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Part of Island. Das Land und seine Bewohner
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ISLAND
DAS LAND UND SEINE BEWOHNER
NACH
DEN NEUESTEN QUELLEN
VON
J. C. POESTION.
MIT EINER KARTE.
WIEN
B R O C K H A U S E N & BRÄUE R
1885.
X
Alle Rechte Vorbehalten.
SEINER EXCELLENZ
DEM HOCHGEBORNEN HERRN
FRANZ GRAFEN VON MERAN
RITTER DES GOLDENEN VLIESSES ETC. ETC.
IN LANDSMÄNNISCH ANGESTAMMTER ERGEBENHEIT
GEWIDMET
VOM VERFASSER.
I
Vorwort.
Island zählt in mannigfacher Hinsicht zu den merk
würdigsten Erdtheilen. Das Land mit seiner ganzen Natur
und Beschaffenheit einerseits, das Volk mit seiner Ge
schichte, Sprache und Literatur anderseits bieten Er
scheinungen dar, welche in gleichem Maße das Interesse
des Geographen und Naturforschers, wie des Ethnographen,
Sprachforschers und Culturhistorikers erregen müssen.
Gleichwohl ist Island entschieden das unbekannteste Land
Europas. Es fehlt zwar durchaus nicht an Schriften über
diese wunderbare Insel; im Gegentheil, es ist eine ganze
auf Island bezügliche Literatur vorhanden; allein die weit
aus größte Mehrzahl dieser größeren und kleineren Schriften
in verschiedenen Sprachen besteht entweder aus mehr
oder weniger g e le h rte n Arbeiten über A 11 i s 1a n d oder*
aus Reisebeschreibungen. Was die ersteren betrifft, so
sind dieselben nur einem kleinen Kreise von Fachgelehr
ten bekannt und behandeln eben nur die Zustände des
Landes von seiner Entdeckung bis zum Untergänge des
Freistaates; die letzteren aber sind bis auf wenige Ausnah
men ganz unzuverlässige Berichte von Touristen, welche
ohne Kenntnis der Geschichte, der Sprache und Eigenart
des Volkes in kurzer Zeit einige Landestheile bereist
haben. Nur ganz wenige Schriften über das spätere Island
sind vorhanden, welche Land und Leute auf Grund sorg-
Vorwort.
VI
faltiger wissenschaftlicher Studien beschreiben; dieselben
sind jedoch durchaus veraltet. Über das Island der Ge-,
gen w art aber existiert — abgesehen von einem im Jahre
1881 in isländischer Sprache erschienenen kurzgefassten
Handbüchlein — kein Werk, das eine vollständige d. h.
alle Materien umfassende Beschreibung des Landes und
seiner Bewohner liefern würde. Diese Lücke in der geo
graphischen Literatur sucht die vorliegende Arbeit auszu
füllen. Die darin gegebene Beschreibung Islands beruht
nicht auf eigenen Beobachtungen. Widrige Verhältnisse
haben es mir bisher nicht erlaubt, das interessante Land,
mit dem ich mich seit Jahren literarisch beschäftige, aus
eigener Anschauung kennen zu lernen. Ich meine jedoch,
dass für ein Buch von der Art des vorliegenden, Autopsie
nicht unbedingt nothwendig ist, wenn man sich in der Lage
befindet, die neuesten und besten, insbesondere vom Lande
selbst ausgehenden Quellen kennen lernen und verwerten
zu können. In dieser Lage befinde ich mich in Bezug
auf Island. Durch meine Kenntnis der alt- und neu
isländischen Sprache und Literatur, durch meine fort
währenden Studien auf dem Gebiete des Isländischen
überhaupt, durch meine Verbindungen mit isländischen
Gelehrten und Literaten u. s. w. glaube ich die Gewähr
bieten zu können, dass ich nur die besten und zuver
lässigsten Quellen benützt und verwertet habe. Ich will
denn auch die wichtigsten derselben hier angeben. Dem
Buche ist vor Allem das schon erwähnte, zwar sehr
kurzgefasste aber dabei doch ganz ausgezeichnete Werkchen „Lysing Islands“ (d. h. Beschreibung Islands) von
dem isländischen Naturforscher und Realschullehrer ]?.
Thoroddsen zugrunde gelegt worden. Als zweite Haupt
quelle diente mir Kr. Kaalunds zweibändiges, höchst ge
diegenes Werk: „Bidrag til en historisk-topografisk Be-
VII
skrivelse af Island“ (Kopenhagen 1877—1882); in den
Capiteln über die wirtschaftlichen Zustände Islands folgte
ich hauptsächlich den Ausführungen C. Rosenbergs in
seinem Schriftchen „Fra Island i Nutiden Kopenh. 1877.“
Außerdem benützte ich an islä n d isc h e n Quellen die
„Frje-ttir frä Islandi“ (Reykjavik 1873—1884), „Almanak
Djödvinafelagsins (Kopenh. 1875—1885), Aufsätze in islän
dischen Zeitungen und Zeitschriften, isländische Correspon
denzen an dänische und schwedische Journale, endlich
zahlreiche briefliche Mittheilungen mir befreundeter Islän
der. Die statistischen Daten habe ich, insoweit dieselben
sich auf die Populationsverhältnisse Islands beziehen, den
officiellen Kundmachungen des „kgl. dänischen Statisti
schen Bureaus“ in Kopenhagen (in „Statistiske Meddelelser,
3die Rsekke, VI, Juni 1883) entnommen. Von deutschen
Werken waren vor allen die ausgezeichneten, auf Island
bezüglichen Arbeiten Konr. Maurers heranzuziehen; für
den naturwissenschaftlichen Theil lieferten Sartorius von
Waltershausen's „Physisch-geographische Skizze von Island“
(Göttingen 1847), Preyer und Zirkefs „Reise nach Island“
(Leipzig 1862), Winkler’s „Island. Der Bau seiner Ge
birge und dessen geologische Bedeutung“ (München, 1863)
und Keilhack’s „Reisebilder aus Island“ (Gera, 1885) wert
volles, z. Th. reichlich benütztes Material. Schweitzer’s
Schriftchen: „Island Land und Leute, Geschichte, Literatur
und Sprache“ (Leipzig 1885) konnte ebenfalls noch ver
glichen werden. Auch die neuesten französischen und
englischen Reisewerke über Island wurden nicht über
gangen.
Im vorliegenden Buche finden sich auch schon —
und zwar zum ersten Male — die im Sommer des ver
gangenen Jahres gemachten geographischen Entdeckungen
Thoroddsens verwertet. Dieselben haben auch in der
Vorwort.
Vorwort.
VIII
b.eigefügten, von mir nach den neuesten Forschungen bear
beiteten Karte Islands Berücksichtigung gefunden, so dass
diese Karte außer anderen z. Th. sehr bedeutenden Ab
weichungen zwei neue Flüsse, einen neuen großen See
u. dgl. m. enthält. Der Entdecker hat die Güte gehabt,
mir die betreffende Partie selbst in den Entwurf der
Karte einzuzeichnen. Bei Angabe von Höhen-, Längen- und
Flächenmaßen habe ich die Bezeichnungen der Quellen
beibehalten, um nicht durch Umrechnung der ohnehin
zumeist nur approximativ genommenen Zahlen noch un
genauere Ziffern zu erhalten.
An dieser Stelle will ich endlich allen Isländern,
die meine Arbeit auf die eine oder andere Art gefördert
haben, meinen wärmsten Dank aussprechen, ganz beson
ders aber den Herren: Universitätsprofessor Dr. Konr.
Gislason, Rector Dr. Jön Dorkelsson, Adjuncten Steingr.
Thorsteinsson, Realschullehrer Dorvaldur Thoroddsen, Redacteur Jön Olafsson, und stud. jur. Hannes Hafsteinn.
Dem ganzen braven Völkchen der Isländer aber ent
biete ich, indem ich dieses Buch in die Welt sende, einen
herzlichen stammesbrüderlichen Gruß.
Wien, im März 1885.
J. C. Poestion.
Lage, Gestalt, Größe, geologischer Bau und
Physiognomie Islands.
Die Insel Isla n d (d. h. Eisland) liegt am Rande des
nördlichen Polarkreises zwischen 63° 24' bis 66° 33' nörd
licher Breite und 6° 59' westlicher bis 4° 9' östl. Länge
von Ferro, 260 km östlich von Grönland, und 1010 km
westlich von Norwegen und zwar auf dem großen unter
seeischen Gebirgsquerrücken, der sich von Schottland in
nordwestlicher Richtung bis nach Grönland erstreckt, und
auf welchem auch die Farö- und Shetlandsinseln liegen.
Der Meridian von Ferro geht mitten durch das Land und
der Polarkreis berührt Melrakkasletta, den nördlichsten
Theil der breiten Landzunge, welche im Nordosten der
Insel zwischen dem Axarfjördur und dem Distilfjördur sich
erstreckt.
Die Insel ist im Westen, Süden, Osten und zum
größten Theile auch im Norden vom nördlichen atlantischen
Ocean, an seiner nördlichsten Landzunge (Melrakkasletta)
vom Eismeere bespült; sie bildet gewissermaßen eine
Brücke zwischen der alten und neuen Welt, dieser mehr
als jener angehörig, aber von jeder weit abgeschieden
und oft auch ganz abgeschlossen.
Die G e sta lt der Insel ist regelmäßig oval, und gegen
Süden zu keilförmig zugespitzt, wie dies bekanntlich bei
allen Landmassen der Fall ist, die im Norden breiter sind.
Hingegen bildet Island eine auffallende Ausnahme von der
P o e s t i o n , Island.
l
Gestalt-, Größe.
2
Regel, dass alle Erdtheile auf ihrer Südseite am meisten
gegliedert sind; denn hier finden wir die gerade entgegen
gesetzte Erscheinung, dass die ganze Küste mit a ll e i
n ig er A usnahm e der S ü d seite von einer Unzahl
größerer und kleinerer Einbuchtungen und Fjorde zer
schnitten ist; sie ist dabei klippig und steigt in der Regel
gleich sehr steil zu beträchtlicher Höhe empor, besonders
an der Südostseite, wo hohe Gfletscherplateaux in einer
Strecke von 185 km last unmittelbar aus dem Meere sich
zu erheben scheinen. Am meisten zerklüftet ist der nord
westliche Theil Islands, welcher eine 13.700 km2 große,
mittels einer nur 1.5km breiten Landenge mit dem übrigen
Lande zusammenhängende Halbinsel (die sogenannten Vestfir9ir) bildet
Das östlichste Vorgebirge von Island ist G erpir an der
Ostküste (in der Sucfur Mula. Sysla), nördlich vom Reydarfjördur, das westlichste ist Bj arg t ang ar (in der Bardastrandar Sysla), das südlichste D y r h 61 a - e y oder Portland
(in der Vestur Skaptafells Sysla), das nördlichste Rifstan g i auf Melrakkasletta (in der Nordur Dingeyjar Svsla).
Island ist 104.782km- (1903 Quadratmeilen) groß.**)
Die größte Ausdehnung^des Landes beträgt: von Osten
nach Westen d. i. von Ondverdarnes (in der Snaefellsnes
Sysla) bis Gerpir 490 km, und von Norden nach Süden
d. i. von Dalata am Siglutjördur (in der Eyjafjardar Sysla)
bis Dyrhöla-ey 357 km.
Hinsichtlich des g eo lo g isch en Baues von Island
hat man gefunden,*”) dass diese durch und durch vulka
nische Insel zumeist aus Basalt, Lava- und Aschenschichten
gebildet ist, welche übereinander gelagert sind. Dieselbe
ist darum auch zum grüßten Theile schwach gewölbtes,
wellenförmiges Hochland. VestfirÜir und AustfirÜir, die
ältesten Theile des Landes, sind beinahe ganz aus unge
*) Vgl. Petermann’s Mittheilungen, Ergänzungsheft Nr. 0:>, (1 SSO).
In den ,,Statistiske Meddelelser“ des kgl. dänischen Bureaus (3die
Raekke, VI, Juni 1SS3) ist der Flächeninhalt Islands nocli mit 1867*3 U]
Meilen berechnet.
**) Ich folge hier fast wörtlich den Ausführungen des trefflichen
isländischen Geologen Borvaldur Thoroddsen in dessen „-Lysing Islands“
(Kaupmannahöfn 1881) S. 47—51.
3
heuer großen, übereinander gelagerten Basaltschichten
-aufgebaut. Der mittlere Theil des Landes besteht zum
größten Theile aus Tuff^isl. möberg, n.), obschon sich
auch Basalt (isi. stallagrjöt, n.) und Lavaschichten da
zwischen finden. Der Tuff besteht bekanntlich aus erhär
teter vulkanischer Asche und Sand und ist oft sehr ver
ändert unter dem Einflüsse des Wassers und des Meeres.
Besonders die höchsten Theile des Landes, auf denen die
Gletscher ruhen, bestehen zumeist aus Tuff. Von dieser
Hochebene ragen an vielen Stellen scharfe Bergspitzen
aus Lavastein (isl. brunagrjöt, hraungryt, n.) und weißem
oder rothem Trachyt (isl. baulasteinn, m.) empor, welche
in einer späteren Periode jene Schichten durchbrochen
haben. Beim Erstarren der Basaltlagen haben sich häu
fig große Spalten gebildet, durch die nun das vulcanisc-he Feuer leicht bis an die Erdoberfläche hinauf
kommen konnte. Dieselben folgen gewissen Richtungen;
so laufen die Krater und Spalten der Vulcane im Süd
lande alle von Süd west gegen Nordost, im Nordlande
aber von Süd nach Nord. In gleicher Weise verhält es
sich mit den Höhenzügen, Thälern und Flüssen im mitt
leren Theile des Landes, und sogar auch die unterseeischen
Höhenrücken, welche zu beiden Seiten vom Lande aus
gehen, folgen derselben Richtung: dasselbe ist auch der
Fall bei den Trachytspitzen, vbei den heißen und warmen,
kohlensäure- und schwefelhaltigen Quellen; die Erdbeben
pflegen gleichfalls denselben Weg zu nehmen. Von bedeu
tendem Einfluss auf die Formation des Landes ist auch
das Wasser; derselbe hängt jedoch von der Beschaffenheit,
Neigung und Widerstandskraft der Erdschichten, sowie
von der Härte der Bergarten ab. Das Wasser strebt
bekanntlich überall nach, der tiefsten Stelle und er
weitert die schon vorhandenen Spalten. Wo sich harte
Steinarten in den Gebirgen befinden, sind diese spitz und
steil und die Thäler voll von Felsen und steilen Abhängen;
dies ist denn auch der Charakter des Landes in jenem
Theile von Island, wo sich besonders Basalt findet. Wo
hingegen die Gebirgsart weich ist, wie dies beim Tuff der
Fall, finden sich niedrige, kuppenförmige Rücken, breite
Thäler und sanft geneigte Abhänge. Auch die Buchten
Geologischer Bau.
Geologischer Bau.'
4
und. Fjorde hängen zum Theil von den Gebirgsarten ab,
die den Meeresgrund bilden; wo weiche Bergarten vor
handen sind, hat das Meer ein leichteres Spiel, und es
bildet sich eine Bucht; wo das Gestein härter ist und den
Meereswogen einen größeren Widerstand entgegensetzt,
ragen Landspitzen in das Meer hinaus.
Der größte Theil von Island ist durch vulcanische
Eruptionen gebildet, und ähnliche Bildungen des Feuers
finden sich sowohl nördlich als südlich von Island; nörd
lich von Island liegt die vulcanische Insel Jan Mayen,
und südlich von Island befindet sich im atlantischen Ocean
auf dem unterseeischen Gebirgsrücken eine ganze Reihe
vulcanischer Inseln, so dass Island als der Mittelpunkt
des großen vulcanischen Gebirges erscheint, das sich, so
zu sagen, von Pol zu Pol erstreckt. Die ältesten Bil
dungen des Landes befinden sich, wie schon gesagt, im
Osten und im Westen; gleichwohl ist das Land verhältnis
mäßig jung bezüglich seiner Bildung. Die Basaltschichten
im Osten und im Westen sind noch ziemlich rein erhalten;
doch ist später an einigen Stellen geschmolzener Stein
durch die Spalten in dieselben hinaufgedrungen. Die Tuff
schichten sind aller Wahrscheinlichkeit nach zum größten
Theile durch Ausbrüche und Aschenfall am Grunde des
Meeres gebildet worden.
Island hat sich allmählich aus dem Meere erhoben und
ist in der miocaenen Periode schon fast ganz über dem
Meere gewesen. Damals war die Insel mit Wald bewach
sen und Klima und Pflanzenwuchs waren zu jener Zeit auf
Island von derselben Beschaffenheit, welche jetzt dem mitt
leren Amerika (in Florida und Mexico) eigen ist. An
einigen Orten der Insel finden sich Überreste von Thieren
und Pflanzen aus einer etwas späteren (der pliocaenen) Zeit,
in welcher auf Island Nadelholz wuchs. Später trat auf der
Insel wie in allen nördlichen Ländern die Eiszeit ein und
Alles wurde unter einer Gletscherdecke begraben, gleich
derjenigen, welche jetzt den größten Theil von Grönland
bedeckt. Man kann auf Island noch viele Spuren aus
dieser Zeit sehen. Thäler und Fjorde wurden durch das
Eis ausgegraben oder vergrößert; die Gletscher führten
Gestein und Felsblöcke, Sand und Lehm mit sich, bauten
5
hier Höhenrücken und Hügel auf, vertieften dort Tkäler
und füllten andere mit Lehm und Grestein an. Die Hügel
und Sandhöhen, welche man auf Island überall sehen kann,
sind zu jener Zeit entstanden. An verschiedenen Orten
wurden auch durch das abgelagerte Gestein und den
Gletscherkies Thäler eingedämmt, und es haben sich dann,
als die Gletscher schmolzen, Seen gebildet. An einigen
Orten erstrecken sich breite Felsrücken vor der Fjord
mündung in das Meer hinaus, wodurch ein ausgezeichneter
Hafen entsteht. Vulcanische Ausbrüche, Flüsse, Gletscher
und das Meer haben im Vereine bei der Bildung der Fjorde
und Thäler mitgeholfen. Als das Eis dann schmolz, begann
Island das Aussehen, zu gewinnen, welches es noch jetzt
darbietet. Von den Lavafeldern Islands sind einzelne
schon vor der Eiszeit entstanden, die meisten hingegen
nach derselben, jedoch vor der Zeit der Besiedelung.
Diejenigen Lavafelder, welche vom Eis bedeckt waren,
sind ebener und für den Graswuchs geeigneter geworden,
indem die Krater und Schlackenerhöhungen fortgefegt
wurden. An einigen Orten, wo das Wasser Zugang hatte
und hinlänglicher Pflanzenwuchs vorhanden war, sind Moore
entstanden. Aus den Pflanzenüberresten hat sich Torf
gebildet und in diesem findet man oft große Zweige von
denselben Baumarten, welche jetzt auf der Insel wachsen.
Einige dieser Zweige stammen von Bäumen, welche vor
der Besiedelung der Insel dort gewachsen sind.
Der Lehm, den die Gletscher am Ende der Eiszeit,
als sie sich allmählich zurückzogen und verschwanden,
in die Thäler und Ebenen führten, hat die Unterlage für
das Erdreich gebildet, welches jetzt bebaut ist und auf
dem Gras wächst. Die Erde hat sich allmählich aus ver
faulten Pflanzenstoffen gebildet und ist auf Island nicht
unfruchtbarer als in anderen benachbarten Gebirgsländern,
wenngleich sie wenig bebaut ist. Seit der Besiedelung
des Landes hat sich die Beschaffenheit oder Natur des
selben kaum wesentlich verändert.
Die P hysiognom ie Islands ist denn auch zufolge
des eigentümlichen geologischen Baues dieser Insel eine
ganz eigenartige und dabei scharf ausgeprägte. Dieselbe
zeigt sich in ihrer ganzen Fremdartigkeit zumeist schon
Geologischer Bau.
Physiognomie Islands.
6
an der Küste und bringt auf denjenigen, der die Insel
vom Meere aus zum ersten Male erblickt, einen mächtigen
Eindruck hervor. „Man mag sich der Insel Island nähern,
in welcher Jahreszeit und von welcher Seite her man will,
überall treten dem Ankömmling eine Menge wilder, mit
ewigem Eis bedeckter Gebirgszüge und Bergkegel ent
gegen, woraus theils der gebirgige Charakter dieses Lan
des, theils der hohe Breitegracl, unter welchem dasselbe
gelegen, sogleich erkennbar ist. Nur an wenigen Orten
können Seeschiffe landen, weil die Ufer gewöhnlich steil
gegen das Meer abfallen, vor ihnen gefährliche Riffe,. oder
an den Mündungen größerer, doch sämmtlich nicht schiff
barer Flüsse, Untiefen und Sandbänke lagern, — auch
Meeresströmungen und Brandungen nicht unbedeutende
Hindernisse verursachen. Das schwärzliche Gestein der
vulcanischen Gebirge, welche Islands Feste bilden, im
Contraste mit den ihm aufliegenden, blendend weißen
Schneefeldern gewährt schon aus der Ferne für den Frem
den einen eigenthümlichen Anblick. In größerer Nähe
sieht man die zertrümmerten vulcanischen Felsen mit
weithin sich erstreckenden Schuttwällen umgeben, und an
zahllosen barock gestalteten Riffen und Blöcken brechen
sicli schäumend die Wogen. Dazwischen bahnen sich kleine,,
aber reißende Gletscherflüsse den Weg zum Meere,.
Gerolle, Schlacken und Sand führend, bisweilen von thonigen Bestandteilen weißlich, gelblich, grau, braun oder
röthlich gefärbt.“ *)
Der erste A n b lick Isla n d s, besonders der der Südseite, ist
schauerlich imposant und bleibt unvergesslich. Der letztere bietet
sieh dem Reisenden dar, der zur See von Südosten her nach Reykjavik
kommt. Sobald Island in Sicht kommt, sieht man zuerst nur ferne im.
Westen den schneeweißen Gipfel des Örsefajökull aus dem Meere auf
tauchen und später in undeutlichen Umrissen auch das Eishaupt des
M^rdalsjökull über den Wolken am Saume des Horizonts. Ist man in
die Nähe der Vestmanna-eyjar (Westmännerinseln) gekommen, so kann
man bei klarer Luft selbst die entferntesten Bergspitzen sehen und die
Südküste Islands entfaltet sich wie ein Panorama vor dem staunenden
Auge. Je weiter man nach Westen fährt, desto mehr Berge erscheinen.
Der östlichste, der zuerst sichtbar wird, ist, wie schon bemerkt, der
*) W. Ebel, Geographische Naturkunde (Königsberg, 1850)
S. 135 — G.
Erster Anblick Islands.
7
o-anz mit Schnee bedeckte Öraefajökull (d. li. (Wüstengletscher), dann tritt
der Myrdalsjökull hervor, ebenfalls im winterlichen Kleide; hinter ihm
sticht der dreiliörnige Urihyrningur (Dreihorn), der ganz schwarz ist, ge
waltig ab, während westlich vom M^rdalnr der schreckliche Yulcan
Evjafjallajökull seinen doppelten Gipfel erhebt. Er entzieht dem Blicke
zum Theil die weiße Hekla, die aber selten ganz klar ist, da ihr
Gipfel gewöhnlich in dichte Wolken gehüllt ist. Im Hintergründe ist
dann der gleichfalls mit Schnee bedeckte Tindfjallajökull zu sehen und
für einen Augenblick ragt auch der spitze Torfajükull in der Ferne
empor. Alle diese Berge gewähren einen ausnehmend schönen Anblick;
doch ist der erste Eindruck, den man hier von Island bekommt, kein
anheimelnder; man fühlt sich von den ungeheuren Massen, die von der
Natur hier angewendet werden, wie erdrückt.
Dieser überwältigende Eindruck wird noch dadurch gesteigert, dass
von der See aus, einige Meilen von der Küste entfernt gesehen, diese
Berge unmittelbar aus dem Meer aufzusteigen scheinen. Sie sind auch
überhaupt der Küste sehr nahe; eine Reihe niederer Bergrücken, die
ihnen vorgelagert sind, lehnen sich so eng an ihre tiefere eisfreie
Region, dass ihre Conturen in der Entfernung gewöhnlich gar nicht
wahrgenommen werden; ein schmaler, sanft abdachender Saum unmittel
bar an der Küste, an dem sich isländische Ansiedlungen befinden, ver
schwindet aber ganz. Dieser Theil der Insel ist übrigens gerade einer
der traurigsten des ganzen Landes und sowie man weiter nach Westen
kommt, wird auch die Scenerie ganz anders und doch auch etwas
freundlicher. Die Gletscher bleiben zurück und die Umrisse eines weiten,
düster gefärbten Landes, das sich stufenförmig erhebt, dehnen sich aus.
Kommt endlich das Cap Reykjanes, die äußerste Südwestspitze von
Island, in Sicht, so verliert sich das Stufenland zuletzt in einen langen
schwarzen Streifen. In ziemlicher Entfernung gegen Süden sieht man
bald links einen flachen Felsen mit steilen Wänden. Das ist „Eldey“
oder wie die dänischen Seeleute ihn nennen, „der Mehlsack“ ; noch weiter
draußen im Meere erblickt man einige kleine Felseninseln: die soge
nannten Fuglasker.
Einen Steinwurf weit vom Lande entfernt sieht man einen senk
rechten Felsen aus dem Meere emporragen, der einer Mannsgestalt nicht
unähnlich ist und deshalb Karlin (d. h. der Mann) genannt wird; sein
Weib — „Kerling“ — steht als ein spitziger Fels auf dem Vorgebirge
ihm gerade gegenüber (nach der Sage ein in Stein verwandeltes Riesenchepaar, welches früher die Reisenden beraubte). Bei dem Cap Reykjanes
halten sich immer zahlreiche Walfische auf; man sieht dieselben auf
allen Seiten sich herumtumnieln und dicke Strahlen in die Luft werfen.
Bereits südlich vom Cap glaubt man gegen Nordwest eine lichte Wolke
zu bemerken, unter welcher sich bald immer deutlicher ein dunkler
Rand zeigt: das ist der große Snaefellsjökull, der den äußersten Punkt
der großen Halbinsel bildet, die nördlich vom Faxafjördur gegen Westen
sich erstreckt. Hat man Cap Reykjanes umschifft, auf dem sich der
einzige, erst vor einigen Jahren errichtete Leuchtthurm Islands befindet,
so fährt man den „Fuß im Stiefel“ entlang bis über die Spitze „Skagi“
hinaus und biegt sodann in den großen schönen Faxafjördur ein. Ist
das Ziel der Reise Reykjavik, so fährt man jetzt in östlicher Richtung' 5
8
Erster Anblick Islands.
man sieht bald beinahe zusammenhängendes Land gegen Norden, denn
östlich vom Snsefellsj ökull wird die Bucht von .einer Reihe blauer Berge
begrenzt; nur das tiefere Land um die Mündung des Borgarfjöröur ver
birgt sich noch, während die Ostgrenze von den mächtigen Bergrücken
Skardsheidi (zwischen dem Borgafjördur und Hvalsfjördur) und Esja
(südlich vom Hvalsfjördur) gebildet, wird. Gegen Südost •und Süd er
scheint jetzt die Küste tiefer.
Man sieht hier sodann in weiterer Entfernung von der Küste eigenthümliche blaue Keg’el, Zacken und Rücken; es ist dies die Yulcanmasse,
die sich vom See Pingvallavatn über die Halbinsel bis nach Rejdvjanes
ausgebreitet hat. Ganz drinnen in der Bucht erstrecken sich zwei
kleinere Halbinseln gegen Nordwest; die eine derselben ist Seltjarnarnes,
auf deren Nordseite Reykjavik liegt, die andere ist Alptanes, mit dem
neuen Handelsplatz Hafnarfjördur. Man fährt noch zwischen einigen
flachen Inseln hindurch •und befindet sich sodann im Hafen von Reykjavik. Die Häuser der Stadt liegen gerade gegenüber in einer kleinen
Versenkung und auf den Hügeln zu beiden Seiten.
Fährt man mit dem Postdampfer der langen Route (um Island
herum) oder kommt man von Norwegen (z. B. Bergen) aus nach Island,
so ist es die Ostküste der Insel, die sich zuerst dem staunenden Blicke
darbietet. Doch ist der Eindruck hier kein so überwältigender als beim
Anblick der Südküste. Der mittlere Theil der Ostküste mit seinen Fjorden
und flachen Gebirgsrücken erinnert auf das Lebhafteste an die Küsten
landschaften Norwegens. Bei klarer Luft sieht man die Küste Islands
schon aus großer Ferne und kann die prachtvolle Reihe pyramiden
förmiger, bis zu 3000—4000 Fuß sich erhebender Gebirge bewundern.
— Niemand, der Island besucht, sollte es jedoch unterlassen, die schaurigschöne Natur der Insel zum ersten Male von ihrer Südküste aus auf
sich einwirken zu lassen.
Die Fahrt von Norwegen (Bergen) bis Seydisfjöröur an der Ost
küste dauert mit einem guten Dampfschiffe bei günstigem Wetter 3 Tage.
Über die Dauer der Fahrt von Kopenhagen nach Reykjavik und um
die Insel vergl. den im Capitel über den Handel mitgetheilten Fahrplan
der Postschiffe.
Das Meer um Island.
Wie schon oben bemerkt, liegt Island im nördlichen
atlantischen Ocean (Nordatlantik) mit Ausnahme jenes
nördlichsten Theiles, der vom Nordpolarmeer bespült
wird. Genauer genommen muss man jedoch sagen, dass
Island ganz im Nordatlantik liegt* denn der Theil des
arktischen Oceans, der Island berührt, gehört seiner natür
lichen Beschaffenheit nach, namentlich in Bezug auf die
9
Temperatur-Vertheilung und die Strömungen,. noch dem
Gebiete des atlantischen Oceans an, wie wir später sehen
werden. Für die Island umgebenden Meerestheile gibt
es jetzt die folgenden genaueren Bezeichnungen: das
zwischen Südost-Grönland und der Westküste Islands
gelegene, ca. \30 Sm breite Meer heißt die „D äne
m a rk -S tra ß e “ ; der zwischen dem nördlichen Ost-Grön
land und Island (im Westen), dann Jan Mayen, Spitzbergen,
Norwegen (im Osten), den Shetlands- und Farö-Inseln
(im Süden) sich erstreckende, nach Norden offene und in
den arktischen Ocean übergehende Meerestheil. welcher
erst in den letzten Jahren durch die norwegische Expedition
(Mohn) durchforscht worden ist, wird jetzt mit dem Namen
„E uropäisches N ordm eer“ oder auch „Norwegisches
Nordmeer“ bezeichnet (früher z. Th. „Grönländisches
Meer“ benannt). Die übrigen Theile des Island umgeben
den Meeres gehören dem großen Nordatlantik an, der
mit dem Polarmeere im Westen durch die DänemarkStraße, im Osten durch die ca. >400 Sm breite Wasser
straße zwischen Island, den Färöern und den ShetlandsInseln, welche in das „Europäische Nordmeer“ führt, in
Verbindung steht.
Den allgemeinen -Charakter des Island umgebenden
Meeres*) beschreibt Sartorius von Waltershausen in seiner
gediegenen „Physisch-geographischen Skizze von Island“
(Göttingen, 1847) mit folgenden Worten:
„Das isländische Meer steht durch Farbe und Bewe
gung im Einklang mit der Bildung der Wolken und der
Gestalt der Gebirge, es ist ebenso stürmisch und so grau,
als jene düster und drohend sind. Von der Ebbe und
Flut erst gesenkt, dann gehoben, rollen seine Wogen in
den engen Fjorden aus und ein; einsam donnern sie in
der Stille der Nacht um überhängende dunkle Vorgebirge
und um zernagte Klippen, die vom Staube der Brandung
umhüllt, unter ihren Schlägen erzittern. Wenn aber dann
Eintheilung.
*) Meer heißt auf isländisch: haf, n. oder sjor, m. der Meeresboden
heißt: mararbotn (marr ist ein alter poetischer Ausdruck für Meer), sjoar(sjavar-) botn, m., Meeresufer (Meeresstrand): mararbakki (inarbakki), m.
strönd, sjoarströnd, f.; der zur Zeit der Ebbe trocken liegende Theil des
Strandes: fjaraf.; ein sandiges Ufer: eyri, f. oder sandur, m. (= Sand).'
Formation und Tiefe.
10
in der Frühe die Sonne aus dem Nebel hervorbricht, so
ziehen hellgrüne Streiflichter durch das einförmige end
lose Element. Dies ist der Charakter des nördlichen
Oceans; vergebens sucht man jenes lasurne Blau des
Meeres bei Capri oder der Enge von Messina; vergebens
sucht man jene Pracht der Farben, welche die ebene
Fläche des Golfes von Sorrent in den Abendstunden vom
Himmel zurückwirft.“
F o r m a t i o n und T i e f e des M e e r e s b o d e n s
um Islan d . Der Meeresboden gleicht bekanntlich insoferne ganz der Oberfläche des festen Landes, als auch hier
Höhen und Tiefen d. s. Berge und Thäler, Gebirgszüge
und Plateaux, sowie Tiefebenen (Becken) mit einander ab
wechseln. Doch findet man auf demselben nicht so häufig
die schroffen Unebenheiten der Erdoberfläche, da die Ver
tiefungen durch abgestorbene Producte des Meeres (z. B.
Schalen von Muschelthieren u. dgl.) und sonstige Nieder
schläge ausgefüllt werden. In der Nähe von Land bildet
die unterseeische Landschaft in der Regel die Fortsetzung
der überseeischen Bodenformation und steht daher mit
dieser in enger Verbindung. Was Island betrifft,*) so
wissen wir bereits, dass diese Insel eine (vulcanische) Er
hebung des breiten unterseeischen Hochplateaus bildet,
das sich von Schottland in nordwestlicher Richtung bis
nach Grönland hin erstreckt. Dieses Plateau hängt im
Norden mit der ununterbrochenen Kette unterseeischer
Bergrücken zusammen, die sich durch die ganze Mitte der
Längenausdehnung des atlantischen Oceans von Nord nach
Süd hinzieht. Von Island selbst aus geht ein Längen
rücken, der nur vulcanische Inseln trägt (darunter die
Azoren) und unter dem Namen „Dolphin“ oder „der azorisclie Rücken“ bekannt ist. Nördlich von Island erstreckt
sich ein Höhenzug bis zur Insel Jan Mayen. Beiläufig
400 Sm südlich vom Cap Farewell zeigt sich eine unter
") Vgl. den Aufsatz von H. E. H elg e sen „Um sjä v a rb o tn in u , og um h ita og strau m a sjä v a rin s, k rin g um I s
la n d “ in: „Timarit hins islenzka bokmentafelags. 1 . Argangur. 1880.
2. hepti, S. 6ö—91 und Molm, die „Norwegische Nordmeer-Expedition“
in Petermanns Mittheilungen, Ergänzungsband XIV, Ergänzungslieft
Nr. 63.
11
seeische Erhebung, welcher zwischen der Eockall-Bank
und dem Cap Farewell eine zweite ähnliche folgt. Da in
der gleichen Richtung auch Island und Jan Mayen liegen,,
ist es sehr wahrscheinlich anzunehmen, dass hier ebenfalls
ein unterseeischer Bergrücken vorhanden ist, der sich von
Südwest nach Nordost hin erstreckt und mit den vulcanischen Erhebungen von Island und Jan Mayen zusammen
hängt. Diesen Plateaux stehen zwei, beziehungsweise vier
große Tiefebenen gegenüber, nämlich: das n o rd a tla n
tisch e, durch den oben bezeichneten Längerücken in
zwei Theile (Rinnen) gesonderte, T iefseeb eck en , und
die ebenfalls aus zwei von einander gesonderten Becken
bestehende E i s m e e rti e f e (arktisches Becken). Die west
liche Rinne beginnt zwischen Grönland und Labrador und
erstreckt sich auch nördlich bis zum Parallel von 65 n. B.
hinauf, die östliche schickt eine Zunge bis südöstlich von
Island. Übrigens sind für den Meerestheil südlich von
Island bis zu 60° n. B. bis jetzt noch keine genauen
Lothungen in größeren Tiefen vorhanden, so dass man
über die Bodengestaltung desselben noch nichts Sicheres
sagen kann. Das arktische Becken nimmt den größten
Theil des „Europäischen Nordmeeres“ ein, und zerfällt in
ein südliches, zwischen Norwegen, Jan Mayen und Island
gelegenes, von Süd nach Nord sich erstreckendes und in
ein nördliches, zwischen Spitzbergen und Grönland gelegenes
Becken. (Einen südwestlichen Ausläufer der Eismeertiefe
bildet die Farö-Shetland-Rinne, auch „Lightning-Canal“
genannt, zwischen der die Färöer tragenden Bank und
dem nordwestl. Abhang der Nordseebank.) Der Meeres
boden um Island ist übrigens, gleich jenem der Insel selbst,
infolge vulcanischer Umwälzungen mannigfachen Ver
änderungen unterworfen gewesen und solchen auch jetzt
noch immer ausgesetzt, so dass hier die unterseeische
Landschaft an gewissen Stellen fast fortwährend ein an
deres Aussehen erhält.
Tiefe. Die Tiefeverhältnisse des Island umgebenden
Meeres hängen natürlich innig zusammen mit der sub
marinen Bodengestaltung. Über den Höhenplateaux ist
die Tiefe bedeutend geringer als über den Becken, Thälern
und Klüften und sie nimmt über sanften Abhängen all
Tiefeverhältmsse.
Tiefeverliältnisse.
12
mählich zu. An den Steilküsten pflegt daher die Tiefe
gleich ziemlich bedeutend zu sein, da das Land mit dem
selben Grade der Neigung unter das Meeresniveau abfallt,
mit welchem es über demselben emporsteigt. Was die ein
zelnen Meerestheile betrifft, so gestalten sich ihre Tiefever
hältnisse (insoweit sie bekannt sind) folgendermaßen. Der
größte Theil der Dänemark-Straße [zwischen 65°—69°
n. B. und 35° —20° w. L. (Gr)] bis in die Nähe der Ost
küste von Grönland ist im Allgemeinen ziemlich flach;
die größten Tiefen betragen nämlich in diesem Theile nur
550—670. w. Nur auf und in der Nähe des Parallels von
65° n B. und des Meridians von 30° w. L. Anden sich,
entsprechend der äußersten Grenze der oben erwähnten
Einsenkung, Tiefen bis zu ca 1900 m vor. Sowohl im
südlicheren wie im nördlicheren Theile der DänemarkStraße sind die Tiefen größer als im mittleren. Nord
westlich und nördlich von Island, in der Richtung nach
der Blosseville-Küste zu, betragen die Tiefen 1425—1525 m.
Die durchschnittliche Tiefe des Meeres zwischen den
Faröern und Island beträgt nur ca 450 m Die größten
Tiefen befinden sich hier südöstlich von Island in der be
reits besprochenen östlichen Zunge des nordatlantischen
Tiefseebeckens in ca 64° n. B. und 14° w. L. und betragen
zwischen 575—1000 m. Für den südlich von Island ge
legenen Meerestheil liegen wie gesagt, noch keine genaueren
Lothungsergebnisse vor, welche uns über die Tiefeverhält
nisse desselben aufklären könnten. Von sehr bedeutender
Tiefe ist das arktische Becken. Der uns hier allein interessirende südliche Theil desselben, der erst in einer Tiefe
von 2750 m von dem nördlichen abgesondert wird, erreicht
eine Maximaltiefe von 3667 m in 68° 2F n. B und 2 ° 50'
w. L.
Da der Meeresboden um Island infolge vulcanischer
Einflüsse verschiedenen Veränderungen unterworfen war,
hat auch das Meer zu verschiedenen Zeiten und an den
verschiedenen Orten eine sehr ungleiche Tiefe gehabt
Und noch immer kann man bemerken, dass sich die sub
marinen Bodenverhältnisse ändern, da die Tiefe an einigen
Stellen zu-, an anderen abnimmt. Außerdem ist die Insel
noch immer in langsamer Erhebung begriffen. Dies ersieht
13
man u. A. daraus, dass die Wassertiefe auch in den
inneren Theilen der Meerbusen, besonders in denen des
Nordlandes, allmählich abnimmt und früher gute Hafen
plätze unbrauchbar geworden sind. Dass der Meeresboden
an vielen Stellen auch durch die Ablagerungen der Flüsse
seichter wird, ist hierbei natürlich mit in Betracht zu ziehen.
S onstige B eschaffenheit des M eeresbodens.
In der Nähe der Continente und Inseln besteht der Meeres
boden aus verschieden gefärbten Lehm-, Schlamm- und
Sandmassen sowie sonstigen Küstenablagerungen, die sich^
durch Strömungen begünstigt, weit in's Meer hinein aus
dehnen und Detritusproducte der Küsten und das durch die
Flüsse außer Sand eingeführte Material enthalten. In der
Nähe vulcanischer Inseln wie Island ist der Schlamm grau,
der Sand entweder ebenfalls grau oder auch schwarz und
schieferfarbig und der Meeresboden ist auch mit Stücken
von Bimsstein und Lava bedeckt. Im Nordatlantik ist
der Lehm von rother und grauer Farbe; in weiterer Ent
fernung vom Lande ist der Meeresboden mit Schlamm be
deckt, in dem Kalk- und Kieselschalen kleiner Thiere
liegen; auch vulcanische Producte werden hier noch an
getroffen. Was den Boden des Nordmeers betrifft, so ist
derselbe in der Nähe der Küsten theils lehmig, theils steinig.
Unterhalb ]80öm ist er mit einem feinen breiartigen
Schlamm bedeckt, welcher nach der großen Menge der in
ihm vorkommenden Schalen der zu der ForaminiferenOrdnung gehörenden Biloculina „Biloculihen-Schlamm“
benannt worden ist.
D ich te und S alzg eh alt des M eerw assers. Der
Salzgehalt des Meeres nimmt im Allgemeinen von der
offenen See aus nach den Küsten hin ab, da hier das ein
mündende Süßwasser der Flüsse verdünnend wirkt. Ver
dünnung des Meer wassers wird auch herbeigeführt durch
das Schmelzen des Treibeises. Doch wird dadurch nur
der Salzgehalt des Oberflächenwassers wesentlich ver
mindert, da sich das Schmelzen des Eises nur auf die
oberen Schichten beschränkt. Der Salzgehalt und die
Dichte des Wassers in den verschiedenen Meeren und
Meerestheilen ist nicht gleich. Wir ziehen hier nur das
Wasser des Nordatlantik, des europäischen Nordmeeres und
Beschaffenheit des Meeresbodens.
das Wasser im Eise bei Ost Grönland in Betracht, für
welche folgende Werte gefunden wurden (die Dichte
auf 17’5° reduciert):
M e e r e s t li e i 1
ic h te
' DG7‘ö°)
i
Nordatlantik (59°—GGl> nürdl. Br. \
und 5°—0° östl. L.) . . . .
Nordmeer (G5P—75° nördl. Br. und 1
4°-12° westl. L . ) ......................|
Im Eis bei Ost-Grönland (71°—75° 1
n. Br. und 1 1 °— 18" westl.‘ L .). j
j S a 1z g e li a 11
in %
1-0270
3-51
10260
3-38
1-0252
3*28
:
In größeren Tiefen und am Boden des Meeres zwischen
Island und Norwegen bis zum Polarkreise hat jedoch das
Wasser des Nordmeeres einen Salzgehalt von über 3'ö0/0,
woraus man ebenfalls ersehen kann, dass ein großer Theil
dieses Meeres selbst weit innerhalb des Polarkreises noch
zum atlantischen Ocean gehört.
B ew egungen des M eeres. Da Island nach allen
Seiten hin so weit vom Festlande abliegt, ist dem Meere,
das zumeist auch eine bedeutende Tiefe hat, ein fast unbe
schränkter Spielraum geboten. Dasselbe befindet sich
daher fast immer in einer gewaltigen Bewegung und bringt
an felsigen und steilen Küsten, besonders an der buchtund hafenarmen Südküste, durch den mächtigen Anprall
der Wogen eine fürchterliche Brandung hervor. Man will
aber trotz dieser heftigen Bewegung des Meeres be
obachtet haben, dass unter sonstigen normalen Verhält
nissen im Wellengänge eine bestimmte Regelmäßigkeit
sich zeige, indem immer nach achtzehn, zwölf oder sechs
großen Wellen unmittelbar drei kleine oder schwache
Wellen folgen sollen. Heftige Stürme, antreibende riesige
Eismassen und. andere äußere Einwirkungen machen sich
jedoch hierbei in verschiedener Weise störend geltend.
Bemerkenswert ist, dass immer die Brandung ganz auf
hört, wenn das Meereis in der Nähe ist. Zum Theil recht
gefährlich für . die Schiffahrt sind verschiedene Strom
15
wirbel oder Mahlströme (isl. rastir; sing, röst, fern.), die
sich in der Nähe von Vorgebirgen befinden. Der bekannteste
Malmstrom ist die Latraröst, westlich von Bjargtangar. Die
stärksten Strömungen trifft man überhaupt auf der Halb
insel Vestfirdir an, besonders noch im nördlichsten Theile
derselben, so z. B. westlich vom Vorgebirge Straumnes
die Sträum nesröst, außerhalb des Caps Horn die soge
nannte K r in gl a (d. h. Kreis), welche eine wirkliche Trich
terform haben soll, u s w. Von ähnlichen Strömungen in
anderen Theilen des Meeres sind noch bemerkenswert:
die Länganesröst, die Dalaröst mit vier Strudeln, die
Öndverdarnesröst u. s. w.; die früher sehr gefürchtete Reykjanesröst ist jetzt wenig gefährlich; die See ist hier über
haupt sehr unruhig, woran wohl die schon erwähnte unter
seeische Landzunge schuld ist, die sich hier weit ins Meer
hinaus erstreckt. An einigen Stellen besteht auch eine
starke Strömung in Buchten, so z. B. im Breidifjördur in
dem auch (vor dem Hvammsfjöröur und Gilsfjördur) Insel
gruppen und Untiefen sich befinden, an denen, wenn das
Wasser zwischen ihnen durch Ebbe und Flut ab- und
zugeführt wird, bedeutende Strömungen entstehen; eine
der stärksten dieser Strömungen, welche unter dem Namen
K olikö stu n g u r bekannt ist, befindet sich am Eingang
zum Hvammsfjördur. Die Schiffe müssen, wo solche Strö
mungen vorhanden sind, die günstigste Gelegenheit bei
Ebbe und Flut abwarten, um vorwärts zu kommen.
E b be und F lu t. Die regelmäßige Bewegung des
Meeres, welche durch die Anziehungskraft von Sonne und
Mond hervorgerufen wird, ist bekanntlich auf offener See
weniger gewaltig als in engen Buchten, Sunden und Fjor
den, die von dem großen Meere mehr oder weniger abge
zweigt sind. Dieselbe ist daher auch bei Island nicht sehr
stark. Der Unterschied im Stande des Meeres bei Ebbe
und Flut beträgt an den Küsten Islands nur 6 bis 12
Fuß. An einigen Orten treten dadurch Unregelmäßig
keiten in der periodischen Bewegung des Meeres ein, dass
die warmen und kalten Ströme und Ebbe und Flut gegen
seitig auf einander einwirken.
M eeresström ungen. Zu den regelmäßigen Bewe
gungen des Meeres gehören auch bestimmte Strömungen
Ebbe uncl Flut.
Meeresströmungen.
16
d. h. 'flussartig strömende Meerstraßen, die wohl einer
seits mit der Umdrehung der Erde, anderseits mit den
Luftströmungen d. i. den Winden Zusammenhängen. Diese
Strömungen sind bekanntlich nicht nur von Nutzen für
die Schiffahrt, sondern üben auch einen großen Einfluss
auf das Klima der benachbarten Länder aus. Letzteres
ist in ganz besonderem Grade auch hinsichtlich Islands
der Fall; wir müssen daher den diesbezüglichen Erschei*
nungen in dem die Insel umgebenden Meere eine genauere
Beachtung schenken.
Man hat bisher von den Strömungen des atlantischen
Oceans immer dem Golfstrom die Erwärmung der nörd
lichen Länder und auch Islands zugeschrieben. Dies ist
nach den neuesten oceanographischen Untersuchungen nicht
mehr anzunehmen. Der Golf- oder Florida-Strom bildet
eine Fortsetzung des Guajana-Stroms, der von der Ost
spitze Brasiliens heraufkommt und seinen Weg in das
caraibische Meer und den Golf von Mexico nimmt; von
hier aus wendet sich derselbe, unter dem Namen Golf
strom, durch die Straße von Florida und zwar in dieser
selbst zuerst in nördlicher, später in nordnordöstlicher und
nordöstlicher Richtung der Ostküste Nordamerikas zu, um
sich bei Halifax deltaförmig in mehrere kleinere Arme
zu theilen, beziehungsweise gegen Nordost in die soge
nannte Golfstromdrift zu verlaufen. Nur dieser d. i. der
von den Mündungen des Mississippi im Golf von Mexico bis
zum circa 45° n. B und circa 40° w. L. liegende Theil des
warmen Stromes bildet das Gebiet des eigentlichen Golf
stromes. Zwischen den Parallelen von 30° und 40° Nord
und den Meridianen von 70° und 40° West erstreckt sich
bis zu einer Tiefe von circa 550 m eine warme Wasser
masse mit einer Oberflächentemperatur von mehr als 15*6°.
Der Ursprung derselben ist nicht vom Golfstrom, sondern
höchst wahrscheinlich von der Fortführung des durch
fortgesetzte Insolation stärker erwärmten tropischen Was
sers unterhalb der Oberfläche bis in hohe Breiten und in
der durch die Erdrotation bewirkten Ablenkung dessel
ben nach Nordost herzuleiten. *)
*) v. Bogrislawski, Oceanograpliie, S. 255.
17
Nördlich von dem hohen Luftdruck bei den Azoren
bringen nun die westlichen und südwestlichen Winde aus
dieser Wassermasse einen großen vielverzweigten Drift
strom hervor, dessen H a u p tric h tu n g gegen Nordost
geht, und der das warme Oberflächenwasser bis zu den
Breitegraden Spitzbergens hinauf bringt. Dies ist der
warme Strom, der für das Winterklima Europas und auch
Islands so große Bedeutung hat. Die Bezeichnung „Golf
stromdrift“ aber kommt demselben, wie man nun sieht, in
keiner Weise zu und muss entschieden aufgegeben werden.
Ein kleiner Arm dieser breiten Drift, der sich nicht auf
die Oberfläche allein beschränkt, sondern bis in größere
Tiefen hinabreicht, zweigt gegen Nord west ab und strömt
durch die Ostseite der Dänemark-Straße längs der West
küste Islands gegen Norden und dann, um das Cap Nord
biegend, längs der Nordküste der Insel nach Osten. Dieser
auch erst vor nicht langer Zeit entdeckte Strom wird jetzt
In n in g er-Strom genannt (nach Admiral Irminger, der
sich durch seine Untersuchungen in den Island umgeben
den Meeren große Verdienste erworben hat). Diesen warmen,
von Süden her kommenden Strömen steht ein mächtiger,
kalter, dem Eismeere entstammender Driftstrom gegenüber,
welcher der „arktische“ oder „P o lar-S tro m “ (auch „der
ostgrönländische Strom“) genannt wdrd. Derselbe fließt,
dicht mit Treibeis angefüllt, längs der Küste von Ost
grönland durch die Dänemark-Straße nach Südwest bis
zum Cap Farewell und biegt um dieses herum noch eine
Strecke weit in die Davis-Straße hinein, wo er sich mit
dem durch die Baffins-Bai und die Davis-Straße hinab
getriebenen kalten Wasser, dem Labrador-Strom, vereinigt.
An den Bänken von Neu-Fundland trifft der arktische
Strom mit dem Golfstrom zusammen, liier schmelzen all
mählich die von Norden hergeführten Eisberge, die Wasser
massen des kalten Polar-Stromes hören nach der Begegnung
mit dem Golfstrom auf, an der Oberfläche zu fließen,
sinken infolge ihrer größeren Dichtigkeit unter denselben
und bilden unterhalb des Golfstromes die mächtige arktische
U nter Strömung, welche sich noch weiter südwärts bis
ca 36° n. B. erstreckt. Auch wo sich sonst die kalte
und warme Strömung begegnen, entsteht gewissermaßen
Irminger- und Polar-Strom.
P o e s t io n . Island.
Treibholz.
18
ein Kampf derselben um die Herrschaft. So wird der
Irminger-Strom im- Westen der Dänemark-Straße sowohl
an der Oberfläche als auch in der Tiefe vom Polar-Strom
verdrängt, der in. dem westlichen Theile der DänemarkStraße einen kalten, bis zum Boden gehenden Strom bildet.
Die Scheidelinie zwischen dem kalten und warmen Wasser
bildet hier die (allerdings von Jahr zu Jahr sich verschie
bende) Eisgrenze.
T re ib h o lz (isländ. rekavicfur, m.). Den Meeres
strömungen verdankt Island die Zufuhr mancher ihm
fehlenden Producte, worunter am wichtigsten das Treibholz.
Die warme Strömung bringt Holz aus dem Stromgebiet
des Mississippi, wo viele Bäume ins Meer geschwemmt, und
vom Golfstrom weiter getragen werden, der sie an die
nordöstliche Drift abgibt, durch welche sie an die Küsten
Islands gelangen. Es ist dies zumeist Mahagoniholz, welches
man daher auch auf Island nicht selten zu allerlei Gegen
ständen verarbeitet Anden kann. Allerdings wird dieses
Treibholz bei der zunehmenden Cultur Amerikas immer
seltener.*) Wichtiger ist darum für die holzarme Insel
der Polarstrom, welcher Zweige und Stämme von Fichten,
Tannen, Lärchen und Pappeln herbeiführt, die von den
sibirischen Flüssen in’s Meer geschwemmt wurden. Die
Baumstämme sind gewöhnlich mit Insecten, Muscheln und
Seegewächsen bedeckt und mit Phyladen durchbohrt*, auch
fehlt ihnen die Rinde und sie sind von der Luft so sehr
gebleicht, dass die Oberfläche ein weißgraues Aussehen
bekommt. Bisweilen ist das Treibholz unter solchem
Drucke zwischen die Eismassen eingepresst, dass es in
Brand geräth und dann natürlich für die Isländer ver
loren geht. Das Holz der angetriebenen Baumstämme ist
nach den Erfahrungen der Isländer viel dauerhafter und
brauchbarer als das importirte Bauholz und wird deshalb
mit Vorliebe für die Neben- und sonstigen Gebäude ver
wendet, in denen große Feuchtigkeit zu herrschen pflegt.
") Von anderen minder -wichtigen Producten sei hier noch erwähnt
die harte Hülsenfracht der Mimosa scandens, welche hei den Isländern
unter dem Namen „lausnarstein“ d. h. Erlösung»- (Entbinduugs-) Stein im
Aberglauben eine hervorragende Polle spielt. (Vgl. K. Maurer, Isländ. '
Volkssagen der Gegenwart. Leipzig 1S60. S. 180—181).
19
Übrigens würde das Treibholz für Island von noch größerem
Nutzen sein, wenn der Transport desselben weniger
schwierig wäre 5 zu Lande ist derselbe aber geradezu un
möglich.
T re ib e is (isländ. hafis, m.). Aber auch eine oft
schlimme und verhängnisvolle Bescheerung bringt der
Polar-Strom den Isländern, nämlich das Treibeis. Durch
lange anhaltende Nord- und Nordwest winde wird dasselbe
aus der Bahn des Polar-Stromes in die warme, längs der
Westküste Islands nordwärts streichende Drift gedrängt und
von dieser an die Nord- und Ostküste der Insel weiter ge
führt, wo es dann große Kälte verbreitet und die Küsten
blokirt. In der Regel bleibt es nicht sehr lange an einem
Orte liegen, sondern wird von der warmen Strömung wieder
weiter getrieben, und gelangt schließlich in den breiten öst
lichen Arm des warmen Driftstroms, wo es schmilzt. Da
östlich von Island auch Treibeis direct aus dem Norden in
das warme Wasser kommt und schmilzt, so entwickeln sich
hier durch das Schmelzen so zahlreicher Eismassen immer
mehr Wasserdünste, welche für die Ostküste Islands fast
beständigen starken Nebel zur Folge haben. Bisweilen
wird Treibeis vom Winde auch bis an die Südküste Islands
getrieben und dasselbe kann dann von hier aus noch an die
Westküste gelangen, um aber bald im warmen Wasser zu
verschwinden. Doch ist das Erscheinen von Meereis, beson
ders Eisbergen, an der südlichen Westküste im Ganzen
ziemlich selten. In der Regel bildet denn auch das Treibeis
für Island keine besondere Beschwer, abgesehen davon,
dass wohl ihm zumeist der große Unterschied zwischen der
Temperatur des Nordlandes und der des Südlandes —
nämlich nicht weniger als 4° C bei einem Abstande von
nur 2 1/2 Breitegraden — zuzuschreiben ist. Es führt viel
mehr häufig willkommene Jagdbeute mit sich, indem mit
den mächtigen Schollen Eisbären, Seehunde und Walfische
an die Küste und ans Land gelangen. Wenn sich aber
infolge andauernder Nord- und Nord west-Winde die
ostgrönländischen und spitzbergischen Eismassen an der
Nordwest- und Nordküste anhäufen und lange liegen bleiben,
dann werden sie der ganzen Insel verderblich und führen
namenloses Elend herbei. So war es im Jahre 1866, so
Treibeis.
Temperatur des Meeres.
20
war es auch vor drei Jahren (1882) wieder, als fast alle
Welt an dem Unglück des armen, braven Völkleins der
Isländer Antheil nahm. Die Treibeisgrenze, die sich sonst
ziemlich nördlich und westlich von Island hält, rückt dann
bis an dessen Küsten vor. Auf einen strengen Winter
folgt ein kalter Sommer, die Lebensmittel gehen aus, die
Weiden liefern nicht das genügende Futter für den Vieh
stand, der zum Theil umkommt, Hungersnoth tritt ein und
die Linderung derselben durch Zufuhr von außen wird
erschwert oder unmöglich gemacht durch das Eis, das die
Küsten blokirt. — Das Eis erscheint an der Nordküste oft
ganz plötzlich, so dass man z. B. Abends selbst von den
höchsten Bergen aus nichts davon sehen kann, am nächsten
Morgen aber alle Buchten damit angefüllt sind. Oft ver
schwindet es auch ebenso plötzlich wieder. Auf hoher See
kündigt sich die Nähe von Treibeis durch plötzliche Stille
im Meere oder hie und da auch durch einen besonderen,
leuchtenden Schimmer am Horizonte (Eisblick) an. Da
übrigens der größte Theil der Eisblöcke sich unter Wasser
befindet, haben die Meeresströmungen mehr Gewalt über
dieselben als die Winde, ausgenommen wenn diese zu
lang andauernden heftigen Stürmen werden. Deshalb sind
die größeren Eismassen oft in weit schnellerer Bewegung
als die kleineren, und treiben nicht selten 'gerade gegen
den Wind an. Das Treibeis selbst besteht entweder aus
berghohen Eisblöcken (Eisbergen; isländ. fjalljaki, m .; fjalljökull, m.) von hellschimmernder Klarheit oder aus riesigen
seegrünen Eisschollen (isl. isjakii hafisjaki, jaki, m», auch
flakis, m.), die in der Regel eine Dicke von 3 —5*5 nt
haben; es stammt von sehr großen Gletschern auf Grön
land und Spitzbergen, die sich bis in’s Meer hinein er
strecken und hier diese Eiscolosse abstoßen, welche theils
durch die Winde, theils durch den Polarstrom nach dem
Süden geführt werden.
T e m p e ra tu r des M eeres. Wie schon aus dem
unmittelbar Vorausgegangenen ersichtlich ist, sind die Tem
peraturverhältnisse des Meeres um Island sehr ungleich und
z. Th. von der Art der Meeresströmungen abhängig. Doch
ist die Temperatur des Nordatlantik von der des Eismeeres
überhaupt schon ganz verschieden, indem die erstere bis
21
in die Tiefe (doch dem allgemeinen Gesetze der Wärmeabnahme des oceanischen Wassers mit wachsender Tiefe
folgend) auf der Scala über 0° sich bewegt, während die
letztere u n te r 0 ° bis zu 1 0 variirt. Die Grenze zwischen
dem bis in die Tiefe .w arm en (über 0°) Wasser des
atlantischen Meeres und dem k a lte n (unter 0°) Wasser
der Eismeertiefe bildet im Osten der oben erwähnte
unterseeische Querrücken, welcher sich von Schottland
aus nach Island erstreckt und den Namen Wyville Thom*
son-Rücken erhalten hat. Dieser nur ca 550 m unter der
Oberfläche liegende Rücken, durch die Shetlands- und FaröInseln eigentlich in drei Rücken getheilt, sperrt die mächtigen
Massen eiskalten Wassers der Eismeertiefe, von welchen
die tiefe Rinne zwischen den Shetlands- und Farö-Inseln
(Lightning- oder Farö-Shetland-Canal) ein südwestlicher
Ausläufer ist, ab und verhindert sie, in die Tiefen des
nördlichen Theiles des atlantischen Oceans einzudringen,
welche mit warmem Wasser gefüllt sind, das sich, wie wir
gesehen haben, noch weiter nach Nordost bis nach Nor
wegen und noch weiter nördlich hinauf erstreckt. Da das
warme Wasser leichter ist als das kalte, strömt es noch
über die Querrücken hinüber, bleibt aber, sowie dieselben
überschritten sind, auf die oberen Schichten beschränkt.
Wenden wir uns nach Westen, so finden wir als
Scheidelinie zwischen kaltem und warmem Wasser die Eis
grenze (vgl. oben). Im schmälsten Theile der DänemarkStraße fließt kaltes Wasser an der Oberfläche oder in ge
ringen Tiefen unterhalb derselben über wärmerem Wasser,
so dass die Temperatur von den oberen Schichten nach
unten zunimn# und erst von einer bestimmten Tiefe an
abzunehmen beginnt. Diese letztere Thatsache ist nach
Capit. Hoffmeyer, *) der zuerst die bezüglichen Verhältnisse
in der Dänemark-Straße untersuchte, daraus zu erklären,
dass der Strom der Dänemark-Straße den vollen Salzgehalt
des atlantischen Wassers besitzt, während das kalte Wasser,
sobald es sich der Eiskante nähert, an Salzgehalt so
stark abnimmt, dass dasselbe, ungeachtet seiner niedrige
Temperatur des Meeres.
*) Vg*l. Geografisk Tidsskrift, I. 1878, 1 ft’, n. Annalen der Hydro
graphie und Maritimen Meteorologie, 1880. 173—192.
Luftdruck- und Windverhältnisse.
22
ren Temperatur doch leichter wird, als das wärmere und
sich über dieses ausbreiten kann. Der Ursprung des gerin
geren Salzgehaltes des kalten Oberflächenwassers ist, wie
wir oben gesehen haben, in dem Schmelzen des Eises zu
suchen, welches sich allein auf die oberen Schichten
beschränkt, während in der Tiefe beide Ströme ungefähr
denselben Salzgehalt haben, so dass hier das kalte Wasser
stets das dichteste ist und das warme Wasser zu ver
drängen vermag. Diese für die Dänemark-Straße gefunde
nen Verhältnisse der Temperaturvertheilung gelten nach
neueren Untersuchungen auch für die Meerestheile weiter
nach Norden und Osten hin längs der Nordküste von
Island. Wir können hier jedoch auf die näheren Details
nicht noch weiter eingehen, und verweisen daher besser
auf die diesbezüglichen Ausführungen v. Boguslawskfs in
dessen „Handbuch der Oeeanographie“, Band I., S. 326 ff,
dem wir hier und oben verschiedene einschlägige Bemer
kungen entnommen haben. All diesen Strömungs- und
Dichtigkeits-Verhältnissen hat es Island zu verdanken, dass
es rin gsu m von w arm em W asser (über 0 °) um
g eben ist, d essen T e m p eratu r n ur an derN o rd o s t k 11 s t e w en ig er als -|- 5 0 b e trä g t.
L u ftd ru c k - und W in d v erh ältn isse. Für das
nördliche Polarmeer und das Nordmeer sind die Verhält
nisse des Luftdrucks und der Windvertheilung noch nicht
genügend aufgeklärt; vom atlantischen Ocean hingegen
wissen wir, das dem hohen Luftdruck, der südlich von
den Azoren das ganze Jahr hindurch auf demselben liegt,
südwestlich von Island stets mit Ausnahme des Sommers ein
stark ausgebildeter n ie d rig e r Luftdruck gegenübersteht,
der von mehreren weniger entwickelten und ziemlich ver
änderlichen Luftpressionen theils in der Davis-Straße, theils
längs der nordwestlichen Küsten Europas hinauf gestützt
wird. Die Winde im nordatlantischen Becken sind des
halb zufolge der Lage zwischen dem hohen Druck im
Süden und dem niedrigen in Nord west und Nord zumeist
westlich und südwestlich; sie wirken bestimmend auf das
Klima von Westeuropa ein, haben aber auf Island nicht
mehr dominirenden Einfluss, sondern müssen den das ganze
Jahr hindurch vorherrschenden Nordost- und Ost-Winden
23
weichen. Von dem Einfluss der verschiedenen Winde auf
das Klima soll im folgenden Abschnitte ausführlicher ge
handelt werden.
Klima.
Klima.
Das Klima (isländ. lopts-lag, n.) ist im Allgemeinen
bedingt von der geographischen Lage, im Besonderen aber
von einer Reihe localer Verhältnisse meteorologischer, orograpliischer, oft auch maritimer und sonstiger Natur. Seiner
geographischen Lage nach müsste Island, das an seinem
nördlichsten Theile vom Polarkreis berührt wird, ein über
aus kaltes, strenges Klima haben, wie denn auch so häufig
angenommen und behauptet wird. Wie aber Island in so
man cif anderer Hinsicht als ein rätliselliaftes, wunderbares
Land gilt, so erscheint es als solches fast auch in Bezug
auf sein (normales) Klima. Dasselbe ist nämlich ganz
unverhältnismäßig m ild im Vergleich zur hohen Lage
der Insel. Um gleich einen praktischen Beleg für diese
Thatsache zu bringen, sei mitgetheilt, dass auf der
nördlichsten zu Island gehörigen, innerhalb des Polar
kreises gelegenen Insel Grimsey die Durchschnittstempe
ratur im Januar (= — 2° C.) um drei Grad höher ist
als die in Stockholm, um 17 Grad höher als die in dem
rund zehn Breitegrade südlicher gelegenen Nain in Labra
dor und dass die Hauptstadt Islands, Reykjavik, im gleichen
Monat dieselbe Durchschnittstemperatur hat, wie das liebliche
Graz, die Hauptstadt Steiermarks, die um 17 Breitegrade
südlicher gelegen ist als Reykjavik * für den Sommer aber
ist Island in neuerer Zeit von ärztlicher Seite geradezu
als klimatischer Curort für Lungenkranke vorgeschlagen
worden! *) Für diese Anomalie gibt es indessen eine
leichte Erklärung in den Einflüssen des Meeres sowie der
warmen Luft- und Meeresströmungen, welche die Insel
*) Dr. Glatter in der „Österreichischen Badezeitung’“ (Jahrgang’
1875.)
Klima.
24
berühren. Da auch gegenteilige Einflüsse derselben Art
sich geltend machen, wird in gewissen Gegenden und für
die ganze Insel zu gewissen Zeiten das sonst normale
Klima freilich wieder verschlechtert, und es mag dann,
besonders im Winter, dem Fremden rauh genug erscheinen.
Wir wollen nun aber diesen einzelnen klimatischen Factoren, insoweit dieselben nicht schon im Vorausgehenden
besprochen wurden, eine genauere Beachtung schenken.
Island ist als oceanische Insel bis weit in sein Inneres
hinein dem Einflüsse des Meeres, der sich besonders in
klimatischer Beziehung geltend macht, unterworfen: es
hat ein In sel- oder Seeklima. In Gegenden mit Insel
klima sind bekanntlich Sommer und Winter m ild und die
täglichen Differenzen des Wärmegrades sind unbedeutend;
nur an Orten, die vom Meere ziemlich weit entfernt sind,
besonders also auf großen Inseln (wie Island) beobachtet
man stärkere Schwankungen der Temperatur. In engen
Thälern ist es auf Island im Sommer bisweilen ungemein
warm, im Winter hingegen kälter als an anderen Orten.
Die temperirende Wirkung des Meeres allein würde jedoch
nicht hinreichend sein, um das Klima viel zu verbessern;
es kommt für Island hinzu, dass die ganze Insel von
warmem Wasser umgeben ist, das, wie wir gesehen haben,
nur an der Nord- und Ostküste weniger als -j-5 ° Celsius
beträgt. W ie Island, das am Rande des Polarkreises liegt,
dazukommt, auch an der Nordküste von warmem Wasser
bespült zu werden, haben wir bereits oben erklärt, wo
wir auch die sonstige Vertheilung des warmen atlantischen
Wassers und der warmen Meeresströmungen um Island
ausführlicher besprochen haben, so dass wir hier wohl
nicht weiter darauf zurückzukommen brauchen. Doch sei
noch bemerkt, dass die breite warme Driftströmung im
Osten des Nordatlantik die Küsten der Insel, die nicht
in der Strömung, sondern am Westrande derselben liegt,
nicht mehr mit jener hohen Temperatur bespült, die sie
unter gleicher Breite weiter im Osten hat. Wichtiger fast
noch als die Umspülung Islands mit warmem Wasser ist
für die Temperaturverhältnisse der Insel das Vorherrschen
der O stw inde, welche die so abnorm warme Luft
des südlichen europäischen Nordmeeres auf kürzestem
25
Wege Island Zufuhren. — Dies sind die für Island so
hochwichtigen Factoren, durch welche die Insel noch an
der großen positiven Wärme-Anomalie des Nordens von
Europa theilnimmt und im Allgemeinen vor einem Klima
bewahrt wird, das z. B. in Ost-Grönland das herrschende ist.
Dass Island gleichwohl zuweilen ein wenig vom ostgrönländischen Klima zu verspüren bekommt, daran sind
die k a lte n Luft- und Meeresströmungen schuld, welche
den günstigen Einfluss der warmen Strömungen beider
Art in manchen Theilen der Insel zeitweilig, wenn auch
nicht gänzlich paralysiren, so doch bedeutend herabmin
dern. Der Polar-Strom berührt zwar nicht direct Island,
lässt aber seine Nähe doch ziemlich stark fühlen, gerade
so wie die kalte Eismeertiefe, die erst in einiger Entfer
nung nördlich von Island beginnt; auch schickt er von
Zeit zu Zeit im Winter ganz beträchtliche Mengen seiner
weithin Kälte verbreitenden Eisberge nach der Nordwestund Nordküste Islands hinüber. Dazu kommen dann
regelmäßig anhaltende Nord- und Nord Westwinde, die an
sich kalt, Island auch noch die Kälte von all den ent
fernteren Eismassen, die sie auf ihrem Wege von Norden
und Nordwesten her getroffen, zuführen. Häuft das Eis
sich an den nördlichen Küsten an und bleibt es Monate
lang liegen, dann hört hier der Unterschied der Jahres
zeiten auf, ein Winter geht nach einer kurzen Zwischen
zeit in den anderen über und es treten dann jene ver
hängnisvollen Zustände ein, welche Hungersnoth und all
gemeines Elend zur Folge haben. Glücklicherweise ge
hören solche Heimsuchungen doch nur zu den Ausnahmen.
Immerhin ist aber infolge der früher angegebenen Ur
sachen die Temperatur des Nordlandes von der des Süd
landes auch sonst auffallend verschieden und zwar zu allen
Jahreszeiten, im Winter jedoch am meisten. Dieser Unter
schied der Durchschnittstemperatur beträgt z. B zwischen
Reykjavik und Akureyri im Winter nicht weniger als 6°,
im Frühling und Herbst 3°—4°, im Sommer 2° C., der
Unterschied der mittleren Jahrestemperatur zwischen diesen
Orten aber 4° C.; und Reykjavik und Akureyri sind nur
2 V2 Breitegrade von einander entfernt! Es gehört auch
diese Erscheinung wieder zu jenen auffallenden Anomalien,
Klima.
Gesammtklima.
26.
an denen die merkwürdige Insel so reich ist; denn auf
der ganzen nördlichen Halbkugel gibt es keine Gegend,
die ein gleiches meteorologisches Phänomen aufweisen
könnte.
Das G esam m tklim a Islands gestaltet sich hinsicht
lich seiner Temperatur, wie bemerkt, dennoch überaus
günstig im Hinblick auf die geographische Breite, unter
welcher dasselbe sich findet. Die Jahres-Isotherme von
0° C., welche sich in Nordamerika und Ostasien dem
50. Breitegrad nähert, berührt kaum die nördlichsten
Theile Islands. Die Isotherme von 5° aber steigt an
keinem anderen Punkte der Erde zu einer so hohen Breite
(mehr als 64°) empor, wie auf Island, beziehungsweise auf
den Vestmanna-eyjar, während sie sich in Europa schon
unter den sechzigsten, in Hochasien sogar unter den
neunundvierzigsten Breitegrad herabsenkt. Infolge dieser
thermischen Anomalie ist z. B. die Mitteltemperatur des
Jahres in Stykkishölmur um 8°, die des Januar um 19°
höhe r und die des Juli um 1*5° n i e dr fg e r, als man nach
dem Breitegrade erwarten sollte. Es folgen hier die Tempe
raturmittel der Monate Februar, März, April, Juli und
October und des Jahres für die nördlichste Insel (Grimsey),
für je einen bedeutenderen Ort der Ost- und Westküste
(Berufjördur und Stykkishölmur) und für die Hauptstadt
Reykjavik.
O rt
j Febr.
Juli
Octob.
Jahr
Grimsey . . . — 3 1 ° — 3-5° — 2-0° 7-1° 2 0 ü
— ‘2 -S° — 2-8° 0'6
Stykkishölm ur
9-6° : 3 2 ü
— 1-3° — 1-3° 0-9° 8-3° 3-4°
; Berufjördur
| R eykjavik . .
— 2-5° — 2-0° 1-4° 12-1° 7-0°
1-4°
2*7°
2 8°
4'1°
März
April'
Es ist also vornehmlich die Wintertemperatur sehr
mild, der Sommer allerdings oceanisch kühl. Die mitt
leren Jahres-Extreme von Reykjavik sind — 15*5° und
20*8°; als absolutes Minimum wird — 21‘5° angegeben.
Die Winterkälte-Extreme sind demnach jenen von Wien
vergleichbar. Die Monatsschwankung der Temperatur
27
beträgt im Winter lö ^ 0, im Sommer 15*4°, im Jahres
mittel 17J0°, ist also auch oceanisch gemäßigt. Die mitt
leren Monatstemperaturen unterliegen aber beträchtlichen
Schwankungen (z. B. März zu Stykkishölmur in 26 Jahren
einmal — 10’90, ein anderes Jahr 4'5Ö). Dieselben er
klären sich eben durch den Einfluss des Meereises und
der nördlichen Kälte. Die mildesten Gegenden Islands,
nämlich diejenigen, wo das Inselklima am besten aus
geprägt ist, sind, nach Klälin, die Inseln und die Um
gebungen des Breicfifjörcfur und die Landschaft um den
Faxafjörcfur, besonders aber in der Umgebung des Borgarfjörflfur. Das Südland soll an diesem Vorzüge nur für
mehr als die Hälfte des Jahres participieren, und man soll
auch ganze Winter und Jahre erlebt haben, die für Westund selbst für Ostisland milder waren als für das Südland.
Ist also das Klima Islands im Sommer, d. h. wenn
es wirklich ein normaler Sommer ist, recht milde und der
Aufenthalt auf Island (besonders im Süden) zu dieser Zeit
sehr angenehm und selbst Lungenkranken zuträglich, wenn
sie sich in windstiller Gegend niederlassen, so muss es
wieder auffallend erscheinen, dass die Vegetation der Insel
auf einer gar so niedrigen Stufe steht. Wir werden auf
dieselbe später zurückkommen, wollen aber schon hier
bemerken, dass die Klage mancher Isländer, das Klima
habe sich seit der Besiedelung des Landes bedeutend ver
schlechtert, ganz ungerechtfertigt ist In vorhistorischer
Zeit d. h. in einer Zeit, die unendlich weit hinter dem
Anfänge unserer Geschichte zurückliegt, in der Deutsch
land seine Lorbeer- und Feigenwälder, ja Palmenhaine
hatte, die von Elephanten, Nashörnern und Affen bevöl
kert waren, da sah es freilich auch auf Island ganz anders
aus als jetzt. Damals besaß die Insel, wie die fossilen Funde
bezeugen, eine Flora von Föhren, Eichen, Buchen, Ulmen,
Pappeln, Nussbäumen, Platanen. Ahorn- und Tulpenbäumen
und das stark vorherrschende Nadelholz gehörte den Arten
an, welche jetzt in Nordamerika zuhause sind! Aber das war,
wie gesagt, zu unermesslich weit hinter unserer Geschichte
zurückliegenden Zeiten. Seit jedoch Island geschichtlich
bekannt ist, haben sich seine klimatischen Verhältnisse
wohl kaum auch nur um ein Weniges verändert resp.
Gesammtklima.
Luftdruck und Winde.
28
verschlimmert. Schon die ersten nordischen Entdecker
gaben Berichte über das Land, die mit den heutigen
Beschreibungen desselben in Bezug auf Klima und Boden
verhältnisse ziemlich übereinstimmen. Dass aber die früher
vorhanden gewesenen Wälder fast ganz verschwunden sind,
ist nicht etwa einem schlechteren Klima zuzuschreiben, son
dern der eigenen Schuld der Einwohner.
L u ftd ru c k und W inde. Nach Hann*) wird der
jährliche Gang des Luftdrucks auf Island charakterisiert
durch ein Maximum im Mai und ein Minimum im Januar,
welcher Gang überhaupt dem ganzen nördl. Polargebiet
eigenthümlich ist und an dem auch schon Nordeuropa participiert. Der Unterschied der normalen extremen Monats
mittel beträgt 12*8 mm. Die unregelmäßigen Schwankungen
des Luftdruckes sind hier außerordentlich groß. Die mittlere
Monatsschwankung des Winters beträgt 43 mm und der
Unterschied des höchsten und tiefsten Luftdrucks inner
halb 18 Jahren zu Reykjavik erreicht die erstaunliche
Größe von 94*5 mm (786*5 und 692*0 im Meeresniveau).
Buchan hat darauf aufmerksam gemacht, dass hoher Luft
druck über Island meist zusammenfällt mit kaltem Wetter
in Schottland, sehr niedriger Luftdruck dagegen1mit warmer
Witterung, wie letzteres durch die daraus hervorgehende
Verstärkung der Südwest-Winde erklärlich wird.
Ein Ungemach des isländischen Klimas sind die häu
figen W inde (isländ. vindur, ve3ur, m .; gola, f.; in Zusam
mensetzungen auch -vi3ri, n. **), die bisweilen zu schauer
lichen Stürmen anwachsen. Recht stille, ruhige Luft gehört
geradezu zu den Ausnahmen. Im Allgemeinen herrschen
das ganze Jahr hindurch die östlichen Winde vor; sie sind
aber doch sehr unbeständig und wechseln häufig mit anderen
ab. Nordöstliche Winde herrschen besonders in Berufjörcfur
*) Handbuch cler Klimatologie (Stuttgart, 1883. S. 715—716).
**) N o rd w in d —- nordan-vindur, - vedur, norrsena, f.; N ordostw i n d =- landnyrdingur, m .; N ord w e s t w. = utnyrdingur (auch hafrsena,
f.); S ü d w in d — sunnan-vindur, - vedur, sudrsena; Südostw . = landsynningur; Süd w es tw. = ütsynningr; Ost w ind = austan-vindur,
(-gola), austrsena; W e stw in d = vestan-vindur. S eew in d = hafvidri,
n.; hafrsena, f.; hafatt, f.; L an d w in d = landvidri, landvedur. — Wind
mit Regenwetter = rosi, m.
29
aber auch in Stykkishölmur und auf Grimsey. Im Winter
sind auch die kalten Nordwest- und Nordwinde sehr häufig;
im Sommer sind, nach Gliemann, die Winde sanft und lau und
soll über das ganze Land des Nachts ein Landwind wehen,
der des Vormittags zwischen 9 und 11 Uhr von einer See
brise (isländ. hafgola, f.) abgelöst wird, die aber gegen
Nachmittag wieder etwas nachlässt und gegen Abend an
der Küste gänzlich aufhört, um einem sanften Landwind
Platz zu machen, der die ganze Nacht hindurch bis gegen
Voimittag weht, ln der Regel bringen die Landwinde
gutes, die Seewinde schlechtes Wetter, d. i. Regen oder
Schnee; in manchen Gegenden, z. B. im ganzen Ostlande
ist aber gerade der Landwind oft feucht und kalt und viel
kältere Landwinde sind dort gewöhnlich nicht so beißend
und durchdringend wie die Seewinde. *)
In Ländern, welche Seeklima haben, pflegen starke
Stürm e (isländ. stormur, m., stormvidri, storvidri, hvassvidri,
n., vedur) sonst nur im Winter vorzukommen; auf Island
wüthen aber solche „von der schauerlichsten Beschaffenheit
und furchtbar verheerenden Gewalt“ häufig auch im
Sommer. „Sie bringen den Reisenden in eine oft ver
zweifelte und sehr gefahrvolle Lage oder doch wenigstens
in Verhältnisse, die vielfache Beschwerden und Wider
wärtigkeiten nach sich ziehen,“ sagt Sartorius v. Walters
hausen. Einige Gegenden sind wegen der dort hausenden
Stürme besonders berüchtigt, so vor allen der innerste
Theil des Hvalfjördur, insbesondere aber die Gegend um
den Berg Dyrill herum. Hier toben namentlich erschreck
liche Wirbelwinde, und die Stürme dauern jedesmal einige
Tage lang, wobei dann das Meerwasser gleich Schneeflocken
in die Luft hinaufgetrieben wird. Aus diesem Grunde
wird denn auch die Gegend um den Hvalfjördur von den
Einheimischen „vedra-kista“ d. h. Windkasten genannt.
Der oben genannte Gewährsmann beschreibt einen solchen
Sturm im Sommer mit folgenden Worten:**) „Einen der
schrecklichsten Stürme dieser Art erlebten wir den 8. Juni
am Hvalfjördur beim Dyrill, in einer Gegend, die deshalb
Stürme.
*) Gliemann, Geogr. Beschreib, v. Island. (Altona, 1824) S. 15.
**) Physisch-geograph. Skizze von Island, S. 08 ff.
Orcane.
30
verrufen ist und schon von Olafsen*) als gefährlich be
zeichnet wird. Das -von uns Erlebte würde übertrieben
erscheinen, oder kaum glaublich klingen, wenn nicht
unsere Beschreibung dieses Sturmes im Wesentlichen mit
der jenes bekannten, für Island hochverdienten Reisenden
übereinstimmte. Schon am Morgen, als wir Reynivellir
verließen, wehte ein heftiger Wind, der mehr und mehr
zunahm, bis wir kurz vor Mittag eine Höhe erreichten,
welche das Svina-Thal vom Hvalfjördur trennt. Hier
fieng der Sturm auf eine so fürchterliche, nicht zu be
schreibende Weise zu toben an, dass wir kaum voran
konnten und unsern Athem zuweilen zu verlieren glaubten.
Im höchsten Grade bedenklich wurde unsere Lage, als
wir an dem steilen Bergabhange herab unsern Weg nach
Botnsdalur, dem östlichen Ende des Hvalfjördur, fortsetzten.
Der Sturm blies aus Südost mit einer solchen Gewalt,
dass er einen unserer Begleiter vom Pferde warf und uns
über steile Abgründe in die Tiefe zu schleudern drohte.
Indem er über den Wasserspiegel des Fjords fortbrauste,
verwandelte sich die Oberfläche der See in eine Staub
wolke, die in einem feinen Regen zu uns hinauf über
2000 Fuß hohe Gebirge fortzog. In ihr schwebte ein
Regenbogen in den schönsten Farben wie eine Brücke,
gleichsam um beide Ufer des dunkelgrünen Fjords mit
einander zu verbinden. Noch den Nachmittag tobte der
Sturm mit derselben Wuth, der sich erst gegen Abend
und in der folgenden Nacht zu beruhigen begann. Er
war aber nicht, wie Olafsen angibt, auf einen so kleinen
Raum beschränkt, sondern wurde vielmehr an der ganzen
südwestlichen Küste der Insel verspürt; auch strandete
jenen Morgen bei Oerebach (Eyrar-Bakki) ein nach
Reykjavik bestimmtes Schiff. Den Nachrichten einiger
Islandsfahrer zufolge herrschte während dieser Zeit etwa
sechs Meilen südlich von der Küste eine vollkommene
Windstille.“
Es kommen auch, doch glücklicher Weise nur selten,
O rcan e (isländ. fellivecfur, ödviJfri, ofvidri) vor, welche
") In Olafsen’s (und Povelsens) Reise durch Island. (Kopenhagen
u. Leipzig, 1774—75.)
31
nach Klähns Beschreibung ganze Meereswogen mit in die
Höhe heben, kleine Wasserfälle in ihrem Sturze aufhalten,
Flüsse aufs tauen, das Wasser der Landseen zu Schaum
peitschen, Häuser umreißen, den Wanderer zu Boden werfen
und ihn zwingen, um nicht fortgeführt zu werden, sich
mit Füßen, Händen und Zähnenu an der Erde anzu
klammern.
Besonders unangenehm und beschwerlich ist ein Wirbel
wind, der Sand, Staub, Bimsstein und Asche aufwirbelt
und in dichten Wolken über das Land treibt. Die
Isländer nennen dies „Staubnebel“ (m i s tu r od. auch v i n d m istur, m.). Dieser Staubnebel ist mit Recht sehr gefürch
tet. Durch ihn wird die Luft braun und schwarz gefärbt
und den Augen sehr schädlich; sie gestattet auch kaum
das Sehen. Der Staub schwärzt' Kleider, Mund, Hals,
die entblößten Körpertlieile, ja selbst verschlossene Gegen
stände, denn er dringt durch jede kaum sichtbare Öffnung
überall ein. Dem Isländer verdirbt er so oft die kargen
Lebensmittel und verwandelt ihm die Milch in der Speise
kammer in einen widerlichen Schlamm. Bisweilen reißt
ein starker Sturm auf seinem Wege über Klippen auch
Steine mit sich fort und lässt sie dann regenartig zur Erde
fallen. (Steinregen, Steinhagel, isl. grjöthagl, n.) Diebestän
digen Winde haben indessen wieder das Gute, dass sie
die Luft reinigen, im Sommer angenehme Kühle ver
breiten und auch zum Wachsthum der Pflanzen beitragen
N ie d e rsc h la g sv e rh ä ltn isse . Da Island mitten
im offenen Meere gelegen, ist seine Atmosphäre sehr feucht,
besonders im Ost- und Südlande. Es finden daher auch
reichliche Niederschläge statt; doch stimmen die Nieder
schlagsverhältnisse Islands im Ganzen mit jenen von Nord
west-Europa überein; die größte Niederschlagsmenge fällt
im Herbst und Winter, die geringste im Mai und Juni.
Tage mit Niederschlag überhaupt gibt es auf Island 217.
Die jährliche Niederschlagsmenge zu Reykjavik beträgt
75 m , zu Stykkishölmur 68 m . Die Vertheilung über das
Jahr ist folgende:
December 11%, Jänner 10%? Februar 10%, März 9%,
April 6%? Mai 6%, Juni 5%? Juli 7%, August 7%? Sep
tember 9%, October 11%? November .9%.
Staulmebel.
32
Nebel und Reffen.
N ebel (isländ. ]mka, f.) sind auf Island, wie man
sich nun leicht denken kann, sehr häufig, und zwar häu
figer im Süd- und Ostlande, als im West- und Nordlande.
In der Regel ist auch das Meereis von Nebeln begleitet, wenn
es an die Küsten des Landes kommt. Über den Grund,
warum besonders das Ostland fast immer von dichtem Nebel
umzogen ist, sind wir bereits aufgeklärt (vergl. oben S. 19).
Da die Nebel kalt und sehr dicht sind, werden sie „Fro St
ra u c h ,“ (isl. frostmöda, f.) genannt. Sie sind mit den
Seewinden am stärksten, mit den Landwinden hingegen
seltener und unbedeutend. Bei letzteren ist das Wetter
an der Küste häufig klar, während auf dem Meere in
geringer Entfernung vom Lande dichte Nebel lagern. Der
vom Treibeise herrührende Nebel steht gewöhnlich sehr
niedrig, und über demselben ist der blaue klare Himmel
sichtbar. Bei dieser Gelegenheit sieht man bisweilen den
sogenannten N ebelbogen, einen ziemlich hellen Bogen,
der nur selten und sehr schwach die Farben des Regen
bogens zeigt.*)
R egen (isländ. regn, n., rigning, urkoma, f.) kommt
auf Island nicht öfter und stärker vor, als in NordwestEuropa. Die jährliche Regenhöhe beträgt in Berufjördur
101*409 cm, in Stykkishölmur 66*728 cm, auf Grimsey
50*046 cm und in Reykjavik 73*752 cm* sie ist im Juni am
kleinsten, nimmt dann bis zum December zu, wo sie am
größten ist. Wolkenbrüche kommen auf Island nur selten vor.
Den R egen bo gen (isl. regnbogi, fridarbogi, n.) kann
man sehr häufig und in großer Schönheit beobachten; gar
nicht selten sieht man mehrere zugleich, und zwar einen
über dem anderen. Auch im Winter besonders bei Schnee
wetter, soll zuweilen eine Art Regenbogen von weißlicher
Farbe sichtbar sein, der nach der Behauptung der Isländer
Schnee und Frost prophezeit. Eine regenbogenfarbige Luft
erscheinung auf dem Meere nennen die Isländer hafgall, n.
Dielsländer nennen einen Platzregen: stey p ireg n , einen feinen
oder Staubregen: udi, m., jfringur, m., s a lla r e g n ; wenn es längere
Zeit fein regnet, heißen sie dies ein ü d a-ved u r (-Wetter), wenn dabei
Nebel liegt: uda-Jtoka; feuchtes Wetter überhaupt beißt isländ.:
v o t v i d r i.
*) Gliemann, a. a. O. S. 14—15.
33
S chnee (isländ. sjnör, snjär, snaer, m.) fällt nicht
jedes Jahr häufig, doch gewöhnlich in großer Menge.
Stykkishölmur zählt im Jahre 82 Schneetage (nur August
und September sind schneefrei). Der durchschnittliche
Schneefall beträgt 19 cm, die Schneehöhe somit 190 cm.
\
Schnee. — Hagel. — Gewitter.
Die Isländer haben für die verschiedenen Arten des Schneewetters
eine Menge von Namen; hier nur einige derselben: Schneewetter heißt
isländ.: fjuk, n., snjöhrid und liriö, f.; Schneefall: snjofall, n., snjokoma,
fannkoma, f.; ein dichter Schneefall: kafafjük, kafahriö, kafalcl, n.
kafaldsfjuk; Schneegestöber: fjuk, snjofok, n., snjodrif, n. und z. Th.
die vorausgehenden Bezeichnungen; Schneefall bei stillem Wetter heißt:
logndrifa, f., bei schwachem Winde: skafrenningur; wenn loser Schnee
längs des Bodens dahin gewirbelt wird, heißt man dies: skafkafald.
Folgt auf ein Schneegestöber plötzlich scharfer Frost, so wird der
Schnee so fein wie Staub und heißt dann: lausamjöll, f. (mjöll = frischer
Schnee, der so fein ist wie Staub.) Einen Schneefall mit größeren,
länglichen Flocken nennt man wegen der Form der Flocken: sksedadrifa
(sksedi, n. = für einen isländ. Schuh zugeschnittenes Leder) oder auch:
lappadrifa (löpp, f. = Pfote). Eine Schneewehe heißt: snjofönn, f., -skafl, m .;
hat dieselbe eine scharfe Kante oder solchen Kücken, so nennen sie die
Isländer gewöhnlich: skafl, m., ist sie fest zusammengepresst: fönn, f.;
eine Schneelavine heißen sie: smeskrida, eine lose Schneeschicht: snjohrafl,
n., das Thauwetter: snsenam, n. Wenn es gleichzeitig regnet und schneit,
heißt dies: slydda, f., slydduveöur, krapi, m. oder krapadrifa.
Hier erwähnen wir am besten auch des S c h n e e lic h ts (isl. snaeljos, n.), das in Erleuchtung der Luft bei bevorstehendem Schneegestöber
besteht, sich nicht bewegt und gewöhnlich an derjenigen Stelle des
Himmels zu sehen ist, von woher der Schnee kommen wird.
H ag el (isl. liagl, n., Hagelkorn = haglkorn, n.; Hagel
schauer = jel; Hagelwetter = jeljaveJur) fällt auf Island
im Ganzen ziemlich selten und auch dann gewöhnlich nur
wenig. R eif (isl. hrirn, n. und: hjela, f.) und Th au
(isl dögg, f.; Morgenthau = morgundögg ; Abendthau =
aptandögg, afall, n.; nattfall; Thautropfen = döggtropi, m.)
entstehen unter denselben Bedingungen wie bei uns.
G e w itte r (isl. skrugguvedur), auf Island wie auf
den Färöern und in Schottland an sich selten (111 in 23
Jahren zu Stykkishölmur) sind am häufigsten in der stür
mischen Zeit des W in ters, von November bis Februar,
und zwTar kommt fast die Hälfte sämmtliclier Gewitter auf
December und Januar. Sie werden in der Regel durch be
sonders schwarze Wolken (Gewitterwolken isl. = skrugguoder Jprumu-sky, 11.) angekündigt. D onner (isl. ]pruma,
P o e s t i o n , Island.
Verschiedenheit und Veränderlichkeit der Witterung-.
34
rei9ar-J)ruma, skrugga, f.,) ist dabei auch nur selten und
nicht stark; dass B litz (isl. eiding, f., skrugguljös, J>rumuljös, n.) und Donner sogleich auf einander folgen, wird
gleichfalls nicht oft beobachtet; noch seltener ist ein eigent
licher Blitzschlag (isl. reidarslag, n.); hingegen wird von
einem häufig vorkommenden zü n d en d en W etterleu ch ten (isl. lopteldur, in., leiptr, f.) berichtet, das indessen
doch nichts anderes sein dürfte, als der gewöhnliche Blitz.
Es soll dabei die Luft oft ganz in Feuer zu stehen scheinen.
Man beobachtet dasselbe, heißt es, nur im Winter bei leicht
bewölktem Himmel, starkem Winde und Schneegestöber
und diese Erscheinung kann längere Zeit andauern. Die
Erde wird davon ganz hell erleuchtet wie bei beständigem
Blitzen und die Bevölkerung geräth darüber stets in großen
Schrecken; selbst die Thiere, besonders die Pferde, kommen
dabei in eine solche Aufregung, dass sie wie rasend hin und
her, ja über Felsen und Berge laufen und dabei leicht
Schaden nehmen. Dieses erschreckende Luftfeuer soll aber
fast nur in den Vestfir9i.r Vorkommen und ist überhaupt
sehr selten.
V e r s c h i e d e n h e i t und V e r ä n d e rl i ch k ei t der
W itteru n g. Es ist eine der Eigenthümlichkeiten Islands,
dass zu gleicher Zeit in den verschiedenen Th eilen des
Landes eine ganz verschiedene Witterung herrscht, was
z. Th. davon herrührt, dass ein und derselbe Wind ver
schiedenen Gegenden verschiedenes Wetter bringt. Diese
Gegenden oder Landestheile sind aber fast immer durch
hohe Bergrücken^ von einander getrennt. Eine solche
Wetterscheide bildet z. B. die Bergkette, welche die SkagafjarÖar und die Eyjafjardar Sysla von einander trennt.
Den östlich von den Bergen liegenden Gegenden bringt
hier derselbe Wind (Nordost) Regen, der in dem westlich
davon liegenden Landestheil trockenes Wetter herbeiführt.
Einen ähnlichen, aber bei weitem durchgreifenderen Unter
schied bringt das innere Hochland in Bezug auf die Wit
terung des Nord- und Südlandes hervor. Der Nordwind
hat im Sommer im Nordlande selbst Sturm, Kälte, dicke
Luft, Regen und bisweilen sogar Schnee im Gefolge,
während er im Südlande mit klarem, schönem Wetter er
scheint; umgekehrt bringt der Südwind dem Südlande
35
anhaltenden Regen oder trübe, feuchte Witterung, dem
Nordlande aber heiteren Himmel und milde angenehme
Luft. Längs der nördlichen Küste des FaxafjörÖur (auf
der Landzunge Snsefellsnes) pflegt während des Frühlings
bei Ost- und Nordwind das schönste Wetter zu sein; auf
der anderen Seite der Landzunge, an den Ufern des
Brei3ifjördur hingegen herrschen zu derselben Zeit bei
großer Kälte so starke Winde, dass die Fischer sich nicht
aut das Meer hinaus wagen. Dass die Witterung der mehr
im Innern des Landes gelegenen Gegenden von der der
Küstenlandschaften ziemlich verschieden ist, braucht da
wohl gar nicht erst bemerkt zu werden, ebenso wenig wie
die Thatsache, dass Klima und Witterung dieser Gegenden
zumeist von der Lage, den umschließenden Gebirgen, der
Nähe oder Ferne der Gletscher u. s. w. bedingt werden.
Aber auch in ein und derselben Gegend ist die Wit
terung in ganz kurzen Zeiträumen in der Regel so ver
schieden, dass Sartorius v. W^altershausen die große Ver
änderlichkeit desselben als ein Hauptcharakteristikon des
isländischen Klimas bezeichnen konnte. „Regen wechselt
mit Sonnenschein den ganzen Sommer hindurch, wie bei
uns in den Monaten März und April;“ im Frühling und
Herbst gesellen sich dazu noch Hagel und Schnee, im
Winter gelegentlich auch Gewitter.
Die Isländer sind scharfe Beobachter der Witterung
und kennen alle Whtterungsanzeichen. Ihre Vretterregeln,
deren sie eine Menge besitzen, sind deshalb zumeist sehr
zuverlässig. Es wird aber auch für den Isländer oft eine
Lebensfrage, sich nicht von Schauer, Frost und dgl. über
raschen zu lassen, bevor er seine karge Ernte: das Heu
eingebracht hat. Die Fähigkeit, die so wichtigen Witterungs
veränderungen voraus zu sehen, galt daher bei den alten
Isländern für die äußerste und höchste Leistung des Land
mannes. Aber auch der Fischer muss sehr wetterkundig
sein, wenn er sein Leben nicht durch plötzlichen Sturm
in Gefahr bringen will.
Hier wollen wir auch bemerken, dass die Wltterungsverhältnisse von Island im Vergleich mit denen auf dem
europäischen Continente ganz entgegengesetzt sind. Einem
strengen isländischen Winter pflegt ein milder in Europa
Verschiedenheit und Veränderlichkeit der Witterung.
3*
Jahreszeiten.
36
und umgekehrt ein milder auf Island einem strengen in
Europa gegenüberzustehen. In gleicher Weise verhält es
sich mit dem Sommer.
D ie Ja h re sz e ite n . Da infolge der unregelmäßigen
Witterung der Übergang vom Winter zum Frühjahr und
vom Herbst zum Winter auf Island in der Regel nicht
wahrgenommen wird, theilten die alten Isländer das Jahr
nur in Sommer und, Winter ein. Nach dieser alten Eintheilung, die auch gegenwärtig noch ira isländischen Kalen
der zu finden ist, wurde der zwischen dem LS. und 25. April
liegende Donnerstag als „erster Sommertag“, der zwischen
dem 18. und 24. October liegende Freitag aber als „erster
Wintertag“ gerechnet. Dieser „erste Sommertag“ wird
noch heutzutage auf ganz Island festlich begangen, obschon
sich der Sommer natürlich nur ausnahmsweise an diesem
Tage einstellt und in der Regel noch Schneestürme und
Fröste herrschen. Man pflegt aber gleichwohl an diesem
Donnerstag einander „einen glücklichen Sommer“ zu
wünschen, auch Geschenke — „Sommergaben“ — zu geben,
und feiert den Tag auf die beste Art durch Belustigungen
und Spiele, die, insoweit es die Witterung erlaubt, im
Freien abgehalten werden.
Nach fast achtmonatlichem Winter (isl. vetur, m.)
beginnt der Frühling (vor, n., vordagar, m. pl.) im Süd
lande gewöhnlich am Ende des, April, wo auch in den
Niederungen in der Regel aller Schnee verschwunden ist
und das Gras hervorzukeimen beginnt; im Nordlande hin
gegen liegt in derselben Zeit der Schnee gewöhnlich noch
haushoch und verschwindet selbst am Üfer des Meeres
viel später, oft erst am Ende des Juni. Nicht selten wird
aber auch in den übrigen Theilen des Landes das Schmel
zen des Schnees und das Wachsthum des Grases durch
Kälte und schlechtes Wetter bis in den Juni hinein ver
hindert und in diesem Falle haben die Isländer dann
wirklich gar keinen Frühling. Nach kurzem Sommer
(isl. sumar, m.), der natürlich für das Nordland viel kürzer
ist als für das Südland, folgt auf den kaum merkbaren
Herbst (haust, n.) am Ende des September oder im Anfang
des October der Winter, der sich durch trübe stür
mische Witterung ankündigt und auch bald mit Schnee
37
gestöber erscheint. Wenn aber Treibeis die Nord- und.
Nordostküste umlagert und bis in den Juli, ja, wie es
mehrere Male der Fall war, sogar bis in den August
hinein liegen bleibt, geht, wie bereits früher bemerkt, nach
einer kurzen Zwischenzeit ein Winter in den anderen über,
so dass Hungersnoth und böse Zeiten für die Einwohner
die natürlichen Folgen sind.
Licht- und Lufterscheinungen.
\
Licht- und Lufterscheinungen.
Infolge der nördlichen Lage Islands ist der Unterschied
von Tag (isl. dagur, m., wenn es sich genauer, um die
Dauer des Sonnenlaufes handelt: sölargangur, m.) und
Nacht (isl. nött, f.) je nach der Jahreszeit sehr groß. Im
Süden des Landes z. B. in Reykjavik hat der längste Tag
20 Stunden 54 Minuten, der kürzeste hingegen nur 3 Stun
den und 58 Minuten. Im nördlichsten Theile des Landes
ist die Sonne (isl. söl, f.)*) in der Woche der Wintersonnen
wende gar nicht sichtbar, während sie in der Woche der Som
mersonnenwende nicht vom Horizonte verschwindet. Dies
gilt auch schon von nördlicheren Gegenden Islands, die noch
nicht vom Polarkreise geschnitten werden, demselben aber
sehr nahe sind. So scheint die Sonne auch schon von
den Veststrandir (der nördlichsten Küste von Vestfirdir)
aus gesehen zur Mittsommerzeit über die Meeresfläche
hinzuschweben, ohne, selbst wenn sie am niedrigsten steht,
ganz unter dem Horizonte zu verschwinden. Henderson
beobachtete die gleiche Erscheinung sogar auf einem nächt
lichen Ritte landeinwärts über die Holtavör3uhei3i (am
23. Juni 1815); er beschreibt dieselbe mit folgenden
Worten: „Wir brachen gegen sieben Uhr Abends nach
den Gebirgen auf und fuhren fort allmählich aufzusteigen
bis gegen 12 Uhr Nachts, wo mir die neueste und an
*) Sonnenaufgang* = solaruppkoma, solaruppras, f.; Sonnenunter
gang = solsetur, solarsetur, solarfall, n.
Mitternachtssonne.
38
ziehendste Mitternachtsseene zutheil ward, die ich je in
meinem Leben gesehen habe: ich erblickte die Sonne, die
ein wenig über dem Horizont gleichsam stille zu stehen
schien, und dies während eines Zeitraums von ungefähr
einer halben Stunde, worauf. sie von Neuem ihr Aufsteigen
begann, und ihren beständigen, unwandelbaren Lauf durch
die nördliche Halbkugel fortsetzte. Anfangs hatte ich
gefürchtet, dass ich des Genusses dieses außerordentlichen
Schauspiels beraubt bleiben würde; denn nachdem die
Sonne sich eine ganze Zeit lang über den hohen Bergen
in den entfernten Gegenden des Stranda-Syssels aufgehalten
hatte, tauchte sie endlich hinter dieselben. Da ich aber
immer vorwärts ritt, und von Neuem eine höhere Gegend
in der Wüste erreichte, so ward ich angenehm überrascht,
als ich den Schatten meines Pferdes auf der Anhöhe vor
mir gewahr wurde. Als ich mich umwandte, fand ich,
dass die Sonne die Gebirge wieder verlassen hatte und
jetzt gleichsam wie dicht auf der Oberfläche des Oceans
ruhend erschien. Da ich nicht gewiss war, ob sie nicht
vielleicht während ihrer Abwesenheit untergegangen und
dann wieder aufgegangen war, so hielt ich meine Blicke
fest auf sie geheftet, wo ich dann fand, dass sie noch
immer im Sinken begriffen war; als sie aber ein wenig'
aus dem Horizont getreten war, blieb sie auf demselben
Grad der Höhe stehen, indem , sie sich bloß vorwärts
bewegte ; nach Verlauf von einer halben Stunde begann
sie dann, wie schon erwähnt, aufs Neue ihren aufsteigen
den Lauf; das Königsgestirn des Tages streckte nun
hier, gleich einem großen Feuerball sein Scepter aus über
die Reiche der Nacht — zwar seines blendenden Glanzes
beraubt, aber um so mehr Interesse erweckend, als es
mehr dem menschlichen Blicke unterworfen war. Der
Gesang der Schwäne fügte der Neuheit des ganzen Schau
spieles einen besonderen Reiz hinzu.“ *)
In den südlichen Gegenden der Insel verschwindet
zwar zur Zeit der Sommersonnenwende die Sonne auf
*) Ebenezer Henderson: Island oder Tagebuch seines Aufenthaltes
daselbst in den Jahren 1814 und 181.'. Aus dem Englischen übersetzt
von C. F. Franceson (Berlin, 1820. V. Bd., S. 144— 146.)
39
kurze Zeit, lässt aber doch eine solche Helle zurück, dass
man von einem Einbruch der Nacht nichts merkt. Diese
hellen Nächte schilderten schon irische Kleriker, ' welche
sich im Jahre 795 den Sommer über auf Island aufge
halten haben, und zwar in recht drastischer Weise, dem
ebenfalls irischen Mönche Dicuilus, indem sie ihm berich
teten, „dass die untergehende Sonne nicht nur zur Zeit
der Sommersonnenwende selbst, sondern auch an mehreren
Tagen vor und nach derselben sich des Abends gleichsam
hinter einem kleinen Hügel verbarg, so dass es auch nicht
einen Augenblick lang finster wurde*, man konnte vielmehr
Alles verrichten, was man wollte, selbst „pediculos de
caraisia abstrahere“, . geradeso als wenn die Sonne am
Himmel stünde. “ *)
Mit der Nachtsonne wetteifert der M ond (isl. tungl, n.)
an nächtlicher Pracht. Er scheint in den kürzesten Tagen
fast nicht unterzugehen und leuchtet so hell, dass man bei
seinem Schein eine mittelgroße Schrift ohne Anstrengung
lesen kann. Auch die D äm m erungen sind sehr hell,
sowohl die Morgendämmerung (isl. gryjandi, f, morgunsar, n.. lysing, f., u. s. w.) wie die Abenddämmerung
(hum, n., rökkur, ljösaskipti, n.) In den kurzen Sommer
nächten geht auch im Süden die Abendröthe gleich in
die Morgenröthe über, so dass man von der Nacht eigent
lich gar nichts bemerkt. Im Winter aber verlängert die
Helle der Dämmerungen doch einigermaßen den kurzen
Tag. Mond und Dämmerungen bewirken somit, dass die
langen Winternächte durchaus nicht so düster sind, als
man wohl annehmen könnte.
Aber am Himmel Islands gibt es noch ganz andere
wunderbare Phänomene zu schauen, deren Anblick den
Fremden mit Staunen und Bewunderung erfüllt, und die
dem, der sie gesehen, unvergesslich bleiben. Wir nennen
da zunächst das überaus herrliche Ab en d- und Morg enro t h (isl. kvöldrodi und morgunrodi, m.). Preyer und
Zirkel beschreiben beides nach einer Beobachtung zur
Zeit der Sommersonnenwende vom Faxafjördur aus wie
folgt: „Eine der schönsten Erscheinungen aber bleibt das
Abend- und Morgenrotli.
*) Diucili über de mensura orbis terrae, c. 7.
Abend- und Morgenroth.
40
Abend- und Morgenroth in Island. Nicht nur der Theil
des Himmelsgewölbes, an dem die Sonne auf- und untergeht, erscheint in den glühendsten Farben, das ganze
Firmament ist r.oth und goldig, und die sonderbarsten
Wolkenbildungen, auf das verschiedenartigste gefärbt,
reißen uns zur stummen Bewunderung hin. Es scheint
als ob die Natur am Feierabend, sich damit ergötzte, aller
lei Phantomgestalten am Himmel zu schaffen und wie ein
Gaukelspiel dem staunenden Menschenauge Phantasie
gebilde, Caricaturen und Luftlandschaften vorzuspiegeln.
Nur wer das Alpenglühen der Schweiz kennt, vermag
sich annähernd einen isländischen Sonnenuntergang vor
zustellen. Dieser aber ist . unvergleichlich viel schöner,
indem in Island das Alpenglühen nicht allein auf die
höchsten Bergspitzen beschränkt ist, sondern über die
ganze Gegend seinen Purpur ergießt und bedeutend länger
anhält, als das der Schweiz. Freilich ist der höchste Berg
Westislands, der Snaefellsjökull, ein seit Jahrhunderten
erloschener Vulcan, kaum halb so hoch wieder St. Gott
hard, dafür aber erglänzt seine ganze mit Schnee um
kleidete, aus dem Meere auftauchende Pyramidengestalt
beim Sonnenuntergang in rothem Schimmer und gewährt
ein ganz einziges Schauspiel. Wenn man zur Zeit des
Sommersolstitiums gegen Mitternacht in dem herrlichen
Faxabusen umherrudert, sieht man ihn in seiner schönsten
Pracht. Sehr grell sticht ab gegen die blendende Weiße
des Snaefellsjökull die schwerfällige dunkle Es ja, hier und
da noch mit einem Fetzen ihres winterlichen Kleides
den schwarzen Basalt bedeckend. Hinter ihr erhebt der
Akrafell-Berg sein gezacktes Haupt und zwischen den
Inselchen Akurey und Engey hindurchrudernd sehen wir
auch noch, uns umwendend, fern im Süden über dem
unscheinbaren Reykjavik die sich langhin erstreckenden
wogenförmigen Höhen der Landzunge Seltjarnarnes: alle
geröthet von der scheidenden Sonne; allen drückt sie einen
Abschiedskuss auf die weiße Stirn und verschwindet hinter
der Esja, während das ganze Firmament in den schönsten
Farben glüht.-Es herrscht eine lautlose Stille, wie sie nur
im Norden möglich ist. Nur die Wellen des Ruderschlages
plätschern sanft an den Kiel des Bootes, sonst unterbricht
41
kein Ton die majestätische Ruhe der arktischen Landschaft.
Es liegt etwas unbeschreiblich Anziehendes in dieser Ruhe
des Nordens, und wir finden es begreiflich, wie die Dichter
Islands in ihr Muße fanden zu jenen Gesängen, die zu
den schönsten Erzeugnissen nordischer Poesie gehören.
Wir wenden unseren Kahn dem Lande wieder zu und
siehe, kaum setzen wir den Fuß auf den steinigen Strand
und blicken noch eihmal nach der zauberisch erleuchteten
Gegend: Alles Alpenglühen ist verschwunden, die farbigen
Wolken haben sich von Westen nach Osten gewandt und
aus ihrer Mitte steigt Helios empor. Es ist Morgen. An
der westlichen Seite der Esja war die Sonne untergegangen,
an der östlichen gieng sie nach einer kaum zweistündigen
taghellen Nacht wieder auf.“*)
Eine andere Himmelserscheinung, die auf Island sich
in ungewöhnlicher Pracht zeigt, ist das N o rd lic h t oder
richtiger P o la rlic h t (isl. nordurljös, n. pl.), welches
übrigens bekanntlich in allen arktischen Gegenden (des
Nordpols sowohl wie des Südpols) häufig zu beobachten
ist. Dieses herrliche Phänomen, ist nach Klähn auf Island
an solchen Winterabenden sichtbar, an welchen der Himmel
von Nebel oder von anderen Wolken nicht bedeckt ist,
und erglänzt an demjenigen dieser Tage am hellsten, an
welchem die Sonne sich unter dem Nadir befindet. Was
das viel besprochene und vielbestrittene eigenthümliche
knisternde Geräusch betrifft, das beim Nordlicht häufig
gehört werden soll, so scheint dasselbe wirklich keine
bloße Einbildung zu sein; auch stimmt ja dasselbe voll
ständig zu der bisher plausibelsten Erklärung des Nord
lichtes als einer elektrischen Erscheinung. Die Unter
suchungen der über Anregung Karl Weyprechts errichteten
Circumpolarstationen, welche sich ja auch auf die Beob
achtung und Erklärung des Nordlichtes erstrecken, werden
wohl bald das Wesen dieses prachtvollen Phänomens auf
klären. Auf Island selbst hat in jüngster Zeit der Däne
Sophus Randers Studien über das Nordlicht gemacht und
zu diesem Zwecke auf dem Esja-Berge elektrische Appa
Polarlicht.
*) Preyer u. F. Zirkel, Reise nach Island im Sommer 1860.
(Leipzig, 1862) S. 35—37.
Nebensonnen. — Irrlichter.
42
rate aufgestellt *) Da das Nordlicht ohnehin bereits un
zählige Male beschrieben worden ist, wollen wir gleich zu
den anderen selteneren Lichterscheinungen übergehen,
welche man auf .Island beobachten kann. Da sind noch
zu nennen:
N eb en so n n en (isländ. hjäsölir oder aukasölir), die
bis neun an der Zahl ziemlich oft, besonders im Frühling
und Herbst, bei stillem aber nicht ganz klarem Wetter zu
sehen sind. Diese Nebensonnen haben bisweilen ver
schiedene Farben, ihr Schein ist jedoch immer schwächer
als der der wirklichen Himmelskörper. Sieht man auf
jeder Seite der Sonne, vor und hinter derselben eine
Nebensonne, so nennen die Isländer diese Erscheinung
mit Bezug auf eine alte mythologische Vorstellung**)
„Ulfakreppa“ d. h. Wolfsnotli und sie sagen: „die Sonne
befinde sich in Wolfsnöthen.“
Auch N ebenm onde (isl. aukatungl) kann man häufig
beobachten; sie sind aber nicht so hell als die Neben
sonnen.
Einen sogenannten H of oder B ing bemerkt man
auf Island nicht nur um die Sonne, den Mond und Sterne,
sondern auch um die Nebensonnen. Der Ring um die
Sonne heißt isländ. sölhrmgur, m. der Ring um den Mond
ro sa b a u g u r (oder -bugur), m., d. h. Sturmring, weil die
Isländer finden, dass derselbe stürmisches, schlechtes Wetter
verkünde.
S te rn sc h n u p p e n (isl. stjörnu-hrap, -fall, -skrid,
n.) fallen besonders häufig im November und zwar in der
Zeit vom 11.—14. d. M., oft in ungeheuren Mengen.
I r r lic h te r (isl. rauna- oderjar9-eldur, m.) finden sich
auch auf Island in sumpfigen Gegenden, und scheinen sich
*) Vgl. S. Tromholt, Breve fra ultima Thule (Randers 1885).
'**') Vgl. das eddische Lied Grimnismal Str. 39:
„S k öll heißt der Wolf, der der scheinenden Gottheit
Folgt in die schützende Flut;
H a ti der andere, Hrodvitnirs Sohn,
Eilt der Himmelsbraut voraus!“ —
dann Sncrra Edda c. 12. Auch in den Räthseln der Isländer treten diese
beiden Wölfe noch immer als Verfolger der Sonne auf; vgl. diesbezüglich
P o e s tio n , Das Tyrfingschwert (Hagen 1882) S. 53 und 102.
43
bisweilen dem Menschen anzuhängen, ihn zu verfolgen
u. dgl. Was unter dem hrsevareldur (d. h. Leichen
feuer) der Isländer eigentlich zu verstehen ist, ob es ein
Irrlicht bedeutet, für welches dieses Wort auch gebraucht
wird, oder ob darunter die bei uns unter dem Namen
St. Elmsfeuer bekannte elektrische Erscheinung gemeint
ist, geht aus den uns vorliegenden Berichten nicht klar
hervor Dieselben erzählen, dass dieser hrsevareldur sich
in dunkler Nacht an die metallenen Knöpfe der Kleidung”
ansetze, welche dann heftige Funken sprühen, oder wie
mit einem Heiligenschein das Haupt umziehe. *) Das
ungebildete Volk hält dieses Licht, das im ganzen nur
selten beobachtet . wird, für umherfliegende kleine Stück
chen Nordlicht. Übrigens wird schon in den alten islän
dischen Schriften dieser Erscheinung, die damals hraelog,
hrseljös und hrseljömi genannt wurde, wiederholt gedacht,
so gleich mehrere Male in den Sturlunga Saga, wo erzählt
wird, dass auf den Speeren „Leichenlohen brannten, so
dass ein Lichtschein von ihnen ausgieng“.
Bei Erdbeben und vulcanischen Ausbrüchen kommen,
von diesen herrührend, auch F eu erk u g eln (isl. vigahnöttur, m. eigentl. = Mordkugel) vor, die „so hell wie der
Blitz und so groß wie der Vollmond“ sein sollen. Bisweilen
nimmt diese Lichterscheinung eine walzen- oder schwert
förmige Gestalt an; sie wird dann : vigabrandur (d. h. Mord
schwert) genannt. Ziehen die Feuerkugeln einen langen
Schweif nach sich, so heißen sie wohl auch flieg en d e
D rachen (isl. flugdreki m.). Eine Abart dieser Erschei
nung sind kleine bläuliche und leuchtende Kugeln mit
einem kleinen Schweif, etwas größer als ein großes Talg
licht, welche immer schnell und niedrig am Horizont fort
schießen. Dieselben erscheinen jedoch sehr selten und
werden nur bei Schneegestöber und strenger Kälte
beobachtet, weshalb sie wohl auch den Namen S chnee
lic h te r (isl. snseljös) erhalten haben, der sonst, wie wir
gesehen haben (vgl. oben S. 33) einem ganz anderen Phä
nomen zukommt. Die Feuerkugeln wurden auf Island oft
Feuerkugeln.
*) Preyer mul Zirkel, Reise nach Island. S. 35.
Meerliclit. — Luftspiegelungen.
44
mit Kometen verwechselt, die auf isländisch h ala stj ö rn ur
(d. h. Schweifsterne) heißen. *)
Das M e erlic h t (isl. hafeldur, m.), das an der Küste
über dem Meer. beobachtet werden kann, besteht in sehr
lichten Wolken, die vom Wiederschein des leuchtenden
Meerwassers erhellt sind. Es scheint dieses Phänomen
dasselbe zu sein, welches die Fischer in Norwegen Sildblik d. h. Häringsblick nennen, weil sie glauben, dass die
glänzenden Häringsschwärme einen so starken Schein ver
breiten, dass sogar die Wolken davon beleuchtet werden.**)
Von anderen Lufterscheinungen wurde schon früher
berichtet. Es erübrigt uns noch, eines Phänomens zu
gedenken, das wohl die meisten Fremden, welche dessel
ben ansichtig werden, aufs Höchste überrascht, da sie sein
Vorkommen auf Island kaum vermuthen dürften. Wir
meinen die prächtigen L u ftsp ie g e lu n g e n (Fata morgana), von den Isländern „upphyllingar“ oder „ticfbra“
genannt, welche auf Island sehr häufig auf großen Wasser
flächen z. B. auf dem Dingvallavatn, auf der Hvitä, auf
dem Lagarfljöt u. s. w. wie auch in Ebenen beobachtet
werden können, doch nirgends so oft und so stark aus
geprägt als in der Gegend bei Oddi (zwischen der Ytri
und Eystri Ranga in der Nähe der Dvera in der Rangärvalla Sysla). Man sieht hier bei klarem, stillem und warmem
Wetter die Höfe und alle Anhöhen, die sich in einiger
Entfernung befinden, als Inseln erscheinen, die sich aus
einem spiegelklaren See erheben. Es ist dies ein Anblick
von ausserordentlicher Schönheit, der oft täuschend an eine
ins Meer gebaute Stadt erinnert. ***)
19
*) Eggers, Physikalische und statistische Beschreibung von Island.
I. Th., 1 . Abtli., S. 351 ff.
**) Eggers, a. a. O. S. 351.
***) P. E. Kr. Kaalund, Bidrag til en historisk-topografisk Beskrivelse af Island. (Kopenhagen 1877—82.) I, 218.
Gliederung und Küstenentwicklung Islands.
45
Gliederung und Küstenentwicklung Islands.
Island ist wie schon oben bemerkt, vielfach vom Meere
eingescbnitten. Die Küstenlinie zeigt deshalb, ausgenommen
an der Südseite, fast überall mehr oder weniger große
Krümmungen und Ausbuchtungen; bald springt sie in
Landzungen und Vorgebirgen in das Meer hinaus, bald
zieht sie sich in B uchten oder in schmäleren Einschnitten
mehr oder weniger tief in das Land hinein zurück. Die
meisten und größten Einbuchtungen befinden sich an der
Westküste. Besonders der nordwestliche, nur durch eine
schmale Landzunge mit der übrigen Insel verbundene
Theil ist in hohem Grade vom Meere zerschnitten und
deshalb reich an größeren und kleineren Buchten. Aus
diesem Grunde wird denn auch die ganze Halbinsel sehr
zutreffend ,,V estfir3 iru d. h. Westbuchten (Westfjorde)
genannt. Auch die östliche Küste Islands zeigt sehr zahl
reiche größere und kleinere Einschnitte und wurde deshalb,
besonders in früherer Zeit, A u stfir3 ir d h Ostbuchten
(Ostfjorde) genannt. Es gibt denn auch auf Island viele gute
H äfen; die besten sind die in Vestfir3ir ; doch muss die
ganze Südküste des Landes als hafenlos bezeichnet werden.
Auch ist mancher Hafen, der in alter Zeit sehr gut war,
jetzt nicht mehr brauchbar, indem er theils durch V er
sandung theils durch die noch fortdauernde langsame
Hebung der Insel aus dem Meer seichter geworden ist.
Ein großer Meerbusen lieißt auf isländisch: flo i, m. oder auch —
als breiter Fjord — f j ö r d ur, m.; eine Bucht: vogur, m., v ik f., auch
fjördur, djüp, n. (Tiefe) und selbst flo i; ein enger (meist langer
Einschnitt: fjörd u r („Fjord“), ein Hafen höfn, f., Station oder Anker
platz: lsegi, n., eine abgeschlossene Bucht oder Partie mit scheinbar
stillstehendein Wasser: Ion, n. (auch s tik und stik i, n.). Der innerste
Theil einer Bucht heißt: b otn (fjardarbotn) m., der Ausgang der Bucht:
m ynni, n., eine kleine Bucht in Felsen: bas, m .; Strand, Küste heißt
isl. strönd, f. (pl. strandir); der nur während der Ebbe trockenliegende
Theil des Strandes: fjara, f., eine sandige Küste: eyri, f. Seichtes
Wasser oder eine seichte Stelle, besonders in der Nähe der Küste oder
zwischen Inseln nennt man: v ad a ll oder v a d ill auch v ö d u ll, m.
Sehr häufig tragen an Buchten gelegene Orte und Gegenden den Namen
der Bucht selbst; z. B. Berufjördur, Seydisfjöidur u. s. av.
46
Meerbusen.
Den vielen, meist dicht aufeinander folgenden Buchten
und Fjorden entsprechen ebensoviele in’s Meer hinaus
springende Landestheile, die je nach ihrer Größe und Form
als H alb in se ln , L and zun g en , V o rg eb irg e u. dgl.
erscheinen. Die größten Halbinseln finden wir an der West
küste Islands, die meisten und kleineren, oft nur schmale
Landzungen darstellenden, in Vestfircfir und Austfirdir.
Die Isländer haben für große, in das Meer hinaus
ragende Landestheile gewöhnlich keinen besonderen Namen,
wie ja auch ein prägnantes Wort für unser „Halbinsel“,
wenn darunter nämlich nach gewöhnlichem Sprachgebrauche
ein großes Landstück gemeint ist, in der isländischen
Sprache fehlt.*) (Es dient daher für die Folge am besten
der Name des zu äußerst liegenden Vorgebirges oder eines
großen Theils der Küste auch zur Bezeichnung der be
treffenden Halbinsel selbst.) Für kleinere Halbinseln, Land
zungen u. s. w. hat hingegen der Isländer eine Menge
von Ausdrücken, die zumeist feine Unterschiede enthalten.
Die allgemeinste Bezeichnung für größere wie für kleinere
und selbst sehr kleine Vorsprünge des Landes, seien die
selben nun breit und stumpf oder lang und spitzig, ist:
nes, n. Außerdem finden sich je nach der Gestalt dieser
Vorsprünge häufig die Ausdrücke: höf9i, m. (besonders
für ein hohes, einzeln stehendes Vorgebirge), — tangi, m.
(besonders für eine schmale Landzunge), — muli, m. (be
sonders für ein abgerundetes Vorgebirge), — tä, f. (Zehe), —
oddi, m. (Landspitze), — ü tk jälk i, m. (äußerste Land
spitze, äußerstes Vorgebirge), —- skagi, m. (längliches Vor
gebirge vgl. die Anmerkung), — u tsk a g i (äußerste Land
spitze) u. s. w.
Die wichtigsten Meerbusen, Fjorde und Buchten
Islands sind:
*) Ich finde wenigstens in Gislason’s „Dönsk ordabök med islenzkum
pydingum“ (Kaupmannaliöfn 1851) für „Halvö“ kein anderes Wort als:
„(breidur) s k a g i“ ; skagi bezeichnet aber noch Erik Jonsson, Oldnordisk
Ordbog (Kjöbenliavn, 1863) ein längliches Vorgebirge ( „ = utskagi“ ;
vgl. oben), nach Gislason selbst: „Cap“, „Landzunge“ (vgl. die Wörter
„Cap“ und „Landtunge“), nach Cleasby-Vigfusson (Icelandic-english
Dictionary, Oxford 1874, s. v. skagi): „a low cape or ness“, nach
Björn Haldorson (Lexicon islandico-latino-danicum, Havnise, 1814):
„promontorium“.
Meerbusen an der Westküste.
47
I. An der W estk ü ste:
Der F a x a flö i oder F ax afjö rÖ u r d. h. Meer
busen des Faxi (vgl. das Register unter: Faxi) zwischen
den Vorgebirgen Reykjanes und Ondverdarnes) ungemein
prächtig; 12 (geogr.) Meilen breit, 9 M. lang. In dem
selben liegen die folgenden kleineren Buchten und Fjorde:
Der 8 1 a k k s f j ö r 3 u r oder die Stak k s v i k auf der Nordseite
der Halbinsel Reykjanes zwischen dem steilen in’s Meer vorspringenden
Holmsberg und der kleinen Landzunge, die sich beim Hofe Brunnastaöir
in das Meer hinein erstreckt. Die Bucht hat ihren Namen von einem dem
Holmsberg im Meere vorgelagerten Felsen, der wegen seiner Form
„Stakkr“ d. li. (Heu-) Schober genannt wird.
Der H afn a rfj öröur (d. h. Hafenfjord), ein kleiner Fjord, der
die Südseite der kleinen Halbinsel Alptanes begrenzt, mit ausgezeichnetem
Hafen.
Der Skerj afj öröur, (d. h. Sclieerenfjord) zwischen den kleinen
Halbinseln Alptanes und Seltjarnarnes, schmal und verhältnismäßig kurz,
mit mehreren kleinen Nebenbuchten.
Der K o 11 a f j ö r ö u r (nach einem Ansiedler Kolli benannt), zwischen
Seltjarnarnes und Kjalarnes, einige Meilen breit, bildet den innersten
Theil des Faxafj öröur und setzt selbst wieder längs der ganzen Küste
verschiedene kleine Buchten und Fjorde ab, von denen der nördlichste
Fjord „K ollafj öröu r“ im en g eren S in n e heißt. Die etwas süd
licher gelegene, kleine, schmale Einbuchtung, jetzt L e im v o g a r (plur.,
da die Bucht durch einen kleinen Land vorsprung in zwei Th eile g-etheilt
ist) früher Leiruvagr (d. h. kleine Bucht mit lehmigem Strand) genannt,
ist so seicht (nur *2—3' tief), dass sie zur Zeit der Ebbe ganz trocken
liegt; sie bildete deshalb schon in der alten Zeit einen beliebten Hafen
für kleinere Schiffe; an seinem inneren Theile befinden sich auch zahl
reiche kleine Inseln.
Der H v a lfj öröur (d. li. Walfischfjord), 4 Meilen lang und nur
1 Meile breit, ebenfalls reich an kleineren Einbuchtungen; der innerste
Theil heißt B o tn sv o g u r und gibt zur Zeit der Ebbe einen vortrefflichen
Weg ab, während zur Zeit der Flut das Meer hoch über denselben empor
steigt. In den Hvalfj öröur mündet die Laxä durch eine kleine Bucht,
welche deshalb L a x a r v o g u r heißt. Der Hvalfj öröur bildet die Grenze
zwischen der Kjosar- und Borgarfjaröar Sysla.
Der B orgarfj öröur (vgl. borg im Register), ca 3 Meilen laug,
1 Meile breit, gleichfalls stark eingebuchtet, und inselreich, bildet die
Grenze zwischen der Myra- und der Borgarfjaröar Sysla, welch’ letztere
jetzt allein nach dieser Bucht benannt ist, während früher die ganze
Gegend zu beiden Seiten der Bucht Borgarfj öröur hieß.
Der B r e i 3 i fj ö r 3 u r (d. h. breite Bucht), zwischen den
Vorgebirgen ÖndverSarnes und Bjargtangar, 10 Meilen breit
und 18 Meilen lang, ist reich an Klippen aber auch an
grünen Inseln, welche unzähligen Schaaren von Eidervögeln
Meerbusen an der Westküste.
48
als Aufenthaltsort dienen. Im Breiclifj ördur und zwar zu
nächst an der Nordseite der Snsefellsnes-Halbinsel liegen
viele kleinere Fjorde und Buchten als:
Die R ifs v ik (d. h. „Kiff“-bucht, so benannt nach einem in öst
licher Richtung in’s Meer vorspringenden Felsenriff), eine breite Bucht,
welche sich zwischen dem „Riff“ und dem kleinen Cap Bulandshöfdi
erstreckt und in ihrem inneren Theile die kleinere O la fsv ik (nachdem
Ansiedler Olafr belgr*) benannt) absetzt.
Der G ru n d arfj ördur (benannt nach dem Hofe Grund am innern
Theile des Fjords), dänisch verballhornt zu Grönnefjord, ein schön ab
gerundeter, fast überall gleich breiter Fjord, der als guter und sicherer
Ankerplatz bekannt ist.
Der K o lg ra fa fj ördur, anfangs ziemlich breit, dann zwei
schmälere Arme bildend, von denen der eine (der östliche) den Namen
Hr au n sfj ördur, älter auch Hraunfjördr (d. h. Lavafeldfjord, wegen des
in der Nähe befindlichen Berserkjahraun), der andere nach dem Hofe
Kolgraffr (d. h. Kohlengruben) den Namen Kolgrafafj ördur im engeren
Sinne führt. Der äußere Theil des Fjords wird jedoch bisweilen auch
mit dem Namen H v a la fj ördur (d. h. Walfischfjord) bezeichnet.
Die H ra u n v ik (auf den Karten Hraunfjördur), welche etwas
weiter östlich sich befindet, hat ihren Namen gleichfalls vom Berserk
jahraun erhalten, das sich nördlich bis zu derselben hin ausdehnt.
Der H o fsta d a v o g u r (älter-vagr), ein kleiner Fjord, der sich
in östlicher Richtung in das Land einschneidet; er hat seinen Namen
von der Wohnstätte Hofstadir (d. h. Tempelstätte) des Lohnlisten Horolfr
Mostrarskegg erhalten, die sich bei diesem Fjord befand und wegen dem
mit ihr verbundenen Tempels (isl. hof) berühmt war. Der Hofstadavogur
bildet im Verein mit
dem S a u ra v o g u r (nach dem Hofe Saurar benannt) die kleine
Halbinsel Horsnes, die selbst wieder von vielen kleinen Buchten und
Fjorden, darunter dem langen aber schmalen N esv o g u r (d. h. Vorgebirgsbucht) eingeschnitten ist.
Der «A lptafj ördur (d. h. Scliwanenfjord), welcher hierauf folgt,
dringt mit ziemlich großer Breite zuerst in südlicher, dann in süd
östlicher Richtung in die Nordseite der Snaefellsnes-Halbinsel ein. —
Bei weitem der größte von allen Nebenfjorden des Breidifjördur ist:
D erH vam m sfj ör dur (hvammur bezeichnet ein kleines, grasreiches
Thal, wie sich ein solches von der nordöstlichen Einbuchtung dieses
Fjords in nordwestlicher Richtung landeinwärts erstreckt, und ist auch
Name mehrerer theils noch bestehender, theils schon verschwundener Höfe
in der Umgebung dieses Fjords); derselbe wird bisweilen nicht durch
einen besonderen Namen bezeichnet, sondern als ein Theil des Breidi
fj ördur selbst betrachtet; er schneidet sich in östlicher Richtung zwischen
die Snsefellsnes- und Dala Sysla ein und ist 5 Meilen lang, ca. 2 Meilen
*) Vgl. Landnämabok (in: Is 1en d in g a Sögur udgivne efter
gamle Haandskrifter af det kongelige nordiske Oldskrift-Selskab. I. Band,
(Kjöbenhavn 1843) S. 88.
49
Meerbusen an der Westküste.
breit, durch die am Eingänge dicht beisammen liegenden Inseln vom
Breidifjördur fast vollkommen abgeschlossen und bildet auch selbst wieder
eine Anzahl kleinerer Fjorde und Buchten.
Der G i 1s fj ö r d u r (nach dem Ansiedler Gisl skeidarnef benannt, (vgl.
Landnama S. 128), ein kleiner schmaler Fjord, der als innerster Theil
des Breidifjördur angesehen werden kann, schneidet sich in nordwest
licher Richtung zwischen der Dala- und der Bardastrands Sysla ein und
trennt im Verein mit dem von Nordost kommenden Bitrufjördur Islands
große nordwestliche Halbinsel fast ganz von dem übrigen Lande ab, in
dem die beiden Fjorde nur 7'5 k m weit von einander entfernt sind.
Auf der Südseite der Vestfirdir folgen dann der Reihe nach mehr
oder weniger tief ins Land einschneidend und zumeist durch hohe gebir
gige Landzungen von einander getrennt:
der breite Kroksfjördur (benannt nach dem Ansiedler Lorarinn
krokr? vgl. Landnama, S. 124),
der Berufjördur (Bärinfjord),
der Dorskafjördur (Dorschfjord),
der Djupifjördur (tiefer Fjord),
der Gufufjördur (nach dem Ansiedler Ivetill gufa benannt; vgl. Landnama S. 134),
der Kollafjördur (nach dem Ansiedler Kolli Hroaldsson benannt;
vgl. Landnä ma, S. 13 3),
der Kvigindisfjördur (kvigindi = junge Kuh),
der Skalmarfjördur (skalm = kurzes Schwert; so benannt wegen
der ähnlichen Form des Fjords?),
der Kerlingarfjördur (so benannt, weil zur Zeit der Besiedelung
Islands bei einem Schiffbruch ein altes Weib = kerling in denselben
getrieben wurde; vgl. Landnama S. 272),
der Kjalkafjördur (benannt nach dem Ansiedler Geirsteinn kjalki;
vgl. Landnama, S. 136),
der Vatnsfjördur (d. h. Seefjord, weil sich in der Nähe des innersten
Theils des Fjords ein größerer See befindet).
Der H a g a v a d a ll (d. h. Hagifurt, so benannt nach dem Hofe
Hagi, der westlich davon gelegen ist), ein kleiner seichter Fjord mit
prächtiger Umgebung, der in der alten Zeit einen sehr beliebten und
vielbesuchten Hafen abgab.
Die V e s tfird ir im eigentlichen Sinne sind:
Der P at r e k s fj ö r 3 u r (so genannt von einem An
siedler zu Ehren des hl. Bischofs Patrik; vgl. Landn.
S. 43); er schneidet sich in südöstlicher Richtung in das
Land ein;
Der T alk n afj ör 3ur, durch die1lanzettförmige Land
zunge Talkni vom Patreksfjörcfur geschieden; beide Fjorde
schneiden sich ca 4 Meilen tief ein;
Der A m a rfj ör3ur, einer der interessantesten Fjorde
Islands, ist 4—5 Meilen lang und an seinem äußeren,
P o e s t io n , Island.
4
Meerbusen an der Westküste.
50
größeren Theil 1—2 Meilen breit, Er wird zu beiden
feeiten von gewaltigen, wunderbar regelmäßigen Felsmauern eingeschlossen, die gleichsam durch strebepfeilerähnliche, unmittelbar vom Meere bespülte und nur durch
kleine schmale Thäler und Einsenkungen von einander
getrennte Ausläufer gestützt werden. Der ArnarfjörSur
theilt sich in seinem Innern in einen nordöstlichen und in
einen südöstlichen Seitenfjord, welch’ letzterer sich wieder
in vier kleinere Fjorde, die sogenannten „S u 5 urfir5ir“
(d. h. Südfjorde) verzweigt. Der nordöstliche Fjord beißt:
B org a r f j ö r 9 u r. Die Su9urfir9ir bestehen aus den
Fjorden: Fossfjör3ur, (d. h. Wasserfallfjord), Reykjarfjördur
(d. h. Rauchfjord), Trostansijör3ur (wohl nach einem
[irischen?] Ansiedler Trostan benannt) und Geir]}jöfsfjör5ur,
(benannt nach dem Colonisten Geir]>jöfr ValJ)jöfsson; vgl.
Landn. S. 141), von denen der erstere in südlicher Richtung,
der zweite und dritte in südöstlicher und der vierte in
östlicher Richtung sich einschneidet.
Der D vraf'j ör9ur (so genannt nach einem Ansiedler
Namens Dyri vgl. Landn. S. 143), ist kleiner und namentlich
bedeutend schmäler als der ArnarfjörSur; er zieht sich
fast bis zum Fuße des Glamu-Jökull in das Land hinein,
und hat ziemlich freundliche Küsten.
Der Ö n u n d arfj ö r3ur, läuft parallel mit dem Dyrafjördur, ist aber nur halb so lang als dieser. Der ganze
innere Theil dieses' Fjords liegt zur Zeit der Ebbe trocken
und man kann dann an fünf verschiedenen Stellen durch
denselben reiten._ Seinen Namen hat dieser Fjord von
dem Colonisten Önundr Vikingsson (vgl. Landn. S. 147).
Der S u g an d afj ö r3u r (benanntnach dem Ansiedler
Hallvardr sügandi vgl. Landn. S. 147), der kleinste von
allen bisher genannten Vcstfirdir, durch die hohen, steilen
Felsen, die ihn umgeben, schwer zugänglich.
Das I s a fj a r 3 a r d j u p, (d. h. Eisfjordtiefe) in den
alten Sagas öfter im Ganzen Isafj ör3 ur genannt, welcher
Name jetzt nur von dem östlichsten Seitenfjord des Isa
fj ar3ardjup gebraucht wird, ist 8—10 Meilen lang und bis
3 Meilen breit; es schneidet sich gleich den meisten übrigen
Westfjorden in südwestlicher Richtung in das Land ein.
Bemerkenswert ist dieser Fjord, der bereits ein arktisches
51
Gepräge hat, noch dadurch, dass Island uach ihm seinen
Namen erhalten hat (vgl. den Hinweis unter „Island, Name“
im Register). Er setzt in südwestlicher Richtung eine ganze
Reihe von Seitenfjorden ab, während seine. Nordküste
außer dem Kaldalön keine bedeutende Einbuchtung auf
weist.
Meerbusen an der Westküste.
Die s ü d 1i c li e n Fjorde sind der Reihe nach von Westen nach Osten:
Der S k u tils fj ördur (d. li. Harpunenfjord, weil der Colonist
Helg’i Hrolfsson, als er diesen Fjord entdeckte, am Strande desselben
■ eine Harpune = skutill fand; vgl. Landn., S. 148), dessen innerster Theil
einen ausgezeichneten Hafen bildet; es folgen einander, nur durch schmale
Landzungen getrennt:
der A 1p t a f j ö r d u r (d. li. Schwanenfjord),
der S ey d isfj ördur (seydi, n. = Fischjunges, Dorschjunges),
der H e s t s fj ö r 3 ur (d. li. Pferdfjord) und
der S k ö t u f j ö r 3 u r (d. li. Rochenfjord).
Es folgt sodann nach einer breiteren Landzunge mit der L aug,a r v i k (vgl. laug im Register):
der Mj 6 fifj ör3ur, ein langer und schmaler Fjord (wie dies schon
sein Name besagt, denn mjörr heißt: schmal) und nach einer kleineren
Landzunge mit dem unbedeutenden V a t n s fj ö r 3 u r
der fsa fj ördur (vgl. oben S. 50), ebenfalls ein langer schmaler
Fjord, mit stets abnehmender Breite, zuerst in südöstlicher, dann in süd
licher Richtung, verlaufend; er setzt westlich den kleinen, schmalen R e y kjarfj ördur (d. h. Rauchfjord) ab.
Die J ö k u lfir3 ir (älter Jökulsfircfir d. h. Gletscher
fjorde) bilden eigentlich eine östliche Verzweigung des
lsafjardardjup * doch schließen sich dieselben in mehr
facher Hinsicht mehr der nördlichsten Halbinsel von Vestfir9ir an, als der übrigen Umgebung des Isafjardardjup. Die
Jökulfirdir erscheinen zuerst als ein einziger größerer
Fjord, von dem sich erst weiter drinnen in nordöstlicher,
östlicher und südöstlicher Richtung fünf kleine Fjorde abzweigen. Durch dieses Fjordsystem wird der nördlichste
Theil der ganzen so stark zerschnittenen Halbinsel Vesthr9ir beinahe vollständig von dieser selbst abgesondert.
Die fünf kleineren Fjorde sind in der Reihenfolge von Westen
nach Osten:
der H e stey r a rfj ör3ur (hestur = Pferd; über eyrr vgl. das Re
gister),
die V e id ile y s a (d. li. Mangel an Fischfang, Ort [Fjord], wo
kein Fischfang stattfindet),
der L 6 n a f j ö r 3 ur (Ion = abgeschlossene Bucht, stehendes Wasser);
sondert im innersten Theile einen breiteren und einen schmäleren Arm ab;
4
*
52
Meerbusen an der Nordküste.
der H rafn sfj öröur (d. li. Rabenfjord) die östlichste Verzweigung',.
ein verhältnismäßig' schmaler Fjord, und
der L eiru fj ördur (leira = schlammiger, lehmiger Strand), ein.
kleiner Fjord, der südlichste der Jökulfiröir.
Zur W estk ü ste gehören noch:
Die A 3 alv ik (d. h. Hauptbucht), eine verhältnis
mäßig große Bucht mit mehreren kleineren Einbuchtungen
z. B. (Mi3vik, Lätravik) und
eine andere kleinere namenlose Bucht zwischen den
Caps Straumnes und Kögur mit den Nebenbuchten Rekav ik (d. h. Bucht, wo allerlei angetrieben wird) und
F ljö t (d. h. Fluss).
II. An der N o r d k ü s t e.
Es sind zunächst noch einige bedeutendere Fjorde der
Halbinsel Yestfir9ir, welche vom vollständig offenen Meere
bespült werden, zu nennen, als:
eine wieder namenlose Einbuchtung zwischen dem
Cap Kögur und dem Hselavikrbjarg mit einer Reihe klei
nerer Buchten (Kagravik, Sandvik, Ytri Haugavik, Eystri
Haugavik, Kirfisbäs, Brimilsliöfn, Lagnabas, Selvogur,.
Kjaransvik, Hlö9uvik, Hselavik);
die R ekav ik , eine rundliche kleine Einbuchtung
zwischen dem Hselavikrbjarg und dem Cap Horn (Cap
Nord),
der F u ru fjö r9 u r (d. li. Fichtenbucht, wohl wegen
der früher hier häufig angetriebenen Fichtenstämme),
der 1? a r a 1a t u r s fj ö r 9 u r (d. h. Fj ord, in dem sich
viel Seegras findet),
der R e y k j a r fj ö r 9 u r (d. h. Rauchfjord, wegen des
aus benachbarten heißen Quellen aufsteigenden Rauches)
mit der kleinen S ig lu v ik (d. h. Mastbaumfjord),
der Bj arn arfj.ö r9 u r (d. h. Bärenfjord),
ein unbenannter größerer Meerbusen mit drei kleineren
Fjorden; es sind dies:
der Ey v in d a rfj öröur mit unbewohnter Küste,
der 0 fe ig s fj öröur, der größte dieser drei Fjorde, und
den In g o lfsfj ördur; benannt sind diese drei Fjorde nach drei
Brüdern, die sich hier ansiedelten; vgl. Landnäma, S. 157.
Der Fl öi. Östlich vom Ingolfsfjör3ur nimmt die Küste
eine entschiedene Richtung nach Süden und wird nun.
53
nicht mehr von dem offenen Meer, sondern von dem so
genannten Flöi bespült Es ist dies der große Meerbusen,
der zwischen der Stranda Sj^sla und dem nördlichen Theile
der Hunavatns Sysla liegt und in seinem nordwestlichen
Theil S t r a n d af 1ö i — w~eil er den „Strandir“ benanntem
Östlichen Küstentheil der Yestfirdir berührt — sonst aber
H ünaflöi (d. h. Bärenjungen-Meerbusen*, über diese Be
nennung vgl. „Hünavatn, Name“ im Register) heißt. Der
letztere wird im Osten in seinem oberen Theile von der
Halbinsel Skagaströnd begrenzt, deren westlicher, von dem
Flöi bespülter Strand „Skagaströnd“ (im engeren Sinne)
heißt. Im Flöi befinden sich die folgenden z. Th. ziem
lich bedeutende Fjorde:
Meerbusen an cler Nordküste.
die T r e k y llis v ik (d. li. Holzsackbuclit; so genannt, weil in
.alter Zeit Kaufleute, die hier Schiffbruch litten, aus dem Wrak sich ein
neues Schiff erbauten, das wegen seiner breiten und kurzen Form
spöttisch „trekyllir“ d. li. Holzsack genannt wurde; vgl. Grettis Saga
ved G. Magnusson og G. Tliordarson, Kjöbenhavn 1858, S. 20);
der K ey kj a r f j ö r ö u r, der einige Meilen tief in das Land ein
dringt, aber verhältnismäßig schmal ist;
die V e id ile y s a , bedeutend kleiner; diese und der Reykjarfjördur
sind eigentlich als Verzweigung eines größeren unbenannten Busens
anzusehen;
der Bj arnarfj ö rdur (d. h. Bärenfjord);
der S t e i n g r i m s f j ö r d u r, der bedeutendste von allen diesen
Fjorden, welcher in einer Länge von mehreren Meilen in nordwestlicher
Richtung sich ins Land einschneidet; seinen Namen hat er von dem
Colonisten Steingrimr, nach dessen Wohnsitz „i Tröllutunga“ zubenannt,
erhalten, der sich hier ansiedelte (vgl. Landn., S. 159.) Dieser Fjord
setzt wieder mehrere kleinere Buchten ab, von denen die S k e lja v ik
(d. h. Muschelbucht), die sich in westlicher Richtung einschneidet, die
bedeutendste und auch insoferne die bemerkenswerteste ist, als dieselbe
schon im Alterthum von den zwischen Norwegen und Island verkehren
den Schiffen als Hafen benützt wurde. Als ein Arm des Steingnmsfjördur kann auch der kleine schmale K o llä fj ördur betrachtet werden,
nach dem Ansiedler Kolli „undir Felli“ benannt (vgl. Landn., S. 159);
der B itr u fj örcfur oder die B itra, (d. h. Bitternis), so benannt
nach dem Vikinger Lorbjörn bitra, der sich hieransiedelte; (vgl. Landn.,
S. 159); dieser Fjord schneidet sich in südwestlicher Richtung in das
Land ein und trennt, wie schon oben bemerkt, mit dem Gilsfjöröur an
der Westküste (vgl. oben S. 49) die Halbinsel Vestfirdir beinahe ganz
vom übrigen Lande ab.
Der H ru ta fjörd u r (d. h. Widder-Fjord, so benannt von Ingimundr Dorsteinsson, weil derselbe bei seiner ersten Fahrt längs dem
Fjord zwei Widder aus dem Gebirge hervorkommen sah; vgl. Vatnsdsela-
54
Meerbusen an der Nordküste.
saga, *) S. 25); gegen 4 Meilen lang und anfangs ca 1 Meile breit, wird
schließlich ungemein schmal und erstreckt sich bis tief in das Land
hinein; er bildet von altersher die Grenze zwischen dem Nordland und.
dem Westland.
Der M idfj ördür, (d. h. der mittlere Fjord) vom Hrutafjördur nur
durch eine schmale Landzunge getrennt, ist ein kleiner Fjord, nur
1—2 Meilen lang.
Der H u n afj ördur, (d. li. Bären]ungen-Fjord) früher Vatnafjördur
(d. h. Seen-Fjord) genannt (wegen der vielen Seen, die in der nächsten
Nähe seiner südlichen Küste liegen) ist kurz, aber breit; mit ihm stehen
in Verbindung die drei Seen: Sigridarstadaos, Hop und Hünavatn.
Der S k a g a fjö rS u r (so benannt nach Skagi d. h.
längliches Vorgebirge dem Namen des nördlichsten Theilesder Halbinsel Skagaströnd) gegen 5 Meilen lang und
21ilo Meilen breit, ohne bemerkenswerte Nebenbuchten,
Das westliche schmale Küstenland der inneren Hälfte des
Fjords heißt Rey kj as tr önd, der mittlere Theil der öst
lichen Küste H ö f 3 a s t r ö n d. Nach dem Skagafj ör3ur ist
die Skagafj ar3ar Sysla benannt.
Einige kleine Fjorde schneiden sich in der Richtung"
von Nordost nach Südwest in die Nordküste der großen
namenlosen Halbinsel ein, welche von dem Skagafj ör3ur
und dem Eyjafjör3ur gebildet wird; es sind dies der
S iglufjördur (d. h. Mastbaumbucht; vgl. Landn., S. 202),
der H e 3 i n s fj ö r 3 u r, und der 01 a f s fj ö r 3 u r (nach den
Colonisten He3inn und Olafr bekkr benannt.*”) ; die beiden
letzteren sind eigentlich schon als Nebenfjorde des Eyjafjör3ur zu betrachten, denn man nimmt gewöhnlich an,
dass dieser Fjord schon beim Siglunes beginne.
Der Eyj afj ö r3 ur (d. li. Inselbucht), wohl so benannt
wegen der flachen kleinen Inseln an der Mündung der
Eyjafjar3arä, da sich im Fjorde selbst nur eine einzige
Insel befindet, ist 8 Meilen lang, und verhältnismäßig
schmal; derselbe zieht sich tief ins Land hinein und gab
der Eyjaijar3ar Sysla ihren Namen.*)
“) In: F o rn sö g u r herausgegeben von G. Vigfusson und Th. Mö
bius (Leipzig, 1860) S. 3—80.
**) Vgl. Landn., S. 202 und Svarfdsela saga (in: „Islenzkar Fornsögur, gefnar üt af liinu fslenzka bokmentafelagi; III.“ Kaupmannahöfn..
1883, 8. 3 — 111) S. 36.
55
Der S k ja lfa n d i oder Skj alfanclafloi d. h. der
zitternde (Meerbusen nämlich; etwa von der hier starken
Bewegung der Wogen? wahrscheinlicher jedoch von dem
hier mündenden großen Skjälfandafljöt) ; derselbe ist
4 Meilen breit und 3 Meilen lang. Von ldeineren Neben
buchten des Skjalfandi ist die H u sa v ik (d. h. Häuser
bucht) in mehrfacher Beziehung bemerkenswert; vgl. das
Register.
Der A x a rfjö rd u r (älter Öxarfjördr d. h. Axtbucht;
vgl. Landn., S. 234). ist 5 V2 Meilen breit und 3 Meilen
lang; nach ihm wird die hier in's Meermündende Jökulsä,
die vom Vatnajükull kommt, J. ä Axarfirdi genannt.
Der D istilfj ör.dur (älter Distilsfjördur, d. h. Distel
bucht, so benannt nach Ketill Distill, der sich hier ansie-'
delte, vgl. Landn. S. 236); derselbe ist an seiner Mündung
3 Meilen breit und ebenso lang und setzt mehrere Neben
fjorde ab.
Meerbusen an der Ostküste.
Von diesen Nebenfjorden sind zu nennen:
Der L on afj ördur, ein nicht unbedeutender Fjord, der den inner
sten Theil des Distilfjördur bildet, mit der kleinen Bucht D o rsh öfn ;
die V id a r v lk (d. h. Holzbucht), an der Ostküste von Melrakkasletta.
III. An der O stk ü ste.
Die alte Bezeichnung A u stfird ir d. h. Ostbuchten
(vgl. oben S. 45) gilt vorzüglich nur für jene Fjorde und
— im übertragenen Sinne — für jenen Theil der Ostküste
überhaupt, welche sich zwischen der Halbinsel Langanes
(genauer: dem Berg Gunnolfsvikurfjall an der Südseite von
Langanes) und der Grenze zAvischen der Sudur Mula und
der Austur Skaptafells Sjsla liegen. Die Bewohner dieses
Landestheiles wurden A ustfirdingar genannt, und nach
ihnen wurde in der alten Zeit das ganze Ostviertel bis
hinab zur Ostgrenze der Rangavalla Sysla als „Ausfirdinga
fjordungr” bezeichnet. Die Austfirdir sind sämmtlich ver
hältnismäßig kurz, folgen einander aber in fast ununter
brochener Reihe. Bevor die Austfirdir beginnen, befindet
sich noch eine größere Bucht auf der Ostseite der Halb
insel Langanes, nämlich die E idisv ik (d. h. LandengeBucht). Die A u stfird ir aber sind:
56
Meerbusen an der Ostküste.
der F in n a fj ör 3ur, so benannt nach dem Ansiedler
Finni; vgl. Landnama, S. 237,
der M i9 fjö r3 u r (d. h. mittlerer Fjord),
der B a k k a fj ö r9ur (bakki = niedriges Flussufer) in
der alten Zeit Sandvik (d. h< Sandbucht) genannt. Diese
drei Fjorde können eigentlich als Nebenfjorde einer unbe
nannten größeren Bucht zwischen dem Gunnölfsvikurfjall
und dem Cap Digranes angesehen werden.
Der V o p n af j ö r 3 u r (auch Vapnafjör9ur, benannt
nach dem Colonisten Eyvindr vopni; vgl. Landnama, S. 238)
zwischen den Vorgebirgen Fiskanes und Kollumuli, circa
3 Meilen breit und von Kollumuli aus ebenso lang. Eine
westliche Seitenbucht desselben ist:
der N f p s f j 13r <5u r (nypur = Bergspitze), der durch zwei, vom Meer
beinahe ganz abgeschnittene stille Buchten oder „Ion“ abgeschlossen
wird.
Der H era 9 flö i (d. b. Bezirksmeerbusen), eine
4 Meilen breite, aber kaum 1 Meile lange Bucht zwischen
den Vorgebirgen Kollumuli und Brimnes, wird in der
Mitte in einer Breite von mehreren Meilen von einer
flachen Sandstrecke, dem „H era9 ssan d u r“ begrenzt.
. Jenseits der breiten aber kurzen Landzunge mit dem
Cap Brimnes schneidet sich zuerst
die N ja r9 v ik (benannt nach dem alten heidnischen
Gott Njör3r), dann weiter südöstlich
der B o r g a r fj ö r 9 ur in das Land ein, letzterer
ungefähr eine Meile tief;
es folgt wieder eine Anzahl kleinerer Einbuchtungen,
•von denen die B rei3 av ik u n d die H u sav ik die be
merkenswertesten sind; auch
der L o 9 m u n d a r fj ö r 9 u r (benannt nach dem An
siedler Loömundr, vgl. Landnama, S. 249—250) ist nur ein
kleiner Fjord, ungefähr eine Meile lang und ziemlich
schmal, wohingegen
der S e y 9 i s f j ö r 9 u r (in alter Zeit auch Sey9arfjör9r und Sau3arfjör9r *), der sich in südwestlicher Rich
tung in das Land einschneidet, einige Meilen lang ist; auch
-) Der heutige Name S e y 3 i stjörclur scheint durch ein Missver
ständnis der älteren Form Seydarfjördr, welche durch Umlaut aus dem
57
der Mj öfifj ör 9ur; welcher hierauf folgt, hat eine
Länge von 3—4 Meilen, ist aber, wie es schon der Name
besagt, (vgl. oben S. 51) sehr schmal.
Der N o r3 fjö r5 u r (d. h. Nordfjord), der sich gleich
darauf in südwestlicher Richtung einschneidet, setzt in glei
cher Richtung zwei kleinere Nebenfjorde ab, nämlich den
He 11isfj ö r3ur (d. h. Höhlenfjord) und den V i 5 f j ö r 9 u r
(d. h. Holzfjord), worauf er selbst als ein ähnlicher un
bedeutender Fjord noch ein kurzes Stück gegen Westen
geht. Es folgt hierauf:
Der R e j 9 a r fj ö r 9 u r (d. h. Walfischbucht), auf
dänisch gewöhnlich Rödefjord genannt, der größte Fjord
des Ostlandes, welcher circa 4 Meilen lang und an der
Mündung 1 Meile breit ist. Er setzt in nordwestlicher Richtung
den kleinen Nebenfjord E sk ifj ör 3ur (d. h. Schachtelfjord,
so benannt nach einem in der Nähe befindlichen schachtelförmigen Berg, Namens „Eskja“ d. h. Schachtel) ab. Es
folgen nun rasch auf einander:
Der F ä s k r ü 3 s fj ö r 3 u r (d. h. der unansehnliche
Fjord), einige Meilen lang;
der S tö 3 v a rfjö r3 u r (stö3 = Landungsplatz und
Name eines Hofes am Ufer des innersten Theils des Fjords);
die B r e i 3 d a 1s v i k, auch B r e i 3 d a 1s fj ö r 3 u r ge
nannt, verdient eher den Namen einer Bucht als den eines
Fjords;
der B eru fjörS u r, ein ziemlich ansehnlicher Fjord,
der sich in nordwestlicher Richtung in das Land ein
schneidet; circa 3 Meilen lang. In der Nähe der Mün
dung, auf der Nordseite von Bülandsnes, befindet sich eine
kleine Bucht D jü p iv o g u r (d. h. tiefe Bucht), die wegen
ihres guten Hafens erwähnt zu werden verdient. — Die
beiden nächsten, südlichsten Fjorde,
der H a. m a r s fj ö r 3 u r (d. h. Steilklippenfj ord) mit
vielen kleinen und größeren Inseln an der Mündung und
Meerbusen an der Ostküste.
ursprünglichen Sauöarfjördr (d. li. = Schaffjord) entstanden ist, sich
gebildet zu haben und wird jetzt in der Bedeutung des seydi, n. =
kleine Fische verstanden. Vgl. Iv. Gislason in: Droplaugarsona Saga
(Nordiske Oldskrifter udgivne af det nordiske Literatur-Samfund. II.
1847) S. 19, Note 4).
58
Meerbusen an der Ostküste. — Halbinseln.
der Alp ta f j ör dur können als Arme eines größeren
Fjords betrachtet werden, der sich bald nach seinem Ein
dringen an einer verhältnismäßig kurzen und breiten Land
zunge theilt. Darum wurden auch die beiden Fjorde
in der alten Zeit Nerdri (nyrdri) und Sydri Alptafjördur
(d. h. nördlicher und südlicher A.) genannt., Der Hamarsfj ördur nimmt eine nordwestliche, der Alptafjördur
eine südwestliche Richtung, beide in einer Länge von
ungefähr einer Meile.
