörrgetanu im
Pinnmiifs
Ratasül'f
Tite-ema müfs
Titt
Titeside
Tutiga müfs
nol%
Tciri müfs
nolTcmüfs
tutt.
Nol'lc
pitnaze-
tuffmüfs
Tuffmüfs —
sörve rätilc
Tutiga
laakmüfs
58
Estnische Tracht (Ösel).
ßüd ( — 38). N:o 355-161.
Tut't'müt's
355.
— T. X IX 15 — Troddelmütze, dunkelblau; nur die Verzierun
gen weiss. Die rechts hinabfallende Spitze ist mit einer Nadel am Rande der Mütze
befestigt. Die Troddel besteht aus Fäden. Diese Mütze wird während der Trauer
getragen, und deshalb auch
Trauerm ütze genannt. Die gewöhnliche Mütze
ist roth. Mustek 4002, 511.
356.
— T. X IX 16 — Troddelmütze, dunkelblau. Dieselbe ist ge
strickt, aber die Troddel ist aus einem Stücke rothen Zeug gemacht, woran Brokatfäden
und bunte, eliptische Glasperlen befestigt sind. Der Troddellappen ist an den Rand
der Mütze genäht, "aber die kurze Spitze der Mütze ist zum Theil frei, so dass man den
Finger unter dieselbe stecken könnte. Die Mütze selbst ist weit und bedeckt wie
ein Käppchen den ganzen Scheitel. St. Johannis. 4002, 567.
357.
— T. X IX 17 — Troddelmütze, aus blauem Garn
gestrickt; darauf sind mit blauen Fäden Zierathen aufgenäht. In Betreff der W eite
ist dieselbe kleiner als die vorige. Vom spitzen Theil der Mütze ist nur ein kleiner
Knoten übrig. Die Troddel ist aus einem Zeugstück gemacht und ebenso wie die erstere
ausgeschmückt, reicht aber über den R and hinaus. W ird noch von einigen 70-jährigen
W eibern getragen. Karris. 2925, 70
358.
— T. X IX 18 — Troddelmütze, eine schwarze, ovale Kopfbe
deckung, deren W eite 9 ,sX 7 ,5 Cm. beträgt. Der dreieckige Zeuglappen, unter welchem sich
leinamüfs
Nofkmüfs
NoÜcmüfs l. naeste müt's
NolkmUts
Papier befindet, erinnert an eine Troddel. W ird noch jetzt von einigen jungen Weibern an
der Stirn getragen.
Peude.
4002, 570.
Sarilik müfs — T. X X I i0 — gehörnte Mütze, deren Pelzbesatz nebst den
Hörnern mit schwarzem, aber der M ützenkopf mütsi lagi mit rothem Zeug überzogen
ist. Das Futter mütsi pesa besteht aus Schafsfell.
359.
In früheren Zeiten überzog man die mehr als 20 Cm. hohen Hörner mit krausem
Lammsfell. W enn ein Mädchen gesehen hatte, dass ein Lamm mit solchem Fell geborert
war, stach sie es mit einer Nadel todt oder liess es unter der Kufe sterben, in der
Hoffnung das Fell des Lammes zu bekommen. In jetziger Zeit wird sie sowohl von
Mädchen als W eibern das ganze Ja h r getragen. Kihelkond. 4002, 489.
360.
sarilik üll ge
üljes (Gen. ül'fge) in Verbindung zu
Der Name einer solchen Mütze ist wenigstens früher auch
wesen, [welche Benennung wohl mit dem Seehund
bringen ist, aus dessen F ell der Überzug gemacht wurde.
In jetziger Zeit gebraucht
man das Seehundsfell bloss zu einigen kleinen Gegenständen wie z. B. zu Tabaksbeuteln
tubaka kukkur1]. DM 582—584.
361. Sank üU — T. X X I 13 — gehörnte Mütze aus schwarzem Schafsfell.
Die Hörner erheben sich wie ein Bogen über dem Mützenkopfe, der mit rothem Zeug
überzogen und durch ein blaues Band in verschiedene Theile getheilt ist. Vermuthlich
aus Mustek DM 552.
361 b. Die Form der sarik-üll wechselt in den verschiedenen Kirchspielen von
Ösel. Die Figur T. X X I 16 stellt eine Mütze aus Jamma, die Fig. T. X X I 17 eine solche
aus W olde dar. Die Hörner der ersteren sind mit Zeug, die der anderen mit Fell überzogen.
1 Auch auf der Insel Runö sah ich einen Tabaksbeutel aus Seehundsfell, der zu einem Cylinder
zusammengerollt wurde.
59
Estnische Tracht (Ösel).
Bild ( -3 8 ). N:o 362-376 .
362.
Tanu — T. X X 14 — eine ans blauen und rothen Fäden gehäkelte beutel
oder chignonartige Kopfbedeckung, deren Yordertheil wie ein Diadem aussieht und
mit Perlen geschmückt ist. Modern (russisch?) Das darin befindliche Haar ist ent
weder aufgelöst oder nur im Nacken befestigt. Kergel. Von Pastor J. Kerg geschenkt.
4002, 446.
363.
Kopftuch wurde früher, besonders im W inter zu einem Turban
zusammengewickelt, auf dem Kopfe getragen, damit die eigentliche Kopfbedeckung
fester am Kopfe sässe. Jetzt wird das Tuch zu einem Dreieck zusammengefaltet und
mit zwei Zipfeln unter dem Kinn zusammengebunden, während der dritte im Nacken
hängt (0. K.). Aus Mustel stammt der weisse, leinene'
an eins von dessen
Zipfeln ist das Zeichen des Hauses genäht. 4002, 512.
364.
— T. X X V II 35 — silberner H ing; das Schildchen schmal und
dünn; in dessen Mitte ein Kreuz u. a. Kergel. 4002, 469.
365.
— T. X X Y II 37 — silberner King, an dessen dünnem, gerad
winkligen Schildchen zwei Kreuze sind; ein P unkt in jeder Ecke. Kergel. 4002, 471.
366.
— T. X X Y II 30 — silberner King mit ovalem Schildchen, in
dem ein Stern mit acht Strahlen sich befindet. Kergel. 4002, 472.
367.
— T. X X Y II 36 — silberner King, dessen geradwinkliges Schildchen
in der Mitte glatt und ohne Verzierungen ist. Kergel. 4002, 473.
368.
— T. X X Y II 23 — bronzener King, allein in der Erde gefunden.
D er King ist nicht geschlossen; die feinen Enden liegen doppelt über einander. Stammt
wahrscheinlich aus der Heidenzeit. Kihelkond. 4002, 493.
369.
— T. X X Y II 38 — King aus Silber. Das Schildchen dünn und
mit einem Ordensstern geschmückt. Mustel. 4002, 515.
370.
— T. X X Y II 26 — King aus Silber, dessen Schildchen breit,
lang und dünn ist. Mit Schnörkeln, Linien und P unkten geziert. Mustel. 4002, 516.
371.
— T. X X V III 5 — weisser Fingerhandschuh mit
bunten Fransen und Verzierungen. Mustel. 4002, 520. Diese Handschuhe wurden
auch in P yha getragen. Die M ännerhandschuhe dieser A rt sind blau (406).
372.
— T. X X V III 2 — Doppelhandschuh. Der innere Theil
heisst
Mustel. DM. Solche Handschuhe sind weiss und m it blauen Fäden
geziert. Mustel. 4002, 521.
373.
ist der Name solcher Fausthandschuhe, welche man im
W inter beim Holzhauen (estn.
trägt. Sonst ist der Name der Fausthandschuhe
Sackhandschuhe. Kihelkond. DM. 575.
374.
Fingerhandschuhe haben dunkle Verzierungen. St. Johannis
oder Peude. 4002, 5 8 ^ 588. Am Handgelenk kommen sie doppelt gekehrt vor. Die
Handschuhe auf Ösel sind verschiedenfarbig.
375.
— T. X X V III 3 — Halbfingerhandschuh. Alle übrigen Finger
mit Ausnahme des kleinen Fingers sind bar. W eiss mit dunkelblauen Verzierungen.
Mustel. 4002, 522.
376.
oder
Beinlinge sind von rother Farbe. Die
Weiber, welche auf Ösel
genannt werden, tragen dieselben während der Arbeit.
Batik
pearätik;
Sörmus
Sörmus
Sörmus
Sörmus
Sörmus
Sörmus
Sörmus
Narmastega kinnas
alune.
Aluzega kinnas
Bai-kinndad
kottkinndad
raiiuma)
Sörmkinndad
Kätis
Emaste sukavarred
emazed
säärikad
60
Bild ( —38). N:o 377—384.
Estnische Tracht (Ösel).
Man trägt sogar mehrere Paar Beinlinge über einander und auf dieselben werden noch
Halbstrümpfe
gezogen. Kihelkond. DM 567.
377.
Peststrüm pfe oder
W eiberstrümpfe, an denen
die Hacke
weiss war, hatten früher überhaupt lange rothe Schäfte (4002,
529), jetzt sind sie weiss oder blau;
mit kurzen und bunten Schäften
(vgl. T. X X V III 19), aber an den
sind sogar die in die Schäfte
eingestrickten Verzierungen weiss. Mustek 4002, 530, 531.
378. Strümpfe sind eine verhältnissmässig moderne Bekleidung. Statt derselben
trug man früher Beinlinge und Halbstrümpfe
und
(376).
379.
Strum pfbänder der Frauen sind eigentlich in bunten
M ustern gestrickte Gürtel, welche, solange sie noch nicht gebraucht sind, an beiden
Enden dreitheilige „H ühnerfüsse“ und Troddeln haben, wie in T. X IV 3. Um die
Bänder gebrauchen zu können, werden sie in zwei Theile geschnitten, so dassan jedem
Bande nur eine Troddel ist. Vor dem Zerschneiden werden sie auch als Gürtel
gebraucht, in welchem Palle die Troddeln hinten hängen. Peude und St. Johannis.
4002, 579—584.
380.
Strum pfbänder, in Fischschwanzm ustern geflochten, vgl. T.
X IV 5, aber die Enden zwischen der Troddel und dem Bande sind zweigetheilte Hühnerfüsse. Jamma. DM 543.
381.
Schuhe waren auf Ösel von verschiedener Form. Von diesen
mögen vorzugsweise erw ähnt werden (DM Kat. Bern, zu N:o 414, 427, 544):
1)
— T. X X IX 12 — Lederschuhe mit spitzen Absätzen,
die der Form nach alterthümlich sind. E rst später hat man angefangen den Absatz
unter der Hacke anzubringen. Karris. 2925, 68.
2)
— T. X X IX 14 — Lederschuhe, an denen der Absatz sich
unter der Hacke befindet. Ausserdem ist der B and ringsum mit Eisen beschlagen,
welches in Hiiumaa (Dagden) Mode zu sein scheint. Mustek 2925, 27.
3)
, mit Pechdraht genäht, scheinen zu jetziger Zeit am gebräuch
lichsten zu sein. Solche Schuhe hat die B raut im Trachtenbild 29.
382.
— T. X X IX i0 — Pantoffel, dessen Überzug aus schwarzem Tuch
besteht und mit blauem Zeug gekantet ist. Die Sohle aus dicker Schnur auf Zeug
genäht und dazu noch getheert. Peude. 4002, 600.
kapetid
Böomusukad
suka pöiize ots
emaste-sukad
kirjud Jcapetad
vallged kapetad
sukavarred
Emaste siikapaelad
kapetid
ööpaelad
Siikapaelad
Kingad
Nipp korkedega kingad
Hiiit rannti kingad
Baadiga kingad
Pät't
Männertracht.
Särk — T. I 6 — Hemd. Punktirte Verzierungen nupud werden zuerst
mit weissem Zwirn an achselstückchenartige Zeuglappen Namens ölarihm oder ölapealne
rihm genäht, die dann an die Schulterblätter des Hemdes befestigt werden. An den
383.
Ärmelöffnungen ist Hohlnaht. Kergel. 4002, 480. An anderen Hemden ist der Kragen
grösser, und derselbe kann, ebenso wie die Ärmelöffnungen
mit Bändern
Namens
festgemacht werden. Vgl. T. I 9. Mustek 4002, 536.
384.
oder
— T. V I 8 — kurze Leinewandhosen; jedes
Hosenbein ist mit zwei Nähten aus zwei Stücken Zeug genäht; beide Hosenbeine wer
söllduzed
Lühikesed1
käiize narid
tölbid piiksid
61
Bild ( —38). N:o 385-394.
Estnische Tracht (Ösel).
den unter dem Knie mit vier Knöpfen vorn und mit einem hinten zugeknöpft. Tasche
fehlt. Diese Hosen wurden im Sommer getragen; die W interhosen waren aus grauem
Puksi lapid Hosenklappe wird am nari Hosenquerl befestigt
W ollenzeug verfertigt.
oder mit Knöpfen zugeknöpft, die aus Holz oder Knochen bestehen.
Johannis. 4002, 601.
Peude oder St.
An den kurzen Hosen von schwarzem Pries aus Kihelkond im Dörpt. ethnog.
Museum wurden die Schlitze der Hosenbeine mit Haken festgemacht. In der Kirche
trug man graue Kniehosen und darüber weisse. In früheren Zeiten zog man langschäftige blaue Strümpfe über die Hosenbeine und band sie mit Schnüren fest. D arauf
kamen die kurzen Beinlinge auf, die über die Strüm pfe gezogen wurden. In jetziger
Zeit sind die Hosen lang, wie überall, aber die Klappe ist ebenso wie früher. Jamma.
DM 537.
385.
W este bestand aus buntem oder schwarzem Zeuge (Kihelkond), hatte
einen stehenden Kragen und war mit einer oder zwei Reihen von Knöpfen versehen.
Um zu paradiren trug man früher mehrere W esten auf einmal (Jamma). DM 539 u. a.
386. Am Halse hatte man ein Tuch
oder einen gestrickten Shawl
(Kihelk.), dessen Enden unter der W este sichtbar sein mussten. Jamma. DM 538.
387.
gewebter Mannsgürte]. D aran sind
Verzierungen und
Fransen. Kihelkond. DM 565.
388.
M ännergürtel, geflochten und buntstreifig (wie T. X X X 2 u. 14).
Damit wird der Überrock
festgebunden. Peude u. St. Johannis. 4002, 602 —603.
Vgl. 391.
Vest
rätilc
narrmad
Isaste höö
Isaste öö
sali
Tcirjad
kuub
nahlcrihm gebunden, an dem
eine mit Rossschweifhaar festgebundene Messerscheide noatupp hängt. Mustek DM
389.
511 und 512.
390.
Um die Taille wird auch ein Ledergürtel
Isaste ooolditega kuub Männerüberrock, hinten mit zwei Reihen Palten, in
jeder zu fünf Stück (vgl. Frauenüberrock T. IX 10). Stehender Kragen. Die Knöpfe
bestanden aus K upfer oder Zinn, und deren Ösen
aus rothem Zwirn. Nach dem
Jah re 1860 fing derselbe an zu verschwinden. Jetzt werden Paletots getragen (O. K.).
Kommt in unseren Sammlungen nicht vor.
391.
— T. X 9 — Männerwamms aus grauem Pries. Wird mit
aazad
Isaste vammus
mehreren Haken festgemacht und ausserdem mit einem rothen geflochtenen Gürtel um
4002, 534.
392.
aus schwarzem Zeug, wird auch jetzt noch in Kergel ge
tragen; dessen Name ist
der jedoch nicht von d e r . estnischen Benennung des
Topfes, sodern vom französischen W ort
hergeleitet ist. Der Name des Überrockes
wäre also eigentlich
Nach den Bern, zu N:o 555 im DM Katalog.
393.
war ein in Jamm a gebräuchlicher langer Überrock aus grauem Pries mit
drei Palten und Knöpfen an den Hüften. Kam in der Mitte des letzten Jahrhunderts
ausser Gebrauch. Derselbe wurde zuletzt nur dann getragen, wenn man auf die Freie
ausging. E r wurde mit Haken und einem Gürtel
festgemacht. DM 540 b.
die Taille gebunden.
Mustek
Männerüberrock
potikuub,
Suup
kapoti kuub.
capot
ööpael
Siiiludega suup
394.
ein mit Keilen versehener kurzer Überrock mit drei Palten
an jedem K eil; ist aus grauem Pries gemacht. Er war länger und weiter als der
jökk
62
Bild (-3 8 ). N:o 395-407.
Estnische Tracht (Ösel).
ümbrik suup
tröi
(397) ; dessen Name auch
oder
Jacke ist. Mit einem niedrigen stehenden
Kragen versehen; auf der B rust offen, fast wie eine Weste. Jamma- DM 539 b.
395.
T. V III 4 — kurze Mannsjacke aus dunkelblauem
Fries. Der Schoss hinten ist geschlitzt. Man macht ihn mit ein Paar Haken fest.
W ird bisweilen mit einem Gürtel getragen. Mustek 4002, 535.
396.
— vgl. T. V III 5 — Jacke „mit gespaltenem Schw eif“
und stehendem Kragen; ist aus ungefärbtem Fries gemacht. Mustek DM 509.
397.
eine in Jam m a gebrauchte Jacke war ebenso lang wie die W este;
der Kragen weit und hinabgekehrt. An den alterthürnlichen Jacken war ein niedriger,
stehender Kragen. Die Jacke ist wahrscheinlich aus verhältnissmässig später Zeit, da
vordem die erwähnte
(394) getragen wurde. DM 539 b.
398.
Leibchen mit Schweif, woher auch der Name
(Kihelkond), von derselben A rt wie das W eiberschweifleibchen (T. V II 8), aber mit
einem Kragen versehen. Vom jetzigen kammpson sind die Falten oder händ (Schweif)
verschwunden, aber er hat einen stehenden Kragen; vgl. T. V III 5. Kergel. DM 557.
399. Der Kammpson wird sogar zweimal mit einem
oder
ge
streiften Gürtel um die Taille gebunden. Kergel. DM 558.
400. In Peude und St. Johannis kommt auch ein
kurzer
M ännerrock mit Falten und stehendem K ragen vor; auch an ihm ist oft nur eine
Reihe Knöpfe. U rsprünglich aus ungefärbtem, später aber als Kirchenkostüm aus
schwarzgefärbtem Fries. DM 431.
401.
— T. V II 9 — graues Kamisol, ganz und gar aus gestrickten
Stückchen zusammengenäht und mit rothem Garn garnirt. Mustek 4002, 537.
402.
— T. X I 10 — kurzer Rock oder Jacke ohne Falten im Rücken
und mit heruntergekehrtem Kragen. Vorn eine Reihe Messingknöpfe. Kam später als
der isaste kammpson (400) in Brauch, fing aber nach 1875 wieder an zu verschwinden.
St: Johannis. DM 432.
403.
— T. X IX 4 — weisse aus W olle gestrickte Mütze; wenn das
Lühikene meeste jökk —
Luhhki hclnnaga jökk
Jökk
siiiludega suup
Kammpson
hännaga kammpson
kiut-
kirivöö
isaste kammpson
Kammpson
Isaste vaM
Vallge miUs
Futter nach aussen gezogen ist, wird sie eiförmig.
Das untere Bild stellt dieselbe Mütze
vom Mützenkopf aus gesehen dar. Jamma. DM 541.
404. Auch die Männer sollen früher bei der A rbeit die
(352) getragen haben.
405.
tut't'müfs der W eiber
Jamma.
Lakk ist eine Sommermütze, nahkmüt’s dagegen eine W intermütze; bisweilen
ist sie mit Ohrenklappen versehen, bisweilen fehlen dieselben.
406.
Sörmkinndad Fingerhandschuhe sind voll von M ustern; die Öffnung wird
doppelt gewandt.
(sieh’ 371).
An einigen Orten gleich den Frauenhandschuhen, sind aber blau
Isaste sukad Männer Strümpfe haben lange Schäfte, sind schwarz oder blau,
aber an den Öffnungen und an den Fussenden pöiize otsad findet man die ursprüngliche
407.
graue Farbe der Schafswolle. Mit eingestrickten M ustern und Zwickeln geschmückt.
Die verschiedenen Th eile des Strumpfes sind:
Beinschaft,
Strum pf
öffnung,
Hacke,
Socke. Kihelkond. DM 563. Auch Mustek 4002,540.
suka kand
suka sciär
snka pöiiz
63
suka suu
Estnische Tracht (Ösel u. Dagden).
Bild 39. N:o 407 b—412.
Strümpfe
407 1). D ie
werden in einem Topfe, estnisch
färbt, woher die Benennung dieser Farbe
(topfblau).
potisinine
pot:t\ zu Hause blau ge
Ein solches Färben ist
allgemein in ganz Ösel.
408.
Sukapaelad oder säärepaelad Strum pfbänder sind von sehr verschiedener
Farbe und mit einem „Schwert“, sieh’ T. X IV 9, oder nur mit den Händen gemacht d. h.
geflochten.
Deren Troddeln waren unter den Hosenbeinen der Kniehosen sichtbar.
o
DM 427 b, 507.
409.
Handschuhe, gleichwie die Frauenschuhe (3812) mit
Läppchen, aus welchen Schnüre über das Fussgelenk verlaufen. Sieh’ T. X X IX 14.
F rü h er wurden die Absätze aus Holz gemacht.
Hiiu rannti kingad
410.
Pcitid Pantoffeln von
derselben
Art
wie bei den Weibern.
X X I X 10.
411.
Boogldng — T. X X IX 11 — Rohrschuh aus Holz.
Abschneiden
der
Binsen
getragen,
Sieh’ T.
Sie werden beim
da bei dieser Beschäftigung die gewöhnlichen
Pastein nicht gebraucht werden können, weil die scharfen Binsenhalme durch deren
dünne Sohle dringen. Peude und St. Johannis. 4002, 605.
Stiefel sind um das Jah r 1840 in Gebrauch gekommen.
DM 427 e.
412.
Johannis.
Peude und St.
XII. Dagden.
Bild 39. Abgenommen im Januar 1901.
Kleidungsstücke der Frauen aus Pühalep
(Pühalepa).
DM N:o 347, 348, 651 u. a.
Kurze, graue W ollenjacke; vgl. T. V III 12.
W eisse Bluse mit Spitzen an der B rust
und am breiten Kragen.
Gelb-, blau- und rothgestreifter Hock; am
Saum ein schwarzes und rothes Band
und
Zum Rock gehört
ein von der Bluse bedecktes Mieder
aus roth- und schwarzgestreiftem
Zeug. Vgl. 416.
Schürze, weiss mit Spitzen garnirt.
Gürtel giebt es zwei; der eine ist aus
Wolle, der andere aus Leder mit
M essingplatten. Zum letzteren ge
hört :
eine Kette, sieh’ 420.
toot
piht
Bild 39.
64
veere.
Bild 40-41. N:o (4 1 3 - ).
Estnische Tracht (Dagcten).
Bild 40.
Ans
Emmast
(Emaste).
DM
N:o 311b, 315, 318 u. a. Gleich
vorigen abgenommen.
dem
Frauenkleider.
Grosser Kittel aus dunklem F rie s ; an
beiden Hüftenspitzen vier Falten.
Ygl. 430. T. IX 9.
Schwarzer Rock, an den das Mieder an
genäht ist. Ygl. 414. T. IY 4.
Gürtel nebst Kettenreihen, Messerscheide
und Nadelbüchse. (Nach vorn ge
kehrt, damit sie besser zu sehen
wären). Ygl. T. X Y 4.
W eisses Faltenhemd, ist nicht sichtbar.
Sieh’ 413.
Bild 40.
Bild 41. Ein Weib aus Keinis (Käina) im
Sonntagsstaat.
(Dort abgenommen
September 1901).
im
Haarreifen auf dem Kopfe nebst Flech
tenband, dessen Enden hinten herab
hängen. 439. Ygl. Bild 43 1 und 3.
Haube — T. X X II 11 — aufrecht auf
dem Kopfe. 443.