Zu den Fjorden der Ostküste können außer den
„Austfirdir“ im engeren Sinn noch gezählt werden:
der L 6 n f j ö r d u r und
der P a p a fjö rd u r (so benannt nach den irischen
Einsiedlern „papar“ d. h. Pfaffen, wie die Einwanderer sie
nannten; vgl. ,,Paparu im Register), obschon dieselben eher
als Buchten oder vielmehr, wie es schon der Name des
ersteren Fjordes anzeigt, wegen ihrer Abgeschlossenheit
von dem übrigen Meere als „Ion“ zu betrachten sind.
IV. An der Südküste.
Hier gibt es fast ausnahmslos nur abgeschlossene
Buchten (lön) mit vorgelagerten Sandbänken. und auch
deren nur wenig. Doch ist der östlichst gelegene
H or n afj ör du r, (so genannt nach dem hier befind
lichen Vorgebirge Horn oder Vesturhorn) kein ganz unbe
deutender Fjord, obschon derselbe wegen der vorliegenden
langen Sandbank eigentlich auch als ein „Ion“ anzusehen
ist. Der östliche Theil des Fjords heißt auch Skardsfj ördur (d. h. Engpassfjord, so benannt nach dem in der
Nähe befindlichen Almannaskard).
Die bemerkenswertesten Halbinseln, Landzungen
und Vorgebirge Islands sind, und zwar:
G rößere H a lb in se ln :
die Halbinsel' R e y kj a n e s. Dieselbe wird gebildet
vom Faxafj ördur und dem die südwestliche Küste Islands
bespülenden Theil des Nordatlantik. Sie hat eine stiefel
förmige Gestalt, indem ihr nordwestlicher Theil selbst
wieder halbinselförmig gebildet ist. .Benannt ist diese
Halbinsel nach dem Cap Reykjanes an der südwestlichen
Spitze derselben (vgl. unten).
59
Die Halbinsel Snsefellsnes, vom nördlichen Theil
des Faxafjördur und dem südlichen Theile des Breidifjördur beziehungsweise Hvammsfjördur gebildet, so genannt
nach dem am äußeren Ende derselben liegenden Snsefellsj ökull.
Die Halbinsel V estfircfir (13700 im 2 groß), zwischen
dem Breidifjördur und dem Hunafloi, deren Seitenfjorde: der
Gilsfjördur und derBitrufjördur so tief ins Land einschneiden,
dass diese Halbinsel nur durch eine kaum 1 Meile breite
Landenge mit der übrigen Insel verbunden ist (vgl. oben
S. 49.) Dieselbe ist außerdem selbst wieder durch den
Arnarfjördur und das Isafjarcfardjüp in drei neuerdings
mehrfach gezackte kleinere Halbinseln getheilt.
Die Halbinsel S k a g a s t r ö n d *), vom Hunafloi
(beziehungsw. dem Hunafjördur) und dem SkagafjörJfur ge
bildet. Die nördliche Hälfte der Halbinsel (von Hof ange
fangen) heißt Skagi.
Die Halbinsel zwischen dem Skagafjördur und dem
Eyjafjördur mit dem nördlichsten Vorgebirge Siglunes
(vgl. Siglufjördur oben S. 54); man könnte sie deshalb
die S ig lu n e s-H a lb in se l nennen.
Die Halbinsel zwischen dem Eyjafjördur und dem
Skjalfandi; die westliche Küste trägt in ihrem nördlichen
Theile, von Höfdi angefangen, den Namen „Latraströndu
(latr bezeichnet einen Platz, wo Thiere, besond. Seehunde,
Wale u. s. w. ihre Jungen werfen und warten; latraströnd
einen Strand, der ein solcher Platz ist), weshalb wir diese
ziemlich große Halbinsel mit dem Namen „L at ra st röndH a lb in s e l“ bezeichnen wollen.
Die Halbinsel zwischen dem Axarfjördur und dem
Distilfjördur; der nördlichste Theil dieser nördlichsten
Halbinsel Islands heißt M e lra k k a sle tta (d. h. Fuchs
ebene) oder schlechthin S letta, wohl zugleich der beste
Name für die ganze Halbinsel selbst.
Von k le in e re n H alb in se ln und L and zun g en
nennen wir nur die wichtigsten als:
Halbinseln.
*) So möchte ich mit Kaalund, Biclrag til en historisk-topografisk
Beskrivelse af Island, II, S. 5ö, diese Halbinsel nach dein Namen ihrer
westlichen Küste benennen.
60
Halbinseln. — Landzungen.
An der Westküste.
R osm hvalanes (Rosmhvalur = Walross), der nord
westliche Theil der Reykjanes-Halbinsel.
A 1 p t a n e s (d. h. Schwanen-Landzunge), zwischen dem
HafnarfjörSur und dem SkerjafjörSur.
S eltj a rn a rn es (sel-tjörn = See auf einer Berg
weide) zwischen dem SkerjafjörSur und der kleinen un
benannten, mehrarmigen Bucht, an der Gufunes liegt.
Die westlichste Spitze von Seltjarnarnes heißt SuSurnes
(d. h. Südcap.) —
K j a l a r n e s (kjölr = Kiel, kielförmiger Berg;
„Kiölen“ heißt auch ein Berg zwischen Schweden und
Norwegen) in der Kjösar-Sysla zwischen dem Kollafjör3ur
und dem HvalfjörSur.
Die kleine Halbinsel zwischen dem Hvalfjördur und dem
Borgarfjördur, den westlichen Theil der BorgarfjarSar Sysla
bildend, kann als B orgarfj ör3ür-Halbinsel bezeichnet
werden. Dieselbe zerfällt wieder in zwei kleinere durch
die Leirarvogar getrennte Halbinseln mit den Vorgebirgen
Akranes und Sulunes.
Die kleine Halbinsel A lptanes, zwischen dem Bor
garfj ör9ur und der Mündung der Alpta, mit dem gleich
namigen Vorgebirge.
Die ebenfalls namenlose kleine Halbinsel zwischen dem
Hvammsfjör3ur und dem Gilsfjördur mit dem schmalen
Vorgebirge Dagverdarnes; man könnte sie nach dem Namen
des größeren, südlichen Theils derselben (Fellsströnd)
F e lls s trö n d -H a lb in s e l benennen.
Von’ den vielen Landzungen von V estfir3 ir
nennen wir außer R ey k jan es, zwischen dem GilsfjörSur
und dem DorskafjörSur (zu unterscheiden von dem südwest
lichen Reykjanes!) in der Bardastrandar Sysla, und Langanes im Arnarfjördur (zwischen den Nebenbuchten Geirs^jöfstjördur und Börgarfjördur) nur die drei größeren Halb
inseln von Vestfirdir mit ihren Hauptgliedern, nämlich:
Die ganz zur Bardastrandar Sysla gehörige Halbinsel
zwischen dem Breidifjördur und dem Arnarfjördur, die
man B a r3 a strö n d - H a lb in se l nennen kann; dieselbe
gliedert sich in -drei Landzungen, zwei größere, äußere,
von denen die südliche nach dem auf demselben befind
61
liehen westlichsten Vorgebirge Islands, Bj arg tan gar,
die nördliche nach ihrer äußersten Landspitze K opanes,
zu benennen wäre, und eine kleinere, mittlere des Namens
T alk n i.
Die zwischen dem Arnarfjördur und dem Isafjardardjup
liegende zackige Halbinsel mit dem Glamujökull; wir
wollen sie die Gr 1a m u j ök u 11 - H a 1b i n s e 1 nennen * für
die vier westlichen Zungen aber möchte ich die folgenden
Bezeichnungen wählen und zwar: für diejenige zwischen
dem Arnarfjördur und Dj^rafjördur nach ihrem nordwest
lichsten Punkte den Namen H afnarn.es, für diejenige
zwischen dem Dyrafjördur und dem Önundarfjörcfur nach
dem langen Gebirgszug Skagafjall an der Südwestküste
den Namen „S k a g a f j a 11“-Landzunge, für diejenige
zwischen dem Önundarfjördur und dem Sugandafjördur
nach dem westlichen Vorgebirge den Namen „Sau9anes,u
für diejenige zwischen dem Sdgandafjördur unddem lsafjar3ardjüp endlich nach ihrem nordwestlichen Vorgebirge
den Namen „S ti g i '‘-Halbinsel.
Die zwischen dem Isatjarcfardjup und dem Hünaflöi
(beziehungsw. Steingrimsfjördur) liegende Halbinsel mit dem
Drängajökull, die „D rängajöku 11 “-Halbinsel; ihre bei
den stark ausgeprägten kleineren ,Halbinseln wären und
zwar die südliche zwischen dem IsarfjarSardjup und den
Jökulfir9ir nach dem Namen ihrer Südküste ^Snsefjallaströnd“ (wegen der die ganze Längenausdehnung der Halb
insel einnehmenden Schneeberge „Snsefjöll“) mit dem Namen
„ S n a e f ja lla s tr ö n d“-Halbinsel, die nördliche, selbst
wieder reich gegliederte, nach ihrem nördlichsten Vor
gebirge Horn oder wie dasselbe auch genannt wird ,,Cap
Nord“, mit dem Namen „C a p - N o r d“-Halbinsel zu
bezeichnen. —
An der N o rd k ü ste Islands sind zu nennen:
V atnsnes (vatn = See) im Hünaflöi, beziehungsw.
zwischen dem Mi9fjör9ur und dem Hünafjör9ur in der
Hünavatns Sysla.
T jö rn e s (d. i. Tjörnnes? tjörn = kleiner See),
zwischen dem Skjalfandi und dem Axarfjör9ur; so heißt
dieselbe auch bei den Isländern nach dem nördlichsten
Vorgebirge Tjörnes.
Landzungen.
62
Vorgebirge.
L a n g a n e s (d. h. lange Landzunge), zwischen dem
. Distilfjördur und dem unbenannten nordöstlichen Meer
busen.
Von bedeutenderen Landzungen zwischen den A ustfird ir seien genannt:
Die Halbinsel zwischen dem Midfjördur und dem
Vopnafjördur mit dem Cap Digranes (d. h. grol3es Vor
gebirge) ; man kann sie die D i gr a n e s-H al b i n s e 1nennen.
Die breite Landzunge zwischen dem Seydisfjördur
und dem Mjöfifjördur mit der äußersten östlichen Spitze
Dalatangi (d. h. Thälerlandspitze); etwa mit D ala ta n g iL and zun g e zu bezeichnen.
Die Halbinsel zwischen dem Mjöfifjördur und dem
Beydarfjördur mit dem Cap Gerpir, dem östlichsten Cap
Islands, weshalb man diese Halbinsel wohl am passendsten
als G erp ir-H a lb insei bezeichnet.
Die zwischen dem Eeydarfjördur und dem Faskrudsfjördur liegende, fast ganz von einer Bergkette mit dem
Vorgebirge Beydur (eigentlich Name für eine große Gattung
Walfisch, mit dessen Aussehen dieser Berg einige Ähnlichkeit
hat) oder Eeydarfjall eingenommene Landzunge in der
Sudur Mula Sysla; man kann dieselbe um so passender, mit
dem Namen des B e y d a rfja ll-H a lb in se l bezeichnen,
als hiedurch eine historische Erinnerung befestigt wird, da
nämlich dieser, ca 2000 Fuß hohe Berg es gewesen sein
muss, von dem aus der erste nordische Entdecker Islands,
der Vikinger Naddodr, vergebens nach einem Zeichen
ausspähte, aus dem er hätte schließen können, dass die
Insel bewohnt sei.
Von den Vorgebirgen (Caps) nennen wir ebenfalls
nur die wichtigsten; da die meisten auch schon genannt
und bezüglich ihrer Lage näher bestimmt worden sind, be
schränken wir uns auf ganz kurze Angaben.
An der W e stk ü ste :
E e y k ja n e s (d. h. Bauch-Vorgebirge), an der Süd
westspitze der Halbinsel Eeykjanes (vgl. oben).
S k a g i (d. h. längliches Vorgebirge), an der Nordivestspitze (Eqsmhvalanes) der genannten Halbinsel.
Ö n d verd arn es (d. h. das vorderste Vorgebirge), an
der Nordwestspitze der Halbinsel Snaefellsnes (vgl. oben).
63
D a g v e r 9 a r n e s, in alter Zeit gewöhnlich D ögur9 a m es genannt (d. h. Frühstücks Vorgebirge, weil die
Ansiedlerin Unnr auf ihrer Suche nach zu occupierendem
Land hier mit ihrem Gefolge das Frühstück einge
nommen hat)*), an der südwestlichen Spitze der FellsströndHalbinsel.
B j a r g t a n g ar (d. h. Felsenlandspitzen), das wes tlichste Cap Islands an der Südwestspitze der gleichnamigen
Landzunge (vgl. oben).
S trau m n es (d. h. Strömungsvorgebirge), an der
nordwestlichen Spitze derselben Landzunge.
T alkni, (talkn = Fischkiemen; vgl. Tälknafjörcfur
oben S 49), die westlichste Spitze der Talkni-Landzunge
(vgl. oben).
K öp an es (köpur = junger Seehund), an der nordwest
lichen Spitze der gleichnamigen Landzunge (vgl. oben).
S tra u m n e s an der nordwestlichsten Zunge der
kleinen . „Cap Nord“-Halbinsel.
An der N o rd k ü ste:
Ho rn (Cap Nord), an der nördlichsten Spitze der
kleinen „Cap Nord “-Halbinsel (vgl. oben).
S k ag ata (d. h. zehenförmiges Vorgebirge), an der
nordöstlichsten Spitze der Halbinsel Skagaströnd (vgl. oben).
D a 1a t a (d. h. Thälerzehe) und
S iglunes, die beiden nördlichsten Spitzen der Siglunes-Halbinsel (vgl oben).
B ifsta n g i (d. h. Rifflandspitze), die nördlichste Spitze
der Halbinsel Melrakkasletta, das nördlichste Cap Islands.
L a n g a n e s (d. h. langes Vorgebirge), an der nord
östlichsten Spitze der gleichnamigen Landzunge.
An der O stk ü ste :
D i g r a n e s (d. h. das große Vorgebirge), die nördlichste
Spitze der gleichnamigen kleinen Halbinsel (vgl oben).
K o llu m u li (d. h. Vorgebirge mit rundlichem, abge
stumpftem Gipfel), an der östlichen Spitze der kleinen Land
zunge zwischen dem Vopnafjör9ur und dem Hera9sflöi.
Vorgebirge.
*) Vgl. Laxclfela Saga, (Hafnise, 1826), pag. 10.
64
Gestacle-Inseln.
B rim nes (d. h. Brandungsvorgebirge), die mittlere
Spitze an der östlichen Küste des kleinen, aber ziemlich
breiten Landvorsprunges an der Südostseite des Heradsflöi.
D alatan g i, der östlichste Vorsprung der DalatangiLandzunge (vgl. oben).
H orn (Nordfjardar-Horn), die nördlichste Spitze der
schmalen nach Norden laufenden Landzunge auf der
kleinen Gerpir-Halbinsel.
G erpir, die östlichste Spitze der gleichnamigen Halb
insel, zugleich das östlichste Vorgebirge Islands.
H valnes (d. h. Walfischvorgebirge, auch — aber
nicht richtig Austur-Horn genannt), am nördlichen Ende
der Lonsvik.
H orn (das richtige Austur-Horn, aber im Gegensätze
zu Hvalnes wegen seiner etwas westlicheren Lage falsch
,,Vestur-Hornkt genannt), am südlichen Ende der Lonsvik.
An der S ü d k ü s t e :
In g ö lfs höfdi in den Aus tur SkaptafellsfSysla, be
kannt als erste Landungsstelle Ingölfs (vgl. Ingölfr im
Register).
H jö rle ifsh ö fd iin den Vestur*Skaptafells Sysla, jetzt
durch vorgelagerte Sandstrecken vom Meere getrennt; hier
landete Ingölfs Genosse Hjörleifr (vgl. d. Reg.).
D yrh ö laey (d. h. Thorhöheninsel, weil eine thorartig
durchbrochene Insel bildend), von den fremden Schiffern
P o rtla n d genannt, westlich von Iijörleifshöfdi, der süd
lichste Punkt Islands.
Gestade-Inseln von Island.
Island ist sehr reich an kleineren und größeren Ge
stade-Inseln, was ja bei der ganzen Art seiner Küsten
entwicklung sehr gut zu erklären ist. Insbesondere pflegt
es in der Regel dort nicht an Inseln und Scheeren zu fehlen,
wo viele Steilküsten vorhanden sind, wie dies ja ebenfalls
65
bei Island der Fall ist. Mit den Steilküsten sind nämlich
gewöhnlich Klippenküsten verbunden, indem vor den
Küsten größere oder kleinere Felsmassen vorgelagert
sind, die entweder über dem Meeresspiegel oft zu be
deutender Höhe emporragen oder bei Hochwasser theils
nur wenig über, theils ganz in oder unter demselben
liegen, in welchem Falle sie bekanntlich blinde Klippen
(Scheeren) genannt werden. Manche Meerbusen sind denn
auch mit solchen Inselchen und Scheeren wie übersäet.
Häufig verschwinden auch Inseln und Klippen, während
andererseits neue aus dem Meere emportauchen, denn der
Meeresboden um Island wird ebenso von vulcanischen
Kräften gehoben und untergraben, wie es bei dem Fest
lande der Insel der Fall ist. Nur verhältnismäßig wenige
dieser zahlreichen Inseln sind bewohnt, Die übrigen dienen
den unzähligen Seevögeln sowie Seehunden zu ruhigem
Aufenthalte; viele derselben bilden auch gute Fischerei
stationen. Die meisten sind für ihre Eigenthümer viel
einträglicher als man glauben möchte; denn nicht
davon zu reden, dass die Inseln, auf denen Eider
vögel brüten, zu wahren Goldgruben werden können,
sind fast alle von großer Wichtigkeit durch ihren Grasreichtlium; dazu kommt bei vielen noch reichlichster Ge
winn vom Seehundsfange u. s. w. Die Gestade-Inseln
Islands treten zumeist in Gruppen und Schwärmen, doch
auch einzeln auf. Man kann sie in Hauptgruppen mit
untergeordneten Gruppen und in einzelne Inseln eintheilen.
(Insel heißt auf isländisch: ey, f. [pl. eyjar] und e y 1a n d,
n .; eine kleine Insel: h 61 mu. r oder h ö 1m i, m.; eine Scheere:
sker, n. [im pl. ebenso], eine blinde Scheere: blinds k er oder b o 3 i, m.; ein hoher, besonders spitzlaufender, frei
stehender Felsen im Meere oderauch am Meere: d ra n g u r
oder drängi, m.; Inseln und Scheeren, welche durch
ein Riff mit dem Lande so verbunden sind, dass sie zur Zeit
der Ebbe über die Meeresoberfläche emporragen, pflegen
,,la n d e y ja r“ d. h. Landinseln zu heißen.)
Es liegen aber von diesen Inseln:
an der Westküste und zwar:
I. im F a x ä flö i:
Gestade-Inseln an der Westküste.
Po e st io n, Island.
5
66
Gestade-Inseln an der Westküste.
1 . eine sü d lic h e Gruppe, in der von den kleinen
Halbinseln Seltjarnärnes und Kjalarnes gebildeten Bucht
gelegen; dieselbe enthält u. a.
E n gey (d. h. Wieseninsel, wegen des reichlichen
Graswuchses), bildet die äußere Begrenzung der Rhede
von Reykjavik.
Ä ku rey (d. h. Ackerinsel, wegen der hier an ge
stellten Versuche, Getreide zu bauen), liegt zwischen Seltjarnarnes und Engey, nordwestlich von Reykjavik.
O rfirisey (d. h. eine Insel, die zur Ebbezeit mit
dem festen Lande in Verbindung ist), gemeiniglich E f f e r s c y
genannt, bildet einen Theil der westlichen Begrenzung der
Rhede von Reykjavik und steht, wie schon der Name be
sagt, durch ein Riff, das zur Zeit der Ebbe die Meeres
oberfläche überragt, mit dem festen Lande in Verbindung.
V idey (d. h. Nebeninsel), die bedeutendste Insel
dieser Gruppe, nur durch einen schmalen Sund vom
Lande getrennt und eigentlich aus zwei durch eine Land
zunge verbundenen Theilen bestehend.
Gel ding an es (d. h. Hammelberg), nordöstlich von
Videy.
h e rn e y (d. h. Seeschwalbeninsel), nördlich von
Geldinganes.
2. D ie In s e ln des H v a lfjö rd u r; die wichtigsten
derselben sind:
A n d rid sey (d. h. Insel des Andridr, weil sie die
Begräbnisstätte dieses aus Irland gekommenen Ansiedlers,
sein soll)*), westlich von Kjalarnes, am Eingänge in den
Hvalfjördur.
G eirsh ö lm i (älter auch Geirhölmr) oder H ardarhölm i (d. h. die kleine Insel des Geirr oder d. kl. I. des
Hördr, benannt nach Geirr Grimsson und Hördr Grimkelsson, zwei kecken, friedlos erklärten Gesellen des
10 . Jahrh., die sich hier niederließen und von hier aus
ihr räuberisches Unwesen trieben**), an der Nordseite des
*) Vgl. Die Kjalnesinga Saga (in „Islendinga Sögur“ 2. Bd.
S. 397—460) bes. S. 415.
**) Vgl. Die Hardar Saga Grimkelssonar ok Geirs (in „Islendinga
Sögur“, Kjöbenhavn, 1847, 2. Bd. S. 1—118) bes. S. 75.
67
inneren HvalfjörSur, eine steil aus dem Meere empor
steigende Felseninsel.
I nn r i (oder 13 r i -) H olm ur (d. h. innere Insel), am
nördlichen Eingänge in den Hvalfjördur, und
Y tri H ölm ur (d. h. äußere Insel), weiter westlich
an der Südküste von Akranes, zwei kleine Inseln, nach
welchen zwei an der Küste gegenüberliegende Höfe be
nannt sind.
3. D ie In seln der L e ira rv o g a r; ihrer sind nur
drei, von denen L ei rar ey (d. h. Leirfluss-I.) die größte ist.
4. Die Inseln des B o rg arfj ö r3ur in mehreren
Gruppen und zwar:
die B o rg a re y ja r (d. h. die „Burg"-Inseln • vgl. borg
im Regist.), in der Egilssaga (c. 30)*) Mi3fjar3areyjar
genannt;
die R a u 3 an e s e yj a r (d. h. Vorgebirg-Rau3anes-I).
5. Die S k o rre y ja r, eine Gruppe von Inselchen
und Scheeren, die benannt ist nach:
S k o rre y (d. h. Skorri-Insel, welche wieder ihren
Namen von einem hier getödteten Knechte des Ketill gufa,
erhalten hat; (vgl. Egilssaga c. 80).
]? o r m 6 3 s s k e r, eine größere, ziemlich steile Felsen
insel, welche weiter im Meere draußen liegt und eigentlich
nicht mehr zur Gruppe der Skorreyjar gehört, kann hier
genannt werden, da auch sie nach einem entlaufenen und
deshalb hier erschlagenen Knechte des Ketill gufa benannt
worden ist (vgl. Egilss. a. a. 0).
6. Die K n a rra rn e s eyj ar (Schiffs-Cap-Inseln), eine
zahlreiche Gruppe von Inseln und Scheeren an der West
küste von Alptanes; darunter sind die wichtigsten:
H jö rtse y oder H jörsey, eine größere Insel, die
gegen Norden hin durch einen nicht sehr breiten Sund
getrennt ist, der jedoch bei starker Ebbe trocken liegt, und
S k u tu lse y (d h. Harpunen-I.), weiter nördlich ge
legen.
7. Die H v a lse y ja r (d. h. Walfischinseln, so schon
benannt von Skalagrimr, dem Vater des berühmten Dichters
Egill f 990, weil daselbst einmal ein Wal antrieb; vgl.
Gestade-Inseln an der Westküste.
*) Sag*an af Ag*li Skallagrimssyni (Reykjavik, 1856).
5*
Gestade-Inseln an der Westküste.
68
Egilssaga c. 29), westlich von Akrar, beiläufig eine Meile
weit im Meere draußen gelegen. Sie bestehen aus einer
doppelten Reihe von Inseln, deren im Ganzen acht sind.
8.
Eine n ö rd lic h e G ruppe an der Südküste der
Smefellsnes-Halbinsel; die wichtigste darunter ist:
Beej arey (d. h. Farm-I), früher und auf den Karten
noch H a ffja rd a re y (Hafsfjar3arey d. h. Meerbucht
insel) genannt, östlich bei der Küste in der Nähe von
Miklaholt, in der Hausthusavik gelegen, wo sich noch
zwei andere Inselchen befinden.
II. Im B r e i 3 i fj ö r 5 u r ; dieser Meerbusen ist so
überaus reich an Inseln und Scheeren, dass ein islän
disches Sprichwort sagt, die Inseln des Breidifjör3ur seien
unzählbar. Manche Hauptinsel ist von 300 bis 600 kleine
ren Inseln und Scheeren umgeben. Wir wollen sie in fol
gende Gruppen eintlieilen.
1 . E ine sü dw estliche G ruppe; wir nennen
davon:
A k u r e y, richtiger A k u r e y j a r, weil aus zwei In sein bestehend, von denen die eine ganz bedeutend ist.
H ösk u 1d s e y (d. h. II ö s ku 1d s -I., wohl nach einem
Ansiedler Höskuldr benannt, deren es mehrere gab), eine
rundliche, flache Insel, ziemlich weit draußen im Meere.
2. D ie S ty k k i sh 61 m s -1 n s e 1n. Sie liegen in
dichtem und weitem Umkreise um den Handelsort Stykkishölmur, welcher seinen Namen von einer mitten im Hafen
liegenden kleinen Scheere „Stykki“ (d. h. Stück, Theil)
erhalten hat. Wir nennen nur einige derselben als:
S ügandisey (d. h. die tosende Insel; von starker
Brandung), eine steile Felseninsel gegenüber von Stykkishölmur.
Die S k o rey j a r (d. h. die Kerben-, Einschnitts-Inseln,
wegen ihres Aussehens, eigentlich nur eine einzige Insel
S k o rrey , [vgl. La'xdEela Saga, S. 226] bildend). Auch eine
D orm ödsey findet sich in der Nähe. Die beiden Inseln
dürfen mit den gleichnamigen imFaxaflöi nicht verwechselt
werden.
E 11i 0a ey (d. h. Elli3i-Insel; Ellidi eine Art von Schiffen
mit hohem Hintertheil, wie solche im Norden in der alten
Zeit häufig waren [vgl. Fridthjofs Saga, a. d. Altisländ.
69
von J. 0, Poestion, Wien 1879, S. 5 und 79]); so genannt
wegen der ähnlichen Gestalt der fast halbkreisförmigen Insel.
F a g u re y (d. h. die schöne I.), historisch interessant,
östlich von E llid a e y gelegen.
B ild sey (d. h. lanzettförmige I.), südöstlich von
Fagurey.
F e ld a rh ö lm u r (d. h. Mantel-Insel; vgl. unten) süd
östlich von Fagurey, in der Nähe von Bildsey.
S k ja ld a re y (d. h. Schild-Insel; vgl. unten), älter
S k j aid e y.
3.
Die Ins ein des H vam msfj ördur. Die Mündung
der Bucht* ist mit so zahlreichen Inseln besetzt, dass die
Bucht selbst vom BreiSifjördur beinahe abgeschlossen er
scheint. Die Inseln ordnen sich aber doch in eine nörd
liche und südliche Gruppe und lassen eine genügende
Fahrstraße offen.
Die s ü d lic h e Gruppe besteht aus 5—6 dicht bei
sammenliegenden größeren, bewohnten Inseln und aus einer
Menge kleineren. Die bedeutendste davon ist die in der
Mitte liegende
B ro k e y (vermuthlich nach „brok“, einer schlechten
schwarzen Grasart benannt); von historischem Interesse ist
die nordwestlicher gelegene
Ö x n e y oder Öxnaey (d. h. Ochseninsel) als Wohnort
des Entdeckers von Grönland, Eirikr rau9i, an den sich
hier noch locale Erinnerungen bewahrt haben. Auch auf
S u d u re y (d. h. Südinsel), der südlichsten aller zu
Brokey gehörigen (ca 300) Inseln, hat Eirikr einen Winter
lang fgewohnt (vgl. Landnama, S. 104).
O lafsey (d. h. Olafs-I.) südwestlich von Brokey;
bemerkenswert, weil zwischen dieser Insel und dem Fest
land eine starke Strömung (Kollköstungur) stattfindet; vgl.’
oben S. 15. Dieser Strömung fiel ein Ansiedler Namens fcorsteinn surtr zum Opfer, der mit allen seinen Leuten ertrank
bis auf einen Mann Namens Gudmundr, welcher schwim
mend eine kleine Inselgruppe erreichte. Dieselbe führt
deshalb noch heute den Namen
G u äm u u d arey j ar oder gewöhnlicher G v en d are y ja r (Gvend ist eine Abkürzung, für Gudmundr). Die
Gvendareyjar liegen westlich von Olafsey.
Gestade-Inseln an der Westküste.
70
Gestade-Inseln an der Westküste.
Die n ö rd lich e Gruppe enthält unter anderen fol
gende größere oder bemerkenswerte Inseln:
S käley (d. h. Schalen-Insel, nach der Sage so
benannt, weil hier die zauberkräftigen Wagschalen, welche
Hakon Jarl dein Dichter Einarr skälaglam*) geschenkt
hatte, an’s Land getrieben wurden).
P u rk e y (d. h. Schweine-Insel; purk- [zu purka] ist
das latein. porcus, engl, pork) oder älter Sviney (dieselbe
Bedeutung), eine ansehnliche Insel südwestlich von Skaley.
Merkwürdiger Weise gibt es im Brei3ifjör9ur noch drei
andere „Purk-“Inseln.
H rap p sey (wohl benannt nach einem Ansiedler
Namens Hrappr), eine der größten Inseln dieser Gruppe,
südwestlich von Purkey gelegen.
Die D im u n a rk la k k a r oder K la k k e y ja r (so
genannt nach zwei charakteristischen spitzigen Felsen —
klakkar, m., — die dicht nebeneinander stehen und höher
als alle anderen Inseln des Breidifjördur in die Luft ragen,
weshalb man sie schon von großer Entfernung aus sehen
kann), eine kleine Inselgruppe nordöstlich von Hrappsey.
Die „klakkar“ gehören zu einer kleinen, hufeisenförmigen
Insel, die durch eine schmale Bucht beinahe in zwei Theile
getheilt wird. Diese Insel mit den beiden „klakkar“
dürfte das D im un der alten Schriften sein.
F re m ri L& ngey und E fri L angey (d. h. vordere
lange I. und hintere lange I.) seien ebenfalls hier genannt,
obschon sie schon außerhalb . (nordwestlich von) dieser
Gruppe liegen.
Im In n e rn des HvammsfjörcJur liegen nur wenige
Inseln, wovon L am bey (d. h. Lamminsel), klein aber
fruchtbar, die östlichste von allen Inseln des HvammsIjörcfur ist.
*) Skalaglam (d. li. Schaalenklang) wurde seitdem der Beiname
dieses im 10. Jahrli. lebenden Dichters. Die Gewichte zu diesen hatten
nämlich die Eigenschaft, dass sie, wenn sie in den Schalen erklangen,
Glück verkündeten. Der Dichter soll im Breidifjördur bei dem später
aus diesem Grunde nach ihm benannten E in a r ssk e r ertrunken und
seine Schalen, sowie auch sein Schild und sein Mantel, jeder Gegen
stand an einer andern Insel, an’s Land getrieben worden sein.
71
4. Die östlichen Inselgruppen (noch zur Dala Sysla
gehörig); es seien nur genannt:
Die O lafsey jar, eine fruchtbare Inselgruppe, zum
Hofe Skard gehörig, aber von diesem, beziehungsw. der
nordwestlichen Küste der Fellströnd-Halbinsel l 1^ Meilen
weit entfernt.
Die A k u rre y ja r, eine Gruppe von 14 Inseln (außer
mehreren kleineren Holmen) beiläufig eine Meile von der
Mitte der genannten Nordwestküste entfernt, gelten für
die besten d. h. einträglichsten Inseln des ganzen Breicfifjördur.
5. Die n o rd w estlich en Inseln (zur Bardastranda
Sysla gehörig)*, wir nennen, von Osten nach Westen gehend,
nur:
Die R e y k h ö la r-In se lg ru p p e, welche die kleine
Halbinsel, auf der das ansehnliche altberühmte Gut Reykholar liegt, umgibt, aus zahlreichen, meist sehr-ergiebigen
Inseln und Scheeren bestehend.
Die M ülaeyj ar, in südwestlicher Richtung vom Hofe
Muli (auf der dreieckähnlichen Landzunge in der Mitte
der Küste) mit der zu äußerst liegenden Insel H eidnarey (d. h. Heideninsel), nach der Sage so genannt, weil
nach Einführung des Christenthums der Bauer von
Muli es so einrichtete, dass jeder, der von den heimlichen
heidnischen Opfern, die anfangs noch gestattet waren, nicht
ablassen wollte, dieselben Ende August gegen Bezahlung
-für Überfuhr u. s. w. hier vornehmen konnte. *)
Die S au d ey jar (d. h. Schafinseln), südöstlich von
Brjänskekur, eine halbe Meile weit im Meere draußen; die
Hauptinsel ist bewohnt.
6. Die V e stu re y ja r (d. h. Westinseln). Dieselben
umfassen nicht weniger als 600 größere und kleinere
Inseln, welche für sich einen eigenen Bezirk, den E y j ah re p p u r ausmachen, und den mittleren Theil des Breidifjördur einnehmen, dessen nördlicher Küste sie am näch
sten sind. Sie ordnen sich selbst wieder zu Gruppen um
sieben bewohnte Inseln, nämlich in:
Gestade-Inseln an der Westküste.
*) Kaalund, a. a. 0. I. S. 538.
72
Gestade-Inseln an der Westküste.
Die F la t ey-Gruppe. Hauptinsel die bekannte F latey (d. h. flache Insel), in jeder Hinsicht die bedeutendste.
Dicht südlich davon die kleine Insel A kurey, deren
Name an den früheren Ackerbau erinnert, der nicht nur
auf dieser Insel, sondern auch auf F la tey und den meisten
übrigen Inseln des Breicfifjördur betrieben worden sein
soll. H afnarey , ein Inselchen an der Nordseite von
Flatey, hilft dieser einen nicht schlechten Hafen bilden
(daher der Name).
Die H er gi 1s ey-Gruppe. Hauptinsel H erg ilse y
(so genannt nach Hergils mit dem Beinamen „Hnapprass“
(d. h. Knopfsteiß, von dem in der Landnäma des weiteren
berichtet wird)* sie liegt ziemlich nördlich, circa IV9 Mei
len von Flatey entfernt. Außerdem seien genannt: die
S kj a 1d m e yj a r ey j a r (d. h. Schildmädclieninseln), kleine
Inseln, die circa 1/2 Meile südwestlich von Hergilsey liegen;
mehrere Inseln, darunter eine des Namens R eyk ey (d. h.
Rauchinsel), nördlich von Hergilsey, die zur Zeit der Ebbe
miteinander in Verbindung stehen und warme Quellen
besitzen, welche zur Zeit der Flut ganz unter Wasser
gesetzt sind. Auch auf den zwei südwestlich von Hergilsey
liegenden Scheeren „ D rap sk er“ (d. h. Tödtungsscheeren,
weil hier früher die erbeuteten Seehunde getödtet wurden)
befinden sich u. a. zwei starkkochende Quellen, die zur
Zeit der Flut vom Meere bedeckt werden. Nennens
wert ist noch die kleine Insel 0 d db j ar n arsk er, die
westlichste der Vesturevjar, da sie lange Zeit als Fischplatz
berühmt war, an dem alle Fischer nicht nur der Inseln,
sondern auch des umliegenden Festlandes zusammen
strömten.
Die S v e fn e v ja r (d. h. Schlafinseln, nach der Sage
so genannt, weil einst einige irische Knechte, die von
ihrem Herrn Hallsteinn, einem Sohn des Dörölfr mostrarskeggr, nach diesen'Inseln geschickt worden waren, um
Salz zu bereiten, sich hier verschlafen haben und dieser Ver
säumnis wegen von Hallsteinn erschlagen wurden), östlich
von Flatey gelegen. Außer der Hauptinsel ist noch die
südwestlichste Insel der Gruppe, S kj ald arey zu nennen,
die mit der gleichnamigen, früher genannten Insel nicht
verwechselt werden darf. Sie soll ihren Namen ebenfalls
73
von dem angetriebenen Schild eines Ertrunkenen (Dördr
Ingunnarson vgl. Laxdada, S. 142) erhalten haben.
Die H v a lla tu r-G ru p p e . Hauptinsel H v a lla tu r
(d. h. Walfischlager); westlich davon und in Verbindung
mit derselben liegen wieder zwei A kurey.
Die S kaleyj ar, wohl zu unterscheiden von den früher
genannten, gleichnamigen Inseln, bilden die nordöstlichste
Gruppe der Vestureyjar; am Südwestende dieser Gruppe
liegt die K ja la re y (d. h. Kiel-Insel, weil hier der Kiel
des dem ertrunkenen Dör<5r Ingunnarson gehörigen Schif
fes an's Land getrieben worden sein soll).
Die S viS nur (nach der früher hier betriebenen
Salzbereitung [isl. „salt-svida“] benannt; vgl. Cleasby-Vigfüsson, Icelandic-English Dictionary s. v. svidnur), die öst
lichste Gruppe der Vestureyjar.
Die B ja rn e y ja r (d. h. Bäreninseln), verhältnismäßig
wenig an der Zahl (nur 10—11 Inseln und Holme), bilden
die südlichste Gruppe; sie werden jetzt für den besten
Fischplatz im nördlichen Theile des Breidifjördur gehalten.
III.
Im Is afj ar dar dj üp. Nur wenige, aber durch
verschiedene Vorzüge ausgezeichnete Inseln befinden sich in
diesem Meerbusen. Es seien genannt:
V igur (d. h. Spieß, wegen ihrer Gestalt!, eine der
interessantesten Gestade-Inseln Islands westlich von dem
Hofe Ögur.
ZEdey (d. h. Eidergans-Insel), die größte Insel des
Isafjardardjüp; sie liegt in der Richtung von Nordwest
nach Südwest und ist ziemlich hügelig und eingeschnitten.
B o rg arey im Isafjörcfur; gleich den beiden vor
genannten Inseln durch guten Graswachs und reichliche
Ausbeute an Eiderdunen bestens bekannt.
An der Nordküste und zwar:
I.
Im H ünaflöi. Nur wenige Inseln (ohne Bedeutung)
finden sich hier; es seien genannt:
Gr im s ey (d. h. Grims-Insel; Grimr ist ein Mannsname)
am Eingänge des Steingrimsfjördur, eine kleine, aber hohe
Insel, und
H rütey (d. h. Widder-I.) im Hrutafjördur, von
mehreren kleineren Inseln umgeben.
Gestade-Inseln an der Nordküste.
74
Gestade-Inseln an der Nordküste.
II. Im S k ag a fj ö r 9 u r liegen ebenfalls nicht viele,
doch interessante Inseln; wir heben hervor:
M älm ey (d. h. Erz-Insel), rechts am Eingänge des
Skagafjör9ur, eine schmale, steile, aber grasreiche Insel,
die ganz das Aussehen eines mastenlosen Panzerschiffes
hat, dessen Steven gegen Nordwest gewendet ist.
D rän g ey (d. h. Felsen-Insel), die merkwürdigste
von den Inseln des Skagafjör9ur, mitten im Meerbusen
liegend; sie besteht aus einem fast 600 Fuß hohen, senk
recht aus dem Meere aufsteigenden Felsen, der von der
Perne gesehen einem Kastell gleicht. Geschichtlich und
wegen des hier betriebenen Vogelfanges höchst interessant.
Vgl. unter Topographie.
III. Im Eyj afj ör9ur (d. h. Inselbucht), wo man also
gerade recht viele Inseln erwarten sollte, liegt nur die ein
zige Insel:
H risey (d. h. Strauchinsel) nicht sehr weit vom Ein
gänge der Bucht, 3/4 Meilen lang, doch an der breitesten
Stelle kaum halb so breit, in der Richtung von Nord
west nach Südost, hoch, aber ziemlich eben, mit guten
Weiden und Brutplätzen der Eidergänse.
IV. Im S k jä lfa n d i liegen ebenfalls nur wenige
Inseln, nämlich:
P late}7, an der .Mündung der Bucht, eine halbe
Meile von der westlichen Küste entfernt, grasreich und
eine gute Fischerstation; sie ist die einzige größere Insel
dieser breiten Bucht.
Südlich von Flatey liegt eine Scheere Namens :
G u n nb j a r n a r s k e r (d. h. Gunnbj örn-Scheere) nach
einem ziemlich sagenhaften Gunnbjörn benannt.
Östlich im Skjälfandi liegt das Inselchen:
L un dey (die Papageitaucher-Insel), mit guter Heu
ernte und zahlreichen Papageitauchern.
V. Im offenen Meere unter dem Polarkreise liegt die
Insel G rim sey ; dieselbe ist gegen eine halbe Meile lang
und an der breitesten Stelle beiläufig eine Viertelmeile
breit, gegen beide Enden hin spitz zulaufend und in der
Richtung von Nordwest gegen Südost gelegen. Die Insel
fällt gegen das Meer zu steil ab; namentlich besteht die
Ostküste aus steilen, einige hundert Fuß hohen Felsen;
75
gegen Westen ist sie jedoch niedriger und hier gibt es
auch mehrere Landungsplätze. Sie ist die größte Gestade Insel Islands und bewohnt.
Nördlich von Tjörnes liegen zwei Inseln „M anare y ja r“, nach dem Hof „Manau an der Nordküste dieser
Halbinsel benannt, die ebenfalls zu keinem Meerbusen
gezählt werden können und deshalb hier erwähnt sein
sollen. Sie haben gute Schafweiden und dienen vielen
Papageitauchern als Aufenthaltsort.
An der Ostküste.
Die wenigen und kleinen Inseln der Ostküste liegen
zumeist außerhalb der Fjorde und lassen sich auch schwer
gruppieren. Der nördliche Theil der Küste besitzt so gut
wie gar keine Insel. Die erste einigermaßen auffallendere,
die uns gegen Süden hinab begegnet, ist:
B ja rn arey (d. h. Bäreninsel) beim Vorgebirge
Kollumuli. Sie bietet ebenso wenig Bemerkenswertes
dar, wie
S eley (d. h. Seehundsinsel) vor dem Reydarfjördur.
Dagegen ist
S k ru d u r oder S krüdey (d. h. Prachtinsel), eine halbe
Meile von dem den Reydarfjördur und Faskrudsfjördur von
einander trennenden Vorgebirge entfernt liegend, eine
schöne und charakteristische Insel, zwar klein, steil und
felsig, aber im Sommer mit üppigem frischem Grün beklei
det, das ihr ein prächtiges Aussehen verleiht. Sie ist un
bewohnt, beherbergt jedoch eine Unzahl von Vögeln. —
Westlich von Skrudur liegen zwei kleine unbedeutende
Inseln A ndey (d. h. Enteninsel) und iE d a rsk e r (d. h.
Eidergansscheere).
Ein kleiner Schwarm von Inselchen befindet sich in
der Breiddalsvik; die bedeutendste davon ist:
H a f n a r e y (d. h. Hafen-Insel)
Auch vor dem Eingänge und z. Th. im Innern des
Berufjördur liegen verschiedene Inselchen und Scheeren.
Es seien beispielsweise genannt:
U lfsey (d. h. Ulfs Insel, nach einem Manne, der
hier begraben sein soll), eine der größten dieser Inseln.
E sk ild se y (d. h. Eskilds-Insel) und
Gestade-Inseln an der Ostküste.
76
Gestade-Inseln an der Südküste.
H ro m u n d sey (cl. h. Hrömunds-Insel), beide der
Sage nach benannt nach den Brüdern des erwähnten Ulfr,
die auf diesen benachbarten Inseln sich begraben ließen,
damit jeder von ihnen die beiden anderen sehen könne“.
iE d a rs k e r (d. h. Eidervogelscheere).
B j a r n a r s k e r (d. h. Eisbärenscheere) und
G e i r f u g 1a s k e r (d. h. Pinguinscheere) alle recht un
bedeutend.
Wichtiger sind die ziemlich zahlreichen Inseln südlich
vom Berufjördur und vor dem Hamarsfjör9ur. Die bedeu
tendste davon ist:
P ap ey (d. h. Insel der „Papar“; vgl. das Register)
eine Meile vom Lande entfernt; diese Insel hat einen Um
kreis von ca. drei Viertelmeilen, ist grasreich und beher
bergt eine Menge von Eidervögeln. Sie bildet auch eine
gute Station für den Fisch- und Seehundsfang. — Es sind
ferner zu nennen:
Die D v o tta re y ja r (nach einem HofDvotta benannt),
aus neun Inseln bestehend, mitten vor dem Hamarsfjörcfur
liegend, von Eider- und anderen nützlichen Vögeln besetzt.
Dasselbe gilt von
H v alsey (d. h. Walfischinsel),
Sandey (d. h. Sandinsel),
Skjalcley (d. li. Schildinsel) und den übrigen kleinen
Inseln dieses Schwarms.
Weiter südlich an der Ostküste liegen nur noch
wenige Inselchen, so vor der Lönsvik:
V igur, eine niedrige Felseninsel, aber wegen der
zahlreichen Eidervögel höchst wuchtig. Auch beim Cap
Horn liegen einige Inselchen.
An der Südküste.
Auch hier liegen die wenigen Inseln im offenen
Meere, da es ja dieser Küste bekanntlich ganz und gar an
Buchten und Fjorden fehlt. Nur einige Gruppen von
Inseln treten hier auf.
Die H alsa sk er (hals = ein niedriger, länglicher
Berg) in der Nähe des Hofes Borgarhöfn, früher eine gute
Fischstation; etwras südlicher das nur zur Zeit der Ebbe
sichtbare S t y r m i s s k e r.
77
Die H rö lla u g se y j ar (benannt nach dem Ansiedler
Hrollaugr, Sohn des Jarls Rögnvaldr, vgl. Landnäma; S. 260
bis 264), drei kahle Inseln, auf denen Hrollaugr seine Fisch
station gehabt haben soll.
Die T v isk e r (zwei Scheeren), ohne besondere Be
deutung.
V estm a n n a e y ja r (d. h. Westmänner- oder IrländerInseln; vgl. unten); sie bestehen aus vierzehn jäh in das
Meer abfallenden Inseln und Scheeren, nämlich:
H eim aey (d. h. Heim-Insel; weil bewohnt). Diese
Insel ist zehnmal so groß wie alle übrigen zusammen ge
nommen und umfasst doch nicht viel mehr als eine halbe
Quadratmeile.
Bj a rn a re y (d. li. Bäreninsel).
E r 1en d s ey (d. h. == Irlands-Insel ?).
Siidurey (d. h. Stidinsel).
A lsey (d. h. Seilinsel, „weil man sich mit Seilen
von oben herablässt, um die Seevögel und ihre Eier aus
den Nestern an den senkrechten Felswänden zu sammeln“).
H e llire y (d. h. Höhleninsel); „sie hat zwei Höhlen,
in denen das Vieh zur Nachtzeit und bei schlechtem
Wetter sich aufhält.“
S u ln a sk e r (d. h. Tölpel-Scheere, weil hier der
Tölpel, ein Vogel, der isländ. sula heißt, vorzugsweise brütet),,
eine Meile südwestlich von den Heimaey, eine länglich
viereckige Felseninsel, in der Richtung von Ost nach
West liegend, von höchst merkwürdigem Baue.
Gre 1d l n g a s k er (d. h. Hammel- oder Scliaf-Insel).
Die G e irfu g la sk e r (d. h. Pinguin-Inseln, weil
hier der große, in Island jetzt ausgestorbene, nordische
Pinguin, isl. geirfugl, zu brüten pflegte), ganz im Süden,
aus vier hintereinander stehenden, seltsam, geformten
Felsen bestehend.
E in a rs d ra n g i (d. b. Einars Klippe), in weiter
Entfernung westlich von Heimaey, und
D ran gar (d. h. Klippen), mehrere einzeln stehende
Klippen und Scheeren, ebenfalls ziemlich weit nordwest
lich von Heimaey gelegen, und eigentlich nicht mehr zu
den Vestmannaeyjar gehörig.
Südwestlich vom Cap Reykjanes endlich liegen die
Gestade-Inseln an der Südküste.
78
Gestacle-Inseln an der Südküste.
F .u g lask er (cl. h. die Vogel-Scheeren, weil auf den
selben unzählige Seevögel nisten) oder E ldeyjar, (d. h.
Feuerinseln, wegen ihres vulcanisclien Ursprungs) vier an
der Zahl, wovon
E ldey, eine gegen drittehalbhundert Fuß hohe,
beinahe senkrechte und majestätisch aus dem schäumenden
Meere sich erhebende Felseninsel, die von den dänischen
Seefahrern, wegen ihrer schmutzigweißem, von den Excre
menten der Seevögel herrührenden Farbe den Namen
„Mehlsack“erhalten hat, ca U /2 Meilen vom Cap Reykjanes
entfernt ist. Etwa eine halbe Meile südlich von Eldey liegt
E 1d e y j a r d r an g u r (d. h. Feuerinsel-Klippe); nur
ca. 30 Fuß über den Meeresspiegel emporragend. Wieder
zwei dänische Meilen weiter in südwestlicher Richtung liegt
G e irfu g la d rä n g u r (auf den dänischen Seekarten
„Grenaderhuen“ d. h. „Grenadiermütze“ genannt.)
Endlich befindet sich noch beiläufig ebenso weit
von Geirfugladrängur entfernt, wie diese Scheere selbst
vom Lande entfernt liegt, die sogenannte b lin d e
V ogels che er e (Eldeyja bodi).
Auf den Karten findet man noch eine fünfte Scheere unter dem
Namen „G e i r f u g 1a s k er“ (auf dänischen Karten auch „Ladegaarden“
benannt) verzeichnet und zwar eine Meile südwestlich von Eldeyjardrängur
und in gleichem Abstande von Geirfugladrängur. Diese einst ziemlich
große Felseninsel ist jetzt, wie die Untersuchungen des dänischen Kriegs
schiffes „Fylla“ im August 1884 ergeben haben, von der Oberfläche des
Meeres ganz verschwunden. Sie bildete in dieser Gegend die letzte
Zufluchtsstätte für den jetzt auf Island wahrscheinlich ganz ausgestor
benen nordischen Pinguin, nach dem sie benannt worden war. Die im
Jahre 1884 ausgesprengte Kunde von einer neu aus dem Meere ent
standenen Insel im Gebiete der Fuglasker war, wie durch die „Fylla“
constatiert wurde, eine unrichtige. Ygl. C. Normann in „Dagbladet“
(Kopenhagen) vom 7. December 1884.
Orograpliie.
79
Orographie.
Island ist, wie bereits mehrfach erwähnt, ein mächtiges
Hochland (isl. halendi, n.), das sich durchschnittlich 20U0
Fuß über den Meeresspiegel erhebt und in dem mittleren
Theile wie gegen Süden und Osten hin am höchsten ist.
Da die Insel im Nordwesten von zwei Fjorden so tief ein
geschnitten ist, dass sie beinahe in zwei scharf von ein
ander getrennte Theile zerfällt — in die sogenannten Vestfirdir und das eigentliche Hauptland — so sind eigentlich
auch zwei verschiedene Hochländer von verschiedener
Größe und Beschaffenheit, zu unterscheiden und getrennt
in Betracht zu ziehen*).
Wir wollen zunächst die Hauptmasse der Insel in’s
Auge fassen**). Denkt man sich vom Hornafjördur bis zum
*) Ich folge hier wieder, zum großen Theile wörtlich, den Aus
führungen f>. Thoroddsen in dessen „Lysing Islands“, S. 9—20.
**) Zum leichteren Verständnis der liielier gehörigen Eigennamen
seien die häufigsten Ausdrücke der isländischen orographisclien Termi
nologie hier mitgetheilt. Das isl. berg, n., ist von unserem „Berg“ ver
schieden ; es bezeichnet einen (besonders regelmäßigen und oben flachen)
Felsen; bj arg, n. ist ein Felsen überhaupt; bakk i, m. = Erderhöhung,
borg, = ein burgförmiger Felsen; brekka, f. = Abhang; drangur,
d r a n g i, m. = freistehender, spitzer Felsen in oder am Meere; f j a 11
(plur. fjö ll), n. = Berg; fja llä s, m., fj allsb rü n , f. = Bergrücken;
fj a llg a r 3 ur, m. = Bergkette; feil, n. = eine Anhöhe, ein kleiner Berg ;
fj a 11 s ti ndur, m. = Bergspitze; gnipa und g n /p a (n^pa), f., gnupur
(nupur), m. = Bergspitze; h am mar, m. = vorspringender, steil abfal
lender Berg; h 1i 3, f. = mit Gehölz oder Gras bewachsener Bergabhang;
h j a 11 i, m. = Bergabsatz; h n u k u r oder h n j u k u r, m. = Spitze einer
Höhe oder eines Berges; h o ll (plur. holar) älter livall, livoll, m. = ein
rundlicher Hügel; hse3, f. = Höhe, Anhöhe; höf3i, m. = Bergrücken,
der sich in ein Thal oder in eine Ebene hinaus erstreckt; j ö r f i, m. =
Erdabhang; k le if, f., k lif, n. = steiler Abhang, über den ein Berg
pfad führt; k 1e 11 u r, m. = freistehender Felsen; m u 1i = abgerundeter
Bergvorsprung; rani, m. = Ende eines vorspringenden Bergrückens;
skar3 (plur. skör3), n. =--= Pass; skri3a, f., Abhang, der aus losem
Gestein besteht; tin d u r, m. (vgl. fj a llstin d u r) = Bergspitze. —
D alur, m. = Thal; d a lv erp i, n. = ein kleines, enges Thal; dsel,
dseld, la u t, lag, f., = kleines Thal, Vertiefung; livam m ur, m. =
Thalsenkung.
Orograpliie.
80
innersten Ende des Hvammsfjördur eine gerade Linie ge
zogen, so liegen •die höchsten Rücken des Landes beiläufig
in dieser Linie. In dieses Hochland schneiden sich viele
Thäler ein, besonders im Osten und im Norden des Landes,
und zwischen den Thälern laufen lange Gebirgszüge dem
Meere zu. Gegen Südwesten hin befindet sich mitten
im Hochlande eine breite Versenkung, durch welche ein
ziemlich bedeutendes Tiefland gebildet wird. Die höchsten
Erhebungen des Landes reichen bis über die Grenze des
ewigen Schnees hinauf und sind deshalb unter großen Eis
massen verborgen. Diese höchsten Theile des Landes sind,
wenn wir im Osten beginnen, der V atn ajö k u ll, dann
der T ü n g n a fe llsj öku 11, der H ofsj öku 11, der Langj ö kul 1, der E irik sj ö ku 11 und verschiedene andere Berge.
Die höchste Erhebung des Hochlandes befindet sich im
Südosten und hier erstrecken sich die Gletscher fast bis
in’s Meer hinaus; von da an zieht sich die Höhe zumeist
längs der Mitte des Landes gegen Nordwesten hin; doch
kommen auch hier noch einzelne nach Süden laufende
Zweige des großen Höhenzuges dem Meere sehr nahe;
einer derselben besonders erhebt sich in der Nähe des
Meeres noch zu einem mächtigen Rücken, der mit großen
Eismassen bedeckt ist und den Ey j a fj a 11a j ö k u 11 und
den M y r d a 1sj ö k u 11 bildet. Von den Gletschern in den
mittleren Theilen des Landes senkt sich das Hochland nach
und nach gegen das Meer zu. Wenn man z. B. in gerader
Linie von der Halbinsel Tjörnes (zwischen dem Skjäifandi und dem Axarfjördur) nach dem Vatnajökull reiste,
so fände man, dass das Land sich allmählich gegen den Glet
scher hin erhebt. Auf Tjörnes befinden sich zunächst vor
springende, steil abfallende Felsen an der See; hierauf be
ginnen niedrige Gebirge von nur 700—800 Fuß Höhe,
obschon es auch verschiedene höhere Spitzen darunter
gibt; bald aber' nimmt die Höhe allmählich zu, und
Myvatn liegt schon beiläufig 1000 Fuß über dem Meere;
oberhalb der Myvatnssveit aber am Sellandaijall und
Blafjall liegt das Hochland bereits 1600 Fuß über dem
Meere, und es steigt nun immer rascher an, bis es an den
Dyngjufjöll eine Höhe von 3000 Fuß, am Vatnajökull
aber eine solche von 3500 Fuß erreicht hat. In ähnlicher
81
Weise senkt sich das ganze Land vom Mittelrücken aus
allmählich gegen das Meer zu, am wenigsten gegen Osten
hin (weshalb denn auch die Küste hier an manchen Stellen
sehr steil gegen das Meer hin abfällt), am meisten in der
Richtung gegen Südwest, besonders gegen Rangarvellir
hinab. Zwischen den Gletschern gibt es breite Ein
schnitte (isl. skar3, n.) oder große Zwischenräume, so das
Vo n ar s k ar 3 zwischen dem Vatnajökull und dem Tungnafellsjökull, den S p ren g isan d u r (2000 F. ü. d. M., vgl.
unten), zwischen dem Tungnafellsjökull und dem Hofsjökull,
den K jö lu r (ca 1800 F., vgl. unten) zwischen dem
Hofsjökull und dem Langjökull, das F lo sask ar3 zwischen
dem Langjökull und dem Eiriksjökull. Später beginnen
langgestreckte offene Heiden und Sandstrecken, als: der
S t ö r i s a n d u r, die A r n a r v a t n s h e i 3 i, die T v i d se g r a
und die H o lta v ö r8 u h ei5 i 1000—1500 Fuß über dem
Meere. Das Hochland ist beinahe ganz unbewohnt und auch
zum größten Theile noch unbekannt. Der mittlere Theil ist
öde und unfruchtbar und besteht zumeist aus unge
heuren Sandstrecken und Wüsten, wo weit und breit kein
sproßender Halm zu finden ist; doch ist hier durchaus
nicht überall ebener Boden, sondern es wechseln Stein
felder und mit Steinen bedeckte Abhänge, Thäler und
kleine Bergrücken mit einander ab. In der Nähe der
Gletscher und als Folge ihrer Thätigkeit befinden sich
weit und breit ebene Lehm- und Sanclstrecken mit unzäh
ligen kleinen und großen Flüssen und Bächen. In vielen
Gegenden des Landes gibt es große Lavafelder (isl. hraun,
n..), über welche man schwer kommen kann und die ganz
öde und fast vegetationslos sind. Das größte derselben ist
das Ö daöahraun; ihm zunächst kommen das Ivj al
k raun und das H allm u n d arh rau n (vgl. unten). Die
Flüsse und Bäche entspringen häufig unter den Lava
feldern; Seen gibt es zahlreiche im ganzen Lande. An
einigen Stellen senkt sich das Land gegen große Flüsse
zu, welche vom Hochlande kommen.
Auf dem Hochlande erheben sich hie und da aufs
Neue hohe Bergspitzen und einzelne Gebirge; einige der
selben sind alte Yulcane und kegelförmig, andere sind
flacher und von ovaler Form. Ganz im Osten liegt:
Orograpliie.
P o e s ti on. Island.
6
82
Orog’rapliie.
Die H er3ubrei3 d. h. die Breitschulterige (5290'), ein
prächtiger, freistehender Berg, der sich mit steilen, dunklen
Wänden erhebt, bis die schwere Bergmasse zu oberst
gleichsam mit einem flachen Schneedach zugedeckt wird,
das mit einem zugespitzten Gipfel oder Knauf abschließt.
Watts hat den Berg zutreffend mit einem Riesen-Pudding
verglichen, der oben glaciert ist. Die Annalen berichten
von einem vulcanischen Ausbruch der Her3ubrei3; doch
muss fdarunter wohl ein Ausbruch an einer anderen Stelle
des OdaSahraun gemeint sein, da dieser Berg keinerlei
Spur irgend welcher vulcanischer Thätigkeit aufweisen soll.
(Nicht weit von der Her3ubrei3 entspringen mehrere kleine
Flüsschen, die sich in die Jökulsä i AxarfirSi ergießen*,
dieselben schließen einige grasreiche Strecken ein, welche
H e r 3 u b r e i 3 a r t u n g u r, — in alter Zeit Her3ubrei3stunga, vgl. tunga im Reg. — oder Her3ubrei3arlindir d. h.
H-s-Quellen genannt werden.) Die Her3ubrei3 gilt für den
schönsten Berg Islands. — Weiter gegen Süden nördlich
vom Vatnajökull befindet sich das Snaefeil (d. h. Schnee
berg 5800')> ebenfalls ein einzeln stehender, schöner Berg,
der zweithöchste Islands. Weiter gegen Westen liegen in
der südöstlichen Ecke des Oda3ahraun die D y n g ju fjö ll,
d. h. Hexenwohnungsberge (4500'), eine Reihe von vulca
nischen Bergen, von denen die sogenannte „K o llö tta
D y n g ja “ (d; h. die ungehörnte D., ca 3600') mit dein
interessanten Nätttröllafell die nördlichste, die A skj a (d. h.
Schachtel) die mittlere, und die eigentliche T rö lla d y n g j a
(d. h. Hexenwohnung) oder, wie sie auch genannt wird,
S k j a 1d b r e i 3 u r (zu unterscheiden von dem berühmten
Berg gleichen Namens in der Nähe des Dingvallavatn) die
südlichste Partie ist. Südlich vom Längjökull befinden sich
gleichfalls viele hohe Gebirge und Gebirgszüge* darunter
sind besonders bemerkenswert: das Ok, d. h. Joch (3800'),
eigentlich westlich vom Längjökull gelegen, ein freistehender
Berg, dessen oberer Theil von einem Gletscher bedeckt ist;
derselbe ist schwach gewölbt und kreisrund, von außer
ordentlicher Regelmäßigkeit und großer Schönheit; das Hlü3ufell, d. h. Scheunenberg (3700'), ein steiler, oben flacher
und schneebedeckter Berg, und der S kj aldbreiSur, d. h.
der mit dem breiten Schild (3300'), der prächtige, von Jonas
83
Hallgrimssön so schön besungene Berg, der einem regel
mäßig runden, schwach gewölbten Schild so ähnlich sieht.
Wie schon früher erwähnt, gehen vom Hochlande
zahlreiche Zungen und Zweige aus, die meisten nach
Norden, Osten und Westen, einige wenige auch nach
Süden Lange Zweige oder Bergketten ziehen sich be
sonders westlich hinüber nach den Halbinseln Reykjanes
und Snaefellsnes Der Gebirgszug, welcher sich gegen
Südwest nach Reykjanes erstreckt, ist sehr breit und oben
flach*, er bildet ausgedehnte Hochebenen (isl. heidar), wie
die M osfellsheidi und H ellish eid i. Je weiter dieser
Gebirgszug sich über die Halbinsel erstreckt, desto mehr
senkt er sich, bis er bei einer Höhe von nur 400 Fuß. über
dem Meere stehen bleibt. Die ganze Halbinsel entlang
erhebt sich eine Reihe von Bergspitzen, von denen die
meisten alte, ausgebrannte Vulcane sind und einige bis
2000 Fuß Höhe und mehr erreichen. Es seien davon
genannt: der H en g ill (d. h. überhängender Berg) zwischen
der Mosfellsheidi und Hellisheidi mit 2458', das mächtige,'
breite L ö n g u h lid a rfj all mit 1926/ und der schöne,
kegelförmige K eilir (d. h. Keil) mit 1239' Höhe. Zwischen
diesen Gebirgen befinden sich ausschließlich Lavafelder,
welche zumeist ungemein öde und vegetationslos sind. —
Weiter nördlich erstrecken sich mehrere andere Gebirgszüge
vom Hochlande aus gegen Westen bis in die Nähe des
Meeres. Eines der bedeutendsten Gebirge derselben ist
die E sja, (wohl nach einem weiblichen Schutzgeist des
Berges so genannt*), 2000' hoch, und einen mächtigen
Gebirgsstock bildend; dieselbe nimmt fast die ganze Halb
insel K ja la rn e s ein, fällt an drei Seiten senkrecht ab
und steht mit dem Hochlande gegen Osten hin durch ver
schiedene andere Gebirge in Verbindung. Die Esja ge
währt, von der Ferne gesehen, einen selten schönen An
blick ; vgl. oben S. 40- — Weiter gegen Norden liegt
der Dy rill oder Dyrilshöfdi, ein steiler Felsen von
bedeutender Höhe und sehr eigenthümlicher Form, der
unten nach allen Seiten hin mit Abhängen, die aus losen
Steinen bestehen, steil abfällt und oben mit einem Schilde
Orograpliie.
”) Yg’l. Gudbr. Vig’fusson in: »Sa<fn til sög’ii Islands, I. 207.
6
*
Orograpliie.
84
von festem Felsen belegt ist. Die Felsenblöcke haben
nach außen die Form eigentümlicher, großer Knoten;
diese und namentlich der äußerste nehmen ein Aussehen
an, das an einen Malerpinsel oder an eine ungeheure Quaste
erinnert, und wohl die Benennung des Berges veranlasst
haben können. *) Der Dyrill ist bekanntlich wegen der
Stürme, die in seiner Umgebung wüthen, berüchtigt;
vgl. oben S. 29. Das A k ra fja ll (d. h. Ackerberg) liegt
auf der kleinen Halbinsel, welche die nördliche Begren
zung des Eingangs des Hvalfjördur bildet. Nördlich vom
innersten Theil (botn) des Hvalfjördur befindet sich die
B otnsheidi, auf der sich die 3500' hohen Bo tn ssü lu r
(d. h. -Säulen) erheben. Es folgt sodann die S kardsheidi
(Sk. hin sydri auch eystri d. h. die südliche oder östliche
Sk., so genannt zum Unterschiede von der später zu nen
nenden westlichen Sk.) 3000' hoch, und ebenfalls schon
von der Ferne einen imposanten Anblick darbietend
(vgl. oben S. 7), worauf oberhalb des Borgarfjördur ver
schiedene niedrige Rücken beginnen, die gegen den Gletscher
hin allmählich aufsteigen. Nordwestlich liegt ein pracht
voller Trachytkegel: die B aula (d. h. die Kuh, so
genannt wegen des einem Kuhgebrüll ähnlichen Lautes,
den der um den Berg tobende Wind hervorbringen soll **),
einer der merkwürdigsten, schönsten Berge Islands; der
selbe ist 2900' hoch, hat eine zuckerhutähnliche Gestalt
und ist von allen Seiten schon aus weiter Ferne sichtbar. Die
Rundsicht auf der Baula soll überraschend sein. Nordnordostwärts von der „großen“ Baula liegt die „kleine Baula“
(litla Baula), die auch spitzkegelförmig , aber unverhältnis
mäßig kleiner und niedriger ist. Südwestlich von der
Baula befindet sich die „westliche“ S k a rd h e id i (Sk.
hin vestari), die mit der oben genannten, weit ansehn
licheren südlicheren heidi gleichen Namens nur wenig
gemein hat. Unterhalb der Skardheidi liegt ein ganz
bedeutendes Tiefland, M yrar (d. h. Sümpfe) genannt.
-) £>yrill ist der Name eines Gerätlies, das aus einer Stange mit
einer wollenen Quaste am Ende bestellt, und /um Schlagen der ge
ronnenen Milch verwendet wird.
**) Vgl. „Nyt Magazin for Naturvidenskah,“ VIII, Chran. 1855.
S. 91 ff.
85
Die Gebirgskette, welche die Halbinsel Snsefellsnes
durchzieht, ist bedeutend schmäler, aber dafür viel höher
als die Reykjaneskette. In derselben befinden sich verschie
dene Bergspitzen, wovon einige eine Höhe von ca 3000' und.
darüber erreichen, so die R au S u k u lu r (d. h. rothe Berge),
die S k y rtu n n a (d. h. Skyrtonne; vgl. skyr im Reg.);
es haben in dieser Gebirgskette auch nicht wenige vulcanische Ausbrüche stattgefunden, wovon schon die zahl
reichen Lavafelder zeugen, die sich besonders auf der Süd
seite und am Ende der Kette vorfinden. Der größte Berg
dieses Gebirgszuges aber und zugleich der äußerste auf
der ganzen Halbinsel ist der Snsefellsj ökull (d. h. der
Schneebergsgletscher mit 4577' Höhe), ein alter Vulcan von
imponirender Größe, dessen untere, schneelose Partie mit der
Bergkette der Halbinsel in unmittelbarer Verbindung steht.
Ein breiter vom Hochland kommender Gebirgsrücken
nimmt fast die ganze kleine Halbinsel zwischen dem
Hvammsfjördur und dem Gilsfjördur ein; derselbe fällt
nach außen hin steil ab, an einigen Stellen mit hohen Fels
wänden wie z. B. der K lo fn in g ur (d. h. abgespaltenes
Stück) 1598'. Auch einige hohe Spitzen trägt dieser
Rücken, so den H a fra tin d u r (d. h Bockspitzen) 2940'.
In diesen Gebirgsstock schneiden sich an mehreren Stellen
Thäler ein, welche von großer Schönheit und auch grasreich sind. Es wird darum die ganze Gegend hier D alir
(d. h. Thäler) genannt und die Sysla, zu der sie gehört,
Dala Sysla genannt.
Nach N orden erstreckt sich vom Hochlande aus
eine bedeutende Anzahl von Gebirgsrücken und Hoch
ebenen, die zumeist bis an das Meer reichen, und zwischen
denselben befinden sich breite und fruchtbare Thäler,
welche meist Fortsetzungen der Fjordeinschnitte bilden
und von denen wieder unzählige Seiten- und Nebenthäler sich abzweigen. Die Gebirgsrücken und Hoch
ebenen zwischen den Thälern werden wieder in mannig
facher Weise in kleinere Rücken und Berge getheilt. Ver
schiedene Thäler gehen vom Grunde des H ünafloi aus;
die westlichen davon sind schmal und unbedeutend; hin
gegen wird an der östlichen Seitenbucht des Hünafloi, dem
Hünafjördur, ein größeres Tiefland gebildet, welches aus
Orographie.
Orograpliie.
86
der Vereinigung des V f 3 i 3 a 1u r, des V a t n s d a 1u r und
des 'B lo n d u d alu r entsteht.
Die Halbinsel, welche zwischen dem Hunaflöi und
Skagafjör3ur liegt, ist ebenfalls hoch und gebirgig; am
interessantesten ist hier der Tin das toll (d. h. der Spitzen
stuhl) oder älter E iltfs fe il (oder -fjall, so genannt nach
dem Ansiedler Eilifr örn), ein sehr charakteristischer
einzeln stehender, länglicher Berg, der mit seinem Nord
ende so steil gegen das Meer hin abfällt, dass hier jeder
Verkehr zu Lande unmöglich ist. Von Norden (von der
See aus) gesehen, nimmt sich dieses Gebirge wie ein unge
heurer Dachfirst aus, von .Osten gesehen zeigt es sich als
eine compacte Gebirgsmasse, die mit zahlreichen kleinen,
spitzigen Gipfeln gekrönt und auch sonst besetzt ist, was
ihr natürlich ihren späteren Namen gegeben hat. Vielfach
beschäftigt sich der Volksaberglaube*) mit dem Tindastöll,
der auch eine ungewöhnliche Menge seltenen Gesteins
enthält. — Südlicher liegt der M m lifellsh n u k u r
(d. h. -spitze) früher nur M m lifell genannt, ein 3476'
hoher, spitz zulaufender Berg, der in weitem Umkreise
sichtbar ist.
Vom Grunde des Skagafjör3ur gehen gleichfalls ver
schiedene Thäler aus, wodurch eine ziemlich breite Land
schaft gebildet wird, die nach dem Fjord S k a g a fjö r3 u r
benannt ist.
Reich an hohen Gebirgen ist die breite Halbinsel
zwischen dem Skagafjördur und dem Eyjafjör9ur; doch
schneiden sich in dieselbe auch von Westen, Norden und
Osten bedeutende Thäler ein, von denen der H ja lta d alu r (benannt nach dem Colonisten Hjalti E>or3arson),
der S v a rfa d a rd a lu r (benannt nach dem Ansiedler
Uorsteinn svarfaSr) und der H ö rg a rd a lu r (nach dem
Flusse Hörgä begannt) die größten und merkwürdigsten
sind. Die Gebirge sind auf dieser Halbinsel so hoch, dass
einige derselben mit ewigem Schnee bedeckt sind; hier
befinden sich der U nada 1s- oder D eild a rd a lsjö k u ll,
(berüchtigt wegen der heftigen Weststürme in seiner Um-) Vgl. Maurer, Island. Volkssagen der Gegenwart. Leipzig 1860,
S. 179.
87
gebung), cler My rk a rj ökull,. der Vin dheim aj ükul 1
und viele andere sehr hohe Berge.
Westlich von der Spitze der Halbinsel liegt der
111 vi 9rahn ü ku r (illvidri = schlechtes Wetter) 3476',
östlich vom Skagafjardardalur das H vam m sfell (3785'),
nordöstlich das H e lja rfja ll (d. h. Höllenberg) 3991'
und östlich vom Svarfadardalur die R im ar (rimi = lang
gestreckter, aber flacher Höhenzug) 4020'.
Vom Eyjafjördur erstreckt sich ein langes Thal land
einwärts und östlich von demselben befinden sich hohe
Gebirge, welche noch einen breiten, vom Hochlande aus
gehenden und gegen das Meer zu ziehenden Gebirgsast
bilden. Derselbe wird gegen Osten von dem ca. 10 Meilen
langen B ä r 3 a r d a 1u r, einem der längsten Thäler Islands,
begrenzt. Mitten in diese Gebirgsmasse schneidet sich
der F n j ö sk ä rd a lu r ein. Das Land steigt hier immer
mehr an, je weiter es sich gegen Norden erstrekt, und die
Halbinsel, welche zwischen dem Eyjafjördur und dem Skjalfandaflöi liegt, ist bis weit hinauf hoch und gebirgig und
namentlich gegen Osten überaus steil, wo die „K innarfjö ll“ (kinn = „Wange'" und „Abhang“) beinahe senk
recht in’s Meer hinabfallen. Auf der westlichen Seite der
Halbinsel liegt der 3699' hohe K ald b ak u r. Vom Bardardalur angefangen senkt sich das Hochland allmählich gegen
das Meer zu; doch wird dasselbe immerhin (im Westen
und Osten) von einigen Thälern durchzogen, so im Westen
vom R eyk j ada 1ur und L a x a rd a lu r, im Osten von
verschiedenen Thälern, welche vom Vopnafjördur ausgehen.
Auf Anhöhen zwischen den Bergen befinden sich hier meh
rere bewohnte Gegenden, wie z. B. die M yv atn ssv eit,
welche in einer kleinen Einsenkung 1000' über dem Meere
gelegen ist; die Mehrzahl derselben liegt jedoch nahe der
See. Auf dem Hochlande befinden sich hier verschiedene
Bergketten, die gar nicht unbedeutend sind und von denen
eine die ganze Landzunge Langanes durchläuft, der
D i m m i fj a 11g a r d u r (dimmifjall = dunkles Gebirge;
gardur = Gebirgszug) mit mannigfachen Bergspitzen und
Gebirgsgruppen zwischen dem Nordlande und dem Ost
lande sich erstreckt. Bei Myvatn liegen mehrere sehr
bedeutende oder wichtige Berge, so das H lid a rfja ll
Orograpliie.
Orographie.
88
(24000? die G sesadalsfjöll (28090 und die K rafla
(d. h. Krabblerin; warum?); einer der höchsten Berge ist
das S m jö rfja ll (d. h. Butterberg 38590 zwischen dem
Vopnafjörcfur und. dem Jökuldalur. Auf Tjörnes, Melrakkasletta und Länganes befinden sich gleichfalls zahlreiche
Berge und Spitzen.
Der östliche Theil des Landes, auch Austfircfir genannt
(vgl. oben S. 45) ist den Vestfirdir in vieler Beziehung
sehr ähnlich, namentlich ist auch er stark vom Meere
zerrissen, gebirgig und reich an steilen Felsen, sowie auch
oft schroff in’s Meer abfallend. Doch finden sich auch
hier lange und fruchtbare Tliäler; die bedeutendsten derselben sind der J ö k u ld a lu r und der F 1j .ö t s d a 1u r,
die überhaupt die längsten Thäler Islands sind. Der
Fljötsdalur ist in seinem mittleren Theile sehr breit und
heißt hier F ljö tsd a lsh e ra d . Wo diese Thäler sich dem
Meere nähern, befindet sich etwas Tiefland. Südöstlich
vom Fljötsdalsherad gibt es viele Fjorde und als Fort
setzungen derselben verschiedene kleine Thäler und zwi
schen diesen hohe Gebirge und Bergspitzen in der Nähe
des Meeres. Dieses Gebirgsland steigt, wie wir schon
bemerkt, gegen den Vatnajökull immer mehr an. An
hervorragenderen Bergen seien z. B. genannt: die D yrfjö ll (d. h. Thürberge; 36060 und das B ein ag eitarfja ll (35170 auf dem Gebirgsrücken, der das Fljötsdals
herad von den Fjorden trennt, und der B ü la n d stin d u r
(33880 am Berufjördur. Östlich vom Vatnajökull liegen
zwei alleinstehende Gletscher, der tr a n d a r j öku 11 und
der H ofsj ökull.
Der Südrand des Vatnajökull ist gegen Osten hin
niedrig, steigt aber in den mittleren Theilen und gegen
Westen zu bedeutend an. Mehrere Laufgletscher reichen
bis zum Meere hinab und auf dem Hauptgletscher selbst
erheben sich hohe Spitzen; die höchste derselben und
überhaupt die höchste Bergspitze Islands ist der Örsefaj ö k u ll (62410- Eine Anzahl von Bergen und Berg
spitzen befindet sich auch am Rande des Gletschers oder
ist demselben dicht vorgelagert, so der A fre tta rtin d u r
(38420 südwestlich vom Hofsjökull, der B irn u d alstin d ur (43000 westlich am Gletscherrande gegenüber von
89
Sudursveit, der S tö rh öfdi (d. h. großer Bergvorsprung
4500') vor dem Örsefajökull, und der L o m agn ü pu r
(lömur = columbus septentrionalis, 2455') westlich bei
den N upsvötn. Gegen Süden hin ist längs des ganzen
Vatnajöknll flaches Land; südlich vom Lomagnüpur aber
beginnt vom Gletscher gegenüber von Fljötshverfi ein
niedriges, flaches Hochland auszugehen, das sich in süd
westlicher Richtung bis zum Myrdalsjökull erstreckt.
Der M y rd a lsjö k u ll ist der äußerste Gebirgsrücken
der großen Zunge, welche sich von dem früher erwähnten
Hochlande gegen Südwest abzweigt. Er bildet eigentlich eine
große Gletschergruppe, welche verschiedene Namen trägt
und wovon der Eyj afjallaj ökull am höchsten ist (5432').
Westlich vom Eyj afjallaj ökull entfernt sich das Hoch
land von der See, und es dehnt sich zwischen dem Eyjafjallajökull und dem Tindafjallajökull ein sehr großes Thal aus,
welches vom Markarfljöt durchströmt wird. Nördlich von
hier liegt der T o rfa j ökull, ein länglicher Gebirgsrücken,
und die H e k la (4961'). Wir werden auf diese, wie auf
verschiedene der hier nur kurz genannten Berge später
noch ausführlicher zurückkommen. Nordwestlich von der
Hekla zieht sich das Hochland noch weiter gegen Norden
zurück und ist hier dann auch am weitesten vom Meere
entfernt. Das Land ist niedrig und senkt sich noch weiter
gegen Süden zu; doch gibt es oben am Rande des Hoch
landes gleichwohl einige Berge. Später zieht sich das
Hochland wieder gegen Süden, indem sich von demselben
Hochebenen (isländ. heiÖar) abzweigen, welche den obersten
Theil der Gebirgskette bilden, die sich gegen Stidwest er
streckt und die Halbinsel Reykjanes durchzieht.
Das Hochland von V e stfird ir liegt ebenfalls unge
fähr 2000' über dem Meere. Auf demselben befinden sich
zwei mit Schnee bedeckte Erhebungen, der G lam uj ö k u 11 und der D rang aj ö k u ll; im Übrigen besteht je
doch das Hochland zumeist in flachen und öden Hochebenen,
obschon viele Spitzen aus demselben hervorragen, beson
ders draußen am Rande. Da sich in das Hochland von
Vestfirdir so viele Fjorde einschneiden, könnte man
denken, dass die Vestfirdir gewissermaßen Zweige eines
Gebirgsrückens sind; bei genauerer Untersuchung findet
Orographie.
Orograpliie.
90
man jedoch, dass sich die Fjorde wie riesengroße Klüfte
in die Gebirgsinasse selbst einschneiden. Mächtige Decken
von Basalt und basaltischen Bergarten lagern über einan
der und die Thal- und Fjordklüfte schneiden sich gerade
durch dieselben nieder und gehen von den höchsten Theilen
wie Strahlen nach allen Richtungen hin aus. Zwischen den
Fjorden entstehen daher oft schmale Kämme mit verschie
denen Felsenklüften, kleinen Thälern und Bergspitzen, obschon sie oben im Allgemeinen ziemlich flach sind. Das
hinabsickernde Wasser hat unten zu beiden Seiten Thäler
gebildet und diese Rücken gleichen daher oft kurzen Berg
ketten; die Erdbildung deutet jedoch an, dass dies ein
mannigfach zerschnittenes Hochland ist. Das Land ist
hier überall gegen das Meer zu sehr steil und an vielen
Orten ragen senkrecht abfallende Felsen in das Meer
hinein. Der südliche Theil des Hochlandes heißt: Bar9 as t r a n d a r fj ö 11, und der östliche Theil S tr a n d a fj ö 11.
Rings herum befinden sich hohe Berge und Bergspitzen;
doch sind die wenigsten davon gemessen; in den Bar9astrandarfjöll befindet sich z. B. das S tä lfja ll (d. h. Stahl
berg; 2144'), in Strandir, südlich von Reykjarfjör9ur, das
H aafell (d h. hoher Berg; 2482'), und östlich vom
Isatjar9ardjup in Sn^efjallaströnd das S n ?e fj a ] 1 (2414').
Hier gibt es so zu sagen kein Tiefland;. dasselbe besteht
hier nur aus winzig kleinen Landstreifen längs des Meeres;
auch die Thäler sind kurz. Flüsse gibt es ebenfalls nur
wenige und selbst diese wenigen sind klein. Manche Berge
fallen senkrecht in das Meer hinab, wie z. B. das Hornb j a r g und das L a t r a b j a r g.
Die Berge Islands sind oft von der sonderbarsten
Gestalt, so dass sie mancher Landschaft einen ungemein
pittoresken Charakter verleihen. Von den zartesten For
men angefangen, wie sie z. B. in der Nähe des Ok
in zwei einander überraschend ähnlichen wundervoll ge
wölbten und schneeumhüllten Hügeln — der Sage nach der
schwellende Busen einer versteinerten jugendlichen Riesin
— erscheinen, bis zu den imposantesten zackigen bürg- oder
91
ruinen artigen Bergen finden sich alle möglichen bald
geometrisch regelmäßigen, bald phantastisch-bizarren Berg
gestalten auf der merkwürdigen Insel vor, die ja mit
seltenen Naturerscheinungen jeder Art so überaus reich
bedacht ist.
Aber so sehr auch diese Gebirge gar oft das Auge
des Menschen entzücken, so verhängnisvoll werden sie
häufig ihren Anwohnern. Urplötzlich begräbt ein Vulcan
einen blühenden Landstrich unter Lava und Asche oder ver
wandelt ein berstender Gletscher ein freundliches bewohntes
Thal in eine schaurige Einöde voll Steingeröll, Lehm und
Sand Ja, sogar Berge, welche weder Gletscher noch
Vulcane sind, verschonen die Menschen nicht mit Ver
derben und Verwüstung. Sie verbreiten Unheil mit der
so sehr gefürchteten „sk ri3 a“ ; so nennen die Isländer
die schrecklichen Bergschlipfe oder Bergstürze, welche im
ganzen Lande, besonders aber in den Thälern des nörd
lichen Island Vorkommen. „Die Erscheinung beginnt da
mit,“ heißt es in Preyer-Zirkels Reise nach Island, „dass
sich oben durch Regen, Eis oder Verwitterung ein Fels
stück des zerklüfteten Basalts abzulösen beginnt und die
Spalte immer weiter klafft, bis die endlich lose gewordene
Masse sich herabwälzt, in ihrem Falle noch zahlreiche an
dere Blöcke mit sich fortreißt und mit einem furchtbaren
Getöse in das Thal stürzt, indem sie alles, was ihr in den
Weg kommt, in Trümmer zerschmettert, gleichsam eine
Steinlavine. Es ist keine ungewöhnliche Sache, dass
ganze Hütten auf diese Weise vergraben werden. Zu ver
meiden sind diese Unfälle kaum, denn die Wohnungen
werden, um sie vor Überschwemmungen zu schützen, in
den engen Thälern gewöhnlich dicht am Fuße der Berge
errichtet und schweben so in fortwährender Gefahr. Wenn
man die unheildrohende Stellung der weit überhängenden
Felsen betrachtet, so sollte man nicht glauben, dass einer
den Mutk hätte, an einem Ort, der solchen Unfällen aus
gesetzt ist, seinen Wohnsitz aufzuschlagen, aber Nofhwendigkeit flößt Unerschrockenheit ein und Gewohnheit ver
wischt die Eindrücke der Furcht.“
In den ältesten isländischen Berichten, wie in den
letzten Nachrichten, die uns von der so schwer heim
Oroo-rnpliie.
Orographie.
92
gesuchten Insel zugekommen sind, spielt diese schreck
liche skrida ihre traurige, Verderben bringende Rolle!
Es sei liier noch ausführlicher einer besonders charakteristischen
Erscheinung’ des isländischen Hochlands gedacht, nämlich der sogenannten
„lieidar“. Unter einer „heidi“ *), älter „heiör“ (plnr. heidar) verstehen die
Isländer eine H o c h eb e n e oder ein Plateau. Diese Hochebenen, sonst
gewiss keine seltene Landesform, sind aber auf Island von einer ganz
merkwürdigen Beschaffenheit, und wer noch nicht selbst in Island gereist
ist, soll sich davon keine Vorstellung machen können, da keine Beschrei
bung den Eindruck wiederzugeben vermag, den eine solche heidi auf
den Fremdling hervorbringt. Man versteht unter heidi eine weitgedehnte,
öde, unbewohnte, ja von bewohnten Gegenden vollständig entfernte und
über dieselben sich erhebende Hochebene, die bisweilen eine ziemlich flache,
und von kleinen mit Heidekraut und Moos bewachsenen Erhöhungen er
füllte Strecke bildet, zu der man durch eine gleichmäßige Steigung des
Terrains unmerklich hinaufkommt, in der Regel aber als eine zusammen
hängende Gebirgsmasse erscheint, die man erst nach einem steilen Auf
stieg erreicht, worauf man ausgedehnte, mehr oder weniger wellenför
mige Flächen vor sich hat, wo niedrige Höhenzüge — in Wirklichkeit
oft die Spitzen hoher Berge — die Aussicht versperren und nicht ahnen
lassen, dass man sich höher befindet als gewöhnlich. Der Boden ist
mit. Sand, Kies, Steingeröll und Steinblöcken bedeckt und hat dabei
gewöhnlich auch zahlreiche Vertiefungen und Löcher, welche dem Reisen
den sehr gefährlich werden können. Die Vegetation ist ungemein spär
lich, nur hie und da taucht ein Grasfleck oder Grasbüschel auf; hingegen
legen sich dem Reisenden nicht selten Sümpfe in den Weg. Tiefste
Ruhe ist über diese traurigen Landschaften gebreitet. Nicht einmal das
melancholische Zirpen eines Brachvogels, oder der gelle Schrei eines
aufgeschreckten Schneehuhns, wie oft in isländischen Niederungen, lässt
sich vernehmen. Nur das Gekrächze einiger einsamer Raben oder aber
— der eigenthümliclie Schwanengesang, den man, wenn man ihn einmal
vernommen, nie wieder vergisst, unterbrechen vielleicht diese Todtenrulie.
— Eine ähnliche Landesbildung wie die heidar, nur mit geringerer Höhe
über dem Meer und überwiegender Ausdehnung in e i n e r Richtung sind
stundenlang sich fortziehende Hügel, deren Rücken ein weites Plateau
bildet. Die Isländer nennen dies einen „hals.“ Die Oberfläche der
selben besteht abwechselnd aus Steinbänken, Schuttflächen und sumpfi
gen Stellen. Diese „hals“ welche besonders im Nordlande Vorkommen,
gelten, nach Winkler, selbst bei den Eingebornen als sehr schlimme
Passagen. „Besonders verrufen ist dort der Hrutafjardarhals, ein Hügel
rücken, der sich lang ah der östlichen Seite des tief in’s Land eindrin
gender Hrutafjördur liindelmt. Von diesem hals erzählen sich die Islän
der eine Anekdote, deren Mittheilung auch aller weiteren Schilderung
dieser Passagen überheben mag. Zwei Weiber zankten sich einmal mit
*) Das deutsche „Heide“ entspricht durchaus nicht dem islän
dischen „heidi“, obschon beide Wörter etymologisch identisch sind; was
wir als eine „Heide“ bezeichnen, nennen die Isländer einen „mor“ oder
häufiger, die Mehrzahl gebrauchend, „möar.“
Orographie.
93
einander und erhitzten sich dabei so sehr, dass die eine der andern zu
rief : es möge sie der T ..........holen. Die so Beleidigte war aber viel
unbarmherziger, indem sie ihrer Gegnerin das Ärgste wünschte: sie möge
verdammt sein, über den Hrutafjardarhals reiten zu müssen.“
T iefland. Wie schon aus dem Vorausgehenden er
sichtlich, kann auf Island nur wenig Tiefland (isl. undirlendi, n.) vorhanden sein. Das Verhältnis zwischen Tief
land und Hochland ist beiläufig wie 1 : 15. Dasselbe be
steht an vielen Orten nur aus einem Streifen Landes längs
des Meeres. Im Nordlande insbesonders findet sich Tief
land nur dort, wo große Thäler sich gegen das Meer
hinaus öffnen, wie schon früher erwähnt worden ist. Selbst
dieses geringe Tiefland ist nur zum Theil fruchtbares
Land; denn ganze weite Strecken sind entweder von
Süm pfen (isl. myri, [myrr], f., plur. myrar) *), Sand
s tre c k e n (isl. sandur, m., plur. sandar) oder L a v a
feld ern (isl. hraun) eingenommen.
Über die isländischen Süm pfe schreibt Winkler in
seinem Buche Island“: „Aller Boden ist in Island mehr
oder weniger mit Wasser getränkt und weite Striche sind
wahre Sümpfe, besonders die flachen Abdachungen von
Hügeln und der ebenen Gründe in den Flussthälern. Es ist
dies kein Wunder in einem Lande, wo es so viel regnet und
in Folge dessen die von den Gebirgen aufgenommenen
Wasser an ihrem Fuße in so vielen Quellen wiedergegeben
werden, und wo Niemand daran denkt, auch in dieser
Beziehung der Natur nur im Geringsten Gewalt anzuthun.
. . . Um die Passage durch einen Sumpf zu finden, ist ein
landeskundiger Führer am allernothwendigsten, denn am
Myri endet alle Spur eines Weges, wie an einem Flusse.
Es führt auch eine Furt hindurch, die gesucht werden
muss. Bei manchen Sümpfen sollen, wie man mir sagte,,
gewisse Pflanzen arten erkennen lassen, wo sie zu passieren
möglich und wo nicht. Es ist immer eine höchst unbe
hagliche Lage; man reitet wie auf Gummi elasticum, der
der Boden schwankt auf und nieder unter dem Fußtritt
des Pferdes.“
*) Die übrigen isländischen Ausdrücke sind: m ^rlendi, n.
= Sumpfland, sumpfiger Boden; fen, n., k eld a f., forte di (älter forad),
n. = Sumpf, Morast, Moor; flo i, m. = eine sumpfige Gegend.
94
Orograpliie.
Die S a n d s t r e c k e n, welche gewöhnlich sch vvarz
gefärbt sind, bestehen nicht nur aus Sand, sondern auch
aus vulcanischem Geröll, Schutt, sandartig zerbröckeltem
älteren Gestein und jüngeren, vulcanischen Auswürflingen
aller Art, wie Schlacken, Asche u. dgl.; sie sind allmählich
durch die Wasserstürze fjökulhlaup) der Laufgletscher
und von dem Kiessand gebildet worden, den diese Gletscher
täglich absondern. Mail kann an einigen Orten sehen,
dass dieselben sich seit der Besiedlung des Landes be
deutend verändert haben; dies ist besonders in der Gegend,
die vor dem Mvrdalsjökull liegt, der Fall; denn hier hat
die Katla bei ihren Ausbrüchen überaus viel Sand und
Gestein abgelagert. So lag z. B. das Cap Hjörleifshöfdi
zur Zeit der Besiedelung Islands ganz am Meere, während
dasselbe sich jetzt eine ziemliche Strecke landeinwärts betindet, und östlich davon lag damals ein Fjord, von dem
jetzt keine Spur mehr vorhanden ist. Auch ganze, ehe
mals bewohnte Landstriche sind durch vulcanische Aus
brüche und Wasserstürze der Laufgletscher verwüstet
worden; dies war namentlich auch mit der Gegend am
Fuße des Örse.fajökull der Fall. Diese Sandstrecken sind
natürlich sehr unfruchtbar und bilden ungeheure Felder,
die, wie schon erwähnt, außer mit Kiessand, auch mit Stein
geröll, Lehm, Schlacken u. dgl. bedeckt sind, aus denen oft
auch nacktes Gestein hervorragt Man trifft dieselben be
sonders längs des Laufes der Flüsse in großen Ausdehnun
gen. An manchen Orten gibt es auch große Mengen von
Flugsand, welche der Wind oft zu kleinen Hügeln zusam
menweht, um sie später wieder auseinander zu treiben und
weit fortzuführen,. so dass Weiden und Grasgärten der
angrenzenden bewohnten Landstriche verwüstet werden.
Hie und da hemmt glücklicher Weise der Sandhafer (Elymus arenarius) einigermaßen den so verheerenden Sandflug.
Die großen Sandstrecken befinden sich alle im Süd
lande und haben ihre besonderen Kamen; die bedeutend
sten derselben sind:
Der B r e i ö u m e r k u r s a n d u r (benannt nach der
früher wald- und grasreichen, nun seit langer Zeit ver
wüsteten Gegend Breidamörk, richtiger BreiJarmörk d. h.
Breitfluss-Wald); derselbe ist 5—6 Meilen lang, aber sehr
95
schmal; zwar nicht so unfruchtbar wie cler Sk eidarar san dur,
aber doch nichts weniger als einladend.
Der S k ei3a r a r s a n d u r (nach dem Flusse Skeidarä
benannt) oder wie er in alter Zeit hieß, Löm agnupssan d u r (nach dem westlich davon gelegenen Berg
Lömagnüpur vgl. oben S. 89), westlich von der Skeidarä
gelegen, ist ebenfalls 5—6 Meilen lang und auch bei
läufig ebenso breit, daher die breiteste und größte Sand
ebene Islands. Die Fmtstehung desselben scheint noch in
die vorhistorische Zeit zu fallen; er ist ganz unfruchtbar
und öde und wird gegen Norden von dem Skeidararjökull
begrenzt.
Der B ru n a sa n d u r (d. h. Brand-, verbrannter Sand)
ist bedeutend kleiner als die beiden vorgenannten „sandar~
und liegt zwischen der breiten Wasseransammlung, welche
durch den Zusammenfluss der Nupsvötn, der Djupa und
des Hverfisfljöt gebildet wird, und dem Skaptärös.
Der M y r d a 1s s a n d u r (nach dem Myrdalur benannt)
auch K ö 11us a n d u r (nach dem Vulcane Katla),
ca 5 Meilen lang und 4 Meilen breit, ist jetzt ganz flach;
es führen über denselben verschiedene Wege zu den be
nachbarten Gemeinden Diese Sandstrecke ist gleich den
meisten übrigen von schwarzer Farbe und macht daher
einen ganz merkwürdigen unheimlichen Eindruck.
Der S ö lh eim asan d u r (nach dem Hofe Sölheimar
benannt), eine kleinere Sandstrecke zwischen der Haf'rsa und
der Jökulsa a Sölheimassandi; jenseits der Jökulsä findet
dieselbe eine Fortsetzung in dem noch kleineren S k 6 g asan d u r (d. h. Wäldersand), der in der alten Zeit noch zu
dem Sölheimasandur gerechnet worden zu sein scheint.
Über die L a v a fe ld ^ r soll in einem besonderen
Capitel gehandelt werden.
Man kann auf Island zwei größere Tiefländer unter
scheiden, ein sü d lich es und ein w estlich es. Das
sü d lich e T iefla n d beginnt vom Hornafjördur an
und erstreckt sich fast ununterbrochen nach Westen bis
zu der mehrerwähnten Gebirgskette, welche die Halbinsel
Reykjanes durchzieht; doch ist die Breite, Ausdehnung
Orog’raphie.
Orographie.
96
und sonstige Beschaffenheit desselben sehr verschieden.
Am südlichen Fuße des Vatnajökull, vom Hornafj ör<5ur
angefangen, und bis zu den Eyjafjöll hinüber, gibt es,
wie wir gesehen haben, fast nur öde Sandstrecken längs
des Meeres und nur hie und da finden sich bebaute und
mit Gras bewachsene Flecken.
Das eigentliche südliche Tiefland beginnt erst westlich
vom Markarfljot, und ist ungefähr 70 □ Meilen groß, zu
gleich das größte und fruchtbarste Tiefland Islands. Das
selbe liegt nicht überall gleich hoch über dem Meere; am
niedrigsten ist es gegen Süden hin und es erhebt sich
gegen Nordost; dabei ist es keineswegs durchaus flach,
sondern vielmehr von Höhen und Höhenzügen, an einigen
Orten sogar von Bergen (wie dem Hestfjall 1016', dem
Burfell 1672' — beide in der Landschaft Grimsnes —,
dem Ingölfsfjall 1742' u a.) unterbrochen. Längs des
Meeres befinden sich hier gleichfalls schmale Sandstrecken
(der Landeyjasandur oder Eyjasandur); weiter hinauf hin
gegen gibt es grasreiches, wenn auch sumpfiges Land.
Das w estlich e Tiefland befindet sich westlich von
der südlichen Skardheidi und umfasst ungefähr 20 [H Meilen.
Es schneidet sich tief in das Hochland ein und reicht
gegen Nordwest bis hinauf zur Bergkette des Snsefellsnes.
Von dem Tieflande gehen auch viele Thäler aus, welche
von Ausläufern des Hochlandes gebildet werden; es seien
davon genannt: der S k o rra d a 1ur, der L u n d a re y kj adalur, der R e y k h o ltsd a lu r und der N ordurardalur. Die untere Partie ist sehr flaches und sumpfiges
Land, obschon sich dazwischen auch Höhen und steile
Felsen finden. Der östliche Theil heißt B o rg ar fj ö r d u r,
der westliche M yrar. Die M yrar haben, wie es schon
der Name dieser Gegend (= Sümpfe) besagt, sehr feuchten
sumpfigen Boden, der oft ganz unwegsam ist, so dass das
Reisen hier mit 'außerordentlichen Schwierigkeiten ver
bunden ist und daher zumeist die oberen Gebirgswege
dazu benützt werden müssen. Doch gibt es auch in
diesen sumpfigen Theilen Höhen und kleinere Berge,
besonders in der östlichen Gegend, und auf denselben
befinden sich denn auch die meisten Ansiedelungen. Das
Meer ist hier an der Küste so seicht, dass zur Zeit der
97
Ebbe ein langer Streifen Landes bloßliegt, der deshalb
L ö n g u f jö r u r heißt; derselbe gibt dann einen aus
gezeichneten "Weg ab.
Gletscher.
Die Gletscher.
Eicht weniger als gegen 270 Quadratmeilen (14864 km2)
Islands sind mit Gletschern (isl. jökull, m., plur. jöldar*)
bedeckt. Der Schnee verschwindet nicht, wo die Höhe
über 2800' hinausgeht, ausgenommen auf Bergen und Berg
spitzen, die so steil sind, dass der Schnee nicht liegen
bleiben kann. Auf verschiedenen Gebirgen liegen auch
Schneewehen und Schneehügel, die zwar ebenfalls nie
schmelzen, aber doch kein eigentliches Gletschereis bilden.
Die Gletscher bestehen zu oberst aus großen Schnee
feldern, gefrorenem Schnee und Eiskörnern, welche nie
mals ganz verschwinden, so warm es auch im Sommer
sein mag; weiter unten, wo die Kälte geringer ist, bildet
sich glasartiges, blaues Gletschereis. Oft erstrecken sich
Aste von Gletschern in Thäler und Schluchten an einigen
Orten sogar, bis in die bewohnten Gegenden hinab; diese
heißen bei den Isländern: „skricfj ö k la r“ (d. h. Schreit
oder Lauf- d. i. bewegliche Gletscher) oder auch „f a 11jö k la r “ (d. h. Fallgletscher, weil sie sich langsam nach
abwärts bewegen). Da dieselben aber unten immer schmel
zen, setzen sie sich nicht weiter fort. Die Bewegung der
Laufgletscher stammt bekanntlich daher, dass die Eis
massen oben allmählich zunehmen und das tiefer liegende
Eis nach abwärts drängen; auch das beständige Fließen des
rinnenden Wassers sowie die wechselnde Wärme am unter
sten Rande des Gletschers spielen dabei eine Rolle. Die
Bewegung der Gletscher ist übrigens je nach der Beschaffen
heit des Landes und der Witterung sehr ungleich ; doch hat
So nennen die Isländer nicht nur den eigentlichen Gletscher
d. i. den ewigen Schnee, sondern auch einen damit bedeckten Berg.
P o e s t io n , Island.
7
Gletscher.
98
man in dieser Richtung noch keine Untersuchungen an
gestellt. Die Schreitgletscher richten sich in ihrer Bewe
gung genau nach dem Terrain wie die Wasserfälle ; ' sie
sind mächtig und groß, wo sie tiefe und enge Thäler durch
setzen, verflachen sich aber, wo sie in ebene Strecken
kommen.
Oft fallen von Bergspitzen und Abhängen, welche die
Gletscher umgeben, Felsstücke, sowie größere und kleinere
Steine auf dieselben nieder, und dieses Gestein wird dann
mitgeführt in das Tiefland. Einiges davon bleibt vor dem
Gletscher liegen und wächst allmählich zu Höhen und
Rücken an, anderes hingegen fällt durch die Gletscher
spalten in die Tiefe hinab, wird unter dem Gletscher zer
malmt und zu feinem Steinstaub oder Lehm verwandelt,
welchen die im Gletscher entspringenden Flüsse fortführen:
dieselben erhalten davon die eigenthümliche weißliche
Farbe, welche für die Gletscherflüsse so charakteristisch
ist. Die Felsen, über welche der Gletscher sich bewegt,
werden von dem mitgeführten Gestein geglättet und mit
unzähligen Furchen durchzogen. Wo die Neigung sehr
bedeutend ist, entstehen auf dem Gletscher viele und sehr
bedeutende Sprünge, die sich bald schließen, bald wieder
öffnen; im Innern aber befindet sich das Wasser in bestän
diger Thätigkeit. An einigen Orten findet man am Rande
des Gletschers eine Menge hoher Kegel, die außen aus
Kies und Sand, im Innern aus Eis bestehen. Diese Kegel
werden gebildet, wenn die Wärme der Sonnenstrahlen
nicht durch die dicke Lage von Kies, die sich auf dem
Gletscher über einzelnen Eisblöcken angehäuft hat, zu drin
gen vermag; die äußere Eishülle schmilzt, das Eis aber,
welches vom Sande umgeben wird, bleibt. Andererseits
wieder werden einzelne kleinere Steine stärker erwärmt
und bringen das unter ihnen liegende Eis zum Schmelzen,
wodurch sich datfn hie und da runde tiefe Höhlen in dem
Gletscher bilden. Einige Schreitgletscher erhalten von dem
Gestein, Kies und Sand, womit sie bedeckt oder durch
drungen sind, eine graue Farbe. Das unter dem Gletscher
befindliche Gestein ist überwiegend Tuff (isl. möberg), bis
weilen aber auch Lavastein (isl. hraungrjöt) und Basalt
(isl. stallagrjot). Die Gletscher nagen beständig an dem
99
Berge *, und da sie somit immer Stein und Lehm mit sich
führen, finden sich in ihrer Umgebung überall Sandstrecken,
Lehm, Kiesfelder und Steinhaufen.
Eine ei genth timliehe, Erscheinung der Schreitgletscher
sind die gefürchteten sogenannten ,.j ö k u 1h 1a u pu
(Gletscherläufe). Dieselben entstehen, wenn die im Innern
des Gletschers befindlichen Flüsse oder Seen plötzlich anwachsen, dadurch den Gletscher zum Bersten bringen,
große Stücke von demselben losreißen, und sich dann über
das Flachland ergießen. Bisweilen kommt hiebei, wie dies
besonders beim Skeidararjökull der Fall ist, der ganze
Gletscher in Bewegung; derselbe hebt und senkt sich, bis
die Eisdecke unter fürchterlichem Krachen berstet und die
mit Eismassen angefüllte Wassermenge mit furchtbarer
Gewalt hervorstürzt, und auf ihrem Wege alle Unebenheiten
des Terrains beseitigt. Die furchtbarsten Gletscherstürze
kommen jedoch bei vulcanischen Ausbrüchen vor, wenn
die feuerspeienden Krater unter Eis und Schnee ver
borgen sind.
Die meisten Gletscher sind breit und hoch, entspre
chend der Form des Terrains, welches unter ihnen liegt;
doch ragen auch steile Spitzen aus dem Schnee empor.
Die grüßten Gletscher finden sich auf dem innern Hoch
plateau in einer Reihe, welche sich von Westen nach
Osten zieht. Dieselben bilden die Wasserscheide zwischen
dem Nord- und Südlande und von ihnen entspringen die
größten Flüsse Islands, deren Lauf somit zumeist eine
nördliche oder südliche Richtung nimmt. Einige Gletscher
gibt es auch auf der nordwestlichen Halbinsel „Vestfirdir“,
einen einzelnen auf der Snadellsnes Halbinsel und eine
größere Gruppe im südlichsten Theile des Landes. *)
Der größte Gletscher Islands ist der V a tn a jö k u ll
oder K lo fajü k u ll (150 [j Meilen Ausdehnung); derselbe
bedeckt beinahe den ganzen östlichen Theil des Hoch
landes ; von ihm entspringen die meisten großen Flüsse
Islands, weshalb er denn auch den Namen „Vatnajökull4*
d. h. Wassergletscher und wegen der vielen Verzweigungen
der Flüsse außerdem den Namen „Klofajükull“ (klofi, m.,
Gletscher.
*) Nach E>. Tlioroclrtsen a. a. 0. 8. 20—22.
Gletscher. 4
100
bezeichnet u. A. etwas, das sich in mehrere Arme ver
zweigt) erhalten hat. *)
. .
Der Vatnajökull erstreckt sich nirgends bis in be
wohnte. Gegenden hinab, ausgenommen in der Skaptafells
Sysla ; er folgt dem Meeresstrande in südwestlicher Richtung'
bis zum Örsefajökull, welcher den höchsten vortretenden
Rücken desselben bildet; er zieht sich hierauf immer weiter
vom Meere zurück und liegt von Fljötshverfi ab ganz in
der Wüste. Vom Vatnajökull gehen viele S ch re itg letsch er aus, welche bis in\s Tiefland hinabreichen
und verschiedene Namen haben, so der H ein ab erg sjö k u ll (d. h. Wetzsteinfelsengletscher, nach einem Berg
und Hof gleichen Namens) östlich beim HornafjörSur; weiter
westlich der B r e i 9 u m e r k u r j ö k u 11, dann der Ö r se-f a jö k u ll (d. h. Wüstengletscher), auch Hnappafellsjökull
(ält. Knappafellsjökull = Haufenbergs-G.) — wegen zweier
Bergknoten (isl. hnappur, m.), die im südlichsten Theile
aus dem ewigen Schnee emporragen, so genannt, — die
südlichste Spitze des Vatnajökull und zugleich derjenige
Theil desselben, wo die ungeheure, eisbedeckte Gebirgsmasse
sich zu ihrer größten Höhe — über GOOtß -- erhebt,
höher als irgend ein anderer Berg Islands. Der Örsefajökull
sendet selbst wieder verschiedene kleine Schreitgletscher
aus. Feiner gehört hieher der S k ei 9 a r ar j ü k u 11, (nach
dem Flusse Skeidarä benannt); derselbe ist niedrig und
flach und hat, da er tief in die Sandwüste hineinreicht,
eine graue Farbe vom Sand und Gestein. Zu oberst, wo
er zwischen Spitzen durchgeht, ist er schmal, wird aber
gegen die Sandwüste zu immer breiter. Der unterste Rand
hat eine Länge von beiläufig 4 Meilen. Jn der Gegend
westlich von diesem Gletscher gibt es keine nennens
werten Schreitgletscher. Ganz östlich ist der Südrand
des Vatnajökull am niedrigsten und nur wenig vom Haupt
gletscher selbst reicht bis in die Nähe des Hornafjör3ur;
doch gehen hier Schreitgletscher in jedes Thal hinab.
Weiter gegen Westen steigt der Gletscher an, und ist
*) Im Vatnajökull bezielmngswei.se in dessen einzelnen Tlieilen
entspringen folgende große Flüsse: die Jökulsa ä fjöllum, die Jökulsa
a bru, das Lagarfljot, die Jökulsa f Lön, die Jökulsa a Breiöumerkursandi, die Skeidara, die Nupsvötn, das Hverfisfljot, die Skapta u. a.
Gletscher.
10 1
wieder westlich in der Mitte am höchsten und breitesten.
Der West- und Nordrand des Vatnajökull sind noch ziemlich
unbekannt; doch weiß man, dass sich an der Nordseite ebenfalls viele Schreitgletscher befinden, welche von
den hochgelegenen Eismassen ausgehen (darunter der größte
Schreitgletscher Islands zwischen dem Kistufell und den
Ivverkfjöll) und dass der westliche Rand zumeist von
einem Gletscher mit festgefrorenem Schnee gebildet wird,
der sich bis in das Flachland hinein erstreckt und S k a p t a rj ö k u ll (weil in ihm der Ursprung des Flusses Skaptä)
oder S iduj ö k u ll (nach der Landschaft Sida, die er gegen
Norden hin begrenzt) heißt. Aus der Eismasse des
Skaptarj ökull ragen weit und breit Lavafelsen empor; denn
liier ist die Gegend, wo in den letzten Jahrhunderten die
furchtbarsten vulcanischen Ausbrüche mitten in dieser
Gletscherwelt stattfanden, wo die Zerstörungen des Wassers
wetteifernd wechselten mit denen des unterirdischen Feuers.
Durch den isländischen Geologen D. Thoroddsen ist im
Sommer 1884 auch constatiert worden, dass sich an der
Nordwestseite des Vatnajökull (in der Nähe des Vonarskard)
die höchsten Gletscherkuppen Islands (über 6000' hoch)
befinden.
Der Vatnajökull ist wie gesagt noch nicht überall genau unter
sucht worden. Der englische Tourist Lord Watts war der erste, dem.
es (im Jahre 1875) gelang, quer über den Gletscher zu kommen.
(Vgl. darüber dessen Buch „Across the Vatnajökull.“ London, 1876).
Er traf auf dieser seiner Wanderung ungefähr auf der Mitte des Weges
einen Kraterkegel, den er nach einem seiner Begleiter Mount Paul
(isl. Palsfjall) nannte.
Der E>r ä n d arj ök u 11 und der H o f sj ö k u 11, östlich
vom Vatnajökull sind unbedeutende, einzeln stehende
Gletscher und gleichsam Vorposten des Vatnajökull, obschon öde Thäler dazwischen liegen.
Auch auf dem Snsefell und der H e rd u b re id
nördlich vom Vatnajökull befinden sich kleine Gletscher.
Per T ungnafellsj ökull (d. h. Landzungenberg-G.),
ist ein kleinerer Gletscher, zwar ziemlich hoch, aber nur
3—4 Meilen im Umkreis umfassend, westlich vom
Vatnajökull gelegen und von diesem durch den Pass
V o n arsk ard getrennt. Im südöstlichen Theile des
Tungnafellsj ökull entspringt das Skjalfandafljot, weshalb
102
Gletscher.
der Gletscher auch F ljö tsj ö k u ll genannt wird. Sowohl
gegen Süden als gegen Osten gehen von demselben
Bergrücken ans, zwischen denen sich der N y id a lu r
befindet..
H ofsj ö k u ll heißt die riesige (beiläufig 25 LrJ Meilen
umfassende) Eismasse, welche sich gerade in der Mitte des
Landes, westlich vom Sprengisandur, befindet. Dieselbe
ist rings von Wüsten umgeben. Der östliche Theil des
Gletschers heißt A r n a r f e 11sj ö k u 11, und ist, nach Kj erulfi
ca 5500' hoch. Hier erhebt sich auch das kegelförmige,
gezackte A rn a rfe ll hid m ik la (d. h. der große Adler
berg), der zu beiden Seiten von einem sich verschiebenden
Schreitgletscher umgeben ist, aber in dieser sonst so trost
losen Wüste gleichwohl an seinem Fuße eine üppige Vege
tation aufweist. Der südliche Theil heißt B 1a g n y p u j ö k u ll
(d. h. blaue Gipfel-Gl.); in der Nähe davon liegen die
K erlin g arfj ö 11 (d. h. Altweiberbergeb Im Hofsjökull
und zwar in seinem südöstlichen Theile, entspringt die
Djörsä; außerdem befinden sich in demselben die Quellen
der Heradsvötn u. z. Th. der Blanda. Sartorius von Wal
tershausen beschreibt diesen Gletscher, wie er sich dem
Blicke des Wanderers auf dem Sprengisandur-Wege dar
bietet, mit folgenden Worten: „In der Mitte einer traurigen
Wüste schwarzen vulcanischen Sandes ruhen seine krystallenen Gewölbe von grauen Nebelschichten umflossen, um
hier in schauriger Einsamkeit ihre eigene Größe zu feiern.
Nur das Murmeln verborgener Quellen und das Bauschen
neugeborener Eisströme, die nach kurzem Laufe vereint sich
zur jpjorsa verbinden, beleben mit einförmigem Sang und
Klang diese stumme lautlose Wildnis, welche der Fußtritt des
Menschen flieht.. Des Arnarfells zackige Gestalt hebt sich
hoch über die blendendweiße, mit lasurblauen Spalten
unterbrochene Eisdecke, welche mit zwei weiter sich
vorstreckenden Armen den freistehenden Berg nach drei
Himmelsgegenden umschließt und nur gegen Osten., eine
Alpenmatte an seinem Fuße verschont. Wie eine Oase
in der Wüste erscheint dieser Grasfleck aus der Ferne
dem ermüdeten Reisenden und seinen erschöpften Pferden,
indem er ein willkommenes, freundliches Nachtlager und
Ruhe nach den Anstrengungen des Tages verspricht.u
103
Der L an g jü k u ll ist eine längliche und hohe Glet
schermasse südwestlich vom Hofsj ökull und der zweitgrößte
Gletscher Islands (26 □ Meilen); verschiedene Theile des
selben tragen wieder verschiedene Kamen. Der westliche
Theil heißt nördlich Ball- (oder B al d-) j ökull, südlich
G e itla n d sjö k u ll; das Südende heißt S k ja ld b re id a rjö k u ll; östlich liegt sodann der B lafe 11 sj öku 11 •
unterhalb desselben befinden sich Spitzen, welche J a r lh e ttu r heißen und 3395' hoch sind. Der Hauptgletscher
selbst erreicht 4500' über dem Meere. Im Geitlandsjökull
liegt der erst vor ca 50 Jahren wieder entdeckte D örisd a lu r (nach dem sagenhaften Eigenthümer desselben, dem
Halbriesen Dorir der Grettissaga benannt), in dem sich der
Sage nach Grettir der Starke aufgehalten haben soll. Das
Thal hat steile Wände, ist unfruchtbar, ganz graslos, und
Schreitgletscher gehen von allen Seiten in dasselbe hinab.
Der E irik s j öku ll (57300 ist ein charakteristischer
einzeln stehender Gletscher westlich vom Langjükull (bei
2 Q Meilen im Umfange), mit senkrechten, mauerähnlichen
Abhängen, Abgründen und steilen Felsen. Von dem Gletscher
kommen mehrere kleine Schreitgletscher nieder. Auf dein
O k, dem Skj a ld b re id u r und dem H lü d u fcll liegt
ebenfalls etwas Eis. Zwischen Ok und Geitlandsjökull liegt
der bekannte K al di d a lu r (d. h. kaltes Thal), eigentlich
gar kein Thal, sondern ein niedrigerer hals oder eine
schmale Einsenkung zwischen den Gletschern, durch wel
chen ein viel benützter aber auch viel berüchtigter Ge
birgsweg führt, welcher eine Partie der am meisten be
nützten Verbindungslinie zwischen dem Nord- und Südland
bildet. Dieses Thal ist ebenfalls ganz vegetationslos. Vom
Kaldidalur zweigt sich der früher genannte mythische
Dörisdalur ab. Der Eiriksj ökull soll der Sage nach seinen
Namen von einem Geächteten, Namens Eirikr, erhalten
haben, der sich auf denselben flüchtete. *)
Der S ntefellsj ö k u ll (457 7'), ganz draußen auf der
Halbinsel Snsefellsnes, hat eine kegelförmige Gestalt und
ist ein alter Vulcan; zu oberst liegen zwei Gletscherhügel,
Gletscher.
-) Vgl. Konr. Maurer, Isländische Volk sangen der Gegenwart.
8. 270—275.-
Gletscher.
104
von denen jedoch kein Fluss herniederkommt, da der
Boden ringsum mit Lava bedeckt ist, durch welche das
Wasser unter der Erde fortfließt. Der Snsefellsjökull ist
schon aus weiter Ferne sichtbar — ein Wahrzeichen Islands.
Von den drei Spitzen, aus denen der oberste Theil des
selben besteht, kann man von unten gesehen jedoch nur
zwei unterscheiden, wenn sie nämlich nebel- oder wolken
frei sind. „Wie ein Geist aus der Edda^, schreibt Sartorius
von Waltershausen in seiner mehrerwähnten Schrift. S. 7—8,
„erhebt sich dieser längst erloschene Vulcan, verhüllt in einen
Panzer von ewigem Eise über die grauen, sturmdrohenden
nordischen Nebel, bis auf zwanzig Meilen in der Runde sicht
bar. Nur an den heitersten Tagen zeigt er sich in der Frühe
des Morgens frei von dem Schleier der Gewölke, und seine
doppelgipflige riesige Gestalt erglüht mit rosigem Schimmer
in den Strahlen der eben aufgehenden Sonne. Schweigend
ruht zu seinem Fuße der kaum bewegte Ocean, dessen
stahlgraue sich langhinwiegende Decke schroffe, aus dunk
len Trapp- und Basaltmassen gebildete Gestade ruhig
umspült.“
Der M y r d a 1sj ö k u 11 (d. h. Sumpfthals-G.) über
18 [j Meilen groß, ist eine gewaltige Eismasse, welche
südlich auf dem Gebirgsrücken gelegen ist, der wie oben
erwähnt, vom Hochlande aus sich gegen Süden erstreckt.
Eigentlich heißt nur der östliche Theil Myrdalsjökull, und
die übrigen Theile der Gletschermasse haben verschiedene
Namen • westlich liegen der E yj a fj a 11 a j ö k u 11 <d. h.
Inselberge-Gl, wegen der nahen Vestmannaeyjar so
genannt) und nördlich der B o tn jö k u ll (auch M erkurj ökull); der Eyjafjallajökull ist davon der höchste (5432')*
Östlich vom Eyjafjallajökull befindet sich eine große
Versenkung in dem Gletscher-, aber weiter gegen Osten
erhebt sich derselbe wieder und in diesem östlichen Theile
liegt die berüchtigte vulcanische K a 11a. In diesen Glet
schern entspringen viele große Flüsse, welche oft unge
heure Mengen von Wasser und Gletschertrümmern (jökullaup) mit sich führen, besonders wenn die Katla ihre
Ausbrüche hat
Der T o rfa jö k u ll (so genannt nach einem Manne
Namens Torfi, der, seine entführte Geliebte in den Armen,
105
auf der Flucht vor dem Bruder des Mädchens über eine
tiefe und breite Kluft am Fuße des Gletschers sprang), ist
ein länglicher Gebirgsrücken (circa 2 .□ Meilen), der mit
Eis bedeckt ist. Derselbe liegt nördlich vom Botnjökull.
Auf der Höhe des Gletschers sowohl — unter der Eisdecke
— wie auch in der Umgebung desselben gibt es viele warme
Quellen. Zwischen dem Torfajökull und dem Eyjafjallaj ökull befindet sich der hohe T in d a fj all aj ö k u ll
(Spitzenberg-Gletscher, wegen seiner schwarzen Spitzen).
Auch auf der nordwestlichen Landzunge von Island
befinden sich, wie bereits erwähnt, zwei Gletscher, nämlich:
Die G lam a oder der G lam uj ökull, (älter Glamuheicfr) (8 Q Meilen), ein ziemlich niedriger Gletscher (2872')?
über den der einzige Landweg nach den Gegenden am
Isafj ardardj up führt;
Der D r a n g aj ö k u 11 (so genannt nach den sieben
hintereinander stehenden Felsspitzen — drangar— auf dem
Drangafjall in der Nähe des Drängaj ökull) oder Lönsj ö k u ll (15 □ Meilen), ein länglicher Gletscher von gerin
ger Höhe (2837'). Er ist der nördlichste Gletscher Islands.
An einigen Stellen gehen Schreitgletscher fast bis zum
Meere hinab, so z. B. bei K aldalön.
Vulcane.
Vulcane.
Aus dem vorausgegangenen Abschnitte kann man
ersehen, dass die Insel ihren Namen „E islan d “ wohl
verdient; mit eben solchem Rechte jedoch könnte man
dieselbe auch „F eu erlan d “ nennen; denn vom Feuer
wurde sie geboren, vom Feuer wurde sie fortwährend
heimgesucht und verheert, vom Feuer wird sie in einzelnen
Theilen noch immer umgestaltet, vom Feuer zeugen un
zählige Erscheinungen des Landes, vom Feuer hängt auch
das zukünftige Schicksal der Insel ab. Island ist nämlich,
wie bereits erwähnt, durch und durch v u l c a n i s c h
(vgl. oben S. 2 ff.). Man kennt ungefähr zwanzig Stellen,
Vulcane.
106
an denen in der historischen Zeit der Insel vulcanische
Ansbrüche stattgefnnden haben; doch gibt es noch andere
Stellen, hauptsächlich im inneren, zumeist noch unbekann
ten Hochlande, an denen seit der Besiedelung des Landes
solche Eruptionen sich ereignet haben. Dabei sind es
nicht immer Berge, aus denen das Feuer hervorgebrochen
ist; gar oft spaltete sich plötzlich auch auf der Ebene die
Erde und wälzte einen mächtigen Feuerstrom — glühende
Lava — hervor.
Die meisten feuerspeienden Berge (isl. eldfjall, n.,
plur. -fjöll, d. h. Feuerberg) sind schlank kegelförmig und
haben einen Krater -(isl. gigur, m., eldvarp, n.) auf ihrer
Spitze oder auch am Abhänge; andere hingegen bilden
längliche Bergrücken mit vielen Öffnungen, und solche
finden sich auf Island am häufigsten. Die geschmolzene
Lava (isl. braun, n.) wird bekanntlich durch die Kraft der
Wasserdämpfe aus den Vulc-anen hinausgetrieben; von den
Wasserdämpfen stammt auch der Bauch und die Wölkchen
über den Bergen. Viele Anzeichen scheinen darauf hinzu
deuten, dass das Meer, welches bis zu dem glühenden Ge
stein reicht, diese Ausbrüche herbeiführt; so scheiden sich,
wenn die Dämpfe sich abkühlen,, verschiedene Bestandteile
(Salzarten) aus der Lava aus, welche, wie es scheint, nur
vom Meere herstammen können; auch ist nach Ausbrüchen
der Hekla die Lava bisweilen ganz mit Kochsalz und
Salmiak bedeckt gewesen. Wenn die Dampfkraft außer
ordentlich groß ist, bildet sie keine Lava, sondern es wird
Alles zu Flocken und Stäubchen zertheilt, die weit um
her fliegen (Aschenregen). Wenn auf dem Vulcane Glet
schereis liegt, entwickelt sich von einem Theile des
Eises Wasserdampf, der dann die Kraft, welche unten
wirkt, noch verstärkt; dabei wird das ganze geschmolzene
Gestein zu Asche. Hieraus erklärt sich, dass jene Vulcane
auf Island, weichte'mit Gletschern bedeckt sind (wie die
Katla, der Örsefajökull u. a.), niemals Lava ausgeworfen
haben. Der übrige Theil des Gletschereises schmilzt nicht,
sondern geht in Stücke und strömt _mit großer Gewalt
über die Abhänge hinab; es ist dies der eigentliche Glet
scherlauf fjökulhlaup; vgl. oben S. 99); es werden dabei
nicht nur Eisblöcke, sondern auch große Steine, Kies und
107
Schlamm in clas Tiefland hinabgeführt, und Nichts kann
bestehen, was diesem Wassersturze im Wege liegt.
Der Bimsstein ist bekanntlich nichts anderes als Lava,
welche von den Wasserdämpfen aufgeblasen ist; Hralntinna
(Obsidian) ist Lava, welche überaus schnell erstarrt ist;
die vulcanische Asche'und der Sand sind kleinzermalmte
Lava. Die Asche wird durch die Winde und Luft
strömungen oft sehr weit fortgeführt; so wurde sie beim
Ausbruch in den Dyngjufjöll im Jahre 1875 in südöstlicher’
Richtung bis nach Norwegen und Schweden getragen.
Das Feuer, welches man aus den Vulcanen zu sehen ver
meint, ist nichts anderes als das Leuchten der geschmolze
nen Lava in den Kratern, welche über die Aschenwolke
emporgeworfen wird. Die Höhe der Vulcane verändert sich
bisweilen durch die Ausbrüche.*) Die Spalten der Vulcane
und die Anordnung der Krater haben auf Island oft eine ge
wisse Richtung, von der sie nicht abweichen. Die Vulcane
im Südlande verfolgen die Richtung von Südwest gegen
Nordost ; die des Nordlandes aber gerade gegen Nord und
Süd. Über den Spalten erheben sich in der Regel nicht
einzelne große Krater, sondern Gruppen von zuweilen
hundert kleineren. Die einzelnen vulcanischen Kegel (isl.
eidborg, borg, f.) sind denen, welche sich rings um den Fuß
des Ätna verbreiten, an Gestalt und Bau außerordentlich
ähnlich. Sie sind wie jene aus rothen und braunen Schlacken
und schwarzem Sande zusammengesetzt und besitzen eine
Böschung von 25°-33°. In dieselben versenkt sich der
beckenförmige Krater, auf dessen Peripherie sich nicht
selten zwei diametral gegenüberliegende Iiörner erheben,
deren Verbindungslinie normal auf defm Eruptionspalt
steht. Bei Vulcanen, welche seit sehr langer Zeit nicht
in Thätigkeit gewesen sind, verflachen die Eruptionskegel
und die Krater verfallen. Auf Island zeigen sich die
vulcanischen Ausbrüche, so heftig sie auch mitunter sind,
im Ganzen seltener als bei den südeuropäischen Vulcanen.
Die Hekla; die man verschiedentlich für erloschen gehalten,
hat ihre Eruptionen ziemlich regelmäßig nach 70 bis 80
Jahren, bei den anderen Vulcanen der Insel sind noch
Vulcane.
-) I>. Thoroddscn a. a. 0. 8. 28 ff.
Vulcane.
108
weniger Ausbrüche bekannt; sie wiederholen sich erst in
ungleich größeren Zeiträumen. Selbst wenn man Island
als einen einzigen Vulcan betrachten wollte, würde sich
die Anzahl der Ausbrüche auf der ganzen Insel im Laufe
eines Jahrhunderts bei Weitem geringer als am Ätna her
aussteilen. * *) Es folgen hier die wichtigsten feuerspeienden
Berge auf Island.
Die H e k 1a (d. h. Haube, so genannt wegen der hauben
förmigen Gestalt des Berges). 4961 Fuß hoch, Islands
grösster und berühmtester Vulcan, westlich vom Torfajökull gelegen; dieselbe ist ein hoher und langer Berg
rücken, der sich von Nordost gegen Stidwest erstreckt
und dessen Krater sich auf dem Rücken befinden. Sie
erhebt sich über einem Spalt, dessen Richtung etwa Nord
65° Ost beträgt; demselben entlang hat sich dieser Vulcan
im Laufe der Jahrtausende allmählich erhoben und aus
einer Reihe von Kratern zusammengesetzt, deren einzelne
Ränder sich mit einander verbinden. Die letzte Erup
tion ist aufs Neue aus dem 79 Jahre lang verschlossenen
Längenspalt hervorgebrochen, über welchem gegenwärtig
fünf Krater wie tiefe Kessel in einer Reihe liegen. Aus
dem südwestlichen brach die Lava hervor, welche sich
über die Abhänge des Berges, über ältere Ströme und
wüste Aschenfelder nordwestlich bis zum Hofe von Nsefurholt erstreckt.”*) Neben der Hekla laufen verschiedene
Berge und Rücken (von 1000 — 1500'), die sämmtlich mit
Kratern bedeckt sind, genau in derselben Richtung. Bei
seinem Besuche in der Krater-Region der Hekla zählte
der norwegische Mineraloge Amund Heliand auf einer
sich von Südwest nach Nordost erstreckenden Linie nicht
weniger denn vierzehn Krater, deren Lavaströme eine
Mächtigkeit von 90 bis 100 Fuß besaßen. Der niedrigste
Punkt des hier zuletzt ausgeschleuderten Lavastroms be
findet sich nach den barometrischen Messungen 1492 Fuß
über dem Meeresspiegel.
Die Hekla hatte im Ganzen achtzehn Ausbrüche, von
denen wir sichere Kunde besitzen. Außerdem haben aber
*) Sartorius v. Waltersliausen, Plivsiscli-o*eoo’rapliisclie Skizze von
Island. S. 103 ff., 109 ff.
**) Sartorius v. Walterhausen, a. a. 0. S. 109.
109
drei oder vier Ausbrüche von Kratern in der Nähe der
Hekla stattgefunden. Der erste bekannte Ausbruch der
Hekla fällt in das Jahr 1104.
Der stärkste Ausbruch fand im Jahre 1300 statt;
es war dies die sechste Eruption der Hekla. „Der Berg
barst an einer Seite der Länge nach und aus dieser klaf
fenden Spalte drangen Feuersäulen und Lavaströme her
vor, welche sich fast bis an das Meer erstreckten und hier
und da in den Niederungen große Feuerseen hinterließen ;
der Krater spie glühende Lavablöcke zu niegesehener Höhe
aus, die in der Luft wegen der schnellen Abkühlung mit
fürchterlichem Getöse zerplatzten. Ein starker Südostwind
trieb die unermesslichen Sand- und Aschenwolken bis aüf
40 dänische Meilen vom Vulcan, so dass in dieser Richtung
fast alle Wege davon verschüttet wurden; diese Eruption,
hielt ohne Unterlass fast während eines ganzen Jahres an;
drei Tage vor Neujahr wurden Sand und Asche wieder
in solcher Menge ausgeschleudert, dass selbst in einem
Abstande von 50 dänischen Meilen sich mächtige Schichten
davon bildeten, und ein heftiges Erdbeben verwüstete den
Theil der Umgegend, den die vorigen Ausbrüche noch
unversehrt gelassen hatten.u
Im Jahre 1510 war der Ausbruch so stark, dass große
Lavastücke bis nach Skaiholt geschleudert wurden und
einen Mann tödteten. Im Jahre 1597 (und zwar zu An
fang des Januar) sah man gleichzeitig achtzehn Feuersäulen
aufsteigen und der Aschenregen gieng fast über das halbe
Land nieder. 1693 erfolgte gleichfalls ein sehr heftiger
Ausbruch, dessen Wirkungen neben dem von 1300 die
heftigsten von allen waren, welche bis dahin erfolgten.
„Am 13. Februar wurde ein gewaltiges Toben und Knat
tern im Innern des Berges vernommen, rings um den
Vulcan spaltete sich an mehreren Stellen die Erde, eine
mächtige Rauchsäule entfahr dem Krater und unmittelbar
darauf erfolgte ein starkes Erdbeben, welches sich selbst
auf das Meer fortpflanzte und die Schiffe in Gefahr brachte.
Aschenwolken, die den Tag in dunkle Nacht verwandel
ten, und glühende Lavaströme, welche die Finsternis mit
rothem Scheine erhellten, brachen hervor. Bis zu der
Westküste Norwegens (ungefähr 1.80 geographische Meilen)
Vulcane.
110
Vulcanc.
und der Färöer (30 Meilen) wurde die Asche vom Winde
getragen* ein heftiger Regen folgte. Abwechselnd wieder
holten sich diese Erscheinungen bis zum Pflngstfeste, an
welchem der Vulcan zu ruhen antieng; das verschont ge
bliebene Vieh, welches sich unter der Asche das versengte
Futter hervorsuchte, litt an einem skorbutartigen Übel,
verlor die Zähne oder kam gänzlich um.Uv:j
Die letzte Eruption der Hekla fand im Jahre 1845
statt. „In der Nacht vom 1. auf den 2. September
(dieses Jahres) wurde in der Umgegend der Hekla ein
starkes unterirdisches Dröhnen vernommen und am Mittag
des folgenden Tags erfolgte die erste Eruption; eine hohe
Rauchsäule stieg empor und eine Menge Lapilli und Asche
wurde ausgeschleudert, welche aus braunen, sehr porösen
Bimssteinen bestand. Durch den heftigen Nordweststurm
wurden die feinen Aschentheilchen bis zu der Orkneyinsel
Pomona oder Mailand (140 geographische Meilen) geführt.
Wenige Zeit nach dein Beginn der Eruption brach auf
dem Südwestgehänge des Berges ein Lavastrom hervor,
welcher nicht sehr schnell sich bewegend in den ersten
Octobertagen die Nähe des Pachthofs Naefurholt. erreichte;
am Fuße der Hekla breitete sich die Lava ungefähr zwei
Meilen weit aus. Die Höhe des Stromes wurde in der
Nähe des Berges auf 80 Fuß, in großer Entfernung von
demselben auf 40—50 Fuß geschätzt. Die feurig flüssige
Maße bewegte sich, Hügel von Erde und Sand vor sich
aufhäufend, unter ihrer bereits erhärteten Oberfläche fort,
welche stets unter dem heftigsten Getöse überall wieder
einbrach, so dass das glühende Innere zum Vorschein kam.
Am 22. August fand wieder, begleitet von Erdbeben, ein
Hauptausbruch statt/ welcher 40 Minuten lang dauerte.
Flammen brachen in Menge hervor; die Höhe der Rauch
säule ward von deiji.Mathematiker Gunnlaugson von seinem
Wohnsitze Svidholt bei Reykjavik aus auf 1200 Klafter
berechnet. Erst um die Mitte des Jahres 1846 erreichten
die Ausbrüche ihr Ende.“
*) Über diese Eruption existiert eine eigene Beschreibung: Thordi
Tliorlncii dissertatio de montis Heklae ultimo incendio. (Kopenhagen
1694).
111
Im Jahre 1878 fand eine Eruption in der Wildnis
nordöstlich von der Hekla statt.
Die R au du kam bar (d. h. rotlie Kämme), nordwest
lich von der Hekla gelegen, haben nur einen Ausbruch
gehabt, und zwar im Jahre 1343, bei welchem ein ganzer
Gemeindebezirk, der D j ö r s a r d a 1u r, verwüstet worden
ist, eine interessante Gegend, da sich hier der Hof des
von der Einführung des Christenthums auf Island so
bekannten Hjalti Skeggjason befand. Das jetzt so ge
nannte Djörsär-Thal bietet einen trostlosen Anblick dar,
da es ganz mit schwarzer vulcanischer Asche und Bims
stein bedeckt ist, worin man mit jedem 8’chritte tief ein
sinkt.
Besonders reich an Vulcanen und Kratern ist die
Halbinsel R e v k j a n e s . Der isländische Geologe ]?.
Thoroddson, welcher im Herbste 1883 während zweier
Monate die Halbinsel vollständig untersuchte, hat hier
nicht weniger als dreihundert Vulcane mit gegen sieben
hundert Kratern gefunden; sechs dieser Vulcane haben
sicher Ausbrüche in historischer Zeit gehabt, von vier
anderen ließ sich dies nicht zuverlässig constatieren. Sicher
ist, dass die Tr ö l l a d y n g j a nördlich von Krisuvik meh
rere Male seit der Besiedelung Islands Ausbrüche gehabt
hat. Auf der Hellisheidi kam im Jahre 1000 plötzlich
Lava zum Vorschein, welche gegen Osten durch die Kluft
zu der Ebene beim Hofe Hjalli hinabfloss.
Vor Reykjanes liegen die F u g l a s k e r oder E i
de yjar, wo 9 oder 10 Ausbrüche am Meeresgründe statt
gefunden haben. Eine dieser Scheeren, Geirfuglasker
genannt, ist in jüngster Zeit bekanntlich wieder ins Meer
zurück gesunken.*) Im Jahre 1783 tauchte hier eine kleine
Insel auf, die aber bald wieder verschwand.
Ein großer Krater ist die Ei dborg; derselbe ist
179' hoch und misst 636' im Durchmesser; er liegt in der
Hnappadals Svsla und zwar im westlichen Tieflande in dem
Winkel, wo die Bergkette der Smefellsnes-Halbinsel vom
Hochlande ausgeht. Nach dem Bericht der Landnämabök
Vulcane.
*) Vgl. oben 8. 78 und C. Normann, Den nye rul-kan ske Ö red
Island in: Dagbladet (Kopenhagen) vom 7. Deccmbei’ 1884.
112
Vulcane.
(S. 78) brach im 9. Jahrhundert ein Feuerstrom an der
Stelle hervor, wo der Hof Hripur stand, und es entstand da
durch das B or g ar h raun. Die Wände des Kraters er
scheinen in der Ferne als ein großes und weitläufiges Berg
schloss mit vielen ausgezackten Thürmen, weshalb denn
auch der Krater den Kamen „Feuerburg“ oder „Feuer
festung “(übrigens auch Bezeichnung für einen vulcanischen
Kegel überhaupt) erhalten zu haben scheint. Derselbe ist
auch darum merkwürdig, weil er ganz isoliert in der Mitte
einer ausgedehnten Ebene stellt, und zuerst mit seltener
Regelmäßigkeit sanft zu einer Höhe ansteigt, die ungefähr
80 Fuß von der Spitze entfernt ist, und sich dann plötz
lich in einer, aus dunkler verglaster Lava bestehenden
Wand fast senkrecht erhebt und in einer rauhen unregel
mäßigen Spitze endigt.
Die Ka t l a oder K ö t l u g j a (Spalte der Katla;
Katla war der Sage nach eine Hexe, die sich in die Kluft
stürzte, worauf der erste Ausbruch erfolgt sein soll) im
östlichen Th eile des Myrdalsjökull, hat 13 heftige Aus
brüche gehabt, die besonders im 17. und 18. Jahrhundert
stattgefunden und sie eine Zeitlang zu dem berühmtesten
isländischen Yulcan nach der Hekla gemacht haben. Die
Katla zeigt sich, wie es schon ihr anderer Name sagt, als
ein (von Nordwest nach Südost gehender) Spalt* dieselbe
hat wiederholt ungeheure Sandmassen ausgeworfen und
zugleich das Gletschereis zum Schmelzen gebracht, so dass
überaus große Wasser- und Eismassen vom Gletscher auf
die unten liegenden Gegenden hinabstürzten, um sich
schließlich in?s Meer zu ergießen. Man bezeichnet darum auch
die Ausbrüche der Katla als „jökulhlaup“ („Kötluhlaup“) •
diese Ausbrüche haben unendlich viel Verwüstungen ange
richtet, wovon der weitausgedehnte, schwarze Mvr d alss a n d u r — dessen östlicher Theil auch K ö 11u s a n d u r
heißt — einen traurigen Beweis liefert. Der vülcanische
Sand hat die früher fruchtbare Gegend bedeckt und die
Eis- und Wasserstürze haben alle kleineren Erhöhungen
weggefegt. Fjorde und Buchten sind allmählich ausgefüllt
worden und verschwunden, und Felsen, die früher am
Meere standen, befinden sich jetzt in ziemlicher Ent
fernung von demselben.
113
Der erste Ausbruch der Katla, von dem die Sagas
berichten, fand im Jahre 894 statt* damals wurde das
ganze Land zwischen der Eyjara und Hölmsa, sowie ein
ganzer Bezirk, das Dynskögahverfi, verwüstet. Bei dem
zweiten Ausbruche im Jahre 934 wurde der Sage nach
der Sölheimasandur gebildet. 1311 wurde der Bezirk
Lageyjarhverfi verwüstet, und 51 Höfe stürzten bei dem
Erdbeben ein. Da von den Bewohnern der benachbarten
Höhe sich nur ein Einziger, Namens Sturla, rettete, wird
dieser Ausbruch in den isländischen Annalen als „Sturluhlaup“ bezeichnet. 1625 fand ein so starker Ausbruch statt,
dass die Asche bis nach Norwegen getragen wurde. Es
war dies die achte Eruption der Kötlugja. „Der Morgen
des 2. September begann mit dem fast jedem Ausbruche
vorangehenden Donnern im Jökull. Vom Berge stürzten
Wasserströme mit Eismassen herab und schwemmten das
Heu von den Wiesen weg. Unter heftigem Erdbeben
stiegen Feuersäulen aus dem Krater. Blitze durchzuckten
unablässig die Dunkelheit, welche dichte Aschenregen her
vorbrachten. Der Ausbruch hielt zwölf Tage an. Das
Kloster Dykkvibser ward von einer Wasserflut heim
gesucht, welche so mächtig war, dass sie nach Berichten
von Augenzeugen das größte Seeschiff hätte tragen können.
Das Weideland war zwei Fuß hoch mit Bimsstein bedeckt.
Bis nach Bergen in Norwegen (180 geographische Meilen
weit) wurde die feinere Asche getragen. Das im Nord
osten der Kötlugja liegende Skaptartunga wurde haupt
sächlich mit Lapilli überschüttet.“ *)
Bei dem nächsten Ausbruche, im Jahre 1660, führten
die Gletscherfluten so viel Gestein und Sand mit sich,
dass an Stellen im Meere, an denen früher bei einer Tiefe
von 20 Ellen gefischt wurde, später trockener Ufersand
entstand und der Strand um 1000 Ellen in das Meer hinein
zunahm. Die mächtigen Eisblöcke des Stromes rissen die
Kirche von Höfdabrekka mit sich fort .und man sah sie
von Eismassen umgeben weit in die See hinaustreiben. Im
Vulcane.
*) Über diesen Ausbruch handelt, die Schrift: Relation om den
Ild- og Vand-Flod, soni anno 1625 udbrod af Isbjerget Myrdalsjökull;
ferfattet af Tj^chebeg Ivlosterforpagter, Herr Thorsteen Magnussen, som
den Tid selv vor der til Stede.
S
P o e s t i o n , Island.
V ulcane. .
114
Jalire 1721 wurde durch den Gletschersturz sogar ein riesi
ger Steinrticken hinweggefegt, so dass hier nur eine glatt
geschliffene Steinplatte zurückblieb, die über 6000 Q Ellen
groß war; auch ein mächtiger, erdfester Felsen wurde mit
genommen. *)
Schrecklich war auch die elfte Eruption im Jahre
1755. „Den 17. October Vormittag um 10 Uhr vernahm
man im Myrdalur sehr plötzliche und unregelmäßige Er
schütterungen, wodurch die Häuser beschädigt wurden.
Das Erdbeben wurde durch die Ergießung des von der
Hitze geschmolzenen Eises in den Kraterschlund verursacht.
Durch das unterirdische Feuer thaute alles Eis auf dem
Berge auf. Bald darauf ergoss sich das Wasser in drei
Armen gegen Südosten und Westen von der Kötlugjä
herab und überschwemmte den Myrdalssandur 5 Meilen
breit und 4 Meilen lang bis an das Meer. Die Ströme
führten eine unglaubliche Menge Eisblöcke, in denen Fels
stücke von der Größe eines Hauses festsaßen. Die unglück
lichen Einwohner wussten des Erdbebens wegen weder wo
hin noch woher; als sie aber einen starken Knall vom
Jökull her hörten, sahen sie dahin und wurden gewahr,
wie aus drei Öffnungen nahe bei einander Feuer und
Wasser mit einem solchen Krachen ausgeworfen wurden,
dass man den Untergang des ganzen Landes befürchtete.
Zuerst sahen sie eine dichte schwarze Rauchwolke auf
steigen und hierauf fiel ein dicker Hagel von Steinen.
Mittlerweile dauerte das Erdbeben fort, doch mit dem
Unterschiede, dass die Erschütterungen langsamer aufein
ander folgten und von einem ungewöhnlichen Sausen be
gleitet waren. Die mit dem Steinhagel ausgeworfenen Steine
waren alle glühend; zuweilen wurden große helle Feuer
kugeln hoch in die Luft geworfen, die alsdann in zahllose
Stücke zersprangen. Auf den Feuerausbruch und den
Steinhagel folgte ein wirklicher Hagel, der sich von dem
gewöhnlichen dadurch unterschied, dass in jeder Schlosse
oder Eiskugel etwas Sand und Asche eingeschlossen war.
In der ersten Nacht zeigte der Jökull ein ebenso seltenes
*) Auch über diesen Ausbruch handelt eine eigene Schrift: Eelation om det forskrsekkelige Vaudfaid og Exundation af Bjerget Katlagiaa paa island. (Kopenhagen, 1726.)
115
wie schreckliches Feuerwerk. Nicht allein die Spitze des
Berges, sondern der ganze Himmel war voller Feuer und
Flammen, und insbesondere, wenn die blitzähnlichen Kugeln
zersprangen, war es so hell wie am Tage. Beständig stand
über dem Berge eine Feuersäule, die allerhand Gestalten
und Farben zeigte, und dabei hörte man stets ein Brausen
und Krachen und heftiges Knallen wie von dem gröbsten
Geschütz. Überdies war die Luft mit einem unerträglichen
Schwefelgeruch angefüllt, der nebst der feinen Asche in
Nase und Mund drang. So folgten die Erscheinungen mehr
oder weniger stark aufeinander bis zum 28. October. Die
Asche verbreitete sich bis zu den Färöern. Im Jahre 1756
gerieth der Vulcan noch fünfmal in Aufregung. Die Wasser
fluten hatten alle Holzungen und Weiden mit Asche, Sand
und Steinen begraben. Gegen fünfzig Bauernhöfe mussten
ganz verlasse^ werden. Viele Pferde und einige Menschen
wurden vom Blitz getödtet. Der Sölheimajökull schien
sich heftig auf- und niederzubewegen und zuletzt doppelt
so hoch zu werden als vorher!“
Der letzte Ausbruch der Katla fand im Jahre 1860
statt.
Der zweigipfelige E j j a fj a 11aj ö k u 11 (vgl. oben
S. 104), welcher zu derselben Gruppe von Gletschern gehört
wie die Katla, hat zwei Ausbrüche gehabt, die aber keinen
großen Schaden angerichtet haben: hingegen hat in der
K r at e r r e i h e des L a k i, (östlich von dem Skaptargljüfur in der Vestur-Skaptafells Svsla) im V a r m a r d a l u r
im Jahre 1783 der schr e ckl i c hs t e Vulcanausbruch
stattgefunden, der seit der Besiedelung der Insel auf Island
bekannt ist. Wir geben davon eine ausführlichere Be
schreibung, welche wir wieder dem öfter genannten Werke
von W. Preyel* und F. Zirkel entnehmen. „Der Winter,
welcher dem Jahre 1783 vorangieng, zeichnete sich durch
ungewöhnliche Milde und wenig Frost aus, gerade wie der,
dem die heftige Eruption der Hekla 1766 folgte. Vom
1. bis 8. Juni 1783 wurden die Bewohner der Ümgegend
durch ziemlich rasch aufeinanderfolgende Stöße eines Erd
bebens in Schrecken gesetzt, welche, da ihre Gewalt Tag
für Tag fortwährend wuchs, keinen Zweifel mehr gestat
teten, dass irgend öin heftiger vulcanischer Ausbruch statt
Vulcanc.
8*
Vulcane.
116
finden werde. Sie ließen alle ihre Gehöfte im Stiche,
schlugen auf freiem Felde Zelte auf und erwarteten in
banger Spannung den Ausgang dieser schreckenerwecken
den Vorbereitungen. Am Morgen des 9. verfinsterte eine
dichte Rauchwolke, welche aus dem Berge aufstieg, die
ganze Luft. Ein eintretender starker Südwind verhinderte
zwar die Aschensäule, die Gehöfte, welche das Kirchspiel
Si3a bilden, zu erreichen; aber die Heide und die der
Gemeinde zugehörigen Weiden, die zwischen ihnen und
dem Vulcan liegen, wurden vollständig mit Asche und
Bimsstein überschüttet. Laute unterirdische Knalle, feurige
Wolken, leuchtende Blitze folgten nun rasch aufein
ander. Die Hitze, welche im Innern des Vulcans wütkete,
schmolz eine unermessliche Menge Eis, wodurch ein heftiges
Anschwellen aller Flüsse veranlasst wurde, die in diesem
Theile der Insel ihren Ursprung haben. Am 11. brach
ein mächtiger Lavastrom aus dem Berge und nahin beim
Weiterfließen eine südwestliche Richtung durch den Ulfarsdalur, bis er den Skaptäfluss erreichte, wo ein heftiger
Kampf zwischen den beiden Elementen entbrannte, be
gleitet von der Entwickelung einer erstaunlichen Menge
dichten Dampfes; aber endlich neigte sich der Sieg auf
die Seite des Feuerstroms, und indem er sich einen Weg'
quer durch das Bett des Flusses bahnte, trocknete er diesen
in weniger als 24 Stunden vollständig aus, so dass man am
12. in niedern Gegenden hier und da trockenen Fußes durch
die Skapta gehen konnte. Die geschmolzene Lava sam
melte sich hier in dem Flussbett, welches in senkrechte
Felsen eingeschnitten ist, und an manchen Stellen 400—600
Fuß Tiefe und nur 200 Fuß Breite hat und füllte es in einem
Tage gänzlich bis an den Rand an, sodass die gegenüber
stehenden Berge nunmehr zu einer Ebene verbunden waren
und der Feuerstrom an den niedrigen Uferstellen noch
weit über die Ebene sich ausbreitete. Dem Verlauf des
Flussbettes mit reißender Schnelligkeit folgend wälzte sich
die furchtbare gltikendrothe Masse auf die Gehöfte an
beiden Seiten zu und zerstörte die zu Hvammur und Svinadalur auf dem rechten und das zu Skaptardalur auf dem
linken Ufer. Nachdem der Lavastrom die Pachthöfe Svartinüpur und Litlanes verheert, welche der Kirche zu BulancL
117
angehören, war er am Abencl des 11. bis nach Äsar vorge
drungen, wo er augenblicklich die Häuser, Weiden und
Wiesen verbrannte. Donner, Blitz und Erdbeben hatten
noch nichts von ihrer Heftigkeit verloren; die Ohren
zeugen berichten von dem Gebrüll des Berges, welches sie
mit dem eines Ungeheuern Kessels verglichen, in dem eine
flüssige Masse im heftigsten Kochen begriffen ist, oder dem
Geräusch einer großen Anzahl Blasebälge, die mit betäuTbender Macht in einen glühenden Ofen blasen. Dicht vor
den Weideplätzen von MeÖalland wurde die brennende Flut
durch einen großen und tiefen Abgrund im Bette der
Skapta aufgehalten, in welchen sie mit schrecklichem
Getöse hineinstürzte. Als die Ausfüllung der Spalte been
digt war, staute sich die Lava, deren Masse durch fort
währende Ergüsse immer mehr anschwoll, an den steilen
Ufern des Flussbettes zu einer bedeutenden Höhe auf. In
der Nacht von dem 14. auf den 15. überschwemmte ihr
westlicher Rand das Gehöfte Nes, welches sie mit allen
Holzlanden und Wiesen gänzlich verzehrte; der Haujristrom wurde nunmehr nach Osten gelenkt und lief dicht
neben den Höfen Skai und Holt vorüber, das Gehölz von
Brandaland verbrannte mit Stumpf und Stiel. Fortwährend
entflossen neue Ströme dem Krater, welche in die unter
irdischen Höhlenräume der früheren theilweise erkalteten
Lavafluten sich ergossen, •und während ihres Laufes unter
der gehärteten Rinde her zerbarst die Oberfläche, die
dem Dampfe keinen Ausweg gestattete, und mit don
nerndem Geräusch wurden manche Schollen zu einer
Höhe von 180 Fuß in die Luft geschleudert. Während
so die Ströme mit den großen in der feurigen Flut
schwimmenden Schlackenschollen übereinander gehäuft
wurden, gerieth das Wasser, welches mit ihnen in Berüh
rung kam, in das heftigste Kochen. Am 19. theilte sich
die Lava in zwei Ströme, wovon der eine mit nicht
minderer Schnelligkeit als die Tage vorher seine Richtung
nach Süden nahm und längs des Flusses Melkvisl in das
MeSalland floss, die Ufer des Flusses überströmte und in
der Ebene einen Feuersee von mehreren Meilen im Um
fange bildete; der andere, östliche, strömte durch das Kirch
spiel Sida hinweg und verbrannte die Gegend von SkalarYulcane.
Vulcane.
118
stapa; weiter stürzte die Flut mit unglaublicher Gewalt
bis gegen das Skälarfjall hin; hier hinderten Berge das
weitere Vordringen, die Lava dämmte sich hoch auf, wie
ein Bach durch Schleusen aufgestaut wird, und floss zurück
in die niedrigen Gegenden. Der Pfarrhof Skai, welcher
zwei aufeinander folgenden Lavafluten glücklich entgangen
war, ward durch siedendes Wasser überschwemmt, die
Kirche zu Hölmafell mit allen Häusern und Weiden durch
Feuer zerstört, ebenfalls die Höfe Hölmar, Sydri- und EfriFljöta, Botn und viele andere gänzlich niedergebrannt;
der größte Theil der ausgedehnten Weiden des .Hofes
Hnausar stand unter Wasser.
Vom 20. Juni bis zum 13. Juli fanden in einzelnen
Zwischenräumen wiederholte Ausbrüche statt und die
Lavamasse, welche mit verdoppelter Wuth aus dem Krater
hervorbrach, wuchs immer mehr an; gleichfalls die Zahl
der verwüsteten Höfe, Weiden und Felder von wildem
Korn; einer der östlichen Zweige folgte während einiger
Tage dem Bette der Skaptä, hemmte vollständig den Lauf
des Flusses Fjadra und stürzte von einer außerordentlich
hohen steilen Felswand, an der sonst ein Wasserfall Stapafoss herabschäumte, als glühende Feuercascade in die Tiefe,
wo er den Abgrund, welchen dieser Wasserfall im Laufe
von Jahrhunderten ausgehöhlt hatte, gänzlich ausfüllte.
Während die Gemeinden von Skaptärtünga, MeSfalland,
Landbrot und Sida durch diese schrecklichen Ereignisse
heimgesucht wurden, priesen die Einwohner von Fljöts
hverfi sich glücklich, dass sie nur die Verwüstung der Vege
tation durch den Regen von rothglühenden Lavabrocken
und Aschen, sowie -die Schwängerung der Luft und des
Wassers mit schädlichen Stoffen zu beklagen hatten; zwar
waren sie zweimal in eine fast vollständige Finsternis eingehiillt worden, vorzüglich am 23. Juni, sodass es beinahe
unmöglich war, zur Mittagszeit die eigenen Hände zu
sehen; allein sie lebten der Hoffnung, dass die Lavaquelle
bald versiegt sein und der verheerende Feuerstrom die
Richtung, die er ursprünglich angenommen, nicht verändern
würde. Doch am 3. August wurden sie durch den Anblick
von mächtigen Dampfwolken in Schrecken gesetzt, welche
aus dem Fluss Hverfisfljot aufstiegen; und als das siedend
119
heiße Wasser endlich ganz austrocknete, begannen sie zu
ahnen, dass demselben Schicksal, welches die westlichen
Kirchspiele betroffen, auch sic nicht entrinnen würden.
Die Lava, welche genöthigt war, einen neuen Lauf anzu
nehmen, ergoss sich in jenen Strom, und die brennende
Flut lief jetzt das abschüssige Bett desselben hinab. Nach
dem sie dasselbe bis zum Rand ausgefüllt hatte, über
schwemmte sie die ausgedehnten Niederungen auf beiden
Seiten, und gegen Abend des 9. hatte sie sich innerhalb
weniger Stunden bis zu einer Entfernung von 1V2 Meilen
auf der Ebene ausgebreitet und auf ihrem Wege die Meier
höfe Eystradalur und Dverärdalur zerstört, deren Gebäude,
Wiesen und Weiden nunmehr so vollständig verschüttet
sind, dass man die Stelle nicht mehr aufzufinden vermag,
wo sie ehemals gestanden haben. Dieser Zweig der Lava
hörte gegen Ende August auf, die niedrige Gegend zu
überfluten, doch drangen auch noch später abwechselnd
Feuerströme aus dem Vulcan * erst nach und nach be
ruhigte er sich und nur ganz allmählich endigten alle
diese schrecklichen Phänomene. Bis zum Ende dieses
Jahres sah man Rauchsäulen an allen Stellen aus der
Lava empor wirb ein und mehrere Jahre nach dem Aus
bruch war diese noch nicht vollständig erstarrt.
Die größte Länge der Lavaströme vom Vulcan an
der Skaptä vorbei bis nach Hnausar im Medalland beträgt
10 —11 dänische Meilen, ihre größte Breite in den Niede
rungen 3 Meilen; der Zweig, welcher dem Hverfisfljöt
nachfloss, ist 9 Meilen lang und 2 Meilen breit; obgleich
die Lava sich an einzelnen Stellen zwischen Felsen
5—600 Fuß hoch aufgethürmt hatte, so kann man ihre
mittlere Höhe in den ebenen Gegenden nicht viel über
20 Fuß ansetzen.
Die Folgen dieses Ausbruchs waren die schrecklichsten
und traurigsten; die Lava hatte alles, was sie in ihrem
Laufe ereilte, verbrannt. Die Aschen- und Bimssteinaus
würfe, zu einer unermesslichen Höhe in die Atmosphäre
getrieben, verbreiteten sich über die ganze Insel; in den ent
ferntesten Districten war die Menge dieser Stoffe beträchtlich ;
sogar auf den Faröer-Inseln war der Boden damit bedeckt;
schädliche Dünste verhüllten die Strahlen der Sonne und
Vulcane.
120
Vulcane.
vergifteten alles, was den Hunger und Durst der Menschen
und Thiere zu stillen vermochte. Hungersnoth und skorbutartige Krankheiten rafften eine große Menschenmenge weg;
in manchen Häusern war kaum ein Gesunder geblieben,
der die Kranken pflegen oder die Todten beerdigen konnte.