Bluse 417. T. I II 3.
Gestreifter Rock. Sieh’ 415.
Schürze.
M etallgürtel nebst
T. X Y 4.
Strümpfe und Schuhe.
B ild 41.
65
Kettenreihen
419.
Ygl. T. X X IX 14.
Estnische Tracht (Dagden).
Bild 42. N:o (4 1 3 - ).
B ild 42.
Bild 42. Mann und Weib aus Roicks (Roigi).
Flachliegende tanu
445.
T. X X III 13.
Der Mann hat:
(Abgenommen wie das vorige).
Das Weib hat folgende Kleidungsstücke:
Überrock 457.
Strohhut und langschäftige Stiefel an den
Kurze Jacke 431. T. V III 12.
Gestreiften Rock. Sieh’ 415.
Bluse mit breitem Spitzenkragen; dieselbe
ist mit einer kleinen Schnalle befe
stigt. Vgl. T. I II 5.
Gekauftes wollenes Halstuch, das auf der
B rust kreuz weis gelegt unter der
Jacke sichtbar ist.
Schürze, ist gekauft. F rüher war dieselbe,
sowie auch der Kragen mit Hohl
naht geschmückt.
Füssen wie ein russischer Soldat.
Bild 43, abgenommen im Dörpt. ethnogr.
Museum im Januar 1901.
1.
2.
3.
4.
5.
66
H aarband 437.
„
438.
Haarschöpfe 439.
Brautkrone 441.
Haube, vgl. T. X X II 13.
Bild 43. N:o 413—419.
Estnische Tracht (Dagden).
Frauentracht.
Kurrdus särk
413.
— T. IY
12 — weisses Faltenhemd aus sie
ben Leinwandstücken zusammen
gesetzt ; mit gepressten Falten der
ganzen Länge nach.
Wird bei
heisser W itterung im Sommer ohne
weitere Unterkleider getragen und
dient in diesem Falle auch
Rock. Keinis. 4002, 252.
als
Must Jcuub
414.
— T. IY 4
— schwarzer Rock, der aus acht
Stücken
Fries
zusammengesetzt
ist; an der Taille in Falten g e
näht.
Wurde früher
sowohl im
Winter als auch im Sommer ge
tragen. Keinis. 4002, 253.
must Tcuub
415. Als der
um
die Mitte des vorigen Jahrhunderts
ausser Brauch kam, trat ein ge
streifter Rock
Mit (Jcuub) an dessen
Stelle. Zur Fastenzeit waren die
Streifen sehwarz und blau (zwei
Arten), sonst aber roth und grün.
416.
und des
Emmast
Das
Jcuub
Mieder des .
wird in Keinis und
Jcüit
öööder genannt; dazu ge
Bild 43.
hört ein Achselstückchen an beiden
ölalapp.
417. Käiized — T. III 3 — Bluse aus grober Leine wand, rundherum gefaltet
Schultern
Nur an den Armeiöffnungen sind bunte Stickereien.
Keinis.
In früheren Zeiten war auch der Kragen brodirt.
4002, 242.
Der Name einer solchen
UigJcaelustega Icäiized. Ygl. Trachtenbild 39.
Kraae — T. III 9 — mit weissen Spitzen besetzter weisser Kragen, der
mit mehreren kleinen Schnallen festgem acht wird. Wird in Ermangelung des Icäiized
Bluse war
418.
gebraucht.
419.
Roicks.
4002, 219.
VasJcvöö — T. X Y 4 — metallner Gürtel, mit Beschlägen,
runden
Stiften und einer Schnalle versehen, die alle aus Messing bestehen. Am Gürtel hängen
Messingketten, ein Messer mit Scheide und eine Nadelbüchse mit B eutel.1 Einen solchen
1 Zu Buszwurms Zeiten hingen die Messer bei den Schweden in Roicks an Schnüren aus Pferde
haar. Eibofolke. II S. 60.
67
Estnische Tracht (Dagdm).
Bild ( —43). N:o 430—430.
Gürtel tragen die Dagdenschen W eiber derart, dass die Kette hinten ausgebreitet
wird. Keinis. 4002, 246. Trachtenbild 41.
420. T. XV 9. Detaildarstellung vom eben erw ähnten Gürtel. Die Kette
(Pi.
ist neunfach (in T. X V 4. 10—
[-9 fach); an der untersten Kette hängen
an kleinen K ettchen runde Messingstückchen
Am anderen Ende des abge
bildeten Stückes sieht man einige der Stifte
, mit denen der Gürtel geschmückt ist.
W ie man aus dem ersteren Bilde gewahrt, bestehen die K etten aus zwei Stücken,
die mit einem Ringe verbunden sind. Das eine Ende dieser Stücke ist am Gürtel
befestigt; das ändere Ende ist los und läuft ebenfalls in einen Ring aus, von dem aus
man dasselbe mit einem Faden
an jeder beliebigen Stelle an den Gürtel binden
kann, wenn man sich mit demselben um gürtet.
421.
— T. X V 2 — Messerscheide aus Zinn oder Blei; an der Kehr
seite, die ohne Zierathen ist, befindet sich die Jahreszahl 1874. Das Messer
(Gen.
röhk
röhud)
käpad
littred.
aaz
Noatupp
nuga
noa) hat einen Stiel, der eine zu einem Stück geschm iedete Röhre darstellt. Hängt am
Gürtel T. X V 4. Keinis.
4002,. 246.
422.
— T. X V 3 — Messer, dessen Stiel zum Theil aus Horn besteht
und von dem das Ende mit M essing beschlagen ist. Keinis. 4002, 247.
423.
— T. X V 8 — Nadelbüchse aus M essing nebst Geldbeutel aus
Zeug. Sie hängen an einer aus Leder geflochtenen Schnur. Emmast. 2396, 492.
424.
— T. XV 5 — Nadelbüchse aus Kupfer, aufgerichtet, damit
die Nadeln und die Beutelöffnung sichtbar wären. Keinis. 4002, 248.
425.
— T. XV 11 — Nadelbüchse aus Messing; gehört zum Gürtel
T. X V 4.
426.
— T. XV 1 — Metallgürtel, gerade liegend. Von derselben A rt
wie der in T. XV 4. Die Messingscheibe
a—b besteht aus einem Stück. Die
grösseren Stifte sind aus Messing, aber die kleineren (sieh’ das Detailbild T. XV 7)
aus Kupfer, Messing und Blei zusammengeschmolzen. An dem einen Ende des Gürtels
ist eine eiserne Schnalle, das andere Ende ist zweigetheilt. Mit dem einen Theile wird
der Gürtel an der Taille befestigt, der andere Theil, der mit Knöpfen und Messingbe
schlag geschmückt ist, läuft in eine Kette aus. An dem Punkt c hängen das Messer
nebst Scheide und die Nadelbüchse. Roicks. 4002, 225.
427. T. XV 6 — ein M etallgürtel wie T. X V 1 und 4. Mit den Buchstaben
P. E. N. am Ende des Gürtels. 2925, 80.
428.
— T. V II 15 — eine blaue, aus gestrickten Stücken zusam
mengenähte Jacke; die Randbänder sind schwarz. S tatt der Haken, die früher ge
braucht wurden, sind hier Knöpfe. Keinis. 4002, 259.
429.
oder
— T. V 3 — Leibrock oder kleine Jacke aus
Nuga
Nöölakoda
Nöölakoda
Nöölakoda
Vaskvöö
vask
Villane särk
Kehäkuuh
vähäjäku
dunkelgrauem
Fries, ohne Ärmel.
Tasche.
blaues Band
Ein
Zwei Falten
siilud an beiden Hüften. Hat eine
veere um den Ausschnitt am Halse.
Zwei Paar Haken
4002, 257.
430.
— T. IX 9 — K ittel aus schwarzem Fries. Eine hohe Falte
an beiden Hüften. Blaues Band
an den Hals-, Brust- und Ärmelöffnungen.
W ird unterhalb der B rust mit Haken festgemacht. Keinis. 4002, 258.
unterhalb der Brust.
siil
Keinis.
Jäkukuub
veere
68
Estnische Tracht (Dagden).
Bild ( —43). N:o 431-440.
Vähäkuub — T. V III 12 — kurze Jacke aus braunem Fries mit drei (bis
weilen vier) Falten tilad an beiden Hüften. Das Randband ist im Nacken schwarz
431.
(bisweilen blau), an der Brust roth und weiter unten schwarz (bisweilen blau).
Ärmelöffnungen mit rothem Rand. Roicks. 4002, 230.
432.
D ie
Kazukas — T. X I 2 —- Schafspelz; von aussen ganz weiss; in den Ärmeln
schwarze Wolle.
Keinis.
4002, 260.
433. Uber den Pelz wird in Keinis im Winter noch der
gezogen, der im Rücken glatt d. h. ohne Falten ist.
laikuub breiter Kittel
Pitk Jcuub in Roicks besteht aus braunem Fries; er hat drei Falten tilad
434.
an beiden Hüften.
435.
4002, 231.
T. X X 10 — Kinderkranz oder Kopfring, ein mit rothem
Laste sepel —
Zeug überzogener Holzring, mit Brokatband und bunten Glasperlen geschmückt.
In
4002, 238.
Von derselben Form scheint das von den Mädchen auf dem Festlande von
Estland früher allgemein getragene
gewesen zu sein; diese Kopfbedeckung fehlt
im Museum zu Helsingfors, auch habe ich dieselbe bei meinem Besuch der Dörptschen
Sammlungen im Januar 1901 nicht vorgefunden.
wendig ist der Ring hohl.
Im Nacken hängen Zeuglappen.
Keinis.
pärg
Poll Schürze wird vorzugsweise von Weibern, selten von Mädchen getragen.
437. Pal'mik — Bild 43 1 — Band oder Haarschnur für Flechte. Zwei rothe
Zeugstreifen, Namens palmikuännad Flechtenschwänze, sind mit einem fingerdicken
aus Zeug gemachten Strick, Namens vahelik „dazwischen befindlich“, verbunden. Die
436.
Schwänze sind mit Pailletten und Spitzen geschmückt. Emmast. DM. (Vgl. 2925, 77
und 4002, 236).
438.
— Bild 432 — blaues Flechtenband, welches zur Fastenzeit und
während der Trauer getragen wird. Der
ist hier dicker, als der ebenerwähnte.
Emmast. DM 320.
Pal'mik
439.
vahelik
Juuste jatkud oder tukad — Bild 433 — Fortsetzungen der Haare oder
Haarschöpfe; lose Haarzotten, die sowohl von den Frauen, als auch von den Mädchen
palmik ins Haar geflochten werden. Dies, geschieht folgendermaassen:
Das eine Ende des pahniks wird mit den Zähnen festgehalten; der M ittelpunkt
des vahelik, der mit einer Stecknadel bezeichnet ist, wird an den Nacken gelegt, woran
man auch den M ittelpunkt des juuste jatkud (wo 3 auf dem Bilde steht) presst. Das
zugleich mit dem
Haar ist schon vorher in vier Theile getheilt, von welchen je zwei auf beide Flechten
kommen, die nun gemacht werden sollen. Eine jede der beiden Flechten wird aus drei
Theilen geflochten. Der eine Theil ist der schon erwähnte
, aber zu jedem der
anderen zwei Theile gehört ein Theil des Haares und die Hälfte vom
Nachdem die eine Flechte fertig ist, flicht man in derselben W eise die andere.
Man braucht also zwei
, aber nur einen
zu jedem Kopfe. Die bei
den Haarflechten werden darauf um den Kopf gewunden und sowohl am Scheitel, als
auch im Nacken festgebunden, wo die Schwänze des palmik hinabhängen. Emmast.
DM. Vgl. 4002, 232. Keinis.
440.
— T. X V I 8, 9 — die Enden der Flechtenbänder sind
mit Brokatbändern und Pailletten geschmückt. Keinis. 2925, 77 und 4002, 236.
vahelik
juuste jatkud
vahelik
Palmiku ännad
69
juuste jatkud.
Estnische Tracht (Dagden).
Bild ( — 43). N:o 441—447.
Palmik war gewöhnlich roth; zur Zeit der Trauer oder zur Fastenzeit schwarz oder
blau. — Von den hier abgebildeten Palmikenden ist Fig. 8 blau und Fig. 9 roth.
441.
— Bild 434 — Brautkrone, deren U nterlage aus Carton besteht,
kreisförmig, ungefähr 10 Dem. hoch und mit Glasperlen reichlich geschmückt. Der
Kreis ist inwendig offen. Im Nacken hängen mehrere Seidenbänder
Emmast. DM 322. — In Roiks wird die B rautkrone
oder
genannt. (In
W iedem ann-Hurts Est. deut. W örterb. heisst
„breites K opf band, Kopfputz
der B ra u t“).
442. W enn sich die B raut zur Trauung begiebt und darnach auch im Hause
des Bräutigams, ist ihr Kopf mit einem Tuche
oder
bedeckt,
dessen geschmückte Enden über den Schultern hängen. E rst am folgenden Tage wird
das Merkmal einer Ehefrau
(443) ihr auf den K opf gesetzt.
Sonst hat die Braut, wenn sie in der Hochzeitsstube am Festtische sitzt, einen
breiten Kittel (vgl. 433) ohne Gürtel an, den
auf dem Kopfe und
Hochzeitshandschuhe an den Händen. In Roicks soll die Neuvermählte eine
Haube tragen, die ich jedoch nicht gesehen habe.
443.
— T. X X II 11 — eine aufrechtstehende Haube, die aus einem
Stücke weissen Zeuges gemacht ist und mit Stickereien, G arniturbändern und Pailletten
geziert ist. Inw endig befindet sich ein gebogener W acholder- oder W eidenzweig
, der die Kopfbedeckung stramm hält. W ird auf den mit Haarzotten versehenen
K opf der W eiber gesetzt. Emmast. 4002, 239.
444.
— T. X X III 14 — aufrechtstehende Haube, der Form nach
viereckig und in Roicks gebräuchlich. Als U nterlage dient hier Carton; sowohl vorn
als hinten mit Seiden- nnd Brokatbändern geschmückt. Im Nacken ist ein Lappen von
buntem Zeug. 4002, 216.
445.
— T. X X III 13 — eine platte d. h. nicht aufrechtstehende,
sondern am Kopfe anliegende Haube, da innen weder Carton, noch irgend ein anderer
spannender Gegenstand sich befindet. Die W eiber tragen sie an W erkeltagen; sieh’
Trachtenbild 42. Sie ist aus einem Stück bunten Baumwollenzeuges verfertigt und rund
herum mit einem bunten Kattunstreifen geschmückt. Die Seite der Stirn ist mit bunten
B ändern in Vierecke und Dreiecke getheilt, innerhalb welcher Pailletten und Schleifen
sind. Roicks. 4002, 215.
ist oft
aus welcher der Carton oder die Spannruthe (sieh’
443) herausgenommen ist.
446.
— T. X X 11 — ein weisses Tuch aus Kaliko, das die B raut
m utter (sajanaene) während der Trauung in der Kirche auf dem Kopfe trägt. Innerhalb
des Obertheils ist Carton. Am unteren Rande ist diese Kopfbedeckung-*mit einem rothen
Bande und ein Paar Brokatfäden geschmückt. Emmast. DM 327 c.
447.
— T. X IX 8 — eine A rt Baschlyk, der aus zwei Stücken weissen
W ollenzeuges gemacht ist, an deren unteren Theil Keile gefügt sind. W ird im W inter
über den Kopf gezogen, im Sommer doppelt gefaltet und mit Nadeln befestigt. Emmast.
DM 332. Vgl. 4002, 250.
Sepel
pennik
pennik
sepplirätik
pruudikroon
seppli ännad.
sepplilina
püsti tanu
laikuub
kinndad
sepel
puhna-
Püsti tanu
paju-
raag
Püsti tanu
Lapiti tanu
Lapiti tanu
= püsti-tanu,
Nuuutislina
Att
70
Estnische Tracht (Dagden).
448.
Keinis.
Bild ( — 43). N:o 448— 460.
Sörmkinndad Fingerhandschuhe können weiss mit blauen Pünktchen sein.
4002, 249.
449.
Sukavarred Beinlinge sind roth.
Zur Mannstracht gehörende Gegenstände:
Päälispüksid
450.
— T. V I 2 — Ober- oder lange H osen aus vier blauen Tuch
stücken. Sind mit einer Tasche auf der rechten Seite versehen. Die Hosenklappe wird mit
einem Knopf festgem acht ; früher wurde ein Pflöckchen dazu gebraucht. Keinis. 4002, 267.
451. In älteren Zeiten waren die Hosen kurz und die Hosenbeine wurden unter dem
Knie mit Knöpfen oder einem Band befestigt.
Äluspüksid
Letzteres diente zugleich als Strumpfband.
452.
— vgl. T. Y I 2 ;— Unterhosen aus vier groben Leinewand
stücken mit einer Tasche; werden im Sommer als Hosen getragen. Keinis. 4002, 266.
453.
West W este kam erst seit zwei Generationen in Brauch. Der W esten
kragen ist stehend.
454.
DM 305 c.
Meeste rahva Tcamsol oder vcihe-jäku — T. V III 9 — M ännerrock aus braunem
Fries. Die Tasche mit blauem Band umsäumt. Der Schooss hinten aufgeschlitzt und
an beiden Seiten eine tiefe Falte. Keinis. 4002, 268.
Um diese Jacke wird ein Gürtel gebunden.
Vööpael
455.
— T. X X X 2 — M annsgürtel, aus bunten (grünen, braunen, gelben
und schwarzen) W ollenfäden geflochten, 2 ,3 Meter lang und ungefähr 5 Cm. breit.
W ird auf Hochzeiten und in der Kirche getragen; heisst auch
bunter Gürtel.
Solche Gürtel, sowie auch schwarze Strümpfe, und Troddelbänder zum Hute pflegte die
B raut früher den Männern zu schenken; den W eibern schenkte sie rothe Strümpfe,
Schürzen und Fingerhandschuhe. Keinis. 4002, 263.
456.
war in Keinis von derselben A rt wie
(T. V III 9), aber
länger und reichte bis über das halbe Bein hinab.
457. Der
oder
Überrock wird
Roicks aus braunem Fries
gemacht, ist glatt im Rücken d. h. ohne Falten, und reicht bis über das Knie herab.
Beim Manne im Trachtenbild 42.
Jcirivööpael
Suur-jäku
vähe-jäku
mantel
ülikuub
in
Tilade Tcuub reicht nicht einmal bis an das Knie und hat 3 bis 4 Falten
tilad
vähäkuub der Weiber. Noch kürzer ist das kamsol, das ohne Falten ist.
Das W ollenwämmschen der Männer wird villane särk genannt.
458.
wie der
Die Strümpfe der M änner sind dunkelfarbig, nur bei Festlichkeiten weiss.
U nter den Strüm pfen kamen
oder
Beinlinge von derselben A rt
wie bei den W eibern vor. Emmast. DM 305.
460. Von den Kopfbedeckungen mögen erw ähnt werden:
W interm ütze;
Sommermützen sind:
Strohhut (Trachtenbild 42);
,
,
(finn. patalakki?) und
Filzhut. Emmast. DM 310.
459.
müts
seersukad
sääresukad
iill,
tuttmüts käkkmiits nünn-
Ölgkübar
lakk
In Pühalep hatte der Mann im Sommer:
hüll
notiga müts Mütze mit Schirm, kübar
tupsud
H ut und im W inter
Pelzmütze. DM. Katalog. D ie Troddeln
hängen an
einem Bande. Die Braut schenkt sie den Männern; dieselben werden so an die Mütze
gebunden, dass ein Paar Troddeln an der Stirn hängen.
71
Keinis.
4002, 261.
Schwedische Tracht (Dagden).
Bild 44. N:o 461.
II. Schwedische Tracht.
I. Dagden.
B ild M .
Das Bild 44 stellt die Tracht der schwedischen Weiber ans dem Dorfe Svenskby
in Roicks in der Mitte des vorigen Jahrhunderts dar. Nach C. Ruszwurm. (Als ich
im H erbst 1901 dies Dorf besuchte, lebten dort noch gegen 15 Personen, die schwedisch
sprechen konnten, von der alten Tracht aber waren keine Spuren).
Die Tracht ist ganz und gar estnisch. Das rechts stehende Weib hat
estn.
445, auf dem Kopfe. Nach Ruszwurm s Erklärung (Eibofolke II S. 59)
müsste es jedoch gleich dem estn.
443 — T. X X II 11 — sein. Im Nacken
hängen rothe Flechtenbänder
estn.
437. Am Körper hat sie einen
weissen Hemdrock, estn.
413, T. IV 12; den Obertheil des Körpers bedecken
, estn
417. Um den Leib gehen
und
(419, 420), deren schwe
dische Benennungen von Ruszwurm nicht erwähnt werden. Die Benennung des Hemdes
scheint
zu sein.
Das Korn schneidende W eib links hat einen estn.
(T. X IX 8) auf dem Kopfe,
dessen R. gar nicht erwähnt. Der Rock ist schwarz. (Nach Ruszwurms Erklärung sollte
man glauben, dass dieser Rock, der
estn.
415, heisst, gestreift ist,
m it einem rothen Bande
am Saume. Ygl.
im Trachtenbild 39). Um den Leib
hat auch dieses W eib ein
und
, obgleich dieselben in diesem verkleinerten
Bilde nicht sichtbar sind. Beide W eiber haben weisse Schürzen, rothe Strum pf schäfte
(vgl. 449) und Lederschuhe.
Übrigens gibt Ruszwurm von den früheren schwedischen
in Dagden folgende ergänzende Nachrichten (Eibofolke I I S. 59):
461.
Das H aar wird in zwei Flechten geflochten, die wie bei den estnische
W eibern am Scheitel festgebunden werden (vgl. 439).
Das die
d. h. Flechtenbänder verbindende Band, estn.
, ist gelbroth
flät-tanu,
lapiti tanu
ärmar
.käiized
püsti tanu
tippal,
palmiku ännad
kurrdussärk
vaskvöö
rölmd
skiätt
att
todn
vaskvöö
rändat rokk
röhud
toot
Tcüitkuub
Trachten der Weiber
tippal
und wird
vahelik
skerva genannt.
72
Bild ( —44),
Schivedische Tracht (Dagden).
N :o
462—474 .
re lü,
462. Zu Hanse tragen die Weiber eine kleine rothe Mütze
deren Pelzbesatz
ans schwarzem Schafsfell besteht, der M ützenkopf aber roth ist. (Vgl. T. X X I 6; diese
Mütze stammt ans Worms nnd ist ein Kleidungsstück, das ich bei den Esten nicht
angetroffen habe).
hiübänd
463. Zur F esttracht der Mädchen gehört
(vgl. X X 12), einem offenen
Cylinder ähnlich; als Unterlage dient Carton oder Birkenrinde, ist wie die Brantkrone
geschmückt, aber hinten niedriger nnd ohne Bänder.
464.
(plattd. dweele) ein weisses Tuch, das die W eiber, wenn sie zur
Kirche gehen, auf den Kopf binden nnd damit W angen nnd Ohren bedecken. Die
Enden des Tuches hängen über den Schultern. Man sagt dass in Bocks das eine, ge
drehte Ende auch unter dem Kinn zu liegen kam. (Vgl. 650 nnd Trachtenbild 60).
465. Derartige Tücher wären nach K. auch
, estn.
aber das mag
wohl ein Irrthum sein, denn das estnische
sieht man, wie oben erwähnt bei dem
Weibe links im Trachtenbild 44.
Dvaü
att
hättar
liatid,
karbusa
466. Zur Bedeckung des Kopfes im W inter dient die
, deren Form ich
nicht kenne. (Auf Aland — wenigstens in Brändö wird eine Pelzmütze für Männer
„karbus“ genannt, die mit Ohrenklappen versehen ist und deren Pelzbesatz man herun
terkehren kann).