37 Bauernhöfe wurden verwüstet, wodurch über 400 Men
schen ihr Obdach verloren. Auch unter dem Rindvieh,
den Pferden und Schafen brach eine ansteckende Seuche
aus. Die an Hunger und Krankheit umgekommenen Thiere
wurden von den Einwohnern verzehrt, wodurch sie um so
mehr an jenem Skorbutübel litten; dann griffen sie zu
ungegerbten Häuten, altem Leder, Stricken, die sie kochten
und mit Gier verschlangen; auch der Fischfang, ein Haupt
nahrungszweig der Isländer, wurde 1783 sehr eingeschränkt.
Das Elend, welches sich hauptsächlich von jenem vulcanischen Ausbruch herschreibt, häufte sich in solchem Maße
an, dass nach officiellen Berichten in dem kurzen Zeit
raum von zwei Jahren nicht weniger als 9336 Menschen,
28.000 Pferde, 11.461 Stück Rindvieh, 190.488 Schafe um
kamen.“ Man behauptet, dass in der Lava, welche von
diesem Ausbruch herrührt, ebensoviel Stein sich befinde
als am Mont-Blanc.
Auch am Südrande des Vatnajökull, nordöstlich vom
Fljötshverfi, haben oft Ausbrüche stattgefunden.; aber alle
Ausbruchsstellen sind noch unbekannt. Der größte Vulcan
im Vatnajökull ist der Orsefajökull, obschon derselbe
nicht viele Ausbrüche hatte, hat er doch großen Schaden
angerichtet, namentlich durch schlimme Gletscherstürze.
Ein Ausbruch des Örsefajökull in der Mitte des 14. Jahr
hunderts verwüstete zwei Kirchspiele sammt den Kirchen
(bei Hof und Raudakekur), das ganze Litlaherad wurde
vom Gletschersturz verwüstet, und 40 Höfe wurden an
einem Morgen mit Allem, was sich darin befand, in’s
Meer hinaus gefegt, wobei nur wenig Menschen das Leben
retteten. Es wurde so viel Stein, Kies und Sand dahin
geschwemmt, dass dort, wo das Meer früher 30 Ellen tief
war, jetzt eine flache Sandstrecke sich befindet. Damals
wurde auch ein großer Theil des Hornafjördur und des
Lönshverfi durch Aschenregen verwüstet, und Bimsstein
und Asche nördlich und westlich über das Land hingetragen.
Vulcane.
121
Der letzte Ausbrach des Örsefajökull fand im Jalire
1727 statt. Ein Augenzeuge dieses schrecklichen Ausbruchs,
der Probst Jon Dörläksson beschreibt denselben wie folgt:
„Im Jahre 1727 am 7. August, dem zehnten Sonntag nach
Trinitatis, stand ich, nachdem der Gottesdienst in der
Hauptkirche zu Sandfell angegangen war, vor dem Altar
und spürte unter meinen Füßen eine schwankende Be
wegung, die ich anfangs gar nicht achtete. Allein während
der Predigt nahm die Erschütterung immer mehr zu, so
dass allen Leuten angst wurde; jedoch sagte man mir, dass
dies schon oftmals vorgekommen sei. Ein abgelebter alter
Mann gieng zu einer Quelle unterhalb des Gehöftes, fiel
daselbst auf die Knie und beugte sich auf den Boden, wo
rüber die andern in ein Gelächter ausbrachen. Als er
aber zurückkam und ich ihn fragte, wessen er sich ver
gewissern wollte, antwortete er: Seid auf Eurer Hut, Herr
Pfarrer, es ist ein Brand in die Erde gekommen. In dem
Augenblicke sah ich nach der Kirchthüre hin, und es kam
mir sowie allen Anwesenden vor, als ob das ganze Ge
bäude sich krümmte und zusammenböge; ich ritt also
von der Kirche weg und konnte mich nicht enthalten
an des alten Mannes Worte zu denken. Als ich nun mitten
vor dem Eisberg Flaga war, und nach dessen Gipfel hinaufschäute, schien derselbe mir bald sich in die Höhe zu
heben und anzuschwellen, dann wieder zusammenzu
schwinden und in seine frühere Gestalt zurückzufallen.
Der Erfolg zeigte, dass ich darin auch nicht fehl gesehen
hatte; denn am Montag Morgen den 8. August, merkte
man nicht allein beständige und erschreckliche Stöße von
Erdbeben, sondern auch häufig Getöse und einen furcht
baren Knall, welcher dem Donner nichts nachgab. In dieser
Erschütterung wurde alles, was im Hause stand, umgeworfen, und es schien nicht anders, als dass alle Gebäude
und Berge über den Haufen gestürzt werden sollten; doch
blieben die erstem noch stehen. Der größte Schrecken
aber entstand dadurch, dass kein Mensch errathen konnte,
woher das Unglück komme und wohin es sich wenden
würde. Vormittags nach 9 Uhr hörte man drei über die
Maßen heftige Knalle, und augenblicklich darauf brachen
mehrere Wasserströme hervor, von denen der letzte der
122
Vulcane.
stärkste war, und Pferde und alle Thiere, die er in seinem
Laufe ereilte, mit sich fortriss. Als diese Wassergüsse
vorüber waren, schoss der Eisberg selbst in die Ebene
hinab, genau so, wie wenn geschmolzen Metall aus dem
Tiegel ausgegossen wird, und er füllte die Thalebene zu
solcher flöhe aus, dass ich von dem bekannten Berg
Lomagnupur nichts mehr entdecken konnte als ein Stück
chen, wie ein Vogel so groß. Darauf flutete das Wasser
ohne Unterlass an der Ostseite heraus und zerstörte das
wenige, was noch von Grasweiden übrig geblieben war.
Die weinenden Weiber und die rathlos umherlaufenden
Nachbarn waren ein betrübender Anblick. Da ich aber
merkte, dass der Wasserstrom nach meinem Hofe hinlenkte,
brachte ich meine Kinder und Leute auf den Gipfel eines
hohen Felsens am Berge Dalskardstorfa; hier ließ ich
ein Zelt .aufschlagen und alles, was der Kirche gehörte,
nebst Nahrungsmitteln, Kleidern und den nothwendigsten
Geräthen hinschaffen, denn ich machte den Schluss, dass,
wenn auch der Berg noch an einer anderen Stelle aus
bräche, diese Anhöhe am längsten verschont bleiben würde.
So überließen wir uns denn dem Willen Gottes und blieben
daselbst. Nunmehr aber veränderte sich der ganze Anblick,
denn der Jökull selbst erlitt einen Ausbruch und einige
von seinen Eisklumpen liefen sehr weit in die See hinaus,
die dicksten aber blieben auf der Ebene zurück in einer
geringen Entfernung vom Fuß des Berges. Hierauf flog
unter beständigem Knallen und Toben Feuer und Asche so
dicht in der Luft umher, dass man kaum den Tag von der
Nacht unterscheiden konnte; die durch die Aschenwolken
verursachte Finsternis war bloß durch den Schein des
Feuers erhellt, *welches aus fünf oder sechs Spalten im
Berge hervorbrach. Auf diese Weise nun ward das Kirch
spiel Örsefa drei Tage hintereinander durch Feueraus
brüche, Wasserergüsse und Aschenregen heimgesucht ; es
lässt sich aber lange nicht so arg beschreiben, wie es in
der Wirklichkeit war, denn die ganze Erdoberfläche sah
kohlschwarz aus und man konnte unter freiem Himmel
nicht sicher sein, weil glühende Steine aus der Luft nieder
fielen, wogegen manche ihren Kopf mit Eimern und
Wannen schützten. Den 11. ward es ein wenig helle in der
123
benachbarten Gegend, der Eisberg aber fuhr noch immer
fort, Rauch und Flammen auszuspeien. An diesem Tage
ritt ich mit drei andern aus, um zu sehen wie es um den
Kirchort Sandfell stände, wo die Gefahr am größten war.
Diese Reise war gefährlich, denn man konnte nirgends fort
kommen als zwischen dem Jökull und demjenigen Eis
berg, der in die Ebene geschleudert worden, wo das
Wasser so heiß war, dass die Pferde reißaus nehmen
wollten. Als wir aber schon Hoffnung hatten, glücklich
hindurchzukommen, blickte ich zufälligerweise hinter
mich und ward eine neue, von oben herabstürzende Flut
siedenden Wassers gewahr, die, wenn sie uns ereilte, uns
unvermeidlich mit sich fortgerissen hätte. Ich gerietli
also auf den Einfall, auf Eis hinzureiten, und rief meinen
Gefährten zu, sie sollten mir .eiligst folgen; auf diese
Weise entgiengen wir der Gefahr und kamen glücklich
nach Sandfell. Der ganze Hof nebst zwei Bauernhtitten
war bis auf die Wohngebäude und wenige Flecken von
den Dungweiden verheert worden, die Leute standen in
der Kirche und weinten. Die Kühe waren wider jegliche
Vermuthung sowohl hier wie anderwärts dem Unfall ent
gangen und standen brüllend neben einigen zerstörten
Heuschobern. Als der Eisberg ausbrach, hielt sich die Hälfte
der Leute, die zum Pfarrhof gehörten, in den vier kürzlich
erbauten Schafställen auf, und zwei Weiber nebst einem
halberwachsenen Jungen nahmen ihre Zuflucht auf das
Dach des höchsten davon; allein gleich darauf riss ein
Wasserstrom das ganze Gebäude mit sich fort, welches
nach dem Bericht der übrigen Leute der Gewalt des
darauf losstürzenden dicken Schlammes nicht zu widerstehen
vermochte, und soweit man sie mit dem Auge verfolgen
konnte, sah man jene drei unglücklichen Menschen an
dem Dache hängen. Das eine Frauenzimmer ward nachher
in dem ausgeworfenen Schlamme gefunden, aber es war
ganz verbrannt und so zerkocht, dass man den mürben
Körper kaum berühren mochte. Alles war in dem be
klagenswertesten Zustande; die Schafe waren verloren;
einige von diesen spülte die See todt ans Ufer im dritten
Kirchspiel westlich vom Örsefa. Es mangelte an Heil für
die Kühe, so dass man nur den fünften Theil derselben
Vuleane.
Vulcane..
124
füttern konnte, die meisten der Pferde, die nicht in die See
getrieben worden waren, wurden später ganz verstümmelt
aufgefunden. Der Berg fuhr fort, Tag und Nacht zu brennen,
vom 8. August an bis zu Anfang des Sommers im April
monat des folgenden Jahres. Im Anfänge des Sommers
konnte man die Steine vor Hitze gar nicht anrühren, und
Rauch auszusenden hörte er erst gegen Ende des Sommers
auf. Einige Steine waren verbrannt und vollständig ver
schlackt ; andere schwarz und voller Löcher, andere so
locker, dass man hindurch blasen konnte. Die meisten
Pferde, welche nicht ins Meer hinausgetrieben waren, fand
man ganz zerquetscht. Der östliche Theil des Kirchspiels
Sicfa war durch Sand und Asche verwüstet und es musste
viel Vieh abgeschlachtet werden. Am ersten Soramertage
des Jahres 1728 gieng ich mit einem vornehmen Mann,
um die Ritzen im Berge zu untersuchen, welche meistens
so groß waren, dass man hineinkriechen konnte. Ich fand
hier Salpeter, den ich aber nicht sammelte, weil ich mich
nicht gern lange in der großen Hitze aufhalten mochte.
An einer Stelle lag ein schwerer verbrannter Stein quer
über einer großen Spalte; da er nur auf einer kleinen
Grundfläche ruhte, so stießen wir ihn in den Abgrund
der Kluft hinein, wir konnten es aber gar nicht hören,
wann er den Boden erreichte. Dieses ist nun das Merk
würdigste, was ich von diesem Berge zu melden habe;
ich muss aber noch hinzufügen, dass ein Bauer mir erzählte,
er habe, ehe das Feuer ausbrach, im Berge Laute (iöklarhljö3) gehört, die Seufzern und einem starken Geplauder
glichen, wenn er aber genauer aufmerken wollte, so habe
er nichts vernehmen können. Dies machte mich auch
neugierig und ich kann nicht leugnen, dass mir dasselbe
begegnete, wie denn auch bei andern Feuerausbrüchen
dasselbe bemerkt worden ist. So hat mich denn Gott
durch Feuer und Wasser, durch mancherlei Trübsal
und Widerwärtigkeiten bis in mein achtzigstes Jahr
geführt. “
In den isländischen Jahrbüchern wird oft erwähnt,
dass in den G rim sv ö tn ein Ausbruch stattgefunden
habe, aber man weiß nicht genau, wo diese sich befinden.
Viele glauben, dass darunter das Wasser gemeint gewesen
125
sei, welches oberhalb des Nupstadaskögur am südlichen
Fuße des Vatnajökull gelegen ist.
Auch im n ö rd lich e n Theile des V a t n a j ö k u 11
haben Ausbrüche stattgefunden, doch ist die Ausbruchs
stelle unbekannt.
Einen großen Complex von Vulcanen bilden die
K v e rk fjö ll, am Rande des mittleren nördlichen Theiles
des Vatnajökull. Durch einige heftige Erderschütterungen
ist diese Bergmasse auseinandergeborsten und durch die so
entstandene Spalte hat ein Schreitgletscher des Vatnajökull
den Weg direct in das angrenzende Land hinabgefunden
es haben hier aller Wahrscheinlichkeit nach nicht nur in
diesem, sondern auch in vorigem Jahrhunderte und schon
früher (wie viele Spuren zeigen) Ausbrüche stattgefunden.
Bei einem Ausbruch im Herbste 1717 fiel so starker Aschen
regen im Dingeyjarfiing, dass das Heu verdorben wurde
und die Asche bis an die Mitte der Waden reichte. Die
selbe wurde bis zum Eyjafjörcfur und zum Svarfadardalur
und noch weiter nach Westen getragen. Auch die Aus
brüche, die man in den Jahren 1867 und 1873 in der
Wildnis nördlich vom Vatnajökull beobachtet hat, sind
ohne Zweifel aus den Kverkfjöll erfolgt. Im Jahre 1876
sah man Rauch von diesen Bergen.
Viele vulcanische Krater und Berge gibt es im Oda3ahraun ; doch ist von den Ausbrüchen derselben wenig be
kannt. Hier sind vor allen zu nennen die D y n g ju fjö ll
(vgl. oben S. 82), die fast in ihrer ganzen Ausdehnung
erst vor Kurzem (im Sommer 1884) von Thoroddsen ge
nauer erforscht wurden. Dieselben umschliessen in ihrem
mittleren Theile ein rundes, kegelförmiges, 3100—*3500'
über dem Meere gelegenes, ungefähr 1 []M . im Umfang
messendes Thal, A sk ja genannt, in dem sich eine An
zahl von Kratern befindet, aus denen zu verschiedenen
Zeiten Ausbrüche erfolgt sind. Das Thal selbst aber ist
nicht, wie früher angenommen wurde, als e i n Hauptkrater,
das Resultat eines großen vulcanischen Ausbruchs anzu
sehen. Die letzte Eruption fand hier im Jahre 1875 statt.
Es ist dabei ein beträchtliches Stück Bodens im südöstlichen
Theile des Thaies eingesunken und an der tiefsten Stelle
bildete sich ein See. Während aber dieser See im
Vulcane.
Yulcane.
126
Jahre 1876 fast kreisrund, klein (4000 Fuß im Durch
messer) und von' dunkelgrüner Farbe war, und eine
Temperatur des Wassers von 22° C. hatte, füllt er jetzt
die ganze durch das Einsinken des Erdreichs entstandene
Vertiefung aus, ist 10.000 Fuß lang und weist nur mehr
eine Temperatur von 14° auf. Der Krater, der im Jahre 1875
bei seinem Ausbruche das Ostland mit Bimsstein und Asche
bedeckte, liegt in der nordöstlichen Kante der Kluft und
misst 300 Fuß im Durchmesser und 150 Fuß in der
Tiefe; sein äußerer Umkreis ist flach und mit vuloanischer
Asche angefüllt, seine innere Seite ist cylindrisch und
senkrecht. Während dieser Krater im Jahre 1876 nur
Dampf ausschickte, bildet er jetzt einen Schlammkessel,
dessen Farbe am Grunde grau, in’s Blaugrüne spielend,
ist und der unaufhörlich siedet und brodelt. Auch in der
südöstlichen Ecke der Einsenkung ragen einige Krater
aus dem Wasser hervor, aus deren bienenkorbförmiger
oberster Spitze Dampfwolken über die Gipfel der Berge
emporsteigen, und der Lärm und das Getöse, welches sie
hervorbringen, wird schon aus weiter Entfernung gehört
und lautet, als ob aus einer großen Anzahl von Dampf
kesseln gleichzeitig der Dampf ausgelassen würde. Viele
dieser Schlammvulcane setzen auch Schwefel ab. „Die
Natur ist hier großartiger und imposanter als an irgend
einem anderen Orte Islands, den ich gesehen habe, und
derjenige, der je einmal am Rande dieser Erdeinsen
kung gestanden hat, vergisst diesen Anblick niemals,“
sagt Thoroddsen. (Vgl. t>. Thoroddsen, Brjef ur Ödädahrauni, I in Isafold XI. 36. 10. September 1884.) —
Bei dem mehrerwähnten Ausbruche im Jahre 1875 fiel
Asche nicht nur über das ganze Ostland und richtete
großen Schaden an, sondern es wurde dieselbe vom
Winde sogar bis nach Norwegen und Schweden ge
tragen, wobei sie gute vierundzwanzig Stunden unter
wegs war. Das Merkwürdige bei diesem Ausbruche
war, dass gar keine Lava zum Vorschein kam. Die
Dampfentwicklung ist so enorm stark gewesen, dass
der Dampf die geschmolzenen Steinmassen nicht als
Ströme ausfließen ließ, sondern als Bimsstein ausge
blasen hat.
127
Nordöstlich von den Dvngjufjöll und westlich von den
Herdubreid liegt ein Gebirgszug, welcher Dvngjufjöll ytri
oder auch Herdubreidarfjöll genannt wird. Am Südende
desselben befindet sich der große Yulcan D y n gj a oder
K ollö tta Dy ngj a (vgl. oben S. 82), nach dem die Dyngjutjöll benannt wurden. Derselbe erhebt sich auf allen Seiten
mit einer Steigung von 8—9° und ist an Gestalt sehr
ähnlich dem berühmten Skjaldbreidur im Süden, jedoch
höher als dieser (3600'). Thoroddsen hat ihn am 19. Juli
1884 zum ersten Male bestiegen. Der ursprüngliche Krater
misst 1500 —1600' im Durchmesser und ist bald nach
seiner Entstehung theilweise mit Lavamassen an gefüllt
worden. Der mittlere Theil desselben erscheint jetzt als
ein grosses Lavafeld, in dessen Umkreis sich zwölf spitzige
Lavasäulen erheben. In der Mitte dieses Planums befin
det sich wieder ein enormer Krater von 400—500 Fuß im
Durchmesser und 600—700 Fuß Tiefe. „Es ist beinahe un
möglich, sich in der Phantasie etwas Überraschenderes aus
zumalen als den Blick über den Rand des Kraters hinab in
diesen steilen Abgrund“ (Thoroddsen in „Isafold“, XL 35.)
Nordwestlich von der Kollötta Dyngja befindet sich
ein anderer Yulcan, der zwar niedriger als die Dyngja,
aber von gleichem Umfange ist. Thoroddsen hat den
selben „K e r 11 n g ar Dyn gj a“ benannt.
Die T rö lla d y n g j a oder der Skj a ld b r ei dur (vgl.
oben S. 82) ist gleichfalls ein großer Yulcan. Der Krater
desselben ist länglich und schachtelförmig und misst
200 Fuß im Durchmesser. Es kann jedoch für sicher
gelten, dass die Trölladyngj a seit der Besiedelung Islands
keine Eruption gehabt hat, denn die Lava, welche sich
aus ihr in überreichlicher Menge ergossen hat, ist sehr alt.
Wenn in den isländischen Annalen von Eruptionen der
T r ö llu d y n g j ur berichtet wird, so sind unter diesen
Trölludyngjur zweifelsohne die Dvngjufjöll, oder vielmehr
die Vulcane des Odadahraun im Allgemeinen gemeint, da
ja die Ausbruchsstelle in diesen selten oder nie besuchten
Gegenden natürlich nicht mit Genauigkeit angegeben wer
den konnte. ®) Die eigentliche Trölladyngja ist zum ersten*)
Yulcane.
*) Die Annalen berichten ja auch von einer Eruption der Herchibreid und man lähmte geneigt sein daran zu glauben, wenn man
Yulcane.
128
Male im Jahre 1875 von dem Engländer Watts und im
vorigen Jahre neuerlich von Thoroddsen bestiegen worden.
Auch nördlich von den Dyngjufjöll, im Myvatnsörsefi,
fand im Jahre 1875 ein Ausbruch statt und zwar in der
Nähe der S v e in a g ja . Mitten auf dem Weg zwischen
Grimstadir und Keykjahlid öffnete sich plötzlich eine zwei
Meilen lauge Spalte, längs welcher sich gegen ein Dutzend
vulcanische Kegel aufbauten, die 10.000 Kubikfuß Lava aus
warfen, welche sich über die flache Strecke ergoss und
alle Vertiefungen des Terrains ausfüllte. Die Höhe der
Krater beträgt 70—108' und die Ebene, auf welcher der
Ausbruch erfolgte, liegt 1100—1400' über dem Meere.
Dieser Ausbruch verursachte übrigens keinen besonders
großen Schaden.
Nirgends auf Island befinden sich aber so viele Krater
und Lavaströme in so enger Nachbarschaft beisammen als
um den See M yvatn in der Sucfur Dingeyjar Svsla, be
sonders in der Gegend östlich vom See. „Myvatn und seine
Umgebungen sind das wahre gelobteLancl der Vulcane,“
sagt A. Elelland; „denn hier gibt es überall Lavaströme und
Krater, und es herrscht beständig etwas Leben in der
vulcani sehen Thätigkeit, indem die Solfataren, Fu marölen
und Schlammvulcane hier noch immer ihr Spiel treiben.“
Und doch kennt man in dieser Gegend nur einen großen
vulcanischen Ausbruch, der im vorigen Jahrhundert statt
fand ; allerdings dauerte derselbe mit einzelnen Unter
brechungen im Ganzen 6 Jahre, nämlich von 1724—1729.
Es ist aber von den Vulcanen in der Umgebung des
Myvatn mit Unrecht die K ra fla am berühmtesten; denn
die größten Verwüstungen, von denen die Umgebung des
Myvatn in den Jahren' 1724 —1729 heimgesucht wurde,
giengen nicht so sehr von der Krafla als vpn einem anderen
in der Nähe liegenden Vulcane, dem L e i r h n u k u r (d. h.
Lehmhöhe), aus. Zuerst eröffnete allerdings die Krafla die
Ausbrüche, indem sie am 17. Mai 1724 aus einem Krater —
diesen Berg* ringsum von Lava umgeben siebt. Es ist nun aber auf
das Bestimmteste festgestellt worden, dass die Herdubreid kein Vulcan
ist und die Lava von den Kratern der Dyngjufjöll herrührt. Es wird
sich denn auch in jenem Berichte der Annalen vielmehr um einen Aus
bruch der Dyngjufjöll handeln.
129
Helviti oder Viti (d. h. Hölle, Höllenpfuhl) — ungeheure
Massen von Asche und Bimsstein auswarf. Lavaströme
aber haben sich aus der Krafla nie ergossen. Seinen Ruf
hat dieser Berg, wie gesagt, durch Verwechselung mit der
Vulcanreihe des Leihnukur, sowie auch durch den eben
genannten merkwürdigen „Höllenpfuhl“ erhalten, der noch
lange nach der Eruption in gräulicher Thätigkeit eines
eklen, rauchenden und brodelnden Pfuhles verharrte, der
seinen Namen mit Recht verdiente. Nunmehr hat sich der
selbe in einen runden See von tiefgrüner Farbe ver
wandelt, der gutes k a lte s Wasser enthält, das dem
Reisenden sehr willkommen ist. Nur in der Nähe des
selben linden sich noch einige kleine Schwefelquellen und
kochende Pfützen, welche an das unterirdische Feuer
erinnern, welches einst hier gewüthet hat. Wie lange
aber wird dies so bleiben?
Ganz anders rasten, wie gesagt, die Krater im L e irh n u k ur. „Am 11. Juni 1725 entstand während eines
äußerst heftigen Erdbebens ein ausgedehnter Krater in
diesem Berge, aus welchem Feuersäulen und Rauchwolken
aufstiegen und Asche und Lavamassen in großer Menge
ausgeworfen wurden. Bis 1726 tobte dieser Berg fast
ununterbrochen fort, und viele warme Quellen und Schwefel
pfühle hatten sich während dieser Zeit gebildet. Im Jahre
1727 drangen aus den Schlünden wiederum Lavaströme
hervor, welche die nordöstliche Gegend zu einer vollstän
digen Wüste machten; 1728 war die dritte Eruption und
1729 die vierte und letzte, bei der am 60. Januar ein
Lavastrom die umliegende Gegend mit der Schnelligkeit
einer Wasserflut überschwemmte, und am 6., 7. und
27. Juli sich wieder mehrere Lavaströme aus den Kratern
und Seitenöffnungen selbst bis zum Myvatn ergossen.
Die starren Lavaströme mit ihren bizarren Formen win
den sich durch die Einschnitte zwischen den einzelnen
Bergen, das Bett der erstarrten Feuerflut. Die drei Feuer
schlote sind in nordöstlicher Richtung gruppiert — es sind
zerborstene, senkrecht in die Tiefe stürzende Schlünde von
cylindrischer Rundung mit einem Schlackenkranz umgeben.
Asche, braune, schwarze und rothe Lavastücke in den
sonderbarsten Gestalten, manchmal zu seltsamen Figürchen
Vuleane.
p o e s t i o n , Island.
9
Vulcane und Erdbeben.
130
erstarrt, bedecken die ganze Umgegend, es ist ein eigen
tümliches Gefühl, an der Stelle zu stehen, wo vor
131 Jahren die alles verwüstende, glühende Lava heraus
quoll; ringsum stille Einsamkeit, Todtenruhe, kein Mensch
oder Anzeichen eines Menschen zu erblicken, auch eine
erhebende Sonntagsfeier im Anstaunen der großartigsten,
gewaltigsten Kraftäußerungen der Natur.“
Bei diesem Ausbruche wurde der Hof Reykjahlid nebst
anderen Höfen verwüstet. Zu gleicher Zeit fanden auch
Ausbrüche im Hrossdalur, im Bjarnarflag und beim Reykjahlidarsel statt. Im Jahre 1477 hat eine Eruption im
Nordlande stattgefunden, die viel Unglück zur Folge hatte.
Manche meinen, dass auch dieser Ausbruch bei Myvatn
erfolgt sei.
Es gibt außerdem zahlreiche Vulcane auf Island,
welche vor der Besiedelung Islands Ausbrüche gehabt
haben und von deren Verwüstungen man noch jetzt die
deutlichsten Spuren sehen kann, so z. B. in der Um
gebung des Smefellsjökull, des SkjaldbreiJur und an vielen
anderen Orten.
Mit den vulcanischen Eruptionen sind immer auch
E rd b eb e n (isl. landskjalpti, jardskjalpti, m.) verbunden.
Solche sind auf Island auch sonst sehr häufig, obschon sie
selten großen Schaden anrichten; sie treten gewöhnlich in
der Umgebung der Vulcane auf.
Starke Erdbeben fanden im Jahre 1706 in den
Landschaften Ölfus (Ölves) und Flöi statt, wobei 24
Höfe einstürzten. Im Jahre 1755 giengen dem Ausbruche
der Katla im Nordlande, besonders im Norden der
Uingeyjar Sysla und um Hüsavik, starke Erdbeben
voraus, welche 6 Tage lang anhielten; es stürzten
dabei 20 Höfe ein; Bei Hüsavik fand auch im Jahre
1872 ein starkes Erdbeben statt. Niemals aber ist Island
von einem so heftigen Erdbeben heimgesucht worden,
als im Jahre 1784 (vom 14.—16. Aug.), ein Jahr
nach dem Ausbruche des Laki; am stärksten waren die
Stöße in der Arnes Sysla, wo 69 Höfe einstürzten und 372
Höfe und 11 Kirchen beschädigt wurden; in der Rangar-
131
valla Sysla stürzten 25 Höfe und außerdem noch 94 ein
zelne Gebäude auf Höfen ein. Auch die Schule in Skälholt sowie die meisten Häuser daselbst stürzten ein* die
Domkirche jedoch blieb unversehrt. Quellen verschwanden
und andere, besonders viele neue w arm e Quellen brachen
hervor, das Erdreich wurde von der Unterlage losgerissen,
und Bergschlipfe giengen nieder (am 14. August giengen
in Vördufell a Skeidum 36 Bergschlipfe nieder). Die
Erdwogen giengen hoch und häufig. Ein Mann, der
damit beschäftigt war, in einem Moor Torf zu stechen, stand
bald trocken, bald bis an die Knie im Wasser. Im Jahre
1789 fand ebenfalls ein ziemlich bedeutendes Erdbeben
statt, und das Land um Dmgvellir wurde mannigfach ver
ändert. Die Lava zwischen der Almannagjä und der
Hrafnagja sank beiläufig um eine Elle tiefer. Nicht unbe
deutende Erdbeben haben vom 2. bis 6. November 1884
im nordöstlichen Theile des Landes stattgefunden und
besonders an dem Handelsorte Husavik nicht unerheb
lichen Schaden angerichtet. Man zählte an diesen Tagen
zusammen nicht weniger als fünfzig stärkere und schwächere
Erdstöße. Die Gegend um Husavik scheint überhaupt nebst
der Landschaft Olfus von allen Orten Islands am meisten
heftigen Erdbeben ausgesetzt zu sein.
Vulcane und Erdbeben.
Ü b e r sic h t der v u lc a n is c lie n A u sb rü ch e und E rd b eb en a u f
Isla n d in der h isto r isc h e n Z eit.*)
Der erste vulcanische Ausbruch auf Island in historischer Zeit
fand aus dem Eidborg’ statt; (vgl. oben S. 112).
894. Erste Eruption der Katla.
934. Zweite Eruption der Katla.
1000. Eruption in Ölfus, Entstehung des Hurrarliraun.
1013. Erdbeben.
1104. Erste Eruption der Hekla..
1151. Erste Eruption der Trölladyngjur.
1157. Zweite Eruption der Hekla.
1164. Erdbeben in Griinsnes.
1184. Erdbeben.
1188. Zweite Eruption der Trölladyngjur.
1206. Dritte Eruption der Hekla.
*) Nach Horvaldur Thoroddsen in: Almanak hins islenzka Djod
vinafjelags um arid 1881, S. 46—48.
9*
132
Vulcane und Erdbeben.
1211. Eruption im Meer beim Vorgebirge Reykjanes und starke Erd
beben im »Südlande.
1222. Vierte Eruption der Hekla.
1226. Zweite Eruption im Meerbeim Vorgebirge Reykjanes.
1231. Dritte „ ' „ „ ,,
„
„
1238. "\ ierte ^
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^
^
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1240. Fünfte „
„ „ „
„
»
1245. Dritte Eruption der Katla.
1260. Erdbeben im nördlichen Th eile des Landes.
1262. Vierte Eruption der Katla.
1294. Fünfte (sehr starke) Eruption der Hekla.
1300. Sechste (die stärkste) Eruption der Hekla.
1308. Starke Erdbeben im Süden des Landes.
1311. Fünfte Eruption der Katla (Sturluhlaup).
1332. Eruption in Sida.
1339. Erdbeben im Süden Islands.
1340. Dritte Eruption der Trölladyngjur.
1341. Siebente Eruption der Hekla.
Eruption des Örsefajokull.
1343. Eruption der Raudukambar.
1340. Starke Eruption des Örsefajokull.
1360. Vierte Eruption der Trölladyngjur.
1370. Erdbeben in Ölfus.
1389. Achte Eruption der Hekla.
Fünfte Eruption der Trölladyngjur.
Eruption des Sidujökull.
1391. Erdbeben in Grimsnes.
1416. Sechste Eruption der Katla.
1422. Sechste Eruption im Meere beim Cap Reykjanes.
1436. Neunte Eruption der Hekla.
1477. Großer Sancl- und Bimssteinregen im Nordlande. Ort der Erup
tion nicht bekannt; (vgl. oben S. 130).
1510. Zehnte Eruption der Hekla.
Sechste Eruption der Trölladyngjur.
1546. Erdbeben in Ölfus.
1552. Erdbeben.
1554. Elfte Eruption der Hekla.
1578. Zwölfte „
„
1580. Siebente Eruption der Katla.
1581. Starkes Erdbeben in Rangarvellir.
1583. Siebente Eruption im Meere bei Cap Reykjanes.
1584. Erdbeben.
x
1597. .Dreizehnte Eruption der Hekla. Starkes Erdbeben bes. in Ölfus.
1598. Aschenregen im Nordlande.
Eruption bei den Grimsvötn.
Eruption des Örsefajokull.
1612. Eruption des Eyjafjallajökull.
1613. Erdbeben im Südlande.
1618. Starke Erdbeben in der Dingeyjar Sysla.
1619. Vierzehnte Eruption der .Hekla.
Vulcane und Erdbeben.
133
1624. Erdbeben in Floi.
1625. Achte Eruption der Katla.
1633. Erdbeben im Südlande.
1636. Fünfzehnte Eruption der Hekla.
1638. Eruption in der Wildnis im östlichen Tlieile des Landes.
1643. Erdbeben.
1657. Erdbeben in Fljotshlid.
1660. Neunte Eruption der Katla.
1661. Erdbeben.
1681. Eruption des Skeidarärj Ökull.
1685. Zweite Eruption bei den Grhnsvütn.
1693. Sechzehnte Eruption der Hekla.
1706. Starkes Erdbeben in den Landschaften Floi und Ölfus.
1716. Dritte Eruption in der Nähe der Gnmsvötn.
1717. Eruption der Kverkfjöll.
1721. Zehnte Eruption der Katla.
1724—30 Starke Eruptionen beim M/vatn.
1724. Eruption der Krafla.
1725. Eruption des Leirhnukur.
Eruption der Ebene Bjarnarflag (in der Nähe des Myvatn).
Zweite Eruption des Skeidarärjökull.
1727. Vierte Eruption des Örsefajökull.
Dritte Eruption des Skeiöarärj ökull.
Eruption des Leirhnukur.
1728. Eruptionen des Leirhnukur, im Hrossadalur, in der Ebene Bjarnar
flag, beim Keykjalilidarsel und in den Hekluhraun.
1729. Heftige Eruption des Leirhnukur.
1734. Erdbeben in Floi.
1749. Erdbeben in Ölfus.
1752. Erdbeben in «der Arnes Sysla.
1753. Zweite Eruption des SiÖujökull.
1754. Eruption in den Hekluhraun.
1755. Elfte Eruption der Katla.
Starkes Erdbeben bei Husavik.
1766. Siebzehnte Eruption der Hekla.
1774. Eruption in der Wildnis im östlichen Tlieile des Landes.
1783. Achte Eruption im Meere beim Cap Keykjanes.
Schreckliche Eruption im Varmardalur bei Skaptärgljufur und am
Hverfisfljot.
1784. Erdbeben in der Arnes Sysla (das stärkste Erdbeben auf Island
in der historischen Zeit.)
1789. Erdbeben. Veränderung der Almannagja.
1808. Erdbeben.
1810. Erdbeben östlich von der Hekla.
1815. Erdbeben im Norden.
1818. Gelindes Erdbeben im Südlande.
1821. Eruption des Eyjafjallajökull.
1823. Zw (Ufte Eruption der Katla.
1826. Erdbeben im Norden.
1829. Erdbeben im Süden.
134
Lavafelcler (hraun).
1830. Neunte Eruption im Meere bei Cap Eeykjanes.
1838. Erdbeben im Nord- und im Südlande.
1839. Erdbeben im Süden.
1845. Achtzehnte Eruption der Hekla.
1855. Leichtes. Erdbeben im Norden.
1860. Dreizehnte Eruption der Ivatla.
1862. Eruption in der Wildnis.
1863. Erdbeben beobachtet in Reykjavik.
1864. „
„ „
1867. Eruption in der Wildnis (in den Kverkfjöll?)
1868. Erdbeben im Südlande.
1872. Erdbeben bei Hüsavik.
1873. Eruption in der Wildnis (in den Kverkfjöll?)
1875. Eruption in den Dyngjufjöll und in der Sveinagja.
1878. „ im Hekluhraun.
1879. Zehnte Eruption im Meere bei Keykjanes.
1883. Erdbeben wahrgenommen in Reykjavik.
Eruption des Vatnajökull.
1884. Starke Erdbeben im nordöstlichen Theile des Landes.
Lavafelder (hraun).
In engem Zusammenhang mit den V.ulcanen stehen,
wie wir gesehen haben: Die L a v a fe ld e r (isl. sing, und
plur. hraun); dieselben bedecken mehr als 6600 km2
Islands und sind zum größten Theile vor 'der Besiedelung
der Insel entstanden. Sie befinden sich übrigens fast nur im
mittleren Theile des Landes und weder in Vestfirdir noch in
Austfirdir trifft man solche an. Auf Island finden wir den
größten Lavastrom der Erde, der im Jahre 1783 dem gewal
tigen Skaptarjökull entströmte. Auf den Lavafeldern wächst
nur sehr wenig, oder gar kein Gras; besonders entbehren
die Lavafelder, welche erst nach der Besiedelung der
Insel entstanden sind, des Graswuchses oder sie sind nur
hie und da spärlich mit Moos bedeckt. Die Oberfläche
der Lavafelder ist je nach dem darunter liegenden Terrain
und dem Orte, wo sie sich gebildet haben, verschieden.
Wo nur eine geringe Neigung vorhanden war, sind sie
flach und haben nur Streifen und kleine wellenförmige
135
Erhöhungen je nach ihrer Füllung; wo das Terrain aber
uneben oder steil ist, sind dieselben sehr schwierig zu
passieren, da hier Lavablöcke, Schlacken, Asche und große
Steine derartig durcheinander gemischt sind, dass man die
ganze weite Lavamasse mit dem Meere vergleichen kann,
wenn man sich dasselbe plötzlich in Sturm und tobendem
Unwetter zu Stein geworden denkt. Die oberste Kruste
der Lava kühlt sich zuerst ab und erstarrt unter dem
Einflüsse der Kälte und der Luft; die untere, flüssige
Lava hingegen rinnt noch weiter fort. Selbst wenn
der Ausbruch schon vorüber ist, fließt die geschmolzene
Lava oft noch unter der Kruste fort; diese sinkt später an
vielen Stellen ein, oder es bilden sich an verschiedenen Orten
Löcher und H öhlen (isl. hellir); hie und da berstet auch
die Kruste, wenn sie sich abkühlt und zusammenzieht,
und es entstehen dann große Sprünge und K lüfte (gja, f.,
plur. gjar). Lava oder hraun ist keine besondere Stein
art für sich, wohl aber eine Verschmelzung von verschie
denen Gesteinen vgl. unter: Gesteine und Mineralien.
Den Anblick eines isländischen Lavafeldes beschreiben
W. Preyer und P. Zirkel wie folgt:
„Die Erde ist wüste#>und leer und der Geist des
Todes schwebt über der Öde. Nichts Lebendes vermag
das weithin spähende Auge des durch die endlose Mono
tonie der Gegend ermüdeten Wanderers zu erblicken, und
wenn er vor sich auf den Boden niederschaut, entdeckt
er nur graue oder schwarze, wie verbranntes Papier aus
sehende Flechten, im günstigsten Falle ein rothes Leim
kraut, das wie ein aus dem Himmel herabgefallener
Blutstropfen daliegt und bescheiden sein kaltes Dasein
auf der nackten Lava führt. Hier ist das Leben erstarrt,
hier sind die Grenzen der organischen Schöpfung und
hier beginnt das Reich des Todes Treten wir die Wande
rung an durch dieses trostlose Reich, so sehen Avir uns rings
umgeben von den sonderbarsten Lavablöcken, von krater
artigen Lavahügeln, zerborstenen Lavafelsen, von bizarren
Gestaltungen des, wie es scheint selbst dem Roste der
Zeit trotzenden hraun, der in Jahrhunderten sich so wenig
verändert, dass es unmöglich ist, auch nur annähernd ohne
historische Nachrichten das Alter isländischer Lava zu
Lavatelcler (lirauu).
Lavafelder (braun).
136
erkennen. In wildester Regellosigkeit sehen wir sie bald
schollenweise phantastisch übereinander gethürmt, bald in
teigartigem Fließen erstarrt mit runzeliger Oberfläche,
bald wieder glatt. und schlüpfrig wie Eis, nicht selten
auch spaltenreich wie ein Gletscher. Dies alles aber ist
eine höchst einförmige Mannigfaltigkeit oder vielmehr eine
mannigfaltige Einförmigkeit, die sich immer gleich bleibt,
stets sich wiederholend wie die verschieden gestaltete und
doch so einförmige Welle des Meeres. Mit bewunderns
werter Geschicklichkeit springen die isländischen Pferde
über die Lavaspalten hinweg, die gleichsam nur auf einen
Fehltritt zu lauern scheinen, um Ross und Reiter ins Ver
derben zu ziehen. Häufig sind diese Spalten oder Risse,
die bei der Erkaltung der Lava durch deren Contraction
entstanden, mit Wasser angefüllt, in dem sich die seltsam
geschnörkelten Gebilde gar schön wiederspiegeln. Lassen
wir den Blick in die Ferne schweifen, so sehen wir ent
weder eisige Gletscherberge ihre schneebedeckten Gipfel
erheben oder den Horizont durch zackige Lava abgegrenzt.
Oft lehnt sie sich an eine Bergkette an, gleichsam das
Ufer des riesigen Stroms, mit dessen Eisgang ein neuerer
Reisender das isländische Lavafeld sehr treffend verglich.
Stundenlang schon reiten wir langsam und vorsichtig
durch dieses erstarrte Feuermeer und noch immer nichts
Lebendiges, nichts, was an organische Natur, geschweige
denn an Menschen erinnert; da ertönt ein seltsames
Krächzen aus einer mit Moos spärlich -bekleideten Lava
kluft, und im nächsten Augenblick fliegt scheu ein ein
sames Schneehuhn auf, fast der einzige Bewohner der
unwirtlichen Gegend. Es liebt es, am Saume einer Lava
ebene sich aufzuhalten, um, sobald es verfolgt wird, in die
unzugänglichen Spalten und Löcher zu flüchten, jedoch
sieht man es häufiger im Zwergbirkengehölz, wo es mehr
Nahrung findet.“
Die vornehmsten und größten Hraun auf Island sind:
Das Ö d ad ah rau n (d. h. das Lavafeld der Missethatenb Dasselbe ist ca. 100 □ M. groß und nördlich
vom Vatnajökull gelegen. Es erstreckt sich vom Skjälfandafljöt im Westen bis zur Jökulsa i Axarfircfi im Osten,
während die nördlichsten Zweige bis zum Myvatn hinauf
137
reichen. Diese ungeheure Lavawüste ist zum größten
Theile vor der Besiedelung Islands entstanden und von
verschiedenen Vulcanen und Kratern (vgl. oben Seite 125 ff.)
gebildet worden, verschiedene Lavaströme sind fdabei über
einander geflossen, so dass die Lavaschicht des Odädahraun
außerordentlich dick ist; dieselbe steigt auch immer mehr
an, je mehr sie sich gegen die Vulcane hinaufzieht. Fast
die ganze Wüste ist von Pflanzenwuchs entblößt; doch gibt
es einige mit Gras bewachsene Flecken am Saume des
Brauns, besonders gegenüber dem Bärdardalur in der Nähe
des Skjalfandafljöt. Hier befinden sich auch an vielen
Stellen Sandhügel und Flugsand, letzterer oft in solcher
Menge, dass er ganze weite Strecken bedeckt. Namentlich
der Nordsaum, des Odädahraun ist wegen seiner ausge
dehnten Sandstrecken, die bei stärkerem Winde wegen
des aufgewirbelten Flugsandes geradezu unpassierbar sind,
berüchtigt. Man hat daher die das Odadahraun umgeben
den Sandwüsten nicht mit Unrecht als eine Art „ islän
d isch e S ah ara“ bezeichnet. Sonst aber besteht die
Wüste aus den wildesten und unwegsamsten Lavafeldern,
die man sich denken kann, nur hie und da wieder bedeckt
von schwarzem, vulcanischem Sande. Bis auf die jüngste
Zeit war diese ungeheure Lavawüste zum größten Theile
unbekannt. Erst ]?. Thoroddsen hat dieselbe im Sommer
1884 in allen ihren bisher wenig oder gar nicht
bekannten Partien zum e rste n M ale erforscht und
zwar unter den unsäglichsten Beschwerden, Strapazen
und Anstrengungen. Das Verdienst, welches sich dieser
wackere treffliche Gelehrte durch dieses aufopfernde
Unternehmen erworben hat, ist denn auch nicht hoch
genug anzuschlagen. Derselbe hat auf seiner ^Expedition
nicht weniger als 150 Höhenmessungen im Odadahraun
vorgenommen.
Das Odadahraun spielt in der Volkssage der Isländer
eine große Rolle als einer der Hauptschauplätze der Er
zählungen von den „Draußenliegern“ oder Ächtern („ütilegumenn“). „Diese für Island so eigenthtimlichen Volkssagen, die
in den Gegenden, welche den großen Hochebenen zunächst
liegen, noch in vollster Blüte stehen, stammen augen
scheinlich aus der Zeit der Republik, wo alle größeren
Lavafelder (liräun).
138
Lavafelder (hraun).
Verbrechen mit „Waldgang“ — sköggangr*) — d. li. Fried
losigkeit bestraft wurden und dem Verurtheilten, wenn er
nicht in\s Ausland entwischen konnte, nichts anderes übrig
blieb, als in das wüste Innere des Landes zu fliehen und
zuzusehen, wie er so lange als möglich sein Leben fristen
könne. Von einer späteren Zeit weiß man auch, dass sich
bisweilen Verbrecher in das Innere des Landes geflüchtet
und eine Zeitlang dort gelebt haben. Für das Volk sind
die ..Draußenlieger“ nach und nach zu einer Art halb
übernatürlicher Wesen geworden, die sich den Trollen
und Alben anschließen. Die Gegenden aber, die sie be
hausen, malte sich die Phantasie in einer Weise aus, die
den natürlichen Verhältnissen nur wenig entsprach, so
das Odädahraun mit — grasreichen, blühenden Thälern. **)
Uber den Ursprung des Namens dieser Wüste, der allein
schon umheimliche Vorstellungen wachruft, ist nichts
Bestimmtes bekannt.
Das Odadahraun ist auf der großen Karte von Island (von Björn
Gunnlaugsson 1844) größtenteils unrichtig gezeichnet, was nach dem
oben Bemerkten begreiflich ist. So findet sich in der Partie zwischen
der Trölladyngja und dem Yxnadalur auf der Karte von Gunnlaugsson
in einer Ausdehnung von 15 bis 20 ü] Meilen Lava verzeichnet, wo
nach Thoroddsen keine vorhanden ist. Ferner erstreckt sich das Odädahraun viel weiter gegen Norden, als die Karte anzeigt. Überhaupt ist
der ganze Landestheil südlich vom Myvatn, dann die südliche Partie am
Vatnajökull zwischen den Skjälfandafljot und der Jökulsa i Axarfirdi
ganz anders, als diese Theile auf der genannten Karte dargestellt sind.
(Vgl. Thoroddsen, Isafold, XI. 40—42.) Auch die Berge im Odadahraun
sind ganz unrichtig gezeichnet, so besonders ‘die Askja, die wie wir
gesehen, ein k re isr u n d es Thal in den Dyngjufjöll ist. Vgl. übrigens
auch die zu diesem Buche gehörige Karte.
Das M vv atn s hraun, welches um den See Myvatn
herum liegt, und von* dem sich ein Arm durch den ganzen
Laxardalur fest bis zum Meere hinab erstreckt, kann als
eine nördliche Fortsetzung des Odacfahraun betrachtet
werden. „Die Lava ist kohlschwarz, von zahlreichen
Blasenräumen durchzogen * an manchen Stellen hat sie
sich in große runde Kuchen ausgebreitet, deren Oberfläche
*) Vgl. Poestiou, Einleitung in d. Studium des Altnordischen
II. Theil, (Hagen, 1885) unter „skoggangr“ im Glossar.
**) Kaalund, Bidrag etc. II, 178 und Iv. Maurer, Isländische Volks
sagen der Gegenwart, S. 240 ff.
139
mit tauartig gedrehten Wülsten versehen ist. Der wiithende
Strom hat sich auf seiner Oberfläche mit einer erstarrten
Rinde bekleidet, welche durch die entweichenden Gase und
die Bewegung der unterwärts fließenden Lava wiederum
auseinander geplatzt ist; die zusammengestürzten riesigen
Schlackenstücke, Eisschollen beim Frühlingsthauwetter ver
gleichbar, vermischten sich mit den neu hinzuströmenden
Massen und wurden in wildester Unordnung nach allen
Richtungen umhergeworfen und aufgethtirmt, so dass die
Lavaströme ein außerordentlich rauhes zerrissenes und
zerborstenes Aussehen haben und dem Auge die wildesten
und phantastischesten Formen vorführen.u
Im Myvatnshraun befindet sich eine interessante Kluft
(gja), die sogenannte G rj ötgj a, welche nach der Almannagjä und der Hrafnagja die bedeutendste auf Island ist.
Sie liegt auf der Ostseite des Mvvatn und soll weiter als
zwei Meilen verfolgt werden können. Dieselbe hat eine Breite
bis zu vier Metern und soweit sie bisher untersucht wurde,
eine Tiefe von zehn bis fünfzehn Metern. Aus der Kluft steigt
ein warmer Luftstrom empor, und in verschiedenen Höhlen
derselben befindet sich warmes Wasser. Die Kluft erstreckt
sich im Allgemeinen in nördlicher Richtung, wenn auch
in einigen Zickzacklinien. Die ausspringenden und ein
springenden Ränder auf der einen Seite der Kluft ent
sprechen genau den einspringenden und den ausspringenden
Rändern auf der anderen Seite, so dass sie, wenn die Kluft
geschlossen werden könnte, genau zusammenpassen würden,
und die basaltische Lava zeigt sich in der Bruchlinie in
senkrechten Säulen abgesondert. *)
Das K ja lh ra u n ist ein großes Hraun zwischen dem
Hofsjökull und dem Längjökull in öder Gegend.
Das H allm u n d arh raun, ein langer vegetationsloser
Lavastrom, liegt westlich vom Balljökull und nördlich vom
Eiriksjökull. Ein Arm davon ist südwestlich vom Eiriksjökull in bewohnte Gegend hinabgeflossen. Hier liegt der
berühmte S u rts h e llir (d. h. Höhle des Surtr**) eine
Lavafel der (braun).
*) A. Heiland, Nyt Ticlsskrift II, S. 55—56.
**) Surtr ist in der nordischen Mythologie bekanntlich der Name
eines Feuerriesen, der, wenn die „ragnarök“ (d. h. der Untergang der
Götter — die übliche Übersetzung dieses Ausdruckes durch „Götterdämme
Lavafelder (liraun).
1.40
ungeheure, merkwürdige Höhle, welche an der weitesten
•Stelle 839 Ellen in der Länge, 50 in der Breite und 34
Ellen in der Höhe misst; cs ist dies die größte Höhle auf
Island; an einigen Stellen gibt es Öffnungen nach oben,
wo Licht einfällt. Es sind auch einige Seitenhöhlen vor
handen und an einigen Stellen finden sich kleine gefrorene
Seen. An den Surtshellir knüpft sich die interessante
Volkssage von den achtzehn Hellismenn (Höhlenmännern),
sowie viele andere Sagen (Vgl. K. Maurer, Isländische Volks
sagen der Gegenwart, S. 37, 188, 174—175, 269—75).
Die Surtshöhle ist unzählige Male beschrieben worden
(vgl. z.'B. Preyer und Zirkel, a a. 0. S. 95 ff.)
Die Sn sefellsnes h rau n bestehen aus zahlreichen
kleinen, unzusammenhängenden Lavafeldern und erstrecken
sich über die ganze Halbinsel Snsefellsnes hinaus; einige
davon liegen westlich in Myrar, wie das E ld b o rg a r(oder B o rg a r-) h ra u n (s. oben S. 112) und das S k a r9s h ei d arh rau n .
Das R e y k j a n e s h r a u n ist eine zusammenhängende
Lavastrecke, welche von der Südseite des Langjökull an
gefangen bis hinaus auf die Spitze von Keykjanes reicht.
Dieselbe besteht aus überaus vielen, kleinen und großen
Hraun in züsammenliängenden Massen und in Armen,
welche von verschiedenen Vulcanen herstammen und vor
der Besiedelung Islands sich gebildet haben In denselben
finden sich sehr große Sprünge und Spalten, sowie
kochende und warme Quellen. Das merkwürdigste klei
nere Hraun dieses ausgedehnten Lavafeldes ist das D ing
v al Iah raun. In demselben befindet sich die welt
berühmte A lm an n ag ja (d. li. aller Leute Kluft).
Die Almannagja beschreiben Preyer und Zirkel in ihrem Reisewerke :
„Die gewaltige Almannagja ist eine der wunderbarsten Naturerscheinungen
der Welt. Wenn wir es versuchen, ein Bild von der grausigen Kluft
rung“ ist unrichtig) eintreten, die Welt vernichten soll. Man hat sich
also die Höhle in alter Zeit als die Wohnung des 8urtr gedacht; dies
bekräftigt auch die Erzählung in der Landnäma (8. 199), dass ein Islän
der aus dem Nordlande, der sich eine Zeitlang bei Smicfkell auf t>orvarösstachr, einem Hofe in der Nähe der Höhle, aufgehalten hat, sich,
zur Höhle hinaufbegab und dort eine „drapa“ vortrug, welche er „auf
den Riesen in der Höhle“ gedichtet hatte.
Lavafelder (lirami).
141
zu entwerfen, so geschieht das im sichern .Vorgefühl, auch hier wie so
oft nur mangelhaft mit Worten malen zu können, denn die Almannagjä
gehört zu den Dingen, welche man sehen muss, um daran zu glauben.
»Sie ist so ungeheuer, so colossal, dass man sie nur in kleinerm Maß
stabe sich vorzustellen vermag, und sie jedesmal, wenn wir sie Wieder
sehen, uns größer und imposanter erscheint als das Bild, das sie unserm
Geiste zurückließ. Es ist in der That nicht übertrieben, wenn Lord
Dufferin behauptet, es sei der M ühe w ert, um die E rde zu r e ise n ,
nur um die A lm a n n a g jä zu seh en __ Die Almannagjä erstreckt
sich eine geographische Meile lang vom Nordwestufer des Dfngvallavatn
in einer geraden ununterbrochenen Linie bis zu dem Armannsfell. Auf
beiden Seiten wird sie eingeschlossen von senkrechten riesigen Lavafels
wänden, die etwa 50—70 Fuß von einander entfernt, in ihrem ganzen
Verlauf sich ziemlich parallel bleiben. Ihre Höhe wechselt. Die westliche
Wand ist mitunter mehr als doppelt so hoch als die östliche, indem sie
an einigen Stellen weit über 100, an andern nur 30—40 Fuß sich
erhebt. Seltsame Lavagebilde, Zacken, überhangende Vorsprünge, Zinnen,
Pyramiden, Fenster, wie künstliches "Werk von Menschenhänden über
raschen das von unten hinaufschauende Auge, während oben nichts in
dem großen Lavafelde die Nähe des grässlichen Abgrundes verrätli, bis
man sich plötzlich am Rande desselben befindet. Die östliche Wand,
an ihrer Innenseite (der westlichen) nur stellenweise lothreclit, daclit.
ziemlich steil auf ihrer Außenseite (der östlichen) in die Ebene von Dingvellir ab und bildet zum Theil das rechte Ufer des Flusses Öxarä (Beilfiuss). Dieser erhöht um ein Bedeutendes den imposanten Eindruck, den
die Almannagjä ohnehin auf den Beschauer aus übt. Mit ungelieuerm,
donnerähnlicheni Brausen stürzt er sich über die westliche Wand in
einem prachtvollen, weithin sichtbaren Wasserfall in sie hinein, strömt
eine Strecke weit zwischen den Lavawänden hin, bricht dann plötzlich
durch die östliche Wand und Avälzt eine zweite, weniger hohe Cascade
bildend, seine verhängnisvollen Fluten dem Dfngvallavatn zu ; verhäng
nisvoll, weil vordem darin ertränkt wurden, welche außer der Ehe Kinder
geboren und diese ermordet hatten. Wo das Innere der Almannagjä
nicht von diesen Fluten eingenommen wird, ist es mit üppigem Grase
bewachsener Torfboden oder es tritt die grauschwarze Lava zutage.
Einzelne Zwergbirken, Saxifragen und andere harten Boden liebende
Pflanzen wachsen da auf nacktem Fels. . . . Bei genauerer Betrachtung
der schwarzen Riesenmauern sahen wir deutlich die Steilen an beiden
Seiten, die einander entsprachen, d. i. die vor der Ruptur in gleicher
Höhe miteinander standen. Sie waren häufig durch horizontale Linien
angedeutet. Die Felswände nämlich sind sehr scharf und deutlich ab
gegrenzte Lavabänke mit verticalen Säulen. Die Almannagjä, sowie die
unzähligen kleinern Erdrisse im Dingvallasveit, welche sämmtlich eben
falls in auffallend parallelem Verlauf der Nordnordostrichtung folgen, sind
zweifelsohne durch ein ungemein heftiges Erdbeben — vielleicht noch in
geschichtlicher Zeit, aber jedenfalls vor Entdeckung der Eisinsel ent
standen, wobei wahrscheinlich auch durch die starke Senkung des Bodens
das Bett des Dfngvallavatn gebildet wurde, dessen Tiefe noch ungemessen ist.“
142
Heiße und mineralische Quellen.
Weiter östlich von der Almannagja und parallel mit
dieser befindet sich- ein zweiter Riss in der Lava, die
H ra fn a g ja (d. h. Rabenkluft), die jedoch weniger tief
ist; die untere Masse ist nicht soweit herabgesunken wie
in der Almannagja, so dass die beiderseitigen Ränder fast
gleich hoch sind. Über die breite, unregelmäßige und
mit Felsblöcken angefüllte Kluft führt eine aus Fels
stücken gebildete Brücke.
Die H e k lu b ra u n liegen in weitem Umkreis um die
Hekla und erstrecken sich östlich bis zum westlichen Fuße des
Torfajökull; die meisten Ströme stammen von der Hekla oder
den benachbarten Kratern. Der östliche Theil dieses Lava
feldes heißt H ra fn tin n a h ra u n , weil hier große Mengen
von „hr a f n t i n n a“, dem isländischen Obsidian, gefunden
werden (vgl. Obsidian im Reg.) Es ist dies eines der merk
würdigsten Hraun auf Island hinsichtlich seiner Bildung,
Zusammensetzung und Bestandtheile.
Die S k a p tä rh ra u n bestehen aus zwei großen Lava
strömen, welche sich im Jahre 1783 ergossen haben (vgl.
oben S. 116); der eine ist längs des Flussbettes der Skapta
geflossen und hat sich dann über das Tiefland, besonders
über Medalland, ausgebreitet; der andere Strom hat sich
längs des Hverfisfljöt ergossen und im Fljötshverfi sowie
östlich von Sida ausgebreitet.
Außer den hier aufgezählten Hraun gibt es noch
verschiedene kleinere; die meisten derselben sind jedoch
vor der Zeit der Besiedelung Islands geflossen.
Heiße und mineralische Quellen.
Zu den vulcanischen Erscheinungen gehören auch die
heißen oder kochenden und die warmen Quellen, des
gleichen die Sauerbrunnen und Schwefelquellen. Wie auf
Island alle vulcanischen Phänomene in besonderer Stärke
und Häufigkeit auftreten, so ist es auch bei den heißen
und warmen Quellen der Fall. In vielen Gegenden Islands,
143
wo an der Oberfläche die vulc-anische Thätigkeit so gut
als erloschen scheint, oder sich seit einer längeren Reihe
von Jahren nicht weiter gezeigt hat, brechen gewissen
Spalten entlang vielverbreitete Fumarolen in Verbindung
mit unzähligen warmen und kochenden Quellen als ein
sicheres Zeichen der noch schlummernden unterirdischen
Glut aus der Tiefe hervor. Obwohl in anderen Ländern
in der Nähe brennender oder erloschener Vulcane Fuma
rolen, Gasentwicklungen und heiße Quellen als die letzten
Nachwirkungen vormaliger Ausbrüche angetroffen werden,
so gibt es doch wenigstens in Europa keine Erscheinungen
dieser Art, welche sich auch nur entfernt an Groß
artigkeit mit denen vergleichen ließen, die man in Island
ganz allgemein verbreitet findet. *) Die Isländer unter
scheiden unter ihren vulcanischen Quellen: h v e ra r (sing.
hver(r), m., eigentl. Kessel), d. s. kochende oder heiße
Quellen, la u g a r (sing, laug, f., eigentl. warmes Bad), d. s.
warme oder laue Quellen, br e n n istein sn ä m ur oder
närnur (älter -namar, sing, nama, f., älter nami, m.)
Schwefelquellen und ö lk e ld u r (sing, -kelda, eig. Bier
quelle) kohlensäurehältige Quellen, Sauerbrunnen.
1. H v e ra r und lau g ar. H v e ra r oder kochende
(Spring-Quellen**) bilden sich bekanntlich an Orten, wo
Wasser in die Erde sickert und unter derselben auf heißes
Gestein trifft; es entstehen hier Wasserdämpfe, welche
durch Höhlen und Spalten entweichen. Überaus heißes
Wasser strömt beständig von unten her zu und erhitzt die
nächsten Wasserschichten, bis dieselben zu Dampf werden,
der so stark ist, dass er die Schwere des darüber liegenden
Wassers überwinden kann und die obersten Wasser
schichten in die Luft emporwirft. Das zu oberst befind
liche warme Wasser der Quelle wird dadurch wieder
abgekühlt, und das Gleichgewicht hergestellt, aber die
Hitze in der Erde bleibt dieselbe. Nach einiger Zeit
Heiße und mineralische Quellen.
*) Sartorius v. Waltersliausen a. a. O. S. 117.
**) Nach den heißen Quellen und dem aus denselben aufsteigenden
Rauche (isl. reykur, gen. reyks und reykjar, plur. reykir, gen. reykja)
sind auf Island viele Orte Buchten, Berge u. s. w. benannt, welche in
der Nähe solcher Quellen liegen, z. B .: Laugar, Laugarvik, Lauga(r)fell
u. dgl., Reykir, Reykjaliolt, Reykja- (älter Reykjar-) vik, Reykjarfiördur
u. s. w.
Heiße und mineralische Quellen.
144
beginnt daher die Quelle dasselbe Spiel und. auf diese
Weise folgt Ausbruch auf Ausbruch. Das Wasser der
kochenden Quellen (isl. liveravatn, n.) ist selten ganz
rein. Das siedende Wasser, in dem sich fast immer eine
reichliche Menge Kohlensäure befindet, löst verschiedene
Bestandtheile der Gesteine, von denen es umgeben ist,
auf, und es sind deshalb in demselben verschiedene Stein
arten und Mineralien in aufgelöstem Zustand enthalten.
Man findet daher auch im Wasser der siedenden Quellen
in der Kegel dieselben Bestandtheile, welche in dem Boden
enthalten sind, durch den die Quelle ihren Weg an die
Oberfläche nimmt. In den isländischen Bergarten ist
namentlich eine große Menge Kiesel (isl. kisill) enthalten;
dieser wird vom Wasser, wenn dasselbe sich abkühlt, aus
geschieden, und deshalb findet man um die kochenden
Quellen herum so häufig hohe Kegel und Bassins aus
Kieselsinter (isl. hverahrücfur) und werden die Gegenstände,
welche sich eine Weile im Wasser befinden, versteinert.
Wenn die Erdwärme abnimmt, hören die Ausbrüche
auf und es bleibt in der Quelle nur lauwarmes Wasser
zurück; die Quelle heißt dann laug. Häufig treten in
deij. siedenden Quellen bei vulcanisclien Ausbrüchen und
Erdbeben Veränderungen ein; einige verschwinden und
treten an einem anderen Ort wieder zutage, andere ver
schwinden ganz, wieder andere entwickeln eine viel stärkere
Thätigkeit als früher. Die Ursache dieser Veränderungen
liegt bekanntlich darin, dass bei Erdbeben das Wasser unter
der Erde durch die Spalten und Kisse, welche sich im
Berge bilden, andere Wege bekommt. Es gibt nur wenige
Orte auf der Erde, wo so viele siedende und warme
Quellen vorhanden sind, wie auf Island; doch finden sich
anderwärts noch größere Springquellen als auf Island z. B.
bei Yellowstone River (National-Park) in Nordamerika und
auf Neu-Seeland. '
Heiße und warme Quellen trifft man auf Island fast
in allen, vornehmlich aber in den mittleren Theilen des
Landes. Die bekanntesten und merkwürdigsten davon be
finden sich in der Landschaft Biskupstungur in der A rnes
S y s 1a. Davon sind wieder am berühmtesten der G ey sir
und der S tro k k u r im Ilaukadalur. Insbesondere der
145
G eysir*) ist wegen seiner imposanten Ausbrüche so welt
bekannt, dass nach demselben auch in anderen Sprachen
siedende (Spring-)Quellen „Geysirs“ genannt werden. Der
Geysir ist eine der entferntesten Quellen im Thale und be
findet sich am Fuße des östlichen Abhanges eines kleinen
Berges — Laugafell — dessen zunächst liegender Th eil
ganz mit rothgelbem Kiesel, Sand und Lehm bedeckt ist.
Um den Geysir hat sich ein großes Bassin aus Kieselsinter
gebildet, eine flache, kegelförmige, außen wie eine Austern
schale rauhe, innen weißglasierte Erhöhung, welche durch
die erstaunliche Schönheit und Regelmäßigkeit, mit der die
selbe aufgebaut ist, wie auch durch die Größe des Bassins
(54 Fuß im Durchmesser und 20 Fuß in der Höhe) Be
wunderung erregt Das Bassin umschließt eine schalen
förmige (im Durchm. 50 Fuß messende) Vertiefung, welche
mit dem stillfließenden, nur Dampfwolken aussendenden
Wasser angefüllt ist. (Die Wärme beträgt an der Ober
fläche 76—86° C., nimmt aber gegen die Tiefe hin zu; das
Wasser, welches den Ausbruch bewirkt, ist 120—130°
warm.) Vor dem Ausbruche hört man ein Krachen und
Stoßen unter der Erde, die Dampfmassen vermehren sich,
und das Wasser wallt über das Bassin hinaus. Plötzlich
schießt ein Wasserstrahl senkrecht in die Höhe, hierauf
folgt ein zweiter und sodann in rascher Folge einer nach
dem andern. Die mächtigen, bläulichklaren Wasserstrahlen,
welche sich oben überaus schön wie ein Springbrunnen
ausbreiten und nach allen Seiten niederfallen, sehen in
mitten des Dampfes wie senkrechte Säulen aus; aber
plötzlich fallen sie alle wieder in das Bassin nieder; dieses
ist dann eine Zeit lang leer, und man sieht das (im Durch
messer 9 Fuß, in die Tiefe 70 Fuß messende) Loch oder
Rohr, durch welches das Wasser aus der Erde hervor
kommt; aber dasselbe füllt sich rasch wieder und bleibt
sodann eine Zeitlang ruhig. Die Wasserstrahlen steigen
bis zu einer Höhe von 100 Fuß empor und die Kraft,
welche der Geysir bei seinen Ausbrüchen entwickelt, ent
Heiße und mineralische Quellen.
*) Der Name Geysir (geisir) bedeutet: „der Hervorstürzende, stark
Sprudelnde,“ und ist auf Island zu verschiedenen Zeiten verschiedenen
berühmten Springquellen beigelegt worden.
P o e s tio n , Island.
10
Heiße und mineralische Quellen.
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spricht den neuesten Berechnungen zufolge der einer
Dampfmaschine von 600—700 Pferdekräften.
In den alten isländischen Schriften wird der Geysir
nicht genannt, wie ja in denselben von den heißen Quellen
überhaupt nur wenig die Rede ist. Doch findet sich in
den Annalen verzeichnet, dass sich die heißen Quellen im
Haukadalur beim Ausbruch der Hekla im Jahre 1294
verändert haben. Der Geysir selbst wird erst im Anfänge
des 17. Jahrhunderts erwähnt: doch ist derselbe ohne
Zweifel viel älter. Bei dem Erdbeben im Jahre 1789
traten in den Quellen in der Umgebung des Geysir bedeu
tende Veränderungen ein. In den letzten Jahrzehnten hat
sich die Thätigkeit des Geysir bedeutend vermindert.
Während derselbe früher, wie es scheint, fast ununter
brochen arbeitete, springt er jetzt gewöhnlich nur alle fünf
bis sechs Tage, selten in kürzeren, oft in längeren Zwischen-1
räumen und auch dann sind die Ausbrüche nicht immer
von gleicher Heftigkeit.
Eine lebendige Beschreibung von einem Ausbruche des Geysir gibt
Max N ord au in seinem Werke: „Vom Kreml zur Alhambra, Culturstudien“ (2. verbesserte und vermehrte Auflage, Leipzig, 1831). Erster
Band, S. 365—367. Er schreibt:
„Die Flut war heftig bewegt und wallte in breiten Ringwellen gegen
den Rand des Beckens; von der Röhre her tönte ein schauerliches, halb
ersticktes Brüllen, wie von einem vorsündflutlichen Unthier, das eine
eiserne Hand würgt; plötzlich regte sich etwas in der Mitte des Bassins;
aus dem Wasserspiegel erhob sich langsam eine dunkle, riesige Masse,
gestaltlos wogend und zerfließend und doch heftig bewegt, wie von
inneren Zuckungen geschüttelt und sank dann wieder ohnmächtig zurück;
ein zweites Mal erhob sich das formlose Ungeheuer, diesmal einem jener
fabelhaften Polypen gleichend, die manchmal über der Meeresoberfläche
zum Schrecken der Schifter erscheinen sollen, tauchte aber wieder in den
dampfenden Abgrund nieder. Allein rasch fuhr es aufs neue empor, und
diesmal schoss es unter Donnern und Erdbeben haushoch in die Luft.
Es war der steigende Wasserstrahl des Geysir. Wasserstrahl? Ein
lächerlich schwacher, nichtssagender Ausdruck angesichts dieser Er
scheinung ; eine riesige Säule, ein Berg, eine Klafter und mehr im*)
*) Was der Autor über den N am en Geysir schreibt, ist wie manche
andere Bemerkung über den Geysir sowohl, wie über .isländisches Leben
und Treiben ganz unrichtig. Namentlich muss aber die ungerechte
witzelnde Kritik, welcher Nordau die isländischen Verhältnisse unterzieht,
ohne über dieselben genau unterrichtet zu sein, jeden Kenner und Freund
des intelligenten Völkchens schmerzlich berühren.
Heiße und mineralische Quellen.
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Durchmesser haltend, wurde aus dem Höllenschlunde herausgehoben;
die Masse stieg mit einem Rucke etwa dreißig Fuß hoch, eine ungeheure
Dampfwolke entwickelte sich aus ihr, dann sank sie um einige Fuß
zurück, ein neuer Ruck und aus der ersten Säule schien eine zweite
herauszufahren, um dreißig Fuß weiter in die Höhe dringend und
neue Dampfmassen ausstoßend, wieder ein momentanes Zurücksinken,
und ein neuer Schwall brach hervor, dessen Haupt aus einer schwind
ligen Höhe, vielleicht von hundert Fuß und mehr, auf uns niederglänzte.
In dieser Form blieb die überwältigende Erscheinung nun eine Weile;
das in Schaum zerstiebende Haupt des Wasserberges bäumte sich bald
etwas in die Höhe, bald sank es ein wenig zurück, manchmal fiel die
Masse bis zur Hälfte zusammen, aber nur um gleich wieder mit fürch
terlicher Gewalt in die Höhe gejagt zu werden; dazu wüthete das Getöse
in der Tiefe; die Erde bebte heftig und in der Röhre schienen Dämonen
sich Kämpfe auf Leben und Tod zu liefern. Es blies während dieser
Zeit ein ziemlich kräftiger Wind, allein er vermochte den starren, pfeil■ fiuggeraden Wasserpfeiler nicht im geringsten zu erschüttern und war
gerade nur stark genug, um die Dampfmassen zu verjagen, die hinter
dem Springquell eine weiße Wand bildeten, von der sich seine dunkle,
wie aus geschmolzenem Metall bestehende Masse um so schärfer und
wirkungsvoller abliob.
Eine Viertelstunde lang währte das unvergleichliche Schauspiel mit
unverminderter Gewalt; dann begann die Säule sich wieder ruckweise
zu verkürzen, wie sie sich ruckweise aus dem Becken herausgehoben
hatte; ich kann diesen merkwürdigen Vorgang mit nichts Anderem ver
gleichen, als mit dem Auseinanderziehen und Zusammenstößen eines aus
drei oder vier ineinandergescliobenen Röhren bestehenden ungeheuren
Teleskops. Eine Minute später, und der Wassercoloss war verschwun
den und mit ihm auch das Wasser, das bis dahin das Bassin gefüllt
hatte; der unterirdische Donner verstummte, der Boden stand wieder fest
und das Becken lag leer vor uns, so dass wir in der Mitte die gähnende
Mündung der Röhre sehen konnten. Wir näherten uns vorsichtig dem
Rande derselben und konnten in der mit undurchdringlicher Finsternis
erfüllten Tiefe das Wallen und Gurgeln der abfließenden Gewässer hören.
Die Röhre, die sehr oft gemessen wurde, hat an ihrer Mündung* 91/2 eng
lische Fuß im Durchmesser und geht bis zu einer Tiefe von 76 Fuß
in ungebrochener Senkellinie hinab. — Wir kehrten schweigend, voll
der erhaltenen Eindrücke, aber unfähig ihnen gleich Worte zu leihen,
in unser Zelt zurück und lagen noch lange aufgeregt auf unserer Decke,
•ehe der Schlaf unsere Nerven beruhigte.“
Wenige hundert Schritte südlich vom Geysir liegt der
bald ebenso bekannte S tro k k u r (=Butterfass, so genannt
wegen der butterfassähnlichen Form der Quellenöffnung).
Derselbe hat kein Bassin wie der Geysir; das Rohr der
Quelle geht vom flachen Boden senkrecht nach abwärts
und hat die Form und das Aussehen eines gemauerten
Brunnens. Einige Meter in der Tiefe sieht man das (infolge
10*
Heiße und mineralische Quellen.
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der häufigen Verstopfungsversuche) schmutzig gelbe, bald
mehr bald weniger kochende und schäumende Wasser.
Der Strokkur ist nicht so imposant wie der Geysir,
springt aber öfter. Die Form der 40—50 Ellen hohen
Wassersäule ist jedoch ebenfalls von besonderer Schönheit;
dieselbe erhebt sich ganz gerade, kegel- oder cypressenförmig in die Luft, mit Lehmstückchen durchsetzt und auf
seiner obersten Spitze Bruchstücke der in das Bohr gewor
fenen Rasenstücke hoch emporschleudernd, während sich
große Dampfwolken über die Ebene verbreiten. Man kann
denselben auch nach Belieben springen lassen, wenn man
das Rohr mit Rasenstücken verstopft.
Max Nordau beschreibt auch den Strokkur. „Ungleich dem trägen,
phlegmatischen, fast hätte ich gesagt blasierten Geysir ist der jüngere
Bruder desselben sanguinisch, heftig und im höchsten Grade reizbar.,
Er schleudert ganz von selbst alle zehn bis zwölf Stunden seine colossale Wassersäule in die Höhe; wenn man es aber zufällig etwas eilig
hat und selbst so lange nicht warten will, so kann man ihn nach Belie
ben in jedem gegebenen Augenblick zum Ausbrechen veranlassen. Man
muss nur eine ansehnliche Portion Rasen, etwa vier oder fünf große
Schaufeln voll, in seine Luftröhre schleudern und sie dadurch verstopfen.
Fünf Minuten lang ist dann Alles still; das Wasser im Bassin (?) ist
ruhig und unbewegt und nichts verräth, dass die Mündung des Quells
nicht für immer zugekeilt ist. Allein plötzlich erschüttert ein dumpfer
Donnerschlag Luft und Erde; der Boden bebt und mit einem grauen
erregenden Heulen und Zischen fährt aus der verschütteten Röhre ein
ungeheurer Strahl kochenden Wassers zugleich mit einer dicken Dampf
wolke heraus und in schwindelige Höhe empor. Ausbruch folgt auf
Ausbruch, Donner auf Donner, und der Scheitel der Wassersäule hält
sich wohl fünf Minuten lang stetig in gleicher Höhe, bis er allmählich
niedriger und niedriger wird und endlich wieder in die Höhle zurück
sinkt. Das Wasser ist bei diesen erzwungenen Ausbrüchen schwarz wie
Tinte und führt die ganz zerkochten und zerweichten Rasenstückchen
mit sich, die in weite Entfernung umhergeschleudert werden. Wir
gönnten uns dieses prächtige Schauspiel viermal in den zwei Tagen
unseres Aufenthaltes bei den Geysirs und zweimal spielte der Strokkur
von selbst.“
Außer dem Geysir und dem Strokkur (nebst einem
sogen, kleinen Geysir und kleinen Strokkur) befinden sich
im Haukadalur auf der Ostseite des Laugafell noch ca 50
andere heiße Quellen. Das Erdreich ist hier überall von
der Hitze zerkocht und geborsten ; gelblichweißer Kiesel
sinter, Lehm und Tuffstein (isl. hverasteinn, m.;-grjöt, n.)
bedecken den Boden und kochende und dampfende Quel
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len sowie brodelnde Lehmpfützen liegen dicht beisammen.
Der weiße Dampf, der ihnen entströmt, ist schon aus weiter
Ferne sichtbar. Am bemerkenswertesten unter diesen
heißen Quellen ist der sogenannte B lesi ('eigentl. Name
für ein Pferd, das einen weißen Fleck auf der Stirne hat),
der gleich südwestlich vom Geysir liegt. Derselbe ist eine
große, ziemlich heiße Quelle, die aus zwei durch eine
theilweise durchbrochene Wand geschiedenen Abtheilungen
besteht, wodurch sie das Aussehen von zwei aneinander
stoßenden Quellen erhält. Diese Quelle ist berühmt wegen
ihres ganz durchsichtigen, blaugrünen Wassers und der
ausgezeichnet schönen Kieselablagerung. Vor dem. Erd
beben im J. 1789 hatte dieselbe ebenfalls Ausbrüche, wobei
das Wasser 30—40' hoch in die Luft geschleudert wurde.
Heiße und mineralische Quellen.
Reclit anschaulich und lebendig schildert Max Nordau auch diese
ganze, so überaus merkwürdige Landschaft und die kleineren Quellen in
dem schon genannten Werk, wie folgt: „Weiße dünne Dampfwolken, an
manchen Stellen häufiger, an manchen spärlicher, schweben über der Fläche
und wogen im Winde auf und nieder. Ein Getöse erfüllt die Luft wie in
einer großen Maschinenwerkstätte; ein Stöhnen und Sausen und Brausen
wie von gewaltigen Blasebälgen, dazwischen ein schrilles Pfeifen und ein
unterirdisches Kollern und Knurren, das sich zeitweilig zu einem dum
pfen, fernen Donner verstärkt. Der Boden, schlammig, jeder höheren
Vegetation har, bloß mit Moos und elend aussehendem, dürftigem Grase
an den trockeneren Stellen spärlich bekleidet, ist wie ein Sieh von großen
und kleinen Höhlungen durchlöchert, in denen grausenerregende Höllenthätigkeit ununterbrochen sichtbar und hörbar ist. Hier steigen dünne
Wassersäulen alle. fünf Minuten unter schrillem Pfeifen etwa drei Fuß
hoch empor und sinken wieder klatschend in die kleine Höhlung zurück;
da kocht der ganze Wasserspiegel eines Bassins periodisch mit polterndem
Geräusche auf, erhebt sich bis zum Ranfte, fließt über und fällt dann
wieder um einige Zoll; einige der Quellen gleichen großen Kesseln, in
denen eine pechschwarze, schlammige Masse in heftigem Kochen und
Brodeln begriffen ist, ohne aber zu steigen und zu fallen, ja in einigen
Fällen sogar, ohne Dampfblasen an die Oberfläche zu senden; eine beson
ders unheimliche Wirkung machen mehrere ganz ruhige, tiefblaue Pfuhle,
die weder sieden noch poltern, aber eine sengende Hitze ausstrahlen und
lautlos, langsam, jedoch ununterbrochen große Luftblasen aufsteigen
lassen. Endlich gibt es hie und da auch kleinere,, trichterförmige Öffnun
gen im Boden, denen bloß heiße Gase mit zischendem Geräusch ent
fahren und deren Umgehung wie gebrannt und glasiert aussieht. Die
Farbe des Wassers und des Niederschlags ist fast in jeder Quelle ver
schieden; das Auge begegnet allen möglichen Nuancen von Weiß, Grau,
Schwarz, Gelb, Orange und Roth, und das ganze Quellengebiet stellt
sich dem Blicke wie eine colossale Palette dar, auf der sich große
Kleckse verschiedener greller Farben nebeneinander befinden. Man
150
Heiße und mineralische Quellen.
fühlt sich anfangs recht bänglich und beklommen mitten zwischen diesen
kochenden und arbeitenden,. dampfenden und schnaubenden Höllen
schlünden, die ihre heftige Bewegung auch dem Boden mitzutlieilen und
auf uns loszubrechen scheinen, um uns im nächsten Augenblick in
ihren glühenden Bachen zu schlingen, allein bald gewöhnt man sich an
den bebenden Boden, die lebendigen Wasser- und Schlammkessel und
die ängstigenden Geräusche und man wandelt schließlich zwischen ihnen
mit einer Gleichgiltigkeit auf und nieder, als wäre man vielleicht gar
selbst der Heizer, der die unterirdischen Feuer für diese grauenhafte
Dampfmaschine nährt und schürt.“
Auch bei dem Hofe R eykir in der Landschaft
Ölfus (ebenfalls in der Arnes Sysla) befinden sich heiße
Quellen, von denen der sogenannte Li tli-G e y sir (d. h.
der kleine G.) die merkwürdigste ist; derselbe hatte früher
jede Stunde einen Ausbruch und warf das Wasser 20 Fuß
hoch in die Luft; gegenwärtig springt derselbe aber gar
nicht. Das Wasser kocht und tost wohl noch, wird jedoch
nur zu unbedeutender Höhe emporgeworfen. Der LitliGeysir befindet sich jetzt gerade gegenüber dem Gras
garten von Reykir, während er früher unterhalb desselben
gelegen war. In den isländischen Annalen wird berichtet,
dass während des Ausbruchs der Hekla im Jahre 1597 starke
Erdbeben in Ölfus stattgefunden haben (vgl. oben S. 132)
„Damals veränderte sich die große heiße Quelle in Hveragerdi südlich von Reykir, und es brach eine andere heiße
Quelle hervor oberhalb des „tun“ bei Reykir, welche
noch heutigen Tages vorhanden ist und tüchtig springt,
wenn auch nicht so stark wie die alte früher sprang;
denn es war nicht ungefährlich gewesen, den Weg zu
gehen, welcher sehr nahe an derselben vorbeiführte, wie
man jetzt noch an verschiedenen Zeichen und Merkmalen
sehen kann; denn es befindet sich noch jetzt an der Stelle
der Quelle brodelndes Wasser.“ — Während des Erd
bebens im Jahre 1829 waren die Ausbrüche des Litli
Geysir nicht geringer als die des Geysir in Biskupstungur.
Von den übrigen heißen Quellen dieser Gegend ist am interessan
testen die sogenannte „G r f 1a“ (Name für ein weibl. Gespenst), eine
kleine Quelle mit einem länglichen, unregelmäßigen Krater. Dieselbe
springt beiläufig’ jede Viertelstunde; man sieht dann das AVasser bis
zur Oberfläche des Kraters emporsteigen, es beginnt ein heftiges Wallen
im hintersten Theile des Kraters und das siedende Wasser wird nun in
einem länglichen Bogen aus dem Krater emporgeschleudert, während das
Heiße und mineralische Quellen.
151
überflüssige Wasser über den vorderen niedrigeren Rand des Kraters
abläuft. — Auch mehrere kochende Schlam m q u ellen finden sicli hier;
so trifft man südlich von dem Flusse Yarma ein kleines Bassin mit
bläulichem Schlamm, der an verschiedenen Stellen große Blasen auf
wirft, ' nördlich von dem Flusse eine Quellenöffnung, wo der blaue
Schlamm tief unten wie in einem Kessel kocht, an einer anderen Stelle
wieder einen rotlien Schlammpfuhl, der verdeckt ist, so dass man
den kochenden rothen Schlamm nur durch viele kleine Löcher sehen
kann u. s. w.
In diesem Theile Islands gibt es noch viele andere
heiße Quellen, so z. B. auf Reykjanes, (hier unter andern
die große kochende Lehmpftitze „Gunna“), in den Henglafjöll und im Laugardalur in Grimsnes. Im Laugardalur,
befindet sich die geschichtlich interessante Reykjalaug, in
welcher die Nordländer und Südländer getauft wurden,
als sie vom Althing heimritten. Sie weigerten sich bekannt
lich, in k a lte s Wasser zu gehen. (Die Vestfircfinger
wurden zumeist in der Reykjalaug [Krosslaug] im LundarReykjadalur [in der Borgarfjardar Sysla] getauft).
Besonders zahlreiche heiße Quellen gibt es auch in
der B o r g a r fj a r 3a r S ysla und zwar namentlich im
Reykholtsdalur. Die merkwürdigste davon ist die S k rifla
(Skribla) in der Nähe des als Wohnsitz des Snorri Sturluson
bekannten Hofes R eyk ho lt. Von dieser Quelle ließ Snorri
Sturluson das warme Wasser in einer Leitung aus Stein zu
dem Bade beim Hofe Reykholt leiten, das noch nach ihm
S n o rra la u g (d. h. Snorri’s Bad) heißt. Das Bad besteht
aus einem kreisrunden Bassin, das aus Kieselsinter errichtet
und ringsum mit Steinplatten belegt ist; eine Treppe aus
Stein führt in das Bad selbst hinab. Wenn das Bassin
frisch mit dem Wasser der Skrifla gefüllt ist, so ist dieses
so heiß, das man kaum einen Finger in dasselbe halten
kann. Weiter unten im Thal liegen die D eild a rtu n g ri
ll v er ar und dann eine Reihe von großen, stark kochenden
Quellen, welche das Wasser ungefähr einen Fuß hoch
empor werfen; sie liegen in der Nähe des Hofes Deildartunga,
am Fuße eines hohen Abhanges aus Kiesel, und können,
wenn die Windverhältnisse nicht besonders günstig sind,
wegen des Dampfes, der sie wie in einen undurchdring
lichen Schleier einhüllt, nicht genau beobachtet werden.
Weiter im Thale drinnen, nördlich von der Reykjadalsa,
152
Heiße und mineralische Quellen.
befinden sich die S t u rlu re y k ir mit einem Schwitzbade
für Gichtkranke. Das hiezu dienende Häuschen ist über
einem großen flachen Stein erbaut, von dem die Hitze herrührt. Die Luft ist ganz trocken, nirgends zeigt sich Dampf,
gleichwohl herrscht hier eine Temperatur von 20—30°
Reaumur.
Unterhalb Sturlureykir, mitten in der seichten, san
digen Reykjadalsa befindet sich der merkwürdige A rhv er
oder V e 11i n d i s h v e r, der sein Wasser auf einer läng
lichen, aus Kiesel gebildeten Insel einem Springbrunnen
gleich einige Fuß hoch emporwirft. Außer diesen genann
ten Quellen gibt es sowohl im Reykholtsthal wie in den
angrenzenden Thälern noch eine außerordentlich große
Anzahl anderer, größerer und kleinerer heißer Quellen.
An der nordöstlichen Ecke des Langjökull gegen
Süden und Osten vom Kjalhraun begrenzt, liegen' in
einem kleinen grasreichen Thale die durch ihre vulcanische
Thätigkeit höchst merkwürdigen H v e ra v e llir (d. h.
Quellenebenen).
Es befinden sich hier zahlreiche heiße Quellen, von
denen der Ös k u r holl oder Ö sk u r hölshv er (d. h.
Brüllhügelquelle), welcher aus einer kleinen Erhöhung
aus Kieselsinter mit fürchterlichem Lärm, großer Kraft und
einem Laut, der wie zischendes Gebrüll klingt, starke
Dampfwolken ausstößt, die bemerkenswerteste ist. Wenn
diese Quelle springt, springen zugleich auch alle übrigen
umliegenden Quellen, wobei die einen Wasser, die anderen
Dampf ausspritzen.
Eine ausführliche lebendige Beschreibung dieser Quellen, von denen
einige auch Springquellen sind, gibt Henderson (Iceland, II, S. 203 ff.,
in der deutschen Übersetzung S. 212 ff) In kurzer Entfernung vom
„Brüllhügel“ befinden sich vier Springquellen, von denen namentlich
die entfernteste lärmende, mit starker Dampfentwicklung verbundene
Ausbrüche hat, wobei das • Wasser melirer Fuß emporgeschleudert wird.
Henderson beschreibt es als höchst überraschend, die Regelmäßigkeit zu
sehen, mit der die immer sich wiederholenden Ausbrüche stattfinden.
Zuerst gibt der Brüllhügel das Signal; gleich darauf antwortet der große
Springquell am anderen Ende des Platzes, und nun kommt auch die
Reihe an die anderen. Außerdem gibt es hier eine Menge von Bassins
mit kochendem Wasser — darunter eines, das doppelt so groß ist als
das des großen Geysir — sowie zahlreiche, Dampfwolken aussendende
Spalten in dem zunächst liegenden Theile des Lavafeldes.
153
In der Landschaft R eyfejahverfi (Su3ur-E>ingeyjar
Svsla) südlich vom Skjälfandi, befinden sich verschiedene
heiße Quellen, von denen der U x ah v er (d. h. Ochsen
quelle, weil der Sage nach einmal ein Ochse in dieselbe
gefallen sein soll, von dem beim darauffolgenden Ausbruch
nur mehr die Knochen emporgeschleudert wurden, da Haut
und Fleisch schon ganz verzehrt waren) die bedeutendste
ist. Derselbe war früher ein Springquell, der mit Zwischen
räumen von kaum 5 Minuten eine dicke Wassersäule einige
Mannshöhen hoch emporwarf. Seit dem Erdbeben im Jahre
1872 hat er jedoch seine Thätigkeit eingestellt.
S c h w e f e lq u e lle n (isl. brennisteinsnämur) An
manchen Orten entströmen der Erde schwefeligsaure Dämpfe,
aus denen sich, wenn dieselben abgekühlt werden, Schwefel
bildet. Die Erd- und Steinarten werden unter dem Ein
flüsse dieser Dämpfe auf verschiedene Weise verändert: sie
bekommen eine andere Farbe, werden zerkocht, aufgelöst
und zertheilt und es bilden sich neue Stein- uncl Erdarten
(Gfips, Alaun und allerlei Thonarten u. s. w.). Durch diese
Einwirkung heißen Dampfes entstehen brodelnde Schlamm
quellen (isl. leirhverar); der Erdboden wird zu einem blauschwarzen Brei, rings um die Dampföffnung bilden sich
Lehmpfützen und in der Tiefe derselben kocht und brodelt
es wie in einem Breitopfe; Blasen steigen auf und zer
platzen, fallen an den Rändern nieder und erkalten oder
sinken wieder in die Tiefe zurück und wiederholen das
selbe Spiel. Wo der Erde Schwefelwasserstoff (isl. brennisteinsvatnefni, n.) entströmt, bilden sich kleine Häufchen
von Schwefel; werden dieselben entfernt, so bilden sich
neue. (Quellen, wo dies geschieht, heißen w arm e oder
leb en d e Schwefelquellen, isl. heitar nämur), falls nicht
die Dampfentwicklung von unten aufhört, (in diesem Falle
heißen die Quellen kalte oder to d te Quellen, isl. kaldar
nämur). Solche Schwefelquellen befinden sich gewöhnlich in
alten Kratern und auf den Abhängen, wie in den Spalten von
Vulcanen. Die kochenden Schlammpfützen, auch Schlammvulcane (Maccaluben) genannt, sind eine für Island be
sonders charakteristische Erscheinung und verdienen nicht
nur die Aufmerksamkeit der Geologen, sondern jedes Be
suchers Islands. Die Schwefelquellen Islands beschränken
Heiße uncl mineralische Quellen.
Heiße und mineralische Quellen.
154
sich jedoch fast nur auf Krisuvik und die Umgebung des
Myvatn. Sie bieten nach Sartorius v. Waltershausen gewisser
maßen ein Miniaturbild des sicilianisclien Schwefelgebirges
von Girgenti, Cattolica, Caltanisetta, Val-Guarnera u. s. w.
„Wie in einer Nama die Trapp- und Palagonitschicht von
einem Spalt durchbrochen wird, in welchem Dämpfe
emporsteigen und die Gesteine zersetzen, so werden in
Sicilien tertiäre Conchylienlager, Muschelbreccien u. s. w.
in einem weit größeren Maßstab von ähnlichen vulcanischen Spalten aufgerissen und umgestaltet. . . An die
große Ähnlichkeit zwischen den isländischen Namur und
den sicilianisclien Solfaren wird man auch durch die petrographische Beschaffenheit beider erinnert. Die ungeheuren
Gipsmassen sind dort in Gängen und Stöcken mit einem
lavendelblauen Thonmergel verbunden und begleiten den
Schwefel; sie erinnern sogleich an einen Gipsgang' in
Krisuvik und jenen blauschwarzen Thon der brodelnden
Schlamm kessel, welcher von dem der Maccaluben Siciliens nur wenig verschieden ist.“ Während jedoch die
sicilianisclien Solfataren unerschöpfliche Fundgruben von
Schwefel bilden, werfen die isländischen. Namur nur einen
sehr geringen, gar nicht nennenswerten Gewinn ab.
Am merkwürdigsten sind die Namur in der Nähe von
Reykj ahK3 — die R e y k j a h H 3 a r n a m u r, auch H lf 3 a rnam ur genannt — östlich vom Myvatn-See in der Pingeyjar Sysla am Fuße des Nämafjall. Preyer und Zirkel,
welche dieselben vom Hofe Reykj ahK3 aus besuchten, be
schreiben sie wie folgt: „Die gelbrothen Schwefel berge sind
schon aus weiter Ferne sichtbar; unser Weg führte zuerst
über Wiesen in östlicher Richtung, dann über vulcanischen
Sand; links lag die majestätische steile Bergpyramide des
Hlidarfjall. Bald kamen wir durch Lava, welche sich
über den Sand und Tuff ergossen hat und in den merk
würdigsten und wildesten Formen mit grotesken Zacken
und Spitzen erstarrt ist; große Platten sind aufgerichtet
und übereinander gewälzt und bilden seltsam geformte
Höhlen. Nach Verlauf einer Stunde waren wir an dem
Fuße des Höhenzuges der Solfataren angelangt; das
Palagonittuffgebirge, welches diese Bergkette zusammen
setzt, ist durch die Einwirkung der saueren Dämpfe im
155
höchsten Grade zu Thon zersetzt und mit Schwefel durch
zogen. Kleine Hügel aus gelbem und rothem Thon und
halbzersetztem Tuff gebildet und theilweise mit mehligen
Schwefelrinden überzogen, zeigen an ihrer Spitze eine
heftige Dampfentwicklung. Der ganze Höhenzug ist in
mehrere Spalten zerrissen und aus den zerborstenen Fels
wänden dringen heißes Wasser und bleiche .Dampfstrahlen
mit Sausen und Zischen, oft sogar mit dröhnendem Brüllen
und Schnaufen hervor. Kochende Quellen springen allerwärts aus dem Boden und verwandeln den weichen Thon
in einen bodenlosen Morast. Um zu den Maccaluben
oder Schlammvulcanen zu gelangen, welche auf der öst
lichen Seite des Höhenzuges liegen, giengen wir einem
darin eingeschnittenen hochgelegenen Thale nach; wo
sich dasselbe auseinanderthut, eröffnete sich uns ein über
aus merkwürdiger Anblick. Wir standen am Rande einer
dürren Lava-Ebene; im Vordergründe eine Reihe großer
kraterartiger Vertiefungen im Erdboden, eingehüllt in
unermessliche Säulen eines dichten Dampfes; im Hinter
gründe links die starren Lavaströme des Leirhnükur und
der Rücken der Krafla, rechts das Blafell, Burfell und
andere in unbekannte Wildnis sich verlierende Berge,
die nie eines Menschen Fuß betrat, ihre fernen Häupter
mit schwarzblauen Wolken umgeben, welche dieser Land
schaft einen unendlich düstern und öden Charakter ver
leihen, den einer traurigen unheimlichen Wildnis. Voller
Erwartung eilten wir auf die Dampfwolken zu, wurden
aber bald genöthigt, unsere Eile zu mäßigen; denn je
näher wir kamen, desto unsicherer und verdächtiger wurde
der ringsum dampfende Erdboden. Der Tuff, der vulcanische Sand und die bäsaltischen Lavaströme sind eben
falls in weichen Thonschlamm verändert worden. Die
dünne, von sublimiertem Schwefel gelblich gefärbte Kruste,
welche ihn überzieht, bricht leicht unter den Füßen, so
dass wir, um nicht zu versinken, langsam Schritt für
Schritt auf dem einen Fuß uns stützend mit dem andern
die Haltbarkeit der folgenden Stelle prüfen mussten. Schon
von Ferne hatten wir das entsetzliche Getöse vernommen,
welches die dem Erdinnern entsteigenden Dämpfe in dem
flüssigen Schlamm verursachen. Endlich sind wir in ihrer
Heiße und mineralische Quellen.
Heiße und mineralische Quellen.
156
unmittelbaren Nähe, wo sie ihr wundersames Spiel treiben.
Wir gewahrten, von zahlreichen kleineren umgeben, sieben
große Löcher im Boden, jedes mit einem Durchmesser
an der Oberfläche von ungefähr 15 Fuß, wie unge
heure Kessel gestaltet, oben, mit einem niedrigen, nach
außen abschüssigen Wulst umgeben; die Wände derselben
sind fester Thon, der Kessel ist mit einem widrigen, grau
blauen bis blauschwarzen flüssigen Schlamm bis 10 Fuß
unter die Oberfläche angefüllt Durch diese Schlamm
massen entweicht der Dampf mit unbeschreiblicher Ge
walt, die Flüssigkeit brodelt in dem Kessel wie im heftig
sten Sieden begriffen; an den Seitenwänden des Kessels
sind es meist kleine Blasen, welche zu 1 Fuß Höhe an
schwellen und dann im Zerplatzen den Schlamm nach
allen Richtungen hin spritzen, in der Mitte aber wird die
ganze Schlammflüssigkeit durch den Dampf, welcher sich
einen Ausweg sucht, oft bis zu 15 Fuß Höhe gehoben
und wie ein Springbrunnen steigt unter donnerartigem Ge
töse eine ganze Garbe davon in die Luft, um in langen
Strahlen und faustdicken Tropfen wieder in das Becken
zurückzufallen und wie in der heftigsten Brandung, starke
Wellen schlagend, an den Wänden des Kessels emporzu
zischen. Nach jeder solchen Schlammexplosion, welche in
Zeiträumen von 3—4 Secunden einander folgen, während
an den Rändern des Kessels die ganze Masse in fort
währendem Brodeln begriffen ist, wird eine große Menge
Dampf ausgehaucht; die einzelnen Eruptionen haben nicht
gleiche Stärke, bald bleiben sie niedriger, bald brechen
sie mit verdoppelter Wuth und lautem Gebrüll wieder
hervor. Sich ganz dem Rande zu nähern, ist ziemlich ge
fährlich; in der Nähe der großen Löcher befinden sich,
nur von einer dünnen Rinde überkrustet, andere Ver
tiefungen, so dass, wenn man einen plötzlichen Sprung
macht, um nicht vnn den kochenden Schlammstrahlen ver
brüht zu werden, man Gefahr läuft, in glühend heiße
Schichten von halbflüssigem Tiion und Schwefel zu ver
sinken. — Vergebliches Bemühen würde es sein, den
Eindruck dieses fe ie rlic h erg reifen d en Schauspiels
schildern zu wollen. Die ganze Erscheinung ist sornerkw ü r d i g, so g r o ß a r t i g und e i g e n t h ü m 1i c h, dass
157
wir eine Zeitlang stumm dastanden vor diesem colossalen
Naturspiel, das Tag und Nacht ununterbrochen fortdauert,
in einer der einsamsten Gegenden Islands, am Rande un
endlicher Lavafelder und einer undurchforschten wilden
Wüstenei, selten von einem Menschen angestaunt. W ir
p riesen uns g lü c k lich , einen A n b lick zu ge
nießen, der so w enigen gegönnt und eines nie
erlösch end en A ndenkens w ert i s t.u
Sartorius von Waltershausen hat den Charakter dieser
Schlammkessel treffend damit bezeichnet, dass falls die
Hexen in „Macbeth“ für ihre infernalen Beschäftigungen
noch nicht den rechten Platz gefunden hätten, der böse
Feind ihnen wahrhaftig keinen bessern Rath geben könnte,,
als in den Namur von Reykjahlicf ihre Werkstatt aufzu
schlagen.
Auch auf dem Namafjall selbst befinden sich Schwefel
quellen ; überall dampft der Boden und droht die Sohlen
des Wanderers zu verbrennen. In einiger Entfernung
von der Solfatarenkette findet sich in einer Höhle der
Lava ein Dampfbad, welches in frühem Zeiten von Kranken
aus entlegenen Gegenden besucht wurde. Audi heißer
flüssiger Schlamm wird als eines der besten Mittel, dessen
sich die Isländer zur Heilung der Hautkrankheiten
bedienen, gerühmt. Nach Sartorius von Waltershausen
soll der Schlamm, den man in den Bädern von Eilsen
benützt, dem der isländischen Namur besonders ähnlich
sein. Auch bei P e ista re y k ir, nördlich vom Mvvatn,
finden sich Schwefelquellen, desgleichen bei der Krafla
(vgl. oben S. 128—129.)
Ungefähr 4 Meilen südlicher von den Hli3ar-Namur
befindet sich eine andere ziemlich bedeutende Gruppe von
Solfataren, die F rem ri-N am u r (d. h. die vorderen
Schwefelquellen); dieselben liegen am Abhange eines vulcanischen Kraters, Namens „Ketill“. Es hat hier früher
eine ziemlich bedeutende Schwefelgewinnung stattgefunden.
An Großartigkeit und Gewalt des Schauspiels können diese
Namur jedoch mit denen bei ReykjahM nicht verglichen
werden.
Die K r i s u v i k u r -N ä m u r bei Krisuvik in der Gullbringu Sysla (auf der Halbinsel Reykjanes) sind den ReykjaHeiße und mineralische Quellen.
Heiße und mineralische Quellen.
158
hliSar-Namur ganz ähnlich, doch treten alle Erscheinungen
hier viel matter und weniger großartig auf. Die Quellen
liegen auf dem Abhange und am Fuße einer ziemlich
hohen, langen Bergkette, welche die Gegend von Krisuvik
von dem nördlich gelegenen Lavafeld trennt. In der
Nähe befinden sich auch einige Schlammquellen. „Zwei
große Öffnungen von 5—10 Fuß Durchmesser in der Erde
sind mit heißem, flüssigem, bläulichgrauem Schlamm an
gefüllt, welcher mit großer Heftigkeit kocht und wallt.
In kurzen Zwischenräumen wird der Schlamm durch die
von unten dringenden Dampfmassen zu einer Höhe von
ungefähr 6 Fuß emporgeschleudert. In kleineren Bassins
sprudelt die breiartige Flüssigkeit in ununterbrochenen
Strahlen.“
Da die Krisuvikur-Nämur für den Fremden gleichwohl ein seltenes
staunenerregendes Schauspiel darbieten und von Reykjavik aus in einem
zweitägigen Ausflug besucht werden können, seien sie hier ebenfalls näher
beschrieben. Dieselben liegen 40 k m südlich von Reykjavik, in einem wilden
Vulcanengebiete. Der ganze oben genannte Bergabhang besteht größtentheils aus schlüpfrigem, heißem Thon, von Schwefehnassen durchzogen;
allerorts suchen sich mit pfeifendem Gezisch die Dampfstrahlen einen
Ausweg; unzählige siedende Quellen und mächtige Gasexhalationen brechen
aus dem Boden hervor. An manchen Stellen ist der Thon, von Wasser
dämpfen unaufhörlich aufgewühlt, in einen weichen heißen Brei ver
wandelt. In der Mitte des Abhangs ist eine größere heiße Quelle;
durch eine Spalte im Boden dringt mit ununterbrochen brausendem und
sausendem Geräusch in schiefer Richtung ein starker Strahl siedenden
Wassers, eingehüllt in eine dichte Dampfsäule, hervor. Das Ungestüm,
mit welchem diese Quelle dem Boden entfährt, ist so heftig, dass man
in weiter Entfernung den Lärm zu unterscheiden vermag’. Die Tempe
ratur des Wassers beträgt 94° C. Rund herum plätschern an allen Seiten
zahllose kleinere siedende Springbrunnen. Die Farbe des Thons wechselt
auf das verschiedenartigste, bald ist sie gelbbraun, bald rosenrotli, blau
grün oder fleischfarbig. In den hohem Strichen des Berges nehmen die
Schwefelablagerungen an Masse zu und die Kruste, welche den Boden
überzieht, ist an verschiedenen Punkten einige Zoll dick; sie ist meist
undeutlich krystallisiert,'locker und sehr zerreiblicli; räumt man die Rinde
weg, so steigen Dampfwolken aus dem Boden auf. Es scheint hier alles
vereinigt zu sein, um dem Fremdling Schrecken einzuflößen; bei jedem
Fußtritt bricht versengender Dampf aus dem trügerischen Erdreich und
droht ihn mit seinem Qualm zu ersticken, während die widerlichsten
Gerüche ihn fast der Besinnung berauben. Schwefelquellen (schwefel
absetzende Schlammvulcane) befinden sich jetzt auch auf der Askja (vgl.
oben S. 126).
159
S a u e r b r u n n e n (isl. ölkeldur, sing, -kelda f.)
Die Sauerbrunnen, welche nach einer Bemerkung im
„Königsspiegel“ *) den Namen ölkeldur (d. h. Bier
quellen) deshalb erhalten haben sollen, „weil das Wasser
in denselben in Bezug auf den Geruch dem Mungat
(bei den Alten ein Bier besserer Gattung) ähnlicher ist
als dem Wasser“, kommen auf Island weniger häufig vor.
Die meisten findet man in der Hnappadals Sysla in der
Nähe der Snsefellsneskette, und die merkwürdigste davon
ist die R a u 9 a m e 1s - 0 1k e 1d a, oberhalb des Hofes Rau9amelur. In dem Wasser dieser Quelle ist besonders viel Kohlen
säure (isl. kolasyra, f.) enthalten. Die Quelle sprudelt
wallend hervor gleich. einem schwach kochenden ,.hver“,
doch ist das Wasser ganz kalt und hat auch vollkommen
die Farbe eines gewöhnlichen Quellenwassers; es schmeckt
erfrischend und hat einen schwachsäuerlichen oder eigen
tümlich mineralischen Beigeschmack. Auch in der AusturSkaptafells Sysla befindet sich ein Sauerbrunnen und zwar
in der Nähe des kleinen Sees „D veit.“ In alter Zeit war
nach dem Königsspiegel (a. a. 0.), eine Ölkelda im Hi ta r
da lu r (in der Myra Sysla) berühmt, welche nach der
selben Quelle „ganz wie Mungat“ geschmeckt haben und
„im Überfluss zum Trinken“ vorhanden gewesen sein soll.
Zugleich wird erzählt, dass, wenn man über die Quelle ein
Haus baute, dieselbe aus dem Hause verschwand und außer
halb des Hauses wieder zum Vorschein kam. Auch soll
das Wasser derselben, wenn man davon in Gefäßen etwas
mit sich nehmen wollte, seine Kraft verloren und nicht
besser geschmeckt haben als gewöhnliches Wasser, ja viel
mehr schlechter als dieses. Heutzutage verlautet jedoch
über diese Quelle nichts mehr.
Heiße und mineralische Quellen.
*) Speculum regale. Ein altnorwegisclier Dialog lierausgegeben
von Dr. Oscar Brenner. München lSSfl, S. 34.
160
Flüsse und Seen.
Flüsse und Seen.
Da Island infolge seiner Lage im offenen Meere,
seiner vielen Gletscher und seiner z. Th. von schmelzenden
Eisbergen herrührenden Nebel eine große Menge von
atmosphärischen Niederschlägen aufweist, ist es nicht zu
verwundern, dass es auch einen überaus großen Reichthum
besitzt an fließenden und stehenden Landgewässern als:
Quellen, Flüssen, Bächen und Seen. Was zunächst die
Q uellen betrifft, so ist vor Allem die große Menge von
w arm en und m ine ra 1i sch en Quellen, die auf Island
vorhanden sind, auffallend, wenn auch leicht erklärlich
durch die vulcanische Natur des Erdbodens der Insel. Wir
haben dieselben eben ihres vulcanischen Ursprungs wegen
bereits ausführlich im vorhergehenden Abschnitte bespro
chen. K alte und reine Quellen (isländ. lind pl -ir, uppspretta, pl. -ur, uppsprettulind, f., litill lsekur, m.) finden
sich fast überall bei Anhöhen und am Fuße der Berge;
das Wasser derselben — uppsprettu- oder lindar-vatn —
übertrifft alles andere Trinkwasser an Klarheit, Leichtig
keit und Frische. Die F lü sse und B äche entspringen
entweder in gewöhnlichen Quellen oder sie stammen von
Laufgletschern her und zwar kommen sie entweder direct
von denselben nieder oder sie entstehen aus dem Wasser,
das auf den Gletschern durch den Sand in die Erde hin
abgesickert und dadurch reines klares Bergwasser gewor
den ist; viele bilden auch den Abfluss von Seen. Die über
wiegende Mehrzahl der großem Flüsse ergießt sich von
dem Hochplateau, das die Mitte der Insel einnimmt, nach
Süden und Norden, wobei die für den geographischen Bau
der Insel „auffallende und höchst charakteristische“ Er
scheinung (auf die Winkler aufmerksam macht) sich zeigt,
dass die Richtung des Laufes der Flüsse, welche dem nörd
lichen Meere Zuströmen, eine rein nördliche oder nord
westliche ist, während die Flüsse des Südens eine südwest
liche Richtung des Laufes haben, so dass die Flussrichtun
gen in der Mitte der Insel einen stumpfen Winkel bilden.
161
Die H a u p tw a sse rsc h e id e von Island geht bei
läufig durch die Mitte der Insel von West nach Ost und
beginnt vom Snsefellsj ökull auf der Halbinsel Snsefellsnes,
geht quer über den Lang-, den Hofs- und den Tungnafellsjökull und endigt mit dem Vatnajökull. Die secundären Wasserscheiden werden durch die Längenrücken der
verschiedenen Gebirge gebildet. Der Lauf der Flüsse kann
demnach keine bedeutende Länge haben, ja er ist mit
unter sehr kurz, besonders im Stidlande; selbst von den
Strömen, welche mehr im Innern der Insel ihren Ursprung
haben, erreicht der größte nur eine Länge von 30 Meilen.
Dabei sind aber auch die kurzen Flüsse ungemein wasser
reich und oft sehr breit. Nicht wenige Flüsse münden
unmittelbar in’s Meer und nehmen dann Theil an Ebbe
und Flut, die anderen ergießen sich in die Fjorde. Man
unterscheidet die von Gletschern kommenden Wasserläufe
von den übrigen Flüssen und Strömen. Die ersteren heißen
„G1e t s c h e r f 1ü ss eu (oder -Bäche), auf isländisch :jö k u lsär, Einzahl (die häufig auch als Eigenname an
gewendet wird): jökulsa.*) Diese Gletscherflüsse haben
einen eigentümlichen, scharf ausgesprochenen Charakter;
sie sind vor Allem schon an ihrem meist schmutzigen,
weißlich grauen, bisweilen milchfarbigen undurchsichtigen
Wasser kenntlich, das seine Farbe von dem vielen
Gletscherkies, Lehm und Sand erhält, das der Fluss mit
sich führt; sie wechseln ferner beständig ihr Bett, indem sie
sich bald auf die eine, bald auf die andere Seite werfen,
bald sich vielfach verzweigen; sie verändern auch häufig
die Schnelligkeit ihrer Strömung, die doch zumeist ungemein reißend ist, namentlich im Sommer und bei Flüssen
von kurzem Lauf; sie graben auch fortwährend an ihrem
jeweiligen Bette, so dass ihre Tiefe beständig wechselt,
im Sommer jedoch immer zunimmt. Darum gibt es bei
Flüsse und Seen.
-) Dies gäbt leicht zu Verwechselungen Anlass, da nicht alle jökulsar
durch nähere Bezeichnungen von einander unterschiedeil sind. Audi
sonst ist die Menge gleicher Orts-, Berg-, wie Gewässer-Bezeichnungen
auf Island für den Fremden sehr verwirrend; was z. B. die letzteren
betrifft, so findet sich eine Unzahl von Flüssen und Bächen mit den
Namen Laxa, Tüngua, Dvera u. s. w. und von Seen mit dem Namen
Fiskivatn und dgl., wie wir bei der Aufzählung der Flüsse und Seen
sehen werden.
. P o e s t i Oil, Island.
11
Flüsse und Seen.
162
den Gletscherflüssen auch keine bestimmten ‘Übergangs
stellen oder Furten (isl. vö9, n., sing. va9) — für die Pferde
natürlich, die den Reisenden auf ihrem Rücken durch dieselben
tragen, und viele sind auch ganz unbefahrbar. Mehr noch als
die übrigen Flüsse nehmen die Gletscherflüsse im Sommer an
Wasserreichthum zu, da zu dieser Zeit die Schnee- und Eis
massen schmelzen. Es wird denn auch gerade zu dieser,
sonst günstigen Jahreszeit das Reisen auf der Insel sehr
erschwert, ja stellenweise geradezu unmöglich gemacht,
indem manche Flüsse durchaus nicht übersetzt werden
können. Hat ein solcher Fluss einen nur kurzen Lauf,
wie dies z. B. bei der Jökulsa a Brei9amerkursandi der
Fall ist, so kann man versuchen, am Ursprung derselben
über den Rand des Gletschers zu kommen; man nennt
dies: einen Fluss „a undirvarpi“ passieren; die Pferde und
das Gepäck können auf diesem Wege freilich nur schwie
rig oder gar nicht befördert werden, da der Gletscher
boden voll von Sprüngen und^ Rissen ist. Aber auch unter
normalen Umständen ist das Übersetzen einer jökulsa, zu
mal wenn sie in mehreren Armen dahinfließt, mit nicht
geringen Schwierigkeiten und Unannehmlichkeiten ver
bunden. Da es, wie gesagt keine bestimmten Furten
gibt, muss der Weg durch den Fluss nach der Brechung
der Strömung „eptir brotuni“ sagen die Isländer —
gewählt werden, d. h. da, wo man aus der Brechung der
Strömung ersieht, dass das Wasser in diesem Augenblicke
am seichtesten ist. Ein Übergang über die vielen Arme
eines solchen Gletscherflusses mit seiner reißenden und
brausenden Strömung, dem undurchsichtigen Wasser und
dem im Voraus unberechenbaren Ritt „eptir brotum“, bald
mit, bald gegen den Strom, bald aufwärts, bald wieder
zurück, wobei man oft glaubt, dass man am anderen
Ufer des Flusses angelangt sei, aber gleich darauf sieht,
dass man vielleicht erst die Hälfte des Weges zurück
gelegt hat, ein solcher oft stundenlanger Ritt zu Wasser
soll denn auch sehr starke Nerven erfordern, damit der
Fremde, der daran nicht gewöhnt ist, .nicht von einem
nervösen Gefühl überwältigt oder von Schwindel erfasst
wird. Schon der Anblick eines echten Gletscherflusses
hat für den Fremden etwas sehr Unheimliches; die Strö-
163
mung ist -gewöhnlich so stark, dass sich die Wasserfläche
gleichsam zu wölben scheint; und da ein regelmäßiges
Flussbett nicht vorhanden ist, stürzt das Wasser mit einem
Ungestüm und einer Zügellosigkeit dahin, dass die hüpfen
den. Wogen von der Ferne — bevor man noch dem Fluss
selbst sieht — wie braunschwarze Spitzen erscheinen, die
man mit Steinen verwechseln könnte. Ein weiteres charak
teristisches Merkmal der Gletscherströme sind die schon
früher erwähnten Wasserstürze (isl. jökulhlaup), d. h.
plötzliche unregelmäßige und überaus starke Anschwel
lungen des Flusses, hervorgerufen dadurch, dass aus den Fall
oder Laufgletschern oft ungeheure, mit Eisblöcken angefüllte
Wassermassen hervor^ und in den Fluss hinabstürzen, der
dann oft große Verwüstungen anrichtet. Auch sonst
wachsen die Gletscherflüsse und auch die kleineren, oft
im Laufe von vierundzwanzig Stunden, bisweilen sogar
plötzlich und ohne sichtbare Ursache so mächtig an, dass
sie nicht passiert werden können. *) Am bertichtigsten sind
in dieser Beziehung von allen Gletscherflüssen die des
Südlandes.
Der Lauf vieler Flüsse ist bei dem häufigen Mangel
eines regelmäßigen Bettes und oft auch infolge von
(besonders vulcanischen) .Elementarereignissen manchen
Veränderungen unterworfen gewesen. Flüsse, die früher
getrennte Mündungen hatten, haben jetzt eine gemein
schaftliche Mündung und umgekehrt. Dies ist, wie schon
erwähnt, ganz besonders bei den Gletscherflüssen der Fall,
da dieselben große Mengen von Lehm, Sand, Steingeröll
u. dgl. mit sich führen, die sie tlieils schon während ihres
Laufes, besonders aber bei ihrer Mündung in das Meer
ablagern, und dadurch die Bildung von Sandbänken und
Sandstrecken (isl. sandur genannt) herbeiführen, welche
auf die Strömungsverhältnisse des Flusses bedeutenden
Einfluss nehmen, ja die Mündung schließlich ganz ver
legen und den Fluss zwingen können, sich einen anderen
Ausgang in’s Meer zu suchen. Hierbei verzweigt sich der
selbe gewöhnlich in mehrere Arme und vereinigt sich
Flüsse und Seen.
*) Nach Kaalund an verschiedenen Stellen seines oft citierten Werkes
„Bidrag“ u. s. w .
11*
164
Flüsse und Seen.'
nicht selten mit einem benachbarten Flusse. „Von Berges
höhen aus betrachtet, macht ein derartiges Delta, denn
nichts Anderes ist es, mit seinen zahllosen Armen und
schwarzen Sandbänken einen prächtigen Eindruck.w*)
Wir finden darum auch, dass so manche genaue Beschrei
bung von Flüssen oder Flussmündungen in den alten
isländischen Sagas mit den bezüglichen heutigen Verhält
nissen nicht übereinstimmt, und selbst in der Gegenwart
ist die kartografische Darstellung der Gletscherflüsse wegen
ihrer beständigen Verzweigungen fast ein Ding der Un
möglichkeit.
Es wird dem Leser schon aufgefallen sein, dass von
einem Durch re ite n der Flüsse die Rede war, und
warum man denn zum Übersetzen derselben nicht eine
B rü ck e benützt. Wir stehen da wieder vor eigenthümlichen Verhältnissen des Lebens auf Island. Das an Wasser
läufen so reiche Land besitzt nur eine höchst geringe
Anzahl von Brücken und der Isländer selbst verspürt diesen
Mangel nur ganz wenig. Kommt er auf seiner Reise zu einem
Flusse (.oder einem schmalen See), so durchreitet er den
selben — der Isländer reist nämlich immer zu Pferde — an
den bekannten Übergangsstellen, wenn solche vorhanden
sind oder auch auf gut Glück. Je nachdem nun der Fluss
tief oder reißend, oder sein Boden mit Quicksand oder
weichem Schlamm bedeckt ist, erhält ein solcher Ritt, wie
wir gesehen haben, seinen eigentümlichen harmlosen oder
gefährlichen Charakter. Auch den fremden Reisenden
bleiben natürlich auf ihren Wanderungen anfangs zu ihrer
nicht geringen peinlichen Überraschung solche kühle Ritte
nicht erspart. Wo ein solches Übersetzen eines Flusses
nicht möglich ist, findet, aber auch nur wenn die Strömung
es erlaubt, an verschiedenen, doch allerdings nicht sehr
zahlreichen Stellen, eine Überfuhr mittels eines Bootes
statt, das aber beinahe immer auf der entgegengesetzten
Seite des Flusses zu liegen pflegt, so dass der dazu gehörige
Fährmann erst durch — oft sehr lange fortzusetzendes
— Rufen und Geschrei aufmerksam gemacht werden muss.
Die Pferde werden in diesem Falle von Sattel, Zäumung
") K. Keilliack, Reisebilder aus Island. Gera 18S5 S. 76.
165
und Gepäck befreit, in den Fluss gejagt und müssen so gut
sie können, schwimmend das andere Ufer zu erreichen
suchen. Wo aber auch die Überfuhr mittels Bootes nicht
möglich ist, da haben die Isländer eine eigenthümliche
Einrichtung, die besonders an den Flüssen des Ostlandes
zu finden ist: Menschen und Gepäck werden in einem
an Tauen befestigten Kasten, isl. d ra ttu r (von draga
= ziehen) oder k ä lfu r ans andere Ufer gezogen.
Flüsse und Seen.
A. Heliand beschreibt eine solche Überfahrt über die Jökulsa a bru
bei Häkonarstacfir mit folgenden Worten:-) „Zwei Taue sind über den
Abgrund gespannt, den der Fluss durchströmt, und auf diesen Tauen
ruhen vier Räder, die in vier Ständern angebracht sind, an welchen die
Kiste hängt. An der Kiste sind zwei Taue befestigt, die wieder jedes
an einem anderen Ufer befestigt sind, und mit Hilfe dieser Taue kann
man sich, in der Kiste sitzend, entweder selbst auf das andere Ufer hin
über ziehen oder von einem Mann, der sich daselbst befindet, hinüber
ziehen lassen. Wenn man sich in die Kiste gesetzt hat und das Tau
losbindet, läuft man in größter Geschwindigkeit aus, bis die Kiste sich
mitten über dem Abgrund befindet, wo das Tau am tiefsten hängt.
Von hier aus zieht man sich auf der anderen Seite empor, bis man das
Ufer erreicht, worauf man sich selbst und die Kiste vertäut und dann
aussteigt. Es ist mit keiner besonderen Anstrengung verbunden, in
einer solchen Kiste über den Fluss zu kommen, besonders wenn man
einen Mann hat, der Einen hinüber zieht; nervöse Menschen aber und
solche, die an Schwindel leiden, fürchten sich vor einer solchen Über
fahrt im drattur, da dieser sehr hoch schwebt; und zerreißen die Taue,
an denen die Kiste hängt, oder bricht der Boden der Kiste durch, so
stürzt man in den abscheulichen, schäumenden Fluss, aus dem man
kaum lebend davon kommen würde, denn er strömt mit größter Geschwin
digkeit dahin. Die Sättel und das Gepäck werden ebenfalls wie die
Menschen im drattur über den Fluss befördert. Schwierig ist es hingegen
die Pferde an’s andere Ufer zu bringen. Man geht dabei auf folgende
Weise zu Werke: Zuerst sucht man die Pferde zum Ufer hinab zu
bringen, was sich nur schwierig und an wenigen Stellen bewerkstelligen
lässt, da das Erosionsbett, welches der Fluss gebildet, sehr steile Seiten
wände hat. Auf dem drattur zieht man dann das eine Ende eines Taues
über den Fluss und zu einem Pferde hin, an dessen Unterkiefer das
Tauende befestigt wird. Ein Mann, der auf der entgegengesetzten Seite
des Flusses steht, hält das andere Ende des Taues fest, und wenn dies
Alles in Ordnung gebracht ist-,, wird das Pferd in den Fluss hinaus
gejagt, der mit einer Geschwindigkeit von 7 Meilen dahinströmt. Das
Pferd verliert sogleich den Grund und wird von der Strömung weiter
getrieben. Der Mann, der am anderen Ufer steht und das Tau hält,
läuft nun aus allen Kräften das Ufer entlang, um dem von der Strö
mung abwärts getriebenen Pferde zu folgen und zieht gleichzeitig mit*)
*) Nyt Tidsskrift (Kristiania) I., S. 167 ff.
166
Flüsse und Seen.
aller Kraft an dem Tau, so dass das Pferd dadurch leicht an das andere
Ufer gelangt. Dies wird mit jedem Pferde wiederholt, bis sie alle über
den Fluss sind.“
Was endlich.die wenigen B rü ck en (isl. brü, pl. bryr *)
betrifft, so befindet sich die. älteste und lange Zeit einzige
Holzbrücke Islands bei Fossvöllur in der Norcfur Müla
Sysla, und führt über die Jökulsa a brü. In den letzten
Jahren, in denen die Isländer den Communications-Ver
hältnissen überhaupt mehr Aufmerksamkeit schenken, sind
über mehrere Flüsse Brücken geschlagen worden. Da
runter sind besonders bemerkenswert die Brücken über
die beiden Arme des Skjälfandafljöt (in der Sudur tüngeyjar Sysla), welche zusammen beiläufig 240 Fuß lang
sind und circa 17.000 Kronen gekostet haben. Vor zwei
Jahren hat man auch eine Brücke über die lachsreiche
Ellicfaa (in der Nähe von Reykjavik) und eine zweite über
die bereits erwähnte reißende Jökulsa a brü gebaut.
Die g rü ß te n F lüsse finden sich im Süd-, Ost- und
Nordlande; im ersteren sind die 30 Meilen langeD jörsa
und die H v ita die bedeutendsten; sie stehen, nach Sar
torius von Waltershausen, dem Rheine in seinem mittleren
Laufe an Größe nicht nach; im Ostlande ist besonders
das L a g a rfljö t durch seine Breite und große Wasser
menge ausgezeichnet; das Nordland wieder durchströmt
eine Anzahl großer und reißender Flüsse, welche vom
Hochplateau des inneren Landes kommen und von denen
die 25 Meilen lange Jökulsa 1 Axarfirdi, das S k jalfan d aflj öt und die Jö k u lsa a brü genannt zu weiden ver
dienen. Das Westland ist am ärmsten an großen Flüssen;
nur die H v ita kann hier als sehr bedeutender Fluss ver
zeichnet werden. Die Halbinsel V e stfird ir besitzt keinen
einzigen größeren Wasserlauf. Der längste Fluss Islands
ist die oben genannte Djörsa.
Ein besonderer Schmuck der isländischen Flüsse und
Bäche sind zahlreiche h e rrlic h e , oft ungemein imposante
W asserfälle (isl. foss, m.), die die Bewunderung und*)
*) Mit brü bezeichnen die Isländer auch natürliche Brücken d. li.
Brücken, die durch Felsen, welche den Fluss überwölben, gebildet sind
und isl. auch „steinbogi“ heißen; außerdem bezeichnet „brü“ auch
einen Damm oder dammartigen Weg.
167
das Entzücken jedes Freundes von Natnrschönlieiten er
regen müssen. Die berühmtesten Wasserfälle sind der
D e11if oss (Jökulsa i Axarfirdi), der G-ullfoss (Hvita
in der Arnes Sysla), der A 1deyjarfoss, der G oSafoss
und der U lla rfo ss (alle drei vom Skjalfandafljöt ge
bildet), der S kögafoss und der S e 1j a 1andsfoss (in
der Rangarvalla Sysla), der H engifoss (Hengifossä im
Fljöts-Thale) u. a. Auch manche Flussthäler sind von
reizender Schönheit, während andere einen schauerlich wild
romantischen Charakter tragen.
Flüsse und Seen.
Die allgemeinste Bezeichnung* für fließendes Wasser ist bei dem
Isländer „ä“ (plur. är), welches etymologisch genau unserem Worte
„Ache“ entspricht; mit diesem Worte werden die größten Flüsse wie
auch kleine Bäche bezeichnet. Für einengroßen Fluss gebraucht man
auch „fljot“, n., für Fluss überhaupt auch „mo3a“, f., und „vatn“, n.
(= Wasser), für Bach außer ä auch: lsekur; ein kleiner Bach heißt:
Isekjarsprsena; ein tiefer und schmaler Flussarm oder Canal mit stillem
Wasser heißt im .Ostlande: kill, m., (sonst von einer schmalen Bucht
oder schmalem Meeresarm gebraucht); für Nebenfluss hat man die Be
zeichnung „kvisl“, f.; der "Ursprung eines Flusses, Baches heißt: uppspretta, f., seine Mündung: 6s, m.; Flussufer: fljotsbakki und ärbakki,
in., Lauf des Flusses: ärrennsli, n., stefna (f.) fljots.
Ebenso reich wie an Flüssen ist Island auch an L a n d
seen (isl. stöduvatn d. h. stillstehendes Wasser, gewöhnlich
bloß: vatn, pl. vötn; auch lögr, m. gen. lagar • ein kleiner
See auch: tj örn, £). Dieselben sind zumeist durch die Ge
stalt der Thäler bedingt. Viele Seen (und Flüsse) sind durch
vulcanische Umwälzungen entstanden, so, der See der Askja
(vgl. oben S. 126), das Dingvallavatn (vgl. unten) u. a.
Viele derselben müssen als frühere, jetzt gegen das Meer
hin abgedämmte Fjorde betrachtet werden, obwohl sie
gegenwärtig mit süßem Wasser gefüllt sind. So ist z. B.
das Skorradalsvatn eine entschiedene, durch AlluvionsGebilde unterbrochene Fortsetzung des Borgarfjördur, und
ähnlich verhält es sich z. Th. wohl auch mit dem Ljösavatn
u. a. *) Auch jetzt noch gibt es auf Island verschiedene
Strandseen, die nur durch Sandbänke von der See getrennt
sind und mit dieser noch communicieren. Im Laufe der
Zeit werden auch diese mit dem Anwachsen der Sand
*) Sartorius v. Walterhausen a. a. 0., S. 10.
Flüsse und Seen.
168
massen ganz den Charakter von Landseen annehmen. Man
nennt diese Strandseen, welche in Allein den Haffen der
südbaltischen Küste gleichen, auf isländisch „hop,“' n.
(wenn sie Süßwasser enthalten) oder „Ion,“ auch „os“ (älter
öss), wenn dieselben durch Verbreiterung von Flüssen bei
der Mündung gebildet werden.
Die Landseen treten zum Tlieil vereinzelt, gewöhn
lich aber in Gruppen auf. Sie sind wie ja auch fast alle
Flüsse, die Gletscherflüsse nicht ausgenommen, ungemein
reich an Fischen, besonders an Lachsen und Forellen;
dies kann man schon aus den Kamen „Fiskivötn“ für
viele Gruppenseen und „Laxä“ „Fiskia“ für viele Flüsse
ersehen. Die Seen sind selten ohne sichtbaren Zu- und
Abfluss, sondern bilden vielmehr häufig die Quellen von
Strömen, Flüssen und Bächen, oder sind Erweiterungen
von Flussbetten. Die größten Seen Islands sind das Dingvallavatn, das Myvatn, ein seit 1880 gebildeter See
zwischen der Vadalda und den Dyngjufjöll. das Hvitärvatn, das Dorisvatn und die seeartige Erweiterung des
Lagarfljöt.
Wir gehen nun über zur Aufzählung der wichtigeren
Flüsse und Seen Islands, wobei auch manches kleinere
Flüsschen oder Wasser genannt werden soll, das historisch
interessant oder zu leichterem Verständnis alter Quellen
dienlich ist.
I. Flüsse..
An der Westküste münden und zwar:
In den F a x a fj ö r 9 u r :
Die E lli9 a ä r (so benannt, weil der Ansiedler
Ketilbjörn mit seinem Schiffe Elli9i bei der Mündung
dieses Flüsschens landete; vgl. oben S. 68—69 und
Landnäma S. 312), von den Dänen und Fremden wegen
ihres Lachsreichthums gewöhnlich L axelv, d. h. Lachs
fluss, von den Isländern in der Umgangssprache H ellisä r
(d. h. Höhlenachen, wegen der vielen Löcher und Ver
tiefungen in ihrem Bette) genannt, zwei nicht sehr weit
von der Mündung, sich vereinigende Arme eines kleinen
Flusses, von denen der eine in dem See Elli9avatn ent
springt, dessen Name wohl denselben Ursprung hat wie
Flüsse und Seen.
169
der des Flüsschens. Der südliche Arm und der vereinigte
Fluss bilden einen Theil der Grenze zwischen der Gullbringu- und der Kjösar Sysla. Die ElliÖaar münden in
die kleine südliche Bucht der südlichen Abzweigung des
Kollafjördur im weiteren Sinne, in den sogenannten Winter
hafen. Der sonst unbedeutende, kurze und pfeilschnell
dahin schießende Fluss ist eben seines Lachsreichthums
wegen bemerkenswert* er bildet auch einen schönen, stets
donnernden AVasserfall.
Die L eiruvogsa (nach der kleinen Bucht Leiruvogar,
einer anderen kleinen Einbuchtung des Kollafjördur, in
welche dieser Fluss mündet, benannt) ist der bedeutendste
von mehreren kleinen Wasserläufen, die sich hier in’s
Meer ergießen. Sie entspringt im See Leiruvogsvatn.
Die L a x a (d. h. Lachsfluss), ein mittelgroßer Fluss,
durchströmt den Kjösardalur und entspringt ebenfalls in
einem See; sie nimmt einige .Bäche auf und mündet im
Laxarvogur, einer südöstlichen Einbuchtung des Hvalfjörcfur.
Die B otnsa (botn. = innerster Theil eines Fjords
oder Sees) bildet die Landgrenze der Kjösar- und Borgarfjardar Sysla, entspringt im See Hvalvatn und ergießt
sich in die östlichste Einbuchtung des Hvalfjördur. Eine
L axa, welche durch den Svinadalur kommt, durchströmt
drei Seen und mündet in die Lcirarvogar, denen ein eben
falls hier mündendes Flüsschen, die L eira (d. h. LehmAche), den Namen gegeben hat.
Die A n d ak ilsa (d. h. kleiner Entenbucht-Fluss,
kill = schmale Bucht; vgl. oben S. 167; so nannten
Ansiedler diese kleine Bucht, weil sie hier viele Enten
sahen), den langen schmalen See Skorradalsvatn durch
strömend, ergießt sich in eine kleine südöstliche Ein
buchtung des Borgarfjördur, die eben den Namen Andakill
führt. Sie ist reich an Lachsen und Forellen.
Die Hvftä i B o rg a rfird i (d. h. weißer Fluss, wegen
der weißgrauen Farbe des Wassers schon so benannt von
Skallagnmr, dem Vater des berühmten altisländ. Dichters
Egill. f 990 n. Chr.; vgl. Egilssaga c. 28; der Zusatz
„im Borgarfjördur“ soll sie von einem anderen Flusse
gleichen Namens unterscheiden), einer der wasserreichsten
Flüsse Islands, der auch — zur Zeit der Flut wenigstens —
Flüsse und Seen.
170
für g rö ß ere Fahrzeuge d. h. isländische „Schiffe“
oder vielmehr Boote mit sechs oder mehr Rudern, zu
gänglich ist. Sie entspringt in drei Armen westlich -vom
Eiriksjökull, nimmt dann eine südwestliche Richtung bis zu
ihrem Vereinigungspunkte mit der Geitä, worauf sie bis
zum Sidumuli gegen Westen strömt, um hierauf wieder
in südwestlicher Richtung dem Meere zuzueilen, das sie
im Borgarfjördur erreicht. Die Hvita nimmt an Ebbe und
Flut nicht nur selbst weiter als eine Meile weit, sondern
auch noch mit einigen ihrer größeren Nebenflüsse theil.
Zwischen Gilsbakki (jetzt ein Pfarrhof, in heidnischer Zeit
besonders bekannt als Heimat des Dichters Gunnlaugr
Schlangenzunge) und Sidumuli, am rechten Ufer der Hvita
liegt die schöne Landschaft Hvit.arsida (d. h. Seitenstrecke
der Hvita), aus dem sanften Abhang des Sidufjall bestehend.
Bei Gilsbakki bildet die Hvita einen zwar nicht hohen,
aber sehr schönen und imposanten Wasserfall, den soge
nannten B arn afoss. Die Hvita ist jetzt in ihrer ganzen
Ausdehnung (bis zu ihrem Ursprung) zugleich die Grenze
zwischen der Borgarfjardar- und der Myra Sysla. Sie so
wohl wie auch ihre Nebenflüsse sind wegen ihres großen
Reichthums an Fischen, besonders Lachsen, bekannt. In
der alten Zeit war H v ita rv e llir (Vellir) am südlichen
Ufer der Hvita. nicht weit von ihrer Mündung ein viel
besuchter Handelsplatz.
In die Hvita münden zahlreiche N eb enflü sse;
davon sind die wichtigsten und zwar re c h ts:
Das N o r 31 i n g a f 1j 61 ; entspringt zwischen dem
Eiriksjökull und dem Balljökull und ergießt sich nach
einem südwestlichen Lauf westlich vom Tüngufell in die
Hvita, der es eine große Wassermenge zuführt; dasselbe
wird durch seinen reißenden Lauf und sein unebenes
Bett bisweilen gefährlich.
Die D verä (d h. Querfluss, Seitenfluss*), als Eigen
name für noch viele andere Flüsse gebraucht); mit der
Kj a rra (oder Ö rn 61 f s da 1sä, wie sie#in ihrem unteren
Laufe nach einem Colonisten Namens Örnölfr [vgl. Landnama, S. 67] heißt). Eigentlich bildet die letztere den
*) So ebenfalls schon von Skallagrnnr, dem Vater des Dichters
Eg’ill benannt.
171
Hauptfluss, da sie nach Aufnahme der „Litla Dvera“
fd. h. kleine £>.) den Namen dieses Flüsschens annimmt.
Die K ja rrä (d. h. Gebüschfluss) entspringt in den Seen
und Sümpfen von Tvidtcgra und nimmt auch später als
Dverä eine südwestliche Richtung, um gegenüber dem
Hofe Statholtsey in die Hvita zu münden.
Die Nor dura (d. h. der Nordfluss, gleichfalls schon
von Skallagrimr so benannt), der größte Nebenfluss der
Hvita, entspringt in einer Kluft in der Nähe des kleinen
länglichen Sees Holtavörduvatn, wendet sich in einer kleinen
Biegung zuerst gegen Norden und ergießt sich in den See,
fließt dann, zunächst durch ein langes, schmales, von Bergen
umgebenes Thal, welches nach ihr „Nordurärdalur“ ge
nannt wird und beim See Hredavatn (früher Hreduvatn)
mit gleichnamigem Hof*) in die sumpfigen Niederungen
„Stafholtstungur“ mündet, anfangs in südwestlicher, dann
in fast gerader Richtung nach Süden, um sich nicht weit
von der Mündung der Hvita mit dieser zu vereinigen, nach
dem sie noch kurz zuvor die kleine G lju fu rä (d. h.
Kluftfluss, von Skallagrimr und seinem Gefolge so ge
nannt,weil sie diesen Fluss durch steile Klüfte sich seinen
Weg zur Nordura hinab bahnen sahen), die eigentlich ein
Arm der großen, westlicher gelegenen Langä ist, aufge
nommen hat. Auch in ihrem oberen Lauf nimmt die Nordura
mehrere Flüsschen, so besonders einige im Nordurardalur
auf. Die Nordura ist in ihrem unteren Theile (bis Stafholt)
ebenfalls schiffbar.
L in k s münden in die Hvita:
Die G eita (d. h. Ziegen-Ache), ein zwar nicht
großes, aber reißendes und mit großen Steinen angefülltes
Flüsschen von milchweißer Farbe, welches am Fuße des
Geitlandsjökull entspringt und nach einem westlichen Lauf
nordöstlich von Husafell in die Hvita mündet. Mit größe
rem Rechte verdiente die Geita den Namen ..Hvita“, denn
sie ist es, die der Hvita den größten Theil ihres weißen
Gletscherwassers zuführt.
Flüsse und Seen.
*) Im Alterthum als zeitweiliger Wohnsitz des Dichters Hallfreör
vandraedaskäld, in jüngster Zeit wegen des in der Nähe befindlichen
Steinkohlen- oder vielmehr Braunkohlenlagers bekannt.
172
Flüsse und Seen.
Die R eykj a dal sä (cl. li. die Rauclithals-Aclie) durch
strömt den ganzen Reykholtsdalur und nimmt in ihrem
untersten Laufe, der zuletzt parallel ist mit dem der F16kadalsä, noch ein südliches Flüsschen die Geil-sä (wohl
benannt nach dem Colonisten Geirr Ketilsson Blunds; vgl.
Landnama S. 60). auf. Die hier zwischen der Reykjadalsä
und der Hvitä eingeschlossene Landschaft bis zu der vor
Reykholt befindlichen Bodenerhebung Skäneyjarbünga, auf
deren Abhang der aus der Gunnlaugssaga bekannte Hof
S k an ey (d. h. Schonen) liegt, ist, wie überhaupt die
ganze Gegend hier historisch ungemein interessant und
heißt D eil dar tun g a.
Die F lö k a d a lsa durchströmt die Südseite des Flökadalur (benannt nach Floki, einem Knechte des Ansiedlers
Ketill gufa vgl. Landnama S. 59) und nimmt beim Austritt
aus demselben eine mehr nordwestliche Richtung, in der sie
auch die Hvita erreicht.
Die G rim sa entspringt im See Rey9arvatn, nimmt
die südliche T ü n gu a auf, durchströmt den langen, schmalen
Lundareykjadalur und schlägt gegen die Hvita zu eine
westliche Richtung ein. Die Grimsa, welche nach dem
Ansiedler Grimr Dörisson benannt ist (vgl. Landnama S. 58),
ist in der Nähe ihrer Mündung recht bedeutend und z. Th.
schiffbar.
In den B o rg a rfj ö r9 ur ergießen sich noch:
Die G ufä (d. i. Gufuä, benannt nach dem mehr
erwähnten Ketill gufa vgl. Landnama S. 58); dieselbe ist
eigentlich an und für sich unbedeutend, zeichnet sich aber
durch ihre breite, tiefe und stromfreie Mündung („Gufärös“)
aus, die beiläufig eine Viertelmeile lang ist und auch
schon Ebbe und Flut mitmacht- sie ist denn auch hier
für große „isländische“ und zur Zeit der Flut selbst für
größere wirkliche'Schiffe zugänglich. Im Alterthum wurde
der „Gufarös“ sehr häufig als Landungsstätte für Meer
schiffe sowie besonders als Überwinterungsstation da
zwischen Island und Norwegen verkehrenden Schiffe be
nützt. Die Gufä entspringt in einem kleinen See und
schlängelt sich zumeist in südlicher Richtung zum Borgarfjörclur hinab.
173
Die L a n g 4 (d. h. der lange Fluss); es ist dies ein ganz
■ bedeutender Fluss, der in dein langgestreckten See Langavatn
entspringt, links bald einen kleinen Arm, die oben erwähnte
G lju fu rä aussendet, (welche zuerst in südöstlicher, dann
in südlicher Richtung läuft, um zuletzt in die Nor9urä zu
münden)' und mit südsüdwestlicher Direction dem Meere
zueilt, in das er sich in breiter Mündung ergießt. Die Langä
bildet mehrere hübsche Wasserfälle, wovon der unterste
Langarfoss heißt. In dieselbe Mündung ergießt sich auch
die U rrid aa (d. h. Forellen-Ache), welche an dem Berg
abhange westlich von dem altbekannten Hofe G re n ja r
entspringt, mit der Länga beiläufig parallel läuft, und sich
dann plötzlich gegen Osten dreht.
D ire c t in den F a x a fjö rd u r münden:
Die A lp ta (d. h. Sclrwanenfluss) entspringt im (Ytri-)
Hraundalur (d. h. Lavathal), westlich von Grenjar; der eigent
liche Quellenbach trennt dieses Thal vom gleichnamigen
südlicheren, dem Sy9ri Hraundalur; in jedem dieser beiden
Thäler befindet sich auch ein Hof gleichen Namens; auf
einem derselben starb die einstige Braut des Dichters
Gunnlaugr, die schöne Helga*). Anfangs ein kleiner Bach,
wächst die Älpta doch recht bedeutend an, und ist bei
ihrer Mündung („Alptaros“) ein recht ansehnlicher Fluss,
dessen Strömung noch ziemlich weit im Meere bemerkbar ist.
Die H i t a, auch H itara, älter und richtiger H i t a (d. h.
der warme Fluss; eine Beziehung zur isländischen Riesin
Hit, die man in der Schreibung und Form der Namen:
Hitarä, Hatardalur und Hitarvatn **) vermuthen könnte, ist
Flüsse und Seen.
*) Die zarte Liebesgeschichte des Gunnlaugr und der Helga er-,
zählt die schöne Gunnlaugssaga (neuester Abdruck in m ein er „Ein
leitung in das Studium des Altnordischen“ II. Th. S. 39—73; deutsche
freie Nacherzählung derselben in m einem Buche „Aus Hellas, Rom
und Thule,“ 2. Auflage, Leipzig 1SS4, S. 105—128 unter dem Titel „Ein
alt-isländisches Dichterleben. “)
**) Man spricht diese Namen noch jetzt in der Gegend selbst mit
unaccentuirtem i, also Hitardalur u. s. w. — Übrigens hat schon Jon
Sigurösson (Islendinga sögur I, S. 74—75, Anm.) darauf aufmerksam
gemacht, dass der das Thal durchströmende kleine Fluss ursprünglich
Hita hieß, sowie dass dieser Name in augenscheinlichem Gegensätze zu
dem der wenig nördlicher fließenden Kalda stand, so dass also Hitar
dalur und Kaldärdalur als das Thal des warmen und des kalten Flusses
unterschieden werden. „Es ist also eine spätere Verderbniss, wenn man
Flüsse und 8epn.
174
demnach nicht vorhanden); dieselbe entspringt aus dem
See Hitarvatn ganz oben in dem Gebirgsthale „Hitardaluru ; sie durchfließt dieses Thal in südlicher Richtung,
wendet, sich hierauf mehr gegen Westen und wächst
während ihres Laufes durch das sumpfige Tiefland immer
mächtiger an, um sich endlich, eine kleine Bucht absetzend,
in den Faxafjördur zu ergießen. An der Mündung bildet
sie die kleine, grasreiche, für den Seehundsfang günstige
und auch viele Eidervögel beherbergende Insel Kj aransey.
Die Hita bildet die Grenze zwischen der Mvra- und der
Hnappadals Svs'la.
Die K al da (d. h. der kalte Fluss; ein besonderer
Grund für diese Bezeichnung lässt sich ebensowenig finden,
wie für diejenige der Hitara, da weder die Kalda ein
ungewöhnlich kaltes, noch die Hita ein warmes, etwa von
heißen Quellen herrührendes Wasser hat); entspringt in
einem kleinen, schmalen Thale, Namens Kaldardalur, das
sich zwischen die beiden ansehnlichen parallelen Gebirgs
rücken Fagraskögafjall und Kolbeinstadafjall einschneidet,
und eilt dann in westsüdwestlicher Richtung dem Meere
zu, bei ihrer Mündung die nicht unbedeutende Bucht
„Kaldäros,“ bildend.
Die H affjarcfara (d. li. Meerbuchtfluss) kommt vom
-Sata-Berge und strömt in fast schnurgerader Richtung vom
Norden nach Süden, gegen die Mündung zu sich beträcht
lich verbreiternd. Sie gehört schon zu den Flüssen der
Halbinsel Snseiellsnes und ergießt sich in den nordöstlichsten
Winkel des Faxafjörcfur.
Die Nupä, älter G nupa (d. h. Bergspitzen-Ache)
läuft westlich von der Haffjav9ara und so ziemlich parallel
mit dieser, doch in stark gebogener Linie und ergießt sich
statt Hitardalur anfieng' Hitardalur oder gar Hitardalur zu schreiben,
und wenn man dann von hier aus auch den Fluss statt Hita anfieng
Hitara oder Hytara zu nennen. Erst nachdem diese Umwandlung der
Localnamen erfolgt und damit deren ursprünglicher Sinn verdunkelt war,
konnte man auf den Gedanken verfallen, dass dieselben nach einer
Kiesin Hit oder H>H gegeben sein möchten; nur aus einer im Volks
munde verderbten Namensform ist diese letztere sammt ihrem Namen
entstanden.“ Vgl. Iv. Maurer in: Germania, Vierteljahrsschrift für deutsche
Alterthumskunde. XXVI. Jahrg. [lSSl] 8. 505—6.
175
in die Hausthüsavik. Sie entsteht aus dem Zusammen
flüsse mehrerer kleiner Bäche.
Die L ax a und die S tra u m fj a r3 ara, (d. h. Strombuchtfluss), die erstere von rechts, die letztere von links
kommend, vereinigen sich bei ihrer Mündung in den
StraumfjarSarös. Die Laxä entsteht aus zwei Bächen, die
Straumfj ar Sara bildet den Ausfluss eines kleinen Sees
und nimmt in ihrem Laufe zwei von links kommende
Flüsschen, die G rim sa und die Faskrü3-Ache auf.
In den B r e i 3 i fj ö r 3 u r münden :
Die G ufu sk alam 6 3a oder auch nur Mo3a (d. h.
der G.-lfluss; Gufuskalar, nach dem. Ansiedler Ketill gufa
benannt, ist ein Fischerdörfchen*, skäl und pl. skalar be
deutet eine Einsenkung, Vertiefung im Erdboden) einst ein
nicht unansehnlicher Wasserlauf, der in der kleinen Ein
buchtung südöstlich vom Cap Ondver3arnes mündete, jetzt
nur ein unbedeutender Bach, M6 3ulsekur genannt.
Die H o lm k elsa (benannt nach dem Ansiedler Holmkell; vgl. Landnama S. 88), ein unbedeutendes Flüsschen,
welches nur deshalb bemerkenswert ist, weil es der einzige
Wasserlauf mit Gletschenwasser ist, der vom Smefellsjökull kommt.
Die F r 6 3a (wohl nach einem Manne Namens Fr63i
benannt) entspringt im Gebirge nordöstlich vom Snrefellsjökull und bildet bei ihrer Mündung in die Olafsvik einen
kleineren, länglichen See.
In den H vam m sfj ö r3ur mündet eine bedeutende
Anzahl von Flüssen und Flüsschen, darunter:
Die G ljü fu ra (d. h. Kluftache), bemerkenswert als
Grenze zwischen der Smefellsnes- und Dala Svsla.
Die S krau m a oder S k ra u m u h lau p sa früher
wohl Sela (d. h. Sennhütten-Ache) genannt, entspringt ober
halb des Hitardalur, durchfließt den schmalen Selärdalur;
historisch interessant.
Die H ö r3 u d alsa (d. h. die H.-Thals-Ache, da sie
den H.-dalur durchströmt); sie entsteht aus zwei kleinen
Bächen, von denen der eine aus dem Seitenthal Laugar1
dalur, der andere aus dem Seitenthale Vifilsdalur kommt;
sie mündet zugleich mit der östlicheren Mi3a in den süd
Flüsse und Seen.
Flüsse nncl Seen.
176
östlichsten Winkel des Hvammsfjördur („Ltekjarskögsfjörur“ genannt).
Die M i3a (d. h. mittlerer Fluss) entsteht aus der Ver
einigung zweier Bäche, der Su3urä im Su3urärdalur und der
Austura im Austurärdalur, durchströmt anfangs den Sökkölfsdalur, dann die Fortsetzung desselben, die Middalir, in nord
westlicher Richtung, biegt nach Aufnahme der von Südost
kommenden T ü n g n ä ziemlich scharf westlich ab und er
gießt sich in die schon genannte Ecke des HvammsfjörSur.
Die H a u k a d a lsä kommt aus dem nördlich von den
„Middalir“ gelegenen Haukadalur (d. h. Habichtthal),
durch strömt einen See („Vatn“) und mündet, fast immer
ihre westliche Richtung einhaltend, etwas oberhalb der
Mi3ä in den Hvammsfjör3ur.
Die L ax ä entsteht aus mehreren Quellenbächen,
durchströmt in^ südwestlicher Richtung den geschichtlich
merkwürdigen „Laxärdalur“, nach welchem die Besiedler
desselben und ihre Nachkommen „Laxdselir“ *) benannt
sind, und ergießt sich nach einer seeartigen Erweiterung,
„Papi“ genannt, in das Meer. Nicht weit von der Mün
dung entfernt, am rechten Ufer liegt der Hof HjarSarholt,
wo sich das prächtige, von Olafr pai (d. h. Pfau) erbaute
Haus befand, dessen WTand- und Deckengetäfel mit Dar
stellungen verschiedener Begebenheiten geschmückt war.
Der Dichter Ulfr Uggason (in der 2. Hälfte des 10. Jahrh.)
hat dieselben bekanntlich in seiner „Hüsdräpa“ besungen.
Die F äs k r u. 3-Ache kommt aus den „Orrustulnyggir“Bergen und mündet nach stark südwestlichem. Lauf in die
nordöstliche Bucht des Hvammsfj ördur.
Die G lerä (d. h. Glas-Ache) und
die Laxä, letztere zwei Nebenflüsschen, die S se 1i n g s da 1sä (jetzt gewöhnlich S selingsdalstünguä) und die
S vfnadalsä, welche aus den betreffenden Tbälern kommen,
aufnehmend, ergießen sich in den nördlichsten Theil der
genannten Einbuchtung. — Weiter westlich befinden sich:
Die F 1ek k u d a 1s ä, in den beiden nördlichen schmalen
Fortsetzungen des Flekkadalur entspringend, nimmt zuerst
*) Ihre Geschichte erzählt die „Laxcüela Saga“. (Letzte Ausgabe
besorgt von Jon Porkelsson. Akreyri 1867.)
177
eine südwestliche Richtung, biegt dann aber plötzlich nach
Westen ab, bis sie ein anderes kleineres, von Norden
durch den Galtardalur kommendes Flüsschen:
die G a lta rd a lsä , aufnimmt, worauf sie in südlicher
Richtung alsbald das Meer erreicht und in eine kleine Bucht
,,Ivjallakssta3iru mündet, von der sie nach ihrer Ver
einigung mit der Galtardalsä auch den Namen „K jallaksta d a a “ trägt.
Von den an der Nordwestküste der Halbinsel Fellströnd in den Brei3ifjör3ur bez. Gilsfjör3ur mündenden
Flüsschen nennen wir nur:
die H v o lsä und
die S t a 3 ar h 61 s ä, jede nach einem größeren Hofe
benannt, an dem sie vorbeifließen; sie vereinigen sich bei
ihrer Mündung und bilden einen recht ansehnlichen „os“.
Die V e s t f i r 3 i r sind, wie schon bemerkt, ungemein arm an größeren Wasserläufen; auch in den Brei3if)ör3ur münden nur ganz unbedeutende Flüsschen; es seien
davon nur genannt die auf unserer Karte verzeichneten,
als:
die Laxä, mit dem Nebenflüsschen G eitarä, welche
noch in den GilsfjörSur mündet,
die D o r s k a fj a r 3 ar ä und
die M üsara (d. h. die Maus-Ache), welche sich beide
in den Dorskafjör3ur ergießen.
Von den Bächen der Vestfir3ir, welche noch an der
Westküste in das offene Meer oder in die vielen Buchten
dieses Landestheiles münden, ist, ausgenommen etwa
die L a u g a r d a 1s a auf der zwischen dem Mj öfifj ör3ur
und dem SkötufjörSur gelegenen Landzunge kein einziger
nennenswert; dagegen können einige Flüsschen, welche sich
an der Ostküste dieser Halbinsel in das Meer ergießen,
verzeichnet werden. Wir kommen damit zu den
an der Nordküste
in das Meer mündenden Wasserläufen. Von den
Flüsschen der Ostküste von VestfirSir ergießen sich hier
unter andern und zwar:
in den H ü n a flo i:
die H v alsä (d. h. Walfisch-Ache) mit der DrifandiAche und
12
P o e s t i o n , Island.
Flüsse und Seen.
178
Flüsse und Seen.
die H usa (d. h. Haus-Ache); beide münden in den
kleinen Ofeigsfj örchir;
die B j a r n a r f j a r 3 a r a, in den Bjarnarfjör9ur
mündend;
die Sela, welche den Selardalur durchströmt, mündet
in den inneren Theil des Steingrimsfjör3ur, in das sich
auch ein den Sta9ardalur durchlaufendes Flüsschen ergießt,
dessen Namen die Karten nicht angeben.
An der Südwestküste dieser größten westlichen Seiten
bucht des Hunafloi münden noch:
die Vi 9i d al s ä ; durchfließt den Vididalur = Weiden
thal; die kleine Bucht, zugleich Hafen, an ihrer Mündung
ist die altbekannte Seljavik;
die H röfa (d. h. Schiffbauplatz-Ache); fließt am
Pfarrhof Tröllatünga vorüber;
die Mi 9 d als ä (mi9dalur = mittleres Thal), weiter
südöstlich;
die K ro ssa (d. h. Kreuz-Ache), welche von Westen
kommend durch den zwischen dem Bitrufjör9ur und dem
Gilsfjör9ur sich hinziehenden Krossardalur und einen bei
läufig in der Mitte desselben liegenden See strömt, ist das
letzte Flüsschen der Halbinsel Vestfir3ir.
In der westlichen Küste münden noch und zwar in
die südlichste schmale Einbuchtung des Hunafloi, den
H rü ta fjö rd u r, ein paar ziemlich unbedeutende Flüss
chen, wie:
die H ey d alsä durch den Heydalur dem Meer zu
eilend, in das sie sich in der Nähe der Mündung des Bitrufjördur ergießt;
die H v alsa; ist der Abfluss zweier Seen (Fiskivötn)
und mündet oberhalb Prestbakki in den Hrutafjör3ur, der
an seiner südlichsten Spitze nur noch die nach ihm benannte
recht ansehnliche
H r u ta fj ar9 arä, den von der Holtavör9uhei9i
kommenden, den Abfluss eines Sees bildenden Grenzfluss
zwischen der Stranda- und der Hunavatns Sysla, an seiner
Ostseite hingegen gar keinen nennenswerten Wasserlauf
aufnimmt. Dagegen mündet in die südöstlichste Ein
buchtung des Hunafloi, den M i 9 fj ö r 9 u r :
179
die M id fjard ara, welche aus der Vereinigung dreier
ganz bedeutender Flüsschen, der V estura, der N upsa
und der A ustu ra, von denen die letztere die bedeutendste
ist und die alle aus Seen in dem südlich ergelegenen Hoch
lande, die Austura aus dem Arnarvatn, einem der größten
derselben, entspringen. Bei ihrer Mündung bildet sie einen
breiten „os“, der für größere Boote schiffbar ist.
In den H ünafj ördur, die breite östliche Nebenbucht
des Hunafloi, münden mehrere größere und kleinere Flüsse
als:
sie v e r a ; sie entspringt im Vatnsnesfjall (-fjöll), nimmt
einen vom Süden kommenden Wasserlauf auf, wendet sich
dann selbst gegen Norden und mündet unter dem Namen
H ölaa in den langen, aber verhältnismäßig schmalen,
mit dem Meere in Verbindung stehenden See „Sigridarstadavatn“ (oder Sigridarstadaös);
die V id id alsa; sie kommt ebenfalls von dem oben
genannten Hochlande, ihre Quelle befindet sich am nörd
lichen Abhange des Sandfell; sie nimmt alsbald mehrere
kleine Nebenfitisschen (z. B. Daudsmannskvisl, Bleikskvisl,
Haugakvisl u. a.) und später die viel weiter aus Süden
kommende F itja a (nach dem Hofe Fitjar benannt) auf,
durchströmt den langen Vididalur (d. h. Weiden-Thal, so
benannt von dem Ansiedler Ingimundr, weil er bei seiner
Ankunft hier das Thal ganz mit Weiden bewachsen fand;
vgl. VatnsdEelasaga c. 14) und ergießt sich in den großen
See „Hop“ (oder Midihop), der in directer Verbindung
mit dem Meere steht und zwar durch den sogenannten
„H opsos“. In den Hop-See mündet auch
die G ljü fu ra, und zwar etwas östlicher als die Vidi
dalsa.
Die V atn sd a lsa bildet den Zusammenfluss einer
ganzen Menge von Bächen des südlich gelegenen Hoch
landes (der „Grimstungnaheidi“ und des „Dalskvislaland“)
wie der Kolku-, Fella-, Mid-, Stranga-, Brikar-kvisl, der
Fridmundara u. s. w., durchströmt in nordwestlicher Rich
tung den Vatnsdalur (d. h. See-Thal) und beim nördlichen
Ende desselben einen kleinen See (nach dem eben das
Thal benannt ist), um sich bald darauf in das lange Hünavatn (d. h. Bärenjungen-See) zu ergießen, einen durch
Plüsse und Seen.
12*
Flüsse und Seen.
180
den Hunaös ebenfalls mit dem Meer in directer Verbin
dung stehenden See, der aber mehr einem breiten, ruhig
dahinfließenden Strome gleicht. Das ursprüngliche untere
Flussbett der Vatnsdalsä ist durch zwei große Bergstürze
in den Jahren 1545 und 1720 mehrfach verlegt worden,
(durch den ersteren wurde auch der Hof Ski9asta9ir, bei
läufig in der Linie, wo jetzt der Hof Hnausar liegt, am
Abhange des Vatnsdalsfjall, verschüttet). So wurde im
Jahre 1545 das Flussbett vom jetzigen Hofe Hnausar an weiter
nach Westen verschoben und aus einem Theile des alten
Bettes ein kleiner See (Hnausatj örn) gebildet, dessen Ab
fluss noch in seinem Namen, „Arfar“ d. h. Flussbett, an
dasselbe erinnert, während andererseits der eigentliche
Fluss in seinem untersten Laufe jetzt „Kvisl“ (d. h. Neben
fluss) heißt. Noch heutzutage sieht man die Überreste
von jenem schrecklichen Bergstürze in den eigenthümlichen großen, jetzt mit Gras bewachsenen Erdknollen
(isl. hnausar), welche die Strecke zwischen dem Hofe
Hnausar und dem „Arfar“ bedecken. — Die Geschichte
der ersten Bewohner des Vatnsdalur — der Vatnsdselir —
erzählt bekanntlich die hübsche Vatnsdsela Saga.*) — In
das Hunavatn ergießt sich auch die G ilja (d. h. KluftAche), welche im Vatnsdalsfjall entspringt.
Die Bl an da (d. h. eigentlich Mischungsfluss, wegen
seiner Farbe mit Beziehung auf das später zu beschreibende
isländische Getränk „blanda“, dem das weißbläuliche
Gletscherwasser dieses Flusses seinem Aussehen nach ähn
lich ist), ein sehr ansehnlicher und langer Fluss, der an der
Westseite des Hofsjökull entspringt, und anfangs von vielen
einmündenden Flüsschen und Bächen (z. B. re c h ts vom
Eyfirdinga-, Stränga-, Hauga-kvisl, dem Dufnakekur u. a.,
lin k s von der dunklen Beljandi-Aclie mit der Hveradalsä
u. a., später rechts von der G a lta r a und noch weiter gegen
Norden links von der G ilsa) reichlich gespeist wird, eine
nordnordwestliche Richtung einschlägt, und nach Aufnahme
der östlichen und lange fast parallel laufenden S v a rta
(d. h. schwarzer Fluss) sich gegen Nordwest wendet, um
*) Letzter Abdruck in: Vigfusson-Möbius’ „Fornsög-ur“ (Leip
zig-, 1860) S. 1—80 .(vgl. S. 162—168 und 185—195.)
181
in kurzer Entfernung von dem Meere ganz westlich ab
zubiegen und sich breit durch den Blönduos in den Hunafjördur zu ergießen. Obwohl ein Gletscherfluss gleicht
die Blanda doch in mehrfacher Hinsicht den gewöhnlichen
großen Flüssen; „so' strömt sie ohne Verzweigungen in
einem regelmäßigen Bette dahin und hat ihre bestimmten,
festen Furten, die nicht den beständigen Veränderungen
der Gletscherfluss-Furten unterworfen sind“ (Kaalund).
Von den von ihr durchströmten Gegenden nennen wir,
bei ihrem Ursprung beginnend, besonders das Kj alh rau n,
(vgl. oben S. 139), welches gleichsam die Grenzscheide
zwischen dem Nordlande und dem Südlande bildet, dann
die ,.H v e r a vel li r“ (d. h. Ebene der heißen Quellen),
eine durch ihre vulcanische Thätigkeit höchst merkwür
dige Ebene, die ebenfalls schon früher (vgl. S. 152)
beschrieben worden ist und den B lö n d u d alu r, in
welchen die Blanda bei dem sogenannten Blöndugil, einem
sehr jähen natürlichen Canale, mit ihrer ganzen Wasser
masse unter furchtbarem Donnergebrüll hinabstürzt.
Die Laxa, welche sich eine Meile nordwärts von der
Blanda in das Meer ergießt, durchströmt in nordwestlicher
Richtung und parallel mit dem Laufe der Blanda den aus
der Hallfredarsaga bekannten Laxardalur, an dessen Beginne
sie entspringt. — Weiter nördlich auf der SkagaströndHalbinsel finden sich noch einige Flüsschen, wie:
die H ofsa (nach dem Pfarrhof „Hof“ benannt),
die F ossa (d. h. Wasserfall-Ache) u. a.
In den S k ag afj ördur ergießen sich außer einer An
zahl von Flüsschen und Bächen an der Ostküste der Skagaströnd-Halbinsel, welche zumeist Abflüsse von Seen bilden,
und unter denen
die L axa, wieder mit einem Laxardalur, (in dem der
Hof Hvammur liegt), am bedeutendsten ist:
die Heradsvötn (d. h. die Bezirks-Wasser; der Haupttheil der Skagafjardar Sysla, den der Fluss durchströmt,
wird nämlich gewöhnlich „herad“ d. h. Bezirk ge
nannt) ; dieselben sind ein großer Gletscherstrom, der seine
Quellen in der V e stri - und E y stri'-Jö k u lsa hat,
die beide vom Hofsjökull kommen, und daher in älterer
Zeit auch selbst J ö k u 1s a genannt wurde. Gleich bei
Flüsse und Seen.
182
Flüsse uncl Seen.
ihrem Eintreten in den „Bezirk“ vereinigen sich die beiden
Jökulsar; eine Strecke noch wird der Fluss von einem
Felsenbett eingeengt; bald aber beginnt er in niedrigen
Umgebungen zu fließen, wo er sich nach der Art der
Gletscherwasser bald auf die eine, bald auf die andere
Seite werfen kann und beständig sein Bett wechselt. Doch
sind die Verwüstungen, welche der Fluss hierdurch an
gerichtet hat, nicht von großer Bedeutung, wie er denn
auch in Bezug auf Gewaltsamkeit und Unheimlichkeit mit
den berüchtigten Gletscherflüssen des Südlandes nicht
verglichen werden kann. Ein paar Meilen vor der Küste
theilt er sich um das etwas höhere Hegranes, welches da
durch in eine Insel verwandelt wird, indem die Heradsvötn
in zwei Armen in das Meer fallen. Die Vestri- und EystriJökulsa sowohl wie die vereinigten Heracfsvötn nehmen zu
beiden Seiten N eb enflü ssch en auf, von denen wir
nur die der letzteren hier kurz anführen wollen. Es münden
in die Heradsvötn u. a.
rechts:
die N o rd u ra in östlicher Richtung durch den Nordurardalur kommend,
die D jü p ad alsa (urspr. Djüpa, d. h. tiefe Ache),
den Djüpadalur durchströmend, ein nicht großes, aber sehr
unruhiges und veränderliches Flüsschen;
die H vam m sa mit dem Hvainmsclalur,
die D vera, ebenfalls mit einem nach ihr benannten
Thale, das aber unbewohnt ist;
links:
die S v a rta , entspringt in mehreren Quellenbächen
südwestlich von der Vereinigung der Vestri- und EystriJökulsa, läuft mit den Heradsvötn fast parallel, wechselt
wiederholt den Namen (südwestlich vom Hofe Vidimyri
z. B. -bekommt sie den Namen Hüseyjarkvisl d. h. Haus
inselnebenfluss) und fällt endlich südlich von Hegranes
in die Heradsvötn.
An der ö stlichen Küste ergießen sich in den Skagatjördur:
die K o lb ein sa (benannt nach dem Ansiedler Kolbeinn Sigmundarson); sie entsteht aus der Vereinigung der
Kolb eins dal sa und der H ja lta d a lsä , von denen die
183
letztere die bei weitem bedeutendere ist, und jede ein
(in ihrem Namen bezeichnetes) Thal durchströmt ; sie fließen
bei Miklibser zu kurzem gemeinschaftlichem Laufe inein
ander und münden durch den in älterer Zeit häufig als
Landungsstätte benützten K o lb ein sarö s in das Meer;
die G rafara (d. h. Graben-Ache); durchströmt den
Deildardalur und ergießt sich durch den G rafarö s in’s
Meer,
die H o f s a, in ihrem oberen Laufe U n a d alsa
genannt, mündet durch den H ofsös in den Skagafjördur;
diese beiden Flüsse laufen, nur durch ein schmales Gebirge
getrennt, bis in die Nähe der Mündung parallel.
Noch höher gegen Norden, jenseits des zum größten
Theile vom Süßwassersee „Höfcfavatn“ ausgefüllten Land
vorsprunges, befinden sich noch mehrere Flüsschen bei
sammen, die sämmtlich unter einander und z. Th. mit
Seen in Verbindung stehen, und von denen die den
Hrolleifsdalur durchströmende L v e ra mit gleichnamigem
Hofe, dann die gegen Norden fließende S tafa (d. h. StabAche) in der Nähe des Pfarrhofs Fell genannt seien. In
die Mündung des Skagafjördur ergießen sich:
die F 1ö k a d a 1s a ; sie entspringt am südlichen Ende des
Flökadalur (benannt nach H ra fn i-F lö k i, dem dritten
Entdecker Islands, der sich schließlich hier ansiedelte),
welcher die beiden Flügel des Barnadalsfjall von einander
trennt, und durchströmt kurz vor ihrer Mündung die
beiden Seen Flökadalsvatn und Hölmsvatn;
die F ljö ta a (d. h. die Flüsse-Ache, nach dem Namen
„Fljötu [plur.], den das ganze Kirchspiel wegen der Seen
hier führt, die als Erweiterungen der sie durchströmen
den Flüsse aufgefasst wurden), kommt unter dem Namen
S tiflu ä (nach dem Thal „Stifla“, das sie durchläuft), aus
kleinen südöstlich gelegenen Thälern, nimmt links die
T unguä auf, fällt in einen kleinen See, setzt dann ihren
Lauf gegen Norden fort, jetzt schon als Fljötaa und er
gießt sich in den großen Seeu M ik lav atn , durch den
sie in das Meer gelangt.
In den E yj a fj a r 9 a r fj ö r 9 u r münden und zwar
an der Westküste:
Flüsse nncl Seen.
184
Flüsse und Seen.
Die Ö 1afs fj ar 9ara, ein nicht sehr bedeutendes
Flüsschen, das in einen Süßwassersee mündet, der nur
durch eine Sandbank vom Meere (dem Ulafsfjör9ur) ge
trennt ist; trotz des süßen Wassers kommen in diesem See
schon viele Meerfische vor, denen man einen eigenthümlich
angenehmen Geschmack nachrühmt;
die S v a rfa 9 a rd a lsa ; ein mittelgroßer Fluss, der in
einer Länge von ungefähr drei Meilen den ebenso langen
Svarfa9ardalur (benannt nach dem Ansiedler Dorsteinn
„svarfacfr“ oder „svörfu3r“ d. h. der gewaltsam und rück
sich tlos vorgeht), durchströmt, rechts die S k i 3a d a 1s a
aufnimmt und sich durch den ziemlich breiten Svarfa9ardalsös (bei Upsir), der in alter Zeit gerne als Landungs
stelle benützt wurde, in das Meer ergießt; auch die Ge
schichte der ersten Svarfdselir, wie die Bewohner des
Svarfa9ardalur genannt wurden, ist in einer eigenen Saga,
der Svarfdselasaga*) behandelt;
die H örg a (hörgr = heidnischer Haustempel*), ein
ziemlich bedeutender Fluss, der in ruhigem, aber doch
stromkräftigem Lauf in nordöstlicher Richtung dem Meere
zueilt. Sie entspringt am Anfänge des nach ihr be
nannten und sie bis zu ihrer Mündung begleitenden
Thaies und nimmt rechts die Ö xnadalsa, einen eben
falls ganz ansehnlichen Wasserlauf, der durch den Öxnadalur (d. h. Ochsenthal) kommt, sowie etwas später die
kleine reißende Bsegisa, (an deren rechten Ufer der
gleichnamige Pfarrhof) auf.
In das Süd ende des E y ja fjö r3 u r ergießt sich
die E yj afj ar Sara, ein mittelgroßer Fluss, der bei seiner
Mündung sehr breit ist, indem er sich in eine Menge von
Armen oder rva91arw (d. h. seichte Stellen), theilt, welche
flache, grasreiche Inseln umschließen, von denen die soge
nannte S ta9 arey , früher h ö ru n n a re y (weil hier dem
Ansiedler Helgi magri ein Töchterchen, Namens Dörunn, ge
boren wurde) die südlichste und größte ist. Er hat seinen
Ursprung am obersten Ende des Eyj afj arSardalur, welches
*) Letzter Druck in „Islenzkar Fornsögur“ III. (Kaupmannahöfn
1883) S. 3—111.
*) Vgl. Poestion, Einleitung in das Studium des Altnord. II. Tli.
unter: „hörgr“ im Glossar.
185
er durchströmt, und nimmt von verschiedenen Seitenthälern
größere und kleinere Wasserläufe auf wie z. B. rechts die
N upä (älter: G nupufellsa), die& vcrä, die sich nach
Bildung eines ziemlich hohen Wasserfalls, des „G odafoss“
(Götter-W., dem man der Sage zufolge geopfert haben soll)
mit der M jadm a vereinigt, links die Dj upa dalsa, die
S k jä lg dalsa u. a. Sein Lauf ist ruhig und hält ohne
besondere Krümmungen eine sanft nordöstliche Richtung ein.
An der ö stlic h e n K üste mündet:
die F njöska, älter H n jö sk a (fnjöskur = faules
Holz); sie hat ihren Ursprung in drei Quellenflüsschen,
welche aus dem Timburvalladalur, dem Hjaltadalur und dem
ungemein langen Bleiksmyrardalur kommen, nimmt ihren
Weg durch den fünf Meilen langen Fjnöskardalur, an dem
bekanntesten isländischen Wald, dem H alsskögur, vorbei,
fortwährend in entschieden nördlicher Richtung, bis sie plötz
lich auf der letzten Strecke nach Aufnahme der kleinen
von rechts kommenden Dverä gegen Westen abbiegt und
in weitverzweigten Armen, welche mehrere mit Gras be
wachsene Inseln umschließen, in das Meer mündet. Die
Fnjöska ist zwar nur ein mittelgroßer Fluss, führt aber
einen großen Theil des Jahres hindurch doch eine sehr
bedeutende Wassermenge mit sich, und ist im Frühjahre
regelmäßig so reißend, dass sie nicht passiert werden kann.
In das M eer zwischen dem Eyjafjördur und dem
Skjalfandi ergießt sich ein verhältnismäßig langes Flüss
chen, die H v a lv atn sfjarcfara, so genannt, weil sie in
die kleine Bucht Hvalvatnsfjördur mündet.
Zwei sehr bedeutende Wasserläufe münden neben
einigen kleinen Flüsschen in den breiten Meerbusen
S k ja lfa n d i. Von den kleineren nennen wir bloß:
die F la te y j ar dalsa, auch D alsa genannt, ander
Westküste, welche im Flateyjardalur entspringt, rechts
Zufluss durch die kleine Jökulsa empfängt, und in ziem
lich gerader nördlicher Richtung das Meer erreicht und
zwar in der kleinen Einbuchtung in der Nähe der Mündung
des Skjalfandi.
Das Skjälfandafljöt (d. h. der zitternde, bebende
Fluss; wegen der Wasserfälle dieses Flusses oder von
der reißenden, wellenschlagenden Bewegung, mit welcher
Flüsse und Seen.
186
Flüsse mul Seen.
seine Gewässer dem arktischen Meere zueilen?), einer
der allerlängsten ■ Ströme Islands (24 Meilen lang), ent
springt zwischen dem Tüngnafells- und dem Vatnajökull;
seine Quellen sind erst seit dem Sommer des vorigen
Jahres (1884) genauer bekannt und auf allen früheren Karten
von Island ganz unrichtig dargestellt. Der Hauptquellen
fluss, das Skjalfandafljöt selbst, kommt aus dem VonarskarÖ (vgl. oben S. 81 und 101)*, in denselben ergießen
sich rechts und links kleine Gletscherflüsschen, die vom
Vatnajökull und Tungnafellsjökull kommen.. Nordöstlich
vom Vonarskard liegen zwei kleine Seen, die Gresavötn;
südlich doch nahe von diesen, in der hier befindlichen
Ecke des Vatnajökull, entspringen zwei, ebenfalls erst im
Sommer 1884 von D. Thoroddsen entdeckte, große Flüsse,
welche sich nordwestlich von den Gsesavötn in den Haupt
fluss ergießen. Der südliche dieser beiden Flüsse enthält
Gletscherwasser, der nördliche hingegen klares Gebirgswasser. In der Nähe des ersteren befinden sich sehr
kleine Weideplätze, die im Jahre 1880 aufgefunden und
Rjupnabrekka (d. h. Schneehühnerabhang) benannt wurden ;
Thoroddsen hat daher auch diesem Flusse den Namen
R jü p n a k v isl gegeben, während er den nördlichen, der eine
weite Lavastrecke durchfließt, H ra u n k v isl benannte.
Von der Nordseite des Tungnafellsjökull kommt ebenfalls
ein sehr großer Gletscherfluss, der sich (links) in das
Skjalfandafljöt ergießt und Jök u lfa ll heißt. *) Der
Hauptfluss strömt zumeist in gerader Linie nach Norden,
macht in der Nähe der Küste eine schwache Biegung gegen
Westen und ergießt seine hellbläulichen, milchtrüben Ge
wässer in den nach ihm benannten Skjalfandaflöi. Früher soll
seine Mündung etwas weiter westlich gewesen sein. In seinem
obersten, fast 12 Meilen langen Laufe (bis Kidagil) ist das
Skjalfandafljöt rechts von der ungeheuren Lavafeldwüste
Odadahraun, links von dem fast nach trostloseren Sprengisandur umgeben. Die Thalsenkung, in welcher der Fluss hier
fließt, heißt Fljötsdalur; beim Kidagil tritt er in den Krökoder Kröksdalur ein, dessen Umgebungen — rechts noch
immer das Odadahraun (weiter oben der Sudurarhraun be
*) Vgl. Thoroddsen in: Isa fo ld , XI. 40 (S. October 1884) S. 158.
187
nannte nordwestliche Theil desselben), links öde Heide
strecken — gleichfalls noch recht traurig sind. Etwas vor
Kidagil und im Krökdalur münden mehrere größere und
kleinere Flüsse in den Hauptstrom und zwar rechts die*
H raunä, die Y xnadalsä, die Krossa, die Sandmüladalsä,
die Sandä u. a., links die Kidagilsä. Eine kurze Strecke
nordwärts von der Mündung der Sanda befindet sich das
..Hrafnabjargavad“, die beste Furt des ganzen Flusses. Nach
dem Einflüsse der links aus dem südwestlich gelegenen
Seitenthale, Mjöfidalur, kommenden kleinen Grjötä (d. h.
Stein-Ache), welche die aus dem östlicher gelegenen Isölfsdalur sich heranschlängelnde Fiskiä aufgenommen, beginnt
das Flussthal sich allmählich zu erweitern und sogar recht
freundlich zu werden, da es lange Strecken weit bebaut
ist und von Zeit zu Zeit sogar durch Wald (im isländischen
Sinne natürlich) belebt wird. So befindet sich gleich zu
xAnfang des Bärdardalur — so heißt nunmehr das Thal
des Skjälfandafljöt bis zur Mündung der kleinen Öxarä
dinks) — ein nicht unbedeutendes Gehölz bei Myri. An
Zuflüssen erhält der Strom im Bärdardalur rechts die Sudurä
mit der aus dem Svartärvatn entspringenden Svartä, links
die Uorvaldsä und die Eyjadalsä. Nach Aufnahme der
Öxarä verbreitert sich das linke Ufer zu einer kleinen
Ebene, welche sich bis zu dem Hofe Häls im Fnjöskärdalur
erstreckt und einen größeren See „Ljösavatn“ (mit gleich
namigem Hof, auf dem Horgeirr godi wohnte, der im J. 1000
auf dem Althing die Annahme des Christenthums durchge
setzt hat) enthält, dessen Abfluss, die Djupä (d. h. tiefe Ache)
bei Einarstadir in den westlichen Arm des* Stromes mündet,
der hier eine größere Insel, „Hing ey1u(d. h.Thing-Insel*), und
gleich darauf eine kleinere, „S k u 1d a]? i n g s e y " (d. h. Be
zahlungs-Things Insel* vgl. K. Maurer, Island S. 179—80)
bildet. Hier befindet sich auch der schönste Wasserfall des
Stromes, der „G odafoss“ (d. h. Götter-Wasserfall, der
Sage nach so genannt, weil Horgeirr nach Annahme des
Christenthums seine Götterbilder in denselben geworfen
Flüsse und Seen.
*) So genannt weil liier eine von den 13 regelmäßigen FrühjahrsThing-Versammlungen der Republik abgehalten wurde ; nach ihr wurde
der nordöstliche Landestheil Islands „tüngeyjar Ting“ und später „Tüngeyjar Sysla“ benannt.
Flüsse und Seen.
188
haben soll); derselbe ist zwar nicht besonders hoch, aber
doch imposant, da der breite, wasserreiche Strom hier
mit seiner gesammten Wassermasse in halbmondförmigem
Fall über steile Felsen hinabstürzt; (andere Wasserfälle
des Skjalfandafljot sind noch der Aldeyjarfoss und der
Ullarfoss). Beim Einflüsse der Djupa verengert sich die
linke Thalseite wieder, indem sich das Kinnarfell, ein
kleiner, gleichmäßig gewölbter Berg der ausgedehnten
Kinnarfjöll, vorschiebt. Das rechte Stromufer wird flan
kiert von der Fljötskeidi, welche eine westliche Fortsetzung
der Myvatnsheidi bildet, in die das oben erwähnte, Sucfurarhraun übergeht, und welche den Strom begleitet. Nach
der Vereinigung der beiden Arme, welche die Dingsey
und Skuldajflngsey gebildet, erweitert sich das linke Ufer
wieder und heißt von nun an bis zur Mündung des Stromes
K inn oder K ö ld u k in n (älter Kaldakinn d. h. kalte
Backe); aus den früher genannten Bergen erhält der hier
schon überaus mächtige Strom noch Zufluss durch die
E ang a und ein anderes Flüsschen, das aus dem Seljadalur
desselben Gebirges kommt; rechts geht das Thal, nachdem
die Fljötslieidi zu Ende, in die die ganze Strecke zwischen
dem Skjalfandafljot und der Laxa einnehmende Verbreite
rung des Adaldalur oder Adalreykjadalür und schließlich in
den Sjafarsandur mit dem See „Miklavatn“ über.
Die L axa, der Abfluss des Myvatn-See, ist zwar
bedeutend kleiner als das Skjalfandafljot, sowohl was die
Länge — sein Lauf beträgt nur gegen 5 Meilen — als was
die Breite betrifft, aber doch ein. sehr ansehnlicher, wasser
reicher Fluss. Sie strebt zwar in zahlreichen Windungen
aber im Ganzen doch mit der Richtung gegen Nordnord
west dem Meere zu, das sie in der östlichen Ecke des
Skjalfandi durch den nicht sehr großen Laxarös erreicht,
nachdem sie kurz vorher, nach Aufnahme der von Südost
kommenden, in ihrem oberen Laufe Reykjakvisl benannten
Myrarkvisl, sich bedeutend verbreitert hatte. Die Laxa
durchläuft in ihrem oberen Laufe bis zu ihrer Abbiegung nach
Westen den schmalen Laxärdalur, in ihrem unteren Laufe
den Adalreykjadalür, auf ihrem ganzen Wege von einem vor
historischen Lavafluss begleitet, der sich bei der Mündung
des Acfaldalur zu einem bedeutenden Lavafeld (braun) er
Flüsse und Seen.
189
weitert. Auch das Strombett ist mit vielen Lavablöcken
angefüllt und diese schwarzen Felsen unter dem Wasser
mit ihren dunklen Höhlen und Grotten sind dem Lachs
der liebste Aufenthalt. — Als Nebenfluss, der sich gleich
beim Austritt der Laxa aus dem Myvatn in dieselbe ergießt,
ist noch die K rak a (d. h. Krähenfluss) zu nennen, welche
sich aus zwei Quellen vom Sellandafjall sammelt.
"Weder an der Ostküste des Skjälfandi, noch über
haupt an der ganzen Küste der Halbinsel Tjörnes mündet
ein nennenswerter Wasserlauf. In den A x a rfjö rd u r
ergießt sich nur ein einziger größerer Strom, allerdings
einer der allergrößten Islands, nämlich:
Die Jökulsa, zur Unterscheidung von anderen Jökulsär die J ö k u ls a a fjöllum (d. h. auf den Bergen)
oder nach dem Namen des Bezirkes, in dem sie in das
Meer mündet, Jö k u lsa i A x a r f i r <5i genannt,ist25 Meilen
lang und galt bisher für den längsten Fluss Islands, der
doch, nach Thoroddsens Entdeckung, vielmehr die Djörsa ist.
Sie hat ihre Quellen in einem Laufgletscher, den der Vatnajökull westlich von den Kverkfjöll gegen Norden aus
sendet*), hält während ihres ganzen Laufes eine entschieden
nördliche Richtung ein und wälzt ihre schmutziggrauen
Fluten in einer anscheinend gleichmäßigen aber starken
Strömung dahin, um sie beiläufig in der Mitte der Südküste
des AxarfjörSur an das Meer abzugeben und zwar ohne
ihr Bett bei der Mündung sonderlich zu verbreitern oder
sich in größere Arme zu theilen. Nur ganz unbedeutende
Wasserfäden sondern sich von Skinnastadir an ab, so
rechts die Sanda, welche sich mit der östlicher laufenden
Brunna vereinigt und bei ihrer Mündung in’s Meer die
Budlungahöfn bildet, links ein sogenannter Kill, der aber
in einer östlichen Abzweigung, dem „Bakkahlaup“ (d. h.
Hügellauf-Canal), wieder zum Hauptstrome zurückkehrt.
Der Boden zu beiden Seiten des Flusses ist hier sandig;
die rechtsliegende Sandstrecke heißt: Skögasandur. Wenn
wir die Jökulsa von ihren Quellen an verfolgen, so sehen
wir, dass der Hauptquellenfluss im Westen von einer öst*) Also nicht bei Kistufell wie noch die meisten Karten angeben.
Vgl. Watts, Across the Vatna Jükull, London 1876.
190
Flüsse und Seen.
liehen Abzweigung des Öcfädahraun, im Osten von Sandund Heidestrecken, an deren Ende sich eine Gruppe
von kleinen Bergen erhebt, umgeben ist. Eine Strecke
nördlich vom Fagradalsfjall bekommt die Jökulsa reich
lichen Zufluss von der K re p p a , welche wieder die
Vereinigung zweier Quellenflüsschen, der westlichen Kreppa
und der östlichen Kverka bildet und rechts die knapp
vor ihrer Mündung einen kleineren See passierende F agrad a 1s a aufnimmt. Sie ist auch noch weiter in ihrem
nördlichen Laufe, während dessen ihr zunächst links von der
L ind aa und der G ra fa rlan d aä , später rechts von der
S k a r 9 s ä, drei ziemlich unbedeutenden Flüsschen, neues
wenn auch nicht reichliches Wasser zugeführt wird, *) auf
der einen Seite von ödem Heideland und Wüsten (links,
erscheinen bald die ausgedehnten Myvatnsörsefi d. h.
M.-Wtiste), auf der anderen Seite von einem ebenso
trostlosen schon vom östlichen Ufer der Kreppa an be
ginnenden Hochplateau, umgeben. Beiläufig am nörd
lichsten Grenzpunkte zwischen der Nor3ur und Su9ur
Dingeyjar Sysla bildet die Jökulsa den berühmten, von
den isländischen Dichtern viel besungenen „D ettifoss“
einen Wasserfall, der in Europa kaum von einem anderen
übertroffen wird, ja selbst bis zu einen gewissem Grade
mit dem Niagarafall sich vergleichen lässt. **) Das Fluss
bett ist hier schon vor dem Wasserfall circa 600 Fuß
breit; die Höhe des Wasserfalls aber beträgt bei 2—300 Fuß.
Auf der M e lra k k a sle tta ist nur ein Flüsschen
nennenswert, nämlich:
die O rm alönsa, welche in den Ormalön (d. h.
Schlangenlön) mündet und die Vereinigung mehrerer
Quellenbäche bildet; sie hat einen ziemlich geraden nörd
lichen Lauf.
In den D istilfj örcJur münden (und zwar an der
südlichen Küste)'nur unbedeutende Flüsse als:
*) Die Jökulsa bildet von einer kleinen Strecke vor ihrer Aufnahme
der Kreppa angefangen bis beiläufig in die Mitte ihres einheitlichen
Laufes die Grenze zwischen der Suöur Lhngeyjär- und der Noröur Müla
S/sla, und von da an bis wieder ungefähr in die Mitte ihres noch
übrigen Laufes auch die Grenze zwischen der Suöur- und der Noröur
tdngeyjar Sysla.
Vd- Watts, Across the Vatna jökull, S. 120.
191
die S v alb ar9 sa (nach dem Hofe Svalbar9 benannt)
mit der Ku9a;
die San da, mit bedeutend längerem Laufe;
die H ö 1k n a (hölkn=harter Steinboden) und die L a x a,
beide mit kurzem Laufe münden in den L ö nafj ör 9ur,
in den sich auch der bedeutendste Fluss dieser Gruppe
ergießt:
die H afralo n sä, welche in dem kleinen See „Hafralön“ (d. h. Ziegen-See) entspringt, und links die den Heljardalur (d. li. Höllenthal) durchfließende H e lja rd a lsä
aufnimmt; ihre Mündung scheint in alter Zeit als Landungs
stelle benützt worden zu sein.
An der Ostküste Islands münden:
und zwar zunächst in die erste größere unbenannte
Bucht, welche wieder den Finnafjör9ur, Mi9fjör9ur und
Bakkafjördur absondert, außer einigen ganz kleinen Flüss
chen :
die M i 9 f j a r 9 a r a, welche sich in den Mi9fj ör9ur
ergießt und aus zwei Quellenflüsschen entsteht, und
die B akkaa, welche zahlreiche Zuflüsse (darunter
•größere wie die Rau9a, die Gresagilsa u. a.) erhält und sich
im Bakkafjördur in das Meer ergießt.
In den Y o p n a fj ö r 9 u r im weiteren Sinne münden,
und zwar in den Nyp sfj ör 9 u r:
die Sela, welche den Selardalur durchströmt, nach
dem sie sich in ihrem obersten Laufe mit der nicht unbe
deutenden H rü ta (d. h. Widder-Ache), welche selbst
wieder die von den Dimmifjöll kommende Dimmakvisl
aufgenommen, vereinigt hat;
die V e s t u r d a 1s ä, durch den Vesturdalur (od.
Vesturardalur) kommend, läuft mit der Sela, in ihrem
oberen Laufe mit der Hrutä parallel und ergießt sich in
einen ziemlich bedeutenden Lön.
In den V ap n afjö r9 u r im engeren Sinne ergießt sich
die Hofsa, ursprünglich Vopna-(Vapna-)fjar9ara, entspringt
in zwei Wasserfäden und durchströmt den nach ihr be
nannten Hofsardalur, der mit dem Vesturdalur parallel
läuft. Sie nimmt rechts bei dem historisch interessanten
Pfarrhofe Hof, der ihr den Namen gegeben, die kleine
Sunnudalsä auf.
Flüsse und Seen.
192
Flüsse und Seen.
In den H erad sflö i münden zwei der größten Flüsse
Islands nämlich: die Jökulsä ä bru und das Lagarfljöt:
Die Jökulsä ä brü (d. h. Jökulsä mit der Brücke*),
sogenannt, w’eil über dieselbe seit alter Zeit eine Brücke
führt, welche lange so gut wie die einzige Brücke Islands
war) auch B r ü a r ä (d. h. Brückenfluss) und Jö k u lsa ä dal
genannt, entspringt in mehreren Armen (Kringilsä, Jökulsä
ä bru und Jökulskvisl) am Nordrande des Vatnajökull
und zwar in der Nähe der Quellen der Jökulsä i Axarfirdi und des Lagarfljöt. Nachdem die drei Arme fast an
ein und derselben Stelle Zusammenflüssen und der so gebil
dete Fluss die Verlängerung des Kringilsärdalur durch
strömt, nimmt er links noch die ebenfalls vom Vatnajökull
kommende und in ihrem untern Laufe das nach ihr be
nannte Thal passierende Saudä auf, nunmehr in breiteres
Thal eintretend, dessen nordöstliche Fortsetzung bis zum
Hofe Fossvöllur den Jökulsdalur bildet. Die von all den
genannten Quellenflüssen durchströmte Gegend heißt Bruarörtefi d. h. Brücken wüste und besteht aus weit gedehnten
Heidestrecken, welche sich bis an den Nordrand des Vatna
jökull erstrecken. Nach Aufnahme der von Westen kommen- ■
den „Rey kj a rä “, welcher durch Vereinigung dreier anderer
Flüsschen, (worunter die L a u g a rv alla ä, so genannt, weil
sie ein Thal mit warmen Quellen — laug — durchfließt, am
bemerkenswertesten), gebildet wird, trittdie Jökulsä bei dem
Hofe Bru, der mit seinem Namen noch an die in alter
Zeit (wie es heißt, bis m/s vorige Jahrhundert hinein) hier
vorhanden gewesene, jetzt eingestürzte natürliche Stein
brücke erinnert, in bewohnte Gegenden ein. Während
ihres ganzen Laufes von Bru angefangen bis nahe zu ihrer
Mündung und zum Theil auch schon früher, strömt die
Jökulsä in einem engen Kluftbette mit steilen Ufern dahin.
Erst in der Nähe des Meeres ändert das Flussbett seinen
Charakter und wird jetzt von flachen sandigen Ufern um
geben. Auch der J ö k u ls d a lu r selbst, welchen der Strom
nun in mehr als zwei Drittel seines noch übrigen Laufes
durchströmt, ist anfangs so eng, dass der Thalgrund fast
*) Über den befremdenden Ausdruck „ä bru“ vgl. Poestion, Einlei
tung in das Studium des Altnordischen, II. im Glossar der Eigennamen
unter dem Worte : Jökulsä ä bru.
193
ganz verschwindet und die Abhänge der angrenzenden
Höhen, nämlich rechts der Fljötsdalshei9i, links der Mö9rudalshei9i, von denen die erstere den Fluss bis zum Ein
flüsse der Kalda begleitet, die letztere nach Einmündung
der Gilsa von der Tunguhei9i abgelöst wird, fast unmittel
bar in das Felsenbett des mit reißender Schnelle dahin
stürzenden Flusses hinabfallen; aber auch später bleibt
dasselbe noch immer schmal und ist zu beiden Seiten von
den genannten Höhen und breit gewölbten Abhängen be
grenzt. Die Jökulsa hat nur unbedeutende Nebenfliissehen; es ergießen sich in dieselbe auf der eben besprochenen
Strecke ihres Laufes u. a. und zwar rech ts, nicht weit
vom Hofe Bru entfernt: die H ra fn k e la (oder Hrafnkelsdalsa), welche das sich in südöstlicher Richtung in die
Fljötsdalshei9i einschneidende schmale Seitenthal, den
„Hrafnkelsdalur,“ bekanntlich Hauptschauplatz der Hrafn
kels Saga*), durchläuft. Sie entspringt in zwei Flüsschen,
wovon das westliche: Glumsta9adalsä, das östliche: £>uri9arsta9adalsä, in seinem oberen Laufe: Grjöta (in alter Zeit
aucliGrjötteigsa) d.h. Stein- (resp. Steinfeld-) Ache heißt. Die
letztere bricht sich Bahn durch eine Felsenenge, Grjötargil. Durch den Zusammenfluss beider wird eine hohe
Landzunge gebildet, die aber bald in die Vestur-Örsefi (eine
Hochebene, so benannt im Hinblick auf den östlicheren
Fljötsdalur; vgl. unt. S. 195 ff.), übergeht. Bei der Vereinigung
dieser beiden Flüsschen erhält die Hrafnkela zugleich auch
Zufluss durch einen aus der zwar nicht langen, aber tiefen
Kluft „Faxagil“ (d. h. die Faxi-Kluft, weil hier Hrafnkels
berühmtes Pferd Frey-Faxi hinabgestürzt wurde) kommen
den Bach. Ferner ergießen sich rechts der Reihe nach in
die Jökulsa u. a. die Flüsschen: die H ö ltn a (ursprünglich
wohl Hö 1kn a, vgl. oben S. 191), die E y v in d a rä (läuft
anfangs längs der beiden Eyvindarfjöll, zwei verhältnismäßig
niedrigen Bergrücken, die in nordost südwestlicher Richtung
streichen, dann durch den Eyvindardalur • diese Namen er
innern an den aus der Hrafnkels Saga bekannten hoffnungs
Flüsse 'und Seen.
*) Neuester Abdruck in: Poestion, Einleitung in d. Studium d.
Altnord. II, S. 13—39; deutsche Übersetzung von Dr. Heinr. Lenk. Die
Saga von Hrafnkell Freysgoöi. Eine isländ. Geschichte aus d. 10. Jahrh.
u. s. w. (Wien 18S3).
13
P o e s t i o n , Island.
Flüsse und Seen.
194
vollen Bruder Sams, Ey vindr, der in dieser Gregend von Hrafnkell überfallen und. getödtet wurde); die H n e filsd a lsä
(früher Knefilsdalsä, so benannt nach dem Hnefilsdalur, der
wieder nach dem niedrig-kegelförmigen, mit Gras bewach
senen Berg „Hnefill“ benannt ist), in fast gerader Linie
aus Süden kommend; die H üsa; die San da; links nimmt
die Jökulsa mehr, aber ebenfalls nur unbedeutende
Flüsschen auf, wovon nur genannt sein sollen: die L v era
(aus dem Uverarvatn entspringend und bei Brü einmün
dend); die G ilsa mit südöstlichem Lauf, die L axa beim
Hofe Fossvöllur, der seinen Namen dem in der Nähe befind
lichen Wasserfall der Laxa verdankt, mündend. Hier d. i. etwas
vor dem Hofe befindet sich die vielberühmte H olzbrücke
über die Jökulsa, neu erbaut im Jahre 1819, schmal und
für belastete Pferde wie für Reiter nicht passierbar, sonst
aber verhältnismäßig ansehnlich und mit einem festen
Gittergeländer versehen. Es bestand hier schon in alter Zeit
eine Holzbrücke, so dass es damals eigentlich zwei Brücken
über die Jökulsa, eine hölzerne und die oben erwähnte
natürliche Steinbrücke,*) gab. Wenn ich recht unterrichtet
bin, führt seit vorigem Jahre eine zweite künstliche Brücke
über den Fluss. Wo die alte Brücke über denselben ge
schlagen ist, besitzt er eine Breite von. 24 Ellen und die
Kluft, in welcher er dahinströmt, hat hier Wände, die so
steil sind, wie die der Almannagja; obwohl der gewöhnliche
Wasserstand 15 Ellen unter den Kluftufern beträgt, schwillt
der Fluss im Frühjahr oder wenn das Gletschereis schmilzt,
doch so mächtig an, dass er die Brücke immer gefährdet. —
Bei der Einmündung der Laxa hört der Jökulsdalur auf,
oder vielmehr er verbreitert sich; die Gegend am linken
Ufer heißt Jökulsarhlicf, so genannt wegen der sanft
niedersteigenden Abhänge (isl. hlicf, f.) der Tunguheidi,
des Mjörtjall und der Hellisheicfi; die Jökulsa nimmt hier
noch einen Zufluss, die K al da auf; rechts begleitet den
Fluss, wie oben bemerkt, noch eine Zeit lang ein schmaler
Ausläufer der Fljötsdalsheidi, die sogenannte „Laghei9iu
*) Dies scheint denn auch durch eine Stelle der Droplaugarsona 1
Saga (Cap. 13) bestätigt zu werden, wo erzählt wird, dass man anläss
lich eines Mordes im Fljotsdalsherad beschloss, an den Furten wie an
den B rü ck en über die Jökulsa Wache zu halten.
195
(d. b. Tiefheidi), der gleich nach der Mündung der Kalda
endet; von da an erstreckt sich eine schmale Ebene
zwischen der Jökulsa und dem Lagarfljöt, welche beiden
Flüsse bei ihrer Mündung Zusammentreffen und dadurch
eine „Tunga“ (d. h. Landzunge) bilden, welchen Namen
denn auch diese Gregend zwischen der Jökulsa und dem
Lagarfljöt — an letzterem bis zur Mündung der Rängä
— führt. Die Jökulsa mündet eigentlich in zwei mächti
gen Armen in den Heradsflöi, von denen der östliche, wie
bemerkt, mit dem Lagarfljöt zusammentrifft, der westliche,
spitzwinkelig nach Nordwest abbiegend, an der westlichen
Ecke des Heradsflöi sich ergießt. Dem westlichen Arme
ist eine mächtige Sandbank vorgelagert.
Das Lagarfljöt (d. h. der Seefluss, weil dieser Strom
eigentlich ein Mittelding zwischen einem Strom und einem
See bildet), Die Quellenflüsse dieses merkwürdigen Stromes
sind die Jö k u lsa , welche vom Vatnajökull kommt und
die K elda oder K elduä (d. h. Quellenfluss), welche,
wieder die Vereinigung zweier kleiner Flüsschen, im
See Keldarvatn in der Nähe des Vatnajökull entspringt.
Die erstere nimmt links drei Nebenflüsse auf und zwar:
die D jö fag ilsä (d. h. Diebsskluft-Ache), welche am
Südost-Abhange des eisbedeckten Snsefell (d. h. Schnee
berg) entspringt, die H afu rsä (d. h. Bocks-Ache) und
die L a u g a r a ; die letztere erhält ebenfalls einen kleinen
Zufluss und zwar rechts. Beide durchströmen in ihrem
unteren Laufe zwei Seitenthäler des Fljötsdalur, welche
durch einen vom inneren Hochland sich vorschiebenden
Gebirgsrücken von einander getrennt sind, und zwar die
Jökulsa den Nordurdalur, die Kelduä den Sudurdalur; beide
nehmen auch sogleich eine nordöstliche Richtung. Nachdem
sie sich bei dem Hofe Hrafnkelsstadir (dem späteren Wohn
orte des vertriebenen Hrafnkell; vgl. oben) vereinigt, setzen
sie unter vielen Verzweigungen und ohne eigentlichen ge
meinsamen Namen — man pflegt sie geradehin F ljö tsd alsarn ar (d. h. die Fljötsdalsflüsse) zu bezeichnen— ihren
Lauf durch den Fljötsdalur fort, bis sie bald darauf und zwar
nach Aufnahme zweier von Westen kommender Flüsschen,
von denen das nördlichere, die H engifossä, durch eine
steile Felsenkluft von der FljotsdalsheiÖi herabstürzend,
Flüsse und Seen.
13 *
196
Flüsse und Seen.
den ca 400 Fuß hohen Wasserfall „H engifoss“ (d. h.
steilen, hohen Wasserfall) bildet, in das L a g a rfljö t über
gehen. In dasselbe mündet auch noch die mit der Keldua
weiter östlich fast von ihrem Ursprünge an parallel lau
fende G ilsa, deren schluchtartiges Thal die Grenze
zwischen der Nor9ur- und Su9ur-Müla Sysla bildet. Wo die
Gilsa in das Lagarfljöt fällt, befindet sich eine flache
sandige Strecke, Gilsäreyri (älter Gilsareyrr), welche von
dem Flusse angeschwemmt wurde. Das Lagarfljöt ist,
obwohl es nur als eine Erweiterung der Fljötsdalsär an
gesehen werden kann, doch eigentlich ein See und als
solcher der längste Landsee Islands (nämlich ca 3 Meilen
lang), der übrigens früher schon gleich nach der .Vereini
gung der Quellenflüsse begonnen zu haben scheint. Wir
werden daher bei den Seen noch ausführlicher auf den
selben zurückkommen. Es ergießen sich in das Lagarfljöt
hier außer einer Anzahl von Bächen am linken und rechten
Ufer, mehrere größere Wasserläufe am rechten Ufer, so
die G r im sä, welche aus der Vereinigung der Geitdalsä,
die in dem ziemlich weit südlich gelegenen Likärvain ent
springt und den Geitdalur (so benannt von dem Vater des
erwähnten Hrafnkell, weil ihm durch einen noch jetzt
bemerkbaren Bergschlipf mehrere Geißen — außer dem von
ihm noch rechtzeitig verlassenen Hofe — vernichtet wurden)
durchströmt, mit der aus dem Skridu- (d. h. Bergschlipf)
oder Sudurdalur*) kommenden M ulaä (so genannt nach
dem langen, schmalen, gegen Norden streichenden Gebirgs
rücken Muli, welcher den Geitdalur vom Skridudalur trennt)
entsteht, und anfangs abwechselnd auch S k r i 9 d a 1s ä (älter
Skridudalsä) heißt. In ihrem unteren Laufe nimmt die
selbe auch noch eine G ilsa auf und ergießt sich endlich
oberhalb Vallanes in den See. Bei Egilssta9ir mündet die
E y v in d a rä ein, die wieder aus der Vereinigung mehrerer
Quellenflüsschen aus dem Fagridalur, Svmadalür u. s. w.
entsteht. Von den am linken Ufer in den See münden
den Flüsschen soll nur die R ä n g ä (d. h. schiefer, krummer
Fluss), genannt werden. Die beiden Haupt-Quellenflüsse des
*) Vom Südende des Skridudalur führt seit alter Zeit ein 3 Meilen
langer, beschwerlicher Weg über die Axarheidi oder Öxi (früher Öxarheidr) nach dem Berufj ördur.
197
Lagarfljöt) die Jökulsa und die Kelduä, haben als Flüsse, die
vom Riesengletscher Vatnajökull gespeist werden, trübes
Wasser. Während sonst das trübe Wasser der Gletscher
flüsse, welche einen langen See durchströmen, beim Aus
tritte aus demselben in der Regel klar und rein geworden
ist, da der vom Flusse mitgeführte Gletscherkies und Lehm
zu Boden sinkt, ist der Ausfluss des Lagarfljöt noch
27 Kilometer weit trübe, woraus man schließen kann,
dass die Theilchen, welche das Gletscherwasser dieser
Flüsse mit sich führt, besonders fein vertheilt sind. Der
Name Lagarfljöt bleibt auch dem Abflüsse des Sees, der
alsbald den Charakter eines breiten Stromes annimmt, bis
zu seiner Mündung in das Meer. Neue Nebenflüsse .nimmt
er auf diesem Wege nicht auf, wohl aber bildet er einen
Wasserfall, der ihn vom Meer aus unschiffbar macht. —
Auch die Umgebung des Lagarfljöt gehört zum Schau
platze der oben genannten Hrafnkels Saga (wie auch der
Droplaugarsonar Saga). Die Gegenden am linken Ufer
haben wir schon zum Theil kennen gelernt. Die Fljötsdalsheidi, welche die Jökulsa a bru vom Lagarfljöt trennt
und zwischen dem Hrafnkelsdalur und den Fljötsdalur, sowie
noch eine gute Strecke nordwärts 3—4 Meilen breit ist,
begrenzt gegen Osten den linken Theil des Fljötsdalur,
der sich allmählich aber beständig erweitert bis die Ranga
die Grenze gegen die früher erwähnte „Tunga“ hin bildet,
welche durch den convergierenden Lauf der Jökulsa a bru
und des Lagarfljöt entsteht. Doch sind derselben beson
ders. gegen Norden zu kleinere Bergrücken und Höhen
vorgelagert, weshalb denn auch die betreffende Gegend
F e ll (d. h. kleine Berge) oder Fella- (jetzt gewöhnlich
F elln a-) S veit heißt; über diese Höhen führte in alter
Zeit die Hallfredargata (d. h. Hallfreds-Weg), den der
oben genannte HallfreÖr dem beschwerlicheren Weg durch
das Fljötsdalsherad vorzog, 'wenn er von seinem Hofe
Hallfredarstadir aus seinen Sohn Hrafnkell im Hrafnkels
dalur besuchen wollte. Die ganze vom Lagarfljöt durch
strömte Gegend der Nordur Mula Sj'sla bis zur Hälfte der
Fljötsdalsheidi hinauf, wurde schon in alter Zeit, nach dem
Fljötsdalur „Fljötsdalsherad“ (d. h. Fl.-Bezirk) genannt.
Nach der Mündung der Ränga beginnt die schon öfter er
Flüsse und Seen.
198
Flüsse und Seen.
wähnte Landschaft Tunga, in deren Mitte beiläufig der
eben besprochene Hof des Hallfredr liegt. Was das rechte
Ufer des Lagarfljöt betrifft, so ist dasselbe zunächst von
einem. langen Bergrücken begrenzt, der gegen Nordost
streicht und bei der Mündung der Gilsa endet; jenseits
der Gilsa erstreckt sich der nördliche Ausläufer eines
anderen, dicht nebenan ebenfalls in nordöstlicher Richtung
streifenden Gebirgszuges noch ca V/2 Meilen weit längs
des Sees hin. Dieser ansehnliche Gebirgsrücken heißt
Hallormstadahals (in der Hrafnkels- und Droplaugarsonar
Saga schlechthin „Hals“ vgl. oben S. 92 genannt);
am westlichen Abhang desselben bis zum See liegt eine
der schönsten Gegenden Islands, „Sk6g a r“ (d. h. Wälder,
da sich hier viele Birkengebüsche befinden) mit dem hüb
schen Pfarrhof Hallormstadur (älter: -stadir). In der Nähe
der Gilsa gegen den See zu liegt B u 31 ün g a v e 11 i r, jetzt
nur ein eingehegtes „tun“ (Grasgarten) mit Schafställen, das
„Bulungarvellir“ der Hrafnkels Saga („Bolungarvöllr“ der
Droplaugarsonar Saga). Wo der Hallormstadahals endigt,
beginnen die „Vellir“ (d. h. Ebenen), welche als Fort
setzung oder vielmehr Erweiterung des oben genannten
Skridudalur angesehen werden können und bis zur Eyvindara reichen. Die Gegend hier ist aber bei Weitem nicht
mehr so schön als weiter gegen Süden, und zumeist ganz
unfruchtbar. Jenseits der Eyvindara beginnt die EidaJ)inghä (d. h. E.-Bezirk, nach dem Pfarrhof Eidar, jetzt
gewöhnl. Evdar geschrieben, benannt), eine Gegend von
ähnlichem Charakter wie die Vellir; sie erstreckt sich bis
zur Grenze zwischen der Nordur- und Sudur-Müla Sysla.
Von da an heißt die östlich vom Lagarfljöt liegende Ebene
„Utmannasveit“ ; sie wird gegen Osten von den Austurfjöll
begrenzt; gegen das Meer zu geht sie in die Sandfläche über,
welche sich ca 2 Meilen weit vom einen zum andern Ende der
Südküste des Heradsflöi erstreckt und „Heradssandur“ heißt.
An der östlichen Ecke des Heradsflöi mündet ein
anderer nicht unbedeutender Wasserlauf aus dieser Gegend:
das S e lfljö t, in seinem oberen Laufe G ilsa
genannt; dieser Fluss entspringt in zwei an der SysselGrenze sich vereinigenden Armen (Gilsa und Hurdarbaksa)
in der Ei3a-]Dinghä und nimmt rechts noch mehrere
199
andere Flüsschen auf, so die Gnupsa, die vereinigten
Flüsschen Bj arglandsä, Sandä und Dverä, u. a.; er hat
zuerst einen nördlichen, dann einen nordöstlichen Lauf
bis er sich durch einen ansehnlichen 6s („Osar,w in alter
Zeit Unaös) in’s Meer ergießt.
In den L oSm undarfj ö r9ur ergießt sich außer
mehreren andern kleinen Wasserfäden:
die F ja rS a rä (d. h. Fjord-Ache), ein unbedeu
tendes Flüsschen, das mehrere andere Bäche in sich auf
nimmt.
Auch der S e y 5 i s fj ö r d u r hat seine Fj ar 9 a r a; außer
dem münden in denselben einige andere Flüsschen, von
denen die V estd alsä genannt werden kann.
Das in den Mj ö f i fj ö r 9 u r mündende Thal wird gleich
falls wieder von einer F ja rS a rä durchströmt, die sich in
den Fjord ergießt.
Von den Flüsschen der zwischen dem Mjöfifjördur und
dem Key9arfj ör9ur liegenden Halbinsel sei nur die in die
kleine nördlichste Bucht (Nor3fjör3ur) mündende Nor3fj a r 3 a r a genannt.
Auch der Fäs k r ü3fj ör 3 ur nimmt mehrere Flüsschen
auf, darunter eine J ö k u 1s a.
Ein bedeutenderer Fluss ist erst wieder die Brei3dalsa, welche in je einem Arm die beiden Hauptthäler
des BreiSdalur (nämlich Su3ur- und. Nor3urdalur) durch
strömt, und nach Vereinigung derselben einen recht an
sehnlichen Wasserlauf bildet, der in die Brei3dalsvik
mündet.
Zwei größere Flüsschen münden auch in den B eruf j ö r 3 u r und zwar:
die B erufj ar3ara, welche von der schon genann
ten Axarhei3i (und zwar aus dem kleinen See Axarvatn)
kommt und in den innersten Winkel der Bucht mün
det, und
die Fossa, welche ebenfalls den Abfluss eines Sees
bildet, den schmalen Fossärdalur durchfließt und sich in die
kleine südwestliche Nebenbucht des BerufjörSur ergießt.
In den H am arsfj ör3ur mündet die nicht unbedeu
tende H am arsa, nachdem sie das Hamarsdalur durch
Flüsse und Seen.
Flüsse und Seen.
200
strömt hat; sie hat ihren Ursprung in einem See nord
östlich vom Drändarjökull und stürzt sich gleich nach ihrem
Ausflusse in das Thal hinab.
Der A 1p t a fj ö r 3 u r nimmt die G eith e lla ä (oder
G e ith e lln a ä ; so benannt nach dem an der Küste nörd
lich vom Flüsschen liegenden Hof Geithellar) auf, welche
mit der Hamarsa parallel läuft und ebenfalls in der Nähe
des Drändarjökull (aber südwestlich von demselben) ent
springt. In den Alptafjördur und zwar in die kleine süd
westliche Seitenbucht desselben mündet auch die Hof sä,
welche in zwei Armen an der Ostseite des Hofsjökull
(vgl. oben S. 101) entspringt. Endlich wollen wir auch noch
der historisch bemerkenswerten D vo ttä (älter Dvättä) ge
denken, eines kleineren Flüsschens oder vielmehr Baches
mit gleichnamigem Hofe, dem einstigen Wohnorte des edlen,
friedliebenden Sicfu-Hallr, In der Dvättä ließ im Jahre 997
Hallr sich und sein ganzes Haus durch den Missionär
Dangbrandr taufen, nachdem er den Act früher an ein
paar alten Weibern hatte vornehmen lassen, um zu sehen,
ob sie nicht etwa dabei Schaden nehmen würden. Bach
und Hof, früher schlechthin A genannt, erhielten von da
an den Namen Dvättä d. h. Wasch-Ache.
Die Jö k u lsä i Löni, so genannt nach der Gegend
„Lonwoder „Lönshverfi“, welche sie durchströmt. Sie kommt
von dem östlichsten Laufgletscher des Vatnajökull, hat
weißgraues Wasser und ein veränderliches Flussbett ohne
feste Furten, gleich den übrigen jökulsär, ist aber im Übri
gen noch nicht von der schrecklichen Art der westlicheren
Gletscherflüsse. Sie nimmt links einen längeren Wasser
lauf, der durch den Vicürdalur kommt, und später einen
kürzeren aus dem Knappadalur, rechts ein Flüsschen aus
dem Skyndidalur auf und theilt sich beim Austritte aus
dem von ihr durchströmten Jökulsdalur, der gegen Osten
von der LonsheicJi begrenzt wird, in zwei Arme, von denen
der südlichere noch Zufluss durch eine Laxä erhält.
An der Südküste ergießen sich, wie schon bemerkt,
die meisten und größten Gletscherflüsse in’s Meer, welche
vom Vatnajökull, Hofs- oder Arnarfellsjökull, Längjökull
und anderen Gletschern kommen.
Flüsse und Seen.
201
In den H o r n a fj ö r 9 u r ergießen sicli:
die Ho r nafj ar 9 arflj ot, zwei mächtige Flüsse, in
„hin eystri“ und „hin vestriu (d. h. die östlichen und die west
lichen) geschieden, welche in vielen kleinen Flüsschen von
zwei Laufgletschern des Vatnajökull kommen. Sie bilden in
ihrem unteren Lauf fast einen einzigen Strom und werden
nur durch die jetzt fast vegetationslose Felseninsel Skögey
von einander getrennt, worauf sie in den westlichen Tlieil
des Hornafjörcfur übergehen. Die Flüsse sowohl wie die
Bucht werden gegen Osten von der sogenannten N esjasveit, gegen Westen von den M yrar (d.Ah. Mooren) oder
der Myrna- (auch Myra-) sveit begrenzt. Die beiden Flüsse
richten durch plötzliches und unregelmäßiges Anschwellen
großen Schaden an. Von den zwei Hauptübergangsstellen
über die Fljöt befindet sich die eine bei dem Svinafell,
welches die beiden Ströme von einander trennt; die Strö
mung ist hier verhältnismäßig stark, der Wasserstand
jedoch nicht besonders hoch; die andere befindet sich außer-*
halb Bjarnarnes; der Strom ist hier sehr breit, zwar ohne
starke Strömung, aber doch unsicher, hat einen weichen
Sandgrund und ist oft so tief, dass er nur zur Ebbezeit
von den Pferden passiert werden kann. Der östliche Strom
nimmt an N ebenfH issen auf: die H o ffe llsd alsä , die
G rrjötaund die L a x a , jede aus einem Thale kommend,
und die letztere eigentlich schon in den Hornafjör9ur mün
dend; in den westlichen Strom ergießt sich ebenfalls ein
kleinerer Wasserlauf und weiter südwestlich mündet die
H ölm sa in den westlichen Theil des Hornafjör3ur.
In den südwestlichsten Winkel des Hornafjördur er
gießen sich auch:
die H ein ab erg sv ö tn , welche vom Laufgletscher
IIeinabergsjökull kommen, sich theils gegen Westen werfen,
so dass sie sich mit der gleich zu nennenden jökulsa
Kolgrüna vereinigen, theils sich in südöstlicher Richtung
zum Hornafjördur Bahn brechen, dem sie vereinigt in
gewaltigen Wassermassen breit zustürzen. — Südwestlich
vom Hornafjördur mündet
die K olgrim a ins Meer, ein ziemlich wasserreicher
Grletscherfluss, der seinen Ursprung ebenfalls im Heinabergsjökull hat, aber doch einen verhältnismäßig regelmäßigen
Flüsse und Seen.
202
Lauf gegen das Meer zu einhält; sie wendet sich gegen
Stidwest und ergießt sich in einen „Ion“, der mit dem
Meer durch den Halsaös in Verbindung steht.
Die S te in a v ö tn (d. h. Gesteinwasser; plur.) sind
eine Anzahl größerer und kleinerer Wasserläufe, welche
vom Kalfafellsdalur und Steinadalur kommen und durch ihre
wechselnde Vereinigung und ihren unruhigen Lauf im
Lande schon viel Schaden angerichtet haben. Sie münden
in den sogenannten Breidabölstadarlön.
Die J ö k u ls a a B re id u m e rk u rsa n d i mündet
direct in das offene Meer; sie bietet so recht den Typus
eines der gefürchteten Gletscherflüsse dar. Auf dem bis
hart an das Meer sich vorschiebenden Breidamerkurjökull,
einem Laufgletscher das Vatnaj ökull, entspringend, stürzt
dieselbe wie durch eine Cloake unter dem Rande des
Gletschers hervor und eilt, sich über die Sandfläche des
Breidumerkursandur verzweigend, zur Küste hinab. Da der
Weg bis zu ihrer Mündung in's Meer so kurz ist, wird
die Strömung sehr reißend, und da der Fluss zugleich
eine ansehnliche Wassermasse und oft auch Eisstücke mit
sich führt, so ist er einer der gefürchtetsten Gletscherströme
des Landes. Gewöhnlich stürzt die Jökulsa ungefähr an
der Grenze des östlichsten Drittels des Breidumerkursandur
aus dem Gletscher hervor; bisweilen aber, besonders wenn
sie einen der den Gletscherflüssen eigenthümlichen, gewalt
samen und unregelmäßigen Wasserstürze (hlaup) gehabt
hat, kann sie auch ihr Bett plötzlich ganz verändern und
an einer anderen Stelle des Laufgletschers — gewöhnlich
weiter östlich — hervorbrechen. (Kaalund.)
Westlich von der Jökulsa wird der Breidumerkursandur
noch von vier anderen, von demselben Laufgletscher
kommenden Flüssen durchzogen, welche aber alle be
deutend kleiner sind als die Jökulsa; der östlichste
derselben und zugleich der größte ist
die B rei da, welche durch einen „ös“ in die See
mündet; die westlichste
die K viä (richtiger Tvia, nach den beiden Scheeren
Tvisker benannt; s. oben S. 77).
Drei mächtige Gletscherflüsse, ergießen sich ferner
weiter südlich, der eine beim Cap Ingölfshöfdi, die beiden
203
andern am westlichen Ende des Skeidararsandur ins Meer,
nämlich die Skeidara, die Nupsvötn und das Hverfisfljöt.
Die S k ei9 ar ä (skei9 = Weberlade mit dem Kamm)
oder Jö k u lsä a Sandi entspringt im Skeidarärjökull
und zwar in der südöstlichen Ecke desselben und strömt in
reißendem Laufe und mit vielen Verzweigungen sowie unter
Aufnahme einer großen Menge anderer von den Ausläufern
des Örsefajökull kommenden Gletscherflüsse nach Süden.
Die Skei9ara ist nicht nur berüchtigt wegen ihrer gewalt
samen, unvermutheten „hlaup“, sondern auch wegen ihrer
auch sonst häufig auftretenden Anschwellungen.
Die N up sv ötn (früher Lömagnüpsä benannt nach
dem prächtigen Berge-Lomagnüpur, d. h. Lummentaucherberg, der sich wie ein ungeheurer Kegel von dem dahinter
liegenden Gebirgsstock abtrennt) entstehen aus der Ver
einigung mehrerer Flüsschen, von denen die in dem See
Nüpsärvatn, (auf den Karten Grimsvötn genannt) südlich
vom Berge Grsenafall, entspringende Nupsä den Haupt
quellenfluss bildet. Die Nupsä durchströmt zunächst in
gerader südlicher Richtung den westlichen Theil eines Thals
mit ziemlich dichtem Gehölz („Nupstadarskdgar“ genannt),
aus dem sie an mehreren Stellen Zufluss erhält, bis sie
den reißenden Gletscherfluss Sula- aufnimmt, der aus einem
sich jetzt vorschiebenden Laufgletscher des Skeidararjökull
in kurzem Laufe herbeigestürzt kommt. Erst von da an
nimmt der Hauptfluss den Namen Nupsvötn und zugleich
den Charakter eines Gletscherflusses von weißlich grauer
Farbe an, während er früher klares Wasser hatte, und eilt in
zahlreichen, vielfach mit einander in Verbindung stehenden
Armen dem Meere zu, von der Mündung der Sula an die
Grenze zwischen der Austur- und der Vestur SkaptafellsSysla bildend und in dem breiten „osu (wie auch schon
etwas früher) sich mit der Djüpä vereinigend.
Die D jüpä gehört zu den mittelgroßen Gletscher
flüssen und kommt vom Skaptärjökull; sie nimmt mehrere
westliche Nebenflüsse auf.
Das H v e rfisfljö t (benannt nach Fljötshverfi d. h.
Flussbezirk, wie die Gegend zwischen den Nupsvötn und
dem Hverfisfljöt heißt) hat seinen Ursprung am westlichen
Rande des Skaptärjökull und strömt in südöstlicher RiehFlüsse und Seen.
Flüsse und Seen. .
204
tung dicht unter dem Gletscher dem Meere zu. Dasselbe
nimmt in seinem unteren Laufe die B ru n n a (d. h. Brun
nenfluss) auf, oder richtiger: es ergießt sich in die Brunna,
und diese , nimmt nun den Namen Hverfisfljöt an. Der
Fluss verzweigt sich vor seiner Mündung in mehrere Arme,
welche wieder mit den Armen der Djupa in Verbindung
stehen. Es fließen auf diese Weise die Nupsvötn, die
Djupa und das Hverfisfljöt in einander; sie bilden bei
ihrer Mündung breite, seichte Wasseransammlungen und
fallen endlich durch das H v a lsik i in die See. Nur ein
kleinerer Theil der Wassermasse ergießt sich in südwest
licher Richtung durch die Sandstrecken und vereinigt sich
mit dem E ld v a tn (d. h. Feuer-Fluss), einem Flusse, der
nach dem Vulcanausbruch im Jahre 1783 an dem Süd
rande des neuen Lavafeldes hervorgekommen ist und durch
den Veicfiös in das Meer fällt.
Der nächste Fluss weiter gegen Westen ist ebenfalls
ein sehr bedeutender Gletscherfluss ; es ist dies:
die S k ap ta (d. h. Schaft-Fluss); ihre Quellen sind
nicht genau bekannt, doch liegen sie jedenfalls auf der
Westseite des Vatnajökull resp. des Skaptarjöku.ll (oder
Sidujökull); sie fließt, so weit ihr Lauf bekannt ist, zunächst
in einer südwestlichen Richtung und zwar anfangs' über
flache Sandstrecken, später durch Schluchten; sie nimmt
die von Osten kommende mit der V arm a rd alsa ver
einigte U lfa rsd a lsä auf, wendet sich sodann gegen
Süden und setzt nun ihren Lauf unter dem Namen E ld v a tn
fort, rechts die vorn, Westen kommenden fast parallel
laufenden Flüsschen Ofsera in nyrdri und 0. in syjfri auf
nehmend und auch von Osten her nochmals Zufluss durch
die Hellisa erhaltend, um sich bald in mehrere Arme zu
theilen, von denen der östlichste unter‘dem Namen Skapta
sich in scharfer Biegung gegen Osten wendet und — nach
Aufnahme verschiedener Flüsschen, darunter in ihrem
oberen Laufe der Holtsa und der Fjarcfara, in ihrem
untersten Laufe der nicht unbedeutenden G eirla n d sa mit
der H ö rg sa — wieder in südlicher Richtung und sich über
die hier befindlichen Sandflächen verbreitend durch den
Skaptarös Ausgang in7s Meer sucht, die übrigen Arme
aber eine südwestliche Richtung nehmen und sich in das
205
Tungufljöt ergießen. Das Flussbett der Skapta, welches sich
fast durchwegs in Lavaboden befindet, ist durch den schon
erwähnten Ausbruch im Jahre 1783 sehr verändert und
umgestaltet worden, so dass jetzt die alten Ortsangaben
der Sagas vielfach nicht mehr stimmen. Die zwischen
dem Hverifsfljöt und der Skapta liegende Gegend heißt
S i3a im engeren Sinne; sie wird gegen Norden hin von
einem zusammenhängenden, nur von einzelnen kleinen
Thälern eingeschnittenen Hochlande, einer Fortsetzung des
auch das Fljötshverfi gegen Norden abgrenzenden Höhen
zuges, der sich bis ganz zur Skapta hinabzieht, begrenzt;
das Hochland fällt gegen Süden zuerst ganz sanft, dann
aber plötzlich steil ab und unter diesem steilen Berg
abhange stehen die meisten Höfe der Gegend, denen allein
eigentlich mit Recht der Name Si3a (d. h. Seite) — also
Sicfa im engsten Sinne — zukommt. Si3a im engeren Sinne
wurde in alter Zeit Skögakverfi d. h. Waldbezirk genannt;
jetzt wird bisweilen auch das Fljötshverfi zur Si3a-Landschaft gezählt — Si3a im weiteren Sinne. In den Sagas
kommt das Wort Si3a in noch ausgedehnterer Bedeutung
vor. *) Die südlich von dem östlichen Arme der Skapta
gelegene Landschaft mit zahlreichen Lavastrecken und
vulcanischen Sandlagern zerfällt in das nördlichere Land
brot und das südliche MeSalland Im ersteren laufen
einige Flüsschen und Bäche von West nach Ost in den
Skaptarös; in letzterem befinden sich einige größere
Wasserläufe, die zum Theil erst im Jahre 1783 entstanden
sind oder ihr jetziges Bett erhalten haben, so das Steinmyrarfljöt, die Landa, das Eldvatn; dieselben münden alle
direct in’s offene Meer.
Das K ü 3 a fljö t (benannt nach dem Schiffe „Ku3iu
des Ansiedlers Vilbaldr, der hier landete); ein sehr breiter
und wasserreicher, aber verhältnismäßig ruhig fließender
Strom, der aus der Vereinigung der recht bedeutenden
Flüsse: E ld v atn , H ölm sa (oft Hölsä) und T ungufljöt
entsteht. Das Eldvatn haben wir bereits als südwestlichen
Arm der Skapta kennen gelernt, es fällt in das Tungufljöt,
Flüsse und Seen.
-) Vgl. darüber Poestion, Einleitung in das Studium d. Altnord. II.
Theil, im Glossar der Eigennamen, unter „Sida“.
Flüsse und Seen.
206
das dadurch ungemein reichlichen Zufluss erhält; bald
mündet auch die H olm s a ein, worauf die gesammte
Wassermasse den Namen Kudafljöt führt, und — noch unter
Aufnahme einiger kleinerer Wasserläufe wie der L eirä,
der Skälm , die von Westen kommen, — in südlicher
Richtung durch den Kudafljotsös, in den noch die Kselarär
aus der Landschaft Alftaver münden, in’s Meer sich ergießt.
Mehrere Gletscherflüsse durchlaufen auch den Myrd a lssa n d u r; doch ist ihr Lauf infolge der Veränder
lichkeit des Gletscherwassers und der durch die Katla
bewirkten häufigen Umwälzungen des Bodens nicht immer
genau bekannt. Es sind zu nennen:
das J ö k u lv a tn oder N y j a v a t n (d. li. neues
Wasser), verräth also schon indem Namen seinen jungen
(vulcanischen) Ursprung;
die E y ja ra (d. h. Insel-Ache, sogenannt nach dem
ganz freistehenden Berg Hafursey,*) in dessen Nähe sie ent
springt), deren Hauptquellenfluss die Häöldukvisl, westlich
vom Hafursey bildet.
Die M ulak visl, der bedeutendste dieser Gletscher
flüsse, läuft längs des östlichen Abhanges des HöfdabrekkaGebirges dem Meere zu; sie ist wohl identisch mit der
Grimsä der Landnamabök (S. 272).
Die K er U ng ar dalsa (in der Landnama „Kerlingaräw, d. h. Altweiberfluss) fließt westlich von dem ge
nannten Gebirgsknoten in ziemlich gerader südlicher
Richtung ins Meer. Sie nimmt die kleine V atnsa auf, die
von dem im Heidardalur liegenden See Heidarvatn kommt.
— Diese ganze Gegend hier ist geschichtlich interessant
als Schauplatz der Händel und des Todes des ersten An
siedlers Hjörleifr wie auch verschiedener Ereignisse, welche
in der Njäls Saga erzählt werden.
Weiter gegen Westen kommen dann zunächst einige
kleinere Wasserläufe, von denen mehrere vor ihrer Mündung
in’s Meer zusammen den seichten seeartigen Dyrhölaös
bilden. Westlich von Dyrholar fließt
die H a f u r s ä, welche in zwei Armen am Südabhange
des Myrdalsjökull entspringt und rechts den K lifan di
*) Solche inselförmig aus einer Ebene emporragende Berge werden
nämlich auf Island zuweilen „ey“ genannt.
207
aufnimmt *,. sie bildet die östliche Grenze für die nun be
ginnende Sandstrecke Solheimasandur. Hier befindet sich
die Jö k u lsä a S ö lh eim asan d i oder der F ü lilsekur (d. h. der Gestankbach), einer der berüclitigsten
Flüsse Islands. Sie war bis zum Jahre 934 ein unbe
deutender Bach, als plötzlich im genannten Jahre, wohl
infolge eines vulcanischen Ausbruches des Sölheimajökull,
an ihrem Ursprung ein ungeheurer Wassersturz hervorbrach, der das Land zu beiden Seiten verwüstete, bis er
sich schließlich den kürzesten Weg zum Meere suchte.
Diese Jökulsa, die sich in wechselnder Größe über ein
breites Bett verzweigt, hat Avegen ihres kurzen, beiläufig
eine Meile langen Laufes eine ungemein starke Strömung
und schon viele Menschenopfer gefordert. Der eigentliche
Gletscher liegt hier mehr zurück, doch springt von dem
selben ein aus schmutzigem Schnee bestehender Lauf
gletscher vor, der die periodischen Wasserstürze bewirken
soll, wegen deren dieser Gletscherfluss bekannt ist. Der
fortschreitende Gletscher dämmt nämlich oft das durch
eine Bergkluft hervorkommende Gletscherwasser auf, so
dass sich zuletzt ein ganzer kleiner See im Gletscher bildet;
dieser sprengt endlich die vor ihm liegende Gletscherpartie,
was ein plötzliches Anschwellen des Flusses zur Folge
hat. Der eigenthümliche Schwefelwasserstoffgestank, der
schon dem Bache seinen bezeichnenden Namen gegeben,
ist auch der mächtigen Jökulsa geblieben, wenn auch
nicht immer in gleicher Stärke. Obschon die Mündung
der Jökulsa sich nur wenig zu einem Hafen zu eignen
scheint, befindet sich seit dem Jahre 1830 daselbst doch ein
autorisierter Handelsplatz. Nur wenig westlicher läuft mit
der Jökulsa ein kleines Flüsschen, E yr arä, parallel, welches
früher die Grenze zwischen dem Ost- und Südviertel bil
dete und jetzt die Vestur Skaptafells Sysla und die Rangär
valla Sysla von einander trennt.
Es folgen nun wieder einige kleinere Flüsschen, welche
sämmtlich dem Gebiete des Eyjafjallajökull angehören und
die bis zum Markarfljöt sich erstreckende Eyjafjallasveit
durchströnien. Es seien davon nur genannt: die K aldaklofsä, die L aug arä, die Svadbselisä (ursprüngl.
Svarfbselisä), die M idskälaä (nach dem mittleren der drei
Flüsse und Seen.
Flüsse und Seen.
208
Skäli-Höfe benannt), der F osslsekur (Wasserfallbach), die
Hofs ä,
die S kö ga (d. h. Waldfluss), welche westlich’ von
den beiden Höfen „Skögar“ (so benannt nach einem früher
hier vorhanden gewesenen „Wald“) vorüberfließt, den
Skögasandur nach Westen hin begrenzt und nach kurzem
Laufe in’s offene Meer fällt. Dicht am westlichsten der
beiden Höfe befindet sich der Skögafoss, der schönste
Wasserfall des Südlandes, nach Henderson der „schönste auf
der ganzen Insel“. Derselbe stürzt sich mit einer bedeu
tenden Wassermenge senkrecht vom Rande eines sonst mit
Grün bekleideten Abhanges nieder; er ist beiläufig 200 Fuß
hoch und ziemlich breit, senkrecht und ganz eben und ungetlieilt. Doch unterscheidet man in der Wassermasse zehn
bis zwölf parallel niederfallende Schaumsäulen.
Es folgen nunmehr die großen Flüsse des Südlandes,
als da sind:
Das Markarfljöt (d. h. Waldstrom). Dasselbe ent
springt westlich vom Torfajökull in den wegen ihrer vielen
warmen Quellen bekannten Reykja-Thälern, erhält aber
doch mehr Zuflüsse von dem unmittelbar östlich davon lie
genden Torfajökull. Der anfangs noch nicht bedeutende Fluss
läuft nun gegen Süden, theilt die Landschaft Laufaleitir (d. h.
Ort, wo man nach Laub sucht), bekannt durch die an den
Ufern ihrer kleinen Bäche wachsende „hvönn“ (Angelica
officinalis), in eine „äußere“ .und eine „innere“, nimmt
den Hvitmagi auf, wird gleichzeitig von dem langgestreck
ten Grsenafjall nordöstlich abgelenkt, erhält Zufluss aus
dem nördlich gelegenen Torfavatn, biegt um das Grsenafjall und setzt nun, im Osten von dem Mselifellssandur
begrenzt, seinen Lauf anfangs in südsüdwestlicher, dann in
mehr südwestlicher Richtung fort und nimmt links mehrere
Flüsschen aus der vielberühmten Landschaft D örsm örk
auf, so die Grenzflüsschen für dieselbe, die D rönga und
die südliche K rossa, welche wieder mit der H van na,
dem südlichsten ihrer Nebenflüsschen, das sogenannte
„Godaland“ einschließt. Bis zum Einflüsse der Krossa
läuft der Fluss in einem engen Felsenbett mit steilen
Ufern; jetzt aber beginnen die flachen Strecken, die so
genannten „Flj ö ts a u r a r“ (plur. d. h. Flusssandufer),
209
über welche sich nun cler unruhige Fluss nach Lust ver
zweigen und zwischen dem Dörölfsfell und der Fljötshlid
auf der einen, dem Unterlande des Eyjafjallajökull auf
der anderen Seite verbreiten kann. Es münden hier einige
durch Naturschönheiten interessante Flüsschen von Norden
her in das Gewirr der Wasserarme* so die kleine Dorölfsa, westlich vom iPörölfsfell, die kleine B leik sä und
die M erkia, etwas östlich von dem altberühmten Hofe
Hlidarendi. Die M erk ia ist besonders dadurch merk
würdig, dass sie, von der Fljötshli9 kommend, in ihrem
Laufe über den Abhang einen ganz eigentümlichen Wasser
fall bildet, indem man das Flüsschen zu oberst am Ab
hange erblickt, worauf dasselbe verschwindet und erst
weiter unten wieder zum Vorschein kommt, wo sich ein
steiler Felsen mit vier runden, in einer senkrechten Linie
stehenden Höhlen befindet; aus der untersten dieser
Höhlen nun bricht der Wasserfall wieder hervor, bei
sehr großer Wassermenge aber aus allen vier Höhlen
des Felsens zugleich. Die M erk ia (d. h. Grenz
fluss) mündet eigentlich schon in die Dvera, den west
lichsten Arm des Markarfijöt, der von seinem Eintritt in
die Fljötsaurar an die Richtung von Ost nach West nimmt,
die er auch nach der Absonderung der Dvera noch eine
kurze Strecke weit beibehält, um dann in drei Armen
gegen Süd und Südwest abzufallen. Der östlichste dieser
Arme ist anfangs der schmälste und behält den Namen
Markarfijöt bei, obschon in früherer Zeit das eigentliche Bett
des Hauptstromes in dem mittleren Arme war, mit dem sich
jetzt der östliche bei der Mündung ins Meer vereinigt,
nachdem er sich in verschiedene Arme zertheilt und see
förmig erweitert hat. Das Markarfijöt nimmt auch hier
eine Anzahl von Wasserläufen auf, die durch Naturschön
heiten, besonders durch prächtige Wasserfälle, bemerkens
wert sind. So trifft man bald unterhalb des Hofes Störidalur den reizenden kleinen G lju frafo ss, und nicht
weit davon den ansehnlicheren S e 1j a 1a n d s f o s s * mehr
gegen Süden befindet sich der charakteristische kleine
Drifandi-Wasserfall u. s. w. — Der mittlere Arm des Markarfljöt heißt jetzt A lar (plur. d. h. Riemen); er bildet
die östliche Grenze der Landschaft Austur-Landeyjar und
Flüsse und Seen.
P o c s t io n . Island.
u
Flüsse und Seen.
210
trifft bei der Mündung, wie schon erwähnt, mit dem öst
lichen Arme (Markarfljöt) zusammen. Die westlichste Ver
zweigung* des Markarfljöt hat den Namen: A ffall(d. h.
Abfluss); sie strebt in längerem südwestlichen Laufe dem
Meere zu und biegt beim Eintritt in den Rängarsandur nord
westlich ab. Das Affall bildet die Grenze zwischen den Vesturlandeyjar und den Austurlandeyjar (d. h. westliche und öst
liche Landinseln) und ist ziemlich veränderlich; bisweilen
ist sein Wasserstand nur gering und das breite Bett theilweise trocken; in wenigen Tagen, oft sogar in wenigen
Stunden, kann sich aber das Bett ganz füllen.
Der westlichste Arm des Markarfljöt hat einen so
langen Lauf und erhält durch bedeutende Zuflüsse eine
solche Größe, dass er fast wie ein selbständiger Fluss
angesehen werden kann, der er übrigens einst auch ge
wesen zu sein scheint. Wie schon erwähnt, zweigt sich
die D verä, noch bevor die Merkia in dieselbe einmündet,
vom Markarfljöt ab; sie nimmt eine westwestnördliche
Richtung und theilt sich zuletzt in zwei mächtige Arme, von
denen der eine unter dem Namen Hol sä zuerst südlich
abbiegt, dann plötzlich, vom Rangarsandur. aufgehalten,
nach Norden sich wendet und in die Djörsä mündet, der
andere, westliche, unter dem Namen D jupös zuerst in
den Ha f sös und durch diesen ebenfalls in die Djörsa sich
ergießt, so dass also die Dverä auch noch als ein Neben
fluss der jetzt Djörsä zu betrachten ist. Dass die Verhält
nisse früher ganz andere gewesen sind, wird sich alsbald zeigen.
Die Dverä nimmt außer den kleineren Flüsschen, die ihr
alle am rechten Ufer zufließen, wie der „L itla D v eräu
(d. h. der kleinen Dverä), der G r j ö t a, der K o t s 1ai k j ar a
u. a., zwei bedeutende Flüsse, die E y stri und die V estri
(oder Y tri) R angä d. h. (die östliche und die westliche
oder äußere Rangä) auf.
Die E y stri R angä entspringt in dem Lavafelde
(„Hrafntinnuhraun“) das östlich von der Hekla und süd
westlich vom Laufafell (südwestlich vom Torfajökull) liegt,
fließt zuerst in südwestlicher,, dann in westlicher und
endlich wieder in südwestlicher Richtung der Dverä zu,
nachdem sie selbst mehrere Wasserläufe aufgenommen,
von denen die F is k ä (d. h. Fisch-Ache), welche am
211
nördlichen Abhange des Fljötshlicf entspringt und dicht
unter demselben dahinfließt, die bedeutendste ist.
Die V es tri oder Y tri R anga, welche viel größer
ist als die Eystri Rängä, entspringt ebenfalls in der Nähe
der Hekla, aber nordwestlich von derselben; sie nimmt
einen südwestlichen Lauf und nähert sich immer mehr
der Eystri Eängä, so dass sie bei ihrer Mündung in die
Dverä nur eine Viertelmeile von derselben entfernt ist.
Früher scheinen ihre Mündungsstellen noch näher bei
sammen gewesen zu sein und eine entschiedener ausge
prägte Landzunge (oddi*) gebildet zu haben als jetzt. Die
beiden vereinigten Flüsse hatten ihren Abfluss in das Meer
durch den R an g ar ös (der jetzt „Hölsä“ genannte Arm der
Dverä hieß noch im Jahre 1709 Rängä), der sich südöst
lich von der jetzigen Mündung der Djörsa befand. An
Stelle der seeartigen Erweiterung des Djupös lagen
früher zwei kleine durch einen Bach mit einander verbun
dene Seen (Bsearvatn und Fiskivatn) und der Djupös war
noch gegen den Anfang unseres Jahrhunderts hin unbe
kannt. Die Dverä aber bildete nur einen Nebenfluss der
Eystri Rängä. Da trat eine plötzliche Veränderung eiü.
Die Dverä wurde mit Einem Male wasserreicher und warf sich
zum Hauptfluss auf, der die beiden Rängar als Nebenflüsse
.aufnahm und sich einen neuen Weg, den Djupös, durch
■ die beiden genannten Seen zur Djörsä hinaus bahnte. Der
zwischen den beiden Rängar liegende Landestheil, dessen
nördlichste Gegend vollständig von der Hekla und ihrer
nächsten Umgebung eingenommen wird, heißt: R ängärv e llir (d. h. fdie Ebenen der Rängar) oder Rängärvallasveit (in den Islendingabök: Rangärhverfi; die Bewohner
der Rängärvellir hießen in alter Zeit Rangseingar, und da
sie unter den Bewohnern des Südlands am meisten hervor
traten, wurde bisweilen das ganze Südviertel „Rangseinga
fjördungr“ genannt) ; nach ihm wird auch jetzt die
Rängärvalla Sysla benannt. — Die D verä wie auch die
übrigen Arme des Markarfljöt, das A ff all und die A lar,
und in noch höherem Grade das Markarfljöt selbst, haben
Flüsse und Seen.
*) Nach dieser Landspitze ist der stattliche Pfarrhof O d d i benannt,
.altberühmt als Sitz isländischer Gelehrsamkeit.
14 *
Flüsse mul Seen. *
212
den gewöhnlichen Charakter der Gletscherflüsse; sie nehmen
im Sommer an Tiefe und Schnelligkeit der Strömung zu
und sind in dieser Hinsicht häufigen und plötzlichen Ver
änderungen unterworfen.
Die Djörsä (d. h. der Stierfluss), der längste Strom
des Landes, ist ca. 30 Meilen lang und entspringt in vielen
kleinen Flüsschen und Bächen nordwestlich von der so
genannten Fjördungsalda, einer sandigen Höhe (alda) im
Sprengisandur, und strömt bis zum Burfell in fast gerader
südwestlicher Richtung nach Süden, worauf sie plötzlich, um
den genannten Berg biegend, einen nordwestlichen, dann
bald darauf nacheinander einen westlichen, südlichen, wieder
westlichen und schließlich oberhalb des Hofes Olafsvelhr
einen südsüdwestlichen Lauf nimmt und in außerordent
licher Breite in das Meer mündet. In der zweiten — längeren
—Partie ihres w e stlic h e n Laufes und zwar ungefähr in.
der Mitte derselben, bildet sie die nicht unbedeutende
Insel „A rnes“ (d. h. Flussgebirge), welche der Ames
Sj^sla den Namenf gegeben hat, wie ja auch in alter Zeit
die Landschaft Arnes Ding nach ihr benannt worden
ist. Wo der Fluss sich in zwei Arme theilt, um.die Insel
zu umschließen, bildet sein nördlicher Arm einen ziemlich
breiten, aber nicht sehr hohen Wasserfall, den B udafoss;
auch der südliche Arm bildet einen Wasserfall, den
H estafoss. Von den zahlreichen Nebenflüsschen —
nur.die Tungna ist bedeutender — nennen wir nur die
größeren. Es münden in die Djörsa, nachdem sie die vom
Tungnafellsjökull kommende Fj o rd u n g ak v isl aufge
nommen re c h ts : die Miklakvisl, die Blautakvisl, die Knifä,.
die Kisä, der Miklilsekur, die Dalsä, die aus dem Djörsardalur kommende Fossa, welche beim Berge Burfell und die
Kalfa, welche in den nördlichen der die Insel Arnes bilden
den Arme einmündet; links ist außer der schon ausführlich
besprochenen h v e ra nur noch die T u ng na bemerkens
wert, ein recht ansehnlicher Fluss, dessen Ursprung sich in der
Nähe der Quellen der Skapta und des Hverfisfljöt befinden,
nämlich an der Westseite des Skaptar- -oder Siclujökull.
Die Tungna nimmt selbst wieder mehrere nicht unbedeu
tende Nebenflüsse auf, so rechts die V atn ak v isl, welche
aus der Vereinigung mehrerer, zumeist Abflüsse aus den
213
Fiskivötn-Seen bildender Flüsschen entsteht, und die an
der Ostseite des Tüngnafellsjökull entspringende K a ld a k v ls 1, links die vom Torfajökull kommende N am skvisl
und kurz vor ihrer Mündung in die Ljörsa noch die H el 1i skvisl. Die Djörsa bildet während ihres Laufes in den
unteren bewohnten Gegenden die Grenze zwischen der
Rängärvalla Sysla und der Arnes Sysla.
Das B au g stad asik i, ein kleines Flüsschen, das
in einem krümmungsreichen Lauf die ganze zwischen
dem unteren Laufe der Djörsa und der Hvita eingeschlos
sene Landschaft „Flöiu durchströmt, soll hauptsächlich
genannt sein, wegen seiner verschiedenen Namen, die leicht
irreführen könnten. Den obigen Namen hat das Flüsschen
nur bei seiner Mündung in’s Meer; es richtet hier auf dem
flachen Lande große Überschwemmungen an, so dass das
Wasser durch kleine Canäle in das Meer geleitet werden
muss (daher die Bezeichnung siki — Sumpf). In seinem
oberen Laufe hat das Flüsschen die Namen H rö arsh olts-, H seringsstada- und S töri-lsekur, und die
Rauda, der H r6ars 1aekur und der H rau n slsek u r der
alten Sagas bezeichnen wohl ebenfalls dasselbe Flüsschen
resp. verschiedene Partien desselben.
Die Hvftä (d. h. weißer Fluss), wieder ein riesen
großer Fluss, entspringt in dem unmittelbar östlich unter
dem Längj ökull liegenden See Hvitärvatn, schlägt bald
eine südwestliche Richtung ein, die sie bis zum Berge
Hestfjall so ziemlich beibehält, um hier aber nach Westen
und nach Aufnahme des Sog wieder nach Südwest abzu
biegen und sich mit mächtigem Brausen in’s Meer zu er
gießen. Die Hvita nimmt viele und darunter mehrere
bedeutendere Nebenflüsse auf, so re c h ts: das T u n g u fljö t, welches selbst wieder verschiedene Nebenwasserlänfe, (als nördlichsten die Arb randsä) aufnimmt; die B r ü a rä (d. li. Brückenfluss), über welche in der Nähe von
ITthlid früher eine natürliche Felsenbrücke führte —
daher der Name des Flusses — jetzt eine Holzbrücke
geschlagen ist, von der aus der Anblick des von allen
Seiten in die Kluft stürzenden und verschiedene kleine
Wasserfälle bildenden Wassers besonders interessant sein
.soll; das Sog (d. h. Saug-Fluss), den Abfluss des großen
Flüsse und Seen.
Flüsse und Seen.
214
Sees Bingvallavatn bildend, durchströmt auch wieder zwei
Seen, zuerst das längliche, ziemlich große U lflj 6tsv a tn
und dann das seichte A lp ta v a tn , und hat wegen seines
auffallenden Wasserreichthums zu allen Zeiten Bewunde
rung erweckt. (Die feuchten Wiesenstrecken an den Ufern
des Sog hingegen sind berüchtigt wegen ihrer zahllosen
Schaaren stechender Mücken, die für die Menschen und
Thiere dieser Gregend eine fast unerträgliche Plage sind.)
Nach Aufnahme des Sog wechselt die Hvitä ihren Namen
und heißt von da ab bis zu ihrer Mündung nach der Land
schaft Ölfus am rechten Ufer: Ö lfusä. Die Ölfusä ist wohl
Islands breitester Fluss; sie ist gleich nach der Vereini
gung des Sog und der Hvitä gegen 600 Ellen breit. Unmit
telbar vor ihrer Mündung ins Meer verhindert jetzt eine zwi
schen den Fluss und das Meer sich hineinschiebende schmale
sandige Landzunge, die ursprünglich eine Insel war, den
Austritt des Stromes in seiner ganzen Breite. Doch ist diese
hier — die Stelle heißt Oseyri — noch immer doppelt so groß
als bei der Vereinigung des Sog und der Hvitä. Von den
in die Ölfusä einmündenden Flüsschen sei nur die V arm ä
(d. h. warmer Fluss) genannt, welche während ihres Laufes
ihren Namen einige Male wechselt. L in k s ergießen sich
in die H v itä u. a.: die S v a rtä (gleich nach dem Aus
fluss der Hvitä aus dem Hvitärvatn), die Jö ku lkv isl,.
die G rjö tä, die S vinä mit der Sandä, dann die ansehn
liche L axä, welche zum Unterschiede von einem gleich
namigen Nebenfliissclien derselben auch S tö ra L axä ge
nannt wird; diese entspringt in dem See Grsenavatn, und
schlägt eine südwestliche Richtung ein, die sie bis über
den Hof Hrepphölar hinaus beibehält, um dann aber
plötzlich in einen rechten Winkel nach Nord west abzu
biegen und in fast gerader Linie ihren Lauf bis zur Mün
dung in die Hvitäx fortzusetzen. Sie nimmt unmittelbar
vor ihrer Mündung noch die kleinere Laxä — „M inni
L a x ä “ — auf, welche ebenfalls südwestlichen Lauf hat.
— Die H v itä bildet alsbald nach ihrem Eintritte in
bewohnte Gegenden oberhalb Tungufell *zwei ansehnliche
Wasserfälle, von denen der eine G ullfoss genannt ist.
Flüsse und Seen.
215
II. Seen.
Da viele Seen schon unter den Flüssen genannt
wurden, seien nur die bedeutenderen und merkwürdigsten
angeführt. Der berühmteste von allen ist:
Das Dmgvallayatn (so benannt nach der um den
nördlichen Theil des Sees liegenden Landschaft Dingvellir,
ursprünglich Ö lfusvatn, nach der Landschaft Ölfus,
welche den See im Süden begrenzt; vgl. oben) in der
Arnes Sysla; dasselbe hat 5—6 Meilen im Umkreis, liegt
300 Fuß über dem Meere und ist der größte See Islands.
Seine Entstehung verdankt der See augenscheinlich vulcanischen Umwälzungen vor der Zeit der Besiedelung Islands,
wobei ein großes Stück Landes sich gesenkt und in dem
so entstandenen Becken sich Wasser angesammelt hat.
Der noch ungemessene Grund des Sees ist, so weit man
ihn durch das krystallhelle Wasser beobachten kann,
genau so wie die Ebene von Dmgvellir durch unzählige
Spalten und Einsenkungen zerrissen; auch außerhalb des
Sees sind die Erdklüfte grüßtentheils mit Wasser angefüllt.
Dieses Wasser ist ausnehmend klar, kalt, völlig geschmack
los und erquickte in der alten Zeit die beim Alling ver
sammelten Staatsmänner und Richter, wie heute noch
der ermüdete Wandersmann sich daran labt.“ Im süd
lichen Theile des Sees liegen zwei Inseln .„S andey“
(Sandinsel) und „ N e s e y “ (Vorgebirgsinsel, weil in der
Nähe eines Vörgebirgs gelegen). Diese Inseln heben noch
den Eindruck, den man von dem von kahlen braunen
Bergen eingerahmten See — einem „Smaragd in prunkloser
Fassung“ — erhält. Preyer und Zirkel beschreiben diesen
Eindruck in ihrem mehrerwähnten Werke wie folgt: „Zwei
Inseln hegen im südlichen Theile des Sees: Sandey
und Nesey, die mit den umgebenden eisigen Bergen
und dem malerischen Wirrwarr der Lava dem Dingvallavatn jenen Reiz verleihen, der uns fast zwingt,
immer wieder aufs neue ihn anzusehen und den schönen
glatten Wasserspiegel mit seiner wildromantischen Um
gebung zu bewundern. Er hat etwas von dem Zauber,
der sonst nur den Seen der Schweiz eigen, und gerade
Flüsse und Seen.
216
der Mangel an Pflanzen, die völlige Leblosigkeit, gewisser
maßen die Melancholie des Bildes ist es, welche alle, die
diesen merkwürdigen See gesehen, zur Bewunderung hin
riss. In Italien macht der Lago di Bolsena einen ähn
lichen Eindruck, aber in viel kleinerem Maßstabe; dagegen
gibt es in Griechenl and, nach Gemälden wenigstens,
die wir von dort gesehen, ganz dieselben Landschaften,
wie man sie so häufig in I s l a nd findet: vegetationsleere,
leblose, wild zerrissene Gebirgsgegenden, durch die ein
tosender Strom mit Gewalt sich Bahn bricht oder — die
einen ruhigen See umschließen/*
In das Dmgvaliavatn mündet die Öxa r a (d. h. Axt
fluss; nach der Landnama S. 312 so genannt, weil der
Ansiedler Ketilbjörn und seine Leute in derselben ihre
Äxte verloren haben); an den Ufern dieses zwar kleinen,
aber geschichtlich so denkwürdigen Flusses, befand sich
— nicht weit von seiner Mündung, wo er den Öxarärhölmur
und andere Inselchen bildet, — die alte Al])ingsstätte. Der
Fluss stürzt sich über die westliche, senkrechte Wand der
Almannagjä in diese hinab, einen reizenden kleinen Wasser
fall bildend, und fließt hierauf eine kurze Strecke weit in
der Tiefe der Kluft gegen Süden, um sich dann schäu
mend und brausend Bahn zu brechen durch die östliche Wand
in die Ebene hinaus, wo er sich, seinen Lauf gegen Süden
fortsetzend, zuerst um mehrere Inseln und niedrige Sand
bänke verzweigt, um sich dann bald wieder zu sammeln
und an der Kirche und dem Pfarrhof „Dingvellir“ vor
über, dem Dmgvallavatn zuzufließen, das er in kurzer
Zeit ^erreicht. Es kann indessen als sicher gelten, dass
die Öxara ursprünglich westlich von der Almannagja ihren
Lauf hatte und erst später — der Sage nach von einem
Hirten — in die Almannagja abgeleitet wurde. Ihr ursprüng
liches Bett soll denn mich noch in dem westlich von der
Kluft gelegenen Lavafelde nachgewiesen Averden können.*)
In alter Zeit scheint sich die Öxara bei ihrem Austritt
aus der Kluft auch nur in die zwei, den Öxararhölmur um
schließenden Anne getheilt zu haben, während sie sich jetzt
") Ygl. Kaalimd, a. a. O. I, 91, 96—97 und II. 403—404 sowie
,.Arb6k hins islenzka fomleifafelags 1880 og 1881“ (Reykjavik 1881) 8. 23.
217
in drei Arme verzweigt, welche die frühere ungetheilte
Insel in mehrere kleinere Inselchen zerschneiden. Die
in den Sagas oft erwähnte Brücke über die Öxarä,
befand sich wohl an der Stelle des wieder gesammelten
aber jetzt schmäler und tiefer gewordenen Flusses, wo
sich am linken Ufer eine kleine Landzunge in den Fluss
hinein vorschiebt. Unterhalb dieser Brücke war bekannt
lich der Platz, wo die Thingmänner sich gerne zu waschen
pflegten. Den Abfluss des Dmgvallavatn bildet der SogFluss; vgl. oben S. 213.
Das H v itä rv a tn , ebenfalls in der Arnes Sysla,
liegt — 1500 Fuß über dem Meere — unmittelbar am öst
lichen Fuße des Längjökull.; in ihm entspringt die mäch
tige Ilvita (vgl. oben S. 213). Der Gletscher reicht bis in
den See hinein, und ist der ganze westliche Rand des
selben mit mächtigen Eisbergen besetzt, die, ehe sie das
Wasser erreichen, eine überaus schöne grüne Farbe an
nehmen. Er ist reich an vortrefflichen Fischen.
Das S ko rr ad als v a tn in der Borgarfjardar Sysla,
von der Andakilsa durchströmt, bedeckt fast den ganzen
Skorradalur; es ist schmal, jedoch sehr lang und lässt an
scheinend längs des Ufers nicht das geringste Unterland
zurück; ja sein reines, klares Wasser scheint noch den
untersten Theil dei\ Abhänge zu bedecken, was dieser
Partie eine gewisse Ähnlichkeit mit einem überschwemm
ten Thalgrunde verleiht. Das Ufer des Sees ist an manchen
Stellen von üppigem Birkengebüsch umgeben, das sich
ziemlich weit über die Bergabhänge hinauf erstreckt.
Von den F is k i vötn-Gruppen, deren es auf Island
verschiedene gibt, seien nur zwei ausführlicher besprochen.
Die Fiskivötn auf der A r n a r v a t n s h e i 3 i und der
T vidsegra*) in der M)vra Sysla; der größte derselben
ist das A m a rv a tn , an dem sich in alter Zeit der
friedlos erklärte Grettir aufgehalten haben soll. Die Zahl
.b lusse und Seen.
*) Tvidsegra ist eine heidi, westlicher als die Arnarvatnslieidi,
welche der Sage zufolge ihren Namen daher bekommen hat, dass
Bardi Gudmundarson mit seinen Genossen zwei Tage resp. zweimal
12 Stunden (isl. dsegr) — die Nacht nicht gerechnet, brauchte, um über
dieselbe zu kommen. Vgl. Saga af Viga-Styr ok Heidarvigum (in:
„l'slendmga sögur, Kjöbenhavn, 1847 II. Bd.) S. 345.
Flüsse uncl Seen.
218
von größeren uncl kleineren Seen ist hier so groß, dass
sie der Volkshumor der Isländer zu den drei unzählbaren
Dingen rechnet, welche es auf Island gebe, nämlich „die
Hügel im Vatnsdalur, die Seen auf der Tvidsegra
und die Inseln im Breidifjördur“. Dabei sind alle diese
Seen ungemein reich an Forellen. Die Landschaft frei
lich, in der sie sich befinden, ist wenig anziehend. Das
Auge erblickt außer den Seen und den Flüsschen, die
von ihnen auslaufen, nur Sümpfe, Moorstrecken und nackte
steinige oder spärlich mit Heidekraut bewachsene Boden
erhöhungen. Nur die Umgebung des Arnarvatn ist etwas
freundlicher oder doch weniger einförmig. Die steinigen
Hügel, welche sein Ufer umgeben, schieben eine Menge
kleiner Vorgebirge in das Wasser vor, und auch mehrere
Inseln befinden sich im See, ■ welche von Vögeln belebt
sind. Hier und da sieht man am Ufer auch einen kleinen
grünen Fleck; außerdem trägt ein kleiner Wasserfall,
den einer der in den See fallenden Flüsschen bildet, zur
Belebung der Landschaft bei.
Die anderen F isk iv ö tn liegen in der Vestur-Skaptar
Sysla und zwar westlich vom Skaptarj ökull gegen das
innere Hochland zu, zwischen der Kaldakvisl und der
Tungna, zwei Nebenflüssen der Djörsä; sie sind nur
wenig bekannt*, der größte dieser Seen ist das D orisvatn.
Dieser See ist unzweifelhaft einer der größten Islands; er
übertrifft an Länge das Dingvallavatn und Myvatn, ist
jedoch schmäler; (auf den Karten ist dieser See bisher un
richtig in viel kleineren Dimensionen verzeichnet gewesen).
Er liegt 1893 Fuß über dem Meere. Auf Gunnlaugssons
Karte, die eine ganz unrichtige Darstellung der Fiskivötn
gibt, ist ein überaus großer See, der S tö risjö r (d. h.
der große See) genannt wird, verzeichnet, dessen Exi
stenz aber in hohem Grade zweifelhaft zu sein scheint.
Auch diese Seen sind ungemein reich an Forellen, und es
wurde denn in früherer Zeit hier bedeutender Fischfang
betrieben, besonders im Herbste; seit der Mitte des vorigen
Jahrhunderts aber hat man denselben aufgegeben, da an
geblich der lange Weg sowie das hier so häufige schlechte
Wetter und der Mangel an Gras für die Pferde die Leute
von diesem beschwerlichen Erwerb abschreckte. Es ist
219
dies aber eine wenig stichhaltige Entschuldigung, wie
Arnund Heiland nachweist*), namentlich im Hinhaltc zu
dem wirklich überreichlichen Ertrag der Fischerei in
diesen Gewässern. Vier Mann, welche 14 Tage fischen,
kehren — nach dem genannten Gewährsmann — in der
Regel mit einer Ausbeute von ca 700 Forellen heim, von
denen jede mindestens 21/2 Pfund, einzelne sogar 7, ja
10 Pfund wiegen.
Eine Gruppe bedeutender Seen befindet sich auch in
der Hunavatns Sysla und zwar in der Nähe des Hunatjördur oder wie derselbe eben wegen der Menge der hier
befindlichen Seen genannt wurde, „Vatnafjör3uru. Der
größte davon ist das M i3h6p (Hop), wie schon der Name
besagt, der m ittle re derselben und in unmittelbarer Nähe
des Meeres gelegen; in ihn ergießen sich die Vf3idalsä und
die Gljufurä (vgl. oben S. 179.) Etwas weiter westlich liegt
das S i g r f 3 a r s t a 3 a v a t n, beiläufig eine Meile lang, aber
sehr schmal; eine halbe Meile südlich davon befindet sich
das recht ansehnliche V e stu rh ö p sv a tn und östlich vom
Mi3höp aber ganz nahe demselben das kleine, längliche
H u n av atn , welches mehr den Charakter eines breiten,
ruhig fließenden Stromes, als den eines Landsees hat.
Seinen Namen „Bärenjungen-See“ erhielt derselbe aus
dem Anlasse, weil der Besiedler des Vatnsdalur, Ingimundr, auf dem Eise desselben eine .(Eis-)Bärin mit zwei
Jungen (isl. hunar) fand. In das Hunavatn ergießt sich die
Vatnsdalsä. Der See selbst hat gleich dem Sigri3asta5avatn und dem Mi5höp seinen Abfluss direct in’s Meer
durch einen „ös“ (den „Hunaös“). Bedeutend östlicher liegt
der ebenfalls ca eine Meile lange, aber verhältnismäßig
schmale See S vfn avatn (d. h. Schweinesee), der durch
die Laxa mit dem kleineren Laxärvatn in Verbindung
steht.
Das M yvatn (d. h. Mückensee) in der Su5ur Dmgeyjar Sysla. Dieser, wie es heißt, zweitgrößte See Islands
liegt ca 1000 Fuß über dem Meere und ist ungefähr
11 Kilometer lang und 5 Kilometer breit, hingegen sehr
seicht. Er ist aller Wahrscheinlichkeit nach ebenfalls
Flüsse und Seen.
*) Nyt Tklskrift II, S, 266.
Flüsse und Seen.
220
durch einen vulcanisclien Ausbruch entstanden. Der ganze
See ist von Lava umgeben, und sein Wasserstand sehr
unregelmäßig; er ist auch viel reicher an Buchten und
Einschnitten als das Dmgvallavatn; doch hat der südliche,
größere Theil des Sees im Ganzen eine ziemlich regel
mäßige, rundliche Form; gegen Nordost schließt sich indes
sen an denselben ein breiter, durch eine von Norden nach
Süden gehende Landzunge abgegrenzter Arm an, durch
welchen der See in zwei Haupttheile zerfällt, die Sy9riund Ytri Flöi genannt werden. Das östliche Ufer des
Sees hat im Ganzen ein düsteres unfreundliches Aussehen;
schwarzbrauner Sand und Felsen herrschen hier vor und
phantastische Klippen im See erinnern an die hier statt
gefundenen vulcanisclien Umwälzungen. Der größere Theil
des Sees ist von einer Menge vulcanischer, im Sommer
mit Grün bekleideter Inseln und Inselchen angefüllt, die
theils eben, theils steil und hügelig sind. Gegen Westen
ist die Gegend etwas freundlicher.*) Seinen Namen hat
das Myvatn von den zahllosen Mückenschwärmen erhalten,
welche im Sommer eine wahre Plage für Menschen und
Thiere sind. Indessen sind die Mücken doch auch wieder
nützlich, indem sie den zahlreichen und ausgezeichneten
Forellen, welche sich in diesem See aufhalten und die von
den Bewohnern fleißig gefischt werden, zur Nahrung dienen.
Das L a g a rfljö t (d. h. Seefluss; vgl. oben S. 195 ff.)
ist, wie schon bemerkt, ein Mittelding zwischen Fluss und
See, das als eine Erweiterung der Fljötsdalsar angesehen
werden kann; es macht aber doch für das Auge einen
so bestimmten Eindruck von einem See, dass man eher
von den genannten Flüssen sagen muss, dass sie sich in
denselben ergießen. Das Lagarfljöt ist 3 Meilen lang, aber
verhältnismäßig sehr schmal und nach den Messungen von
A. Heiland 110 Meter tief, es liegt 26 Meter über dem
Meeresspiegel, so dass also der Grund des Sees um
84 Meter tiefer liegt als das Niveau des Meeres. Er hat
auch anscheinend keine Strömung. Gegen sein nördliches
Ende zu wird der See enger, bekommt eine deutliche
Strömung und nimmt im Ganzen den Charakter eines
*) Kaalund a. a. O. I., 165.
221
breiten Flusses an. Bemerkenswert ist es, dass der
Ausfluss des Lagarfljöt noch 27 Kilometer weit von den
Gletscherflüssen, die sich in den See ergießen, trüb ist,
während sonst das Wasser von Gletscherflüssen, die einen
langen, großen See durchströmen, bei ihrem Austritte aus
demselben in der Regel klar und rein geworden ist, da
bei der geringen oder mangelnden Strömung der vom
Flusse mitgeführte Lehm, Kiessand u. s. w. zu Boden
sinkt. Man kann hieraus schließen, dass die Theilchen,
welche das Gletscherwasser mit sich führt, ungemein fein
vertheilt sein müssen. Der schönste Theil des ganzen
Landstriches, der von dem Lagarfljöt im weiteren Sinne
durchströmt wird, liegt um den See. Derselbe wird zu
beiden Seiten von gleichmäßig und sanft abfallenden Höhen
umschlossen. Das westliche Ufer ist dicht mit Höfen
besetzt, worunter der Pfarrhof As der hervorragendste ist •
die Gegend heißt hier wegen der vielen kleinen Berge
an dem Ostabhange der Fljötsdalsheidi „F ell“ oder F elln a s v e it (vgl. oben S. 197)*, die östliche Küste ist von
vielen kleinen Buchten eingeschnitten und die Abhänge
sind mit üppigem Birkengebüsch geschmückt.
Ein großer See ist seit 1880 zwischen der Vacfalda
und den Dyngjufjöll entstanden, wo in dem genannten
Jahre noch trockene Sandfläche war. Derselbe ist von
Gletscherflüssen gebildet worden, die sich über die Sand
strecken in der Kähe vom Kistufell ergossen haben. Er ist
seicht und vom Gletscherlehm dunkelrothbraun gefärbt.
Im Frühjahre wächst derselbe durch die reichlichen Zu
flüsse so stark an, dass er den ganzen Raum zwischen der
Vacfalda und den Dyngjufjöll ausfüllt uud sich weit gegen
Südwesten hin erstreckt; er gibt dann seinen Wasserfluss
in nordöstlicher Richtung an die Jökulsa ab. In der übri
gen Zeit beträgt die Größe dieses Sees, der erst im vorigen
Jahre vom Thorocldsen entdeckt worden ist, beiläufig drei
Viertel von der des Myvatn.
Flüsse und Seen.
222
Gesteine und Mineralien Islands.
Gesteine und Mineralien Islands. *)
Die Insel Island ist ihrer vulcanischen Entstehung
zufolge so gut wie ausschließlich aus älteren und jüngeren
vulcan ischen G esteinen**) gebildet. Im Allgemeinen
sind B a sa lt und L ava, im mittleren Theile T u ff vor
herrschend; auch T ra c h y t findet sich, wenn gleich in be
schränkterem Maße (vgl. oben, S. 3.) Diese Gesteinsarten
kommen dabei in unendlicher Mannigfaltigkeit der Varie
täten vor. Während in anderen Ländern, wo vulcanische
Gesteine erscheinen, meist nur die eine oder andere End
gruppe selbständig auftritt, ist auf Island die ganze Reihe
der vulcanischen Gesteine, die Basalte und Trachyte mit
allen ihren Zwischengliedern, ihren *krystallinischen und
glasigen Formen in gleichmäßiger und ausgezeichneter
Weise zur Entwicklung gekommen. Island kann in dieser
Beziehung als ein wahres Eldorado für den Mineraliensammler bezeichnet werden. Dabei sind die Fundorte in
der Regel leicht zugänglich und man kann die pracht
vollsten Krystalle mühelos mit der Hand von der Gebirgswand sammeln.
Der B asalt (isl. stallagrjöt, n.; stucflaberg, flysjaberg,
n.) früher wenig zutreffend auch Trapp genannt, ist be
kanntlich eine sehr harte, schwere und dichte, oft mit
porphvrischen Ausscheidungen versehene Gebirgsart von
schwarzer bis grauer Farbe; dieselbe ist hauptsächlich zu
sammengesetzt aus Kalkfeldspathen (besonders Labrador,
auf Island auch Anorthit) und Augit, wobei Magneteisen
selten fehlt. Je nachdem das Gemenge dieser Mineralien
*) Der erste Tlieil, zumeist nach F. Zirkel, Bemerkungen über die
geognostisclien Verhältnisse Islands (in: „Reise nach Island)“ von W.
Preyer und F. Zirkel. (S. 2S1—350).
**) »Stein, Gestein heißt auf isländisch: steinn, m.-; Steinart: steinntegund, f.; für Mineral finde ich in Gislason’s „Dönsk-Oröabok“ kein
genaues Wort;- Metall heißt: mälmur (m.) ; Erz: mälmblendingur, m.,
mälmgrfti. Die übrige hieher gehörige, nicht sehr reiche Terminologie
findet sich im Text.
223
grobkörnig, feinkörnig oder scheinbar gleichartig ist, unter
scheidet man Dolerit, Anamesit und eigentlichen Basalt.
Am verbreitetsten ist davon auf Island der dunkelschwarze
Anamesit*, aber auch der D o le rit findet sich sehr
häufig und in mächtigen Lagern. Der e ig e n tlic h e
B asalt wird ebenfalls auf der ganzen Insel häufig ange
troffen, aber merkwürdiger Weise fast frei von Olivin,
dem sonst für den eigentlichen Basalt wie für den Ana
mesit beinahe charakteristischen Gemengtheile. „Wo hier
der O livin im Bereiche dieser feinkörnigen oder dichten
Basalte auftritt, da geschieht es meist nur in bestimmten
Schichten, in denen er aber auch dann in übergroßen
Massen vorkommt.“ Auch, die Gesteine mit Anorthiten
statt des Labradors kommen auf Island nicht selten vor.
Der Basalt tritt wie an anderen Orten der Erde, so auch
in Island häufig in einer eigentlnimlichen äußeren Gestalt
auf. „Die isländische Basaltformation, ein Theil jener großen,
welche sich aus Irland und Schottland über die Hebriden
bis nach Grönland hin erstreckt, stellt sich in ihrer ganzen
Ausdehnung als ein mächtiges Schichtensystem dar; an
den hohen Felsenmauern, welche die Küsten bilden, sieht
man oft, soweit der Blick zu reichen vermag, die Basalt
decken horizontal gelagert fortlaufen, und wie in einem
kunstvollen Mauerwerk liegen bisweilen hundert solcher
Lager übereinander, welche, da oft die oberen gegen die
untern zurückstehen, horizontale Terrassen mit senkrecht
abfallenden Wänden, große Treppen, darstellen. Nicht
nur an den Meeresküsten erscheint der Charakter dieser
schichtenförmigen Ablagerung sehr deutlich ausgeprägt
wie an den steilen Wänden der Färöer, an der ganzen
Küste des nördlichen Eismeeres, an dem Akrafell und
der Esja an der Westküste, dem Keydarfjördur und Berufjördur an der Ostküste von Island, sondern auch un
zählige Berge im Innern der Insel lassen sie als in allen
Theilen, wo der Basalt auftritt, gleichmäßig ausgebildet
erkennen* so z. B. sehr ausgezeichnet die Berge zwischen
Nordtünga und der Baula, die an den Ufern der Blanda
bei Sölheimar, die Öxnadalsheidi, das Gebirge Budarhäls
an der Djörsä. Alle diese Basaltschichten sind wohl ohne
Zweifel in der Weise gebildet, dass auf dem Meeresgründe
Gesteine und Mineralien Islands.
Gesteine und Mineralien Islands.
224
die geschmolzene Masse zum Ausbruch gelangte und durch
den Druck des auf ihr lastenden Wassers zu einer hori
zontalen Ablagerung in Form einer Schicht ausgebreitet
wurde. Vollständig vermisst man auf Island die kuppenförmige Lagerung des Basalts mit ihrer der äußeren Berg
gestalt entsprechenden Säulenstellung.“ *) Hingegen sind
die meisten sonstigen Ablagerungen des Basalts mit einer
Absonderung in Säulen oder Pfeilern versehen. Diese
bald mehr bald weniger scharf ausgebildete Zerklüftung
in senkrechte Säulen lässt sich an fast allen Basaltlagern
Islands wahrnehmen und wo viele solcher mächtiger Lager
übereinander gethürmt sind, zeigen oft die entblößten
Querschnitte die herrlichsten Colonnaden. So an manchen
Stellen in der Kluft Almannagjä bei Dingvellir, an den
Ufern der NorJfura bei Dalsmvnni. Die schönste Aus
bildung dieser Art auf Island ist aber zu S ta p i an der
Südseite des Snsefellsjökull, wo die Küsten und zahlreiche
Inseln in der See Gruppen von hohen, schlanken und
scharfkantigen Säulen darstellen, welche die Gewalt der
Wogen zu den wunderbarsten Grotten ausgehöhlt hat, die
nur mit denen der berühmten Fingalshöhle auf der schotti
schen Insel Staffa verglichen werden können.
Eine plattenförmige Absonderung der Basaltlager ist
auf Island selten beobachtet worden. In den Gängen liegen,
wie dies an unzähligen Stellen zu bemerken ist, die Säulen
mit großer Kegelmäßigkeit wie Holzscheite über einander,
oder die Gänge ragen, wie z. B. besonders schön in Vest*
firdir, wenn das Gestein, in welchem sie aufsitzen, durch
Verwitterung weggeführt wurde, wie lange aus einzelnen
zubehauenen Steinen bestehende Mauern bis zu ziemlicher
Höhe über dem Erdboden auf. Die kugelige Absonderung
tritt bei den isländischen Basalten im Ganzen seltener auf
als in anderen Ländern. Die Inseln der Djörsa, welche man
beim Passieren der Furt Söleyjarhöfcfi überschreitet, sind
mit Basaltsäulen bedeckt, welche sich in ziemlich regel
mäßige Kugeln auflösen. In der Gegend Fjöröungssandur
zwischen den Flüssen Kisä und Knifä, welche in die
Djörsa münden, liegen viele schalig abgesonderte Kugelab
*) Zirkel, a. a. O. S. 298 ff.
225
schnitte und zahllose Kugelcalotten aus einem dichten Ba
salt bestehend, zerstreut, welche so dach gewölbt sind, dass,
wenn man sie als die äußersten ansieht, der zugehörigen
Kugel ein Durchmesser von mehr als zwanzig Fuß zu
kommen musste. Von den Gesteinen der Basaltfamilie sind
insbesondere die Mandelsteine mit den eingeschlossenen
Zeolithen (Okenit, Apophyllit, Thomsonit, Karphostilbit,
Epistilbit, Stilbit, Skolezit, Mesotyp, Analcim, Heulandit,
Chabasit, Phillipsit, Levyn) und anderen Mineralien (Kalkspath, Grünerde, Quarz, Chalcedon, Jaspis, Kacholong,
Opal) auf Island sehr verbreitet. Die Z eolithe, des
gleichen der Kalkspath, der Quarz, Jaspis u. s. w. sind
bekanntlich Zersetzungsproducte des Basalts. Die Hauptfundorte der Zeolithe (isl. geislasteinar d. h. Strahlen
steine) sind und zwar im W estlande: der Dyrill am Hvalfjördur, die Gegend zwischen Sidumüli und Nordtunga an
der Dvera, das Gebirge Kallsfell zwischen Nordtunga und
dem Baulaberge, die Umgegend von Hvammur im Thale
der Nordura; im Nordlande: Dyrafjördur in Vestfirdir, das
Gebirge Tindastöll am Skagafjördur, die Felswände am
Eyjafjördur gegenüber Akureyri; im Ostlande: Djupivogur,
die Bergpyramide Bülandstindur, Eskifjördur und Berufjördur. *) Die , ausgezeichnet schönen Kry stall gruppen
von Apophyllit, Stilbit, Epistilbit, Heulandit u. s. w.,
welche als isländische Producte unsere Mineraliensamm
lungen zieren, kommen bei weitem zum größten Theile
aus Eskifjördur und Beruf]ördur. Im Besonderen sei hier
noch des L evyn gedacht, dieses seltenen, rhomboedrisch
mit vollkommenen Durchkreuzungszwillingen krystallisierenden Zeolitlis; derselbe findet sich sehr ausgezeichnet
zwischen Hvammur und Fornihvaramur am Eingänge in
die Holtavörduheidi im Westlande und auf dem Abhange
des Gebirgszuges Vadlaheidi nach dem Eyjafjördur zu im
Nordlande, ganz in derselben Weise wie er zu Gienarm
in der irländischen Grafschaft Antrim vorkommt. Ein
anderer Fundort ist ferner die Umgegend von Höfdakaupstadur auf der Skagaströnd Halbinsel im Nordlande. Von
sonstigen Mineralien, die sich in Mandel steinen eingeGesteine und Mineralien Islands.
■ *) Zirkel, a. a. O. S. 301 ff.
P o e s t i o n , Island.
15
G-esteine und Mineralien Islands.
226
schlossen linden, sind besonders die Varietäten von K alks p a t h und Q uarz zu nennen. Der K a 1k s p a t h durch
setzt übrigens auch in größeren und kleineren Gängen
verschiedene Gebirge; so ist z. B. bei Husafell am Borgarfjördur und bei Reynarvallahäls am IlvalfjörÖur die ganze
Masse des Basalts mit Kalkspath erfüllt und durch Eisen
oxyd braunroth gefärbt. Der Kalkspath wird an der Esja
gebrochen und in Reykjavik in einem Kalkofen zu Kalk
gebrannt; denn Kalkstein findet sich auf Island nicht.
Berühmt ist der „isländische D op pelsp at h“
(isländ. silfurberg, n.) ein vollkommen farbloser, wasserklarer und durchscheinender Kalkspath, bei dem man
daher auf das deutlichste die doppelte Strahlenbrechung
beobachten kann, welche sowohl für den Kalkspath wie
für eine ganze Menge anderer Mineralien charakteristisch
ist. Der Doppelspath ist der reinste Kalkspath, den es
gibt, und findet sich nur auf Island und auch hier nur an
einem einzigen Ort nämlich in dem Berge Grakollur, am
nördlichen Ufer des Eskifjörcfur, eine Meile von der Kauf
stadt entfernt, unfern des kleinen Hofes Helgastadir (in
der Sudur Müla Sysla). Von Quarzmineralien, des Ba
salts finden sich in besonderer Schönheit E isen k iesel
(zahlreiche, prächtige, rotlie und sehr reine, dabei große
Stücke bedecken das an schönen Mineralien so reiche
Gehänge des Esja-Berges), B e r g k r y s t a. 11 (eine besonders
schöne Art heißt man „isländischen Diamant“) u. s. w.
Auch die dem Quarz nahestehenden Mineralien als:
C h a 1c e d o n, A chat, O pal kommen auf Island häufig
vor, und zwar gleichfalls an den Fundorten der Zeolithe.
Zersetzungsproducte des Basalts sind auch eisen
schüssige Thone, die wieder E isen k ies (oder S c h w e f e 1kies) absetzen. Dieses Mineral findet sich in einer thonigmergeligen Schicht verwitterten Basalts in zahlreichen
Knollen auf der Landzunge Akranes, an vielen Orten
in der Dala Sysla, auf der Anhöhe Gullmelur bei
Stada rhäls, am Esjaberge, auf einem Felsen der Insel
Papey (in der Sudur Mula Sysla).u. a. a. 0. Die armen
Bewohner hielten das schön gelbe, glänzende Mineral für
Gold und nannten daher den Felsen auf Papey, wo der
Schwefelkies besonders schön aus dem Gestein hervörtritt,
227
„Ormabadi“ oder „Drekabaeli“ (d. h. Schlangen- oder
Drachenlager, nach dem Volksglauben, dass Schlangen
oder ähnliches Gewürm auf Gold liegen und brüten).
Der T ra c h y t besteht wie der Basalt aus Feldspathen,
jedoch aus sogenannten sauren oder Alkaüenfeldspathen,
während für den Basalt, wie wir gesehen haben, die basi
schen oder Kalkfeldspathe charakteristisch sind. Denselben
sind gewöhnlich Hornblende und Glimmer beigemengt.
Die den Trachyt zusammensetzenden Feldspatharten sind
vor allen S an id in und O ligoklas. Diejenigen Gesteine
der Trachytfamilie, welche Sanidin allein oder in Verbin
dung mit Oligoklas enthalten, bezeichnet man ziemlich
allgemein als T ra c h y t im eig en tlich en Sinne; für
die Oligoklasgesteine gebraucht man den Namen A ndesit. Die isländischen Andesite sind so gut wie immer
von Augit, häufig außerdem von Olivin begleitet. Am
besten zeigt das Aussehen der isländischen Andesitgesteine
das Gestein vom Kvigyndisfell (in der Arnes Sysla). Die
Mehrzahl der übrigen isländischen Trachytgesteine ist
quarzführend und gehört somit in die Abtheilung der so
genannten T r a c h y t p o r p h y r e oder besser der R h y o lithe. Der Trachyt bildet meist isoliert stehende, kuppel
oder domförmige Berge. Solche Trachytkuppen finden
sich auf Island östlich von Hafnarfjörcfur (drei^ Stunden
von Reykjavik), beim Gehöfte Fagranes im Öxnadalur
(in der Eyjafjardar Sysla) und an anderen Orten. Berühmt
ist der Kegelberg B aula in der Myra Sysla (vgl. oben
S. 84) wegen der Schönheit und Regelmäßigkeit seines
Trachytgesteins. Hier kommen auch säulenförmige For
mationen vor, ähnlich den Bildungen des Basalts. „Die drei
seitige steile und luftige Bergpyramide ist von fernher
sichtbar und sticht ihrer weißen Farbe wegen sehr gegen
die umliegenden dunklen Basaltberge ab . . . Der eigent
liche Kegel steigt aus dem Basalt mit einer Neigung von
ca 40° empor. Der Abhang und der Fuß des 2900' Fuß
hohen Kegels ist von oben bis unten auf allen Seiten mit
Trachytblöcken bedeckt und die schönsten regelmäßigsten
Säulen von 3—9 Seiten sind in wilder Unordnung über
einander getliürmt. Die Bruchstücke messen oft 9 Fuß
in der Länge und 1 Fuß in der Dicke und sinken auf
Gesteine uncl Mineralien Islands.
Gesteine und Mineralien Islands.
228
Fingerdicke zu den zierlichsten Gestalten herab.“ (Nach
der Jßaula haben denn auch die Isländer den Trachyt
„baulusteinn“ benannt). Auch in Gängen findet sich der
Trachyt auf Island, so an der Esja am Fuß des Berges
Ok, am nordwestlichen Abhang des Geitlandsjökull, in
der Gegend Raudukambar zwischen der Laxa und Djörsa,
in der Nähe von Hnausar am Vatnsdalfjall u. s. w. Von
glasigen Gesteinen, die zur Trachytfamilie gehören, kommt
auf Island am häufigsten der P ech stein vor und zwar
besitzen die meisten isländischen Pechsteine grünlich
schwarze bis schwarze Farbe und Wachsglanz. Neben
den Trachyten und Basalten gibt es Mittelgesteine, die aus
dem Oligoklas und dem Labrador, also aus dem die Trachyte und dem den Basalt charakterisierenden Feldspathe
zusammengesetzt sind ; man bezeichnet dieselben mit dem
Namen T ra chy d o 1eri t e. Sie sind auf Island ebenfalls
sehr verbreitet und finden sich z. B. am Wege Kaldidalur
zwischen Dingvellir und Kalmannstünga am oberen Laufe
des Skjälfandafljöt, bei Gautlönd südlich vom Myvatn,.
beim Grasplatze Gljüfurleyt auf der Skümstungnaheicfi.
Während der Basalt und Trachyt massiges, krystallinisclies Gestein bilden, ist der T u ff bekanntlich mürbe
und besteht aus mehr oder minder fest verbundenen An
häufungen vulcanischer Ausschleuderungsproducte (Asche
und Sand). Die Hauptgebirgsmasse der Insel ist aus Tuffbildungen zusammengesetzt; besonders im Süden und in
der Mitte von Island bilden die Tuffgebirge große Hochplateaux, welche Ungeheuern Eismassen sichere Unterlage
gewähren. Man hat diesen Tuff, welchen die Isländer
mit dem Namen „moberg“ (d. h. Moorgestein) bezeichnen,
wegen des oft körnigen Gefüges fälschlich für eine Art.
Sandstein gehalten. Merkwürdig sind die isländischen
Tuffe durch die Umwandlung zu P alag o n it, welche sie
entweder ganz oder in einzelnen Theilen erlitten haben.
Dieses zur Thongruppe gehörige, eigentümliche Mineral
ist weingelb bis schwärzlichbraun und besitzt eine Härte,
welche kaum die des Kalkspats übertrifft, dazu einen
starken Glasglanz und den ausgezeichnetsten muscheligen
Bruch. Der bei weitem größte Theil der ungeheuren Tuff
massen Islands ist Palagonittuff. An manchen Orten er
229
scheint der Palagonit auch vom Tuff fast getrennt und
setzt fast einzig und allein das Gestein zusammen ; man
nennt ihn dann P alagon itf eis. Als solcher erscheint
er z. B. fast rein an dem Weideplätze Seljadalur zwischen
Reykjavik und Dingvellir in einer 50—80 Fuß mächtigen
Schicht. Über das Vorkommen des Tuffs resp. Palagonittuffs schreibt F. Zirkel (a. a. 0. S. 337 ff.) „Das ganze
•Gebirge, welches die Gullbrfngu Sysla durchzieht, besteht
aus einem braunen körnigen Palagonittuff, welcher eben
falls in der Umgegend des Dingvellir-Sees weit verbreitet
ist; westlich davon, in einer Schlucht am Weideplätze
Seljadalur tritt er vielleicht am ausgezeichnetsten in ganz
Island auf; nördlich am Hofmannaflötur ist er nicht weniger
•entwickelt; östlich bis zum Geysir hin ist fast die ganze
Gegend aus Palagonittuff bestehend; am Laugarvatn beim
Hofe Middalur findet sich ein schönes Profil. Mehr nach
Süden hin setzt der Palagonittuff fast alle durchforschten
Berge zusammen. Die Laven der Hekla brechen aus steil
.aufgerichteten Tuffschichten hervor, und die vielen parallel
mit ihr in nordöstlicher Richtung verlaufenden Gebirgs
ketten, wie Vatnafjöll, Boifell, Laufafell, Selsundsfjall,
bestehen aus demselben Material. Ganz in derselben Weise
verhält sich der Drlhyrnmgur und die drei mächtigen Eis
berge Tindfjallajökull, Eyjafjallajökull und Myrdalsjökull.
Auf unserer Reise quer durch das Innere der Insel ver
ließ uns das Tuffgebirge fast nicht, in dem beinahe immer
Palagonit ausgebildet war. An den Ufern der Djörsa und
in den Thälern der Nebenflüsse derselben (Dalsa, MikliIsekur, Kisa, Knifa), welche wir auf dem Sprengisandsvegur kreuzten, steht er an. Nach Ebenezer Henderson
-besteht auch die ganze Gegend um den Berg Blafell,
welche der andere von den Geysir durch das Innere der
Insel nach dem Nordlande führende Weg, der Hvitarvatnsvegur, durchschneidet, aus Tuffen. Auch auf dem
2500 Fuß hohen Bergjoche zwischen dem Arnarfells- und
Tungnafellsjökull, der Wasserscheide der Djörsa und des
Skjalfandafljöt, fanden wir sie wieder. Westlich von der
großen Lavawüste OdaSahraun setzen Tuffe und Anhäu
fungen von vulcanischem Sande die weite Landstrecke des
Sprengisandur zusammen. Ferner besitzen die Gebirge
Gesteine und Mineralien Islands.
Gesteine und Mineralien Islands.
230
um das Myvatn, aus denen sich im vorigen Jahrhundert
(und vor nicht langer Zeit aufs Neue) die furchtbaren
Lavaströme ergossen, denselben Charakter. Das Bläfjall,
Nämafjall, Hlidarfjall, der Leirhnukur, die Krafla sind
ganz oder wenigstens a n . ihrer Basis aus geschichteten
Palagonittuffen gebildet und ebenso mögen sich viele, in
nie betretener Wüstenei gelegene Berge verhalten, wie
die Herdubreid, die Trölladyngja, die Dyngjufjöll und
a. m. Auch bei dem Hafenorte Husavik an der Küste
des nördlichen Eismeeres erscheint der Palagonittuff wieder.
Was die Ostküste Islands anbelangt, so hat Sartorius von
Waltershausen ihn dort am südlichen Ende des Vopnafjördur gefunden und zwar in sehr untergeordneten Lagern.
An der ganzen Südostküste von Island, am Eskifjördur,,
Berufjördur, Reydarfjördur treten keine Tuffe auf. Diese
Angabe der Gegenden, in denen die Tuffe verbreitet sind,
bestätigt vollkommen, dass sie einen breiten Gürtel bilden,,
welcher von Südwesten nach Nordosten in ununterbro
chenem Verlauf die Insel durchzieht. Die Zone hat im
Süden ihre größte Ausdehnung und je weiter sie sich
nach Norden erstreckt, desto mehr nimmt sie an Breite
ab. Im Nordwesten und im Südosten wird sie von großen
Basaltpartien eingefasst. Abgesehen von jenen alten, hier
und da in die Reihenfolge der. Basaltdecken eingeschal
teten Tuffschichten von sehr geringer Mächtigkeit, finden
wir außerhalb dieses Hauptgürtels die Tuffe in Island sehr
wenig verbreitet. Diejenigen, welche an einigen Stellen
die Sohlen der Thäler der Nor dura (z. B. hinter Hvammuij und Hvita bilden, sind ohne Zweifel nur secundäre
Alluvionsgebilde, Anschwemmungen von zerstörten Tuff
gebirgen aus dem Innern der Insel; ein gleicher Charakter
kommt den Tuffgebilden zu, welche sehr vereinzelt im
Norden meist an.den Gehängen der Flüsse Vorkommen,,
so bei Hnausar im Vatnsdalur, bei Bölstadarhlid im Svartärdalur, bei Miklibser und Silfrastadir am Heradsvatn.
Auch die tief eingeschnittene Küste der großen nordwest
lichen Halbinsel, welche kaum mit. dem anderen Lande
zusammenhängt, wird aus Tuffschichten gebildet.“
Unter L av a fisl. hraun, n.) versteht man bekanntlich^
die bei vulcanischen Eruptionen dem Erdinnern im feurig
231
flüssigen Zustande entströmenden Massen, die beim Erkalten
zu festen, mehr oder weniger blasigen, nur selten ganz
dichten Gesteinen erstarren (vgl. oben S. 135). Diese
Massen sind selbst nichts anderes als geschmolzene Gesteine,
die wieder vorzüglich den Familien der Basalt- und Trachy tgesteine angehören, weshalb man denn auch die Laven
in B a sa lt- und T ra c h y 11av e n eintheilen kann. Auf
Island herrschen die Basaltlaven vor. Diese Basaltlaven,
meist mit schwarzen, braunen oder rothen Farben, durch
ihr schlackiges, zerlöchertes Aussehen ausgezeichnet, sind
über die ganze Insel verbreitet (vgl. oben S. 134 ff.). Auch
bei ihnen tritt, ebenso wie am Basalt, die säulenförmige
Absonderung auf, so z. B. an der Almannagja und an
dem großen Lavastrom des Surtsliellir. Die Basalt-Lava
gesteine sind fast sämmtlich vollständig krystallinisch aus
gebildet* doch gehören auch von den in abnormer Weise
zu glasiger oder schaumiger Masse erstarrten Lavagesteinen
manche der Basaltfamilie an. In mineralogischer Hinsicht
kann man die Basaltlaven in trachydoleritisehe, basaltische
und anorthitische eintheilen, von denen wieder die eigent
lichen basaltischen Laven mit Labrador, Augit, Olivin und
Magneteisenerz am verbreitetsten sind. Die trachy tischen
Laven haben, ebenso wie die Trachyte selbst, auf Island
beiweitem nicht die Verbreitung, wie die Basaltlaven.
Am häufigsten sind noch die A n d e sitla ven, die aus
weißem Oligoklas und bräunlichem Augit mit Magneteisen
bestehen, während eigentliche Trachytlaven sehr selten sind.
Mineralogisch berühmt ist die A n o r t h i 11a v a ; ein
Strom derselben zieht sich westnordwestlich von der Hekla
bis an das Ufer der Djörsä hin; eine andere Anorthitlava
kommt im Norden Islands an den Ufern des Skjälfandafljöt bei Lundarbrekka vor. Interessant sind auch die röthliclien Laven beim Gehöfte Hellnar auf der Halbinsel
Snsefellsnes, da dieselben zahlreiche Glimm er tafeln, ein
in Island fast gänzlich fehlendes Mineral, enthalten.
Von den Lavagesteinen, und zwar im Besonderen
jenen der trachy tischen Laven, verdient vor allen der
O b s id ia n (Lavaglas, Glaslava, isl. hrafntinna d. h.
Rabenflint, wegen der rabenschwarzen Farbe, die dieses
Gestein auf Island gewöhnlich hat) genannt zu werden,
Gesteine und Mineralien Islands.
Gesteine und Mineralien Islands.
232
das reine von ausgeschiedenen Krystallen vollständig freie
vulcanische Glas. Er sieht dem Glase einer Flasche ähnlich,
hat schneidige Kanten, muscheligen Bruch und ist so hart,
dass er Glas schneidet. Seine Farbe ist entweder sammtschwarz (so häufig auf Island) oder braun, selten grau
oder grün; (schöner hellgrasgrüner Obsidian kommt auf
Island bei der Kirche Äs im Thale der Hvita vor). Der
Obsidian besteht aus Kieselsäure, Thonerde, Eisenoxyd
und etwas Natron und Kali. Außer auf Island findet
sich der Obsidian besonders noch auf den Liparischen
Inseln, auf Teneriffa und auf Neu-Seeland, aber kaum
irgendwo bei so großer Schönheit zugleich in solcher Meuge
als auf Island und hier wieder ganz besonders am Hrafntinnuhryggur, einem niedrigen Gebirgsrücken östlich von
dem Berge Krafla (vgl. oben S. 128 ff.) in einer Spalte cler
Askja (vgl. oben S. 125 ff.) u. s. w. Dieses prachtvolle,
seltene Gestein, welches zur Unterscheidung von dem
Obsidian der anderen Fundorte „isländischer Obsidian
genannt Avird, bildet nicht nur drei mächtige Schichten
des zuerst genannten Berges, sondern bedeckt auch das
Thal ZAvischen diesem und der Krafla soAvie die Abhänge
des Berges mit ganzen herrlichen Blöcken und unzähligen
kleineren Bruchstücken. Man darf jedoch nicht jedes
schwarze, glasige Gestein für echten Obsidian halten. Denn
auch die basaltischen und trachydoleritisclien Laven können
scliAvarze Gläser , bilden, die mit dem Obsidian große Ähn
lichkeit haben. Auch der Gagat (Pechstein, schwarzer Bern
stein), der sich in der isländischen Braunkohle (dem Surtarbrandur) findet, Avird wegen seiner schwarzen glänzenden
Farbe und Härte häufig mit dem scliAvarzen Obsidian
verAvechselt. *)
Eine Varietät des Obsidian ist der B im sstein (isl.
vikur, m. oder f., vikurkol, n.), der in schwammiger, schau
miger oder auch in glasiger Form auftritt. Äuf Island
*) Die Hrafntinna spielt auch eine Polle im Aberglauben der
Isländer, indem diese behaupten, dass derjenige, -welcher diesen Stein auf
einen Hof trägt, dadurch unter dessen Bewohnern Streit erzeugt. Auch
in den Räthseln der Isländer begegnet man dem Obsidian. Vgl. P o estio n , „Aus Hellas und Thule11 2. Aufl. 1884. S. 164, und „Das Tyrfingschwert11 S. 53.
233
ist weniger der seidenglänzende, faserig-haarförmige als
der schmutzig weiße schaumige Bimsstein verbreitet. Nahe
verwandt mit dem Obsidian ist auch der P e rls te in
(Perlit; meist graublau und wie Perlmutter glänzend);
doch kommt derselbe mit seinen Varietäten auf Island
vergleichungsweise viel seltener vor als die Obsidiane;
er enthält vielfach Sphärulithe. Endlich findet sich auf
Island auch der P ech stein , bekanntlich ein wasser
haltiges, glasartiges, stark fettglänzendes Gestein von vor
herrschend oliven- bis schwärzlichgrüner, oft auch gelboder rothbrauner Farbe, wie bereits oben bemerkt.
An die vulcanischen Gesteine und Mineralien schließen
sich die mineralischen Producte der Schwefelminen und
heißen Sprudelquellen enge an. Da dieselben schon früher
ziemlich ausführlich besprochen worden sind, seien sie hier
nur kurz angeführt.
Der S chw efel (isl. brennisteinn, m.) kommt an den
Solfataren theils rein, theils mit Eisen verbunden als
S ch w efelk ies (Eisenkies), theils mit thonigen, kalkigen
und bituminösen Beimengungen vermischt vor, und zwar so
wohl krystallisiert wie auch derb. Er entsteht hier durch die
Zersetzung des Schwefelwasserstoffes, der nebst sehwefeliger Säure, Kohlensäure und anderen Gasen aus dem
Innern der Erde strömt. Alle diese Gase zersetzen den aus
vulcanischem Tuff bestehenden Boden zu einem schwärz
lich-blauen bisweilen violetten, röthlichen, gelblichen oder
gemischtfarbigen Thon (Bolus) und außerdem bilden sich
noch andere Schwefelverbinclungen als: G i p s, A 1a u n,
G la u b e rsa lz u. a.
Der K i e s e 1s i n t e r, das mineralische Product der
heißen Sprudelquellen, gehört bekanntlich zur Familie des
Quarzes, und ist seinen chemischen Bestandtheilen nach,
reine Kieselerde. Er wird an den früher angeführten
Sprudelquellen in reichlicher Menge abgesetzt.
Von sonstigen Mineralien Islands sind noch zu nennen:
E isen (isländ. jarn, n ). Es kommt als M agneteisen
im Magneteisenstein (Eisenoxyduloxyd), im Basalt, im Tuff
und in der Lava vor und zwar oft in solcher Menge, dass
dadurch der Compass (isl. leidarsteinn) abgelenkt wird.
Man kann das unendlich fein vertheilte Magneteisen bis
Gesteine und Mineralien Islands.
Gesteine uncl Mineralien Islands.
234
weilen mit dem Magnet ausziehen. Auch Sum pferz
oder R a se n e ise n ste in , Eisenoxydhydrat und E ise n
ocker (isl. myrajärn, n. oder raucfi, m.) linden sich auf
Island häutig unter. Rasen von Wiesen, Mooren u. s. w. —
Von der Verbindung des Eisens mit Schwefel zu E isen
k ie s (Schw efelkies) un d mit Quarz zu E i s e n k i e s e 1,
die ebenfalls aut* Island Vorkommen, haben wir schon
oben gesprochen.
K upfer (isl. eir, n., kopar, m.) findet sich in geringer
Menge ebenfalls auf Island und zwar nicht nur beim
Steinbruche am Esjaberge, wo ein Erzgang außer vor
waltendem Schwefelkies Kupfererze enthält, sondern auch
an anderen Orten. Außerdem kommen Kupfererze als
Sublimationsproducte der Solfataren in Krfsuvik und
bei Husavik vor, ohne aber auch hier ausgebeutet zu
werden.
M alachit (basisch kohlensaures Kupferoxyd) findet
sich ebenfalls in mehreren Gegenden von Island.
Salz (isl. salt, n.) kommt auf Island nicht in fester
Gestalt (Steinsalz) vor* man gewinnt dasselbe aus dem
Meerwasser und aus Tang.
Im Anschlüsse an die Gesteine und Mineralien wollen
wir ganz kurz auch die V erste in e ru n g e n d. h. die
fossile Fauna und Flora Islands anführen. Es finden sich
oder wurden gefunden an fossiler Fauna und zwar von
C o n c h ife r e n : Cyprina islandica Linn. (aus diesen
Muscheln bestehen mächtige Bänke an dem Gehänge bei
Halbjarnarstadir); Cyprina rustica Sow., Cardium echinatum Linn., C. grcenlandicum Chemnitz, Cardium sp., Tellina
ovata Sow., Tellina sp , Tapes virginea Forbes, Astarte
Hjaltaiini Winkl., A. borealis Chemnitz, Mya arenaria
Linn., M. truncata Linn., Corbulomya complanata Sow.,
Cyrtodaria siliqua Spengler, (7. Heeri Winkler, Pecten
islandicum Linn., Panopcea norvegica Spengler* Pholas
truncata Linn., Ph. crispata Linn. — G astero p o d en :
Natica catcna Da Costa, N. clausa Brodery u. Sowerby;
N. varians Dujard; N. hemiclausa J. Sow.; N. occlusa
Wood, N. Steenstrupiana Winkler, Trophon antiquum
Müller, Buccinum undatum Linn. Planorbis spirorbis
Müller; Clavatula turricula Mont., Patella laevis Winkler
235
und 'Baianus sp. *) Von der fossilen Flora, auf die wir
bei der Betrachtung der heutigen Flora Islands noch
zurückkommen werden, nennen wir hier vorläufig nur die
Braunkohle, die auf Island auch in einer besonderen
Specialität auftritt, die von den Isländern S u rta rb ra n d u r
(d. h. Surts Brand; s. oben S. 193 ff.) genannt wird. Es
ist dies eine Pflanzenversteinerung, die sich stellenweise
im Tuff findet und oft in auffallender Weise schönem Eben
holz ähnlich ist.
Der Surtarbrandur besteht entweder nur aus einzelnen
verkohlten Baumstämmen oder aus mehreren zusammen
hängenden Lagern einer schieferigen Kohle. Heer sagt
über die Beschaffenheit der Surtarbrandskohle Folgendes
(in seinem Werke: Flora tertiaria Helvetiae. Allgemeiner
Theil): Der Surtarbrand hat die größte Ähnlichkeit mit
der schieferigen Braunkohle des Niederrheins und des
Rhöngebirges (jedoch nicht immer, wie z. B. bei Graenahli<3, wo er im größten Umfang auf der Insel auftritt). Er
lässt sich auch in dünne, oft sogar papierdünne Blätter
spalten und diese stark zusammengedrückten Blätter sind
ebenfalls flach ausgebreitet und heben sich zuweilen durch
weiße Farbe ziemlich von dem braunschwarzen Gestein
ab. Sie sind dann in ihrem Aussehen nicht von den
Blättern von Kaltennordheim, Eisgraben etc. (Rhön), wie
denen von Grasset bei Ellbogen in Böhmen zu unter
scheiden. Zuweilen aber haben sie die schwarze Farbe
des Gesteins angenommen und sind dann schwer in ihren
Umrissen zu verfolgen, ähnlich wie die Blätter von Sieblos
(Rhön).“ Alle Lagerstätten des fossilen Holzes trifft man
nach Sartorius von Waltershausen am Meere und in ge
ringer Höhe über demselben an. „Man sieht sie in schmalen
Bändern jene schroffen, der See zugewandten treppen
förmigen Terrassen begleiten, welche die isländischen Ge
birge auf eine so auffallende Weise charakterisieren. In
den tiefer liegenden Schichten unmittelbar über dem
Meeresspiegel trifft man statt des Surtarbrands ganz in
Kalkspath umgewandeltes Holz, dessen Rinde und JaliresGesteine und Mineralien Islands.
*) Vgl. Winkler, „Island. Der Bau seiner Gebirge und dessen geo
logische Bedeutung*4 München, 1863. S. 200—213.
Gesteine und Mineralien Islands.
236
ringe auf das schärfste zu erkennen sind.“ Diese Kohle
ist so fest, dass sie sich zu Tischplatten und andern Hausgeräthen sowie zu Luxusartikeln verarbeiten lässt, die
wie aus Ebenholz verfertigt aussehen.
Die größten Surtarbrandslager trifft man in Vestfirdir;
u. zw. befindet sich das größte bei Lsekur oder Brjämskekur in der Bardastrandar Sysla, dem dasjenige in
dem zwei Meilen langen zusammenhängenden Gebirge
Grsenahlid in der Isafjardar Sysla zunächst kommt;
auch an einigen Orten in der Adalvikssveit (in derselben
Sysla) kommen solche vor. Andere Fundstätten der islän
dischen Braunkohle befinden sich in der Nähe der Höfe
Hreduvatn und Tandrasel in der Myra Sysla, im Dräpuhlidarfjall in der Snsefellsnes Sysla, im Vindfell an der Süd
küste des Vopnafjördur und beim Hofe Brimnes (am Seydisfjördur) in der NorÖur Mula Sysla, sowie an verschiedenen
anderen Orten. Der früher erwähnte G agat, der auch
„isländischer Achat“ (Achates islandica) genannt und viel
fach mit Obsidian verwechselt wird, ist nichts anderes, als
eine glänzende, muschelig brechende Braunkohle. Er
kommt ziemlich häufig im Surtarbrandur vor.
Aber auch die gewöhnliche B rau n k o h le (isl. mökol,
n.) findet sich auf Island. Hier soll endlich auch der T o rf
(isl.torfn., mör, m. mötorf, torfmör) genannt sein, welches auf
der Insel sehr häufig vorkommt und nicht nur als Brenn-,
sondern auch als —- Baumaterial für die Isländer wichtig
ist. Dasselbe bildet sich aus den Wurzeln verschiedener
Sumpfpflanzen und ist besonders an Orten, wo Sümpfe von
vulcanischer Asche ziemlich hoch bedeckt wurden, häufig
und sehr schön.
Flora Islands.
237
Die Flora Islands.*)
Die Flora Islands ist weder reichhaltig, noch auch
besonders eigentümlich. Von höheren Pflanzen finden
sich auf Island über 400 Arten; die niedrigen Pflanzengattüngen sind bis jetzt noch wenig bekannt. Im Allge
meinen ist die Vegetation hier dieselbe wie in den Polar
ländern (in Grönland, im nördlichen Norwegen und in
Sibirien), sowie zum Theil auch in den Alpen. Von
Pflanzen, welche nur in sehr hohen nördlichen Breitegraden wachsen, sind auf Island die gewöhnlichsten: die
krautige Weide (Salix herbacea\ isl. grasvidir), die acht
kronenblättrige Dryas (Dryas octopetala-, isl. holtasöley),
und eine Birkenart (Betula alpestris; isl. fjalldrapi). An
selten en Polarpflanzen finden sich hier u. a. : die Platanthera hyperborea (isl. Friggjargras), eine süßduftende
Orchidee, die Island allein mit dem polaren Nordamerika
gemeinsam hat; die winzige Koeniyia islandica (isl. Königsjurt), der gelbe arktische Mohn (Papaver nudicaule, isl.
melasöl). Im Allgemeinen wachsen dieselben Pflanzen auf
der ganzen Insel sowohl in den Niederungen wie auf
dem Hochlande; so findet man auf Island in bedeutender
Höhe sowol wie auch am Meerestrande: Alchemilla
alpin a (isl. Mariustakkur) und A. vulgaris (isl. ljönslappi),.
Rhodiola rosea (isl. burni), Saxifraga aizoides (isl. steinbrjötur), Silena acaulis (isl. lambagras), Dryas octopetala,
*) Nur die ■ wichtigsten und häutigsten Wörter der hiehergehörigen
Terminologie seien hier mitgetheilt. P fla n z e heißt auf isländ.: planta,
plantan, plöntun, jurt (urt), f.; Blum e, B lü te: blom, n., blomstur, n.
u. m. S1rauch, B usch, G ebüsch: runnur, hrisrunnur, m., kjar,.
hriskjar, n.; B aum : tre, n .; W u rzel: rot, f.; S ten g el, Stam m :
leggur, m .; B la tt: blad, n.; Laub: laufblad oder lauf, n .; A st,
Z w e ig : kvisl, f., kvistur, m .; H o 1z : tre, vidur, m.; R inde: börkur, m .;
F r u c li t : avöxtur, m., aldin (Baumfrucht, essbare Frucht), n .; Iv n o s p e :
(an Bäumen): brum, n., Blutenknospe: blomhnappur, m .; B ast: bast, n.D orn: Born, m .; F ru ch tb o d en (thalamus) heißt: avaxtarflet f.;
B e fr u ch t u n g : frjofgun, frseving, f.; die N arbe (am Fruchtknoten):
freevingarflet; B eere: her, n .; Ähre: ax, n.; Gras: gras (plur. grös),.
n.; M oos: mosi, m .; — W iese: engi, n.
Flora Islands.
238
Empctrum nigrum (isl. kr^ekiberjaly ng), Calluna vulgaris
(isl. beitilyng), Vaccinium myrtillus {isl. ssetukoppar), Vaacinium uliginosum (isl. bläberjalyng), Vaccinium vitis idaca
u. a. ; doch gibt es immerhin einige Pflanzen, die sich
nur im Gebirge Anden.
Die Vegetation richtet sich in jedem Landestlicile
nach der Beschaffenheit der Gegend und des Bodens,
und man könnte darnach die Pflanzen in Gruppen eintheilen, je nachdem dieselben auf den Wiesen, auf stei
nigen Höhen, auf Lava, auf Sumpf- und Moorgrund, am
Strande, in sandiger Erde oder auf hartem Steingrund
u. s. w. wachsen. Dabei üben aber* auch die klimatischen
Verhältnisse des Landes überhaupt wie der verschiedenen
Gegenden im Besonderen einen starken Einfluss auf das Vor
kommen und Gedeihen der Pflanzenwelt aus. Die spärlichste
Vegetation findet sich auf der jüngeren Lava, dann auf den
Hochebenen (lieidar, vgl. oben S. 92), besonders jener
des inneren Hochlandes. Die L ava setzt den Atmosphäri
lien einen erstaunlichen Widerstand entgegen; es gehören
große Zeiträume dazu, eine Verwitterungsrinde zu schaffen,
die höheren Pflanzen das Fortkommen einigermaßen erlaubt.
Es ist darum die jüngere Lava fast ausschließlich von nie
deren Pflanzen bewohnt: Krustenflechten bedecken den
nackten Fels und silbergraues Moos, aber nicht das ge
wöhnlich „isländisches“ genannte, überzieht in dichter
Decke den Boden. Die ältere Lava hingegen weist schon
eine viel reichlichere Vegation auf und ist auch auf
Island durchaus nicht so steril, als man dies häufig be
hauptet findet. Absolut vegetationslos ist die Lava nur
da, wo die Höhenlage überhaupt jeden Pflanzenwuchs
verbietet oder vulcanische Asche sie bedeckt. Wo sie
dagegen wie in vielen Gegenden Islands nur wenig über
dem Meeresspiegel in einem reich bewässerten, vor Stürmen
geschützten Thal liegt, ist sie durch Reichthum an Pflanzen
vor anderem ähnlich gelegenen Untergründe geradezu aus
gezeichnet. Es haben sich hier schon und an vielen Orten
kleine Gebüsche von kräftig duftenden Zwergbirken und
Weiden angesiedelt; bisweilen finden sich Grasflecke, auf
denen buntblühende Blumen wachsen; überall sieht man
die großen weißen Blütensterne der Dryas octopetalci und
239
allenthalben nicken die kleinen, reizenden, blauen Heim
chen der Pinguicula europaea (isl. lyfjagras), die bei uns
ausschließlich auf Wiesen und Mooren gefunden wird. Ja,
es gibt Gegenden, wo die Lava sogar dem auf Island so
seltenen „Wald“ (nämlich Birken) und der denselben be
gleitenden anmuthigen Flora Wachsthum gewährt. *j
Auf den Hochebenen bedecken die Krähenbeere, die
Bärentraube (Arctostaphylus uva ursae, isl. sortulyng) und
Zwergweiden den Boden und in die graugrüne Farbe, die
derselbe durch sie erhält, wird nur durch die zahllosen
dichten, rothen Blütenpolster der Siiene acaulis, dieses
reizenden, kaum zollhohen Pflänzchens, etwas Leben und
Abwechslung gebracht. Auf vielen „heidar“ ist die Vege
tation noch kümmerlicher und besteht fast nur aus Biedgras, Heidekraut, Krähenbeeren, Bärentrauben und einer
Anzahl hochalpiner und borealer krautiger Blütenpflanzen,
sowie aus Moosen und Flechten. In diesen mit Kies und
Steingeröll, zertrümmertem vulcanischen Gestein, erfüllten
Gegenden finden Vieh und Pferde nicht mehr, sondern
nur die genügsamen Schafe hinreichende Nahrung*, sie
müssen sich, um ihren Hunger zu stillen, mit dem
Laube der genannten Pflanzen begnügen, da die Grasung,
welche hin und wieder an geschützten und etwas frucht
bareren Orten sich entwickelt, allein nicht hinreicht. Dem
Menschen hingegen bieten diese Gegenden durch eine
nicht unbedeutende Zahl essbarer Kräuter und Früchte
unmittelbaren Nutzen.
Eine ganze Anzahl isländischer Pflanzen findet sich
nur an einer oder der anderen heißen Quelle, und zwar
sind dies zumeist Pflanzen, die in Deutschland häufig Vor
kommen ; es gehören dahin die Bachbunge (Veronica Beccabunga, isl. vatnsarfi, m.), der Wasserschnabel (Hydrocotyle vulgaris, isl. vatnsnafli, m.), das Sumpfwollkraut (Gnaphalium ulignosum, isl. grajurt, f.), sowie einige seltenere als
Bulliaräa aquatica, Valeriana sambucifolia (isl. Velantsjurt, f.) und Limoselia aquatica, isl. litil skarnurt). Andere
Pflanzen -wieder entwickeln sich in dem feuchten, warmen
Boden der Umgebung heißer Quellen zu ganz besonderer
Flora Islands.
*) K. Keilhack, Reisebilder aus Island, S. 14, 57, 169.
Flora Islands..
240
Üppigkeit, wie der große Wegebreit [Plantago m'ajor, isl.
grasakongur), der weiße Klee (Trifolium repens, isl. smari,
m., Islands einzige Kleeart}, die Bach-Montie (’Montia rivularis, isl. fretmura:) und das behaarte Fettkraut (Sedum villosum\ welches die Eigenschaft hat, in der Pflanzenpresse
lustig weiter zu wachsen und Blüte auf Blüte zu treiben.