467. Spälsa ist estn. sölg Schnalle, in welcher rothe oder blaue Glasperlen
auar oder brännstainar sein können. (Vgl. T. X X V II 3 und 4).
468. Kamisol ist eine kurze Jacke aus Baumwollenzeug.
469. B. erwähnt auch eines miederartigen, ärmellosen Leibchens aus rothem
Zeug, das am A usschnitt um den Hals mit buntem Zeug, Perlen u. s. w. geschmückt ist.
(Derselbe erinnert an den
in Mustel, der auch roth sein konnte; vgl. 288. T. V 10).
470.
Beinlinge sind braun, an Festtagen werden rothe getragen.
abud
Läggiär
Kapetar sind kurze Strümpfe, estn. kapetad, der Farbe nach braun oder weiss.
D ie Strumpfbänder bunt).
SJcöar, estn. pastlad; masul-korkar Lederschuhe mit Absätzen aus Maserholz.
472. Störiakk Überrock aus braunem Fries mit Falten im Bücken. Im Winter
471.
trägt man einen Pelz.
Die Mannstracht der Schweden in Boicks war gleich der in W orms; sieh’ Trach
tenbild 46.
An beiden Orten ist dieselbe der estnischen sehr ähnlich.
473. Vor ungefähr hundert Jahren trugen die M änner einen schwarzen dreiecki
gen Hut.
474.
Zwei Messer hängen an einem Gürtel, deren es drei Arten giebt:
mänta-
mältbält
1) Gewöhnlicher Ledergürtel, 2)
od.
ein gelber 3 —4 Zoll breiter
Sämischgürtel und 3)
schmaler Ledergürtel, an den 40—50 Messingbeschläge
angemacht waren, die zu den Feiertagen immer mit Asche und Kohle blankge
scheuert wurden.
rigsbälte
73
Blid 45. N:o (4 7 5 - ).
Schwedische Tracht (Worms).
II. Worms.
dieselben der Grösse nach bald an
dem einen, bald am anderen Finger
getragen. In der linken H and ist
ein kleines rothes Taschentuch 498.
Bild 46.
(Nach ßuszwurm).
der Hochzeit.
Tanz auf
1. Der Mann oder Bräutigam
hat ein
weiss- und rothes Band um den Hut
(vgl. T. X IX 2).
Der Bock und die
H osen schwarzgrau (vgl. T. Y I 9);
weisse Strümpfe (sieh’ 511). Die
Armeiöffnungen
(vgl.
des
Bockes
507. T. V III 7).
blau
Ein rothes
Tuch am Halse, das unter dem Kinn
in eine Schleife gebunden ist. Der
Gürtel und die Bänder der Kniehosen
Ygl. 509 und 506.
Das Mädchen hat einen schwarzgrauen
Bock. Das Haar in die
geflochten. Sieh’ 490. Die Bänder
am Kopfe gelb und roth. Der Gür
tel von derselben Farbe. Die Bein
linge roth und die Strümpfe weiss.
Ygl. 500, 501.
buntgestreift.
2.
Bild 45.
Bild 45, abgenommen im H erbst 1901.
Eine Braut, die da hat:
Krone 493. T. X X 5.
Haarflechten 490. T. X Y I 4.
Hemd 478. T. IY 8.
Schwarzen Hock, vgl. T. IY 3 und sieh’479.
Bluse (vgl. T. I II 10), zu der eine Breze
und rothe Schleifen gehören.
Schürze, mit rothem Band am oberen
Bande. Ygl. 497.
Gürtel 480.
W eisse Strümpfe.
Bothe Beinlinge nebst Strum pfbändern 502.
Pastein 503.
einen B ing am Mitteigefinger der rechten
H and und zwei am Zeigefinger der
linken Hand.
Übrigens werden
3.
slcarwtuppar
Die Braut hat eine Krone auf dem
Kopfe; vgl. 493. T. X X 5. An der
Bluse (vgl. 482) eine Breze, sieh’
485. Die Beinlinge und auch die
Strüm pfe roth.
4.
Ein Mann, von oben bis unten schwarz
grau, ausser dem Kragen, der blau
ist, vgl. darüber 507.
5.
D er Bock der 5:ten Person, des Geigen
spielers, ist schwarzgrau mit blauen
Ärmelöffnungen und Knopflöchern;
die H osen und Strümpfe sind weiss,
oder vielleicht grau.
74
Bild 46. N:o 475—477.
Schwedische Tracht (Worms),
Bild 46.
Bild 47. (Nach Ruszwurm).
1. Das Weib hat einen dunkelblauen
2.
3.
4.
mit rothgelbem Gürtel umbundenen
Kittel (vgl. T. X 2), unter welchem
am Halse ein rothbuntes Tuch. Der
Rock von derselben Farbe. Vgl.
479. Rothes Käppchen (vgl. T. X X I
6) auf dem Kopfe.
Das Kind hat ein gelbes Kleidchen
(vgl. T. Y 2).
Haube und Halstuch
sind roth.
In gleicher Tracht wie das erste.
Auf dem Kopfe eine weisse Haube
(vgl. 495. T. X X III 12), von der
rothgelbe Bänder herabhängen. K ur
zes Armeileibchen (vgl. T. Y II 16, an
dem doch der Einschnitt im Rücken
verschwunden ist). Der Rock von
derselben schwarzgrauen Farbe wie
die übrigen Kleider. — Alle W eiber
haben rothe Beinlinge; das letzte
derselben hat ausserdem noch weisse
Strümpfe und Pastein.
Frauentracht.
Döpmiss
475.
— T. X X II 1 — Taufhaube aus drei Stücken rothen Merino
verfertigt und mit breiten Goldbrokatbändern geschmückt; an den Rändern mit schmalen
blauen und weissen Bändern garnirt. 4002, 185. Die Alltagsmütze eines W ickelkindes
ist roth und blau.
476.
— T. Y 2 — gelbes wollenes Kleidchen für ein kleines Mädchen,
RoTck
mit schwarzen Streifen und Falten; die Brust, der Ausschnitt am Halse und die Ärmel
4002, 189.
— T X X I 1 — eine Mütze für Mädchen in der A rt einer finn.
„patalakki“. Der M ützenkopf ist aus sechs dunkelblauen Zeugstücken
zusammen
gesetzt. Aus sechs Stücken besteht auch das weisse Futter. An den Nähten sind gelbe
Zeugstreifen. Ein breites gezacktes K antband
(Krone) um die Haube ist ebenfalls
gelb. Scheint früher auch roth gewesen zu sein. Am unteren Rande ein schmales
rothes Band. Der K nopf ist aus Zeug von derselben Farbe wie die übrigen Theile
der Mütze. 4002, 153.
öffnungen roth.
477.
Ygl. 504.
Tupplü
gairar
Jcrun
75
Schwedische Tracht (Worms).
Bild 47. N:o 478—481.
Ündesärh
478.
— T. IY 8 — Unterrock oder Hemd aus drei Stücken W erg
leinewand. Falten ringsherum, aber nicht vorn. An dem miederartigen Obertheil
sind Achselstückchen
4002, 179. Der evudail kann auch ein beson
deres Kleidungsstück bilden.
479.
oder
— T. IY 8 — Kock aus fünf Stücken Halbwollenzeug;
dunkelgrau; Falten ringsherum, ausser vorn. Um die Taille sehr weit; an dem Rockquerl kommt kein Schlitz vor. Der miederartige Theil ist roth, aber am Ausschnitt
um den Hals ist ein blaues Band
4002, 180. F rüher war der Bock immer
schwarz, aus Wolle und am Saume mit einem gelben Streif
oder
geschmückt.
A uf Hochzeiten trugen die B raut und die B rautjungfern blaue Kleider. (4002, 181).
(Ruszwurm. Eibofolke. I I S. 265).
480.
— T. X X X 9 — ein aus bunten (rothen, grünen, gelben und
evudail
häddana.
Ütäsärlc
tiöl
umstämm.
ai
nai
Umland
blauen) Fäden gewebter Gürtel.
Krähenfüsse.
An dem einen Ende sind drei Flechten oder
Mit diesem Gürtel bindet man das Mieder
leräkfötar
des Rockes um die Brust.
D ie Länge beträgt 1,33 Meter, die Breite 2,3 Cm. — 4002, 169.
Ruszwurm sagt, die Gurte werde mehrere Male um den Leib gewunden, woher
die Mädchen bucklig zu sein scheinen. Dieselbe Gewohnheit haben auch die Mädchen
auf M ohn; sieh’ 235.
481.
— T. Y II 16 — kurze W eiberjacke aus schwarzem Fries.
PällroTclc
Päll
d. h. Falten mitten auf dem Rücken und an
76
den Seiten.
Mit gekauftem blauen Tuch
Bild (
Schwedische Tracht (Worms).
um den Hals und an den Ärmelöffnungen garnirt.
Ösen und entsprechende Knöpfe.
Armar
nirt.
47). N:o 482—492.
Yorn sieben rothe
smältar d. h.
4002, 182.
482.
— T. III 10 — Ärmel oder Bluse aus grober Leine wand, ungarKalten an den Ärmelöffnungen und am Halse. 4002, 157.
483.
Krua — T. III 13 — Kragen aus feiner Leinewand mit Broderien in
weissen Mustern.
484.
4002, 159.
Breske — T. X X Y II 9 — Breze oder Schnalle aus Silber, vergoldet.
Die
Breite beträgt 4 Cm. 4002, 205.
Süle ist auch der Name einer Schnalle; wenn an derselben Glasperlen
sind, wird sie klakksüle genannt.
486. Ringg — T. X X V II 25 — Silberring mit breitem Schildchen. 4002, 206.
487. Krällar Halsperlen bestanden früher aus Granaten oder aus W achs und Glas.
488. Orokil — T. X 2 — Frauenkittel aus schwarzem Fries. (Nach Freudenthal-Vendells ..Ordbok“ wäre grokil, deutsch Kittel, ein Männerrock). Gair d. h. ein K eil
485.
streckt sich unter dem Ärmel hinab, bis zum Saum. Die Vertiefung zwischen den Falten
mitten auf dem Bücken wird
genannt. Der Kragen macht einen tiefen Einschnitt
mia
in den Bücken.
umstämm , ist halb roth, halb blau. An beiden
ärmstclmm. Um den Überrock wird
Das Einfassband, Namens
Ärmelöffnungen ist ein gelbes und rothes Band
eine Gurte gebunden (ebenso wie um das Männerwamms 508), sieh’ Trachtenbild 47.
4002, 183.
Kunukask
489.
— T. I 14 — W eiberpelz aus Schafsfell. Der Bücken gefaltet.
Am Saum ein breiter Band aus gekauftem blauen Zeug. 4002, 184.
Skarwtuppar
490.
— T. X V I 4 — Haarzotten werden aus zwei Wollenbändern
gemacht, von denen das eine breiter und von gelber Farbe, das andere schmäler und
roth ist.
Zeug.
In das breitere d. h. gelbe Band näht man eine W ulst (a) aus farblosem
Das rothe Band (b) streckt sich wie ein Streif über das gelbe.
der Bänder (c) ist keine W ulst; da sind also nur die farbigen Bänder.
In der Mitte
Diese Vorrich
tung wird folgendermaassen ins Haar geflochten: Der mittlere Theil derselben (c) wird
in den Nacken gebogen, und das Haar, welches in zwei Theile getheilt ist, wird längs
den Bändern gerade gespannt und darauf mit Garn und einer dünnen Haarzotte um
wickelt. Beide tuppar sind also „spiralförmige*1 Haarzotten, welche dann an beiden
Seiten des Gesichtes unter den Ohren über die W angen gewunden sind, wornach die
Enden der Haarzotten stramm gebunden werden.
Hiebei giebt man Acht, dass das
schmale rothe Band auswärts sichtbar sei, denn das Haar darf nicht zum Vorschein
Im Nacken hängen Bänder.
W enn ein Mädchen 12 bis 13 Jahre alt ist,
bekommt es zum ersten Mal Haarzotten.
Bei den Bräuten ist das eine Ende der Haar
kommen.
zotten an der Krone befestigt.
491.
4002, 150.
Härbänd — T. X V I 5 — ein rothes Band, das an beiden Enden mit
B rokat geschmückt ist. W enn ein Mädchen auf Hochzeit gehen will, bindet sie dieses
Band um die Enden der Haarzotten herum an dem Scheitel fest. Die Enden des Bandes
hängen im Bücken. 4002, 151.
492.
— T. X X 12 — Kopfband aus ungefähr 10 Cm. breitem schwar
Hübänd
zen Sammt, das auf runde Pappe gespannt ist.
77
Das Bündel ist von innen offen d. h.
Schwedische Tracht (Worms).
Bild ( — 47). N:o 493-505.
der Kopfbedekung fehlt der Kopf. H inten flattern gelbe und rothe Seidenbänder. Die
Mädchen tragen diese Kopfbedekung an Festtagen auf den skarw tuppar’n (490). 4002, 152.
493.
— T. X X 5 — aus rothen Seidenbändern und Brokatspitzen
verfertigte Brautkrone. Die Stirnstelle ist mit einer Menge rother und weisser Glas
perlen geschmückt, im Nacken hängen 9 rothe Seidenbänder und aufwärts erhebt sich
eine Feder. 3002, 170.
494.
oder
— T. X X I 6 — rothes Käppchen, Mütze der W eiber an
W erkeltagen; der Pelzbesatz besteht aus schwarzem Schafsfell und der K opf des
Käppchens aus rothem Zeug. Als Unterlage des Pelzbesatzes dient Carton, aber in den
M ützenkopf wird Stroh geflochten. Dieses K äppchen wird der B raut auf den Kopf
gesetzt, wenn die Hochzeit zu Ende geht. D arüber wird noch ein rothes Tuch gebun
den, welches jedoch nicht den V orderrand des Käppchens bedecken darf. Das Tuch
w ird unter dem Kinne zugebunden. 4002, 154.
495.
— T. X X III 12 — Haube der W eiber bei festlichen Gelegenheiten,
Brüseppal
Lü.
re lü
Tann
besteht aus einem Stück weissen Zeuges und ist ringsum brodirt.
und rothe Seidenbänder. 4002, 156.
496.
gelenk bunt.
Hinten hängen gelbe
Hangfcler (Sing, hangkul) Fingerhandschuhe, roth und schwarz, am Hand
D ie Braut und der Bräutigam tragen sie weiss.
FerJcul
497.
, wahrscheinlich nur von der Braut getragene Schürze, ist weiss und
bisweilen am unteren Bande mit rothem Band und Spitzen garnirt.
näsaduk
498. Ebenso scheint auch nur die B raut m it einem Schnupftuch
ver
sehen zu sein, das sie in der Hand hält. Es ist von rother Farbe, ebenso wie die
Schleife an der Schnalle ihrer Bluse. (Trachtenbild 45).
Bindpungg bunter Beutel, der beim Stricken am Arm getragen wird.
Läggiar Beinlinge sind roth, aber
501. SuJcJcar kurzschäftige Strümpfe weiss.
499.
500.
D ie Braut allein kann auch rothe Strümpfe haben; sieh’ Bild 463.
502.
Lctggebänd Strumpfbänder sind aus weissen, blauen und rothen Zeugbän
dern zusammengenäht.
Werden mit einer Schnalle
modern. Sieh’ Trachtenbild 45. 4002, 176.
503.
D ie ledernen, leichten Sandalen heissen
zugemacht.
Verhältnissmässig
slcüar und deren Bänder sköfenggiar.
Männertracht.
504.
RoTck — vgl. T. V 2 — blaues wollenes Kleidchen für kleine Knaben
ohne F alten und am Bücken ohne Saum; die Brust, der A usschnitt am Halse und die
Armeiöffnungen roth. Vgl. 476. — F ü r ganz kleine Knaben kann das Kleidchen auch
gelb sein.
505.
— T. V I 9 — Kniehosen aus zwei Stücken schwarzen Fries.
Das B andband am Querl reicht nicht um den Leib herum, sondern die Klappe dient
als Fortsetzung desselben. 4002, 198.
Der Geiger im Trachtenbiid 46 hat weisse Kniehosen.
Knoebiksar
78
Schwedische Tracht (Worms u. Nuclcö).
506.
Bild ( —47). N:o 506— 511.
Knoeband — T. X IY 3 — Knieband, mit dem die Hosenbeine der Knie
hosen festgebunden werden. Es ist aus gelben, rothen und blauen Fäden geflochten.
An beiden Enden ist ein dreifacher H ühnerfuss
4002, 192.
507.
— T. V III 7 — kurzer M ännerrock (niederd. Paltrock) aus
schwarzem Fries. Die Nähte der Schösse sind offen. Die Ärmelöffnungen blau. (Nach
Ruszwurm könnte ein solcher Rock einen blauen Kragen haben, sieh’ Bild 4 6 4 ).
Der oberste K nopf wird nie zugeknöpft, damit das aus rother Wolle gestrickte Halstuch
besser zu sehen ist. (Sieh’ den Bräutigam im Bild 46). 4002, 199.
508.
— T. X 8 — Wamms aus schwarzem Fries. Mitten am Rücken
ist eine Falte, deren herausstehende Spitze a nach innen gekehrt ist. W ird unter dem
Kinne mit einem Bande und an der Taille mit einem Gürtel geschlossen, wonach zufällige
Falten am Rücken entstehen. 4002, 2 0 1 .
509.
Gurte ist gewebt und weiss-, roth-, gelb-, grün- und blaugestreift. Die
Länge beträgt 2,8 Meter und die Breite 0 ,15 Cm. Bei feierlichen Gelegenheiten werden
vollkommen gelbe Gurten getragen. 4002, 191.
510.
— T. X IX 2 — Filzhut, schwarz mit rothem Band und B rokat
schnüren geschmückt. W ird vom Bräutigam getragen. In früheren Zeiten war dies
das einzige gekaufte Kleidungsstück. 4002, 196.
511. Die Kirchen(finger)handschuhe sind braun und die Strümpfe des Bräutigams
weiss; Andere tragen sie braun oder grau.
hinsbain.
PaltrokTc
Yams
Bält
Filthatt
III. Nuckö.
Bild 48.
(Nach Ruszwurm).
Arbeitsleute.
1. Der Mann:
H at auf dem Kopf eine A rt Troddelmütze, weiss mit blauen Streifen (vgl. T.
X IX 10). Am Halsausschnitt des Hemdes ist eine kleine Schnalle. (An Feiertagen
hat er ein rothes oder blaues Tuch am Halse). Der kurze Rock ist braun, die K nopf
löcher blau (nach R .’s Erklärungen roth) und die Gurte roth. U nter dem Rock kann
eine blaue oder bunte W este sich befinden, an der zwei Reihen Knöpfe sind, die bis an
das Kinn zugeknöpft werden. (Offenbar hat dieser Mann keine Weste). Die K nie
hosen sind sichtbarlich aus Leinewand (der E rklärung nach braun). Die Beinlinge braun.
Nach Ruszwurm (Eibofolke I I § 266) sollen die Männer auf Nuckö früher
einen dreieckigen Hut, „Dreim aster“ getragen haben, der zuletzt in Odinsholm gesehen
war. Ob derselbe von derselben Hauptform ist wie der in Fickel angetroffene und
in T. X X I 15 abgebildete, weiss ich nicht. (Sieh’ auch 473).
2. Dem Knaben fehlt der rothe Gürtel; auf dem K opf hat er eine blaue P la tt
mütze mit rothen Rändern und Nähten. Vgl. 477. T. X X I 1.
3. Das die H arke tragende Weib ist in ein braunes, kurzes Leibchen gekleidet,
das, was die Länge und den H alsausschnitt betrifft, der Jacke 524 — T. V II 5 — am
meisten ähnlich sieht, von der es sich jedoch durch die Taillenbildung unterscheidet.
79
Bild 48. N:o 512— 515.
Schwedische Tracht (Nuckö).
Bild 48.
U nter dem Leibchen hat sie ein blaues Tuch um den Hals. Der Hock ist gelb- und
grüngestreift.
4. Das andere Weib hat eine Mütze mit blauem M ützenkopf aufgesetzt. (Vgl.
521. T. X X I 8); ferner trägt sie eine weisse Bluse und einen schwarzgrauen Rock.
Beide W eiber haben rothe Beinlinge.
Frauentracht.
512.
513.
Shiótt Hemd ist gleich dem auf W orms gebrauchten. Vgl. 478. T. IV 8.
BresJce — T. X X V II 18 — Ringschnalle oder Breze aus Silber für das
Frauenhem d. Ohne Zierathen. 3 Cm. breit. 4002, 143.
Bisweilen kommen an der Halsöffnung des Hemdes sogar zwei Schnallen vor,
in welchem Fall an der oberen gewöhnlich ein Silberrubel
hängt (Ruszwurm). Vgl. 541.
514.
Rock, von zweierlei A rt: der eine
, an welchem die
blauen, rothen u. a. Streifen längs dem Rocke d. h. von oben hinab laufen, der andere
, der Querstreifen hat. Vgl. 278.
Alle im Museum zu Hclsingfors befindlichen Röcke sind kurz d. h. ohne Mieder
(vgl. T. IV 19).
515.
Bluse ist auch gebräuchlich gewesen, obwohl dieselbe in den
Sammlungen nicht vorkommt. Hieher gehört auch eine Breze mit 6 Glasperlen
gribbarubl
Kiól
länggsmoe Mól
fatt eve Mól
Evudail
brännstainbreshe (R.).
80
Bild ( —48). N:o 516—52h.
Schwedische Tracht (Nuckö).
Glasperlen am Halse sind entweder kantig und roth, oder rund und
blau; ausserdem dient zum Schmuck des Halses und der Brust ein buntes Tuch , und
516.
Die
wenn man zur Kirche geht auch noch eine rothgrüne Schleife.
(R.)
Felkur oder ferkul Schürze aus blau- und weiss gestreiftem Baumwollen
zeug bomullstet. (Vgl. T. V 19, aber ohne Verzierungen nach unten). 4002, 138.
517.
Früher war dieselbe bei feierlichen Gelegenheiten weiss uud wurde nur dann
von den Mädchen getragen.
518.
Sitask — T. IV 23 -— Seitentasche, aus roth-, schwarz- und braunge
streiftem Rockzeuge, mit einem geflochtenen, bunten Gürtel.
4002, 134.
519. Im Anfang des neunzehnten Jahrhunderts scheint die Verfertigung von
Flechten (Haarzotten) ebenso wie in Worms vor sich gegangen zu sein. Späterhin
flochten alle Frauenzimmer ihr blondes Haar zu einer Flechte, die frei am Rücken
herab hing, und mit einer rothen Schleife endete.
520.
Die Weiber trugen früher eine Mütze
tilpplü, die einer Plattmütze (finn.
patalakki) ähnlich war (T. X X I 1), wie heut zu Tage bei den Kindern in Worms.
Nuckö war diese
Plattmütze jedoch mit Messingknöpfchen versehen.
(Eine
In
solche
Mütze wurde zu Ruszwurms Zeiten in der Kirche von Nuckö verwahrt, als Erinne
rung daran, dass der Blitz in den Knopf eingeschlagen und die Nähte der Mütze auf
gerissen, aber das W eib selbst, das sie trug, nicht geschadet hatte.
521.
(Eibofolke II § 268).
Lü — T. X X I 8 — Pelzmütze, deren Besatz stamm aus schwarzem
Schafsfell besteht.
Das Futter ist aus ebensolchem Fell.
Der Mützenkopf ist mit Tuch
überzogen, welches zum Theil, wie an der Plattmütze, in Keile geschnitten und von
blauer Farbe ist.
Deshalb wird diese Mütze auch
den Spitznamen Aftermütze
bla lü genannt.. Dieselbe scheint auch
ramplu zu haben. Im Nacken hängen grüne Taftbänder.
Diese Mütze wurde sowohl von Mädchen als Weibern zu Hause ohne Nackenbänder
getragen; nur wenn man zur Kirche fuhr, befestigte man Bänder von verschiedener
Farbe an dieselbe.