Überhaupt sind alle Pflanzen in der Nähe der heißen Quel
len infolge der Wärme des Bodens und der reichlichen Be
wässerung durch ein frisches Grün der Blätter und üppi
gere Entwicklung von Blüten gegenüber denen anderer
Standorte ausgezeichnet. *)
Zu recht üppiger Entwicklung gelangt die isländische
Flora gleichwohl niemals; in einem großen Theile Islands
kann die Vegetation wegen der ewigen Schnee- und Eis
felder überhaupt gar nicht zur Entwicklung gelangen, und
wo diese sie daran nicht behindern, ist derselben nur eine
Frist von wenigen Monaten gestattet. Die vollkommeneren
Gefäßpflanzen (Phanerogamen) beginnen im günstigsten
Falle erst im Mai, gewöhnlich aber erst im Juni kräftiger
zu wachsen und schon der September mit seinem Schneeund Hagelwetter setzt weiteren Fortschritten ein Ziel. Die
weniger vollkommenen Zellenpflanzen (Kryptogamen) be
ginnen zwar schon gleich nach dem Abthauen des Schnees
ihre Entwicklung, also an einigen begünstigten Orten schon
im März, spätestens im April; allein ihr Wachsthum
schreitet nur äußerst langsam fort, da es durch den lange
anhaltenden Frost und durch häufig im Übermaß wieder
kehrende Schneemassen unterbrochen wird. Es gilt dies
namentlich von Moosen und Flechten, die auf Steinen
wachsen, von denen der Schnee schneller schmilzt. Die
jenigen Kryptogamen hingegen, welche am Boden in einer
tieferen Erdkrume wachsen, bleiben sehr viel mehr zurück
und theilen das Loos der höheren Gefäßpflanzen, indem
der Boden infolge des harten Winterfrostes tief und lange
gefroren bleibt. Sehr nachtheilig wirken ferner zu allen
Jahreszeiten, namentlich aber im Frühjahre, die heftigen
Stürme, welche im Verein mit der Kälte den. Safttrieb
zurückhalten. Sie sind auch die hauptsächlichste Ursache
") K. Keilhack, a. a. >S. 27 ff. und 39.
241
der krüppelhaften Gestalt der isländischen Pflanzen. Ge
sträuche, die hinter Steinen gegen den Wind geschützt
gerade emporschießen, beugen, sobald ihre Zweige über
die Höhe der Steine hervorragen, diese der Richtung des
herrschenden Windes folgend, nieder und verzweigen sich
statt nach aufwärts, mehr und mehr seit- und abwärts.
Wo die Winde das Land nicht so stark bestreichen können,
indem Höhenzüge ihm auf einer oder mehreren Seiten
Schutz gewähren, gedeihen die Pflanzen besser; am besten,
wo, bei einigermaßen gutem Boden, zugleich die Sonnen
strahlen gegen die schwärzlichen vulcanischen Felsen ihre
volle Wirkung äußern können. W al dun gen aber, oder
auch nur vereinzelte hohe Bäume, das Kennzeichen einer
üppigen Vegetation, fehlen auf Island gänzlich”).
Bemerkenswert ist es, dass sich die Polarpflanzen-Vegetation an manchen Orten viel üppiger entwickelt findet,
indem in unmittelbarster Nähe des Eises manche Pflanze
um mehrere Wochen früher blüht, als an wärmeren Stand
orten in tiefer gelegenen Regionen. Eine solche Beobach
tung machte Dr. Keilhack an Saxifraga hirculus, var. alpina, Erigerum alpinum, Saxifraga decipiens u. A. bei
Besteigung eines Gletschers im Südlande. Bei einer Partie
auf die Esja (Westisland) hingegen konnte derselbe Rei
sende den umgekehrten Fall, nämlich das allmähliche Ver
schwinden der Vegetation, in besonders in die Augen fal
lender Weise beobachten. Eine Blütenpflanze nach der
anderen fand sich bei zunehmender Höhe erst im Knospen
stadium, während sie unten im Thale längst blühte, und
verschwand dann plötzlich; zuletzt blühten nur noch die
dunkelhimmelblaue Veronica säxatilis und die röthliche,
zwerghafte Silene acaulis, während sich auf der Passhöhe
nur noch diese, aber noch nicht blühend, fand; und doch
hatte Keilhack dieselbe Pflanze bereits 5 Wochen früher,
freilich am Meeresstrande, in der ersten Blüte gesehen.
Eine eigenthümliche Erscheinung ist es ferner, dass
die sehr merkliche Verschiedenheit des Climas in Nordund Südisland nicht auch auf die Vegetationsverhältnisse
ihren Einfluss geltend macht. Obgleich der Frühling im*)
Flora Islands.
*) Ebel, Geographische Naturkunde S. 217 ff.
P o e s t io n , Island.
16
Flora Islands..
242
Norden später eintritt und der Herbst früher beginnt, so
ist z. B. der Graswuchs hier doch ebenso üppig und der
Anbau von Kartoffeln und Gemüsen vielleicht noch ver
breiteter als in den südlichen und westlichen Theilen des
Landes; selbst die Vogelbeerbäume gerathen im Nordlande
ungleich besser als im Südlande, z. B. in der Nähe von
Reykjavik.
Am besten gedeihen auf Island verschiedene G ras
arten. Ja es steht das Gras auf Island sogar viel dichter
und ist auch viel fetter und saftiger als in südlicheren
Ländern. Es bildet zugleich mit seinem frischen, leben
digen Grün und seinen tausend Blumen einen lieblichen
Schmuck vieler isländischer Landschaften und erfreut oft
auf eine überraschende Weise das Auge des Reisenden,
das sich, an starre Lavawüsten und nackte Felsengegen
den zu sehr gewöhnt, in Ruhe bei seinem Anblick erholen
kann. Das Gras ist auch für den Isländer das wichtigste
Product des Pflanzenreiches, ja das wichtigste Naturproduct
überhaupt, an welches, wie wir später sehen werden, die
Hauptlebensbedingung des isländischen Volkes geknüpft ist.
Von den vielen Blumen, welche die Wiesen Islands schmükken, seien u. a. genannt: verschiedene Arten der Ranunkel
(.Ranunculus; isl. söley, f.), der Löwenzahn (.Leontodon autumnalis L., isl. fifill, m.), der Storchschnabel (Geranium
isl. blagresi, n.), der Bergmohn (Papaver alpinum L .; isl.
melasöl, m.), das Stiefmütterchen (Viola tricolor L .; isl.
fjola, f.), die Spierstaude (Spiraea L.; isl. mjadurt) u. s w.
Hauptsächlich charakteristisch für die isländischen Land
schaften ist aber die Vegetation kryptogamischer Gewächse.
Laubmoose und Flechten bekleiden entweder mit smaragd
grünen Teppichen manche Bergabhänge, an denen krystall
reine Bäche und Quellen niederrieseln, oder mit silbergrau
schattiertem Rasen und farbigen, gelben und braunrothen
Überzügen viele Meilen weit ausgedehnte Einöden Jahr
tausende alter, wüster Lavaströme. Es gibt denn auch
auf Island nicht wenige Landschaften besonders aber
Thäler von seltener idyllischer Schönheit. Man wird nun
auch die Begeisterung begreifen, mit welcher so mancher
isländische Dichter sein heimatliches Thal und sein heimat
liches Land preist und singt:
Flora Islands.
243
„O, unser Vaterland ist schön
Zur Sommerszeit, der lauen!
Da sprießt das Laub, die Herden geli’n
Zur Weide auf die Auen!
Das Thal schlägt auf sein Auge blau
Zum Sonnenlicht, dem holden,
Das Grasfeld*) glänzt, es grünt die Au,
Die Wellen schimmern golden.“ **)
Höhere H olz ge w achse (Bäume und Sträucher)
kommen auf Island überhaupt nicht häufig und dabei nur
schlecht entwickelt vor und einen eigentlichen Wald in
unserem Sinn wird man auf Island vergeblich suchen. Was
die Isländer einen W ald (skögur, plur. skögar, m. auch
mörk, f., plur. merkur oder markir), nennen, ist nichts anderes
als ein zumeist 1—2, in Ausnahmsfällen bis zu 5—6 Meter
hohes B irken- oder W eiden geb üsch — Birke heißt isl.
birki, n. ; eine einzelne Birke björk, £, birkitre, n. ; Weide
heißt allgemein vidir, m. und pill, m.; die Sahlweide (Salix
caprea) selja, f., — unter welches sich ganz vereinzelt hie
und da etwa auch ein Wachholderstrauch (isl. einir, m.)
oder ein Vogelbeerbäumchen (isl. reynir, m.) mischt. Zur
Zeit der Besiedelung Islands soll die Insel nach dem Zeug
nisse des ersten isländischen Geschichtschreibers Ari ]?orgilsson***) „von den Bergen bis zum Strande mit Wald be
wachsen“ gewesen sein und auch andere Quellen berichten
in ähnlichem Sinne; K. Maurerf) hat jedoch diese Zeug
nisse auf ihren wahren Wert zurückgeführt und nachge^
wiesen, dass sich aus denselben mit einiger Sicherheit nichts
folgern lässt als die Thatsache, „dass zu einer Zeit, in welcher
der Mensch noch nicht seine zerstörende Hand an dieselben
gelegt hatte, die isländischen Waldungen sowohl größerer
Ausbreitung als ungestörteren Wachsthumes sich erfreut
haben mögen, als dies in späterer Zeit der Fall war, ganz
wie der Ertrag des Strandes an Treibholz ein ungleich
*) Tun, ein eingehegter Grasplatz oder Grasgarten; vgl. unten.
**) Aus der Erzählung „Jüngling und Mädchen“ von Jon Thordarson Thoroddsen, übersetzt von J. C. Poestion; (Berlin 1884) vgl. auch
ebendaselbst die Schilderung’ eines Thaies (S. 9—10).
***) jn Jessen „Islendingabok“ c. 1.
f) Island von s. ersten Entdeckg. bis z. Unterg. d. Freistaat.
(München 1874) S. 13 ff.
16 *
Flora Islands. *
244
größerer gewesen sein muss, solange das seit Jahrhunder
ten angesammelte Gut noch unangegriffen beisammen lag;
an eine Änderung des Klimas dagegen, durch welche der
specifische Charakter des isländischen Waldes eine Um
wandlung erfahren hätte, ist in alle Weite nicht zu
denken.“ *) Wohl aber haben die Einwohner selbst dazu
beigetragen, dass der isländische Wald immer mehr dem
Untergange anheimfiel, indem sie denselben statt ihn zu
schonen, durch Unvernunft, Fahrlässigkeit und Gleich
giltigkeit verwüsteten oder durch die Schafe, welche die
jungen Sprösslinge verzehrten, verwüsten ließen. Schon in
den Sagas wird von Waldbränden berichtet und auch erzählt,
dass die Wälder allgemein zum Kohlenbrennen umge
schlagen wurden. Besonders aus der Svarfdselasaga, der
Vopnfirdingasaga, der Njälssaga und anderen Sagas kann
man ersehen, wie rücksichtslos die alten Isländer mit den
Wäldern umgegangen sind. Bereits im Jahre 1350 konnte
darum der Abt von Dmgeyrar, Arngnmr, in dieser Hinsicht
von Island schreiben:**) „W ald g ib t es da keinen
außer Birken, und auch diese nur geringen Wuchses.“
Dass sich ein verwüsteter Wald bei vernünftigem Betriebe
auch auf Island noch erholen könne, dafür gibt die Geschichte
des vielberühmten „H a 1s s k ö g u r“ im Fnjöskadalur einen
interessanten Beweis.
Eggert Olafssoii, der diese Gegend im Jahre 1752 bereiste, be
zeichnet diesen Wald noch als den besten im Lande, obwohl er bemerkt,
dass derselbe innerhalb der letzten hundert Jahre sehr verloren habe. ***)
Im Jahre 1777 kann Olaus Olavius ebendahin; er sah nur noch ein
Schattenbild des früheren Waldes und erfuhr, dass dieser in den letzten
zwanzig Jahren verkommen sei. f) Eben diesen Zustand fand Mohr
im Jahre 1781 vor ff), und noch im Jahre 1814 sah Ebenezer Henderson
nicht einen einzigen Baum in dem früheren Walde, fff ) Dagegen sahen
Thieneman und Günther, welche im Jahre 1821 desselben Weges zogen,
*) a. a. 0. S. 15—16.
**) In der kurzen Beschreibung- Islands, welche er seiner Lebens
beschreibung des Bischofs Gudmundr Arason der „Gudmundar biskups
saga“ (in: Biskupa sögur, Kaupmannahöfn, 1878; 2. Bd., S. 1—187)
vorausgeschickt hat, und zwar c. 2. S. 5.
***) Reise igjeiinem Island, S. 679—80 und 733—4.
f) Öconomisk Reise, S. 361—
ff) Forsäg til en Islandsk Naturhistorie, S. 375.
f ff ) Island, übers, v. Franceson, I, S. 167.
Flora Islands.
245
schon wieder einen ziemlich dichten Birkenwald im Thale, freilich nur
von höchstens 6 Fuß Höhe.*) Als K. Maurerim Jahre 1858 das Thal
kreuzte, zeigte der Wald bereits wieder ein ganz stattliches Aussehen **),
und Preyer und Zirkel, die denselben im Jahre 1860 durchschritten,
legten ihm bereits eine Breite von 3/4 Stunden und eine Höhe von
15—20 Fuß bei.***) Kr. Kaalund, der Island in den Sommern 1872—74
bereiste, berichtet von dem Walde als einem ziemlich dichten und
hohen Gesträuch, das eine nicht unbedeutende Strecke des Thaies ein
nehme und zwar ganz aus Gebüschen bestehe, diese aber doch oft eine
Höhe von 8—9 Ellen erreichen, f ) ■
Der gegenwärtige Stand der „Wälder“ ist der oben
beschriebene; überhaupt nennenswert sind außer dem
eben besprochenen Hälsskögur nur noch der H allorm ssta d a rsk ö g u r am Lagarfljöt (vgl. oben S. 198), der
größte und schönste „Wald“, den Island jetzt besitzt, dann
der N u p s s t a 9 a r s k ö g u r (am südlichen Fuße des Vatnajökull) der auch deshalb merkwürdig erscheint, weil er
von allen Seiten mit Gletschern umgeben ist, der Husaf e 11s s k ö g ur, ebenfalls ein verhältnismäßig hübscher Wald
(in der BorgarfjarSar Svsla), die gebüschreichen Strecken
in der Landschaft Dverarhlid (in der Myra Sysla), das
Gehölz an den Ufern des Skjalfandafljöt, und endlich ein
anderes, ziemlich ausgedehntes Gehölz in der Gegend von
Skinnastadir an den Ufern der Jökulsa, welche sich in den
Axarfjördur ergießt. So wenig man aber auch die islän
dischen Gehölze mit unseren Wäldern vergleichen kann, so
hat doch auf Island ein Ritt durch dieselben nach wochen-,
ja oft monatelanger Reise durch baumlose Gegenden etwas
ebenso Erquickendes und Erfreuliches wie eine Wanderung
durch einen frischen, grünen Wald, zumal da fast in jedem
Gehölz die Rothdrossel, die Wiesenlerche und der Zaun
schlüpfer mit ihrem fröhlichen Gezwitscher grüßen und
durch ihr munteres Treiben erheitern. Besonders soll es
für jeden Reisenden auf Island ein wahres Vergnügen
sein, den freundlichen „Wald“ bei Hallormstadur zu
durchreiten.
*) Reise im Norden Europas, S. 148.
**) Germania, Vierteljahrsschrift f. deutsche Alterthumskunde,
Bd. VII, S. 246, woraus ein Tlieil dieser Angaben entlehnt sind.
***) Reise nach Island, S. 178.
f) Bidrag til en historisk-topografisk Beskrivelse af Island II
S. 143.
246
Flora Islands.
Die größte Höhe erreicht von den „Waldbäumen“
Islands der V ogelb e er b aum (Sorbus aucuparid), und
zwar — auffallender Weise — besonders im Nordlande z. B.
in Akureyri und in Skrida im Hörgärdalur. W eiden
gebüsche von ansehnlicher Höhe findet man insbesondere
auf den Inseln im See Myvatn, ferner in der Landschaft
Kvelduhverfi (in der NorSfur Dingeyjar Sysla) und im Bärdardalur (in der Sudur Dingeyjar Sysla).
Besondere Erwähnung verdienen noch verschiedene
N u tzp flan zen , deren Verwendung später z Th. aus
führlicher besprochen werden soll. Da ist — außer vielen
schmackhaften Beeren (isl. ber, n.) als: Heidel- oder Blau
beeren (isl. acfalblaber, blaber), schwarzen Rausch- oder
Krähenbeeren (isl. krsekiber), Wachholderbeeren (isl. einirber), Erdbeeren (isl. jardarber) u. a. — vor allen zu nennen:
Das islä n d isc h e Moos oder die islän d isc h e
S c h ild fle c h te (Cetmria islandica Ach.) von den Islän
dern selbst fja lla g rö s (n. pl.; d. h. Berggräser) oder
auch nur grös (d. h. Gräser) genannt. Dasselbe ist eine
Flechte, die in mehreren Abarten nicht nur in allen nörd
lichen Ländern, sondern auch bei uns in Gebirgen und
selbst hie und da im Flachlande ungemein häufig ist; sie
kommt zwar auf Island fast überall auf den Gebirgen und
Hochebenen vor, aber doch besonders reichlich auf der
Holtavörduheidi, der Arnarvatnsheidi, der Tvidsegra, in
der Gegend um den Eyjafjördur u. a. a. 0. Es ist als
Heilmittel gegen Lungenkrankheiten bekannt, hat aber für
die Isländer noch größere Bedeutung als Surrogat für den
Roggen. Als Nahrungsmittel dienen in. ähnlicher Weise
das M arien g ras [Cetraria nivalis, isl. Mariugrös, n. pl.),
das Coralloideum proboscideum (isl. geitnaskof) und die
B e rg e n g e lw u rz (Archangelica officinalis, isl. hvönn,
plur. hvannir, f.). Besonders die letztere, eine große,
grüne Doldenpflanze, die einige Ellen Höhe erreicht, dient
auf Island (außer wie bei uns als Arznei) als Nahrungs
mittel. Sie wächst daselbst gern an dem Ufer von Bächen,
aber auch an anderen Orten und wird im Herbste fleißig
gesammelt. Die Isländer genießen davon sowohl die Wur
zeln wie auch die frischen Stengel; diese letzteren haben
einen etwas bitteren Geschmack, der von vielen als wohl
247
schmeckend befunden wird; man kann aus diesem Grunde
die Pflanze auf Island sogar öfter in der Nähe der Höfe
eigens gezogen finden.
Flora Islands.
Wie hocli die Engelwurz früher im Werte gestanden hat und wie
beliebt sie als Speise war, kann man daraus ersehen, dass die Kirche von
Sauölauksdalur am Patreksfjördnr eine alte Verschreibung besitzt, worin
zu dieser Kirche jährlich soviel von der Arcliangelica des nahegelegenen
Cap Latrabjarg (wo sie in bedeutender Menge wachsen und so groß
werden soll, dass ein Mann seinen Arm in die Höhlung des •abgeschnit
tenen Stengels stecken kann) gegeben wird, als sechs Männer in einem
Tage abschneiden können. Von der Beliebtheit der Arcliangelica auf
Island zeugt auch, dass sie schon in den alten Räthseln der Isländer
eine Rolle spielte *) und dass nach ihr nicht wenige Ortsnamen auf der
Insel wie: mehrere H va n n eyri, mehrere H va 11 nda 1ir, ein H vannaval l agi l u. s. w. (auch mehrere Hv a n n a r begegnen uns) gebildet sind.
Sogar der S andhafer, „wildes Korn“, „isländischer
Roggen“ (Elymus cirenarius) isl. meigras oder melur (wohl
so benannt nach den kahlen Sandstrecken, auf denen er
gefunden wird; denn „melur“ ist in ganz Island der gewöhn
liche Name für Steinboden) war früher den Bewohnern
mehrerer Gegenden Islands (besond. in der Vestnr-Skaptafells Sysla und Myra Sysla) von großem Nutzen und ist
dies selbst jetzt noch, indem er ihnen nicht nur zur Nah
rung, sondern auch zu anderen Dingen dient. Im Herbste
werden die kaum mehr als halbreifen Ähren eingeerntet,
das Korn wird ausgedroschen, über dem Feuer in eigens
hiezu eingerichteten Häusern gedörrt und dann zu Mehl
gemalen, das ebenfalls als Surrogat für das Roggenmehl
oder diesem beigemischt zu Brot verbacken wird. Das
Stroh des Sandhafers wird zur Bedachung der Häuser
verwendet, die Wurzeln werden zu Tauen und Pack
sätteln geflochten. Mit „wildem Korn“ bewachsene Sand
strecken werden daher in den genannten Gegenden als
wertvoller Besitz angesehen und in Urkunden aus dem
12. Jahrhundert werden Sandhaferfelder („melteigar“) ge
radezu zu den Herrlichkeiten der betreffenden Höfe gezählt,
zu denen sie gehörten. Der Sandhafer ist außerdem von
großem Nutzen, indem er den Flugsand aufhält, der oft
*) Vgl. diesbezügl. Poestion, das Tyrfingschwert, Hagen, 1882,
S. 55 und Poestion, Aus Hellas, Rom und Thule, 2. Aufl., Leipzig 1884,
S. 165 ff.).
Flora Islands.
248
genug auch auf Island die Wiesen und Weiden ver
wüstet.
Auch eine K n ö t e r i c h a r t (Polygonuni viviparum; isl. kornsüra) wird zu Mehl gemahlen, aus dem
Brot bereitet wird. Desgleichen werden die Wurzeln des
Löwenzahns und des Gänsekrautes gegessen und andere
Pflanzen, wie auch bei uns, zu einem Salat zubereitet.
Eine andere, sehr eigenthümliche Nahrungspflanze
liefert das Meer, nämlich eine Art lang-, breit- und dickblättrigen T anges, welche die Isländer söl (n. pl.) nennen,
und die im August und September an der Meeresküste
in großer Menge gefunden wird. Dieser Tang ist auch
im rohen Zustande genießbar, was man schon von Alters
her wusste. Manchem meiner Leser ist ja wohl bekannt,
wie Dorgerdr, die Tochter des berühmten isländ. Dichters
Egill Skalagrimsson, ihren Vater, als dieser aus Schmerz
über den Tod seines Sohnes Hungers sterben wollte,
durch List dahin brachte, söl zu kauen und — da dies
starken Durst erregt — Milch zu trinken. Im frischen
Zustande haben die breiten, rothgelben Blätter einen süßlichsalzigen Geschmack. Am besten wird dieser Tang jedoch in
getrocknetem Zustande genossen.
Noch mehrere andere T a n g a r t e n sind genießbar
für den Menschen sowohl wie auch für die Thiere, und
nicht selten müssen die Pferde im Frühjahre, wenn das
Futter ausgegangen und noch kein Gras zum Vorschein
gekommen ist, das Leben auf der „fjara“ (d. h. dem zur
Zeit der Ebbe trocken liegenden Theile des Meeresstrandes)
fristen. Wichtiger noch denn als Nahrungsmittel soll der
Tang für die Isländer als Dünger sein; außerdem soll
seine Asche einen nicht unwichtigen Handelsartikel liefern
können, da dieselbe einige chemische Stoffe enthält, die man
sonst nicht erhalten kann. Die isländischen Publicisten
klagen jedoch seit langem darüber, dass ihre Landsleute
eine solche Verwertung des Tanges nicht energisch genug
versuchen wollen. *)
*) Ein interessanter Artikel über die genießbaren Pflanzen Islands
und deren Zubereitung’, „Um fslenzk matvseli“ betitelt, findet sich in
der isländischen Zeitschrift: Timarit hins fslenzka bokmentafelag’s.
2. Jahrg’. (1881), S. 69 ff.
Flora Islands.
249
In der alten Zeit hat an verschiedenen Orten auf Island
auch G etre id e b au (isl. akuryrkja f., von akur, m. Acker,
Getreideacker) stattgefunden; dies bezeugen nicht nur die
verlässlichsten alten Quellen, sondern auch eine Reihe
von Ortsnamen wie: Akur, Akrar, Akranes, Akratunga,
Akrafjall, Akureyri, Akureyjar, Akurholt, AkurtraSfir u. s. w. ;
von Bedeutung aber ist derselbe auch in alter Zeit nicht
gewesen, denn es galt schon damals als etwas Ungewöhn
liches, wenn ein einzelner, ganz besonders günstig gelege
ner Acker Jahr für Jahr seinen sicheren Ertrag lieferte. *)
Es standen somit die Verhältnisse des Ackerbaues nicht
viel anders als jetzt, nämlich so, dass an wohlgeschützten
Orten der Bau von Körnerfrüchten (isl. körn, n.) aller
dings möglich, aber freilich wegen des sehr häufig felilschlagenden Ertrages kaum jemals recht lohnend ist. Dass
aber der Ackerbau damals jedenfalls in weit größerer
Ausdehnung betrieben worden ist als heutzutage, erklärt
Konr. Maurer**) treffend dadurch, dass unter den ersten
Einwanderern wohl gar mancher den Fruchtbau, an wel
chen er von seiner Heimat her gewöhnt war, in viel wei
terem Umfange versucht haben mochte, als in welchem er
sich hinterher durchführbar und nutzbringend erwies. „Die
größere Umsicht und der angestrengtere Fleiß, welchen
man vordem, wie der Landescultur überhaupt, so auch
insbesondere diesem Zweige derselben zugewandt zu haben
scheint, mag in einzelnen Fällen die Äcker auch wirklich
zu einem höheren Ertrage gebracht haben, als welchen sie
gegenwärtig abwerfen. Die ungleich schwierigere Zufuhr
vom Auslande her musste überdies selbst einen geringeren
Ertrag der eigenen Landwirtschaft noch lohnend erscheinen
lassen, während jetzt der so sehr erleichterten Concurrenz
der fremden Einfuhr gegenüber der Betrieb anderer Wirt
schaftszweige sich ungleich vorteilhafter erweist. Auf
*) Dieser Acker lag im Dverärland in der Eyjafjardar S^sla und
hieß „weil er niemals unfruchtbar war14 Y i t a d s g j a f i (d. li. Geber des
Sicheren). Derselbe erregte denn auch so sehr die Begehrlichkeit An
derer, dass Glumr ihn durch einen Todschlag für seine Mutter behaupten
musste. Ygl. Gluma e. YII und YIII (in: Islenzkar Fornsögur, Kaupmannahöfn 1880, S. 1—87).
**) In seinem schon genannten Werke: Island von seiner ersten
Entdeckung bis zum Untergang des Freistaates. (München, 1S79).
Flora Islands.,
250
eine Veränderung in der natürlichen Beschaffenheit des
Landes ist das Zurückgehen des Ackerbaues auf Island
jedenfalls nicht zurückzuführen, und überdies haben wir
uns den Umfang seines Betriebes auch schon für die Vor
zeit nicht so groß vorzustellen, dass er uns die Isländer
als ein wesentlich Feldwirtschaft treibendes Volk er
scheinen ließe.“ Über den Stand des Getreidebaues in der
Mitte des 14. Jahrhunderts schreibt ein classischer Zeuge,
der gelehrte Abt Arngrimr von Hingeyrar: *) „Korn
wächst an einigen wenigen Stellen im Süden des Landes,
jedoch ausschließlich G erste .“ Hafer (isl. hafrar, m. pl. —
das Wort kommt in den alten Schriften gar nicht vor—)
und Gerste (isl. bygg, n.) können denn auch jetzt noch
in guten Jahren reif werden * aber ihr Bau ist selbst dann
nicht lohnend und darum „im Grunde nur als eine Lieb
haberei einzelner größerer Grundbesitzer zu betrachten“.
Von sonstigen Nutzpflanzen seien nur noch genannt:
der gemeine Wasserriemen {Zostera marina *, isl. marhalmur, m.), welcher zum Polstern der Betten verwendet wird,
die Salix herbacea und der Waldstorchschnabel {Geranium
silvaticum, isl. storkablägresi), aus deren Saft eine schwarze
Farbe bereitet wird. Das Geranium silvaticum, welches
mit seinen himmelblauen Blüten allenthalben die Felsen
schmückt, wurde früher auch zum Blaufärben benützt, und
der Stoff der blauen Kleider der alten isländischen Kriegs
leute war wahrscheinlich mit der aus dieser Pflanze gewon
nenen Farbe gefärbt worden, da der Indigo und andere
exotische Farbstoffe damals unbekannt waren.
Mehrere Pflanzen sind interessant, weil ihre islän
dischen Namen noch an den alten Götterglauben des
Heidenthums erinnern; so heißt die Viola canina L.
(hundafjola) auch Tyrsfjöla (d. h. Veilchen des Tyr), die
Platanthera hyperborea L. (elskugras) auch F r i g gj a rg r a s
fd. h. Gras der F rig g ), die Matricaria inoclora L.
Baldursbra (d. h. die Augenbraue des B aldur), der
JRinanthus minor hyperborea Ehr. Lokasjödur (d. h. Beutel
des Loki) die Bartsia alpina L. Lokasjöds brödir (d. h.
Bruder des Beutels Loki's), die Sorbits aucuparia (reynir)
*) a. a. O.
Flora Islands.
251
auch iPörsbjörg (cl. h. T?6rs Rettung; vgl. „die Edda“
übers, v. Simrock, S. 338.)
Von a u slä n d isc h e n P flan zen , welche auf Island
gezogen werden, sind die E rd ä p fe l (isl. jardepli) am wich
tigsten, welche an manchen Orten ausgezeichnet gedeihen
und nun immer häutiger angebaut werden. Sie wurden
auf Island zum ersten Male im Jahre 1758 angebaut.
R üben (isl. röfa, f.) und verschiedene Arten des K ohl
(isl. käl, n.) sind ebenfalls schon ziemlich häutig anzu
treffen ; auch andere genießbare Gewächse sowie viele
Zi e rp fla n z e n (isl. skrautjurtir) könnten auf Island gut
fortkommen, wenn man den Versuch damit machen
wollte.
Für den Botaniker sei liier die höhere Flora Islands übersicht
lich nach den Classen zusammengestellt *).
A. Phanerogamae (isl. blomgrös)
ci) D i c o t y 1edoneae. I. Gymnospermae. C o n i f e r a e : Juniperus
alpina (einir). — II. Apetalae. C a llitr ic h in e a e : Callitriche stagnalis
(vatnsbruda), C. verna. — B e t u l i n e a e : Betula nana, B. alpestris
(fjallhrapi, fjalldrapi, fjallhrap), B. intermedia , B. odorata. — U r t i c a c e a e : Urtica dioica (netla, stora netla), U. urens (brenninetla, notrugras.)
— S a l i e in e ae: Salix pentandra (raudvidir) ?, S. lanata (gravidir),
S. arenaria (sandkvistur), S. caprea (selja)?, S. phyllicifolia (gulvidir),
S. sarmentacea , S. arbuscula (beinvidir, kotunslauf) ?, S. herbcicea (grasvidir), S. cjiauca (tag), S. ovata (sandvidir), S. Wichurac ? — S o lcicea e :
Chenopodium cdbum (mjölsüra), Atriplex patidä (gardasol), A. Babingtonii. — F o lg g o n e a e : Rum ex domestica (heimuli, heimilisnjoli, njoli,
fardagakal), R. acetpsa (vallarsüra), R. cicetosella (grsedisura), Oxyria
diggna (Olafssura, Olafsgras), Polygonum viviparum (kornsura, fuglaarfi), P. aviculare (blodarfi), P. amphibium (oddvari)?, P. lapathifolium (hundasüra) ?, Koenigici islandicci (königsjurt, naflagras). —
III. Gamopetalae. P l a n t a g i n e a e : Plantago major (grasakongur, grsediblaka, gullintoppur), P. lanceolata (selgresi, fuglatungur), Fl. maritima
(kattartunga, lambatunga), P. borealis, P. media. — F l u m b a g i n e a e :
Armeria maritima (geldingahnappur, d. Wurzeln : liardassegjur);
V a l e r i a n e a e : Valeriana sambucifolia (Velantsjurt, Villinardus?). —
D i p s a c e a e : Succisa pratensis (pukabit, lodpunga). — S y n a n t h eDie mit einem ? versehenen Pflanzen werden zwar in der neuesten
mir bekannten Zusammenstellung der isländ. Flora von Moritz H.
Fridriksson (in: Almanak hins islenzka Pjodvinafjelag um arid 1883 [S.
52—56 u. S. 62] u. um arid 1884 [S. 62—65]) als isländische angeführt,
deren gegenwärtiges Vorkommen ist jedoch nach Bjodolfr, XXXV. arg.
(1883). Nr. 41, bez. Grönland, „Islands Flora“ (Kjöbenhavn 1881) nicht
sicher nachgewiesen und dieselben Anden sich daher auch nicht in dein
letztgenannten Werke (dem besten über die isländ. Flora) beschrieben.
252
Flora Islands.
r e a e : T u s s ila g o f a r f a r a (hofgresi), E r ig e r o n a lp in u s (Jakob sfifill, smjörgras), E .'u n i fl o r u s ? , B e llis p e r e n n iS (lyklagras) ?, A cJ u lle a m ille fo U u m
(vallhumall,jardhumall), A . P ta r m ic a ?, M a tr ic a r ia in o d o rci (Baldursbra),
M . m a r itim a ?, G n a p h a liu m u lig in o s u m (grajurt, geirlaukur), G .
n o r v e g ic u m (fjandafsela), G . s u p in u m (gramulla), A n te n n a r ia d io ic a ?,
A . a lp in a , S e n e c io v u lg a r is (brandbikar), C ir s iu m a rv e n se (Joistill,
J>yrnibrodir), L e o n to d o n a u t u m n a h s (ljonstönn, Petursjurt), T a r a x a c u m
p a lu s tr e (vallarrot), T . o ffic in a le (setififill, beiskjugras, fifill; wenn die
Blüte abgefallen ist, heißt diese Pflanze: bifukolla oder bydukolla; die
Blätter heißen: lirafnablökur), H ie r a c iu m p ilo s e lla (undafifill) ?, H . j l o r i b u n d u m , H . c r o c a tu m ?, H . a u r i c u la ?, H . a lp in u m , H . m u r o r u m
(skarififill), — C a m p a n u l a c e a e : C a m p a n u la r o tu n d ifo lia (bläklukka,
ldukka), C. p a t u la ? . — B u b i a c e a e : G a lliu m b o rea le (krossmadra),
G . u lig in o s u m , G . v e r u m (gullmadra, madra), G . s ilv e s tr e (litla madra),
G . tr ifid u m ? . — G e n t i a n e a e : G e n tia n a a u r e a , G . c a m p e s tr is (beide:
Marmvöndur), G . n iv a lis (digragras, dyragras), G . a m a r e lla , G . c le to n sa ,
G . te n e lla , P le y r o g y n e r o ta ta , M e n y a n th e s tr ifo lia ta (Oluagras,
kveisugras, horbladka, reidingagras, alptakolfur, myrarhofur). — L a b i a t a e : T h y m u s s e r p y llu m v a r . p r o s ta ta (blödberg, blodbjörg, bradbjörg,
brädberg), P r u n e lla v u lg a r is (blakolla), L a m iu m p u r p u r e u m , L .
a m p le x ic a u le , L . a lb u m ?, G a le o p s is la d a n u m , G . te tr a h it. (hjälmgras),
S ta c h y s s ilv a tic a ? . — A s p e r i f o l i a e : S te n h a m m a r ia m a r itim a
(strandarfi, lungnajurt), M y o s o tis a r v e n s is (kattarauga), M . v e r sic o lo r
(gleymdu mer ei), M . c o llin a ?, M . s t r i c ta , E c h iu m v u lg a r e (kisugras) ?. —
P o l e m o n i a c e a e : D ia p e n s ia la p p o m c a . — S c r o p h u l a r i a c e a e :
D i g i ta l i s p u r p u r e a ?, L im o s e lia a q u a tic a (litil skarnurt), P e d ic u la r is
fla m m e a (eldgul tröllajurt), P . p a lu s tr is (lusarjurt), B h in a n t u s m in o r
(Lokasjödur, peningagras), B a r t s i a a lp in a (Lokasjödsbrödir), E u p h r a s ia
o ffic in a h s v a r . la tifo lia (augnfrö, augnagras), V e r o n ic a b c c c g b u n g a
(vatnsarfi), V . s a x a t il i s (fjalla-serupris), V . s c u te lla ta , V . s e r p y llifo lia , V .
o ffic in a h s , V . a lp in a (alle vier: serupris) — L e n t i b u l a r i e a e : P in g u i c u la v u lg a r is (lyfjagras, pindilsjurt, Jönsgras, Jönsmessugras, ksesisgras,
hleypisgras). — P r i m u l a c e a e : P r im u la s tr ic ta (Mariuhnykill, kureki),
T r ie n ta lis e u r o p a e a (fagurblom), G la u x m a r itim a (sandlsedingur) ? .—
E r i c i n a e : A r c to s ta p h y lo s u v a u r s i (sortulyng; die Frucht: ludamudlingar, myllingar), C a ssio p e h y p n o id e s , G a llu n a v u lg a r is (beitilyng),
E r i c a te t r a l i x (urdarbuskur, m^rarbeitilyng), L o iz e le u r ia p r o c u m b e n s
(saudamergur), L e d u m p a lu s tr e (myrarfloki), V a c c in iu m m y r tillu s
(ssetukoppar, adalbläberjalyng, die Frucht: adalbläber), V . u lig in o s u m
(bläberjalyng), V . o x y c o c c u s (m^rar-blaberjalyng), V . v itis id a e a . —
IV. Eleutheropetalae. Ü m b e l l i f e r a e : H y d r o c o ty le v u lg a r e (vatnsnafli), A n g e lic a s ilv e s tr is (snökahvönn, geitnanjoli, geitla, Geirardsjurt),
A r c h a n g e lic a o ffic in a lis (hvönn, aetihvönn, erkihvönn), P e u c e d a n u m
o s tr u th iu m (ssehvönn, sjavarlivönn) ?, H a lo s c ia s s c o tic u m (meistarajurt,
spekingsurt), C a r u m cciroi (kumen). — A r a l i a c e a e : H e d e r a
h e lix (vidvindill, bergfletta). — C o r n e a e : C o rn u s su e c ic a (kervill,
haensa-kornelvidur). — C r a s s u l a c e a e : B h o d io la ro se a (burni,
burnir, sara, agar; die Wurzeln: burniröt, höfudrot, greiduröt),
S e d u m a c re (lielluhnodri), S . a n n u u m , S . v illo s u m , B u ll i a r d a a q u a
tic a . — S a x i f r a g a c e a e : S a x ifr a g a c n ty le d o n (klettafru), S .
Flora Islands.
253
o p p o s itifo lia (vetrarblom), S . n iv a lis (snjoblom), & h ir c ü lu s (halsavegur), S . a iz o id e s (steinbrjotur), S. c e r n u a , S. ä e c ip ie n s , S . h y p n o id e s , S . r i v u la r is , S . s te lla r is , & tr id a c ty lite s , tr ic u s p id a ta ?. —
R a n u n c u l a c e a e : T h a lic tr u m a lp in u m (brjostagras, Velantsjurt,
Vellindisurt, jufurgras, jufurmein, kverkagras, krossgras), B a tr a c c h iu m
d r o u e tii (lonasoley), B . tr ic o p h y llu m (madkagras) ?, R a n u n c u lu s a c r is
(brennisoley), R . g la c ia lis (dvergasoley), B . h y p e r b o r e u s , R . n iv a lis ,
R . p y g m a e u s , R . r e p e n s , R . r e p ta n s , G a lth a p a lu s tr is (hofbladka,
hofnr, kuablöm, lsekjasoley, hofgresi), A c o n itu m c o e r u le u m (sauöbani ?). —
P a p a v e r a c e a e : P a p a v e r n u d ic a u le (melasol, svefngras, svefnurt).—
C r u c i f e r a e : N a s t u r t i u m p a lu s tr e (kattarbalsam, myra-opinbladska),
C a m e lin a s ilv e s tr is , A r a b is a lp in a , A . p e tr a e a , C a r d a m in e p r a te n s is
(hrafnaklukka), C. b e llid ifo lia , C. h ir s u ta , E r y s i m u m a lp in u m (opinbladka), R a p h a n u s R a p h a n is tr u m , B r a s s ic a c a m p e s tr is , C o c h le a r ia
o ffic in . (skarfakäl), C. a n g lic a , S in a p is a r v e n s is (villimnstardnr), D r a b a
a lp in a , D . h i r t a , D . in c a n a (veggjararfi), _D. n i v a l i s , Zb v e r n a , I ) .
c o r y m b o s a ? , C a p se lla b u r s a p a s to r is (pnngarfi, pungurt, krisarfi,
hjartarfi, blödrugras), S u b u la r ia a q u a tic a (vatnsbrocldur ?), C a k ile m a r i
tim a (fjörukal, fjöruarfi, limaarfi, strandbui),— P y r o l a c e a e : P y r o la
m e d ia (vetrarlaukur), P . r o t u n d i fo l i a ?, P . m in o r , P u n iflo r a
P . s e c u n d a . — D r o s e r a c e a e : P a r n a s s ia p a lu s t r i s (myrasoley,
hringormagras, livit lifrarurt), D r o s e r a r o tu n d ifo lia (soldögg). —
V i o l a r i e a e : V io la p a lu s tr is (myrafjola), F. c a n in a (Tyrsfjola,
hnndafjola), V . s ilv a tic a (fjola), V . tr ic o lo r (J>renmngargras). —
P o r t u l a c e a e : M o n tia r iv u la r is (fretmura). — P a r o n y c h i e a e :
S p e r g u la a r v e n s is (skurfa). — A l s i n a c e a e : S a g in a p r o c u m b e n s y
S . n o d o s a , S lin n a e i, H a lia n th u s p e p lo id e s (smedjukal), A ls in e h ir ta
(lfnarfi) ?, A . v e r n a (berja-arfi), A . b iflo r a , A . s tr ic ta , A r e n a r ia n o r v e g ic a
(fjöruarfi), S te lla r ia c r a s s ifo lia (stjörnuarfi), S t. m e d ia (arfi, haugarfi),
S t. u l ig m o s a , S t. b o re a lis, S t. g r a m in e a , G e ra s tiu m v u lg a t. (musareyra),
C. a l p in u m , C .a r c tic u m , G. g lo m e r a tu m , C. tr ig y n u m , G. a r v e n s e V . —
S i l e n a c e a e : S ile n e m a r itim a (holurt, pungagras, hjartagras), S . a c a u lis
(lambagras, holtarot), S . in fla ta (falkapimgur) ?, V is c a r ia a lp in a (kveisugras, augnfrse), L y c h n is flo s c u c u li (mukahetta). — E m p e t r e a e : E m p e tr u m n ig r u m (kraekiberjalyng, lusalyng; die Beere: krsekiber). —
G e r a n i a c e a e : G e r a n iu m s ilv a tic u m (storkablagresi, sortugras,litunargras), G . p r a te n s e (blagresi)?. — L i n e a e : L i n u m c a th a r tic u m (villilin).
— P o l y g a l e a e : P o ly g a la v u lg a r is (mjolkururt). — O n a g r a r i e a e :
C h a m a e n e r iu m l a ti f o li u m (purpurablom) ?, E p ilo b iu m a lp in u m ?, E .
p a lu s tr e (eyrarros), E . m o n ta n u m (Marluvöndur, liiminros), E . a ls in ifo liu m , C h a m a e n e r iu m a n g u s tifo liu m (sigurskufur). — H a l o r r h a g e a e : M y r i o p h y l l u m s p ic a tu m (Busundbladungur), M y r i o p h y l l u m
a lte r n ifo liu m , H i p p u r i s v u lg a r is (Festtag, hesthali, marhalmur). —
P o m a c e a e : S o r b u s a u c u p a r ia (reynir, F>orsbjörg) — R o s a c e a e :
S p ir a e a u lm a r ia (mjadarjurt), S a n g u is o r b a o ffic in a lU (bloödrekkur),
A lc h e m illa v u lg a r is (Marrastakkur), A . a lp in a (ljonslappi, ljönsfotur,
ljonsklo, kverkagras), S ib b a ld ia p r o c u m b e n s (fjallasmari, Sibaldsurt),
P o te n tilla m a c u la ta (gullmura), P . a n s e r in a (vormura, mura, murusoley, murutagar), P. to r m e n tilla (blodmura, blodrot), C o m a r u m p a l u s t r e
(engjaros, m^ratag, blodsoley), R u b u s s a x a tilis (hrutaberj alyng, Peturs-
254
Flora Islands. .
belti, die blütenlosen Stempel heißen: skollareipi), F r a g a r ia v esca
n. F . c o llin a (j ardarberj alyng, die Frucht: jardarber), D r y cts o c to p e ta la (holtasoley, Peturssoley; wenn die Blüten abgefallen sind,
heißt sie: harbruda: die Blätter heißen: rjupnalauf), G e u m r iv a le
(fjalldtela, fjallafitill, solsekvia? R o s a p im p in e llifo lia (fjallaros, Byrniros, villiros). — P a p i l i o n a c e a e : L o tu s c o r n ic u la tn s (kerlingartönn)?, T r ifo liu m , r e p e n s (smari, die Stengel heißen: smserur), M e c lica g o l u p u l i n a ?, A n th y l li s v u ln e r a r ia (kringlubelgur), V ic ia c ra c c a
(umfedmingsgras, krokagras), V. s e p iu m (flsekja), V. a n g u s tifo lia ,
L a t h y r u s p r a te n s is (flatbelgur), L . m a r itim u s (baunagras, villiertur).
— b ) M ono c o ty le d o n e a e . G r a m i n e a e : A lo p e c u r u s g e n ic u la tu s
(tougras, foxgras, refsliali), A . p r a te n s is (Tunarefshali) ?, A . f itlv u s ,
P h le u m p r a te n s e (Timotlieigras), P. a lp in u m (fjallarottuhali, lidagras),
H o lc u s la n a tu s (lodpuntur, löpuntur), H ie ro c h lo c t b o re a lis (reyrgresi),
A n th o x a n t h u m o d o r a tu m (reyrgras), M iliu m e ffu s u m (miliugras)?,
C a ta b r o s a a q u a tic a , A g r o s tis v u lg a r is , a lb a , c a n in a und r u b r a
{sännntl. blägresi), C a la m a g r o s tis s tr ic ta (reyr), P h r a g m ite s c o m m u n is
(J>akreyr) ?, A ir c t c a e s p ito s a (knappapuntur), A . a lp in a (kolpuntur),
A . fle x u o s a (die Wurzel heißt: snarrot), V a h lo d e a a tr o p u r p u r e a ?,
T r is e tu m s u b s p ic a tu m (punthali), S e s le r ia c o eru le a , P o a cinnuct (sveifgras), P. la x a (vetrarkvidi), P. a lp in a , P. t r i v i a l is , P. c o m p re ss a ? ,
P . n e m o r a lis , P. c a e s ia , P. B a lfo u r e i, P . p r a te n s is , G ly c e r ia f lu i t a n s ,
d is ta n s und B o r r e r i (ssetugras), D a c ty lis g lo m ea ta . (hundagras) ?, B r iz a
m e d ic t?, E n o d iu m c o e r u le u m , F e s tu c a o v in a (saudvingull), F . d iu r u s c u la , F . r u b r a , F . a r e n a r ia ? , F . p r a te n s is (tunvingull)?, B r o m u s
sq u c ir r o s u s ?, A g r o p y r u m r e p e n s (husapuntur), E ly m u s a r e n a r iu s
(melur, melgras, villihafrar, villihveiti; die Wurzeln: fuskuleggir, sumtag;
die Wurzelfasern heißen: sumtagsjjrsedir, das spitze Ende der Wurzel heißt:
sumtagsnal; wenn die Stengel mehr als eine Ähre tragen, heißt man sie;
melanuedur), E . a r e n . v. is la n d ic a (pungmelur) ?, JE. m in o r (hrafnamelur)?, N a r d u s s tr ic ta (villinardus, sinufinnungur, tödufinnungur). —
G y p e r a c e a e : G a r e x d io icct (sefstör), C. p u lic a r is (floastör)?, G. c a p i
t a t a , C. p a u c iflo r a ?, C. c h o r d o r r h iz a , C. m ic r o g lo c h in , C. r u p e s tr is ,
G. in c u r v a , C. a r e n a r ia (sandstör)?, C. m u r ic a ta , G. la g o p in a , C. n o r v e
g ic a , C. g la re o sa ?, C. f e s ti v a , G. s te /lu la ta , C. c u r ta , (hringabrok,
hringastör), C. a lp in a (raudbreskingur, raudbreyskingur), G. a tr c ita
(fjallastör), C. i n f u s c a t a C . liy p e r b o r e a , G. c a n e sc e n s , C. r ig id a ,
C. tu r fo s a , C. c ry p to c c c rp a , G. v a g in a ta , C. p u lla , G. v u lg a r is , G. s a
h n e t? , C. a q u c ttilis , C. O e d e ri? , C. c u r v ir o s tr a ?, C. lim o s a (tjarnastör),
(7. ir r ig u a , C. c a p illa r is , G. r a r iflo r a , C. p e d a ta , C. g la u c a , 0. a m p u lla c e a , (7. a n g u iila ta , (7. f il i p e n d u l a ?, C. c a p illip e s , K o b r e s ia s c ir p in a
(hrossapuntur), S c ir p u s p a u c iflo r u s , S . c a e s p ito su s , S . la c u s tr is .?, S ..c o m p r e s s u s ? , S . m a r it i m u s , H e le o c lia r is p a lu s tr is (myrasseldingur), H. Mmg lu m iS j H . a c ic u la r is (hrossanäl), E r io p h o r u m g r a c ile ? , E . a lp in u m
(fifa), E . a n g u s tifo liu m (klofifa, krossfifa), P . c a p ita tu m (hserukolla).
— A l i s m a c e a e : T r ig lo c h in p a lu s tr e (sseldingur), T. m a r itim u m
(sandlaukur). — J u n c a c e a e i J u n c u s b a ltic u s , J. a r c tic u s , J. filifo r m is , J . b ig lu m is , J . tr ig lu m is , P c a s ta n e u s , J. tr ifid u s , P a lp in u s
(fmrrasef), P s u p in u s (votasef), P s q u a r r o s u s (myrafinnungur), P b u fo r n iu s (finnungur), P la m b r o c a r p iis (ljosasef), P c o m p re ssu s (tödufinnun-
Flora Islands.
255
gur) ?, L u z u l a c a m p e s tr is (vallarsef), L . m u ltiflo r a . L . sp ic cita , L . a rc u a t a , L . h y p e r b o r e a . — M e l a n t h c i c e a e : T o fielclia b o re a lis (bjarnarbroddur)?, T . c a ly c u la ta (sikisgras, kverkagTas). — L i l i a c e a e :
A ll i u m o le r a c e u m (villilaukur, fulilaukur, geirlaukur?). — S m i l a c e a e :
M a ja n th e m u m b ifo liu m ? , P a r is q u a d r ifo lia (fjögralaufasmäri, lasagras,
lausnargras, pjofagras; die Wurzel: pjofarot). — O r c h i d e a e : C o ra llo r h iz a i n n a t a , O r c h is m a s c u la ? , 0 . la tifo lia ? , 0 . m a c u la ta (brönugras,
rauddepla), P la ta n th e r a litjp e rb o re a (Friggjargras, elskugras, brönugras;
die Wurzel: rsegirot, graörot, vinarot), H a b e n a r ia a lb id a (hjonagras,
hvitt brönugras), P e r is ty lis v i r i d i s ?, L is t e r a o vcita (svmakambur) ?,
L . c o r d a ta , C o e lo g lo ssu m v ir id e (pungvör).— P o t a m e a e : P o ta m o g e to n n a ta n s (grombitill, vallarelting, goibeytill, elftingur; zur Zeit der
Befruchtung: skollafotur; die Narbe: Gvöndarber, sultarepli), P . r u fe s c e n s ,
P . n ite n s , P . g r a m in e u s (faring), P. c r is p u s ?, P . p u s i l lu s , P. p e r fo l ia tu s , P. m a r in u s . — Z o s t e r a c e a e : Z o s te r a m a r in a (marhalmur).
— T y p h a c e a e : S p a r g a n iu m n a ta n s (svinakampur) Y, S . a n g u s tifo liu m (madkagras brusaliöfud).
B . Kryptogamae (isl. blömleysingjar): E q u i s e t a c e a e : E q u is e tu m a rv e n se (goubitill), E . u m b r o s u m (ssetutag), E . s ilv a tic u m
(hrossafffill) ? E . p a lu s tr e (kelduelting), E . flu v ia tile (tjarnarelting) ?
E . h ie m a le (eskigras), E . lim o s u m , E . v a r ie g a tu m . — F i l i c e s :
P o ly p o d iu m v u lg a r e (ssetutag), P. P h e g o p te r is (burmari), P. d r y o p te r is (krakufsetla), P. r h a e tic u m (fjallaburkni), W o ö d s ia ilv e n s is , v a r . h y
p e r b o r e a , A s p i d iu m lo n c h itis , P o ly s tic h u m f il i x m a s (burkni, storiburkni)? P. s p in u lo s u m ? C y s to p te r is fr a g i li s (tougras), A s p le n iu m
s e p te n tr io n a le , A . f i l i x fo e m in a , A . tr ic h o m a n e s , A . f o n ta n u m ?
B le c h n u m b o re a le (lusagras), B . b o re a le v. f a l l a x . B o tr y c h u u m lu n a r ia
(tungljurt),. O p h io g lo s s u m v u lg a tu m ? L a s tr a e a f i l i x m a s, L . s p im ilo s a
— I s o e t e a e : Is o e te s la c u s tr is J . e c h in o sp o r a (fiskiseti). — L y c o p od i a c e a e : L y c o p o d iu m sela g o (skollafingur), L . a n n o tiu m , L . a n n o tin u m v. a lp e s tr e , L . a lp in u m (jafni), L . c la v a tu m (jafnabrodir) ?
S e la g in e lla s p in u lo s a (vargslappi).
F o ssile F lora. In vorhistorischer' Zeit, in der miocaenen Periode (vgl. oben S. 4) hat auch Island, wie fossile
Funde uns zeigen, eine ganz andere d. h. viel höhere Flora
gehabt als jetzt. Nach Heer*) umfasst die bis jetzt bekannt
gewordene tertiäre Flora Islands 37 Arten. Vier dieser
Arten gehören zu den Kryptogamen, drei zu den Blatt
pilzen, eine Art zu Equisetum. Unter den Phanerogamen
treten die N ad e lh ö lz e r am stärksten hervor, indem. sie
in acht Arten erscheinen, von welchen sieben auf Pinus
fallen. Die häufigste Art ist A r a u c a r i t e s S t e r n b e r g i G ö p p .,
die in schönen Zweigen erhalten wurde, welche mit denen
*) „Flora tertiaria Helvetiae,“ bearbeitet von Dr. Oswald H eer.
Allgemeiner Theil, S. 317 ff.
Flora Islands.
256
des europäischen Continents ganz übereinstimmen. Die
Gattung Pinus tritt mit zwei Föhren. (P. thulensis Steenstr,
und Martinsi Hr.)7 drei Rothtannen (P. microsperma Hr.,
P. aernula Hr. u. P. brachyptera Hr.) und zwei Weiß
tannen (P. Steenstrupiana Hr. u. P. ingolfiana Steest.) auf.
Alle Nadelhölzer Islands, denen jetzt lebende verglichen
werden können, sind nordamerikanische Formen; keine
einzige Art entspricht einem europäischen Typus. Die
Monocotyledonen sind sehr wenig zahlreich; die Dicotyledonen hingegen vertheilen sich auf dreizehn Familien; es
sind lauter Strauch- und baumartige Gewächse. Die arten
reichste ist die der Betulaceen, welche mit drei Birken
und einer Erle auftritt. Die B irk e n (Betula macrophylla
Gp. sp.7 JB. prisca Ett und B. Forchhammeri Hr.) sind in
schönen Blättern, Deckblättern, Früchten und mit Rinde
bekleideten Asten gefunden. Die E rle (Ainus Kefersteinii
Gp.) kennen wir in schönen Fruchtzapfen vom HreSavatn
und gehört auch zu einer weit durch’s Tertiärland ver
breiteten Art. Sie weicht von den nordeuropäischen Erlen
durch die viel dickeren Fruchtzäpfchen ab und ebenso
sind die Birken gänzlich von den europäischen Formen
verschieden; die B . macrophylla entspricht ganz der B.
eccelsa Axt. der vereinigten Staaten, während die B. prisca
Ett. mit der nepalischen B. Rajpaltra Wall, verglichen
wird. — Auffallend ist, dass die W eiden nicht häufiger
erscheinen; es sind nur zwei Blätter bekannt, welche zu
Salix macrophylla Hr. gehören. Die Cupuliferen sind in
zwei Arten vertreten, einer H aseln u ss (Corylus grossedendata Hr.) und einer E ich e (Quercus Olafseni Hr.)
Von einer U lm e liegen prächtige Blätter vor, welche von
denen der lebenden und der übrigen tertiären Arten be
deutend ab weichen. Auch ein Blattrest von einer P la
tane (Platanus accroicles Gp.) ist gefunden worden. Der
am weitesten über das tertiäre Land verbreitete Baum ist
der großfrüchtige A h o rn (Acer otopterix Gp.). Es muss
dieser Baum durch seine prächtigen Früchte und schönen
handförmigen Blätter der isländischen Flora zum besondern
Schmuck der isländischen Wälder gedient haben. Sehr
ähnliche Blätter hatte eine W einr eb e (Vitis islandica Hr.)7
welche der Vitis vulpina L. nahe verwandt ist und wohl
257
wie diese hohe Schlingpflanzen gebildet hat. Sie entspricht
daher einem nordamerikanischen Typus, wie der Tulpenbaum (Liriodendron Procaccinii Ung.), von welchem
Steenstrup Blätter entdeckt hat. Ziemlich häufig scheint
eine Art W alln u ss (Juglans bilinica üng.) gewesen zu
sein. — Über die B rau n k o h le (Surtarbrandur) ist bereits
früher (vgl. oben S. 235) Näheres berichtet worden.
Über den Charakter der tertiären Flora im Allgemeinen
äußert sich Heer folgendermaßen: „Überblicken wir nun
nochmals diese Flora, so werden wir sehr bald finden,
dass sie gänzlich von derjenigen des heutigen Island ver
schieden ist; während die Waldvegetation dort fast ganz
fehlt und selbst die Birken und Ebereschen nur noch
kümmerlich gedeihen, bestand damals der Wald aus 24 Holz
pflanzen. Wie im Bernsteinland treten die Nadelhölzer viel
stärker hervor, als in den übrigen Tertiärfloren, indem sie
ein Drittel der Holzgewächse ausmachen; allein neben den
allerdings bis hoch in den Norden hinaufreichenden PinusArten erscheint auch der wohl zu Sequoia gehörende Araacarites Sternbergi. Unter den Laubbäumen tritt allerdings
der nordische Typus der Betulaceen in vier Arten auf;
allein daneben sehen wir auch die Platane, den Nussbaum,
Tulpenbaum, die Eiche und den Ahorn. Diese Pflanzen
welt ist indessen von der jetzt auf Island lebenden nicht
differenter, als die Tertiärflora des ganzen europäischen
Continents von der Pflanzendecke, die gegenwärtig das
selbe bekleidet. Schon Steenstrup hat auf den vorherr
schend am erik an isch en C h a ra k te r der isländischen
Tertiär-Flora aufmerksam gemacht. Er ist in der That
sehr in die Augen fallend, indem nicht nur der Tulpen
baum, der Nussbaum und die Platane auf Amerika hinweisen, sondern auch die Gattungen, die noch in Europa
leben, meist nicht in europäischen, sondern in amerika
nischen Typen repräsentiert sind, während die jetzige islän
dische Flora einen durch und durch europäischen Cha
rakter hat. Allein die miocaene Flora Europas überhaupt
war aus amerikanischen Typen zusammengesetzt und dieser
Charakter reicht auch in die hochnordische Insel hinauf.
Die Flora Islands stand zu der des europäischen Fest
landes zur miocaenen Zeit ganz in demselben Verhältnis,
Flora Islands.
P o e s t i o n , Island.
17
Fauna Islands.
258
wie zur jetzigen Zeit. Von 31 genauer bestimmten islän
dischen Pflanzen finden sich 15 in der europäischen miocaenen Flora wieder, unter diesen 13 Holzgewächse, und
zwar gerade die Arten, welche in Island am häufigsten
waren und daher voraus dort -die Wälder werden gebildet
haben. Die europäische Waldflora reichte also in jener
Zeit in 13 Holzgewächsen bis nach Island hinauf. Die
tropischen und subtropischen Formen sind zurückgeblieben.
Es sind nur solche Arten so weit nach Norden vorge
schoben, deren Typen jetzt in der gemäßigten Zone zu
hause sind. Der Tulpenbaum, der Nussbaum, die Wein
rebe, der Araucarites (Sequoia) sind die südlichsten Typen
der isländischen Flora.“
Die Fauna Islands.
Dieselbe Armuth, welche die Flora Islands charakteri
siert, finden wir auch in der Fauna dieses Landes. Der
Grund dieser eigentümlichen Erscheinung liegt haupt
sächlich darin, dass die geologisch sehr junge Insel keine
eigene Fauna hervorgebracht hat, sondern ganz auf die
Einfuhr derselben von außen angewiesen war, so dass sich
dort kein Geschöpf findet, welches nicht durch die Luft
oder das Wasser hingelangen konnte, abgesehen natürlich
von dem absichtlichen oder zufälligen Import auf Schiffen.
Die Fauna Islands gehört daher dem Boden des Landes
nicht in dem Sinne an, wie so manche ganz eigentümlich
gebildete Thiere mehrerer Inseln in südlichen Meeren.
Diejenigen Thiere, welche von der Natur nicht zum Wan
dern über das Meer eingerichtet sind, fehlen denn auch ganz
oder verdanken wenigstens besonders günstigen Umstän
den ihre Verpflanzung auf diese öde, entlegene Insel des
Nordens. Ob in den niederen Thierclassen, namentlich
unter den Insecten, in Island wirklich einheimische Arten
Vorkommen, ist wohl noch nicht gehörig ermittelt, doch
scheint es nicht der Fall zu sein. Von landbewohnenden
259
Säugethieren kommen allein zwei, der Fuchs und der Eis
bär, nicht durch das Zuthun des Menschen, mit den Schol
len des Treibeises nach Island, alle übrigen, die man jetzt
findet, das Schaf, das Pferd, das Schwein, das Hornvieh,
der Hund u. s. w. bilden ein Gefolge des menschlichen
Geschlechts. Gleichwie die kälteren Zonen unseres Erd
körpers zur Entwicklung lebender Wesen nicht so geeignet
sind, so scheinen auch in der Zeit, als Island sich aus dem
Meere allmählich hervorzuheben begann, jene günstigen
Bedingungen in der Natur vorüber gewesen zu sein, wo
noch höhere Organismen nicht auf dem Wege der jetzigen
Erzeugungsweise entstehen konnten.*)
Die Armuth an Gattungen wird jedoch auf Island bei
einigen Arten durch überreiche Zahl der Individuen ver
deckt. Als die Herren des Landes erscheinen unter den
Thieren die Vögel und zwar die Wasservögel, welche hier in
beispielloser Menge vorhanden sind; sie spielen auf Island
auch insoferne die wichtigste Rolle unter den Thieren,
als sie fast allein dem Menschen das Leben auf der Insel
möglich machen; denn sie gewähren ihm so vielseitigen
Nutzen, dass man sich, wie William Preyer sagt, das islän
dische Volk, dieser Lebensquelle beraubt, kaum vorzu
stellen vermag. Nächst den Vögeln sind es die Fische
und zwar sowohl die Süßwasser- wie die Seefische, welche
auf Island in überaus reichlicher Menge Vorkommen und
ebenfalls einen der Hauptnahrungsweige der Bewohner
dieser Insel bilden. Merkwürdig ist es, dass R e p tilie n
und A m phibien auf Island gänzlich fehlen, obwohl mit
dem Reichthum an kleinen Insecten, mit den wenigstens
im Südlande günstigen, klimatischen Verhältnissen und mit
dem Vorhandensein großer Torfmoore und nie gefrierender
Wasserbecken, alle Bedingungen für ihre Existenz gegeben
sind. In den zahlreichen Sümpfen findet sich nicht ein
einziger Frosch, und noch nie ist eine Schlange, eine Blind
schleiche, nicht einmal eine Eidechse, geschweige denn
eine Schildkröte auf der Insel gesehen worden, so zahlreich
auch daselbst die Sagen von WTisserschlangen u. dgl. sind.
Fauna Islands.
*) Keilhack, Reisebilder aus Island. Gera, 1885, S. 141 ff. Sartorius
you Waltershausen a. a. O. S. 45—46.
17*
260
Fauna Islands.
Arm an Arten, aber reich an Individuen ist auch die
In se c te n fa u n a . Unter den Käfern stellen kleine Carabiden, Laufkäfer, das Hauptcontingent. Sie finden sich
noch in der Nähe der Schneegrenze, wo alles andere Insectenleben bereits ein Ende hat. Blattkäfer scheinen
völlig zu fehlen, ebenso Bockkäfer, während Blütenkäfer
in einigen sehr kleinen Arten sich finden. Größere Käfer
sowie auffällig und bunt gezeichnete, fehlen gänzlich. Eben
sowenig gibt es Tagfalter unter den Schmetterlingen.
Überhaupt finden sich von Schmetterlingen nur einige
Eulen und Spanner, diese aber relativ häufig. Bienen,
und Ameisen fehlen gänzlich. Ein größeres Contingent
stellen die Zweiflügler, hauptsächlich Fliegen und Mücken.
Flöhe, Läuse und Wanzen scheinen auf Island nur aus
nahmsweise vorzukommen, was bei dem Schmutze und der
Unsauberkeit in den Hütten der Isländer gewiss sehr auf
fallend ist. Von W ürm ern kommt unser gemeiner Regen
wurm auf Island in geradezu unglaublichen Mengen im
Pferdedünger, unter Steinen, im trockenen Torfboden und
auf den Wiesen vor.*)
Überaus mannigfaltig ist das n ie d e re T hie rie b e n
im M eere um Island, beziehungsweise an den Küsten der
Insel. Diese Mannigfaltigkeit, welche man so hoch im
Norden sonst nicht erwartet, erklärt sich dadurch, dass
nicht nur der Polarstrom und die warme Drift jedes ein
eigenthiimliches Thierleben mit sich führen, sondern auch
dass das Meer um Island verhältnismäßig warm ist. Denn
nach den irn Jahre 1868 gewonnenen, für die Biologie des
Meeres so überaus wichtigen Resultaten der „Lightning“Expedition (Staff Commander May, wissenschaftl. Leiter
Carpenter und Wyv. Thomson) ist es nicht etwa die Tiefe,,
sondern die Temperatur, welche die Existenz und Mannig
faltigkeit des Lebens in der Meerestiefe bestimmt. Das
niedere Thierleben des Island um spülenden Meeres ist.
jedoch noch wenig untersucht worden und daher auch
wenig bekannt.
Von den S ä u g e th ie re n (isl. spendyr, n.) kommen
auf Island als H a u sth ie re (isl. alidyr) vor: das Rind
*) Keilhack a. a. O. S. 142 ff.
261
(Bos taurusL.j isl. naut, n.), das Schaf (Ovis aries L., isl.
saudur, m.), das Pferd (Equus cciballus L., isl. hestur, m.),
der Hund (Canis familiäris L , isl. hundur, m.), die Katze
(Felis domestica L., isl. köttur, m.) und die Ziege (Capra
hircns L , isl. geit, f.); das Schwein (Siis scroja domestica L.,
isl. svi'n, n.) früher auf Island sehr verbreitet, ist jetzt
ziemlich selten geworden. Von allen diesen Hausthieren soll
später noch ausführlicher die Rede sein.
W ilde L a n d th ie re (isl. landvillidyr) findet man
auf Island nur ganz wenige; darunter fehlt jedoch natür
lich nicht der P uch s, nämlich der w eiße oder PolarF uchs (Canis lagopus L.). Derselbe hat im Isländischen
eine Unzahl von Namen, deren zehn der folgende Vers
enthält:
Fauna Islands.
„Refur og holtajjorr, melrakki, dratthali, bitur,
bloddrekkur, tortrygg, lägfseta, skolli, toa“ ;
damit ist aber die Zahl noch lange nicht erschöpft”); die
gebräuchlichsten davon sind: töa fi, refur, m, und melrakki,
m. Der Fuchs war auch auf Island frühzeitig wegen seiner
Schlauheit und Gefährlichkeit für die Heerden einerseits
verhasst, andererseits der Gegenstand verschiedenen Aber
glaubens. **) Auf Island war es auch, wo das älteste
dichterische Erzeugnis auf dem Gebiete der Fuchssage im
skandinavischen Norden entstand. ***) Der Fuchs findet sich
in ziemlich großer Menge vor, ja zeitweise so zahlreich,
dass er durch den Schaden, den er den Schafen zufügt,
wenn dieselben auf den Hochweiden sich aufhalten, geradezu
zu einer Landplage wird. Es ist auch sehr schwer, ihm
in den unwegsamen, öden Gegenden, in denen er haust,
an den Leib zu kommen; gleichwohl wird er seines Pelzes
wegen fleißig gejagt.
*) Vgl. E. Kolbing*, Beiträge zur vergleichenden Geschichte der
romantischen Poesie und Prosa des Mittelalters unter besonderer Berück
sichtigung der englischen und nordischen Literatur. (Breslau, 1876)
S. 248 ff.
**) Vgl. K. Maurer, Isländische Volkssagen der Gegenwart, S. 169.
***) Diese wenig bekannte Dichtung „Skaufhalabälkr“ d. h. Zottel
schwanz (d. i. Fuchs)-Lied betitelt, ist abgedruckt und mit reichlichen Er
klärungen versehen zu finden in E. Kolbings eben genanntem Werke.
S. 242—255.
262
Fauna. Islands.
E isb ä re n (Ursus maritimus, isl. björn. hvitabjörn, ni.
d. h. weißer Bär; plur.-birnir; die Bärin heißt bera, f.,-ein
Bärenjunges hunn, m.) kommen nur vereinzelt vor, wenn
sie mit dem Treibeise von Grönland oder Spitzbergen nach
der Insel gelangen und hier an’s Land gehen. Sie sind
dann eine willkommene Jagdbeute. Der Fuchs und der
Eisbeer sind die einzigen Raubthiere, welche auf Island
Vorkommen.
In der alten Zeit wurden auf Island bisweilen Eisbären gezähmt
und dann für kostbare, eines Königs würdige Geschenke angesehen,
fnghnundr gamli schenkte dem Könige Haraldr harfagri / eine Bärin,
welche er beim Hunavatn gefangen hatte. Der Priester Isleifr Gissurarson, der später Bischof auf Island wurde, hatte auf seiner Reise nach
dem Süden einen Eisbären mit, den er später dem Kaiser Heinrich zum
Geschenk machte. Es stand daher damals das Bärenfell ungemein hoch
im Preise. Aus diesem Grunde bestimmte im Jahre 1563 Friedrich der
Zweite von Dänemark, dass nur der König das Recht haben sollte,
isländische Bärenfelle zu kaufen; dieses Gebot wurde im Jahre 1648
erneuert und bis in’s letzte Menschenalter noch wurden alle Eisbärenfelle
auf Island dem Landvogte eingesandt, der sie für den König ankaufte.
R e n th ie re (Cervus tarandus L .; isländ. hreinn, m.
hreindyr, n.) befinden sich erst seit etwas mehr als hundert
Jahren auf Island. Es wurden wiederholt (zuerst im
Jahre 1771) Thiere aus Finnmarken dahin geschickt, damit
sie sich dort fortpflanzen und den Isländern zu ähnlichem
Nutzen wie den Lappländern in Finnmarken gereichen
sollten. Die ersten wurden in der Gullbringu Sysla, andere
in der Eyjafjardar-, in der Rangarvalla-, in der Nordur Efingeyjar-, in der Nordur Müla Sysla in Freiheit gesetzt; die
selben vermehrten sich binnen Kurzem so rasch, dass es
in den bewohnten Theilen Islands mehrere nicht unbe
trächtliche Herden davon gab. Wie Dr. Keilhack er
zählt, hat ihre Zahl seit dem Jahre 1860, wo zuerst eng
lische Sportsmen die ihnen ja leichter als uns erreichbare
Insel besuchten und große Blutbäder unter diesen Thieren
anrichteten, bedeutend abgenommen, so dass man ihren
Bestand zur Zeit nur auf 250 Stück schätzt. Eine solche
Herde hält sich gerne in der Ärnes Sysla auf und zwar
in den Bergen in der Nähe des mächtigen Gebirgsstockes
Hengill; besonders aber im südöstlichsten Theile der Sudur
Jpingeyjar Sysla leben Herden, welche sich im Myvatns.-
263
örsefi und den oberhalb davon gelegenen Gegenden auf
halten. Auch die Fljötsdalsheidi, die ja unmittelbar in
das innere Hochland übergeht, ist seit einigen Decennien
ein beliebter Aufenthaltsort für die Renthiere.
Fauna Islands.
Der Nutzen, den die Isländer von den Renthieren wirklich
haben, ist sehr gering und entspricht durchaus nicht den Erwartungen,
die man an den Import dieser Thiere geknüpft hat; und dies war ja
auch vorauszusehen. Das Renthier wird niemals zahm, sondern muss
um zu leben, jedes Jahr zwischen Gebirg und Strand umherziehen
können und sein Besitzer muss ihm folgen. Dasselbe passt daher nur
für ein Nomadenvolk; ein ackerbautreibendes, sesshaftes Volk aber zu
Nomaden zu verwandeln ist selbstverständlich ebenso unmöglich, als es
verderblich sein würde. Wenn man jedoch den Isländern durch die
Renthiere ein gutes Wild, liefern wollte, so hat sich auch diese Er
wartung nur schlecht erfüllt; denn so zahlreich sich auch die Thiere
bald vermehrt hatten, so wurden sie doch nur selten gesehen, da sie
sich, wie schon bemerkt, in den abgelegensten wilden Einöden aufhalten.
Nur im Winter, wenn der Hunger sie dazu treibt, kommen sie in die
niederen, bewohnten Gegenden hinab, und werden dann häufig erlegt,
namentlich im Südwesten. Im Übrigen aber sind sie wie die Isländer
behaupten, eher zum Schaden als zum Nutzen, da sie auf den Hoch
ebenen das isländische Moos auffressen, welches, Avie wir oben gesehen
haben, von den Leuten fleißig gesammelt wird.
Auch H asen (Lejous timidus L .; isl. heri, m.) und
K an in ch en (Lepus cuniculus L .; isländ. kanina, f. und
kuningur, m.) hat man nach Island verpflanzen wollen,
aber ohne Erfolg.
M äuse {Mus musculus L .; isl. mus, f., plur. mys) und
R atten {Mus decumanusV.; isl. valska, f. [= völsk mus
d. h. wälsche Maus] oder rotta, f.) hingegen, welche durch
die Schiffe eingeführt wurden, haben sich auf Island in
solcher Menge verbreitet, dass sie an einzelnen Orten z. B.
auf den Bjarneyjar, die besonders von Mäusen heimgesucht
sind, geradezu zu einer lästigen Plage geworden sind. *)
Das Vorkommen einer, wie man meint, ursprünglich auf
Island heimischen Mäuseart, der „islän d isch en M aus“
{Mus islcindica) ist problematisch; sie ist vielleicht iden
tisch mit der großen W aldm aus {Arvicolct oeconomus,
isländ. skögarmüs), weiche ebenfalls importiert sein dürfte.
") Über die Rolle, welche die Maus im isländische Volks aberglauben
spielt, vgl. K. Maurer, Isländ. Volkssagen S. 169—170. — Henderson,
Iceland (in d. deutschen Übersetzung, II. Bd., S. 192 ff.) erzählt eine
hübsche Geschichte von dem Scharfsinn der Mäuse auf Island.
264
Fauna Islands.
So arm Island an L a n d sä u g e th ie re n ist, so reich
ist es dafür an Säugethieren, welche sich im Meere an
den Küsten des Landes aufhalten.
Da sind vor allen verschiedene Arten des Seehunds
(isl. selur, m.) zu nennen, als Phoca groenlandica (isl. vö9uselur), Phoca foetida (isl. utselur), Phoca vitulina (isl landselur), Stemmatopus cristatus (isl. blöcfruselur) u. s. w. Einige
dieser Arten besuchen auch die Flüsse und fangen Lachse,
wodurch sie oft bedeutenden Schaden anrichten; doch ver
schwindet dieser gegenüber dem Nutzen, welchen die Islän
der vom Seehund ziehen oder doch ziehen könnten, indem
sein Fleisch., besonders das der Jungen, ein beliebtes Gericht
einer isländischen Mahlzeit bildet, und auch sein Fell für
die Isländer sehr wertvoll ist. An manchen Orten wird
denn auch dem Seehunde ein besonderer Schutz zutlieil;
am Brei9ifjör9ur wird er geradezu wie eine Art Haus
thier behandelt. Es ist hier, wie Kaalund*) erzählt, wegen
der Seehunde jedes Schießen verboten und es fällt nie
mand ein, ein erwachsenes Weibchen zu tödten; hingegen
ziehen die Eigenthümer der Inseln einen großen Gewinn
von den jungen Thieren, die hier im Frühjahre oder im
Herbste geboren werden, je nachdem sie der einen oder
anderen der beiden hier gewöhnlichen Arten des Seehunds
angehören. Es findet deshalb auch zweimal im Jahre die
Tödtung der Jungen (lsepa) statt, wobei es jedoch für
schmählich gehalten wird, das Junge zu erschlagen, ohne es
früher vom Schlafe geweckt zu haben. Man nimmt ganz
besonders von den im Herbste werfenden Seehunden an, dass
das Männchen (brimill) es sei, welches den Aufenthaltsort
des Paares bestimme, und hält sich daher noch mehr zu
rück ein Männchen zu tödten als ein Weibchen (urta).
Uber den Seehundsfang im Besonderen werden wir
später Gelegenheit haben, ausführlicher zu sprechen. Hier
sei nur noch bemerkt, dass die Seehunde, wie ja fast
alle Wasserthiere, in der Volkssage und im Aberglauben
der Isländer eine bedeutende Rolle spielen. Vgl. hier
über K. Maurer, Isländische Volkssagen der Gegenwart,
S. 172, ff.
*) S. a. a. O. I., S. 494—495.
265
Das W alross (Trichechus rosmarus L .; isländ. rostungur, m.) kommt nur ausnahmsweise mit dem Treibeise
nach Island. Die Hauer werden zu allerlei Geräthen ver
arbeitet und sind sehr gesucht.
Zahlreicher sind die W alfischarten (Balama; isländ.
hvalur, m.), welche sich in dem die Insel umgebenden
Meere befinden; davon kommen am häufigsten vor: Del
phinus Phocoena (isl. linysa fA, Delphinus delphis (isl. marsvin, n.), Delphinus globiceps (isl. höfrungur, m.), Delphinus
orca (isl. hahyrna?), Balaenoptera boops (isl. andarnefja f.),
Balaena mysticeius (isl. slettbakur, m.) und Balaenoptera
musculus (isl. steypireydur oder reydur, m.). Schon im alt
norwegischen „Königsspiegel“, der aus dem 13. Jahrhundert
stammt, finden sich die Wale Islands ausführlich besprochen
und in Bezug auf ihre Größe u. s. w. beschrieben. In
dem betreffenden interessanten Capitel *) — der ä lte ste n
C etologie — werden folgende altnordische, beziehungs
weise isländische Namen von Walen angeführt: lmydingr,
hnisa leiptr, vögnhvalr, andhvalr, svmhvalr hrafnhvalr,
hvitingr, skjaldhvalr, geirhvalr, bardhvalr, fiskreki, burhvalr, slettibakr, hafrkitti, hrosshvalr, raudkembingr, nahvalr, skeljungr, nordhvalr, reydr, hafgufa, rostungr.
Fauna Islands.
In alter Zeit waren die Wale viel häufiger als jetzt. In den Sagas
z. B. kommen häufig Erzählungen von gestrandeten Walen und den
oft blutigen Kämpfen wegen vermeintlicher Beeinträchtigungen und
Kränkungen bei der Theilung der Beute vor. In den alten Gesetzen
finden sich darum auch genaue Bestimmungen über die Theilung eines
„Wal-Wraks“. Ein solches „Wal-Wrak“ konnte entweder verendet sein
oder sich in seichtem Grunde festgelaufen haben; gewöhnlich aber war
das Thier durch eine Harpune getödtet worden. Da man es nämlich
nicht verstand, dem verwundeten Thier mit Hilfe einer an der Harpune
befestigten Leine zu folgen, bis es todt war, musste man es dem Zufall
überlassen, ob und wo es an’s Land treiben würde. Derjenige, dessen
Harpune im Fleische des Thieres saß, hatte dann Anspruch auf einen
großen Tlieil der Beute; man versah deshalb seine-Harpunen mit einem
Kennzeichen und machte dieses auf dem Althing bekannt. Es geschieht
auch heutzutage noch von Zeit zu Zeit, dass ein Wal ans Land treibt,
der entweder von einem isländischen Boote aus verwundet worden oder
den Nachstellungen eines fremden Walfischfängers entkommen ist, und
*) Ygl. Speculum regale. Ein altnorwegischer Dialog - heraus
gegeben von Dr. O. Brenner, p. 27—30, und dazu K. Maurer und
J. Zacher in: Z e i t s c h r i f t für d e u t s c h e P h i 1o 1o g i e, herausgegeben
von E. Hopfner und J. Zacher. IV. Bd., S. 81—82.
266
Fauna Islands.
ein solches Ereignis ruft dann immer eine große Freude unter den
Bewohnern der betreffenden Gegend hervor, die für ihre Mithilfe beim
Flensen ihren Antheil an der Beute erhalten. Aber einen besonderen
Vortheil haben die Isländer von den Walen nicht, da sie nicht im Stande
sind, Schiffe mit den amerikanischen Granatharpunen — bekanntlich eine
Erfindung Mr. Roys — auszurüsten, deren sich die fremden Walfisch
fänger bedienen. Eine eigenthümliche Art Wale zu fangen, haben die
ArnfirÖinger in der Isafjardar S^sla. Das Weibchen vom Wal kommt
hier in die kleineren Buchten des Fjords um zu kalben und bleibt dann
eine Zeit lang im Fjorde, um das Kalb aufzuziehen, indem es dasselbe
beständig auf der gleichen Strecke herumführt. Wenn die Zeit heran
kommt, wo die Mutter mit dein Kalbe in die See hinausgehen will, har
puniert man das Kalb. Zwei Jahre später kommt das Weibchen aber
mals in den Fjord und es wiederholt sich derselbe Vorgang. Wenn
eine solche Walmutter mehrere Male im Fjord gewesen ist, kann es
geschehen, dass man sie an irgend einem Merkmale wieder erkennt und
dass sie dann ihren eigenen Namen, gewöhnlich einen Kuh-Namen, er
hält. Als Nahrungszweig hat diese Art des Fanges jedoch wenig zu
bedeuten, da das Walkalb nur für eine kleine, aber allerdings sehr
leckere Mahlzeit ausreicht für jede der Familien, aus denen sich jemand
an der Jagd betheiligt hat.*) S agen vom Wal s. bei K. Maurer,
Isländische Volkssagen der Gegenwart. S. S. 16, 34, 146 und 183.
Vögel (isl. fuglar, sing, fugl, m.) sind auf Island zwar
ebenfalls nicht in sehr vielen Arten, dafür aber in manchen
derselben um so zahlreicher vertreten. 80 Species nisten jetzt,
nach Keilhack, auf Island, darunter 21 Anatiden, nämlich
2 Schwäne, 4 Gänse, 13 Enten und 2 Sägetaucher, ferner
10 Mövenarten, 7 Alke und Lummen und 4 Raubvögel. Von
Singvögeln findet man Rothdrossel, Zaunkönig, Schneeammer
und Wiesenpieper, die letzteren beiden häufig. „Das erste
Leben, welches der Islandsfahrer gewahr wird, wenn er sich
dem Lande nähert, sind die großen Schwärme von Seevögeln,
die in ganzen Wolken die äußersten Felseninseln um
kreisen oder sitzend in langen, weißen Streifen die Absätze
der Abhänge gleichsam mit Streifen von Schnee zeichnen.“
Auch die Küsten sind überall von ihnen bevölkert und
belebt. Ganz unglaubliche Mengen aber halten sich auf
einzelnen Felseninseln und Vorgebirgen auf, die deshalb
auch den Namen V og elb erge (fuglabjörg) erhielten.
Dieselben sind oft derart mit Vögeln bedeckt, dass man
auch nicht eine freie Stelle entdecken kann; dabei werden
C. Rosenberg’s „Fra Island i Nutiden“ (Kjöbenhavn 1877)
S. 114—115.
267
sie überdies noch von einer ungeheuren Schaar umschwärmt,
welche die Luft mit ihrem jammernden Klageruf erfüllt.
Solche Vogelberge (beziehungsw. Vogel-Inseln) sind u. a.
das L a tra b ja rg in der Bardastrandar Svsla, das H orm
b ja rg in der Isafjardar Svsla, die Insel D rang ey (zur
Skagafjardar Svsla gehörig), außerdem die Ostküste der
Insel G ri m s e y (zur Eyjafjardar Svsla gehörig), die V e s t m a n n a e y ja r u. s. w. Das Gefieder dieser Seebewohner
ist, wie der ganze Norden, einförmig; die weiße, graue
und braune Farbe sind die vorherrschenden. Auch die
Süßwasserseen sind oft von unzähligen Schaaren von
Schwimmvögeln belebt, so z. B das Mvvatn u. a. Sonst
ist das Innere der Insel häufig ganz arm an Vögeln; man
kann sogar, wie Sartorius v. Waltershausen berichtet, viele
Meilen weit reisen, ohne auch nur einen einzigen zu sehen.
Dennoch fehlt es auch nicht an Landvögeln, welche man
cher sonst so traurigen Landschaft des inneren Hochlandes
einiges Leben verleihen und den Wanderer auf seinem
öden Wege zerstreuen und erheitern. Auch ist das Gefie
der der Süßwasservögel und Landvögel nicht so einförmig
wie das der Meervögel, sondern häufig von großer Bunt
heit und Schönheit, so dass die düstere Natur auch in
dieser Hinsicht einigermaßen belebt wird. Schon oben
haben wir angedeutet, wie wichtig die Vögel für die
Bewohner der unwirtlichen Insel sind und welchen Nutzen
sie denselben gewähren. Einige Arten, besonders von den
Landvögeln, werden gegessen; von anderen sammelt man
die Eier, wovon viele sehr wohlschmeckend sind und eben
falls zur Nahrung dienen; wieder andere liefern kostbare
Federn in reichlichster Menge. Diese Vögel erfreuen sich
daher auch eines ganz besonderen Schutzes von Seiten der
Eingebornen ■ und bilden so eine der wenigen und darum
wichtigsten Quellen des Erwerbes für dies sonst so arme
Land.
Die bemerkenswertesten W asserv ö g el sind:
Die E id e re n te oder E id e rg a n s (Somateria mollissima, isl. sedarfugl; das Männchen heißt: sedarbliki, das
Weibchen: sedur), der weitaus wichtigste Vogel Islands.
Dieselbe hält sich in großer Anzahl fast an allen Küsten
der Insel auf, vorzüglich aber dort, wo viele kleine Inseln
Fauna Islands.
Fauna Islands.
268
und Scheeren vorhanden sind; der inselreiche Brei9ifjör9ur
ist daher der Hauptaufenthaltsort für dieselbe. Die Eider
gans ist den Menschen durch ihr Fleisch und ihre Eier,
am allermeisten aber durch die zarten Federn, welche sich
das Weibchen zur Auskleidung des Nestes aus der Brust
reißt, und die unter dem Namen Eiderdunen oder Daunen
(isl. seJardünn oder dünn, m.) bekannt sind, nützlich. Diese
letzteren stehen sehr hoch im Preise und bilden seit der
Mitte des 18. Jahrhunderts einen Haupt-Exportartikel
Islands. Der Besitz einer Insel oder Scheere, auf der
Eiderenten brüten, ist daher unter den Isländern ein viel
beneidetes, viel begehrtes Glück, und die Besitzer von
Inseln oder Scheeren, die noch nicht von diesen Thieren
bewohnt sind, wenden allerlei Mittel an, dieselben dahin
zu locken. Ja, man bildet häufig sogar künstliche Insel
chen in der Hoffnung, dass der Vogel sich darauf nieder
lassen und brüten werde. Besitzt nun jemand eine solche
Insel oder Scheere, auf der sich Eiderenten niederzulassen
begannen, so sucht er, wenn er dies nicht schon früher
gethan hat, denselben so gute und angenehme Brutplätz
chen als nur möglich zu bereiten. Sodann wird er den
Vogel vor seinen Feinden zu beschützen suchen, als da
sind: der Adler und der Fuchs, welche ihm selber nach
stellen, der Rabe, welcher die Eier und die Jungen raubt,
und andere Vögel, die nur die Eier rauben. Dem beste
Wächter über die Eiderenten soll nach Olafur Stephansson*) der Falke sein, da dieser Vogel denselben nicht njir
keinen Schaden zufügt, sondern sie im Gegentheil vertheidigt und seine Nähe sowohl vom Fuchse wie vom Adler
gemieden wird. Da man aber dem Falken nicht befehlen
kann, sein Nest zu bauen, wo man es wünscht, muss man
sich in der Regel selbst helfen. Auch gegen unbefugte
Ruhestörungen und Nachstellungen durch Menschen müssen
die Thiere geschützt werden. Übrigens ist in diesem Punkt
auch das Gesetz sehr streng. Wer ein Ei oder Dunen
wegnimmt oder irgendwo eine Eiderente schießt, wird wie
ein Dieb bestraft. Zur Brütezeit (vom 12. Mai bis 24. Juli)
*) In einer Abhandlung' „Um AGdurvarp“ in den Schriften der
isländischen Literaturgesellschaft, IV. Bd. (1784).
269
darf eine solche Insel von Fremden in der Regel gar nicht
betreten werden, und auch diejenigen Personen, welche
regelmäßig die Einsammlung der Eier und Dunen vor
nehmen, dürfen, wenn sie auf der Insel sind, nicht laut
sprechen, nicht hart auftreten, am allerwenigsten aber
Hunde mitnehmen, welche die Vögel durch ihr Gebell
erschrecken. Wenn eine Insel oder Scheere erst seit kurzer
Zeit ein Brutplatz der Eiderente ist, tliut man jedoch am
klügsten, dieselbe einige Jahre ganz unberührt zu lassen,
damit die Thiere daselbst vollkommen heimisch werden.
Der rationelle Schutz und die ganze Behandlung, welche
die Isländer den Eiderenten seit langer Zeit angedeihen
lassen, sind denn auch als musterhaft anerkannt und
namentlich den übrigen nördlichen Ländern, in denen die
Eiderente noch zuhause ist, wiederholt zur Nachahmung
empfohlen worden. Die Art und Weise, wie die Isländer
zuwerke gehen, um von den Eiderenten recht viele Eier
und Dunen zu erhalten, ist dagegen keineswegs sehr
schonungsvoll.
Fauna Islands.
Preyer und Zirkel beschreiben dieses Vorgehen wie folgt: „Wenn
die Eiderenten Ende Mai zu legen beginnen und 4—6 Eier gelegt sind,
nimmt man sie mit den Dunen fort, worauf die Eiderente sich genöthigt
sieht, abermals Eier zu legen (diesmal nur 3—4) und das Nest auf’s
Neue mit Dunen auszufüttern, die sie sich mit dem Schnabel aus Brust
und Bauch ausrupft. Hierauf werden grausam die Eier und Dunen
nochmals fortgenommen und die ihrer Federn und Eier beraubte Ente
muss zum dritten Male brüten. Aber es fehlt ihr an Dunen. Sie ruft,
traurig das geplünderte Nest betrachtend, ihren zärtlichen Gatten her
bei, und dieser gibt bereitwillig Dunen zum Nestbau her, die sich durch
ihre weiße Farbe leicht von den graubraunen des Weibchens unter
scheiden lassen und von geringerer Güte sind. Werden nun zum dritten
Mal die Dunen und Eier fortgenommen, was früher vielfach geschah, so
verlässt der arme Eidervogel seinen Brutplatz und kehrt niemals wiedet.
Er sucht sich fern von den herzlosen gewinnsüchtigen Menschen eine
einsame Insel zur Wohnung aus, um ungestört dem Naturtriebe ge
horchen zu können.“
Der Eiderenterich, welcher während der ganzen Brüte
zeit sich in der Nähe des Weibchens aufzuhalten pflegt und
ihm allerlei zärtliche Liebesdienste erweist, verschwindet
bald nachdem die Jungen ausgekrochen sind, und es ist
anzunehmen, dass er andere innerhalb der Polarzone
liegende Gegenden aufsucht. Der Eiderenterich wird im
Fauna Islands.
270
dritten (nach Faber erst im fünften) Sommer zeugungs
fähig. Er zeichnet sich durch ein schönes weiß-schwarzes
Gefieder leicht vor dem braunen, unscheinbaren Weibchen
aus. Die Seiten seines Halses sind seegrün gefärbt, der
Kopf glänzend schwarz mit einem weißen Längsstrich am
Kacken. Der Rücken ist weiß, der Bauch schwarz.*)
Uber die Dunen als Handelsartikel wird später ausführ
licher die Rede sein.
Der S eepapagei (Mormon fratercula; isländ. lundi,
m. und wegen seines einer Bischofsmütze ähnlichen Schnabels
auch: prestur — wie in Cornwall priest und im übrigen
England: pope — genannt; die Jungen heißen kofu r, sing,
kofa oder p y sju r, sing, pvsja); derselbe liefert ebenfalls
geschätzte Federn, die in der ersten Hälfte dieses Jahr'
hunderts in großen Quantitäten ausgeführt wurden und
auch jetzt noch einen nicht unwichtigen Handelsartikel
bilden; besonders die Federn der Jungen sind ganz aus
gezeichnet. Außerdem liefern sowohl die Eier wie auch
die fetten jungen Vögel den Isländern eine sehr schmack
hafte Speise. Dem Seepapagei wird daher ein ähnlicher
Schutz zutheil, wie der Eiderente und es ist gleichfalls
verboten, Eier, Junge oder alte Vögel zu ergreifen, zu
fangen oder zu töclten. Dieser Vogel lässt ein eigenthümliches Knurren hören, welches fast unheimlich klingt.
Dieses Knurren und der Schnabel haben denn auch dem
Vogel seinen Namen gegeben. Der Seepapagei ist zwar
ebenfalls fast auf der ganzen Insel d. h. an der Küste,
auf Gestadeinseln und Scheeren in größter Menge anzutreffen, aber doch nirgends so zahlreich als auf den Inseln
des Brei3ifjör3ur und auf den Vestmannaeyjar.
Die oben genannten Gewährsmänner berichten von einem Besuche
auf einer von diesem Vogel bevölkerten kleine Insel (Akurey bei Reyk
javik): „Schon auf der Hinfahrt hatte uns die außerordentliche Menge
von Seepapageien, die scharenweise an uns vorüberflogen, in Erstaunen
gesetzt. Jetzt aber, als wir landeten, kannte dasselbe keine Grenzen.
Von dem die Insel unmittelbar umgebenden Meere war kaum noch
etwas zu sehen, so wurde dasselbe von diesen Vögeln bedeckt und
ebenso die Felsen und das Gras der Insel selbst. Der Rasen war überall
vollständig durchlöchert, durchgraben und in Kammern getlieilt. Diese
unterirdischen Kammern sind die Nester der Vögel, in die sie ein schnee
*) Preyer und Zirkel a. a. 0. S. 56—57.
Fauna Islands.
271
weißes Ei zu legen pflegen, welches aber von dem es umgebenden gelben
thonigen Erdreich sehr bald eine gelbbraune Farbe annimmt. Es ist nicht
ganz leicht, sich diese Eier zu verschaffen, indem eine Armeslänge kaum
ausreicht, um bis an das Ende des Loches zu gelangen, wo überdies
das brütende Thier mit seinen Krallen und hartem Schnabel dem Ein
dringling nicht unempfindliche Schmerzen verursacht;“
Der wilde Singschw an*) (Cygnus muslcus; isländ.
svanur, m. und alpt, f.) ist auf Island ebenfalls sehr häufig
und der größte Vogel der Insel. Er scheint sowohl in
großen Schaaren wie in einzelnen Paaren und zwar ebenso
gerne am Meere wie am Süßwasser zu leben. Zur Brüte
zeit zieht er sich jedoch regelmäßig ins Innere der Insel
zurück und zwar am liebsten zu einsamen Gebirgsseen.
Auch die Federn des Schwans werden gesammelt und
bilden einen nicht unbedeutenden Handelsartikel Islands.
Doch kann die Gewinnung derselben nicht so systematisch
betrieben werden, wie bei den Eiderenten und Seepapageien.
Man erhält sie, indem man sie entweder an zufälligen Orten
aufliest, wo die Vögel sie verlieren, oder sie — und dies ge
schieht am häufigsten — an den Plätzen sammelt, wo diese
Thiere sich zur Zeit des Federwechsels zusammenscharen.
Aber mehr noch als durch diesen Nutzen ist der Schwan
den Isländern theuer durch seine Schönheit und seinen eigenthümlichen Gesang, wodurch er den oft unbeschreiblich
traurigen Charakter so mancher sonst leblosen Gegend im
Innern der Insel mildert. Mit Recht sagt darum der
berühmte Isländer Jon Sigurdsson **): „Der Schwan ist
ein so schöner und ergötzlicher Vogel, dass es, auch wenn
er nicht zum geringsten Nutzen wäre, doch eine große
*) Das Wort „Singschwan“, mit welchem man diesen Schwan zum
Unterschiede von dem „stummen Schwan“ bezeichnet, ist eigentlich eine
Tautologie wie „stummer Schwan“ eine contradictio in adjecto ist;
denn der Schwan hat seinen Namen vom Gesänge erhalten; das Wort
„Schwan (isl. svanur, altnord, svanr) ist buchstäblich dasselbe Wort mit
latein. s o n u s (sanskr. s v a n a s ) und bedeutet also „Toner“. Der zweite
isländische, beziehungsweise altnordische Name „Alpt“ (althoclid. und
mittellioclid. albiz, elbiz) bezeichnet den Yogel ohne Zweifel als den
weißgefiederten und hatte wohl eine weitere, umfassendere Bedeutung,
so dass die zweifache Benennung von einer ganz richtigen Unter
scheidung ausgieng. So Karl Müllenhoff in seiner „deutschen Altertliumskunde“ 1. Bd. (Berlin 1870) S. 2.
**) In seiner „Litil varnings bok“ (1861).
Fauna Islands.
272
Freude sein würde, zu wissen, dass er so weit herum in
unserem Lande sein Heim hat.“ Wo er sich auch zeigen
mag, sei es im stillen Gebirgssee schwimmend oder „mit brau
sendem Flügelschlag und Gesang“ durch die Lüfte ziehend,
überall verleiht er der Landschaft einen ganz besonderen
eigenthümlichen Reiz Kein Wunder denn, dass es fast
keinen neueren isländischen Dichter gibt, dessen Lieder
nicht den einen oder anderen Widerhall von den schwermüthigen, klaren, sangartigen Lauten der Schwäne ent
hielten. *) Diese Laute aber, „zwei trompeten- oder glocken
ähnliche Molltöne“, kann der wilde Singschwan durch die
Wölbung seines Brustbeins und die Windungen seiner Luft
röhre hervorbringen. Er lässt dieselben zumeist im Fluge
hören, „so dass, wenn wie gewöhnlich mehrere beisammen
sind, jenes Geläute entsteht, das bei günstigem Wetter
und Winde wohl meilenweit vernommen wird“. Dieser
eigenthiimliche Laut soll sich dem Gemüthe so tief ein
prägen, dass, wer denselben einmal vernommen, ihn nie
mals wieder vergisst. **) Nach dem Schwan, besonders
nach seinem zweiten Namen alpt, haben die Isländer eine
Menge geographischer Namen, gebildet, ,als: Svanshöll,
Alptä, Alptafjördur, Alptanes, Alptavatn, Alptaver u. s. w.
Selten brütet der k le in e S ingschw an auf Island; er
ist deshalb von Brehm sehr unpassend Cygnus islandicus,
„isländischer Schwan“ benannt worden.
Die Isländer wünschen, dass der kopflose Dorsch, welcher seit
dem vorigen Jahrhundert Island im dänischen Reichswappen vorstellen
soll, durch einen Falken als Wappenzeichen Islands ersetzt werde. Aber
für noch passender halten wir mit C. Rosenberg den Schwan als Sinn
bild Islands. Dieser ist ebenfalls ein sehr schöner und edler Vogel und
außerdem auf der Insel viel häufiger; er ist auch ein friedliches Thier,
friedlich wie die Isländer selbst es sind. Der Falke hingegen ist ein
Raubvogel und als solcher das Sinnbild von Kriegsruhm und Kampf
lust, das wohl auf die alten isländischen Vikinger und Kämpen, nicht
aber das stille Völkchen der Jetztzeit passt. Der singende Schwan
*) Vgl. z. B. das stimmungsvolle Gedicht „Schw an en ge san g
a u f der H e id e “ von Steingr. Thorsteinsson in den Anmerkungen zu
„Jüngling und Mädchen“. Erzählung aus dem isländischen Volksleben der
Gegenwart u. s. w. übersetzt von J. C. Poestion'(Berlin 1883), S. 153— 154.
**) Singende Schwäne spielen auch eine Rolle in den isländischen
Märchen; vgl. J. C. P o e stio n , Is 1ä,ndische M ärchen (Wien, 1884)
S. 49—54.
273
Fauna Islands. .
aber erinnert an die am stärksten hervortretende Eigenthümlichkeit der
Isländer, die zugleich ihren Ruhm in der Geschichte begründet hat,
nämlich an ihre L ieb e zur D ich tk u n st.
Von anderen Wasservögeln, welche entweder durch
ihr Fleisch oder durch ihre Eier oder durch die Federn
dem Menschen nützlich sind, seien noch genannt: der E is
stu rm v o g el (Procellarici glacialis ; isländ. fylungur);
derselbe kommt in besonders großer Menge auf den Vestmannaeyjar vor, wo die Einwohner großenteils von den
Eiern und dem Fleische desselben leben; er wird hier
auch als Brennmaterial benützt;-) — die dumme Lumme.
(TJria troile; isl. svartfugl oder langvia, f.), gleichfalls sehr
zahlreich; die G r y 11 u m m e (Uria grylle; isländ. teista, f.);
die niedliche a rk tisc h e S e e s c h w a 1b e (Sterna arctica;
isländ. Jierna, f. oder auch nach ihrem Geschrei lma), die
individuenreichste von allen isländischen Vogelspecies, die
fast alle Küsten, Seen, Flüsse, Fjorde und Inseln Islands
belebt; die W interm öve (Larus risset; isländ. rita, f.);
die M antel möve (Larus marinus; isländ. svartbakur,
f., d. h. Schwarzrücken wegen ihres dunkelgefärbten
Rückens so genannt).
Ungemein zahlreich sind auch die Entenarten (isländ.
endur, sing, önd, f.) auf Island; nirgends aber finden sich
so viele beisammen als am See Myvatn. Es brüten hier
sämmtliche Anatideen Islands, mit einziger Ausnahme der
Eidergans und des Schwans. „Wenige Länder,“ sagen
Preyer und Zirkel, „sind zum Studium der borealen Vogel
fauna so geeignet wie Island; wer aber nach Island reist,
ohne den Mückensee zu besuchen, der hat von dem Leben,
von der Zahl und der Verschiedenheit der isländischen
Süßwasservögel nur einen schwachen Begriff. Hier einen
ganzen Tag auf ihre Jagd verwenden zu können, gehört
zu den unterhaltendsten und interessantesten Episoden einer
isländischen Reise.“ Es ist unmöglich hier alle Entenarten,
welche am Myvatn oder überhaupt auf Island Vorkommen,
aufzuzählen; wer dieselben näher kennen lernen will, findet
sie in dem Reisewerke der soeben und oft genannten
Gelehrten Preyer und Zirkel verzeichnet (S. 202 —206*)
*) Preyer und Zirkel u. a. Cb S. 415.
P o e s t i o n , Island.
18
Fauna Islands.
274
und S. 404—412) 5 doch seien wegen ihrer ganz besonders
schmackhaften Eier, die von den Umwohnern des Myvatn
sehr eifrig gesammelt und sowohl frisch verspeist, als auch
in ungeheuren Quantitäten für den Winter in Tonnen und
Kisten auf bewahrt werden, genannt: die M oorente
(Fuligula marila L .; isl. duggönd), die islän d isch e E n te
(Fuligula Barrovi; isl. hüsönd wegen ihrer Zahmheit), die
K ric k e n te (Anas crecca L .; isl. urt, urtönd, ört), die
w ilde E n te (Anas boschas fern L .; isl. stokkönd, myrönd
u. s. w.), die B abenente [Oedemia nigra; isl. hrafnsönd,
wegen des braunschwarzen Gefieders) zugleich eine der schön
sten aber auch scheuesten Entenarten, der große Säge
ta u c h e r (.Mergus merganser L .; isl. störa toppönd d. h.
große Haubenente, gülönd d. h. gelbe Ente, und vatnsond
d. h. Wasserente) ; das Männchen ist schön rosagelb gefie
dert ; der k le in e S ä g e t a u ch e r (Mergus serrator L .: isl.
litla toppönd, d. h. kleine Haubenente) u. a. Man zwingt
diese Vögel in gleicher Weise wie die Eiderente zu wieder
holtem Eierlegen; die letzten Eier werden auch ihnen
gelassen. Wegen ihrer Schönheit sei endlich auch noch
die H a rle k in s e n te genannt (Harelda histrionica; ish
straumönd d. h. Stromente, da sie sich gern auf reißen
den Strömen und Bergflüssen aufhält, auch: brimönd und
brimdüfa Strandente und Strandtaube) • das Männchen
prangt in den prachtvollsten Farben als: violett, roth
u. s. w. und . hat einen weißen Querstrich um die
Schulter.
Ziemlich häufig und vielfach nützlich sind von den
Wasservögeln auch: Anas leucopsis (isl. helsingur, m.),
die w ilde G ans (Anser segetum; isl. gragäs d. h. graue
Gans), der Lu mm ent au eh er (Colymbus lumme; isl.
lömur) und der große n o rd isch e E ista u c h e r (Colym
bus glacialis; isl. himbrimi), nach dem Schwane der größte
und schwerste Vogel Islands. Interessant wegen ihres an
die alte Mythologie erinnernden Namens sind endlich noch
das O d in sh u h n (Phalaropus cinereus; isl. Odinshani d. li.
Odinshahn, daneben auch sundhani Schwimmhahn), welches
über ganz Island verbreitet ist, und das T h o rsh u h n
(Phalaropus platyrhynchus; isl. Hörshani d. h. Thorshahn),
welches auf Island jedoch sehr selten ist.
Fauna Islands.
275
Der. g r o ß e n o r d i s c li e P i n g u i n (A lc a i m p e n n is ; isl. geirfugl),
der früher auf Island ganz allgemein war, ist jetzt dort ausgestorben.
Man fand ihn zuletzt auf dem nach ihm benannten, jetzt ins Meer ver
sunkenen Geirfuglasker bei Reykjanes. An dem Aussterben dieses Vogels
tragen die Isländer selbst die Schuld, da sie denselben, weil er nicht
fliegen konnte, in großen Mengen tödteten und auf diese Weise aus
rotteten.
Von den L an d v ö g eln Islands ist den Bewohnern
am nützlichsten: das islän d isch e S chneehuhn (Lagopns islandorum; isl. rjupa nach dem wie ein heiseres rjörjö-rjö-rjö klingenden Geschrei; das Männchen heißt isländ.
auch keri); dasselbe wird wegen seines wohlschmeckenden
Fleisches im Winter oft geschossen und in großer Menge
mit der Schlinge gefangen. Das isländische Schneehuhn
ist von den Schneehühnern anderer Länder specifisch ver
schieden.
S ingvögel gibt es auf Island nur wenige und auch
diese sind keine besonderen Meister. Der beste Sänger
ist noch der Schneeam m er (Plectrophanes nivalis; isl.
snjötitlingur, m. d. h. Schneesperling und sölskrikja d. h.
Sonnenschrei er, „weil er gern singt, wenn die Sonne
scheint“), dessen Stimme sehr angenehm klingen soll; er
hält sich aber am liebsten in unbewohnten felsigen
Gebirgsgegenden auf. Dem Schneeammer steht nicht
viel nach der W iesenp iep er (.Antkus pratensis; isl.
]3ufutitlmgur d. h. Erdhaufensperling, weil der Vogel in
kleinen Erdhaufen — jiufa — nistet, oder grätitlingur
d. h. grauer Sperling), ein Vogel, der überall auf Island
angetroffen wird-, wo Gras wächst. „Ganz wie die Lerche
erhebt sich dieser Vogel schwirrend in die Luft und lässt
seinen nicht unangenehmen zwitschernden Gesang hören.
Er erfreut oft das an Nachtigallentöne gewöhnte Ohr des
Südländers da, wo er es am wenigsten erwartet: in leb
losen Einöden, wo nichts als Moos und etwas Gras ge
deiht. “ Die 'R o t h d r o s s e 1 (Turdus iliacus L .; isländ.
Jpröstur, m. oder skögarjpröstur d. h. Walddrossel, weil
sie sich besonders gern in den Birkengehölzen aufhält) ist
für Island trotz ihrer wenig anziehenden Stimme eine be
liebte Sängerin, da im Sommer oft sie allein eine sonst
lautlose Wildnis belebt. Wie gering aber auch die An
sprüche sind, welche die Isländer an ihre gefiederten
18*
Fauna Islands.
276
Sänger stellen, erhellt schon daraus, dass ihnen selbst das
traurige „dirrincli“ des G o ld r e g e n p f e if e r s oder.
B rachv o gels (Pluvialis apricarhis; isl. 16, loa oder
heylö d. h. Heuregenpfeifer, „weil er sich zur Zeit des
Heumachens in großen Scharen in den Wiesen aufhält“),
des gemeinsten Landvogels von Island, ein lieblicher Ge
sang dünkt, und sie mit Freude erfüllt, wenn sie dasselbe
im Frühling zum ersten Male wieder vernehmen. Der
Goldregenpfeifer hat bekanntlich ein ganz besonders schönes
Sommerkleid, das mit gelben Punkten, die ihm seinen Namen
gaben, übersprenkelt und auf der Brust glänzend schwarz,
ist; der Vogel wird in diesem Kleide in Deutschland und
England nur äußerst selten gesehen, weshalb die große
Menge, in der er auf Island auftritt, für den Fremden etwas
Überraschendes hat. — Gleich traurig wie die Stimme des
Goldregenpfeifers ist auch die seines steten Begleiters, des
kleinen B rach v o g els (’Numenius minor; isl. spoi), der
den Isländern ebenfalls für einen Singvogel gilt.
R aub vö g el sind auf Island fast nur durch die Fa
milie der F a lk e n vertreten. Von A dlern (isl. ernir
sing, örn, in.) findet sich nur der F isc h a d le r .(Haliaetos
albicilla; isl. örn. und sjöörn), von den eigentlichen Falken
(isl. valur, fälki, haukur, m.) die Arten: Falco caesius
(S teinfalke, isl smirill, m.) und Falco canclicans (Jagd
oder E d elfa lk e , auch großer, weißer oder islä n d isc h e r
F a lk e genannt; isl. fälki m.), von denen die letztere
lange Zeit besonders gesucht war. Island war nämlich in
alter Zeit wegen seiner F alk en berühmt. Dieselben
wurden, wie es im Mittelalter allgemein Sitte war, zur Jagd
abgerichtet und so zahm gemacht, dass man sie auf der
Hand mit sich herumtrug.
Die Falken waren deshalb überaus kostbar, besonders wenn sie
schön weiß waren; sie wurden daher auch für ein würdiges Königs
geschenk gehalten. Die isländischen Falken galten für besser als alle
anderen; während man die norwegischen Falken nicht leicht länger als
2 bis 3 Jahre gebrauchen konnte, waren die isländischen bisweilen
12 Jahre jagdtüchtig. Christian der Vierte von Dänemark verbot, dass
ohne Erlaubnis des Königs auf Island Falken gekauft würden, und im
17. Jahrhundert ließ der König alljährlich ein „Falkenschiff“ nach
Island abgehen, auf dem sich ein königlicher Jäger befand, der die
Falken zu dem verabredeten Preise für den König kaufte und die Auf
sicht über alle Jagdplätze zu führen hatte. Die Falken begannen sich
Fauna Islands.
277
jedoch rasch zu vermindern, da die Jäger sowohl die alten wie die ver
wundeten Tliiere, wenn sie nicht zu gebrauchen waren, tödteten, obschon
dieselben sich noch hätten fortpflanzen können. Henrik Bjelke schlug
denn auch im Jahre 1651 auf dem Althinge vor, dass eine Strafe auf
solche Tödtung der Vögel gesetzt werde. Gegen das Ende des 18. Jahr
hunderts wurde die Jagd auf Falken eingestellt. Sie sind auf Island
noch ziemlich häufig zu finden, und es wird ihnen jetzt wieder eifriger
nachgestellt, da die Engländer sie theuer bezahlen.
Auch die S chneeeule, „isländischer Uhu“, (.Nyctea
nivea; isl. ugla-, f.) kommt auf Island, obwohl nicht sehr
häufig, vor; „sie ist der schönste Repräsentant des ge
summten Eulengeschlechtes auf Island.“
Der R a b e (Corvus corax; isländ. hrafn, krakur
krünkur, krummi, m.. letzteres, welches man etwa mit
„Krummklaue“ übersetzen könnte, ist ein Schmeichelwort
für den Raben) kann ebenfalls unter den Raubvögeln an
geführt werden, denn er zeigt auf Island eine besonders
ausgeprägte Raubvogelnatur und soll auf Schneehühner,
Regenpfeifer und andere kleinere Vögel ganz wie der
Falke stoßen. Er frisst übrigens alles Mögliche: Beeren,
Insecten, Würmer, Fische, Vogeleier, junge Vögel, Aas,
Mist u. s. w. Der Rabe kommt auf Island überaus häufig
vor und ist wegen des mannigfachen Schadens, d-en er
an richtet, sowie wegen seiner frechen Zudringlichkeit ver
hasst. Er wagt sich ganz in die Nähe der menschlichen
Wohnungen, um von den Küchenabfällen zu erhaschen,
so viel er bekommen kann. Namentlich im Winter kann
man bei allen Bauernhöfen ganze Scharen von Raben
sehen. So sehr aber dieser Vogel g;ehasst ist, so wird er
doch auch mit einer gewissen Achtung und Scheu be
trachtet, so dass man sich, wie Rosenberg sagt, nicht des
Gedankens erwehren kann, dass sich hier eine unbewusste
und unverstandene Überlieferung von Vorstellungen aus
der alten Zeit verräth, wo der Rabe Odins heiliger Vogel
war, der ja auch im Banner der dänischen Könige flatterte.
Die Isländer haben verschiedene Sagen von der Klugheit
dieses Vogels und seiner Kenntnis der Zukunft. Vgl.
K. Maurer, Isländische Volkssagen der Gegenwart.
Von e in g e fü h rte n Vögeln findet man auf Island:
Das H aushuhn (Gallus domesticus; isl. hsena; der
Hahn heißt hani), die H ausente (Anas boschas domestica;
Fauna Islands.
278
isl. [tamin] önd, f., der. Enterich andarbliki), die H aus
gans (Anser domesticus; isl. heim-gäs), die H au stau b e
('Columba Uvea domestica; isl. dufa, alidufa, f.), die T u rtel
tau b e (Columba turlur, isl. turturi, m.), der C a n a r i e nvogel (Fringilla canaria) u. a.
Fische (isl. fiskar, sing, fiskur, m.) und zwar sowohl
Meer- als Süßwasserfische finden sich wie bereits bemerkt,
an den Küsten bez. in den Gewässern der Insel in ganz
unglaublichen Mengen und sind darum ein wahrer Segen
für das Land, auf den sich denn auch die Bewohner —
oft leider nur allzu vertrauensvoll und unbedacht - ver
lassen. Wir werden über die Fischereiverhältnisse auf
Island später des mehreren zu sprechen haben und be
schränken uns deshalb hier auf die kurze Aufzählung jener
Fischarten, welche am meisten gefangen werden und dem
Menschen durch ihr Fleisch u. s. w. von Nutzen sind.
Es sind aber von Meerfischen zu nennen : Der K a b 1i au
oder echte S to ck fisch (Gadus morrhua; isl. Jporskur,
Dorsch) *, der S ch e llfisc h (Gadus aeglefinus; isl. ysa,
f.); der K öhler (Gadus carbonarius; isl. upsi, m.); der
L eng fisch (Lola molva; isl. langa, f.); der B r o smed o r s c h (Brosmius brosme; isl. keila, f.); der H e i 1b u 11
(Hippoglossus vulgaris; isl. heilagfiskur); der H ärin g
('Clupea harengus; isl. süd, hafsild, f.); die S p ro tte
(■Clupea sprattus; isl. köpsild); der S e e w o 1f (Anarrhichas lupus; isl. steinbitur, h ly ri, m.); der Seehase
(Cyclopterus lumpus; isl. hrognkelsi, m.; das Männchen,
wenn alt, auch rau3magi d. h. Rothbauch; wenn jung:
gramagi d. h. Graubauch; das Weibchen: grasleppa);
die Roche (.Raia batis; isl. skata); der gem eine H ai
(Sqvalus acanthias; isl. har oder hafur, m.); der E ish ai
{Scymnus glacialis, isl. hakarl oder hakall d. h. Haialter).
Von S ü ß w asserfisch en finden sich auf Island:
Der L achs (Salmo solar; isl. lax) in mehreren Species;
die B ach fo relle (Salmo fario; isl. kekjasilüngur, m.);
die S eeforelle (Salmo alpinus; isl. vatnasilüngur); die
L ach sfo relle (Salmo trutta; isl. aurridi oder örridi, m.).
Die W e ic h th ie re (Mollusken; isl. lindyr) Islands
werden auf 170 Arten veranschlagt, es sind deren aber ohne
Zweifel mehr. Schnecken (küfungur, m.) und M uschelti
279
(skel, f.) der verschiedensten Art findet man überall an
den Küsten des Landes; die gemeine M ießm uschel
(Mytilus edulis; isl. krseklingur, m.) wird gewöhnlich als
Köder gebraucht; diese und eine andere specifisch islän
dische Muschelart, •„Cyprina islandica“ (ist. küskel d. h.
Kuhmuschel) sind essbar, obschon sie wenig genossen
werden. Zu den Weichthieren rechnet man auch den
T in te n fisch (Sepia officinalis; isl. smokkfiskur); er treibt
oft in großen Haufen und zu manchen Zeiten in überaus
großen Exemplaren an’s Land und eignet sich ausgezeich
net zu Köder; von verschiedenem Meeresgewürme rechnet
man ca 100 Arten; der Pi er er (isl. fjöriunadkur, d. h. der
Strand wurm) wird als Fischköder gebraucht Auch viele
Arten von Krabben finden sich im Meere, von denen einige
essbar sind, von den Eingebornen aber wenig beachtet
werden.
Der Schw am m (Spongia manus) wegen seines islän
dischen Namens bemerkenswert, der der alten nordischen
Mythologie entnommen ist; er heißt nämlich bei den
Isländern N j ar 9 a r v ö 11 ur, d. h. Handschuh des Njördr.
Niedere L a n d th ie re gibt es auf Island nur wrenige,
da ja auch das Pflanzenleben so gering ist. Da die An
gaben der verschiedenen Quellen über das Auftreten dieser
Fauna auf Island vielfach widersprechend sind und eine
ausführlichere Bearbeitung dieses Gegenstandes von Seiten
eines tüchtigen Fachmannes, der zu diesem Zwecke selbst
ein eingehendes Studium gemacht hat, in kürzester Zeit
zu gewärtigen ist, beschränke ich mich auch hier auf die
wichtigsten Angaben. Mehrere Gegenden, besonders in
der Nähe von Gewässern (z. B. am Dmgvallavatn, am
Mjwatn, am Svinavatn, an den Ufern des Sog-Flusses
u. s. w.) sind berüchtigt wegen der unglaublichen Mengen
von M ücken (isl. my, n .; myfluga, £), die sich im Sommer
dort auf halten und Menschen wie Thiere unsäglich quälen.
Es kommen besonders zwei Arten derselben vor: Culex
(isl. rykmy, d. h. Raubmücke) und Simulia (isl bitvargur
d. h. Beißwolf,', von denen die letztere am gefährlichsten
ist. Sie dringen Menschen und Thieren in Mund, Ohren,
Nase und Augen und machen oft das Athmen, Sprechen,
Sehen und Hören fast ganz unmöglich; dabei ist der Stich
Fauna Islands.
Fauna Islands.,
280
der letzteren ungemein schmerzhaft umd bis aufs Blut ver
wundend, so dass die Thiere, namentlich aber die Pferde,.
denen diese Mücke besonders zusetzt, oft rasend werden
und sich in Wasser stürzen; selbst die Schafe auf den
umliegenden Weiden können, obwohl sie durch ihre Wolle
besser geschützt sind, infolge der fortwährenden Belästi
gungen durch die Mücken, nicht fett werden. Zur schlimm
sten d. i. wärmsten Zeit müssen die Leute die Arbeiten
im Freien ganz einstellen. Am Mvvatn können die Bauern
ihr Heu nur einbringen, wenn sie mit Handschuhen sowie
mit schwarzen, dichtschließenden Kapuzen bekleidet sind,
die ganz über den Hals hinab reichen, vor der Öffnung
für das Gesicht ein Stück Flor haben und mit einem
Schirm versehen sind. Bei all’ dem Ungemach aber, das
diese lästigen Mücken Menschen wie Thieren verursachen,
sind sie doch wieder insoferne nützlich, als sie den Fischen,
besonders der köstlichen Forelle zur Nahrung dienen.
Von S c h m e tte rlin g e n (isl. fi9rildi, n. älter fifrildi)
kommen auf Island Tages-, Dämmerungsschmetterlinge und
Spinner gar nicht vor.
W i l d e B i e n e n (isl. villi byfluga, randafluga)
schwärmen zahlreich herum, sind aber den Menschen zu
keinem Nutzen. Eine häufige Plage für Thiere und
Menschen sind auf Island der Bl äsen wurm (isl. klä3amaurr, m.) und der Bandwurm (isl. bandormur, bendillormur).
Der gemei ne Regenwur m (lumbricus terrestris,
isl. anama9kur, m.) ist schon oben wegen seines besonders
zahlreichen Auftretens auf Island genannt worden.
Ethnographie.
281
Ethnographie.
1. Geschichtlicher Überblick.
E n td e ck u n g und B esiedelung Islands. Island
scheint zuerst gegen das Ende des 8. Jahrhunderts entdeckt
worden zu sein und zwar von K elten. Ein irischer
Mönch, Namens Dicuilus, ist der erste, der von der Insel
Nachricht gibt. Derselbe berichtet in einem um das Jahr
825 geschriebenen Werke,*; dass ihm vor dreißig Jahren
Kleriker von einem Besuche auf der Insel „Thile“ erzählt
hätten. Die Angaben, welche ihm diese Kleriker über
den Stand der Sonne und die Meerestemperatur machten,
*) Liber de mensura orbis terrae (ed. Walckenaer, Paris 1807),
c. VII. Ich tlieile die betreffende Stelle ihrer Wichtigkeit wegen hier
ganz -mit; sie lautet: „Trigesimus nunc annus est a quo nuntiaverunt
mihi clerici, qui a kl. febroarii usque kl. augusti in illa insula (es war
von „Thule“ die Rede) manserunt, quod, non soluin in aestivo solstitio,
sed in diebus circa illud, in vespertina hora, occidens sol abscondit se
quasi trans parvulum tumulum: ita, ut nihil tenebrarum in minimo spatio
ipso fiat; sed quicquid liomo operari voluerit, vel peduculos de camisia
abstraliere, tanquam in praesentia solis potest: et, si in altitudine montium ejus fuissent, forsitan nunquam sol absconderetur ab illis. In medio
illius minimi temporis medium noctis fit in medio orbis terrae; et id
circo mentientes falluntur, qui circum eam concretum fore mare scripserunt, et qui a vernali aequinoctio usque ad autunmale continuum diem
sine nocte, atque ab autumnali, versa vice, usque ad vernale aequinoctium assiduam quidem noctem, dum illi navigantes in naturali tempore
magni frigoris eam intrabant, ac manentes in ipsa, dies noctesque semper
praeter solstitii tempus alternatim liabebant: sed, navigatione unius diei
ex illa ad boream congelatum mare invenerunt. Sunt aliae insulae multae
in septentrionali Brittanniae Oceano, quae a septentrionalibus Brittanniae
insulis duorum dierum ac noctium recta navigatione, plenis velis, assiduo
feliciter adiri queunt. Aliquis prbt (presbyter) religiosus mihi retulit*
quod, in duobus aestivis diebus, et una intercedente nocte, navigans in
duorum navicula transtrorum, in unani illarum introivit. Illae insulae
sunt aliae parvulae. Fere cunctae simul angustis distantes fretis, in quibus
in centum ferme annis heremitae ex nostra Scotia navigantes habitaverunt. Sed, sicut a principio mundi desertae semper fuerunt; ita, nunc
causa latronum Normannorum, vacuae anachoritis, plenae inmunerabilibus
ovibus, ac diversis generibus multis nimis marinarum avium. Nunquam
eas insulas in libris auctorum memoratas invenimus.“
Ethnographie. v
282
lassen es unzweifelhaft erscheinen, dass diese Insel mit
Island identisch ist. Dicuil ist auch der erste, der die Insel
fälschlich für die „ultima Thuleu (0ouXy)) der Classiker
erklärte, worunter, wie schon der Isländer Arngrimr frödi,
Abt des Klosters von Dingeyrar im 14. Jahrhundert und
in unserer Zeit Karl Müllenhoff *) nachgewiesen, vielmehr
das viel weiter südlich gelegene Shetland (beziehungs
weise das shetländische Mainland oder noch wahrschein
licher die kleine Insel Unst) zu verstehen ist. Zur Zeit
des Dicuil hat Island auch eine, allerdings sehr schwache,
irisch-schottische Bevölkerung erhalten, die aber wohl aus
schließlich aus Einsiedlern, vornehmlich Priestern bestand.
Erst nach der Mitte des 9. Jahrhunderts, beiläufig in
den Jahren 860—870 wurde Island zum zweiten Male
entdeckt und zwar diesmal von N o rd leu ten. Der erste
von diesen, der die Insel fand, war ein norwegischer See
räuber, Namens Naddodr, der mit seinen Leuten auf einer
Fahrt nach den Färöern dahin verschlagen wurde und
beim Vorgebirge Reydarfjall (jetzt gewöhnlich Reydur ge
nannt) an der Ostküste landete. Er bestieg diesen Berg
und sah sich um, ob er nicht Rauch oder sonst ein
Zeichen, dass das Land bewohnt sei, entdecken könne*,
er sah aber nichts und verließ deshalb mit seinen Leuten
wieder das Land. Als sie absegelten, bemerkten sie, dass
es auf den Bergen sehr stark schneite und sie nannten nun
das Land aus diesem Grunde Sn sei and, d. h. Schneeland.
Kurze Zeit darauf kam ein in Dänemark angesessener
Schwede Namens G ar9 a r Svafarsson dahin, welcher das
ganze Land umsegelte und entdeckte, dass dasselbe eine
Insel sei. Er hielt sich während eines Winters im Norden
der Insel auf, wo er sich am Meerbusen Skjälfandi bei
einer kleineren Einbuchtung (vig) ein Haus baute. Der
Ort heißt aus diesem Grunde noch heute Hüsavik d. h.
Hausbucht. Gardar fuhr nach Norwegen und war voll
Lobes über die Insel, die nun nach ihm G ard arsh ö lm r
d. h. Inselchen des Gardar benannt wurde.
Die Berichte des Naddodr und des Gardar, welche in
den nordischen Ländern bald allgemein bekannt geworden
*) Deutsche Alterthumskunde, I. Bei., S. 385—410.
283
waren, bewogen einen großen Seeräuber“, den Norweger
F lö k i Vilgerdarson aus Rogaland, die neu entdeckte Insel
aufzusuchen und sich selbst von der Beschaffenheit der
selben zu überzeugen. Um den Weg dahin zu finden —
der Compass war damals den Nordländern noch nicht
bekannt —veranstaltete Flöki ein großes Opfer, bei welchem
er drei Raben „heiligte“ d. h. durch zauberische Mittel
zu befähigen suchte, dass sic ihm den Weg weisen sollten,
Flöki, in dessen Begleitung sich drei Bauern Namens
Dörölfr, Herjölfr und Faxi befanden, fuhr — es war um
das Jahr 865 — zuerst nach den Färöern und von da
unter Leitung der drei Raben, die er in Norwegen ge
heiligt hatte, in das Meer hinaus. Als er den ersten Raben
fliegen ließ, erzählt eine alte Quelle *) kam derselbe gleich
wieder zurück; der zweite flog in die Luft auf, kam aber
ebenfalls zum Schiffe zurück; der dritte jedoch flog nach
der Seite hin ab, wo sie endlich das Land fanden. Sie
kamen östlich zu dem Vorgebirge Horn; dann segelten
sie südwärts dem Lande entlang. Als sie hierauf die
Halbinsel Reykjanes umschifften und der Meerbusen sich
öffnete, so dass sie auch die Halbinsel Smefellsnes sahen,
da sprach Faxi: „Das muss ein großes Land sein, das wir
gefunden haben; denn hier ist ein großer Wasserlauf.“
Seitdem heißt es dort Faxaös (d. h. Mündung des Faxi).
Nach Faxi wurde später auch der Faxafjöröur benannt.
Flöki und die Seinigen segelten nun westwärts um den
Breidifjördur (d. h. breiter Meerbusen) und landeten an
der Nordseite des Meerbusens,. an den Bardaströnd. Der
Meerbusen war so überaus reich an Fischen und See
hunden, dass Flöki mit seinen Leuten über den Fischfang
das Heueinbringen vergaß, was zur Folge hatte, dass ihnen
im Winter all ihr Vieh zugrunde gieng. Im Frühjahre
bestieg Flöki einen Berg und sah nördlich von demselben
einen Meerbusen der ganz von Treibeis angefüllt war.
Aus diesem Grunde nannte er das Land Islan d (d. h. Eis
land), den Meerbusen aber Isafjördr (d h. Eisbucht.) Den
zweiten Winter verbrachte Flöki im Borgarfjördur und
Ethnographie.
*) Landnämabök (in: Isle-ndinga Sögur udgivne efter gamle Haandskrifter af det kongelige Nordiske Oldskrift-Selskab. I. Bd. Kjöbenhavn
1843; S. 43—322) c. 2.
Ethnographie.
284
kehrte sodann wieder nach Norwegen zurück, wo er nur
Schlechtes über das Land berichtete, während sein Beglei
ter Dörölfr behauptete, dass dort von jedem Grashalme
„Butter träufle“. Der Mann erhielt deshalb den Spitznamen
„Dörolfr smjör“ d. h. Butter-Dörölfr.
Keiner dieser Männer nahm bleibenden Aufenthalt
auf Island. Die eigentliche Besiedelung der Insel begann
erst im Jahre 874. Der erste, der nach Island zog, in
der Absicht sich dort dauernd niederzulassen, war ein
gewisser In g o lfr. Den Anlass zu dieser Besiedelung und
den Hergang derselben erzählt die schon genannte Quelle
auf folgende Weise.
Im Firdafylki, dem nördlichen Theile des heutigen
Stifts Bergen in Norwegen lebten zwei reiche und mäch
tige Großbauern, zugleich nabe Verwandte und Blut
brüder: Ing 6 lfr Arnarson (d. h. Sohn des Örn) und Lei fr
Hrödmarsson. Sie waren zusammen mit den drei Söhnen
des Jarls Atli in Gaular auf einem Seeraubzug gewesen
und Freundschaft verband die Genossen. Als aber einer
der Brüder Ingölfs schöne Schwester Helga zum Weibe
haben wollte, welche auch Leifr liebte, entstand heftige
Feindschaft zwischen den beiden Parteien, welche zu Zwei
kämpfen führte, in denen zwei der Söhne Atli's fielen.
Als Buße dafür mussten nun Leifr und Ingölfr dem Jarl
ihren ganzen Grundbesitz abtreten. Dies verleidete den
beiden Blutbrüdern den weiteren Aufenthalt in Norwegen,
und sie kamen auf den Gedanken, das neu entdeckte Land,
welches von Butter-Dörölfr so sehr gerühmt wurde, auf
zusuchen und sich dort niederzulassen. Zuerst fuhren sie
dahin, um das Land genauer kennen zu lernen. Sie waren
mit der Beschaffenheit desselben zufrieden und kehrten
nach Norwegen zurück, um die Vorbereitungen zur Über
siedelung zu treffen. Während Ingölfr den ihnen noch
gebliebenen Rest von Besitzthum in Norwegen veräußerte
und alle sonstigen Anstalten zur Abreise traf, unternahm
Leifr einen Seeraubzug nach dem Westen, um für den
verlorenen Grundbesitz einigen Ersatz zu schaffen. Er
heerte in Irland und machte zehn Männer zu seinen Ge
fangenen und Sclaven. Hier gerieth er auch in eine stock
finstere Erdhütte, wo ihm ein großer Mann mit einem
285
Schwerte entgegentrat, welches so blank war, dass es im
Dunklen leuchtete; Leifr tödtete den Mann und nahm
dessen Schwert zu sich; davon erhielt er den Namen
Hjörleifr (d. h. Schwert-Leifr). Nach seiner Heimkunft
heiratete er Helga, und im nächsten Frühlinge waren
die beiden Blutbrüder zur Abreise nach Island bereit.
Ingolfr opferte früher den Göttern, Leifr aber, heißt es,
opferte niemals. Sie segelten sodann, jeder auf seinem
Schiffe, von Norwegen ab. Es w ar dies im Jah re 874.
Sie führten mit sich ihre Weiber, einige Freunde, die sich
ihnen als freiwillige Begleitung anschlossen, Sclaven, be
wegliches Gut und Vieh. Man kann annehmen, dass sich
auf jedem Schiffe ungefähr dreißig Menschen befunden
haben. Sie fuhren zusammen, bis sie Island erblickten;
dann trennten sie sich. Ingolfr, frommer Mann, nahm
seine Hochsitzpfeiler — die hohen Stangen oder Säulen,
welche auf jeder Seite des Hochsitzes in der Trinkhalle
der altnordischen Häuser standen — warf sie über Bord
und sagte, dass er seinen Wohnsitz dort aufschlagen wolle,
wo dieselben an’s Land treiben würden. Er verlor
dieselben aber bei einem Sturme aus den Augen und stiegv
deshalb vorläufig im Südlande bei einem Vorgebirge an’s
Land, welches später nach ihm IngölfshöfSi (d. h. die Land
spitze des Ingolfr) genannt wurde.
Hjörleifr landete weiter westlich bei dem später nach
ihm benannten Hjörleifshöfdi und erbaute sogleich zwei
große Häuser für den Winteraufenthalt. Als der Frühling
kam, wollte er pflügen und säen; da er aber nur einen
Ochsen besaß, zwang er seine irischen Sclaven den Pflug
zu ziehen. Darüber ärgerten sich diese und erschlugen
Hjörleifr, worauf siefnach einigen kleinen Inseln entflohen.
Zwei Sclaven des Ingolfr fanden bald darauf Hjörleifs
Leiche und hinterbrachten ihrem Herrn die schlimme
Botschaft. Dieser brach sogleich, nach Hjörleifshöfdi auf.
„Ein trauriges Schicksal,“ sagte Ingolfr, als er die Leiche
des Blutbruders sah, „traf hier einen guten Kämpen,
dass er von Sclaven getödtet werden sollte; ich sehe ganz
wohl, dass es so jedem ergeht, der rnicht opfern will.u
Als die Leiche begraben war, gieng Ingolfr auf das Vor
gebirge hinaus und als er von hier aus die Inseln erblickte,
Ethnographie.
Ethnographie.
286
und sah, dass das Schiff verschwunden war, vermuthete er
sogleich, wohin die Mörder entflohen sein konnten. Er fuhrnach den Inseln und erschlug alle, welche nicht selbst
bei seiner Ankunft ‘ins Meer gesprungen und ertrunken
waren. Von diesen „Westmäniiern“, wie die Irländer von
den Norwegern genannt wurden, erhielten die Inseln den
Namen: V e s t ni an n a e y j a r (Westmännerinseln), den sie
noch heute führen.
Im folgenden Frühjahre fanden Ingolfs Sclaven die
Hochsitzpfeiler; dieselben waren an der südöstlichen Ecke
des Faxafjördur an’s Land getrieben worden. Dahin zog
nun Ingölfr und erbaute hier (im Jahre 887) seinen Hof.
Er nannte den Ort R eykj av ik oder wie es in den älteren
Quellen heißt, Reykj arvik d. h. Rauch bucht, weil in dessen
Nähe sich warme Quellen befanden, aus denen Dampf
aufstieg. (Einer jüngeren Sage zufolge sollen die Hochsitzpfeiler Ingölfs zuerst auf der kleinen Insel Effersey f— bei
Reykjavik — angeschwemmt worden sein; da aber Ingölfr
nicht glauben konnte, dass ihm die Götter einen so kleinen
Landbesitz angewiesen hätten, habe er die Säulen auf
Effersey an der Stelle, welche Reykjanes heißt, mit dem
Vorsatze verbrannt, sich dort niederzulassen, wohin der
Rauch ziehe. Der Rauch trieb hinein gegen die Stelle vor
einer Bucht, die seitdem Reykjavik heißt.) Ingölfr nahm
nun alles Land bis zum HvalfjörÖur und zur Olfusä, —
also die ganze südwestliche Halbinsel (die heutigen Arnes-,
Gullbringu- und Kjösar Sysla) in seinen Besitz; er verlieh
aber in diesem Gebiete Ländereien nicht nur an seine
freien Begleiter, und an einige Sclaven, denen er die
Freiheit geschenkt hatte, sondern auch an viele andere,
z. Th. vornehme Männer, die später nach Island kamen.
Diese wurden dann freie ^Grundbesitzer oder „boendr“
{sing, büandi oder böndi); Ingölfr und seine Nachkommen
blieben aber doch die H ä u p tlin g e (höfdingi) des ganzen
Gebietes, welche den Frieden in demselben aufrecht er
hielten und dem gemeinschaftlichen Gottesdienste vor
standen. Ingölfr aber wurde der Stammvater eines zahl
reichen und mächtigen Geschlechtes auf Island.
fngolfs Name lebt noch heute in der Volkssage der Isländer
fort. Nach ihm soll der Berg Ingolfsfjall seinen Namen haben und
Ethnographie.
287
man zeigt auch noch auf diesem den Ingolfshaugur d. h. einen großen
aus Stein aufgeführten Grabhügel, in welchem Ingolfr begraben liegen soll,
und man erzählt, er habe sich diesen Punkt zu seiner Grabstätte erwählt,
um noch nach seinem Tode das reiche, zuerst eingenommene Land um
so besser übersehen zu können. Ygl. Iv. Maurer, Isländ. Volkssagen der
Gegenwart, S. 216. Auch eines der Entdecker Islands, des Floki, erinnert
sich noch die Volkssage. Vgl. ebenfalls K. Maurer a. a. O., S. 216.
Dem Beispiele Ingolfs und Leifs folgten bald andere
Norweger, wenn auch in den ersten zehn Jahren (von
874 bis ca 884) noch nicht in großer Menge. Die geringe
keltische und zwar christliche Bevölkerung, welche sich
noch auf der Insel befand, als diese von den Nordmännern
besiedelt zu werden begann, verschwand rasch — wie es
heißt aus Abscheu vor dem fremden Heidenvolke — unter
Zurücklassung von Büchern, Glocken und Krummstäben ;
sie bestand, wie schon oben bemerkt, aller Wahrschein
lichkeit nach nur aus Anachoreten. Die Nordmänner
nannten diese Leute „Papar“ (d. h. Pfaffen); an sie er
innern noch heute mehrere Ortsnamen auf Island wie:
Papey, Papafjördur, Papös, PapyJi u. a.
Der Anlass zur Übersiedelung nach Island war bei
den einzelnen Auswanderern ein verschiedener, aber zu
meist doch in den politischen Verhältnissen Norwegens
gelegen. Wir müssen deshalb einen Blick auf die staatlichen
Einrichtungen dieses Landes werfen.
Hier regierte König Haraldr harfagri (d. h. der haar
schöne) als Alleinherrscher, nachdem er sich durch die
Schlacht im Hafrsfjörcfr (dem heutigen Hafsfjord bei Stavanger) im Jahre 872 die meist von einander politisch
unabhängigen und aus mehreren Gauen bestehenden
Gebiete, in welche das Land früher getlieilt war, unter
worfen hatte. An der Spitze dieser Gaue hatten mehr
als Anführer im Kriege denn als eigentliche Herrscher
mächtige Männer als Häuptlinge (Hersen) oder Klein
könige gestanden. Als nun diese ihre frühere unabhän
gige Stellung verloren hatten, zogen es viele derselben
vor, lieber die alte Heimat zu verlassen und sich ander
wärts eine neue zu gründen, als vornehme Diener eines
anderen Mannes zu werden Sie begaben sich daher zu
nächst nach Irland, Schottland, Nord-England, Frankreich,
einige auch nach den benachbarten kleinen Inselgruppen
Ethnographie..
288.
wie nach den Färöern, den Shetlandsinseln, den Orkneys
und den Hebriden, um von hier aus kriegerischen Aben
teuern und Raubzügen nach den irischen und schottischen
Küsten .nachzugehen oder auch durch Heerungen in Nor
wegen an Haraldr und seinen Anhängern für die erlittene
Gewalt Rache zu nehmen. Aber auch viele wohlhabende
Bauern schlossen sich ihren frühem Häuptlingen an, da
ja auch sie von den Maßregeln der neuen Regierung —
zu denen die Einführung einer Grundsteuer gehörte —
schwer betroffen wurden.
Als sich nun im Norden die Kunde von dein großen
unbewohnten Eilande verbreitet hatte, lag für die mei
sten Auswanderer und Unzufriedenen in Norwegen wohl
kein Gedanke näher als der, ihren neuen Wohnsitz in dem
gerühmten Lande zu suchen. Wohl schreckte Anfangs
viele die lange und gefährliche Fahrt von Norwegen nach
Island zurück; auch erschienen die gepriesenen Vorzüge
des Landes, die ja doch zumeist nur in dem Überfluss an
Fischen, Seehunden, Vögeln und Vogeleiern bestanden,
den reichen norwegischen Häuptlingen ziemlich zweifelhaft.
„Nach diesem Fischerplatz fahre ich nicht in meinen alten
Tagen,“ soll z. B. Ketill flatnefr (d. h. Stumpfnase), der
früher ein mächtiger Herse gewesen war, erwiedert haben,
als seine Söhne ihm zuredeten, nach Island auszuwandern,
um den Nachstellungen Haralds zu entgehen. Aber das
Beispiel Anderer oder die Einladung vorangegangener Ver
wandten oder Freunde, auch wohl Wanderlust oder Hoff
nung auf Handelsgeschäfte lockte doch immer zahlreichere
Schaaren nach Island.
Im selben Jahre, in welchem Ingölfr sich in Reyk
javik niederließ (877) kam K e till hsengr, ein Sohn
des Jarls Lorkell vom Naumudalur mit zwei Schiffen, vielen
Leuten und einem beträchtlichen Vermögen nach Island,
nachdem er sich an Haraldr härfagri wegen der Ermor
dung seines Vetters Lörölfr Kveldülfsson durch einen
Mordbrand gerächt hatte; er eignete sich die ganze Strecke
von der Ljörsa bis zum Markarfljöt an und wohnte zu
Hof in den Rangarvellir.
Ein Jahr darauf (878) flüchteten S k a lla g rim r
Kveldülfsson, der Bruder des von Haraldr erschlagenen
289
Dörölfr Kveldulfsson und sein alter Vater Kveldülfr, jeder
mit einem beladenen Schiffe nach Island, nachdem auch
sie auf dieser Fahrt noch die Ermordung des Bruders aus
giebig gerächt hatten. Kveldülfr starb auf der Fahrt und
ordnete an, dass man seinen Leichnam in einen Sarg ver
schließen und ins Meer werfen möge; wo dann der Sarg
an’s Land getrieben werde, dort solle Skallagrimr sich an
siedeln. Der Sarg kam bei einem Landvorsprung in einer
Bucht an’s Land, wo die Leiche begraben wurde. Skalla
grimr ließ sich hier nieder und nahm alles Land „bis hin
aus zum Selalön (d. h. eine Flussmündung, wo sich viele
Seehunde aufhalten ; es scheint das heutige Kaldärös
gemeint zu sein) und landaufwärts bis zum Borgarhraun,
sowie südlich bis zu den Hafnarfjöll, die ganze Land
strecke soweit als die Flüsse bis nach der See hin die
Grenze bildeten“, in Besitz* es war dies aber ein großes
Sumpfland (isl. mvrar, daher Mvrar, der Name für den
ganzen Landstrich) mit weiten Waldstrecken. Von seinem.
Grundbesitze vertheilte er große Stücke Landes an seine
Verwandten und Begleiter. Er erbaute sich einen großen
Hof in der Nähe der Begräbnisstätte seines Vaters und
nannte denselben nach einem burgförmigen umfangreichen
Felsen, an dessen Fuße er stand „Borg“ ; die Bucht aber
erhielt davon den Namen Borgarfjör9r. Skallagrimr war
der Vater des berühmten Dichters Egill Skallagrimsson,
Stammvaters des berühmten Geschlechtes der „Sumpfland
leute“ (Myramenn).
Im Jahre 884 kam R ölfr (oder Dörölfr, wie er wegen
seiner besonderen Verehrung des Gottes Dörr genannt
wurde), Mostrarskegg (d. h. Mosterbart, so genannt nach
der Insel Mostr siidw. von Hördaland, in Norwegen, wo er
seinen Wohnsitz hatte), ein mächtiger Häuptling nach
Island. Derselbe hatte sich Haralds Zorn zugezogen, weil
er einen landesverwiesenen Mann — Sohn des Ketill
flatnefr, Namens Björn — bei sich beherbergt und in
seinen Unternehmungen unterstützt hatte, und es ward ihm
von dem Könige die Wahl gestellt, entweder das Land
zu verlassen oder sich der zu bestimmenden Strafe zu
unterziehen. Da „richtete er ein Opfer zu“, so wird er
zählt, „und gieng seinen Herzensfreund Dörr zu fragen, ob
Geschichtlicher Überblick.
P o e s t i o n , Island.
19
Geschichtlicher Überblick.
290
er sich mit dem Könige versöhnen, oder aus dem Lande
wegziehen und ein anderes Loos suchen solle.“ Er wurde
nach Island gewiesen und sogleich schiffte er sich mit
dem abgebrochenen Tempel des Dörr, seiner Familie und
zahlreicher Gefolgschaft nach Island ein. In der Nähe des
Landes warf er die Hochsitzpfeiler, auf deren einem
das Bild des Dörr eingeschnitzt war, über Bord und
gelobte, sich dort niederzulassen, wo dieselben an’s Land
getrieben würden. Dieser Ort war eine Landspitze
(isl. nes) im Breidifjörcfur — Dörölfr war es, der diesen
breiten Meerbusen so benannte — die von ihm den Namen
Dörsnes bekam. Dörölfr nahm hier alles Land zwischen
der Stafa und der Dörsa — auch der letztere Fluss ver
dankt der Frömmigkeit dieses Ansiedlers seinen Namen —
in Besitz, nachdem er dasselbe mit Feuer umzogen hatte
(s. unten), wies seinen freien Gefährten darin Ländereien
an, erbaute für sich bei der Bucht, in der er gelandet, und
die er Hofsvagr (d. h. Tempelbucht) benannt hatte, einen
großen Hof, dem er den Namen Hofstadir (d. h. Tempel
stätte) gab und richtete daneben den Tempel des Dörr
wieder auf. Dörölfr bestimmte, dass alle Leute zu dem
Tempel Steuer zahlen und zugleich auch dem Häuptlinge
„zu jeder Fahrt“ verpflichtet sein sollten. Ihm selbst als
Priester (godi) des Tempels sollte die Erhaltung desselben
sowie die Besorgung der Opfergastmäler obliegen. Nach
norwegischem Vorbilde setzte er auch zu bestimmten
Zeiten abzuhaltende gerichtliche Versammlungen (]üng)
ein, welche mit Zustimmung aller Leute in der Nachbar
schaft für die ganze dortige Gegend genau so wie in Nor
wegen als „Bezirksgericht“ - nach dein Vorgebirge Dörsnes, auf dem dasselbe stattfand, Dörsnesgericht (DörsnesJiing) genannt — dienen sollten. Dörölfr wurde der Stamm
vater eines angesehenen Geschlechtes.
Massenhafte Einwanderung auf Island begann erst
von ca (S84 angefangen und war ebenfalls zumeist durch
politische Ereignisse veranlasst. Wie schon oben bemerkt,
suchten die nach den westländischen Inseln entwichenen
norwegischen Häuptlinge ihr früheres Heimatsland fort
während mit räuberischen Überfällen heim. Dies bestimmte
endlich König Harald zu einem Heerzuge gegen diese
291
Inseln (wahrscheinlich von 880—884), der mit einer,
allerdings ziemlich zweifelhaften, Unterwerfung derselben
■ endigte. Die norwegischen Häuptlinge fühlten sich hier
nicht mehr sicher und wandten sich nunmehr, oft mit
einer großen Anzahl von Verwandten und Freunden, eben
falls nach Island.
Noch ein zweites Ereignis führte Island zahlreiche
Colonisten zu, nämlich ein Aufstand in Schottland. Im nord
westlichen Schottland herrschte damals Dorsteinn raudi (d. h.
-der rothe), ein Sohn des Oleifr liviti (d. li. der lichte, licht
haarige), welcher Dublin in Irland sainmt dem dazugehörigen
Bezirke erobert und sich zum Könige darüber gemacht hatte.
Seine Mutter war Audr, eine Tochter jenes mächtigen Hersen
Ketill flatnefr, der gleich so vielen anderen Häuptlingen in
folge der neuen Wendung der Dinge durch Haralds Allein
herrschaft Norwegen verlassen und sich mit vielen Verwand
ten und Freunden nach den Hebriden oder wie es in einer
.anderen Quelle heißt, nach Schottland begeben,hatte, wo
er bald eine mächtige Stellung sich erwarb. Oleifr war
in Irland im Kampfe gefallen, worauf Auch* mit ihrem
.Sohne nach den Hebriden flüchtete. Dorsteinn eroberte
sodann im Vereine mit dem Jarl der Orkneys, Sigurdr,
das ganze nordwestliche Schottland und herrschte über das
selbe. Wenige Jahre nach der Unterwerfung der westländischen Inseln durch König Harald brach nun ein all
gemeiner Aufstand der Schotten aus, und Dorsteinn wurde
getödtet. Dies hatte zur Folge, dass theils schon früher
theils seit Haralds Alleinherrschaft in Schottland ansäs
sige Nordmannen sich gezwungen sahen, anderwärts ihren
Wohnsitz aufzuschlagen. Die Mehrzahl dieser Auswan
derer begab sich nun nach Island.
Von den neuen Colonisten auf Island sind zunächst
die Mitglieder der weitverzweigten Familie des Ketill
flatnefr zu nennen. Zuerst kam B jö rn Ketilsson nach
Island, der Heide geblieben wrar, während -sein nun ver
storbener Vater und alle seine Geschwister sich im Westen
hatten taufen lassen. Er begab sich zu seinem alten
Freunde Dörölfr Mostrarskegg (s. oben), und erhielt von
diesem in dessen Gebiete Ländereien zur Besiedelung.
Bald folgte Björns Bruder, H elgi B jöla, Derselbe kam
Geschichtlicher Überblick.
19*
Geschichtlicher Überblick.
292
zuerst zu Ingölfr nach Reykjavik und hielt sich einem
Winter über bei ihm auf. Hierauf ließ er sich in Kjalarnes,
im Gebiete des Ingölfr nieder. H elgi m agri (d. h. der
magere), ein mächtiger König von schwedischer Abkunft,
ein Schwiegersohn des Ketill flatnefr und Sohn des gautländischen Häuptlings Eyvindr ßjarnarson, der sich im
Irland angesiedelt hatte (wo er den Namen austma9r d. h.
Mann aus dem Osten erhielt), ließ sich mit seinem Weibe
Dorunn hyrna (d. li. die Gehörnte) und seinen Kindern
im Eyjafjördur (d. h. Inselbucht) im Nordlande nieder. Er
nahm hier das ganze Land auf der einen Seite der Bucht,
(zwischen Siglunes und Revnisnes) vermittelst der Feuer
weihe in Besitz. Denn obschon Helgi getauft worden war
und an Christus glaubte, nach dein er sogar seine Nieder
lassung Kristsnes (d. h. Vorgebirge Christi) benannte, hielt
er doch an heidnischen Sitten fest und glaubte auch noch
an Dorr, an den er sich in allen Nothfällen wandte. Auch
seine Söhne Hrölfr und Ingjaldr fielen bald wieder vom
Christenthume ab und errichteten an ihren Wohnstätten
große Tempel.
Ketils Tochter Au3r (oder Unnr), zubenannt, „en
djupau9gaa (d. h. die Grundreiche), Witvve des Oleifr
hviti, folgte ihren Geschwistern und Verwandten bald
nach. Ihr Sohn Dorsteinn rau3i hatte sechs Töchter
und ein Söhnlein, Olafr feilan, hinterlassen und da auch
die Mutter todt war, musste Au3r für die Enkelkinder
sorgen. Sie kam mit diesen sowie zwanzig freien Männern
und einer Anzahl von Sclaven nach Island. Sie siedelte
sich in der Landschaft um den Hvammsfjörchir (der an
der Ostseite des Brei3ifjör9ur sich einschneidet) an, nahm
alle umliegenden Thäler in Besitz und erbaute sich einen
Hof, den sie Hvammr nannte. Hier ließen sich auch ihre
Begleiter nieder, von denen einige sich mit ihren Enkelinnen
verheirateten *, einer von diesen, K o 11r, erhielt durch seine
Frau das ganze Thal der Laxa, und wrurde der Stamm
vater des großen Geschlechtes der Laxdcelir, welchem u. a.
der berühmte Olafr pai angehörte. Au3r wrar eine eifrige
Christin. Ihre Verwandtschaft aber verfiel gleich nach
ihrem Tode (ca 909) wieder dem Heidenthum. Der
Ort, an welchem sie ihr Gebet zu verrichten pflegte und
293
wo sie sich Kreuze hatte errichten lassen, wurde zu einer
heidnischen Opferstätte umgeschaffen. Die Nachkommen
schaft des streng christlichen, von den Heiden daher mit
dem Beinamen „enn fiflski“ (d. li. der verrückte, närrische)
gehöhnten K etill hingegen, des Sohnes einer dritten Tochter
des Ketill, der Jorunn mannvitsbrekka (d. h. Männerwitz
brecherin), welcher von den Hebriden nach Island kam,
und sich in Kirkjubser (d. h. Kirchenhof), dem früher von
Papar bewohnten Orte, niederließ, blieb dem Christenthum
treu. Zur Verwandtschaft des Ketill flatnefr gehörten auch
der Christ und Zögling des hl. Patrek, Örlygr, und der
eifrige Heide Dordr skeggi (d. h. der Bärtige), Söhne des
Hrappr, der wieder ein Sohn des mächtigen norwegischen
Häuptlings Björn buna, des Vaters Ketils, war. Örlygr
kam nach Kjalarnes, wo bereits sein Neffe Helgi ansässig
war, erhielt von diesem Land zur Besiedelung und wohnte
beim Esjuberg, wo rer eine Kirche erbauen ließ; Dordr
erhielt Land von Ingölfr und wohnte zu Skeggjastadir.
Er wurde der Stammvater eines berühmten Geschlechtes.
Außerdem sind noch zu nennen: Geirmundr heljarskinn und sein Vetter Ulfr skjälgi, der mit einer Schwester
des Helgi magri verheiratet war. G eim undr h eljarsk in n
(d. h. G. mit der todtenfarbigen Haut) war ein Sohn des
Königs Hjörr und selbst ein König von Rogaland, bevor
er aus Anlass der Eroberung von Rogaland durch Haraldr
nach Island zog; er wird „der vornehmste aller Ansiedler
auf Islandw genannt; Geirmundr nahm eine große Strecke
Landes an den Hornstrandir in Besitz und erbaute sich
nicht weniger als vier große Höfe; er selbst wohnte auf
Geirmundarstadir im Steingrimsfj örflur. U lfr s k ja lg i
(d. h U. der Schielende) nahm ganz Reykjanes zwischen
dem Dorskafj ördur und dem Hafrafell. — D rä n d r mj öksig 1and i (d. h. der lange segelt) und O nundr t r e f 61 r
(Stelzfuß), welche beide in der Schlacht im Hafrsfjör9r
gegen Haraldr gekämpft hatten, nahmen Land: der erstere
zwischen der Djörsa und der Laxä, der zweite in Strandir.
Auch viele Nachkommen des angesehenen norwegischen
Häuptlings Ölvir barnakarl (d. h. Kindermann, so genannt,
„weil er nicht duldete, dass Kinder in die Höhe geworfen
und mit den Speerspitzen aufgefangen wurden, wie es damals
Geschichtlicher Überblick.
294
Gescliichtlicher Überblick.
Sitte der Wikinger“) siedelten sich auf Island an, so dessen
Enkel Öfeigr grettir, Hrolleifr, Mar, Bröndölfr, dessen
Urenkel E>orm69r Skapti u. a Alle diese Leute scheinen,
in den Jahren zwischen 886—900 in Island eingewandert,
zu sein und kamen nicht direct von Norwegen, sondern
von den schottischen Inseln oder von Irland, wo sie sich
entweder schon vor oder erst nach den oben geschilderten
Ereignissen aufgehalten hatten.
Aber auch direct aus Norwegen kamen jetzt immer
mehr Auswanderer nach Island hinüber. Unter diesen ist
besonders der wegen rseiner Milde und Güte von den Zeit
genossen gepriesene In g im u n d r gam li (d. h. der Alte)
bemerkenswert, der ein großer Freund des Königs Haraldr
war und auf dessen Anrathen hin nach Island zog, wo er
den Vatnsdalur besiedelte und zu Hof wohnte. S k i n n aB jörn (d. h. Pelz-B.), ein reicher norwegischer Kauf
mann, kam nach Island, weil er seines Geschäftes überdrtißig war, und nahm die Landschaften um den Micffjörcfur
und den Linakradalur. Ein Sohn desselben war Mi9fjar9arSkeggi. B ar9r, ein Sohn des Hersen Heyjangr Björn, nahm
zuerst den nach ihm benannten Bar9ardalur (am Skjälfandafljöt) in Besitz und wohnte zu Lundarbrekka; da ihm
aber das Klima im Süden des Landes besser erschien,,
vertauschte er den Bar9ardalur mit dem Fljötshverfi und
wohnte zu Gnupar, weshalb er auch Gnupa-Bar9r genannt
wurde; ein anderer angesehener Colonist in dieser Gegend
war E yvindr, ein Sohn des Hersen Dorsteinn höf9i von
Hör9aland, der den Reykjadalur besiedelte und zu Helgastadir wohnte.
Die vierzehn Jahre von 886—900 sind als die eigent
liche Zeit der Besiedelung Islands zu rechnen, in welcher
der größte Theil der bewohnbaren Striche der Insel ein
genommen wurde. Später kamen nur mehr vereinzelte
Auswanderer und zumeist direct von Norwegen dahin, so :
H öl9a-H ör9r, ein Nachkomme des Ragnar lo9brokr
welcher die Ilöfdaströnd (an der Ostküste des Skagafjördur)
in Besitz nahm und zu Höf9i wohnte; H ra fn k e llF re y s go9i (d. h. der Priester des Freyr), welcher den Hrafnkelsdalur, zwischen der Jökulsä ä brü und dem Lagarfljöt
besiedelte; Ö zur A sbj a rn a r son, aus dem Gesehlechte
295
des Björn buna, Vater des Dörör EreysgoSi und Stammvater
des Geschlechtes der Freysgy ölingar, der sich im Skaptarfells •
Ding niederließ, u. A. Mit dem Jahre 920**) kann die Be
siedelung* Islands als abgeschlossen angesehen werden.
Da im Ganzen eine Anzahl von 400 selbständigen Ein
wanderern verzeichnet ist, diese aber mit Familie, Gesinde
und in der Regel außerdem mit einem Gefolge entfernte
rer Verwandten und Freunde nach Island kamen, muss
die Insel bereits gegen das Ende ihrer Besiedelung eine
Bevölkerung von 25000 Köpfen besessen haben. Mit Aus
nahme einer nicht sehr großen Anzahl von Kelten (Iren
und Schotten) und einiger Schweden (Gauten) waren alle
Ansiedler Norweger oder doch von norwegischer Herkunft
und wie wir ferner gesehen haben, zumeist angesehene,
politisch hervorragende, kurz: a risto k ra tisc h e Leute.