522.
4002, 124.
Miss — T. X X III 6 — Haube, von estnischer Form, eine Art Korbmütze
und (von der Seite gesehen) mit spitzem Mützenkopf.
Wird von den Weibern getragen.
stamm und am Rande, um das Gesicht herum mit Spitzen
strcem (estn. trciämel) geschmückt. 4002, 125.
523. Lloka iakk — T. V III 6 — eine (im Rücken) glatte Jacke aus schwar
Mit Brokat, einem Seidenband
zem Fries.
Eine Falte hinten an beiden Seiten des Rückens.
Die Benennung dieser
gairhüer (gair = Keile, hü = Kopf). 4002, 140.
524. Läsu iakk — T. V II 5 — Jacke aus blauer Halbwolle. Lasur d. h. Falten
durch Keile veranlassten Falten ist
hinten mitten am Rücken und an den Seiten. 4002, 139.
525.
glattes Wamms aus braunem Fries, glatt im Rückenspiegel;
an beiden Hüften 4 Falten
von 3 Keilen veranlasst, deren äusserste Spitzen nach
innen gekehrt sind, die also nicht wie im Überrock T. IX 9 auswärts in die Höhe ge
richtet sind. Im Übrigen ist diese Form mit der in T. IX 6 näher zu vergleichen,
aber am Nuckökleidungsstück ist der K ragen niedriger. Längs den Rändern laufen
an der inneren Seite blaurothe Fäden. 4002, 141.
Flokaivams
läsur,
81
¡Schwedische Tracht (Nuckö u. Röginseln).
Bild 49. N:o 526-827.
Läsu ivams — T. X I 6 — ein pelzartiges Kleidungsstück aus schwarzem
Fries für W eiber. Um die Taille sind Falten läsur. Der Gürtel ist angenäht. Der
Obertheil des Rückens ist aus drei Stücken zusammengesetzt, deren Mitteltheil milasäti
heisst. Mit einem Kragen längge versehen. Falten kommen auch an den Schultern
vor. W ird mit drei Haken holcar und drei Ösen heslciar geschlossen. 4002, 142.
526.
527. Fingerhandschuh und Fussbekleidung überhaupt wie in
496, 500—503.
Worms.
Sieh’
IV. Die Röginseln.
up omm
um den Hals geschlungen d. h.
im Nacken festgebunden wurde.
Kragen, vgl. T. I I I 15.
Am Halse ist noch eine Geldschnalle 541.
T. X X IV 17.
Hemd 528. T. I 2.
Jacke 533. T. V III 11.
Rock 531. T. IV 19
Gurt.
Schürze, vgl. T. V 18.
Strümpfe, schwarz, vgl. 546, und
Leichte Schuh’ 543. T. X X IX 5.
Bild 50. (Nach Ruszwuvm).
Tanzgesellschaft.
1. Der den Dudelsack pfeifende Mann
ist vom Kopf bis zur Zehe schwarz
braun gekleidet.
2. Das Mädchen hat Haarzotten nebst
Bändern auf dem Kopfe. Vgl. 536.
B rodierte Bluse. Vgl. 529. T. I I I 8.
D arunter ein rothes Tuch. Mitten
auf der B rust eine Geldschnalle.
Vgl. 541. T. X X IV 17. Über den
Schultern ein rothgelbes Tuch, dessen
Enden unter den Gürtel gesteckt
sind. Der Rock ist beinahe schwarz
m it gelbem Saum. Vgl. 531. T.
IV 19.
Strümpfe, roth.
Bild 49.
Bild 49.
(Abgenommen am
H erbst 1901).
Platze
im
Mädchen in Pestkleidung.
Haarzottenilechten 536 — T. X V I 7 —
nebst Bändern auf dem Kopfe.
Perlenschnur mit daran gehängtem Rubels
stück. Vgl. 540. Rothes Halstuch
, das früher zweimal
upomm hassdük
82
Schwedische Tracht (Roginseln).
Bild 50. N:o 588-531-
Bild 50.
3.
Weib mit einer Haube auf dem Kopfe,
sieh’ 539.
ein
4.
Unter der grauen Jacke
weissgetüpfeltes
blaues
Tuch.
5.
Gurt nicht sichtbar.
Mann in
hellgrauer Kleidung, mit
Messingknöpfen am Rocke. H ut und
Stiefel schwarz.
Mädchen, gekleidet wie 2, mit Bändern
Blau- und weissgestreifte Schürze.
im Nacken und
am
Strümpfe, blau.
Zipfel des Halstuches.
Rücken
ein
Frauenkleidungo
528.
529.
SärJc — T. I 2 — Frauenhem d aus grober Leinewand, ohne Ärmel. 4002, 100.
Ivädäil (schw. öfre del, Obertheil) — T. III 8 — Obertheil oder Bluse
aus Leinewand; rundum gefaltet. Die mit rothen Broderien geschmückten Achselstück
chen heissen
(hcedd = Schulter; räim = Riemen). Die Ärm elränder
sind auch brodirt. Ebenso der K ragen
Der Rand des Rückenstückes ist
jedoch der eleganteste Theil der Bluse. In der Mitte ist da eine Hohlnaht
und zu beiden Seiten derselben weisse Spitzen, von denen die obere
und die am
unteren Rande nur
(Geklöpeltes) heisst. 4002, 71.
530.
— T. I I I 15 — weisser Halskragen für Mädchen. 4002, 94.
531.
(estn.
— T. IY 19 — Rock ohne Mieder, aus vier Stücken
schwarzen Wollenzeuges genäht, gefaltet, aber nicht vorn. Zu diesem Zweck wird der
Rock, nachdem die Falten zusammengenäht sind, zwischen heissen Broten gepresst. (Vgl.
551). Die gepressten Fäden sind hie und da am ganzen Rock noch nach, der neu und unge
braucht ist. Bloss am Saume ist ein lila, ein blaues und gelbes Band, von denen das
letztere
(estn.
heisst. 4002, 101.
hcedd räim
stämm
lerova.
räm
Tcnittingg
HässTcrowa
Imcirh
ümbrik)
aj
ärm-
ai)
83
hälsäum
BiU ( —50). N:o 551—538.
Schwedische- Tracht (Roginseln).
531 b. Früher trugen die "Weiber hübsche Gürtel, die an beiden Enden in
verschiedenen Mustern gewebt waren. (Das H elsingforser Museum befitzt deren über 50).
532.
— T. Y 18 — Schürze aus weissem Baumwollenzeug mit bunten
Figuren
geziert. Das Band, an dem die Schürze hängt, sowie auch die Falten
sind fest. 4002, 95.
533.
— T. V III 11 — kurze Jacke aus schwarzem Wollenzeug. 400, 102.
Skädük
uposäum
534.
Ialck
Kiöl — T. IX 6 — Frauenkittel aus schwarzem Fries mit vier Falten an
beiden Hüften; die hervorstehenden Spitzen nach innen gekehrt; der stehende Kragen
heisst
Jcrova. Wird mit drei Paar Haken hoJcar und smälter an der Brust geschlossen.
4002, 103.
KasTc
535.
— T. X I 3 — weisser Schafspelz für Frauen. An den Borten, an
der B rust und auf den Schultern mit rothen Safianstreifen geziert. 4002, 104.
536.
— T. X V I 7 — d. h. aus blauen, gelben und rothen Fäden
Fasta tuppar
geflochtene feste Haarzotten.
geflochten;
Früher, sagt man, wurden diese Fäden direkte ins Haar
diese Prozedur wurde jeden Morgen erneuert.
Damals wurde das Haar
zuerst mit einer Leinbürste gekämmt und im Nacken getheilt, woran die Fäden mittelst
einer Haarlocke befestigt wurden.
Das waren s. g.
löstuppar lose Zotten. In jetziger
Zeit gebraucht man jedoch feste Zotten d. h. solche, die festgebunden sind, vor dem sie
auf den Kopf gelegt werden.
Mit diesen geflochtenen Zotten bedeckt man den Kopf eines
Mädchens zum ersten Mal, wenn es 14 oder 15 Jahre alt geworden, nachdem das Haar
zu einer Flechte um den Kopf abgesondert ist.
W enn die tuppar auf den Kopf gelegt
sind, bindet man eine Schleife am Nacken, von welchem ausserdem noch zwei rothe
Bänder herabhängen.
536 b. Auf Hochzeiten und bei anderen festlichen Gelegenheiten bindet man
um den Kopf auf die tuppar weisse und rothe Bänder, Namens
oder
(sieh’
Bild 49), deren Enden im Nacken hängen (sieh’ Bild 50 s). (Denselben Namen haben
auch die Bänder am Hute des Bräutigams, sieh’ Ordbok, verfasst von A. O. F reu
denthal und H. A. Yendell S. 233). Gross Rogö. 4002, 54.
537.
— T. X X 4 — Brautkrone aus rothem Zeug, Brokat- und
tippar
tipper
Seppal
Seidenbändern, Fransen und Flitter, die an ein rundes Holzstück befestigt sind.
Das
beste Flitterwerk hängt am unteren Hände herab und bildet kugelförmige Knöpfe, von
denen 5 Filigranarbeit sind.
A uf ihnen ruhen blattartige Verzierungen, die ebenso wie
die Knöpfe grössten Theils aus vergoldetem Silber bestehen.
T. X X
6 —8.
Weiter
hinauf sind Spielmarken (Jetons), brakteatartige Verzierungen, in welche verschiedene
Figuren eingravirt sind (zwei einander gegenüb erb efindliche V ögel u. s. w.); noch höher
hinauf
Flitterw'erk in
Klein E ogö.
538.
Form
von
Strickbeerblättern
und
alleroberst
Glaskrystalle.
4002, 56.
Miss — T. X X II 6 — Haube aus einem Stück rothen geblümten Kaliko.
Die Naht der Haube ist ganz gegen die Gewohnheit am Scheitel und nicht im Nacken,
deshalb kommen am Scheitel und Kopfwirbel Falten vor. W ird von Mädchen getragen
und hat daher keine Spitzen, die nur an den H auben der W eiber Vorkommen. Jetzt
tragen einige Mädchen ausser der Haube auch tuppar (536), andere thun es nicht, 4002, 70,
— 84 — .
Schwedische Tracht (Roginseln).
539.
Bücl ( -5 0 ). N:o 539— 547.
Lü (PI. lüar od. lugiver) ist eine weisse Frauenhaube, von derselben Form wie
T. X X II 7, aber in der Richtung a —b kürzer. Am Rande mit Spitzen besetzt und bis
weilen mit weissen oder bunten Broderien und Pailletten
geschmückt. 4002, 58—69.
540.
— T. X X IV 1 — Silberkette. Die Fugen bestehen aus breiten,
einfachen Ringen. An dem einen Ende ist ein langer Haken, an dem anderen eine
Öse. 4002, 107.
540 b. Früher wenigstens w urden auch auf den Roginseln aus Glas- oder
Silberperlen zusammengefügte Ketten angetroffen, an denen ein oder mehrere Silberrubel
hingen. Der Name der Perlenschnur ist
litrar
Kide
541.
Icräll-länglce.
PcinenggbresTce — T. X X IV 17 — eine wahrscheinlich zur Bluse gehörende
Breze aus Silber. Deren Breite beträgt 32 Mm. D aran hängt ein Silberrubel mit
dem Bildniss Katharina II vom Jah re 1778. 4002, 108.
542.
(PI.
ein schwarzer Fausthandschuh, am Handgelenk
zusammengezogen (wie in T. X X V III 3) und nur da bunt geschmückt. 4002, 98.
543.
od.
(PL
oder
— T. X X IX 5 — ein aus Rindsleder
gemachter leichter Schuh (Pastel). 4002, 105.
Der Name der aus halbgegerbtem Rinder- oder Seehundsfell verfertigten
Schuhe ist nach Ruszwurm in W ichterpal
(Eibof. II § 269).
HangJcäl
Skö
hanghler)
sJcög
slcöar
sTcugwer)
häVeskuar
Zur Männertracht gehörende Gegenstände:
Knebiksar
544.
— T. V I 10 — Kniehosen, bestehen aus vier Stücken schwarzen
Frieses. 4002.114. Dazu buntgeflochtene Bänder
(Vgl. T. X IV 3). 4002, 114.
545.
brnkat bänder.
Hangkler — T. X X V III i l — 12 — von der Braut gestrickte Bräutigams
handschuhe; beide für dieselbe Hand.
Der obere Fausthandschuh (11) ist dunkelge
strickt; der innerhalb desselben befindliche ist weiss (12), gehäkelt und an der Öffnung
mit bunten Fäden geschmückt. 4002, 109 —110.
545 b. Die gewöhnlichen Handschuhe sind auch schwarz, gut gewalkt, aber
der Form nach wie T. X X V III 10. 4002, 111.
SuTck — T. X X V III 23 — Strumpf, ist schwarz und gut gewalkt. 4002, 112.
547. Skumcirk — T. X X IX 8 — Schuhbrett zum Schneiden des Leders. An
546.
dem breiteren Ende befindet sich die Seite für die Zehen.
In den Rand des auf dieser
snirJciar d. h. Schnörkel. Tivcengg d. h. Schnur
Seite befindlichen Leders schneidet man
wird in die Ränder des Leders eingefädelt.
4002, 117.
Vgl. Bild 67.
V. Runö.
Bild 51, abgenommen auf Runö im Juni 1902.
läge dient runder Carton oder rund
geschnittene Leinewand.
In den
Nacken hängen von der. Krone 15 bis
16 Seidenbänder herab. Am Halse
und an der Brust gegen 40 Schnüre
Brautpaar.
Die Braut hat: Brautkrone aus buntem
Glit-terwerk -verfertigt.
Als
Unter
85
Schivedische Tracht (Runö).
Bild 51. N:o (548— ).
K urzer Rock 584. T. V II 12.
Kurze Hosen 578. T. V I 7.
Blaue Fingerhandschuhe. Vgl. 595.
Blaue Strüm pfe und Schuhe mit Schnal
len (vgl. 600. T. X X IX 13).
Bild 52, abgenommen am Platze im Juni
1902.
1. Mädchen: bunte Haube 561.
T. X X II
3 und darauf ein quadrirtes Tuch,
das getragen zu werden pflegt, wenn
man zum Besuch geht. W ährend
der A rbeit wird das Tuch in den
Nacken gebunden. Unter der bunten
H aube ist eine andere, weisse, mit
Spitzen besetzte Haube 562.
T.
X X II 9.
Mieder vgl. 555. T. V 12.
Graues W ollenhemd, vgl. 586.
Schwarzgrauer Rock. Sieh’ 550.
Bild 51.
verschiedenfarbiger Wachs- und Glas
perlen. Vgl. 557.
A uf den Schultern unter den Perlen ein
seidenes Tuch, eine Bluse 549. T.
II 12, und ein Mieder 554. T. V 9.
Der Rock ist aus gekauftem Zeug und
von schwarzer Farbe, sieh’ 550.
Schürze
), geblümt.
An den Händen sind Halbhandschuhe 568.
Dunkle Strümpfe und Schuhe (Pastein).
2.
X X II 3, die mit einem um den Kopf
gewundenen Seidenbande befestigt ist.
Ein buntes Tuch am Halse.
W eisse Leinewandbluse, vgl. T. I I 12.
Mieder, dessen Schösse die Taille des
Rockes bedecken (beim ersteren
Mädchen bedeckte dagegen die helle
Rocktaille die Schösse des Mieders).
Geblümte Schürze.
(pöll
T. X X V III 8, ein Taschentuch und
R inge beinahe
Vgl. 566, 567.
an
jedem
Mädchen: Eine bunte Haube, vgl. T.
Finger.
An den F üssen rothe Strümpfe und schwarze
Schuhe; letztere sind neumodisch.
Halbhandschuhe an den Händen, vgl. T.
X X V III 8.
Der Bräutigam:
3.
breihatt
Sclw arzer H ut (
) mit Brokatbän
dern. Sieh’ 593. Ein seidenes Tuch
um den weissen Hemdkragen und
unter dem Kinn eine Schleife aus
gelbem Brokatbande.
Ein kleiner Knabe im grauen Kleid
chen und mit Schirmmütze (593).
4. Weib: Frauenhaube auf dem Kopfe.
Vgl. 564. T. X X II 8, darunter eine
mit Spitzen besetzte weisse Haube.
Vgl. 562. T. X X II 9.
86
Btlcl 52—53. N:o (548— ).
Schwedische Tracht (Runo).
Bild 52.
Ein
weisses Umlegetuch, vgl. 558 T.
X II 9, auf den Schultern. D ar
unter eine weisse Bluse.
5.
Das kleine Mädchen; eine bunte Haube
auf dem Kopfe und ein gestreiftes
Kleidchen am Leibe.
Bild 53.
Bild 53, wie das obige abgenommen.
Zwei Weiber stehen vor einer grossen,
X X II 8) auf dem Kopfe. Dieses
Tuch war früher schwarz und am
Scheitel gefaltet.
Dem anderen
Weibe fehlt sowohl dieses Tuch,
als auch das Umlegetuch.
Beide
ohne Silberzierathen.
alten Eiche; deren Tracht geht aus
dem obigen Bilde hervor. Das erstere
hat eine mit einem getüpfelten Tuche
bedeckte
(sieh’ 564. T.
Jcunamiss
87
Bild ( — 53). N:o 548-558.
■ ¡Schwedische- Tracht (Runo).
Weibertracht.
STciott
548.
Hemd, vgl. T. II 2. Der Obertheil besteht aus einem Leinewand
stück, in welches ein Loch für den Kopf geschnitten ist. Der U ntertheil ist aus grober
Sackleinewand. Die Brustöffnung ist zugenäht und wird nur zu der Zeit, wo ein
K ind gesäugt wird, offen gehalten. An den Schultern eine A rt von Achselstückchen,
jedoch ohne Broderien. 4106, 441.
549.
— T. II 12 — Bluse aus feiner Leinewand und von derselben
Armäpät
Form wie der Obertheil des Hemdes.
An die Brust, die ganz ohne Öffnung ist, sind
4106, 442.
550.
Bock, von derselbem Form wie auf den Eogöinseln in T. IV 19 und
gefaltet, ausser vorn. Die Qualität des Gewebes und dessen Farbe sehr verschieden.
Jedes W eib hat mehrere Böcke. Der Alltagsrock ist schwarzgrau;
Kirchen
rock ist dunkelblau mit einem weissen Streifen am Saume. Sie bestehen aus reiner
Wolle oder aus Halbwollenzeug. W ährend der Trauer trägt man einen schwarzen
Bock; ein mittelmässiger Bock kann violett sein, aber die B raut trägt einen Bock aus
gekauftem glänzenden Zeuge:
4106, 448—450.
551. Das Falten geht so vor sich, dass der Bock in heisses W asser getaucht
wird, wonach ein Theil desselben mit den Fingern gefaltet, dann zwischen zwei B rettern
aufgespannt und unter eine Steinpresse gelegt wird, avo man ihn trocknen lässt. Auch
nachdem der Bock trocken geworden, verw ahrt man ihn zu einem Bündel gebunden in
der Vorrathskammer. (Vgl.' 531).
552.
— T. II 7 — Bösen- öder Zierrock, ein weisses Wollenhemd,
einige Verzierungen genäht.
Särlc
JcirTcsärlc
kletsärk.
Rosivams
in welches grosse Quadrate und in diese Sterne gewebt sind.
der Ärmelöffnungen sind blau. 4106, 446.
553.
Ein anderes derartiges W ollenhemd ist blau
Bloss die Verzierungen
blä wams, an den Schultern
4106, 444.
Nach F. J., Ekman (Bunö S. 69) ist dessen Name
554.
— T. V 9 — Mieder aus gelb-, roth- und blaugestreiftem Kamelot.
und Ärmelöffnungen weissgetüpfelt.
kamisol:
Snevael
An den H üften sind verschiedene Lappen, die dazu dienen Falten zu bilden.
mit Haken und Schnüren geschlossen.
Wird
4106, 443.
555.
Snevcel — T. V 12 — Mieder aus buntgestreiftem Wollenzeug.
557.
Den Hals zieren auch mehrfache Bänder,
4106, 445.
556. Um den Hals und an der B rust trägt man zugleicher Zeit sogar mehrere
Tücher, weisse, rothe, seidene u. a. (4106, 429), je nach den verschiedenen Gelegen
heiten. Nach Fkm an (Bunö S. 71) gehört zum unteren weissen Tuch eine Schnalle aus
Silber oder bisweilen auch ein Schmuck aus Bernstein. Vielleicht taugen die Hemd
schnallen der Männer, sieh’ T. X X V II 14 und 20, auch für Weiber.
an denen mit rothem Glas
überzogene W achsperlen hängen, unter welchen auch einige Krystalle sich befinden.
4106, 432.
Hivitan veip
558.
— T. X II 9 — weisses Umlegetuch aus vierschäftigem W ol
lenzeuge; an einem Zipfel die Jahreszahl 1826, an einem anderen das Monogram K. E.,
88
Schwedische Tracht (Runö).
Bild ( -5 3 ). N:o 559—570.
mit blaugelbbraunen Fäden genäht, die sich auch längs den beiden kurzen R ändern
strecken. Die Länge beträgt 2,4 und die Breite 0 , 7 Meter. Im W inter werden zwei
Umlegetücher zusammengenäht. Gehört zum Feiertagsstaat. 4106, 447.
559.
T. X I 1.
560.
Im W inter tragen auch die W eiber einen Pelz, sieh’
Pöll Schürze ist aus Kattun und geblümt.
Tcask der Männer.
4106, 433.
Frauengürtel sind auf Runö ungebräuchlich.
561.
4106, 425.
Miss — T. X X II 3 — Mädchenhaube aus zwei bunten Kattunstücken.
Miss
562.
— T. X X II 9 — Haube aus einem Stücke weissen Zeuges, im Nacken
zusammengenäht und weiter oben (a) ein kleines Loch. Um das Gesicht herum mit
4106, 424.
Die Mädchen tragen sie unter ihrer bunten Haube (sieh’ vorige Nummer) und
die W eiber unter ihrer eleganten Staatshaube (sieh’ 564).
Spitzen besetzt.
563.
Sobald das Haar der Mädchen hinlänglich lang gewachsen ist, windet man
es (flicht es jedoch nicht) mittelst eines Bandes an den Hinterkopf.
Yermuthlich wird
schon früher eine Haube von der erwähnten Art dem Mädchen auf den Kopf gesetzt
(561).
Im Alter von 10 Jahren wird das Haar am Scheitel zu einem Puffe
tuppen auf
gebunden und von dieser Zeit an darf das Mädchen die mit Spitzen besetzte weisse
Haube (562) unter ihren bunten Haube tragen.
Kunamiss
564.
— T. X X II 8 — Weiberhaube aus zwei Stücken Seidenbrokat.
Der vordere Rand ist mit schwarzen Spitzen besetzt. In der Mitte ist sie rundherum
mit Seidenbrokatband (b) umbunden.
D ieses Band ist bei alten Weibern immer, bei
jüngeren nur während der Trauerzeit, schwarz.
deren hinterer Theil sich hutförmig erhebt.
D iese Haube wird so aufgesetzt, dass
Sieh’ Trachtenbild 532.
Ist über
100
4106, 426.
Die Ausschmückung dieser Haube richtet sich, was Eleganz betrifft, nach dem
Vermögen der Besitzerin. 4106, 427 und 430.
Jahre alt.
565.
A u f den Obertheil dieser Haube wurde früher ein buntes, noch früher ein
weisses Tuch gebunden, von dem ein Zipfel oberhalb der Stirn doppelt gekehrt war,
worauf das ganze Tuch der Länge nach dermaassen in Falten gelegt wurde, dass die
Falten sich von der Stirn in den Nacken erstreckten.
566.
Schildchen.
567.
4106, 437.
Ring — T. X X V II 39 — R ing aus Silber mit weissem Glas an dem
Am Boden des Glases sind gelbe und grüne Punkte.
Halvhangkcel (Pl. hangldu) — T. X X V III 8 — Halbhandschuhe, weiss mit
568.
schwarzen Broderien.
569.
4106, 436.
Ring — T. X X V II 21 — Silberring, glatt aber mit zwei Vertiefungen.
4106, 434.
Sulck — vgl. T. X X V III 27 — Strumpf, dunkelblau, mit Ausnahme der
Öffnung, der Zehen und der Hacke, die weiss sind.
rooso
Die später an den Schaft und Fuss
genähten Broderien
sind ebenfalls weiss. 4106, 438.
570. Nach Ekm an (Runö S. 69) tragen die W eiber in Runö an W erkeltagen
immer blaue Strümpfe, über welche
weisse Halbstrümpfe mit eingestrickten blauen
89
Bild ( — 53). N:o 571— 582.
Schivedische Tracht (Runö).
Broderien gezogen sind. An Feiertagen sieht man auch jetzt noch brodirt.e rothe
Strümpfe. Sieh’ Trachtenbild 51.
571.
(PI. —
— T. X X IX 6 — Kirchenschuhe oder Kirchenpastein,
aus hellbraunem, gegerbten Seehundsleder verfertigt, welches dem sämischen Leder
ähnlich ist. Die Bänder sind weiss, aus Wolle. 4106, 439.
Kirkskü
sJcuä)
D ie Alltagschuhe bestehen aus dunklem Leder.
572. An W erkeltagen tragen auch die W eiber, gleich den Männern,
sJcräflinga (599).
Mannstracht.
SJciott
573.
Hemd gleicht dem Hemde auf Mohn (T. I 11), ist aber ohne B ro
derien. Der Kragen hoch, an den Schultern Achselstückchen. Sowohl B rust als Ärmelöffungen werden mit Doppelknöpfen oder Schnallen geschlossen. W ird auch mit einem
Halstuch zugebunden, sieh’ 591. 4106, 467.
574.
oder
— T. X X V II 19 — Silberschnalle, herzförmig; für das
Mannshemd. Die Grösse 2 5 x 2 7 Mm. 4106, 454.
575.
— T. X X V II 20 — silberne Schnalle, eiförmig, aber inwendig mit
einem Thierkopf nebst herzförmigem Körper. An den Ösen hing wahrscheinlich F litter
werk, das geschwunden ist. Die Länge der Schnalle beträgt 39 und die Breite 26
Mm. Gehört zum Mannshemde. 4106, 455.
576.
— T. X X IV 9 — Doppelknöpfe aus Silber für das
Mannshemd. 4106, 452.
577.
— T. X X IV 8 — Doppelknöpfe aus Messing für das Hemd.
4106, 453.
578.
— T. V I 7 — Feiertagshosen aus drei Stücken grauen F ries’. Die
Benennung der Klappe ist
4106, 468.
578 b. F. J. Ekman sagt (Runö s. 68 und 137), dass das Ölgemälde, welches den
livländi sehen Herzog Wilhelm (f 1640) in Lebensgrösse darstellt und in der Kirche in
Runö aufgestellt ist, der Feiertagstracht der M änner zum Muster gedient hat. (Das
Originalgemälde hat der Superintendent dem Rigaschen Stadtmuseum übergeben. A n
statt dessen wurde für die Kirche in Runö eine Kopie vom Gemälde angeschafft).
579. Im Sommer werden auch weisse Leinewandhosen getragen, die im W inter
als U nterhosen gebraucht werden.
580.
— T. X IV 8 — Knieband, gürtelförm ig in Mustern gewebt.
Das M ustergarn ist braun. 4106, 462.
581.
— T. VI 5 — weisse Eishosen aus zwei Stücken Wollenzeug für
den Seehundsfang. An den Knien sind viereckige Lappen, um sie zum Kriechen auf
589 T. I 10
dem Eise dauerhafter zu machen. 4106, 475. W erden mit dem
getragen.
582.
— vgl. T. XV 10 — M annsgürtel aus gegerbtem Schweinsleder mit
Messingschnalle, an welcher der Dorn aus Eisen besteht, und woran Messer und Scheide
hängen. 4106, 465.
Breski
sölj
Solj
Haas(hals)knapp
Haasknapp
BiJcso
framma krugga.
Kncebuand
Ishuso
skiutvams
Bcelt
90
Schivedische Tracht (Runö).
Bild ( — 53). N:o 583—599.
Striput snevcel — T. T 7 — gestreifte W este aus schwarzweissem W ollen
zeug. Hinten ist sticett (Schwanz) ein Zeuglappen als Schweif. 4106, 472.
584. Sketuvams — T. Y II 12 — kurzes oder Schleppwamms aus Fries. Hinten
ein sticettlapp als kleiner Schweif, woher der eigentliche Name des Rockes hergeleitet
583.
sein mag.
Fries.
4106, 469.
Pusavams
585.
— T. I 13 — Beutelrock, ein kittelartiger Mannsrock aus grauem
Vorder- und Rückentheil bestehen aus einem Stücke Zeug. Der niedrige Kragen
und die Brustöffnung mit weissblauen Zeugstreifen besetzt.
Brust mit dem Buchstaben K. gemerkt. 4106, 470.
An der rechten Seite der
Stripuvams ist ein gestricktes, graues Wollenhemd. Durch das Stricken
stripu. Kommt auch bei W eibern vor.
587. Kask — X I 1 — Pelz aus sechs Schafsfellen. 4106, 474.
588. Kiöl — T. X 7 — Überrock aus grauem Fries. Um den Nacken ein
586.
streifig geworden
weissblaues Kantband. Am Saum und an der Rückennaht (an der inneren Seite) blaue
Fäden. Mit H. gemerkt. 4106, 471.
589.
SJciütvams — T. I 10 — Schiessrock, kittelartig aus weissem W ollenzeug.
Vorder- und Rückentheil bestehen aus einem Stück. Gehört zur Tracht der Männer beim
Seehundsfang.
An
die
linke Seite sind rektangulärförmige Keile gefügt.
An
der
4106, 477.
W ird mit den
getragen 581 T. V I 5. Zu dieser Tracht gehören
auch eine weisse W este, weisse Fausthandschuhe (vgl. T. X X V III 10), weisse Strüm pfe
und Schuhwerk aus Seehundsleder 599.
591.
(lett. dweels), weisses gestricktes Halstuch, 1,75 Meter lang und 0,25
Meter breit. 4106, 459. Der Bräutigam trägt ein seidenes Halstuch, sieh’ Trachtenbild 51.
rechten Seite der Brust ist eine Tasche.
ishuso
590.
Dvcegl
Skinnhatt
592.
— T. X X I 11 — lederner Hut. Der Besatz aus schwarzem, das
Futter aus weissem Schafsfell, der H utkopf von dunkelblauem Tuch. Der breite Theil
4106, 451.
593. Der Name einer mit einem gewöhnlichen Schirm versehenen Zeugmütze
oder
ist ein H ut mit breiten Krämpen.
des Besatzes kann hinabgezogen werden.
ist
snipuhatt
594.
Verzierungen.
spituhatt. Brceihatt
Pusahangkcel — T. X X V III 10 — weisser Fausthandschuh mit schwarzen
4106, 457.
Fingerhangklu
595.
Fingerhandschuhe sind schwarz mit rothen und gelben
Stickereien am Handgelenk. (Vgl. was die Form betrifft T. X X V III 4). 4106, 456.
596.
strickt.
Sukka Strüm pfe sind grau; mit Zwickeln kilu, Sternen und Rosen ge
4106, 461.
597.
Kapeto Halbstrümpfe, weiss mit schwarzem Streif an den Beinen. 4106, 460.
Im W inter werden 2 bis 3 Paar auf einmal getragen.
598.
leichte Schuhe sind aus Seehundsfell gemacht, aber von derselben
Form wie die in T. X X IX 6. D ie ledernen Bänder sind in gleicher W eise gefädelt.
Skua
4106, 464.
Skräfting
ga
599.
(PI. - ) — X X IX 9 — Fussbekleidung, die aus dem Hinterfuss eines
Seehundes verfertigt ist. Lederne Bänder. W ird während einiger Jahrzehnte in der rauchi
gen Vorstube getrocknet, vordem man dieselbe beim Seehundsfang anwendet. 4106, 463.
91
Bild ( — 53). N:o 600-601.
600.
Sivedische Tracht (Runö).
Sküspcen — T. X X IX 13 — bronzene Schuhschnalle, mit eisernen Dornen.
W ird nicht mehr gebraucht. Gehörte zur Festtracht nach der A rt Herzog Wilhelms.
(578 b; auf diesem Bilde sollen die Schnallen m it Diamanten geschmückt sein — nach
Ruszwurm, Eibofolke, I 53). Die Grösse beträgt 5 X 4 Cm. 4106, 440.
601. Nirgends in den Ostseeprovinzen habe ich Volkstrachten so reichlich im
Gebrauch gesehen wie in Runö. Besonders interessant war es die Gemeindeglieder
während des Gottesdienstes in ihrer kleinen Kirche sitzen zu sehen. Alle waren in
hübsche Nationalkostüme gekleidet. Die Frauenzim m er sassen vom Altar an dem Alter
nach geordnet: in den ersten Bänken Mädchen, in den folgenden junge Weiber,
hinter ihnen W eiber in mittlerem Alter, und in den letzten Bänken an der Thür
alte W eiber mit dunklen Hauben. J e weiter vom Altar, desto mehr verschwanden
Pracht und Jugend. Die andere Hälfte der Kirche nahmen die graugekleideten Knaben
und Männer ein.
Die Kirche auf Runö aus dem Jahre 1644.
Bild 54 - 55, N:o (602— ).
Lettische Tracht (Bartau u. Rutzau).
III. Lettische Tracht.
I. Bartau und Rutzau in West-Kurland.
Bild 54.
Zwei Mädchen in Brauttracht, aus NiederBartau (Nihze) in W est-Kurland. Abge
nommen an Ort und Stelle im Mai 1902.
Beide haben:
Krone, vgl. 617 T. X X 1.
Mieder, dunkelblau, an der Öffnung mit
Sammt garnirt und mit bunten
Knöpfen geschmückt.
Kock, vgl. 604. T. IY 22.
Hemd, an der B rust mit 6 Silberschnallen
geschlossen, vgl. T. X X Y II 11. Des
sen brodirter K ragen ist am Hemde
befestigt; auf den Schultern sind
auch Broderien. Ein kleines seidenes
Tuch um den Kragen, das unter
dem Kinn geknüpft ist. Eine feine
silberne Uhrkette auf der Brust.
Strümpfe mit weissen Schäften, vgl. T.
X X V III 26, und unter ihnen lange,
blaue Beinlinge, welche um die
Beine gewickelt sind.
Lederschuhe, vgl. T. X X IX 16.
Am Kücken hängt eine Flechte, an deren
Spitze ein stattliches Seidenband ist.
Blumen, Taschentuch und Gesang
buch in den Händen, wie man es
zu haben pflegt, wenn man zur
Trauung vor den Altar tritt.
N ur das eine Mädchen hatte zwei Ringe
am Mittelfinger der rechten Hand.
Das links (von dem Zuschauer) stehende
Mädchen hat ausserdem ein weisses
Umlegetuch
, mit 6 Schnallen
geschlossen, je 3 in zwei R eihen;
Sammtschleifen an den Schnallen-
Bild 54.
zungen.
Das willaine in NiederB artau ist gänzlich aus weisser
Wolle verfertigt und mit Fransen
besetzt, ohne weitere Broderien. Man
trägt es während der Trauung nur
im W inter. Das andere Mädchen,
das kein Umlegetuch hat, ist in der
Sommertrapht der Bräute.
Bild 55.
Zwei Weiber aus Nieder-Bartau.
willaine
Abge
nommen wie das vorige Bild.
Das eine von ihnen hat ein im Nacken
geknüpftes Tuch auf dem Kopfe.
93
Lettische Tracht (Bartan u. Butzau).
Bild 55—56. N:o ( —602).
Bild 56.
Bild 55.
ein Tuch, das, wie im vorigen Bilde,
um den Hemdkragen gebunden ist.
Die Conturen des festen Mieders
und des Bockes sind deutlicher als
in den vorigen Bildern.
F rüher wurde eine Haube getragen.
Beide haben gestrickte
od.
Ärmelleibchen an, vgl. 607. T. V II
2, und darunter ein Mieder. Eins
von den W eibern ist ohne Tuch
damit ihre Coiffüre besser zu sehen
wäre. Das Haar ist oberhalb der
Ohren in zwei Theile gesammelt und
mit einem Bande, dessen Mitteltheil
über den Scheitel geht, in zwei
Flechten geflochten.
D arauf sind
die Flechten über dem Kopfe zu
sammengebunden, wodurch über den
Schläfen, sowie bei den Setukesenweibern, Hörner
entstehen.
Icamsolis
Bild 57.
Eine Braut aus Butzau (Buzawa) in WestKurland.
Am Kopfe Seidenbänder; unter diesen
ist das H aar in zwei Flechten ge
flochten und um den Kopf gebunden.
genannte Kränze, sieh’ 617,
werden in Butzau nicht getragen).
Grünes Mieder 606. T. V 5.
Buntes Umlegetuch 611. T. X II 5 und
ein weisses Tuch 610. T. X II 2
über dem ersteren; die Schnallen
des oberen Tuches am rechten Arm.
(Wainags
ragi
Bild 56.
(Nach einer Photographie aus
Libau).
Weib aus Ober-Bartau (Bahrte).
Abgenommen im Sommer 1902.
A u f dem
Kopfe ein Tuch, am Halse ebenfalls
94
Bild 57 - 56. N:o ( — 602).
Lettische Tracht (Bartau u. Rutzau).
Das
ersterwähnte
Umlegetuch
ist
an der Stelle festgenäht, wo die
Schnallen des letzteren sich befinden.
Rock 605, dunkelblau.
Die
Fingerhandschuhe
sind weiss,
mit
Ausnahme der eleganten Handgelenk
stellen.
Bluse
609.
T.
I II
2.
Schnallen, wie 614.
4 kleinen
T. X X V II 16;
Mit
am Halse ein buntes Wollenband.
An der obersten Schnalle hängen
Bernsteinperlen
615
u.
616.
T.
X X IV 6 - 7 .
W eisse Strümpfe, unter denen Beinlinge
aus W olle um die Beine gewunden
und mit einem Band festgebunden
sind. Die Strümpfe sind ohne Bän
der. Die Schuhe aus Leder und
mit Sohlen versehen.
Bild 57.
Bild 58. (Colorirt und doppelt so gross gedruckt in der lettischen Zeitschrift „Austrum s“ vom Jah re 1892 N:o 9. V on M. Skruhsits gezeichnet. Links ist ein
Weib (eine Frau) aus Rutzau, rechts ein
Mädchen aus Nieder- oder Ober-Bartau.
Der frappantesteU nterschied zwischen
der ersteren derselben und dem Weibe
in Bild 57 besteht darin, dass hier um
den Kopf des W eibes ein Tuch in der
selben Weise wie im Trachtenbilde 60
(sieh’ 650) gebunden ist. Im Übrigen ist
ihr Mieder blaugrün; das Band am Rande
der Brustöffnung roth. Sie hat nur ein
am rechten Oberarm hängendes, weisses
Umlegetuch, das längs dem ganzen Rande
abwechselnd mit rothen und blauen S tern
stickereien geziert ist. Der Rock ist blau
grau; am Schosse ein rothes Band und
etwas höher zwei silberfarbene Bänder.
Auf die blauen Beinlinge sind Socken
mit bunten Öffnungen gezogen.
Bild 58.
95
Lettische Tracht (Bartau u. Rutzau)
Bild ( — 58). N:o 602— 609.
Das Mieder des Mädchens besteht ans rothem Zeug nnd ist an den R ändern
mit Silber brokatbändern geschmückt. Das Umlegetnch ist m it bunten Stickereien nnd
Fransen versehen. Der Rock ist von derselben Farbe wie beim Weibe, aber am Saum
hat er eine breite, rothe Borde.
Zn jetziger Zeit ist der Rock in Nieder-Bartau vollständig roth, sich’ 604.
Darüber, wie diese Veränderung vor sich gegangen, erw ähnt Skruhsits Folgendes: „In
Nihze (Nieder-Bartau) hat man angefangen mit der Zeit ganz rothe Röcke
zu tragen, obgleich sie vor vierzig Jahren nur einen schmalen rothen Streifen am Rande
hatten. Es ist interressant die Erklärung darüber zu hören, weil man daraus den
guten Geschmack des Volkes erkennt. Eine aus weiter Ferne nach Nihze verheiratete
F rau habe besonders schön roth zu färben gewusst, was in Nihze grosses Gefallen er
worben. Die geschickte Färberin habe ihre K unst mit Allen geteilt, und so habe sich
der rothe Streifen bei bruntschi immer vergrössert, bis sie ganz roth gew orden/4 (Aus
trums, 1892 N:o 9 S. 236).
bruntschi
Frauentracht.
KreJcls
602.
Hemd in zwei Theilen; der Obertheil aus feinerer, der Untertheil
aus gröberer Leinewand. Der Kragen, der mit schwarzen Stickereien geschmückt ist,
kann heruntergekehrt werden, vgl. T. I I 1. Die Schulterbroderien sind mit weissem
Zwirn auf graue Zeugstreifen
genäht und darauf als Schulter Stückchen an das
Hemd befestigt. Die kurzen Armeimanschetten haben schwarze Stickereien. W ird
mit einfachen Leine wandknöpfen zugeknöpft. Nieder-Bartau. 4106, 275.
603. Um den Kragen des Hemdes oder der Bluse wird ein buntes, wollenes
B and gebunden. 4106, 283.
604.
— T. IV 22 — Rock aus einem Stücke rothen Zeug; buntey
feine Streifen am ganzen Rock; am Saum ein Strick
, der den Rock ausweitet.
Nieder-Bartau. 4106, 276. — Heisst in Nord-Kurland auch
(ausgespr. rinduoaks).
605. Ein anderer Rock besteht aus dunkelblauem W ollenzeug und heisst
am Saum sind grüne Seiden- und Brokatbänder (vgl. Bild 58). Solche gestreifte Röcke
w urden früher getragen, jetzt sind sie roth (604). Rutzau. 4106, 295.
606.
(ausg. — kjis) oder
, auch
— T. V 5 — grünes
Mieder oder Leibstück; der Rückentheil aus einem Stück Zeug mit Falten an der Taille;
längs diesen Falten zwei rothe Bänder, deren einander gegenüberliegende Enden herunterge
kehrt sin d ; am Zwischenpunkt a ist nur die Falte (vgl. 624). Sonst als Schmuck an der
B rust und um den Hals Silberbrokat und schwarze und rothe Bänder. Rutzau. 4106, 296.
607.
T. V II 2 — Ärmelleibchen oder Kamisol, aus gestrickten
Stücken zusammengenäht. Broderien an den Rändern. Nieder-Bartau. 4106, 277.
608.
(?) oder
— T. V III 3 — grauer, wollener Sommerrock.
Mit schwarzem Garn brodirt; hat zwei Taschen; vier Falten an jeder Hüfte. Am Rücken
sind die bandartigen Broderien wie in T. V 5 und V III 1 gekehrt. Rutzau. 4106, 297.
609.
— T. I I I 2 — kurzes Hemd oder Bluse, am Kragen, an den
Schultern und an den Armeiöffnungen mit rothbraunem Garn brodirt. Zum Schliessen
siksnas
LindraJcs
pastote
rindoks
Lnustijcis
lihbstilcis
Kamsolis —
Kamsolis
bürste
Ihs krekls
96
bürste
bruntschi;
Lettische Tracht (Bartau u. Rutzau).
Bild ( -5 8 ). N:o 610— 617.
der Brustöffnung dienen vier Schnallen. Rutzau. 4106, 294.
wöhnliches Hemd und darüber ein kurzes Hemd haben.
Die Braut kann ein ge
Balta willaine
610.
— T. X II 2 — weisses Umlegetuch aus Wolle; an drei
Rändern Broderien, die hauptsächlich mit rothem und schwarzen Garn gemacht sind.
Das Zeug ist vierschäftig, nur an den brodirten Rändern zweischäftig. An den R än
dern sind kurze, theils weisse, theils bunte Fransen. Der unbrodirte Rand, der beim
Tragen hinaufkommt, ist, um. ihn stärker zu machen, doppelt gekehrt oder besäumt.
Die Länge des Umlegetuches beträgt 2 Meter, die Breite 0,8 Meter, Beim Tragen dieses
Tuches legt man es unter den linken und auf den rechten Arm und befestigt es mit
zwei silbernen Schnallen an der rechten Schulter. Ygl. Trachtenbild 54.
Bei der B raut fällt das Umlegetuch mit den Schnallen von den Schultern herab,
worauf es auf dem rechten Arm zu liegen kommt. Sieh’ Trachtenbilder ■57 und 58.
Das weisse Umlegetuch ist schon veraltet, nur die B raut trägt es noch als oberstes
Kleidungsstück; die übrigen W eiber bedecken ihre Kleidung mit einem bunten Mantel
oder Tuche. Rutzau. 4106, 299.
611.
(oder
— T. X II 5 — buntes (karirtes) Umlegetuch aus
Wolle. Es ist aus zwei Zeugstücken zusammengesetzt; das Zeug ist dunkelblau quadrirt
und roth-, weiss-, schwarz- und grüngestreift. Am unteren Rande ist ein weisses B ro
katband. Die Länge beträgt 1,9 Meter, die Breite 0,9 Meter. Der obere Rand ist, um
ihn stärker zu machen, doppelt gekehrt und ausserdem besäumt. Auch die Schnallen
sind zugleich mit den weissen Um legetüchern verschwunden. Rutzau. 4106, 298.
612.
— T. X X V 5 — Breze aus Neusilber mit geschmiedeten Blumen-
Margine
willaine)
Ssagta
und Punktzierathen.
braucht.
Rutzau.
Die Breite beträgt 9,4 Cm. Zusammen mit dem Umlegetuch ge
4106, 280.
Ssagta — T. X X V 11 — Breze aus Neusilber, mit geschmiedeten B lu
613.
men- und Kommaornamenten. D ie Grösse beträgt 4,8 Cm. Gehört zum Umlegetuch.
Da diese Schnalle kleiner ist, befindet sie sich oberhalb der ebenerwähnten, grösseren.
Rutzau.
4106, 300.
Ssagta
614.
— T. X X V II 16 — silberne Breze, vergoldet und erhaben, mit
Punkten und senkrechten Linien. Die Breite beträgt 2,7 Cm. Rutzau. 4106, 305.
615.
Orini (ausg. uoarinji) Ohrringe oder auskari Ohrgehänge — T. X X IV 6 —
aus fischförmigen Gegenständen und zw ei Anhängseln zusammengesetzt, die alle aus Bern
stein gemacht sind.
Mitte
geritzt.
In die eine K lingel sind 7 Kreise mit einem Grübchen in der
Messingdrähte
halten
die verschiedenen
Theile
Schmuck, wie auch die folgenden, hängt an der Brustschnalle.
616.
zusammen.
Rutzau.
Dieser
4106, 278.
Orini oder auskari — T. X X IV 7 — Ohrgehänge. Es besteht aus zwei
Klingeln, die von Bernstein und Perlen verschiedener Grösse gemacht sind, von denen
die grösseren aus Bernstein, die kleineren aus glänzendem Glase bestehen.
4106, 278.
Rutzau.
Vainags
617.
(ausg. wainjaks) — T. X X 1 — Kranz für Mädchen, ist folgendermaassen gemacht: Eine runde Pappscheibe ist mit rothem Flanell überzogen und mit lila
Seidenzeug gefuttert. Die Aussenseite ist alsdann längs dem ganzen unteren Rande mit
weissem Brokatband überzogen, an dessen obere Seite weisse und gelbe Glasperlen von
97
Bild (58— 59). N:o 618- 624.