Geschichtlicher Überblick.
Die meisten Colonisten beobachteten in der ersten Zeit bei der
Einwanderung’ und Niederlassung ein besonderes Verfahren. Sobald die
Schiffe mit der, Avie wir gesehen, oft sehr zahlreichen Schar, Avelche
dem anführenden Auswanderer folgte, sich der Insel näherten, warf man
gerne die aus der Heimat mitgenommenen Hochsitzpfeiler (isl. öndvegissulur - über Bord in der Absicht, sich dort niederzulassen, a v o die
selben ans Land treiben Avürden. Bisweilen überließ man es auch einer
Gottheit, der man zu diesem ZAvecke vor der Abfahrt geopfert hatte,
den Ansiedelungsplatz zu bestimmen. Aber auch unter anderen Auspicien
und durch mannigfache Zufälle geleitet, schritt man zur Wahl und Besitz
ergreifung des Landes. Bei minder frommen und Aveniger abergläubischen
Leuten Avie auch in vielen anderen Fällen Avar jedoch bei der Wahl des
Wohnortes vorzüglich die Beschaffenheit des zu besiedelnden Landstriches
maßgebend. Waren nun die Hochsitzpfeiler aufgefunden worden, was
bisweilen erst nach Jahren geschah, oder hatte man sonst den Ort der
Niederlassung bestimmt, so gieng man* an die nähere Untersuchung der
*) Nach Guöbrandur Vigfusson’s neueren Berechnungen (im „Cor p u s
p o e tie u m b o rea le. The poetry of tlie old northem tongue from the
earliest times to the thirtheenth Century edited, classified and translated
Avith introduction, excursus and notes by Gudbrand Yigfusson, M. A.
and F. York Powell, M. A. Oxford, 1883. Zweiter Band, S. 487 ff.),
denen zufolge Island erst um das Jahr 900 entdeckt Avorden wäre, fiele
die Beendigung der isländischen Colonisation um 960.
**) Es waren dies die Pfeiler des nördlichen Hoch- oder Ehrensitzes
in der „Halle14, auf dem der Hausherr zu sitzen pflegte; oft A v a r auf
denselben ein Götterbild, gewöhnlich den Donnergott Dorr, den National
gott der Norweger darstellend, eingesclmitzt. Über die Einrichtung
einer altnordischen Halle vgl. P o e stio n , Einleitung in das Studium
des Altnordischen. II. (Hagen, 1885) im Glossar unter: öndvegi.
296
Geschichtlicher Überblick.
betreffenden Gegend; man gebrauchte dafür (wie übrigens auch schon für
die Aufsuchung des zu o.ccupierenden Landes) den Ausdruck „kenna
landit“ d. h. das Land kennen lernen. War auch dies geschehen, soschritt man zur förmlichen Besitzergreifung des anfangs oft übergroßen
Landstückes und zur Errichtung des Wohnsitzes. Diese Besitzergreifung
geschah auf feierliche Weise durch „Umfahren cTes Landes mit Feuer“
(fara eldi um landit), indem man entweder das ganze zu occupierende
Gebiet mit brennenden Holzstößen abgrenzte, die so nahe bei einander
stehen mussten, dass je einer bis zum nächsten leuchtete, oder an den
Flussmündungen des Gebietes ein Feuer anzündete oder auch das zu
besetzende Land mit einer brennenden Fackel und zwar stets in der
Dichtung gegen die Sonne umritt. War Gefahr vorhanden, dass ein
anderer Colonist mit der Besitzergreifung einer Stelle Landes zuvor
kommen könnte, so schoss man einen brennenden Pfeil über das be
treffende Landstück; dies geschah auch, wenn man das jenseitige Ufer
eines Flusses bis zum nächsten, selbständig zum Meere eilenden Pinnsale
occupieren wollte. Bei Begrenzung des besetzten Landes hielt man sich
gerne an die natürlichen Grenzen als: rinnende Wasser, Meerbusen,
Bergfirste und Hügel, außerdem pflegte man noch künstliche Grenzmerk
zeichen als: hohe Stangen, Zeichen an Bäumen u. dgl. herzustellen. Als
später immer mehr Ansiedler kamen und die noch freien Landstrecken
immer seltener wurden, durfte jeder Einwandrer nur so viel Land in
Besitz nehmen, als er an einem Tage mit Feuer „heiligen“ konnte.
Fand man keine freie passende Gegend mehr vor, so kaufte man wohl
auch Land von dem ersten Besitzer oder man vertrieb denselben mit
Gewalt oder forderte ihn zum Zweikampfe heraus. Frauen, die sich
ansiedelten, durften die Feuerweihe nicht vornehmen und nur so viel
Land occupieren, als sie mit einer zweijährigen und gutgenährten
Kalbin an einem Sommertage zwischen Auf- und Untergang der Sonne
umgehen konnten. Die Besitzergreifung von Land nannte man
„Landnahme“ (landnäm), die Vollziehung derselben „land nehmen“
(nema land); der Ansiedler aber hieß Landnahmemann (landnäm amadr,
plur. landnämamenn) und die Zeit der Besiedelung d. h. die ersten
sechzig Jahre der Geschichte Islands „Landnahmezeit“ (landnämatiöir).
— Vgl. Iv. M aurer „Beiträge zur Pechtsgescliichte des germanischen
Nordens. Heft I. (München 1852),“ welchem trefflichen, kürzlich auch
ins Neuisländische übersetzten Werke wir bei obiger Darstellung
hauptsächlich folgten.
Ä lte ste S ta a ts V erfassung. Hatte ein Ansiedler
den von ihm gewählten Landstrich in Besitz genommen und
seine Wohngebäude errichtet, so schritt er, wenn er vermöglich war, in der Regel zur Erbauung eines T em pels
(isl. hof), wobei er oft die schon zu diesem Zweck aus
der Heimat mitgebrachten Materialien, besonders die Haupt
säulen des alten Tempels verwendete. Zu diesem Tempel
hielten sich dann die Verwandten und sonstigen Ange
hörigen des Ansiedlers sowie Freunde und andere Leute
297
der Umgebung, besonders solche, die von dem Ansiedler
Land zugetheilt erhalten hatten. Dadurch entstanden all
mählich T em pelgem einden, an deren Spitze der Be
sitzer des Tempels stand; dieser wurde als solcher und
als Leiter der gemeinsamen Opfer, der er dabei war, g o 9 i
d. h. Priester (oder hofgocfi cl. h. Tempelpriester) genannt.
Mit der religiösen Vorsteherschaft verband sich aber als
bald auch die Leitung der öffentlichen Angelegenheiten
und der Besitz der öffentlichen Gewalt, doch stets so,
dass die Mitglieder der Gemeinde nur durch frei einge
gangenen und zu jeder Zeit lösbaren Vertrag dem Gocfi
untergeben waren. Der Go3i hieß als weltlicher Vor
steher der Gemeinde: „Häuptling“ (höfflfingi), „Übermann“
(yfirmaör) ’ oder „Vormann“ (fyrirmadr); die Mitglieder
der Gemeinde hießen: Untergebene, „Unterleute“ (undirmenn), öfter aber noch „Versammlungsleute“ (Jnngmenn;
vgl. unten); die Obergewalt des Gocfi aber — und zugleich
auch die Tempelgemeinde als Verband — wurden be
zeichnet als: „Priesterthum“ (gocforöf — weshalb der Go3i
bisweilen auch „Priesterthumsmann“ oder go9or9sma9r ge
nannt ist), „Regierung“ (rfki) oder „Vorsteherschaft über
die Leute“ (mannaforracf), der Gemeindebezirk auch als
„Versammlungsbezirk“ (J)ingha oder ]}ingmannasveit). In
Verbindung mit dem gemeinschaftlichen Opferdienste stand
eine Versammlung (J)ing) der zur Gemeinde gehörigen
Männer, in welcher Rechtsstreitigkeiten und andere gemein
same Angelegenheiten geordnet wurden; es war dies eine
Nachahmung der norwegischen Bezirksversammlungen
(heradsjnng). Der Go3i führte auch hier den Vorsitz und
ernannte die Richter, wie er überhaupt für die Aufrecht
haltung des Friedens und der Ordnung in seiner Ge
meinde Sorge trug. Die Erhaltung des Tempels und Ab
haltung der Opfer musste der Go3i aus eigenen Mitteln
bestreiten; desgleichen war er verpflichtet, seinen Unter
leuten oder Jnngmenn in jeder Richtung Schutz und Unter
stützung (traust) zutheil werden zu lassen. Diese hingegen
mussten dem Gocfi einen Tempelzoll (hoftollr) entrichten
und ihm Gehorsam, sowie überall Dienst und Gefolgschaft
(liS) leisten, wo er ihrer zu benöthigen glaubte; außerdem
mussten sie ihn beherbergen und bewirten, wenn er zur
Geschichtlicher Überblick.
Geschichtlicher Überblick.
298
Aufrechthaltung der Ordnung in seinem Go3or3 von Hof
zu Hof zog.
Die einzelnen Go3or3 waren von einander völlig uh'
abhängig und abgeschlossen und stellten jedes für sich
einen kleinen Staat dar. Dies führte jedoch bald zu
allerlei Schwierigkeiten im Verkehr der Angehörigen ver
schiedener Go3or5, die überdies zerstreut durch einander
wohnen konnten. Entstand zwischen solchen ein Streit,
so gab es keinen anderen Ausweg zur Schlichtung des
selben als die Entscheidung durch die Waffen. Um diesen
Übelständen abzuhelfen, vereinigten sich in verschiedenen
Theilen des Landes mehrere Häuptlinge dahin, gemein
schaftliche Volksversammlungen abzuhalten, in denen
über die Streitigkeiten ihrer Untergebenen verhandelt und
entschieden werden sollte. Solcher Art waren z. R.
schon die regelmäßigen Versammlungen auf dem Vor
gebirge Kjalarnes (deshalb Kjalarnesjping genannt), welche
von Dorsteinn, dem Sohn des ersten Einwanderers Ingölfr
unter Mitwirkung einer Anzahl von Häuptlingen einge
führt worden waren. Aber auch diese Einrichtung genügte
bald nicht mehr und man schritt darum, als Island seine
volle Bevölkerung erlangt hatte, zur Einverleibung der
einzelnen kleinen Staaten in einen einzigen großen Ver
band, für den ein und dasselbe Gesetzfgelten sollte. Ein
alter gesetzeskundiger Mann, Namens U lfljotr, der vor
Kurzem aus Norwegen gekommen war, wurde beauftragt
nach norwegischem Muster ein Landrecht für Island aus
zuarbeiten. Derselbe reiste zu diesem Zwecke um das
Jahr 927 nach Norwegen zurück und brachte nach drei
jährigem Aufenthalte daselbst einen Gesetzentwurf nach
Island, dem die Rechtsgebräuche der engeren norwegischen
Heimat des Ülfljötr und der meisten norwegischen Ansiedler,
wo die Giilajhngslög d. h. die Gesetze des G ulaJ)ing (so
genannt, weil dieses Ding — für die drei „Volklande“
FirSafylki, Sygnafylki und HörSafylki — auf der Insel
Gul an der äußersten Nordspitze von Hör3aland abge
halten wurde) galten, zugrunde gelegt waren. Der Entwurf
fand auch die volle Billigung der isländischen Häuptlinge
und wurde unter Berücksichtigung der besonderen Ver
hältnisse Islands zum allgemeinen Gesetz erhoben. Zu
299
nächst wurde — ebenfalls auf den Rath des Ülfljötr und
im Einverständnisse aller Häuptlinge — eine allg em ein e
Landesversammlung — aljpingi genannt — eingesetzt,
die jährlich einmal zur Mittsommerzeit abgehalten werden
sollte, und als deren Ort die Flur _des Hofes Dingvellir
(d. h. Versammlungsebene) an der Öxara bestimmt wurde.
Dies geschah im Jahre 930. Zugleich wurde ein oberster
Beamter für das ganze Land eingesetzt, der jedoch immer
nur eine bestimmte Zeit hindurch in Function bleiben
sollte* derselbe hatte am AlJ)ingi den Vorsitz zu führen,
den Personen, welche es verlangten, Rechtsgutachten
zu geben und jedes dritte Jahr der Versammlung von
einem Felsen aus, der deshalb „Gesetzesfelsen“ (lögberg) genannt wurde, Vorträge des Landesgesetzes zu
halten ; er führte wegen dieser letzteren Obliegenheit den
Titel „Rechtsvortragsmann“ oder „Gesetzsprecher“ (lögsögumadr). Als oberste richterliche und gesetzgebende
Instanz fungierte am Al^ingi ein Ausschuss, „Lögretta“
(d. h. Gesetzrichterin) genannt. Das Rechtsverhältnis
des Go3i zu seinen Untergebenen wurde durch das neue
Gesetz nicht geändert; doch ward bestimmt, dass an
den Versammlungen der einzelnen Tempelgemeinden gegen
seitig Recht gegeben und Recht genommen werden solle.
Indessen zeigte es sich bald, dass auch die Gesetze des
Ülfljötr nicht ausreichend waren zur Herstellung einer
völlig geordneten Staatsverfassung. Namentlich die Bezirks
verfassung bedurfte noch einer bestimmteren Regelung.
Diese erfolgte um das Jahr 965, indem die Anzahl der
Go3or3 festgesetzt wurde. Es sollte deren von nun an 39
geben und zwar je 3 zu e in e m Thingverbande (J)ingsökn) mit einem Haupttempel verbunden. Das Land
wurde in 4 geographisch abgegrenzte Viertel, in den AustAr3inga-, Sunnlendinga- oder Rangseinga-, VestfirSingaund Nor31endinga-fjör3ungr (d. h. Ostfjordebewohner-, Süd
länder- oder Rangäthalbewohner-, Westfjordebewohner- und
Nordländer-Viertel) eingetheilt, von denen die ersten drei
je 3, das letzte 4 Dingsöknir enthielt, so dass es also im
Ganzen 39 Go3or3 und 13 Dingsöknir gab. In jedem
Dingsökn musste zweimal im Jahre, im Frühling und im
Herbste eine Thingversammlung abgehalten werden —
Geschichtlicher Überblick.
Geschichtlicher Überblick.
300
daher Frühlingsthing _(varjjing) und Herbstthing (haustjnng,
auch leid) genannt. Auch die Organisation des Aljinngi
wurde umgestaltet, indem der gesetzgebende Ausschuss von
dem richtenden getrennt und für die Landesviertel je
ein eigener, aus 36 Mitgliedern bestehender, richterlicher
Senat — V ie rte lg e ric h t (fjördimgsdömr) eingesetzt
wurde. Der Name lögretta kam jetzt nur mehr dem gesetz
gebenden Ausschüsse zu. Im Jahre 1004 wurde endlich
(durch Njall) noch ein fü n fte s G erich t (fimtardömr)
am AIJnngi eingeführt, welches über bestimmte schwere
Verbrechen, dann über Fälle, die bei den Viertelgerichten
nicht erledigt werden konnten (z. B. wegen Uneinigkeit
der Richter), bei Klagen über geübte Bestechung von
Mitgliedern dieses Gerichtes u. s. w. Recht zu sprechen
hatte. Mit der um das Jahr 1006 erfolgten gesetzlichen
Abschaffung des Zweikampfes, welche eine Begrenzung
des Stimmrechtes in der Lögretta auf die Goden und Er
richtung neuer, außerhalb der nonnirten Dings öknir stehen
den Go9or9 zur Folge hatte, war sodann die Staatsver
fassung Islands bis auf einige durch die rasch wachsende
Macht der christl. Kirche bedingte Modifikationen so gut
wie abgeschlossen.*)
E inführung des Christenthum s. Ein Jahrhundert
lang blieb die Bevölkerung Islands noch völlig heidnisch;
in den wenigen christlichen Familien unter den Einwan
derern gieng der christliche Glaube bald wieder verloren.
Gegen das Ende des 10. Jahrhunderts aber wirkten wieder
holt Missionäre für die Annahme des Christenthums, so von
981—986 der sächsische Bischof Friedrich im Vereine mit
dem Isländer Dorvaldr Ko9ransson, von 996—997 der Isländer
Stefnir Dorgilsson, von 996—999 der. deutsche Priester
Dankbrand (Dangbrandr). Der Erfolg dieser Missionen war
ein solcher, dass schon im Jahre 1000 die christliche Lehre
am Aljpingi als Staatsreligion erklärt wurde. Wir sehen
zuerst lauter fremde Priester und Bischöfe bemüht, den
*) Vgl. über die älteste Verfassung Islands insbes. K. Maurer’s,
„Beiträge zur Rechtsgeschichte des germanischen Nordens“ (München,
1852) und „Island von seiner ersten Entdeckung bis zum Untergänge
des Freistaates“ (München 1874), welche beiden Werke auch der
obigen Darstellung zugrunde gelegt sind.
301
christlichen Glauben auf der Insel recht fest zu begründen
und dem Lande einen Priesterstand zu geben. Doch schon
im Jahre 1055 finden wir einen Isländer, Isleifr Gizurarson,
als Bischof auf Island. Derselbe residierte auf seinem
Stammgute S kai holt. Er hatte zum Nachfolger seinen
Sohn Gizurr Isleifsson, einen hochbegabten Mann, der
nicht nur durch reichliche Schenkungen Skaiholt als
Bischofssitz fest begründet, sondern auch auf die uneigen
nützigste Weise die Errichtung eines zweiten Bisthums,
mit dem Stuhle zuH ö lar im Nordlande unterstützte und —
was noch wichtiger — am AlJ^ingi die Einführung des
Zehnten für die Kirche durchsetzte. Der erste Bischof
von Hölar war Jon Ogmundarson. — Auch Klöster wurden
bald gegründet. Das erste Kloster auf Island gehörte dem
Benedictinerorden an und wurde zu Anfang des 12. Jahrh.
zu Dmgeyrar im Nordlande gestiftet; das zweite, ebenfalls
ein Benedictinerkloster und ein nordländisches, wurde zu
Dverä oder wie der Ort seitdem genannt ist, Munka]3vera
im Eyjafjördur im Jahre 1155 gegründet. Auch der
Augustinerorden hatte einige Klöster, so das 1168 gestiftete
zu Dykkvibaer in der Landschaft Alptaver, ein 1172 auf
der Insel Flatey gegründetes, aber 1184 nach Helgafell
verlegtes, ein drittes 1226 auf der Insel Vi3ey und endlich
ein viertes 1295 oder 1296 in Mödruvellir im EyjafjörJur
errichtetes Kloster. Auch Frauenklöster wurden bald ge
gründet, so 1186 eines zu Kirkjubaer in der Landschaft
Si9a, 1295 ein zweites zu Sta3r i Reynisnesi (jetzt Reynistacfur) im Nordlande. Island gehörte in kirchlicher
Beziehung zuerst (bis 1103) zum Stuhle von HamburgBremen, dann (von 1103—1152) zum Stuhle von Lund,
endlich zur Diöcese von Drontheim.
G lü c k lic h ste P erio d e Islan ds. Man könnte die
Periode vom Anfang des 11. bis in die Mitte des 12. Jahrh.
das F rie d e n s z e ita lte r („fricfaröld“) der isländischen
Republik nennen; denn es ist dies die friedlichste Zeit des
Freistaates, zugleich aber auch die glücklichste Zeit über
haupt gewesen, die Island je erlebt hat. Die wirthschaftliclien Verhältnisse daheim, der Handel mit dem Auslande,
von manchen Isländern mit eigenen Schiffen betrieben,
standen in Blüte, die Bauern befanden sich durchschnitt
Geschichtlicher Überblick.
Geschichtlicher Überblick.
302
lieh in günstigen Vermögensverhältnissen, in besseren
wenigstens als dies jetzt der Fall ist; einzelne Häuptlinge
erwarben bedeutende Reichthümer, edle junge Männer
besuchten wie früher die nordischen Fürstenhöfe als Dichter
oder Krieger und kehrten mit wertvollen Geschenken
oder reichlicher Kriegsbeute nach Hause zurück. Auch
sonst unternahmen die Isländer häufig Reisen in's Ausland
und wurden sogar zu Entdeckern neuer Länder (so Grön
land^, das im Jahre 983 und Amerikas, das um das Jahr
1000 aufgefunden wurde). Bis nach Rom, Constantinopel
und in den Orient kamen die Isländer auf ihren Reisen.
Jünglinge und Männer insbesondere, welche sich dem geist
lichen Stande widmen wollten, begaben sich gerne nach
berühmten Hochschulen in Deutschland, Frankreich und
Italien, um hier den Studien zu obliegen. Auch Wall
fahrten nach Rom und Jerusalem wurden unternommen.
Ein Lieblingsort der Isländer wie der übrigen Skandina
vier, wo sie fremde Reliquien aufsuchten, scheint insbeson
dere die Abtei Reichenau (auf einer Insel im Zeller
oder Untersee bei Constanz) gewesen zu sein, da in einem
alten bis in’s 11. Jahrhundert reichenden Todtenbuche dieser
Abtei nicht weniger als 39 isländische Pilger verzeichnet
sind, die bis zu diesem Zeitpunkte das Kloster besucht
hatten *) Auf diesen Reisen und Wanderungen lernten die
Isländer die europäische Cultur kennen und verpflanzten
dieselbe zum Theil nach ihrer Heimat. Einzelne Häuptlinge
und Reiche trieben bald einen beinahe fürstlichen Auf
wand und namentlich gegen das Ende des Freistaates hin
entfalteten die vornehmen Geschlechter einen Glanz in
Haushaltung, Kleidung und öffentlichem Auftreten, wie
er auf Island seither nimmer gesehen worden ist. In den
letzten Theil dieser Periode fällt auch schon der Beginn
des Zeitalters der a ltislä n d isc h e n L ite ra tu r (der
„ritöld“), und zwar der Sagaschreibung wie der eigent
lichen Geschichtschreibung. Es ist diese Literatur mit
Recht bezeichnet worden als „ein Phänomen vom Stand
punkte der allgemeinen Cultur- und Literaturgeschichte,
*) Vgl. Mone, Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 4. Jahr
gang, S. 17—20, 97—100.
303
sobald man sich die physischen Bedingungen des Bodens
und Klima’s vergegenwärtigt, unter denen sie entstand,
sich ausbildete und zur Blüte gelangte.“ Die südländischen
Priester hatten mit der lateinischen Sprache auch die latei
nische Schrift in’s Land gebracht, und diese verdrängte
bald die alte Runenschrift. Die Pflegestätten der Literatur
und Gelehrsamkeit waren auch auf Island zunächst die
Klöster mit ihren Schulen, dann aber auch einzelne Häupt
lingssitze wie Oddi, der Hof im Haukadalur u. a. Die altisländische Literatur ist bekanntlich ebenso reichhaltig wie
wertvoll. Ihr verdanken wir ja auch fast ausschließlich
die Kenntnis des altgermanischen Gütterglaubens und vieler
Heldensagen. „Islands Literatur ist der unverwitterte
Runenstein, in welchen der nordische Geist in tiefen, ewiglesbaren, unauslöschlichen Zügen die Erinnerung seiner
Vorzeit eingeschrieben hat, eine Literatur, die freilich an
Mannigfaltigkeit und Gleichmäßigkeit der Ausbildung von
mancher anderen übertroffen wird, die aber als bagenquelle keiner einzigen nachsteht.“ (Koeppen). Sie bildet
mit Recht den Haupt-Glanzpunkt in der Geschichte Islands
und bleibt für ewige Zeiten ein bewunderungswürdiges
Denkmal der alten Cultur des isländischen Volksstammes.*)
U ntergang des F reistaates. Über 300 Jahre be
stand die Republik, —- die glänzendste und merkwürdigste
Periode in der Geschichte Islands. Ihr Ende wurde hauptGeschichtlicher Überblick.
*) Vgl. über die ausländische Literatur bes. Konr. M aurer,
Über die Ausdrücke: altnordische, altnorwegische und isländische Sprache,
München 1876; Osc. B renner, Altnordisches Handbuch. Leipzig 1882,
S. 7—23. M ö b i u s, „Catalogus librorum i s 1an d i c o r u m et norvegicorum aetatis mediae,“ Leipzig 1856 und „V erzeich n is der auf dem
Gebiete der a 11 n o r d i s c h e n (altisländischen und altnorwegischen
Sprache und Literatur von 1855 bis 1879 erschienenen Schriften.“
Leipzig 1880; Kos seiet, Isländische Literatur in Ersch und Gruber’s
Allgem. Encyclop. der Wissenschaften und Kunst, II. Sect. 31. Tli.
(1*55), S. 241—314. Wi n ke l - Ho r n , Geschichte der Literatur des
skandinav. Nordens (Leipzig 1880) S. 1—67. — Sch we i t z e r ,
Island (Leipzig) S. 75— 111. — V i g f u s s o n G. in: „Sturlunga saga“
(Oxford 1878), I. Bd. S. XVII— CCXIV, und V i g f u s s o n und
Po we l l „Corpus poeticum boreale. The poetry of tlie old nortliern
Tongue“ u. s. w. (Oxford, 1883), 2 Bände. Die altisländische Literatur
ist dem großen Kreise der Gebildeten noch viel zu wenig' durch gute
Übersetzungen bekannt gemacht worden.
304
Geschichtlicher Überblick.
sächlich durch innere Ursachen herbeigeführt, besonders
durch Fehden zwischen den mächtigen, ehrgeizigen Häupt
lingen (Goden) des Landes selbst, welche zu blutigen Bürger
kriegen (S chlacht bei ÖrlygsstaSir im Skagafjördur 1238)
führten. Da fast in allen diesen Streitigkeiten die drei
Sturlungen (d. h. Söhne des Sturla, eines Nachkommen
des berühmten Goden Snorri von Helgafell) Dor3r, Sighvatr und der bekannte Geschichtschreiber Snorri Sturluson mit ihrem Anhänge verwickelt waren, wird der Zeit
abschnitt dieser Kämpfe (von ca 1230 bis 1262) geradezu
als das Zeitalter der Sturlungen (Sturlungaöld) bezeichnet.
Aber auch Zerwürfnisse zwischen Kirche und Staat,
besonders als die erstere zu dem eigens für die Nord
leute gestifteten Erzbisthume von Drontheim kam und hier
regelmäßig Unterstützung ihrer Ansprüche fand, trugen
nicht wenig dazu bei, das Staatswesen der Republik zu
zerrütten. Man sollte nun erwarten, dass Island in eine
selbständige Monarchie umgewandelt wurde mit einem der
mächtigsten Goden als Herrscher; es kam jedoch anders,
und zwar schlimmer. Die Könige von Norwegen hatten
längst ein Auge auf Island geworfen und die Insel sich
zu unterwerfen gesucht, wenn auch nicht mit Waffen
gewalt. Es gelang dies aber keinem von ihnen, so lange
der isländische Freistaat stark und kräftig und nicht
durch Parteikämpfe geschwächt war, obschon sie unter
den jüngeren Männern der vornehmeren Familien Islands,
die sich gerne an ausländischen besonders an den nordi
schen Höfen, — sei es als Dichter oder als Krieger —
aufhielten, immer Anhänger hatten, die bereit gewesen
wären oder auch waren, die Könige in diesem Bestreben
zu unterstützen. Die inneren Unruhen und zerrütteten
Zustände der Republik, wie sie schon seit der Mitte des
12. Jahrhundertes zutage traten, boten nun König Häkon V.
Anlass zu einem neuem Versuche, der denn auch nach
mehrfachen vergeblichen Anstrengungen durch Beihilfe
isländischer Häuptlinge schließlich auf friedlichstem Wege
gelang. Ohne einen Schwertstreich, ohne dass ein Tropfen
Blut vergossen wurde, unterwarf sich Island dem Nach
folger Häkons, Magnus VI. Im Jahre 1264 hat die Re
publik Island ihr Ende erreicht.
305
Bei der Unterwerfung bedangen sich die Isländer
vom Könige u. a. aus, dass derselbe für die Aufrechthaltung
des Friedens im Lande und den Schutz gegen äußere
Feinde Sorge trage, ihnen ihre einheimische Gesetzgebung
lasse und im Verkehr mit Norwegen gewisse Privilegien
einräume; dagegen gelobten sie dem Könige Unterthanentreue und die Entrichtung einer geringen Steuer. Der dies
bezügliche Unterwerfungscontract enthielt außerdem die
Clausei, dass die Isländer für den Fall, dass der König
seine Versprechungen nicht erfüllen würde, von aller
Treuepflicht gegen denselben entbunden sein sollten. Es
war daher äußerlich keine blinde Unterwerfung unter
willkürliche Gewalt, sondern vielmehr ein kündbarer Ver
trag, ein Bündnis mit Norwegen, aber auch nur äußer
lich und in der Auffassung der Isländer* denn gar bald
kümmerte sich der norwegische König wenig mehr um
diesen Vertrag. Er handelte Island gegenüber ganz nach
eigener Willkür und gieng namentlich bald daran, das
Gerichts- und Processwesen nach norwegischer Art einzu
richten. Er that dies zuerst mit dem Amt des Gesetz
sprechers, der nunmehr auch nicht mehr lögsögumadr, sondern
wie in Norwegen lögm adr d. h. Gesetzesmann genannt
wurde. Im Jahre 1277 wurden dann zwei Lögmänner
eingesetzt, die neben einander wirkten. Das AIJnngi blieb
zwar bestehen, verlor aber immer mehr von seiner früheren
Bedeutung*, an Stelle der alten Ding-Verbände kamen
bleibende Bezirke (sysla, f., plur. syslur), denen je ein
syslumadr (Bezirksmann, Beamter) Vorstand. Über die
ganze Insel wurde ein Oberbeamter gesetzt, der den Titel
eines Marschalls führte. Die Beamtenstellen bekleideten
häufig Norweger. Im Jahre 1271 erhielt die Insel vom
König Magnus auch einen neuen Rechtscodex, die soge
nannte „ Ja rn sid a “ (d. h. Eisenseite*), den zehn Jahre
später ein anderes Gesetzbuch, die „Jönsbök“ (so genannt
nach seinem Hauptverfasser, dem Lögmann Jon) ablöste.
In beiden Gesetzbüchern war das alte isländische Recht
Geschichtlicher Überblick.
-) Diese Benennung ist wolil nicht von der angeblichen Härte des
Gesetzbuches, sondern von dem eisenbeschlagenen Einbande, den das
Original gezeigt haben wird, abzuleiten. (K. Maurer).
P o e s t io n . Island.
*20
Geschichtlicher Überblick.
306
nur wenig berücksichtigt worden. Die Isländer waren
nicht imstande, sich wirksam gegen diesen Bruch des
Unterwerfungscontractes aufzulehnen und so unterschieden
sie sich nun thatsächlich in Nichts mehr von den übrigen
Unterthanen des norwegischen Königsreiches.
I s l a n d u n t e r N o r w e g e n und D ä n e m a r k .
E i n f ü h r u n g d e r R e f o r m a t i o n. Wir haben die Periode
des Freistaates wegen ihres Gegensatzes zur Gegenwart
etwas ausführlicher besprochen und können uns nun um
so kürzer fassen, als ja seit dem Übergänge der Insel an
Norwegen in gewissem Sinne auch die Geschichte Islands
ihr Ende erreicht hat. Es gab bald wieder Unruhen im
Lande, besonders Streitigkeiten mit den Bischöfen, die wie
die meisten übrigen höheren Beamten der Insel jetzt fast
ausschließlich Ausländer und oft gewaltthätige oder sitten
lose Männer waren, welche das Volk aufreizten und blutige
Händel anstifteten. Dabei war es nun auch mit der Ge
setzlosigkeit auf Island so weit gekommen, dass sogar
offene Mordthaten bisweilen unbestraft blieben und es
kamen Ereignisse vor, die an die schlimmsten Gräuel der
Sturlungen-Zeit erinnerten. Da erwachte auch noch einmal
der alte Geist und das Freiheitsgefühl der Isländer. Sie ver
trieben die königlichen Beamten und tödteten einen der
Befehlshaber des Königs in der Schlacht zu Grund im
Eyjafjördur (1361), aber freilich ohne einen weiteren Er
folg. Im Jahre 1380 gelangte Island durch die calmarische Union mit Norwegen an Dänemark, bei dem es
auch verblieb, als Norwegen im Jahre 1814 mit Schweden
vereinigt wurde.
Unter Dänemark ergieng es vorläufig den armen
Isländern nicht viel besser, da der neue Beherrscher sich
wenig um sein Schatzland bekümmerte. Das Eine aber
muss betont werden: „Nach wie vor erschien die Insel als
ein eigenes Land Dänemark und Norwegen gegenüber,
welches seine eigene Gesetzgebung, Gerichtsverfassung und
Verwaltung hatte und im Fall eines Thronwechsels seine
eigene Huldigung leistete, und seine eigene Handveste
empfieng, bei welcher Gelegenheit allenfalls auch noch
einmal auf den alten Unterwerfungsvertrag und die in
ihm gesetzten Bedingungen hingewiesen wurde; höchstens
807
hatte die allgemeine Erschlaffung der Geister zur Folge,
dass das Althing Gesetzesvorschlägen, welche der König
zur Annahme sandte, nicht leicht mehr widersprach, und
dass selbst gewaltthätig auftretende Beamte nur ausnahms
weise noch auf schneidigen Widerstand stießen.“ (Maurer).
Es begann nun auch der frühere Volkswohlstand immer
mehr zu sinken, und die Insel wurde durch eine verkehrte
Handelspolitik geradezu dem Ruine entgegengeführt. Schon
um die Mitte des 14. Jahrh. wurde der isländische Handel
von den Königen von Norwegen für regal erklärt, in
Bergen concentriert, an besondere Concession geknüpft und
mit schweren Abgaben belastet. Derselbe befand sich
anfangs zumeist in den Händen der Engländer, dann —
ungefähr seit dem Schlüsse des 15. Jahrh. — in denen der
Hanseaten. Die Insel wurde nun aber auch von einer
ganzen Reihe äußerer Unglücksfälle, als schweren vulcanischen Verheerungen, Seuchen, Hungersnoth u. dgl. be
troffen, welche binnen kurzer Zeit mehr als die Hälfte
der Bevölkerung hinwegrafften. Ja sogar von Räubern
— Engländer waren es — wurde die Insel jetzt heim
gesucht und geplündert*, die Isländer sahen sich gezwungen
gegen dieselben mit Streitkräften aufzutreten und besieg
ten sie in der Schlacht bei Mannskadahöll (1434). Kein
Wunder dann, dass Bildung, Literatur und Wissenschaft
der Isländer, welche bereits seit der Einführung der nor
wegischen Herrschaft zu sinken begannen, nunmehr in
gänzlichen Verfall geriethen.
Bald sollte die Insel auch wieder der Schauplatz blutiger
Kämpfe werden, veranlasst durch die von Christian III. mit
großer Härte betriebene Einführung der R eform ation.
Die Isländer wurden zur Annahme der neuen Lehre ge
zw ungen, Bischof Jön Arason von Hölar, der den ener
gischesten Widerstand leistete, als Hochverräther verurtheilt und sammt mehreren seiner Söhne am 7. Nov. 1550
zu Skaiholt enthauptet. Im Jahre 1551 war die Refor
mation im ganzen Lande durchgeführt. Die Liegenschaften
der Kirchen und Klöster wurden als Krongüter einge
zogen und verwertet. Auch im isländischen Staatsleben
traten infolge der Reformation mancherlei Veränderun
gen ein. Die Bischöfe wurden fortan vom Könige ernannt,
Geschichtlicher Überblick.
20*
Geschichtlicher Überblick.
308
die Pfarren von der weltlichen Obrigkeit besetzt, die
königliche Gewalt immer weiter ausgedehnt, das Al]nngi
immer mehr seines Einflusses beraubt. Von den allerschlimmsten Folgen war jedoch für Island die Monopoli
sierung des Handels, durch die den Isländern das letzte
Lebensmark ausgesaugt wurde; wir werden über dieses
unglückselige System später ausführlicher zu sprechen
haben. Hier sei nur bemerkt, dass der schwere Vorwurf
wegen dieser Maßnahmen im Grunde weniger gegen die
Könige, die sich — namentlich später — den Isländern
wiederholt wohlwollend erwiesen haben, als vielmehr gegen
die dänischen Kaufleute zu erheben ist, welche, von Eigen
nutz getrieben, jene Verfügungen beinahe erzwangen und
dann die arme Bevölkerung Islands in schonungslosester
Weise ausbeuteten.
Neue schwere Heimsuchungen durch Missjahre,,
schreckliche Elementarereignisse und Krankheiten kamen
über die Insel. Im 18. Jahrh. gab es nicht weniger als 43
Missjahre, die 18 mal Hungersnoth im Gefolge hatten; die
Hekla, dieKatla, die Vulcane im Varmärdalur richteten durch
die furchtbarsten Ausbrüche beispiellose Verwüstungen an,
wodurch Viehseuchen entstanden (vgl. oben S. 108 ff.?115 ff-),
im Jahre 1707 rafften die Blattern mehr als ein Drittel der
Bevölkerung hinweg. Im 17. Jahrhundert wurde Island
auch von algierischen Seeräubern heimgesucht, welche
1627 auf der Insel raubten und mordeten und gegen
400 Isländer gefangen nahmen, die sie dann in Algier
als Sclaven verkauften. Angesichts dieser unerhörten
Prüfungen, welche das isländische Volk zu bestehen hatte,,
kann man nur staunen über die Widerstandskraft, Aus
dauer und Vaterlandsliebe, welche dieser Volksstamm an
den Tag gelegt hat — staunen und bewundern, und dies
noch um so mehr, als sich seit der Einführung der Re
formation Bildung und Wissenschaften im Lande wieder
allmählich zu heben begannen und seit der Mitte des
18. Jahrhunderts sich sogar Gesellschaften bildeten, deren
Zweck es war, Aufklärung und Bildung unter dem Volke
zu verbreiten. Auch die Anfänge der neuen isländischen
Literatur fallen in diese Zeiten schwerer Heimsuchungen.
An wichtigeren politischen und administrativen Acten fällt
Geschichtlicher Überblick.
309
in diese Periode noch die gesetzliche Anerkennung der
erblichen Alleinherrschaft des Königs von Dänemark auch
für Island (1662), die Einsetzung eines Landesphysikus
und vierer Districtsärzte (1760), die Einsetzung eines auf
Island residierenden Stiftsamtmannes (1770), die Auf
hebung des Monopolhandels (1786) und die Aufhebung des
AlJ)ingi, an dessen Stelle — nach 900 jährigem Bestände —
ein Oberlandesgericht in Reykjavik errichtet wurde (1800).
lrn Anfang des 19. Jahrhunderts (1809), während des
Krieges zwischen Dänemark und England, versuchte ein
dänischer Abenteurer Namens Jörgen Jö rg en sen , unter
stützt von einem bewaffneten englischen Handelsschiffe,
Island von Dänemark loszureißen und sich selbst zum
Herrscher über die Insel aufzuwerfen. , König Jörgensen“
regierte auch beinahe zwei Monate lang in unumschränkter
Autokratie, umgab sich mit einer Leibgarde, befestigte
Reykjavik u. s. w. Dann aber wurde dem tragi-komischen
Schauspiele durch das Erscheinen eines englischen Kriegs
schiffes ein rasches Ende bereitet.
Die Aufhebung des Monopolhandels, welche endlich
im Jahre 1786, wenngleich noch mit vielen Beschränkungen
erfolgt war, äußerte bald eine günstige Wirkung, und das
Volk begann allmählich wieder frischer aufzuleben. Auch
in politischer Hinsicht errang Island jetzt verschiedene
Erfolge. Im Jahre 1843 erhielt es sogar sein Al]Dingi
wieder, allerdings nur in der Form eines Landtages mit
berathender Stimme. Dasselbe wurde aber nicht mehr
an der alten Al^ingisstätte, sondern in Reykjavik abge
halten. Durch weitere von nachdrücklicher Energie be
gleitete Bestrebungen erwirkten die Isländer zuletzt das
Verfassungsgesetz vom 5. Januar 1874. Der edle KönigChristian IX. selbst überbrachte ihnen die Verfassungsurkunde, als er die Insel im Jahre 1874 besuchte, um
theilzunehmen an dem Jubelfeste ihres tausendjährigen Be
standes als bewohntes Land. Wir theilen die Grrundzüge
der isländischen Verfassung an einer anderen Stelle mit.
Hier sei nur bemerkt, dass Island gegenwärtig in je d e r
B eziehung sich auf dem Wege des Fortschrittes und der
Besserung befindet und alle Aussicht vorhanden ist, dass
das Volk in Zukunft, so weit dies in menschlicher Macht
Das Volk..
310
liegt, in seiner Entwicklung zu neuer Blüte und neuem
Wohlstände nicht gehemmt werden wird.
Von schweren Plagen und Nothjahren blieb Island auch in diesem
Jahrhundert nicht verschont. In den Jahren 1824 und 1825 sowie im
Jahre 1882 herrschte abermals Hungersnoth, in den beiden ersteren
Jahren durch vorausgegangene vulcanische Ausbrüche, im Jahre 1882
durch Blokade des Nordlandes mit Treibeis veranlasst. Im Jahre 1827
raffte eine heftige Epidemie zahlreiche Menschen hinweg, und im Jahre
1856 richtete eine mit fremden Schafen importierte Schafseuche im Vieh
stande der Insel solche Verheerungen an, dass die schlimmen Folgen
derselben noch 20 Jahre darauf bemerkbar waren.
2. Das Volk.
A bstam m ung. S prache. Die Isländer gehören also,
wie wir oben gesehen haben, zum g erm an isch en Volks
stamme und zwar stammen sie von den N o r w e g e r n ab;
denn so bunt auch die erste Bevölkerung Islands zusammen
gewürfelt war, die große Masse der Einwanderer bestand
doch aus Norwegern, sei es nun, dass diese unmittelbar aus
dem Mutterlande oder erst auf verschiedenen Umwegen
nach Island kamen. Nicht ohne Einfluss auf die Gesammtheit des ein gewanderten Volkes blieb zwar das keltische,
speciell irische Element, welches theils schon durch die
Norweger selbst, theils durch die verwandtschaftlichen oder
freundschaftlichen Verbindungen derselben (vgl. oben) nach
der Insel verpflanzt wurde. Dieser Einfluss machte sich
insbesondere auf geistigem Gebiete geltend und tritt uns
auf demselben sowohl in gewissen mythischen Vorstellun
gen (z. B. den Elben) wie auch in der alten Literatur
(Poesie und Prosa) der Isländer entgegen. *) Im Ganzen
jedoch hat das Volk nicht nur sein germanisches Blut,
*) Vgl. B. Gröndal „Folketro i Norden, med sserligt Hensyn til
Island (in: Annaler for nordisk Oldkyndighed og Historie, Kopenhagen
1863, S. 1—178) S. 17 ff.; und: E dz a r di „die skaldischen Versmaße
und ihr Verhältnis zur keltischen (irischen) Verskunst“ in: Paul und
Braune’s B e i t r ä g e n zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur,
Bd. V, S. 570—589.
311
sondern auch seine alten Stammestraditionen bis auf den
heutigen Tag bewahrt, indem es im Gegensätze zu den
anderen nordischen Ländern, von fremden Einflüssen nur
wenig berührt, seine eigene Entwicklung wesentlich un
unterbrochen fortsetzte. Im Charakter des Volkes hat sich
allerdings so Manches vei ändert als natürliche Folge der
fortschreitenden Cultur und politischen Umwälzungen.
Das einst so feurige, stolze, kampflustige, reckenhafte Volk,
dessen männliche Blüte die kühnsten Heer-, Handels
und Entdeckungs-Fahrten unternahm, dessen Söhne bei
fremden Fürsten als treffliche Dichter oder tapfere Krieger
in höchstem Ansehen standen, das sich selbst seine voll
endete republikanische Staatsverfassung schuf, es ist ruhig,
ernst, bescheiden, friedliebend geworden und fristet, ver
armt und unbeachtet — hauptsächlich durch Landwirt
schaft und Viehzucht sein unscheinbares Dasein, unterthänig
dem dänischen Könige. Diese Veränderung des VolksCharakters ist größtentheils durch schwere äußere Ur
sachen herbeigeführt worden; der Untergang des Frei
staates, die schonungslose Bedrückung und Zurücksetzung
durch die neuen Beherrscher, die schrecklichsten Elemen
tarereignisse, die verheerendsten Seuchen haben nicht nur
die leibliche Wohlfahrt des Volkes untergraben, sondern
auch den alten Feuergeist, der sich in den veränderten
Verhältnissen nicht mehr bethätigen konnte, zum Verlöschen
gebracht. Aber auch die Natur des Landes selbst hat
unzweifelhaft im Laufe der Zeit auf die Bewohner einen
nicht unbedeutenden Einfluss ausgeübt und denselben etwas
von dem strengen, melancholischen Charakter mitgetheilt,
welcher der Insel und ihrem Klima eigen ist.
So sehr sich aber auch die Isländer in ihrem äußeren
Auftreten verändert haben, ihrer echt germanischen Bieder
keit und ihrer Liebe zu Dichtkunst sind sie treu geblie
ben, und was ihre Genügsamkeit in Bezug auf die An
sprüche des Lebens, was ihre Ergebenheit und Ausdauer
im Elend betrifft, so müssen sie anderen Völkern geradezu
als bewunderungswürdiges Beispiel hingestellt werden. Da
bei hängen sie an ihrem unfruchtbaren, menschenfeindlichen
Vaterlande mit einer Liebe und Begeisterung, die ihres
Gleichen suchen und ihre Dichter preisen dasselbe, als
Das Volk.
Das Volk..
312
wäre es wirklich das schönste und beste Land, welches
die Sonne bescheint.*)
Die S p rach e der Isländer ist das Neu islän d isch e.
Die neuisländische Sprache ist eine Tochter der a ltis
län d isch en, die aber dieser so ähnlich ist d. h. so wenig
verändert erscheint, dass sie nicht als eine besondere neue
Sprache angesehen werden kann. Das Neuisländische ver
hält sich zum Altisländischen beiläufig wie unser jetziges
Deutsch zu der Sprache Luthers. Das Altisländische aber
ist einer der vier Dialecte (später Sprachen), welche sich
aus der urnordischen d. h. der bis in die sogenannte
Vikingerzeit (800—1000 n. Chr.) hinein von den germa
nischen Bewohnern des gesam ten, skandinavischen
Nordens gesprochenen Sprache entwickelt und um das
Jahr 1000 bereits als Altnorwegisch, Altschwedisch, Alt
dänisch und Altisländisch von einander abgetrennt haben,
doch immerhin noch lange Zeit so, dass das Altisländische
und Altnorwegische einerseits und das Altdänische und
Altschwedische andererseits einander sehr nahe standen.
Die classische Periode des Altisländischen, dessen Geschichte
mit der Besiedelung Islands beginnt, fällt in die Zeit von
ca. 1200 bis ca. 1350; nach dieser Zeit bis um 1530 treten
schon sprachliche Erscheinungen auf, welche zum Neu
isländischen hinüberleiten; dieses beginnt mit der Refor
mation (in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts).**) Das
Neuisländische unterscheidet sich vom Altisländischen so
wohl durch Aufnahme dänischer und deutscher Sprach*) Das so oft (auch von mir im Vorworte zu den „Isländischen
Märchen“ S. XI) citierte Sprichwort: „Island ist das beste Land, welches
die Sonne bescheint“ (Island er liid bezta land, sein solin sldnur upp ä)
ist, worauf ich von mehreren Isländern aufmerksam gemacht wurde, unecht.
Der Satz soll aus einem f ar üi s e he n Gedicht (einer sogenannten „{mla“)
herstammen, und das erste Mal, und zwar als Hohn von dänischer Seite,
in einem Federkriege gedruckt worden sein, der im vorigen Jahrhundert
durch das Verlangen der Isländer nach Freihandel veranlasst worden
war. Die farüische Abkunft dieses Satzes verräth übrigens schon der
Ausdruck „sein solin sldnur uppä“, der auf Isländisch „sein solin skin ä“
lauten müsste. In Bezug auf den Inhalt aber theilt mir ein isländischer
Freund mit, dass diesen Satz „kein Isländer, wenigstens kein normaler
Isländer anerkennen würde.“
**) Vgl. Noreen, Altnordische Grammatik. 1. Altisländ. und alt
norwegische Grammatik (Halle 1884.) S. 1—2.
313
elemente wie auch durch eigene, lexikalische Neubildungen,
dann durch verschiedene Abweichungen in der Aussprache,
in der Lautform (Orthographie) und in der Flexion; am
meisten in die Augen fallend ist hierbei die Epenthesis
eines u vor jedem auslautenden r, dem ein Consonant vor
ausgeht (so lautet z. B. altisländ. dalr das Thal, im Neuisläncl. dalur) und die Erweichung der auslautenden Tenues
k und t zu g und d (altisländ. ok d. h. und wird neuisl. og,
altisl. ]iat d. h. das neuisl. J>a5. *) Eine Zeit lang lief die
Sprache Gefahr durch Aufnahme allzu vieler fremder Ele
mente an ihrer Reinheit bedeutende Einbuße zu erleiden.
Aber noch zur rechten Zeit (in den Siebzigern des 18. Jahr
hunderts) begann man dieser Gefahr durch reformatorische
Bestrebungen zu steuern, indem man die Fremdwörter
wieder ausmerzte und durch Wortbildungen der eigenen
Sprache ersetzte, sowie auch die Orthographie nach etymo
logischen Grundsätzen regelte. Die Schriftsprache, wie sie
jetzt in der Literatur Islands erscheint, ist auch zugleich
die Umgangssprache aller Volksclassen des Landes; dialek
tische Spaltungen derselben gibt es nicht; doch erhält sie
in verschiedenen Theilen des Landes durch ganz unwesent
liche Eigentümlichkeiten besonders im Gebrauche ein
zelner Wörter eine geringe locale Färbung. Auf den
jenigen, der diese Sprache nicht kennt, macht dieselbe
einen ganz eigenen, fremdartigen Eindruck. So schreibt
z. B. Winkler: „Aus tiefer Kehle gesprochen, lange consonantenreiche Worte, mit den oft sich wiederholenden
Endsilben —ar, —ir, —um, klingt sie so altertümlich
ernst, als ob sie aus dem Munde von Bewohnern des Unter
berges oder Ivyffhäusers käme.“
Das Volk.
An Hilfsmitteln für Deutsche zur Erlernung“ der alt- und neu
isländische Sprache sind zu nennen: W im m er, Altnordische Grammatik.
Aus dem Dänischen übersetzt v. Dr. E. Sievers, Halle 1871 ; A. N oreen,
Altisländische und alt-norwegische Grammatik, Halle, 1884. B renner,
Altnordisches Handbuch, Leipzig 1882, und P o e stio n Einleitung in das
Studium des Altnordischen. I. Band Grammatik (mit Syntax) Hagen
und Leipzig 1882; II. Band, Lesebuch mit Glossar, ebend. 1885 (auch
*) Vgl. auch P o estio n , Einleitung in das Studium des Altnordi
schen, I; S. 6—7. Die weiteren Unterschiede' zwischen der alt- und
neuisländischen Sprache finden sich verzeichnet in M öbius Schriftchen:
„Über die altnordische Sprache“ (Halle 1872) S. 34—35.
314
Das Volk.
für ein nicht linguistisch gebildetes Publicum.) F. C arpenter, Grundriss
der neuisländischen Grammatik, Leipzig 1881, S ch w eitzer, Island,
Leipzig, S. 158—203. — Ein isländisch-deutsches Wörterbuch existiert
nicht; ein treffliches ,,A 11n o r d i s c-h e s G1o s s a r“ (zu einer Auswahl
altisländischer und altnorwegischer Prosatexte) von Th. M öbius erschien
1866 in Leipzig. Das große „Icelandic-english Dictionary“ von C leasbyV ig fu sso n , Oxford 1874 lässt nicht selten für das Neuisländische in
Stich und ist auch sonst nicht ohne Vorsicht zu gebrauchen. Andere,
fremdsprachige Wörterbücher sind u. a. J. F ritzn er, Ordbog over det
gamle norske Sprog. 2. Auflage. Christiania 1883 ff.; S v ein b jö rn
E g i 1s s o n, Lexicon poeticum a n t i q u a e linguae septentrionalis. Kopen
hagen 1860; E. J o n sso n , 01dnordi.sk Ordbog, Kopenhagen 1863; Jon
P o r k e isso n , Supplement til islandske OrdbÖger, Reykjavik 1867, und
neues Supplement 1885.
Die Abstammung von den Germanen bezeugen schon
die blauen Augen und blonden Haare der Isländer, die
sich — mit Ausnahmen allerdings — bei beiden Geschlech
tern finden. Das männliche Geschlecht ist im Allgemeinen
von mittlerer Größe, breitschultrig, mit schmalen Hüften,
und genießt, da es sich größtenteils im Freien beschäftigt,
einer vortrefflichen Constitution. Schön können die islän
dischen Männer im Allgemeinen nicht genannt werden,
obwohl man auch sehr hübsche Gesichter unter ihnen trifft.
Sie gleichen nach C. W. Paijkull den Bauern des nörd
lichen Schwedens und Norwegens. Doch findet man, na
mentlich unter den gebildeten Isländern, bisweilen, Männer
von auffallend vornehmem Aussehen. Weniger stark ist
im Allgemeinen das weibliche Geschlecht, das eine mehr
sitzende Lebensweise führt. Es soll auf Island auch recht
hübsche Mädchen und Frauen geben, wenn auch nicht allzuviele. Fast alle haben eine stumpfe Nase und frische
rothe Wangen. Beide Geschlechter erfreuen sich bis zum
hohen Alter der schönsten Zähne.
Uber den N a tio n a lc h a ra k te r der Isländer wird
von den verschiedenen Reisenden sehr verschieden berichtet.
Der englische Capitän R. F. B urto n schildert die Isländer
(in seinem WTerke „Ultima Thulew 1884) als den anderen
nordischen Völkern beinahe gleichend, aber infolge ihrer
Isolierung mit gewissen nationalen Charakterzügen ver
sehen, die sich bei ihnen noch deutlich erhalten haben.
Sie zeichnen sich durch eine gewisse Offenherzigkeit
und Wahrheitsliebe von ihrer Seite aus, die aber mit
315
einem starken Misstrauen und Argwohn gegen andere
gepaart ist und gleichen darin den Lappländern und
anderen Völkern des hohen Nordens. Der Isländer ist
ein Mensch von „großem und starkem Gehirn“, von Haus
aus von langsamer und solider Denkweise, allein er ist
eines hohen Grades von Erziehung und Cultur fähig.
Alle die Einflüsse, welche ihn zuhause umgeben, arbeiten
wesentlich darauf hin, ihn träge und phlegmatisch zu
machen; im Auslande aber findet er in sich selbst Thatkraft. Selbstvertrauen, Muth, Unternehmungsgeist. Was
der Isländer vor einem Jahrhundert war, das ist er
noch; es hat sich in seiner Lebensweise während der
jüngsten hundert Jahre nicht das mindeste verändert.
Während die übrige civilisierte Welt mit solchen Riesen
schritten vorwärts kam, ist er, durch die Gewalt der Um
stände beinahe stationär geblieben.*) Dr. Ph. Schweitzer,
der durch seine Kenntnis der isländischen Sprache be
sonders befähigt war, den Volkscharakter der Isländer zu
studieren, schreibt in seinem Werkchen „Island, Land und
Leute“ (Leipzig 1885) von dem Isländer: „Unter seines
gleichen ist er keineswegs so sauertöpfisch, zurückhaltend,
schweigsam und ernst, wie er sich den seine Sprache nicht,
verstehenden Fremden zeigt, sondern im Gegentheil, sein
Naturell ist lebhaft, munter, ja ausgelassen, doch vorherr
schend weich gestimmt. Es macht deshalb seine durch
Sagas genährte Vorliebe für Erzählungen, in denen Kampf,
Mord, Blutbad die Hauptsache sind, einen fast komischen
Eindruck, da sie so gar nicht seinem Wesen entspricht . . .
Ein Überrest der alten Streitbarkeit mag es jedoch sein,
dass drei Isländer nicht wohl eine halbe Stunde beisammen
sein können, ohne in einen hitzigen Wortstreit zu gerathen.“
Zuverlässige Quellen berichten auch, dass die Isländer das
Nichtsthun bei sinnendem, träumerischem Hinbrüten lieben,
während sie, wenn es gilt, auch wieder mit erstaunlicher
Ausdauer und seltener Kühnheit sich den größten Beschwer
den und ihr Leben den drohendsten Gefahren aussetzen.
Eine regelmäßige, andauernde Beschäftigung ist nicht nach
ihrem Geschmack; es ist dies eine Folge des Klima’s, das
Das Volk.
*) Vg'l. Das Ausland, Jalirg. 1885, Nr. 7.
Das Volk.
316
ja bekanntlich die Arbeit nicht nur in der Weise beein
flusst, dass es den arbeitenden Menschen entweder ent
nervt oder kräftigt, sondern dass auch die Regelmäßigkeit
des Arbeitens und Lebens erhebliche Einflüsse von Seiten
•des Klima’s erleidet. *)
H. Th. Buckle sagt: „So finden wir, dass kein Volk in einer
hohen nördlichen Breite jemals den stetigen fortgesetzten Fleiß be
sessen hat, wodurch sich die Einwohner der gemäßigten Zone auszeichnen. Der Grund dafür wird klar, wenn wir bedenken, dass in
den nördlicheren Gegenden die Strenge des Winters und der tlieilweise
Mangel des Lichtes es dem Volke unmöglich machen, seine gewöhn
liche Beschäftigung im Freien fortzusetzen, Die Folge ist, dass die
arbeitenden Classen, weil sie ihre gewöhnliche Thätigkeit abbrechen
müssen, zu unordentlichen Gewohnheiten geneigter werden. Die Kette
ihrer Thätigkeit wird gleichsam zerrissen und sie verlieren den Trieb,
welchen eine lang fortgesetzte und ununterbrochene Übung unfehlbar
«inflößt.“ **)
Durch das ganze Volk geht ein demokratisches Gleich
heitsgefühl und der Dienstbote thut beinahe nichts anderes,
als wozu er gerade selbst Lust hat. Der weibliche Theil
der Bevölkerung nimmt auf Island beiweitem mehr theil
an den Beschwerden des Lebens als anderswo in Europa.
Er muss nicht nur alle häuslichen Geschäfte besorgen,
sondern auch Schuhe und Kleider verfertigen, Heu rechen,
das Vieh hüten, die Männer bedienen, ja an einigen Orten
sogar am Fisch- und Vogelfang theilnelimen. Aus diesem
Grunde können denn auch die isländischen Mütter nicht
selbst für ihre neugeborenen Kinder die nöthige Sorge
tragen. Der Mann herrscht im Hause und die Kinder
haben auch großen Respect vor der väterlichen Gewalt.
Die Isländer sind ziemlich religiös. Sie reiten am
Sonntage oft Stunden, ja halbe Tage weit, um in der
Kirche ihre Andacht zu üben. Doch ist, wie Preyer und
Zirkel bemerken, auch auf Island wie in den meisten christ
lichen Ländern, der Kirchenbesuch den Frauen eine ange
nehmere Pflicht als den Männern, die in weit geringerer
Zahl dem öffentlichen Gottesdienste beizuwohnen pflegen.
B ildung. S chulen. Zu den auffallendsten und bemer
kenswertesten Eigenschaften der Isländer gehört aber ihr
*) Vgl. F. Ratzel, Aiithropo-Geographie, Stuttgart 1882, S. 319 ff.
**) Buckle, Geschickte der Civilisation, I, 139.
Sinn für B ild u n g und A ufklärung, wenn auch vieles,,
was darüber geschrieben wurde, übertrieben erscheint.
Trotzdem es auf Island nur wenige Schulen gibt, ist die
Bildung des gemeinen Volkes im Vergleich zu vielen
anderen Ländern, welche bedeutend größer sind, eine sehr
hohe. Man kann mit Sicherheit behaupten, dass alle
Isländer, welche über das Kindesalter hinaus sind, lesen
und die meisten auch s c h r e ib e n können • nur das
weibliche Geschlecht ist im Schreiben etwas weniger
geübt.
Wo, wie häufig, infolge localer Verhältnisse der Be
such einer Volksschule nicht möglich ist, übernimmt
in der Regel der Vater den Unterricht der Kinder.
Knaben, welche die Lateinschule besuchen wollen, pflegen
durch die Geistlichen vorbereitet zu werden, welche die
selben eine gewisse Zeit hindurch zu sich nehmen, in der
sie dann, wie man sagt, sich im „heimasköli“ befinden.
Leute, welche die Lateinschule absolviert haben, aber
keine öffentliche Stelle antreten, führen bis zu ihrem Tode
den Titel „Student“. Die meisten Bauern erweitern ihre
in der Volksschule oder durch Privatunterricht erworbe
nen Kenntnisse durch fleißiges Selbststudium und zeigen
sich zum Erstaunen der Fremden in den verschieden
sten Disciplinen bewandert. Doch ist ihr Wissen darin,
wie es ja nicht anders sein kann, nicht gerade sehr
gründlich.
Dr. Schweitzer schreibt (a. a. 0:) „Man darf sagen,
einen aufgeklärteren Bauernstand gibt es nicht in Europa.
Ich habe auf meinen Ritten im Lande ein paar Bauern
kennen gelernt, die das Gymnasium in Reykjavik besucht
hatten, mehrere die drei Sprachen (Isländisch, Dänisch,
Deutsch) sprechen oder wenigstens lesen konnten, viele,
welche neben ihrer Muttersprache Dänisch verstanden
alle aber waren sie bewandert in Geschichte und Litera
tur, nahmen regen Theil am politischen Leben des Vater
landes, und hatten infolge der Lectüre populär geschriebe
ner Bücher, an denen die isländische Sprache gar nicht
arm ist, und ihrer Zeitungen und Zeitschriften ganz ge
sunde, und durchaus nicht auf den nächsten Gesichtskreis
beschränkte Begriffe und Anschauungen. Wenn nun viele
318
Das Volk.
Reisende den Mangel an äu ß erer Bildung beim islän
dischen Bauern hervorgehoben und von diesem, da sie
seine Sprache nicht verstanden, auch auf eine tief stehende
geistige Bildung geschlossen haben, so ist letzteres unrecht,
erstere aber zu entschuldigen durch die vom Weltverkehr
entfernte Lage der Insel und die tyrannische Behandlung,
welche ihre Bewohner zu erdulden hatten. Erst in den
letzten Jahrzehnten ist hier eine Änderung eingetreten.
Die aufwachsende Generation zeigt aber auch einen ganz
erstaunlichen Fortschritt.“
Das warme Interesse der Isländer für die Aufklärung
zeigen auch die eifrigen Maßnahmen, welche das Land,
unter schweren Opfern, für das U n te rric h tsw esen
trifft. Durch Gesetz vom 9. Jannar 1880 wurden die
Eltern verpflichtet, Sorge zu tragen, dass ihre Kinder
ordentlich lesen, schreiben und rechnen lernen; versäumen
die Eltern diese Pflicht, so ist der Geistliche verhalten,
den Unterricht auf Kosten der Eltern besorgen zu lassen.
Im Jahre 1881 wurde im Aljffngi ein eigenes Comite ein
gesetzt, welches sich _mit der Frage der Volksaufklärung
zu beschäftigen hat. Uber Vorschlag dieses Comite’s sollten
zu den schon bestehenden Schulen noch ungefähr sechzehn
Fortbildungsschulen, „Jünglingsschulen“ (isl. unglingasköli,
m.) genannt, errichtet werden, in denen der in der Volksschule
begonnene Unterricht fortgesetzt wird. Nicht weniger als
ein Viertel der gesammten Ausgaben des isländischen
Budgets wird für Unterrichtszwecke verwendet.
V o lk ssc h u le n (isl. aljjyöu-, barnaskoli) gibt es in den Kaufstädten
Und an einigen Hafenplätzen, besonders im Südlande. Die Communalschule zu Reykjavik war im abgelaufenen Schuljahre von 121 Schülern
besucht. M ä d ch e n sc h u len (isl. kvennaskoli) gibt es dermalen vier,
eine in Reykjavik, eine in Laugaland in Eyjafjördur, eine in Skagafjördur
und eine in Skagaströnd, wovon die in Reykjavik von 25 Schülerinnen
besucht war. Eine R e a lsc h u le (isl. gagnfrseda-skoli) befindet sich in
Mööruvellir im Högärdalur (errichtet durch Gesetz vom 17. Nov. 1879
und eröffnet am 1. October 1880), eine Jünglingsschule in Hafnarfjördur
(Flensborg), welche ihre Errichtung einer für Islands Verhältnisse reichen
Stiftung des Probstes Th. Bödvarson verdankt. L a n d w ir tsc h a ftlic h e
S ch u len (isl. bunaöarsköli) sind bereits in jedem Viertel des Landes mit
Ausnahme des Südviertels errichtet worden. In jüngster Zeit hält der
„Studentenverein“ (studentafelag) unentgeltlich Sonntagsschule für Fischer
und Arbeiter ab, welche sehr stark besucht ist.
319
Eine treffliche Schule ist die g e le h rte S chule (hinn
l^erdi sköli) oder L ateinschule in Reykjavik*), aus sechs
Classen bestehend und unseren Gymnasien entsprechend;
dieselbe war im Schuljahre 1883—84 von 116 Schülern
besucht. Es werden gelehrt: Isländisch, Dänisch, Englisch,
Französisch, Deutsch, Lateinisch, Griechisch, Religion, Ge
schichte, Geographie, Mathematik, Physik, Naturgeschichte,
Gesang, Zeichnen, Schreiben, Turnen. Auch eine medicinische S chule (Leknasköli) haben die Isländer, welche
durch Gesetz vom 1 1 . Febr. 1876 gegründet wurde; es
sind an derselben 3 Professoren angestellt; Vorstand (und
zugleich Professor) ist der Landesphysicus. Die Studien
zeit dauert 4 Jahre; .doch müssen die Candidaten, bevor
sie als Arzte angestellt werden, einen Ours in den Spi
tälern und besonders in der Gebäranstalt in Kopenhagen
absolvieren. Die medicinische Schule pflegt in der Regel
von 7 —10 Studenten besucht zu werden. Eine th eo lo
gische S chule (Pastoralseminar, prestasköli) besteht auf
Island seit dem Jahre 1847; früher wurden die Studenten
gleich nach Abgang von der Lateinschule als Geistliche
angestellt. In der theologischen Schule wird auch P h ilo
so p h ie vorgetragen, so dass die Studierenden, welche
diese Anstalt besuchen, auch das philosophische Examen
auf Island selbst ablegen können. Der Curs dauert 2 Jahre;
er wird gewöhnlich von 5—10 Studenten frequentiert. Die
jenigen, welche die Rechtswissenschaft oder andere Wissen
schaften studieren wollen, müssen die Universität in Kopen
hagen besuchen, wo sie von Seiten der Regierung kräftigst
gefördert werden, indem sie nicht nur freie Wohnung, son
dern auch eine Geldunterstützung erhalten. **) In der alten
Zeit studierten Isländer auch an anderen Universitäten
Europas (vgl. oben S. 302), was jetzt nur ganz ausnahms
weise vorkommt.
Das Volk.
*) Diese Schule befand sich früher in Bessastadir. Über den Lehr
plan und die Zustände der Schule daselbst vgl. „Jüngling und Mädchen14
S. 149—150 und über das Studententreiben S. 67—70.
**) Im sogenannten „Regensen44, einem von König Cristian IV. ge
stifteten Studentenpensionat. Die isländischen Studenten haben das
Privilegium ungefähr vier Jahre lang in demselben Unterkunft zu
^erhalten.
320
Das Volk.
Aus den studierten Isländern sind sehr tüchtige Gelehrte
hervorgegangen, so die Philologen und Alterthumsforscher
Arni Magnüsson, Finnur Magnüsson, Sveinbjörn Egilsson,
Konrä3 Gislason, Jon Dorkelsson, Jon Sigur3sson, Gu9brandur Vigfüsson, Eirikur Jonsson, Eirikur Magnüsson,
Haldör Kr. Fridriksson und eine Reihe jüngerer Männer,
wie Björn Magnüsson Olsen, Finnur Jonsson u. a., die sich
bereits trefflich bewährt haben; so die Historiker: Jon
Espolin, Petur Petursson, Pall Meisted u. a .; die Juristen:
Jon Sigurdsson, Oddgeir Stephensen (geb. 1812), Magnus
Stephensen, Vilhjälmur Finsen u. a. ; die Naturforscher:
Björn Gunnlaugsson, Jonas Hallgrimsson, Oddur u. Jön
Hjaltalin, B. Gröndal, Dorvaldur Thoroddsen u. a.
Von dem Sinn der Isländer für Aufklärung und Wissen
schaft zeugen auch andere Anstalten sowie verschiedene
Vereine mit wissenschaftlicher, literarischer oder aufklären
der Tendenz. So besitzt Island zwei größere Bibliotheken
(isl. bökasafn, n.) nämlich die S tiftsb ib lio th e k oder
L a n d e sb ib lio th e k (isl. stiptsbokasafn oder landsbökasafn) mit ca 25.000 Bänden, welche an sämmtliche Be
wohner des Landes auf mehrere Monate und selbst auf
ein Jahr Werke entleiht und seit 1883 dem Publicum zu
gänglich ist, dann die Bibliothek der Lateinschule mit ca
8000 Bänden. Außerdem gibt es kleinere Bibliotheken
in Akureyri und in Isafjör3ur sowie eine Anzahl von
L e se v e re in e n (isl. lestrarfelag, n.) auf der ganzen Insel.
B uch d ru ck er eien (isl. prentsmiefja, f.) gibt es auf
Island 6, 2 in Reykjavik, 2 in Akureyri und je 1 in
Eskitjör9ur und in Sey9isfjör3ur. Die Zahl der Z eit ungen
(isl. bla3, n.), welche auf Island erscheinen, variiert fast jähr
lich; es gibt deren in der Regel 7—8. Dieselben sind ungemein sauber ausgestattet, erscheinen aber natürlich nicht
täglich, sondern wöchentlich oder halbmonatlich. Die gegen
wärtig älteste isländische Zeitung ist der „E>jö961fr“. Im
Jahre 1884 erschienen auch zwei belletristische Monats
schriften, von denen aber die eine („Heimdallur“) wieder
eingegangen ist. Außer den politischen Zeitungen erscheinen
auch sieben Jahrbücher, darunter 3 Almanache.
Von großer "Wichtigkeit für die Aufklärung des Landes
ist „die islä n d isc h e L ite ra tu r g esellsch afV (hi3
321
islenzka bökmentafelag), welche im Jahre 1816 gestiftet
wurde und aus zwei Abtheilungen besteht, von denen die
eine auf Island selbst (in Reykjavik), die andere in Kopen
hagen ihren Sitz bat. Diese Gesellschaft gibt alljährlich
eine Anzahl literarischer oder belehrender Werke in islän
discher Sprache heraus. An der Spitze beider Abtheilungen
stehen gegenwärtig als Präsidenten die hochverdienten
Männer Sigurtfur L. Jönasson (Kopenhagen) und Rector
Jon Dorkelsson (Reykjavik).
Für die Aufklärung des Volkes durch Herausgabe
nützlicher Schriften wirkt auch ein „Verein der V olksfre u n d e “ (J)jöövinafelag). Ein „Verein für Alterthümsforschung“ (fornleifafelag) ist im Jahre 1880 gegründet
worden. Demselben verdankt sein Entstehen ein „Antiquitäten-MuseunP1 (forngripasafn) in Reykjavik.
N e u i s 1ä n d i s c h e L ite ra tu r. Hier wollen wir auch
ganz kurz die neuere islän d isch e L ite ra tu r berühren,
voraussetzend, dass die alte Literatur der Isländer, welche
sich ja mehrfach in deutschen Werken behandelt findet (vgl.
oben S. 303), bekannt ist. Nach der Glanzzeit der alten Lite
ratur verfiel die Dichtkunst ungemein rasch, um erst in der
Mitte des 18. Jahrhunderts wieder zu neuem Leben zu er
wachen. Gedichtet, oder besser gesagt: g e re im t wurde
allerdings auch in dem dazwischen liegenden Zeiträume*,
aber an die Stelle der alten Heldengedichte traten abge
schmackte gereimte Paraphrasen von Sagas und Ritter
geschichten (rimur), zumeist ganz wertlose Producte ohne
Poesie und nur für den Sprachforscher interessant, sowie
nicht bessere geistliche Dichtungen. Von den ungefähr 100
Rimur-Dichtern, welche von 1500—1800 verzeichnet werden
können, sind fast nur Gudmundur ' BergJ> 6 rs s on, Dorlakur G u d b ran d sso n und Arni Bö9 v arsso n von
größerer Bedeutung und als wirkliche Dichter anzusehen.
Von den Dichtern geistlicher Lieder hingegen ist nur einer,
allerdings ein ganz vortrefflicher, nennenswert, nämlich
H a 11 g r 1m u r P e t u r s s on (1614—74), dessen „Passionsp salm en “ als herrliche Producte eines echten Dichter
geistes bezeichnet werden müssen. Sonst ist aus der frühe
ren Zeit nur noch der Zeitgenosse H. Petursson’s S tefan
Ö lafsson (1620—88) als vorzüglicher lyrischer Dichter
Das Volk.
P o e s t i o n , Island.
21
Das Volk. v
322
hervorragend. Diese beiden Poeten werden auch als die
„Väter der neuislähdischen Poesie“ bezeichnet. Sie waren
jedoch mehr Vorläufer derselben, denn der eigentliche
Beginn. der neuen Periode der isländischen Dichtkunst
fällt, wie gesagt, erst in die Mitte ,des 18. Jahrhunderts.
Sie wird eingeleitet durch E g g e rt 0 lafsson (1726--67),
der nicht nur ein trefflicher Schriftsteller überhaupt, son
dern auch ein ausgezeichneter und geistvoller lyrischer
Dichter war. Noch zu seiner Zeit tauchten drei weitere
Sterne auf: Jon D o rlak sso n (1744—1819) „der islän
dische Mil ton,“ berühmt durch seine classischen dichte
rischen Übertragungen von Milton's „The Paradise lost“,
Klopstocks „Messias“ und Popes „Essay on man,“ sowie
durch eigene G-edichte, B e n e d ik t G r Ön d a 1, der xÜtere
(1761—1826), ebenfalls als Übersetzer wie als selbständiger
Dichter hervorragend, und S i g u r 8 u r P e tu rsso n (1759
bis 1827), den man den isländischen Wessel nennen könnte
wegen seiner gelungenen satyrischen Gedichte, und der
auch als Dramatiker in der Art Holbergs nicht unbedeu
tend war. Diese alle aber überragten bald „die beiden
Dioskuren“ Bjarni Thorarensen und Jonas Hallgrimsson.
B ja rn i T h o ra re n se n (1786—1841) war ein Lyriker
von außerordentlicher Begabung, dessen Phantasie, was
Kühnheit des Fluges und Originalität betrifft, wohl ihres
Gleichen sucht. Die Anzahl seiner Gedichte ist nicht sehr
groß, aber die meisten derselben sind wahre Perlen, die
an Wert dem Besten nicht nachstehen, was die Welt
literatur auf dem Gebiete der Lyrik aufzuweisen hat. Die
Isländer nennen ihn daher auch gerne den „isländischen
Goethe“. Jonas H allgrim sson (1807 —1845) ist weniger
kräftig und ideenreich als Thorarensen, dafür aber gefühl
voller; seine Gedichte erinnern theils an Heine, theils an
Schiller. Er ist darum auch vom Volke besser verstanden
worden und gilt jetzt als der populärste Dichter Islands.
Er hat auch als erster Meister der Sprache und der Form,
welch' letztere von Thorarensen öfter vernachlässigt wurde,
den größten Einfluss auf die neueren isländischen Dichter
ausgeübt. An Bjarni und Jonas durchaus nicht hinanreichend, aber in seiner Art doch recht trefflich war S v e i nb jö rn E g ilsso n (1791 —1852), dessen Berühmtheit
323
sich übrigens mehr an seine sprachwissenschaftlichen Ar
beiten knüpft. Als Lyriker sind ferner von Bedeutung
Gisli B r y n j u 1f s s o n (geb. 1827), Kristian Jo n sso n
(1842—1868), Jön Lördarson T horoddsen (1819—1868),
Grimur Thom sen (geb. 1820), Jon D o rleifsso n
(1825— 1860), Steingrimur T h o rste in sso n (geb. 1830),
Matthias Jochum sson (geb. 1835), Jon O lafsson
(geb. 1850) u. A. Die Lyrik ist überhaupt das von den
Kunstdichtern am meisten und besten gepflegte Gebiet.
Eine Sonderstellung in der neuisländischen Literatur
nimmt B jö rn G u n n lau g sso n (1788 —1876) mit seiner
philosophischen Dichtung „Njöla“ (d. h. Nacht) ein.
Als epischer Dichter ist, abgesehen von den Verfas
sern von Rimur, fast nur B enedict G röndal der jün
gere zu nennen, dessen „Drapa um Örvar-Odd“ (in 12
Gesängen) bei manchen Schwächen doch eine hervor
ragende Leistung genannt zu werden verdient. Gröndal
hat auch mehrere treffliche lyrische Gedichte und ein
hübsches Drama „Ragnarökkur“ verfasst. Steingr. Thorsteinsson, Math. Jochumsson und B. Gröndal haben von
den Isländern selbst die rühmliche Bezeichnung „Jyödskäld“
d. h. Volksdichter erhalten. Einen ganz vortrefflichen
sa ty risc h e n Dichter (skammaskald) besaß Island in
diesem Jahrhundert in einem äußerst armen Bauern ohne
Bildung, H jä lm a r Jonsson (ca 1790 bis 1875), der
sich indes auch in anderen Gedichten durch Frische, Kraft
und Originalität auszeichnete.
Die d ram atisch e Dichtung ist im Ganzen auf Island
nur wenig gepflegt worden. Sigurdur P etu rsso n hat
Dramen nach dem Vorbilde Holbergs gedichtet, Matthias
Jochum sson und Indridi E in arsso n haben einheimische
Sagenstoffe nicht ohne Glück dramatisch behandelt, ohne
aber doch besonders Hervorragendes damit zu schaffen.
Auch die N ovelle und der Rom an sind in der neu
isländischen Literatur nur schwach vertreten. Das Vor
züglichste auf diesem Gebiete ist eine Erzählung von Jön
Dördarson T horoddsen, „Piltur og stülka“ (Jüngling und
Mädchen*)-, auch Jonas H allg rim sso n hat einige
Das Volk.
*) Deutsche Übersetzung unter dem Titel: „Jüngling und Mädchen“
Eine Erzählung aus dem isländischen Volksleben der Gegenwart von
21 *
324
Das Volk. >
treffliche novellistische Arbeiten geliefert; ferner sind Jon
D o rleifsso n , Jon M yrdal, Pall S igurSsson und
Frau Torf hildur t>o r Steins clottir Holm (eine in
Amerika lebende Isländerin) nicht ohne Glück mit größeren
oder kleineren Erzählungen aufgetreten.
Vielversprechende Talente sind unter der jüngeren
Generation isländischer Schriftsteller: Hannes H afstein n ,
(kräftiger, formgewandter Lyriker), B e rtel E. 0- h o rleifsson, Gestur P älsso n (trefflicher Novellist) u. A..
Auch an einer w issen sch aftlich en Literatur und.
an Volksaufklärungsschriften wie theologischen Werken
fehlt es nicht auf Island; ja der weitaus größte Theil der
neuisländischen Literatur besteht aus gelehrten oder instructiven Schriften. Die wissenschaftliche Literatur ist
vorzüglich philologischer Art, wie ja die Sprachwissenschaft
überhaupt das Lieblingsgebiet der isländischen Gelehrten
ist, während die Naturwissenschaften, besonders Geologie,,
dann Geographie u. dgl. lange Zeit ziemlich vernachlässigt
wurden. Außer B jö rn G unnlaugsson (geb. 1788,
gest. 1875*) ist auf diesem Gebiete als hervorragender
Gelehrter und Schriftsteller der in diesem Buche oft ge
nannte, noch junge D o rv a ld u r T horoddsen (geb. 1855)
zu nennen, dem, wie wir gesehen haben, Island wichtige
geographische Entdeckungen zu verdanken hat. Die oben
(S. 320) genannten Gelehrten waren oder sind sämmtlich
auch tüchtige Schriftsteller in ihren Disciplinen. Die Volks
aufklärungsschriften behandeln vorzüglich wirtschaftliche
Jon Thordarson Thoroddsen. Ans dem Neuisländischen übersetzt und
mit einer Einleitung und Anmerkungen über Land und Leute versehen
von J. C. Poestion. (Berlin und Leipzig, 1883.)
*) Von Björn Gunnlaugsson dem Sohn eines Bauern in Hrutafjöröur, rührt u. A. die bisher größte und ausführlichste Karte von
Island her, welche nunmehr freilich in vieler Hinsicht unrichtig und
ungenau erscheint. Dieselbe ist in den Jahren 1844—1849 von der
isländischen Literaturgesellschaft herausgegeben worden und zwar in
zwei Ausgaben, wovon die größere im Maßstabe von V-isoooo? die kleinere
im Maßstabe von 1/yi5000Q. Das Verdienst Gunnlaugsons erscheint um so
größer, wenn inan von den Schwierigkeiten Kenntnis hat, mit denen
dieser tüchtige, unverdrossene Gelehrte bei der Durchführung seiner lang
wierigen Arbeit, zu der ihm nur äußerst geringe Geldmittel zur Ver
fügung standen, zu kämpfen hatte.
325
Fragen u, dgl. Von den Z e i t u n g e n und Z e itSchriften Islands war schon oben die Rede.
S itte n und G ebräuche. In ihren S itten und G e
b räuch en gleichen die Isländer vielfach den ebenfalls noch
an alten Traditionen festhaltenden Bewohnern der Gebirgs
gegenden Norwegens; doch sind die isländischen Bauern
civilisierter und aufgeklärter als die norwegischen. Der
Unterschied in den Sitten und der Lebensweise dieser
beiden, so nahe mit einander verwandten Volksstämme ist
einerseits durch die größere Abgeschiedenheit Islands von
der übrigen Welt, andrerseits durch die ungleiche Natur
•der beiden Länder, außerdem durch verschiedene äußere
Umstände herbeigeführt worden. Das Klima, die Beschaf
fenheit des Landes und der Lauf der Begebenheiten haben
auf Entwicklung, Sitten, Manieren, Gewohnheiten und
Denkart der Menschen einen großen Einfluss ausgeübt;
darum ist denn auch das isländische Volk nicht nur in
Bezug auf die Sprache, sondern auch in vieler anderen
Beziehung eigenthümlich und von den anderen verwand
ten Volksstämmen verschieden.
Wir wollen die isländischen Sitten und Gebräuche
hier nur kurz berühren, da wir in einem anderen, ganz
der isländischen Volkskunde gewidmeten Werke, uns ein
gehender mit diesem Thema zu beschäftigen gedenken.
Von den alten Spielen, k ö rp e rlich e n Ü bungen u. dgl.
•die in alter Zeit mit Vorliebe gepflegt wurden, als: Laufen
und Springen, Laufen auf Schneeschuhen und Schlitt
schuhen, Klettern, Schwimmen und Tauchen, Ballspiel, Seil
ziehen, Tanzen und Ringen ist fast nur noch das letztere
im Gebrauch. Der R in g k am p f (isl. glima; gewöhnlich
in der Mehrzahl: glirnur gebraucht) wird besonders noch
dort betrieben, wo größere Scharen junger Leute sich
sammeln, z. B. an den Fischereiplätzen. Vor nicht langer
Zeit noch war es ziemlich allgemein, dass Männer aus
mehreren Kirchspielen eigene Zusammenkünfte zu größeren
Ringkämpfen verabredeten. Es kommt bei diesem Spiele
mehr auf Behendigkeit und Geistesgegenwart an, als auf
besondere Kräfte. Der stärkste Mann, der sich nicht auf
diese Kunst versteht, unterliegt sogleich einem behenderen
Gegner, selbst wenn dieser viel schwächer ist. Der Griff
Das Volk.
Das Volk.
326
eines Kämpfers besteht darin, dass sich die eine Hand
z. B. die linke, am rechten Hosenbund des Gegners, die
rechte Hand dagegen am rechten Schenkeltheil der Hose
desselben festhält. Wenn nun der Kampf begonnen hat,
kommt es darauf an, den Gegner aus dem Gleichgewicht
und dadurch zum Fall zu bringen; um dies zu erreichen,
werden die sogenannten Ringkniffe (isl. brög9) angewendet,
welche darin bestehen, dass man auf verschiedene Weise die
Gelegenheit wahrnimmt, dem Gegner ein Bein zu stellen.*)
Die einheimischen T änze (vikivakar) sind schon im
18. Jahrhundert abgekommen und durch ausländische
ersetzt worden ; die früher so beliebten M um m ereien
(gle9ir) wurden im Anfänge desselben Jahrhunderts über
Einschreiten pietistischer Eiferer abgeschafft. Das S chn e esch uh lau fen (skri9a, fara ä skicfum, ski9fer9, f.) wird
fast nur noch im Nordlande betrieben besonders in der
Skagafjarcfar Sysla; aber in der Su9ur Dingeyja Sysla
z. B. war diese für Island so nützliche Kunst schon so
vergessen, dass sie den Bewohnern dieser Gegenden am
Ende des vorigen Jahrhunderts von einem norwegischen
Handlungsdiener zu Husavik erst neuerdings gelehrt werden
musste. Das W e ttre ite n (kappreid, f.) hingegen ist noch
immer eine beliebte Unterhaltung, „wobei — wie K. Maurer
schreibt — nicht übersehen werden darf, dass in einem
Berglande ohne Straßen und durch Wässer ohne Brücken
das Reiten einen ganz andern Reiz als in unseren cultivierten Gegenden für jeden hat, dem der Sinn noch einiger
maßen nach Abenteuern steht. Die Isländer sind ja
bekanntlich ein Reitervolk, wie es die Puszten Ungarns
und die Steppen Polens oder Russlands nicht tüchtiger
ziehen könnten.u Auch T u rn sp iele kommen noch vor.
Von h äu slich en Unterhaltungen lieben die Isländer
noch immer das schon in alter Zeit so beliebte**) B re tt
*) Ein solcher Eingkampf findet sich ausführlich beschrieben in.
der isländischen Erzählung „Jüngling und Mädchen“ von Jon Thorda.rson
Thoroddsen übers, von J. C. Poestion S. 21—22. Vgl. auch daselbst die
Anmerkung 19, S. 144—145.
**) Vgl. F r id th jo fs Saga. Aus dem Altisländ. übersetzt von
J. C. Poestion (Wien 1879) Cap. 3, und P o estio n , das Tyrfingschwert
S. 29, 55, 58, 61 ; vgl. auch daselbst die Anmerkungen 63, 69, 76.
327
spiel (tafl, n.) und das S ch ach sp iel (skaktafl), in ver
schiedenen Variationen,*) worin sie sehr geschickt sein
sollen. — M usik (isl. sönglist, f.) ist in alter Zeit auf
Island nicht gepflegt worden* erst in jüngster Zeit hat
sich Sinn und Verständnis für dieselbe im Lande verbreitet,
was hauptsächlich den Bemühungen des Dom-Organisten
und Componisten Jonas Helgason und seines Bruders Helgi,
der ebenfalls Componist ist, zu danken ist. Dies gilt beson
ders vom G esang (isl. söngur, m.). Eine eigenthtimliche,
aber wie es heißt, nicht sehr melodische Art von Gesang,
die sich aus früherer Zeit als beliebte Abendunterhaltung
im Winter erhalten hat, ist der sogenannte „Z w i e ge s a n gu
(tvisöng), welcher von zwei Männern mit tiefen Stimmen
ausgeführt wird. Isländische N ation al w eisen gibt es
denn auch nur wenige und dieselben haben sämmtlich
einen eintönigen, schwermüthigen Charakter. **) Dieselben
werden zu alten V olksliedern (isl. fornkvsedi, n.)***) ge
sungen, von denen auch nur die allerwenigsten einheimisch
genannt werden können. Beiweitem häufiger als das
eigentliche Singen (isl. syngja) ist das „in eigenthümlich
weichen Tönen sich wiegende“ Recitieren (isl. kvecfa) eines
Gedichtes (isl. kvoeÖi, n.), besonders jener unendlich langen
gereimten Erzählungen (Rimur, vergl. oben S. 321), welche
eine Specialität der isländischen Literatur bilden, und an
den Winterabenden mit besonderer Vorliebe von Alt und
Jung vorgetragen werden. Eine beliebte Unterhaltung der
Isländer und zwar schon der Jugend ist ein Wettkampf
im Vortragen von Gedichten (isl. „ad kvedast a“), wobei
es darauf ankommt, schlagfertig eine möglichst große An
Das Volk.
” i Vgl. K. Maurer in : Germania. Vierteljahrsschrift f. deutsche
Alterthumskunde. XIV. Band (1869) 8. 107 ff.
**') Einige Proben isländischer Volksweisen werden sich in meinem
Buche „Zur isländischen Volkskunde“ mitgetheilt linden.
***') Eine Sammlung älterer isländischer Volkslieder existiert von
8 v. G ru n d t v i g und J 6 n 8 i g u r 8 s s o n unter dem Titel „fslenzk fornkvaedi“ und bildet die Nummern 19, 24 und 26 der „Nordiske Oldskrifter, udgivne af det nordiske Literatur Samfund“ (Kopenhagen).
Deutsche Übersetzungen daraus von P. T. W ill atzen , Altisländische
Volksballaden und Heldenlieder der Färinger, Bremen, 1865 und R o sa
W arten s, Norwegische, isländische, färöische Volkslieder der Vorzeit.,
Hamburg, 1866.
Das Volk.
328
zahl von Gedichten aus dem Gedächtnis vortragen zu
können. *)
Von ihrem immer so ausgeprägten poetischen Impro
visationstalent sollen die Isländer jetzt leider weniger
Gebrauch machen als früher. Noch im Jahre 1869 schrieb
Konrad Maurer, dieser beste Kenner Islands: „Häufiger
finden sich noch sogenannte „liagmseltir menn“, d. h. Leute,
welche, ohne sich ernsthafter mit der Dichtung zu befas
sen, und zumal ohne sich zu dichterischen Schöpfungen
höheren Fluges zu erheben, doch das Geschick haben, im
Momente treffende Verse zu improvisieren, wie sie eben
die Gelegenheit zu fordern scheint. Ganz wie in alter
Zeit sprechen solche Leute auch heutzutage noch aus dem
Stegreife.“ An eigentlichen und zwar trefflichen Dichtern
(isl. skäld, n ) aber hat Island auch jetzt keinen Mangel,
wie wir eben gesehen haben.
V olkssagen , (isl. J)j69sögur, f.) M ärchen (isl.
i'efintyri, n.), S ch w än k e (isl. kymnisögur;, desgleichen
R ä th se l (isl. gatur, rä3gätur; sing, gata, f.) sind noch
immer in bedeutender Menge unter dem Volke im Umlauf.
In vielen dieser volkstümlichen Erzeugnisse spricht sich
ein heiterer, gesunder Sinn und frischer Humor aus. Aber
auch hier findet sich viel Fremdes neben einheimischen
Stoffen, besonders in den Märchen und Räthseln, während
andererseits wieder gerade unter diesen sich Reminiscenzen
an das hohe Alterthum und an heidnische, religiöse Vor
stellungen finden.**) Zu bedauern ist es, dass nun auch
die alte Gewohnheit des fleißigen S agalesens (isl. sögulestur, m.) in der Abnahme begriffen sein soll; da jedoch die
Lectlire moderner aufklärender Schriften dafür an die Stelle
getreten ist, wird man mit einer solchen Änderung gleich
*) Näheres über dieses hübsche Spiel findet man in ,, Jüngling’
und Mädchen“ S. 143, Anmerkung 16.
**) Volkssagen, Märchen, Schwänke u. dgl. #finden sich gesammelt,
in dem zweibändigen Werke Jon Arnasons: „Islenzkar pjodsögur og
sefintyri.“ 2. Ausgabe. Leipzig, 1874. Vgl. Konr. M aurer ..Islän
d isch e V o lk ss a g e n der G egen w art, vorwiegend nach mündl.
Überlieferung gesammelt und verdeutscht“ Leipzig, 1860 und J. C.
P o estio n , „ Islä n d isc he M ärch en “ Aus den Originalquellen über
tragen. Wien, 1884.
329
wohl sehr zufrieden sein müssen. Und dies ist glücklicher
weise bei der Mehrzahl der Familien der Fall.
Der A b erg lau b e (isl. lijätrü, f.) steht bei den
Isländern noch immer in hoher Blüte, obschon er in
folge der immer mehr sich geltend machenden Aufklärung
bereits stark erschüttert ist. Der isländische Volksaber
glaube hat vieles mit dem norwegischen und deutschen,
überhaupt mit dem der übrigen germanischen Stämme ge
mein. *) Am schlimmsten stand es auf Island in Bezug
auf Aberglauben im 17. Jahrhundert. In den Jahren
1660—90 wurden sechzehn Männer wegen Zauberei ver
brannt. An der Spitze dieser Verfolgungen wegen Zau
berei standen der Probst von Selardalur, Pall Björnsson,
sonst einer der gelehrtesten Priester seiner Zeit, und
der Richter Porleifur Kortsson. Die erste Verbrennung
wegen Hexerei geschah im Jahre 1625, die letzte Verurtheilung in solcher Angelegenheit fand im Jahre 1690 am
Althing statt, der Verurtheilte wurde jedoch begnadigt.
Island hörte somit gleichwohl früher mit den Verbrennungen
wegen Hexerei auf, als so manche andere Länder, z. B.
um ein ganzes Jahrhundert früher als die Schweiz.
Die N a tio n a ltra c h t der Isländer ist nur beim
weiblichen Geschleckte von besonderer Art. Die Männer
tragen Hosen, weite Beinkleider, Weste und eine kurze Jacke
aus schwarzem (schwarzblauem) Fries, (isl. va3mal, m.)
was auf den Fremden einen sehr düsteren Eindruck macht ;
„wTenn man auf der Insel an’s Land steigt, wähnt man beim
ersten Anblick die ganze Bevölkerung trauere, “ sagt
Winkler. Viele, namentlich die Personen der besseren
Stände, tragen jedoch dänische resp. europäische Kleidung.
Besondere Erwähnung verdient der islän d isch e Schuh
(isl. skör, m.) Derselbe besteht nur aus einem einzigen
Stück ungegerbten Lammfelles, welches in der Form eines
niedrigen, tief ausgeschnittenen Schuhes zusammengenäht,
und mit einem hinten am Schuh angebrachten Bande über
den Rist festgebunden wird. Nur die Sonntagsschuhe
Das Volk.
*) Vgl. „V olks ab erg la u b en au f Isla n d “ von J. C. Poestion in der „Literarischen Beilage der Montags-Revue“ Jalirg. 1883
Nr. 52—53.
Das Volk.
330
pflegen mit Bändern eingesäumt zu sein. Als Kopf
bedeckung tragen die Männer daheim eine Haube (isl. hua, f.)
sonst einen breiten krämpigen .Hut (isl. hattur, m.) Das
weibliche Geschlecht hingegen hat in seiner Festkleidung
noch alte Nationaltracht bewahrt. Schweitzer schreibt
über die unter dem Volke ausschließlich gebräuchliche
weibliche Landestracht, welche auch noch „viele der in
der Gesellschaft hochstehenden Damenu tragen: „die Islän
derinnen unterscheiden zwischen Alltags- und Feiertags
kleidung; besonders charakteristisch ist beiden der Kopf
putz. Als gewöhnliche Kopfbedeckung, die nie abgelegt und
sowohl im Haus wie auf der Straße getragen wird, dient
eine flachanliegende, durch Nadeln befestigte, kleine
schwarze Mütze, mit lang herabfallender seidener, von
einem breiten Gold- oder Silberring zusammengehaltener
Quaste. Diese im Verein mit dem kokett aus dunklem
Mieder hervorschauenden, blendend weißen Vorhemdchen
gibt den isländischen Damen etwas Keckes, Frisches, das
ihnen wohl ansteht. An Feiertagen aber krönt das Haupt
ein weißer, mit weißem, zurückgeschlagenem Schleier ver
deckter, nach vorn übergeneigter Helm, dessen Rand um
Stirn und Haare durch einen goldenen Reif verdeckt ist.
Die Taille umschließt dann ein oft sehr kostbarer Gürtel
von Edelmetall, zuweilen ein altes Erbstück der Familie.4i
Die isländischen H äuser, (isl. hus, n.) sind fast durch
aus entweder aus Rasenstücken allein, oder aus wechseln
den Lagen von Rasenstücken und rohen Steinen oder
seltener auch aus rohen. Steinen allein erbaut. Nur in
Reykjavik, und an den übrigen Handelsorten gibt es
bessere, nämlich aus Holz oder aus behauenen Steinen
erbaute Häuser. In jüngster Zeit hat man in Reykjavik
auch Häuser aus bläulichem isländischen Gestein (Dolerit)
aufgeführt, die ein recht hübsches Aussehen haben.Das Dach ist bei den gewöhnlichen isländischen Bauern
höfen (isl. bser, m.), die wir jetzt schildern wollen, eben
falls mit Rasen bedeckt und ein isländisches Haus ist
daher im Sommer ganz grün und unterscheidet sich nur
durch seine Höhe von dem dasselbe umgebenden Gras
felde und man sieht auch nicht selten die Tliiere auf den
Dächern grasen. Ein isländisches Wohngebäude besteht
331
häufig aus vier kleinen Häusern, in denen sich je ein
drei bis vier Ellen hohes viereckiges Zimmer befindet:
diese vier kleinen Zimmer sind durch einen Hang ver
bunden, so dass je zwei auf jeder Seite desselben liegen.
Von diesen vier Räumen dient einer als Küche, von
welcher der Rauch durch einen im Dache angebrachten,
aus Brettern hergestellten Schlauch oder eine Tonne, aus
welcher auf beiden Seiten der Boden ausgeschlagen ist,
entweicht. Das gegenüber liegende Zimmer wird als
Speisekammer (isl. bur, f.) oder Aufbewahrungsort für Milch
oder Esswaren benützt. Das dritte Zimmer ist die Gast
stube und in dieser gibt es bei den Wohlhabenden Bretter
dielen und Bretterwände*, hier befindet sich auch ein
aufgemachtes Bett und in der Regel ein kleiner Tisch,
sowie entweder ein paar Stühle oder doch einige Kisten,
auf die man sich setzen kann. Das gegenüber liegende
Zimmer dient als Aufbewahrungsort für Kisten und anderesHausgeräth. Oberhalb dieser beiden Zimmer ist ein Dach
boden, zu dem eine kleine Stiege vom Hausgange aus durch
eine Luke führt, welche in der Regel nur eine Quadrat
elle groß ist; dieser 3 bis 4 Ellen hohe Bodenraum, die
sogenannte ., b a d s t o f aw, ist der eigentliche Aufenthaltsort
für die ganze Familie. Hier findet man zu beiden Seiten
die Bettstellen; diese Betten sind nichts Anderes als ein
viereckiger Raum, der durch Bretter hergestellt ist. Die
selben sind in der Regel so groß, dass 2 bis 3 Personen
beisammen liegen können, was oft so geschieht, dass der
Eine mit den Füßen zu Häupten des Andern liegt. Das
Bettgewand besteht bei den Wohlhabenderen aus einer
mit Dunen gefüllten Decke und wollenen Laken; bei
den Ärmeren wird ein Schaffell über das Heu gebreitet,
welches als Unterlage dient, und zum Zudecken bedient,
man sich dicker Friesdecken. Die alte Sitte, dass Mann,
Weib, Kinder und Gesinde beiderlei Geschlechtes in einem
Zimmer beisammen schlafen, kann man noch bei den meisten
ärmeren Familien beobachten; nicht selten ist jedoch die
Badstofa durch Scheidewände aus Brettern in mehrere
Räume abgetheilt, oder die Herrenleute und die Dienst
boten haben besondere Schlafzimmer. Auch Reisende
erhalten noch oft wie in alter Zeit ohne weitere Umstände
Das Volk.
Das Volk.
332
Platz unter den Mitgliedern der Familie. In der Badstofa
befindet sicli bei den Armen kein anderes Mobiliar, als
die Betten, in denen mail nicht nur liegt, sondern auch
isst und auf denen man zu sitzen pflegt, dann einige kleine
Kisten, sowie ein kleines hölzernes Gestell für Bücher und
andere Kleinigkeiten. Bei den Wohlhabenderen hingegen
kann man hier auch einige hölzerne Stühle finden, die
bisweilen künstlich ausgeschnitten sind, sowie einen Tisch,
-seltener einen Spiegel oder ähnliche Luxusartikel. Das
Licht fällt durch einige kleine, feste Fensterscheiben in
die Badstofa ein, die auf den Seiten des Daches ange
bracht sind. In den unteren Stuben gibt es ein, bisweilen
auch zwei Fenster, welche jedoch nicht zu öffnen und
gewöhnlich sehr klein sind; infolge der Dicke der Rasen
wand liegen sie außerdem sehr tief. Kachelöfen brauchen
die Isländer niemals; man findet solche nur an den
Handelsorten und bei einigen Beamten und reichen Leuten.
Außer dem Wohnhause gehören zu einem isländischen
Bauernhöfe noch einige Nebengebäude, welche immer mit
dem Hausgange parallel liegen, so dass ihre Giebel in
gleicher Reihe mit dem Hauptgiebel des Wohnhauses
stehen. Eines dieser Nebengebäude heißt die „skemma“
und dient als Aufbewahrungsort für allerlei Hausgeräth;
ein anderes enthält die Schmiede, welche auf keinem
isländischen Bauernhöfe fehlt. Diese Nebengebäude sind
an das Wohnhaus angebaut, so dass sich also zwischen
den Dächern Vertiefungen finden, worin sich, zum größten
Schaden für die Wohnung, beständig das Schnee- und
Regenwasser sammelt, das dann durch die Rasenwände
dringt. Es herrscht aus diesem Grunde in den isländischen
Wohnungen große Feuchtigkeit. Die Kuh-, Pferde- und
Schafställe liegen gewöhnlich in einiger Entfernung vom
Hauptgebäude, ebenso die sogenannten „hjallar“ (sing,
hjallur, m.) d. h. Hütten, in denen die Fischer die Fische
trocknen und aufbewahren. Bei den Wohlhabenderen trifft
man bisweilen einen Erdwall um den ganzen Hof und
manchmal auch eine Art Trottoir und Steinpflaster. Die
hier beschriebene Bauart ist, wie gesagt, die gewöhnliche
bei dem eigentlichen Volke. Die besten und geräumigsten
Wohnhäuser findet man im Nord- und Ostlande, da hier
333
das meiste Treibholz angeschwemmt wird; die schlechte
sten trifft man hingegen an den Fischereiplätzen, besondersin der Snsefellsnes Sysla, in der Borgarfjardar-, Gullbringuund Skaptafells Sysla sowie auf den Vestmannaeyjar.
Ein großer Übelstand ist für Island das schlechte Brenn
material. Ofen gibt es, wie gesagt, keine; hingegen ist.
es Sitte oft den ganzen Tag über in der Küche Feuer
zu unterhalten. Da nur an wenigen Orten Treibholz
in bedeutenderer Menge angeschwemmt wird oder ein
stärkeres Birkengehölz sich befindet, das man zum Brennen
gebrauchen kann, pflegt man immer allgemeiner Torf alsBrennmaterial zu benützen, besonders in den Gegenden
am Eyjafjörcfur und in der Umgebung von Reykjavik;
allein an vielen Orten hat man auch nicht einmal Torf.
Überdies ist der isländische Torf nicht sehr humushaltig,,
an einigen Orten hingegen schwefelhaltig, und gibt deshalb
nur wenig Wärme. Auch der Surtarbrandur ist kein sehr
gutes Brennmaterial und er kommt außerdem nur an einigen
Orten vor. Von der jährlich in bedeutender Menge ein
geführten Steinkohle geht der größte Theil in den Schmie
den auf und nur die sehr Wohlhabenden besonders die
Kaufleute und Beamten in den Handelsorten brennen die
selbe in ihren Öfen. Infolge dieser Umstände wird in
ganz Island, zum größten Schaden für die Landwirtschaft
und damit für die Wohlfahrt des Landes, getrockneter Kuhund Schafmist als Brennmaterial benützt Der Kuhmist
wird auf das Grasfeld geführt und über dasselbe ausge
breitet, um den Rasen zu düngen, und wenn er so lange
Zeit, an einigen Orten den ganzen Winter hindurch, gele
gen und trocken geworden ist, wird er wieder gesammelt,
und.in’s Haus gebracht. Der Schafmist wird in den Ställen
gesammelt, wo er unter den Füßen der Thiere zu einer
festen, dicken Kruste geworden ist; diese wird aufge
brochen, in viereckige Stücke zerschnitten und auf dein
Felde zum Trocknen ausgebreitet. Dieses eigentümliche
Brennmaterial, welches sehr salpeterhaltig ist, gibt ziemlich
starke Wärme, verbreitet aber häufig auch keinen geringen
Gestank, da es mit Stückchen von Schafwolle vermischt,
ist. Aber auch dieses Wärmemittel steht nicht jedem
Isländer zugebote und namentlich die armen Fischer,.
Das Volk.
Das Volk.
334
welche nur wenige- oder gar keine Thiere besitzen, müssen
auf dasselbe Verzicht leisten. Es wird deshalb in den
Küstengegenden alles Mögliche gesammelt, was nur irgend
wie zur Feuerung benützt werden kann, als Fischgräten,
besonders vom Dorsch, Schafknochen, getrockneter Tang,
verschiedene Arten von Schwämmen u. dgl. Nirgends aber
ist es mit dem Brennmaterial so schlecht bestellt als auf
den Vestmannaeyjar. Außer den zuletzt genannten Sub
stanzen gebraucht man hier vornehmlich getrocknete Vögel
zur Feuerung, ein übrigens auch auf Island selbst in der
Noth nicht verschmähtes Wärmemittel. Man verwendet
hiezu besonders die auf diesen Inseln in überaus großer
Anzahl vorhandenen Seepapageien und Sturmvögel. Von
dem ersteren Vogel wird das Bruststück weggeschnitten
und eingesalzen, der übrige Theil des Körpers jedoch
sammt den Eingeweiden und Flügeln wird getrocknet und
dann verbrannt. Vom Sturmvogel werden Kopf, Füße,
Eingeweide und Flügel mit Kuhmist vermengt, getrocknet
und ebenfalls verbrannt. Man kann sich denken, was für
einen Gestank dieses Brennmaterial verbreitet.
Zur Beleuchtung in den Häusern gebrauchen die Islän
der gewöhnlich Talglicht oder Leberthran, welcher in Lam
pen gebrannt wird, die in der Regel sehr stark qualmen.
N ahrungsm ittel. Mit den N ah ru n g sm itteln ist
es auf Island weniger schlimm bestellt als mit dem Brenn
materiale 5 es gibt eher einen Überfluss an solchen, uns
allerdings nicht immer sehr lecker scheinenden Producten,
mit denen der Isländer seinen Hunger stillt, und bei
welchen er sehr gut gedeiht oder doch ein Missjahr recht
gut überstehen könnte, wenn er immer für einen hinläng
lichen Vorrath Sorge tragen würde. Eine der wichtigsten
Speisen auf Island ist ungesalzener getrockneter Fisch
(Dorsch und Lengfisch), der roh, nur auf einem Stein
mürbe geschlagen, mit Butter, am liebsten ungesalzener
und in Gährung übergegangener, als Mittagsmahl verzehrt
wird. Eingesalzene Fische werden selten von den Islän
dern selbst gegessen, sondern „verkauft. Ein anderes Haupt
gericht, welches besonders Morgens und Abends genossen
wird, ist eine Milchspeise, entweder das sogenannte „sk y r“
oder ein Milchbrei. Die armen Fischer müssen es sich -
335
statt der Butter, welche auf Island in verhältnismäßig
großer Menge verbraucht wird, mit einer Mischung von
Talg und Thran genügen lassen. Brot wird auf Island
nur wenig genossen; das meiste Mehl, welches die Isländer
consumieren, wird zu Brei u. dgl. verwendet. Da alles Korn,
(welches auf Island gewöhnlich auf Handmühlen genialen
wird) vom Auslande eingeführt werden muss und darum
ziemlich theuer ist, wird dasselbe an vielen Orten durch
Surrogate, namentlich durch Sandhafer, im Nord- und Ost
lande auch durch isländisches Moos ersetzt. Dieses „islän
dische Brot“, welches aus dem Samen des Sandhafers (vgl.
oben S. 247) bereitet und in Töpfen gebacken wird (daher
„Toptbrot“ genannt) ist nach Keilhack außerordentlich dicht
und wässerig, infolge dessen schwer zu verdauen und hat
einen süßlichen aber nicht unangenehmen Geschmack.
Diese Art Brot wird gegenwärtig mehr und mehr verdrängt
durch ein sehr wohlschmeckendes, dem Pumpernickel ähn
liches Brot aus importiertem Roggen.“ F le isc h wird
vornehmlich von Schafen genossen und auch nur an Sonnund Feiertagen oder bei besonderen Gelegenheiten. Frisches
Fleisch wird in der Regel nur in der Schlachtzeit d. i. im
September und October, Rindfleisch und Seehundsfleisch
überhaupt sehr selten gegessen. Vor dem Schweinefleisch
haben die Meisten aus dem Volke Abscheu und der Genuss
von Pferdefleisch wird für entwürdigend gehalten. Vogel
fleisch, Vogeleier und Süßwasserfische, die so lange hangen
gelassen werden, bis sie zu faulen beginnen, werden hin
gegen ziemlich allgemein genossen.
Von Gemüsen gedeihen auf Island ganz vortrefflich
Kohl, Rüben und Kartoffeln, dieselben werden jetzt von den
Leuten immer mehr gewürdigt und daher auch schon ziem
lich häufig gebaut. Besondere Erwähnung verdienen einige
für Island charakteristische Gemüse und vegetabilische Nah
rungsmittel. So wird das islän d isch e Moos von den
Isländern nicht allein als Medicament (als tonisch-nährendes
Mittel gegen Lungenkrankheiten), sondern auch als kräftige
Speise genossen. Es enthalten nämlich 8O°/0seiner Bestand
teile denselben Nahrungsstoff wie Roggen. Die Isländer
dörren darum das Moos und mahlen es zu Mehl, aus dem
Brot gebacken wird. Gewöhnlich aber bereitet man daraus
Das Volk.
Das Volk.
336
auf Island einen Brei, und es hat Zeiten gegeben, in denen
viele arme Leute in den Gegenden, wo diese Flechte sich
besonders reichlich findet, sich ausschließlich davon ernähr
ten, wenn die Kornzufuhr ausblieb. Der Brei wird bereitet,
indem das Moos, wenn es hinreichend ausgeweicht ist,
um demselben einen gewissen herben Geschmack zu nehmen,
entweder mit Milch gekocht und als Suppe, (welche die
Isländer dann „grasamjölk“, f. nennen) genossen oder
in Milch gegeben und als Püree zum Fleisch gegessen oder
endlich in Wasser gekocht, dieses abgeseiht und der Brei
stehen gelassen wird, bis er kalt und fest geworden ist;
mit Rahm und Zucker genossen, ist diese Gallerte nicht
nur ein sehr wohlschmeckendes, sondern auch, da sie ganz
aus Lichenin - dem eigentlich nährenden Bestandteil
des Mooses — besteht, ein ungemein nahrhaftes Gericht.
Die Einsammlung dieser Flechte war besonders in früheren Zeiten
von großer Bedeutung für die den genannten Fundorten zunächst gele
genen Höfe; aber auch jetzt noch wird dieselbe fleißig vorgenonnnen
und geschieht besonders im Vorsommer und zwar durch die Weiber
und Kinder (man hat dafür den Ausdruck „ad fara a grasafjall“ d. h.
auf den Gräserberg gehen). Die Arbeit wird am besten bei feuchtem
Wetter oder zur Nachtzeit vorgenommen, da sonst die Pflanze, welche
die gewöhnliche, geringe Größe, die dunkle Farbe und das verwelkte
Aussehen der Flechten hat, zwischen den Fingern leicht zerbröckelt.
In ähnlicher Weise werden noch andere verwandte
Flechtenarten verspeist, so das sogenannte M ari eng ras
(vgl. S. 246), das Coralloideum proboscideum (vgl. S. 246),
welches das schmackhafteste von allen sein soll u. A. Auch die
bei uns vorzüglich als Arzneipflanze bekannte Archangelica
officinalis (vgl. S. 246) wird auf Island als Nahrungsmittel
und zwar als Gemüse verwendet und zu diesem Zwecke im
Herbste fleißig ausgegraben. Man genießt die Wurzeln
mit Butter und dieselben ersetzen im Winter oft das Brot.
Auch die Stengel werden, wie wir oben gesehen, gerne ge
gessen, weshalb man die Pflanze häufig in den Gemüse
gärten gezogen findet.
Ein anderes für Island charakteristisches, vegetabilisches
Nahrungsmittel sind verschiedene Tangarten, besonders aber
die söl (vgl. oben S. 248).
Man weicht den Tang in süßem Wasser aus, trocknet und presst
ihn einige Monate lang in Tonnen, worauf sich an den Blättern kleine
337
Das Volk.
weiße Körner imsetzen, die recht gut schmecken. Die Zubereitung ist
damit beendet und man kocht nun den Tang, in der Kegel gleich dem
isländischen Moos, zu Brei. Häufig wird derselbe auch in das Brotmehl
gemischt, welches dadurch schwerer werden und nach der allgemeinen
Meinung- auch besser schmecken soll. Bisweilen werden aber auch die
getrockneten söl allein gegessen. In früherer Zeit war die Bedeutung
dieses Nahrungsmittels eine viel größere als jetzt, wo der Import fremder
Waaren viel leichter gemacht jst ; dasselbe war sogar in gewisser Be
ziehung wichtig als isländischer Handelsartikel. Jetzt kann diese Pflanze
von jedermann eingesammelt werden, der es thun will; sie wird aber
in getrocknetem Zustande noch immer verkauft.
Jeder Isländer speist für sich, auf den Brettern seines
Bettes sitzend, und zu unbestimmten Zeiten, wenn er gerade
Appetit bekommt. Fast alle Speisen werden, wohl auch
aus diesem Grunde, kalt genossen; (vgl. unten). Als
erfrischendes G e trä n k (isl. drykkur, m.) gebrauchen die
Isländer besonders im Sommer außer trefflichem Wasser, das
sich bei jedem Hofe befindet, die sogenannte Bl an da, eine
Mischung aus sauren Molken und Wasser. Von Luxuswaaren
wird auf Island im Ganzen nur wenig consumiert. Doch
ist das K a f f e e trinken bereits ziemlich allgemein geworden
und ist insoferne von gutem Einflüsse, als dadurch einiger
maßen dem Genüsse spirituoser Getränke vorgebeugt
wird; denn der B ran n tw ein (isl. brennivin, n.) hat
leider auch auf Island längst Eingang gefunden und die
Trunksucht ist nicht nur in den untersten Volksclassen,
sondern auch in den besseren verbreitet. T ab ak wird
wenig geraucht, dagegen um so mehr geschnupft und auch
gekaut. Die eigenthümlich geformten Schnupftabaksdosen
sind oft mit Silber oder Gold verziert. „Sie sind den
Isländern charakteristisch und finden sich in keinem Lande
in der Art wie hier. Meist aus Holz, oft aber auch aus
Kuhhörnern, Walrosszähnen oder Porzellan verfertigt,
haben sie entweder eine bimförmige oder Pfeifenkopfgestalt
und sind an ihrem spitzen Ende mit einem Pfropfen ver
sehen, welcher häufig mit goldenen oder silbernen Kett
chen befestigt ist. Wenn sie nun schnupfen, so werfen
sie den Kopf in den Nacken und schütten eine an
sehnliche Ladung des überaus starken Tabaks in die
Nase.“
Der G esu n d h eitszu stan d auf Island ist nicht der
beste, was wohl niemand Wunder nehmen wird, der sich
Po e s t io n , Island.
22
338
Das Volk.
die oben geschilderte schwere und ungesunde Diät in Ver
bindung mit den sänitätswidrigen Wohnungen und der
großen Unreinlichkeit (die noch dadurch vermehrt wird,
dass sich, die Isländer niemals baden), vor Augen hält.
Durch diese Umstände wird es auch begreiflich, warum
Island so oft von Epidemien heimgesucht wird und diese
in der Regel so heftig auftreten, dass sie ungemein zahl
reiche Opfer fordern. Die gefährlichste Jahreszeit ist auch
auf Island der Frühling; zu dieser Zeit kommen an
steckende Krankheiten, dann Verkühlungen, Lungenent
zündungen und Typhus besonders häufig vor. Sehr viele
Isländer sind leberkrank infolge der starken Verbreitung
des Blasenwurmes unter den Bewohnern. Der A ussatz
(nämlich der sogenannte nordische Aussatz, Lepra boreaüs,
isk holdsveiki, likjpra, f.', die schlimmste Krankheit der
Insel, welche früher sehr häufig war, nimmt nun von Jahr
zu Jahr ab; zu Anfang dieses Jahrhunderts gab es 200,
im Jahre 1829 nur 120 und im Jahre 1872 nur mehr 43
Aussätzige, obschon die Bevölkerung während dieser Zeit
beinahe um die Hälfte zugenommen hat. Es wurde für die
vom Aussatz Befallenen in jedem Viertel des Landes ein
eigenes Spital errichtet. Die früher besonders auf den Vestmannaeyjar bei den Kindern so häufige M undsperre (isl.
ginklofi, m.), welche noch in der ersten Hälfte dieses Jahr
hunderts auf den genannten Inseln die Mehrzahl der neugebornen Kinder hinwegraffte, kommt jetzt nur selten vor,
da der dänische Arzt Dr. Schleisner der Bevölkerung die
Mittel zur Verhütung und Bekämpfung derselben gezeigt
hat. Die Sterblichkeit der Kinder auf Island ist aber noch
immer eine sehr große, was außer in den verschiedenen
Kinderkrankheiten seinen Grund auch darin hat, dass die
isländischen Mütter, ausgenommen die Frauen in den
Handelsorten und die allerärmsten Weiber an den Fischer
plätzen, welche keine Kuhmilch haben, ihre Kinder nicht
selbst säugen und aufziehen können. In den ersten Wochen,
ja bisweilen ein ganzes Jahr lang besorgt die Hebamme oder
eine andere Frau, zu der das Kind gleich nach der Geburt
gebracht wird, die Aufziehung desselben mit Kuhmilch.
Häufig wurden durch Handelsschiffe Epidemien nach
Island eingeschleppt, so die Blattern, die Masern, der
339
Scharlach, der Keuchhusten; davon haben die Blattern
(isl. böla, f.) die meisten Opfer gefordert, dieselben gras
sierten am schlimmsten in den Jahren 1555 und 1707; es
starben daran nicht weniger als 18.000 Menschen; von
1786—87 starben 1425 Personen an den Blattern; ziem
lich bösartig war die Epidemie auch in den Jahren 1309,
1693, 1742, 1762—64 u. s. w. Seit Einführung des Impf
zwanges (durch Gesetz vom 18. Juli 1821 und 24. März
1830) haben die Blattern an Häufigkeit und Bösartigkeit
bedeutend abgenommen. Das Impfen wird auf Island in
der Hegel von den Geistlichen besorgt. Die M asern (isl.
mislingar m. pl.) kamen zum ersten Male im Jahre 1644
nach Island und grassierten in diesem Jahre sowohl wie
auch in den Jahren 1694, 1790—93, 1797—98 und öfter;
die letzte Masernepidemie, welche das ganze Land heimsuchte, herrschte im Jahre 1846; im Jahre 1869 traten
sie nur in Austfir9ir auf. V e n e r is e h e Krankheiten
scheinen — nach Inseraten in den isländischen Zeitungen
zu schließen — auf der Insel leider nicht ganz unbekannt
zu sein. Von p e sta rtig e n Krankheiten (isl. störsöttir,
f. pl. d. h. große Krankheiten) ist Island in diesem Jahr
hundert verschont geblieben. Die asiatische Cholera z. B.
ist gar nie nach Island gekommen, wenn sie auch in
anderen Ländern Europa’s grassierte. Um so schlimmer
wüthete in früherem Jahrhunderten auf der Insel die eigent
liche P est oder „der schw arze Tod“ (isl. svartidaudi, m.
oder „plagan mikla“ d. h. die große Plage), so besonders in
den Jahren von 1402— 1414, wo sie nicht weniger als zwei
Drittel der ganzen Bewölkerung hinweggerafft haben soll.
Das Volk.
Es lieißt, dass der schwarze Tod durch einen Mann Namens HvalaEinar Herjulfsson nach Island gebracht worden sei. Espolins Isländische
Jahrbücher*) berichten: „Diese Krankheit ist so heftig- aufgetreten, dass die
Leute in der dritten Nacht starben, bis drei Messen mit entsprechender
Abhaltung von Gebeten und Brennen von Lichtern gelobt wurden; es
wurde auch das Gelübde gemacht, vor Mariä Reinigung trocken, vor
Weihnachten nass zu fasten, Psalmen und Marienlieder zu singen, der
Kirche von Holar vierzig Pfund Silber zu spenden, um damit den Schrein
Gudmunds des Guten**) zu schmücken. Es wird ferner berichtet, dass
*) Islands Ärbaekur i sögu-formi XII. Bd. Kopenhagen 1821—1855.
**) Bischof Gudmundr Arason, welcher in den Jahren 1203—1237
.auf dem Stuhle zu Holar saß, und von den Isländern als heilig be22*
340
Das Volk.
die meisten noch Zeit hatten zu beichten, bevor sie starben; im Herbste
herrschte die Pest im Südlande mit solcher Schrecklichkeit und solcher
Heftigkeit, dass sie weit und breit die Höfe verödete undan manchen
Orten, wo noch Leute lebten, konnten sie
sich selbst
nichthelfen,
wo zwölf oder fünfzehn eine oder zwei Personen zum Grabe geleiteten,,
kamen bisweilen nur vier oder fünf davon lebend zurück. Auf Kirkjubaer in Siöa starben die Äbtissin und sieben Schwestern, und dreimal
wurden hier die Männer hinweggerafft, so dass schließlich die Nonnen
selbst das Vieh melken mussten, welches vorhanden war; die meisten
hatten jedoch wenig Übung darin, wie man sich leicht denken kann.
Es wurden zu dieser Kirche 675 plötzlich gestorbene Leichen gebracht,
welche man noch zählte; später konnten sie gar nicht mehr gezählt,
werden, da ihrer so viele wurden. Im Nordlande blieben nur drei
Priester, drei Diakonen und ein Mönch in Lingeyrar am Leben. In
Aöalvik und Grunnavik blieben nur zwei junge Leute am Leben, welche
sich später mit einander verheirateten; es waren dies Ögmundur lödurkufur
und Helga beinrofa.“
Im Jahre 1493 wurde Island abermals von der Pest
heimgesucht, diesmal kam sie mit einem englischen Schiffe,,
welches in Hafnarfjörcfur landete, nach der Insel.
Espolin erzählt in den Jahrbüchern, dass damals fast alle Gegen
den westlich von Gilsfjördur verödet wurden und es viele Orte gab,,
wo nur zwei oder drei Menschen am Leben blieben; an mehreren der
selben wurden Säuglinge an der Brust ihrer todten Mutter saugend auf
gefunden. Die Weiber saßen todt mit ihren Milcheimern unter dem Euter
der Kühe oder mit ihren Schüsseln in der Speisekammer; doch gab
es auch wieder Höfe in diesen Gegenden, wo die Pest nicht auftrat,
und kein Todesfall vorkam.
Die meisten Leute auf Island sterben am Asthma. Hin
gegen sollen auf der Insel fast gar keine Fälle von Lungen
schwindsucht Vorkommen. Es klingt dies fast unglaublich,
wenn man bemerkt, dass die Isländer während des so
langen Winters fast gar nie aus ihren elenden, mit der
denkbar schlechtesten Atmosphäre erfüllten Wohnräumen
in die frische Luft kommen. Aber es sollen auch Isländer,,
welche auf dem Continente am Phthise erkrankten, sobalcl
sie in ihre Heimat zurückkehren, wieder gesund werden..
trachtet, obschoii er niemals heilig gesprochen wurde. Derselbe spielt
eine wichtige Polle in der isländischen Volkssage, und an ihn erinnern
zahlreiche Gvendar- (d. h. Gudmundar-) Brunnen, von denen die Sage
geht, dass sie von ihm geweiht worden und darum besonders gesund
und heilkräftig seien. Auch einige Pflanzen sind nach ihm benannt. Vgl.
Maurer, Isländ. Volkssagen der Gegenwart. S. 40 —41, 113—114,,
195—198.
341
Man hat daher auch den Vorschlag gemacht, man möge
Phthisiker vom Continente nach Island schicken. Dr.
J. Schreiber*) wendet jedoch dagegen ein, dass zwar
der Aufenthalt auf Island während der Sommerszeit Phthi
sikern zweifelsohne gute Dienste leisten würde, indem
daselbst eine reine, frische, ozonreiche Seeluft eingeathmet
wird, dass sich aber von einem solchen Aufenthalte nicht
mehr erwarten lasse, als von einem wie immer gearteten
Gebirgsaufenthalte. Wir meinen, dass es gleichwohl eines
Versuches wert sei, um die oft gerühmte Immunität Islands
in Bezug auf die Phthise endlich festzustellen oder als
Unwahrheit nachzuweisen.
Die Sterblichkeitsverhältnisse sind für Island sehr
ungünstig. Wenige Isländer erreichen überhaupt ein hohes
Alter und nur etwa ein Fünftel der Bevölkerung 50 Jahre,
im Neuntel 60 Jahre und etwas mehr als l °/0 80 Jahre.
Die Weiber werden durchschnittlich älter als die Männer,
wie sich ja für jene die Mortalität überhaupt weitaus
günstiger gestaltet als für diese. Dies ist auf Island in
ganz besonderem Maße schon deshalb der Fall, weil so
viele Männer, und zwar in der Regel in den besten Jahren,
beim Fischfang ertrinken; viele erfrieren auch, kommen
in Schneestürmen um oder fallen anderen Naturgewalten
zum Opfer. Der großen Sterblichkeit unter den Kindern
wurde schon früher gedacht. Dass die Bevölkerung trotz
dem in der Zunahme begriffen ist, kommt daher, dass die
Isländerinnen ungemein fruchtbar sind und auch sehr viele
außereheliche Kinder geboren werden.
Die V olksm eng e auf Island betrug bei der Volks
zählung am 1 . October 1880 72.445 Personen (und zwar
34.150 männlichen und 38.295 weiblichen Geschlechtes,
welche zu 9796 Familien gehörten) gegen 69-763 im Jahre
1870, 66 987 im Jahre 1860, 57.094 im Jahre 1840, und
47.240 im Jahre 1801. Davon entfallen: auf das Sücl-Amt
26.503 Bewohner gegen 25.063 im J. 1870, 23.137 im J.
1860, 20.677 im J. 1840 und 17.160 im J. 1801; auf das
West-Amt: 18.226 Personen gegen 17.001 im J. 1 870, 16.960
Das Volk.
*) Über das Wesen klimatischer Kuren bei Lungenkranken.
Wien, 1876.
Das Volk.
342
im J. 1860, 14.665 im J. 1840 und 13.976 im J. 1801; auf
das Nord- und Ost-Amt zusammen: 27.716 Personen gegen
27.699 im J. 1870, 26.890 im J. 1860, 21.752 im J. 1840
und 16.104 im J. 1801. Die Volksmenge hat also zuge
nommen von 1801 bis 1840 um 20'9%> von 1840 bis 1860
um 26*9°/o, von 1860 bis 1870 um 4*1% .und von 1870 bis1880 um 3*8°/o oder auf die einzelnen Ämter vertheilt in
den gleichen Zeiträumen im Süd-Amte: um 20*5 — 28*2 —
8-3 und 5*70/(i, im West-Amte um 4‘9 — 24’3 - 0'2 und 7’2%
im Nord- und Ost-Amte zusammen um 35*1—27‘4 — 3’0
und 0-3 °/o. Man ersieht aus diesen Zahlen, dass die Zu
nahme der Bevölkerung in der Zeit von 1840 bis 1880
etwas größer war als von 1801 bis 1840 (beziehungsweise
26*9% und 20,90/o), sowie dass die Zunahme von 1870 bis
1880 etwas geringer war als von 1860 bis 1870 (beziehungs
weise 3’8% und 4*l°/o.) Nur das Nord- und Ost-Amt.
weisen eine stärkere Zunahme von 1801 bis 1840 als von
1840 bis 1880 auf, und allein im West-Amt ist die Zu
nahme der Population von 1870 bis 1880 größer gewesen
als von 1860 bis 1870. — Von der Bevölkerungsziffer des
ganzen Landes entfallen, wie wir gesehen haben, 34.150
auf Personen m än nlich en Geschlechtes und 38.295 auf
Personen w eiblichen Geschlechtes, welche also in der
Mehrzahl sind, und zwar verhält sich das männliche Ge
schlecht zum weiblichen wie 1000 zu 1121. Das Verhält
nis zwischen dem männlichen und weiblichen Theil der
Bevölkerung war bei den früheren Volkszählungen:
im Jahre 1801 wie 1000 zu 1192,
1835
1113,
1840
1106,
1845
1099,
1850
1095,
1855
1093,
1860
1102 ,
1870
1107,
1880
112 1 ,
Die allgemeine Erfahrung des Überwiegens des weib
lichen Geschlechtes vor dem männlichen tritt also auf
Island besonders stark hervor. Es zeigt sich zwar vom
11
ii
ii
11
11
11
ii
n
11
11
n
n
11
11
11
n
ii
11
11
11
n
ii
11
11
11
ii
ii
11
11
n
ii
n
11
11
ii
ii
ii
11
.11
ii
Das Volk.
343
Anfang dieses Jahrhunderts bis zur Mitte desselben ein
stetiger Fortschritt zu einem gleichmäßigeren Verhältnis,
aber seit den Volkszählungen in den Jahren 1860, 1870
und 1880 ist das Übergewicht des weiblichen Geschlechtes
über das männliche wieder in beständigem Steigen be
griffen, das bei der letzten Zählung sogar verhältnismäßig
stark erscheint. Eine wesentliche Ursache dieses Missver
hältnisses liegt in dem schon oben berührten Umstande,
dass jährlich viele Männer infolge ihres gefahrvollen Er
werbes auf unnatürliche Weise unis Leben kommen. In
dem officiellen statistischen Berichte über die Volkszählung
im Jahre 1880*), dem wir diese Daten entnehmen, wird
als weitere Ursache auch die nicht unbedeutende Aus
wanderung angeführt, welche in dem letzten Decennium
besonders unter den Männern stattgefunden hat. Das
Überwiegen des weiblichen Geschlechtes zeigt sich denn
auch in den einzelnen Altersclassen, ausgenommen allein
die Classe von 10—15 Jahren, und macht sich besonders
von 40 an immer auffallender geltend. So kamen im Jahre
1880 auf je 1000 Personen männlichen Geschlechtes in der
Altersclasse von 20 bis25 Jahren 1068, von 30 bis
35 Jahren 1124, von 40 bis 45 Jahren 1242, von 50 bis
55 Jahren 1255, von 55 bis 60 Jahren 1306, von 60 bis
65 Jahren 1354, von 65 bis 70 Jahren 1547, von 70 bis
75 Jahren 1725, von 75 bis 80 Jahren 1793 und von
80 Jahren und darüber 1650 Personen weiblichen Ge
schlechtes.
Ehen werden auf Island sehr rasch und leichtsinnig
geschlossen, was viel dazu beiträgt, dass die öffentlichen
Lasten der Gemeinden sich bedeutend vermehren, da auch
die armen Leute, unbekümmert, ob sie imstande sein
werden, für ihre Nachkommenschaft zu sorgen, sich
häufig verheiraten. Indessen ist die Zahl der unverheira
teten Leute auf Island seit dem Anfänge dieses Jahr
hunderts gleichwohl in stetem, gleichmäßigem Steigen be
griffen und zwar in stärkerem Grade bei dem männ
lichen als bei dem weiblichen Geschlecht Von je 1000
über 20 Jahre alten Personen waren:
*) „Statistiske Meddelelser,“ 3die Rgekke, VI, Juni 1883.
Das Volk.
344
im Jahre 1801 unverheiratet: 800 Männer und 366 Weiber
„ 371 77 .
1840
340 77
77
n „„ 1860
„ 387 77
379 77
;;
77
„ 390
378
„
1870
77
77
77
436 77
„ 1880
„ 441 f
77
77
im Jahre 1801 verheiratet: 637 77
„ 473 77
575 77
„ 476 77
» „ 1840
77
548 77
„ 465 77
„ 1860
77
„ 438 77
533
„ 1870
77
483
„ 398
, 1880
77
Beinahe ein Fünftel aller Kinder ist unehelich.
Da nur 764*3 Quadratmeilen Islands bewohnt sind,
lebten im Jahre 1880 durchschnittlich auf jeder bewohnten
Quadratmeile 95 Menschen. Betrachtet man die Ämter
getrennt, so lebten im Süd-Amte 138., im West-Amt 123,
im Kord- und Ost-Amt hingegen nur 65 Menschen auf
jeder bewohnten Quadratmeile; das letztere Amt war daher
nur halb so stark bevölkert als die beiden anderen Ämter.
Die Bevölkerung ist natürlich am dichtesten in den Kauf
städten, außerdem aber in den Gegenden, wo sich die besten
Fischereiplätze befinden. So ist die Vestmannaeyja Sysla
im Süd-Amte, die nur aus einer bewohnten und dreizehn
unbewohnten Inseln besteht und auch nur ein Kirchspiel
ausmacht, verhältnismäßig am besten bevölkert; ihr zu
nächst kommen die Gullbringu- und Kjösar Sysla im SüdAmt sowie die IsafjarSar Sysla im West-Amte. Hingegen
sind die Dingeyjar und die Nordur Mula Sysla im Nordund Ost-Amt, wo die Bewohner fast ausschließlich von der
Landwirtschaft leben, am schlechtesten bevölkert und
stehen beide sehr tief unter dem Durchschnittsverhältnisse
für das ganze Land.
Aus g e wa nd e r t sind in den Jahren 1878—1880
nicht weniger als 741 Individuen; die Anzahl der früheren
und neueren Auswanderer, die sich fast ausschließlich nach
Amerika wenden, ist nicht officiell festgestellt worden.
77
77
77
77
77
77
Zu Ende des Jahres 1884 lebten in Amerika im Ganzen fca 6000
Isländer, im Verhältnis zur geringen Bevölkerungsziffer des Mutter
landes eine bedenklich hohe Anzahl. Dieselben wohnen entweder unter
der übrigen Bevölkerung zerstreut oder in kleinen, gesammelten Colonien,
namentlich in dem sogenannten N e u -1 s 1a n d am Winnipeg-See und
Das Volk.
345
in der Stadt Winnipeg’ in Canada, dann in Dakotali und Minnesota in den
Vereinigten Staaten. Einige sind auch zu den Mormonen übergegangen
und haben sich im Utah-Territorium niedergelassen. In Winnipeg er
scheint auch ein isländisches Wochenblatt, das nach dem ersten Ent
decker Amerikas „L eifu r“ benannt ist. Die Begeisterung für Amerika,
welche vor einigen Jahren auf Island noch wie eine förmliche Epidemie
grassierte, scheint nunmehr doch im Abnehmen begriffen zu sein, und
einige Auswanderer sind sogar wieder in ihre alte Heimat zurückgekehrt.
Nach L e b e n sste llu n g oder E rw e rb sz w e ig e n
gehörten im Jahre 1880 auf Island an 1. dem G eistlich en und L ehr er stä n d e : 158 Personen männlichen, und
11 Personen weiblichen Geschlechts; 2. dem C iv ilB eam tenstande (die Diener mitgerechnet): 64 Personen
männlichen und 11 Personen weiblichen Geschlechtes;
3. dem P en sio n iste n - und C a p ita liste n sta n d e (Per
sonen, die von ihren Mitteln leben): 140 Personen männ
lichen und 190 Personen weiblichen Geschlechtes; 4. dem
P riv a t-G e l ehrten - und L ite ra te n stän d e: 8 Per
sonen männlichen Geschlechts; 5. dem B a u e rn stä n d e
(Landwirte): 6536 Personen männlichen und 828 Personen
weiblichen Geschlechtes; 6. dem F isc h e rsta n d e (von
dem Ertrage der Fischerei und der Seeproducte lebend):
1666 Personen männlichen und 113 Personen weiblichen
Geschlechtes; 7. der in d u strie lle n C1as s e und zwar:
dem B äck e rsta n d e : 7 Personen männlichen und 2 Per
sonen weiblichen Geschlechtes; dem B ö ttc h e r stä n d e :
19 Personen männlichen Geschlechtes; dein G old- und
S i 1b e r - A r b e i t e r s t a n d e : 31 Personen männlichen
Geschlechtes, dem M au rerstan d e: 10 Personen männ
lichen Geschlechtes; dem H olzdrech sler stände: 4 Per
sonen männlichen Geschlechtes; dem S a ttle r stände:
34 Personen männlichen Geschlechtes ; dem S ch i ff bau er
st and e: 18 Personen männlichen Geschlechtes; dem
S ch u h m a c h er stän d e: 16 Personen männlichen Ge
schlechtes ; dem S c h n e id e r stä n d e : 2 Personen weib
lichen Geschlechtes; dem S c h m i e d s t a n d e : 42 Personen
männlichen und 2 Personen weiblichen Geschleches; dem
T isc h le rsta n d e : 129 Personen männlichen und 1 Person
weiblichen Geschlechtes; dem Z im m erm an n sstan d e:
19 Personen männlichen Geschlechtes ; dem U hrm ache rstan d e: 3 Personen männlichen Geschlechtes; dem
Das Volk.
346
W eber stä n d e : 9 Personen männlichen und 3 Personen
weiblichen Geschlechtes; endlich noch a n d e re n Handw erk erc 1a sse n : 39 Personen männlichen und 23 Per
sonen weiblichen Geschlechtes; dem H andels- und G ast
w irts tan de gehörten an: 161 Personen männlichen
und 3 Personen weiblichen Geschlechtes; dem Tag löhner
stand e: 389 Personen männlichen und 203 Personen
weiblichen Geschlechtes. Personen, welche keinem b e
stim m ten E rw e rb s zw eige nachgiengen, gab es 195
männlichen und 337 weiblichen Geschlechtes, solche, welche
von A lm osen oder auf Kosten der Gemeinden leben 1035
männlichen und 1389 weiblichen Geschlechtes. A rre
sta n te n waren zur Zeit der Volkszählung 8 Personen
männlichen und 4 Personen weiblichen Geschlechtes. Bei
sämmtlichen Classen mit Ausnahme der beiden letzten
wurden nur die Versorger (Familienhäupter) gerechnet.
Der dienenden Classe gehörten nicht weniger als 19340
Personen und zwar 8424 männlichen und 10.916 weib
lichen Geschlechtes an. Es geht also aus dieser Über
sicht hervor, dass die L a n d w irtsc h a ft (Viehzucht)
der wesentlichste Nahrungszweig und der Haupterwerb
der Bevölkerung von Island ist. Dies gilt auch von der
Bevölkerung jeder einzelnen Sysla mit Ausnahme der
Gullbringu- und Kjösar Sysla und der Vestmannaeyja
Svsla. In der ersteren machte nämlich die Zahl der Per
sonen, welche ausschließlich oder hauptsächlich von Land
bau lebten, nicht einmal ein Drittel von der Zahl der
jenigen aus, welche von der See lebten, und in der letzte
ren gab es gar keine Person, die ausschließlich oder haupt
sächlich vom Landbau lebte.
Von geringerem Umfang als Erwerbsquelle war die
F isc h ere i, welche jedoch in der Vestmannaeyja Sysla
beinahe den einzigen Erwerb ausmachte, in der Gullbringu- und Kjösar-Sysla die Landwirtschaft überwog, und
in der Borgarfjardar-, Hnappadals-, Snsefellsnes- und Isafjaröar Sysla einen nicht unbedeutenden Th eil der Bevölke
rung beschäftigte. Indessen muss daran erinnert werden,
dass Landbau und Fischerei auf Island oft von denselben
Personen betrieben wird, während die Volkszählungstabellen
nur Aufklärung geben können, welche von den beiden
347
Erwerbsquellen als Haupterwerb betrachtet werden muss.
Nach deu letzten fünf Volkszählungen lebten von der
ganzen Bevölkerung (die Familien mitgerechnet):
im Jahre vom Landbaue von der Fischerei
1850
82-0°/,
6'90/’o
1855
81•1°/ o
7-8%
1860
791%
9-3%
1870
75*1%
9-8%
1880
12-0%
73-2%
Die verhältnismäßige Anzahl der Landbauern hat
demnach beständig abgenommen, die der Fischer hin
gegen zugenommen: ein Resultat also, das nicht sehr
erfreulich ist, da unter den gegebenen Verhältnissen die
Zukunft Islands einzig in dem Betriebe der Landwirt
schaft liegt.
Der H an d w e rk erstan d ernährte im Jahre 1880
2*1 °/0 der Bewölkerung gegen ca 1% bei den früheren
Volkszählungen. Es ist somit bei diesem Stande eine Zu
nahme von über 2°/0 in den letzten zehn Jahren zu ver
zeichnen. Unter den einzelnen Handwerkszweigen machten
die T isc h le r die zahlreichste Classe aus (130 Haupt
personen gegen nur 56 im Jahre 1870); ihnen zunächst
kamen die Grob- und Kleinschmiede mit den Gold- und
Silberarbeitern (im Jahre 1880 zusammen 75 Hauptper
sonen gegen nur 52 im Jahre 1870). Auch im H an d els
stan d machte sich in den letzteren Jahren eine verhält
nismäßige Zunahme bemerkbar. Im Jahre 1880 lebte
davon über l 1^ 0^ der Bevölkerung gegen ca 1% bei den
früheren Volkszählungen. Die Anzahl der Hauptpersonen
betrug im Jahre 1880 164 (gegen nur 114 im Jahre 1870).
Die Anzahl der Handwerker und Handelsleute war selbst
verständlich am größten in der Stadt Reykjavik und in
der unmittelbar an dieselbe anstoßenden Gullbringu- und
Kjösar Sysla; hierauf folgten die IsafjarSar- und die
Eyjafjardar Sysla, in denen die beiden Kaufstädte Isafjörcfur und Akureyri liegen. Die Zahl der T a g lö h n e r
und solcher Personen, die k e in e n b e s tim m te n
E r w e r b s z w e ig haben, ist seit 1850 in steter Zu
nahme begriffen; hingegen sank die im Jahre 1870 bis
Das Volk.
348
Dae Volk.
zu 5*6% gestiegene Anzahl von Personen, welche von
Almosen leben, bis zum Jahre 1880 auf 3‘3°/0 der Bevöl
kerung herab.
V e rfa ssu n g und A d m in istratio n . Island hat
nunmehr wieder seine eigene ziemlich freie Verfassung.
Dieselbe ist, wie wir oben gesehen, vom 5. Januar 1874
datiert. Die verfassungsmäßige Stellung Islands im däni
schen Reiche wurde durch ein Gesetz vom 2. Januar 1871
festgestellt. Darnach ist Island „ein untrennbarer Theil
der dänischen Monarchie mit eigenen Landesrechten“ : es
kann nicht zu den allgemeinen Ausgaben und Lasten des
dänischen Reiches herangezogen werden, und stellt für
dasselbe auch kein Militär bei, hingegen hat Dänemark in
Anerkennung seiner Schuld an Island, entstanden u. a.
durch Veräußerung isländischen größtenteils aus dem
Grundbesitze der gelegentlich der Reformation eingezogener Klöster (vgl. oben S. 307) herstammenden Ivrongutes
zu Gunsten der dänischen Casse sowie durch die Schä
digung, welche Island durch den dänischen Monopol
handel zugefügt wurde (vgl. oben S. 308) für immer jähr
lich 60.000 Kronen (67.500 Mark) und außerdem zwanzig
Jahre hindurch eine alljärlich sind vermindernde, von
40.000 Kronen bis auf Nichts herabsteigende Summe an
die isländische Landescasse zu zahlen. Die Kosten für
Islands Regierung in Kopenhagen sowie für die Postver
bindung hat die Staatscasse zu tragen. Das dänische höchste
Gericht ist auch die oberste richterliche Instanz für Island.
Island hat auch seinen eigenen Minister (radgjafi) in Kopen
hagen, welches Amt jedoch von einem dänischen Minister
bekleidet wird. Der Minister ist die dem König allein
verantwortliche oberste Behörde in allen isländischen An
gelegenheiten. Der höchste Beamte auf Island selbst ist
der Landeshauptmann oder Landesgouverneur (landshöfJingi), der nicht dem AlJ>ingi, sondern dem Minister ver
antwortlich ist und die Executive in allen innern Ange
legenheiten in Händen hat. Die legislative Gewalt hat
der König im Vereine mit dem Aljnngi, bestehend aus
36 Mitgliedern oder Abgeordneten (Jnngmenn), von denen
30 vom Lande gewählt, 6 vom König ernannt werden;
es tritt jedes zweite Jahr zusammen und die Abgeordneten
349
werden für drei Sessionen (6 Jahre) gewählt Das Aljringi
zerfällt in zwei „Abtheilungen“ (Kammern), in eine „obere“
(efri deild) und eine „untere“ (nedri deild), also Ober- und'
Unterhaus. Im Oberhause sitzen die vom König ernann
ten und 6 der vom Lande gewählten Mitglieder, im Unter
hause die 24 übrigen Abgeordneten. Weichen die Be
schlüsse beider Kammern von einander ab, so wird die
betreffende Angelegenheit von den beiden Kammern noch
mals und zwar gemeinschaftlich verhandelt; doch müssen
hiebei von jeder Kammer zwei Drittel ihrer Mitglieder
zugegen sein. „Das Parlament ist in zwei Parteien ge
spalten; eine rechte, königstreue, dem weiteren Ausbau
der Verfassung sich entgegenstellende, und eine linke,,
deren Ziel es ist, Island möglichst unabhängig von Däne
mark zu machen, in letzter Linie die Wiederherstellung
der alten isländischen Republik. Beide Parteien sind
gegenwärtig beinahe gleich stark vertreten und die rechte
verdankt ihre Majorität nur den 6 nicht durch Volkswahl,
sondern durch Königswahl im Parlamente und natürlich
auf dessen rechten Seite sitzenden Mitgliedern.“ Die Be
schlüsse des AlJ)ingi werden dem Könige vorgelegt und
von diesem entweder sanctioniert oder verworfen. Das
isländische Aljpingi hat bereits eine Anzahl wichtiger, den
Aufschwung des Landes fördernder Gesetze geschaffen. Von
der fortschrittlichen Tendenz desselben zeugen u. a. ein
Gesetz vom 12. Mai 1882, durch welches Witwen oderselbständigen ledigen Weibern über 25 Jahren das cominunale und kirchliche Wahlrecht zuerkannt wurde, sowie
ein solches vom 12. Januar 1884, nach welchem jeder
Grundbesitzer v e rp flic h te t ist, sein Grundeigenthum,
falls er dasselbe nicht selbst benützt, zur Benützung an
einen Anderen zu verpachten.
Als oberstes G ericht befindet sich auf Island selbst
(in Reykjavik) ein Oberlandesgericht (landsyfirettur), be
stehend aus dem Justitiarius und zwei Assessoren, die letzte
richterliche Instanz ist das höchste Gericht in Kopenhagen.
Richter in den einzelnen Bezirken (syslur) ist der Bezirks
vorsteher (syslumadur), der deshalb Jurist sein muss, in
den drei Städten der Bürgermeister (bsejarfögeti), der hier
das Amt eines Sysselmarins versieht.
Das Volk.
350
Das Volk.
Das Land ist in drei Ämter (ömt oder umdsemi, pl.)
eingetheilt, in das Süd-Amt (sudurumdsemi), West-Amt
(vesturumdaemi) und in das Nord- und Ost-Amt (nordur- og
austurumdsemi).
Die Ämter zerfallen in Bezirke oder Jurisdictionen
(syslur, sing, sysla, f.) und zwar das Süd- und das West
amt in je 7, das Nord- und Ost-Amt in 6, ganz Island also
in 20 Syslur. Die Syslur zerfallen wieder in Gemeinden
(hreppar, sing, hreppur, m.) und zwar gibt es deren im
Ganzen 171 sowie außerdem 3 „Kaufstädte“ (kaupstacfur).
An der Spitze eines jeden Amtes steht ein Amtmann
(amtmadur), doch sind gegenwärtig das Süd-Amt und das
West-Amt unter einem Amtmann vereinigt. Der Amtmann
für das Süd- und West-Amt hat seinen Sitz in Reykjavik
und der für das Nord- und Ost-Amt in Mödruvellir
bei Akureyri. Den einzelnen Bezirken stehen die Syslumenn (Bezirksvorsteher) vor, welche zugleich Richter,
Verwaltungsbeamte, Casseneinnehmer u. s. w. sind, und
denen wieder die Gemeindevorsteher (hreppstjörii, die
untersten isländischen Beamten, untergeordnet sind. Meh
rere Syslur haben keinen eigenen Syslumadur, sondern
sind mit einer anderen Sysla zu einem Jurisdictions
gebiete vereinigt. In jedem Gerichtsbezirke befindet sich
ein „Dingstacfur“ (Gerichtsstätte), ein Ort (eine Farm), wo
Recht gesprochen wird. Der Sysselmann muss jedes Jahr
einmal seinen Bezirk durchreisen; der Tag seiner An
wesenheit in jedem Dingstadur wird vorher bekannt ge
macht, und alle im Streite liegenden Parteien erscheinen
an der Gerichtsstätte. . In den drei Kaufstädten versieht,
wie .schon oben bemerkt, der Bürgermeister (bsejarfögeti)
das Amt eines Bezirksvorstehers. Dem Amtmann steht in
jedem der beiden Ämter ein A m tsra th (amtsräd, n.),
dem Bezirksvorsteher in seinem Jurisdictionsbezirke ein
aus den Bauern gewählter B e z irk sra th (syslunefnd, f.),
dem Gemeindevorsteher ein G em ein d erath (hreppsnefnd) zur Seite.
Als höchster Finanzbeamter fungiert der L andvogt
(landfögeti); derselbe hat seinen Sitz in Reykjavik. Er
ist der Hauptcassier des Landes und führt die Verrechnung
der Landescasse (landsjodur, m.) Die Landescasse bezieht
351
ihre größten Einnahmen vom Zoll auf geistige Getränke
und Tabak, von verschiedenen Steuern (skattar, sing,
skattur, m.) und von der jährlichen Summe, welche von
Dänemark gezahlt wird (vgl. oben S. 348). Die Ausgaben
betreffen zumeist das Gerichts- und Polizeiwesen, dann die
Schulen, die Dampfschiffahrt, die Erhaltung und Verbesse
rung oder Anlage von Wegen, die Aufbesserung schlechter
Pfarren u. dgl. Die gesammten Einnahmen der Landescasse sind im isländischen Budget pro 1884 mit 435000 Kr.,
die gesammten Auslagen mit 420000 Kr. eingestellt. Für
die Verwaltung von Island sind für das Jahr 1884—1885 im
dänischen Budget 100400 Kronen angesetzt.
M ilitä r gibt es auf Island nicht.
Das Me di c i n al w es e n ist jetzt auf Island in ziemlich
geregeltem Zustande. Das ganze Land ist in 20 ärztliche
Districte (laeknishera9) eingetlieilt, denen je ein Districtsarzt (heraSslseknir) vorsteht. Jeder Bezirk (sysla) zerfällt
wieder in mehr oder weniger H ebam m en k r eis e (yfirsetukvennadsemi). Die Oberaufsicht über das gesammte
Medicinalwesen führt der Landesphysicus (landlseknir),
der in Reykjavik seinen Sitz hat. An ihn haben die
Districtsärzte regelmäßige Berichte über den Gesundheits
zustand in den Districten einzusenden; er selbst schickt
alljährlich einen Hauptbericht an den Gesundheitsrath in
Kopenhagen. Der Landesphysicus ist auch zugleich Director der medicinischen Schule in Reykjavik (vgl. oben S. 319).
Die Anzahl der Hebammen (yfirsetukona) in jeder Sysla
bestimmt der Amtsrath. — S p itä le r (sjukrahüs, n.) gibt
es auf Island gegenwärtig nur zwei, nämlich je eines in
Reykjavik und Akureyri. Die vier Spitäler für Aussätzige,
je eines für jedes Landesviertel, sind aufgehoben worden,
da der Aussatz immer seltener wird. A potheken (isl.
lyfjabücf, f.) existiren drei, von denen sich je eine in Reyk
javik, Stykkishölmur und Akureyri befindet. Die erste
Apotheke wurde im Jahre 1772 errichtet.
Was das R e lig io n sb e k e n n tn is der Isländer be
trifft, so ist dasselbe das lutherische (vgl. oben S. 307), doch
besteht seit 1874 Glaubensfreiheit. Die Bemühungen fran
zösischer Missionäre, die Isländer wieder zum Katholicismus zu bekehren, blieben erfolglos; doch hat die katho
Das Volk.
Das Volk.
352
lische Mission noch ein Wohngebäude mit einer Kapelle,
in der von Zeit zu Zeit für Fremde Gottesdienst gehalten,
wird. Die Volkszählungsliste vom Jahre 1880 verzeichnet
an Personen, welche sich nicht zum evangelisch-luthe
rischen Glauben bekennen: 1 Methodisten, 1 Katholiken,
4 Unitarier (lauter Männer), 3 Mormonen (1 Mann und
2 Weiber) und 3 Männer ohne bestimmte Confession.
In kirchlicher Hinsicht ist das Land in 20 Probsteien
(pröfastsdsemi) und 141 Pfarren (prestakall, n.) mit 299
Kirchspielen (kirkjusökn, f.) eingetheilt. In jedem Kirch
spiel hat (zufolge Gesetzes vom 27. Febr. 1880) ein Kirch
spielausschuss (söknarnefnd) und in jeder Probstei ein
Probsteibezirksausschuss, (heradsnefnd) die kirchlichen An
gelegenheiten zu besorgen. Probsteien oder Pfarren (allge
mein: braud, n.), die ein Einkommen von 1800 Kronen
oder mehr abwerfen, werden vom König, die übrigen vom
Landeshauptmann über Vorschlag des Bischofs verliehen
(Gesetz vom 3. October 1881). Seit dem Jahre 1801 gibt
es nur einen einzigen Bischof (biskup) für ganz Island,
während früher zwei Bisthiimer — das von Hölar und das
von Skälholt — bestanden (vgl. oben S. 301). Der Bischof
ist der oberste geistliche Beamte des Landes; er residiert
jetzt in Reykjavik. Ihm obliegt in Gemeinschaft mit dem
Amtmanne des Süd- und West-Amtes die Leitung des
Kirchen- und Schulwesens. Es gibt auf Island im Ganzen
299 Kirchen, wovon 217 aus Holz, 75 aus Torf und 7 aus
Stein erbaut sind. In der alten Zeit war die Anzahl der
Kirchen eine viel größere, damals gab es ja auch Klöster
und zwar sowohl Männer- wie Frauen-Klöster (vgl oben
S. 301).
Uber das S chulw esen auf Island ist bereits früher
(S. 318) ausführlich gesprochen worden.
Was den P o s t v e r k e hr im Lande (pöstgöngur, pöstferdir, f. pl.) betrifft, so wird derselbe durch reitende
Boten besorgt, und zwar gehen Posten von R e y k jav ik
nach Hjardarholt in den Dalir und von Hjardarholt nach
Isafjördur, von R e y k ja v ik nach Stad im Hrutafjördur
(Nordpost), von Stad nach Akureyri (Akureyri-Post), von
Akureyri nach Grimsstadir a Fjöllum und von Grimsstadir
nach Seydisfjördur (Seydisfjördur-Post), von R e y k ja v ik
353
nach Brei3abölsta3ur in Fljötshli3 und von Brei3abölsta3ur
nach Prestsbakki (Prestsbakki-Post), von Prestsbakki nach
Bjarnanes und von Bjarnanes nach Eskifjör3ur (Eskifjör3ur-Post). Der oberste Postbeamte des Landes ist der
P o stm e iste r (pöstmeistari) in Reykjavik.
Die regelmäßige Postverbindung zur See und mit dem
Auslande wird durch Dampfschiffe (gufuskip) hergestellt,
welche von Kopenhagen nach Reykjavik gehen, jährlich
im Ganzen 12 Fahrten machen, in Leith oder Granton
in Schottland sowie in Dörshöfn und Trangisvaag auf den
Färöern anlegen und zu der ganzen Reise von Kopen
hagen bis Reykjavik 9—13 Tage brauchen. Fünfmal im
Jahre macht der Postdampfer (pöstgufuskip) die Tour um
die ganze Insel. Vgl. unten.
G eld (isl. peningar, [m. pl.] fe, n.), Maß (mal n.) und
G ew ich t (vigt, n.) sind auf Island dasselbe wie in Dänemark. Man rechnet nach Kronen (kröna, f.) und Ören
(eyrir, plur. aurar, m.); eine Krone ist = 100 Öresund
hat den Wert von 1 Mark 12V2 Pf. deutschen Geldes. Über
die alte, im gewöhnlichen Verkehr noch gebräuchliche
Landaurar-Rechnung, vgl. das Capitel: „Industrie, Handel,
Verkehr.“
Eine isländische „t>ingmannalei3“ (ursprünglich: der
Weg, den die Dingmenn auf ihrer Reise zum Aljnngi an
einem Tage zurückzulegen pflegten) wird jetzt = 20,000
Faden (fa3mar) = 60,000 dänische Ellen (älnir) = ca. 5
geograph. Meilen angesetzt. 1 dänische Meile (mila, f.) ist =
12,000 Ellen = 24,000 dänische Fuß (isl. fet, n.). 1 däni
scher Fuß ist = 0‘31385 Meter; 1 Myriameter (myriametr) ist = 31862 dänische Fuß (= 30,784 pariser Fuß).
Im dänischen R eichsw appen wird Island durch
einen geköpften Dorsch repräsentiert. Die officielle islän
dische Flagge ist die dänische (Danebrog): hochroth mit
einem weißen das Feld rechtwinklig durchschneidenden
Kreuze. Doch ist auch eine speciell isländische Flagge
in Gebrauch, welche einen weißen Falken auf blauem
Felde zeigt.
Das Volk.
Po e s t i on, Island.
23
354
L an dwirts eliaft..
Erwerbsquellen.
1. Landwirtschaft.
Landbau. Island wird seiner Bodenbeschaffenheit nach
eingetheilt in: bewohntes Land mit Grasfeldern und Wiesen
(isl. byg3 und bygg3, f.; plur. byg9ir), in Bergweiden
(isl. afrettur, m.) und in unbewohnbares und ganz unfrucht
bares ödes Land (isl. öbygcf. gewöhnlich in der Mehrz.
öbygdir). Zur ersten Classe werden außer den Grasfeldern
(mit den Gemüsegärten) und Wiesen auch die entfernter
gelegenen, aber zu einem bestimmten Hofe gehörigen
Weiden gerechnet; zur zweiten Classe rechnet man die
mit Gras bewachsenen Bergabhänge, die Hoch weiden und
einen großen Theil der Lavafelder; zur dritten endlich
alle Gletscher, das ca 100 [j Meilen große Lavafeld Odadahraun, die Sand- und Steinwüsten im inneren Hoch
lande, sowie die großen Sandstrecken an der Südküste.
Von den 1903 [j Meilen der ganzen Insel entfallen auf
das Land der ersten Classe ca 770 [j Meilen, auf das der
zweiten Classe ca 690 Q Meilen und auf das der dritten
Classe der übrige Theil der Insel.