Lettische Tracht (Bartau , Butzau und Älschwangen).
verschiedener Grösse und Form befestigt sind, die gew isse Figuren bilden.
Weiter oben
wechseln Pailletten und Perlen mit einander ab. Am ganzen oberen Rande ist eine
Reihe grosser, facettirter Krystalle. Nieder-Bartau. 4106, 266.
Zepure
mize
618.
oder
— T. X X III 4 — eine Frauenhaube (Mütze). Am
Scheitel und im Nacken ist sie mit schwarzem Seidenzeug überzogen, aber am ganzen
Stirnrande mit einem breiten, rothen Seidenbande garnirt, an das bunte Blumen und
andere Zierahten genäht sind. Nieder-Bartau. 4106, 267.
619.
620.
PirJcstaini zimdi Fingerhandschuhe und
Düraini zimdi1 Fausthandschuhe sind überall sehr bunt und in hübschen
M ustern gestrickt. Ygl. T. X X V III 13. Von den letzteren giebt es sogar doppelte,
vgl. X X V III 2. 4106, 269 —273 und 284. Die letzterw ähnten Fingerhandschuhe sind
weiss, mit Ausnahme der gezierten Stellen am Handgelenk.
621.
(ausg. sekje). — T. X X V III 26 — langschäftiger Strumpf, halb
schwarz mit Broderien, die Schäfte weiss (vgl. 656). Nieder-Bartau. 4106, 274.
622.
(ausg. prieawite) — T X X X 7 — Strum pfband, wie ein Gürtel,
vorzugsweise aus orangegelbem Garn gewebt. Die Länge beträgt 1,73 Meter, die
Breite 1,7 Cm. Rutzau. 4106, 289.
Gara selce
Preewite
Kabseke
T.
623.
—
X X V III 20 — Socke oder kurzer Strumpf, weiss mit bun
ten Broderien an der Öffnung. Ohne Hacke wie die Setukesenstrümpfe (58. T. X X V III
22).
Rutzau.
4106, 286.
Zur Mannstracht gehörender Gegenstand:
Ssivarki
624.
— T. V III 1 — M ännerrock aus blauem Fries mit einer Falt
quer über dem Rücken. Das Zeug besteht aus einem Stück (vgl. 606); an den Näthen
auf den Schultern, am Rücken, K ragen und vorn, sowie auch an den Schössen mit
grünen Schnüren garnirt. (Das Stück a. b. am Rücken ist nicht grün). An den
Ärmel Öffnungen ist ausserdem ein Brokatband. W ird unterhalb der Brust mit 4 Paar
Haken geschlossen. Rutzau. 4106, 302.
II. Älschwangen in West-Kurland.
Bild 59.
Zwei Schnallen oder Brezen am Hemde
und zwei an den Umlegetüchern.
Sieh’ 6 4 4 -6 4 6 und 648.
Abgenommen in Älschwangen
im Mai 1902.
Brautjungfer.
Stehender Kragen am Hemde 627.
I I I 11.
Kranz 649. T. X X 2.
Zwei Umlegetücher, das eine blau, das
andere weiss. Sieh’ 632 und 639.1
T.
1 Die Benennungen stammen von den Wörtern: p i r k s t i Finger, z i m d i Handschuhe und d ü r e Faust.
98
Bild 59 - 60. N:o (625- ).
Lettische Tracht (Älschivangen).
Bild 60.
Bild 59.
X X V II 2. Am Hemde zwei Schnal
len T. X X V II 1 und 5.
Stehender Kragen 627. T. I II 11. (Mie
der und Jacke existiren nicht und
sind auch früher nicht vorgekommen).
Rock, roth. Früher hatte die B raut einen
lila Rock.
Gürtel. Vgl. 631.
Strümpfe mit brodirten Schäften und
weissen Strumpfenden. Sieh’ 656.
Halbstiefel 658. T. X X IX 16.
Am Halse ein buntes Tuch, dessen Spitze,
wie die beiden Enden des Gürtels,
an der Vorderseite hängen.
Rother Rock.
Sieh’ 629.
Sowohl das Mädchen, als auch das Weib
haben eine Flechte, die am Rücken
herabhängt und am Ende derselben
eine Schleife. Erst in letzter Zeit
hat man angefangen das Haar in
zwei Flechten zu theilen und es im
Nacken zusammenzubinden.
B.
Bild 60.
Abgenommen wie das vorige.
H ut mit Krempe 667.
K urzer Rock 666. T. X I 8.
Überrock 665.
Gürtel 669. T. X X X 14.
Fingerhandschuhe.
Wollene Hosen.
Pastein 657. T. X X IX 3.
Brautpaar.
A.
Der Bräutigam:
Die Braut:
Kopftuch 650. T. X V II 5.
Weisses Umlegetuch 639. T. X II 3 nebst
Schnalle T. X X V I 2 und Schmuck
99
Lettische Tracht (Alschwangen).
Bild 61—62. N:o 625.
Bild 61.
Bild 61.
Bild 62.
Abgenommen in Alschwangen
im Mai 1902.
Das Um legetuch rothquadrirt mit kleinen
Brezen, an denen 4 rothe Glasperlen
sind, vgl. T. X X Y II 5.
K opftuch 652. T. X V II 4 auf dem Kopf
und darüber ein buntes Seiden
tuch, das an der Stirn festgebunden
ist. Auf der Hochzeit nimmt man
das Kopftuch
650, T. X V II
5) vom Kopfe der B raut und setzt
ihr statt dessen das Tuch einer
F rau
652, T. X Y II 4) auf.
Zwei H auben; die eine, weisse, unten
und die andere aus rothem K attun
darüber. Die letztere hat einen fei
nen Spitzenrand, der an der Stirn
sichtbar ist. Sieh’ 653 und 654.
Ein seidenes Tuch auf dem Kopfe,
das an der Stirn
befestigt ist.
D arauf noch ein elegantes Tuch, das
unter dem Kinn festgebunden ist.
Noch mehr Tücher könnten Vorkom
men.
Ein Weib:
(<linkaine
(laTcats
Bild 62. Abgenommen in Alschwangen
im Mai 1902.
Ein Weib, zu jetziger Zeit in gewöhnlicher
Röthlicher Rock nebst Mieder; vgl. T.
IY 9.
Tracht auf dem Wege zum Besuch.
KreTcls
Frauentracht.
625.
— T. I I 3 — Hemd aus verschiedener Leinewand in zwei Theilen
Der stehende K ragen ist mit schwarzem Garn brodirt, aber an den Schultern und
Ärmelöffnungen sind die Broderien weiss. 4106, 338.
100
Bild ( -6 2 ). N:o 626 - 637.
Lettische Tracht (Alschwangen) .
626.
Bisweilen sind die Ärmelmanschetten noch kleiner und reicher an Brode^
4106, 336.
rien; sie werden mit rothen und grünen Bändern geschlossen.
627.
ApTcaTcle — T. III 11 — loser hoher Kragen aus Leinewand, der von bun
ten Perlen und Broderien bedeckt ist.
Gehört zum Hemde.
4106, 324.
Meis lindraks — T. IY 9 — dunkelblauer Rock nebst Mieder aus fünf
Leine wandstücken zusammengefügt. Der Name des Mieders ist mrspusse d. h. die obere
628.
Hälfte, Obertheil, der zum Rock gehört. Um den Rock zu tragen hat man statt des Obertheils auch Tragbänder
lenzes oder metallene Ketten benutzt, vgl. T. IV 1 (Silin).
ungefähr 50 Jahren wird er nicht mehr gebraucht.
629.
Seit
4106, 339.
Ein anderer Rock ist roth; ein buntgestreiftes Mieder ist daran genäht.
4106, 340.
Dass der Rock von dieser Farbe verhältnissmässig modern ist, kann man daraus
schliessen, dass zur alten H ochzeitstracht der W eiber dunkelblaue Röcke gehörten.
(Sieh’ auch die Erklärung zu dem Bild 58). Bei diesen Gelegenheiten waren die Männer
in weissen Röcken.
630.
Wamschi — T. V II 4 — Ärmelleibchen oder Kamisol aus schwarzem Fries
mit Broderien an der Brust und an den Ärmelöffnungen.
631.
4106, 341.
Josta (ausgespr. juoasta) — T. X X X 13 — gewebter Gürtel.
Die Broderien
Dieser G ürtel
am Gürtel wechseln ab, so dass es 7 verschiedene Form en derselben giebt.
ist 6 Cm. breit und 3,22 Meter lang. 4106, 331.
632.
(ausg. melju)
oder
— T. X II 1 — dunkelblaues Um
legetuch aus Fries; die Länge beträgt 1,4 Meter, die Breite 1 Meter. An dem einen
Rande mit Messingspiralen und Flitter geziert (sieh’ 633). Wird auf beiden Schultern
Me\u
ivillaine
melene
getragen und mitten an der Brust mit einer Schnalle geschlossen; die B efestigungsstel
len der Schnallen (a) sind etwas verstärkt.
Das Flitterwerk bildet beim Tragen des
Umlegetuches vorn und hinten einen klingenden Saum.
Die Brautjungfern tragen dar
über noch ein anderes weisses Umlegetuch (639), jedoch so, dass das Flitterwerk unter
dem weissen Tuche sichtbar ist.
Sieh’ Trachtenbild 59.
Seit mehr als 35 Jahren wird
das blaue Umlegetuch nicht mehr getragen. 4106, 347.
633. T. X III 1 — Der eine gezierte Zipfel an dem ebenerwähnten Umlegetuche.
Die Spiralen sind auf das Zeug mit Garn genäht, welches durch dieselben geht. Die
Ketten hängen am Rande; an dessen Biegung ist ein Strick. Die einzelnen Theile der
Ketten bestehen aus Spiralgewinden.
Das Flitterwerk besteht aus dünnen M essing
blättchen. 4106, 347.
634. T. X III 3 — Ein gezierter Zipfel von einem ähnlichen blauen Umlegetuche.
Von derselben Art wie der vorige. 4106, 342.
635. T. X III 6. Ein gezierter Zipfel von einem blauen Umlegetuche.
Gleich
4106, 343.
636. T. X III 2. Ein Stück von der Saum verzierung eines blauen Umlegetuches.
Die Verbindungen der K etten 8-förmig. 4106, 344.
637. T. X III 4 — Ein Stück von der Saum verzierung eines blauen Umlege
tuches. 4106, 345.
dem vorigen.
101
Lettische Tracht (Älschwangen).
Bild ( — 62). N:o 638— 645.
T. X III 7 — Ein Stück von der Saumverzierung eines blauen Umlege-
t$38.
tuches.
4106, 346.
Balta willaine —
639.
T. X II 3 — w eisses Um legetucb; an zwei Rändern
mit gelben, grünen, rothen und blauen Verzierungen geschmückt, die in das Zeug ge
webt und genäht sind.
Der dritte Rand hat feine blaue Streifen; der vierte, der auf
die Schultern und um den Hals kommt, ist ungeziert.
beträgt 1 , 4 Meter, die Breite 1, 1 3 Meter.
D ie Länge des Umlegetuches
Wird mitten an der Brust mit einer Schnalle
4106, 348.
Die neueren Alltagsumlegetücher sind rothquadrirt (im Trachtenbild 62).
F rüher soll man auch dunkelblau- und weissquadrirte Umlegetücher getragen haben.
Sowohl das eine, als das andere wird doppelt hinabgefällt getragen. 4106, 353—354.
640. Manschette — T. X X V III 7 — im Rigaschen lettischen Museum. Der
geschlossen.
639 b.
Ort nicht angegeben.
641.
Düraini zimdi — T. X X V III 13 — Fausthandschuhe in bunten Mustern
nebst Gürtel sind von der gewöhnlichsten Form. Solche Handschuhe und Gürtel fängt
das Mädchen von frühster Jugend an zu stricken und zu weben, denn auf der Hochzeit
muss sie dieselben vorzugsweise den Verwandten ihres Bräutigams, aber auch andern
jungen Männern schenken, die mit ihr den Handschuhtanz
tanzen. (Sieh’
Katalog der lettischen ethnographischen Ausstellung in Riga 1876. S. 85). Das lett.
Museum in Riga besitzt sehr viele derartige Handschuhe.
642.
— T. X X V III 4 — Fingerhandschuhe in bunten Mustern
zimdu danzis
Pirkstaini zimdi
mit Fransen.
Rigasches lett. Museum.
Pirkstani zimdi
Aus Nord-Kurland.
643.
— T. X X V III 6 — Fingerhandschuhe; Swastika als Ver
zierungen. Rig. lett. Museum. Aus der libauschen Gegend..
Ssakta
644.
— T. X X V I 2 — Schnalle aus Silber, die als Haftnadel für das
Umlegetuch dient. Die Breite der Schnalle beträgt 17,5 Cm. Die Grundscheibe hat 16
Strahlen; ein R ing aus Spiralgewinden umgiebt dieselbe, Die obere Fläche der Scheibe
ist gleichsam in 8 Felder getheilt, in jedem derselben sind 10 Löcher. An der Scheiben
fläche sind drei verschiedene Verzierungen in drei Serien. An dem äusseren Rande
sind abwechselnd acht blumenartige und ebensoviele fingerhutartige Verzierungen oder
Beulen (Buckel), wesshalb der vollständige Name dieser Schnalle
d. h. ssakta mit Beulen ist (Silin). D arauf folgen acht rothe Glasperlen und am Rande
der M ittelöffnung sind wüeder acht blumenförmige Verzierungen. Sowohl Blumen, als
Glasperlen ruhen auf cylinderförmigen Unterlagen. (Vgl. T. X X V II 1). Die ganze
obere Fläche der Schnalle mit Ausnahme der Perlen ist vergoldet. Die Schnallenzunge
und die hintere Fläche derselben sind silberfarben. An der hinteren Fläche der
Schnalle gew ahrt man ausser ein Paar Stempeln, die Namen: Madde Michel Pruse und
die Jahreszahl 1873. Diese Schnalle, welche den R and des Umlegetuches vereinigt,
strahlt m itten an der B rust; Trachtenbilder 59 und 60. 4106, 325.
645.
— T. X X V II 2 — ein ringförmiger Schmuck, den man in dem
burbulaina ssakta
Oredsens
Rahmen der ebenerwähnten Schnalle trägt; die Zunge der Schnalle wird durch den
unter dem Schmuck befindlichen R ing gefädelt.
102
Dieser
Schmuck besteht auch aus
Lettische Tracht (Alschwangen).
Bild ( —62). N:o 646— 652.
vergoldetem Silber und ist mit fünf rothen Glasperlen geschmückt, von denen die in
der Mitte befindliche grösser ist als die übrigen. 4106, 326.
Silin sagt, dass es ein F ingerring ist. „Um solche an der H and tragen zu kön
nen, waren auch die Handschuche dazu angepasst — mit zusammengewirkten Fingern
bis zum M ittelgelenk“.
646.
— T. X X Y II 1 — vergoldete Silberbreze, von derselben A rt wie
die in T. X X V I 2, aber kleiner und nur mit vier rothen Glasperlen geschmückt. Die
Breite der Breze beträgt 7,9 Cm. 4106, 327.
647.
— T. X X V 10 — konische silberne Breze mit kleinen Strichen
geziert, für das Hemd. Die Breite beträgt 4,8 Cm. 4106, 337.
648.
— T. X X V II 5 — Breze aus Silber, deren Rahmen etwas erhaben
ist. Mit zwei rothen und zwei grünen Glasperlen geziert. Die Breite beträgt 4 , 5 Cm.
4106, 328.
649.
(ausg. wainjaks) — T. X X 2 — Kranz eines Mädchens. Als
Unterlage dient ein R ing aus Pappe, der mit rothem Zeug bedeckt und mit Messing
scheiben überzogen ist, an dessen oberem und unteren R and kleine Buckel sich befin
den. In diesen Buckeln sind Löcher, durch welche ein M essingdraht geht, mit dem
die Scheibe an die runde Unterlage befestigt ist. Gehört zur Festtracht. An W erkel
tagen genügt ein um den K opf gelegtes Tuch, das im Nacken festgebunden ist. Im
Sommer trägt man aus Blumen gewundene K ränze auf dem Kopfe. 4106, 319.
650.
— T. X V II 5 — Kopftuch für B raut aus weisser Leinewand,
etwa 2,5 Meter lang und 0,67 Meter breit; das eine Ende, das wie ein Band gewickelt
ist, wird um den Kopf und unter das Kinn gewunden und bildet ein Horn an der
rechten Schläfe; sieh’ Trachtenbild 60. Das andere Ende hängt lose am Rücken.
Um denselben zu zieren und die Biegungen an der Stelle zu halten, steckt man mehrere
glänzende Brochennadeln hinein. U nter demselben ist auf dem Kopfe der wainags 649.
4106, 318.
651.
— T. X V I 2 — Trauungskranz aus Flachs. H inten
sind als Fortsetzung der Flachsflechten rothe Bänder geflochten, deren Enden mit Broderien und Perlen geziert sind. Das längere Band ist 2 Meter lang. W ird nur während
der Trauung in Alt-Pebalg im W endenschen Kreise in Livland getragen und wahrschein
lich um den K opf gebunden. Lett. Museum in Riga. (Katalog vom Jahre 1896.
Trachtenabtheilung X II N:o 13).
Soll als allgemeines Zopfband
auch im Wendenschen, W alkschen und
Wolmarschen Kreise, ausgenommen die Strandgegenden, getragen werden (Silin).
652.
— T. X V II 4 — kleines Kopftuch aus Leinewand mit Spitzen be
setzt. W ird von W eibern getragen. Die mit kurzer, gebogener Spitze besetzte Kante
wird über die Stirn gelegt und die Bänder im Nacken unter den breiten Nackenlatz
gebunden. Sieh’ Trachtenbild 61. 4106, 321.
An Ort und Stelle wurde mir gesagt, dass der Name dieser Kopfbedeckung
war, aber Hr. Silin behauptet, dass diese Bezeichnung „nicht für richtig ange
sehen werden kann und meint, dass lupats verächtlich Flick, Lappen, W isch bedeute.
Es soll wohl
oder diminut.
(Tuch, Tüchlein) heissen.
Ssakta
SsaTcta
SsaTcta
Wainags
Linkaine
Laulajamais ivainags
matpine
Laicats
lupats
lakats
lakaiinsch
103
Bild ( — 62). N:o 653-668.
653.
Lettische Tracht (Alschtvangen).
Zepure — T. X X II 4 — aus zwei weissen Leinewandstücken verfertigte
Haube. Mit Spitzen besetzt. Ohne Schnürband im Nacken; wird nur unter dem Kinn
zusammengezogen. 4106, 322.
654.
Zepure Haube von derselben Facon wie die vorige aus zw~ei röthlichen
Kalikostücken verfertigt; mit Florspitzen und anderen Zierbändern versehen. Das Z ug
band dient zugleich als Schnürband im Nacken. 4106, 323.
655. Verschiedenartig waren die mit Fell verbräm ten Hauben der Weiber.
Vgl. Bild 652.^
Setces
656.
(ausg. sekjes) Strümpfe mit brodirten Schäften; die Fussenden weiss.
Also gerade umgekehrt wie an den Strümpfen in Nieder-Bartau (621. T. X X V III 26).
Zu denselben gehören Strumpfbänder. 4106, 332—333.
Pastala
657.
— T. X X IX 3 — Sandale aus gegerbtem
A uch bei den Männern. — Schuh heisst lettisch
Leder.
658.
— T. X X IX 16 — Halbstiefel für Frauen.
personen tragen solche nicht.
4106, 335.
kurpe.
Pus säbaks
4106, 334.
Manns
Zur Mannstracht gehörende Gegenstände:
659.
Krelcls Hemd besteht nur aus einer A rt Leinew^and. — Der Kragen apkakle
ist ein weisses, loses Leinewandstück, an der einen Seite brodirt; sieht fast wie T. I I I
16 aus. Ist doch gewöhnlich an das Hemd angenäht. 4106, 357.
660.
— T. V I 4 — aus vier weissen Leinewandstücken verfertigte
Hosen. Das Bindeband geht nicht durch den Querl. 4106, 363. Diese Hosen werden
im Sommer getragen.
Bikses
661.
662.
663.
W interhosen werden aus W olle gemacht und sind mit einer Klappe versehen.
Uhsas war der Name der früher gebrauchten Kniehosen.
Eine W este weste wurde von den Reichen getragen, bisweilen einige über
einander und dann sogar aus Seide und mit Stickereien verziert.
664.
Sivahrki — T. X I 7 — Überrock aus weissem Fries. Am Rücken mit
Falten ausser in der Mitte (a).
Um Hals und Brust mit dunkelblauem Garn gekantet.
A n den Ärmelöffnungen sind sowohl die Ränder, als auch die eckigen Lappen aus
sclrwarzem Tuch.
Der Kragen ist niedrig und kann mit Haken geschlossen werden.
4106, 364.
665.
Andere
sivahrki bestehen aus schwarzem Fries, im Übrigen von derselben
4106, 366.
666.
— T. X I 8 — kurzer Rock von dunkelgrauem F ries; mit stehen
dem Kragen, Falten hinten; zwei Reihen Metallknöpfe. 4106, 365.
667.
oder
H ut von allgemeiner Form , sieh’ Trachtenbild 60,
aus braunem Filz von der Façon eines niedrigen Cylinders und mit rothem Seidenband
geziert. 4106, 356.
Façon.
Swahrki
Zepure
668.
brile
Hüte werden auch aus Stroh gemacht.
mit Ohrenklappen gebraucht.
104
Im Winter werden Pelzmützen
B ild
L e t t i s c h e T r a c h t ( Ä ls c h iv a n g e n ).
63
N :o 6 6 9 — 6 7 1 .
Josta (ausg. juoasta) — T. X X X 14 — Gürtel für einen Männerrock.
669.
Aus buntem W ollengarn gewebt; 4,2*. Meter lang und 11 Cm. breit.
4106, 361.
Von diesem Gürtel sagt Hr. Silin: „Im Geschmack von Nord-Kurland und der
Strandgegend von Livland, sonst nicht beliebt.
Geschmack.
Dieser Gürtel ist wohl livisch.“
Josta — T. XV 15 - Ledergürtel mit Messingbeschlägen, Schnallen und
670.
Ketten.
Ist also nicht nach dem echt lettischen
4106, 362.
„Josta mit Messingbeschlägen ist bereits seit Jahrhunderten nicht mehr beliebt
bei den Letten, dagegen wohl noch bis heutigen Tages in den Strandgegenden des
lettischen Gebiets.
671.
Es ist also der Gegenstand nach livischem Geschmack“ (Silin).
Fausthandschuhe und Fingerhandschuhe sind auch bei den Männern elegant.
III. Aus verschiedenen Gegenden.
Bild 63. (Colorirt gedruckt in der letti
schen Zeitschrift „Austrums“ vom Jahr
1894 N:o 11.
Die Erklärung in N:o 12
von M. Skrusits).
Mädchen aus Kabillen (dem mittleren
Kurland).
bruntschi
Der Rock
ist grün-, roth-,
blau- und schwarzgestreift; Falten rings
herum, der Zahl nach 14; jede Falte ist
zwei Finger breit, mit Ausnahme der
vorderen, die zweimal so breit sind. Das
Mieder
ist grau mit eingewobenen
blauen Querstreifen, die eine Fingerbreite
von einander entfernt sind. U nter dem
Mieder befindet sich ein gelbes Tuch,
dessen Ränder an beiden Seiten der B rust
sichtbar sind und die Enden kommen
Bild 63.
vorn unter dem Mieder zum Vorschein.
Der breite Kragen des Hemdes ist mit Stickereien geziert und die Brustöffnung dessel
ben wird mit vier Schnallen geschlossen, von denen die kleinste zuoberst und die grösste
zuunterst sich befinden. Erst seit 50 Jahren hat man angefangen so breite Kragen zu
tragen; vordem hatten sie nicht einmal die Hälfte der jetzigen Breite. Um den Kopf
ist ein rothes Tuch gebunden, dessen Knoten sich oberhalb der Stirn befindet. U nter
demselben befindet sich wahrscheinlich ein K ranz
, dessen grüner, mit Spitzen
ausgeschm ückter R and unter dem K opftuche sichtbar ist.
neeburs
wainags
105
B ild
64.
N :o ( - 6 t t ) .
*
L e ttis c h e
T r a c h t ( V e r s c h ie d e n e Q e g e n c le ).
Ferner lautet die Erklärung: „Wainags trugen die jungen Mädchen bei der
Konfirmation, oder wenn sie zum heiligen Abendmahl gingen, auch als Taufmutter,
dagegen bei einer Hochzeitsfeier hatte nur die B raut ihr wainags. Der Gebrauch der
„M itschoschana“ geschieht an der B raut um M itternacht: wainags wurde von dem Kopfe
genommen und m iz e (vgl. Bild 65 3) aufgesetzt, dann w urde ein seidenes Tuch umge
bunden und bedeckte man den K opf mit einem feinen durchsichtigen Tuche, dessen
Knoten wurde niedrig auf der B rust gebunden. Mit solcher Kopf- und Schulterbe
deckung blieb die B raut bis zum anderen Tage; nur dann löste sie der würdigste der
Hochzeitsgäste von diesem Putze und man hing ihn an die W and. D afür bekam er
von der B raut ein P aar Handschuhe.“ (Vgl. 641).
„Sonst trug man des Sommers auf den Schultern ein leichtes Tuch ohne F ra n
sen, des W inters aber sa g sc h a, ein selbstgewobenes wollenes Tuch, oder auch w illa in e , beides so breit wie ein Handtuch.“ Bisweilen wurde über dem Mieder n e e b u r s
eine ebenso lange Uberziehjacke w a m sis getragen, die nur auf dem Bücken gefaltet
war. Die Strümpfe waren des Sommers weiss und W inters blau; die niedrigen Schuhe
waren mit einem schmalen Bande an dem Fusse befestigt.
lung in Biga 1896 nach der Natur ge
zeichnet. Die Trachten sind im W esent
lichen dieselben wie in den Trachtenbildern
54 und 59. Der Name des Umlegetuches
wechselt je nach den verschiedenen Ge
genden und dem Stoffe, woraus das Tuch
besteht, ab:
sagscha, segene, mehlu ivillaine.
Bild 65. Ab genommen im Bigaschen letti
schen Museum im Januar 1901.
Kopfbedeckung und Schmucksachen der
Weiber:
1.
3 Trachtenbilder im Bigaschen lettischen
Museum; die lezteren als Aquarellen, von
Kreslin für die ethnographische Ausstel
106
von derselben A rt wie T. X X 1.
Am unteren Bande Perlen aus Glaskrystall. Nieder-Bartau.
W interhaube für W eiber; der
Überzug aus Seide mit Sammtrand.
Aus der W olmarschen Gegend in
Livland. Der B and kann auch Fell
sein.
Sommerhaube für W eiber, mit
brodirten Blumen (die im Bilde nicht
sichtbar sind). Aus der Gegend von
Doblen in Kurland.
2.
Zepnre
3.
Mize
Bild 61.
Bild 64 zeigt zwei Umlegetücher und
Wainags Kopfschmuck der Mädchen
L e t tis c h e
T r a c h t ( V e r s c h ie d e n e G e g e n d e ).
B ild
5.
6.
7.
2.
D:o mit Spitzen und rothem Band.
W ahrseheinlich aus dem östlichen
Livland.
silberne Breze mit rothen Perlen.
D:o, vergoldet. N:o 5 u. 6 aus der
W indauschen Gegend.
D:o, mit 4 rothen und 2 grünen Perlen.
Aus Nord-Livland.
Mize oder zepure eine Haube, deren
Kopfspitze an die Stirn genäht ist.
3.
D:o, vom Nacken aus gesehen. Sind aus
der Gegend von Lene waden oder Kroppenhof in Süd-Livland an der Düna.
12 Gürtel. Solche schmale Bänder wie
11 u. 16 heissen
,
etc.
und werden als Schürzen-, Strumpf-,
Hosen-, Sandalenbänder etc. benutzt.
(Silin). 13 und 15 rothe Haar- oder
Flechtenbänder
14 ein
blaues und gelbes Flechtenband in
m ehreren M ustern: an dem Ende
eine Perlenschnur mit Troddel.
Sagts
preevites pcdceles
Bild 66. Abgenommen wie das vorige.
Kleidungsstücke der Weiber.
1.
N :o ( — 6 7 1 ) .
Bild 66.
Bild 65.
4.
6 5 — 66.
matpines.
Mise oder eigentl. banits oder baniza
Sommermütze für W eiber mit Broderien und ringsherum gleichartig.
Der Mützenkopf, welcher im Bilde
nicht sichtbar, ist weiss und platt
mützenförmig; am Scheitel ist ein
aus weisser Wolle genähtes Bündel.
(Vgl. T. X X I 1). Aus der Gegend
von Adsel i Livland.
Die übrigen Nummern sind Fingerhand
schuhe, mit Ausnahme einer Man
schette (9). Von diesen sind 4 u. 7,
womöglich auch 9 livisch. Die übri
gen lettisch aus verschiedenen Ge
genden in Kurland u. Livland. (Silin).
107
B ild
67.
L e t t i s c h e T r a c h t (V e r s c h ie d e n e G e g e n d e ) .
N :o ( - 6 7 1 ) .
Bild 67.
(Aus der lettischen Zeitschrift Austrums
vom Jahr 1894. N:o 4. Gezeichnet und beschrieben von
M. Skrusits).
Hier verkleinert.
Pastala Pastel.
„Nicht nur in verschiedenen Gegenden, sondern
sogar in einer Gemeinde, trug man zweierlei A rt Pastein:
mit stum pf breiter und mit länglicher Spitze, „sunpurnes“
(Hundsschnauze) und „labäs pastalas“ (die guten pastalas).
Aber noch grösser wird der Unterschied, wenn man
Pastein von verschiedenen Gegenden vergleicht. Das
bezieht sich besonders auf die Spitze der Pastein. Von
allen Pästeln, die ich auf meiner Reise 1890 gesehen, waren
die besten aus der Um gegend von Uschawa. Da ist die
Bild 67..
Spitze der Pastel etwas länglich und bedeckt weit den
oberen Teil des Fusses, bildet in der Mitte ein kleines Schwänzchen. In anderen Ge
genden sieht man die Zusammenziehung der Spitze längs der ganzen Spitze, hier dage
gen ist von der Zusammenziehung, von der Naht fast gar nichts zu sehen, nur kaum
eine Fingerbreite sieht man' von dem kleinen Schwänzchen, dass ein Rand des Leders
den andern bedeckt, sonst besteht die Spitze aus feinen länglichen und egalen Fältchen,
die die Spitze einer Pastel angenehm machen. Um zu wissen, wie nun die Spitze zu
sammengezogen wird, muss man das ausgeschnittene Stück Leder A, woraus die Pastel
B gemacht wird, ansehen. Zuerst, wenn man die beiden Enden der in verschiedene
Löcherchen und Ausschnitte eingefädelten Schnur a und b zusammonzieht, so haben
wir die Spitze mit vier Fältchen zu jeder Seite, so dass die Ecke c über die Ecke d
kommt, wie es bei der Pastel B zwischen c’ und d ’ zu sehen ist. Dann muss die
Schnur g h gezogen werden, wie es in der Zeichnung angegeben ist. Der Hinterteil
wird mit einem schmalen Lederriemen zusammengezogen. F ü r die Spitze muss man
m ehr als den fünften Teil der Länge des Leders verwenden. Solcheine Pastel sieht
sehr nett aus.“ (Vgl. 547).
L iv is c h e T r a c h t ( N o r d - K u r la n d ) .
B ild 68.
N :o ( 6 7 2 — ) .
IV. Livische Tracht.
Bild 68. Abgenommen in Domesnäs im
Frühjahr 1902.
Braut, die in der Kirche getränt werden soll.
Brautkrone 683, T. X X I 5, unter welcher
ein kleines Kissen, damit dieselbe
sich mehr erhebt; um dieselbe ein
Kranz aus natürlichen Blumen. An
der Stirn ein rothes Band (684), das
Haar gelockt. Im Nacken über den
Ohren zwei Flechten, die durch die
Haarwurzeln gesteckt wurden, damit
dieselben etwas in die Höhe steigen,
um eine passende, sich erhebende
Unterlage für die breite und biswei
len mit einem Holzplättchen versehene
Haube (689) zu bilden, wenn sie am
Schluss der Hochzeit der jungen
F rau auf den Kopf gesetzt wurde,
Von der Krone hängen mehrere
Seidenbänder hinab. Am Halse und
an der B rust ein seidenes Tuch
nebst einer Blume an den Schultern.
Weisses Umlegetuch 677. T. X II 10.
Schürze
, aus weissem Flor.
Bock, an dessen Saume ein gelbes, blaues
und rothes Band sein könnte, vgl. 673.
Fingerhandschuhe weiss, ebensowie die
Strümpfe, vgl. 692.
Schuhe niedrig.
Die B raut hat nur einen Trauring.
Bild 68.
eez oorn
Bild 69. Abgenommen in Gross-Irben im
F rühjahr 1902.
Altes Weib in der Tracht einer Neuvermählten.
W enn die Krone nach der Trauung vom
Kopfe der B raut genommen ist,
109
macht man ihr eine Kopfbedeckung,
die aus drei Theilen besteht:
(Vgh 690) wird auf
den Kopf gesetzt, nachdem sämmtliches H aar in einen Puff gelegt ist.
weisses Mundtuch, welches
zusammengefaltet unter das Kinn
und über die W angen gelegt und am
Scheitel festgebunden wird, den ein
hohes Toupe schmückt. Bisweilen
wird dieses mundok um den Hals
gelegt und im Nacken festgebunden.
Ein solches Tuch wird auch den
Leichen umgebunden.
1.
Kolm kabaal müts
2.
MundoTc
B ild 6 9 - 7 0 .
N :o ( 6 7 2 -
L iv is c h e T r a c h t ( N o r d - K u r l a n d ) .
).
692).
D ie Mädchen fangen bei 10
Jahren an zwei Flechten zu tragen,
die im Nacken zusammengebunden
werden.
Vor nicht langer Zeit liess
man das Haar oberhalb der Ohren
über die Schläfen bis an die A ugen
sich ausbreiten.
Die Mädchen tru
gen auch die Mütze aus drei Stücken
(690)
und
das
seidene
Stirnband
vuontsa oorn (684), aber kein mundok.
Bild 69.
3.
Ein seidenes Tuch, welches ebenfalls
zusammengefaltet an der Stirn mit
zwei Knoten festgebunden w ird ;
dazu kommt noch eine Schleife.
Sieh’ 684.
Kurzes Wamms 675. T. V III
An der
B rust eine kleine Schnalle und am Halse
Bänder.
Ein weisses Umlegetuch auf den Schul
tern. Vgl. 678.
Kock mit Falten 673. T. IV 11.
Schürze, weiss.
W eisse Strümpfe und leichte Schuhe oder
Sandalen an den Füssen.
Bild 70.
2.
Bild 71. (Aus dem Büchlein „Liivin kansa“
d. h. Das livische Volk von Väinö Alho
[ = Wallin-Voionmaa]. Jyväskylä 1891).
Ein Livisches Paar.
Von den Kleidern des W e ib e s sind zu
sehen:
gestreifter F al
tenrock. Vgl. 673.
weisses Umlegetuch, vgl. T. X II
10, aber ohne Kragen.
, vgl. 690. T. X X III 2,
wozu noch ein über die Stirn gebun
denes Band nebst
kommt,
sieh’ Bilderklärung 69 2 und 70.
Tripline gunkasärh
Küiirtan
Bild 70 in demselben Dorf wie das vorige
Kolm Jcabaal müts
abgenommen.
mundok
Neuvermähltes Weib mit an den Nacken
gebundenem
mundok,
(sieh’
Bild
110
L i v is c h e T r a c h t ( N o r d - K u r l a n d ) .
M d
71.
N :o
672—
6?
Bild 71.
viizod Bastschuhe.
Der vana oorn Kittel des Mannes ist
An den Füssen sind
Rande
der
Brustöffnung zu
sein.
Sonst sieht er, in W esteund H als
mit dem in T. IX 3 zu vergleichen;
aber die Knöpfe scheinen hier am
tuch
gekleidet,
verhältnissmässig
modern aus.
Zur Weibertracht gehörende Gegenstände:
672.
4m m Frauenhemd ist nicht in den Sammlungen.
(Nach Sjögren-W iede
amm auch Rock).
Tripline gunkasärh — T. IV 11 — gestreifter Faltenrock aus einem Stücke
mann bedeutet
673.
Zeug, von rother und schwarzer Farbe.
Am Saum ein gelbes Band.
Pissen. 4106, 383.
E. N. Setälä erwähnt, dass am Rocke der Braut unten drei bis vier rothe Streifen
sich befinden:
674.
(V. Alho, Liivin kansa.
Taille im Rücken.
675.
Jyväskylä.
1891 S. 41).
Buorst (lett. bürste) — T. V 6 — Frauenm ieder, roth. Falten an der
Klein-Irben.
4106, 4 LI.
Vams — T. V III 2 — Wamms aus blauem W ollenzeug mit zwei Taschen.
Ohne eigentlichen Kragen.
Kaal
Ein livisches W eib aus Klein-Irben trug es.
4106, 412.
676.
— T. X X X 10 — Frauengürtel, gewebt. Die Broderien sind roth
und weiss; in der Mitte derselben ein grüner Strich; an den Rändern schwarze und
—
111
B i l d ( — 7 1 ).
L iv is c h e T r a c h t ( N o r d - K u r l a n d ) .
N :o 8 7 7 — 6 8 6 .
braune Fäden. Die Länge des Gürtels beträgt 1,6 Meter, die Breite 2,5 Cm. Fransen
kommen nicht vor. Gross-Irben. 4106, 398.
677.
— T. X II 10*— weisses Umlegetuch aus undichtem, vierschäftigen
Wollenzeug. Die schmalen Enden laufen in braune R änder und weisse Fransen aus.
Die Länge beträgt 2,55 Meter und die Breite 0,6 Meter. In der Mitte des Oberrandes
vom Tuche ist ein weisser Kalikokragen befestigt, der mit rothem Band umsäumt und
mit herzförm igen Figuren geziert ist, die aus rothem Papier geschnitten sind. Dieser
K ragen ist ein moderner Zusatz zur küürtan. Domesnäs. 4106, 420.
Küürtan
677 b< A u f lettischem Gebiet (Dondängen, W indau, Pilten) heisst ein solches
Tuch
wilcale (Silin).
678. Küürtan — T. X II 8 — Umlegetuch aus weissem vierschäftigen Wollen
zeug, rundum mit weissen Fransen besetzt. Aus zwei Zeugstücken zusammengesetzt.
Die Breite beträgt l,s Meter. W ird doppelt gekehrt getragen. Pissen. 4106, 384.
679.
ist ebenfalls ein Umlegetuch, wie die küürtan, aber roth- und
blauquadrirt; hier moderner. Pissen. 4106, 385.
680.
(lett.
— T. X X V II 15 — Bronzeschnalle, auf einem Felde
gefunden; ist nicht aus jetziger Zeit. Die Breite beträgt 38 Mm. Gross-Irben. 4106, 402.
Villikatt
Sproodz
sprüdse)
Suormöks — T. X X V II 22 — silberner R ing; glatt, aber mit zwei Vertie
681.
fungen. Klein-Irben.
682.
4106, 409.
Brunti kruon — T. X X I 7 — Brautkrone, aus spiralförmig gedrehten
Messingdrähten gemacht, die an einer erhabenen, sternförmigen Unterlage von demselben
Metall befestigt sind. Diese 8-strahlige Unterlage erhebt sich aus einem Rahmen von
Eisendraht. An den Enden der Messingdräthe befinden sich verschiedenfarbige Glas
perlen, von denen der grösste Theil verloren gegangen ist.
bänder, die an die Krone befestigt waren.
Ebenso fehlen die Seiden
Die Bänder, mit denen die Krone an den
Pissen.., 4106, 368.
Eine solche Krone ist eig en tü m lich für die Liven; die Letten kennen sie nicht.
Jedes Dorf besitzt eine Krone, die nach Bedlirfniss von Haus zu Haus gebracht wird
(Alho, Liivin kansa S. 45).
683.
— T. X X I 5 — Brautkrone. Eine sternförmige Unterlage
K opf gebunden wird, hängen an dem eisernen Rahmen.
Bruuti kruon
aus Metalldräthen, um welche schmale Brokatbänder gedreht sind, ruht auf einer runden
Pappscheibe.
D ie kleinen Ringe und Perlen um die Scheibe herum sind aus Glas.
Zur früheren Brautkrone sollen wenigstens aus Blechplatten geschnittene Bilder gehört
haben, die einen Stern, ein Herz, Kreuz u. s. w. vorstellten.
sich, sobald die Braut sich in B ew egung setzte.
Klein-Irben.
Diese Bilder bewegten
(Vgl. die Krone aus Rogö
T. X X 4).
4106, 410.
684.
Über die Stirn
ging noch ein
breites, schwarzes
Sammtband
rothes Band.
Sieh’ Bild 693.
An diese Bänder waren früher Perlen befestigt.
vuonisa
(vöntsa) oorn (aarn) oder linta od. lente (russ. JieHTa) Stirnband und darauf ein schmales,
mit
(Vgl.
dem tipp er in Rogö 536 b). An beide Seiten der Schläfen wurden 6 Locken gebrannt.
685.
686.
Die B raut hat auch einen Kranz aus natürlichen Blum en auf dem Kopfe.
Die Mädchen, welche zur Fastnachtszeit in den Häusern die Tänze be-
112
—
Livische Tracht (Nord-Kurland),
Bild ( — 71). N:o 687— 696.
suchen, setzen aus bunten Papierstreifen gemachte Kränze auf den Kopf. (Vgl- 199).
Gross-Irben. 4106, 407. „Sonst im nördlichen L ivland,“ sagt Silin, „thun es die Manns
u.
Kalos kabäl müfs — T. X X II 5 — eine aus zwei Zeugstücken gemachte
personen, die Nacht vor Fastnacht trupp weis von Haus zu Haus gehen
687.
weisse Haube, die im Nacken mit besonderem Schnürband versehen ist. Pisen. 4106, 369.
688.
— T. X X II 2 — aus drei Stücken bestehende weisse
Haube, mit Spitzen besetzt. Pisen. 4106, 370.
Kuolm kabäl müts
689. Bisweilen wird eine solche Haube aus buntem Zeuge gemacht und inw en
dig mit einem Spahn versehen, wodurch an den Schläfen Hörner entstehen. GrossIrben.
4106, 396.
Kuolm kabäl müts — T. X X III 2 — weisse Haube aus drei Stücken; an
690.
den Rändern ein Florband, das am Kinngrübchen gefaltet ist.
An der Nackenseite ist
es mit bunten Seidenbändern und Perlen geschmückt, die Schleifen bilden.
4106, 393.
691.
Ornamenten.
692.
Pisen.
Sikragen.
Kindas — T. X X V III 1 — weisser Fausthandschuh mit röthlichschwarzen
Pisen.
Särsukä
4106, 371. — Fingerhandschuhe im Bilde 66 4 u. 7.
— T. X X V III 25 — langer Strumpf, roth- blau- und weissfarbig.
4106, 379.
Die Strümpfe der Braut waren wenigstens früher weiss. — Den Schuh nennt
man
känga (PL kängad) oder kurp.
693. Kal' oder särpa’ggdl — T. X IV 5 — aus rothen und grünen W ollen
bändern geflochtenes Beinband,
Gross-Irben.
4106, 400.
Zur Mannstracht gehörende Gegenstände.
694.
Serk — T. I 4 — Hemd aus schwarzrothem quadrirten Wollenzeug.
Die Vorder- und Hinterseite besteht aus einem Zeugstück mit niedrigem, stehenden
Kragen; an den Ärmelöffnungen sind ebenfalls Kragen. Ausserdem hat dieses Hemd
Achselstückchen (vgl. T. I 6) und zwischen diesen, und dem Halskragen dreieckige
Zeuglappen, wie am Hemde in Mohn. T. I 9. Gross-Irben. 4106, 405.
695.
— T. X IX 5 — eine gestrickte blaue Mütze mit weissen Rän
dern. Inwendig gebraucht man Flachs um sie aufrecht zu halten. Gross-Irben. 4106, 405.
696. Auch die livischen M änner trugen früher Kniehosen
Filzhut
, Uberroch
, mit Aufschlägen an den Ärmeln (von derselben Form wie
T. IX 3), Gürtel aus Leder
Bastschuhe
(Sing,
oder Pastel
(Sing,
Schuh aus Seehundsfuss heisst
(PI. .
(Diese livischen
Benennungen nach Sjögren-W iedemann).
Tanumüts
vil't kübär
vanä ä’rn
pastäl).
büksdd,
nVn,
vizdd
luoiba
vizoz)
luoibad).
pastäld
Bild 72.
Die s. g. „letzten L iven“ aus dem Krichspiel Salis am Meeresufer im nördlichen
Livland.
Nach Aquarellbildern im Rigaschen lettischen Museum, wo sie abgenommen
— 113 —
Bild 72. N:o ( — 696).
Livische Tracht (Nord-Kurland).
sind im September 1902. Sie wurden für die Riga-Ausstellung 1896 gemacht. Es ist
mir jedoch nicht gelungen zu erfahren, welche Personen mit diesen Bildern gemeint sind,
obgleich unter den Bildern geschrieben ist, dass diese Personen ungefähr 74 Jahre
alt sind. Ob sie zu der Zeit der Riga-Aus Stellung noch lebten, ist auch nicht erwähnt.
(Über die Frage: „Spricht man in Livland noch livisch?“ von 0. Kallas, sieh’ Finnischugrische Forschungen IY, S, 61—5 und Sitzungsberichte der Gel. Est. Gesell. 1905. S.
63—67; bei einer von Setälä im J. 1905 unternommenen U ntersuchung stellte es sich her
aus, dass die in Rede stehende Sprache kein Livisch war, sondern dass die letzten der
livischen Sprache mächtigen Leute schon vor ca. 40 Jahren gestorben waren. Finn. ugr.
Forsch. Y, S. 180).
Bild 72. Die „letzten Liven“.
Die auf den Seiten 109—112, die schon vor Paar Jahren gedruckt worden sind,
vorkommenden livischen Benennungen können in folgender W eise transscribiert
(sieh’ Yorwort):
lies
,
Zu Bild 68 steht
.
,
69 „
„ 70 u. 71 „
, »)
71 „
,
y
»
eez oorn
ez’är’n.
kuolm
kabäl müts
Tcolm
Jcabaal
müts
»
y
mundok,
V) munddg.
triplimi gunkasärk.
tripline gunkasärk
kürtan.
küürtan
y
V
y
y y kolm kabaal müts, V kuolm kabäl müts.
y vizdd.
>5
» V viizod,
tripline gunkasärk, » wie zu B. 71.
„ N:o 673 „
vgms,
„ „ 675 „
y vamz.
kaal,
» „ 676 „
y keil'.
küürtan,
* » 677 „
y kyrtan (Domesnäs).
küürtan
„ „ 678 „
y kürtan (Pisen).
sproodz,
„ „ 680 „
y spräd’z.
suormökSy
» „ 681 „
y suormdks.
vuontsa etc.
„ „ 684 „
y vuontsa är’n.
Unta od. lente,
y Unta od. lentei?).
}? y » v
114
ERRATA.