Die Mehrzahl der Bevölkerung wohnt in den von Flüssen
oder Bächen durc-hströmten Thälern, die oft 3 bis 4 Meilen,
bisweilen noch weiter, ja selbst bis 10 Meilen von der Küste
aus sich landeinwärts erstrecken; ein anderer Theil wohnt
an den Küsten und ein dritter Theil auf den sanften,
flachen Abhängen am Fuße der Berge. Die einzelnen
isländischen Bauernhöfe liegen in der Kegel ziemlich weit
von einander entfernt — durchschnittlich 1—3 Viertelmeilen
(man nennt diesen Abstand „baejarlei9“) und bilden
keine Dörfer; solche Anden sich gewöhnlich nur an den
Fischerplätzen an der Küste und heißen „liverfl“ oder
„t>orp“.
Ein Hof selbst hingegen besteht, wie wir oben gesehen
in der Regel, besonders wenn derselbe dem Bauern selbst
gehört, aus einer Anzahl von Gebäuden.
Der zu einem isländischen Bauernhöfe gehörige
Grund besteht, in so weit er überhaupt einen Ertrag
355
liefern kann, ausschließlich aus besserem und schlechterem
W iesengrund und der ganze isländische Landbau ist
nichts Anderes als G ra sc u ltu r. Von der Productivität
an Gras hängt denn auch fast allein der Wert und Nutzen
eines isländischen Grundstückes ab. Man tlieilt darnach
das Grasland in drei Kategorien ein *, in gedüngten Boden,
in Wiesen (sammt Mooren) und in Gebirgsweiden. Es ist
für das Verständnis der landwirtschaftlichen Verhältnisse
Islands wichtig, diese drei Arten von Grasland näher
kennen zu lernen.
Jeder Bauernhof ist zunächst von einem Stück Land
umgeben, das in der Regel eingezäunt ist und im Sommer
schon durch sein helles, saftiges Grün von den dunkler
gefärbten Wiesen, Mooren und Hügeln angenehm absticht.
Dies ist das sogenannte „tun“ d. h. der Boden, der gedüngt
wird und deshalb ein ausgezeichnetes fettes Gras gibt.
Dieser Grasgarten ist für den isländischen Landwirt, da
er ihm das beste Heu liefert, der wertvollste Theil seines
Grundbesitzes, und ihm hat er denn auch seine größte Sorg
falt zu widmen. Die Pflege desselben ist aber oft mit
vielen Mühen verbunden, woran zumeist die kleinen, dicht
neben einanderliegenden — den Maulwurfshügeln ähnlichen
— Bodenerhöhungen schuld sind, die fast in jedem Tun
Vorkommen, und die entweder durch Frost oder durch
Wasser, wenn dieses keinen regelmäßigen oder regelrechten
Abfluss hat, gebildet werden. Das Gras wächst zwar auf den
selben eben so gut wie anderswo, aber zwischen den Furchen,
welche diese kleinen Erdhügel von einander trennen, kann
dasselbe nur mit großer Beschwer geschnitten werden und
muss mit dem Rechen ebenfalls sehr mühsam Büschel für
Büschel aufgelesen werden. Außerdem ist ein solcher Boden
weniger fruchtbar als ein ebener. Jeder tüchtige Land
wirt versucht daher verschiedene Mittel, um sein „tun“
zu ebnen — „sletta“ sagen die Isländer — und dadurch
ertragreicher zu machen.
Zum Tun gehört auch der G arten (isl. grasgarJur
d. i. Küchengarten, oder häufiger bloß garJur, m. genannt),
in dem gewöhnlich Kartoffeln, seltener Kohl (Grün- und
Weißkohl) oder weiße Rüben angebaut werden. Doch
findet man einen solchen beiweitem nicht bei jedem
Land Wirtschaft..
23*
Landwirtschaft.*
356
Bauernhof; in der Regel (besonders im Südlande) ist dies
ein Kartoffelgarten. Der Garten ist vom Tun wie dieses
von dem übrigen Wiesenland durch einen Z aun (isl.
gardur), der gewöhnlich aus breiten Rasenstücken, häutig
aus Steinen, selten aus Draht aufgeführt ist, getrennt.
Wenn man den Tun-Zaun verlassen hat, befindet man
sich auf der W iese („eng“ f. auch engi, n. oder „üteng“
d. h. äußere Wiese, wie das außerhalb des Tun's gele
gene Grasland im Gegensatz zu diesem genannt zu werden
pflegt); diese kann von höchst ungleicher Beschaffenheit
sein, und entweder aus steinigen Höhen mit sehr spärlichem
Graswuchs (einem sogenannten „holt“) oder anständigen,
zwar etwas grasreicheren, sonst aber nur mit Heidekraut
u. dgl. bewachsenen Strecken (einem sogenannten „mor“)
oder im günstigeren Falle aus wirklichen Wiesen oder auch
aus Moorland bestehen. Es ist für die Wirtschaft von
großer Wichtigkeit, dass sich ein solches Wiesenland in
der Nähe eines Hofes befinde; denn das Heu, welches
vom Grasgarten gewonnen wird, reicht kaum aus, um die
Kühe damit zu füttern; man muss darum für die übrigen
Thiere (Schafe und Pferde) von anderwärts Heu herbei
schaffen. Selbstverständlich ist dieses WTesenland je nach
seiner Beschaffenheit von höchst ungleichem Werte. Wo
das Wasser von den Wiesen leicht abfließen kann und
der Boden überhaupt fruchtbar ist, können sie dichtes und
verhältnismäßig hohes Gras hervorbringen, welches aber
gleichwohl immer etwas dunkler gefärbt und gröber ist
als das Tun-Gras. An manchen Orten hingegen muss man
mit Wiesen zufrieden sein, die nicht mehr Gras tragen als
das eigentliche Moorland, in welches dieselben oft ohne
scharfe Grenze übergehen.
Die M oore machen einen verhältnismäßig sehr großen
Theil des isländischen Bodens aus. In den flacheren Gegen
den z. B. in der Ebene zwischen der Hekla und den Ber
gen um das Efingvallavatn, oder in der Umgebung des
Borgarfjördur mit dazugehörigem Flussgebiete, im West
lande, nimmt, wie wir auch bereits oben S. 96 gesehen,
Moorland den größten Theil des Flächenraums bis zum
Fuße der Gebirge ein. Aber auch in den gebirgigeren
Theilen des Landes finden sich überall Moore. Der Moor
357
grund besteht oft aus Schlamm, stellenweise aus Torf’
gewöhnlich aber aus röthlicher, sandiger vom Wasser auf
geweichter Erde, die mit Moos überzogen ist, auf dem
hie und da einzelne Grasbüschel stehen. Von der Bodenfläche erheben sich jedoch überall festere, mit Moos oder
Gras bewachsene Erhöhungen. Je feuchter das Moor ist,
desto geringer ist natürlich der Graswuchs. Es ist außer
dem eine ungemein beschwerliche Arbeit von den Mooren
oder von den Wiesen von moorähnlicher Beschaffenheit,
das Gras einzubringen, das — dünn und zerstreut stehend
— mühsam geschnitten werden muss, wobei die Schnitter
oft bis an die Knie im Schlamm waten. Das Gras muss
dann überdies noch an weniger feuchten Plätzen gesam
melt und getrocknet werden. Dabei ist auch das Gras
der Wiesen und Moore weniger wohlschmeckend für die
Thiere und zugleich weniger nahrhaft als das Tun-Gras.
Der Ertrag ist natürlich außerordentlich gering im Ver
hältnis zu der Arbeit und den Beschwerden, die auf die
Gewinnung dieses Grases verwendet werden müssen.
G l e i c h w o h l l i e g t in den Mo o r e n die Z u k u n f t
Is la n d sv e rb o rg e n ; „ siesin d sein e e ig e n tlic h e n
G o 1d g r u b e n, w i c h t i g e r a 1s A 11 e s, w as e t w a aus
dem le n e re n der Berge gew onnen w erden k an n ,“
sagt C. Rosenberg ;*) denn es ist unzweifelhaft, dass die
isländischen Moore an den .meisten Orten durch Ableitung
des Grundwassers und künstliche Bewässerung zu üppigen,
ebenen Wiesen umgewandelt werden können.
Neben dem Ebnen des Tün’s und besserer Düngung
ist daher die Entwässerung und Irrigation (Stauung oder Rie
selung) der Wiesen und Moore der wichtigste Fortschritt,
den die isländische Landwirtschaft machen kann, ja vielleicht
die wichtigste aller Verbesserungen in den Erwerbsquellen
des Landes. Man ist auch bereits seit Jahren in dieser
Richtung thätig, dank dem Eingreifen und der Förderung
der verschiedenen landwirtschaftlichen Gesellschaften und
Vereine, sowie dem aufklärenden Wirken einzelner Männer.
Gar viele Schwierigkeiten sind hiebei zu überwinden,
.Landwirtschaft.
*) In seinem Schriftchen: ,,Fra Island f Nutiden“ (Kopenhagen
1877), dem wir in der Darstellung' der landwirtschaftlichen Verhältnisse
vorzüglich folgen.
Landwirtschaft.
358
Schwierigkeiten von solcher Bedeutung, dass sie oft unbe
siegbar erscheinen, und daher den errungenen Erfolgen
einen um so größeren Wert verleihen. Dieselben liegen
aber nicht so sehr in dem Mangel an Fleiß und Thätigkeit,
den man den Isländern so gerne vorwirft, und auch nicht
in dem Conservatismus, der bei ihnen unleugbar noch in
hohem Grade vorhanden ist * die Hindernisse liegen zumeist
im K lim a des Landes und in dem M angel an C api
ta l und A rb e its k ra ft. Es ist jedoch in letzterer Zeit
auch in dieser Hinsicht Vorsorge getroffen worden, nament
lich durch Errichtung von Sparcassen, von denen die
größte, die von Reykjavik, bereits einen sehr ansehn
lichen Umsatz von Geldern aufzuweisen hat. Außerdem
geschieht jetzt sehr viel zur möglichsten Verbreitung land
wirtschaftlicher Kenntnisse.
Im West-, Nord- und Ost-Viertel Islands ist bereits eine land
wirtschaftliche Schule errichtet, und auch im Süd-Viertel wird in kurzer
Zeit eine solche eröffnet werden. Es sind diese Schulen für Island um
so wichtiger, als die Naturverhältnisse des Landes so besondere sind,
dass das Ergebnis der landwirtschaftlichen Erfahrungen und Unter
suchungen in anderen Ländern nur mit vielen Vorbehalten und Ab
weichungen in Anwendung gebracht werden kann, welche nur im Lande
selbst gelernt werden können. Von großem Nutzen war es auch, dass
sowohl die Regierung wie die dänische königliche Ackerbaugesellschaft
(welch1 letzterer Island überhaupt viel zu verdanken hat) Leute mit
tüchtigen landwirtschaftlichen Kenntnissen das Land bereisen ließen, um
den Bauern mit nützlichen Aufklärungen und Belehrungen an die Hand
zu gehen. Es ist jetzt voller Grund vorhanden zu hoffen, dass in nicht
sehr ferner Zeit die beiweitem größere Mehrzahl der Bauern von der
Nothwendigkeit und dem Nutzen der besprochenen Einrichtungen so fest
überzeugt sein wird, dass die Mittel, welche nothwendig sind, um die
entgegenstehenden Hindernisse zu überwinden, aufgebracht werden können.
Hiervon hängt die Zukunft Islands am meisten ab. In der rechten
Weise ausgenützt, könnte der Boden Islands unzweifelhaft eine d op p elt
so groß e B evö 1k eru n g ernähren, als jetzt, und je größer die Bevöl
kerung wäre, desto leichter würde das Haupthindernis für den Fort
schritt entfernt werden, welches in dein Mangel an Arbeitskraft liegt.
Das Geschenk des Königs an die Isländer, als er im Jahre 1874 das
Land besuchte, nämlich 4000 Reichsthal er zu Prämien für Verbesserungen
in der Landwirtschaft, konnte keine bessere Bestimmung finden als diese.
Außer dem Tun, den Wiesen und dem Moorlande
gehören zu den meisten Höfen größere oder kleinere
Strecken von Grund, die mehr oder minder gute Weide
abgeben, an denen aber die Menschenhand wenig oder
Lau (1Wirtschaft.
359
gar nichts thun kann. Am unfruchtbarsten sind, wie schon
oben bemerkt, die sogenannten „holt“; besser sind die
älteren L av a fe ld e r (vgl. oben S. 238). Auch ist der untere
Theil der B erg ab hänge häufig mit üppigem Rasen be
kleidet, der den weidenden Thieren gutes Futter gibt. Be
sonders wichtig aber sind die hochgelegenen, oft weit
gedehnten T h a 1e i n s e nku n g e n zwischen den Bergen.
Dieselben tragen im Sommer hohes und üppiges Gras und
sind deshalb für den Landwirt von bedeutendem Wert.
Diejenigen dieser Hochweiden, welche von den Höfen
weiter entfernt sind, gehören gewöhnlich gemeinschaftlich
den Bauern der Gegend, von der aus man dieselben am
ehesten erreicht. Es bilden diese Weiden — die sogenannten
„afrettir“ — eine Hauptgrundlage für die Schafzucht.
Die H eu ern te (isl. slattur, m.) beginnt zwischen dem 24. Juni
und der Mitte des Juli und dauert bis September. In dieser Zeit gehen
alle freien Männer sowie auch viele Weiber von den Fischerstationen
oft viele Tagreisen weit zu den Bauern, um sich als Arbeiter beim Heu
einbringen zu verdingen. Von diesen schneidet jeder ein sogenanntes
Tagewerk (isl. dagslätta, f.). Das Schneiden des Grases besorgen über
haupt die Männer, während die Weiber das geschnittene Gras zusammen
rechen und in Haufen sammeln. Die Arbeit ist, wie schon oben aus
geführt wurde, sehr beschwerlich, wozu auch noch kommt, dass das
Heu oft sehr weit auf dem Rücken der Pferde nach dem Hofe trans
portiert werden muss.
V iehzucht. Von dem Ausfall der Heuernte hängt für
den Isländer sein Wohl und Wehe ab, welches ja fast
ganz an die V ieh zu cht geknüpft ist; denn diese ist un
zweifelhaft Islands wichtigste Nahrungsquelle. Ein schlechtes
Heujahr bringt auf Island dieselben, ja noch schlimmere
Folgen mit sich wie ein Missjahr in den getreidebauenden
Ländern, und ist die erste und vornehmste Ursache von
Theuerung und Hungersnoth. Die Qualität des Heues hat
dabei noch größeren Einfluss als die Quantität. Der wichtigste
Zweig der Viehzucht ist aber die S c h a fz u c h t; „sveltr
saudlaust bu“ (d. h. Hunger leidet der Hof, der keine
Schafe hat) lautet ein isländisches Sprichwort. Das islän
dische Schaf gehört zu jener Species, die im Norden Euro
pas allgemein ist (ovis brachyura borealis, Pall)\ dieselbe
hat einen kurzen, dicken Schweif, kurzen Kopf und kurze
Beine. Die Wolle ist ziemlich lang und dicht. Thiere
Landwirtschaft.
360
mit vier oder mehreren Hörnern kommen vereinzelt vor.
Diese Schafrace ist ganz für die Natur, in der sie lebt,
geschaffen; sie findet sich anderwärts gewöhnlich mit an
deren Arten.vermischt und hat sich fast nur auf abgele
genen Inseln und Gebirgsgegenden rein erhalten. Nahe
verwandte Schafracen finden sich auf den Hochebenen im
mittleren Theile von Asien und am Himalaja. Eingeführt
wurde das Schaf aus Norwegen; aber die jetzige norwe
gische Eace ist infolge Vermischung mit anderen Arten
von der isländischen an Größe sowie an der Länge des
Schweifes verschieden, und überhaupt von schlechterer
Qualität als diese. Aber auch in der isländischen Rac-e
gibt es mehrere Abarten je nach der Beschaffenheit der
Gegend, des Futters und der Wartung. Einzelne Bauern
haben auch mit verschiedenem Erfolge versucht, ihre
Thiere durch ausländische Racen zu veredeln.
Die Schafzucht steht nicht in allen Theilen des Landes
auf gleicher Höhe; die besten Schafe findet man in der
Müla- und in der Dingeyjar-Sysla, da es hier besonders
vorzügliches Weideland gibt. Auch an den Küsten finden
sich oft gute Weiden. . Da viele Schafe auch im Winter
auf den Weiden bleiben, so geschieht es nicht selten, dass
Thiere im Schnee begraben werden, ertrinken oder sonst
verloren gehen; doch steht ein solcher Verlust in keinem
Verhältnis zu dem, der so häufig durch verschiedene epi
demische Krankheiten unter den Schafen sowie durch
Unglücksjahre verursacht wird. Solche Seuchen wiitheten
besonders in den Jahren 1761—1780 und 1856—1877.
Sehr häufig ist auch die Drehkrankheit (isl. höfucfsött, f.).
Durch vulcanische Ausbrüche und Aschenfall werden eben
falls bei den Schafen verschiedene Krankheiten im Fleisch
und Knochen hervorgerufen infolge des ungesunden Futters
und des feinen Steinstaubes, der sich im Zahnfleisch und
in den Gedärmen ansetzt. Die gewöhnlichste dieser Krank
heiten heißt „gaddur“ und besteht in Auswüchsen auf den
Zähnen und Geschwüren im Munde.
Die Schafe (isl. kindur, sing', kind, f.; saudfonadur, m.) zerfallen
auf Island je nach ihrer Wartung in vier Classen. Ein kleinerer Theil
des Schafbestandes des Hofes sind die M utter- und M ilch sch a fe
(isl. ?er, sing, ä, f.). Dieselben werden immer nahe beim Hofe, im Winter im
Landwirtschaft.
361
Stalle, im Sommer auf den näheren Weideplätzen gehalten, von wo man
sie mit Hilfe der Hunde jeden Abend in einen Pferch zusammentreibt,
um gemolken zu werden. Das Hüten dieser Schafe ist eine verhältnis
mäßig leichte Arbeit, die den Kindern oder halberwachsenen Mädchen
übertragen wird. Zu größeren Höfen gehörte früher immer und gehört
auch jetzt noch hie und da eine Sennhütte (isl. sei, n.). ein aus Käsen
und Stein aufgeführtes Häuschen mit einem Herd und Bettstellen sowie
einem Schafstall, welches an einer bequemen Stelle auf den Hochweiden
oder überhaupt in größerer Entfernung vom Grasgarten liegt. Hieher
wird für den Sommer ein Theil der Mutterschafe gebracht und von
einigen Mädchen gehütet. Die Schafe lammen gewöhnlich im April.
Wenn die Läm m er (isl. lamb, plur. lömb) entwöhnt sind, was in der
Regel schon nach 4 Wochen oder wenn 9 Wochen vom Sommer vor
über sind, der Fall ist, werden sie auf die „afrettir“ getrieben, wo sie
während des Sommers frei und unbewacht herum gehen. Ebendahin
werden auch die Hümme l (isl. saudir, sing, saudur, in.), der dritte und
größte Theil des Schafbestandes getrieben, so wie auch der verhältnis
mäßig kleinste Theil desselben, die Wi dder (isl. lirutar, sing, lirutur, m.).
Die Tliiere finden hier, wie gesagt, vortreffliches Futter und gedeihen
sehr gut; sie sind jedoch ebenfalls vielen Unglücksfäll'en ausgesetzt.
Plötzliche Stürme und Unwetter können sie überfallen, besonders im
Herbste; sie können in die Felsenklüfte hinabstürzen, . sich zu den
Gletschern hinauf verirren und endlich auch geraubt werden, - theils vom
Fuchs, dem schlimmsten Kaubthier Islands, theils auch vom Menschen.
Da die Thiere der verschiedenen Bauern auf dem Gebirge sich vermen
gen, versieht man jedes derselben vor dem Austrieb mit einem Zeichen,
das in die Ohren eingesclmitten wird. An diesem erkennen die Eigenthiimer die Thiere wieder, wenn sie im Herbste vom Gebirge heim ge
trieben werden. Das Begehen der Hochweiden, um zu Ende des Som
mers das Galtvieh zu sammeln und in die Fiederungen zurückzutreiben
(die sogenannten fjallgöngur) ist ein sehr beschwerliches Geschäft. Jeder
Bauer, der Antheil an einer Hochweide hat, ist über Auftrag des
Gemeindevorstehers verpflichtet, zwei oder drei Mal während des Sommers
und im Herbste einen Mann in’s Gebirge zu schicken, zuerst um dort
die Schafe beisammen zu halten, damit dieselben sich nicht zu weit
entfernen, dann um sie zu sammeln und vom Gebirge heimzutreiben,
endlich um die bei der Zählung* vermissten Thiere aufzusuchen. Dieses
letzte Absuchen der Hochweiden spät im Herbste kann oft mit vieler
Gefahr verbunden sein und ist in jedem Falle ungemein beschwerlich.
Das zweite Begehen der Hochweiden, (die eigentlichen „fjallgöngur“)
findet im September statt. Die Schafe werden da, durcheinandergemengt,
wie sie gefunden werden, mit Hilfe der Hunde zu der sogenannten
„rett“ hinabgetrieben. Es ist dies eine große Hürde, aus einem zwei bis
drei Ellen hohen Erdwall gebildet, die alle Bauern einer Gegend gemein
schaftlich in Stand halten müssen. Es gibt nur einen Eingang in die
selbe. In der Mitte ist ein größerer, offener Kaum, von dem man in
kleinere Räume kommt, die rund herum längs des Außenwalles vertheilt
und'von einander sowohl wie auch von dem gemeinschaftlichen offenen
Raum durch niedrigere Erdwälle getrennt sind, die jeder Bauer mit den
zwei nächsten Nachbarn zusammen erhalten muss. In dem offenen Raum
362
Landwirtschaft.
werden die Tliiere nach ihren Marken sortiert und diejenigen mit gleicher
Marke in einen Stand getrieben, von wo sie dann der Eigenthümer nach
Hause führt. Dieses Geschäft ist mit einem fröhlichen Feste verbunden,
das oft mehrere Tage lang dauert, wenn die Menge der Thiere sehr groß
ist. Man. vgl. die Beschreibung dieser Arbeit bei der Hürde und des
Volkstreibens dabei in der isländischen Erzählung: „Jüngling und
Mädchen“ S. 19—26.
Wenn die Schafe wieder daheim sind, kommen sie noch keines
wegs immer in den Stall. Dies geschieht nur mit den Mutterschafen.
Die übrigen halten sich noch so lange auf den dem Tun zunächst gelege
nen Weiden auf, als sie durch den Schnee noch Gras finden können. Bei
sehr schlechtem Wetter müssen die Schafe im Stalle gehalten und nur
mit Heu gefüttert werden, und es kommt dann darauf an, dass der Vor
rath für den ganzen Winter ausreiche.
Die Schafe liefern clem isländischen Landmann seine
wichtigsten Ausfuhrsartikel und auch für den eigenen
Haushalt eine Menge nützlicher Dinge, als Milch, die zu
Butter, Käse u. s. w. verwendet wird, Fleisch, Wolle,
Talg, Felle. Ein mittleres Schaf gibt im Sommer 40 Maß
Milch und man erhält von 9 Maß ein Pfund Butter. Vor
Allem ist aber die W olle für den Isländer von größter
Wichtigkeit. Die isländische Wolle hat einen eigenen
Glanz und besondere Weichheit und wird deshalb von
den englischen Fabriken theuer bezahlt. Gleichwohl klagen
isländische Schriftsteller darüber, dass sie im Handel nicht
so viel wert ist, als sie es sein sollte und k ö n n te,
wenn sie sorgfältig gewaschen und sortiert (d h. die
weiße von der schwarzen und rothen Wolle ausgeschieden)
würde. Die Wolle wird an den meisten Orten Islands den
Schafen nicht abgeschnitten, sondern abgezupft, sobald die
natürliche Abfallszeit kommt und dieselbe sich von selbst
ablöst. Man erhält durchschnittlich 2—21/2 Pfund Wolle
von jedem Schafe.*) Die Ausfuhr der Rohwolle nimmt von
kleinen Schwankungen abgesehen, fast beständig zu und
damit steigt auch der Preis. Im Jahre 1806 betrug der
Export an Schafwolle 260.000 Pfund, im Jahre 1855
1,600.000 Pf., im Jahre 1872 1,295.312 Pf., im Jahre 1879
1,705.890 Pfund und im Jahre 1883 ca. 1,300.000 Pfund.
Die Ausfuhr von verarbeiteter Wolle hingegen nimmt
*) Diese Angaben sind entnommen, C. Rosenberg’s „Fra Island
n. s. w. und D. Thoroddsen’s „Lysing Islands“ 1881.
363
immer mehr ab. Früher wurde nicht nur alles Wollzeug
zum Gebrauche der Hausbewohner — und sie verwendeten
fast nur Wolle zu ihren Kleidern — daheim bereitet, son
dern es blieb auch noch so viel übrig, dass man z B. im
Jahre 1753 7218 Ellen Fries, 360.000 Paar Strümpfe und
65.000 Paar Fäustlinge und noch im Jahre 1849 5800
Ellen Fries, 8400 Wolljacken, 60.000 Paar Strümpfe und
79.000 Paar Fäustlinge ausführen konnte; im Jahre 1872
jedoch wurden nur mehr 759 Ellen Fries, 10—11.000
Paar Strümpfe und 22.000 Paar Fäustlinge, sowie aller
dings auch gegen 44.000 Paar Halbstrümpfe exportiert. Im
Jahre 1879 betrug die Ausfuhr an Strümpfen 17.287, an
Fäustlingen 5.361 Paar.
Alles gestrickte Wollzeug wird noch im Lande be
reitet und aus solchem besteht verhältnismäßig mehr von
der Kleidung (z. B. die schwarzen Werktagskleider der
Weiber) als anderwärts; das Garn dazu wird ebenfalls
daheim gesponnen. Webstühle hingegen sieht man heu
tigen Tages auf den isländischen Bauernhöfen immer sei*
tener und der Stoff für die Männerkleider wird jetzt zu
meist vom Auslande eingeführt Ob diese Verhältnisse zu
beklagen sind oder nicht, hängt davon ab, ob die Zeit,
die man zur Bereitung des Wollzeuges daheim verwenden
würde, nicht vorteilhafter verwertet werden könnte. Auch
der Export an T alg (tölg, f.) steigt immer; im Jahr 1872
betrug derselbe 264.000 Pfund, im Jahre 1879 400.000 Pf.
Der isländische Talg ist an und für sich von trefflicher
Qualität, erreicht aber nicht den hohen Preis, der dafür er
zielt werden könnte, wenn er sorgfältiger behandelt würde
als dies gewöhnlich geschieht; besonders das Ausschmelzen
lässt zuweilen sehr viel zu wünschen übrig. Auch über
die Zubereitung des zu exportierenden S ch af fl eisches
werden ähnliche Klagen geführt; dasselbe ist entweder
mangelhaft eingesalzen und zu stark in den Tonnen zu
sammengepresst, so dass es steinhart wird, oder auch zu
stark mit Salz durchsetzt, so dass es seine ganze Kraft,
verliert, eine schwarzblaue Farbe bekommt und ungenieß
bar wird. Die Ausfuhr desselben nimmt daher immer ab
und ist jetzt unbedeutend; sie betrug im Jahre 1882
ca. 11.40*0, im Jahre 1883 4200 Tonnen.
Landwirtschaft.
364
Landwirtschaft.
Von Schaf- und L a m m s f e 11 e n wird eine große
Menge im Lande selbst verbraucht, u. a. zu Satteldecken,
Jacken, Beinkleidern.und besonders zu Schuhwerk, näm
lich zu den leichten, sohlenlosen Schuhen, die von den
Weibern genäht werden und zwar in mehrfacher Hinsicht
ganz gut und praktisch sein sollen, aber doch bald zer
reißen. Eingesalzen werden Schaftelle mit der Wolle
(gaerur, sing, gaera, f.) auch stark ausgeführt. Der Export
betrug im Jahre 1855 42.000, im Jahre 1872 33.863 und
im Jahre 1879 53.319 Stück. In letzterer Zeit werden
auch sehr viele lebende Thiere nach England ausgeführt,
im Sommer 1880 z. B. nicht weniger als 10.000 Thiere.
Nächst den Schafen spielen die R inder*) eine Rolle
in der Landwirtschaft der heutigen Isländer, wenn auch
keine so wichtige mehr als in früherer Zeit, da man nicht
die Schafzucht mit derselben Einseitigkeit betrieb wie
dies gegenwärtig der Fall ist. Man wird heute wenige
Höfe finden, wo man 20 Kühe hält, während es in der
alten Zeit nicht selten war, deren 40, 60, ja 100 und dar
über auf einem einzigen Hof zu finden, das Galtvieh un
s e re c h n e t. Man spannte damals, als noch Ackerbau
getrieben wurde (vgl. oben S. 249), Ochsen vor den Pfiug und
im Winter vor den Schlitten. Noch in der Mitte des
18. Jahrhunderts hatten einige Bauern in Austfircfir Ochsen,
welche als Zugthiere benützt werden konnten und be
schlagen waren. Im Jahre 1703 gab es im Ganzen noch
ungefähr 36.000 Rinder auf Island, im Jahre 1870 aber
nur mehr etwas über 20.000, während, die Anzahl der
Schafe, wie wir gesehen, in gleichem Verhältnisse zunahm.
Die isländische Rinderrace wird allgemein als beson
ders gut gelobt Es sind große, kräftig gebaute Thiere
von schöner, glänzender Farbe. Wenn sie gut gefüttert
werden, geben sie reichlich Milch. Für sie ist fast aus
schließlich das fette Tün-Heu bestimmt; sie werden nicht
wie die Schafe auf die entfernteren Weiden oder aufs
Gebirge getrieben. Der Kuhstall (isl. fjös, n., entstanden
aus fehüs d. h. Viehhaus) liegt am nächsten beim Wolm*) Ri nd heißt auf isländ.: naut, n., Stier: ])jor, g'ra3ung*ur,
griäungur, tarfur, uxi, m. naut; Kuli: kyr f.; Ochse: uxi in., naut;
Kalh: kalfur, m., ein ausgewachsener Stier oder Ochse: öldung’ur m.
365
haus oder ist auch bisweilen mit demselben zusammen*
gebaut. Er ist immer aus Stein- und Rasenmauern auf
geführt, und mit Rasen bedeckt, jedoch in der Regel sehr
niedrig und finster. Die M ilch (isl. mjölk, f.) der Kühe
wird im Hause selbst verbraucht, tlieils frisch — „nymjölk“
— theils zu „skyr“ (n.), „svra“ (f.), „blanda“ (f.), Butter (isl.
srnjör, n.) oder auch — doch selten — zu Käse (isl. ostur,.
m.) verarbeitet. Das S ky r ist ein speciell isländisches
Gericht, welches bereitet wird, indem man die Milch (auch
die von Schafen wird benutzt) erwärmt (nicht kocht!), ein
Lab in dieselbe gibt und sobald _ sie gerinnt, in ein
Siebtuch legt. Man erhält auf diese Weise eine Art ge
ronnene Milch, ein Gericht, das besonders nahrhaft und
auch sehr wohlschmeckend sein soll. Das Skyr kann
in Tonnen gesammelt und längere Zeit, (vom Sommer an,
wo es am besten wird, bis spät in den Winter hinein) auf
bewahrt werden. Die Molken, welche beim Seihen des
Skyr ablaufen, werden „syra“ genannt und mit Wasser
gemischt, unter dem Namen blanda“*) als gewöhnliches
Erfrischungsgetränk getrunken. Die hier angeführte Ver
wendung der Milch bleibt, wie gesagt, auf den Haus
bedarf allein beschränkt. Dasselbe ist auch mit der Butter
der Fall — abgerechnet etwa die geringe Menge, welche
an die Bewohner der Kaufstädte verkauft wird. So lange
die isländische Butter frisch ist, sei sie nun aus Kuh- oder
Schafmilch bereitet, hat sie einen reinen und guten Ge
schmack. Aber infolge unzureichenden Salzens und
Knetens soll sie bald einen sehr unangenehmen Bei
geschmack erhalten. Merkwürdiger Weise wird die Butter
von den Isländern viel weniger gern frisch als vielmehr
möglichst alt und ranzig genossen. Sie hat früher gleich
wohl auch einen Exportartikel gebildet. Käse wird nur an
einigen Orten bereitet, denn man verwendet die Milch
lieber zum Skyr. Eine gute, ausgewachsene Kuh gibt bei
läufig 2120 Maß Milch. Die Auslagen für das Futter und
die Wartung einer Kuh in 6 Jahren wurde mit 338 Reichsthaler, und die Einnahmen, die Milch zu 4 Schillingen pr.
Maß gerechnet, mit 529 Rth. berechnet, so dass also in
Landwirtschaft.
*) Etwas zusanuueumisclien heißt auf islänrt. blanda.
Landwirtschaft.
366
ß Jahren sich ein Reinerträgnis von 191 Rth. ergibt.
Doch soll die Milch seither im Werte gestiegen sein,
nämlich um 2 Schillinge pr. Maß, so dass also das Rein
erträgnis sich höher stellen würde.*) Das F leisch der
Rinder wird verhältnismäßig selten genossen. Geräucher
tes oder frisches Rindfleisch gehört zu den Festtagsgerich
ten ; es wird auch nicht mehr ausgeführt, wie dies doch
früher der Fall war.
Den Rückgang der Rindvielizucht bei gleichzeitigem Fortschritt
der Schafzucht erklärt folgende Berechnung des ehemaligen isländischen
Landwirtes Tryggvi Gunnavsson, welche allerdings bereits aus dem
Jahre 1864 datiert. Der Ertrag, welchen ein nur einen Winter altes,
geschlachtetes Schaf abwirft, betrug damals (die Wolle mitgerechnet)
5 Reichsthaler 64 Schillinge. Um ein Schaf einen Winter lang zu füttern,
braucht man 1 „Heupferd“ („töduhestur“ d. h. so viel Heu als man
auf ein Pferd binden zu können glaubt, nämlich ungefähr 160 Pfund);
für eine Kuh braucht man 30 Heupferde. Der Netto-Ertrag einer Kuh
war, wie wir oben gesehen haben, nach Verlauf von sechs Jahren, nach
dem sie also 180 Heupferde bekommen hatte, 191 Rth. Hätte man hin
gegen in einem Jahre dieselbe Menge Heu für 180 Schafe verwendet und
diese dann geschlachtet, so hätte man (die Wolle mit inbegriffen) ein
Brutto-Erträgnis von 1020 Rth., wozu noch der Dünger mit 45 Rth.
kommt, zusammen also 1065 Rth.; die Auslagen, die selbstverständlich
für 180 Schafe größer sind als für eine Kuh, betrugen, den Lohn für die
Hirten eingerechnet, 710 Rth.; der Überschuss betrug also 355 Rth., gegen
191 von der Kuh. Füttert man ein Schaf mehrere Jahre lang, so wird
dieselbe Heumenge einen um so größeren Überschuss geben, je später
man dasselbe schlachtet. Hat man 30 Schafe 6 Jahre lang gefüttert,
also dieselben 180 Heupferde für sie verwendet, so beträgt der Über
schuss 465 Rth. von den Hämmein und 530 Rth. von den Mutter- und
Milchschafen.
Ein Hausthier, welches für die Isländer wegen “seines
mannigfachen Nutzens ein wahrer Schatz genannt werden
muss, ja ohne welches man sich das Leben auf Island
gar nicht vorstellen kann, ist das P fe rd (isl. hestur, m.,
hross, n.). Es ist gleich allen übrigen Hausthieren aus Nor
wegen eingeführt worden, wo sich auch noch — in Westen
und Norden des Landes — eine verwandte Race, die soge
nannte Fjordrace, findet. Das isländische Pferd ist klein
(selten unter 11 und über 13 Faust groß), dabei aber
stark, öfter rauh- als glatthaarig, sehr ausdauernd und
sicher, gutmüthig und geduldig, klug und treu, kurz ein
) Vgl. Rosenberg, a. a. O. S. 76.
Landwirtschaft.
367
Thier von den trefflichsten Eigenschaften, das man als
bald liebgewinnen muss, sowie man auf Reisen seine Be
kanntschaft gemacht hat. Ohne das Pferd wäre ja das
Reisen auf Island überhaupt nicht möglich, und selbst
kleine Entfernungen pflegen die Isländer nur zu Pferde
zurückzulegen. Da das Land für Wagen und Schlitten
zu uneben ist und es so gut wie keine Landstraßen gibt,
ist das Pferd auch das einzige Transportmittel. Man findet
daher auf jedem isländischen Bauernhöfe eine Anzahl von
Pferden, die, wenn die Familie aus vielen Köpfen besteht,
ziemlich bedeutend ist, denn jedes Familienmitglied, welches
so alt ist, dass es reiten kann, — und es pflegen schon Kinder
von 7 —8 Jahren zu reiten — hat in der Regel sein eigenes
Pferd. Man kann dies bei dem Kirchenbesuche einer Fa
milie sehen, wo Alt und Jung, Männer und Weiber, Herren
leute und Dienstboten zu Pferde dahin galoppieren. Auch
zu den gegenseitigen Besuchen, die man in der milden
Jahreszeit zu machen pflegt, — fast die einzige Zerstreu
ung der Familie außerhalb des Hauses — wird geritten, da
ja die einzelnen Höfe, wie wir wissen, ziemlich weit von
einander entfernt sind. Ein paar Mal im Jahre muss der
Bauer auch vielleicht mehrere Tagreisen weit (6—7 Meilen
sind eine gewöhnliche „dagfercf“) zum nächsten Handels
platz reiten, um Einkäufe zu besorgen und seine eigenen
Wirtschaftsproducte zu verkaufen oder umzutauschen, und
dazu muss er ebenfalls eine Anzahl von Pferden mit sich
haben, auf die er die Waaren verladen kann (auf Saum
sättel nämlich, die auf Rasenstücken ruhen, so dass die
Ballen und Kisten, Bretter und sonstigen Gegenstände an
den Seiten des Thieres hängen). Kommt nun hinzu, dass
die Pferde sowohl den Dünger in die Grasgärten wie auch
das Heu von diesen und den Wiesen nach dem Hofe
tragen müssen, so sieht man wohl ein, dass es kein beson
ders ungereimtes Verhältnis ist, wenn auf einem Hofe
mit 6—8 Kühen und 200 Schafen 12 bis 16 Pferde gehal
ten werden.*) Trotz ihres Nutzens und ihrer Unentbehr
lichkeit wird aber den Pferden von allen Hausthieren die
schlechteste Pflege zu Theil. Nur die besten von ihnen,
*) Vgl. Rosenberg a. a. 0. S. 83.
Landwirtschaft..
368
nämlich clie Reitpferde des Bauern und der Bäuerin, werden
immer daheim und im Winter im Stalle behalten, wie sie
auch nur an Tagen, an denen es besonders viel zu thun
gibt, zur. Feldarbeit verwendet werden. Die übrigen, die
eigentlichen Arbeitspferde, *) treiben sich im Sommer frei
und ohne Aufsicht auf den entfernteren Wiesen und den
Hochweiden herum, -was ihnen allerdings sehr wohl be
kommt; im Winter aber kann es ihnen um so schlimmer
ergehen. Sie können dann zwar, wenn das Wetter beson
ders schlecht ist, nach Hause und in den Stall kommen;
ist aber der Bauer nicht hinreichend mit Heu versehen,
so bekommen sie nur ganz wenig Futter und müssen so
bald als möglich wieder in’s Freie, um sich selbst unter
dem Schnee Grashalme und Kräuter zu suchen. Am
schlimmsten ist es in dieser Beziehung im Frühjahre, wenn
schon aller Futtervorrath auf die Neige geht. Dann müssen
sie mit allem Möglichen fürlieb nehmen, an den Küsten
z. B. mit den Söl und anderen Tangarten, und sie können
dann sehr herabkommen, in besonders strengen Wintern
aber auch verhungern. Aus diesem Grunde, und weil sie
ohne Aufsicht herumstreifend, oft gutes Grasland ver
wüsten, ist es kein besonderer Vortheil für den Landwirt,
sehr viele Pferde zu halten, es sei denn, dass er Pferdehandel betreibt, der jetzt immer mehr aufkommt, aber doch
unter den erwähnten Umständen für die Dauer nur schäd
lich für die übrigen landwirtschaftlichen Verhältnisse sein
kann. Es werden nämlich nicht wenig isländische Pferde
nach England und Schottland ausgeführt, wo der größte
Theil derselben in den Kohlenbergwerken verwendet wird.
Aus diesem Grunde stehen auch jetzt die Pferde auf Island
ziemlich hoch im Preise. Ein gutes Reitpferd wird jetzt
nicht selten für 300—400 Kronen und noch mehr ver
kauft, während in der Mitte des 17. Jahrhunderts höch
stens 1—2 Thaler dafür bezahlt wurden. Zu dieser Zeit
*) Die Isländer unterscheiden Reitpferde (iskind. reidhestur)
und Lastpferde (aburdarliestur, pulshestur oder klyfjahestur); von den
ersteren werden die besten ausschließlich zum Reiten benützt; sie heißen
„skeidhestar“ (Traber) und sind natürlich am theuersten; die schlech
teren müssen auch die Dienste eines Pack- oder Lastpferdes verrichten
und heißen „klarhestar“.
369
besaßen aber auch viele Bauern 150—200 Pferde. Der
Tölfdala-Brunn (d. li. Zwölf-Thaler-Braun), welchen der
Bischof von Skalhölt, Jon Vidalin besaß, war zu seiner
Zeit (um 1700) das kostbarste Pferd auf Island und hatte,
wie es sein Name besagt, nur 12 Beichsthaler gekostet.
Im Jahre 1703 gab es im Ganzen auf Island 27.000 Pferde,
im Jahre 1876 hingegen ungefähr 31.000. Das Pferde
fleisch wird als Köder beim Haifang gebraucht, und in
Missjahren bisweilen auch den Kühen und Schafen ge
geben. Nur die ärmsten Leute essen dasselbe auch in be
sonders harten Zeiten.
Die Isländer sind, wie man jetzt leicht begreifen
wird, ganz ausgezeichnete Beiter, und zwar nicht nur die
Männer, sondern auch die Weiber, die häufig nach Männer
art zu Pferde sitzen* „tüchtige Bereiter, wenn auch je
nach eigenem Systeme, findet man allwärts, unter den
Bauern nicht nur, sondern auch unter den Pfarrern, Ärzten
und politischen Beamten.“ Wie sehr ein gutes Beitpferd
bei den Isländern in Ansehen steht, kann man daraus er
sehen, dass die größte Ehre, welche der Bauer einem
Graste anzuthun weiß, darin besteht, dass er ihm sein bestes
Pferd zum Beiten leiht.
Landwirtschaft.
Auch schon die alten Isländer waren ausgezeichnete Reiter und
Pferdeliebhaber, und auch sie schon legten den Rossen einen sehr hohen
Wert bei. Manche setzten unter Umständen sogar ihren Glauben auf
gewisse Pferde und benannten sie nach einem Gotte, dem man sie weihte;
besonders dem Freyr wurden auf diese Weise gerne Pferde zugeeignet. *)
Zu den liebsten Vergnügungen der alten Isländer gehörten das Wett
reiten (isl. kappreid, f.), -noch mehr aber die Pferdehetzen (hestaj>ing,hestavig, hestaat), bei welchen die Pferde je zwei und zwei, von ihren
Herren begleitet und angetrieben, sich um die Wette schlagen und
beißen mussten. Diese Hetzen waren bis ins 17. Jahrhundert hinein
in Gebrauch; die letzte wurde im Fjnoskadalur im Jahre 1623 ab
gehalten. Man führte damals auch Pferde aus dem Auslande ein und
fütterte sie wie andere besonders gute Pferde Winter und Sommer mit
Korn. Einige Bauern besaßen große Gestüte. Blundketill, ein reicher Bauer,
ließ z. B. einmal in einem strengen Winter 120 Pferde heimtreiben und
40 davon schlachten, damit ihm der Futtervorratli nicht ausgehe.
Von anderen H a u sth ie re n spielen auf Island nur
noch die H unde eine wichtigere Bolle in der Landwirt
*) Vgl. z. B. die Saga af Hrafnkeli Freysgoda (Einleitung in d.
Studium d. Altnord. II. Bd. S. 13—39) Cap. 3.
24
P o e s t i o n , Island.
370
Landwirtschaft.
schaft, weshalb sie denn auch sehr zahlreich angetroffen
werden. Der isländische Hund gleicht am ehesten dem
Spitz. Er ist ziemlich klein, hat aufrechtstehende'Ohren
und einen nach . aufwärts gebogenen, stark buschigen
Schweif. Die Farbe ist sehr verschieden; seltener sind
die Hunde weiß, häufiger schwarz oder schwarz und weiß
gefleckt, bisweilen grau, gewöhnlich aber röthlich braun —
„mörauöur,“ wie die Farbe wegen ihrer Ähnlichkeit mit
rothbrauner Moorerde heißt. Dieselbe oder doch eine ähn
liche Race findet sich auch in den nördlichen Theilen
Norwegens und in Finnmarken. Die isländischen Hunde
sind sehr klug; sie werden nie angekettet und sind auch
selten bissig. Sie sind bei der Wartung der Schafe ganz
unentbehrlich und stehen darum auch in einem besonders
innigen Verhältnis zum Schafhirten. Aus diesem Grunde ist
es begreiflich, dass man auf jedem größeren Hofe drei bis
vier oder mehr Hunde finden kann. Neben dem Nutzen,
den die Hunde gewähren, sind sie aber auch oft und zwar
gerade für die' Schafzucht von großem Schaden, indem ihre
Eingeweide gleichsam Brutstätten für den Blasenwurm
sind. Die Eier desselben gelangen nämlich durch die
Excremente der Hunde in das Gras, welches die Schafe
fressen. Da die Hunde wieder die Eingeweide der geschlach
teten Thiere fressen, geht der Wurm neuerdings auf sie
über, entwickelt sich hier und legt viele Eier ab. Dadurch
dass man nach isländischer Sitte die Speisegefäße statt sie
abzuwaschen, von den Hunden reinlecken lässt, gelangt
der Wurm auch sehr oft in den Menschen und verursacht
dann die früher genannten Krankheiten.
Z ieg en (isl. geit, f.) sind in der Vorzeit weit häufi
ger gehalten worden als jetzt, wde schon die zahlreichen
mit „geit“ und „hafuf“ (Ziegenbock) zusammengesetzten
Ortsnamen zeigen. Im Jahre 1100 soll es sogar ebenso
viele Ziegen wie Schafe auf Island gegeben haben. Man
findet solche jetzt fast nur in der Dingeyjar Sysla in
einigermaßen nennenswerter Anzahl.
Auch S chw eine (isl. svin, n.) waren in alter Zeit
auf Island sehr allgemein, wie man nicht nur aus ver
schiedenen Saga's, sondern ebenfalls wieder aus einer An
zahl von Ortsnamen, die mit „svin“, „göltur“ (der Barch,
371
verschnittenes Schwein) und „griss“ (Ferkel) zusammen
gesetzt sind, ersehen kann. In diesem Jahrhundert wurden
solche nur vereinzelt in den Kaufstädten und an den See
plätzen gehalten.
K atzen (isl. köttur, m.) sind auf jedem Hofe zu
finden. G eflü g e lz u c h t wird auf Island j etzt im Ganzen
nur wenig betrieben. H ü h n er trifft man noch am häufig
sten an, besonders in den Kaufstädten, dann auch an eini
gen Orten in der Nähe der Brutplätze der Eiderente, da
dieser Vogel sich gerne den Hühnern anschließt. E nten,
finden sich nur an wenigen Orten, G änse aber jetzt wohl
gar nicht mehr auf Island.. Die Isländer erhalten ja Ersatz
für dieses Geflügel in den vielen wilden Vögeln, welche
auf der Insel so zahlreich vorhanden sind und ausgezeich
netes Fleisch wie auch treffliche Eier liefern.
Fischerei, Vogelberge, Jagd.
2. Fischerei, Vogelberge, Jagd.
Das Meer um Island ist von einer so überaus großen
Menge von Fischen aller Art bevölkert, dass dasselbe für
die Bewohner Islands eine Quelle unerschöpflichen Reichthums sein sollte. Gleichwohl ist es dies viel mehr für
Angehörige verschiedener fremder Nationen als für die
Isländer selbst, obschon natürlich die Fischerei als Erwerbs
quelle auch für sie von größter Bedeutung ist. Doch hat
sich dieser Reichthum des Meeres für Island im Ganzen
und Großen mehr als ein Danaergeschenk der Natur denn
als wirklicher Segen erwiesen, wie man aus der Geschichte
des Landes in den späteren Jahrhunderten deutlich ersehen
kann. Zur Erklärung dieser, wohl jedem Verständigen
ganz unnatürlich erscheinenden Thatsache ist es nöthig,
einen Blick auf die Handelsverhältnisse Islands in den
früheren Jahrhunderten zu werfen. Im Jahre 1602 ver
pachtete König Christian IV. den Handel mit Island, den
zuerst hauptsächlich die Engländer, später — seit dem
Schlüsse etwa des 15. Jahrhunderts — die Hanseaten in
Händen hatten, den Städten Kopenhagen, Malmö und
Helsingör, und derselbe verblieb ihnen als Monopol bis
zum Jahre 1774, in welchem der Handel in den Betrieb
24*
Fischerei, Vogelberge, Jagd.
372
auf königliche Regie übernommen wurde. Da die Mono
polisten mit w^eit geringerem Capital und Geschick arbeite
ten als früher die Engländer und die Deutschen, und da
her die isländischen Producte nicht mehr so günstig und
in solcher Menge abgesetzt wurden, während man auf die
Einfuhrartikel schlechtester Qualität die höchsten Preise
setzte, wurden, um den Klagen, welche die Isländer be
ständig hierüber führten, ein Ende zu machen, Handels
taxen aufgestellt, in welchen die dem Kaufmann vortheilhafteren Producte des Meeres weit höher angesetzt wurden
als die Producte der Landwirtschaft. Dadurch trat jetzt
die bis dahin noch überwiegende Viehzucht hinter den
Fischfang zurück, der zur ersten Erwerbsquelle wurde.
Derselbe hätte sich als solche ja auch bewähren können,
wenn man die Isländer die Fischerei hätte in der einträg
lichsten Weise d. h. in größeren Schiffen betreiben lassen.
Aber man wollte ihnen nicht Gelegenheit geben, selbst in
Schiffsverbindung mit dem Auslande zu treten und verbot
ihnen den Gebrauch von Deckfahrzeugen. Sie mussten
daher in offenen B o o ten fischen. Angelockt durch den
Gewinn, häufig auch durch schreckliche Elementar
ereignisse vertrieben, strömte an den Fischereiplätzen eine
Menge von Menschen zusammen, deren Hände der Land
wirtschaft entzogen wurden. Diese gieng immer mehr
zurück, ohne dass man bei der Fischerei weiter kam als
bis zum Gebrauche von Fahrzeugen, mit denen man sich
nicht ohne Gefahr weiter in die See hinauswagen konnte.
Inzwischen wurde Island bald wieder von holländischen,,
englischen und besonders französischen Fischerflotten um
schwärmt. Man konnte wohl bis zu einem gewissen Grade
verhindern, dass dieselben dem Lande zu nahe kamen,
so dass den eigenen Landeskindern wenigstens die Küsten
fischerei einigermaßen gesichert blieb *, aber man konnte
nichts dagegen thun, dass die Fremden durch Aus
werfen von massenhaften Fischabfällen die Fische, die
sonst in die Nähe der Küste kamen, in der Tiefe zurück
hielten und so die Küstenfischerei beeinträchtigten. Das
einzige Mittel, um diesem Übelstande abzuhelfen und Antheil zu haben an den großen Vortheilen, welche die
Fremden aus dem Fischfang ziehen, wäre gewesen, dass^
373
die Isländer selbst große Deckfahrzeuge hätten ausrüsten
und gebrauchen können; aber da sie der Schiffahrt ent
wöhnt und außerdem durch den Verfall der Landwirt
schaft und den dänischen Monopolhandel verarmt waren,
fehlte ihnen nicht nur die Gewohnheit, sondern auch das
Geld zu solchen größeren Unternehmungen.
Diese historischen Verhältnisse muss man sich vor
Augen halten, wenn man ein billiges Urtheil über den
gegenwärtigen Zustand der isländischen Fischerei fällen
will. Der Monopolhandel ist längst aufgehoben. Im Jahre
1786 wurden die Häfen von Island für alle dänischen Unterthanen und im Jahre 1854 für die ganze Welt eröffnet.
Aber es braucht lange Zeit, bis alte Gewohnheiten abge
legt und die schweren Folgen einer zwei Jahrhunderte
lang ausgeübten Untergrabung des Wohlstandes beseitigt
werden, zumal in einem so abgelegenen Lande mit einer
so harten Natur wie die Islands. Selbst heutzutage noch
besitzt Island nur wenig Verdeckfahrzeuge. Im Jahre 1876
gab es deren 58, offene Fahrzeuge hingegen 3208; diese
letzteren sind dabei gewöhnlich klein, so dass sie einer
seits keine große Menge von Fischen aufnehmen, anderer
seits nicht gestatten, bei sehr starkem Wind in die See
hinausfahren, während die Verdeckfahrzeuge gerade zu
dieser Zeit den reichlichsten Fang machen. Außerdem
fischen die Isländer mit zum Theil unvollkommenen Geräthen; die Zubereitung der Fische endlich für den Export
handel lässt ebenfalls noch sehr viel zu wünschen übrig.
Wenn nun aber unter so bewandten Umständen die Fische
rei gleichwohl eine bedeutende Erwerbsquelle für das islän
dische Volk bildet, so zeugt dies eben von dem außer
ordentlichen Reichthum des Meeres, sowie von einer natür
lichen Tüchtigkeit und Unerschrockenheit des Volkes, die
mit besseren Arbeitsmitteln ganz Außerordentliches müssten
ausrichten können. So aber und weil die Fischerei doch
immer ein unsicherer schwankender Erwerb bleibt, der
einmal ein überaus reichliches Erträgnis abwirft, ein ande
res Mal aber ganz fehlschlagen kann, ist und bleibt der
Bewohner Islands in erster Linie auf die Landwirtschaft
angewiesen, der vor allen anderen Dingen die Haupt
arbeitskraft zugewendet werden muss.
Fischerei, Vogelberge, Jagd.
374
Fischerei, Vogelberge, Jagd.
Das Schlimmste hiebei ist, dass die Mannschaft der
Boote, mit denen die Fischerei betrieben wird, zumeist
aus jüngeren Leuten aus Gegenden besteht, die von der
Natur ausschließlich auf den Landbau angewiesen sind. So
bald die rechte Fischzeit (isl. vertid, n.; man unterscheidet
„vetrarvertid“ und „vorvertid“ d. h. „Winter-“ und „Früh
jahrs-Fischzeit“), wo nämlich der Fischfang im Großen be
trieben wird, herannaht — beiläufig vom Anfänge Februar
bis Anfangs Juni reichend — wandern die Knechte und
Bauernsöhne, überhaupt fast jeder Bursche, der sich losmachen kann, von den Höfen in den inneren Theilen des
Landes hinab zum Strande, wo die besten Fischbänke
(isl. fiskistöd, f., fiskiver, n., ver, fiskimid, n., mid *)
in der Nähe sind, namentlich nach den Vestfirdir und
nach der Gullbringu Sysla. (Nach der Küste reisen, um
zu fischen heißt, auf isländisch: ad fara til utrodra, d. i.
wörtlich: ausziehen zum Hinausrudern; die Leute aber,
welche sich auf den Fischplätzen einfinden, um den Fisch
fang im Großen zu betreiben, nennt man „vermenn“). Hier
hat sich im Laufe der Zeit eine eigentliche Fischerbevöl
kerung (Fischerdörfer) gebildet, die theils. aus Bauern,
welche die Fischerei zum Haupterwerb gemacht, aber doch
im Landbau einen Rückhalt haben, theils aus Häuslern
ohne Grundbesitz oder solchen Leuten bestehen, die nur
vom Fischfang leben und sich daher meistens in den ärm
lichsten Verhältnissen befinden. Entweder betreibt nun
ein solcher Mann mit seinem eigenen Boote, seinen
eigenen Dienstleuten und seinen eigenen Fanggeräthschaften die Fischerei, oder es treten, was in der Regel
der Fall ist, die zugereisten Bursche mit ihm in Com
pagnie, oder mehrere derselben entlehnen zusammen ein
Boot und die nöthigen Geräthschaften. Der Gewinn wird
nach gewissen schon aus dem Alterthum stammenden Regeln
vertheilt. Man bildet so viele gleiche Theile (hlutir), als
Betheiligte vorhanden sind, und es erhält, dann jeder
Ruderer (häseti, m.) seinen Theil, der Steuermann (formadur) einen doppelten, endlich der Bootbesitzer, der Be
*) Der letztere Ausdruck bezeichnet eigentlich die bestimmten
Merkzeichen am Lande, an denen man den Strich des Meeres erkennt,
den die Fische am meisten aufsuchen, dann diesen Strich selbst.
375
sitzer des Segels, der Netze u. dgl. m. auch noch je einen
solchen.
Fischerei, Vogelberge, Jagd.
Die Art des Fischfangs, wie sie von den Isländern betrieben
wird und die Strapazen und Gefahren, denen diese ausgesetzt sind,
schildert C. Rosenberg in seinem mehrfach erwähnten Werltchen wie folgt.
„Die Boote sind klein im Verhältnis zur Beschaffenheit des Meeres,
leicht und schlank gebaut, nicht darauf eingerichtet, Segel zu führen
mit Ausnahme eines oder zweier kleiner zur Unterstützung beim Rudern,
wenn man günstigen Wind hat und daher nicht mit Ballast versehen
ist. Das Meer um Island ist schrecklich. Die Seen, welcher die Nord
see bei Sturm gegen die Westküste Jütlands wälzt, sind klein gegen
die gewaltigen Wogenberge, welche das Weltmeer bei leichtem Winde
gegen Islands steile Felsenküsten und Scheeren oder gegen die fürchter
lichen Sand- und Kiesbänke längs der flachen Striche der Seeküste rollt.
Es gehört ein starker-Muth dazu, sich in Booten, wie die isländischen,
auf dieses Meer hinaus zu wagen; und man beschränkt sich durchaus
nicht auf den zunächst liegenden Theil des Meeres. Die Fischplätze
liegen immer eine Strecke weit draußen, die besten am weitesten, oft so
gar mehrere Meilen weit. Hier muss also der Tag zugebracht werden.
Ein Dregg hält das Boot fest oder gestattet nur ein langsames Dahin
treiben. Jeder Mann, mit Ausnahme des Steuermanns, muss seine Angel
schnur genau beobachten, sie zur rechten Zeit einziehen, wenn er merkt,
dass ein Fisch angebissen hat, diesen abiiehmen, einen neuen Köder an
stecken und die Schnur wieder hinablassen. Dabei wird das Boot fort
während einer Nussschale gleich von den Wogen geschaukelt, diese
spritzen selbst bei gutem Wetter beständig über dasselbe hin und auch
mit den Schnüren wird Wasser in das Boot gespritzt. Herrscht nun
Frostwetter mit- Wind, was häufig der Fall ist, so dass an Haar und
Bart sich zahlreiche Eiszapfen bilden und die Lederkleider steif wie
eiserne Panzer werden, während die Hände in den dicksten Fäustlingen
(„See-Fäustlinge“ nennt man sie auf Island) erstarren, dann muss man
sehr abgehärtet sein, um seinen Humor und seine Kräfte zu behalten,
besonders da auch die Kost schmal ist, wenn es überhaupt solche gibt,
weil man nicht die Absicht hat, länger als bis zum Abend draußen zu
bleiben. Selbst wenn das gute Wetter anhält, so dass man zur rechten
Zeit ans Land kommen kann, hat man dann doch einen gehörig
schweren Tag gehabt. Aber nun denke man sich, dass der Wind sich
stärker erhebt, während das Boot weit draußen ist; die See wird un
ruhig, mit dem Fischzug muss abgebrochen und alle Ruder müssen aus
gelegt werden, um — gegen Wind und Meere arbeitend — ans Land zu
kommen, das vielleicht mehrere Meilen weit entfernt ist. Dann kann der
Abend und die Nacht hingehen unter sehr mühevollen Anstrengungen,
bis die Fischer den Hafen erreichen — wenn sie ihn überhaupt er
reichen! Denn die Zahl der Seeunglücksfälle ist natürlich verhältnis
mäßig sehr groß“.
Die eben beschriebene Fangart mit Schnur und Angel
ist die gewöhnlichste auf Island. Dieses Geräth ist das
billigste^ das man haben kann, und die Isländer sollen,
Fischerei, Vogelberge, Jagd.
376
dasselbe meisterhaft zu handhaben verstehen, so dass sie auf
diese Weise oft erstaunlich, gute Fänge machen können.
Aber es sind auch andere Fangarten in Gebrauch, die je
nach den verschiedenen Fischarten und auf den verschiede
nen Küstenstrichen von einander ab weichen. Der Dorsch,
der mit dem verwandten Lengfisch der gesuchteste Fisch
ist, wird an einigen Orten, besonders in *Vestfir9ir und in
der Gullbringu Sysla auch mit langen L ein en gefangen,
die mit kleinen 3/4 bis 1 Elle von einander entfernten
und mit Angeln versehenen Schnüren besetzt sind. Man
wirft die Leine aus, während das Boot langsam weiter ge
rudert wird, und versenkt dieselbe mittels zweier Senk
leinen, die jede mit einer Boje (dufl, n.) versehen sind, in
den Meeresgrund. Als Köder werden bei beiden Fang
arten die verschiedenartigsten Dinge als: Häringe, Krabben,
Muscheln, Rogen, Würmer, Fischfleisch, Ochsen- und SchafLeber, ja sogar Käse gebraucht. Die Leinenfischerei ist
vorteilhafter als das Fischen mit der Angelschnur, theils
weil mehrere Angeln auf Einmal ausgesetzt werden, theils
weil die Mannschaft, wenn die Leine versenkt ist, sich
mit Angelfischerei beschäftigen kann, bis jene gegen Abend
wieder aufgezogen wird. Aber die Leine ist schon um so
viel theurer als die Angelschnüre, dass die armen Leute
sich eine solche nicht anschaffen können. Dies gilt
noch mehr vom N etz, das übrigens wenig beliebt ist, da
die Isländer behaupten, dass durch das Aussetzen von
Dorschnetzen auf den Fischbänken, wenigstens wo diese
näher bei den Fjordmündungen liegen, wie z. B. im Faxafjördur, die Fische verscheucht werden, so dass dadurch
der Angelfischerei großer Schaden zugefügt wird.
Weitaus von der meisten Bedeutung ist für die
Isländer, wie schon gesagt, der F an g des K ab liau s
oder Dorsches (dann auch des Leng- und des Schell
fisches) • denn der Dorsch bildet nicht nur ein wichtiges
Nahrungsmittel für das Volk selbst, sondern er wird
auch besser als jede andere Art von Fischen zur
Ausfuhr zubereitet. Wird der Dorsch nicht frisch ge
nossen, so wird er auf drei Arten zubereitet, nämlich
als: „harter Fisch,“ „gesalzener Fisch“ und „Tonnen
fisch“.
377
Den „ H a rtfisc h “ (hardur fiskur), wozu außer dem
Dorsch auch der Schellfisch und wenn er recht gut sein
soll, die Heilbutte verwendet werden, bereitet man auf
folgende Weise. Nachdem man dem Fisch den Kopf abgesclmitten, schneidet man ihm den Bauch auf, nimmt die
Eingeweide heraus, spaltet ihn, wäscht ihn sorgfältig aus
und hängt ihn auf den „hjallur“, eine Stellage, die aus
Stangen besteht, welche auf hohen Pfosten befestigt sind,
und die häufig auch in eigenen offenen Gebäuden unter
gebracht ist, die so eingerichtet sind, dass der Wind einen
freien Durchzug hat, während sie hinlänglich verdeckt sind,
um den Regen abzuhalten. Auch dieses Gebäude führt den
Namen hjallur; die so aufgehängten Fische aber nennt
man „hengifiskar“ zum Unterschiede von der „flatfiskar“,
welche auf den Felsen getrocknet werden. Wenn der Fisch
durch und durch getrocknet ist, wird er abgenommen und
zu Paqueten zusammengelegt; er ist jetzt so hart wie ein.
Stock — daher Stockfisch genannt — und kann nicht ohne
eigene Zubereitung genossen werden; er muss entweder mit
Lauge aufgeweicht und gekocht werden — so genossen
nennt man ihn dann „Bergfisch“ — oder man muss ihn mit
einer Keule auf einem glatten Stein mttrb klopfen und dann
nach der Richtung der Fleischfasern in Streifen zerreißen.
Auf Island wird der Hartfisch nur in der letzteren Zu
bereitung genossen und zwar sehr allgemein; derselbe
gehört zu den besseren von den vielen guten Dingen, die
auf einen isländischen Tisch kommen; man zerreißt die
weißen rein und stark schmeckenden Stücke vollkommen
getrockneten Fischfieisehes mit den Fingern in kleinere
Theile und streicht auf dieselben Butter wie auf ein islän
disches Brot.
Der „gesalzene F isc h “ (isl saltfiskur), welcher
unter dem Namen „Klippfisch“ in den Handel kommt,
wird zuerst geköpft, gereinigt und gespalten, wie der
Hartfisch; dann aber auf den Felsen zu einzelnen Haufen
aufgestapelt, wobei zwischen jede Lage von Fischen
eine Lage .Salz gestreut wird. Das Salz dringt in das
Fleisch der Fische ein und die überflüssige Flüssigkeit
läuft ab. Wenn das Einpökeln zu Ende ist, werden
die Fische auf den Felsen oder auf einer ausgedehnten
Fischerei, Vogelberge, Jagd.
Fischerei, Vogelberge, Jagd.
378
Oberfläche von flachen Steinen am Meeresufer ausgebreitet
und so lange liegen gelassen, bis sie ganz trocken und
hart geworden sind, worauf sie dann nach weiten Ent
fernungen verschickt werden können. Auf diese Weise
wird der allergrößte Theil der Fische zubereitet, welche
nach den fremden Ländern verschickt werden, während
die Isländer selbst nur wenig vom Klippfisch verbrauchen.
Der „T o n n e n f i s c hu (isl. saltaSur jporskur) wird
mit Salz in Tonnen gelegt, so dass die Salzbrühe dabei
bleibt und so in den Tonnen verschickt. Auf diese Art
wird der Fisch besonders von den fremden Fischern
behandelt, welche das Einsalzen auf ihren Jachten vor
nehmen, selten aber von den Isländern selbst.
Als Ausfuhrwaare ist der Dorsch immer das ein
träglichste Seeproduct Islands gewesen. Der isländische
Dorsch ist fetter als der norwegische und kann, wenn
er gut gereinigt und eingesalzen wird, was nun immer
häufiger geschieht, einen ebenso hohen, ja einen noch
besseren Preis erreichen, als der norwegische.
Im Jahre 1880 wurden bei 49.000, im Jahre 1883 54,000 Schiffs
pfund gesalzene Fische ausgeführt und zwar die Hälfte davon nach
Spanien; von Hartfisch wurde im Jahre 1880 nur 1038, im Jahre 1883
sogar nur 480 Schiffspfund ausgeführt. Es ist auffallend, wie der Export
an Hartfisch abgenommen hat; im 17. und iS. Jahrhundert war der Hart
fisch noch der wichtigste Ausfuhrsartikel Islands; vom 1624 bis 1774
wurden beiläufig 5000 Schiffspfund Hartfisch und 500 Schiffspfund Klipp
fisch sowie 600 Tonnen Tonnenfisch ausgeführt. Im Jahre 1855 wurden
bei 3000 Schiffspfund Hartfisch, 20.000 Schiffspfund Klippfisch, aber gar
keine Tonnenfische ausgeführt. In den Jahren 1871 und 1872 wurden
an Hart- und Klippfisch zusammen beziehungsweise 26.787 und 23.292
Schiffspfund ausgeführt, wovon auf den Hartfisch nur 778 bez. 441
Schiffspfund entfielen. Der Preis für Klippfisch betrug 23—24 Reichsthaler per Schiffspfund, derjenige für Hartfisch bei 32 bis gegen 35 Rth.;
der Wert der Ausfuhr im Jahre 1872 war somit in Allem ungefähr
550.000 Rth. Im Jahre 1883 betrug der Preis für Klippfisch 75—60,
für Hartfisch 80 Kronen. Die wichtigsten Märkte für den isländischen
Dorsch sind Dänemark und Spanien sowie seit einiger Zeit England,
wo der isländische Klippfisch besser bezahlt wird als der einheimische.
Auch der Ko gen (hrogn, n.) des Dorsches wTird —
eingesalzen und in Tonnen — exportiert. Die Ausfuhr betrug
im Jahre 1872 1558, im Jahre 1879 2247. Bisweilen findet
auch Export von Sch wimm b lasen (sundmagi, m.) statt,
die einen wertvollen Theil des Fisches ausmachen, da man
Fischerei, Vogelberge, Jagd.
379
aus derselben die H ausen b lase (isl. sundmagalhn, n.)
kocht.
Beim Fischfang genießen die Isländer (und die däni
schen Unterthanen überhaupt) jetzt insoferne einen Schutz
gegenüber den Fremden, als diese eine bestimmte Demarcationslinie nicht überschreiten dürfen. Außerhalb dieser
Linie betreiben besonders auch die Franzosen den Dorsch
fang und zwar mit weitaus größerem Gewinn als die Islän
der. Während diese im Jahre 1880, wie wir gesehen, im
Ganzen etwas über 50.000 Schiffspfund ausführten, fischten
die Franzosen im Jahre 1878 nicht weniger als 81.000
Schiffspfund. Sie hatten an den isländischen Küsten im
Ganzen 367 Deckfahrzeuge mit einer Bemannung von
4723 Köpfen* die französische Regierung begünstigt diese
Fischerei im isländischen Meere ganz besonders, indem sie
Prämien für die Fischer aussetzt, da sie unter diesen die
besten Matrosen für ihre Marine findet. Sie entsendet
denn auch jedes Jahr ein Kriegsschiff in die Nähe der
isländischen Küsten zum Schutze der französischen Fischer
schiffe.
Nächst dem Dorschfang wird von den Isländern am
liebsten der H aifischfang speciell der E ish ai (isl.
häkarl)-Fang betrieben, welcher unbedingt am gefähr
lichsten ist und darum auch die meisten Menschenleben
gekostet hat. Der Eishai wird besonders wegen seiner
Leber gefangen, welche eine bedeutende Menge Thran
liefert; man gebraucht dazu ebenfalls Schnur und Angel,
nur muss natürlich beides viel stärker sein als beim Dorsch
fang und auch als Köder werden ganz andere Dinge ver
wendet, nämlich Pferdefleisch, Seehundsspeck und See
hundsköpfe, welch letztere der allerbeste Köder für den
Eishai sind. Früher wurde der Eishaifang von den Islän
dern beiläufig auf dieselbe Art ausgeführt wie jeder andere
Fischfang. Sobald die Fischzeit begann, begab man sich
zu den gewöhnlichen Fischereiplätzen und von da aus wurde
zum Fang ausgefahren, indem man in großen, offenen Fahr
zeugen den Hai 5—6 Meilen weit aufsuchte und, sobald
man volle Ladung bekommen hatte, mit dieser sich wieder
an’s Land begab. Außer der Leber wurde nämlich auch
das Fleisch und die Haut des Eishais (letztere zu Schuhen)
380
Fischerei, Vogelberge, Jagd.,
benützt. Das Fleisch ist — frisch genossen — giftig, da es
ziemlich viel Ammoniak enthält, und unvorsichtiger Genuss
desselben hat früher nicht wenigen Menschen das Leben
gekostet; wenn dasselbe aber zum Theil in Gährung über
gegangen, nachdem es in der Luft getrocknet worden ist
so dass das Ammoniak ausgeschieden wurde, gibt es ein
allerdings nicht sehr angenehm duftendes — Nahrungs
mittel ab, das von Leuten, die an dasselbe gewöhnt sind
für recht wohlschmeckend ausgegeben wird. Gegenwärtig
wird aber der Eishaifang zumeist mit Hilfe von Deck
fahrzeugen betrieben, deren Bau von den unternehmenden
Nordländern, die sich hauptsächlich mit diesem Fang ab
geben, mit großem Eifer gefördert worden ist, indem sie eine
eigene Seeversicherungsgesellschaft für solche Schiffe gebil
det haben. Dadurch ist es möglich geworden, die Eishai
schwärme in viel größerer Entfernung vom Lande aufzu
suchen ; freilich ist aber dadurch auch diese Art Fischfang
vielleicht zugleich noch anstrengender geworden. Bereits,
früher mussten die Fischer oft mehrere Tage hinter ein
ander weit vom Lande entfernt in Sturm und Unwetter
auf dem Meere zubringen; jetzt aber begeben sich die
Schiffe weit hinaus in das offene Meer, 20 —30 Meilen
gegen Norden, wo sie beständig von Treibeis und Un
wetter bedroht sind. Hier geht es denn auch nicht an,
die Haie selbst mitzunehmen; es wird ihnen, sowie sie
gefangen worden, die Leber herausgeschnitten und der
Körper dann sogleich wieder in’s Meer geworfen. Der Eis
haifang ist, auf diese Weise betrieben, ungemein einträg
lich, wenn man das Glück hat, einen Schwarm aufzu
finden. Da dies aber ganz vom Zufall abhängt, bleibt
die Eishaifischerei immer ein sehr unsicherer Erwerb.
Dieselbe wird namentlich an der Nord- und Nordwestküste
Islands betrieben.
Außer den genannten Fischen fangen die Isländer
noch: den Seewolf, den Seehasen, die Heilbutte, den Köhler,
die Roche, den gewöhnlichen Hai und den Häring. Es ist
wieder bezeichnend für die eigentümlichen oben geschil
derten Verhältnisse Islands, dass der H ärin g sfa n g von
den Isländern selbst fast gar nicht betrieben wird, obwohl
ihnen die Häringe in den Fjorden beinahe in die Häuser
381
hinein schwimmen, und die fremden Fischer wenig Schaden
anrichten, da sie außerhalb der Territorialgrenze, auf offener
See, den Häring nicht mit Netzen fischen können. Die
Norweger, welche auf Island fast ausschließlich die Häring
fischerei betreiben, wissen freilich die letztere Schwierig
keit auf ganz leichte Weise zu beseitigen, indem sie näm
lich das isländische Bürgerrecht erwerben.
Fischerei, Vogelberge, Jagd.
Die Isländer haben im Allgemeinen gegen den Betrieb des Härings
fangs durch die Norweger nichts einzuwenden; ja derselbe scheint ihnen
eher angenehm zu sein. Ziehen sie doch aus demselben selbst manche
Vortheile; so müssen 4 Procent vom Fange den Grundeigentliümern
abgeliefert werden, ohne dass diese die geringste Mühe dabei haben;
dann erhält die Staatscasse von Island für jede Tonne exportierten Härings
eine directe Abgabe von 25 Ören, was bei einer Anzahl von 160.000,
die nicht selten erreicht wird, 40.000 Kronen beträgt, eine Summe, die
zwar nicht groß ist, aber immerhin beiläufig ein Zehntel der gesammten
Staatsauslagen Islands in einem Jahre ausmacht. Außerdem wird den
Isländern dadurch Gelegenheit zu mannigfachem Verdienste geboten,
theils direct durch Arbeit, theils dadurch, dass sie ihre eigenen Waren
zu einem besseren Preise absetzen und endlich ist durch den vermehrten
Verkehr auch eine leichtere und bequemere Verbindung von den abgele
genen Fjorden mit der Außenwelt eröffnet. Die Norweger fischen sowohl
im Nordlande wie im Ostlande. Die wichtigsten Fischereiplätze sind
außer Seyöisfjördur: Reyöarfjördur mit Eskifjüröur, Mjofifjöröur und einige
andere kleine Fjorde an der Ostküste; im Nordlande wird auch der
Eyjafjördur und in neuester Zeit der Isafjördur gerne aufgesucht. Da
indessen über die Wanderung des Härings an den isländischen Küsten
wie auch über die Lebensweise desselben noch nicht völlig Genaues
bekannt ist, kann man auch nicht einzelne Fjorde als für den Häring
fang ganz besonders günstig bezeichnen; ja man weiß noch nicht ein
mal mit Bestimmtheit, ob der Häring jedes Jahr die isländischen Fjorde
aufsucht. Soviel ist sicher, dass er nicht immer in gleicher Menge in
ein und demselben Fjord auftritt. Da die Isländer selbst es nicht ver
standen hatten, ihn zu fischen, so hat man auch wenig Kunde davon,
wie es in älterer Zeit mit dem Auftreten des Härings bestellt gewesen
ist. Doch berichteten die alten Isländer,, dass es immer, so lange sie
sich erinnern konnten, in einzelnen Fjorden Häringe gegeben und dass
es sich bisweilen ereignet habe, dass sie dieselben am Strande aus dem
Meere schöpfen konnten. — Der Häring wird denn auch auf Island
wenig gegessen. Im Sommer 1880 fischten die Norweger im Seydistjördur und in dessen Umgebung allein 45.000 Tonnen Häringe.
Ein wichtiger Exportartikel, der aus der Fischerei
gewonnen wird, ja der wichtigste nach dem Klippfisch
ist der T h ran (isl. lysi, n.), der ebensowohl von Wal
fischen, Eishaien und Seehunden wie von der Leber des
Dorsches gekocht wird. Besonders aber ist der aus der
Fischerei, Vogelberge, Jagd.
382
Leber des Eishais gewonnene Thran hochgeschätzt. Ob
schon der isländische Thran schlechter zübereitet ist als
z. B. der norwegische, so hat die Ausfuhr desselben in
den letzten Menschenaltern doch beständig zugenommen
und betrug in den Jahren 1870 und 1872 ungefähr 9500
Tonnen (im Jahre 1871 sogar 11.700) zu einem Preise
von ca 24 Rth. (1872: 24 Rth. 21 Schl.) per Tonne, also
zu einem Gesammtwerte von 228.000 Rth. Im Jahre
1879 wurden 10.735 Tonnen exportiert. Von den zahl
reichen M uscheln wird keine Art als Nahrungsmittel
gebraucht, obschon mehrere derselben dazu dienen könnten.
Sie werden nur als Köder für den Dorsch verwendet.
Noch ein anderes Product der See wird gleichgiltig weg
geworfen, während es doch für die LanWirtschaft von
größtem Nutzen sein könnte, nämlich die F is ch a b fä 11e,
besonders die ausgekochten Theile der Leber und der
Schwimmblase, welche durch einige Bearbeitung zu dem
trefflichsten Düngemittel verwandelt werden könnten. Aber
auch hier waltet wieder das Grundübel aller isländischen
Wirtschaft: der Mangel an Arbeitskräften und an Geld.
In viel geringerer Ausdehnung als die Meerfischerei
wird die S ü ß w a s s er f i s c h e r e i betrieben, die aber für
die Isländer gleichfalls ein viel bedeutenderes Erträgnis
abwerfen könnte. Man fängt in den größeren Flüssen des
Landes den Lachs, in den kleineren Flüssen und Bächen
sowie in den Seen die F o re lle , beide zusammen in nicht
weniger als sechs Arten. Der Lachs geht im Frühjahre
in die Flüsse hinauf und zwar sowohl in diejenigen mit
klarem Wasser wie auch in die milchweißen Gletscher
flüsse, um dort seinen Rogen zu werfen, worauf er wieder
nach dem Meere zurückkehrt. Der im Flusse ausgebrütete
Fisch geht, wenn er erwachsen ist, ins Meer hinab, sucht
aber später dasselbe Wasser auf, in dem er ausgebrütet
worden ist, um wieder seinen Rogen zu werfen. Es gibt
wohl nicht viele Höfe auf Island, in deren Nähe sich nicht
ein Wasserlauf befindet, wo dieser Fisch ohne große Mühe
gefangen werden kann. Die Art des Fanges ist verschie
den. Selten wird der Lachs geangelt; dazu haben die
Leute in der Regel nicht die nöthige Zeit. In den größeren
Flüssen wirft man Netze aus. Eine andere A;*t des Lachs
383
fanges besteht darin, dass man den Fluss eindämmt und
das Wasser durch einen Nebencanal ablaufeh lässt, so dass
alle Fische, die sich zu der Zeit in dem eingedämmten
Theile des Flusses aufhielten, auf dem Trockenen liegen
und mit den Händen eingesammelt werden können. In
kleineren Flüssen kann der Lachs auch mit den Gabeln
gestochen werden. Die sicherste, aber auch weitläufigste
und deshalb nicht so allgemein gebrauchte Art, die über
dies nur für kleinere Flüsse passt, besteht darin, dass man
einen Steindamm quer durch den Fluss legt, so dass ein
kleiner Wasserfall entsteht, der hoch genug ist, dass der
Lachs nicht über denselben springen kann. Dicht unter
dem Wasserfall errichtet man kleine Bretterverschläge mit
einer schmalen Öffnung nach abwärts. In diese gehen
die Lachse hinein und bleiben nun hier stehen und kämpfen
gegen die Strömung, bis der Fischer kommt, sein Garn
vor die Öffnung zieht und den Fisch entweder sticht'oder
mit einem Fangnetz aus dem Fluss nimmt. — Der meiste
Lachs wird frisch genossen und bildet ein herrliches Ge
richt einer isländischen Mahlzeit-, denn das Fleisch des
isländischen Lachses ist besonders wohlschmeckend. Doch
heißt es, dass je mehr und je häufiger man Lachs isst, der
selbe desto unangenehmer schmecke, während er, nur dann
und wann in geringeren Portionen genossen, eine Delicatesse sei. Man verspeist den Lachs jedoch auch geräu
chert und eingesalzen und in letzterer Zubereitung so wie
eingemacht und in Eis wird er auch ausgeführt und zwar
in steigender Menge. Im Jahre 1879 betrug der Export
an Lachs 7.470 Pfund.
Noch wertvoller als der Lachs ist die F orelle, welche
sich besonders in vielen Seen (z. B. im Dingvallavatn, im
Myvatn und im Arnarvatn u. a.) in reichlichstem Über
flüsse findet. Im Dingvallavatn und Myvatn findet all
jährlich großer Forellenfang statt, im Myvatn besonders
im Herbste und gegen Weihnachten zu. Man fängt sie
mit verschiedenen Arten von Netzen, in Reusen, mit Angel
schnüren, auf dem Eise durch eine Wake und auf man
nigfache andere Weisen. Die Forelle wird nur für den
Hausgebrauch gefischt und auch dafür beiweitem nicht in
dem Umfange, den die Menge der Fische gestatten würde,
Fischerei, Yogelberg-e, Jagd.
Fischerei, Vogelberg-e, JagcL
384
besonders in den hochgelegenen Gebirgsseen z„ B. auf der
Arnarvatnsheidi in der Hunavatns Sysla, wo Grettir eine
Zeit lang als Geächteter vom Fischfang lebte. Verschie
dene Bauern verpachten jetzt ihr Fischrecht in den Flüssen
häufig an englische Touristen, die den Fischfang als Sport
betreiben. In jüngster Zeit betreibt man auf Island auch
künstliche Fischzucht, welche recht zufriedenstellende Resul
tate aufweisen soll.
Einen Exportartikel bildet die Forelle, wie gesagt,
nicht* sie könnte aber einen solchen, und zwar sehr wert
vollen abgeben, wenn sie eingemacht und in hermetischen
Dosen verschickt würde. Übrigens ist ja, wie die meisten
angeführten Ausfuhrziffern in den verschiedenen Zeiten
zeigen, ein deutlicher Fortschritt in der Verwertung der
Reichthümer des Meeres und des Süßwassers zu bemerken,
und man darf somit hoffen, dass mit der Zeit immer mehr
von den Übelständen beseitigt werden, welche diese Erwerbs
quelle für die Isländer noch nicht zu der Bedeutung ge
langen ließen, die sie unter normalen Umständen haben
müsste. — Von dem Nutzen, welchen der Isländer noch
von den Säugethieren des Meeres zieht, soll später die
Rede sein.
Einen großen Gewinn ziehen die Isländer aus dem
Vogelfang, namentlich aber von den V ogel Fergen (isl.
fuglabjörg, n. oder eggver) und V ogelinseln, wo die Seeund Strandvögel sich in unglaublicher Menge aufhalten
und brüten. Fast von allen werden das Fleisch und die
Eier gegessen, von vielen die Federn und Dunen gesam
melt. Die Arten des Vogelfangs sind je nach den Vögeln,
denen man nachstellt, sehr verschieden. Es kommt, wenn
auch jetzt wohl seltener vor, dass sich Leute an starken
Lederriemen von der Spitze der senkrechten Felsen nieder
senken lassen und zwischen Himmel und Meer schwebend,
die aufgescheuchten Vögel in einem Netz (gleich den
Schmetterlingsnetzen) fangen oder ihnen die Eier aus den
Nestern nehmen. Hingegen übt man mehrere Arten, die
Vögel in die Schlingen oder ins Garn zu locken.
Der wichtigste Vogel aber ist für die Isländer die E id e r
gans, sowohl wegen der wohlschmeckenden Eier, wie noch
viel mehr wegen der kostbaren Daunen, welche sie liefert.
385
Wir haben clie Bewirtschaftung der Eidergansplätze schon
oben ausführlich besprochen und erwähnt, dass sich die
meisten derselben imBreidifjörcfur befinden; außerdem gibt es
deren noch an den verschiedensten Punkten der isländischen
Küste z. B. im Isafjardardjüp, auf iEdey und Vigur, beim
Laxamyr auf Tjörnes, auf Hölmar im Reydarfjördur, auf
Videy und vielen anderen Orten. Die Daunen müssen,
bevor sie in Gebrauch kommen können oder verkauft
werden, einer sorgfältigen Reinigung unterzogen werden;
sie müssen nämlich zuerst durch natürliche oder künstliche
Wärme getrocknet werden, damit sich das Fett und die
Feuchtigkeit absondern; sodann müssen sie vorsichtig ge
rieben werden, damit alle starr gewordene Unreinlichkeit
abfallen kann, ohne dass die Federn zerbrechen. Diese
Reinigung haben sich aber die Isländer früher selten an
gelegen sein lassen; so wurden im Jahre 1734 nur 172
Pfund gereinigte, hingegen 6000 Pf. ungereinigte Daunen
ausgeführt. Noch im Jahre 1772 war das Verhältnis' be
scheiden genug, nämlich ein Export von 281 Pf. gereinig
ter und 1097 Pf. ungereinigter Daunen. Als man aber
im Jahre 1776 zum ersten Male für die Eiderdaunen eine
Handelstaxe festsetzte, nämlich 14 Schilling für ein Pfund
ungereinigte und 1 Rth. 56 Sch. für ein Pfund gereinigte
Daunen, änderte sich alsbald das Verhältnis und im Jahre
1779 schon wurden 2400 Pf. gereinigte und nur 76 Pf.
ungereinigte Daunen ausgeführt, seither aber kommen von
Island aus nur mehr gereinigte Daunen in den Handel.
Der Export wird nun auf ungefähr 6000 Pfd. jährlich
veranschlagt, zu einem Preise von 6—8 Rth. das Pfund. Im
Jahre 1872 wurden 7253 Pf. zu einem Preise von 7 Rth.
46 Sch., also im Ganzen für 54.246 Rth. 38 Sch. ausgeführt.
Im Jahre 1880 betrug der Export 7600 Pf. Man ersieht
also, dass ein guter Eidergansplatz, der seine 300 Pf. Daunen
jährlich liefern kann, für den Besitzer ein großes Ver
mögen repräsentiert.
Von anderen Vögeln, deren Federn ausgeführt werden,
sind besonders noch zu nennen: der Seepapagei, am
zahlreichsten im Breidifjördurund auf den Vestmannaeyjar,
wo er von den Vogelfängern mit einem Stock, an dem ein
Haken angebracht ist, aus dem Loche, das er sich im
Fischerei, Vogelberge, Jagcl.
P o e s t i o n , Island.
25
Fischerei, Vogelberge, Jagd.
386
Rasen gebohrt, herausgezogen und getödtet wird. Seine
Federn sind namentlich in der ersten Hälfte dieses Jahn
hunderts in großer Menge ausgeführt worden, und bilden
auch jetzt noch einen wichtigen Exportartikel; so wurden
im Jahre 1872 nicht weniger als 26.801 Pf. davon ausgeführt. Auch die Federn des Schw ans spielen noch
immer eine Rolle auf der Ausfuhrliste von Island. Wie
dieselben gewonnen werden, haben wir schon oben erzählt.
Auch ganze Schwanenbälge wurden früher ausgeführt. Im
Jahre 1849 betrug der Export von Schwanenfedern 40.000
Pfd., wozu noch 260 Schwanenbälge kamen*, dann hat
derselbe bedeutend abgenommen, so dass er im Jahre 1855
nur gegen 9000 Pfd. betrug; im Jahre 1872 wurden hin
gegen wieder 21.400 Pfd. ausgefübrt. Nicht unbedeutend
ist der S c h n e e h ü h n e r f a n g, der im Herbste, besonders
bei hartgefrorenem Schnee, stattfindet. Die Schneehühner
werden theils in Schlingen gefangen, theils geschossen,
und liefern ein vortreffliches Fleisch. Wie ergiebig dieser
Fang oft ist, kann man aus dem Umstande ersehen, dass
im Herbste des Jahres 1878 nicht weniger als gegen 30.000
Schneehühner nach Reykjavik auf den Markt gebracht,
und durchschnittlich mit 40 Öre pro Stück bezahlt wurden.
Schneehühner werden reichlich nach Dänemark exportiert.
Die Ja g d (isl. veidar, f. pl., veidiskapur, m.) spielt
sonst keine Rolle auf Island. Nur dem Fuchs wird eifrig
nachgestellt, nicht nur seines wertvollen Pelzes wegen, der
ausgeführt wird, sondern um ihn überhaupt unschädlich
zu machen, da er unter den Nutzvögeln große Verheerun
gen anrichtet. Im Jahre 1872 wurden 312 Fuchsbälge
ausgeführt. — Von den Säugethieren, welche im Meere
leben, werden ebenfalls nur wenige gejagt.
W alfisch e treiben zwar noch jedes Jahr einige ans
Land; der Walfischfang aber wird nicht erwerbsmäßig
betrieben. Wir haben über dieses Meersäugethier schon
oben Ausführlicheres berichtet. Das Fleisch desselben ist
genießbar und unbedingt besser als das vom Eishai und
Seehund. Es gilt dies besonders von dem „rengi“ (n.)
benannten Theile, der zunächst innerhalb des Specks
kommt und der ein Mittelding zwischen diesem und Fleisch
ist. Nachdem man es eine gute Weile"gekocht und das
387
weißliche Öl, das cs absetzt und welches ein sehr gutes
Lampenöl gibt, von demselben abgeschöpft hat, legt man
das „rengi“ in Essig oder saure Molken, und es kann so
dann nach Verlauf einiger Zeit gegessen werden ; dasselbe
gleicht der Schweinssulz.
Das M eerschw ein und der D elphin, welche den
Bewohnern der Färöer ein reichliches Erträgnis liefern,
sind den Isländern von wenig Nutzen, da diese den Fang
derselben, obschon er mit wenig Beschwer verbunden ist,
und zu gewissen Zeiten, wenn die Thiere in großer Menge
die Fjorde und Buchten besuchen, großen Gewinn abwerfen würde, nur lässig betreiben.
Von größerer Bedeutung für die Isländer ist der See
hundsfang, der auf verschiedene Arten betrieben wird,
obschon beiweitem nicht in so großer Ausdehnung, als es
geschehen könnte, da man in mehreren Gegenden, wo der
Seehund sich in großer Menge einfindet, denselben so
ziemlich in Ruhe lässt. In früherer Zeit hat man den
Seehund mit der Harpune gejagt und zwar auf dem Eise
oder vom Boote aus; dies ist nunmehr außer Gebrauch
gekommen. Diejenige Art, welche die Isländer „Utselur“
nennen, pflegt dort, wo flache felsige Abhänge in das Meer
hineinreichen, ans Land zu kommen. Hier lauert man
auf, und wenn das Thier weit genug vom Wasser ent
fernt ist, läuft man hinzu und tödtet es mit einem Keulensclilag auf den Kopf, ehe es wieder das Meer erreichen
tann. So macht man es besonders am Brei9ifjör3ur, wo
•die meisten Seehunde sich aufhalten — solche Plätze heißen
„selveru — und in den Austfirdir. Eine andere Art, die
besonders beim „landselur“ angewendet wird, besteht darin,
dass man in der Nähe des Strandes, wo es einigermaßen
tief ist, ein großes Netz mit weiten Maschen aussetzt. Das
selbe wird mit den Ecken an vier in den Meeresgrund
gerammten Stangen oder an Bojen befestigt, so dass es
wie eine Hängematte im Wasser hängt und nur der Rand
an der Oberfläche des Wassers sichtbar ist. Einige grell,
am besten roth bemalte kleinere Bojen, die innerhalb des
Netzrandes angebracht sind, locken die neugierigen Thiere
an; sie kommen bis ganz an dieselben heran, und wenn
man dann am Lande Lärm macht oder schreit, und die
Fischerei, Vogelberge, Jagd.
25*
388
Industrie, Handel, Verkehr.
Thiere untertauchen wollen/ verwickeln sie sich im Netze
und werden so gefangen. Man schießt sie auch mit Flinten;
doch verscheucht dies die Thiere weit fort und es ist des
halb in der Nähe von Netzfang-Plätzen verboten. Der See
hund wie der Wal liefern bekanntlich ebenfalls Thran.*)
3. Industrie, Handel, Verkehr.
Mit der In d u s trie (isl. idnacfur, m.) ist es auf Island,
wie man sich leicht denken kann, nicht glänzend bestellt.
Die industrielle Production beschränkt sich wesentlich auf
die Verarbeitung der selbstgezogenen Schafwolle zu gröbe
ren Artikeln, die zumeist für den Hausgebrauch bestimmt
sind, aber doch auch, wie z. B. das grobe ungeschorene,
auf Island von den ältesten Zeit an beliebte Wollenzeug
(vadmäl, n.), dann Socken, Strümpfe, Fäustlinge, Hand
schuhe und dgl. Strickwaren ausgeführt werden, besonders
im Nordlande, wo diese Gegenstände am besten verfertigt,
werden. H a n d w e rk e r (isl. liandidnamenn) gibt es fast
nur in den Kaufstädten und Fischerplätzen; davon sind
am zahlreichsten die Tischler und die Schm iede sammt.
den Gold- und Silberarbeitern (vgl. oben). Auf dem
Lande besorgt der Bauer nicht nur, sondern auch der
Pfarrer, Sysselmann, Arzt u. s. w. die nöthigen Hand
werksarbeiten selbst mit Hilfe seiner Familie und seiner
Dienstboten. Früher wurde auf den meisten Höfen fleißig
die Schmiede benützt, um Nägel, Hufeisen u. dgl. zu
schmieden, die Sensen und Sicheln zu dengeln; seitdem
aber die Leute englische Sensen erhalten, kommt letzteres
immer mehr außer Gebrauch. Besondere Beachtung ver
dient jedoch die Gold- und S ilbe ra r b eit auf Island, in
der es gar Viele zu einer erstaunlichen Fertigkeit bringen..
Dieses Handwerk, welches man auf Island wohl zuletzt
suchen würde, steht in enger Verbindung mit der Vorliebe
der Isländerinnen für ihre alte mit reichlichem Silber
schmuck versehene Nationaltracht (s. oben S. 330) und mit
*) Auch diesem Capitel ist hauptsächlich C. Kosenberg’s treffliches
Schriftchen „Fra Island i Nutiden“ zugrunde gelegt.
389
dem eigenartigen, noch aus der alten Zeit stammenden Stil
des isländischen Schmuckes überhaupt, an dem die Islän
der noch festhalten, so dass sie an fremdem Schmuck
keinen Gefallen finden. Auch in vielen anderen industriel
len Arbeiten sind die Isländer sehr geschickt oder
haben doch die besten Anlagen, wie eine im Jahre 1883
zu Reykjavik veranstaltete Industrie-Ausstellung bewies. Zu
einer größeren gew erb sm äßig en industriellen Produc
tion wird es aber Island kaum jemals bringen können,
falls nicht die Bevölkerung sich mindestens verzehnfacht.
An Versuchen zur Hebung der isländischen Industrie hat
es nicht gefehlt und die Könige Friedrich der Fünfte und
Christian der Neunte haben sogar große Summen daran
gewendet; aber ohne einen anderen Erfolg als etwa den,
dass der Spinnrocken die alte Handspindel abgelöst hat.
Im Jahre 1752 wurde hauptsächlich auf Betreiben des da
maligen Landesvogtes Skuli Magnusson in Reykjavik eine
Wollfabrik mit dazu gehöriger Färberei, Stampfmühle,
Seilerei und Weißgerberei errichtet; aber die Isländer
zeigten wenig Lust und Sinn für diese Arbeit, und die
Stoffe konnten auch weder so gut noch so billig herge
stellt werden, als man sie vom Auslande erhielt. Sie gieng
nach 30jährigem Bestände wieder ein. Im Jahre 1781
errichtete die Regierung selbst eine neue Fabrik in Reyk
javik, die indessen gleichfalls in kurzer Zeit eingieng. In
einer Verordnung vom ]3. Juni 1767, welche alle islän
dischen Verhältnisse aus Anlass des Monopolhandels neu ord
nen sollte, wurden reichliche Prämien und Unterstützungen
während 20 Jahre versprochen für alle möglichen Hand
werks- und Industriezweige, für Wollen- und Leinweber,
Hutmacher, Weißgerber, Seiler, Grob- und Kleinschmiede,
Tischler, Böttcher, Haus- und Schiffszimmerleute, Maurer
meister, Steinmetze u. s. w. besonders aber für eine Fär
berei und Stampfmühle im Nordlande. Aber es kam von
alldem fast nichts zustande. Eben so fruchtlos war es,
dass man einige Handelsplätze zu Kaufstädten mit gewöhn'
liehen Stadtgerechtsamen erklärte.
Auch die Hoffnungen, welche man auf die M i n era lp ro d u c te Islands setzte, gi engen nicht in Erfüllung.
Die Schwefelgruben zu Krisuvik und am Myvatn haben
Industrie, Handel, Verkehr.
Industrie, Handel, 'Verkehr.
390
sich durchaus nicht als die Goldgruben erwiesen, für die
man sie angesehen hat. Nachdem dieselben (von 1724 an)
an zwei Unternehmer verpachtet gewesen waren, welche
sie schon nach wenigen Jahren unbenützt liegen ließen,,
wurden sie im Jahre 1753 neuerdings in Betrieb gesetzt,
indem zuerst bei Krisuvik und im Jahre 1761 auch bei
Husavik eine Schwefel raffinerie errichtet wurde. Aber in
ersterer wurden bereits im Jahre 1764 die Arbeiten wieder
eingestellt. Die letztere, welche bis in’s 19. Jahrhundert
hinein betrieben wurde, warf in den Jahren 1769—1806
jährlich zwischen 1450 und .1260 Reichsthaler ab bei
einer Durchschnittsfabrication von 221 Centnern. Aber wie
gering ist dieses Erträgnis im Vergleich zu dem, welches
die sicilianischen Schwefelgruben, abwerfen und wie schwer
ist es deshalb eine Concurrenz mit denselben zu bestehen I
„Die Solfataren Islands,“ schrieb im Jahre 1847 Sartorius
v. Waltershausen, „können neben denen von Sicilien nicht,
wohl bestehen • denn in Sicilien wird mehr Schwefel un
benützt mit Füßen getreten und in kurzer Zeit frevent
lich verbrannt, als Island überhaupt besitzt. Während die
nordisländischen Nämur, die ungleich reicher als die in der
Nähe von Krisuvik sind, nur einen jährlichen Ertrag von
200 Centnern geben, liefern die sicilianischen Solfataren in
derselben Zeit eine Million Centner und können, wenn es
das Bedürfnis erheischen sollte, selbst die doppelte Quan
tität ohne Mühe hervorbringen.“ Dann ist der isländische
Schwefel eine neuere Bildung, die noch vor sich geht, so
dass es, wenn der Vorrath erschöpft ist, lange Zeit dauert,
bis derselbe wieder groß genug ist, um die Gewinnung
des Rohproductes zu lohnen. Neben der Concurrenz Siciliens sind es besonders auch die enormen Transportschwierig
keiten, welche der Gewinnung des Schwefels in Island
hemmend entgegentreten, indem die Transportkosten des
Rohmaterials zum Meere zu bedeutend sind, um das Unter
nehmen zu einem gewinnreichen zu machen. Der Versuch
aber, den gewonnenen Schwefel an Ort und Stelle durch
einen Sublimationsprocess zu reinigen, scheiterte an dem
Mangel an Feuerungsmaterial und der Unmöglichkeit es
dorthin zu schaffen. Gegenwärtig sind die Solfataren von
Krisuvik wieder an zwei englische Compagnien verpachtet,
391
von denen die eine die Ausbeutung von Schwefel und
Borax, die andere die Gewinnung der in den Gasen mitauftretenden Borsäure betreibt. Die Solfataren in der
Nähe von Hüsavfk sind dermalen nicht im Betriebe.
Von den anderen Mineralien haben für die Isländer
nur zwei eine größere Bedeutung, nämlich der D oppelspath und der Kalk. Der D oppelspath (vgl. oben S. 226)
steht wegen seiner Seltenheit und Unentbehrlichkeit zu ge
wissen physicalischen Untersuchungen sehr hoch im Preise.
Das Recht den Doppelspath zu brechen, gehört jetzt aus
schließlich dem Lande. Der K alk, dessen Vorkommen
auf Island (im Esja-Gebirge) erst vor nicht langer Zeit
constatiert wurde, wird zwar nicht ausgeführt, leistet aber
bei den neuen Steinbauten vorzüglicher Dienste, zumal da
er viel besser ist als der eingeführte Kalk. Derselbe wird
jedoch nicht aus Kalkstein, der auf Island gänzlich fehlt,
sondern aus Kalkspath gebrannt. Doch ist das Brechen
und der Transport der Steine mit großen Beschwerden
verbunden. In neuester Zeit wird mit Erfolg der dunkel
farbige D o le rit (die Isländer nennen ihn grästeinn d. h.
grauer Stein) als Baumaterial verwendet. Von edleren
Steinen scheint nur der C halcedon Verwertung zu
finden. Der Gewinn an P o r cell an erde, die hie und
da gefunden und nach Ehgland ausgeführt wird, ist wohl
ebenfalls kaum der Rede wert.
E isen kommt zwar, wie wir gesehen haben, im Ba
salt, im Tuff, in der Lava und im Sumpferz auf Island ziem
lich häufig vor; allein die Gewinnung desselben ist wegen
Mangels an Brennmaterial so schwierig, dass wohl kaum
jemals eine Zeit kommen dürfte, wo man dasselbe nicht
billiger aus dem Auslande beziehen kann. *)
Industrie, Handel, Verkehr.
In der alten Zeit hat man das Eisen auf Island aus dein Sumpferz und Eisenocker (rauöi) gewonnen und zwar war ein Mann Namens
Björn der Erste, der dies versuchte, weshalb er auch den Beinamen
Rauda-Björn erhielt. **) In der Egilssaga wird erzählt, dass Skallagrimr, der Vater des Dichters Egill, ein tüchtiger Eisenschmied war,
und dass er im Winter viel Eisenocker schmolz. Auch sonst wird der
Eisenocker öfter erwähnt z. B. im Königsspiegel (hier wird er „das
*) Frjettir fra Islandi, 1876, S. 48.
**) Vgl. Landnamabok (Melabok) 71.
392
Industrie, Handel, Verkehr.
rothe Wunder“ genannt), in der Grettis sag-a (S. 122) u. s. w. Spuren
alter Eisenbereitung’ aus Sumpfeisenstein hat man gefunden in der
Nähe des Hofes Smidjuholl in der M/ra Sysla, in der Nähe des Hofes
Hrisar in der Snsefellsnes Sysla, in der Nähe des Hofes Drängar in der
selben Sysla, am Flusse Fäskruö in den Dala Sysla, im Saelingsdalur,
an der Dingmannaä in der Bardastrandar S/sla, in der Nähe des Pfarrliofes Hals in der Sudur Bingeyjar Sysla, heim Pfarrhofe Kirkjub?er
in der Nordur Mula Sysla u. s. w.
Das spärlich verkommende K u p fer findet ebenfalls
keine Verwendung. Aber auch der Sur ta r br andur, die
isländische Braunkohle, ist den Bewohnern nur von gerin
gem Nutzen und an eine industrielle Verwertung desselben ist
nicht zu denken. Dazu sind die Lager doch nicht ergiebig
genug und dann ist auch die Gewinnung der Kohle, die
oft in mehr oder weniger unzugänglicher Höhe sich be
findet, mit allzu großen Schwierigkeiten verbunden. Außer
dem ist die isländische Braunkohle als Brennmaterial von
viel schlechterer Qualität als die gewöhnliche Braunkohle;
sie gibt weniger Hitze und entwickelt mehr Asche als diese.
Sie wird denn auch nur in einzelnen Höfen und Schmieden,
wo sie leicht zugänglich ist, verwendet, während man sonst
lieber schottische Steinkohlen kauft; (jede eingeführte
Stein- und Braunkohle nennen die Isländer „steinköl“).
Wegen seiner Härte und der dem Ebenholz ähnlichen
Farbe findet man den Surtarbrandur bisweilen zu Tisch
platten und Schmuckgegenständen verarbeitet.
Salz ist früher auf Island reichlich gewonnen worden
und zwar sowohl aus dem Seewasser wie auch durch Ver
brennung von Tang. Die Gewinnung des Salzes aus dem
Meerwasser geschieht auf Island natürlich nicht durch die
Sonnenwärme, sondern im Gegentheil durch die Winter
kälte. Wenn das Salzwasser gefriert, ist das Eis immer
vollkommen salzfrei. Man leitet also das Seewasser in
eine Lagune, welche mit dem Meere in keiner Verbindung
steht und lässt es gefrieren; hierauf entfernt man die Eis
decke und lässt das zurückgebliebene Wasser aufs Neue
gefrieren. Durch Fortsetzung dieses Verfahrens wird das
übrigbleibende Wasser immer salziger, bis es endlich gar
nicht mehr gefrieren kann. Nunmehr kann das Salz durch
Verdampfung des Wassers in Kesseln über mäßigem Torf
feuer — das Wasser braucht gar nicht zu kochen — mit
393
Leichtigkeit gewonnen werden. Die Isländer besitzen
übrigens auch ein anderes Wärmemittel, welches sie bei der
Salzgewinnung wiederholt in Anwendung gebracht haben,
nämlich h eiß e Q uellen, welche sich an verschiedenen
Orten ziemlich nahe am Strande befinden. Man setzte
die Kessel mit dem Seewasser in das unablässig kochende
Becken, und ließ das Wasser mittelst der Hitze der Quelle
verdampfen.
Industrie, Handel, Verkehr.
Ein Salzwerk dieser Art wurde bei Reykjanes in der Isafjardar
Sysla im Jahre 1773 eingerichtet und hat mehrere Jahre hindurch aus
gezeichnet gutes Salz gegeben. Das Meerwasser wurde durch Pumpen
in Rinnen und vermittelst dieser nach einem größeren Reservoir geleitet,
das sich unter Dach befand. Von hier aus wurde es dann in die ein
zelnen Sudpfannen geleitet, die in Häusern errichtet waren, wo das
heiße Wasser aus 30 Öffnungen hervorsprudelte. Diese Saline umfasste
nicht wenig Gebäude, wurde aber nach dreizehnjährigem Betrieb wieder
aufgelassen, da das Unternehmen nicht rentierte. Eine andere Saline hat
man bei Reykholar in der Bardastrandar Sysla (auf der Nordseite des
Breicfifjörcfur) errichten wollen, da die heißen Quellen hier so zahlreich sind,
dass man meinte, 24 Pfannen errichten und 125 Tonnen Salz monatlich
gewinnen zu können; der Versuch musste jedoch wieder aufgegeben
werden, da nicht nur der Transport des Salzes von der Saline bis zum
Meeresstrande, sondern auch die Weiterbeförderung des Salzes zu Schiffe
mit zu großen Schwierigkeiten verbunden gewesen wäre. Es ist im Inter
esse der Isländer um so mehr zu bedauern, dass solche Unternehmungen
regelmäßig an Transportschwierigkeiten scheitern, als das darauf ver
wendete Capital reichlichen Gewinn ab werfen müsste, da ja die eigent
lichen Betriebskosten verhältnismäßig sehr gering, der Verbrauch an
Salz aber in Island selbst ungemein bedeutend ist, nämlich nicht
weniger als dreißig bis vierzigtausend Tonnen jährlich.
Von einer K u n st in d u strie kann bei den Islän
dern natürlich noch weniger die Rede sein, als von den
gewöhnlichen Industrie-Zweigen, obschon es, wie schon
oben bemerkt, an der nöthigen Geschicklichkeit nicht
fehlen würde, wie verschiedene Erzeugnisse der Gold- und
Silberarbeiter, der Schreiner u. s. w. beweisen.
In den Zeiten des Freistaates war es im Lande auch mit der
industriellen Production besser bestellt als jetzt; es wurden damals noch
manche Dinge im Lande selbst erzeugt, die später vom Auslande ein
geführt werden mussten und die Leute waren fleißig genug, nicht nur
viel mehr an Rohproducten, sondern auch an veredelten Waren her
vorzubringen als man für den Hausbedarf brauchte. Allerdings ist auch
schon damals Vieles eingeführt worden, was das Land selbst nicht her
vorbringen konnte, als: größeres Bauholz, Korn oder Mehl, Bier, Meth
u. s. w., aber es ist doch unzweifelhaft, dass die Isländer z. B. selbst das
394
Industrie, Handel, Verkehr.
Salz sich bereiteten (durch' Brennen von Tang, vgl. oben), welches
sie brauchten, dass sie das Eisenerz zu finden und auszuschmelzen ver
standen, welches sich in den Mooren fand, dass sie seihst Gerathschaften
und Waffen schmiedeten, Stricke und Fischleinen drehten u. s. w. —
lauter Gegenstände, die später eingeführt werden mussten. Ebenso wird
in den alten Sagas häufig nicht nur von der Ausfuhr von Fellen — eines
Rohprocluctes also — sondern auch des vadrnäl — eines Industrie-Artikels,
gesprochen; jetzt wird die Weberei nur noch in vereinzelten Bauernhöfen
als häusliche Arbeit betrieben, und die Ausfuhr des Frieses wie gestrick
ter Wollwaaren ist auf ein Minimum herabgesunken, während Tuch
und andere gewebte Wollwaren eingeführt werden. (Maurer.)
H an d el (isl. verzlun, f.). Der isländische Handel spielt
ebenfalls keine bedeutende Rolle, obschon derselbe jetzt
entschieden im Aufschwung begriffen ist. In der alten
Zeit wurde von den Isländern selbst lebhaft Handel
betrieben. Es kamen zwar beständig fremde Kaufleute,
besonders von Norwegen, nach Island; die Sagas erzählen
häufig von „Ostleuten“ (austmenn) — wie die Isländer die
Norweger nannten — welche mit fremden Waren nach
Island kamen, sich den Winter über dort aufhielten und
mit den Eingeborenen Handel trieben, um im nächsten
Jahre mit isländischen Waren wieder fortzusegeln. Aber
es ist doch auch häufig davon die Rede, wie die Isländer
selbst die Erzeugnisse ihres Landes nach dem Auslande
führten. Viele Häuptlinge oder Großbauern hatten ihr
eigenes Schiff, das sie im Auslande kaufen oder bauen
ließen oder einem fremden Schiffer, der nach Island ge
kommen, hier abkauften, oder das sie vielleicht von einem
ausländischen Häuptlinge zum Geschenke erhalten hatten.,
Minder Bemittelte kauften auch wohl statt eines ganzen
Schiffes nur einen Schiffsantheil, und betrieben den Handel
mit anderen auf gemeinsame Rechnung. Mit diesen Schiffen
segelten die Isländer nicht allein nach Norwegen, dem
nächsten und gewöhnlichen Markt, sondern auch nach den
andern nordischen Ländern, nach Russland, Norddeutsch
land, Erankreich und den britischen Inseln. Allerdings
geschah oft, ja in den häufigeren Fällen das Mitnehmen
von Waren bei solchen Fahrten weniger aus Speculation
auf Gewinn, als in der Absicht, durch den Verkauf der
selben eine Zeit lang für seinen eigenen Unterhalt zu
sorgen und im Übrigen einen anderen Beruf (z. B. Dicht
kunst oder Herrendienst) zu wählen, sobald die Gelegen
Industrie, Handel, Verkehr.
395
heit hiezu sich ergab. Gleichwohl war in alter Zeit der
Handelsverkehr Islands mit dem Auslande und besonders
Norwegen ein ziemlich reger — ein weitaus regerer wenig
stens als so lange Zeit hindurch später, da der isländische
Handel fast völlig darniederlag.
An dem Verfall des Handels trugen die schon mehr
mals erwähnten andauernden unglückseligen Handelsver
hältnisse während einer Reihe von Jahrhunderten die Schuld,
welche denn auch in Verbindung mit verderblichen Ele
mentarereignissen den allmählich fortschreitenden Ruin des
Landes verschuldet haben; namentlich der dänische Monopol
handel war, wie wir oben gesehen haben, für Island von
größtem Schaden und raubte dessen Bewohnern völlig alle
Lust und alles Interesse an dem Handel. Die Isländer
wurden schließlich des eigenen Handels so entwöhnt, dass
sie allen Sinn dafür verloren und denselben geradezu als
ungebührlich für sich an sahen.
Von 1786—1854 war endlich der Handel auf Island allen
dänischen Unterthanen erlaubt und seit 1854 ist derselbe
für jedermann freigegeben. Eine große Anzahl der islän
dischen Kaufleute sind noch immer Dänen. Doch bemühen
sich jetzt die Isländer, den Handel immer mehr in ihre
eigenen Hände zu bekommen, was ihnen mit der Zeit
auch gelingen dürfte; es käme dadurch der Gewinn, der
früher nach Dänemark gieng, mehr und mehr den Ein
geborenen selbst zugute. Dermalen ist Island mit seinem
Handel noch sehr an Dänemark gebunden; von dorther
kommen die meisten Schiffe sowie die meisten Waren
nach Island und die Hälfte aller Kaufleute sind wie gesagt,
noch immer Dänen.
Was den Aufschwung des isländischen Handels noch
am meisten hindert, ist eben der Umstand, dass der G eld
v e rk e h r auf Island ein so geringer ist. Das Verhältnis
zwischen dem Kaufmann und dem Bauer ist gewöhnlich
so geordnet, dass der letztere bei ersteigern auf Credit
nimmt, was er für die nächste Zeit braucht, und demselben
dafür verspricht, ihm eine gewisse Menge von Land- oder
Seewaren zu einem im Voraus bestimmten Preise zu liefern.
Ähnliche Verhältnisse können überall stattfinden. Aber
eigentümlich für Island und eine alte Überlieferung ist es,
Industrie, Handel, Verkehr.
396
dass man in der Regel dasjenige, was der Bauer bei dem
Kaufmann nimmt, gegen das, was er ihm liefert, beiläufig
aufgehen lässt, so dass das Geschäft ein reiner Tausch
handel ist und der Bauer gar kein oder doch nur wenig
bares Geld erhält und somit kein Capital sammeln kann.
Noch nachtheiliger ist das Abhängigkeitsverhältnis, in
welches der Bauer gewöhnlich dem Kaufmann gegenüber
zu stehen kommt, indem es diesem nicht schwer ist, eine
unzuverlässige Kundschaft abzustoßen, während der Bauer
sich nicht leicht von einem Kaufmann, mit dem er einmal
in geschäftliche Verbindung getreten ist, wieder losmachen
kann, abgesehen davon, dass dem Bauer an kleineren
Handelsplätzen keine Wahl bleibt, da dort gewöhnlich
nur ein einziger Kaufmann ist. Gerade diese Verhältnisse
sind es eben, welche es in hohem Grade wünschenswert
erscheinen lassen, dass der Handel in die Hände der Isländer
selbst gelange, und es haben sich denn auch zur Förderung
dieses Zweckes verschiedene H an d elsv erb in d u n g e n
gebildet, die zu der Bevölkerung in dasselbe Verhältnis
treten wie andere Kaufleute, jedoch mit dem Unterschiede,
dass der Gewinn, welchen der Handel abwirft, den Mit
gliedern (Actionären) in baarem Gelde ausbezahlt wird.
Die bedeutendste dieser Handelsgesellschaften ist das so
genannte „G ran u fe la g “ im Nordlande, welches seine
eigene Geschichte hat, die interessant genug ist, um hier
mitgetheilt zu werden.
Im Jahre 1868 strandete ein französisches Fischerschiff
im Eyjafjörcfur. Einige Männer kauften das Wrak. Da
dasselbe ein neues Schiff war und wenig Schaden genom
men hatte — es lag auf einer Sandbank in verhältnis
mäßig ruhigem Wasser — vereinigte sich eine Anzahl von
Männern aus der Umgebung, um dasselbe für sich zu er
werben und es für ausländischen Handel auszunützen. Es
wurde eine Gesellschaft zu 120 Actien gebildet, jede zu
25 Reichsthaler, die Statuten wurden am 23. August 1870
gesetzlich anerkannt. Das Schiff sollte nun flott gemacht
und in Stand gesetzt werden. Aber dies gieng nur lang
sam vonstatten, da die Kaufleute .in Akureyri keine Segel
und sonstiges Zugehör verkaufen wollten, so dass diese
Dinge vom Auslande bezogen werden mussten. Inzwischen
Industrie, Handel, Verkehr.
397
blieb das Schiff an seinem Platze liegen und erwartete
seine Bestimmung: man machte sich über das ganze Unter
nehmen lustig und nannte das Schiff „die graue S tu te “
(grana, f.). Als dasselbe endlich fertig war und einen islän
dischen Namen erhalten sollte, ließen ihm die Eigenthümer
seinen Spottnamen „Grana“, den auch die Gesellschaft selbst
(„Granufelag“) annahm. Diese wurde jetzt auch vergrößert,
so dass die Anzahl der Actien 160, das eingezahlte Capital
8000 Kronen betrug. Im Jahre 1872 stieg die Anzahl
der Actien auf 450 (d. h. 22.500 Kronen), im Jahre 1875
besaßen 876 Mitglieder 1345 Actien, die ein. eingezahltes
Capital von 67.250 Kronen repräsentierten. Die Handels
geschäfte sind durch den Geschäftsführer der Gesellschaft,
den früheren Bauern, jetzt Landtagsabgeordneten Tryggvi
Gunnarsson, so gut geleitet worden, dass jährlich auf jede
Actie 6 Procent Gewinn entfiel, im Jahre 1875 außerdem
ein Reservefond von 24.000 Kr. gesammelt war und die
Gesellschaft, überdies das Schiff Grana, Handelsbuden und
Warenniederlagen im Werte von 91.250 Kr. besaß. Am
Ende des Jahres 1876 war durch den Beitritt vieler Bauern
in der Nor3ur Müla Sysla die Zahl der Actien der Gesell
schaft bereits auf ca 2000, der Cours derselben aber von
50 Kr. auf 80 Kr. gestiegen, so dass das Capital der
Gesellschaft 160.000 Kr. ausmachte. Der Umsatz betrug
in den Jahren 1875—1876 250.000—300.000 Kr. Zu Neu
jahr 1880 hatte das gesammte Vermögen der Gesellschaft
einen Wert von 504.210 Kronen; die Zahl der Actien
betrug 1893, der Cours derselben war 100 Kronen 23 Öre.
Dabei blieb aber die Gesellschaft auch von Verlusten nicht
frei. Im Jahre 1883 wurde bestimmt, dass die Zahl der
Actien 2000 nicht übersteigen dürfe. Die Gesellschaft
besitzt nun auch fünf Handelsplätze auf der Insel: näm
lich Vestdalseyri, Raufarhöfn, Oddeyri, Siglufjördur und
Hofsös sowie ein zweites Handelsschiff ,.Rosa“; außerdem
miethet sie alljährlich mehrere Schiffe. Dieser Fortschritt
ist vor Allem der Tüchtigkeit und dem Eifer wie nicht
minder der Gewissenhaftigkeit des Geschäftsführers zu
verdanken, der auch sonst Proben seltenen Edelmuthes
geliefert hat. Durch dieses Unternehmen ist auch der
Grund zur Wiedererstehung einer isländischen H an d els
Industrie, Handel, Verkehr.
398
flo tte gelegt worden. Der Mangel an einer solchen
— wieder eine Folge sinkenden Wohlstandes und er
lahmter Thätigkeit — ist der tiefere Grund aller früheren
Übelstände des Handels, und wir haben gesehen, wie die
früheren Versuche der Regierung, denselben abzuhelfen, an
der Unfähigkeit der Einwohner, sich selbst zu helfen, ge
strandet sind. Qbschon seitdem nicht wenige Kaufleute
Isländer von Geburt sind und sich als Isländer fühlen,
so dass ihre Schiffe als isländisches Eigenthum betrach
tet werden können, so sind diese doch stets zur dänischen
Handelsflotte gerechnet worden, und es war schwer, junge
Isländer zu bewegen, als Matrosen und Steuermänner
Dienst an Bord zu nehmen. Doch ist hierin in den letzten
Jahren ein erfreulicher Umschwung eingetreten, indem
nicht wenige Isländer angefangen haben auf die See zu
gehen und zwar nicht nur mit der Gräna, sondern auch
mit ausländischen Schiffen. Das Hindernis hat wesentlich
darin gelegen, dass dies etwas Neues war, dann vielleicht
auch in einer gewissen Unlust, sich der an Bord eines
Schiffes nothwendigen Manneszucht zu unterwerfen, da ja
die Isländer die Freiheit über Alles lieben. Sie sind jedoch
im Allgemeinen ein so abgehärtetes und muthiges Volk,
dass sie gewiss auch heute noch eben so tüchtige See
fahrer abgeben würden, wie es ihre Vorfahren in der
Vikingerzeit gewesen sind. *)
Der Handelsverkehr auf Island ist am besten aus der
folgenden Zusammenstellung der exportierten und wichtig
sten importierten Artikel in den letzten Jahren zu ersehen.
Wir theilen zu diesem Behufe die letzte uns bekannt
gewordene Übersicht der Aus- und Einfuhr (in den Jahren
1878 und 1879) mit.**)
A u sg efü h rt wurden in den Jahren:
1878
1879
Pferde . .
368
1.281
Schafe .
3,694
4.452
. Pfd’ 1,480.222 1,558.603
Gereinigte Wolle
*) C. Rosenberg*, a. a. 0. 155—158.
**) Aus: „Almanak liins islenzka hjodvünafelags um arid 1885.“
Kaupmannaliöfn, 1884. S. 66—67.
399
1879
1878
Ungereinigte Wolle
. Pfd. 113.605 147.287
Pökelfleisch
1,630.049 2,357.865
389.382 439.890
T alg...................................
Eingesalzene Schaffelle (mit der
W o lle )......................... Stück 35.977
53.319
Lammfelle .
10.488
17.585
. Pfd.
Daunen . .
5.277
6.984
Andere Federn . .
8.728
13.150
Eingesalzene Fische
9,330.200 10,586.503
Eingesalzene Schellfische .
1,724.172 1,614.284
Hartfische.........................
281.250 196.146
Tonnen
9.482
Thran
10.735
. Pfd.
Hausenblasen .
7.938
22.487
Tonnen
Eingesalz. Rogen
2.727
2.241
, Pfd.
7.470
Lachse . . . .
66.638
Tonnen
Eingesalz. Häringe
8.783
3.621
. Paar
Strümpfe und dgl. .
17.287
63.851
5.361
Fäustlinge, Handschuhe .
35.421
E in g e fü h rt wurden in den Jahren:
1878
1879
Roggen und Roggen mehl. . Pfd. 7,347.592 6,767.347
G e rste ..............................
„1,956.294 1,703.395
Hülsenfrüchte .
634.765 596.290
Reis .
. . . . .
887.757 925.908
Brot . . . . Wert in Kronen
95.880 111.301
Kaffeebohnen .
. Pfd. 371.531 387.534
Kaffeesurrogate .
170.054 177.686
Zucker (jeder Art) .
610.830 702.979
130.866 129 379
Tabak (jeder Art) .
B ranntw ein.................... . Maß 305.967 351.555
Weine und sonstige geistige Getränke . . . . . . Maß
61.854 52.348
Leinwand . . Wert in Kronen 271.306 277.150
Salz . .
.
Tonnen 42.960 49.664
Steinöl . . ........................ . Maß 91.266 111.661
Häute und Leder Wert in Kronen 56.291
53.302
Taue und Angelschnüre . . Pfd.
84.957
89.229
Eisenwaren . . Wert in Kronen 172.034 169.322
Industrie, Handel, Verkehr.
*
11
71
71
11
11
ii
11
ii
ii
ii
400
Industrie, Handel, Verkehr.
1878
1879
Eisen und Stahl . . . . . . Pfcl. 123.668 122.147
Holz.................... Wert in Kronen
40.899 30.840
Bretter und Bauholz . . Klafter 130.901 147.116
Im Jahre 1882 betrug der Handelsverkehr nach dem
Werte und zwar die Einfuhr 4,045.000, die Ausfuhr
3,767.000 Kronen.
H a n d e lso rte mit fest ansässigen Kaufleuten gibt
es auf Island über dreißig und außerdem einige Häfen, in
denen Handel getrieben werden darf. Die größten Handels
orte sind, wie schon erwähnt: Reykjavik, Isafjördur und
Akureyri* es folgen dann im Range Sey9isfjör9ur, Hafnarfjördur und Stykkishölmur • ferner sind noch zu nennen:
Berufjör9ur, Bildudalur, Bordeyri, Bräkarpollur, Büdir,
Dingeyri, Eskifjör9ur, Eyrarbakki, Flatey, Grundarfjördur, Hofsös, Hornafjar9arös, Hüsavik, Keflavik, Olafsvik, Papafjardarös, Vatneyri, Raufarhöfn, Reykjarfjör9ur,
Saudärkrokur, Siglufjördur, Skagaströnd, Skagi, Straumfjördur, Yestmannaeyjar, Vopnafjördur, Dörshöfn, Önundarfjördur, die Mündung der Jökulsa a Solhaimasandi,
Köpasker in Melrakkasletta, Fjallahöfn in Kelduhverfi,
Stokkseyri, Grimsey, Skar9sstö3, Bakkafjördur, Sveinseyri,
Selnessbot, Hruteyri u. a. Manche dieser Orte sind zwar
autorisierte Handelsplätze, werden jedoch als solche nicht
benützt.
Geld, Maß und G ew icht sind auf Island dasselbe
wie in Dänemark. (Vgl. oben S. 353). Das Volk rechnet
aber im täglichen Verkehr noch gerne nach „landaurar“.
Die Landaurar-Rechnung stammt noch aus der ältesten Zeit, wo
die Goden den Preis der inländischen wie ausländischen Waren
bestimmten; es wurde hiebei die Elle „vadmäl“ (Fries) als Maßeinheit
zugrunde gelegt, welches damals das gesetzliche Bezahlungsmittel war.
Ein „Hundert“ (hundrad, n.) war = 120, ein „Tausend“ Quisund, f.)
= 1200*) Ellen gewöhnlichen vadmals. Dem „Hundert“ gewöhnlichen
vadmäls stand gleich das „kugildi“ (d. h. der Wert einer marktgän
gigen Kuh). 6 Ellen vadmals waren gleichwertig mit einer Unze
(eyrir, plur. aurar, m.), ein Hundert (Ellen vadmäls) daher = 20 aurar.
1 Elle war = 2 Fische, (denn auch der getrocknete Fisch war ein
Bezahlungsmittel; es sollte jedoch jeder Fisch 4 Mark wiegen). 1 alte
*) Über diese Zählung der alten Nordländer vgl. P o estio n , Ein
leitung in das Stud. des Altnord. I. Theil, §. 89, Anmerkung.
401
Industrie, Handel, Verkehr.
Mark (mörk, f., pl. merkr) war = 48. Ellen, als G e w ich t oder
G eld = 8 aurar oder 16 Loth ( ‘/2 Pfund); 1 eyrir (Unze) war als
Geld oder Gewicht = V8 mörk = 3 örtugar. Eine Mark reinen oder
„gebrannten“ Silbers jedoch galt 60 aurar oder 360 Ellen vadmäls, eine
Mark reinen Goldes 480 aurar oder 2880 Ellen vadmals. Die Elle
(älin, f.) hatte eine Länge von einem halben englischen Yard oder
17J/? Zoll dänisch. Die Länge des gesetzlichen Maßes war, wie es heißt,
auf der Wand der Kirche von Dingvellir verzeichnet. Um das Jahr 1200
wurde das gesetzliche Längenmaß mit 2 alten Ellen bestimmt. Vom
15. Jalirh. angefangen, als der Handel mit den Deutschen zunahm, maß
man nach der hamburger Elle, die später auch „die isländische Elle“ ge
nannt wurde; sie war ca 22 Zoll lang und blieb bis 1776 in Gebrauch.
Der in lä n d isc h e Handel ist wie in der alten Zeit
auch in der Gegenwart von geringer Bedeutung; was ja
begreiflich ist, wenn man bedenkt, wie gering einerseits
die Bevölkerung und wie schwierig andererseits jeder
Transport zu Lande ist.
V erk e h r (isl. samgöngur, f. pl.). In der älteren Zeit
ist für die Herstellung leidlicher Wege (isl. vegur, m.)
entschieden mehr geschehen als in der späteren, die
allerneueste Zeit ausgenommen. Man hatte z. Th. sehr
kunstreich eingerichtete Brücken über Flüsse und Seen,
dann auch eine bedeutende Anzahl von Fähren (ferjur)
und es pflegte für die Erhaltung solcher Brücken und
Fähren sogar durch besondere Stiftungen gesorgt zu
werden. Dann aber gerieth das Wegwesen in Verfall und
selbst heute noch ist es auf Island um die V e rk e h rs
v e rh ä ltn isse im Allgemeinen sehr schlecht bestellt. Der
Verkehr zu Lande ist noch immer außerordentlich be
schwerlich. Es gibt nur wenig Wege, welche eine Ver
bindung zwischen den weiter von einander entfernten
Landestheilen herstellen. Von Straßen ist gar keine Rede.
Selbst die in den letzten Jahren hergestellten Wege sind
keine Fahrwege, sondern für die auf Island gebräuchliche
Beförderung zu Pferde eingerichtet. Dieselben sind oft
nichts Anderes als von den Pferdehufen ausgetretene
Pfade. Sie werden von Zeit zu Zeit von den Steinen
gesäubert; aber das hilft wenig, da sie statt erhöht ange
legt zu sein, vertieft sind. Dabei machen» dieselben oft die
unnöthigsten Krümmungen. Dazu kommt noch, dass die
Erhaltung der Wege ungemein kostspielig ist, da das
Klima in auffallender Weise zerstörend auf dieselben ein
P o e s t io n , Island.
26
Industrie, Handel, Verkehr.
402
wirkt. Die Schlechtigkeit der isländischen Wege ist denn
auch sogar im Lande selbst sprichwörtlich geworden. Die
Isländer wussten z. B. bis auf die neueste Zeit einem
Feinde nichts Schlimmeres zu wünschen, als dass er „auf
dem Hrütafjardarhals sitzen“ möge (einem früher beinahe un
passierbaren Gebirgsweg im Nordlande; vgl. oben S. 92 ff.);
in einem isländischen Liede heißt es auch, dass es auf der
sogenannten Hjaltadalsheidi im Skagafjördur selbst der
Teufel nicht auslialten könne. Da aber ein lebhafterer
Verkehr zwischen den verschiedenen Theilen des Landes
für dieses sehr wichtig ist, beschäftigt sich das Aljnngi nun
schon seit längerer Zeit mit der Herstellung angemessenerer
Communicationsverhältnisse, die aber, wie gesagt, bei dem
Missverhältnisse zwischen der dünnen Bevölkerung und der
ungeheuren Entfernung große Schwierigkeiten bereitet.
So wurden schon durch eine Verordnung vom 15. März
1861. die Wege in allgemeiner benutzte „Landwege“ und
in mehr locale „Nebenwege“ eingetheilt; es wurde ferner
bestimmt, dass die Bevölkerung für die ersteren Wege
nach gewissen Regeln ein Weggeld bezahlen sollte,
welches sich für das ganze Land auf ungefähr 14,500 Kr.
belief, während jede Commune für die Wege Sorge tragen
sollte, welche innerhalb ihres Gebietes liegen. Bei der
Durchführung dieser wohlgemeinten Reform zeigte es sich
indessen bald, dass die Gebirgswege verachlässigt wurden.
Als das Al]}mgi gesetzgebende Macht erhalten hatte, be
schäftigte es sich daher sofort' wieder mit dieser Angelegen
heit. Es wurde ein neues Gesetz ausgearbeitet, das auch
am 15. October 1875 die Sanction des Königs erhielt;
durch dasselbe wurden die Wege in zwei Hauptkategorien
eingetheilt, nämlich in Gebirgswege und Landwege, wovon
die letzteren wieder in Sysselwege und Gemeindewege
zerfielen. Die Gemeindewege wurden auf dieselbe Weise
behandelt wie die früheren, mit diesen identischen Neben
wege. Die Abgabe, welche früher für die Landwege ent
richtet wurde, verwendete man jetzt für die Verbesserung
der Sysselwege. Die Erhaltung der Gebirgswege hingegen
übernahm die Landescasse. Man ließ somit im Grunde
die alte Ordnung bestehen, bewilligte ^iber außerdem eine
jährliche, ziemlich bedeutende Summe zur Instandsetzung
403
der Gebirgswege mit spezieller Rücksicht auf die Post
route. Seit 1875 hat. das Aljringi im Ganzen 143.000 Kr.
für diesen Zweck bewilligt. Lange Gebirgswege zwischen
den verschiedenen Gegenden des Landes sind neu her
gestellt oder wieder in Stand gesetzt worden, so z. B. allein
im Süd- und Westlande die Wege über die HellisheiSi,
durch den Kaldidalur, über die Holtavör3uhei3i, die Brattabrekka, die Laxardalshei3i, die Haukadalshei3i, die Dorskafjar3arhei3i, die Mosfellshei3i.
Gleichwohl lassen die isländischen Wege noch immer
viel zu wünschen übrig, und selbst die in den letzteren
Jahren hergestellten Wege sind, wie gesagt, nicht zu Fahr
wegen eingerichtet worden. Man kann wohl überhaupt
nicht hoffen, dass auf Island bessere Wege hergestellt
werden, bevor die Bevölkerung nicht zehnfach so groß ist
als jetzt. Es scheinen übrigens doch auch die neuen
Wege nicht gut angelegt worden zu sein. Dieses Bedenken
bestimmte ja auch vor zwei Jahren das AIJnngi, eine Summe
zu bewilligen, um vom Auslande einen tüchtigen Wegbauer
kommen zu lassen zur Anlegung neuer und Verbesserung
der alten Wege. Die besten Wege befinden sich gegen
wärtig, wie natürlich, in der Gullbringu Sysla und zwar
in der Umgebung der Hauptstadt Reykjavik.
Die wichtigsten W ege zur Verbindung des Nordlandes
mit dem Südlande sind:
Der H o 11av ö r 3 u h e i 3 i - W e g, ein verhältnismäßig
kurzer und bequemer Wreg über diese zwischen dem Nordurärdalur und dem Hrutafjör3ur gelegene ]Hei3i.
Der G rfm stu n g n ah ei3 i-W eg . Derselbe führt
von der Dingvallasveit aus durch den Kaldidalur und von
da nach Kalmanstunga und in nordöstlicher Richtung
über die ArnarvatnsheiSi. Beim Arnarvatn (-See) theilt er
sich in" zwei Wege, von denen der eine in nördlicher
Richtung über die G rim stü n g n ah ei3 i hinab in den
Vatnsdalur, der andere in östlicher Richtung über den
Störisandur zum Skagafj ör5ur hinab führt.
Der K ja lv e g u r oder K jölur, einer der längsten
und beschwerlichsten Gebirgswege Islands, welcher schon
in der ersten Zeit der Besiedelung des Landes benützt
wurde, verbindet die oberen Gegenden der Arnes Sysla
Industrie, Handel, Verkehr.
26*
Industrie, Handel, Verkehr.
404
mit der Hunavatns- und der Skagafjar9ar Sysla. Der Aus
gangspunkt für eine Reise nach dem Nordlande auf diesem
gegen 20 Meilen langen Weg ist, gewöhnlich Hamarsholt,
im Hrunamanna-hreppur in der Arnes Sysla. Man folgt
von hier aus dem östlichen Ufer der Hvita nach Norden;
an mehreren Orten sieht man die Überreste alter, ver
lassener Höfe und die Gegend scheint im Ganzen nicht so
besonders abschreckend zu sein; gegen Nordost, am Süd
ende des Hofsjökull (Blagnypujökull) hat man die hohen,
zackigen, schneebedeckten Kerlingar-Berge, bemerkens
wert wegen ihrer warmen Quellen. Nachdem man beim
Fosslsekur gerastet, übersetzt man die J ö k u lk v isl einen
vom Hofsjökull kommenden Zufluss der Hvita, und jen
seits desselben nähert man sich nun der Mittelpartie des
Weges, dem zwischen dem Langjökull und dem Hofsjökull
liegenden Kj alh rau n , aus dem das Kj alfell und weiter
nördlich das Düfufell emporragen. Noch weiter nördlich
befindet sich ein grasreiches Thal, der H vin verj adalur,
welches in alter Zeit gerne als Raststätte benützt wurde
und für den Reisenden wegen der hier befindlichen, höchst
merkwürdigen heißen Quellen (Hveravellir vgl. oben S. 152)
in hohem Grade interessant ist. Außer dem Wege über
das Lavafeld findet sich auch ein solcher östlich von dem
selben, welcher der bessere sein soll. Nördlich vom Lava
felde befindet sich eine weitere Raststelle (Biskupstünga).
Hier passiert man die Blanda und der Weg setzt sich nun
gegen Norden zur Hunavatns- und Skagafjardar Sysla.
fort. Beim Düfufell zweigt sich rechts der V atn ah jallav eg u r ab, der in nordöstlicher Richtung zum Eyjafjörcfur
hinab führt; derselbe wird jedoch nur selten benützt. Auch
der K ja lv e g u r ist schon fast ganz außer Gebrauch ge
kommen wozu nicht wenig die traurige Begebenheit bei
trug, dass im Herbste des Jahres 1780 fünf Menschen und
200 Schafe auf der Wanderung nach dem Nordlande hier
umkamen.
Der S p re n g isa n d sv e g u r (Sprengisandur heißt
diese Sandwüste, weil der Weg, der über dieselbe an einem
Tage zurückgelegt werden muss, so lang ist, dass man
befürchten muss, die Pferde todtzureiten
sprengja —)
in den Sagas: Sandr oder Gasasandr, ist gleichfalls ein
405
höchst beschwerlicher und gefährlicher Weg. Der südliche
Ausgangspunkt desselben ist gewöhnlich die nordöstlichste
Gegend der Arnes Sysla (der Gnüpverja hreppur). Man
passiert dann zuerst das längst verwüstete Djörsar-Thal
und schlägt hierauf westlich von der Djörsa eine nord
östliche Richtung ein. Südwestlich vom Anarfellsjökull
(Hofsjökull) pflegt man über die Pjörsa zu setzen (durch
die Furt bei Söleyjarhöfdi), da der Weg zwischen dem
Arnarfellsjökull und der Pjorsa wegen der vielen vom
Gletscher kommenden Quellenflüsse der letzteren sehr be
schwerlich ist. Wählt man hingegen diesen letzten Weg,
so trifft man einen Rastplatz am Fuße des Arnarfell; östlich
von der Pjörsä, beiläufig in gleicher Linie mit dem
Arnarfell, findet sich ebenfalls Gras (der Platz heißt Eyvindarkofaver), bisweilen auch auf dem etwas nördlicher
gelegenen Tömasarhagi. Sodann aber kommen nur ganz
unfruchtbare Strecken — der eigentliche S p ren g isan dur — bis Kidagil oberhalb des Bardardalur in der SudurPingeyjar Sysla. Diese lange öde Strecke, die kaum in
weniger als 20 Stunden zurückgelegt werden kann, ist es,
welche den Sprengisandsvegur so gefährlich und beschwerlich
macht. Nach dem forcierten Ritt durch die Wüste müssen
die Pferde einen Tag lang rasten und es kann somit der
ganze Weg kaum in weniger als 3—4 Tagen zurückgelegt
werden. Weiter gegen Norden läuft der Weg ungefähr
parallel mit dem Skjalfandafljöt, doch etwas westlich von
demselben.
Nach dem O stland e führt vom Südlande aus:
der V a tn a jö k u ls v e g u r (oder die Bardargata)
durch das V o n arsk ard nördlich vom Vatnajökull, ein
langer und ebenfalls höchst beschwerlicher Weg, der darum
auch so gut wie gar nicht benützt wird. Früher reiste
man häufig vom Jökulsdalur nördlich über das Odadahraun
zum Kidagil (vgl. z. B, Hrafnkelssaga Cap. 7); diesen
Weg nahmen besonders gerne die Bischöfe von Skalholt,
wenn sie Visitationsreisen unternahmen, und zwar noch im
17. Jahrhundert.*)
Industrie, Handel, Verkehr.
*) Kaaiund a. a. 0. II. 350—351.
406
Industrie, Handel, Verkehr.
Der Weg vom N o rd la n d e nach dem Ostlande führt
über das Myvatnsörsefi und die Jökulsa a fjöllum und man
muss dann entweder direct östlich über den Diriimifjallgardur hinab nach dem Vopnafjörcfur oder in südlicher
Richtung zum Mödrudalur und von da hinab in den Jökulsdalur.
An den Gebirgswegen sind häufig sogenannte „W ar
ten “ (isl. varcfa, f. und var3i, m., auch kerling, f. =
altes Weib genannt) nämlich kegelförmige Stein- oder
Rasen-Haufen aufgeführt, welche dem Reisenden, besonders
im Winter, als Wegweiser dienen sollen.*) Eigentliche
Wirtshäuser findet man auf diesen Wegen nicht. Doch
gibt es jetzt hie und da auf den Hauptwegen Häuser, wo
man einkehren und Lebensmittel kaufen kann. Auch
S c h u tz h ä u se r (isl. sseluhüs, n. d. h. Seligkeitshaus, weil
ursprünglich — in der katholischen Zeit — in wohlthätiger
Absicht errichtet, um durch diese Wohlthat die Seligkeit
zu erlangen) zur Erholung für die Reisenden trifft man
nur wenige.
B rü ck en sind, wie wir bereits gesehen haben, auf
Island ebenfalls nur selten anzutreffen. Erst in den letzten
Jahren wurden deren mehrere errichtet; über diese und
andere Verkehrsmittel, über die Flüsse vgl. oben S. 164 ff.
Hingegen gibt es, wie bereits öfter erwähnt, zahlreiche und
gute H äfen, besonders in VestfirSir; die bekanntesten
und besten sind die von Reykjavik, IsafjörSur (Pollurinn),
Siglufj ör3ur, Stykkishölmur, Akureyri, Djüpivogur u. A.
Auf Cap Reykjanes befindet sich ein L e u c h tth u rm
(isl. viti, m.), der einzige auf Island.
Das Verkehrsmittel der T e le g ra p h ie ist auf Island
unbekannt, obschon es für den Handel von großem Nutzen
wäre; insbesonders aber würde die Verbindung Islands*)
*) Die Isländer fügen in solche Warten gerne einen von-den hier
häufig als Überreste von Mahlzeiten der Reisenden herumliegenden Knochen
ein, in den sie ein Blatt Papier oder dgl. mit einigen improvisierten Versen
— gewöhnlich persönlichen, boshaften oder schlüpfrigen Inhaltes und auf
eine bestimmte Person abzielend, von der man erwartet, dass sie die
Verse zuerst lesen werde — verbergen; man nennt eine solche Warte
dann „beinakerling“. Diese Sitte der Isländer ist sehr alt und erinnert
noch an die früheren „N id versevgl. hierüber P o estio n , „Das T yr
fin g schw ert. Eine altnordische Waffensage.“ S. P25.
407
mit Kopenhagen und England durch ein Kabel von weittragender Bedeutung für den ' isländischen Handel sein.
Der Verkehr mit dem Auslande wird durch regel
mäßige Post-Dampfschiffahrten zwischen Kopenhagen und
Island vermittelt, (vgl. oben S. 353.) Das erste Post
dampfschiff kam im Jahre 1858 nach Island. Außerdem
legt gegenwärtig von Ende Mai bis Anfang September der
im Besitze der Leither Bhederfirma Mrs. Slimon befindliche
Schraubendampfer „Camoens“ den Weg von Leith nach
Reykjavik in der Zeit von je 4 Tagen 6 mal hin und zurück
und besorgt auch die Beförderung der Briefpost. Die letztere
geschieht auch gelegentlich durch französische Schiffe.
Industrie, Handel, Verkehr.
Zu näherer Orientirung über die Dauer der Fahrt des Postdampf
schiffes von Kopenhagen nach Island und retour beziehungsweise nach
und von Reykjavik oder um die Insel sei der diesbezügliche officielle
Fahrplan der „Vereinigten Dampfschiffs-Gesellschaft“ pro 1885 samint
dazugehörenden Anmerkungen, die wir vorausschicken, mitgetlieilt:
A n m erk u n g 1. Die Abfahrtszeit von Kopenhagen und Reyk
javik ist fest bestimmt; für die Zwischenstationen ist die fr ü h e ste Ab
fahrtszeit angegeben; doch muss der Reisende darauf vorbereitet sein,
dass die Abfahrt von diesen »Stationen erst später stattfindet.- Unter
günstigen Umständen kann die Ankunft in Reykjavik und Kopenhagen
um einige Tage früher erfolgen, sonst aber selbstverständlich auch später.
Der Aufenthalt in den Zwischenstationen ist, vorausgesetzt, dass die
Naturverhältnisse überhaupt ein Anlaufen derselben gestatten, nur so
kurz als möglich, und es wird besonders darauf aufmerksam gemacht,
dass Stykkisholmur, Skagaströnd und Berufjördur nur angelaufen werden,
wenn Wind und Wetter es gestatten.
A n m erk u n g 2. Die „V estm a n n a ey j ar (Heimaey) werden auf
jeder Fahrt südlich um das Land angelaufen, insoweit die Verhältnisse
es gestatten, und nach der Ankunft in Reykjavik wird von hier aus
jedesmal eine Tour nach H afn a r fj ördur unternommen, wenn eine
hinreichende Ladung dahin vorhanden ist.
A nm erkung- 3. Ferner wird K la k sv ig (auf der kleinen Insel
Borö, welche zu den Färöern gehört) angelaufen: auf der 2. Fahrt
(tour und retour) und auf der 3. und 12. Fahrt (tour), sowie endlich,
wenn eine lohnende Fracht angemeldet ist, auf der 6. und 8. Fahrt
(tour und retour).
A n m erk u n g 4. Wenn das Schiff auf der Tour um ganz Island
durch Eis verhindert wird, die festgesetzte Route einzuhalten, werden
die Passagiere nach unzugänglichen Orten in dem nächsten zugänglichen
Hafen abgesetzt oder dieselben können auch, wenn sie es vorziehen, in
einem anderen Hafen an’s Land gehen. Eine Rückzahlung’ des Fahr
geldes findet jedoch in keinem Falle statt und das Kostgeld muss von
den Passagieren für die ganze Zeit bezahlt werden, während der sie sich
an Bord befinden.
Industrie, Handel, Vermehr.
Von K openhagen nach Island.
2. | 3. | 4.
5. | 6. | 7. | 8. | 9. | 10. | 11. | 12.
A b fah rt von
1.
Kopenhagen ................... 15. Jan. 1. Mcärz 18.Apr. 5. Mai 28 Mai 13. Juni^ 1. Juli 18. Juli 1. Aug. 29. Aug. 27. Spt, 8. Nov.
Granton.......................... 19. „ 5. „ 22. „ 9. „ 1.Juni 17. „ 5. „ 22. „ 5. „ 2. Sept. l.Oct. 12. „
19. „
24. „ 11. „
24. „ 7. „ 4- „ 4.' *
Trangisvaag\ , s
22. Jan. 8. März 25. „ 11. „ 3. Juni ‘) 19. „ 7. Juli 24. „ 8. „ 5. „ 5. „ 15.Nov.
Thorsliavn . / ^ '
11. „
Berufj ördur (Djupivogur)
* ;
9. Juli
Eskifj ördur.....................
10. Aug.
11. „
14. Mai 12. „
10. „
10. „ 6. Sept
Vopnafj ördur.................
14. „
11. „
io. „
14. Juni
Husavik..........................
11. „
Eyj afj ördur (Akureyri)
16. Mai 16. „
13. Juli
13. „ 9. Sept
SiVlufj ördur...................
13. „
13. „
16. „
Saudärkrokur.................
13. „
16. Mai 17. „
13. „ 9. Sept
Skagaströnd...................
14. „
14. „ 10. „
17. „ 17. „
Reykj arfj ördur.............
17. „
14. „
19. „ 18.Juni
16. „
15. Aug. 11. Spt.
Isafj ördur........................
Önundarfj ördur(Flateyri)
19. „
16. „ 11. „’)
17. „
Dyrafj ördur (Dingeyri)
16. „ 11. „
20. „ 19. Juni
17. „
Arnarfj ördur (Bilduclalur)
20. „
17. „
18. Juli
12.Spl 2)
Patreksfj ördur (Vatneyri)
20. „
...........1
21. „
Flatey..............................
9.1-• Mai—• 21
Stykkisholmur...............
19. Juli
18. Aug. 12 Spt
“- ’ ..
1An k u n f t in Reykjavik 26. Jan. 14. März 30. Apr.|25. „ |25. „ 25. Juni|25. „ |28. Juli |20. „ 16. „ ll.Oet. 21.Nov.
1) Das Schiff fährt von hier direct nach Reykjavik, kommt dortam 7. Juni an, fährt am 9. d. M. wieder
auf derselben Route zurück, landet in Beruf] ördur und setzt dann die Fahrt um die Insel an dem angezeigten
Termine fort. 2) Diese Stationen werden nur angelaufen, wenn hinreichende Ladung angemeldet ist.
“
77
O
ca
Von Isla n d nach K openhagen.
10 .
8
12
11 .
6.
A b fah rt von
.3. | 4. | ö.
Reykjavik....................... 3. Febr. 22.März G. Mai 1. Juui 1. Juli 29. Juni 31. Juli 5. Aug 29.Aug 24. Spt. 18. Oct 2 9 .N o v .
29. „ 24. „
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Stykkisholmur...............
1. „ 21..
Flatey..............................
31. „
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Patreksfj ördur (Vatneyri)
2. „
30 Aug.
Arnarfj ördur (Büdu dalur)
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„
30. „ 25. Spt.
3. „ 3. Juli
1. Aug
Dy rafj ördur (Edngeyri)
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2 . ,,
Önundarfj ördur (Flateyri)
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l.Sept. 28. „
5. „ 5.
Isafj Ördur........................
4. „
Reykjarfj ördur...............
1• »
4. Aug,
Skagaströnd....................
6 Juni 5. Juli
1.
6. 5.
Saudarkrokur.................
4. „
2. „„ 28.Spl.J)
7.
6.
5. „
Siglufj ördur....................
2.5. ,„; 30. „
10.
Eyjafj ördur (Akureyri). .
9.
8.
„
5. „
Husasvik..........................
9.
10.
8. Aug.
Vopnafj ördur.................
G.Sept. 2. Oct.
12. Juni 1 2 .
10. „
Seydisfjördur. ...............
12 .
Eskifj ördur......................
10. „
,6. „ 3. „
I
12. Juni 13.
Berufj ördur (Djupivogur)
1 7. „
1. Juli 11. Aug. 7. Aug. 8. „ 5. Oct. 21. Oct. 2. Dec
14.
Thorshavn........................ 6. Febr 25.März 9. Mai 13.
Trangisvaag . ..................
10
2
14.
8. 14.9. „„ 8.6. „„ 25. Oct. 6. Dec.
Granton............................ 9. Febr 29.März|l3. — 18.
19. Juli 6. 15. Aug. 11
A nkunft in Kopenhagen) 15. — |6. April|17. — |24. „ |24. „ |il. „ 121. „ |l7. „ j20. „ 114. „ 30. „ 12.
1) Diese Stationen werden nur angelaufen, wenn hinreichende Ladung angemeldet ist.
Industrie, Handel, Verkehr.
.
__________
.
—
.
„
.
„
4 10
Das Süclamt. .
Topographie.
Das Südamt.
Das Südamt umfasst die folgenden Syslur: Gullbringuund Kjösar Sysla, Borgarfjardar S., Arnes S., Rängarvalla S., Skaptafells S., und Yestmanneyja S. Die ge
stimmte Einwohnerzahl betrug im Jahre 1880*) 26.503
gegen 25.063 im Jahre 1870, 23.137 im Jahre 1860, 20.677
im Jahre 1840 und 17.160 im Jahre 1801.
G u llb rin g u - und K jö sar S y s 1a.
In politischer wie in historischer Beziehung gebührt
der Gullbringu Sysla, d. h. der „goldbringenden“ Sysla (so
genannt wegen des einträglichen Fischfanges hier) der
Vorrang vor den übrigen Sysseln. Reykjavik, welches in
dieser Sysla liegt, vereinigt alle Spitzen der verschiedenen
Verwaltungen des Landes, ist der Sitz des Al]>mgi und
zugleich die erste Handelsstadt der Insel, so dass es gewisser
maßen den Mittelpunkt bildet, um den alle übrigen Landestheile sich ordnen. Die Gullbringu Sysla ist auch nicht
nur im Verhältnis zu ihrem geringen Flächeninhalte, son
dern überhaupt die bevölkertste Sysla Islands, indem sie
bei der Volkszählung im Jahre 1880 nicht weniger als
6951 Einwohner hatte, wovon freilich 2567 auf Reykjavik
allein entfielen. Diese Sysla ist aber auch geschichtlich
wichtig, da sie den wesentlichen Theil der Landstrecken
umfasst,, welche der erste und berühmteste nordische An
siedler In g 6lfr in Besitz nahm, der sich bekanntlich selbst
in Reykjavik niederließ und dem Orte diesen Namen gab
(vgl. oben S. 286). Zu ihrer so hervorragenden Bedeu
tung ist aber die Gullbringu Sysla erst in diesem. Jahr
hundert gelangt zugleich mit dem Aufblühen von Reyk
javik, das ja auch erst in dieses Jahrhundert fällt. Im
Jahre 1801 betrug, die Einwohnerzahl der Sysla nur 2896
(gegen 4625 der Arnes Sysla, 4030 der Rangarvalla Sysla,
3895 der Isafjardar Sysla, 3146 der SkagafjarcJar Sysla,
*) „Statistiske Meddelelser“, 3die Rsekke, VI. Juni 1883.
411
3366 der Eyjafjardar Sysla und 3119 der Dingeyjar Sysla);
im Jahre 1840 betrug die Einwohnerzahl schon 4190, im Jahre
1860 aber 5112, und im Jahre 1870 bereits 5998 Seelen.
Die Gullbringu Sysla nimmt die ganze Halbinsel
Reykjanes und außerdem noch die beiden kleinen Land
zungen Alptanes und Seltjarnarn.es ein, ist aber schon seit
langer Zeit mit der viel kleineren Kjösar Sysla zu einem
Jurisdictionsgebiete verbunden. Die beiden Syslur haben
zusammen einen Flächeninhalt von 36 □ Meilen und zähl
ten im Jahre 1880 8227 Einwohner, wovon 6951 auf die
Gr.-, 1276 auf die K. Sysla entfielen. (Im Jahre 1801 zählte
die Kjösar Sysla 1109, im Jahre 1840 1190, im J.-1860
1333, im J. 1870 1328 Einwohner). Die Gullbringu Svsla
besteht aus 6 Communen (hreppar); dieselben sind: Grindavikur hreppur, Hafna hr., Rosmhvalanes hr., Vatnsleysustrandar hr., Alptanes hr. und Seltjarnarnes hr. Die
Stadt Reykjavik bildet eine Communne und einen Juris
dictionsbezirk für sich.
Die K jö sar Svsla, welche nach der Landschaft
Kj ös (d. h. von hohen Bergen dicht eingeschlossenes Thal)
benannt ist, wird gegen Westen hin vom innersten Theil des
Faxafjördur, gegen Korden vom Hvalfjördur begrenzt; sie
besteht nur aus den 3 Gemeinden: Mosfellssveit, Kjalarnes
hreppur und Kjösar hr. Der landschaftliche Charakter der
Kjösar Sysla ist viel freundlicher als der der Gullbringu
Sysla, wo nur Stein- und Lavaboden vorhanden ist.
Die K irc h sp ie le der Gullbringu- und Kj ösar Sysla
sind: Reykjavik, Stadt (jetzt ca 3000 Seelen), Reykjavik,
Umgebung (454 S.)*), Gufunes incl. Videy (202 S.), Mosfell
(273 S.), Brautarholt (232 S.), Saurbser (235 S.), Reynivellir
(334 S.), Bessastadir (600 S.), Gardar (789 S.), Kälfatjörn
(756 S.), Njardvik (252 S.), Ütskalar (800 S.), Hvalsnes
(325 S.), Kirkjuvogur (143 S.), Stadur i Grindavik (223 S.),
Krisuvik (42 S.).
Die wichtigsten Orte in den vereinigten Syslur sind:
Reykjavik, Kaufstadt, zugleich der Hauptort von
Island, liegt an der südwestlichen Küste der Insel und
Das Südamt.
*) Die Anzahl der Seelen ist bei allen Kirchspielen außer der
Stadt Reykjavik nach der Volkszählungsliste von 1880 angegeben.
Das Südamt.
412
zwar in der südöstlichen Ecke des Meerbusens Faxaflöi,
auf der Nordseite der kleinen Landzunge Seltjarnarnes.
Obschon die Hauptstadt im Vergleich zu den größeren
Städten anderer Länder sich wie ein Dorf ausnimmt, so
muss sie doch im Hinblicke auf die ganzen Verhältnisse
Islands als ein recht ansehnlicher Ort bezeichnet werden.
Reykjavik — auf Island häufig auch abgekürzt Vi k genannt
— zählt jetzt circa 3000 (mit der Umgebung ca 3500)
Einwohner und 237 Häuser; wie rasch hier aber die Be
völkerungsziffer und damit zugleich die Anzahl der Häuser
steigt, kann man daraus ersehen, dass die „Stadt“ im Jahre
1801 nur 307, im Jahre 1840 890, im Jahre 1860 1444,
im Jahre 1870 2024 und im Jahre 1880 2567 Einwohner
hatte. Dazu ist zu bemerken, dass Reykjavik erst gegen
Ende des vorigen Jahrhunderts zum Hauptorte der Insel
bestimmt worden ist.
Die Stadt liegt am Meere und hat eine sehr gute
Rhede. Der ansehnlichste Theil von Reykjavik befindet
sich in einer kleinen Versenkung zwischen zwei Hügeln,
der übrige Theil auf den flachen Abhängen dieser Hügel.