Im I Theil:
Seite
10
13
Zeile
ii
n
ii
ii
15
37
42
43
47
11
ii
ii
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51
54
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ii
»
»
51
55
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11
11
15
11
17 von unten
6 von oben
7
55
7 von unten
10
ii
11 von oben
8 von unten
ii
ii
11 von oben
20
ii
16 von unten
11 von oben
steht
15
11
11
55
55
15
11
11
55
55
11
schnaell,
entspächekn
Rocres
gew ährt
Bratye
des
Alterthüm en
K opfbindern
vedankt
gelanget
Trachtenbilden
demselben
lies
55
55
11
11
11
15
15
11
15
11
15
schnalle
entsprächen
Rockes
gewahrt
Brotze
das
Alterthüm ern
Kopfbinden
verdankt
gefangen
Trachtenbilde]
derselben
Im I I Theil:
Seite
ii
ii
15
11
11
1)
11
Im
25 Zeile
3 von oben
49
5
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59
1
u
55
73
11
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11
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7 von unten
55
90
10 von oben
11
112
1
11
ii
1Taf. X X I 13—17
„
steht
ii
15
ii
55
11
11
11
Seitenband, lies
sieh’ 348
ii
161
ii
Rocks
ii
3,002
55
(PI.
11
(T. I 11)
11
N:o 877 —
11
Schwed.
ii
hangTüu)
Seidenband
sieh’ 347
36L
Roicks
4,002
(PI.
(T. I 9)
N:o 677 —
Estn.
hanglcler)
TAFELN (I-X XXI)
TAFEL I.
1
2
3
4
5
Frauenhemd.
n
Mannshemd
»
6
7
»■
8 Frauenhem d
9 Mannshemd
10 Schiessrock
11 Frauenhem d
12 K ittelartiger Überrock f. Männer
13
14 Frauenpelz .
n
Ktihno
N:o 189
Rogö
« 528
Klein-St. Johannis
111
Gross-Irben
694
Setukesien
>! 43
Kergel
383
Setukesien
44
228
Mohn
264
Runö
589
Mohn
229
217
Kühnö
Runö
« 585
W orms
489
i)
n
„
n
V
V
))
Taf. I.
TAFEL IL
1
2
Frauenhem d. .
. . . .
«
.
.
.
.
3
»
....................
4
.........................
. .
5 Jacke für Männer
......................
6 F rauenhem d.
7 Frauenwamms .
8 Mannskamisol . . .
9 F rauenhem d......................
»
10
Gestricktes Mannshemd
.
.
11
Ohertheil eines Frauenhemdes
12
Frauenbluse .
.
.
Klein-St. Johannis N:o 112
Peude
„ 275
Alschwangen
„ 625
Setukesien
„
1
Geg. v. D orpat
„ 186
Setukesien
„
3
P unö
„ 552
Mohn
„ 266
Setukesien
„
2
Kühno
„ 216
Mustel
„ 276
Runö
„ 549
Taf. IL
TAFEL III.
1
Frauenbluse . .
ii
n
2
3
4
5
ii
ii
6
ii
7
8
9 Kragen
ii
ii
.
.
.
10
F rauenbluse.................................
11
Kragen eines Frauenhemdes .
12
Lose Ärmel .
.
.
.
13
14
15
16
Kragen
.
.
.
.
ii
ii
...........................................................
Brustkragen f. Frauen .
.
Mohn
Rutzau
Keinis
Jamm a
St. Johannis
Kergel
Kühno
Rogö
ßoicks
W orms
Alschwangen
Mustel
W orms
Mustel
Rogö
Mustel
N:o 230
609
417
294
295
296
193
529
418
482
627
277
483
317
530
319
11
11
11
11
11
55
11
11
11
11
11
55
55
55
55
Taf. III.
16
TAFEL IV,
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
St. Johannis
Frauenrock .
.
. . . .
Achselstückchen zum Fräuenrock . Kergel
Worms
Frauenrock .
Keinis
/•?
Setukesien
Handtuch
Paistel
Frauenrock .
Mohn
W orms
Frauenhem d
Alschwangen
Frauenrock . Kergel
Tasche
Frauenrock . .
. . Pisen
„
. .
. . Keinis
Setukesien
Schürzen tu ch
Frauenrock .
Jam m a
Mieder
Kihelkond
Frauenrock .
Jam m a
Kergel
Tobaksbeutel
Mohn
Frauenrock .
Kogö
55
Mohn
Tasche.
Mustel
Nieder-Bartau
Frauenrock .
Nuckö
Tasche
Kergel
Frauenrock .
r>
N:o 282
285
55
479
55
i? 414
35
55
101
55
231
55
478
55
628
55
336
55
„ 673
413
55
11
55
280
55
289
55
281
55
339
55
232
55
531
55
238
55
338
55
604
55
518
55
283
55
Taf. IV.
TAFEL V,
1 Frauenrock .
2 Kinderrock . . .
3 Leibrock f. Frauen .
4 Frauenrock .
5 Frauenm ieder .
6
7
8
W este . . . .
Frauenm ieder .
9
10
11
n
12
20
Schürze
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n
v
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St. Johannis
Paistel
Kergel
. Rogö
St. Jacobi
. Mohn
N:o
8
„ 476
„ 429
„
,,
„
„
„
„
„
„
„
5
606
674
583
293
554
287
290
555
» 233
„ 262
CO
co
13
14
15
16
17
18
19
Setukesien
W orms
Keinis
Setukesien
R utzau
Klein-Irben
Runö
. 'Peude
Runö
Mustel
Kergel
Runö
Mohn
„ 102
„ 333
„ 532
„ 137
„
234
Tai. V.
TAFEL VI.
1 Hosen .
2
55
3
4
55
5
55
6
55
7 Kniehosen
8
9
10
55
11
55
N:o 46
Setukesien
Keinis
450
55
215
Kühno
55
660
Alschwangen
55
581
ßnnö
55
d. Geg. v. D orpat 55 185
Kunö
5? 578
384
Pende
55
505
W orms
55
544
Rogö
55
265
Mohn
tl
I
TAFEL VII.
1 F rau en jack e.
2
3
4
5
6
11
13
14
15
16
.
55
55
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55
n
n
7
8
55
9 Mannskamisol .
10 Frauenjacke .
12
.
55
Männerwamms .
Frauenjacke .
55
55
55
. . W erro
. . Nieder-Bartau
. Tarw ast
Alsch wangen
. . Nuckö
. Jam m a
. Kergel
55
.
. . Mustel
. . Mohn
. . St. Johannis
Runö
. . Klein-St. Johannis
. Jam m a
Keinis
W orms
N:o 69
„ 607
„
92
„ 630
„
„
„
„
„
„
„
„
„
„
„
524
308
307
301
401
239
306
584
116
309
428
». 481
Taf. VIL
TAFEL VIII.
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
Mannsrock . .
Frauenwam m s .
F ran en jack e.
Mannsjacke .
Mannskamisol .
Franenjacke .
Mannsrock .
Franenjacke .
M annsrock
n
'
F ran en jack e.
n
E ntzan
K lein-Irben
E ntzan
Mnstel
Mohn
Nnckö
W orms
Mnstel
Keinis
St. Jacobi
Eogö
Eoicks
N:o 624
675
608
395
268
523
507
299
454
155
533
431
11
11
11
11
11
11
11
11
11
11
1
Taf. VIII.
TAFEL IX.
1 Frauenwamms .
Tarwast
Kühno
W erro
2
55
3 M annsüberrock.
4 Frauenüberrock .
5
6
7
8
9
10
M annsüberrock
Frauenüberrock
55
n
.
N:o
55
55
55
Setukesien
Eogö
Setukesien
St. Jacobi
Keinis
St. Johannis
55
55
55
55
55
55
93
195
84
70
12
534
49
138
430
312
Taf. IX.
TAFEL X.
1 Frauenüberrock
2
55
n
3
4
5
M annsüberrock
6
5?
55
7
55
8
55
9
55
10 F r auenüberr o ck
Mohn
W orms
Anseküll
Setukesien
55
55
Runö
W orms
Mustel
N:o 240
„ 488
„ 314
„
50
55
(5 1 )
,5
48
588
508
„
„
5,
55
391
310
Taf. X.
TAFEL XI.
1 Mannspelz
Frauenpelz .
3
55
4
5
2
6
7
8
9
10
n
Mannsüberrock
Runö
Keinis
Rogö
Mustel
Mohn
Nuckö
Alschwangen
55
Mannsjacke .
W erro
St. Johannis
N:o 587
432
55
535
55
316
55
241
«
526
55
664
55
666
55
83
55
402
55
Tai. XI.
TAFEL XII.
1 Umlegetuch .
2
n
3
55
4
55
5
n
.........................................
,,
(Eine Ecke in T. X X X I)
6
7
8
V
9
55
10
55
Alschwangen
R utzau
Alschwangen
W erro
R utzau
Paistel
Hallist
Pisen
Runö
Domesnäs
N:o 632 Lett.
610
55
55
639
55
55
71 Estn.
55
611 Lett.
55
104 Estn.
55
125
55
55
678
Liv.
55
558 Schwed.
55
677
Liv.
55
Taf. XII.
TAFEL XIII.
1 Zipfel eines Umlegetuches
2 Stück
„
„
3 Zipfel
„
„
4 Stück
„
„
5 G arnitur aus M essingdraht
6 Zipfel eines Umlegetuches
7 Stück
„
„
8 „Todtentuch“ nebst Details
Alschwangen
n
n
n
Hallist (?)
Alschwangen
n
Tarvast
N:o 633 Lett.
636
99
99
» 634
637
w
99
126 Estn.
99
635 Lett.
99
638
99
99
97 Estn.
99
n
Taf. XIII.
TAFEL XIV.
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
Gürtel . .
K opfgürtel .
K nieb an d ....................
Beinband .
.
55
G ürtel . . . .
Schwerthand
K n ie b a n d .........................
Bandweberei mit „Schwert“ .
„
auf B rettern .
.
.
.
N:o 100 Estn.
18
55
55
506
Schwed.
55
223 Estn.
55
693 Liv.
55
V 332 Estn.
263
55
55
Schwed.
580
55
Sieh’ I Theil S. 34
—
Estn.
„
„
„
—
„
Paistel
Setukesien
W orms
Kühno
Gross-Irben
Kergel
. Mohn
Taf. XIV.
TAFEL XV.
1 Metallgürtel .
.
2
Scheide mit Messer .
3
4
M esser......................
ßoicks
Keinis
......................
11
N:o 426
421
422
ii
11
Estn.
ii
ii
Metallgürtel mit Ketten, Messer und
5
Nadelbüchse
Nadelbüchse
6
Metallgürtel . . .
7
Detail von Fig. 1 oben.
8
Nadelbüchse
n
.
.
.
11
ii
Dagden
ii
Emmast
9 Detail von Fig. 4 oben
Keinis
10 L e d e r g u r t e ....................
Kühno
11 Nadelbüchse zu Gürtel 4 .
. . Keinis
12 Gürtel aus G la n z le d e r ...................... Mohn
13—14 Gürtelschlösser
n
Alschwangen
15 Ledergürtel .
ii
ii
ii
ii
ii
ii
ii
419
424
427
423
420
219
425
236
237
670
. ii
ii
ii
ii
ii
ii
ii
ii
Lett.
Taf. XV,
TAFEL XVI.
1 Flachswulst für Flechte
2 Trauungskranz aus Flachs
3 Kopfband
4 H aarzotten .
5 Haarband
6 Haartroddeln
7 H a a r z o t te n ..........................
8—9 Enden der Flechtenbänder .
10 K opfband.
11 H aarband.
Setukesien
Alt-Pebalg
Paistel
W orms
55
Jam m a
Pogö
Keinis
St. Johannis
Fickel
N:o
55
55
55
55
55
55
55
55
55
16
651
105
490
491
342
536
440
340
165
Estn.
Lett.
Estn.
Schwed.
55
Estn.
Schwed.
Estn.
55
55
Taf. XVI.
TAFEL XVII.
1 K opftuch .
2
3 B rauttuch
4 Kopftuch . .
5
„
6
77
7 B rauttuch
8 B rautschleier.
Paistel
r
Mohn
Alschwangen
77
Setukesien
St. Johannis
Kühno
N:o 106 Estn.
107
77
77
259
77
77
652 Lett.
77
650
77
77
17
Estn.
77
„ 344
77
200
77
77
Taf. XVII,
TAFEL XVIII.
1
Kopftuch .
4
Kopfbedeckung
Paistel
Tarvast
Paistel
Hallist
N:o 108 Estn.
„
94
„
„
109
„
„ 124
„
Taf. XVIII,
TAFEL XIX.
1 W interpelzmütze .
2 Filzhut
.
3 Strohhut . . .
4 Mütze aus W olle . .
5
n
33
F
i
l
z
h
u
t
......................
6
7
„
.
.
.
.
8
Baschlyk aus Wolle .
9
10
Mütze .
11
Troddelmütze
12
35
13
14
15
16
17
18
33
.
55
35
35
35
35
35
.
.
W erro
W orms
Setukesien
Jam m a
Grross-Irben
Setukesien
.
55
.
Emmast
Fickel
55
.
Mustel
Kergel
Jam m a
Kihelkond
Mustel
St. Johannis
Karris
Peude
33
85
510
53
403
695
54
33
33
N:o
55
35
33
33
„
V
33
33
33
33
33
33
33
33
447
163
162
353
354
352
351
355
356
357
358
Taf. XIX.
TAFEL XX.
1 Kranz für Mädchen .
2
5?
»?
H
3
• J?
»
J?
4 Brautkrone .
5
n
..............................................................
6 - -8 Verzierungen aus vergoldetem
Silber an der Krone 4.
. .
9 Rückentuch . .
. .
10 K inderkranz.
Kopftuch
.
. . . .
11
12 Kopfband
13 Stirnband
Nieder-Bartau
Alschwangen
Setukesien
Bogö
Worms
Setukesien
Keinis
Emmast
W orms
Peude
N:oj617
„ 649
Lett.
„
„
,,
Estn.
Schwed.
14
537
493
>5
„
19 Estn.
„ 435
n
,, 446
„ 492 Schwed.
„ 350 b Estn.
V)
Taf. XX.
TAFEL XXL
1
2
Mütze für Mädchen . .
55
n
55
Seehundsfangmütze .
Runde Mütze .
B rautkrone .
6 Frauenm ütze
7 B rautkrone . . .
8 Pelzmütze
9 Brautm ütze . .
10 Gehörnte Mütze .
11 Lederner M annshut . . .
12 Rothe Mütze . .
. .
18 Gehörnte Mütze .
14 Mütze f. Mädchen
15 D reihörnige Mütze . .
16 Gehörnte Mütze . . . .
17
55
n
•
3
4
5
.
.
.
.
.
.
.
.
.
W orms
St. Michaelis
Kühno
St. Johannis
Klein-Irben
W orms
Pisen
Nuckö
Setukesien
Kihelkond
Runö
Kühno
Mustel
Mohn
Fickel
Jamm a
Wolde
N:o 477 Schwed.
166 Estn.
55
220
w
349
55
683 Liv.
» 494 Schwed.
M 682 Liv.
521 Schwed.
57
15 Estn.
5?
359
55
592
Schwed.
55
199 Estn.
55
361
Schwed.
55
244
55
164
55
361
b T)
55
55
55
55
Taf. XXL
TAFEL XXII,
1
T a u f h a u b e ........................... .....
2
Haube „aus drei Stückchen“
„
f. Mädchen
3
4
5
6
7
8
9
10
„
„
f. W eib ............................
„aus zw ei Stückchen“
„
f. Mädchen
„
f. W eib
11
5?
11
11
.
.
.
.
.
.
11
Aufrechtstehende Haube
12
Alltags haube
13
„Harriensche“ Haube
.
.
.
.
W orms
Pisen
Huno
Alschwangen
Pisen
Rogö
Kühno
Runö
»
Pernau
Emmast
Mohn
1
N:o 475
688
561
653
687
538
198
564
562
127
443
245
256
n
1
1
1
11
11
T)
1
1
1
11
1
Taf. XXII.
TAFEL XXIII.
1 H a u b e ........................... .....
2
„
.
„aus drei Stückchen,, .
. . .
3 Korbhaube .
4 H aube. . .
5 Bunte Haube
6
Haube .
7
Korbhaube
8
Haube .
9
„
.
.
.
.
10
Brauttuch
.
.
.
11
12
Gehörnte Haube
.
.
.
Haube . . . .
13 Platte H a u b e ...........................
14 Aufrechtstehende Haube .
Peude
Sikragen
St. Jürgens
Nieder-Bartau
Kergel
Nuckö
. Röthel
Leal
. Hapsal
St.1- Johannis
•
99
Worms
Roicks
99
N:o 348
690
174
M
618
99
347
99
» 522
>5 169
» 171
172
99
344
99
343
n
495
99
4450
99
» 444
Taf. XXIII.
TAFEL XXIV.
1 Silberkette .
. .
2
5?
..............................................................
3
55
.
.
.
4
5
»
.....................
6 Ohrgehänge aus Bernstein . . .
7
55
55
55
•
8 Doppelknöpfe aus Messing . . .
„
„ Silber . . . .
9
10 H a l s s c h m u c k ....................
11 Silberne K n ö p f e ...............................
„
P e r l e n ...............................
12
13 Silberanhängsel u. Perlen . . . .
14
55
15--1 6
17 Gleldbreze
Rogö
Setukesien
55
55
55
55
Kutzau
N:o 540
28
tj
27
55
29
55
55
55
55
Runö
55
55
55
Kühno
Setukesien
75
55
„
Klein-St. Johannis
Fickel
Kühno
Hogö
55
55
55
55
55
55
Schwed.
Éstn.
55
55
55
615 Lett.
616
55
577 Schwed.
576
55
206 Estn.
25
55
24
55
117
55
161
207
55
541 Schwed.
55
Taf. XXIV.
TAFEL XXV,
1 Breze .
2
3
4
5
»'
6
«
7
8
9
10
11
12
n
ff
ff
n
ff
M
13
»
.....................
14 Halstuch und Breze .
15 Breze .
.
N:o 327
St. Johannis
160
Fickel
n
Klein-St. Johannis » 118
140
St. Jacobi
ff
612
Rutzau
ff
142
St. Jacobi
ff
326
St. Johannis
n
141
St. Jacobi
ff
325
Mustel
ff
647
Alschwangen
ff
613
Rutzau
/
ff
323
Mustel
ff
324
ff
ff
260
Mohn
ff
322
Kihelkond
ff
Taf. XXV.
TAFEL XXVI.
1
2
Silberne B r e z e ................................... Geg. von D orpat
„
„ , vergoldet und mit
Glasperlen
Alschwangen
N:o 179
„
644
Estn.
Lett.
Taf. XXVI.
TAFEL XXVII.
1
2
3
4
5
6
7
8
Silberbreze, v e r g o l d e t .................... Alschwangen
Schmuck: aus vergoldetem Silber .
55
St. Jacobi
Silberne Breze .
Mohn
V
Alschwangen
55
»
Kr. D orpat
55
55
n
55
n
55
55
St. Jacobi
W orms
Kuhno
;>
9
55
10 Kupferne „
11 Messingne „
12
r,
13 Kupferne
14
15 Bronzene
16 Silberne
17
v
18
55
19
w
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
36
37
38
39
n
55
55
55
„
55
55
55
55
55
55
55
55
Ring aus Silber
55
n
55
55
55
55
55
55
55
55
Klein-Irben
Kihelkond
Mohn
W orms
Mustel
Setukesien
Bronze .
Silber .
55
55
.
55
w
w
Gross-Irben
Rutzau
Kr. D orpat
Nucko
Runo
„ . . . .
„ , vergoldet .
55
55
Kr. D orpat
Kergel
Kr. D orpat
Kupfer
Silber .
Kupfer
15
55
55
55
Silber .
Setukesien
55
55
55
55
55
55
55
55
55
55
55
55
55
. Kergel
.
N:o 646 Lett.
645
55
55
147 Estn.
247
55
648 Lett.
55
176 Estn.
55
177
55
55
148
55
55
484
Schwed.
*5
203 Estn.
55
204
55
55
205
55
202
55
55
201
55
55' ■
680 Liv.
55
614 Lett.
55
178 Estn.
55
513 Schwed.
55
,i 574
55
575
55
55
567
n
55
Liv.
681
55
„ 368 Estn.
249
*
55
486 Schwed.
55
370 * Estn.
55
31
55
55
32
ii
55
181
;?
55
366
55
55
182
55
55
180
55
55
33
55
• 15
55
55
55
55
55
55
55
Mustel
Runo
55
55
55
55
364
55
367
55
365
55
369
«
566 Schwed.
Taf. XXVII.
TAFEL XXVIII,
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
Handschuh .
Pisen
Mustel
n
n
n
Nord-Kurland
Mustel
Gegend v. Libau
(im lett. Mus.)
. Bunö
Setukesien
ßunö
ftogö
V
Manshette . .
H albhandschuh.
Handschuh . .
n
n
>5
»
. . . .
Band für Handgelenk .
F rauenbeinling.
H albstrum pf
»?
Strum pf .
Socke .
Beinling .
Strum pf .
»
n
?»
„
.
>?
(im Lett. Mus.)
. Kühno
Setukesien
. Kühno
. Mohn
Kühno
n
.
B utz au
Mohn
Setukesien
. Bogö
. Paistel
. Pisen
Nieder-Bartau
Kühno
N:o 691 Liv.
„ 372 Estn.
„ 375
»
„ 642 Lett.
„ 371 Estn.
„ 643 Lett.
640
„ 568 Schwed.
„
61 Estn.
„ 594 Schwed.
545
n
'n
n n
„ 641 Lett.
„ 209 Estn.
„
36
„ 211
251
,, 225
»
„ 222
„ 623 Lett.
250 Estn.
)
n
„
58
»
» 546 Schwed.
„ 110 Estn.
„ 692 Liv.
„ 621 Lett.
„ 210 Estn.
Tai. XXVIII.
TAFEL XXIX.
1 Bastschuh
Pastel .
3
.....................
•
4 Bastschuhe (zum Trocknen) . .
. . . .
5 Pastel . . .
6
»
•
7 Pantoffel .
8 Schuhbrett .
9 Pastel . .
. . .
10 P a n to ffe l....................
. . . .
11 Eohrschuh aus Holz
12 Lederschuh . . . .
13 S c h u h sc h n a lle ...............................
14 Lederschuh . . .
15
16 Halbstiefel .
2
n
Estn.
n.
Alschwangen
Setukesien
Rogö
Runö
Mohn
Rogö
Runö
Peude
N:o 77
„
40
„ 657
.
39
, 543
„ 571
„ 254
„ 547
„ 599
„ 382
K arris
Punö
Mustel
Mohn
Alschwangen
» 411
„ 381.i
„ 600 Schwed.
„ 381.2 Estn.
„ 253
„ 658 Lett.
Setukesien
Lett.
Estn.
Schwed.
V)
Estn.
Schwed.
n
Estn.
n
v
Tai. XXIX.
TAFEL XXX.
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
Mannsgürtel
»
Kopfgürtel .
Hemdgürtel .
Frauengürtel
n
Strumpfband
Brautgürtel .
Frauengürtel
11
11
n
11
Mannsgürtel
ii
Geg. von Dorpat
N:o 187
Keinis
Setukesien
„ 455
„
„
18
Estn.
i
i
i
i
45
Mohn
„ 235
M aniainselbeiKühno „ 224 u. 227 c „
„ 622
Rutzau
Lett.
Setukesien
„ 10
Estn.
Worms
„ 480
Schwed.
Gross-Irben
„ 676
Liv.
Setukesien
St. Johannis
Alschwangen
ii
St. Jacobi
.
9
„ 330
Estn.
. 631
„ 669
„ 156
Lett.
Estn.
•XXX
m
m
TAFEL XXXI.
Eine Ecke des Umlegetnches in Taf. X II. 6
Paistel
N:o 104
Estn.
Taf. XXXI,
■W*".