Das Areal, welches die Stadt einnimmt, ist im Verhältnis
zur Zahl der Häuser und der Einwohner sehr groß, was
sich dadurch erklärt, dass die Häuser nicht dicht anein
ander gebaut sind, sondern fast jedes für sich steht und
von einem eingezäunten Hofplatz oder einem kleinen Ge
müsegarten umgeben ist. Außerhalb der eigentlichen Stadt
befinden sich ringsum Gruppen von kleinen, aus Rasen
stücken erbauten Häusern, den sogenannten „bseir“, welche
den zahlreichen Fischern als Wohnungen dienen. Von den
Häusern der Stadt selbst sind 197 kleine, einstöckige Holz
häuser mit Riegelwänden. Wenn man sich einmal an die
Bretterverkleidung gewöhnt hat, machen die Häuschen,
hübsch angestrichen und sauber gehalten, einen recht
freundlichen Eindruck. 38 neuere Häuser sind aus islän
dischem Dolerit erbaut, der sich sehr gut bewährt. Zwei
Gebäude sind aus Ziegelsteinen aufgeführt. Da aber die
Ziegel eingeführt werden müssen, kommt ein solcher Bau
sehr hoch zu. stehen; außerdem sind Ziegelbauten auf
Island infolge des rauhen Klima*s nicht dauerhaft. An
S tra ß e n hat Reykjavik die alte „Hauptstraße“ (A9al-
413
strseti), im westlichen Theile der Stadt, von der sich die
Oststraße (Austurstrseti) im oberen Stadttheile und die
Hafenstraße (Hafnarstrseti) am nördlichen Ende derselben
(nach dem Meere zu) abzweigen und zwar beide in öst
licher Richtung. Die Hafenstraße ist die längste Verkehrs
ader. An ihr liegen die Consulate, die meisten Kaufläden
und die drei „Hotels“ („Hotel Island“, „Hotel Alexandra“,
„Hotel Reykjavik“). Außerdem gibt es noch andere mehr
oder weniger bebaute Gassen und Wege, darunter auch
eine „Ingölfsstraße“. Die meisten derselben sind leidlich
gerade und ebenso wie die Wege in der Umgebung der
Stadt in ziemlich gutem Zustande. Am südlichen Ende
der Stadt liegt ein kleiner See, dessen Abfluss, einen Bach
bildend, mitten durch die Stadt fließt und in das Meer
mündet. Zwischen dem oberen Theile der Hauptstraße,
der Oststraße und der Häuserreihe westlich vom Bache
liegt ein viereckiger, mit Gras bewachsener Platz, der so
genannte O stp la tz (Austurvöllur), in dessen Mitte sich
eine Bronce-Statue, den berühmten isländischen Bildhauer
Thorvaldsen darstellend, befindet, welche den Isländern
von der Kopenhagener Commune zum Geschenk gemacht
wurde. Vor der Rhede liegt die kleine Insel E ffe rse y
(Orfirisey), welche durch eine unterseeische Landzunge,
die aber zur Zeit der Ebbe trocken liegt, mit dem Lande
verbunden ist. Auf dieser Insel befanden sich bis zum
Jahre 1780 Handelshäuser.
Als Hauptstadt des Landes ist Reykjavik der Ver
sammlungsort des AIJnngi (des Landtages), der Sitz der
obersten Behörden, des Bischofs von Island u. s. w. An
Schulen und wissenschaftlichen Anstalten befinden sich
hier: die vorzügliche Lateinschule (Gymnasium), die medicinische und die theologische Schule, eine Communalvolksschule, eine Mädchenschule, die Landesbibliothek, die Bi
bliothek der Lateinschule, ein Antiquitäten-Museum. Reyk
javik ist ferner der Sitz der einen Abtheilung der „islän
dischen Literaturgesellschaft,“ des „Vereines der Volks
freunde“ und des r Alterthums Vereines“. Hier erscheinen
aiich mehrere musterhaft ausgestattete Zeitungen, denen
nicht weniger als drei Buchdruckereien zur Verfügung
stehen.
Das Süclamt.
4 14
Das Südamt.
Die bemerkenswertesten Gebäude und Sehenswürdig
keiten von Reykjavik sind: Die (protestantische) „Dom
kirche“, aus isländischem Stein und Ziegeln erbaut, aus
dem Ende des vorigen Jahrhunderts stammend und im
Jahre 1847 umgebaut, ein verhältnismäßig recht ansehn
liches Gebäude, das ungefähr 300—400 Personen fassen
kann. Das Innere ist höchst einfach und bietet daher, wie
die protestantischen Kirchen im Allgemeinen, keine inter
essanten Sehenswürdigkeiten dar, ausgenommen einen herr
lichen Taufstein aus Marmor, ein ausgezeichnetes Kunst
werk von Tborvaldsen. Neben der Domkirche befindet
sich das Aljringigebäude, ein schönes, edles, einstückiges
Gebäude aus behauenem isländischen Stein, das erst vor
einigen Jahren erbaut worden ist und in dem außer den
Räumlichkeiten für den Landtag auch die Landesbiblio
thek und das Antiquitäten-Museum untergebracht sind; jetzt
geht man auch mit dem Plane um, daselbst eine kleine
Gemäldegalerie einzurichten. Die Bibliothek der Latein
schule befindet sich in einem eigenen Gebäude aus Stein,
das ein großmüthiger Engländer der Schule zum Geschenke
gemacht hat. Das Schulgebäude selbst ist ein Holzbau
und als solcher der ansehnlichste der Stadt. Noch sind
bemerkenswert das Haus des Landeshauptmannes, das
Gefängnis und das Gebäude der Communalschule, welche
sämmtlich aus isländischem Stein hergestellt sind.
Eine Anzahl neuer Häuser werden fortwährend ge
baut, wie denn überhaupt Reykjavik gerade in den letzten
Jahren stetig zunimmt, namentlich durch das Zuströmen
von Eingeborenen aus den übrigen Theilen des Landes.
Die günstige Lage der Stadt für Fischerei und Handel
und infolge dessen leichtere Erlangung von Arbeit be
stimmt viele Leute, sich hier niederzulassen; besonders
Bauern, die in den letzten harten Jahren verarmt sind,
haben hier ihre letzte Zufluchtsstätte gesucht. Aber nicht
nur arme, sondern auch verschiedene wohlhabende Leute
haben sich hier niedergelassen, um die Annehmlichkeiten
des „Stadtlebens“ zu genießen. Hieraus folgt, dass, trotz
dem jährlich außer einer bedeutenden Anzahl von Erd
häusern über zwanzig Häuser aus Stein oder Holz erbaut
wrerden, doch beständig Mangel an Wohnungen herrscht
415
und die Einwohnerzahl 3000 bald weit überstiegen haben
wird; seit Beginn dieses Jahrhunderts, wo die Stadt nur
300 Einwohner zählte, hat sich also die Anzahl derselben
verzehnfacht. Eine Institution, die nicht wenig zum Auf
blühen der Stadt beigetragen hat, ist die städtische Sparcasse, welche vor elf Jahren gegründet wurde und nun
Tausende von Interessenten zählt, deren gesammte Ein
lagen sich auf mehr als 300.000 Kronen belaufen.
Was das gesellschaftliche Leben in Reykjavik betrifft,
so ist dasselbe anregend und lebhaft, da die Stadt im Ver
hältnis zu ihrer Größe eine nicht unbedeutende Intelligenz
besitzt, indem ja alle höheren Beamten, sowie die Lehrer
der drei höheren Bildungsanstalten in Reykjavik ihren
Wohnsitz haben. In den Wintermonaten besonders, wäh
rend welcher Island von der übrigen Welt ganz ab
geschlossen ist, wird für mannigfache Zerstreuung, als:
Theatervorstellungen, Bälle u. dgl. Sorge getragen. Es
haben sich auch zwei Clubs gebildet, die —jeder für sich —
zweimal monatlich Zusammenkünfte veranstalten. Doch soll
kleinstädtisches Cliquewesen auch in Reykjavik eine Rolle
spielen und die feinere Gesellschaft in kleine geschlossene
Kreise zersplittern.
In landschaftlicher Beziehung bietet Reykjavik selbst
keinerlei Reize dar, wie ja der ganze Landstrich, in dem
die Stadt gelegen ist, von der Natur sehr vernachlässigt
erscheint. Hingegen ist der Ausblick von Reykjavik gegen
Norden ein ungemein prachtvoller. Ein guter Aussichts
punkt befindet sich auf dem östlichen der beiden Hügel,
zwischen denen sich Reykjavik ausbreitet. Es ist hier ein
eigener kleiner, viereckiger Aussichtsthurm, die sogenannte
„Schulwarte“ (skölavarcfa, weil ursprünglich von den Schü
lern der Lateinschule angelegt) errichtet worden. Ein herr
licher Naturgenuss ist es auch, in einer heiteren Sommer
nacht eine Kahnfahrt auf dem Meere zu unternehmen.
Man kann auf derselben Fahrt die Sonne unter- und bald
darauf wieder aufgehen sehen. (Vgl. oben S. 39).
Das Südamt.
Recht lohnend sind einige Ausflüge in die Umgehung von Reyk
javik, so eine einstündige Nachenfahrt nach der Insel A kurey,. nord
westlich von Reykjavik, auf welcher der Seepapagei in unglaublicher
Menge brütet (s. oben S. 270), eine Excursion mit einem Segelschiff
416
Das Südamt.
nach der Insel V idey, einem Haupt-Brutplatze der Eiderenten, früher mit
Kloster und Buchdruckerei 5 ein gut halbstündiger Spaziergang’ zu den
heißen Quellen, der „großen Waschküche von Reykjavik“, ein längerer.
Ausflug zu dem historisch berühmten und auch landschaftlich schönen
Dingvalla-See und endlich eine zweitägige Excursion zu den „brennen
den Bergen“ von Krisuvik (s. oben.S. 157).
Südlich von Reykjavik, auf der Landzunge Alptanes liegt B e s s a sta öir. Hier befand sich eine Zeit lang (von 1805— 1846) die Latein
schule. Bessastadir gehörte einst zu den Besitzungen des bekannten
Geschichtschreibers Snorri Sturluson. Es wurde nach der Ermordung
Snorri’s von König Häkon von Norwegen in Besitz genommen. Hier
wohnten später der Stiftsamtmann, der Amtmann, der Landesvogt und
andere officielle Persönlichkeiten. Die Kirche ist nach isländischen
Begriffen ziemlich ansehnlich und aus behauenen Steinen erbaut. Im
vorigen Jahrhundert wurde im Hofe Lambhus ein astronomisches Obser
vatorium errichtet, das aber bald wieder aufgelassen und später als
Lehrerwohnung benützt wurde. Weiter südwestlich auf Alptanes liegt
Gar dar mit Kirche und Pfarrhof; hier wurde in alter Zeit Ackerbau
getrieben. H afn a rfj ördur, etwas weiter gegen Südwest, ist ein ziem
lich bedeutender Handelsplatz, mit kleinem aber gutem Hafen. Dieser
Handelsplatz ist zahlreich bewohnt. Die Häuser stehen in einer Reihe,
eines neben dem andern, am Strande erbaut und gewähren einen recht
freundlichen Anblick. Zu Hafnarfj ördur gehört auch F le n sb o r g mit
einer sogenannten „Jünglingsschule“. Auffallend ist es, dass an diesem
Orte sich keine Kirche befindet. — Andere bedeutendere oder historisch
merkwürdige Orte in der Gullbringu Sysla sind (außer K risu v ik ):
K e fla v ik (Handelsplatz; schlechter Hafen), G u fu sk alar, S tad u r
in der Landschaft Grindavik, der Hof K ir k ju b o l (interessant als
Schauplatz blutiger Ereignisse im 15. und 16. Jahrhundert). In der
K josar S ^ sla : M o sfell, in der Mitte des grasreichen Mosfellsdalur,
das gegen Norden von dem langgestreckten, früher wohl mit Moos
bewachsenen jetzt zum größten Theile nackten Mosfell (d. h. Moosberg), gegen Süden von dem eigenthümliclien, freiliegenden H e lg a fe ll
(d. h. lil. Berg) und anderen kleinen Bergen begrenzt ist. Hier ver
brachte der Dichter Egill Skalagrhnsson (f 990) seine letzten Lebens
jahre und wohnte etwas später der Häuptling Önundr, der Vater des
aus der Gunnlaugs Saga bekannten Dichters Hrafn. Am Fuße des
Helgafell, in der kleinen Landschaft Reykjahverfi, warme Quellen. —
Am Fuße des für den Geologen und Mineralogen interessanten E s j äBerges (mit einem Steinbruch, in dem Kalkspath gewonnen wird) befindet
sich der Hof E sju b erg, bei dem die erste, dem hl. Columba geweihte
Kirche Islands erbaut worden war. Man zeigt noch den Platz, wo die
selbe gestanden haben soll. In der Nähe wieder eine warme Quelle.
B 0 r g a r f j a r d a r S y s 1a.
Die Borgarfjardar Sysla, welche nach dem Borgarfjördur benannt ist, erstreckt sich vom Hvalfjördur und
der Botnsa bis zu der Hvita und dem Borgarfj ördur. Sie
nimmt einen Flächeninhalt von 32 [HMeilen ein und war
417
im Jahre 1880 von 2598 (im J. 1870 von 2590, im J. 1860
von 2251, im J. 1840 von 2155, im J. 1801 von 1877)
Menschen bewohnt.
Die G em einden in der Borgarfjardar Sysla sind:
der Akranes hreppur, der Skihnanna hr., der Strandar hr.,
der Leirar hr., der Skorradals hr., der Lundareykjadals hr.,
der Andakils hr., der Reykholtsdals hr., der Hälsa hr. Die
K irc h sp ie le sind: Saurbser (259 S.), Gardur (893 S.),
Melar (156 S.), Leira (140 S.), Hvanneyri (332 S.), Bser
(111 S.), Lundur (208 S.), Fitjar (91 S.), Reykholt
(333 S.), Störi-Äs (75 S.).
Das Südamt.
In der B or g arfj ar ö ar S y s 1a ist der merkwürdigste Ort R, ey kh o lt im Reykholtsclalur mit den warmen Quellen (vgl. S. 151). Hier
lebte und starb, 1241 von seinen Feinden ermordet, Snorri Sturluson. Süd
östlich vom jetzigen Hofe das warme Bad S n o rra la u g (s. oben S. 151.)
L eira war früher öfter der Sitz höherer Beamten. Auf dem Nachbar hofe Leirargardar wurde am Ende des vorigen Jahrhunderts eine Buch
druckerei errichtet. Dieselbe wurde später nach dem benachbarten Hofe
Beitistadir und endlich im Jahre 1819 nach der Insel Viöey verlegt.
— Der Pfarrliof Saurbm r ist bekannt durch den Psalmen dichter Hallgrhnur Petursson, der liier lebte. Man zeigt noch einen von ihm ge
weihten „Hallgrhnsbrunnen“, dem man heilende Kraft für Thiere und
Menschen zuschreibt. — Bemerkenswert sind außerdem noch der bebeutende Besitz: In n ri oder Id ri H olm ur, sowie,,der Handelsplatz
S k a g i am Lambhussund auf Akranes.
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'
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A rnes Sysla.
Die A rnes Sysla (über den Namen'••dbr-SySlaJ^L*'
S. 212), welche sich von der Djörsa bis einschlieBlicFzur
Landschaft Selvogur erstreckt, war früher die bevölkertste
Sysla' Islands. Dieselbe hatte bei einem Flächenraume
von 156 Q Meilen im Jahre 1801 4625, im J. 1840 5001,
im J. 1860 5409 im J. 1870 5891 und im Jahre 1880
6257 Bewohner. Sie besteht größtentheils aus niedrigen
morastigen und feuchten Gegenden, die wenngleich nicht
schön, doch sehr fruchtbar sind. Die ganze weite, gras
reiche Ebene südlich von Skälholt zwischen der Hvita
und der Djörsä heißt: Flöi, die Landschaft zwischen der
Hvita, Brüara, dem Sog-Flusse und dem_ Dingvallavatn:
G rim snes, diejenige westlich von der Ölfusä imd dem
Sog: 0 1f u s und weiter südwestlich: S e lv o g u r ; der
P o e s t io n . Island.
27
418
Das Südamt.
Landstrich zwischen der Hvita und der Bruara heißt:
B i s k u p s t u n g u r.
Die G e m e in d e n in der Arnes Sysla sind: der
Villingaholts hreppur, der Gaulverjabsejar h r, der Stokkseyrar hr. der Sandvikur hr.. der Hraungercfis hr., der
Skei3a hr., der Gnupverja (Eystri) hr., der Hrunamanna
(Ytri) hr., der Biskupstungna hr., der Grhnsnes hr., der
Dmgvalla hr., der Ölfus hr., der Selvogs hr
Die K irc h sp ie le sind: Villingaholt (306 S.), Hröarsholt (103 S-), HraungerSi (284 S.), Laugardaelir (310 S.),
Gaulverjabser (508 S.), Stokkseyri (846 S.), Kaldadarnes
(201 S.), Ölafsvellir (317 S.), Storinupur (238 S.), Hrepp^
holar (252 S.), Hruni (379 S-), -Tungufell (54 S.), Torfastadir (154 S.), Skaiholt (202 S.), Brsedratünga (104 S.),
Haukadalur (135 S.), Middalur (155 S.), Üthlid (103 S.),
Mosfell (251 S.), Klausturhölar (189 S.), Burfell (104 S.),
Dmgvellir (• 43 S.)> Ülfljotsvatn (147 S.), Arnarbseli
(232 S.), Hjalli (223 S.), Reykir (218 S.), Selvogur (99 S.).
■ In cler Arnes Sysla liegt die alte Aljnngis-Stätte D in g v e llir
(vgl. oben S. 299 und 215 ff.) Die ganze Gegend liier ist großartig und
eigenthümlicli. Über die Almannagja<und Hrafnagja vgl. S. 140—142
über die Öxara S. 216. Bevor die Oxara aus der Almannagja tritt,
passiert sie ein tiefes Bassin, welches man für den „Drckkingarhylur“
hält, in dem in alter Zeit Weiber, welche ihre Kinder umgebracht oder
einen Ehebruch begangen hatten, ertränkt wurden. Nördlich von dem
aus der Kluft getretenen Flusse befindet sich die Ebene, a v o die alte
Lögretta (vgl. S. 299) ihres Amtes Avaltete ; im 16. Jahrli. befand sicli
dieselbe auf dem Öxarärliohnur, um 1700 AArestlich vom Flusse. Hier
gibt es auch noch Überreste von Buden, die aber natürlich nicht aus'
der Zeit des Freistaates, sondern aus späteren Perioden stammen; ver
schiedene Buden lagen früher gerade gegenüber auf der östlichen Seite
des Flusses und Aveiter gegen Norden. Nördlich vom Hofe Bingvellir,
befinden sich ebenfalls zAvei Schluchten, die sehr tief und mit Wasser
angefüllt sind; die östliche Kluft heißt Nikulasargjä, die Avestliehe Flosagjä. Die beiden Klüfte A^ereinigen sich Aveiter nördlich zu einer ein
zigen großen Schlacht, die sich noch Aveit in nordnordöstlichen Kiehtung'
(unter dem Namen Flosagja) fortsetzt; dieselben schließen so eine
Landzunge (Lavaboden) ein. Die obere (nördliche) Hälfte dieser Land
zunge ist das alte „Lögberg“ mit der kleinen Erhöhung, a-oh dem aus
der Gesetzverkünder (lögsögumadr) dem auf dem Alpingi versammelten
Volke die Gesetze vortrug und erklärte.
_Südlich vom Lmgvallavatn liegt E yrarb ak k i, an der Mündung
der Olfusa; hier herrscht ziemlich lebhafter Handel, doch ist der Hafen
schlecht. Die Schifte müssen an beiden Seiten in den Sclieeren vertäut
Das Süclamt.
419
werden. Östlich von Dingvellir, in der Landschaft Biskupstungur, liegt
•S k alliolt, gerade gegenüber der Stelle, wo die Bruara sich in die
Hvfta ergießt. Skaiholt ist einer der historisch-denkwürdigsten Orte
Islands; hier wohnte um das Jahr 1000 Gizur liviti und später sein Sohn
tsleifur, der erste Bischof von Island (vgl. oben S. 301); hier residierten
die Bischöfe des Südlandes von 1056—1796; hier bestand auch eine
Lateinschule (errichtet 1553); dieselbe wurde aber im Jahre 1785 nach
Reykjavik verlegt. Auch eine Druckerei war hier eine Zeit lang
(1686'—1699) etabliert. Der Ort bestand früher aus einer ganzen Anzahl
von Häusern und einer Holzkirche; jetzt sieht man davon nur mehr
wenige Überreste. Von den wichtigen geschichtlichen Ereignissen, deren
■ Schauplatz Skalliolt war, sei nur erwähnt die Enthauptung des Bischofs
Jon Arason und seiner Söhne (1550). Die Landschaft Biskupstungur
ist bekannt wegen ihrer heißen Quellen (vgl. S. 144 ff.); hier befinden
sich, und zwar im Haukadalur, auch der G eysir und der S tro k k u r;
an den Haukadalur, insbesondere an den gleichnamigen Hof desselben,
knüpfen sich interessante geschichtliche und literarische Erinnerungen.
Hier war der Stammsitz des berühmten Geschlechtes der Haukdselir, das
in der Zeit vor dem Ende des Freistaates eine hervorragende politische
Rolle spielte. Hier verlebte „der Vater der isländischen Literatur,“ Ari,
der Weise (f 1148), seine Jugend. — Autorisierte Handelsplätze sind
außer Eyrarbakki noch S tok lysey ri in der Landschaft Floi und horla k sh ö fn in der Landschaft Ölfus.
R a n g a rv a lla S ysla
Die Rangarvalla Sysla, welche nach der Landschaft
Rangarvellir (vgl. S. 211) benannt ist, erstreckt sich von
der Djörsa bis zur Jökulsä a Sölheimasandi und hat einen
Flächeninhalt von 163 Q Meilen; sie war im Jahre 1880
von 5360, im J. 1870 von 5201, im J. 1860 von 5034,
im J. 1840 von 4589, im J. 1801 von 4030 Menschen be
wohnt. Der bewohnte Theil dieser Sysla ist. fast durch
wegs sehr fruchtbar; der Boden ist hier eben und trocken
und hat, zumeist üppigen Graswuchs. Die G em einden
in der Rangarvalla Sysla sind: der Eyjafjalla hreppur, der
Austur Landeyja hr , der Vestur Landeyja hr , der Fljötshlidar hr., der Hvolhreppur, der Rangarvalla hr., der
Holtamanna hr., der Landmanna hr. — Die K irc h sp iele
sind: Skögar (127 S.), Eyvindarhölar (215 S.), Steinar
(191 S>), Holt (335 S.), Störidalur (248 S.), Teigur (236 S.),
Eyvindarmuli (81 S.), Breidibölsta3ur (416 S.), Vocfmülasta<5ir (304 S.); Kross (422 S.), Sigluvik (274 S.), Storölfshvoll (205 S.), Oddi (550 S ), Keldur und Gunnarsholt
.(229 S.), Skard und Klofi (197 S.), Störuvellir (196 S ),
07*
Das Südamt.'
420
Arb sei- (152 S.), Hagi (137 S.), Marteinstünga (208 S.)?
As (103 S), Kälfholt (192 S ), Häfur (342 S.).
Der interessanteste Ort der Eangarvalla S)*sla ist der große und.
reiche Pfarrhof Oddi in der Landschaft Eangarvellir (vgl. S. 211).
Dieser Hof war in alter Zeit berühmt als bleibender Sitz höheren Unter
richts; ja er wurde als „der oberste Hauptsitz“ in geistiger Hinsicht,
auf der Insel gepriesen. Derselbe gehörte einst dem gelehrten Saemundr
Sigfusson (f 1133), dem mit Unrecht die Sammlung der alten Götter
und Heldenlieder, die unter dem Namen die „ältere“ oder „Ssemunds-Edda“ bekannt ist, zugeschrieben wird. Bei einem Enkel des Saemundr,.
Jon Loptsson, dem vornehmsten und mächtigsten Manne Islands zu.
seiner Zeit, ist der öfter genannte isländische Historiograph Snorri
Sturluson auferzogen worden. Das Geschlecht wurde nach dem Stamm
sitze „Oddverjar“ benannt. Eangarvellir und die östlich und südlich da
von gelegenen Landschaften sind der Hauptschauplatz der berühmten:
Njalssaga. — B r e i ö a b o l s t a d u r in der Landschaft Fljotshliö ist.
bekannt aus der Sturlungen-Zeit wegen eines Kampfes zwischen Oddverjar
und Haukdselir. — An den Hof Hl i da r e ndi knüpft sich die Er
innerung an den aus der Njalssaga bekannten Gunnarr Hamundarsom,
der hier wohnte und nach heldenmüthiger Vertheidigung gegen übermächtige Feinde im Kampfe fiel. Man zeigt noch einen Hügel, in dem
Gunnarr — sitzend — begraben sein soll. Hier lebte auch Bjarni
Thorarensen, Islands größter Dichter der Neuzeit. — In dieser S/sla
gibt es viele seltene Naturschönheiten, Landschaften sowohl wie Wasser
fälle, Grotten und dgl. Besonders die Umgegend des Hofes SeljalancL
in der Eyjafjallasveit ist sowohl landschaftlich wie geologisch und auch.,
botanisch außerordentlich interessant.
S k a p ta fe lls Sysla.
Diese Sysla besteht eigentlich aus zwei Jurisdictions
bezirken, der Vestur- und der Austur Skaptafells Syslar
steht aber unter einem einzigen Sysselmann. Sie umfasst
258 Q Meilen und hatte im Jahre 1880 3504, im J. 1870
3484, im J. 1860 3499, im J. 1840 3198, im J. 1801
2450 Bewohner. Sie erstreckt sich im Westen bis zur
Jökulsa a Sölheimasandi, im Osten bis zum höchsten Bücken
der Lönsheidi; die Grenze zwischen der Austur- und Vestur
Skaptafells Sysla bilden die Nüpsvötn. Benannt ist die
Sysla nach dem Skaptafell (d. i. Skaptarfell), einem Berg
(und Hof) in der Nähe des Ursprungs der Skapta. Die
ungeheuren Gletscher, welche diesen Landestheil bedecken,
lassen nur wenig bewohnbare Gegenden, zumeist schmalen
Küstenrand, übrig. Vulcanausbrüche und Gletscherläufe
haben diese Sysla schwer heimgesucht.
Das Südamt.
421
Die G em einden sind: der Bsejar hreppur, der Bjarnanes hr., der Borgarhafnar ln\, Örsefa hr. (Hofs hr.), der
Kleifa hr., der Leidvallar hr., der Dyrhöla hr.
Die K irch sp iele sind: Stafafell (278 S.), Bjarnanes
(209 S.), Hoffell (65 S.), Einholt (259 S.), Kalfafell i
Hornafirdi (255 S.), Hof (133 S.), Sandfell (76 S.), Kalfa
fell a Sicfu (130 S.), Kirkjubsejar-klaustur (541 S.), Lang
holt (399 S.) Buland (88 S.), Äs (97 S.), Dykkvabsejarklaustur (137 S.), Höfdabrekka (82 S.), ßeynir (373 S ),
Dyrholar (221 S.), Sölheimar (161 S.).
Erwähnenswert sind und zwar in der V e s t u r Skaptafells Sysla:
K irk ju b ser, Sitz des Sysselmanns, bis zur Reformation ein Bene
dictin er-Nonnenkloster; hier hielten sich irische Anachoreten auf und
siedelte sich auch der fromme Christ Ketill fiflski an (vgl. oben S. 293).
— H yk kvibaer; ehemals ein angesehenes Augustiner-Kloster, das
■ ebenfalls nach Einführung der Reformation aufgehoben wurde. Bei dem
Pfarrhof D y rh o la r der unter 63° 22' gelegene südlichste Punkt Islands:
D y rh o la e y , in der Schiffersprache: Cap Portland (vgl. oben S. 64).
„Wenn man mit dem Schiffe von England herkommt, sieht man, da
•die Dampfer hier dem Lande sehr nahe kommen, schon aus bedeutender
Ferne durch den Berg hindurch. Einige grotesk gestaltete, obelisken
förmige Felsenriffe umgeben die von zahlreichen Seevögeln bewohnte,
interessante Insel.“ Höchst interessant sind auch die V o g e lb e r g e
bei V l k und H öfd a b rek k a; Dr. Keilhack bemerkt darüber: „Wenn
in Brehm’s Thierleben von einem fast 2 h m langen, dicht mit Möven
besetzten Vogelberge Norwegens als von etwas einzig dastehendem ge
sprochen wird, so muss man nach Vik und Höfdabrekka gehen, um zu
•sehen, wie verschwindend die norwegischen Vogelberge gegen die isläin
■ dischen sind.“ — An der Mündung der Jökulsä ä Solheimasandi be
findet sich ein schlechter, seit 1880 autorisierter Handelsplatz. — In der
A u stu r Skaptafells Sysla sind die Mündungen des Hornafjördur —
H orn afj ard aros — und des Papafjördur — P ap afj ard aros —
autorisierte Handelsplätze.
V estm an n(a)eyja Sysla.
Obwohl nur eine der 14 Vestmannaeyjar (vgl. oben
S. 77) bewohnt ist-, und alle zusammen nur 03 □ Meilen
Flächeninhalt haben, bilden sie doch eine eigene Sysla
mit zwei Kirchspielen, Ofanleyti und Kirkjubser, für die
es aber jetzt nur 1 Kirche (die Landakirkja) gibt. Uber
den Namen dieser Inseln vgl. oben S. 285. Die bewohnte
Insel heißt H eim aey oder H eim alan d id ; sie war im
Jahre 1880 von 557 Menschen bewohnt (gegen 571 im
Das Westamt.
422
J. 1870, 499 im J. 1860, 354 im J. 1840 und 173 im J.
1801) ^ hier befindet sich ein recht bedeutender Handels
platz („Kaupstadur“) mit sehr gutem Hafen und dänischen
Kaufleuten, der besonders häufig von den 'Bewohnern
der Rangarvalla und der Vestur Skaptafells Sysla be
sucht wird, da es dort keine Häfen und nur einen ein
zigen, schlechten Handelsplatz gibt. Die Bewohner von
Heimaey leben fast ausschließlich von Fischerei und Vogel
fang. Auf dieser Insel erhebt sich ein Berg, der H eim ak le ttu r, bis zu einer Höhe von 916 Fuß, fast senkrecht
aus dem Meere emporsteigend. Östlich, beiläufig in der
Mitte der Insel, liegt ein alter Vulcan, H elgafell, der
viel Lava ausgeworfen hat.
Das Westamt.
Das Westamt umfasst: die Myra Sysla, die Hnappa
dals-Sysla, die Snsefellsnes Sysla, die Dala Sysla, die Bar5astrandar Sysla, die Isafjardar S)^sla und die Stranda
Sysla. Die Einwohnerzahl betrug im Jahre 1880 18.226,
im J. 1870 17.001, im J. 1860 16.960, im J. 1840 14.665,
im J. 1801 13.976.
Myra- und H n ap p ad als Sysla.
Diese beiden Syslur umfassen zusammen einen Flächenraum von 60 □ Meilen. Die Mj^ra S ysla (über den
Namen vgl. oben S. 96) erstreckt sich von der Hvitä
bis zur Hitä. Sie war im Jahre 1880 von 2328, im
J. 1870 von 2165, im J. 1860 von 2052, im J. 1840
von 1695, im J. 1801 von 1478 Menschen bewohnt Die
kleine H nap pad als Sysla, benannt nach dem Hnappa(ältere Knappa-)dalur, welcher wieder seinen Namen von
dem Colonisten Dorgils knappi, der sich -daselbst ansiedelte
(vgl. Landnäma S. 75) erhalten haben soll, beginnt bei
der Hitä und nimmt den südöstlichen Theil der Snsefellsnes-Halbinsel ein. Sie war im Jahre 1880 von 628, im
J. 1870 von 600, im J. 1860 von 611, im J. 1840 von
527 und im J. 1801 von 561 Menschen bewohnt.
Die G em einden in der Myra und Hnappadals Sysla
sind: der Hvitärsidu hreppur, der Dverärhlidar hr., der
423
Nordurärdals hr., der Stafholtstungna hr., der Borgar hr.,
der Älptanes hr., der Hraun hr., der Kolbeinstada hr.,
der Eyja hr., der Miklaholts hr.
Die K ir ch spi e 1e in der Myra-Sysla sind: Gilsbakki
(140 S.), Sidumuli (130 S.), Nordtunga (145 S.), Hvammur
(227 S.), Hjardarholt (119 S.), Stafholt (419 S.), Borg
(292 S,), Älptanes (271 S.), Älptartünga (152 S.), Stadarhraun (94 S.), Hytarclalur (63 S.), Hjörtsey (105 S.),
Akrar (171 S.). In der H n a p p ad als-S y sla: Krossholt
(92 S.), Kolbeinstadir (202 S.), Raudimelur (122 S.) und
Miklaholt (212 S.).
Das Westamt.
An bemerkenswerten Orten sei nur genannt: G ilsb a k k i, bekannt
als Heim des Dichters Gunnlaugr Schlangenzunge. In der M^ra Sysla
gibt es eine Menge interessanter Höhlen, darunter den berühmten Sur tsh ell ir (vgl. oben S. 139 ff.)
S ntefellsn es Sysla.
Der nicht von der H n a p p a d a 1s-S y s 1a eingenommene
Theil der Halbinsel Snsefellsnes bis zur Glj ufura, die sich in den
Hvammsfjördur ergießt, bildet die Snsefellsnes Sysla ; dieselbe
ist 28 Q Meilen groß und wurde im Jahre 1880 von 2644,
im J. 1870 von 2799, im J. 1860 von 2869, im J. 1840
von 3030 und im J. 1801 von 2974 Menschen bewohnt.
In der Snsefellsnes Sysla sind folgende G em einden:
die Stadarsveit, der Breidavikur hr., der Nes hreppur utan
Ennis, der Nes hr. innan Ennis, die Eyrarsveit, die Helgafellssveit, der Skögarstrandar hr.
Die K irch sp iele in der Snsefellsnes S)^sla sind:
Stadarstadur (320 S.), Budir und Knör (138 S.), Laugarbrekka und Einarslön (128 S.), Ingjaldshöll (392 S.),
Froda (322 S.), Setberg (339 S.) Bjarnarhöfn (91 S.), Hel
gafell- Stykkishölmur (568 S.), Narfeyri (192 S.), Breidabolstadur (154 S.).
In den Snsefellsnes Sysla befinden sich mehrere Handelsorte und.
Fischerdörfer. Unter den ersteren ist am bedeutendsten: S ty k k is liolm u r mit ca 300 Einwohnern und ca 20 Häusern (außer den gewöhn
lichen isländischen Häusern). Der Hafen liegt zwischen der Insel Sugandisey (vgl. S. 68) und dem Lande; derselbe ist zwar nicht groß, bietet
aber für kleinere Schiffe einen vortrefflichen Schutz. In Stykkishölmur
wohnen der Sysselmann, ein Arzt, der Pfarrer von Helgafell und meh
rere Kaufleute. Auch eine Apotheke befindet sich an diesem Orte, der
424
Das Westamt.
immer mein* auf blüht. J u le s L e d e r cq*) schreibt über denselben
u. A: „Stykkisholmur est- le plus joli endroit, que j’ai vuenlslande; les
maisons, peintes de toutes les couleurs, sont propres et coquettes comme
celles d’un village hollandais . . . Le site est extremement pittoresque;
Thorizon est borne par un vaste hemicycle de montagnes, une chaine
des Alpes en miniature.“ —. G rundarfj ördur, früher der bedeutendste
Handelsplatz der Snmfellsnes Sysla, ist nunmehr durch Stykkisholmur
ganz in den Schatten gestellt. — Andere Handelsorte in dieser S^sla
sind: B u d ir (dänisch: Budenstad) und O lafsvik . — Von den Fischer
dörfern sind bemerkenswert: S ta p i oder genauer A rn arstap i; bis
zum Beginn dieses Jahrhunderts ein Handelsplatz und 30 Jahre lang
der Sitz des Amtmanns für das Westland; jetzt ein armes Fischerdorf,
das nur wegen der verschiedenen Naturmerkwürdigkeiten in seiner Um
gebung (pittoreske Basaltformationen — vgl. oben S. 224 —, Höhlen und
Grotten, darunter den sogenannten „sönghellir“ d. li. Gesangshöhle, weil die
selbe jeden Ton mit starkem Schall zurückgibt u. dgl. m.) bekannt ist. —
Historisch interessant ist H e lg a fe ll auf der kleinen Halbinsel Borsnes,
wo Borolfr Mostrarskegg (vgl. S. 289) landete. Der Hof steht am (süd
lichen) Abhange des gleichnamigen Berges. Hier baute der Gode Snorri
eine der ersten Kirchen Islands. Gegen Ende des 12. Jahrh. wurde hier
ein Mönchskloster (des Augustinerordens) errichtet, (vgl. S. 301). Der
Pfarrer von Helgafell wohnt jetzt in Stykkisholmur. — Zur Snmfellsnes
Sysla g'ehört eine Anzahl von Inseln und Inselgruppen (vgl. S. 70);
davon ist B rok ey wegen seiner Fruchtbarkeit, Ö xney als Aufenthalts
ort des Entdeckers von Grönland, Eirikr raudi, besonders bekannt.
Zwischen Olafsey und dem Festlande befindet sich die starke Strömung'
Kollköstungur.
D ala Sysla.
Nach einer Reihe von Thälern, aus denen der süd
liche und größere Theil dieser Sysla besteht, der denn
auch schlechthin D a lir (in den Sagas gewöhnlich Breidafjardar dalir) genannt wird, hat die Dala Sysla ihren
Namen erhalten. Sie erstreckt sich von der Gljufurä auf
der Halbinsel Snsefellsnes bis zur Gljufura, welche in den
innersten Theil des Gilsijördur mündet, und umfasst einen
Flächenraum von 38 QMeilen, der im Jahre 1880 von
2357, im J. 1870 von 2190, im J. 1860 von 2223, im
J. 1840 von 1829 und im J. 1801 von 1592 Menschen
bewohnt war. Die Dala Sysla ist eine hübsche, grasreiche
Gegend, welche von sanften Hügelreihen (und dazwischen
liegenden Thälern) durchzogen wird, und nur gegen das
Innere des Landes hin niedrige Felsenberge zeigt.
*) La terre de glace. Paris, 1883.
425
Die Gremein den in der Dalä Sysla sind: der Hör3udals hr., der Micfdala ln\, der Haukadals hr., der Laxardals hr., die Hvammsveit, der Fellstrandar hr., der Skar3strandar hr., der Saurbsejar hr.
Die K irc h sp ie le sind: Snöksdalur (244 S.), Saudafell und Kvennabrekka (335 S.), Vatnshorn (220 8.), Hjardarholt (365 S.), Hvammur u. Sselingdalur (195 S.), Äsgar
dur (47 S.), Stadarfell (237 8.), Skard u. Budardalur
(208 S.), Dagverdarnes (197 S.), Stadarhöll (206 S.),
Hvoll (103 S.).
Das Westamt.
Der frühere Pfarrhof K ven n ab rek k a ist bemerkenswert als
Geburtsort des um die altnordische Literatur hochverdienten Arni Magnusson (geh. 1663, gest. 1730), der bei seinem Großvater von mütter
licher Seite, dem angesehenen Pfarrer Ketill Jörundarson in H vam m ur
(ebenfalls in der Dala Sysla) erzogen wurde. Hvammur ist auch der
Geburtsort des Geschichtschreibers Snorri Sturluson. — Zur Dala Sysla
gehören verschiedene Inselgruppen im Breidifjördur. Besondere Erwäh
nung verdient H rap p sev; auf dieser Insel wurde in der alten ZeitAckerbau getrieben; sonst ist dieselbe bekannt durch die Buchdruckerei,
welche in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts (von 1773—94)
hier etabliert war. Über Purkey, Skale}’, Skjaldarey, Fremri und Efri
Längey, Lambey, die Dimunarklakkar, Olafseyjar, Akurreyjar u. s. w.
vgl. S. 70 ff.
B ar3as trau dar Sysla.
Die BarSastrandar Sysla (benannt nach cler Gegend
Bardaströnd, die ihren Namen wohl dem in der Landnämabök wiederholt genannten Vorgebirge Bar5 verdankt,
das offenbar kein anderes ist als das heutige Latrabjarg)
erstreckt sich von der Gljüfura (Gilsfjör3ur) bis zur Langanesta jm Arnarfjör3ur und hat einen Flächeninhalt von
49 O Meilen. Im Jahre 1880 wurde dieselbe von 2857
Menschen bewohnt gegen 2699 im J. 1870, 2727 im J.
1860, 2382 im J. 1840 und 2494 im J. 1801. Die Bar3astrandar Sysla ist der südwestlichste Theil der großen
Halbinsel Ve-stfir3ir (vgl. S. 49 ff.); sie ist ziemlich gebir
gig, besitzt jedoch viele kleine, grasreiche Thäler. Auch
zu dieser Sysla gehören zahlreiche Inseln und Inselgruppen
(Vgl. S. 71—73).
Die G em einden in der BarSastrandar Sysla sind: der
Geiradais hr., die Reykhölasveit, die Gufudalssveit, der
Das Westamt.
426
Mula hi\, der Eyja hr., die Bar9aströnd, der Baudasands
hr., der Talknafjardar. ln\, der Dala hr., der Su9urfjar9a hr.
Die K irc h sp ie le sind: Sta9ur (120 S.), Garpsdalur
(162 S.), Reykhölar (224 S.), Gufudalur (249 S ), Muli
(142 S.), Flatey (376 S.), Hagi (224 S.), Brjämshekur
(141 .S.J, Saurbser (152 S.), Brei9avik (117 IS.), Selardalur (265 S.), Laugardalur (245 S.), Otrardalur (181 S.),
Sau91auksdalur (259 S.).
In der Baröastrandar Sysla liegen die Handelsorte und Postdampferstationen: Y a t n e y r i, (Patreksfjördur) und B i 1d u d a 1u r (Arnarfjördur).
Historisch interessant ist B rjäm slsek u r an der westlichen Küste des
Vatnsfj ördur; hier landete und wohnte F lö k i, welcher der Insel den
Namen gab, den sie noch heute führt (vgl. S. 283); in neuester Zeit ist
Brjämslsekur bekannt wegen der mächtigen Surtarbrands-Schichten, die
sich in seiner Umgebung vorfinden (vgl. S. 236). — Auch an den herr
lich auf einer Anhöhe gelegenen Hof R e y k h 61 a r, zu einem der bedeu
tendsten und reichsten Landgüter Islands gehörig, knüpfen sich inter
essante geschichtliche Reminiscenzen, auf die wir aber doch hier nicht
näher eingehen können. Rings um diese Anhöhe liegen warme Quellen, von
denen der K raflan d i die bedeutendste ist. Über den Versuch, dieselben
zur Salzgewinnung zu verwenden vgl. oben S. 393. — Von den zur Bardastrandar S/'sla gehörigen Inselgruppen bilden, die weiter vom Lande ent
fernten eine eigene Commune, den „Eyja hreppur“. Die bedeutendste und
auch sonst merkwürdigste Insel, um die sich die übrigen gruppieren, ist
F la te y , zugleich Handelsplatz und Station des Postdampfschiffes. Der
Hafen ist zwar klein, aber sicher. Hier befand sich in alter Zeit ein Kloster;
das im Jahre 1172 gestiftet, aber schon nach 12 Jahren nach Helga
fell verlegt wurde. Am bekanntesten ist die Insel Flatey durch die nach ihr
benannte „Flateyjarbok“, die größte altisländische Handschrift (Samm
lung von Sagas), die man kennt, geschrieben zwischen 1370—1380. —
Auf mehreren Inseln und Scheeren finden sich warme Quellen. — Die
B ja rn ey ja r (vgl. S. 73) gelten für den besten Fischerplatz im nörd
lichen Theile des Breidifjördur. — H e r g ilse y (vgl.. S. 72) ist eine
hübsche Basaltinsel.
Isafj ar 9ar S ysla
Die Isafjar9ar Sysla ist 72 Q Meilen groß; ihre
Grenzen sind südlich die Langanesta, nördlich der Geirolfs
gnupur. Dieselbe hatte im Jahre 1880, 5551, im J. 1870
4895, im J. 1860 4860, im J. 1840 3987 und im J. 1801
3895 Bewohner. Die ganze Sysla ist, wie Vestfir9ir über
haupt, äußerst gebirgig und rauh. Doch sind die Vestfir9ir
im Vergleich zu den übrigen Syslur in mancher Hinsicht
begünstigt; so z. B. blieben dieselben von den in Island
427
früher so häufigen Missjahren verschont. Die Bewohner
machen, obschon vielfach noch mehr an alten Sitten und
Anschauungen festhaltend als die übrigen Isländer, doch
den Eindruck eines lebhaften, aufgeweckten und verhält
nismäßig wohlhabenden Volkes. Indessen haben doch
auch die Vestfirdinger einen schlimmen Feind, und der
ist das grönländische Treibeis, das oft die Fjorde anfüllt
und die Küsten bis tief in den Sommer hinein blokiert hält.
Den interessantesten Theil der Vestfirdir, ja in gewisser
Hinsicht ganz Islands, bilden die Gegenden an dem Isafjardardjup. „Das Isafjardardjup, dieser abgeschlossene,
gegen den Ocean hinaus gewendete große Fjord, scheint
mit seinem reichen Thierleben von Fischen, Vögeln und
Seesäugethieren, mit seiner aufblühenden Kaufstadt, zu und
von welcher sich zahlreiche Boote bewegen, und mit seiner
in mehrfacher Hinsicht hoch stehenden Bevölkerung eine
kleine Welt für sich zu bilden. Rings um den Fjord
herum wird das ganze Jahr hindurch eifrig Landbau
und Fischerei betrieben*, die nicht besonders dichte
Bevölkerung ist für die einzelnen Besitzungen vortheilhaft
und der leichte Zugang zu Treibholz macht den Bau
der Höfe besser als gewöhnlich. Der Fjord ist berühmt
wegen seines Reichthums an Fischen, welche sogar in die
meisten Seitenfjorde hinein gehen. Doch soll sich die
großartige Fischerei im innern Theil des Fjordes erst im
letzten Menschenalter recht entwickelt haben, seit der
„vödusel“ (d. i. der grönländische Seehund), der sich
früher hier jeden Winter in großen Mengen aufhielt —
doch ohne hier seine Jungen zu werfen — auszubleiben
begann.“ (Kaalund).
Die G em einden in der Isafjardar Sysla sind : der
Audkulu hreppur, der Medaldals hr., der Myra hr., der
Mosvalla hr., der Sudureyrar hr., der Höls hr., der Eyrar
hr., der Sudavikur hr., der Ögur hr., der Reykjarfjardar
hr., der Nauteyrar hr., der Snsefjalla hr., der Grunnavikur
hi\, der Slettu hr.
Die Ki r ch sp i e 1e sind: Alptamyri (85 so, Rafnseyri
(190 S ), Sandar (325 S.), Hraun (93 S.), Myrar (235 S ),
Nüpur (131 S.), Sseböl (114 S.), Holt (440 S ), Kirkjubol
l Valjpjöfsdal (85 S.), Stadur f Sugandafirdi (177 S.), Eyri
Das Westamt.
428
Das Wes tarnt.
1 Skutulsfircfi (883 S ), Holl (346 S.). Eyri f Sey9isfir9i
(381 S.), Ögur (363 S.), Kirkjuböl f Laugarclal (413 S.),
Vatnsfjörcfur (302 S.), Stä9ur a Snsefjallaströnd (257 S.),
Sta9ur 1 Grunnavfk (342 S.), Stadur f A9alvfk (389 S.).
Eine besondere Commune mit besonderer Jurisdiction
bildet die „K au fstad t“ Isafjöröur („Isafjar9ar kaupstadur“) im Skutulsfjürcfur, nach Reykjavik der größte,
häuserreichste Ort Islands. Derselbe hatte im Jahre 1880
518 Einwohner (gegen 275 im Jahre 1870) und im Jahre
1881 55 Häuser (außer den isländischen „bsejar“); die
Ziffer der Bewohner wie der Häuser dürfte inzwischen aber
beträchtlich gestiegen sein. Die Stadt ist auf einer Sand
bank — der SkutulsfjarSar ey ri — erbaut, die sich in
südöstlicher Richtung in den Fjord hinaus erstreckt und
der gegenüberliegenden Küste so sehr nähert, dass an einer
einzelnen Stelle nur ein Durchgang von einigen Schiffs
längen übrig bleibt. Dadurch wird der innere Theil des
Fjordes zu einem vortrefflichen Hafen, der gegen 100
Schiffen -sicheren Schutz bietet. Der Hafen, wohl der beste
auf ganz Island, führt wegen seiner Abgeschlossenheit den
Namen „Pollurinn“ (d. h. der Teich). Übrigens gibt auch
der äußere Theil des Fjordes einen guten Ankerplatz ab.
Isafjör3ur ist Station des Postdampfers und Sitz des
Syslumadur, der zugleich Bürgermeister der Stadt ist,
sowie eines Arztes. Hier befindet sich auch eine Communalschule.
Andere Handelsplätze in der Isafjardar S)fsla sind: Die Postdampfer
stationen : F la te y r i (Önundarfj ördnr) und i n g e y r i (D^rafj örSur).
Auf der ziemlich langen aber schmalen Landzunge R eyk jan es, welche
den kleinen Reykjarfjördur vom Isafjördur trennt, befinden sich warme
Quellen, bei denen man in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts
eine Saline mit nicht wenig Gebäuden anlegte, die aber schon nach
13 Jahren wieder aufgelassen wurde (vgl. oben S. 393.) Im Isafjardardjup
liegt die bewohnte und wegen ihrer Schönheit und vieler anderer Vorzüge
bekannte Insel V ig u r (S. 73). „Die üppig grüne kleine Insel erhebt
sich gegen Norden in zwei kühnen, schön geformten Terrassen; gegen
Süden wird sie hingegen immer niedriger bis sie zuletzt wie ein Spieß
endet. Die Insel bietet ein hübsches Bild eines großen westländischen
Hofes dar, der mit all den Segnungen (Fischerei, Vogelzucht, üppigem
Graswuchs) ausgestattet ist, welche die Natur in diesen Gegenden zu
schenken vermag.“ (Kaalund.)
Das Nord- und Ostamt.
429
S tran d a Sysla.
Vom Geirolfsgnupur bis zur Hrutafjar9ara sich er
streckend, umfasst diese Sysla die lange aber schmale und
dünn bevölkerte Küstenstrecke, welche, eine Fortsetzung*
der beim Vorgebirge Kögur beginnenden „Strandir“
(d. h. Küsten) — durch das Cap Nord in Nordurstrandir
und Vesturstrandir getheilt — bildet und außerdem den
ganzen zwischen der Dala Sysla und dem Hrütafjör9ur
sowie der Hrütafjar3ara liegenden Landstrich. Diese Sysla
wird in ihrem nördlichen Theile fast alljährlich vom Treib
eis heimgesucht. Bei einem Flächenraum von 51 □ Meilen,
den dieselbe einnimmt, hatte sie im Jahre 1880 nur 1861,
im J. 1870 1653, im J. 1860 1618, im J. 1840 1215 und
im Jahre 1801 gar nur 982 Bewohner..
Die G em ein d en in der Stranda Sysla sind: der Arnes
hreppur, der Kaldrananes hi\, der Hröfbergs hr., der Kirkjuböls hr., der Broddanes hr , der Bsejar hr.
Die K irc h sp ie le sind: Arnes (455 S.), Kaldrananes
(352 S.), Stacfur i Steingrimsfircfi (245 S.), Fell (221 S.),
Tröllatünga (171 S.), Öspakseyri (190 SO, Prestbakki
(227 S.).
Auf der Südseite des R eykj arfj ördur liegt die gleichnamige
Handels- und Postdampfer-Station, früher Kuvikur benannt. Auf der
kurzen aber breiten Landzunge K eyk jan es (zwischen der Trekyllisvfk
und dem Reykj arfjördur) befinden sich warme Quellen. — Auch Boröey ri am Hrutafjördur ist ein Handelsplatz. Obwohl an einer ganz
flachen Einbuchtung gelegen, hat derselbe doch einen guten Hafen. Der
Ort besteht aus den Wohn- und Warenhäusern zweier dänischer Kauf
leute Und einigen isländischen Torf- und Steinhütten.
Das Nord- und Ostamt.
Das Nord- und Ostamt umfasst die folgenden Syslur:
Hunavatns Sysla, Skagafjar9ar Sysla, EyjafjarSfar Sysla,
Dingeyjar Sysla, Nor9ur Müla Sysla und Sucfur Müla
Sysla. Die Gesammtbevölkerungsziffer für die vereinigten
Ämter betrug im Jahre 1880 27.716, im J. 1870 27.699,
im J. 1860 26.890, im J. 1840 21.752 und im J. 1801
16.104.
430
Das Nord- und Ostamt»
H u n a v a tn s Sysla.
Diese Sysla, nach dem See Hunavatn benannt, ist
141 Q Meilen groß und hatte im Jahre 1880 5028 Ein
wohner (gegen 4906 im J. 1870, 4722 im J. 1860, 3809
im J. 1840 und 2850 im J. 1801); dieselbe wird westlich
gegen die Stranda Sysla zu vom Hrutafjördur und der
Hrutafjardara begrenzt und erstreckt sich östlich bis zur
Skagata auf der Landzunge zwischen dem Hunaflöi und
dem Skagafjördur. Der Hrutafjördur hat schon in alter
Zeit die Grenze zwischen dem Nord- und dem Westland,
resp. dem Nord- und dem Westviertel gebildet.
Die G em einden in der Hunavatns Sysla sind: der
Stadar hreppur, der Torfilstada hr., der Kirkjuhvamms hr.,
der Dverar hr., der Dorkelshvols hr., der Sveinstada hr.,
der As hr., der Svinavatns hr., der Bölstadarhlidar hr.
der Torfalsekjar hr., der Engihlidar hr., der Vindhselis hr.
Die K irc h sp ie le sind: Stadur (277 S.), Stadarbakki (225 S.), Efrinupur (240 S.), Melstadur (321 S.),
Kirkjuhvammur (194 S.), Tjörn (202 S.), Vesturhopshölar
(155 S.), Breidabölstadur (206 S.), Vididalstunga (352 S.),
Grimstungur (135 S.), Undirfell (238 S.), Dingeyrar (358 S.),
Hjaltabakki (232 S.), Audkula (137 S.), Svinavatn (179 S.),
Blöndudalsholar (123 S ), Holtastadir (284 S.), Bölstadarhlid (165 S.), Höskuldsstadir (365 S.), Bergstadir (160 S.),
Hof (244 S.), Spakonufell (236 S.).
An bemerkenswerten Orten seien genannt:
M elstad u r, eine der größten Pfarren Islands, weshalb auch Pfarrhof und Kirche sehr ansehnlich sind. Der Pfarrhof ist ganz wie ein
Kaufstadthaus aufgeführt, nur dass er . ein Rasendach hat. Auf Melur
i Midiirdi (so heißt der Hof in den Sagas) wohnte der Dichter Kormakr
(geh. c. 937, gest. c. 967), von dem die Kormaks Saga berichtet. In
den Jahren 1598— 1648 lebte auf Melstadur als Pfarrer der um die
Literatur Islands so verdiente Arngnmur Jonsson der Gelehrte“. — In
B reid a b o lssta d u r wurde in der Mitte des 16. Jahrhunderts die erste
B uch d ru ck er ei auf Island etabliert (durch den schwedischen Geist
lichen Jon Matthiasson); es sollen hier auch 1—2 Bücher gedruckt
worden sein. — In V id id a lstu n g a im Yididalur wurde der tüchtige
Gelehrte Paul Vidalin*) geboren, der auch später hier lebte.
*) Den Namen Vidalin erhielt der Gelehrte von seinem Großvater
(von mütterlicher Seite) Arngrimur Jonsson, der denselben aus „Vidi■ dalur“ gebildet hatte.
Das Nord- und Ostamt.
431
G r i m s t u n g u r in dem von hohen Bergen eingeschlossenen Vatnsdalur oder vielmehr am Eingang zu dem schmalen Forsseludalur gelegen,
aus alter Zeit bekannt als Wohnort des Ottarr, Vaters des Dichters Hallfreör vandrmöaskald; hier fand auch die hübsche Ballspielscene zwischen
Ingolfr und Valgerör, der Tochter Ottars statt, von der uns in der
Vatnsclsela- und Hallfredar Saga berichtet wird. Im Vatnsdalur liegen
noch mehrere historisch interessante Höfe, die besonders in der Vatns
dsela Saga eine Bolle spielen, so: Hof, der Sitz des fngimundr gamli,
des Häuptlings der Vatnsdselir, in dessen Nähe man (auf dem „godlioll“)
noch den Platz zeigt, wo der große Götzentempel des Ingimundr gestan
den haben soll; verschiedene Ortsnamen (wie Ingolfsholt, Ingimundarho lt)
erinnern noch an die Hauptpersonen der Vatnsdsela Saga.
P in g e y r a r in alter Zeit, wie schon der Name andeutet, DingStätte für das Hunavatns Ding. Hier wurde — zu Anfang des 12. Jahr
hunderts — das erste Kloster auf Island errichtet. Es war ein Benedictiner-Ivloster und erwarb sich ■ im Laufe der Zeit bedeutenden Grund
besitz, der bei der Einführung der Reformation von der Krone annectirt
wurde. Dasselbe hatte mehrere iiterarisch-thätige Männer aufzuweisen, so
die Äbte Karl Jönsson (Verfasser der „Sverris Saga“) und Arngrimr, dann
die Mönche Oddr Snorrason und Gunnlaugr Leifsson (die Verfasser der
„Olafssaga Trygg-vasonar“), Arni Laurentiusson, Bergr Sokkason u. a. Die
neue Kirche ist aus behauenen Steinen aufgeführt; die alte war ein ziemlich
unansehnlicher Rasenbau und lag östlich vom jetzigen Pfarrhofe in der
Mitte des Friedhofes. In der Nähe befinden sich noch einige Gegenstände
aus der katholischen Zeit; auch ein Bild des nordländischen Biscbofes
Gudbrandur Dorläksson soll sich in der Kirche vorfinden. — An der
Westküste der Halbinsel Skagaströnd liegen die Handelsplätze: H ö la n es
und (zu innerst der kleinen Bucht, welche durch einen Gebirgsvorsprung gebildet wird) S k a g a s t r ö n d („ Skagastrandar verzlunarstaöur, “
bisweilen auch „Höfda kaupstadur“ nach dem Gebirgsvorsprung —
„höfdi“), letztere zugleich Station des Postdampfers. Die Häfen sind aber
so schlecht, dass die Schiffe beinahe ohne Schutz im offenen Meere liegen.
S k a g a fj a r d a r S y s 1a.
Diese Sysla umfasst 94 Q] Meilen und erstreckt sieb
von der Skagata bis zum Almenningsnöf westlich von
Siglufjördur. Sie hat ihren Namen vom Skagafjördur, nach
dem auch das denselben umgebende Land benannt ist,
und der selbst wieder seine Bezeichnung von der Land
schaft Skagi, dem nördlichsten Theil der SkagaströndHalbinsel erhalten hat. Die Einwohnerzahl betrug in
dieser Sysla im Jahre 1880 4599 (gegen 4574 im J. 1870,
4379 im J. 1860, 3938 im J. 1840 und 3146 im J. 1801).
Die G em einden sind: der Skefilstada hreppur,
der Saudär hr., der Stadar hr., der Seilu hr., der Lytingstada hr., der Akra hr., der Ripur hr., der Vidvikur
Das Nord- und Ostamt.
432
hr., der Höla hr., der Hofs hr., der Fells.hr., der Holts hr.
Die K irc h sp ie le : Hvammur (184 S.), Keta (92 8.),
Fagranes (185 S.), Sjafarborg (153 S,), Reynistadur (221 S.),
Grlaumbser (247 S.), Vicfimyri (198 S.), Mselifell (136 S.),
Reykir (186 S.), Groddalir (232 S.), Äbser (37 S.),
Flugumyri (173 S.), Miklibser i Blönduhlid (178 S.),
Hofstadir (143 S.), Silfrastadir (149 8.), Hölar (262 S.),
Vidvik (112 S.), Hof (355 S.), Miklibser i Öslandshlid
(120 S.), Fell (193 S.), Höfdi (100 8.), Bard (351 S.),
Holt (267 S.), Knappstadir (129 S.), Ripur (196 S.).
In der S k a g a fj ar d a r -S ^ sla sind H ofsos, G rafaros und
Sau dar kr 6 kur Handelsplätze, letzterer Ort auch Station des Post
dampfers; doch fehlt es an allen drei Plätzen an guten Häfen für die
Schiffe. — In R e y n ista ö u r wurde 1295 ein Frauenkloster errichtet, das
bis zur Reformation bestand. Der merkwürdigste Ort in dieser Sysla ist ent
schieden H 61 a r im Hjaltadalur; derselbe war Bischofssitz von 1106—1801;
auch befand sich hier eine Lateinschule und eine Druckerei. Die Kirche
von Holar ist ein großes und sehr merkwürdiges Gebäude aus rothem
Stein von Holabyrda; es befinden sich darin noch viele Überreste aus
alter Zeit, so: eine geschnitzte Altartafel aus Holz mit Darstellungen aus
dem Leiden Christi, ein Altartuch mit Bildern der drei isländischen
Heiligen (Borlakur, Jon und Gudmundur), ein aus dem 17. Jahrh.
stammender Taufstein aus einem Stein vom Tindastoll, Bilder von
sieben Bischöfen, zum Theil mit den Familien, Grabsteine u. s. w.
Von sonstigen zur Bischofszeit bestandenen Gebäuden ist jedoch nichts
mehr zu sehen. Nur im Tun kann man noch einige Spuren von Ge
bäuden des Bischofs Jon Arason sehen, der sich der Einführung der
Reformation widersetzte (vgl. Seite 307) und hier sogar kriegerische Vor
kehrungen gegen die Feinde traf, woran noch einige Namen der Um
gebung erinnern. Mitten im Fjord liegt D ra n g ey von allen Seiten
mit senkrechten, hundert Ellen hohen Felsen umgeben. Südlich von
der Insel liegt eine schmale, steile Klippe, die K erlin g (d. h. altes
Weib) heißt, und nördlich von dieser ist eine andere Klippe oder Scheere,
welche K arl (d. h. alter Mann) genannt wird. Dieselbe war früher hoch,
ist aber jetzt eingefallen. Auf der Insel befindet sich etwas Weideland;
ungeheure Schwärme von Vögeln bedecken die Felsen. (Vgl. oben S. 267).
Hier soll sich Grettir, der Starke, der bekannte Held der Grettissaga
aufgehalten haben. — Weiter nordöstlich liegt M alm ey, eine schmale,
steile aber doch grasreiche Insel, auf der sich ein bewohnter Hof befin
det. Auch geschichtlich merkwürdig.
E y ja fja rS a r Sysla.
Die Eyjafjaröar Sysla reicht von der Almemngsnöf
bis zum innersten Theile des Eyjafjördur und zur Vadlaheicfi.
Sie umfasst einen Flächeninhalt von 96 QMeilen und hatte
433
im Jahre 1880 5325 Einwohner (gegen 5108 im J. 1870,
4647 im J. 1860, 4092 im J. 1840 und 3366 im J. 1801).
Die G em einden der Eyjafjardar Sysla sind: der
Hvanneyrar hr., der Döroddstada h r, der Svarfadardals
hr., der Arnarnes hr., der Skridu hr., der Gkesibsejar hr.,
der Hrafnagils hr., der Aungulstada hr., der Saurbsejar hr.,
Grimsey. K irc h sp ie le : Hvanneyri (309 S.), Kviabekkur (279 S.) Stserri-Ärskögur (324 S.), Upsar (180 S.),
Mödruvalla klaustur (567 S.), Tjörn (156 S.), Urdir
(251 S.), Vellir (284 S.), Myrka (203 S.), Bakki (172 S.),
Bsegisa (131 S.), Glsesibser (172 S.), Lögmannshlid (246 S.),
Akureyri (713 S.), Mtikajivera (274 S.), Kaupangur
(176 S.), Grund (153 S.), Mödruvellir (195 S.), Saurbser
(138 S.), Mikligardur (143 S.), Hölar (163 S.), Midgardar
i Grimsey (96 S.).
In der Eyjafjardar Sysla befindet sich die dritte Kauf
stadt Islands: Akureyri (oder Eyjafjördur). Sie liegt im
innersten Theile des Eyjafjördur und zieht sich längs der
Küste unter einer Anhöhe hin. Hier wie aufO ddeyri,
welches zu Akureyri gerechnet wird und etwas weiter
nach außen liegt, findet sehr lebhafter Handel statt. Der
Hafen ist gut, weil Oddeyri denselben nach außen ab
schließt; doch versandet er allmählich, da die Eyjafjardarä
sehr viel Sand und Kies mitführt. Auch diese Kaufstadt
ist in raschem Aufschwung begriffen. Im Jahre 1880
betrug die Einwohnerzahl 545. Dieselbe ist also höher als
die von Isafjördur, obschon sie nicht in so kurzer Zeit
gestiegen ist, wie die der letztgenannten Stadt. Sie hatte
schon im Jahre 1870 314 erreicht, während die Zahl der
Einwohner'von Isafjördur im gleichen Zeiträume sich bei
nahe verdoppelte. Akureyri ist Postdampferstation, der
Sitz des Sysselmanns und eines Arztes. Auch eine Apo
theke und ein Spital finden sich hier, sowie zwei Drucke
reien. Jetzt gibt es dort auch ein kleines, recht treffliches
„Hcffel“ mit Billards u. dgl. Zwischen Oddeyri und Akureyri
liegt eine große Thransiederei. Akureyri ist nämlich die
Hauptstation der ansehnlichen Flotte von Haifischschiffen
(Deckfahrzeugen), welche das Nordland aufgebracht hat.
Oddeyri gehört der bekannten isländischen Handelsgesell
schaft „Grana“ (vgl. oben S. 396).
Das Nord- und Ostamt.
P o e s t io n , Island.
28-
434
Das Nord- und Ostamt.
Der nächstbedeutende Ort der Eyjafjaröar Sysla ist M ödru v e llir
oder Mödruvalla klaustur im Hörgärdalur, der Sitz des Amtmanns für
das Nord- und Ostamt. Hier befindet sich auch eine Realschule. Ini
Jahre 1296 wurde hier ein Augustinerkloster errichtet, das bis zum
Jahr 1546 bestand. Später (1783) wurde das Klostergebäude zur Woh
nung des Amtmanns über das Nord- und Ostamt bestimmt. Mödruvellir
ist auffallend oft von Feuersbrünsten heimgesucht worden. Kloster und
Kirche sind wiederholt niedergebrannt. Im Jahre 1865 verbrannte aber
mals die eben neu restaurierte Kirche mit fast Allem, was sich darin
befand; der Brand war diesmal durch einen Ofen entstanden, den man
in der Kirche errichtet hatte. Hingegen litt die rasch wieder aufgebaute
Kirche nicht bei dem Brande, der im Jahre 1874 die Amtmannswohnung
vernichtete. Ein Handelsplatz mit gutem Hafen, zugleich Postdampfer
station, ist das von hohen Felsen, eingeschlossene S ig lu fj ö-rdur im
gleichnamigen Fjord. — Der Pfarrhof B segisä im Öxnadalur ist bekannt,
weil hier der „isländische Milton“ Jon Porläksson (vgl. oben S. 322)
in den kümmerlichsten Verhältnissen lebte und dichtete. — Draußen im
E y ja fjö rd u r liegt die Insel H risey , auf der sich jetzt nur zwei
Höfe befinden, während früher deren 4—6 gewesen sein sollen. Ungefähr
6 Meilen vom Lande entfernt, nördlich vom Polarkreise liegt die kleine
Insel und jetzt Handelsplatz G rim sey; dieselbe ist der Sitz eines
Pfarrers. Die Bewohner leben von Vogelfang und Fischerei.
D in g e y ja r Sysla.
Diese Sysla, welche früher in Nordur- und Sudur
Dingeyjar Sysla (über den Namen vgd. S. 187) eingetheilt
war, reicht von der östlichen Grenze der Eyjafjar9ar Sysla
bis zum Gunnolfsvikurfjall. Diese größte von allen Syslur
Islands umfasst 313[jMeilen und war im Jahre 1880
von 5336, im J. 187Ö von 5746, im J. 1860 von 5497,
im J. 1840 von 4164, im J. 1801 von 3119 Menschen
bewohnt.
Die G em einden in der Dingeyjar Sysla sind: der
Keldunes hr., der Axarfjardar hr. (Skinnastada hr.), der
Presthöla hr., der Distilfjardar hr. (Svalbards hr.), der Saudanes hr., der Austur hreppur, der Grytubakka hr., der
Svalbards hr., der Hals hr., der Ljösavatns hr., der Helgastada hr , der Skutustada hr , der Husavikur hr.
Die K irc h sp ie le sind: Svalbard a Svalbardsströnd
(223 S ), Laufas (240 S.), Höfdi (130 S.), Grytubakki
(141 S.), Daunglabakki (122 S.), Flatey (119 S.), Hals
(176 S ), Iliugastadir (157 S.), Draflastadir (198 S.)>
Doroddsstadir (191 S.), Ljösavatn (166 S.), Lundarbrekka
(243 S ), Reykjahlid (140 S.), Skutustadir (237 S ), Grenja-
Das Nord- und Ostamt.
435
9arsta9ur (185 S.), E>verä (105 S.), Nes (182 S.), Muli
(128 S.), Helgastaclir und Einarsstacfir (313 S.), Husavik
(369 S.), G-ardar i Kelduhverfi (272 S.), Vidirhöll (93 S.),
Skinnastadir (207 S.), Prestholar (194 S ), Asmundarstadir
{139 S.), Svalbard i tistilfii-di (312 S.), Saudanes (354 S.).
H u s a v i k (vgl. oben S. 282) am M eerbusen Skjälfandi ist der w ich
tig ste Ort in dieser S /sla , zugleich H andelsplatz und Postdam pferstation
und am bekanntesten als A usfuhrsstation des Schw efels aus den in der
N äh e gelegenen Schwefelm inen, wenn diese betrieben werden (vgl. oben
S . 389 ff.). Andere H andelsorte sind: F j a l l a h ö f n , K o p a s k e r , R a u fa r T iö fn und D o r s h ö f n . — An der Jökulsa i Axarfiröi liegt eine der
schönsten Landschaften Islands, das sogen. A s b y r g i . — Sehr interessant
besonders für G eologen ist die U m gebung des M y v a t n - S e e s . M an
w ä h lt am besten den am See . gelegenen H of Reykjahlid zum A usgangs
punkte der verschiedenen Excursionen (zu den V ulcanen Leirlm ukur
und Krafla, dann zum H rafntinnuhryggur u. s. w .; vgl. oben S. 128 ff.).
Im Skjälfandafloi liegt die Insel F l a t e y (zu unterscheiden von der
.gleichnam igen Insel im Breidifjördur) m it einer Kirche und mehreren H öfen.
N or9ur Mula Sysla.
Die NorSur Mula Sysla umfasst ein Areal von 208
O Meilen und hatte im Jahre 1880 3825, im J. 1870
3885, im J. 1860 4183, im J. 1840 2993 und im J. 1801
1695 Bewohner. Sie erstreckt sich vom Grunnölfsvikurfjall
bis zum Dalatangi.
Die Gr e m e i n d e n in der Nor9ur Mula Sysla sind: der
Stranda hreppur (Skeggjasta9a hr.\ der Vopnafjardar hr.,
der Jökuldals und Hli9ar hr.? der Fljotsdals hr.? der Fellna
hr.? der Tüngu hr.? der Hjaltasta9a hr., der Borgarfjar9ar
hr.? der Lo9mundarfjar9ar hr., der Sey9isfjar9ar hr.
Die K irc h sp ie le der Nor9ur Mula Sysla sind:
Skeggjasta9ur (248 S.), Hof 1 Vopnafir9i (843 S.). Kirkjubser
(566 S.), H ofteigur und Möörudalur (208 S.), Äs (280 S.),
YalJ)jofssta9ur (297 S.), Hjaltasta9ur (327 S.), Desjarmyri
(256 S.), Njar3vik (35 S.), Klyppsta9ur (91 S.), Husavik
(57 S.), Dvergasteinn (617 S.).
D er H auptort in der Nordur M ula S^sla ist der H andelsplatz
S e y d i s f j ör Sur, zugleich Station des Postdam pfers. Der größte T heil
des aufblühenden Ortes liegt, am innersten, von hohen F elsen um gebenen
Ende des gleichnam igen Fjords auf der sogenannten A ida (d. h. w ogen
förm ige Sandbank). W eiter draußen im Fjorde liegt V estdalseyri, w elches
noch zu Seydisfjördur gerechnet wird, obschon es eigentlich einen eige
28*
436
Das Nord- und Ostamt.
neu Handelsplatz (dem Granufelag gehörig) bildet. In Bezng auf die
Einwohnerzahl ist Seydisfjördur der fünftgrößte Handelsplatz Islands.
Seine zunehmende Bedeutung und Ausdehnung verdankt derselbe vor
Allem dem Umstande, dass er die Hauptstation für die Häringfischerei
der Norweger bildet, die hier, im größten Umfange betrieben wird. Im
Jahre 1881 zählte Seydisfjördur 37 Häuser; jetzt befinden sich daselbst
nicht weniger als 5 Handelsetablissements, sowie auch eine neue Kirche.
Der Ort hat auch eine Volksschule und eine Druckerei; sogar eine
Zeitung* erscheint jetzt hier. Ein anderer Handelsplatz ist V o p n a f j ö r d u r am gleichnamigen Fjorde, der gleichfalls vom Postdampfer
angelaufen wird ; in jüngster Zeit ist auch die Mündung des Lagarfljot
(Lagarfljotsos) als solcher autorisiert worden. S k r i d a , Bauernhof,
war früher ein Kloster und zwar das letzte, welches auf Island errichtet
wurde (gegründet 1494; die dazugehörige Kirche wurde jedoch erst
1512 eingeweiht).
S u 3 u r M ü 1a S y s 1a.
Diese Sysla erstreckt sich bis zur Lönshei9i (vgl.
oben S. 420) und hat einen Flächeninhalt von 72 [j Meilen.
Die Bewohnerzahl belief sich im. Jahre 1880 auf 3603,.
im J. 1870 auf 3480, im J. 1860 auf 3462, im J. 1840
auf 2756 und im J. 1801 auf 1928. Zwischen der Geitdalsa und Mulaa, welche nach ihrer Vereinigung die Grimsä
bilden, liegt ein langer, schmaler Bergrücken, „Muli“, nach
dem wohl die beiden Mula Syslur benannt sein dürften.
Die G em einden in der Su3ur Müla Sysla sind: der
Ey9a hreppur, der Vallna hr., der Mjöfafjar9ar hr , der
Nor9fjar9ar hr, der Rey3arfjar9ar hr., der Skri9dals hr.,
der Faskrü9sfjar9ar hr , der Brei9dals hr., der Berunes hr.,
der Geithellna hr. Die K irc h sp ie le sind: Fjör9ur
i Mjöafir9i (233 S.), Ey9ar (293 S.), Vallanes (306 S.),
Hallormstadur (118 S.), Dingmüli (172 S ), Skorrasta9ur
(392 S.), Hölmar (558 S.), Kolfreyjusta9ur (362 S.), Stö9
(159 S.), Heydalir (427 S.), Berunes (145 S.), Berufjör9ur
(70 S.), Hals (202 S.), Hof i Älptafir9i (166 S).
In der Su3ur Mul a S f s 1a gibt es zwei größere Handelsplätze :■
E s k i f j ö r ö u r an gleichnamigen Fjord, der sich vom Reyöarfjördur in.
nordwestlicher Richtung abzweigt, mit einer Anzahl' von Häusern und
einer Druckerei. Hier wohnen der Syslumadur für die Sudur Müla
Sysla, der Districtsarzt u. s. w. Weiter südlich beim Eingang in den
Berufjördur liegt D j ü p i v o g u r (jetzt gewöhnlich B e ru fj ö r d u r genannt)
mit gutem Hafen, der durch steile Felsen abgeschlossen ist und Schutz
gegen alle Winde bietet. Beide Handelsorte sind auch Stationen des Post
dampfers.
Anhang.
Über die Aussprache im Neuisländischen.*)
Y ocale.
1. a wird ausgesprochen wie das deutsche'a in Tag
(dagur, Tag); vor ng, nk lautet es wie isländ. ä (geschrie
ben a und a; z. B. langt und langt), vor gi wie isländ."se ;
z. B. in lagi<5, die Melodie, ae (<B) wird ausgesprochen wie
deutsches ai in Rain; z. B. hrseddur, erschrocken, spr.
hraiddur. ii wird ausgesprochen wie deutsches au in Haus \
z. B. rä3, Rath, spr. rau3.
2. c ist das deutsche offene e in senden; vor 11g, nk
und in der Verbindung egj und cgi lautet es wie ei
(geschrieben e und ei) ; in hver lautet es ungefähr wie
ö; z. B. hver, hvergi spr. hvör, hvörgje. 6 wird ausge
sprochen wie deutsches jä; z. B. fe, Geld, spr. fjä (ge
schrieben je und e). ei, ey werden beide ausgesprochen
wie eij \ z. B. bein, Bein, spr. beijn, heyra, hören, spr.
heijra.
3. i* y lauten immer wie das deutsche i in Fisch. Vor
ng, nk lauten sie wie i, y und werden auch häufig so
geschrieben; z. B. ]iing, und |>ing, Versammlung, yngri
und yngri jünger. I, y werden ausgesprochen wie deutsches
i, ie in mir, vier (z. B. in ri5a, reiten, lysa, leuchten).
*) Nach William H. Carpenter, Grundriss der neuisländisclien
Grammatik (Leipzig*, 1881) unter Berücksichtigung' der Recensionen über
dieses Werkchen von Finnur J on s s on im Literaturblatte für g'erm.
und rom. Philologie. Jahrg. 1881, S. 43 ff. und Björn Magnusson
Ol sen: „Zur neuisländischen Grammatik“ in : Germani a Viertelj ahrsschrift für deutsche Altertliumskunde u. s. w. Jahrg. 1882, S. 257 ff.
438
Anhang.
4. Ö ist das deutsche ö in können (z. B in börnr
Kinder). Bisweilen lautet es wie .c9 so z. B. in gjöra^
machen, kjöt, Fleisch, smjör, Butter, spr. gjera, kjet, smjerr
Vor ng und nk ist ö = au d. h. öi zu sprechen.
5. all wird ausgesprochen wie öi, z. B. auga, Auge,,
spr. öiga.
6. ll wird ungefähr ausgespr. wie deutsch, ö; vor ng*
und nk wird es i. d. Ausspr. u. z. Th. in der Orthographie
zu u (tunga und tunga, Zunge), ü ist das deutsche u in Blut.
7. 0 ist das offene o im deutschen Ochse. 6 wird aus
gesprochen wie deutsches o in oben.
C onsonanten.
1. k und g lauten vor e, ei, ey, i, i, y, y, se wie
kj und gj d. h. wie palatales k und g plus j ; z. B. in
kenna, kennen*, gj und gi nach Vocalen lauten wie j (jj)
und ,ji (jji); z. B. vigja weihen, spr. vijja, bogi, Bogen,
spr. bojji; degi, Tag, spr. deiji, J)egja, schweigen, spr. J>eija.
k wird sonst hart gesprochen; in der Ausspr. fällt es oft
am Ende einer Silbe zwischen s (z) und einem folgenden
t fort,- z. B. ssenskt, schwedisches, spr. ssenst, islenzkt,
isländisches spr. islenst. g im Anlaut und im Inlaut nach
einem Yocal vor n, 1, 5 und nach einem Consonanten
wird stets hart ausgespr., so in logn, Windstille; sigla,
segeln; bregda, schnell bewegen; nach e. Vocal wird es
hauchend ausgespr., ungefähr wie ch im deutschen: machen,
gg ist stets hart.
2. t wird ausgespr. wie deutsches t in thun;
d im An-, In- und Auslaut lautet wie deutsches d in
Ding; am Ende einer Silbe, vor s fallen,in der Aussprache
t und d häufig fort; z B. Islands spr. Islans, landsins des
Landes, spr. lansins, fljots, des Flusses spr. fljös, hests
des Pferdes, spr. hess.
J) lautet wie engl, th in thing, z. B. J)ing, Versamm
lung; 9 lautet ungefähr wie engl, th in father; z. B. fadir?
Vater.
*3. p lautet wie im Deutschen; in der Verbindung pt
wird es wie f gesprochen (oft auch geschrieben): z. B.
439
eptir, nach, spr. eftir; zwischen zwei Consonanten fällt es
bisweilen fort, z. B. alpt, Schwan, spr. alt. b wird wie
deutsches b ausgesprochen, z. B. in barn, Kind, ebenso
bb. Zwischen m und folgende m- Consonanten fällt ein b
in der Aussprache oft fort; z. B. kembdi, krämpelte, spr.
kemdi; kambs des Kammes spr. kams.
f' im Anlaut und in den Verbindungen fk, ft, fs und
ff (in Compositis) nach einem Vocal lautet wie deutsches
f in für, z. B. fa9ir, Vater; rifka, vermehren; haft, gehabt;
)yfska, Diebstahl; affal, Verminderung; im Inlaut vorn,
, 9 lautet es wie b z. B. nafn Name, spr. nabn; tafl,
Brett, spr. tabl; lif9i, lebte, spr. Iib9i; fnt, fnd, fn9
. auten oft wie mt, md, m9, z. B jafnt spr. jamt, nefndur
spr. nemdur; in allen übrigen Fällen lautet es wie deutsches
w in warten; z. B. lif, Leben, spr. liw, hafa, haben, spr.
hawa.
4. ll wird vor n, 1, r, j und v immer ausgesprochen.
5. S und z lauten beide wie das deutsche tonlose s;
z. B. bezt, best, spr. best,
6. n und in lauten wie deutsches n und m in binden,
nehmen.
7. 1 ist das deutsche 1 in leben; 11 lautet am Ende
einer Silbe vor s, t und d wie 1, sonst ungefähr wie ddl;
wie 11 wird auch rl ausgesprochen; z. B. falla, fallen spr.
faddla; jarl, Jarl, spr. jaddl.
8. nn und rn im Silbenauslaut nach Diphthongen oder
accentuirten Vocalen sind ein tonloser Verschlusslaut wie
11 (das Gaummsegel schließt die Nasenhöhle ab, indem die
Zunge nieder n- Stellung gehalten .wird); z. B. barn, Kind,
steinn, Stein. Wenn nn ein Theil des Artikels ist, lautet
es wie einfaches ll z. B. änni, dem Flusse, spr. aunni
9. r ist außer in der Verbindung rn stets dental.
10. V lautet wie das deutsche w in warten.
Anhang.
Geographisches Register.
A b k ü r z u n g e n für die Namen der S^slur. A. = Arnes S^sla; ASkf
= Austur Skaptafells S. Bgf. = Borgarfjardar S .; Bst. — Bardastrandar
S .; D. = Dala S .; Ef. = Eyjafjardar S .; Gb. — Gullbringu S .; Hnp.
= Hnappadals S .; Isf. — Isafjardar S .; Kj. = Kjosar S.; M. — Myra
S .; NM. = Nordur Müla S. ; N t. — Nordur tfngeyjar S.; R. =
Rängärvalla S .; Skg. = Skagafjardar S.; SM. = Sudur Müla S .; Snf.
= Snaefellsnes S .; Str. = Stranda S .; S t. = Sudur tingeyjar Sysla;
Y. = Vestmannae^ja S .; VSkf = Yestur Skaptafells S.
Adaldalur (St.) 188.
Adalreykjadalur (St.) 188.
Adalvik (Isf.) 52.
Affall (R.) 210, 211.
Afrettartindur (ASkf.) 88.
Akrafjall (Bgf.) 84.
Akranes (Bgf.) 60, 417.
Akurey (Gb.) 66, 415.
Akurey (Yestureyjar, Bst.) 72.
Akurey[jar] (Snf.) 68.
Akureyjar (D.) 71.
Akureyjar (Bst.) 73.
Akureyri, Kaufstadt (Ef.) 400, 433.
Älar (R.) 209 ff. 211 ff.
Aldeyjarfoss (St.) 167, 188.
Almannagja (A.) 131, 140 —14J.
Almannaskard (ASkf.) 58.
Alpta (M.) 173*
Alptafjördur (Snf.) 48.
Alptafjördur (fsf.) 51.
Alptafjördnr ( SM.) 58.
Alptanes (Gb.) 8, 60.
Älptanes (M.) 60.
Alptaros (M.) 173.
Alptavatn (A.) 214.
Älsey (Y.) 77.
Andakül (Bgf.) 169.
Andaldlsa (Bgf.) 169, 217.
Andey (SM.) 75.
Andridsey (Kj.) 66.
Arbrandsa (A.) 213.
Arfar (Hv.) 180.
Arliver (Bgf.) 152.
Arnarfell lud mikla 102.
Arnarfellsj ökull 102.
Arnarfjördur (Bst. und Isf.) 49 ff.
Arnarvatn (M.) 179, 217.
Arnarvatnslieidi 81, 217.
Arnes (A.) 212.
Äsbyrgi-(Nt.) 435.
Askja (St.) 82, 125—6.
Austfirdfngafj ordungr 5 5.
Austfirdir 2, 45, 55 ff.
Austfirdir (Gegend) 88, 134.
Austura, Austurardalur (D.) 176.
Austura (Hy.) 179.
,,Austur-Horn“ (ASkf.) 64.
Austur-Horn, (ASkf.) 64.
Axarfjördur (Nt.) 55.
Axarheidi (Öxi, SM.) 196, 199.
Axarvatn (SM.) 199.
^Edarsker (SM.) 75.
iEdarsker (SM. im Berufjördur) 76.
JE d ey (Isf.) 73.
Bakkaa (NM.) 191.
Bakkafjördur (NM.) 56.
Bakkahlaup (Nt.) 189.
Balljökull od. Baldjökull 103.
Bardardalur (St.) 87, 187.
Geographisches Register.
441
Bardastrandarfjöll (Bst.) 90.
I Borgarfjördur (NM.) 56.
Bardaströnd (Bst.) 425.
Borgarfjördur-Halbinsel 60.
Bardaströnd-Halbinsel 60 ff.
Borgarhraun (Hnp.) 1 1 2 , 140.
Barnafoss (Bgf.) 170.
Botnjökull (R.) 104.
Baugstadasiki (A.) 213.
Botnsa (Kj.) 169.
Baula, die große (M.) 84, 227 ff.
Botnsheidi (A u. Bgf.) 84.
Baula, die kleine (M.) 84.
Botnssulur (A u. Bgf.) 84.
Bsegisa, Fluss u. Hof (Ef.) 184, 334. Botnsvogur (Bgf.) 47 .
Brakarpollur (M.)
Bsejarey (Hnp.) 68.
Beinageitarfjall (NM.) 88.
Breida (ASkf.) 202 .
Beitistadir (Bgf.) 417.
Breidabolstadarlon (ASkf.) 202.
Beljandi (-Ache; H y.) 180.
Breidabolstadur (R.) 420.
Berufjardarä (SM.) 199.
Breidabolstadur (H y .) 430.
Berufj ördur (Bst.) 49.
Breidavik (NM.) 56.
Berufjördur (SM.) 57.
Breiddalsa (Breiddalur. SM.) 199.
Bemfjördur, Handelsplatz (SM.) 436. Breiddalsfjördur (SM.) 57.
Bessastadir (Gb.) 416.
Breiddalsvik (SM.) 57.
Breidifjördur 47 ff. 68 ff. 73, 290.
Bildsey (Snf.) 69.
Bildudalur (Bst.) 426.
Breidumerkurjökull (ASkf.) 100.
Biskupstüngur (A.) 144 ff., 418,419. Breidumerkursandur (ASkf.) 94 ff.
Bitra s. Bitrufjördur.
Brikarkvisl (Hv.) 179.
Bitrufjördur (Str.) 53.
Brimilshöfn (Isf.) 52.
Bj arglandsä (NM.) 199.
Brimnes Cap (NM.) 64.
Bjargtängar (Bst.) 2, 61, 63.
Bjramslsekur (Bst.) 236, 426.
Bj argtangar-Lanclzunge 61.
Brokey (Snf.j 69, 424.
Bjarnarey (NM.) 75.
Bruara (A.) 213.
Bjarnarey (V.) 77.
Bruara s. Jökulsa a bru.
Bjarnarfjardara (Str.) 178.
Bruarörsefi (NM) 192.
Bj arnarfj ördur (Isf.) 52.
Brunna (NP.) 189.
Bj arnarfj ördur (Str.) 53.
Brunnasandur (YSkf.) 95.
Bjarnarsker (NM.) 76.
Brunna (YSkf.) 204.
Bjarneyjar (Bst.) 73, 426.
Budafoss (A.) 212.
Bläfellsj ökull 103.
Budir (Snf.) 424.
Blägnypuj ökull 102.
Budlungahöfn (NP.) 189.
Blanda (H y .) 180.
Budlungavellir (SM.) 198.
Blautakvisl (VSkf.) 212.
Bulandstindur (SM.) 88.
Bleiksa (R.) 209.
Burfell (A.) 96.
Bleikskvisl ('Hy .) 179.
Cap-Nord (Isf.) 15, 17, 61, 63.
Bleiksmyrardalur (SP.) 185.
Cap-Nord-Halbinsel 61.
Blesi (A.) 149.
Blöndudalur (Hy.) 86 , 181.
DagYerdarnes (D.) 63.
Blöndugil (H y .) 181
Dalatangi (NM. u. SM.) 64.
Blönduos (H y .) 181.
Dalatangi-Landzunge 62.
Bordeyri (Str.) 429.
Dalata Cap (Ef) 63.
Borgarey (Isf.) 73.
Dalir (D.) 85.
Borgareyjar (M.) 67.
Dalsa (A.) 212.
Borgarfjördur (Bgf. u. M.) 8 , 47, Dalsa s. Flateyjardalsa.
167, 289.
Daudmannskvisl (Hv.) 179.
Borgarfjördur (Landschaft) 96.
Deildardalsjökull (Skg.) 86.
Borgarfjördur (Isf.) 50.
Deildartunga (Bgf.) 172.
442
Geographisches Register.
Deildartunga, Hof (Bgf.) 151.
Deildartunguhverar (Bgf.) 151 ff.
Dettifoss (NP.) 167, 190.
Digranes Cap (NM.) GS.
Digranes-Halb insei 62.
Dimmifjallgar dur (NP. u. NM.) 87.
Dimmakvisl (NM.) 191.
Dimun (D.) 70.
Dimunarklakkar (D.) 70.
Djupa (SP.) 187.
Djupa (VSkf.) 203, 204.
Djupadalsa (Djupadalur; Skg.) 182.
Djupadalsa (Ef.) 185.
Djupifj ördur (Bst.) 49.
Djupivogur (SM.) 57.
Djupivogur s. Berufj ördur. Handels
platz.
Djupos (R.) 210, 211.
Drängafjall (Str.) 105.
Drangajökull 89, 105.
Drangajökull-Halhinsel 61.
Drangar (V.) 77.
Drangey (Skg.) 74, 267, 432.
Drapsker (Bst.) 72.
Drekkingahylur (A.) 418.
Drifandi (Ache, Str.) 177.
Drifandi *Wasserfall; R.) 209.
D^ngja (SP.) 82, 127.
Dyngjufjöll (SP.) 82, 125—128.
D^rafj ördur (Isf.) 50.
Dy rafj ördur s. Pingeyri.
Dyrfjöll (NM.) 88 .
Dyrholaey (VSkf.) 2 , 64, 421.
Dyrholaos (VSkf.) 206.
Dyrholar (VSkf) 421.
Effersey (Gb.) 66.
Eidisvik (NP ) 55.
Einarsdrangi (V.) 77.
Einarssker (D.) 70.
Eiriksjökull (M.) 80, 103.
Eidborg (Hnp.) 1 1 1 —12.
Eidborgar hraun (Hnp.) 140.
Eldey (Gb.) 7, 78.
Eldeyja bodi (Gb ) 78.
Eldeyjar (Gb.) 78.
Eldeyjardrangur (Gb.) 78.
Eldvatn (Fljotshverfi. VSkf.) 204.
Eldvatn (in Medalland. VSkf.) 205.
Eldvatn (Skapta YSkf.) 204, 205.
Ellidaa(r) (Gb. n. Kj.) 66 , 168 ff.
Ellidaey (Snf.) 68.
Ellidavatn (Gb.) 168.
Engey (Gb.) 66.
Erlendsey (Y.) 77.
Esja (Kj.) 8 , 83, 416.
Eskifjördur (SM.) 57.
Eskifjördnr, Handelspl. (SM.) 436.
Eskildsey (SM.) 75.
Eyfirdingakvisl (Hv.) 180.
Eyjadalsa (SP.) 187.
Eyjafjallajökull (R.) 7, 80, 89, 104,
115.
Eyjafjardara, Eyjafjardardalur (Ef.)
184 ff.
Eyjafjördur (Ef) 54.
Eyjara (YSkf.) 206.
Eyjasandur (R.) 96.
Eyrarbakld (A.) 400, 418.
Eyrara (YSkf.) 207.
Eyvindara (SM.) 196.
Eyvindara, Eyvindardalur. (NM.)
193.
Eyvindarfjördur (Str.) 52.
Fagradalsa (NM.) 190.
Fagurey (Snf) 69.
Faskrud (Ache; Hnp) 175.
Faskrud (ilche, D.) 176.
Faskrudsfjördur (SM.) 57.
Faxafjördur 7 ff., 47. 283.
Faxafloi s. Faxafjördur.
Faxagil (NM.) 193.
Eaxaös 283.
Feldarholmur (Snf.) 69.
Fell (d. i. Fell(n)asveit, NM) 197,221.
Fellakvisl (Hv.) 179.
Fell(n)asveit (NM.) 197.
Fellsströnd (D.) 60.
Fellsströnd-Halbinsel 60.
Finnafjördur. (NM.) 56.
Fiska (R.) 210 ff.
Fiskia (SP.) 187.
Fiskivötn (M.) 217.
Fiskivötn (Yskf.) 218.
Fitjaa (Hv.) 179.
Fjallahöfn, Handelspl. (NP.) 435.
Fjardara (Seydisfjördur; NM.) 199.
Fjardara (Lodmundarfjördur ; NM.)
199.
Geographisches Register.
Fjardara (Mjohfjördur SM.) 199.
Fjardara (YSkf.) 204.
Fj or3ungakvisl 212.
Fjordungsalda 212.
Flatey (Bst.) 72. 426.
Flatey, Hanclelspl. (Bst.). 400. 426.
Flatey (SL.) 74. 435.
Flateyri, Handelsplatz (Isl.) 428.
Flateyjardalsa, Flateyjardalur (SL.)
185.
Flekkndalsa, Flekkudalur (D.) 176 ff.
Flenshorg (Gb.). 416.
Fljot (Isf.) 52.
Fljöt (Skg.) 183.
Fljotaa (Skg.) 183.
Fljotsanrar (R.) 208 ff
Flj otsdalsarnar (NM.) 195.
Fljotsdalsheidi (NM.) 193.
Fljotsdalsherad (N u. SM.), 88. 197.
Fljotsdalur (N. u. SM.) 88. 186.
195 ff. 197.
Fljotsheidi (SL.) 188.
Fljotshverfi (YSkf.) 142. 203.
Fljotsjökull 102.
Floi (Str. u. Hv.). 52 ff.
Floi (Landschaft, A.) 213. 417.
Floi, Sydri u. Ytri F. (SL.) 220.
Flokadalsa, Flokadalnr (Bgf.) 172.
Flokadalsa, Flokadalnr (Skg.) 183.
Flokadalsvatn (Skg.) 183.
Flosagja (A.) 418.
Flosaskard (A.) 81.
Fnjoska (SL.) 185.
Fnjoskardalnr (SL.) 87. 185. 187.
Fossa (Hy.) 181.
Fossa, Fossardalur (SM.) 199.
Fossa (A.) 212.
Fossfjöröur" (Bst.) 50.
Fosslsekur (R.) 208.
Fremri-Namur (SL.) 157.
Fri3mnndara (Hv.) 179.
Froda (Snf.) 175.
Fnglasker (Gb.) 7. 78. 111.
Fülilsekur (YSkf.) 207 ff.
Furufjördur (Isf.) 52.
Galtardalsa, Galtardalur (D.) 177.
Gardar ^Gb.) 416.
Gsesadalsfjöll 88 .
Gsesagilsa (NM.) 191.
443
Gsesavötn 186.
Geirfuglasker (Y.) 77.
Geirfuglasker (SM.) 76.
Geirfuglasker 78. 1 1 1 .
Geirlandsa (YSkf.) 204.
Geirsa (Bgf.) 172.
Geirsholmi (Bgf.) 66.
Geir^jofsfjördiir (Bst.) 50.
Geita (Bgf.) 170. 171.
Geitara (Bst.) 177.
Geitdalsa (Geitdalnr, SM.) 196.
Geithell(n)aa (SM.) 208.
Geitlandsjöknll (Bgf.) 103.
Geldingasker (Y.) 77.
Gerpir Cap (SM.) 2 . 64.
Gerpir-Landzunge 62.
Geysir (A.) 145 ff.
Geysir kleiner (A.) 148.
Geysir kleiner (A.) 150.
Gilja (Hv.) 180.
Gilsa (SM.) 196.
Gilsa (Hv.) 180.
Gilsa (NM.) 194.
Gilsa (NM.) 196.
Gilsa (Selfljot; NM.) 198.
Gilsareyri (NM.) 196.
Gilshakki (M.- 170. 423.
Gilsfjördur (Bst.) 15. 49.
Glama (Bst. u. Isf.) 105.
Glamujökull 89. 105.
Glamnjökull-Halbinsel 61.
Glera (D.) 176.
Gljufrafoss (R.) 209.
Gljüfura (M.) 171. 173.
Gljufura (D.) 175.
Gljufura (Hv.) 179.
Glumstadadalsa (NM.) 193.
Gnupa s. Nupa.
Gnupsa (NM.) 199.
Gnupufellsa (Ef.) 185.
Godafoss (Lvera, Ef.) 184.
Godafoss (SL.) 184.
Godaland (Landschaft, R.) 208.
Grafara (Skg.) 183.
Grafarlandaa (SL.) 190.
Grafaros (Skg.) 183.
Grafaros, Handelsplatz (Skg.) 432.
Gryenavatn (A.) 214.
„Grenaderhuen“ (Gb.) 78.
Grenjar (Hof, M.) 173.
444
Geographisches Register.
Grimsa (Bgf.) 172.
Grimsa (Hpn.) 175.
Grimsa (SM.) 196.
Grimsey (Str.) 73.
Grimsey (Ef.) 74—75. 267.
Grimsey, Handelsplatz, (Ef.) 434.
Grimsnes (Landschaft, A.) 151. 417.
Grimstungur (H y .) 4 31 .
Grimsvötn (Nupsärvatn. VHkf.) 124.
203.
Grindavik (Gh.) 416.
Grundarfj ördur (Snf.) 48.
Grundarfjördur,Handelspl.(Snf.)424.
Grjota (SH.) 187.
Grjota (Grjotteigsa NM.) 193.
Grjota (ASkf.) 2 0 1 .
Grjota (R.) 210.
Gijota (A.) 214.
Grjötargil (NM.) 193.
Grjotgja ^SH.) 139.
„Grönnefjord“ s. Grundarfj ördur.
Gr^la (A.) 150 ff.
Gudmundareyjar (Snf.) 69.
Gufa (M.) 172.
Gufaros (M.) 172.
Gufufj ördur (Bst.) 49.
Gufuskalamoda (Snf.) 175.
Gufuskalar (Gb.) 416.
Gullfoss (A.) 167. 214.
Gunna (Gb.) 151.
Gunnbjarnarsker (SH.) 74.
Gvendareyjar (Snf.) 69.
Haafell (Isf.) 90.
Haffjardarä (Hnp.) 174.
Haffjardarey (Hnp.) 68.
Hafnarey (SM.) 75.
Hafnarey (Bst.) 72.
Hafnarfjördur (Gb.) 47.
Hafnarfj ördur,Handelspl. (Gb.)8.416.
Hafnarnes-Landzimge 61.
Hafralon (NH.) 191.
Hafralonsa (NH.) 191.
Hafratindur (D.) 85.
Hafsos (R.) 2 10 .
Hafursa (SM.) 195.
Hafursa (VSkf.) 206.
Hagavadall (Bst.) 49.
Halhnundarhraun 81. 139 ff.
Hallormstadahals (SM.) 198.
Hallormstadarskogur(SM.) 198. 245.
Hallorm s)stadur (SM.) 198.
Halsabs (ASkf.) 202.
Halsasker (Askf.) 76+
Halsskogur (SH.) 185. 244 ff.
Hamarsa, Hamarsdalur (SM.) 199.
HamarsfjÖrdur (SM.) 57 ff.
HaÖldukvisl (VSkf.) 206.
Hardarholmi (Bgf.) 66.
Haugakvisl (Hy.) 179.
Haugakvisl (Hv.) 180.
Hangavik, Ytri und Eystri (Isf.) 52.
Haukadalsa, Haukadalur (D.) 176.
Haukadalur (A.) 144 ff.
Haukadalur, Hof (A.) 419.
Haustliusavik (Hnp.) 175.
Haelavik (Isf.) 52.
Hseringsstadalsekur (A.) 213.
Hedinsfjördur (Ef.) 54.
Hegranes (Hy.) 182.
Heidarvatn (VSkf.) 206.
Heidnarey (Bst.) 71.
Heimaey (V.) 77. 421 ff.
Heimaklettur (V.) 422.
Heimalandid s. Heimaey.
Heinabergsjökull (Askf.) 100.
Heinabergsvötn (ASkf.) 201.
Hekla (R.) 1. 89. 107. 108—10.
Hekluhraun 'R.) 142.
Helgafell (Kj.) 416.
Helgafell (V.) 422.
Helgafell (Snf.) 424.
Heljardalsa (Heljardalur, NH.) 191.
Heljarfjall (Skf. u. Ef.) 87.
Hellirey (V.) 77.
Hellisa (VSkf.) 204.
Hellisar (Gb. u. Kj.) 168.
Hellisfjördur (SM.) 57.
Hellisheidi (Gb.) 83. 1 1 1 .
Helliskvisl R.) 213.
Helviti (SH.)' 129.
Hengifoss (NM.) 167. 196. '
Hengifossa (NM.) 195 ff.
Hengill (Gb ) 83.'
Heradsfloi (NM.) 56.
Heradssandur (NM.) 56. 19*.
HeradsYötn (Skg.) 102. 181 ff.
Herdubreid (SH.) 82. 10 1 . 127—8.
Herdubreidarlindir (SH.) 82.
Herdubreidartungur (SH.) 82.
Geographisches Register.
Hergilsey (Bst;) 72, 426.
Hestafoss (A.) 2 1 2 .
Hesteyrarfj ördur (Isf,) 51.
Hestfjall (A.) 96.
Hestsfj ördur (Isf.) 51.
Heydalsa, Heydalur (Isf.) 178.
Hita, richtiger Hita (M. u. Hnp.)
17 3 ff.
Hitara s. Hita.
Hitardalnr, rieht. Hitard. (M. u.
Hnp. 173. 174. 175.
Hitarvatn richtiger Hitarv. (M.)
173. 174.
Hjaltadalsa (Skg.) 182.
Hjaltadalur (Skg.) 86 , 182.
Hjaltadalur (SB.) 185.
Hjardarholt (Hof, D.) 176.
Hjörleifshöfdi, Cap (VSkf.) 64, 94.
Hjör(t)sey (M.) 67.
Hlidarendi (R.) 420.
Hlidarfjall (SB.) 87.
Hlidarnamur (SB.) 154 ff.
Hlödufell (A.) 82, 103.
Hlöduvik (Isf.) 52.
Hnappafellsj Skull (ASkf.) 100.
Hnausatjörn (Hv.) 180.
Hnefilsdalsa, Hnefilsdalur (NM) 194.
Hnjoska s. Fnjoskä.
Hof (Hv.) 431.
Hoffellsdalsa (ASkf.) 201.
Hofsa (Hv.) 181.
Hofsä (Skg.) 183.
Hofsa (Hofsardalur. NM.) 191.
Hofsa (SM.) 200.
Hofsa (R.) 208.
HofsjSkull 80, 10 2 .
HofsjSkull (SM.) 88, 101.
Hofsos (Skg.) 183.
Hofsos Handelsplatz (Skg.) 432.
Hofstadavogur (Snf.) 48.
Holaa (Hv.) 179.
Holanes (Hv.) 431.
Holar (Skg.) 432.
Holmkelsa (Snf.) 175.
Holmsa (ASkf.) 2 0 1 .
Holmsa (Holsa; VSkf.) 205, 206.
Holmsvatn (Skg.) 183.
Holmur, Ytri u. Innri (Bgf.) 67, 417.
Holsa, Holmsa (VSkf.) 205.
Holsa (R.) 2 10 , 2 1 1 .
445
Holtavörduheidi (M., Str. u. Hv.) 81 HoltavSrduvatn (M.) 171.
Holtsa (VSkf.) 204.
Hop d. i. Miöliop, s. d. W.
Hop (Hv.) 179.
Hopsos (Hv.) 179.
Horn (Cap Nord) (Isf.) 15, 61, 63,.
90, 267.
Horn Cap (Nordfjardar Horn) (SM.)
64.
Horn Cap (Austur Horn, fälschlich
„VesturHorn“ genannt. ASkf.)64.
Hornafjardarfljot hin eystri u. hin
vestri (ASkf.) 201.
Hornafjardaros, (ASkf.) 421.
Hornafjördar (ASkf.) 58.
HSföabrekka (VSkf.) 421.
„Höföa kaupstaöur“ (Hv.) 431.
HSfdastrSnd (Skg.) 54, 294.
HöfSavatn (Skg.) 183.
HSfdi (Hv.) 431.
Hölknä (NB.) 191.
Höltna (NM.) 193.
Hördudalsa, Hördudalur (D.) 175.
Hörga (Ef.) 184.
Hörgardalur (Ef.) 86, 184.
Hörgsä (VSkf.) 204.
HSskuldsey (Snf.) 68.
Hrafnabjargavad (SB.) 187.
Hrafnagja (A.) 131, 142.
Hrafnkela (NM.) 193.
Hrafnkelsdalsa, Hrafnkelsdalur
(NM.) 193.
Hrafnsfjördur (Isf.) 52.
Hrafntinnuhraun (R.) 142, 210.
Hrappsev (D.) 70, 425.
Hrauna "(SB.) 187.
Hraundalur (Ytri H. und Sydri H .;
M.) 173.
Hraunfjördur s. Hraunvik.
Hraunkvisl (SB.) 186.
Hraunsfjördur (Snf.) 48.
Hraunslsekur (A.) 213.
Hraunvik (Snf.) 48.
Hredavatn (M.) 171.
Hrisey (Ef.j 74, 437.
Hroarsholtslsekur (A.) 213.
Hroarslsekur (A.) 213.
Hrofä (Str.) 178.
Hrollaugseyjar (ASkf.) 77.
446
Geographisches Register.
Hromundsey (SM.) 76.
Hrota (NM.) 191.
Hrutafjardara (Str. u. Hv.) 178.
Hrutafjardarhals (Hy.) 92 ff.
Hrutafj ördur (Str. u. Hv.) 53 ff.
Hrutey (Hy.) 73.
Hunafjördur (Hy.) 54, 85.
Himafloi (Str. u. H y.) 53, 85.
Hunaos (Hv.) 180, 219.
Hunavatn (Hy.) 179, 219.
Hurdarbaksa (SM.) 198.
Husa (NM.) 194.
Husa (Str.) 178.
Husavik (SL.) 55.
Husavik Handelsplatz (SH.)130,131,
282, 435.
Husavik (NM.) 56.
Huseyjarkvisl (Skg.) 182.
Hvalafj ördur (Snf.) 48.
Hvalfj ördur (Kj. u. Bgf.) 47.
Hvallatur (Bst.) 73.
Hvalnes, Cap (ASkf.) 64.
Hvalsa (Str.) 177.
Hvalsa (Str.) 17S.
Hvalsey (SM.) 76.
Hvalseyjar (M.) 67 ff.
Hvalsiki (VSkf.) 204.
Hvalvatn (Bgf.) 169.
Hvalvatnstjardara (SL.) 185.
Hvalvatnstjördur (SJ>.) 185.
Hvammsa, Hvammsdalur (Skg.) 182.
Hvammsfell (Skf.) 87.
Hvammsfjördur (Snf. u. D.) 15,
48 ff. 69 ff
Hvammur (D.) 425.
Hvanna (R.) 208.
Hveradalsa (Hy.) 180.
Hveravellir 150.
Hverfisfljot (VSkf.) 142, 203 ff.
Hvita (Bgf. u. M.) 166. 169 ff. 171
Hvita (A.) 166, 213 ff.
Hvitarsida, Landschaft (M.) 170.
Hvitarvatn (A.) 168, 213.
Hvitarvellir (Bgf.) 170.
Hvitmagi (R.) 208.
Hvolsa (D.) 177.
Illvidrahnukur (Skf.) 87.
Ingolfsfjall (A.) 96.
Ingolfsfjördur (Str.) 52.
fngolfshöfdi Cap (ASkf.) 64, 285.
Innri (Idri) Holmur s. Holmur (Bgf.)
Isafjardardjup (Isf.) 50 ff.
Isafjördur (Isf.) 50, 51, 283.
Isafjördur, Kaufstadt (Isf.) 428.
Isolfsdalur (SL.) 187.
Jarlhettur 103.
Jökuldalur (NM.) 88.
Jökulfirdir (Isf.) 51.
Jökulkvisl (A.) 214.
Jökullfall 186.
Jökulsa s. Heradsvötn.
Jökulsa (Vestri u. Eystri Skg.)
181, 182.
Jökulsa (SE>.) 185.
Jökulsa (NM.) 195.
Jökulsa (Faskrudfjördur; SM.) 199.
Jökulsa a Breidumerkursandi
(ASkf.) 162, 202 .
Jökulsa a bru, Bruara, Jökulsa a
dal, 165, 166, 192 ff
Jökulsa a dal s. Jökulsa a bru.
Jökulsa a Sandi s. Skeidara.
Jökulsa a Solheimasandi (VSkf.)
207 ff
Jökulsa a fiölluin, i Axarfirdi (N3?.)
55, 189 ff.
Jökulsa, Jökulsdalur, i Loni (ASkf.)
200
Jökulsarhlid (NM.) 194.
Jökulsdalur (NM.) 192 ff. 194.
Jökulskvisl (NM) 192.
Jökulvatn (VSkf.) 206.
.
Kalda (Hnp.) 173, 174.
Kalda (NM.) 194.
Kaldaklofsa (R.) 207.
Kaldakvisl (R.) 213.
Kaldalon (Isf.) 51, 105.
Kaldardalur (Hnp ) 173.
Kaklar6s (Hnp.) 174.
Kaldbakur (Str.) 87.
Kaldidalur (A. n . Bgf.) 103.
Kalfa (A.) 212.
Karl (Gb.) 7.
Karl (Skg.) 432.
Katla (VSkf.) 104, 112—115.
Kselarar (VSkf.) 206.
Geographisches Register.
Keflavik (Gb.). 400.
Keilir (Gb.') 83, 416.
Keld(u)a (NM.) 195.
Keldärvatn (NM.) 195.
Kerling (Gb.) 7.
Kerlmg’ (Skg.) 432.
Kerling’ardalsa (YSkf.) 206.
Kerlingar Dtfngja (Sb*.) 127.
Kerlmgarfjöll (A.) 102.
Kerlingarfjöj:dur (Bst.) 49.
Kidagil (SB.) 186.
Kidagilsä (SB.) 187.
Kill (NB.) 189.
Kinn (SB.) 188.
Kinnarfell (SB ) 188.
Kinnarfjöll (SB.) 87, 188.
Kirfisbas (Isf.) 52.
Kirkjubser (YSkf.) 421.
Kirkjubol (Gb.) 416.
Kisa (A ). 212.
Kjalarey (Bst.) 73.
Kjalarnes (Kj.) 60, 83.
Kjalhraun 81, 139, 181.
Kjälkafjördur (Bst.) 49.
Kjallaksstadir (D.) 177.
Kjallakstadaä (D.) 177.
Kjalvegur 404.
Kjaransey (M.) 174.
Kjaransvik (Isf.) 52.
Kjarrä (M.) 170 ff.
Kjölur 81. 404.
Kjos (Kj.)
Kjosardalur (Kj.) 169.
Klakkeyjar (D.) 70.
Klifandi (YSkf.) 206.
Klofajökull (ASkf.) 99 ff.
Klofninguv (D.) 85.
Knarrarneseyjar (M.) 67.
Knifä (A) 2 12.
Kolbeinsä (Skg.) 182 ff.
Kolbeinsäros (Skg.) 183.
Kolbeinsdalsä, (Skg.) 182.
Kolgrima (ASkf) 2 0 1 .
KolgrafafjÖrdur (Snf.) 48.
Kolkukvisl (Hv.) 179.
Kollafjördur (Kj.) 47, 169.
Kollafjördur (Bst.) 49.
Kollafjördur (StrJ 53.
Kollköstungur (Snf.) 15, 69.
Kollotta Dyngja (SB.) 82, 127.
447
Kollumuli (NM.) 63.
Kopanes, Cap (Bst.) 63.
Kopanes-Landzunge 61.
Kopasker, Handelsplatz (NB.) 435.
Kotskekjara (R) 210.
Köldukinn (SB.) 188.
Kötlugja s. Katla.
Kötlusandur (YSkf.) 95, 112.
Krafla (SB) 88, 128— 129.
Kraka (SB ) 189.
Kreppa (NM) 190.
Kringilsa, Kringilsardalur (NM.)
192.
Kringla (Isf.) 15.
Krisuvik (Gb.)
Kr6k(s)dalur (SB.) 186.
Krgksfjördur (Bst.) 49.
Krossa (Str.) 178.
Krossa (SB) 187.
Krossa (R.) 208.
Krossardalur (Str.) 178.
Krosslaug (Bgf.) 151.
Kuda (NB.) 191.
Kudafljot (YSkf ) 205.
Kudafljotsos (VSkf.) 206.
Kvennabrekka (D.) 425.
Kverka (NM.) 190.
Kverkfjöll 125.
Kvia (Tvfa; ASkf() 202.
Kvigindisfjördur (Bst.) 49.
Kvisl (Hv.) 180.
„Liadegaarden“ (Gb.) 78.
Lagarfljot (NM. u. SM.) 195 ff.,
220 ff.
Lagarfljotsos (NM.) 436.
Lagheidi (NM.) 194.
Lagnabas (Isf.) 52.
Laki (YSkf.) 115—120, 130.
Lambey (D.) 70.
Landa (YSkf.) 205.
Landbrot (YSkf.) 205.
Landeyjasandur (R.) 96.
Langa fM ) 171, 173.
Langanes (Bst. u. Isf.) 60.
Langanes, Cap (NB.) 63.
Langanes-Landzunge 62, 87.
Langarfoss (M ) 173.
Langavatn (M.) 173.
Langey, Fremri und Efri (D.) 70.
448
Geographisches Register.
Langjökull 80, 103.
Lomagnupssandur (ASkf.) 95.
Lätrabjarg (Bst.) 90, 267, 425.
Lomagnupuf (VSkf.) 89.
Latraröst (Bst.) 15.
Lon oder Lonshyerfi (ASkf.) 200'.
Lonafjördur (Isf.) 51.
Latraströnd (SH.) 59.
Latraströnd-Halbinsel 59.
Lonafjördur (NL».) 55, 191.
Latravik (Isf) 52.
Lonfjördur (ASkf) 58.
Lonsjökull (Isf.) 105.
Laufaleitir (Landschaft. R.) 208.
Löngufjörur (Hnp. u. Snf.) 97.
Langara (R ) 207.
Lönguhlidarfjall (Gh.) 83.
Laugara (NM.) 195.
Lundareykjadalur (Bgf.) 96.
Laugardalsa (Isf.) 177.
Lundey- (SI>.) 74.
Laugardalur (A.) 151.
Laugarvallaa (NM.) 192.
Jflalmey (Skg.) 74, 432.
Laugarvik (Isf.) 51, 143.
Manareyjar (SI>) 75.
Laxa (Kj.) 169.
Markarfljot (R.) 208 ff
Laxa (Bgf) 169.
Mselifellssandur (R. u. VSkf.) 208.
Laxa (Hnp.) 175.
Meöalland (VSkf.) 205.
Laxa Laxardalur, (D.) 176.
„Mehlsack, der“ (Gh.) 7, 78.
Laxa (D.) 176.
Melrakkasletta (N5>.) 59 .
Laxa (Bst.) 177.
Laxa Laxardalur (Skg.) 181.
Melrakkasletta-Halbinsel (NH.) 59.
Melstadur (Hv.) 430.
Laxa Laxardalur (Hv.) 181.
Laxa (SH.) 188 ff.
Merkia (R.) 209, 210.
Merkurjökull 104.
Laxa (NH.) 191.
Laxa (NM.) 194.
Midä (D.) 175, 176.
Laxa (ASkf.) 200.
Middalir (D.) 176.
Laxa (ASkf.) 2 0 1 .
Middalsa (Str.) 178.
Laxa d. i. Minni L. (A.) 214.
Midfjardara (Hv.) 179.
Laxa d. i. Stora L. (A.) 214.
Midfjardara (NM.) 191.
Midfjördur (H v) 54.
Laxardalur (Sh1) 87, 188 ff.
Laxaros (SH.) 188.
Midfjördur (NM.) 56.
Midhop (Hv.) 219.
Laxarvogur (Kj.) 47, 169.
„Laxelv“ (Kj ) 168 .
Midihop 179 lies: Midhop.
Lsekjarskogsfjörur (D.) 176.
Midkvisl (Hv.) 179.
Midskalaa (R.) 207 ff.
Leira (Bgf.) 169, 417.
Leira (VSkf) 206.
Midvik (Isf ) 52.
Leirarey (Bgf.) 67.
Miklakvisl 2 1 2 .
Leirargardar (Bgf.) 417.
Miklavatn (Skg) 183.
Leirarvogar (Bucht zwischen dem Miklavatn (SH.) 188.
Hvalfj ördur und dem Borgar- Miklilsekur (A.) 2 12 .
fj ördur, einzuschalten auf S. 47) Mjadma (Ef.) 185.
60, 67.
Mjofidalur (SH.) 187,
Leirhnukur (SI>.) 128, 129—130.
Mjofifjördur (Isf.) 51.
Leirufjördnr (Isf.) 52;
Mjofifjördur (SM.) 57.
Leiruvogar (Kj.) 47, 169.
Moda s. Gufuskalamoda.
Leiruvogsa (Kj.) 169.
Modulsekur (Snf.) 175.
Leiruvogsvatn (Kj.) 169,
Mosfell (Kj.) 416.
Likarvatn (SM.) 196.
Mosfellsheidi (Kj.) 83.
Lindaa (SL.) 190.
Mount Paul 1 0 1 .
Ljosavatn (St>.) 167, 187.
Mödrudalsheidi (NM. u. NH.) 193.
Lodmundarfjördur (NM) 56.
Mödruvalla ldaustur s. Mödruvellir.
Geographisches Register,
Mödruvellir (Ef.) 434.
Muli (SM.) 436.
Mulaa (SM.) 196.
Mulaeyjar (Bst.) 71.
Mulakvisl (YSkf.) 200.
Musara (Bst.) 177.
Myrar (M.) 34, 96, 289.
Myrar (ASkf.) 201.
Myrarkvisl (SB.) 188.
M^rdalsjökull (YSkf.) 6, 80, 89,104.
Myrdalssandur (VSkf) 95, 112.
Myrkärjökull (Ef.) 87.
Myrnasveit (ASkf.) 201.
M/vatn (SB.) 128, 168, 1S8, 219 ff.
273.
Myvatnsheidi (SB.) 188.
Myvatnshraun (SB) 138 ff.
M^vatnsörsefi (SB.) 128, 190.
Myvatnssveit (SB.) 87.
Nämafjall (SB.) 154, 157.
Nämskvisl (R.) 213.
Nesey (A.) 215.
Nesjasveit (ASkf.) 201.
Nesvogur (Snf ) 48.
Nikulasargjä (A ) 418.
Njardvik (NM.l 56.'
Nordfjardara (Nordfjördur SM.) 199.
Nordfjardar-Horn (SM ) 63.
Nordfjördur (SM.) 57.
Nordlingafljot (M.) 170.
Nordura (M.) 171.
Nordura. Nordurardalur (Skg.) 182.
Nordurardalur (M.) 96, 171.
Nordurdalur (NM.) 195.
Nupa (Hnp.) 174 ff.
Nupa (Ef.) 185.
Nupsa (Hy.) 179.
Nupsa (VSkf ) 203.
Nupsarvatn (YSkf) 203.
Nupstadarskogar (YSkf) 203, 245.
Nupsvötn (ASkf.) 203
jNryidalur 102.
Nyjavatn (YSkf.) 206.
N/psfjördur (NM.) 56.
Odadahraun (SB) 81, 82, 125,
136—138, 186.
Oddbjarnarsker (Bst.) 72.
Oddi (R.) 44, 211, 304, 420.
P o e s t io n , Island.
449
Ofaera (.,hin nyrdri“ und „hin sydri“.
, YSkf.) 204.
Ofeigsfjördur (Str.) 52.
Ok iBgf.) 82, 103.
Olafsey (Snf.) 69.
Olafseyjar (D.) 71.
Olafsfjardara (Ef.) 184.
Olafsfjördur (Ef.) 54.
Ölafsvik (Snf.) 48, 175.
Olafsvik (Snf.) 400, 424.
Onnalon (NB.) 190.
Ormalonsa (NB.) 190.
Orrustuhryggir (D.) 176.
Osar (NM.) 199.
Oseyri’jA.) 214.
Ölfus (Ölves) (A.) 130, 131, 417.
Ölfusa (A ) 214.
Ölfusvatn^s. Bingvallavatn,
Ölves s. Ölfus.
Öndverdarnes Cap (Snf.) 2. 62.
Önundarfjördur (Isf ) 50.
Önundarfjördur, s. Elateyri.
Öraffaj ökull (ASkf.) 6,88,100,120 ff.
Örfirisey (Gb.) 66, 413.
Örnoltsdalsa (M )■ 170 ff.
Öskurholl 152.
Öskurhol shver 152.
Öxara (A.) 216 ff., 418.
Öxara (SB.) 187.
Öxararholmur (A.) 216, 418.
Öxi (SM.) s _ Axarheidi.
Öxnadalsa, Öxnadalur, (Ef.) 181.
Öxnaey oder Öxney (Snf.) 69.
Palstjall 101.
Papaljardaros (ASkf.)
Papafjördur (ASkf) 58. 287.
Papey (SM.) 76, 226, 287.
Papi (D.) 176.
Papos (ASkf.) 287.
Patrekstjördur (Bst.) 49.
Patreksfjürdur s. Yatneyri.
„Portland“ (YSkf) 2, 64, 421.
Purkey (D.) 70.
Ranga (SB.) 188.
Ranga (NM.) 195. 196.
Ranga, Eystri (R.) 210.
Ranga, Yestri od. Ytri (R ) 210, 211.
29
450
Geographisches Register.
| Sanda (SH ) 187.
Rangaros (R.) 211.
Rangarsandur (R.) 210.
! Sanda (NH.) 189.
Rangarvellir (R.) 211.
i Sanda (NH.) 191.
j Sanda (NM.) 194.
Rauda (NM) 191.
Rauda cl. i. Baugstadasiki (A.) 213. ! Sanda (NM.) 199.
Raudamelur (Hnp.) 159.
I Sanda (A.) 214.
Raudaneseyjar (M.) 67.
Sandey (SM.) 76.
Raudukambar (A.) 111.
| Sandey (A.) 215.
Raudukulur (Snf.) 85.
| Sandmuladalsa (SH.) 187.
Raufarhöfn, Handelsplatz (NH.) 435. i Sandvik (Isf.) 52.
| Sauda (NM.) 192.
Rekavik (Isf) 52.
| Saudanes, Cap (Isf.) 61.
Rekavik (Isf.) 52.
| Saudanes-Landzunge (Isf.) 61.
Reydarfjall (SM.) 62. 2S2.
Reydarfjall-Landzunge (SM.) 62. | Saudarkrokur (Skg.) 432.
| Saudeyjar (Bst.) 71.
Reydarfj ördur (SM.) 57.
! Sauravogur (Snf.) 48.
Reydarvatn (Bgf.) 172.
j Saurbser (Bgf.) 417.
Reydur Cap (SM) 62.
Sselingsdalsa (D.) 176.
Reykey (Bst.) 72.
S«lmgsdalstungua (D.) 176.
Reykliolar (Bst) 426.
Reykholt (Bgf.; 151, 417.
Sselingsdalur (D.) 176.
Reyldioltsdalur (Bgf.) 96, 151, Sela, Selardalur (D.) 175.
Sela, Selardalur (Str.) 178.
172.
Sela (NM.) 191.
Reykir (A.) 150.
Reykjadalsa (Bgf.) 152. 172.
Seley (SM.) 75.
Reykjadalur (SH.) 87.
Selfljot (NM.) 198.
Seljadalur (SH.) 188.
Reykjahlid (SH.) 154.
Reykjahverfi (SH.) 153.
Seljalandsfoss (R.) 209.
Seltjarnarnes (Gb.) 8, 60.
Reykjakvisl (SH.) 188.
Selyogur (A.) 417.
Reykjalaug (A ) 151.
Selvogur (Isf.) 52.
Reykjanes, Cap (Gb ) 7. 62.
Reykjanes, Halbinsel ,Gb.) 8. 58. Seydisfjördur (Isf.) 51.
Seydisfjördur (NM.) 56 ff.
Reykjanes (Bst) 60.
Reykjanes (Isf.) 428.
Seydisfjördur, Handelspl. (NM.) 435.
Sida (YSkf.) 101, 205.
Reykjanes (Str.) 429.
Reykjaneshraun (A. u. Gb.) 140 ff. Sidufjall (M.) 170.
Reykjara (NM.) 192.
Sidujökull (YSkf.) 101.
Reykjarfjördur (Bst.) 50.
i Siglufjördur (Ef.) 54.
Reykjarfjördur (Isf.) 51.
: Siglufjördur, Handelspl. (Ef.' 434
Reykjarfjördur (Isf.) 52.
: Siglunes, Cap (Ef) 63.
Reykjarfjördur (Str.) 53.
; Siglunes-Iialbinsel 59.
Reykjarfjördur, Handelspl. (Str.) 429. | Sigluvik (Isf.) 52.
Reykjaströnd (Skg.) 54.
; Sigridarstadavatn (Hy.) 179, 219.
.Reykjavik (Gb.) 286.
! Sigridarstadaos (Hy.) 179.
Reynistadur (Skg.) 432.
j Sjafarsandur (SH.) 188.
Rifstangi (NH.) 63.
; Skagafjall (SM.) 61.
Rifsvik (Snf.) 48.
! Skagafjall-Landzunge (SM.) 61.
Skagafjördur (Skf.) 54.
Rimar (Ef.) 87.
Rjupnabrekka 186.
Skagafj ördur, Landschaft (Skf.) 86.
Skagaströnd (Hv ) 53, 59.
Rjupnakvisl 186.
i Skagaströnd-Halbinsel 59. .
Rosmhvalanes (Gb.) 60.
Geographisches Register.
451
Skagaströnd, Handelspl. (Hy.) 431. Skorreyjar (M.) 67.
Skagata (H y . u. Skf.) 63.
Skötnfjördur (Isf.) 51.
Skagi (Gb.) 7, 62.
Skrauma (D.) 175.
Skagi (Bgf.) 417.
Skranmuhlanpsa (D.) 175.
Skagi (Hv. u. Skg.) 59.
Skrida (NM.) 436.
Skaley (D.) 70. .
Skriddalsa (SM.) 196.
Skaleyjar (Bst.) 73.
Skrid(u)dalnr (SM.) 196, 198.
Skaiholt (A.) 131.
Skrifla (Bgf.) 151.
Skalm (YSkf.) 206.
Skrudey oder Skrudur (SM.) 75.
Skalmarfj ördur (Bst.) 49.
SknldaJ)mgsey (SB.) 187.
Skaney (Bgf.) 172.
Skutilsfjördur (Isf.) 51.
Skäneyjarbunga (Bgf.) 172.
Skutulsey (M.) 67.
Skapd (YSkf.) 101. 142. 204 ff.
Skutulsfjördur s. Skutilsfjördur.
Skaptarhraun (YSkf.) 142.
Skyrtunna (Snf. u. Hnp.) 85.
Skaptarjökull (YSkf.) 101.
Sletta = Melrakkasletta (s. d.)
Skaptaros (YSkf.) 204.
Smjörfjall (NM.) 88.
Snsefell (NM.) 82, 101.
Skardsä (NM.) 190.
Skardsfjördur (ASkf.) 58.
Snsefellsjökull (Snf.) 7, 85, 103 ff.
Skardsheidarhraun (M.) 140.
Snsefellsnes-Halbinsel 59.
Skardsheidi, hin sydri oder eystri Snsefellsneshraun (Snf.) 140.
Sna3fjall (Isf.) 90.
(Bgf.) 8, 84.
Skardsheidi, hin vestari (M.) 84.
Snaefjaliaströnd (Snf.) 61.
Skeidara (ASkf.) 203.
Snaefjallaströnd-Halbinsel 61.
Skeidararjökull (ASkf.) 99, 100.
Snorralaug (Bgf.) 151.
Skeidararsandur (ASkf.) 95.
Sog (A) 213 ff.
Solheimasandur 95, 207.
Skeljavik (Str.) 53. 178.
Skerjafjördur (Gb.) 47.
I Sökkolfsdalur (D.) 176.
Slddadalsä, Skidadalur (Ef.) 184. | Sprengisandur 81, 186. 404.
Stadardalur (Str.) 178.
Skjaldarey (D.) 69.
Stadarey -Ef.) 184.
Skjaldarey (Bst.) 72 ff.
Skjaldbreidarjökull 103.
Stadarholsa (D.) .177.
Skjaldbreidnr (A.) 82. 103.
Stadur in Grindavik (Gb.) 416.
Skjaldbreidur (Trölladyngja. SB) 82. Stafa (Skg.) 183.
Stafholtstungur (M.) 171.
Skjaldey (D.) 76.
Skjaldmeyjar eyjar (Bst.) 72.
Stakksfjördur (Gb.) 47.
Skjalfandaflj ot (SB ) 101, 166,185 ff. Stakksvik s Stakksfj ördur.
Skjalfandafloi od. Skjalfandi (SB.) j Stalfjall (Bst.) i 0.
j Stapi (Snf.) 224.
55.
'
i Steinavötn (ASkf.) 202.
Skjalgdalsa (Ef.) 185.
; Steingrimsfjördur (Str.) 53.
Skoga (R.) 208.
| Steinm/rarfljot (YSkf.) 205.
Skogafoss (R.) 167, 208.
Skogar (SM.) 198.
i Stifla (Skg.) 183.
| Stiflua (Skg.) 183.
Skogasandur (NB.) 189.
! Stigi, Cap (Isf.) 61.
Skogasandur (R.) 95, 208.
| Stigi-Halbinsel 61.
Skogey (ASkf.) 201.
! Stokkseyri, Handelsplatz (A.) 419.
Skoreyjar (Snf.) 68.
vSkorradalsvatn (Bgf.) 167,169, 217. | Storhöfdi (ASkf.) 89.
j Storilsekur (A.) 213.
Skorradalur (Bgf.) 96, 217.
Storisandur 81.
Skorrey (M.) 67.
i Storisjor 218.
Skorrey (Snf.) 68.
29^'
452
Geographisches Register.
Stödvarfjördur (SM.) 57.
Talknafjördur (Bst) 49.
Stranclafjöll (Str.) 90.
Talkni, Cap (Bst.) 63.
Strandafioi (Str.) 53.
Talkni (Bst.) 61.
Timhurvalladalur (SP.) 185.
Strandir (Isf. u. Str.) 5.3.
Strangakvisl (Hv.) .179.
Tindastoll (Skg.) 86.
Tindfjallajökull (R.) 7, 105.
Strangakvisl (Hv.) 180.
Tjörnes, Halbinsel (SP.) 61, 80.
Stranmfjardara (Hnp.) 175.
Torfajökull (R ) 7, 89, 104—5.
Straunfjardaros (Hnp.) 175.
Straumfjördur Handelspl. (M.) 400. Torfavatn (R.) 208.
Trekyllisvik (Str.) 53.
Straumnes, Cap (Isf.) 15, 63.
Trostansfjördur (Bst.) 50.
Strokkur (A.) 147 ff.
Tröllad^ngja (SP.) 82, 127—8.
Strokkur, Litli (A.) 148.
Trölladyngja (Gb.) 111.
Sturlureykir (Bgf.) 152.
Stykkisholmur Handelsplatz (Snf.) „Trölladyngjur“ (SP.) 127.
Tunga (Landschaft. NM.) 195
423 ff.
Stykkisholms-Inseln 68 ff.
197, 198.
Styrmissker (ASkf.) 76.
Tungna (D.) 176.
Sudura, Sudurardalur (D.) 176.
Tungna (VSkf. u. R.) 212.
Sudura (SP.) 187.
Tungnafellsjökull 80, 101 ff.
Sudurarhraun (SP.) 186, 188.
Tungua (Bgf.) 172.
Sudurdalur (NM.) 195.
Tungua (Skg.) 183.
Sudurdalur (SM.) s. Skridudalur.
Tungufljot (A.) 213.
Sudurey (Snf.) 69.
Tungufljöt (VSkf.) 205.
Suderey (V.) 77.
Tunguheidi (NM.) 193.
Sudurfirdir (Bst.) 50.
Tvidsegra 81, 217.
Sudurnes (Gb.) 60.
Tvisker (ASkf.) 77.
Sugandafjördur (Isf.) 50.
Sugandisey (Isf.) 68.
Ülfarsdalsa (VSkf.) 204.
Shla (VSkf.) 203.
Ulfljotsvatn (A.) 214.
Sulnasker (V.) 77.
Ülfsey (SM.) 75.
Sulunes (Bgf.) 60.
Ullarfoss (SP.) 167, 188.
Sunnudalsa (NM.) 191.
Unadalsa (Skg.) 283.
Surtshellir (M.) 139 ff.
Unadalsjökull (Skg.) 86.
Svadbselisa (R.) 207.
Urridaa (M.) 173.
Svalbardsa (NP.) 191.
Uxahver (SP.) 153.
Svarfadardalsa (Ef.) 184.
Svarfadardalsos (Ef.) 184.
Varmä (A ) 214
Svarfadardalur (Ef.) 86.
Varmärdalsa (YSkf.) 204.
Svarta (Hv.) 180.
Yatn (D.) 176.
Svarta (Skg.) 182.
Yatnatjördur (Hv ) 219.
Svarta (SP.; 187.
Vatnajökull 80, 99 ff. 120 ff.
Svarta (A.) 214.
Yatnaj öknlsvegur 405.
Svartarvatn (SP.) 187.
Vatnakvisl (R.) 212.
Snefneyjar (Bst.) 72 ff.
Vatneyri Handelsplatz (Bst.) 426
Sveinagja (SP.) 128.
Yatnsa (YSkf.) 206.
Svidnur (Bst.) 73.
Yatnsdalsa (Hv.) 179 ff.
Svina (A.) 214.
Vatnsdalur (Hv.) 86, 179.
Svinadalsa (D.) 176.
Vatnsfjördur (Bst.) 49.
Svinadalur (Kj.) 169.
Yatnsfjördur (Tsf.) 51.
Svinavatn (Hv.) 219.
; Yatnsnes-Landzunge (Hv.) 61.
Geographisches Register.
Yeidileysa (Isf.) 51.
Yeidileysa (Str.) 53.
Yeidios (YSkf) 204.
Yellindishver (Bgf) 152.
Yellir (Landschaft, SM.) 198.
Yellir s. Hvitarvellir.
Yestdalsa (NM) 199.
Yestdalseyri (NM ) 435.
Yestfirdir 2, 37, 45, 49 ff.
Yestfirdir-Halbinsel 59, 89, 134.
Yestmann[a]eyjar (Y.) 77, 267, 270,
286.
Vestura (Hv.) 179.
Vesturdalsa, Yesturdalur oder
Yesturardalur (NM ) 191.
Vestureyj ar (Bst) 71.
Yesturhopsvatn (Hv) 219.
Vestur-Örsefi (NM ) 193.
Yesturstrandir (Isf.) 429.
Yiöarvik (NP.) 55.
Yidey (Gb.) 66.
Yidfjördur (SM.) 57.
Yiöidalsa, Viöidalur (Str.) 178.
Yididalsa (Hv.) 179.
Yididalstunga (Hv.) 430.
Viöidalur (Hv.) 86, 179. 430.
Yigur (Isf.) 73. 426.
Yigur (ASkf.) 76.
Vik (YSkf.) 421.
Yindheimajökull (Ef) 87.
Viti (SP) 129.
Vonarskarö 81, 101, 186.
Vopnafjaröara s. Hofsa (NM)
Vopnafjöröur (NM.) 56.
Vopnafjöröur, Handelspl. (NM.) 436.
Yxnadalsa, (Yxnadalur SP.) 187.
Paralatursfjöröur (Isf.'i 52.
Peistareykir (SP.) 157.
Perney (Kj.) 66.
Pingey (SP.) 187,
Pingeyrar (Hv.) 431.
453
Pingey ri Handelsplatz (Isf.) 428.
Pingvallahraun (A.) 140 ff.
Pingvallavatn (A.) 167, 168, 214,
215 ff
Pingvellir (A.) 216, 418.
Pingvellir, Landschaft (A ) 131, 215.
Pistilfj öröur (NP.) 55.
Pjofagilsa 195,
Pjorsa (R.) 102, 166, 210 ff, 212 ff.
Pjorsardalur (A.) 111, 212.
Porisdalur (Bgf.) 103.
Porisvatn (R ) 168, 218.
Porlakshöfn (A ) 419.
Pormoösey (Snf.) 68.
Pormoössker (M.) 67.
Porolfsa (R) 209.
Porshöfn Handelsplatz (NP.) 435.
Porskafjaröara (Bst.) 177.
Porskafjöröur (Bst.) 49.
Porsmörk (Landschaft, R.) 208.
Porunnarey (Ef.) 184.
Porvaldsa (SP.) 187.
Prandarjökull (SM.) 88. 101.
Prihyrningur (R.) 7.
Prönga (R.) 208.
Pufnalselmr (H v) 180.
Puriöarstaöadalsa (NM.) 193.
Pveit (ASkf) 159.
Pvera (M ) 170 ff.
Pvera (Litla P.; M.) 171.
Pvera (Hv ) 179.
Pvera Pverardalur (Skg.) 182.
Pvera Hrolleifsdalur, (Skg.) 183.
Pvera (Ef.) 185.
Pvera (SP.) 185.
Pvera (NM.) 194.
Pvera (NM.) 199.
Pvera (R ) 209, 210 ff.
Pvera, Litla (R.) 210.
Pverarvatn (NM.) 194.
Pvotta (SM.) 200.
Pvottäreyjar (SM.) 76.
Pyrill (Bgf.) 29, 83—84.
Sachregister.
Aberglaube 18, 232, 261, 263,
264, 329.
Achates islandica 236.
Ackerbau 66, 68, 71, 72, 249 ff.
Administ. Eintheilung Islands 350 ff.
„afrettir“ 354, 359.
Alterthumsforscher, isländ. 320.
Aljnngi 299 ff.
Alfnngi-Stätte der Republik (A )
216.
Amerikan. Charakter der Tertiär
flora 257.
Anachoreten 282, 287.
Archangelica officinalis 246, 336.
Arktischer Strom 17.
Arktische Unterströmung 17.
Arnes Sysla 130, 144, 212, 213,
417 ff.
Austur Skaptafells Sysla 203, 240.
Bäche 160 ff.
Basalt 2 ff, 98, 222 ff.
„baulusteinn 228.
Becken, unterseeische 10.
— nordatlantisches 11.
— arktisches 11.
„Bergfisch“ 377.
Bergschlipfe 91 ff., 131, 180.
Berufj örflur, Temperaturverhält
nisse 26.
Besiedelung Islands 284 ff.
Bewegungen des Meeres 14 ff.
Bibliotheken 320.
Bildung 316 ff.
Birken 243.
Bischöfe, fremde auf Island 300.
Bischöfe, einheimische 301.
„blanda“ 337, 365.
„borg“ 289.
Borgarfjardar Sysla 47, 169, 170?
416 ff.
„bru“ (Bedeutungen) 166.
Borgarfjördur, Klima 27.
Breidifjördur, Klima 27. 35. Thier
leben 264, 268, 270.
Brücken 164, 166, 192, 194, 213.
217, 406.
Buchdruckereien 320.
Buchten 3 ff., 45, 47 ff.
Bürgerkriege 303 ff.
Calmarische Union 306.
Caps 46, 62 ff.
Chalcedon 226, 391.
Christenthum, Einführung 300.
Christi. Bevölkerung, älteste 28 7.
Cyprina islandica 279.
Dämmerungen 39.
Dänemark-Straße 9, 17, 18, 21, 22„
Dala Sysla 48, 85, 175., 424 ff.
Dichter, isländische 321 ff.
Dolerit 223, 391.
Dolphin 10.
Dorsch 278.
Dorschfang 376 ff.
Dörfer 384.
„drattur“ 165..
Driftströme 17.
Ebbe und Flut 15, 161, 170, 172.
Eiderdunen 268, 384 ff.
Eidergans 65, 267 ff., 384 ff.
Sachregister.
455
Eis s. Eisberge, Meereis, Treibeis. Fossile Flora 234 ff., 255 ff.
Eisberge 17, 19, 20, 25.
Freistaat auf Isl. 296 ff.
Eisgrenze 18, 20, 21.
„fridaröld“ 301.
Eishai 278.
| Fuchsnamen 261.
Eishaifang 379 ff.
j Fuchssage 261.
Eismeer 1, 20, 22.
I Fumarolen 143.
Eismeer tiefe 11, 21, 25.
| Furten 162.
Eisen 233, 391 ff.
Eisenkies 226 ff., 233.
Gardar Svafarsson 282.
Eisenocker 233.
Gardarsholmr, Name für Island
282.
Eiszeit 4 ff.
Entdeckung Islands 281 ff.
Gärten 355 ff.
Entdeckung Amerikas 302.
Geld 353, 400 ff.
— Grönlands 302.
Geldverkehr 395 ff.
Epidemien 310, 338 ff.
Geolog. Bau Islands 2 ff.
Erdbeben 130 ff.
Geschichtl. Überblick 281 ff.
Erwerbsquellen 354 ff.
Gesellschaften zur Aufklärung des
Ethnographie 281 ff.
Volkes 308, 320.
Export 398 ff.
Gestade-Inseln 64 ff.
„ey“ 65, 206.
Gesteine und Mineralien 222 ff.
Eyjafjardar S/sla 54, 432 ff.
Gesundheitszustand 337 ff.
Europäisches Nordmeer 9.
Getränke 337.
Getreidebau 249.
Fahrplan des Postdampfers 407 ff. Gewicht 353, 400 ff.
Falken 276 ff.
Gletscher 4 ff., 97 ff.
Farö-Shetland-Rinne 11, 21.
Gletscherflüsse 98, 161, 162 ff.
Fata morgana 44.
Gletscherläufe 99, 106, 112.
Fauna Islands 258 ff
Gliederung Islands 45 ff.
Glücklichste Periode Islands 301 ff.
— fossile 234.
Faxafjördur, Klima 27, 35.
godi, godord 297 ff.
Faxi, Begleiter des Flöki Vilger- Golfstrom 16 ff., 18..
darson 283.
Golfstromdrift 16 ff.
Fische 259, 278 ff.
Gränufelag 396 ff.
Fischerei 346, 371 ff.
Gras, Grasbau 242.
Fischfang, Betrieb desselben 375. Grönländ. Meer 9.
„fjallagrös“ 246.
Grimsey, Temperaturverhältnisse
Fjorde 4, 45, 46 ff., 167.
23, 26. Winde 29.
Flagge, ißländ. 353.
„grasteinn“ 391.
Flechten 242.
Guaj ana-Strom 16.
Floki Vilgerdarson 283, 287.
Gullbringu Sysla 169, 410 ff.
Flora Islands 4, 27, 237 ff.
— fossile 234 ff.
Häfen 5, 45, 406.
Florida-Strom 16.
Haifische 278.
Haifischfang 379 ff.
Flugsand 94.
Flüsse 99, 160 ff.
Halbinseln 46, 58 ff.
Flussübergänge 162, 164 ff.
„hals“ 92 ff.
Forellen 168, 169.
Handel 307, 308, 394 ff.
Forellenfischerei 383.
— inländischer .401.
Fossile Funde 4, 27.
Handelsflotte, isländ. 397 ff.
Handelsgesellschaften 396 ff.
— Fauna 234.
456
Sachregister.
Handelsplätze 170, 207, 400.
Handelsverhältnisse, frühere 307 ff.,
371 ff.
Handwerker, 347 ff., 3S8.
Häringsfang 380 ff.
„Hartfisch“ 377.
Hauptwasserscheide 161.
Haustliiere, 260 ff, 359 ff.
Häuser, isländ 330 ff.
„heidi“ 92. Vegetat. daselbst 239.
Helle Nächte 39.
Heuernte 359.
Historiker, isländ. 320.
Hjörleifr (Leifr Hrodmarsson) 285.
Hnappadals Sysla 174, 422 ff.
Hochebenen 92.
Hochplateau, isländisches 79.
Hochplateau von Vestfirdir 79.
Iiolar, bischöfl. Stuhl 301.
„holt“ 359.
Holzgewächse 243.
„liop“ 168.
Hrafna Floki 183.
„hrafntinna“ 107, 142.
hraun, s. „Lava“ und „Lavafelder“.
Hunavatns Sysla 178, 430 ff.
Hund, isländ 369 ff.
Husavik, Erdbeben daselbst 130 ff.
Hvalfjördur, Winde 29.
„hverar“ 143 ff.
„hvönn“ 208, 246 ff.
Import 399 ff.
Industrie 388 ff.
fngolfr Arnarson 284 ff.
Insekten 260.
Inseln 64 ff.
Irminger-Strom 17, 18.
fsland, Name 283.
Isländ. Achat (Gagat) 232, 236.
Isländ. Diamant 226.
Isländ. Doppelspath 226.
Isländ. Ente 274.
Isländ. Falke 276.
Isländ. Maus 263.
Isländ. Moos 246, 335.
Isländ. Sahara 137.
Isländ. Schiffe 170.
Isländ. Schneehuhn 275.
Isländ. Schwan 272.
Isländ. Uhu 277.
Isländ. Wappen 272 ff.
Jagd 386 ff.
Jahresisothermen 2 6.
Jahreszeiten 36.
„iökullilaiip“ 94, 99, 106, 163.
„jökull“ 97.
Jon Arason, Bischof von Holar
307.
Jon Ögmundarson 301.
Juristen, isländ. 320.
Kabliau 278.
Kabliaufang 386 ff.
„kälfur“ 165.
Kalk 226, 391.
Keltische Einflüsse 310.
Kirchliche Eintheilung 352.
Kjosar Sysla 47, 169, 411 ff.
Kleidung, isländ. 329 ff.
Klima Islands 4, 23 ff, 35.
„Klippfisch“ 377.
Klöster, alte 301, 303.
„König Jörgensen“ 309.
Kötlulilaup 112, 113 ff.
Krater, vulcaniscli. 106, 107.
Kryptogamische Gewächse 242,
255.
Kunstindustrie 393,
Kupfer 234, 392.
Kürzester Tag 37.
Küsten entwicklung 45 ff
liabrador-Srom 17.
Lachse 168, 169, 170, 189, 278 ff.
Lachsfischerei 382 ff.
Landaurar-Rechnung 400 ff.
Landbau 354 ff.
Landnahmezeit 294.
Landsäuget.hiere 260 ff.
Landseen 167.
Landvögel 267, 275 ff.
Landwirtschaft 354 ff.
Landzungen 46, 58 ff.
Längster Tag 37.
Lauf der Flüsse 161, 163 ff.
Laufgletscher 97 ff, 100, 101, 102,
103, 105.
„laug“ 143, 144.
457
Sachregister.
Lava 2, 106, 107, 135, 222, 230 ff.
Lavafelder 5, 93, 134— 142.
Lavavegetation 238 ff, 359.
Leifr Hroömarsson 284 ff
Levyn 225.
Lichterscheinungen 37 ff.
Lightning Canal 11, 21.
Lightning-Expedition 260.
Literatur, altisländ. 302. ff.
— neuisländ. 321 ff.
„Ion“ 168.
„lögberg“ 299.
„lögmaör“ 305.
„lögretta“ 299.
„lögsögumaör“ 299.
Luftdruckyerhältnisse 28.
— des Meeres um Island 22.
Lufterscheinungen 37 ff.
OTaccaluben 153.
Malströme 15.
Marschall von Island 309.
Maße 353, 401.
Medizinalwesen 319, 351.
„melur“ 247.
Meer um Island 8 ff., allgem.
Charakter 9 ff, Bewegungen
14, Tiefe 11 ff., Dichte und
Salzgehalt 13 ff., Strömungen
15.
Meer, grönländisches 9.
Meerhusen 46 ff.
Meereis 13, 14, 19, 20.
Meeresboden 10 ff., Formation und
Tiefe 10 ff., sonstige Beschaffen
heit 13.
Meeress chlamm 13.
Meeresströmungen 15 ff, 25.
Meerestheile um Island 9.
Meerfische 278.
Meersäugethiere 264 ff
Meerwasser, Dichte und Salzgehalt
13 ff.
Meridian v. Ferro 1.
Mineralien Islands 222 ff.
Mineralische Quellen 142, 144.
Mineralproducte 389 ff.
Missjahre 308.
Mitternachtssonne 38 ff.
„moar“ 92.
„moberg“ (Tuff) 228.
Mollusken 278 ff.
Monatsschwankung der Temperatur
27.
Moore 5, 96, 356 ff.
Moose 242.
„mor“ 92.
Mücken 214, 220, 279 ff.
Myra Sysla 47, 170, 174, 422 ff.
Mythologische Reminiscenzen 42,
250 ff., 274, 277, 279.
Waddodr, Seeräuber 62, 282.
Nahrungsmittel 334 ff
„nämur“ 143 ff.
Nationaltracht 329 ff
Naturforscher, isländ 320.
Nebenmonde 42.
Nebensonnen 42.
„nes“ 46.
Niedere Landthiere 279.
Niederes Thierleben im Meere 260.
NiederschlagsVerhältnisse 31.
Nordatlantik 1, 8 ff, 20 ff.
Nordatlant. Tiefseebecken 11, 12,
22
Nordland (klimatische Beschaffen
heit u. dgl.) 25, 34, 35, 36, 37,
39, 166.
Nord- und Ostamt 429 ff.
Nordmeer, norwegisches oder euro
päisches 9, 13, 14, 22, 24.
Nordpolarmer 8 ff.
Noröur Mula Sysla 190, 196,
198, 435 ff.
— Dingeyjar S^sla 190, 434 ff.
Norwegische Expedition (Mohr) 9.
Norwegisches Nordmeer 9.
Nutzpflanzen 246.
.
Oberflächenwasser des Meeres um
Island 13, 22.
Obsidian 107, 231 ff.
„ölkeldur“ 143.
Orcane 30 ff.
Orographie 79 ff.
„6s“ 168.
Ostgrönländ. Eis 19, 20.
— Strom 17.
458
Sachregister.
Ostktiste Islands 2, 8, 19.
Ostland 29, 55, 166.
Palagonit 228 ff.
Papar 58, 76, 287.
Pest auf Island 339.
Pferd, isländ. 366 ff.
Phanerogainae 251 ff.
Philologen, isländ 320.
Pliocaene Zeit 4.
Pinguin, nordischer (geirfugl) 76,
77, 78, 275.
Palarlicht 41 ff.
Polarmeer 9.
Polarpflanzen 237, 241.
Polar-Strom 17, 18, 25.
Porzellanerde 391.
Postverkehr 352 ff., 408 ff.
Quellen 131, 160, kalte Q. 160.
— heiße (warme) 104, 131, 143 ff.
— kohlensäurehaltige 142, 143.
— schwefelhaltige 142, 143.
Rängarvalla Sysla 131, 207, 211,
213, 419 ff.
Raubthiere 261 ff.
Raubvögel 276.
Reformation, Einführung 307 ff.
Regenhöhe, jährliche 32.
Religionsbekenntnis 351 ff.
Renthiere 262 ff.
Reykjavik, Temperaturverhältnisse,
Winde 28. Beschreibung der
Stadt 411 ff. Gesellschaftl. Leben
415.
Richtung der Flüsse 160.
— der Vulcane 107.
Rinder 364 ff.
Rindviehzucht 364 ff.
„ritöld“ 302.
„röst“ 15.
Salinen 393.
Salz 234 ff.
„Salzfisch“ 377 ff.
Salzgehalt des Meerwassers 13, 21.
Salzgewinnung 392 ff.
Sandhafer 94, 247.
Sandhügel 94.
Sandstrecken 93, 94 ff., 96, 99,
137, 163.
Sauerbrunnen 142, 143, 159.
„saeluhüs“ 406.
Säugethiere 260 ff.
Schafe 359 ff.
Schafzucht 359 ff.
Scheeren 64 ff.
Schiffe, isländische 170.
Schildflechte, isländ. s. isländ. Moos.
Schlamm quellen 149, 151, 153.
Schlammvulcane 149, 151.
Schneehöhe 33.
Schneehuhn, isländ. 275.
Schneehühnerfang 386.
Schreitgletscher s. Laufgletscher.
Schulwesen 318 ff.
Schutzhäuser 406.
Schwanfedern 271, 386.
Schwäne 271 ff
Schwankungen des Luftdruckes 28.
Schwankungen d. Temperatur 26 ff.
„Schwarzer Tod“ 339 ff.
Schwefel 233; vgl. auch Schwefel
quellen.
Schwefelgewinnung 389 ff.
Schwefelquellen 129, 142, 143,
153 ff.
Seehunde 19, 65, 264.
Seehundsfang 387 ff.
Seen, 5, 160, 215 ff.
Seepapagei 270 ff, 385 ff.
Seevögel 65.
Seuchen 307, 308, 310.
Shetlandsinseln 1, 9, 282.
Singvögel 266, 275 ff.
Sitten und Gebräuche 325 ff.
Skagafjardar Sysla 54.
Skaiholt,, bischöfl. Stuhl 301, 431.
„skogur“ 243.
Skaptafells Sysla. 420 ff.
„skrida“ 91 ff, 131.
„skridjöklar“ 97 ff.
„skyr““ 365.
Snsefellsnes S^sla 48, 175, 423 ff.
Snseland, Name für Island 282.
Snorri Sturlüson 304.
„söl“ 248, 336 ff.
Sommertemperatur 26.
Spitzbergisches Eis 19, .20.
Sachregister.
459
Sprache, altisländ. 312.
Treibeisgrenze 18, 20.
— , neuisländ. 313.
Treibholz 18.
Staatsverfassnng, älteste 206 ff.
Tuff 2 ff , 98, 228 ff.
Staubnebel 31.
„Tun“ 355 ff.
Sterblichkeit 341.
Stiftsamtmann 309.
! „Ülfakreppa“ 42.
„Stockfisch“ 278, 377.
Ulfljotr 298 ff.
Stranda S^sla 178, 429.
„Ultima Thule“ 282.
Unst, Insel 282.
Strandseen 167 ff.
Strömungen 15.
Untergang des Freistaates 303 ff.
Unterrichtswesen 317 ff.
„Sturlungaöld“ 304.
Unterseeische Bergrücken 1, 10,
Sturlungen 304.
11, 21.
Stürme 29 ff.
Stykkisholmur, TemperaturVerhält Unterseeisches Hochplateau 1, 10.
Unterseeische Landschaft 10 ff.
nisse 26 ff., Winde 29.
Unterseeische Tiefebenen 11.
Sudur Mula Sysla 196, 435.
Sudur Uingeyiar Sysla 190, 434 ff. Unterströmung, arktische 17.
Unterwerfungsvertrag 305, 306 ff.
Südamt 410 ff.
Südküste Islands 2, 5 ff., 45.
Südland, klimat. Beschaffenheit u. i Vaterlandsliebe 311 ff.
Vegetation 27, 238, 243 ff. (s. auch:
dgl. 27, 34, 36, 37, 39.
Flora Islands).
Sümpfe 93.
Surtarbrandur 235 ff., 392.
Veränderlichkeit der Witterung 34 ff.
Süßwasserfische 278.
Verfassung 309, 348 ff.
Verkehrsverhältnisse 401 ff.
Süßwasserfischerei 382 ff,
Vestfirdir, klimatische Beschaffen
Süßwasservögel 267.
heit u. dgl. 34, 37, 166, 177.
„syra“ 365.
„s}*sla“ 305.
V estmanna-eyjar (Jahrestempera
tur) 26.
„s^slumadr“ 305.
Vestmannaeyja Sysla 421 ff.
Vestur Skaptafells S^sla 203, 207,
Tange, essbare 248.
Tempelgemeinden 297 -ff.
420 ff.
Temperatur des Meerwassers um Viehseuchen 310.
Island 20 ff.
Viehzucht 359 ff.
Tertiäre Flora 255 ff.
Viertel, geographische 299.
Thermische Anomalie 26.
Vögel 259, 266 ff.
Thile“ d. i. Thule s. d.
Vogelbeerbaum 243, 246.
„Thule (ultima)“ 282.
Vogelberge 266 ff., 384 ff.
Tiefe des Meerbodens um Island i Vogelinseln 267.
Volk, das 310 ff.
11 ff.
Tiefebenen 85.
Volkscharakter 311, 314 ff.
Tiefebenen (unterseeische) 10, 11. Volksmenge 341 ff.
Tiefland, 80, 88, 90, 93 ff.
Volkssage 259, 261, 263, 264, 266,
Tiefland, südliches 95 ff.
277, 287.
Tiefland, westliches 96.
Vorgebirge 46, 62 ff.
„Tonnenfisch“ 378.
Vulcane 105 ff.
Vulcanische Ausbrüche 106,107—8,
Torf 5, 236.
Trachyt 228.
131—134.
Trapp 222.
Vulcanische Gesteine 222 ff.
Treibeis 13, 14, 17, 19 ff, 37.
Vulcanische Quellen 142 ff.
460
Sachregister.
Wiesen 242, 356.
„Wälder“ 239, 241, 243 ff.
Wiesenblumen 242.
Walfische 7, 19, 265 ff.
Winde 22, 28, 25, 24 ff, 34, 35.
Walfischfang 386 ff.
Windverhältnisse des Meeres um
Walsagen 266.
Wappenzeichen Islands 272 ff:
Island 22.
Wärme-Anomalie des Nordens 25. Winter 33, 36.
Warmer Driftstrom 17, 18, 19, 24. Winterkälte-Extreme 26.
Warme Meeresströmungen 17, 18, Wintersonnenwende 37.
Wintertemperatur 26.
19, 24, 25.
Wissenschaftl. Anstalten 319 ff.
Warten 406.
Wasserfälle 166 ff, 169, 170, 173, Witterung 34 ff.
181, 185, 1S7, 188, 190, 194, „Wolfsnoth“ 42.
Wolle, isländ. 362 ff.
208, 209, 213, 216, 218.
Wyville Thomson-Rücken 21.
Wasserscheiden 99, 161.
Wasserstürze 94, 104, 163, 202,
Zeitungen 320
203, 207.
Zeolithe 225 ff.
Wasservögel 267 ff.
Wege 401 ff.
Ding 297 ff.
Weichthiere 278 ff.
Dingeyjar Sysla 130, 187, 434 ff.
Weiden 243, 246.
Dingeyjar J)ing 187.
Westamt 422 ff.
„Dingm annaleid “ 353.
Westland 166.
Dingmenn 348.
Wetterscheide 34.
■i
Inhalts-Übersicht.
Lage, Gestalt, Größe, geolog. Bau u. Physiognomie Islands .
Das Meer um Island
. . . . .
Das Klima Islands . . .
Licht- und Lufterscheinungen . .
Gliederung und Küstenentwicklung
Gestade-Inseln Islands
. . .
Orographie
Gletscher
Vulcane .
Lavafelder ................................
Heiße und mineralische Quellen
Flüsse und S e e n ..........................
Gesteine und Mineralien Islands
Die Flora Islands
Die Fauna Islands
Ethnographie . . . .
1. Geschichtl. Überblick .
2. Das Volk. .
Erwerbsquellen .
1. Landwirtschaft . . . .
2. Fischerei, Vogelberge, Jagd
3. Industrie, Handel, Verkehr
T opographie.................................................................
Anhang: Über die Aussprache im Neuisländischen
Geographisches [Register ..........................
Sachregister . .
K. k. Hofbuchdruckerei Karl Procliaska in Tesclicn.
Seite
1
3
23
37
45
64
79
97
.105
.134
. 142
.160
. 222
. 237
. 258
.281
. 281
.310
.354
.354
. 371
. 388
.410
. 437
.440
.454
